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        <title>Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe</title>
        <author>
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            <forname>Joseph</forname>
            <surname>König</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>883823179</idno>
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        *  .  s

I

*  /
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        Die  Untersuchung
landwirtschaftlich  und  gewerblich  wichtiger  Me.
        <pb n="3" />
        Die  Untersuchung

landwirtschaftlich  und  gewerblich

wichtiger  Stoffe.

Praktisches  Handbuch

von
Dr.  J.  König,
Geh.  Reg.-Eat  o.  Prof,  an  der  Kgl.  Universität  und  Vorsteher  der  landwirtschaftlichen
Versuchs-Station  in  Münster  1.  W.

Dritte,  neubearbeitete  Auflage.

Mit  352  Textabbildungen  und  einer  farbigen  Tafel.

BERLIN.
Verlagsbuchhandlung  Paul  Parey.
Verlag  für  Landwirtschaft.  Gartenbau  und  Forstwesen.
SW.,  Hedemannstrasse  10.

'S*.
        <pb n="4" />
        -

Alle  Rechte,  auch  das  der  Übersetzung,  Vorbehalten.
        <pb n="5" />
        Vorrede  zur  dritten  Auflage.

Der  Inhalt  der  dritten  Auflage  hält  sich  innerhalb  der  vorgesteckten
Grenzen,  nämlich  eines  Handbuches  für  die  Untersuchung  der  für  die  einheimische ­
  Landwirtschaft  wichtigen  Steife,  also  einerseits  der  für  sie  besonders ­
  notwendigen  Hilfsstolfe,  andererseits  der  von  ihr  verarbeiteten
Rohstoffe.  In  letzter  Hinsicht  ist  das  Handbuch  um  zwei  kleine  Abschnitte,
nämlich  „Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation“  sowie  „Obsterzeugnisse“, ­
  vermehrt  worden.  Wenn  trotz  dieser  Beschränkung  in  der
Behandlung  des  Stoffes  das  Buch  doch  wieder  eine  wesentliche  Erweiterung
erfahren  hat,  so  hat  das  seinen  Grund  in  der  fleißigen  Bearbeitung  des
Gebietes,  welche  eine  wesentliche  Vervollkommnung  der  Untersuchungs-Verfahren,
  insonderheit  z.  B.  für  die  mikroskopische  Untersuchung  der
Futtermittel  zur  Folge  gehabt  hat  und  eine  eingehende  Berücksichtigung
verdiente.  Dabei  haben  die  bisher  beschlossenen  Vereinbarungen  des
„Verbandes  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche“,
die  der  deutschen  Nahrungsmittelchemiker  und  sonstiger  Verbände,  ferner
auch  die  zolltechuischeu  Vorschriften  für  die  Untersuchung  gewerblich
wichtiger  Stoffe  Aufnahme  finden  müssen,  um  dem  Buche  die  Eigenschaft
eines  praktischen  Handbuches  für  die  Laboratorien  der  Agrikultur-  uud
angewandten  Chemie  zu  wahren.  Wie  früher,  so  bin  ich  auch  jetzt  durch
meine  Mitarbeiter  tatkräftigst  unterstützt  worden.  Der  Privatdozent
Dr.  E.  Haselhoff,  jetzt  Vorsteher  der  landw.  Versuchsstation  in  Marburg,
bearbeitete  die  Abschnitte  Boden,  Gesteine,  Stallmist  uud  künstliche  Düngemittel, ­
  die  Beamten  der  hiesigen  Versuchsstation:  Privatdozent  Dr.  A.  Börner
die  Abschnitte  Milch,  Milcherzeugnisse,  Fette,  Bienenwachs  und  Schmieröle, ­
  der  Bakteriologe  Dr.  A.  Spieckermann  die  Abschnitte  Pilze  der
Futtermittel,  Hefe,  sowie  die  mikroskopische  und  biologische  Untersuchung
von  Trink-  und  Schmutzwasser,  während  Oberassistent  Dr.  E.  Hasen-
        <pb n="6" />
        VI

Vorrede.

bäumer  die  Bearbeitung  des  alphabetischen  Inhaltsverzeichnisses  übernahm.
Ihnen  allen  und  auch  den  Fachgenossen,  die  mir  neue  Beiträge  geliefert
oder  mich  auf  Mängel  und  Fehler  der  früheren  Auflage  aufmerksam  gemacht
haben,  spreche  ich  an  dieser  Stelle  aufrichtigen  Dank  aus.  Trotz  dieser
wesentlichen  Unterstützung  war  es  dem  Verfasser  wegen  sonstiger  vielfachen ­
  Aufgaben  nicht  möglich,  die  schon  lange  vergriffene  2.  Auflage
früher  als  jetzt  durch  die  neue  zu  ersetzen.  Mögen  aber  Inhalt  und  Ausstattung ­
  der  neuen  Auflage  die  Freunde  des  Buches  mit  der  Verzögerung
versöhnen.
Münster  i.  W.,  im  Januar  1906.

Der  Verfasser.
        <pb n="7" />
        Inhalt.

Seite
Boden  1
A.  Untersuchung  der  Mineralböden  I
Vorarbeiten  für  die  Bodenuntersuchung  I
Die  mechanische  Untersuchung  des  Bodens  5
6
6
6
7
8
11

I.  Körnung  mit  dem  Siebe
II.  Schlämmanalyse
1.  Der  Kühnsohe  Schlämmzylinder
2.  Der  Kühn-Wagnersche  Sohlämmzylinder
3.  Der  Schönesche  Schlämmapparat
Die  chemische  Untersuchung  des  Bodens
I.  Bestimmung  der  Boden-Konstituenten  12
1.  Bestimmung  des  hygroskopischen  oder  mechanisch  absorbierten  Wassers  12
2.  Bestimmung  des  chemisch  gebundenen  Wassers  (bezw.  Glühverlustes)  13
3.  Bestimmung  des  Humus
a)  Bestimmung  des  Humus  durch  Elementaranalyse
b)  Bestimmung  des  Humus  durch  Oxydation  mit  Chromsäure  bezw
saurem  chromsaurem  Kalium
4.  Bestimmung  der  kohlensauren  Erden
a)  Bestimmung  der  Kohlensäure
h)  Bestimmung  der  kohlensauren  Erden  durch  Auskochen  mit
Ammoniumnitrat
c)  Desgleichen  mit  Ammoniumchlorid,  Nachträge
5.  Bestimmung  des  Gipses
6.  Bestimmung  der  aufgeschlossenen  Silikatbasen
7.  Bestimmung  des  Tones
a)  Durch  mechanische  Untersuchung
b)  Durch  chemische  Untersuchung
8.  Bestimmung  des  Sandes  (Quarz  Silikate)
a)  Bestimmung  des  Gesamtgehaltes
b)  Petrographische  Bestimmung  der  gröberen  Gemengteile  des  Sandes  21
II.  Die  Bestimmung  der  einzelnen  chemischen  Elemente  bezw.  der  Pllanzennährstoffe
  •
1.  Behandlung  des  Bodens  mit  schwachen  Säuren
a)  Mit  kohlensäurehaltigem  Wasser
b)  Behandlung  des  Bodens  mit  kalter  konzentrierter  Salzsäure  •  ■  •
c)  Behandlung  des  Bodens  mit  heißer  konzentrierter  Salzsäure  •  ■  •
Untersuchung  der  sauren  Lösungen
«)  Bestimmung  der  gelösten  Kieselsäure
ß)  Bestimmung  des  Eisenoxyds,  der  Tonerde  und  Phosphorsäure  •
y)  Bestimmung  des  Mangans
d)  Bestimmung  des  Kalkes
f)  Bestimmung  der  Magnesia  28
5)  Bestimmung  der  Schwefelsäure  und  der  Alkalien  29
2.  Aufsohließung  des  Rückstandes  von  der  Behandlung  mit  heißer  konzentrierter ­
  Salzsäure  durch  konzentrierte  Schwefelsäure  30
a)  Bestimmung  der  aufgeschlossenen  Kieselsäure  31
b)  Bestimmung  der  aufgeschlossenen  Basen

13
13
14
15
15
16
1056
16
16
18
18
19
20
20

21
22
22
23
23
24
24
24
26
27

32
        <pb n="8" />
        YIII

Inhalt.

Seite

3.  Aufsohließung  des  von  der  Behandlung  mit  Schwefelsäure  und  Natriumkarbonat ­
  verbleibenden  Rückstandes  durch  Flußsäure  32
4.  Bestimmung  des  Quarzes  35
III,  Bestimmung  einzelner  Bestandteile  des  Bodens  35
1.  Bestimmung  des  Humus  35
2.  Bestimmung  der  Kohlensäure  36
3.  Bestimmung  der  Gesamtmenge  des  Stickstoffs  37
4.  Bestimmung  des  Ammoniaks  38
5.  Bestimmung  der  Salpetersäure  39
6.  Bestimmung  des  Chlors  bezw.  Kochsalzes  39
7.  Bestimmung  des  Schwefels  39
8.  Bestimmung  des  Eisenoxyduls  41
9.  Bestimmung  von  Kupfer  und  Blei  42
10.  Bestimmung  von  Zink  42
IY.  Bestimmung  der  physikalischen  Eigenschaften  des  Bodens  43
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  des  Bodens  43
2.  Bestimmung  des  absoluten  oder  Volumengewichtes  des  Bodens  •  ■  •  •  44
3.  Bestimmung  des  scheinbaren  spezifischen  Gewichtes  des  Bodens  ■  •  ■  45
4.  Bestimmung  der  Porosität  des  Bodens  45
5.  Bestimmung  der  Absorptionsgröße  des  Bodens  gegen  1 / 10  bezw.  1 /ioo
Normallösungen  der  wichtigeren  Pflanzennährstoffe  46
6.  Bestimmung  des  Absorptions-Koeffizienten  nach  Knop  49
7.  Bestimmung  der  wasserfassenden  Kraft  oder  der  Wasser-Kapazität  des
Bodens  49
8.  Bestimmung  des  Wasser-Aufsaugungsvermögens,  der  Kapillar-Anziehung
des  Bodens  64
9.  Bestimmung  der  Yerdunstungsfähigkeit  des  Bodens  •  •  •  66
10.  Bestimmung  der  Piltrationsfäbigkeit  des  Bodens  57
11.  Bestimmung  der  Absorptionsfähigkeit  des  Bodens  für  Wasserdampf  •  •  58
12.  Bestimmung  der  Absorptionsfähigkeit  des  Bodens  für  Sauerstoff  der
atmosphärischen  Luft  61
13.  Bestimmung  der  Luftdurchlässigkeit  des  Bodens  61
14.  Bestimmung  der  Wärmeabsorption  des  Bodens  62
16.  Bestimmung  des  Wärmeleitungsvermögens  des  Bodens  62
16.  Bestimmung  der  Kohäsion  und  Adhäsion  des  Bodens  63
17.  Bestimmung  der  Benetzungswärme  des  Bodens  nach  Mitscherlich  •  ■  64
18.  Bestimmung  der  Hygroskopizität  der  Bodenarten  nach  demselben  •  •  •  67
Y.  Zusammenstellung  der  Ergebnisse  der  Boden-Untersuchung  70
VI.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens  nach  den  Ergebnissen ­
  der  Untersuchung  71
1.  Das  Verhalten  des  Bodens  gegen  Ammoniak  72
2.  Der  Gehalt  des  Bodens  an  Humus  und  dessen  Beschaffenheit  73
3.  Der  Gehalt  an  kohlensauren  Erden  73
4.  Der  Gehalt  an  Stickstoff,  Phosphorsäure  und  Kali  73
5.  Bestimmung  der  im  absorbierten  Zustande  in  der  Ackererde  vorhandenen
Nährstoffe:  Kali,  Kalk,  Magnesia  76
6.  Die  wasserhaltende  Kraft  (oder  die  Wasserkapazität)  des  Bodens  •  •  •  77
7.  Das  Wasseraufsaugungsvermögen  (die  Kapillaranziehung)  des  Bodens  •  77
8.  Die  Benetzungswärme  bezw.  Hygroskopizität  des  Bodens  77
9.  Bestimmung  der  organischen  Substanz  der  „matiere  noire“  77
10.  Ermittelung  der  aufnehrabaren  Nährstoffe  (der  Fruchtbarkeit)  des  Bodens
aus  dem  Gehalt  der  in  ihm  gewachsenen  Pflanzen  an  Nährstoffen  ■  •  78
11.  Schädliche  Bestandteile  des  Bodens  81
B.  Untersuchung  der  Moorböden  82
I.  Probenahme  83
Anweisung  zur  Entnahme  von  Moorboden-Proben  behufs  chemischer  und
physikalischer  Untersuchung  83
II.  Vorbereitung  zur  Untersuchung  und  physikalische  Untersuchung  85
III.  Chemische  Untersuchung  88
        <pb n="9" />
        Inhalt.

IX

Seite

1.  Trockensubstanzbestimmung
2.  Veraschung
3.  Bestimmung  einzelner  Bestandteile
a)  Stickstoff
b)  Schwefel  und  Phosphor
c)  Pflanzenschädliche  Stoffe
d)  Bestimmung  der  Absorption  wichtiger  Pflanzennährstoffe  durch  den
Moorboden
e)  Bestimmung  der  freien  Humussäuren  im  Moorboden
IV.  Berechnung  der  Untersuchung  und  ihre  Verwertung  zur  Beurteilung  der
Güte  eines  Moorbodens
V.  Untersuchung  der  Materialien  zur  Bedeckung  des  Moorbodens  bei  der  Anlage ­
  von  Deckkulturen  nach  Eimpaus  System  („Dammkultur“)
a)  Qualitativer  Nachweis  der  pflanzenschädliohen  Stoffe
b)  Quantitative  Bestimmung  der  pflanzenschädlichen  Stoffe
Untersuchung  von  Gesteinen  und  derdn  Verwitterungs-Erzeugnissen  •  •  •  ■
1.  Aufsohließung  mit  kohlensaurem  Kalium-Natrium
2.  Aufschließung  mit  Plußsäure
3.  Aufschließung  mit  kohlensaurem  Baryum  oder  Baryumhydroxyd,  Salzsäure  usw.
4.  Aufsohließung  mit  Borsäure
5.  Bestimmung  des  Quarzgehaltes
6.  Bestimmung  der  kohlensauren  Verbindungen
7.  Bestimmung  der  Schwefelverbindungen
8.  Bestimmung  des  Eisenoxyduls
9.  Bestimmung  der  Verwitterbarkeit
Kalksteine,  Mergel  bezw.  Kalkdüngemittel
Strontianit
Tone
1.  Der  Kaolin  oder  die  Porzellanerde
2.  Die  plastischen  Tone
3.  Die  Ziegelerde
Kalk,  Zement
Gebrannter  Kalk
Kalkmörtel
Zement  und  Wasserkalk
1.  Puzzolan-Zemente
2.  Koman-Zemente  ■  ■  •
3.  Portland-Zement
4.  Gemischte  Zemente
Tierische  Entleerungen  und  Stallmist
Tierische  Entleerungen  in  frischem  Zustande
I.  Ham
II.  Kot
Stallmist
A.  Untersuchung  der  wässerigen  Plüssigkeit  •  ,
B.  Untersuchung  des  festen  Anteiles  _
C.  Berechnung  der  Ergebnisse  auf  ursprünglichen  Stallmist
D.  Jauche  •
Einstreu-  und  Frischhaltungsmittel  für  Stallmist
I.  Einstreumittel;  Stroh,  Torfstreu  usw.
A.  Untersuchung  der  Einstreumittel
B.  Beurteilung  der  Einstreumittel
II.  Bindungsmittel  für  Stallmist
Künstliche  Düngemittel
Allgemeine  Untersuchungs-Verfahren
A.  Bestimmung  des  Wassers
B.  Bestimmung  des  Stickstoffs
I.  Gesamt-Stickstoff  nach  Kjeldahl
1.  Pür  salpetersäurefreie  oder  salpetersäurearme  Stoffe
2.  Pür  salpeterhaltige  Stoffe  bezw.  Salpeter

88
88
89
89
89
90
90
90
91
94
96
97
97
98
98
98
99
99
100
100
100
100
101
106
107
108
108
110
112
112
113
113
114
114
116
117
118
118
118
123
124
127
128
129
131
132
132
132
134
134
136
136
136
136
136
.136
141
        <pb n="10" />
        X

Inhalt.

Seite

II.  Ammoniak-Stickstoff  142
III.  Salpeter-Stickstoff  144
1.  Reduktion  der  Salpetersäure  zu  Stickoxyd  nach  Schlösing-Wagner  144
2.  Reduktion  der  Salpetersäure  zu  Ammoniak  146
3.  Bestimmung  der  Salpetersäure  mit  dem  Nitrometer  147
4.  Bestimmung  des  Salpetersäure-Stickstoffs  neben  organischem  Stickstoff  147
C.  Bestimmung  der  Phosphorsäure  148
1.  Freie  Phosphorsäure  148
al  Maßanalytisches  Verfahren  148
b)  Gewichtsanalytisches  Verfahren  149
2.  Wasserlösliche  und  Gesamt-Phosphorsäure  149
a)  Maßanalytisches  Verfahren  149
b)  Gewichtsanalytisohes  Verfahren  150
«)  Molybdänverfahren  160
ß)  Zitratverfahren  152
3.  Zitronensäurelösliche  Phosphorsäure  154
4.  Zitratlösliohe  Phosphorsäure  156
D.  Bestimmung  des  Kalis  157
1.  Bestimmung  des  Kalis  als  Kaliumplatinchlorid,  bezw.  in  Form  des
hieraus  abgeschiedenen  Platins  157
2.  Bestimmung  des  Kalis  als  überchlorsaures  Kalium  159
E.  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde,  Mangan,  Kalk  und  Magnesia  ■  ■  ■  ■  159
1.  Verfahren  von  E.  Glaser  zur  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde
und  Kalk  160
2.  Verfahren  von  R.  Jones  zur  BestimmungvonEisenoxyd,Tonerdeu.Kalk  160
3.  Verfahren  von  H.  Lasne  zur  Bestimmung  der  Tonerde  161
4.  Verfahren  von  Hollemann  zur  Bestimmung  des  Kalkes  161
5.  Bestimmung  des  Mangans  162
F.  Bestimmung  von  Kieselsäure,  Kohlensäure,  Schwefelsäure,  Chlor,  Jod  und  Fluor  162
1.  Bestimmung  der  Kieselsäure  162
2.  Bestimmung  der  Kohlensäure  162
3.  Bestimmung  der  Schwefelsäure  und  des  Schwefels  162
4.  Bestimmung  des  Chlors,  Jods  und  Fluors  162
Besondere  Vorschriften  für  die  Untersuchung  der  einzelnen  Düngemittel  ■  ■  163
Die  Vorbereitung  der  Proben  im  Laboratorium  163
Untersuchung  der  einzelnen  Düngemittel  165
I.  Blutmehl,  Ledermehl,  Wolle,  Wollstaub,  Haare,  Hornmehl,  Fleisohdüngemehl,
  Fischguano  165
1.  Stickstoff  S.  165.  —  2.  Phosphorsäure  S.  165.  —  3.  Asche,  Sand
und  Feuchtigkeit  S.  166.  —  4.  Nachweis  von  Blut  in  Blutdünger,
Blutmelasse  S.  166.
II.  Knochenmehl  167
1.  Stickstoff  S.  167.  —  2.  Asche  und  Sand  S.  167.  —  3.  Phosphorsäure ­
  S.  167.  —  4.  Feuchtigkeit  S.  167.  —  5.  Haut-  und  hornartige
Stoffe  S,  167.  —  6.  Fett  S.  168.  —  7.  Feinheit  S.  168.  —  8.  Was  ist
Knochenmehl?  S.  168.  —  9.  Verfälschungen  des  Knochenmehles  S.  168.
III.  Peruguano  169
a)  Roher  Peruguano  169
1.  Gesamt-Stickstoff  S.  169.  —  2.  Ammoniak-Stickstoff  S.  169.  —  3.  Salpetersäure-Stickstoff ­
  S.  169.  —  4.  Phosphorsäure  S.  169.  —  5.  Kali
S.  170.  —  6.  Oxalsäure  S.  170.  —  7.  Feuchtigkeit  S.  170.  —-  8.  Asche
und  Sand  S.  170.  —  9.  Prüfung  auf  Echtheit  S.  170.
b)  Aufgeschlossener  Peruguano  171
1.  Stickstoff  S.  171.  —  2.  Lösliche  Phosphorsäure  S.  171.  —  3.  Kali
und  sonstige  Bestandteile  S.  171.
IV.  Baker-,  Maiden-,  Mejillones-Guano  172
1.  Stickstoff  S.  172.  —  2.  Phosphorsäure  S.  172.  —  3.  Asche,  Sand
und  Feuchtigkeit  S.  172.
V.  Knochenkohle,  Knochenasche  usw.  172
1.  Phosphorsäure  S.  172.  —  2.  Feuchtigkeit  S.  172.  —  3.  Kohlensäure

und  Ätzkalk  S.  172.  —  4.  Schwefelsäure  und  Chlor  S.  172.
        <pb n="11" />
        Inhalt.

XI

VI.  Thomasphosphatmehl
1.  Gesamt-Phosphorsäure  S.  172.  —  2.  Zitronensäurelösliche  Phosphorsäure ­
  S.  173.  —  3.  Spezifisches  Gewicht  S.  176  —  4.  Peinmehl
S.  176.  —  6.  Nachweis  von  Verfälschungen  des  Thomasphosphatmehles
S.  176.
VII.  Phosphorite,  Apatite,  Koprolithe  usw.
1.  Phosphorsäure  S.  177.  —  2.  Kohlensäure  S.  178,  —  3.  Feuchtigkeit ­
  S.  178.
VIII.  Präzipitierte  Phosphate
1.  Gesamtphosphorsäure  S.  178.  —  2.  Zitratlösliche  Phosphorsäure
S.  178  —  3.  Eisenoxyd,  Tonerde,  Kalk  usw.  S.  178.  —  4.  Arsengehalt
in  für  Fütterungszwecke  bestimmtem  Präzipitat  S.  178.
IX.  Superphosphate
1.  Stickstoff  S.  180.  —  2.  Wasserlösliche  Phosphorsäure  S.  180.  —
3.  Zitratlösliche  Phosphorsäure  S.  181.  —  4.  Gesamtphosphorsäure
S.  182.  —  5.  Fluor  S.  182.  —  6.  Feuchtigkeit  S.  182.
X.  Salpeter
a)  Chilisalpeter  (Natronsalpeter)
1.  Stickstoff  S.  182.  —  2.  Feuchtigkeit  S.  182,  —  3.  Sand  und  organische
Stoffe  S.  182.  —  4.  Schwefelsäure  S.  182.  —  5.  Chlor  S.  183.  —  6.  Kalk
und  Magnesia  S.  183.  —•  7.  Natron  S.  183.  —  8.  Nachweis  und  Bestimmung ­
  von  Perchlorat  im  Salpeter  S.  183.
b)  Kalisalpeter
XI.  Ammoniaksalz  (Schwefelsaures  Ammon)
1.  Stickstoff  S.  185.  —  2.  Feuchtigkeit  S.  186,  —  3.  Prüfung  auf
Rhodanverbindungen  S.  185.
XII.  Superphosphatgips,  Phosphatgips  und  Gips
1.  Freie  Phosphorsäure  S.  186.  —  2.  Wasserlösliche  Phosphorsäure
S.  186.  —  3.  Gesamtphosphorsäure  S.  186.  —  4.  Schwefelsäure,  Kalk
und  Magnesia  S.  186.  —  6.  Sand  und  Unlösliches  S.  186.  —  6.  Feuchtigkeit ­
  S.  186.
XIII.  Kalisalze,  Kochsalz  und  Viehsalz
1.  Feuchtigkeit  S.  186.  —  2.  Alkalien  (Kali  und  Natron)  S.  187.  —
3.  Schwefelsäure  S.  187.  —  4.  Chlor  S.  187.  —  5.  In  Säure  unlöslicher ­
  Rückstand  S.  187.  —  6.  Kalk  und  Magnesia  S.  188.
XIV.  Düngergemische
1.  Stickstoff  S.  188.  —  2.  Phosphorsäure  S.  188.  —  3.  Kali  S.  188.  —
4.  Feuchtigkeit  S.  189.
Berechnung  des  Mindergeldwertes  der  Düngemittel  bei  Mindergehalt  •  ■  •  •
Maßregeln  für  die  Düngerkontrolle
Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen  und  Brennstoffen
I.  Pflanzenasche
1.  Vorbereitung
2.  Veraschen
3.  Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile  der  Asche
a)  In  der  ohne  jeglichen  Zusatz  dargestellten  Asche
b)  Bestimmung  der  Säuren  in  der  unter  Zusätzen  dargestellten  Asche  •
4.  Berechnung  und  Zusammenstellung  der  Ergebnisse  der  Asche
II.  Asche  tierischer  Stoffe
III.  Asche  der  Brennstoffe
Futtermittel
A.  Allgemeine  Untersuchungsverfahren
I.  Vorbereitung  zur  Untersuchung
II.  Bestimmung  des  Wassers  bezw.  der  Trockensubstanz
III.  Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen
1.  Rohprotein
2.  Reinprotein
3.  Albumosen  und  Peptone  '  '  '  '
4.  Trennung  und  Bestimmung  der  nichteiweißartigen  Stickstoff-Verbindungen

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        XII

Inhalt.

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5.  Salpetersäure  218
6.  Verdauliche  Stickstoff-Substanz  bezw.  unverdauliches  Nuklein  219
IV.  Bestimmung  des  Fettes  220
1.  Bestimmung  des  Bohfettes  (bezw.  Ätherauszuges)  220
2.  Bestimmung  der  freien  Fettsäuren  des  Fettes  223
V.  Bestimmung  der  Stickstofffreien  Extraktstoffe  bezw.  der  Kohlenhydrate  •  •  224
1.  Bestimmung  der  Gesamtmenge  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe  224
2.  Bestimmung  einzelner  Bestandteile  des  wässerigen  Auszuges  226
3.  Bestimmung  und  Trennung  der  löslichen  Kohlenhydrate  226
a)  Trennung  der  Dextrine  von  den  Zuckerarten  226
b)  Bestimmung  der  einzelnen  Zuckerarten  227
a)  Auf  chemischem  Wege  227
ß)  Durch  Polarisation  233
c)  Bestimmung  der  Dextrine  232
4.  Bestimmung  der  Stärke  238
5.  Bestimmung  der  verdaulichen  Kohlenhydrate  242
6.  Bestimmung  der  Pentosane  S.  243  und  Nachträge  S.  1056.
VI.  Bestimmung  der  Bohfaser  S.  245  (bezw.  der  Zellulose,  des  Lignins  und  Kutins:
Nachträge  S.  1067).
VII.  Bestimmung  der  Asche  261
VIII.  Bestimmung  des  Sandes  in  den  Futtermitteln  252
IX.  Prüfung  der  Futtermittel  auf  ihre  Neigung  zu  Schimmelbildung  oder  Fäulnis
von  A.  Emmerling  253
B.  Untersuchung  der  Futtermittel  im  besonderen  254
Chemische  Untersuchung  der  Futtermittel  254
I.  Grün-  und  Bauhfutter  254
1.  Probenahme  S.  254.  —  2.  Zerkleinerung  und  Wasserbestimmung
S.  254.  —  3.  Die  Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile  S.  265.
II.  Sauerfutter,  Preßfutter  (Ensilage),  Schnitzel  256
1.  Gesamtstickstoff  S.  267.  —  2.  Freie  Säuren  S.  258.  —  3.  Fett  S.  258.
III.  Schlempe,  Pülpe,  Treber,  Trester  258
1.  Wasser  S.  258.  —  2.  Stickstoff  S.  259.  —  3.  Fett  S.  269.  —  4.  Freie
Säuren  S.  259.  —  5.  Zucker,  Dextrin  S.  269.  —  6.  Bohfaser  S.  260.  —
7.  Asche  S,  260.  —  8.  Alkohol  S.  260.  —  9.  Glyzerin  S.  260.
IV.  Melasse  und  Melassemischfutter  261
1.  Wasser  S.  262.  —  2.  Stickstoff  S.  262.  —  3.  Fett  S.  262.  —  4.  Zucker
S.  263.  —  5.  Bohfaser  S.  263.  —  6.  Asche  S.  263.  —  7.  Nachweis
der  Natur  des  Melasseträgers  S.  263.  —  8.  Nachweis  von  Blut  in  sog.
Blutmelasse  S.  263,  —  9.  Gehalt  an  Melasse  bezw.  Meiasseträger  in
Melassemischfutter  S.  263.  —  10.  Garantien  im  Handel  mit  Melassefutter ­
  S.  265.  —  11.  Wertschätzung  der  Melassefuttermittel  S.  265.
V.  Peptonfutter  266
VI.  Wurzelgewächse:  Kartoffeln  und  Buben  usw.  266
1.  Probenahme  S.  266.  —  2.  Bestimmung  des  Wassers  S.  267.  —  3.  Bestimmung ­
  der  übrigen  Bestandteile  S.  267.  —  4.  Spezifisches  Gewicht ­
  S.  268.
VII.  Ölsamen  268
1.  Bestimmung  des  Fettes  S.  268  und  Nachträge  S.  1068.  —  2.  Bestimmung ­
  der  Eanzigkeit  der  Fette  S.  268.  —  3.  Bestimmung  der  Bohfaser, ­
  der  Stärke  und  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe  S.  268.  —  4.  Bestimmung ­
  des  Senfölgehaltes  in  den  Cruoiferensamen  S.  269.
VIII.  Körner  und  Mehle  der  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte  270
1.  Nachweis  von  Unkrautsamen  S.  271.  —  2.  Nachweis  von  Mutterkorn
5.  272.  —  3.  Bestimmung  des  Klebers  und  der  Backfähigkeit  eines
Mehles  S.  272.  —  4.  Bestimmung  der  wasserbindenden  Kraft  (Teigprohe)
  des  Mehles  S.  278.  —  6.  Verkleisterungsprobe  S.  278.
6.  Diastatische  Probe  S.  278.  —  7.  Bamihlsche  Probe  8.  278.  —
8.  Milbenprobe  S.  278.  —  9.  Nachweis  und  Bestimmung  von  Alaun.
        <pb n="13" />
        Inhalt.

XIII

Seite

Kupfer,  Zink,  Blei  S.  278.  —  10.  Nachweis  des  Ölens  des  Weizens
S.  279.  —  li.  Bestimmung  des  Yolumgewichtes  S.  280.  —  12.  Zolltechnische ­
  Prüfung  des  Mehles  S.  280.  —  13.  Bestimmung  des
Alkaloidgehaltes  der  Lupinen,  bezw.  des  giftigen  Stoffes  darin  S.  281.
IX.  Ölkuchen,  Kleie  und  ähnliche  gewerbliche  Abfälle
X,  Knochenfuttermehl  oder  Futterkalkphosphat  •  •
Mikroskopische  Untersuchung  der  Futtermittel
I.  Die  Getreidearten  und  ähnliche  stärkereiche  Futtermittel
Roggen  S.  290,  —  Weizen,  Nacktweizen  S.  291.  —  Mahl-und  sonstige
Abgänge  von  Roggen  und  Weizen  S.  295.  —  Spelz  weizen  S.  299.  —
Gerste  S.  304.  —  Hafer  S.  309.  —  Reis  S.  311.  —  Mais  S.  314.  —
Hirse  S.  317.  —  Buchweizen  S.  322.
II.  Hülsenfrüchte
Erbsen  S.  325.  —  Sau-  und  Feldbohne  S.  326.  —  Linse  S.  327.  —
Lupine  S.  328.  —  Sandwicke  S.  330.  —  Sojabohne  S.  330.
III,  Rückstände  der  Ölbereitung
Leinsamen  S.  332.  —  Raps-  und  Rübsen  S.  335.  —  Winterraps  S.  338.
—  Sommerrübsen  S.  339.  —  Kohlsaat  S,  339.  —  Erdnuß  S.  339.  —
Baumwollesameu  S.  344.  •—  Sesamsamen  S.  348.  —  Palmkerne  S.  350.
—  Kokosnuß  S.  352.  •—  Mohnsamen  S.  353.  —  Sonnenblumenkerne
S.  355.  —  Hanfsamen  S.  357.  —  Candlenuß  S.  359.  —  Nigersamen
S.  359.  —  Ölmadie  S.  361.  —  Leindottersamen  S.  362.  —  Buohnuß
S.  363.  —  Walnuß  S.  364.  —  Anis  S.  365.  —  Fenchel  S.  366.  —
Kümmel  S.  367,  —  Olivenkeme  S.  367.  —  Rizinussamen  S.  368.
IV.  Künstlich  getrocknete  Futtermittel
Getrocknete  Treber  S.  370.  •—  Getrocknete  Schlempen  S.  371.  —  Getrocknete ­
  Kartoffeln  S.  372.  —  Getrocknete  Rüben  und  -Schnitzel  S.  374.
V,  Fleischfuttermehl,  Fisohfuttermehl,  Kadavermehl
VI.  Unkrautsamen  und  Verfälschnngsmittel
Unkrautsamen  von  Gräserarten
Lolch  und  Trespe  S.  379.  —  Flughafer,  Quecke,  Borstengras,  Hühnerfennich
  S.  380.
Unkrautsamen  von  Cruciferen  und  anderen  Pflanzen
Ostindische  Rapssaat  S.  382.  •—  Europäischer  Raps  S.  383.  —■  Russischer
Sareptasenf  S.  383.  —  Raute  und  Schotendotterhederich  S.  384.  —  Hederiohsamen
  S.  384.  —  Ackersenf  385.  —  Schwarzer  und  weißer  Senf
S.  386.  —  Hirtentäschohen  S.  387,  —  Feld-Pfennigkraut  S.  388.  —
Kresse  S.  389.,—  Kornrade  S.  389.  —  Vogelmiere  S.  390.  —  Wegerich ­
  S.  391.  —  Gemeiner  Sauerampfer  S.  391.  —  Ampferblätteriger
Knöterich  S.  392.  —  Wachtelweizen  S.  392.  —  Windenknöterich  S.  393.
—  Gänsefuß  S.  394.  —  Ackerspörgel  S.  394.  —  Steinnuß  S.  395.  —-Sägemehl
  S.  395.  —  Moostorf  S.  397.  —  Kaffeesamenschale  S.  397.
Die  Pilze  der  Futtermittel
1.  Pilze,  die  von  Getreidearten  und  Futtergräsern  stammen
Brandpilze  S.  398.  —  Rostpilze  S,  400.  —  Meltaüpilz  S.  401.  •—  Mutterkornpilz ­
  S.  401.  —  Schwärzepilze  S.  402.  —  Getreideblattpilze  S.  404.
—  Der  in  den  Samen  der  Lolium-Arten  enthaltene  Pilz  S.  405.
2.  Pilze  an  den  Rühen
Blattpilze  S.  406.  —-  Pilze  der  Eübenwurzel  S.  406.
3.  Pilze  an  den  Kartoffeln
Kartoffelpilz  S.  407.  —  Erreger  der  Kartoffelfäule  S.  407.  —  Schorf
der  Kartoffeln  S.  410.  —  Eisenfleokigkeit  der  Kartoffeln  S.  410.
4.  Pilze  an  den  Leguminosen
Rostpilze  S.  410.  —  Meltaupilze  S.  411.  —  Blattfleckenpilze  des  Klees
S.  411.  —  Fleckenkrankheit  der  Bohne  und  Erbse  S.  411.
5.  Pilze  an  den  Cruciferen  ■
Plasmodiophora  Brassicae  (Kohlhemie)  S.  412.  —  Peronospora  parasitica
  S.  413.  —  Sporidesmium  exitiosum  S.  413.
Die  Beurteilung  von  Futtermitteln,  die  von  parasitären  Pilzen  befallen  sind
6.  Die  in  Futtermitteln  vorkommenden  saprophytischen  Pilze
Eumyceten  S.  414.  —  Sohizomyceten  S.  418.

282
283
284
288

324

331

369

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382  ,

398
398

405
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413
414
        <pb n="14" />
        xiy

Inhalt.

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Nachweis  der  saprophytischen  Pilze  419
Beurteilung  der  saprophytischen  Pilze  in  Futtermitteln  420
Einige  tierische  Schmarotzer  in  den  Futtermitteln  421
Nematoden  S.  421.  —  Milhenarten  S.  422.  —  Kornwurm  S.  422.  —
Mehlkäfer  S.  428.  —  Erbsen-  und  Bohnenkäfer  S.  423.
Allgemeine  Grundsätze  für  den  Handel  mit  käuflichen  Futtermitteln  ■  ■  •  424
Geldwertsberechnung  der  Futtermittel  und  Minderwertsberechnung  bei
Mindergehalt  427
Sämereien  430
Vorschriften  für  die  technische  Untersuchung  der  Sämereien  430
1.  Einzufordernde  Samenmenge  S.  430.  —  2.  Probeziehung  S.  430.  —
3.  Engere  Mittelprobe  S.  431.  —  4.  Echtheit  S.  431.  —  5.  Reinheit
S.  431.  —  6.  Absolutes  Gewicht  S.  432.  —  7.  Volumgewicht  S.  432.
—  8.  Mehligkeit  S.  432.  —  9.  Keimkraft  S.  432.  —  10.  Wertbestimmung ­
  von  Grassamen  S.  434.  —■  11.  Wertbestimmung  von  Beta
S.  434.  —  12.  Latitüde  S.  435.  —  13.  Rechtsgültige  Aufstellung  des
Untersuchungsberichtes  S.  435.  —  14.  Schiedsprüfungen  S.  435.
Art  der  Ausführung  der  Vorschriften  für  die  Untersuchung  435
1.  Entnahme  der  Mittelprobe  S.  436.  —  2.  Herstellung  einer  engeren
Mittelprobe  S.  437.  —  3.  Bestimmung  der  Echtheit  des  Samens  S.  437.
—  4.  Ermittelung  der  Reinheit  S.  438.  —  5.  Ermittelung  der  Keimfähigkeit ­
  S.  438.  —  6.  Sonstige  Bestimmungen  S.  443.  —  7.  Gehaltsspielraum ­
  S.  445.
Milch-  und  Molkerei-Erzeugnisse  446
I.  Vollmilch  446
Vorbemerkungen  446
Untersuchungsverfahren  448
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  448
2.  Bestimmung  des  Fettes  451
a)  Gewichtsanalytische  Verfahren  (nach  Adams  mit  Sand-Gips,  nach
Th.  Dietrich,  Röse-Gottlieb  u.  a.)  452
b)  Das  aräometrische  Fettbestimmungsverfahren  von  Fr.  Soxhlet  •  •  •  465
c)  Die  Zentrifugalverfahren  459
d)  Die  refraktometrische  Fettbestimmung  nach  Wollny  463
e)  Verfahren  zur  annähernden  Bestimmung  des  Fettes  466
3.  Bestimmung  der  Trockensubstanz  bezw.  des  Wassers  469
4.  Bestimmung  des  Stickstoffs  und  der  Stickstoffverbindungen  470
5.  Bestimmung  des  Milchzuckers  470
6.  Bestimmung  der  Mineralstoffe  471
7.  Bestimmung  des  Säuregehaltes  472
8.  Bestimmung  der  Haltbarkeit  473
9.  Bestimmung  des  Sohmutzgehaltes  476
10.  Bakteriologische  Untersuchung  476
11.  Unterscheidung  von  erhitzter  und  nicht  erhitzter  Milch  476
12.  Nachweis  von  Frischhaltungsmitteln  478
13.  Nachweis  fremder  Farbstoffe  484
14.  Nachweis  von  Salpetersäure  in  der  Milch  485
15.  Untersuchung  des  Milchserums  486
16.  Beziehungen  zwischen  spezifischem  Gewicht,  Trockensubstanz  und  Fett  488
17.  Berechnung  des  spezifischen  Gewichtes  der  Trockensubstanz,  des  Gehaltes
an  fettfreier  Trockensubstanz  489
Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Milch  490
1.  Nachweis  von  Milchfälsohungen  490
2.  Stallprobe  491
3.  Berechnung  der  zugesetzten  Wassermenge  und  der  entzogenen  Fettmenge  492
4.  Marktkontrolle  494
6.  Allgemeine  Maßregeln  für  den  Milohhandel  494
II.  Rahm,  Magermilch,  Buttermilch,  Molken  497
Untersuchungsverfahren  498
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        Inhalt.

XV

III.  Milchdauerwaren  ■
1.  Pasteurisierte,  sterilisierte  und  homogenisierte  Milch
2.  Eingedickte  Milch,  Milchtafeln  und  -pulver
Untersuchung  S.  500.  —  Beurteilung  S.  503.
IY.  Käse
Käsefehler
Verfälschungen  und  Verunreinigungen  des  Käses
Die  chemische  Untersuchung  des  Käses
Probenahme  und  Vorbereitung  der  Käseprohen  S.  506.  —  Gesichtspunkte ­
  für  die  chemische  Untersuchung  S.  606.  —  1.  Bestimmung  des
Wassers  S.  606.  —  2.  Bestimmung  des  Fettes  S.  607.  —  3.  Bestimmung ­
  des  Stickstoffs  und  der  löslichen  Stickstoff-Verbindungen
S.  508.  —  4.  Bestimmung  des  Milchzuckers  S.  509.  —  5.  Bestimmung
der  freien  Säure  (Milchsäure)  S.  609.  —  6.  Bestimmung  der  Mineralstoffe ­
  S.  509.  —  7.  Untersuchung  des  Käsefettes  auf  Reinheit  S.  609.  —
8.  Nachweis  von  sonstigen  Beimengungen  S.  511.  —  9.  Bakteriologisch-mikroskopische ­
  Untersuchung  (Nachweis  von  Käsefehlern)
S.  512.
Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  des  Käses
V.  Labpräparate
Speisefette  und  -öle
Allgemeine  Verfahren  der  Fettuntersuchung
A.  Physikalische  Untersuchungsverfahren
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes
2.  Bestimmung  des  Schmelz-  und  Erstarrungspunktes
3.  Bestimmung  des  Brechungsindex  (Refraktometergrades)
4.  Bestimmung  der  Polarisation
B.  Chemische  Untersuchungsverfahren
1.  Bestimmung  der  freien  Fettsäuren  und  des  Neutralfettes
2.  Bestimmung  der  Verseifungszahl  (Köttstorfersehen  Zahl)
3.  Bestimmung  der  Reichert-Meißlschen  Zahl
4.  Bestimmung  der  wasserunlöslichen  und  -löslichen  Fettsäuren,  sowie  ihrer
mittleren  Molekulargewichte;  Trennung  der  flüssigen  und  festen  Fettsäuren
5.  Bestimmung  der  Jodzahl
..  6.  Phytosterin-  und  Phytosterinacetat-Prohe  nach  A.  Börner
Ubersichtstahelle  analytischer  Konstanten  von  Fetten  und  Ölen  542-Untersuchung
  und  Beurteilung  der  verschiedenen  Speisefette  und  -öle  •  ■  •
I.  Butter  und  Butterschmalz  (Begriff,  Verfälschungen)
Probenahme
A.  Untersuchung  der  natürlichen  —  nicht  ausgelassenen  —  Butter  ■  ■  •  •
1.  Bestimmung  des  Wassers  S.  548.  —  2.  Bestimmung  des  wasserfreien
Nichtfettes  S.  548.  —•  3.  Bestimmung  des  Fettes  S.  549.  —  4.  Nachweis ­
  von  Getreidemehl,  Kartoffelbrei  usw.  S.  550.  —  5.  Nachweis  von
Frischhaltungsmitteln  S.  550.  —  6.  Untersuchung  auf  Verdorbenheit
S.  554.  —  7.  Erkennung  von  wiederaufgefrischter  Butter  S.  655.
B.  Untersuchung  des  Butterfettes
1.  Untersuchung  auf  fremde  Fette  S.  666.  —  2.  Untersuchung  auf
fremde  Farbstoffe  S.  562.
C.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  von  Butter  und  Butterschmalz  •  ■  •
II.  Margarine
1.  Herstellung  und  Zusammensetzung  S.  569.  —  2.  Gesetzliche  Vorschriften ­
  und  Verfälschungen  S.  570.  —  3.  Untersuchungsverfahren
S.  572.  —  4.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Margarine  S.  572.
III.  Schweinefett
1.  Herstellung  und  Zusammensetzung  S.  573.  —  2.  Verfälschungen
des  Schweinefettes  und  gesetzliche  Bestimmungen  S.  674.  —  3.  Untersuohungsverfahren
  S.  674.  —  4.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung
von  Schweinefett  S,  677.
IV.  Rindsfett  und  Hammelfett
V.  Gänsefett

Seite
499
499
500

603
504
606
606

512
513
616
517
617
517
518
520
525
626
526
526
627
528
531
534
-545
546
646
547
548

556

566
569

573

579
581
        <pb n="16" />
        XVI

Inhalt.

Seite

VI.  Pflanzliche  Speisefette  und  -öle  581
1.  Olivenöl  582
Bestandteile,  Gewinnung  und  Verfälschungen  682
Untersuchungsverfahren  und  Beurteilung  582
2.  Erdnußöl  (Araohisöl)  583
3.  Sesamöl  585
4.  Baumwollsamenöl  (Kottonöl)  586
5.  Rüböl  (Rapsöl,  Kolzaöi)  587
6.  Sonstige  Pflanzenöle  587
7.  Kokosfett  (Kokosnußhutter)  588
Bienenhonig  (Begriff  und  Zusammensetzung)  589
1.  Wasser  S.  590.  —  2.  Spezifisches  Gewicht  S.  590.  ■—  3.  Polarisation
S.  691.  —  4.  Invertzucker  und  Saccharose  S.  591.  —  5.  Glukose  und
Eruktose  S.  591.  —  6.  Honigdextrine  S.  591.  —  7.  Stickstoff
S.  592.  —  8.  Säure  S.  692.  —  9.  Pollen  und  Wachs  S.  692.  —  10.  Asche
S.  592.  —  11.  Nachweis  von  Verfälschungen,  insbesondere  von  Stärkesirup ­
  und  -zuoker  S.  593.
Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  696
Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikatiou  697
I.  Wasser  597
II.  Zuckerrübe  597
1.  Bestimmung  des  Zuckers  in  der  Rübe  697
a)  Alkoholverfahren  S.  698.  —  b)  Wasserverfahren  S.  601.
2.  Untersuchung  des  Saftes  ■  •  602
3.  Bestimmung  des  Wassers  604
4.  Bestimmung  des  Mark-  bezw.  Saftgehaltes  604
III.  Dünnsaft.  Dicksaft,  Sirupe,  Melassen,  Füllmassen,  Rohzucker,  Absüßwasser
und  Abfalllauge  605
1.  Bestimmung  des  Zuckers  S.  606.  —  2.  Bestimmung  der  Saccharose
neben  Invertzucker  usw.  S.  606.  —  3.  Bestimmung  der  Raffinose
S.  608.  —  4.  Bestimmung  des  Wassers  S.  610.  —  5.  Bestimmung  der
Asche  S.  610.  —  6.  Bestimmung  der  Farbe  S.  610.  —  7.  Bestimmung
der  Reinheit  bezw.  des  Rendements  oder  der  Ausbeute  S.  613.
IV.  Melassekalk.  Kalksaccharat  und  Strontiansaccharat  613
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  S.  613.  —  2.  Bestimmung
des  Zuckers  S.  613.  —  3.  Bestimmung  des  Kalkes  und  Strontians
S.  614.  —  4.  Bestimmung  der  Reinheit  S.  614.
V.  Scheidesohlamm,  Preßschlamm  614
VI.  Ausgelaugte  Schnitzel,  Preßlinge  usw.  615
VII.  Schlempekohle  und  Abfalllauge  (als  Düngemittel  usw.)  616
a)  Schlempekohle  S.  616.  —  b)  Abfalllauge  S.  617.
VIII.  Hilfsstoffe  617
a)  Knochenkohle  617
1.  Wasser  S.  617.  —  2.  Schwefelsäure  und  Schwefel  S.  617.  —
3.  Kohlenstoff,  Sand  und  Ton  S.  617.  —  4.  Entfärbungskraft  S.  618.
—  5.  Kohlensäure  S.  619.  —  6.  Zuckergehalt  in  der  Knochenkohle  S.  619.
b)  Saturationsgas  619
1.  Bestimmung  der  Kohlensäure  S.  619.  —  2.  Prüfung  auf  schweflige
Säure  S.  619.  —  3.  Prüfung  auf  Schwefelwasserstoff  S.  619.
IX.  Rohrzucker  (Rübenzucker)  619
1.  Wasser  S.  619.  —  2.  Zucker  S.  619.  —  3.  Invertzucker  S.  620.  —
4.  Raffinose  S.  620.  —  6.  Asche  S.  620.  —  6.  Verunreinigungen  S.  620.
X.  Ausführungs-Bestimmungen  (vom  18.  Juni  1903)  zum  Zuckersteuergesetz
(vom  6.  Januar  19031  621
Anlage  A.  Anleitung  für  die  Steuerstellen  zur  Untersuchung  der  Zuckerabläufe ­
  auf  Invertzuokergehalt  usw.  622
Anlage  B.  Anleitung  für  die  Chemiker  zur  Feststellung  des  Quotienten
der  Zuokerabläufe  und  zur  Ermittelung  des  Raffinosegehaltes  ....  628
Anlage  C.  Anleitung  zur  Bestimmung  der  Polarisation  634
Anlage  D.  Bestimmungen  über  Steuervergütung  und  Steuerbefreiung  ■  637
        <pb n="17" />
        Inhalt.

XYII

Seite
Anlage  E.  Anleitung  zur  Ermittelung  des  Zuckergehaltes  von  zuckerhaltigen ­
  Waren  640
Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation  647
I.  Wasser  647
II.  Stärkemehlhaltige  Rohstoffe  647
1.  Kartoffeln  S.  647.  —  2.  Getreidearten  S.  650.
III.  Chemische  Hilfsstoffe  651
IV.  Stärke  651
1.  Stärkemilch  S.  651.  —  2.  Feuchte  Stärke  S.  661.  —  3.  Trockne
Stärke  S.  652.
V.  Abfälle  der  Stärkefabrikation  655

Stärkezucker  und  Stärkesirup  656
1.  Wasser  S.  655.  —  2.  Glukose  und  Dextrin  S.  656.  —  3.  Bestimmung
der  vergärbaren  Stoffe  S.  657.  —  4.  Asche  S.  659.  —  5.  In  Wasser
unlösliche  Stoffe  S.  669.  —  6.  Viskosität  S.  659.  —  7.  Säure-Gehalt
S.  659.  -—  8.  Grädigkeit  S.  659.
Zuckercouleur  659
Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation  661
A.  Rohstoffe  661
I.  Wasser  •  661
II.  Stärkemehlhaltige  Rohstoffe  661
1.  Kartoffeln  S,  661.  —•  2.  Getreidearten  S.  661.
III.  Zuckerhaltige  Rohstoffe  661
IV.  Malz  und  V.  Hefe  662
VI.  Untersuchung  der  süßen  Maische  662
a)  Qualitative  Prüfung  662
1.  Ermittelung  des  Verlaufes  der  Zuckerbildung  S.  662.  —  2.  Prüfung
auf  unaufgeschlossene  Stärke  S.  663.
h)  Quantitative  Untersuchung  663
1.  Bestimmung  der  unaufgeschlossenen  Stärke  S.  663.  —  2.  Bestimmung
der  Saccharometergrade,  der  Maltose  und  des  Dextrins  S.  663.  —•  3.  Berechnung ­
  des  Reinheitsquotienten  S.  665.  —  4.  Berechnung  des  Trehervolumens,
  der  aufgeschlossenen  und  nicht  aufgeschlossenen  Stärke  S.  666.
VII.  Untersuchung  der  vergorenen  Maische  665
1.  Prüfung  auf  Diastase  S.  666.  —  2.  Bestimmung  der  Maltose  S.  666.
—  3.  Bestimmung  des  Dextrins  S.  666.  —  4.  Saccharometrische  Prüfung;
Bestimmung  des  Vergärungsgrades  S.  666.  —  5.  Bestimmung  der  Säure
5.  667.  —  6.  Bestimmung  des  Alkohols  in  der  vergorenen  Maische  8.  668.
VHI.  Untersuchung  der  Schlempe  669
IX.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  des  Brennereibetriehes  •  671
B.  Spiritus,  Branntweine  und  Liköre  671
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  S.  671.  —  2.  Bestimmung
des  Alkohols  S.  672.  •—  3.  Bestimmung  des  Fuselöles  S.  676.  —  4.  Bestimmung ­
  der  Nebenerzeugnisse  der  Gärung  und  Destillation  in  Branntweinen ­
  S.  682.  —  5.  Denaturierungsmittel  des  Spiritus  S.  682.  —
6.  Nachweis  von  Denaturierungsmitteln  im  Spiritus  und  Branntwein
S.  684.  —  7.  Nachweis  von  Aldehyd  S.  685.  —  8.  Prüfung  auf  Furfurol
S.  687.  —  9.  Bestimmung  der  freien  Säuren  S.  687.  —  10.  Bestimmung
der  Esterarten  S.  690.  —  11.  Bestimmung  der  ätherischen  Öle  S.  691.
-—  12.  Bestimmung  der  wohlriechenden  Essenzen  S.  691.  —  13.  Bestimmung ­
  des  Extraktes  und  der  Mineralstoffe  S.  691.  —  14.  Bestimmung
des  Zuckers  und  Pflauzenextrakts  S.  692.  —  15.  Bestimmung  der  Farbstoffe ­
  S.  692.  —  16.  Nachweis  der  Bitterstoffe  S.  693.  —  17.  Nachweis
von  Metallen  S.  694.  —  18.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Branntweine ­
  S.  694.

C.  Essig  699
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts  S.  699.  —  2.  Bestimmung
des  Extrakts  und  der  Miueralstoffe  S.  699.  •—  3.  Bestimmung  des  Bssigsäuregehalts
  8.  700.  —  4.  Bestimmung  von  Alkohol  S.  701.  —  6.  Prüfung
auf  Aldehyd  S.  701.  —  6.  Prüfung  auf  freie  Mineralsäuren  8.  701.  —

II
        <pb n="18" />
        XVIII

Inhalt.

Seite

7.  Fremde,  freie  organische  Säuren  S.  702,  —  8.  Scharfe  Pflanzenstoffe
5.  703.  —  9.  Nachweis  von  Metallen  S.  703.  —  10.  Nachweis  von
Farbstoffen  S.  703.  —  11.  Nachweis  von  Frisohhaltungsmitteln  S.  703.
—  12.  Unterscheidung  der  einzelnen  Bssigsorten  S.  703.  —  13.  Anhaltspunkte ­
  zur  Beurteilung  des  Essigs  S.  706.
Bier  und  seine  Rohstoffe  706
A.  Rohstoffe  706
I.  Wasser  706
II.  Gerste  707
1.  Farbe  S.  707.  —  2.  Geruch  S.  707.  —  3.  Korngröße  S.  707.  —
4.  Hektoliter-Gewicht  S,  707.  —  5.  Spelzenbeschaffenheit  S.  709.  —
6.  Keimfähigkeit  und  Keimuugsenergie  S.  709.  —  7.  Beschaffenheit  des
Mehlkörpers  (Schnittprohe)  S.  709.  —  8.  Schimmelige  Beschaffenheit
5.  709.  —  9.  Chemische  Zusammensetzung  S.  709.
III.  Malz  710
1.  Probenahme  S.  710.  —  2.  Größe  und  Verpackung  der  Probe  S.  710.
—  3.  Nähere  Angaben  S.  710.  —  4.  Untersuchung  S.  710.  —  A.  Mechanische ­
  Untersuchung  S.  710.  —  B.  Chemische  Untersuchung  S.  711.
IV.  Hopfen  •  714
1.  Wasser  S.  715.  —  2.  Asche  S.  715.  —  3.  Gerbstoff  S.  715.  —  4.  Ätherund
  Petrolätherauszug  S.  716.  —  5.  Alkoholauszug  S.  716.  —  6.  Wasserauszug ­
  S.  717.  —  7.  Mechanisch-botanische  Untersuchung  S,  717,  —
8.  Prüfung  auf  Schwefelung  S.  717.  —  9.  Wertschätzung  des  Hopfens
S.  717.
V.  Würze  718
1.  Bxtraktgehalt  S.  718.  —  2.  Maltose  S.  718.  —  3.  Dextrin  S.  718.
—  4.  Stickstoffsubstanz  S.  718.  —  5.  Säure  S.  718.  —  6.  Asche  S.  719.
—  7.  Farbentiefe  S.  719.
VI.  Hefe  719
1.  Grundzüge  der  Hefenuntersuohung  S.  719.  —  2.  Die  Entnahme  und
Versendung  der  Hefenprohe  S.  721.  —  3.  Ausführung  der  biologischen
Hefenanalyse  S.  722.  —  4.  Biologische  Untersuchung  der  Preßhefe
5.  724.
B.  Bier  728
I.  Ersatzstoffe  und  Verfälschungen  des  Bieres  729
II.  Bierkrankheiten  730
III.  Untersuchung  des  Bieres  731
A.  Probeentnahme  731
B.  Chemische  Untersuchung  des  Bieres  731
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  S.  732.  -—■  2.  Bestimmung
des  Alkohols  und  Extrakts  S.  732.  —  3.  Extraktgehalt  der  Stammwürze ­
  und  Vergärungsgrad  S.  733.  —  4.  Bestimmung  des  Zuckers
(Rohmaltose)  S.  733.  —  5.  Bestimmung  des  Dextrins  S.  733.  —
6.  Bestimmung  des  Stickstoffs  S.  734.  —  7.  Bestimmung  der  Säure
S.  734.  —  8.  Bestimmung  des  Glyzerins  S.  736.  —  9.  Bestimmung
der  Mineralstoffe  S.  736.  —•  10.  Bestimmung  der  Farbentiefe  S.  736.
—  11.  Bestimmung  der  Viskosität  oder  Vollmundigkeit  S.  736.  —
12.  Nachweis  von  Frisohhaltungsmitteln  S.  736.  —  13.  Nachweis  von
Neutralisationsmitteln  S.  738.  —  14,  Nachweis  von  Zuckercouleur  und
organischen  Farbstoffen  S.  738.  —  16.  Nachweis  von  Saccharin  S.  738.  —
16.  Prüfung  auf  Bitterstoffe  und  Alkaloide  S.  739.  —  17.  Mikroskopische
Untersuchung  S.  740.
IV.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  740
Obst-  und  Beerenfrüehte  sowie  deren  Erzeugnisse  742
A.  Weintrauben,  Obst-  und  Beerenfrüchte  742
B.  Obsterzeugnisse  743
I.  Obstkraut,  Rübenkraut  und  Malzkraut  (oder  sog.  Maltose)  743
1.  Wasser  S.  743.  —  2.  Optisches  Verhalten  S.  743.  —  3.  Zuckerarten
S.  743.  —  4.  Säure  S.  744.  —  5.  Stickstoff  S.  744.  —  6.  Mineralstoffe
        <pb n="19" />
        Inhalt.

XIX

Seite

S.  744.  —  7.  Zink  und  Kupfer  S.  745.  —  8.  Schweflige  Säure  S.  745.  —
9.  Salizylsäure  S.  746.  —  10.  Plußsäure  S.  747.  —  11.  Ameisensäure ­
  S.  747.
II.  Pruchtsirupe,  Fruchtgelees
1.  Wasser  S.  748.  —  2.  Extrakt  und  Alkohol  S.  748.  —  3.  Optisches
Verhalten  und  Bestimmung  des  Gehaltes  an  Stärkesirup  S.  748.  _—
4.  Zuckerarten  S.  749.  —  5.  Alkalität  der  Asche  S.  749.  —  6.  Schweflige
Säure  S.  749.  —  7.  Farbstoffe  8.  750.
III.  Marmeladen,  Jams  oder  Muse
1.  Wasser  S.  760.  —  2.  Löslicher  und  unlöslicher  Anteil  S.  760.  —
3.  Optisches  Verhalten  nach  der  Inversion  S.  751.  —  4.  Gesamt-Zucker
5.  751.  —■  6.  Gesamt-Säure  S.  751.  —  6.  Stärkesirup  S.  752.  —
7.  Mineralstoffe  S.  762.  —■  8.  Prischhaltungsmittel  S.  762.  —  9.  Anhaltspunkte ­
  für  die  Beurteilung  der  Obsterzeugnisse  S.  752.
C.  Wein  und  dessen  Hilfsstoffe
I.  Most
1.  Bestimmung  des  Zuckers  S.  753.  —  2.  Bestimmung  der  Säure  S.  754.
Anleitung  für  die  zollamtliche  Untersuchung  von  Verschnitt-Weinen
und  Most
II.  Wein
A.  Amtliche  Anweisung  zur  chemischen  Untersuchung  des  Weines  ■  •  •  •
B.  Ausführung  der  Untersuchungen
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  S.  768.  —  2.  Bestimmung
des  Alkohols  S.  759.  —  3.  Bestimmung  des  Extraktes  S.  760.  —■
4.  Bestimmung  der  Mineralbestandteile  S.  762.  —  6.  Bestimmung  der
Schwefelsäure  in  Eotweinen  S.  762.  —  6.  Bestimmung  der  freien
Säuren  S.  763.  —  7.  Bestimmung  der  flüchtigen  Säuren  S.  763.  •—
8.  Bestimmung  der  niohtflüohtigen  Säuren  S.  764.  —  (Milchsäure,
Apfelsäure,  Bernsteinsäure,  Zitronensäure,  Säurerest  S.  765.)  —  9.  Bestimmung ­
  des  Glyzerins  S.  766.  —  10.  Bestimmung  des  Zuckers  S.  767.
—  11.  Polarisation  S.  769.  —  12.  Nachweis  des  unreinen  Stärkezuckers
5.  770.  —  13.  Nachweis  fremder  Farbstoffe  in  Eotweinen  S.  771.  —
Desgl.  Weißweinen  S.  773.  —  14.  Bestimmung  der  Gesamtweinsteinsäure, ­
  der  freien  Weinsteinsäure,  des  Weinsteins  und  der  an  alkalische
Erden  gebundenen  Weinsteinsäure  S.  773.  —  16.  Bestimmung  der
Schwefelsäure  in  Weißweinen  S.  776.  —  16.  Bestimmung  der  schwefligen
Säure  S.  775.  —•  17.  Bestimmung  des  Saccharins  und  Dulcins  S.  776.
—  18.  Nachweis  der  Salizylsäure  S.  777.  —  19,  Nachweis  von  arabischem
Gummi  und  Dextrin  S.  777.  —  20.  Bestimmung  des  Gerbstoffes  S.  778.
—  21.  Bestimmung  des  Chlors  S.  779.  —  22.  Bestimmung  der  Phosphorsäure ­
  S.  780.  ■—  23.  Nachweis  der  Salpetersäure  S.  780.  —  24.  und
26.  Nachweis  von  Baryum  und  Strontium  S.  781.  •—  26.  Bestimmung
des  Kupfers  S.  781.
0.  Sonstige  Bestimmungen  •  ■  ■  •
D.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  des  Weines
1.  Beurteilung  des  Weines  nach  Maßgabe  des  Weingesetzes  .....
2.  Unerlaubte  bezw.  verbotene  Herstellungsverfahren  für  Traubenweine
3.  Verbotene  Zusätze
4.  Beurteilung  des  Weines  nach  Maßgabe  des  Nahrungsmittelgesetzes  ■
III.  Süßweine
IV.  Obst-  und  Beerenweine  (einschl.  Süß-  und  Schaumweine)
V.  Alkoholfreie  Getränke
VI.  Schaumweine
VII.  Hilfsstoffe  bei  der  Weinerzeugung  •
1.  Hilfsstoffe  für  die  Bekämpfung  von  Eebkrankeiten  S.  793.  —  2.  Hilfsstoffe ­
  bei  der  Gärung  S.  793.
VIII.  Hilfsstoffe  bei  der  Kellerbehandlung
1.  Schönungsmittel  S.  794.  —  2.  Sonstige  Hilfsstoffe  794.
IX.  Abfälle  von  der  Weinbereitung
1.  Weingeläger  S.  795.  —  2.  Wein-  und  Obsttrester  S.  796.
II*

747

760

763
753

755
767
757
758

781
782
782
784
785
787
790
790
791
792
792

794
796
        <pb n="20" />
        Inhalt.

Seite
Trink-  (bezw.  Gebrauchs-)  und  Schmutzwasser  797
A.  Untersuchung  von  Trink-  und  häuslichem  Gebrauchswasser  797
I.  Örtliche  Voruntersuchung  und  Probenahme  797
1.  Untersuchung  der  örtlichen  Verhältnisse  S.  797.  —  2.  Untersuchung ­
  des  Wassers  an  Ort  und  Stelle  S.  799.  —  3.  Chemische
Untersuchungen  an  Ort  und  Stelle  S.  803.  —  4.  Direkter  Nachweis
von  verunreinigenden  Zuflüssen  S.  803.
Gesichtspunkte  für  die  Untersuchung  des  Wassers  804
II.  Ausführung  der  Untersuchungen  806
a)  Physikalische  und  chemische  Untersuchung  805

1.  Schwebestoffe  S,  805.  —  2.  Abdampfrückstand  S.  806.  —  3.  Glühverlust ­
  S.  806.  —  4.  Oxydierbarkeit  (organische  Stoffe)  S.  806.  —
5.  Ammoniak  S.  808.  —  6.  Salpetrige  Säure  S.  810.  —  7.  Salpetersäure ­
  S.  814.  —  8.  Chlor  S,  818,  —  9.  Schwefelsäure  S.  818.  —

10.  Kohlensäure  S.  818.  —  11.  Schwefelwasserstoff  S.  821.  —  12.  Phosphorsäure ­
  S.  821.  —  13.  Kieselsäure  S.  821.  —  14,  Eisen  und  Tonerde ­
  S.  822.  —  15.  Mangan  S.  823.  —  16.  Kalk  und  Magnesia  S.  824.  —
17.  Kali,  Natron  (Natriumkarbonat)  S.  824,  —  18.  Blei,  Kupfer  und
Zink  S.  825.  —  19.  Härte  S.  825.  ■—  20.  Kesselsteinbildner  S.  827.  —
21.  Bestimmung  des  gelösten  Sauerstoffs  S.  828.  —  22.  Nachweis  von
Auswurfstoffen  in  einem  Wasser  S.  830.  —  23.  Nachweis  von  Leuchtgas-Bestandteilen
  im  Wasser  S.  831.
b)  Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung  des  Wassers  832
1.  Bestimmung  der  Zahl  der  Bakterien  S.  834.  —  2.  Bestimmung
der  Bakterienarten  S.  838.  —  3.  Bestimmung  der  auf  Gelatineund
  Agarplatten  wachsenden  höheren  Pilze  S.  839.  —  4.  Mikroskopische ­
  Untersuchung  S.  839.  —  5.  Die  in  Trink-  und  Gebrauchswässern ­
  vorkommenden  Lebewesen  und  unbelebten  Stoffe  und  die
Beurteilung  der  Wässer  nach  ihnen  S.  840.
III.  Anforderungen  an  ein  Trinkwasser  und  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  •  ■  847
A.  In  physikalischer  und  chemischer  Hinsicht  847
B.  In  mikroskopischer  Hinsicht  851
C.  In  bakteriologischer  Hinsicht  861
D.  Gesamtbeurteilung  auf  Grund  des  chemischen  und  bakteriologischen
Befundes  852
Anhang  (Anlage  eines  Brunnens)  852
B.  Untersuchung  von  Schmutzwässern  853
I.  Probenahme  854
1.  Probenahme  eines  Schmutzwassers  selbst  S.  854.  —  2.  Probenahme
des  verunreinigten  Wassers  S.  856.  —  3.  Vorprüfungen  an  Ort  und
Stelle  S.  867.
II.  Chemische  Untersuchung  858
1,  Gesamte  gelöste  organische  und  unorganische  Stoffe  S.  869.  —
2.  Trtibungs-  bezw.  Durchsichtigkeitsgrad  S.  860.  —  3.  Alkalität
S.  864.  —  4.  Freie  Säuren  S.  864.  —  6.  Verbrauch  von  Kaliumpermanganat ­
  bezw.  Oxydierbarkeit  S.  864.  —  6.  Organischer  Kohlenstoff ­

  S.  865.  —  7.  Schwefelwasserstoff  S.  868.  —  8.  Ammoniak
S.  869.  --  9.  Suspendierter  und  gelöster  organischer  Stickstoff  und
Ammoniak  S.  869,  —  10.  Bestimmung  des  organisch  gebundenen
Stickstoffs  (bezw.  des  sogenannten  Albuminoid-Ammoniaks)  8.  869.  —
11.  Salpetersäure  S.  870.  —  12.  Salpetrige  Säure  S.  870.  —  13.  Eiweiß-Verbindungen,
  Zucker,  Stärke  usw,  S.  870.  —  14.  Chloride  S.  870.  —
15.  Freies  Chlor  S.  870,  —  16.  Freie  Salzsäure  und  Schwefelsäure
S.  871.  —  17.  Sonstige  Mineralstoffe  S.  871.  —  18.  Prüfung  auf
Haltbarkeit  bezw.  Gärversuohe  mit  den  Abwässern  S.  872.
III.  Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung  der  Schmutzwässer  873
1.  Probenahme  für  die  mikroskopische  Untersuchung  S.  873.  —
2.  Lebewesen  der  Schmutzwässer  S.  874.  —  3.  Unorganische  Stoffe
der  Abwässer  S.  882,
        <pb n="21" />
        Inhalt.

XXI

Seite
C.  Die  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nachweisung  •  •  882
1.  Schädlichkeit  für  die  Fischzucht  S.  883.  —  2.  Schädlichkeit  für  die
Viehzucht  S.  889.  —  3.  Schädlichkeit  für  gewerbliche  Zwecke  S.  889.  —
4.  Schädlichkeit  für  den  Boden  S.  890.  —  5.  Schädlichkeit  für  die
Pflanzen  S.  891.  —  6.  Schädlichkeit  für  das  Grund-  bezw.  Brunnenwasser ­
  S.  892.
Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub  894
A.  Nachweis  von  Beschädigungen  durch  gasige  und  saure  Bestandteile  des
Rauches  894
I.  Vorprüfung  und  Ortshesiohtigung  895
1.  Richtige  Zeit  der  Besichtigung  und  Probenahme  S.  896.  —
2.  Herrschende  Windverhältnisse  der  Gegend  S.  896.  —  3.  Äußere
sowie  innere  Merkmale  und  Erscheinungen  an  den  Pflanzen  und
Bäumen  S.  896.  —  a)  Äußere  Erscheinungen  S,  897.  —  b)  Innere
Merkmale  S.  898.  —  c)  Innere  Veränderungen  der  Stammorgane  S.  905.
—  4.  Verschiedener  Grad  der  Erkrankung  der  einzelnen  Baumgattungen ­
  und  Eeldfrüchte  S.  906.  —  6.  Grad  der  Erkrankung  je
nach  der  Entfernung  von  der  Eauohquelle  S.  908.
II.  Probenahme  909
III,  Chemische  Untersuchung  der  entnommenen  Pflanzenteile  910
1.  Bei  Beschädigung  durch  Schwefelsäure  und  schweflige  Säure  S.  910.  —-2.
  Bei  Beschädigung  durch  Salzsäure  bezw.  Chlor  S.  914.  —  3.  Untersuchung ­
  auf  Arsen  8.  914.  —  4.  Beschädigung  durch  Stiokstoffsäuren
5,  914.  —  5.  Beschädigung  durch  Ammoniak  S.  915.  —  6.  Beschädigung ­
  durch  Plußsäure  S.  915.  —  7,  Beschädigung  durch  Asphaltdämpfe
  S.  918.  —  8.  Beschädigungen  durch  sonstige  Dämpfe  und  Gase
S.  918.
IV.  Untersuchung  des  Bodens  919
B.  Untersuchung  der  Rauchgase  und  Brennstoffe  920
1.  Untersuchung  der  Rauchgase  S.  920.  —  2.  Bestimmung  des  Schwefels
in  den  Brennstoffen  S.  923.
C.  Nachweis  der  Beschädigung  durch  Staub  •  924
Untersuchung  der  Schafwolle  927
1.  Probenahme  am  Tier  S.  927.  —  2.  Herstellung  einer  Durohsohnittsprobe
  für  die  Untersuchung  S.  927.  —  3.  Feuchtigkeit  S.  927.  —
4.  Wollfett  (in  Äther  löslich)  S.  928.  —-  5.  Wollsohweiß  (in  Wasser
löslich)  S.  928.  —  6.  In  Alkohol  lösliche  und  sohwerlösliche  Seifen
5.  929.  —  7.  Reine  Wollfaser  und  Schmutz  S.  929.
Bienenwachs  931
1.  Bestimmung  des  Abganges;  Prüfung  auf  Wasser,  mineralische  Beimengungen ­
  usw.  S.  932.  —  2,  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes
S,  933.  —  3.  Bestimmung  des  Schmelzpunktes  S.  933.  —  4.  Bestimmung
der  Refraktion  S.  933.  ■—  5.  Bestimmung  der  Jodzahl  S.  934.  —  6.  Bestimmung ­
  der  Säure-,  Ester-  und  Verseifungszahl  S,  934.  —  7.  Bestimmung ­
  der  Buchnersohen  Säurezahl  S.  936.  —  8.  Nachweis  und
Bestimmung  von  Paraffin  und  Ceresin  S.  936.  —  9.  Nachweis  von
Glyzeriden  (Talg  usw.)  S.  937.  —  10.  Nachweis  von  Stearinsäure
S.  938.  —  11.  Nachweis  von  Harz  (Colophonium)  S.  938.  —  12.  Nachweis ­
  von  Pflanzenwaohs  (Karnaubawachs  und  Japanwaohs),  Wollwachs
und  Insektenwachs  S.  938.
Schmiermittel  940
I.  Schmieröle  941
1.  Prüfung  der  Konsistenz  von  Zylinderölen  und  ähnlichen  dickflüssigen
Ölen  bei  gewöhnlicher  Temperatur  S.  941.  —  2.  Bestimmung  des
Flüssigkeitsgrades  (Viskosität)  S.  942.  —  3.  Untersuchung  des  Ver-  '
haltens  der  Schmieröle  in  der  Kälte  S.  943.  —  4.  Bestimmung  des
Flammpunktes,  des  Brennpunktes  und  der  Verdampfungsmenge  S.  945.
—  6.  Bestimmung  des  Säuregehaltes  S.  948.  —  6.  Bestimmung  des
Asphaltgehaltes  S.  948.  —  7.  Bestimmung  des  Gehaltes  an  leichten
Ölen  und  Paraffin  S.  949.  —  8.  Bestimmung  von  Wasser  und  Äsche
S.  950.  —  9.  Analytische  Konstanten  der  Schmieröle  und  ihrer  Ver ­
        <pb n="22" />
        XXII

Inhalt.

Seite

fälschungsmittel  S.  960.  —•  10.  Nachweis  von  Harz  und  Harzöl  im
Mineralöl  S.  950.  —  11.  Nachweis  und  Bestimmung  von  fettem  Öl  in
Mineralöl  und  von  solchem  in  fetten  Ölen  S.  952.  —  12.  Sonstige
Untersuchungen  S.  954.
11.  Konsistente  Schmierfette  954
1.  Bestimmung  der  freien  Säure  S.  955.  —  2.  Bestimmung  des  Gehaltes
an  Seife  S.  955.  —  3.  Bestimmung  des  unverseiften  und  unverseifbaren
  Fettes  S.  955.  —  4.  Bestimmung  des  Wassers  S.  956.  —  5.  Prüfung
auf  freien  Kalk  S.  956.  —  6.  Bestimmung  der  Mineralstoffe  und
anorganischen  Füllmittel  S.  955.
Darstellung  der  lösungen  der  Reagenzien  956
1.  Normal-Schwefelsäure  bezw.  Normal-Salzsäure  S.  956.  —  2.  Normal-Alkali
S.  959.  —  a)  Natronlauge  S.  959.  —  b)  Barytlauge  S.  960.  —•  3.  Lackmustinktur ­
  S.  961.  —  4.  Cochenilletinktur  und  Kongorot  S.  961.  —  5.  Phenolphthalein ­
  S.  961.  —  6.  Eosolsäure  S.  961.  —  7.  Uranlösung  S.  962.  —-  8.  Lösung
von  essigsaurem  Ammon  (oder  essigsaurem  Natrium)  und  Ferrooyankalium
S.  963.  —  9.  Molyhdänlösung  S.  963.  —  10.  Verdünnte  Molybdänlösung  zum
Auswaschen  8.  963.  —  11.  Ammonnitratlösung  zum  Auswaschen  S.  963.  —
12.  Zitronensäure  und  Ammoniumzitratlösung  zum  Fällen  der  Phosphorsäure
S.  963.  —  13.  Zitronensäure  und  Ammoniumzitratlösung  zum  Lösen  von  Phosphorsäure ­
  S.  964.  —  14.  Magnesiamixtur  S.  964.  —  15.  Ammoniakflüssigkeit
(zum  Auswaschen)  S.  965.  —  16.  Bereitung  von  haltbarem  Kupferoxydhydrat
nach  Stutzer  S.  965.  —  17.  Bereitung  der  Verdauuhgsflüssigkeit  nach  Stutzer
S.  966.  —  18.  Darstellung  der  Fehlingschen  Lösung  nach  Soxhlet  S.  966.  —
19.  Sachssesche  Queoksilberlösung  zur  Bestimmung  der  Zuckerarten  S.  966.  —
20.  Knappsche  Quecksilberlösung  zur  Bestimmung  der  Zuokerarten  S.  966.  —
21.  Darstellung  der  Diastase  und  des  Invertins  S.  966.  —  22.  1 / 100  Normal-Kaliumpermanganat-
  und  1 / 100  Normal-Oxalsäurelösung  für  die  Bestimmung  der
organischen  Substanz  in  Wasser  S.  968.  —  23.  Natriumphosphorwolframatlösung
S.  968.  —  24.  Zinkjodidstärkelösung  und  einfache  Stärkelösung  S.  969.  —  26.
Neßlers  Reagens  S.  969.  —  26.  Seifenlösung  zur  Bestimmung  der  Härte  des
Wassers  S.  969.  —  27.  Verdünnte  Schwefelsäure  S.  970.  —  28.  Kalilauge  und
Natronlauge  8.  970.  —  29.  Kalkmilch  und  Kalkwasser  S.  970.  —  30.  Königswasser ­
  S.  970.  —  31.  Natriumkarbonatlösung  S,  970.  —  32.  Natriumphosphatlösung ­
  S.  970.  —  33.  Ammoniumkarbonatlösung  S,  970.  —  34.  Chlorammoniumlösung ­
  S.  970,  —  35.  Ammoniumoxalatlösung  S.  970.  —  36.  Chlorbaryumlösung
S.  970.  —  37.  Bleiessig  S.  970.  —  38.  Sibernitratlösung  S.  971.  —  39.  Platinchloridlösung ­
  S.  971.  —  40.  Ferricyankaliumlösung  S.  971.  —  41.  Ferrooyankaliumlösung
  S.  971.  —  42.  Chlorcalciumlösung  S.  971.  —  43.  Rhodankaliumlösung ­
  S.  971.  —  44.  Eisenchloridlösung  S.  971.  —  46.  Bleiaoetatlösung  S.  971.
—  46.  Natriumacetatlösung  S.  971.  —  47.  Neutrales  zitronensaures  Ammoniak
S.  971.  —  48.  Lösung  von  Diphenylamin  zur  Prüfung  auf  Salpetersäure  S.  971.
—  49,  Lösung  von  Metaphenylendiamin  zur  Prüfung  auf  salpetrige  Säure  S.  971.
—  50.  Indigolösung  zur  Prüfung  auf  Salpetersäure  S.  971.  —  51.  Darstellung
des  Naphtholreagenzes  zur  Prüfung  auf  salpetrige  Säure  S.  971.  —  52.  Milions

Reagens  S.  972.  ■—  53.  Quecksilberjodid-Jodkalium  (Brückes  Reagens)  S.  972.
Bereitung  der  Lösungen  der  Reagenzien  nach  Blochmann  972
1.  Konzentrierte  Säuren  S.  972.  —  2.  Normallösungen  S.  973.  —  3.  Oxydierend
und  reduzierend  wirkende  Reagenzien  S.  974.  •—  4.  Gesättigte  Lösungen  8.  974.
Aufarbeitung  einiger  Rückstände  975
1.  Platinrückstände  S.  976.  —  2.  Silberrüokstände  S.  975.  —  3.  Uranrückstände ­
  S.  976.  —  4.  Molybdänrückstände  S.  977.  —  5.  Jodrückstände  S.  977.
Tabellen:
la.  u.  Ib.  Berechnung  der  Kohlensäure  für  den  Scheiblerschen  Apparat  981
II.  Absorption  des  Stickstoffgases  und  Gewichte  eines  Kubikcentimeters  Stickstoff ­
  nach  Dietrich  982
III.  Umrechnung  des  gewogenen  Kupferoxyds  nach  A.  Fern  au  984
IV.  Bestimmung  der  Glukose  nach  Allihn-Meißl  986
Va.  Bestimmung  des  Invertzuckers  nach  E.  Meißl  ggg
Vb.  Bestimmung  des  Invertzuckers  im  Rübenzucker  nach  A.  Herzfeld  ■  •  989
        <pb n="23" />
        Inhalt.

XXIII

Seite
VI.  Bestimmung  der  Maltose  nach  E.  Wein  991
VII.  Bestimmung  der  Stärke  bezw.  des  Dextrins  nach  B.  Wein  992
VIII.  Bestimmung  der  Laktose  nach  Pr.  Soxhlet  994
IX.  Bestimmung  der  einzelnen  Zuckerarten  mit  Fehlingscher  Lösung  nach
J.  Kjeldahl  _■  •  •  •  995
Xa.  Bestimmung  der  Pentosen  und  Pentosane  aus  dem  Phlorogluzid  nach
Tollens  und  Kröber  1002
X  b.  Bestimmung  der  Methylpentosane  (Rhamnose)  aus  dem  Phlorogluzid  nach
Tollens  und  Eilet  1007
XI,  Korrektionstabelle  der  Laktodensimetergrade;
1.  Für  ganze  (nicht  abgerahmte)  Milch  1008
2.  Für  abgerahmte  Milch  „•  •  •  1008
XII  a.  Fettgehalt  in  Gewichtsprozenten  nach  dem  spezifischen  Gewicht  der  Ätherfettlösung ­
  der  ganzen  Milch  bei  17,5°  nach  Soxhlet  1010
Desgleichen  für  Magermilch  1011
Xllb.  Umrechnung  der  Skalenteile  des  Zeiß  sehen  Milchfettrefraktometers  in  Fettprozente ­
  nach  Naumann  1012
XIIc.  Pettbestimmung  in  der  Milch  mit  Marchands  Laktobutyrometer  nach
B.  Tollens  und  Fr.  Schmidt  1013
XIII.  Reduktion  der  spez.  Gewichte  auf  Saccharometer-Prozente  nach  Balling  1014
XIV.  Vergleichende  Angaben  zwischen  spezifischem  Gewicht,  Graden  Brix  und
Graden  Beaumö  1018
XV.  Ermittelung  des  Extraktgehaltes  klarer  Dekoktions-  und  Infusionswürzen
und  entalkoholter  Bierextraktlösungen  nach  Schulze-Ostermann  •  ■  ■  1025
XVI.  Bestimmung  des  prozent.  Trocken-  und  Stärkemehlgehaltes  der  Kartoffeln
aus  dem  spez.  Gewicht  nach  M.  Maercker,  P.  Behrend  und  A.  Morgen  1030
XVII.  Bestimmung  des  Alkohols  in  Gewichts-  und  Volum-Prozenten  aus  dem
spezifischen  Gewicht  nach  0.  Hehner  (bei  15,5°)  1031
XVIII.  Bestimmung  des  Alkoholgehaltes  aus  dem  spez.  Gewicht  nach  K.  Windisch  1037
XIX.  Bxtraktgehalt  des  Weines  nach  den  Angaben  der  Kaiserlichen  Normal-Eichungs-Kommission,
  berechnet  im  Kaiserlichen  Gesundheitsamt  •  ■  •  •  1039
XX.  Zusammenstellung  der  Angaben  verschiedener  Mostwagen  1045
XXL  Berechnung  des  Gehaltes  der  Düngemittel  an  Phosphorsäure  bei  Anwendung
von  0,5  g  Substanz  nach  B.  Haselhoff  1046
Atomgewichte  der  chemischen  Elemente  1051
Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten  Substanz  1051
Nachträge.  Berichtigungen  und  Ergänzungen  1056
Sachregister  1059
        <pb n="24" />
        Untersuchung  von  Boden

Unter  „Boden“  im  weiteren  Sinne  versteht  man  die  oberste  lockere  Schicht
der  Erdrinde,  soweit  dieselbe  als  Standort  und  Nährquelle  für  Pflanzen  irgend  welcher
Art  zu  dienen  imstande  ist.  Die  in  landwirtschaftlicher  Hinsicht  wichtigen  Bodenarten
lassen  sich  in  zwei  Hauptgruppen,  in  Mineral-  und  Moorböden  scheiden;  erstere
sind  vorwiegend  durch  einen  Gehalt  an  mineralischen  Bestandteilen,  letztere  durch
einen  solchen  an  organischen  Stoffen  ausgezeichnet.
Beide  Arten  Böden  sind  nicht  nur  nach  ihrer  Entstehungsweise,  Beschaffenheit ­
  und  landwirtschaftlichen  Behandlung  sehr  verschieden,  sondern  bedürfen  auch
behufs  Ermittelung  ihrer  Eigenschaften  für  den  Pflanzenanbau  einer  verschiedenen
Untersuchungsweise,  weshalb  sie  hier  getrennt  zu  behandeln  sind.

A.  Untersuchung  der  Mineralböden.
Die  Mineralböden  lassen  sich  ebenfalls  wieder  in  zwei  Hauptgruppen  zerlegen,
nämlich  in  Primitiv-Böden  (Ur-  „oder  ursprüngliche  Böden),  d,  h.  solche,  welche
direkt  aus  dem  anstehenden  Gestein  durch  Verwitterung  hervorgegangen  sind,  und
Derivat-  oder  Schwemm-  (abgeleitete  oder  umgelagerte)  Böden,  welche  durch
Wasser  in  flüssiger  oder  fester  Form  oder  durch  Wind  von  ihrer  ursprünglichen
Bildungsstelle  fortgetragen  worden  sind.
Für  letztere  unterscheidet  man  je  nach  der  Menge  der  vorhandenen  Haupt-Konstituenten
  (Sand,  Ton,  Kalk  und  Humus)  wieder  verschiedene  Klassen:  1.  Tonböden, ­
  2.  Lehmböden,  3.  Kalk-  oder  Mergelböden,  4.  Sandböden  (einschl.  Kiesböden),
5.  Schüttböden  (Geröll-,  Schotter-,  Grand-  oder  Grusböden),  6.  Humusböden.
M.  Fesoa 1 )  gibt  für  die  ersten  5  Boden-Typen  der  Schwemmböden  folgende
Unterscheidungsmerkmale:
Schwemmböden.
I  Tonböden  ■  /  zä ^ e  0( ^ er  ma S er  (sandig),  kalkhaltig  und  mergelig  (Tonmergel)  oder
|  kalkfrei,  humusreich  oder  humusarm.

l )  M.  Fesoa:  Die  agronomische  Bodenuntersuchung  usw.  Berlin  1879.  S.  90.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  ^
        <pb n="25" />
        2

Untersuchung  von  Boden.

II.  Lehmböden;

III.  Kalkböden:

IV.  Sandböden
(einschl.  Kiesböden):


V.  Schüttböden;

(  ungleich-körnig  oder  gleich-  (und  fein-)  körnig,
I  gemeiner  Lehm,  Löß,  kalkreich  und  mergelig
|  (Lehm-  bezw.  Lößmergel)  oder  kalkfrei,  humus-I
  reich  (z.  B.  Hasselboden)  oder  humusarm.
I  eigentliche  Kalkböden  oder  Mergelböden  (Kalkig ­
  mergel,  tonhaltig).
i  Kieaböden,  grober  oder  mittelkörniger  oder  feiner
J  Sand  (gleichkörnige  Art;  Perlsand),  nährstoffreich
1  oder  nährstoffarm,  kalkhaltig  oder  kalkfrei,  humus-[
  frei  oder  humusarm.
/  Geröllböden,  eigentliche  Geröllböden  oder  lehmige
"(  Geröllböden  (z.  B.  heroynischer  Schotter).

.M  53
rl  Ti
3  °

m

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Bei  jedem  landwirtschaftlichen  Kulturboden  unterscheidet  man  zwischen
Oberkrurae  (oder  Ackerkrume  oder  weniger  richtig  „Obergrund“)  und  Untergrund. ­
  Unter  ersterer  versteht  man  die  oberste  Bodenschicht,  in  welcher  vorwiegend ­
  die  Pflanzenwurzeln  sich  entwickeln,  und  welche,  vom  Pfluge  umgebrochen,
durch  einen,  sei  es  von  verwesenden  Pflanzenresten  oder  von  tierischem  Dünger
herrührenden  Humusgehalt  ausgezeichnet  ist,  unter  Untergrund  dagegen  die  unter
dieser  liegenden  Bodenschichten,  welche  sich  meistens  durch  eine  hellere  Farbe  von
der  Oberkrume  unterscheiden.
Die  Bodenuntersuchung  verfolgt  drei  Hauptaufgaben:
1.  Ermittelung  der  Bodenkonsfrftuenten  (Sand,  Ton,  Humus,  Kalk  usw.)
durch  die  mechanische  und  durch  die  chemische  Bodenuntersuchung;
2.  Ermittelung  des  Gehaltes  an  Pflanzennährstoff  en  durch  die  chemische
Untersuchung;
3.  Ermittelung  der  physikalischen  Eigenschaften  durch  Bestimmung  der
Absorptions-Koeffizienten,  der  wasserhaltenden  Kraft,  des  Wärmeleitungsvermögens ­
  usw.  usw.
Zu  diesen  Untersuchungsverfahren,  welche  mehr  oder  weniger  nur  rein  landwirtschaftliche ­
  Nutzungszwecke  verfolgen,  gesellt  sich  noch  die  geognostische
Untersuchung  des  Bodens,  welcher  die  Ermittelung  der  petrographischen  Zusammensetzung, ­
  der  Beziehungen  des  Bodens  zum  Muttergestein,  des  Ganges  der  Verwitterung ­
  usw.  zufällt.
Seit  einiger  Zeit  wird  angestrebt,  die  so  gewonnenen  Ergebnisse  kartographisch
darzustellen.
Die  vorliegende  Anleitung  muß  sich  indes  darauf  beschränken,  die  ersten
Untersuchungsverfahren  kurz  zu  beschreiben;  bezüglich  der  kartographischen  Darstellung ­
  der  Bodenuntersuchung  sei  verwiesen  auf:
H.  Orth,  Rüdersdorf  und  Umgegend,  auf  geognotisoher  Grundlage  agronomisch
bearbeitet.  Berlin  1877,
G.  Berendt,  Die  Umgegend  von  Berlin,  in  mehreren  Heften.  Berlin.
M.  Fes  ca,  Die  agronom.  Bodenuntersuchung  und  Kartierung  auf  naturwissenschaftlicher ­
  Grundlage.  Berlin  1880.
M.  Fesca,  Beiträge  zur  agronom.  Bodenuntersuchung  und  Kartierung.  Berlin  1882.
J.  Hazard,  Die  geologisch-agronomische  Kartierung  als  Grundlage  einer  allgemeinen
Bonitierung  des  Bodens.  Landw.  Jahrbücher  1900,  29,  805.
        <pb n="26" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

3

Um  indes  eine  kurze  Erläuterung  solcher  Darstellungen  zu  geben,  mögen  hier
nach  der  Schrift  von  EL  Orth  3  typische  Bodenprofile  (Fig.  1)  wiedergegeben  werden:

Lehmiger  Sand.
Lehm  (sandiger).
Mergel  (sandiger).

Sand  (Diluvial).

Fig.  1.  Typische  Bodenprofile.
Auf  einer  gleichzeitig  beigefügten  farbigen  Flächenkarte  der  betreffenden
Gegend  sind  dann  die  Buchstaben  für  die  einzelnen  Bodenschichten,  z.  B.
s  =  Sand  1s  =  lehmiger  Sand  m  =  Mergel
1  =  Lehm  sl  =  sandiger  Lehm  usw.
eingetragen,  ferner  Zahlen,  welche  die  Mächtigkeit  der  einzelnen  Schichten  in
Dezimetern  angeben.
Auf  diese  Weise  erhält  man  ein  äußerst  klares  und  übersichtliches  Bild,
nicht  nur  von  der  geognostischen  Eigenart  der  Oberflächenschichten,  sondern  auch  von
der  der  Untergrundschichten,  welche  letztere  für  die  Beurteilung  eines  Bodens  zu
landwirtschaftlichen  Nutzungszwecken  vielfach  von  nicht  minder  großer  Bedeutung
sind,  als  die  Oberflächenschichten.

1

Lehmiger  Sand.

r

Lehm  (Diluvial).

UM  |

m

J  Verwittert.

■—

Muschelkalk.

.

*  ^

W.  0.  Streichen  der  Schichten.
12—20°  N.  Fallen  der  Schichten.

Fig.  2.  Profil  des  oberen  Diluvialmergels.
a)  Humoser  lehmiger  Sand:  Ackerkrume  J  Oberkrume.
b)  Lehmiger  Sand:  Urkrume  »
c)  Lehm  und  d)  Mergel  als  Untergrund.
G.  Berendt  stellt  wie  sonst  die  „Oberkrume“  als  Verwitterungsrinde  einer
geognostisch  bezw.  petrographisch  unterscheidbaren  Schicht  dem  „Untergrund“  gegenüber, ­
  als  welchen  er  den  unter  dem  Einfluß  der  Verwitterung  entweder  gar  nicht
oder  weit  weniger  veränderten  nächsten  Teil  dieser  Gesteinsschicht  bezeichnet;  er
zerlegt  die  „Oberkrume“  aber  noch  wieder  in  2  Schichten,  nämlich  in  „Ackerkrume“,
welche  durch  künstliche  Mengung  und  Lockerung  von  Menschenhand  wesentlich
verändert  ist,  und  in  „Ackerboden“  oder  „Urkrume“,  welche  den  unbearbeiteten
1*
        <pb n="27" />
        4

Untersuchung  von  Boden.

Teil  der  „Oberkrume“  darstellt.  Vorstehendes  Profil  (Fig.  2)  von  dem  nördlich  und
südlich  von  Berlin  vielfach  als  bodenbildend  auftretenden  Geschiebemergel  mag  diese
Unterscheidung  Berendts  veranschaulichen.
M.  Fes  ca  hat  aber  (1.  c.)  die  Unterscheidung  Berendts,  als  der  in  der
Praxis  gebräuchlichen  Bezeichnungsweise  nicht  entsprechend,  bekämpft.  Im  nachstehenden ­
  sind  daher,  wie  es  allgemein  üblich  ist,  „Oberkrume“  und  „Ackerkrume“
als  gleichwertig  betrachtet.
Im  allgemeinen  ist  die  Bodenuntersuchung  von  der  Agrikulturchemie  gegenüber ­
  anderen  Gebieten  in  den  letzten  Jahrzehnten  vernachlässigt  worden;  erst  in
neuerer  Zeit  hat  man  sich  derselben  wieder  mehr  zugewendet.  Infolgedessen  gewährt ­
  die  Bodenuntersuchung  dem  Landwirt  zur  Zeit  durchweg  noch  nicht  den  Nutzen,
den  er  von  ihr  erwartet.  Besonders  kann  die  häufig  gestellte  Frage,  in  welcher
Weise  und  wie  stark  ein  Boden  gedüngt  werden  muß,  um  die  größtmöglichen
Ernten  zu  liefern,  durch  die  Bodenuntersuchung  bis  jetzt  nur  eine  beschränkte  Beantwortung ­
  finden.  Inwieweit  dieses  zur  Zeit  möglich  ist  und  welche  Anhaltspunkte
die  Bodenuntersuchung  für  die  Bonitierung  und  Beurteilung  der  Fruchtbarkeit  des
Bodens  liefert,  wird  am  Schlüsse  dieses  Abschnittes  in  „Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung ­
  der  Güte  eines  Bodens  nach  den  Ergebnissen  der  Untersuchung“  besonders
auseinandergesetzt  werden.  Hier  sei  nur  hervorgehoben,  daß,  wenn  die  Bodenuntersuchung ­
  allgemeinen  Nutzen  gewähren  soll,  unbedingt  erforderlich  ist,  daß  sie  einheitlich ­
  nach  vereinbarten  Verfahren  ausgeführt  wird.  Es  werden  deshalb
bei  den  nachfolgenden  Ausführungen  die  vom  Verbände  landwirtschaftlicher
Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche  vereinbarten  Verfahren  in  erster
Linie  Berücksichtigung  finden.

Vorarbeiten  für  die  Bodenuntersuchung.
1.  Probenahme.  Die  Entnahme  von  Bodenproben  erfolgt  nach  den  von
dem  Verbände  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im  Deutschen
E.eiche  getroffenen  Vereinbarungen  in  folgender  Weise 1 ):
„Die  Aufnahme  der  Bodenproben  geschieht  je  nach  der  Größe  der  Fläche
(eine  möglichst  gleichmäßige  Bodenbeschaffenheit  vorausgesetzt)  an  3,  5,  9,  12  oder
mehr  verschiedenen,  in  gleicher  Entfernung  voneinander  gelegenen  Stellen.  Die
Proben  werden  durch  senkrechten,  gleichtiefen  Abstich  bis  zur  Pflugtiefe  genommen,
für  etwaige  Untersuchung  des  Untergrundes  bis  zu  60  bezw.  90  cm  Tiefe.  Die
Einzelproben  werden  entweder  getrennt  untersucht  oder,  wenn  es  sich  um  Feststellung ­
  eines  Durchschnittswertes  handelt,  sorgfältig  gemischt  und  von  der  Mischung
eine  geeignete  Menge  zur  Untersuchung  verwendet.“
Hierzu  ist  zu  bemerken,  daß  die  einzelnen  Bodenproben  nur  dann  zusammengegeben
und  vermischt  werden  dürfen,  wenn  sie  sich  nach  dem  äußeren  Aussehen  und  nach  der
vorläufigen  örtlichen  Prüfung  auf  kohlensaures  Calcium  mit  Salzsäure  als  gleich  erweisen.
Zeigen  sich  die  einzelnen  Proben  der  Fläche  verschieden,  so  nimmt  man  so  viel  Mischproben, ­
  als  Verschiedenheiten  vorhanden  sind.  Die  Proben  des  senkrecht  abgestochenen
Obergrundes  oder  der  Obergrundproben  werden  für  sich  und  die  des  Untergrundes  oder
der  Untergrnndproben  ebenfalls  für  sich  in  einen  trockenen,  sauberen  Kasten,  bezw.  in  Kästen
gegeben,  jede  für  sich  innigst  gemischt  und  von  dieser  Misohprobe  die  für  die  Untersuchung
erforderliche  Menge  entnommen.  Statt  des  Spatens  bedient  man  sich  auch  zweckmäßig

x )  Landw.  Versuchs-Stationen  1890,  38,  293.
        <pb n="28" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

5

des  Schnecken-  oder  amerikanischen  Tellerbohrers 1 )  (yergl.  Fig.  3),  der  nach
jedesmaligem  Einbohren  auf  20  cm  herausgehohen  und  entleert  wird.
2.  Behufs  vollständiger  Untersuchung  müssen  wenigstens  4  bis  5  kg  des
Bodens  zur  Verfügung  stehen.  Die  Masse  läßt  man  an  der  Luft  austrocknen
(d.  h.  im  Sommer  hei  gewöhnlicher  Temperatur,  zur  Zeit  des  Winters  in  einem
geheizten  Zimmer  oder  in  einem  mäßig  warmen  Trockenschrank  hei  30—40°
stets  gegen  Stauh  usw.  sorgfältig  geschützt).
3.  Es  sind  möglichst  sorgfältige  Vermerke  zu  sammeln  über:
a)  den  geognostischen.  Ursprung  des  Bodens;
h)  die  Tiefe  der  Ackerkrume  und  über  den  Zustand  des  zunächst  unter  der  Ackerkrume ­
  liegenden  Untergrundes,  sowie  über  die  Beschaffenheit  der  tieferen
Schichten,  wenigstens  bis  zu  einer  Tiefe  von  1—2  m  (Profil
oder  Querdurchschnitt  der  Oberkrume  und  des  Untergrundes);
c)  die  klimatischen  Verhältnisse  —  nach  allgemeiner  Erfahrung, ­
  wenn  nicht  sorgfältige  und  langjährige  Beobachtungen ­
  vorliegen  —  namentlich  auch  die  Lage  des  Feldes
über  dem  Meeresspiegel;
d)  die  Art  der  Bestellung  und  Fruchtfolge  in  den  vorhergehenden ­
  Jahren;
e)  die  Art  und  Menge  der  stattgehabten  Düngung;
f)  die  in  den  zunächst  vorausgehenden  Jahren  wirklich-erzielten ­
  Ernteerträge  und  womöglich  auch  über  die  Durchschnittserträge ­
  des  betreffenden  Feldes  bei  dem  Anbau  der
wichtigeren  Kulturpflanzen;
g)  die  praktische  Beurteilung  des  Bodens,  d.  h.  über  die  Art
und  Weise,  wie  derselbe  von  dem  erfahrenen,  in  der  Gegend
ansässigen  Landwirte,  von  seinem  Standpunkte  aus,  hinsichtlich ­
  der  Güte  und  Ertragsfähigkeit  im  allgemeinen  beurteilt
wird,  auch  darüber,  ob  vielleicht  besondere  Eigentümlichkeiten ­
  vorhanden  sind;
h)  den  Grundwasserstand;
i)  die  Neigung  des  Bodens.

4.  Die  größeren  Steine  und  Steinchen  werden  aus  dem  Boden  ausgelesen
oder  von  demselben  abgesiebt,  mit  Wasser  gut  abgespült  und  deren  mineralogische
Beschaffenheit,  Gewicht  und  ungefähre  Größe  (Faustgroße  und  darüber,  Eigröße,
Walnußgroße,  Haselnußgröße,  Erbsengroße)  ermittelt.

Die  mechanische  Untersuchung  des  Bodens.
Die  mechanische  Bodenuntersuchung  bezweckt  die  quantitative  Ermittelung ­
  des  Mengenverhältnisses  der  den  Boden  zusammensetzenden  gröberen  und
feineren  Bestandteile.  Zur  Feststellung  derselben  zerlegt  man  den  Boden  durch
Siebe  in  verschiedene  Korngrößen  und  trennt  schließlich  in  der  sogenannten  Feinerde ­
  Sand  und  ahschlämmhare  Bestandteile  durch  Aufschlämmen  mit  Wasser.
1 )  Derselbe  kann  von  der  Maschinenfabrik  Be  ermann,  Berlin  W.,  Leipzigerstr.  127,
zu  16  M.  bezogen  werden.  Gute,  bei  langjährigen  Versuchen  der  Versuchs-Station
Münster  i.  W.  erprobte  Erdbohrer  liefert  auch  der  Schlossermeister  Böhmer  in  Münster  i.  W.,
Krummestr.  Preis  13  Mark.
        <pb n="29" />
        6

Untersuchung  von  Boden.

Der  Verband  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche  hat
für  die  Ausführung  der  mechanischen  Untersuchung  des  Bodens  sich  im  wesentlichen
einem  Verschlage  von  J.  K  ti  hn  angeschlossen  und  nachfolgende  Vereinbarung  getroffen: x )
a)  Die  zu  untersuchende  Bodenprobe  wird  in  möglichst  frischem  Zustande  soweit
zerkleinert,  daß  bei  dem  späteren  Sieben  auf  einem  5  mm-Siebe  nur  Steine
Zurückbleiben.  Sie  wird  dann  gleichmäßig  an  einem  vor  Staub  geschützten
Orte  ausgebreitet,  bis  sie  lufttrocken  geworden  ist.  Hierauf  wird  sie  gewogen
und  durch  ein  5  mm-Sieb  getrennt.  Die  auf  dem  Siebe  verbleibenden  Steine
(&amp;gt;  5  mm)  werden  durch  aufgegebenes  Wasser  von  anhängenden  Erdteilen
gereinigt  und  in  lufttrockenem  Zustande  gewogen.  Das  Gewicht  derselben
wird  in  Prozenten  des  Gesamtbodens  ausgedrUckt.
b)  Der  durch  das  5  mm-Sieb  gefallene  Boden  besteht  aus  gröberen  Gesteinstrümmern ­
  und  aus  der  Feinerde  «  2  mm).  Die  ersteren  werden  bei
Schwemmlandsböden  als  Kies,  bei  Verwitterungsböden  als  Grus  bezeichnet
und  zwar;

a)  Korngröße.
Durchmesser  in  mm:
Über  5
„  5-2
2—1
1—0,5
Feinende  \  „  0,5—0,2
Unter  0,2

b)  Bezeichnung. *  2 )
als  Steine  (Grus,  Kies).
„  Grand.
„  sehr  grober  Sand.
„  grober  Sand.
„  mittelkörniger  Sand.
„  feiner  Sand.

Abschlämmbare  Teile  (sehr  feiner  Sand,  Mineralstaub,  Ton  usw.

Die  abschlämmbaren  Teile  sind  durch  das  Mikroskop  auf  ihren  Gehalt
an  größeren  und  kleineren  Quarzstaubkörnchen,  Glimmer,  Tonteilen  usw.  zu
untersuchen.
c)  Zur  Ausführung  der  Untersuchung  werden  von  dem  durch  das  5  mm-Sieb  gefallenen ­
  steinfreien  Boden  bei  feinerdigerer  Beschaffenheit  desselben
50  g,  bei  kies-  oder  grus  reicherem  Boden  100  g  verwendet  und  zunächst  in  einer
Porzellanschale  mit  einem  halben  Liter  Wasser  unter  häufigem  Umrilhren  mittels
eines  Spatels  so  lange  in  gelindem  Sieden  erhalten,  bis  alle  Bodenteilchen
völlig  zerkocht  sind.  Nach  genügendem  Erkalten  gibt  man  die  zerkochte
Bodenmasse  durch  ein  2  mm-Sieb  in  einen  Kühnschen  Schlämmzylinder
ursprünglicher  Konstruktion  (Fig.  4,  S.  7)  (Höhe  30  cm,  lichte  Weite  8,5  cm,  Entfernung ­
  des  1,5  cm  weiten  Tubus  vom  Boden  =  5  cm).  Der  auf  dem  Siebe  zurückbleibende
  Rückstand  wird  Uber  dem  Zylinder  sorgfältig  mit  der  Spritzflasche
abgespült  und  dann  an  der  Luft  getrocknet.  Durch  ein  3  mm-Sieb  wird  der-')

  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  42,  154;  1893,  43,  335.
2 )  J.  Kühn  hatte  folgende  Vorschläge  gemacht,  die  aber  vom  Verbände  in  obiger
Weise  abgeändert  worden  sind:
Korngröße:  mm  Durchmesser.  Bezeichnung.

Über  5

.  .  .  .  Steine.

„  5-3  .

.  .  .  .  grober  Kies  oder  Grus.

„  3-2  .

.  .  .  .  feiner  Kies  oder  Grus.

2-1  .

.  .  .  .  sehr  grober  Sand  (Grand).

„  1-0,5  .

.  .  .  .  grober  Sand.

„  0,5—0,25

.  .  .  .  feiner  Sand.

Unter  0,25

.  .  .  .  sehr  feiner  Sand.

Abschlämmbare  Bestandteile  (Quarzstaubkörnchen,  Glimmer,  Tonteilchen  usw.).
        <pb n="30" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

7

✓
selbe  in  groben  Kies  oder  Grus  (5—3  mm)  und  in  feinen  Kies  oder
Grus  (3—2  mm)  getrennt  und  jeder  Teil  für  sich  gewogen.
d)  Zu  der  in  den  Zylinder  gelegten,  ausschließlich  aus  Peinerde  «  2  mm)  bestehenden
Masse  gibt  man  so  viel  Wasser  zu,  daß  dasselbe  bis  zu  der  2  cm  unter  dem  Baude  des
Zylinders  angebrachten  Marke  reicht,  und  rührt  mit  einem  glatten  Holzstab  etwa
1  Minute  lang  gründlich  um.  Dann  zieht  man  den  Bührstab  schnell  heraus  und
läßt  das  von  ihm  abfiießende  Wasser  in  den  Zylinder  tropfen.  Diesen  läßt  man
10  Minuten  lang  ruhig  stehen,  zieht  dann  den  Stopfen  aus  dem  Tubus  und  läßt  das
trübe  Wasser  ablaufen,  wobei  man  eine  Probe  in  einem  Beagenzglase  auffängt.
Letzteres  wiederholt  man  bei  jedem  folgenden  Aufschlämmen  und  vereinigt  die  gleichgroßen ­
  Proben  in  einem  Becherglase.  Nach  Beendigung  des  Schlämmens  wird  der
Inhalt  des  letzteren  abfiltriert,  die  auf  dem  Filter  bleibende  Masse  innig  gemischt
und  zur  mikroskopischen  Untersuchung  verwendet.
Nach  jedem  Absohlämmen  schließt  man  den  Tubus  wieder,
wobei  man  stets  sorgfältig  darauf  achtet,  daß  der  Stopfen  genau
mit  der  inneren  Wand  des  Zylinders  absohneidet.  Daun  füllt
man  bis  zur  Marke,  rührt  um  und  läßt  auch  bei  jedem  folgenden
Abschlämmen  10  Minuten  lang  ruhig  stehen,  um  dann  ablaufen
zu  lassen,  wieder  aufzufüllen  und  so  lange  damit  fortzufahren,  bis
nach  10  Minuten  langem  Stehen  über  dem  Tubus  keine  schwebenden
Bodenteilohen  mehr  wahrzunehmen  sind.
e)  Der  im  Sohlämmzylinder  zurüokbleibende  Sand  wird  mit  Hilfe
der  Spritzflasche  in  eine  Porzellanschale  gebracht  und  auf  dem
Wasserbade  zur  völligen  Trockne  eingedampft.  Damit  der  Sand
die  Luftfeuchtigkeit  wieder  anzieht,  läßt  man  die  Schale  etwa
24  Stunden  an  einem  vor  Staub  geschützten  Orte  stehen  und
wägt  dann  zunächst  den  gesamten  Sand.  Hierauf  siebt  man  erst
durch  das  1  mm-Sieb,  dann  durch  das  0,5  mm-Sieb  und  das
0,26  mm-Sieb,  um  so  das  Gewicht  des  sehr  groben  Sandes  *■  kuünscher
oder  Grandes  (2-1  mm),  des  groben  Sandes  (1-0,5).  des  Sohlammzylmder.
feinen  Sandes  (0,5—0,25)  und  des  sehr  feinen  Sandes
«0,26)  zu  erhalten.  Es  sind  hierbei  ausschließlich  Eundlochsiebe  zu  verwenden.
Eine  bei  dem  Vergleiche  mit  dom  Gesamtgewicht  des  Sandes  durch  Verstäuben  beim
Sieben  sich  ergebende  Differenz  ist  dem  „sehr  feinen  Sande“  zuzurechnen.  Die  gefundenen ­
  Gewichtsmengen  von  Kies  oder  Grus  und  Sand  sind  in  Prozenten  des
steinfreien  lufttrockenen  Bodens  auszudrüoken.  Die  Menge  der  abschlämmbaren
  Teile  ergibt  sich  aus  der  Differenz  zwischen  dem  ursprünglichen
Gewichte  des  zur  Untersuchung  verwendeten  steinfreien  lufttrocknen  Bodens  (50  oder
100  g)  und  dem  Gewicht  von  Kies  oder  Grus  und  Sand.  —■  Dem  Ergebnis  der  Schlämmanalyse ­
  ist  immer  das  Ergebnis  der  mikroskopischen  Untersuchung  hinzuzufügen.
Findet  eine  eingehendere  Feststellung  der  mineralogischen  Beschaffenheit  der  Feinerde ­
  nicht  statt,  so  ist  doch  stets  schätzungsweise  anzugeben,  in  welchem  Verhältnis ­
  größere  Quarzstaubkörnchen  im  Vergleich  zu  den  feineren
Gemengteilen  in  den  abschlämmbaren  Teilen  der  untersuchten  Bodenprobe ­
  vorhanden  sind.
Neben  dem  Kühnschen  Schlämmzylinder  wird  auch  der  Wagner  sehe  Sehlammzylinder ­
  (Mg.  5,  S.  8),  welcher  eine  Modifikation  des  Kühnschen  Schlämmzylinders  ist,
empfohlen.  Derselbe  besteht  aus  einem  Glaszylinder  von  8  cm  Weite  und  30  cm
Höhe,  welcher  mit  einer  Messingklappe  verschlossen  ist.  Durch  diese  Messingklappe
führt  ein  Heberrohr  von  Messing  und  ein  Anblasrohr.
Bei  dem  Gebrauche  werden  50  g  Feinerde  (vergl.  S.  6)  in  den  Zylinder  gebracht,
der  Zylinder  bis  zur  Marke  mit  Wasser  gefüllt,  eingesohüttelt  und  30  Minuten  stehen  gelassen. ­
  Hierauf  wird  der  Messingdeckel  mit  Heber  und  Anblasrohr  aufgesetzt,  das  Heberrohr ­
  bis  oben  auf  den  Absatz  eingetaucht,  durch  Anblasen  gefüllt  und  die  über  dem  Nieder ­
        <pb n="31" />
        8

Untersuchung  von  Boden.

schlag  stehende  Flüssigkeit  abiließen  gelassen..  Das  Füllen  des  Apparates  mit  Wasser,
Durchsohütteln  und  Ahfließenlassen  wird  so  oft  wiederholt,  bis  die  ablaufende  Flüssigkeit
fast  klar  erscheint.  Der  im  Zylinder  verbleibende  Rückstand  (Staubsaud)  wird  in  eine
Porzellanschale  gespült,  getrocknet  und  gewogen.
Neben  diesen  beiden  Schlämmapparaten  gibt  es  noch  eine  große  Reihe  anderer,
welche  entweder,  wie  der  Kühnsche  und  Wagner  sehe  Apparat,  auf  dem  Grundsätze
beruhen,  die  gröberen  Teile  von  den  feineren  durch  ihre  verschiedene  Fallgeschwindigkeit ­
  im  ruhenden  Wasser  zu  trennen
(Sedimentier-  und  Dekantierapparate)  oder  die
Trennung  durch  einen  auf  steigenden  Wasserstrom
zu  bewirken  (Spül-  oder  Sohlämmapparate).  Zu  den
Apparaten  ersterer  Art  gehören  außer  den  genannten:
die  Schlämmflasche  von  v.  Benningsen,  der  Sedimentier- ­
  oder  Schlämmzylinder  von  Knop,  der
Apparat  von  Appiani 1 )  und  derjenige  von  Fadejeff
bezw.  William. *  2 )  Zu,  der  Gruppe  der  Spülapparate ­
  gehören  die  Apparate  von  Nobel,
Fr.  Schulze,  Schöne  und  Hilgard.
Außer  dem  Kühnschen  und  Wagnerschen
Apparat  ist  in  Deutschland  wohl  nur  noch  der
Schöne  sehe  Sohlämmapparat  vorwiegend  in  Gebrauch,
und  soll  daher  dieser  auch  hier  nur  noch  eingehender
beschrieben  werden.  Bezüglich  der  übrigen  Schlämmapparate ­
  verweise  ich  auf  F.  Wahnschaffes  Anleitung ­
  zur  wissenschaftlichen  Bodenuntersuchung,
Berlin  1903,  2.  Auflage,  bezw.  auf  die  sonst  angegebene ­
  Literatur.
Der  Scliönesche  Schlämmapparat  wird  zweckmäßig  in  folgender  Weise
zusammengestellt:
1.  Aus  einem  möglichst  flachen,  30—40  1  fassenden  Wasserkasten  A  (Fig.  6,  S.  9),
der  in  einer  Höhe  von  etwa  2—3  m  über  dem  Sohlämmapparat  angebracht  sein  muß;
2.  aus  einem  Tisch  B  von  Vs  m  Höhe,  mit  .2  Öffnungen  zur  Aufnahme  für  die  beiden
Schlämmtrichter;
3.  aus  einem  6—8  1  fassenden  starkwandigen  Standglase  C;
4.  aus  dem  eigentlichen  Schlämmapparate  mit  den  beiden  Schlämmtrichtern  E  und  D,
dem  Piezometer  F  und  der  Verbindungsröhre  G.  Die  beiden  Trichter  E  und  D  sind  konisch
geformte  Glasgefäße,  deren  unterer  Teil  halbkreisförmig  gebogen  in  aufwärts  geführte
Röhren  a,  und  a  -sich  fortsetzt.  Das  Schnabelrohr  des  kleinen  Trichters  wird  mit  dem
Wasserkasten  durch  einen  Kautschukschlauch  verbunden,  indem  ein  Glasrohr  b  eingeschaltet
wird.  Die  Verbindung  der  beiden  Trichter  wird  hergestellt  durch  eine  halbkreisförmig
gebogene  Glasröhre,  welche  auf  der  einen  Seite  einen  in  den  Hals  des  kleinen  Trichters
passenden  Pfropfen,  auf  der  anderen  Seite  einen  kurzen  Kautschuksohlauch  zur  Verbindung
mit  Trichter  E  trägt.  Kurz  unter  dom  Hals  des  großen  Trichters  befindet  sich  der  vollkommen ­
  zylindrische  Teil  f  e,  der  eigentliche  Schlämmraum,  Derselbe  ist  10  cm  lang  und
möglichst  genau  5  cm  im  Durchmesser.
In  den  Hals  des  Schlämmtrichters  B  ist  mittels  eines  Korkes  die  Piezometerröhre  F
eingeschoben.  Letztere  ist  eine  etwa  1  m  lange  Barometerröhre,  welche  an  ihrem  unteren
Ende  bei  d  und  g  zweimal  knieförmig  unter  einem  Winkel  von  40—46°  gebogen  ist.  Die

')  Wollny:  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Agrikultur-Physik  1894,  17,  291.
2 1  Ebenda  1895,  18.  225,

I'ig.  5.  Wagnerscher
Sohlämmzylinder.
        <pb n="32" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

9

Flg.  6.  Scliönesclier  Schlämmapparat.
Wassersäule  im  Piezometer  steht.  Zur  Bestimmung  der  Geschwindigkeit  des  Wassers  in
f—e  ermittelt  man  zuerst  den  Rauminhalt  des  zylindrischen  Teiles,  indem  man  den  Trichter
bis  e  mit  Wasser  füllt,  diese  Stelle  genau  durch  eine  Marke  festlegt  und  nun  eine  bestimmte
Menge  Wasser,  etwa  60  ccm,  hinzulaufeu  läßt.  Durch  Messen  der  50  ccm-Wassersäule
mit  einem  Maßstahe  you  der  eingezeichneten  Marke  bis  zum  Niveau  der  Flüssigkeit  erfährt
man  die  Höhe  derselben.  Durch  Division  des  Rauminhaltes,  also  50  com,  durch  die  Höhe
erfährt  man  den  Querschnitt  des  Schlämmraumes.
Zur  Bestimmung  der  Schlämmgeschwindigkeit,  also  des  Auftriebes,  den  jedes  Wasserteilchen ­
  für  eine  Sekunde  im  Schlämmraum  erfährt,  setzt  man  den  Apparat  zusammen,  öffnet
bei  b  den  Hahn  so  weit,  daß  aus  der  Öffnung  g  das  Wasser  nur  in  schnell  aufeinander
folgenden  Tropfen  ausfließt,  und  läßt  nun,  nachdem  alle  Luftblasen  aus  dem  Apparat  ent-Biegung

  muß  kurz  sein,  ohne  daß  das  Innere  der  Röhre  verengt  ist.  Die  lichte  Weite
der  Röhre  soll  möglichst  genau  3  mm  betragen.  Bei  g  befindet  sich  als  Ausflußöffnung
eine  kreisrunde  Öffnung  von  1,6  mm  Durchmesser  so  angebracht,  dass  der  Ausflußstrahl
schräg  nach  unten  gerichtet  ist.
Der  Schenkel  g  P,  etwa  1  m  lang,  dient  zum  Messen  des  Druckes,  unter  dem  das
Wasser  bei  g  ausfließt,  und  ist  mit  einer  Skala  versehen,  deren  Nullpunkt  am  Boden  der
Röhre  liegt.  Die  Piezometerröhre  ist  auf  den  ersten  10  cm  in  mm,  von  10—60  in  '/ 2  cm
und  darüber  in  ganze  cm  eingeteilt.
Vor  der  Benutzung  des  Apparates  muß  man  ermitteln,  in  welcher  Beziehung  die
Geschwindigkeit  des  Wassers  in  dem  Schlämmraume  f—e  zu  der  entsprechenden  Höhe  der
        <pb n="33" />
        10

Untersuchung  von  Boden.

lernt  sind,  das  austropfende  Wasser  in  einen  untergestellten  Meßkolben  ausfließen.  Aus
der  Zeit  t,  welche  erforderlich  ist,  bis  sich  das  Meßgefäß  füllt,  und  dem  Querschnitt  Q  des
Schlämmraumes  wird  die  Stromgeschwindigkeit  c  =  mm  für  eine  Sekunde  nach  folgender
Formel  berechnet:
m  \  d.  h.  man  dividiert  die  ausgeflossene  Wassermenge  m  in  ccm  durch
t  &amp;gt;  die  verbrauchte  Zeit  t  in  Sekunden  und  dividiert  diesen  Quotienten
0  =  Q  j  durch  Q,  den  Querschnitt  des  Schlämmraumes,  in  qmm.
Da  man  bei  Schlämmversuchen  eine  ganz  bestimmte  Schlämmgesohwindigkeit  zu
haben  wünscht,  so  berechnet  man  aus  2  Versuchen  bei  verschieden  starker  Ausflußmenge
die  Geschwindigkeit  und  sieht  nun,  welche  sich  der  gewünschten  Geschwindigkeit  nähert.
Durch  weitere  Ermittelungen  erfährt  man  aus  3—4  Versuchen  die  bei  den  Schlämmversuchen ­
  anzuwendende  Geschwindigkeit.
Da  man  bei  Schlämmanalysen  meist  zwei  oder  drei  Geschwindigkeiten  anzuwenden
wünscht,  so  hat  man  den  Versuch  hei  den  entsprechenden  größeren  Druokhöhen  zu
wiederholen.
Hat  man  durch  Versuche  die  gewünschte  Schlämmgeschwindigkeit  gefunden,  so  liest
man  den  Wasserstand  am  Piezometer  ab,  verzeichnet  die  Höhe  desselben,  auf  welche  später
beim  eigentlichen  Schlämmversuoh  wieder  einzustelien  ist.
Da  geringe  Unterschiede  in  der  Konstruktion  der  Apparate  wesentlichen  Einfluß
auf  Ausflußgesohwindigkeit,  Wasserstand  im  Piezometer  und  Schlämmgeschwindigkeit  haben,
so  lassen  sich  keine  bestimmten  Zahlen  für  die  Höhen  der  Wassersäule  im  Piezometer  für
die  bezüglichen  Schlämmgeschwindigkeiten  angeben,  sondern  es  bedarf  jeder  Apparat  einer
Einstellung,  die  dann  für  alle  späteren  Versuche  maßgebend  ist.
Außer  dieser  empirischen  Einstellung  läßt  sich  die  Schlämmgeschwindigkeit  berechnen
nach  dem  Gesetze  der  Ausflußgesohwindigkeit  unter  Berücksichtigung  der  Reibungswiderstände
  und  der  Kapillarattraktion.  Die  entsprechenden  Formeln  sind  in  Wahnsohaffes
Anleitung  für  Bodenuntersuohungen,  Berlin  1903,  S.  35—37,  angegeben.
Zur  Ausführung  des  eigentlichen  Schlämmversuches  werden  60  g  durch  ein  Sieb
von  2  mm  Maschenweite  gesiebte  Erde  bis  zur  vollständigen  Zerteilung  mit  300  ccm  Wasser
gekocht;  die  breiartige  Masse  läßt  man  bis  zum  Erkalten  absitzen,  gießt  den  schwebenden
Schlamm  mit  der  größten  Monge  des  Wassers  in  den  großen  Trichter  E,  während  der
gröbere  Bodensatz  in  den  kleinen  Trichter  D  gespült  wird.  Während  des  Einspülens  der
Probe  läßt  man  durch  geringes  Öffnen  des  Hahnes  b  Wasser  zufließen,  um  ein  Festsetzen
der  Körner  in  dem  engen  Teile  des  Trichters  zu  verhindern.  Hat  man  die  ganze  Masse
in  die  Trichter  hineingebraoht,  so  werden  letztere  mit  Wasser  vollkommen  gefüllt,  wobei
zu  vermeiden  ist,  daß  Luftblasen  Zurückbleiben;  alsdann  wird  der  Apparat  zusammengesetzt.
Man  öffnet  alsdann  den  Zuflußhahn  b  so,  daß  die  für  die  erste  gewünschte  Geschwindigkeit
gefundene  Höhe  im  Piezometer  erreicht  ist.  Das  aus  der  Öffnung  g  herausfließende  bezw.
austropfende  Wasser  wird  je  nach  der  Menge  der  im  Boden  enthaltenen  Tonmenge  längere
oder  kürzere  Zeit  gebrauchen,  bis  die  feinsten  Teilchen  fortgewaschen  sind,  wozu  zuweilen
8  1  Wasser  und  darüber  erforderlich  sind.
Sobald  Klärung  in  dem  oberen  Teil  des  großen  Trichters  eingetreten  ist,  wird  das
untergestellte  Beoherglas  mit  dem  ersten  Sohlämmerzeugnis  beiseite  gestellt,  ein  anderes
Becherglas  untergeschoben  und  nun  auf  die  zweite  gewünschte  Geschwindigkeit  eingestellt.
Man  erhält  so  in  den  verschiedenen,  der  Reihe  nach  untergestellten  Beohergläsern  die  gewünschte ­
  Anzahl  Sohlämmerzeugnisse  von  bestimmter  Korngröße.  Nach  einigen  Stunden  haben
sich  die  Teilchen  so  weit  gesetzt,  daß  man,  ohne  Verluste  zu  erleiden,  den  größten  Teil
des  Wassers  abgießen  kann.  Die  Reste,  wie  auch  die  in  den  Schlämmtrichtern  zurückgebliebenen ­
  gröberen  Teile  spült  man  in  gewogene  Porzellanschalen,  verdampft  das  Wasser  auf
dem  Wasserbade  und  bringt  durch  6-stündiges  Stehen  an  der  Luft  die  einzelnen  Erzeugnisse
auf  den  lufttrocknen  Zustand,  worauf  durch  Wägen  derselben  ihre  Menge  festgestellt  wird.
Die  feinsten  abgeschlämmten  Teilchen  bestimmt  man,  da  ihr  völliges  Absetzen  oder  die
Verdampfung  der  gesamten  Wassermenge  zu  lange  dauert,  aus  der  Differenz.
Bei  der  ersten  Stromgeschwindigkeit  von  0,2  mm  in  der  Sekunde  werden  die
feinsten  Teilchen  bis  0,01  mm  Korngröße  ahgeschlämmt.
        <pb n="34" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

11

Eine  Stromgeschwindigkeit  von  0,5  mm  in  der  Sekunde  gibt  staubfeine  Teilchen
von  0,01—0,02  mm  Korngröße.
Eine  Stromgeschwindigkeit  von  2,0  mm  in  der  Sekunde  liefert  Staubsand  von
0,02—0,05  mm  Korngröße.
Der  im  großen  Trichter  verbliebene  Rückstand  ist  Feinsand  von  0,05—0,1  mm
Korngröße.
Der  Rückstand  aus  dem  kleinen  Trichter  enthält  Grobsand  von  0,1—0,2  mm
Korngröße  oder  auch  spezifisch  schwere  Metallteilohen,  welche  zuweilen  im  Boden
angetroffen  werden.  Bodenteile,  wie  Kies  und  Steinchen  von  über  0,2  mm  Korngröße ­
  sind  durch  die  entsprechenden  Siebe  abgeschieden  und  werden  ebenfalls  durch
Wägung  bestimmt.
Will  man  die  einzelnen  Schlämmerzeugnisse  chemisch  untersuchen,  so  empfiehlt
es  sich,  zum  Schlämmen  destilliertes  Wasser  zu  verwenden.
Um  das  Schlämmen  mit  destilliertem  Wasser  bei  gleichbleibendem  Druck  auszuführen, ­
  hat  F.  Wahnschaffe  in  seiner  Anleitung  zur  wissenschaftlichen  Bodenuntersuchung ­
  1903,  S.  40,  einen  zweckmäßigen  Apparat  angegeben,  auf  welchen
hier  verwiesen  sei.
A.  Mayer 1 )  hat  den  Apparat  von  Schöne  in  der  Weise  abgeändert,  daß
er  das  Piezometer  durch  eine  einfache  Glasröhre  von  3—4  mm  lichter  Weite,  die
in  Zentimeter  eingeteilt  ist,  ersetzt  und  daneben  in  dieselbe  Tubulatur  eingesetzt
eine  gewöhnliche,  ungefähr  in  einem  halben  rechten  Winkel  nach  abwärts  geneigte
Ausflußrohre  anbringt;  ferner  wird  der  Schlämmapparat  unten  durch  einen  Glashalm ­
  abgeschlossen.
E.  W.  Hilgard 2 )  hat  einen  neuen,  von  den  bisherigen  Schlämmapparaten
grundsätzlich  verschiedenen  Apparat  für  die  Schlämmanalyse  des  Bodens  vorgeschlagen, ­
  dessen  Einrichtung  auf  dem  Aneinanderhaften  kleiner  Teilchen,  der
sogenannten  Flockenbildung  in  schlammartigen  Massen,  unter  bestimmten  Umständen
beruht.  Da  die  Erfahrungen  mit  diesem  Verfahren  noch  nicht  abgeschlossen  sind,
so  muß  ich  mich  auf  eine  Erwähnung  desselben  [vergl.  die  Kritik  von  A.  Mayer, 8 )
wo  sich  auch  eine  Abbildung  des  Apparates  befindet,  und  die  Gegenäußerung  von
E.  Hilgard 4 )]  beschränken. 5  6 )
H.  Puchner 0 )  hat  vergleichende  Untersuchungen  nach  den  Verfahren  von
J.  Kühn,  A.  Mayer,  Hilgard  und  Fadejeff-Williams  mit  Porzellan-,  Ziegelund ­
  Quarzerde  ausgeführt  und  gefunden,  daß  das  von  A.  Mayer  am  meisten,  das
von  Hilgard  am  wenigsten  abschlämmbare  Teile  liefert,  während  im  allgemeinen
in  absteigender  Reihenfolge  die  nach  den  Verfahren  von  J.  Kühn  und  von  Fadejeff-Williams
  erhaltenen  Ergebnisse  in  der  Mitte  liegen.
Die  chemische  Untersuchung  des  Bodens.
Die  für  die  chemische  Untersuchung  des  Bodens  getroffenen  Vereinbarungen ­
  des  Verbandes  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen
im  Deutschen  Reiche  lauten  wie  folgt: 7 )
4 )  Wollny:  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Agrikultur-Physik  1882,  5,  228.
2 )  Ebenda  1879,  21,  441.
3 )  Ebenda  1896,  19,  193.
l )  Ebenda  1896,  19,  402.
5 )  Für  etwaige  Versuche  nach  diesem  Verfahren  empfiehlt  es  sich,  den  Appaiat
selbst  durch  Herrn  Professor  Dr.  E.  W.  Hilgard  in  Berkeley  (Kalifornien)  zu  beziehen.
6 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  56,  141.
7 )  Ebenda  1890,  38,  292;  1892,  42,  166  u.  1893,  43,  339.
        <pb n="35" />
        12

Untersuchung  von  Boden.

„Zur  chemischen  Untersuchung  nimmt  man  die  durch  trockenes  Ahsiehen  mittels
des  2mm-Siebes  erhaltene  Feinerde  und  zwar  in  lufttrockener,  nicht  durch  vorheriges ­
  Erhitzen  veränderter  Form.  Die  gröberen  Bodenteilchen  und  Steinchen
sind  nach  dem  Abspülen  mit  Wasser  ihrer  Menge  und  mineralogischen  Beschaffenheit
nach  möglichst  genau  zu  bestimmen,  ebenso  die  Gemengteile  des  Feinbodens  mit
der  Lupe  zu  untersuchen.
Bei  gewöhnlicher,  möglichst  rasch  auszuführender  Bodenuntersuchung  wird
Wassergehalt,  Glühverlust,  Stickstoff-  und  Humusgehalt  bestimmt  und  außerdem  nur
der  nach  unten  angegebener  Vorschrift  erhaltene  Auszug  auf  seine  Bestandteile
untersucht.
Sämtliche  Untersuchungs-Ergebnisse  sind  auf  (hei  100°)  getrockneten  Boden  zu
berechnen.
Zur  Bestimmung  des  Glühverlustes  wird  der  Boden  bei  140°  getrocknet,
geglüht,  mit  kohlensaurem  Ammoniak  befeuchtet  und  wieder  schwach  (bis  zur  Rotglut) ­
  geglüht.
Bei  Moorboden  und  stark  humosem  Boden  ist  das  letztere  Verfahren  nicht
zulässig.
Der  Humusgehalt  ist  nach  dem  von  G.  Loges  beschriebenen  Verfahren  zu
ermitteln  (vergl.  S.  13).
Zur  Bereitung  des  sauren  Bodenauszuges  wird  vorgeschlagen:
a)  auf  1  Gewichtsteil  Boden  2  Volumteile  25  °/ 0 iger  Salzsäure  (unter  Berücksichtigung ­
  der  Karbonate  des  Bodens)  unter  öfterem  Umschütteln  48  Stunden
bei  Zimmertemperatur,  oder
h)  auf  1  Gewiohtsteil  Boden  2  Volumteile  10°/ o iger  Salzsäure  (unter  Berücksichtigung ­
  der  Karbonate  des  Bodens)  unter  häufigem  Umschütteln  3  Stunden
lang  auf  dem  Wasserbade  ein  wirken  zu  lassen.
Die  bei  der  quantitativen  Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile  des  Auszuges
anzuwendenden  Verfahren  sind  im  allgemeinen  bekannt  und  können  wenigstens  vorläufig ­
  dem  Ermessen  eines  jeden  überlassen  bleiben.  Dagegen  ist  es  wünschenswert, ­
  daß  auch  bei  gewöhnlichen,  rasch  auszuführenden  Bodenuntersuchungen  die
physikalische  Beschaffenheit  einige  Berücksichtigung  findet,  und  zwar  ebenso,  wie  die
mechanische  Beschaffenheit  des  Bodens  unter  Anwendung  möglichst  einfacher
Verfahren  ermittelt  wird,  insbesondere  die  Wasserkapazität  und  Kapillarität  des
Bodens.“
Bei  der  weiteren  Untersuchung  des  Bodens  kommen  folgende  Verfahren  in
Betracht:

I.  Bestimmung  der  Boden-Konstituenten.
Unter  „Boden-Konstituenten“  sind  die  einzelnen,  chemisch  und  physikalisch
unterschiedlichen  Bestandteile  (Gemengteile)  des  Bodens,  nämlich  außer  Wasser:
Humus,  Karbonate,  Sulfate,  aufgeschlossene  Silikathasen,  Ton,  Silikate  und  Sand
zu  verstehen.
1.  Bestimmung  des  hygroskopischen  oder  mechanisch  absorbierten  Wassers.
10—20  g  Boden  werden  in  Trockenkölbchen  im  Luft-  oder  Dampfbade  bei
100°  bis  zur  Unveränderlichkeit  des  Gewichtes  getrocknet.
Zur  Kontrolle  kann  man  auch  5  g  Boden  2—3  Tage  lang  bei  gewöhnlicher
Temperatur  im  Exsikkator  über  konzentrierter  Schwefelsäure  austrocknen  lassen.
        <pb n="36" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

13

H.  Pucbner 1 )  kommt  auf  Grund  seiner  Untersuchungen  zu  dem  Schluß,  daß
es  nach  dem  gewöhnlichen  Trockenverfahren  durch  Erhitzen  auf  105°  nicht  möglich
ist,  den  Feuchtigkeitsgehalt  von  Bodenproben  ganz  genau  zu  bestimmen;  er  empfiehlt,
bei  fortgesetztem  Trocknen  die  gelüfteten  Trockengefäöe  erst  dann  in  den  Trockenschrank ­
  zu  stellen,  wenn  derselbe  die  Temperatur  von  106°  angenommen  hat,  die
Trockengefäße  nur  im  verschlossenen  Zustande  unter  dem.  Exsikkator  erkalten  zu
lassen  und  vor  dem  Wägen  ganz  kurz  zu  lüften;  ferner  soll  die  Trocknung  in
einem  möglichst  gut  ventilierten  Raume  ausgeftihrt  werden,  um  die  Anhäufung  von
Heizgasen  einzuschränken  oder  zu  vermeiden.
2.  Bestimmung  des  chemisch  gebundenen  Wassers  (bezw.  Glühverlustes).
Jeder  Boden  enthält  außer  dem  mechanisch  absorbierten  Wasser  noch  chemisch
gebundenes  Wasser  in  den  Hydroxyden,  Gips,  Ton  etc.,  welches  bei  100°  und
selbst  bei  125—150°  nicht  verflüchtigt  wird.  Dieses  läßt  sich  auf  direkte
Weise  nicht  bestimmen,  da  durch  Glühen  des  Bodens  auch  der  Humus  zerstört
und  neben  dem  chemisch  gebundenen  Wasser  auch  ein  Teil  des  Humus  mitbestimmt
wird.  Das  chemisch  gebundene  Wasser  läßt  sich  daher  nur  in  der  Weise  ermitteln, ­
  daß  man  den  Gesamt-Glühverlust  des  Bodens  bestimmt  und  hiervon  die
unter  1.  gefundene  Menge  hygroskopischen  Wassers  und  die  unter  3.  gefundene
Menge  Humus  abzieht;  die  Differenz  gibt  dann  wenigstens  ziemlich  annähernd  die
Menge  des  chemisch  gebundenen  Wassers.
Die  Bestimmung  des  Gesamt-Glühverlustes  erfolgt  entweder  in  der
S.  12  angegebenen  Weise  oder  auch  derart,  daß  man  etwa  10  g  des  Bodens  möglichst
schwach  glüht,  bis  aller  Humus  zerstört  und  verbrannt  ist.  Darauf  wird  der  Glührüokstand
  wiederholt  mit  kühlensaurem  Ammon  befeuchtet,  auf  dem  Wasserbade
eingetrocknet,  zur  Verflüchtigung  des  kohlensauren  Ammons  schwach  geglüht  und
diese  Behandlung  so  oft  wiederholt,  bis  keine  Gewichtsveränderung  mehr  eintritt. *  2  3 )
Knop  bestimmt  den  Gesamt-Glühverlust  in  der  Weise,  daß  er  2  g  Boden,
d.  h.  Feinerde  vorsichtig  glüht,  bis  alles  Organische  eben  verbrannt  ist,  sodann  den
Boden  mit  dem  gleichen  Volumen  vorher  fein  geriebener  reiner  Oxalsäure  bis  zum
Schmelzen  derselben  und  darauf  weiter  erhitzt,  bis  die  Oxalsäure  eben  zersetzt  ist,
Hierauf  läßt  man  erkalten  und  wägt,  vermischt  nochmals  mit  der  Hälfte  der  Oxalsäure, ­
  glüht  und  wägt  wieder  und  so  fort,  bis  das  Gewicht  unveränderlich  geworden  ist.
3.  Bestimmung  des  Humus.
a)  Durch  Elementaranalyse.  Eine  sehr  genaue  Bestimmung  des  Kohlenstoff- ­
  (bezw.  Humus-)  Gehaltes  erfolgt  nach  G.  Loges 8 )  durch  die  Verbrennung  dos
Bodens  mit  Kupferoxyd  nach  der  Elementaranalyse.
5—10  g  Boden  werden,  um  die  fertig  gebildete  Kohlensäure  auszutreiben,  in
Hofmeisterschen  Glasschälchen  mit  verdünnter  Phosphorsäurelösung  —  die  von

V)  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  55,  309.
2 )  Bei  hohem  Gehalt  des  Bodens  an  kohlensauren  Erden  kann  auch  so  noch  leicht
Kohlensäure  mit  verflüchtigt  werden.  Man  muß  alsdann  die  Menge  dieses  Verlustes  nötigenfalls ­
  durch  eine  Bestimmung  der  Kohlensäure  in  dem  Boden  vor  und  nach  dem  Glühen
kontrollieren  und  darnach  den  Gesamt-Glühverlust  korrigieren.
Umgekehrt  findet  man  bei  vorhandenen  größeren  Mengen  Eisenoxydul,  welches
beim  Glühen  in  Oxyd  übergeht,  etwas  zu  wenig  Glühverlust.  Dieser  Fehler  ist  nötigenfalls ­
  durch  Bestimmung  des  Eisenoxyduls  und  Abziehen  des  demselben  entsprechenden
Oxyd-Sauerstoffs  vom  Gesamt-Glühverlust  zu  korrigieren.
3 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1883,  28,  229.
        <pb n="37" />
        14

Untersuchung  von  Boden.

einigen  Seiten  vorgeschlagene  schweflige  Säure  ist  nicht  so  empfehlenswert  —  auf
dem  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  der  eingetrocknete  Boden  samt  Glasschälchen ­
  mit  pulverigem  Kupferoxyd  vermischt  und  in  eine  60  cm  lange  Yerhrennungsröhre
  gefüllt;  an  die  mit  Boden  vermischte  feinpulverige  Kupferoxydschicht
schließt  sich  —  durch  Asbestpfropfen  ahgetrennt  —  eine  20  cm  lange  Schicht  von
grobem  Kupferoxyd,  hieran  zur  Reduktion  des  entstehenden  Stickoxyds  eine  10  bis
12  cm  lange  Kupferdrahtspirale  —  oder  auch  eine  ebenso  lange  Schicht  von  ganz
feinem  Silberdraht,  welcher  neben  Reduktion  des  Stickoxyds  auch  Chlor  zurückhält
  —;  man  verbindet  die  Verbrennungsröhre  in  üblicher  Weise  zunächst  mit
einem  Chlorcalciumrohr,  dieses  mit  einem  Kaliapparat  und  verfährt  im  übrigen
genau  wie  hei  einer  Elementaranalyse.  Die  Gewichtszunahme  des  vorher  gewogenen ­
  Kaliapparates  ergibt  die  aus  dem  Humus  gebildete  Menge  Kohlensäure.
Hat  man  die  fertig  gebildete  Kohlensäure  des  Bodens  nicht  vorher  durch
Phosphorsäure  ausgetrieben,  sondern  den  Boden  direkt  verwendet,  so  muß  man
erstere  für  sich  bestimmen  und  von  der  Gesamtmenge  Kohlensäure  abziehen.  ,
b)  Durch  Oxydation  mit  Chromsäure  bezw.  saurem  chromsaurem  Kalium.
Weniger  genauere  Ergebnisse  liefert  die  Bestimmung  des  Humus  durch  Oxydation
mit  Chromsäure,  wodurch  einige  Humusverbindungen  nicht  vollständig  oxydiert  werden.
5—10  g  Boden  werden  in  einem  Kochfläschchen  mit  20  ccm  Wasser  und
30  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  übergossen,  vorsichtig  umgeschüttelt,  unter
mehrmaligem  Ausziehen  der  Luft  aus  dem  Fläschchen  stehen  gelassen,  bis  das  Gemisch ­
  erkaltet  und  die  im  Boden  vorhandene,  fertig  gebildete  Kohlensäure  vollständig
entfernt  ist.  Darauf  gibt  man  5  g  reine  Chromsäure  —  auf  1  Teil  vermutlich
vorhandener  organischer  Substanz  15—20  g  freie  Chromsäure,  von  Kaliumbichromat
entsprechend  etwa  1 / 8  mehr,  also  7—8  g  für  5—10  g  Boden,  oder  etwa  25—30  g  für
1  Teil  organischer  Substanz 1 )  —  in  das  Fläschchen,  verbindet  dieses  rasch  mit  einem
Apparat, *  2 )  welcher  zunächst  Waschflaschen  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  und
einem  Chlorcalciumrohr  für  die  Absorption  des  mitgerissenen  Wassers  enthält,  und
daran  anschließend  einen  vorher  gewogenen  Geißler  sehen  Kaliapparat  zur  Absorption ­
  der  Kohlensäure.  Der  Kaliapparat  enthält  Kalilauge,  welche  durch  Lösung
von  1  Teil  Kalihydrat  in  1  Teil  Wasser  hergestellt  ist.
Nach  erfolgter  Zusammenstellung  des  Apparates  erwärmt  man  die  Mischung
im  Kölbchen  anfangs  nur  sehr  schwach,  zuletzt  aber  bis  auf  90—95°,  erhält  die
Flüssigkeit  eine  Zeitlang  auf  dieser  Temperatur,  entfernt  alsdann  die  Lampe,  leitet
einige  Zeit  kohlensäurefreie  Luft  durch  den  ganzen  Apparat  und  ermittelt  die
Gewichtszunahme  des  Kaliapparates.
Die  Kohlensäure-Bestimmung  wird  wenigstens  1  mal  wiederholt;  wenn  die
erhaltenen  Ergebnisse  nur  wenig  voneinander  abweichen,  nimmt  man  aus  denselben
das  Mittel.
Um  aus  dem  Kohlenstoffgehalt  des  Bodens  die  Menge  der  wasser-  und
stickstofffreien  Humussubstanz  wenigstens  annähernd  zu  berechnen,  pflegt
man  in  dem  Humus  58  °/ 0  C  anzunehmen  und  demnach  die  gefundene  Kohlensäure
mit  0,471  oder  den  aus  letzterer  berechneten  Kohlenstoff  mit  1,724  zu  multiplizieren.
*)  Ich  habe  gefunden,  daß  auch  hier,  ähnlich  wie  bei  der  Bestimmung  des  Stickstoffs ­
  nach  Kjeldahl,  die  Oxydation  regelmäßiger  und  vollständiger  verläuft,  wenn  man
etwa  2  g  Merkurisulfat  zusetzt.  Man  löst  20  g  Queoksilberoxyd  in  100  ccm  verdünnter
(1:  3)  Schwefelsäure  und  verwendet  hiervon  10  ccm.
2 )  Als  solcher  kann  zweckmäßig  der  Kohlensäure-Bestimmungs-Apparat  von
R.  Pinkener  dienen.
        <pb n="38" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

15

Die  Differenz  im  Gewichte  des  so  berechneten  Humus  (+  dem  direkt  bestimmten
Gesamt-Stickstoff  im  Boden)  und  des  Glühverlustes  des  bei  100°  getrockneten
Bodens  ist  als  chemisch  oder  überhaupt  als  fest  gebundenes  Wasser  zu  bezeichnen. ­
  welches  bei  100°  nicht  flüchtig  ist.
4.  Bestimmung  der  kohlensauren  Erden.
Die  kohlensauren  Erden  spielen  seihst  in  geringen  Mengen  als  Boden-Konstituenten
  eine  bedeutsame  Rolle.  Bei  geringen  Mengen  vorhandener  Kohlensäure ­
  kann  letztere  ausschließlich  als  an  Kalk  gebunden  angesehen  und  die  Menge
des  vorhandenen  kohlensauren  Kalkes  durch  eine  einfache  Kohlensäure-Bestimmung
berechnet  werden.
a)  Bestimmung  der  Kohlensäure,  a)  Aus  dem  Gewichtsverlust.  Das
Verfahren  beruht  darauf,  daß  man  in  einem  vorher  beschickten  und  gewogenen
Kohlensäure-Bestimmungsapparat,  z.  B.  dem  von  Mohr  usw.,  die  Kohlensäure  durch
verdünnte  Salzsäure  (1:10)  und  schwaches  Erwärmen  austreibt,  nach  dem  Erkalten
den  Rest  der  im  Apparat  noch  vorhandenen  Kohlensäure  entweder  durch  Evakuieren
oder  Durchleiten  von  Luft  mittels  eines  Aspirators  entfernt,  dann  den  Apparat
wieder  wägt  und  den  Gehalt  an  Kohlensäure  aus  dem  Gewichtsverlust  berechnet.
Man  wägt  von  dem  Boden  je  nach  dem  Gehalt  an  Kohlensäure  1—5  g  ab,
trocknet  diese  Menge  erst  eine  Stunde  lang  im  Trockenschrank  und  bringt  sie  alsdann ­
  in  einen  Kohlensäure-Bestimmungsapparat.
ß)  Durch  direkte  Wägung.  Handelt  es  sich  um  eine  möglichst  genaue
Bestimmung  der  Kohlensäure,  so  werden  1—5  g  der  vorher  1  Stunde  bei  100°
getrockneten  Erde  in  ein  mit  doppelt  durchbohrtem  Kork  versehenes  Kölbchen  gebracht; ­
  durch  die  eine  Öffnung  des  Korkes  führt  ein  Trichterrohr  bis  auf  den  Boden
des  Kölbchens,  durch  die-  andere  ein  Ableitungsrohr.  Letzteres  wird  mit  Waschapparaten, ­
  die  konzentrierte  Schwefelsäure  und  Chlorcalcium  zur  Absorption  des
mitgerissenen  Wassers  enthalten,  verbunden  und  daran  schließt  sich  ein  Geißler  scher
Kaliapparat,  der  vorher  gewogen  worden  ist.
Nachdem  man  den  Boden  in  das  Entwickelungs-Kölbchen  gegeben  hat,  wird
der  Apparat  geschlossen,  durch  das  Triohterrohr  verdünnte  Salzsäure  zugegeben,
zum  schwachen  Sieden  erwärmt,  schließlich  kohlensäurefreie  Luft  durchgeleitet  und
der  vorgelegte  Kaliapparat  wieder  gewogen.  Die  Gewichtszunahme  ergibt  die  Menge
Kohlensäure.
Über  die  volumetrische  Bestimmung  der  Kohlensäure  in  kalkreichen  Böden
vergl.  unter  „Mergel“  bezw.  „Kalkstein“.
H.  Immendorff 1 )  weist  darauf  hin,  daß  die  Anwendung  von  Salzsäure  bei
diesem  \  erfahren  zu  unrichtigen  Ergebnissen  führen  muß,  wenn  der  Boden  Manganoxyde
  enthält;  daß  sich  aber  die  oxydierende  Wirkung  eines  solchen  Gemisches  auf
die  im  Boden  stets  vorhandenen  Humussubstanzen  und  auch  die  Entwickelung  von
Chlor  durch  Zufügung  von  Zinnchlorür  leicht  vermeiden  läßt.  Weiter  aber  haben
die  Humusstoffe  die  Eigenschaft,  beim  Erhitzen  mit  Wasser  oder  verdünnter  Salzsäure ­
  in  Gegenwart  von  Sauerstoff  und  selbst  in  einer  W T asserstoffatmbsphäre
Kohlensäure,  wenn  auch  in  geringen  Mengen,  abznspalten;  da  wir  im  Ackerboden
stets  mit  humosen  Substanzen  zu  rechnen  haben,  so  kann  nach  diesem  Verfahren
durch  Erhitzen  mehr  Kohlensäure  (und  daraus  berechnet  auch  mehr  kohlensaurer
Kalk)  gefunden  werden,  als  in  Wirklichkeit  vorhanden  ist,  was  um  so  mehr  ins  Gewicht ­
  fällt,  je  geringer  der  Gehalt  des  Bodens  an  Karbonaten  ist.  H.  Immendorff

B  Zeitscbr.  f.  augew.  Chemie  1900,  1177.
        <pb n="39" />
        16

Untersuchung  von  Boden.

empfiehlt  deshalb,  die  Bestimmung  der  Kohlensäure  in  solchen  Fällen  bei  Zimmertemperatur ­
  zu  Ende  zu  führen;  bei  genügend  langer  Einwirkung  (etwa  3  Stunden)
ist  bei  der  feinen  Verteilung  im  Erdboden  auch  eine  Zersetzung  des  etwa  vorhandenen ­
  dolomitischen  Materials  zu  erreichen.
b)  Bestimmung  der  kohlensauren  Erden  durch  Auskochen  mit  Ammoniumnitrat. ­
  Ist  neben  erheblicheren  Mengen  Calciumkarbonat  auch  Magnesiumkarbonat
anzunehmen  und  zu  bestimmen,  so  benutzt  man  hierzu  die  Eigenschaft  des  Ammoniumnitrats,
  sich  mit  den  kohlensauren  Erden  in  kohlensaures  Ammon  und  salpetersaure
Erden  umzusetzen.
1—2  g  des  möglichst  fein  gepulverten  und  bei  100°  getrockneten  Bodens
werden  in  eine  Porzellanschale  gegeben,  mit  20  ccm  einer  konzentrierten  Ammoniumnitratlösung ­
  unter  Bedecken  mit  einem  Uhrglase  1 / 2  Stunde  lang  gekocht,  indem
man  zum  Schluß  das  verdunstete  Wasser  durch  Zusatz  von  heißem  Wasser  ersetzt,
um  eine  Abscheidung  von  Ammoniumnitrat  zu  vermeiden.  Nachdem  sich  der  Boden
abgesetzt  hat,  dekantiert  man  die  heiße  Lösung  durch  ein  Filter  in  einem  Heißwasser-Trichter, ­
  wiederholt  das  Auskochen  noch  2-mal  und  wäscht  mit  einer  etwas
verdünnteren  heißen  Lösung  von  Ammoniumnitrat  aus.  Das  mit  Wasser  stark
verdünnte  Filtrat  wird  bis  zum  Kochen  erhitzt,  mit  einigen  Tropfen  Ammoniak
versetzt,  der  Kalk  in  bekannter  Weise  mit  Ammoniumoxalat  gefällt  und  nach  dem
Trocknen  und  Glühen  als  CaO  gewogen.
Das  Filtrat  vom  Kalkniederschlage  wird  in  einer  Porzellanschale  auf  etwa
die  Hälfte  eingedampft,  mit  einer  Lösung  von  Natriumphosphat  und  darauf  mit
Ammoniak  —  bis  zu  1 / 3  der  ganzen  Lösung  —  versetzt.  Nach  12—24-stündigem
Stehen  wird  das  ausgesohiedene  phosphorsaure  Ammon-Magnesium  abfiltriert  und
in  bekannter  Weise  als  Magnesiumpyrophosphat  gewogen.
c)  Bei  Böden,  welche  größere  Mengen  an  Karbonaten  der  alkalischen  Erden
enthalten,  kann  nach  H.  Immendorff 1 )  auch  die  Alkalitätsbestimmung  (vergl.
unter  Kalkstein  usw.)  mit  gutem  Erfolge  zur  Ermittelung  des  kohlensauren  Kalkes  und
der  kohlensauren  Magnesia  verwendet  werden.
5.  Bestimmung  des  Gipses.
Knop  rechnet  zu  den  Bodenkonstituenten  auch  den  Gips,  welcher  wasserhaltig ­
  als  Gips  oder  Marienglas,  wasserfrei  als  Anhydrit  oder  Karstenit  in  der
Natur  vorkommt.  Für  gewöhnlich  jedoch  ist  der  Gips  in  der  Ackererde  nur  in
sehr  geringer  Menge  vorhanden  und  kann  deshalb  als  Bodenkonstituent  von  untergeordneter ­
  Bedeutung  vernachlässigt  werden.  Wo  seine  Ermittelung  notwendig
erscheint,  bestimmt  man  im  salzsauren  Auszuge  des  Bodens  die  Schwefelsäure  und
berechnet  aus  dieser  den  Gipsgehalt  (vergl.  weiter  unten  S.  29).  Knop  kocht  eine
entsprechende  Menge  Erde  (2  g)  mit  einer  Lösung  von  schwefelsäurefreiem  Natriumkarbonat ­
  (20  g),  womit  sich  der  Gips  in  Natriumsulfat  und  Calciumkarbonat  umsetzt, ­
  und  bestimmt  die  Schwefelsäure  im  Filtrat.
Ö.  Bestimmung  der  aufgeschlossenen  Silikatbasen.
Hierunter  versteht  man  die  durch  Verwitterung  aus  den  tonliefernden  Silikaten ­
  ausgeschiedenen  Mono-  und  Sesquioxyde  (Aluminiumhydroxyd  und  Ferrihydroxyd);
  die  Menge  derselben  gibt  uns  daher  den  Grad  der  Verwitterung  eines

')  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1900,  1177.
        <pb n="40" />
        Untersuchung  der  Mineralboden.

17

am P  eines  Bodens  im  geraden  Ver-Bodens
  an  und  steht  im  allgemeinen  die  .  Leider  besitzen  wir  kein
hältnis  zu  dem  Gehalt  an  aufgeschlossenen  di  1  a  nuantitativ  zu  bestimmen.
Mittel,  die  Menge  der  aufgeschlossenen  Silikathasen  ge  q.  ^  ^  Die  Menge
Verdünnte  Säuren  greifen  auch  einzelne  unverwi  p at  man  durch  wein-Sesquioxyde,
  welche  in  einer  Ackererde  frei  en  a  indes  hat  sich  heraussaures ­
  Ammonium  auszuziehen  und  zu  bestimmen  ve  ’  Silikate  angreift,
gestellt,  daß  dieses  Lösungsmittel  ebenfalls  110  ien  Feinerde,  in  dem  so-Knop
  ermittelt  daher 1 )  in  der  humus-  un  ^  kohlensauren  Erden  vorgenannten ­
  Feinhoden,  die  neben  Calciumsulh  Monoxyden,  ferner  den
handene  Gesamtmenge  an  Kieselsäure,  Sesquioxy  6  .,  Salzsäure  unlöslichen
Gehalt  an  „Kieselsäure-Ton“,  worunter  er  den  m  ve  ^geschlossenen  Basen
humusfreien  Rückstand  versteht,  und  erhält  die  i  Silikaten,
durch  Subtraktion  der  Menge  des  „Kieselsäure-,  ons  ^  man  p  g  des
Das  Aufschlieöen  der  Silikate  geschieht  in  achten  Feinhodens  mit  10  g
vorher  mit  Oxalsäure  auf  ein  gleichhleihendes  Gewi  '  nimmt  die  Schmelze  aus
kohlensaurem  Kalium-Natrium  zusammenschmi  z  .  ‘  ^dampfschale,  fügt
dem  Tiegel,  reinigt  den  letzteren,  spült  seinen  inna  1BQ  ccm  Wasser .  Bei
die  zerkleinerte  Schmelze  hinzu  und  ul3e ^ gie  ™  vollständig  erweicht.  Hierauf
mäßigem  Erwärmen  ist  die  Masse  binnen  -  Kieselsäure,  sowie
wird  mit  Salzsäure  übersättigt,  zur  Trockne  ver  a  pp e  Monoxyde  findet
im  Filtrat  die  Sesquioxyde  in  bekannter  eise  i  Karbonate  von  Calcium  und
man  aus  der  Differenz;  man  addiert  Calciumsul  a  &amp;gt;  und  su p,trahiert  von  100
Magnesium,  sowie  Kieselsäure  und  Sesquioxyde  zusa  viouoxvde  sehr  wenig  genau
Feinboden.  Natürlich  kann  eine  solche  Bestimmung:  1  Bezüglich  der  Sesquisein,
  da  darauf  alle  Fehler  der  Untersuchung  zusarni  GesamtmeI1 ge,  sondern  auch
oxyde  ist  es  sehr  wünschenswert,  daß  nicht  allem
Eisenoxyd  und  Tonerde  einzeln  für  sich  bestimm  w  ,.  kohlen-Zu.
  Bestimmung  des  IU..U.
sauren  Erden  vorher  bestimmt  sind,  genau  q a i 7 säure  welche  genau  5°/ 0
2  g  Feinerde  werden  mit  50  com  ven  imn  e  p r0Z ent  von  kohlensaurem
Chlorwasserstoff  enthält,  übergossen,  dann  ür  3®  Calcium  0,73  g  HCl
Magnesium,  0,87  g  HCl  und  für  jedes  Prozent  von  übergießt  man  den  Rückmehr ­
  hinzugefügt  und  zur  Trockne  verdunste  .  t  p  2  g  kristallisierter
stand  mit  100  ccm  Wasser,  fügt  je  nach  dem.  U  ,. g  ^ er  Humus  zerstört  ist,  ent-Chromsäure
  hinzu,  erhitzt,  ohne  gerade  zu  oc  en,  Salzsäure  hinzu,  mischt,
lernt  vom  Feuer,  gießt  20  ccm  gewöhnlicher  i  ,  aus  pq s  die  Flüssigkeit
bringt  das  Ganze  auf  das  Filter  und  wäscht  den  4drd  mit  verbrannt,
absolut  farblos  abläuft,  trocknet,  glüht  und  wag  ’  L hrt .  die  Differenz  zwischen
Dieser  Rückstand  wird  als  „Kieselsäure-  on.  ’p e p  an  aufgeschlossenen
demselben  und  der  Gesamtmenge  der  Silikate  zeig  &amp;gt;  &amp;gt;
Basen  vorhanden  ist.
,  a»  1873  und  Landw.  Versuchs-Stationen
1)  Knop;  Die  Bonitierung  der  Ackereide,
1874.  17,  70.  .  ,  „  «toffe  verbrannt  sind  und  keine
2 )  Der  Boden  wird  geglüht,  bis  alle  vemigoht  man  den  Glührückstan
kohlige  Färbung  im  Rückstände  vorhanden  ist,  erhitzt,  bis  die  Oxalsäure
genau  mit  dem  gleichen  Volumen  feingeriehener  nochmals  mit  etwa  der  Hälfte
eben  zersetzt,  läßt  erkalten  und  Wägt.  Man  m«cht  nochmals
Oxalsäure  und  fährt  so  fort,  bis  das  Gewicht  gm  2
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="41" />
        18

Untersuchung  von  Boden.

Das  Schema,  welches  Knop  den  Bodenuntersuchungen  gibt,  ist  hiernach
z.  B.  folgendes:

In  100  Teilen  Peinerde:

(  Hygroskopisches  Wasser  (Feuchtigkeit)  10,2  %
Glühverlust  &amp;lt;  Gebundenes  Wasser  1,0  „
(  Humus  6,0  „

Feinboden

17,2  %
82,8  „
100  o/o
In  100  Teilen  Feinboden:

Sulfat  von  Calcium  ....
_  ,  ,  (  von  Calcium
Karbonat  |  _  Magnesium
r  Kieselsäure  .  .
Silikat  &amp;lt;  Sesquioxyde  .  .
I.  Monoxyde  .  .
Kieselsäure-Ton
Aufgeschlossene  Basen  .  .  .
Absorption  (vergl.  weiter  unten)

0,2  o/o
6,6  o/o
1,2  „

7.8  o/o
77,0  o/ 0
13,5  „
1,5  ,.

92,0  °/o
82,7  „

9,3  „
134,0  „

7.  Bestimmung  des  Tones.
a)  Durch  mechanische  Untersuchung.  Bei  einer  Schlämmgeschwindigkeit  von
0,2  mm  im  Schöneschen  Schlämmtrichter  erhält  man  fast  reinen  Ton  und  die  größte
Menge  desselben,  bei  einer  Schlämmgeschwindigkeit  von  2,0  mm  sämtlichen  im
Boden  enthaltenen  Ton  neben  Feinsand.
Knop  verfährt  zur  mechanischen  Trennung  des  Tones  vom  Sand  der  Feinerde
  wie  folgt:  5  g  Feinerde  werden  zur  Entfernung  der  kohlensauren  Erden  erst
mit  Salzsäure  ausgelaugt,  darauf  zur  Zerstörung  des  Humus  mit  1—2  g  Chromsäure
gekocht,  wieder  mit  einer  reichlichen  Menge  Salzsäure  in  der  Siedehitze  behandelt,
dekantiert  und  mit  Wasser  durch  Dekantation  ausgewaschen.
Zur  weiteren  Behandlung  bereitet  man  sich  eine  Auflösung  von  50  g  Seife
in  1  1  schwachem  Spiritus,  so  daß  die  Mischung  etwa  50  °/ 0  Alkohol  enthält.  Diese
Lösung  erstarrt  beim  Erkalten,  wird  aber  in  gelinder  Wärme  leicht  wieder  flüssig-Den
  mit  Salzsäure  und  Chromsäure  behandelten  Bodenrückstand  tibergießt  man
erst  mit  100  ccm  destilliertem  Wasser,  setzt  etwa  100  ccm  Seifenlösung  hinzu  und
kocht  einige  Zeit;  die  tonigen  Teile  werden  in  der  Seifenlösung  schwebend  erhalten; ­
  darauf  gießt  man  den  Inhalt  der  Schale  in  eine  größere  Schale  von  etwa
1  1  Inhalt,  in  welche  man  vorher  ein  halbes  Liter  destilliertes  Wasser  und  etwas
Seifenlösung  gegossen  hat.  Der  Inhalt  der  kleinen  Schale  wird  in  der  größeren
ausgewaschen,  das  Ganze  absitzen  gelassen  und  der  Rückstand  mit  Seifenwasser  so
lange  nachgewaschen,  bis  alle  tonigen  Teile  entfernt  sind.  Der  Rückstand  wird
getrocknet  und  als  Quarzsand  gewogen.
Hat  man  eine  2te  Probe  von  5  g  Peinerde  nur  mit  Salzsäure  und  Chromsäure
behandelt,  getrocknet  und  gewogen,  so  erhält  man  die  Gesamtmenge  von  Ton  und
Quarzsand  und  nach  Abzug  des  letzteren  die  Menge  Ton.
Diese  Bestimmung  des  Tones  (bezw.  Sandes)  ist  aber  nach  Knop  nur  eine
annähernde,  weil  der  durch  Seifenlösung  schwebend  gehaltene  Ton  auch  noch  feinste
Quarzteilchen  und  etwas  Alkali  von  der  Seife  einschließt.
        <pb n="42" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

19

b)  Durch  chemische  Untersuchung.  Will  man  in  den  hei  0,2  und  _.  mm
Geschwindigkeit  getrennten  Schlämmerzeugnissen  eine  besondere  Tonhestimmung  urc  i
chemische  Untersuchung  ausführen,  so  werden  sie  nach  dem  Trocknen  und  Wagen
wieder  vereinigt  und  gut  gemischt.  Von  den  gemischten  tonreichen  Schlämmerzcugnissen
  —  feine  Tone,  Löß-  und  Mergelsande  können  nach  der  Pulverung  im
Achatmörser  direkt  verwendet  werden  —  werden  1—2  g  in  einem  Wageröhrchen
erst  anhaltend  bei  100°  getrocknet,  darauf  in  ein  weiteres  etwa  40  cm  langes,
unten  zugeschmolzenes  Kaliglasrohr  gebracht  und  mit  20  ccm  verdünnter  c  ve  e
säure  (1  Vol.  konz.  Schwefelsäure  und  5  Yol.  Wasser)  versetzt.  Enthält  die  tomge
Masse  kolensaures  Calcium,  so  setzt  man  das  Kohr  vorher  in  heißes  v  asser,  is
alle  Kohlensäure  ausgetrieben  ist.  Alsdann  wird  das  Kaliglasrohr  oben  an  ein
oberen  Teil  des  Eohres  darf  nichts  von  der  Tonmasse  hängen  —  zugeschmolzen
und  in  einem  Schieß-  oder  Köhrenofen  6  Stunden  lang  bei  120°  erhitzt,  JNach
dem  Erkalten  wird  der  obere  Teil  der  Eöhre  abgesprengt,  indem  man  mit  dem
Diamanten  ringsum  einen  Eing  zieht  und  einen  glühenden  Glasstab  dagegen
hält.  Der  Inhalt  der  Eöhre  wird  unter  Nachspülen  mit  destilliertem  W  asser
in  ein  Becherglas  entleert,  bei  Gegenwart  von  viel  Gips  mit  etwas  Salzsäure  versetzt, ­
  erwärmt,  filtriert  und  ausgewaschen.
Enthält  die  aufzuschließende  Tonsubstanz  bezw.  der  Boden  noch  Humus,  so  bewirkt ­
  man  die  Aufschließung  am  zweckmäßigsten  —  wenn  auch  mit  nicht
gleichmäßigen  Ergebnissen  —  in  der  Weise,  daß  man  etwa  5  g  Boden  in  einer
Dlatinschale  mit  konz  Schwefelsäure  zu  einem  Brei  anrührt,  die  Schwefelsäure  in
einem  Sandbade  oder  auf  einer  Asbestplatte  bei  ganz  kleiner  Flamme  verjagt  und
diese  Behandlung  zum  2  und  B.  Male  wiederholt.  Der  von  Schwefelsäure  tunlichst
befreite  Eückstand  wird  mit  Salzsäure  im  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  m
Luftbade  erwärmt,  darauf  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  gekocht,  filtriert  und  ausgewaschen. ­
  Das  Filtrat  wird  auf  ein  bestimmtes  Volumen  (250  oder  500  ccm)  gebracht ­
  und  in  einem  aliquoten  Teil  (100  oder  150  ccm)  nach  der  Oxydation  des  Eisenoxyduls ­
  mittels  Bromwasser  durch  Zusatz  von  Ammoniak  bis  zu  eben  eintretender
alkalischer  Eeaktion  Tonerde  und  Eisenoxydhydrat  gefällt,  filtriert,  ausgewaschen,
nach  dem  Trocknen  geglüht  und  gewogen.

Ein  zweiter  aliquoter  Teil  der  Lösung  wird  in  derselben  Weise  gefallt,
filtriert,  ausgewaschen,  der  Niederschlag  in  verdünnter  Schwefelsäure  gelost  in
einem  Kolben  mit  Bunsenschem  Ventil  durch  chemisch  reines  Zink  oder  Zink-Kupier  )
oder  ein  mit  Platindraht  umwickeltes  amalgamiertes  Stück  Zink  reduziert  und
das  Eisenoxydul  mit  Kaliumpermanganat  in  bekannter  Weise  titriert.  n  em  man
die  ans  dem  gefundenen  Eisenoxydul  berechnete  Menge  Eisenoxyd  von  o» b ei^ e
wogenen  Fällung:  Tonerde  +  Eisenoxyd  abzieht,  erhält  man  die  Menge  oncra
Letztere  wird  nach  der  Forchhammerschen  Formel  A1 2 SL0 7  +  H„0  mit
multipliziert,  um  die  vorhandene  Gesamtmenge  Ton  zu  berechnen.
Dieses  Verfahren  ist  aber  nicht  genau;  denn  zunächst  rührt  ein  Teil  der  .uif
vorstehende  Weise  gefundenen  Menge  der  in  Salzsäure  löslichen  lonerde  nicni
vom  Ton  als  solchem  her;  ferner  aber  auch  ist  das  Verhältnis  von  onercc

kurze  Zeit  lc .  wird  dadurch  erhalten,  daß  man  das  zu  verwendende  reinste  Zinkpulver
nachdem  s'  h* 1 1  eln ® r  Lösung  von  Kupfersulfat  in  Berührung  bringt  und  letztere  abgießt,
Zink  in  pi.'*-  1  aS  mit  Kupfer  überzogen  hat.  Das  Zink-Kupfer  bezw.  amalgamiertes
Zi„],  ft In  .  fhtspirale  vollziehen  die  vollständige  Eeduktion  des  Eisenoxyds  viel  schneller,

als  Zink  für

sich  allein.

2*
        <pb n="43" />
        20

Untersuchung  von  Boden.

Kieselsäure  nicht  stets  gleichmäßig,  sondern  schwankt  in  den  einzelnen  Tonen
innerhalb  gewisser  Grenzen.
Für  genaue  Untersuchungen  empfiehlt  es  sich  daher,  die  Tonmasse  bezw.
den  Boden  vorher  mit  Salzsäure  anszukochen,  darauf  mit  Schwefelsäure  aufzuschließen ­
  und  weiter  den  von  der  Aufschließung  verbleibenden  Rückstand  zur
Bestimmung  der  im  Ton  vorhandenen  Kieselsäure  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat ­
  und  etwas  Natronlauge  auszukochen,  das  Filtrat  nebst  Waschwasser  mit
überschüssiger  Salzsäure  einzudampfen,  die  ausgeschiedene  Kieselsäure  zu  sammeln
und  zu  wägen  (vergl.  weiter  unten  S.  31  u.  f.).
L.  Grandeau  verfährt  in  folgender  Weise:  10  g  Feinerde  werden  mit
Wasser  zu  einem  steifen  Teig  angerührt,  dieser  Teig  darauf  allmählich  durch
größeren  Wasserzusatz  vollständig  zerteilt;  die  Flüssigkeit  wird  nach  und  nach
unter  Zusatz  von  destilliertem  Wasser  dekantiert,  bis  die  ganze  Menge  Erde
geteilt  und  abgeschlämmt  ist;  die  Gesamtmenge  der  Flüssigkeit  darf  x / 5  oder  x / 4  1
nicht  übersteigen.  Darauf  setzt  man  tropfenweise  Salzsäure  oder  Salpetersäure
zu,  bis  das  kohlensaure  Calcium  vollständig  aufgelöst  ist  (bei  stark  kalkhaltigen
Böden  unter  Erwärmen),  läßt  absitzen,  dekantiert,  bringt  schließlich  den  ganzen
Rückstand  auf  ein  Filter  und  wäscht  mit  Wasser  aus,  bis  das  Filtrat  keine
Kalkreaktion  mehr  zeigt.  Der  Rückstand  wird  in  einem  Becherglase  mit  0,5  g
Ätzkali  oder  2—3  ccm  Ammoniak  versetzt  und  unter  öfterem  Umrühren  4—  5
Stunden  zur  Lösung  der  dem  Tone  anhaftenden  Humussubstanzen  stehen  gelassen; ­
  sodann  wird  das  250  ccm  fassende  Becherglas  mit  Wasser  gefüllt,  umgerührt ­
  und  nach  24-stündigem  Stehen  die  Flüssigkeit  in  ein  l 1 /^  1  fassendes
Becher  glas  gehebert,  darauf  die  abgezogene  Flüssigkeit  durch  Wasser  ersetzt  und
diese  Behandlung  4—6-mal  wiederholt,  bis  die  überstehende  Flüssigkeit  vollkommen
klar  ist.  In  dem  größeren  Becherglase  befindet  sich  der  gesamte  Ton  und  die  im
Alkali  gelöste  Humussubstanz.  Setzt  man  dazu  noch  5—10  g  Chlorkalium,  so  setzt
sich  der  Ton  auf  dem  Boden  ab.  Nachdem  sich  die  Flüssigkeit  geklärt  hat,  hebert
man  den  größten  Teil  derselben  ab,  dekantiert  durch  ein  Filter,  bringt  schließlich
die  gesamte  Tonmenge  auf  dasselbe  und  wäscht  mit  destilliertem  Wasser  so  lange  aus,
bis  die  aufgebrachte  Flüssigkeit  nur  langsam  zu  filtrieren  beginnt,  ein  Beweis  dafür,
daß  der  Ton  infolge  der  Abwesenheit  eines  in  Lösung  befindlichen  Salzes  seinen
früheren  Zustand  wieder  angenommen  hat.  Nach  dem  Trocknen  des  Filters  bringt
man  den  Rückstand  in  eine  gewogene  Platinschale  und  trocknet  bei  150°,  fügt  den
durch  Verbrennen  des  Filters  erhaltenen  Rest  des  auf  dem  Filter  verbliebenen
Tones  hinzu  und  erhält  so  das  Gewicht  des  wasserfreien  Tones.
8.  Bestimmung  des  Sandes  (Quarz  -j-  Silikate).
a)  Bestimmung  des  Gesamtgehaltes.  Den  Anteil  an  gröberem  Sand  (d.  h.
Quarz  +  Silikate)  erfährt  man  durch  Absieben  mittels  eines  Siebes  von  3  bezw.  2  mm
Lochweite,  den  Anteil  an  feinerem  Sand  dagegen  durch  die  Schlämmuntersuchung;
bei  einer  Schlämmgeschwindigkeit  von  2  mm  in  der  Sekunde  wird  die  tonige  Masse
des  Bodens  ziemlich  vollständig  abgetrennt,  und  man  erfährt  den  Gehalt  an  Sand
und  die  Körnung  desselben,  wie  oben  S.  6  und  12  beschrieben  ist.
Auch  kann  zur  annähernden  Bestimmung  des  Sandgehaltes  das  unter  7  a  (S.  18)
beschriebene  Verfahren  von  Knop  dienen,  ferner  das  Verfahren  von  A.  Müller  mit
Phosphorsäure  (vergl.  unter  „Untersuchung  von  Gesteinen  und  deren  Verwitterungserzeugnisse). ­
  Eine  genaue  Bestimmung  des  Sandgehaltes,  sowie  eine  Trennung"
des  Quarzsandes  von  den  Silikaten  ist  jedoch  nur  durch  die  chemische  Untersuchung
möglich.  Vergl.  S.  31  u.  f.
        <pb n="44" />
        Untersuchung  der  Miueralböden.

21

b)  Petrographisehe  Bestimmung  der  gröberen  Gemengteile  des  Sandes.
Die  mechanisch  abgetrennten  gröberen  Gemengteile  eines  Sandes  schließen  außer
Quarzsand  mitunter  sehr  verschiedenartige  Bestandteile  (Feldspat  und  Silikate
aller  Art  usw.)  ein,  deren  petrographisehe  Bestimmung  sowohl  in  geologischer
Hinsicht  für  Herkunft  und  Bildung  eines  Bodens,  wie  auch  in  agronomischer  Beziehung ­
  für  die  Beurteilung  des  Bodens  als  Pflanzennährmittel  von  Bedeutung  ist.
Einen  gewissen  Aufschluß  über  die  Natur  dieser  Gemengteile  erhält  man,  wenn
man  den  ahgesiebten  bezw.  abgeschlämmten  Sand  anfeuchtet,  mit  Hilfe  einer  Lupe
und  Pinzette  die  gleichartigen  Bestandteile  ausliest  und  sie  auf  Farbe,  Glanz  und
Härte  —  am  besten  nach  der  Mohssehen  Härteskala  —  auf  Spaltbarkeit,  Schmelzbarkeit ­
  und  auf  magnetische  Eigenschaft  prüft;  kleine  Kalksteinchen  geben  sich
dadurch  zu  erkennen,  daß  sie  mit  verdünnter  Salzsäure  Kohlensäure  entwickeln.
Eine  weitere  Trennung  kann  dadurch  bewirkt  werden,  daß  die  Gemengteile
in  spezifisch  sehr  schwere  Flüssigkeiten  gebracht  werden.  Thoulet  stellt
zu  dem  Zweck  durch  abwechselndes  Einträgen  von  Quecksilberjodid  und  Jodkalium
in  Wasser  eine  Lösung  von  2,77  spezifischem  Gewicht  (bei  11—15°)  her  und  bewirkt ­
  durch  diese  eine  Absoheidung  aller  Körper  von  höherem  spezifischen  Gewicht;
durch  Verdünnen  der  Lösung  lassen  sich  auch  die  Körper  von  geringerem  spezifischen
Gewicht  von  einander  trennen.  Goldschmidt  löst  210  g  Jodkalium  und  280  g  Quecksilberjodid ­
  in  25  ccm  destilliertem  Wasser  und  erzielt  eine  Lösung  von  3,196  spezifischem
Gewicht,  auf  welcher  z.  B.  Flußspat  (von  3,1—3,2  spezifischem  Gewicht)  schwimmt,
Eohrbach  nimmt  100  Teile  Jodbaryum  und  130  Teile  Jodquecksilber  auf  20  ccm
Wasser,  erhitzt  im  Ölbade  auf  150—200°  und  filtriert;  die  Lösung  hat  ein  spezifisches
Gewicht  von  3,39,  auf  welcher  Topas  schwimmt.  Von  Klein  ist  zu  dem  Zweck
Cadmiumborowolframat  vorgeschlagen,  welches  bei  75°  in  seinem  Kristallwasser
schmilzt  und  eine  Lösung  von  3,3—3,6  spezifischem  Gewicht  liefert,  indes  Karbonate
und  Sulfate  angreift.
Mit  Hilfe  derartiger  Lösungen 1 )  unter  Berücksichtigung  der  nachstehenden
spezifischen  Gewichte  lassen  sich  die  besonderen  Gemongteile  des  abgesiebten  bezw.
abgeschlämmten  Sandes  trennen  und  bestimmen.  Die  spezifischen  Gewichte  sind
z.  B.  felgende:

Gips

.  2,20-2,40

Augit

2.88—3,60

Orthoklas....

.  2,53—2,68

Turmalin

2,94—3.24

Albit

.  2,62—2.67

Hornblende  ....

2,90—3,30

Oligoklas  ....

.  2,63-2,68

Flußspat

3,10—3,20

Quarz

.  2,65

Rutil

4,20—4,30

Kalkspat  ....

.  2.65—2,80

Schwerspat  ....

4,30—4,70

Anorthit  ....

.  2,67—2,76

Pyrit  (Schwefelkies)  .

4,90—6,20

Magnesiaglimmer  .
Kaliglimmer.  .  .

.  2,74—3,13
.  2,76—3,10

Magneteisenerz.  .  .

4,90—5,20

II.  Die  Bestimmung  der  einzelnen  chemischen  Elemente
bezw.  Pflanzennährstoffe.
Bei  einem  gleichmäßig  beschaffenen  Boden  könnte  man  die  Menge  der  einzelnen
chemischen  Bestandteile  am  schnellsten  in  der  Weise  bestimmen,  daß  man  den  Boden
einerseits  mit  Natriumkarbonat  (auf  1—2  g  Boden  die  5—6-fache  Menge  von  wasser-')
  Thoulet  und  Brögger  haben  für  diese  Art  Untersuchungen  besondere  Soheideapparate
  bezw.  Scheidetrichter  (vergl.  Wahnsohaffe;  Anleitung  zur  wissenschaftlichen
Bodenuntersuchung,  Berlin  1903,  S.  87—90)  angefertigt.
        <pb n="45" />
        22

Untersuchung  von  Boden.

freiem  Natriumkarbonat)  zur  Bestimmung  von  Kieselsäure,  Tonerde,  Eisenoxyd,
Mangan,  Kalk,  Magnesia  aufscbließt,  andererseits  den  Boden  (nach  dem  Glühen)
zur  Bestimmung  der  Alkalien  (Kali  und  Natron)  mit  Elußsäure  behandelt.  Auf
diese  Weise  erhält  man  aber  kein  klares  Bild  darüber,  in  welcher  Form  die  einzelnen ­
  Elemente  in  dem  Boden  enthalten  sind.
Zur  besseren  Beurteilung  der  chemischen  Konstitution  eines  Bodens  wird
derselbe  daher  einer  stufenweisen  Behandlung  unterworfen:
1.  mit  schwächeren  Säuren  (Salzsäure),
2.  „  konz.  Schwefelsäure,
3.  „  Flußsäure.
Als  schwächere  Säuren  verwendet  man  neben  der  Salzsäure  (kalt  und  in  der
Siedehitze)  auch  wohl  kohlensäure-  oder  essigsäure-  oder  zitronensäurehaltiges
Wasser,  welche  letztere  Lösungsmittel  einen  Anhaltspunkt  darüber  geben  sollen,  wie
viel  von  den  mineralischen  Nährstoffen  des  Bodens  in  leicht  aufnehmharer  Form  für  die
Pflanzen  vorhanden  sind.  Wenngleich  dieses  nicht  der  Fall  ist  und  sein  kann,  da  hei  der
Lösung  der  Nährstoffe  des  Bodens  nicht  das  kohlensäure-  oder  humussäurehaltige
Wasser  des  Bodens  allein  in  Betracht  kommt,  sondern  die  Wechselwirkung  zwischen
Pflanzenwurzeln  bezw.  deren  Ausscheidungen  und  den  Boden-Agentien,  so  kann  die
Behandlung  mit  verschieden  starken  Lösungsmitteln  doch  zur  Kennzeichnung  des
Bodens  mit  beitragen,  und  möge  hier  die  Behandlung  des  Bodens  mit  verschieden
schwachen  Säuren  beschrieben  werden.
1.  Behandlung  des  Bodens  mit  schwachen  Säuren.
a)  Mit  kohlensäurehaltigem  Wasser.  1500  g  lufttrookner  Boden  werden
mit  6000  ccm  des  mit  Kohlensäure  zu  1 / 4  gesättigten  Wassers  —  abzüglich  der
schon  vorhandenen  und  bei  100°  sich  verflüchtigenden  Menge  Wasser  ■—  in  einer
gut  verschließbaren  Flasche  übergossen  und  durchgeschüttelt.  Das  1 / 4  gesättigte
kohlensäurehaltige  Wasser  bereitet  man  in  der  Weise,  daß  man  1500  ccm  Wasser
bei  gewöhnlicher  Temperatur  und  mittlerem  Luftdruck  vollständig  mit  Kohlensäure
sättigt  und  darauf  mit  4500  ccm  Wasser  verdünnt.  Der  Boden  bleibt  mit  dem
Wasser  3  Tage  lang  unter  häufigem  und  regelmäßig  wiederholtem  Bollen  der  Flasche
auf  einer  weichen  Unterlage  in  Berührung;  darauf  werden  2 / ä  der  Flüssigkeit,
nämlich  4000  ccm  —  entsprechend  1000  g  Boden  —  möglichst  klar  abgegossen
oder  mittels  eines  Hebers  abgezogen,  dieselben  in  einer  luftdicht  verschlossenen
Flasche  noch  etwa  24  Stunden  lang  ruhig  stehen  gelassen  und  durch  ein  doppeltes
Filter  unter  Bedecken  des  Trichters  abfiltriert.  Ist  das  Filtrat  nicht  klar,  so  dampft
man  dasselbe  unter  Zusatz  von  Salzsäure  auf  etwa  300—400  ccm  ein,  filtriert  von
dem  abgeschiedenen  Ton  ab  und  bringt  das  Filtrat  einschl.  Waschwasser  auf  500  ccm.
Soll  der  Boden  mehrmals  mit  kohlensäurehaltigem  Wasser 1 )  behandelt  werden,  so
ersetzt  man  die  abgegossenen  4000  ccm  durch  eine  gleiche  Menge  reinen,  mit  Kohlensäure ­
  zu  1 j i  gesättigten  Wassers,  läßt  wiederum  3  Tage  unter  häufigem  Bollen  des
’)  Ulbricht  (Landw.  Versuchs-Stationen  5,  200),  sowie  W.  Wolf  und  Jani
(Landw.  Jahrbücher  1873,  3,  392)  haben  gefunden,  daß  der  erste  Auszug  mit  (XL-haltigem
Wasser  zwar  mehr  Pflanzennährstoffe  enthält  als  die  späteren  Auszüge,  daß  jedoch  mit
dem  zweiten  und  dritten  Auszuge  bei  Anwendung  stets  gleicher  Wassermengen  hinsichtlich ­
  der  Menge  der  gelösten  Stoffe  eine  beinahe  unveränderliche  Größe  erreicht  wird,  welche
mit  der  chemischen  Konstitution  des  Bodens  und  seinem  Gehalt  an  adsorbierten  Nährstoffen,
sowie  mit  der  länger  anhaltenden  Fruchtbarkeit  desselben  im  Zusammenhang  zu  stehen
scheint.
        <pb n="46" />
        Untersuchung  der  Mineralhöden.

23

Gefäßes  stehen,  gießt  nach  Verlauf  dieser  Zeit  abermals  4000  ccm  ab  und  wiederholt
diese  Behandlung  zum  3.  und  4.  Male  oder  nach  Umständen  noch  öfter.
Von  dem  Filtrat  dient  ein  aliquoter  Teil,  etwa  1000  ccm  =  250  g  Boden,  zur
Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile,  wie  sie  weiter  unten  für  die  salzsauren
Auszüge  beschrieben  ist.
Erscheint  auch  die  Bestimmung  der  in  essigsäurehaltigem  Wasser  löslichen ­
  Bodenbestandteile  erwünscht,  so  werden  ebenfalls  1500  g  Boden  mit  6000  ccm
Wasser  von  1,  2  oder  5  °/ 0  Essigsäuregehalt  behandelt,  hiervon  ebenfalls  4000  ccm
abfiltriert  und  je  nach  dem  Gehalt  500  ccm  oder  1000  ccm  zur  Bestimmung  der
einzelnen  Bestandteile  verwendet.
Vielfach  werden  jetzt  auch  zur  Bestimmung  der  leichtlöslichen  Bodennährstoffe
1  %-  oder  2°/ 0 -ige  Zitronensäure  und  andere  Lösungsmittel  angewendet  (vergl.  weiter
unten  unter  Abschnitt  VI  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens).
b)  Behandlung  des  Bodens  mit  kalter  konzentrierter  Salzsäure.  460  g
lufttrockner  Boden  werden  in  einer  mit  Glasstöpsel  versehenen,  hinreichend  geräumigen ­
  Flasche  mit  1600  ccm  konzentrierter  reiner  Salzsäure  von  1,15  spezifischem
Gewicht  übergossen  und  damit  unter  häufigem  Umschütteln  48  Stunden 1 )  lang  bei
gewöhnlicher  Temperatur  (14—18°)  in  Berührung  gelassen.  Hierauf  werden  von
der  Flüssigkeit  1000  ccm  entsprechend  300  g  Boden  abfiltriert  und  aliquote
Teile  des  Filtrats  (je  200  ccm  entsprechend  60  g  Boden,  oder  für  die  Bestimmung
der  Phosphorsäure,  Schwefelsäure  und  Alkalien  auch  die  doppelte  Menge *  2 ))  zur  Bestimmung ­
  der  einzelnen  Bestandteile  verwendet.
c)  Behandlung  des  Bodens  mit  heisser  konzentrierter  Salzsäure.  160  g
lufttrockner  Boden 3 )  werden  in  einem  geräumigen  Glaskolben  mit  300  ccm  konzentrierter ­
  reiner  Salzsäure  von  1,15  spezifischem  Gewicht  übergossen,  unter  häufigem
Umschütteln  der  ganzen  Masse  bis  zum  Kochen  erhitzt,  genau  eine  Stunde  lang  im
Kochen  erhalten,  hierauf  mit  etwa  dem  doppelten  Volumen  heißen  Wassers  verdünnt
und  nach  kurzem  Stehen  durch  ein  hinreichend  großes,  in  seinem  unteren  Teile
doppeltes  Filter  filtriert.  Der  ungelöste  Rückstand  wird  im  Kolben  noch  3-mal  mit
heißem  Wasser  behandelt,  dann  unter  Umschütteln,  so  daß  auch  die  gröberen  Teile
gleichzeitig  mit  aus  dem  Kolben  gespült  werden,  aufs  Filter 1 )  gebracht  und  noch
weiter  bis  zum  Verschwinden  der  Chlor-Reaktion  mit  heißem  Wasser  behandelt.
Um  das  Abscheiden  von  schleimiger  organischer  Substanz  im  Filtrat  zu  vermeiden, ­
  setzt  man  gleich  anfangs  zu  der  Salzsäure  zweckmäßig  etwas  Salpetersäure.
Das  Gesamtfiltrat  (salzsaure  Lösung  und  Waschwasser)  wird  unter  Zusatz
von  etwas  Salpetersäure  eingedunstet  und  auf  1000  ccm  gebracht.  Hiervon  dienen
200  ccm  =  30  g  Boden  (oder  für  die  Bestimmung  der  Phosphorsäure,  Schwefelsäure
und  Alkalien  auch  die  doppelte  Menge)  zur  Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile.

&amp;gt;)  F.  Wohltmann  empfiehlt  (Journ.  f.  Landw.  1896,  44,  211),  in  den  ersten  12  Stunden
stündlich  umzuschütteln,  12  Stunden  stehen  zu  lassen,  dann  wiederum  12  Stunden  stund
umzuschütteln,  abermals  12  Stunden  stehen  zu  lassen  und  dann  wie  o  en  zu  i  noien  ■  •
.*)  Bei  kalkreichen  Böden  nimmt  man  zur  quantitativen  Bestimmung  des  Kalkes
entsprechend  weniger.  ,  .  ,  ■D««irafonfl
3 )  Bei  kalkreichen  Bodenarten  und  Gesteinen  verwendet  man  hierzu  B  „
von  der  Behandlung  mit  kalter  Salzsäure;  in  diesem  Falle  wird  die  ganze  kalt  •_
Flüssigkeit  ahfiltriert,  der  Rückstand  ausgewaschen  und  mit  heißer  balzsaure  weiter  b  d  •
«)  Zur  Beschleunigung  der  Filtration  kann  man  auch  die  feinsten_  Teile  des  Rü&amp;lt;*
Standes  mit  heißem  Wasser  abschlämmen,  den  gröberen  Sand  erst  aufs  I  ilter  br  -
auf  diesen  die  feinsten  Teile  gießen.
        <pb n="47" />
        24

Untersuchung  Ton  Boden.

Untersuchung  der  saueren  Lösungen.
Die  Untersuchung  der  vorstehenden  Lösungen  (mit  kohlensäurehaltigem  Wasser,
mit  kalter  und  heilier  Salzsäure)  auf  die  einzelnen  Bestandteile  erfolgt  übereinstimmend ­
  nach  folgenden  empfehlenswerten  Verfahren:
a)  Bestimmung  der  gelösten  Kieselsäure  (und  Zerstörung  des
Humus).  Die  obigen  salzsauren  oder  salzsauer  gemachten  Lösungen  werden  auf
dem  Wasserbade  in  einer  glasierten  Porzellanschale  zur  Trockne  verdampft,  indem
man  gegen  Ende  etwas  konz.  Salpetersäure  zusetzt,  um  die  organischen  Substanzen
sowie  Eisenoxydul  zu  oxydieren.  Den  trockenen  Rückstand  feuchtet  man  nochmals
mit  konzentrierter  Salpetersäure  an  und  dampft  abermals  zur  Trockne  ein.  Zur
Vertagung  der  Salpetersäure  feuchtet  man  wieder  mit  Salzsäure  an,  verdunstet
diese  erst  auf  dem  Wasserbade,  erwärmt  den  Trockenrückstand  eine  Zeit  lang  im
Luftbade  und  nimmt  schließlich  mit  heißem  salzsäurehaltigen  Wasser  auf.  Die
unlöslich  gewordene  Kieselsäure  wird  abfiltriert,  ausgewaschen,  geglüht  und  gewogen.
Das  Filtrat  wird  zur  Bestimmung  der  sonstigen  Bestandteile  verwendet. 1 )
ß)  Bestimmung  des  Eisenoxyds,  der  Tonerde  und  Phosphorsäure.
1.  Bestimmung  der  Gesamtmenge  derselben.  Die  von  der  Kieselsäure  abfiltrierte ­
  Flüssigkeit  entsprechend  30  oder  60  oder  250  g  Boden  wird  nach  und  nach  mit
kleinen  Mengen  von  kohlensaurem  Natrium  annähernd  neutralisiert,  bis  eine  schwache
Trübung  entsteht,  dann  macht  man  die  Lösung  unter  Umrühren  durch  einige  Tropfen
Salzsäure  wieder  klar,  erhitzt  bis  zum  Kochen,  fügt  einen  Überschuß  von  essigsaurem ­
  Natrium  hinzu  und  setzt  das  Kochen  eine  Zeit  lang  fort,  um  die  ganze  Menge
des  Eisenoxyds  und  der  Tonerde  als  basisch-essigsaure  Salze  bezw.  Phosphate  abzuscheiden. ­

Um  jede  Spur  Mangan  von  dem  Eisenoxyd  usw.  zu  trennen,  löst  man  den  abfiltrierten
Niederschlag  in  Salzsäure  wieder  auf  und  fällt  nochmals  wie  vorhin  mit  essigsaurem
Natrium,  filtriert,  wäscht  gut  aus  und  vereinigt  beide  Filtrate,  sowie  die  Waschwässer.
Der  abfiltrierte  und  ausgewaschene  Niederschlag  wird  noch  feucht  in  Schwefelsäure ­
  gelöst  und  die  Lösung  in  2  Teile  geteilt;  die  eine  Hälfte  wird  mit  Ammoniak
gefällt,  der  Niederschlag  abfiltriert  und  als  Fe 2 0 3  +  A1„0 8  -j-  P 2 0 5  gewogen.
F.  Wohltmaün 2 )  verfährt  nach  dem  Glas  er  sehen  Verfahren,  wie  es  später
unter  „Untersuchung  von  Düngemitteln“  angegeben  wird.
2.  Bestimmung  des  Eisenoxyds.  Man  bringt  die  schwefelsaure  Lösung
in  einen  Glaskolben,  leitet  einige  Zeit  Kohlensäure  über  die  Flüssigkeit,  um  die
Luft  zu  verdrängen,  und  reduziert 8 )  das  Eisenoxyd  unter  Zusatz  von  schweflig-J
 )  Da  bei  sehr  humusreichen  Bodenarten  die  organischen  Substanzen  durch  das  Abdampfen ­
  mit  Königswasser  nur  unvollkommen  zerstört  werden,  die  letzteren  aber  die  Fällung
der  Hydrate,  wie  auch  der  Phosphate  des  Eisenoxyds  und  der  Tonerde  beeinträchtigen,
so  wird  die  zur  Verwendung  kommende  Lösung  in  einer  Platinschale  fast  zur  Trockne
gebracht,  dann  mit  reiner  Kalilauge  bis  zum  starken  Yorwalten  versetzt,  das  Ganze  unter
Zusatz  von  etwas  kohlensaurem  Natrium  und  Salpeter  zur  Trockne  verdampft  und  bis  zur
Zerstörung  der  organischen  Substanzen  geglüht.  Der  Rückstand  wird  mit  Wasser  aufgeweioht,
  die  Lösung  in  einen  Kolben  abgegossen,  das  in  Wasser  Unlösliche  —  nachdem
man  es  in  ein  Glas-  oder  Porzellangefäß  gebracht  hat  —  mit  Salzsäure  bis  zur  Lösung
erwärmt  und  beide  Lösungen  vereinigt.  Man  bestimmt  in  der  einen  Hälfte  Eisenoxyd,
Tonerde,  Mangan,  Kalk  und  Magnesia,  in  der  anderen  Hälfte  die  Phosphorsäure.  Schwefelsäure ­
  und  Alkalien  werden  in  der  nach  oben  unter  a  vorbereiteten  Lösung  bestimmt.
2 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1896,  44,  211.
3 )  In  der  Flüssigkeit  darf  hierbei  keine  Spur  von  Salpetersäure  zugegen  sein  (Zeitschr.
f.  analyt.  Chemie  1867,  6,  116).
        <pb n="48" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

25

saurem  Natrium  oder  besser  mit  reinem  Zink  bezw.  Zink-Kupfer  usw.  (vergl.  S.  19)  zu
Oxydul,  welches  nach  dem  Erkalten  der  Flüssigkeit  mit  titrierter  1 / 10  Kaliumpermanganatlösung ­
  bestimmt  wird.
Bei  Anwendung  von  schwefligsaurem  Natrium  muß,  nach  erfolgter  Reduktion  des
Eisenoxyds,  die  Flüssigkeit  so  lange  gekocht  werden,  bis  der  Überschuß  der  schwefligen
Säure  vollständig  entfernt  ist,  bevor  der  Eisengehalt  mittels  der  titrierten  Kaliumpermanganatlösung ­
  bestimmt  werden  kann.  —  Die  reduzierte  Lösung  darf  keine  Reaktion
mit  Rhodankalium  geben.
Um  den  Titer  der  Kaliumpermanganatlösung  festzustellen,  löst  man  entweder  1  g  feinen,
mit  Schmirgelpapier  blank  geputzten  weichen  Eisendraht  in  verdünnter  Schwefelsäure  oder
auch  eine  entsprechende  Menge  von  Mohrsohem  Salz  (kristallisiertes  schwefolsaures  Ferro-Ammonium,
  welches  genau  1 / 7  seines  Gewichtes  an  metallischem  Eisen  enthält)  in  Wasser  unter
Zusatz  von  etwas  Schwefelsäure  auf,  wobei  man  durch  einen  Strom  von  Kohlensäuregas
den  Zutritt  der  atmosphärischen  Luft  abhält..
Bei  den  wässerigen  Auszügen  bezw.  den  mit  kohlensäurehaltigem  Wasser
erhaltenen  Auszügen  wird  nicht  direkt  Fo ä 0 3  -f-  Al 2 0 3  +  P 2 0 6  zusammen  gefällt,  wie
(in  ß  1)  beschrieben,  sondern  man  versetzt  mit  einem  kleinen  Volumen  von  sehr  verdünnter, ­
  genau  titrierter  Eisenchloridlösung,  erwärmt  dann  und  fällt  durch  schwache
Übersättigung  mit  Ammoniak.  Der  Niederschlag  wird  nach  dem  Auswaschen  auf  dem
Filter  sofort  wieder  in  verdünnter  Salzsäure  gelöst  und  mit  Ammoniak  abermals  aus
dieser  Lösung  ausgeschieden,  gut  ausgewaschen,  nach  dem  Trocknen  und  Glühen  gewogen.
Die  Menge  des  in  Form  von  Eisenchlorid  zugesetzten  Eisenoxyds  wird  in  Abzug  gebracht.
Der  gewogene  Rückstand  wird  in  rauchender  Salzsäure  gelöst,  die  Lösung  vorsichtig  zur
Trockne  verdampft,  die  trockne  Masse  bis  zum  Verschwinden  des  Chlorgeruches  mit
Salpetersäure  behandelt  und  zur  Bestimmung  der  Phosphorsäure  unter  Anwendung  von
molybdänsaurem  Ammon  (nach  ß  3)  benutzt.
Die  Menge  des  im  wässerigen  Auszug  der  Ackererde  enthaltenen  Eisenoxyds  und
der  Tonerde  ist  meist  so  unbedeutend,  daß  es  kaum  nötig  sein  dürfte,  diese  Stoffe  quantitativ ­
  zu  ermitteln  (ausgenommen  jedoch,  wenn  der  zu  untersuchende  Boden  eine  saure
und  stark  humose  Beschaffenheit  besitzt  oder  sonstwie  Eisenoxydulverbindungen  vermutet
werden);  man  wird  daher  häufig  den  Ammoniak-Niederschlag  nicht  zu  glühen  und  zu
wägen  brauchen,  sondern  ihn  sofort  in  Salpetersäure  auflösen  und  zur  Bestimmung  der  Phosphorsäure ­
  verwenden  können.  Der  Zusatz  von  Eisenchlorid  zu  der  betreffenden  Flüssigkeit
erfolgt,  um  sicher  zu  sein,  daß  die  ganze  Menge  der  etwa  vorhandenen  Phosphorsäure  in
den  Ammoniak-Niederschlag  übergeht;  sollte  in  einzelnen  Fällen  schon  durch  Wasser  eine
nicht  unbedeutende  Menge  Eisen  aus  dem  Boden  gelöst  worden  sein,  dann  ist  ein  weiterer
Zusatz  von  Bisen  unnötig.  Eine  wiederholte  Auflösung  des  Ammoniak-Niederschlages  in
Salzsäure  muß  vorgenommen  werden,  weil  der  erst  entstehende  Niederschlag  leicht  eine
kleine  Menge  von  Schwefelsäure  und  namentlich  von  kohlensaurem  Calcium  enthalten  kann,
ein  Zusatz  von  Essigsäure  aber  bezüglich  der  später  in  derselben  Flüssigkeit  vorzunehmenden
Alkali-Bestimmung  mit  Unbequemlichkeiten  verbunden  ist.
R.  Sachße  und  A.  Becker  schlagen  zur  Bestimmung  des  freien  Eisenoxyds
im  Boden  folgendes  Verfahren 1 )  vor;  Die  Substanz  wird  mit  100  ccm  Wasser  aufgesohlämmt,
  mit  3  g  Cyankalium  versetzt  und  dann  Schwefelwasserstoff  eingeleitet;
das  gebildete  Schwefeleisen  setzt  sich  mit  Cyankalium  in  Ferrocyankalium  um.
Nach  dem  Erwärmen  auf  dem  Wasserbade  (zur  Verjagung  des  überschüssigen
Schwefelwasserstoffes)  wird  filtriert,  das  Filtrat  mit  Schwefelsäure  stark  ungesäuert,
in  einer  Platinschale  eingedampft  und  geglüht.  Der  Rückstand  wird  wieder  gelöst
und  wie  üblich  das  Eisen  mit  Kaliumpermanganatlösung  titriert.
3.  Bestimmung  der  Phosphorsäure.  Eine  gleichgroße,  30  oder  60
oder  250  g  Boden  entsprechende  Menge  der  ursprünglichen  Lösung  wird,  wie  unter
')  Landw.  Versuchs-Stationen  1896,  45,  419.
        <pb n="49" />
        26

Untersuchung  von  Boden.

a  angegeben  ist,  behandelt  und  die  nach  dem  Abscheiden  der  Kieselsäure  erhaltene
salzsaure  Lösung  eingedampft,  mit  Salpetersäure  aufgenommen  und  wieder  eingedampft ­
  und  diese  Behandlung  noch  2-mal  wiederholt;  schließlich  wird  der  Rückstand
mit  Salpetersäure  aufgenommen  und  die  Phosphorsäure  mit  molybdänsaurem  Ammon
gefällt.  Man  läßt  6—12  Stunden  lang  bei  einer  Temperatur  von  40—60°  stehen
und  verfährt  dann  weiter,  wie  bei  Düngemitteln  (weiter  unten)  angegeben  ist.
Indem  man  von  der  Gewichtsmenge  unter  ß  1  das  unter  ß  2  bestimmte
Eisenoxyd  (Fe 2 0 3 ),  sowie  die  Hälfte  der  hier  unter  ß  3  bestimmten  Phosphorsäure
(P 3 0 B )  abzieht,  erhält  man  die  Menge  der  Tonerde  (A1 2 0 3 ).
Man  kann  auch  die  von  der  Kieselsäure  befreite  Lösung  vor  der  Phosphorsäurefällung ­
  von  den  Hauptmengen  des  Eisens  befreien,  indem  man  die  salzsaure  Lösung  in
einen  Glaskolben  bis  zum  Kochen  erhitzt,  dann  die  Flamme  entfernt  und  so  lange  eine
Lösung  von  schwefligsaurem  Natrium  zusetzt,  bis  diese  Flüssigkeit  fast  ganz  entfärbt  ist.
Hierauf  wird  gekocht,  bis  der  Geruch  nach  Schwefliger  Säure  verschwunden  ist,  die  noch
vorhandene  freie  Salzsäure  mit  kohlensaurem  Natrium  beinahe  gesättigt,  kurz  aufgekocht,
sodann  einige  Tropfen  Chlorwasser  zugesetzt  und  mit  essigsaurem  Natrium  gefällt.  Der
dadurch  gebildete  Niederschlag  enthält  sehr  wenig  Eisenoxyd,  dagegen  Tonerde  und  die
ganze  Menge  der  vorhandenen  Phosphorsäure.  Dieser  Niederschlag  wird  dann  in  wenig
Salpetersäure  gelöst  und  weiter  wie  oben  behandelt.
Die  vorherige  Abscheidung  des  Eisenoxyds  ist  unter  Umständen  zu  empfehlen,  weil
große  Mengen  Eisenoxyd  neben  geringen  Mengen  Phosphorsäure  die  Fällung  der  letzteren
mit  Molybdänlösung  beeinträchtigen.
M.  Märcker  wendet  folgendes  einfache  und  schnelle  Verfahren  zur  Bestimmung ­
  der  Phosphorsäure  an,  wenn  es  sich  um  Ermittelung  dieser  allein
handelt:
25  g  Boden  werden  mit  20  ccm  rauchender  Salpetersäure  und  50  ccm  konzentrierter ­
  Schwefelsäure  1 / 2  Stunde  gekocht,  die  Lösung  wird  nach  dem  Erkalten  auf
500  ccm  auf  gefüllt  und  hiervon  werden  100  ccm  =  5  g  Boden  zur  Fällung  verwendet;
dieselben  werden  mit  Ammoniak  übersättigt,  wieder  schwach  angesäuert,  nach  dem
Erkalten  mit  50  ccm  Zitratlösung  (vergl.  unter  „Lösungen“  No.  12  am  Schluß)  und
25  ccm  Magnesiamixtur  versetzt,  1 / 2  Stunde  mittels  Rührapparates  umgerührt  und
erst  nach  24—48-ständigem  Stehen  abfiltriert.
y)  Bestimmung  des  Mangans.  In  der  von  dem  Eisenoxyd-Tonerde-Niederschlage
  abfiltrierten  schwach  essigsauren  Flüssigkeit  wird,  nachdem  dieselbe
etwas,  aber  nicht  zu  stark  eingedampft  worden  ist,  das  etwa  vorhandene  Mangan
ermittelt,  indem  man  unter  gelindem  Erwärmen  entweder  unterchlorigsaures  Natrium
oder  Bromlauge  zusetzt  oder  Chlorgas  oder  Bromgas  durch  die  auf  60—70°  erhitzte
Flüssigkeit  bis  zur  Sättigung  derselben  hindurchleitet.
Die  Flüssigkeit  darf  bei  Anwendung  von  Chlor-  oder  Bromgas  natürlich  keine  Spur
von  Ammonsalz  enthalten  (wegen  Bildung  von  Chlor-  bezw.  Bromstickstoffl).  Wendet  man
unterchlorigsaures  Natrium  oder  auch  eine  Auflösung  von  Brom  in  Natronlauge  (Bromlauge) ­
  an,  so  kann  durch  den  Zusatz  eine  Neutralisation  der  Säure  stattfinden;  es  ist
alsdann  ein  weiterer  Zusatz  von  Essigsäure  erforderlich  und  zu  beachten,  daß  die  Flüssigkeit
stets  schwach  sauer  bleibt.
Das  Mangan  wird  durch  Chlor  usw.  als  voluminöses,  braunschwarzes  Superoxyd
(Mn0 2 .  H 2 0)  ausgeschieden;  man  filtriert  dasselbe  ab,  wäscht  gut  aus,  löst  es  nach  dem
Trocknen  möglichst  vollständig  von  dem  Filter  ab,  verbrennt  das  letztere  und  behandelt ­
  das  Ganze  mit  Salzsäure.  Die  so  dargestellte  Lösung  wird,  nachdem  die
Salzsäure  größtenteils  verdampft  worden  ist,  mit  Wasser  verdünnt  und  mit  kohlensaurem ­
  Ammon  schwach  übersättigt,  sodann  12  Stunden  lang  an  einem  warmen
Orte  stehen  gelassen,  hierauf  das  ausgefällte  kohlensaure  Mangan  ahfiltriert,  mit
        <pb n="50" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.  27

heißem  Wasser  ausgewaschen,  nach  dem  Verbrennen  des  Filters  bis  zum  gleichbleibenden
Gewicht  des  Rückstandes  geglüht  und  dieser  als  Manganoxyduloxyd  (Mn 3 04)  in
Rechnung  gebracht.
Bei  Anwendung  von  kohlensaurem  Natrium  anstatt  des  kohlensauren  Ammons  muß
man  Filtrat  und  Waschflüssigkeit  zur  Trockne  eindampfen,  den  Rückstand  mit  Wasser
aufnehmen  und  die  hierbei  ungelöst  bleibenden  Flocken  von  Manganoxyd  auf  einem  besonderen ­
  Filter  sammeln,  auswasohen  und  mit  dem  Hauptniederschlag  glühen;  die  geglühte
Masse  ist  dann  noch  mit  siedendem  Wasser  wiederholt  auszuziehen,  auf  einem  kleinen
Filter  auszuwaschen  und  wiederum  zu  glühen,  bis  das  Gewicht  unveränderlich  hleibh
Am  bequemsten  fällt  man  das  Mangan  mit  Br  omluft. 1 )  Ein  durch  ein  Wassertrommelgehläse ­
  erzeugter  Luftstrom  geht  durch  eine  Bromwasser  enthaltende  Waschflasche, ­
  auf  deren  Boden  sich  Brom  befindet,  tritt  dann  mit  Bromdampf  geschwängert
durch  eine  möglichst  kurze  Gummisohlauchverbindung  und  durch  eine  in  doppelt
durchbohrtem  Kautschukstöpsel  steckende  Glasröhre  in  die  sehr  stark  ammoniakalisch
 2 )  gemachte,  nicht  eingedampfte  Manganlösung,  die  sich  in  einem  großen
Erlenmeyer-Kolben  befindet.  Die  abgehenden  Dämpfe  gelangen  mittels  einer
Rohrleitung  ins  Freie.  Wenn  die  sohwarzbraunen  Flocken  des  Manganniederschlages
  sich  scharf  abgeschieden  in  der  Flüssigkeit  zeigen  und  letztere  bei  durchfallendem ­
  Lichte  nur  noch  bräunlich  bis  gelblich  von  sehr  fein  verteiltem  Niederschlage ­
  erscheint,  so  ist  die  Fällung  beendet.  Die  Flüssigkeit  muß  nach  der
Fällung  noch  ammoniakalisch  sein;  man  setze  deshalb  vor  derselben  einen  ziemlichen
Uberschuß  von  Ammoniak  hinzu;  dann  hat  man  weder  die  Bildung  von  Bromstickstoff ­
  noch  eine  unvollständige  Fällung  zu  befürchten.  In  der  Regel  genügt  zur
Fällung  von  schon  ziemlich  bedeutenden  Mengen  Mangan  ein  etwa  15—20  Minuten
langes  Durchleiten.  Nach  beendeter  Fällung  vertauscht  man  die  Bromflasche  mit
einer  solchen,  die  ammoniakalisches  Wasser  enthält,  und  läßt  etwa  15  Minuten  lang
einen  lebhaften  Luftstrom  durch  die  Flüssigkeit  streichen,  welcher  zurückgehaltenes
Brom  austreibt;  auch  wird  hierdurch  der  Niederschlag  sehr  feinflockig  und  setzt
sich  gut  ab.  Man  filtriert  dann,  wäscht  mit  kaltem  Wasser  aus  und  verfährt  mit
dem  Mangansuperoxyd  weiter,  wie  oben  angegeben  ist.
Auch  kann  man  das  Mangan  in  ammoniakalischer  Lösung  durch  Wasserstoffsuperoxyd ­
  fällen.
ä)  Bestimmung  des  Kalkes.  Die  von  dem  Mangansuperoxyd  ahfiltrierte
Flüssigkeit  erhitzt  man  bis  zum  Sieden,  neutralisiert  (wenn  das  Mangan  aus  sauerer
Lösung  gefällt  worden  ist)  mit  Ammoniak  und  fällt  den  Kalk  mit  oxalsaurem  Ammon
in  der  Siedehitze,  läßt  12  Stunden  stehen,  filtriert,  wäscht  mit  heißem  Wasser  aus
und  wägt  denselben  entweder:
1.  als  kohlensaures  Calcium  (CaC0 3 ),  indem  man  das  oxalsaure  Calcium
Uber  einem  gewöhnlichen  Bunsensehen  Brenner  verbrennt.  Das  so  gebildete  kohlensaure ­
  Calcium  verliert  beim  schwachen  Glühen  keine  Kohlensäure.  Zur  Sicherheit
wird  dasselbe  jedoch  mit  kohlensaurem  Ammon  behandelt,  indem  man  kleine  Stückchen
davon  in  den  Tiegel  wirft  und  bei  aufgelegtem  Deckel  erhitzt,  bis  das  Gewicht  des
kohlensauren  Calciums  nach  wiederholter  Behandlung  unverändert  bleibt;  oder
2.  als  schwefelsaures  Calcium  (CaS0 4 ).  Man  setzt  zweckmäßig  schon  zu
dem  oxalsauren  Calcium  die  Schwefelsäure  zu  und  glüht  dann  nach  dem  Verbrennen
des  Filters  den  Rückstand,  setzt  nochmals  etwas  Schwefelsäure  zu  und  glüht  aber-]
 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1883,  22,  B20.
2 )  Das  hierzu  verwendete  Ammon  muß  vollständig  kohlensäurefrei  sein.
        <pb n="51" />
        28

Untersuchung  von  Boden.

mals.  Auch  läßt  sich  das  kohlensaure  Calcium  durch  Erhitzen  mit  schwefelsaurem
Ammon  bequem  in  das  Sulfat  um  wandeln;  oder  am  einfachsten
3.  als  Calciumoxyd  (CaO).  Man  glüht  einfach  das  oxalsaure  Calcium  im
bedeckten  Tiegel  auf  dem  Gebläse  bis  zum  gleiohbleibenden  Gewicht,  je  nach  der
Menge  15—30  Minuten.
Wenn  neben  dem  Kalk  ziemlich  viel  Magnesia  zugegen  ist,  so  muß  man  das  oxalsaure ­
  Calcium  auf  dem  Filter  in  Salzsäure  lösen  und  aus  dieser  Lösung  unter  Zusatz  von
etwas  oxalsaurem  Ammon  durch  Übersättigen  mit  Ammoniak  nochmals  fällen; 1 )  die  Filtrate
von  beiden  Fällungen  werden  sodann  miteinander  vereinigt.
E.  Wohltmann *  2 )  bestimmt  den  Kalk  als  Calciumsulfat;  50  ccm  des  salzsauren
Filtrates  =  15  g  Boden  werden  in  ein  Becherglas  gebracht,  25  com  konz.  Schwefelsäure ­
  unter  Umrühren  zugesetzt,  nach  dem  Erkalten  der  Flüssigkeit  150  com
95  °/ 0 -iger  Alkohol  zugegeben,  umgerührt,  24  Stunden  stehen  gelassen  und  das  ausgefällte ­
  Calciumsulfat  in  gewohnter  Weise  zur  Wägung  gebracht.
s)  Bestimmung  der  Magnesia.  Das  Filtrat  von  oxalsaurem  Calcium  wird,
wenn  nötig,  etwas  eingeengt,  sodann  in  der  erkalteten  Lösung  die  Magnesia  mit
phosphorsaurem  Natrium  oder  nach  Mohr 3 )  besser  mit  phosphorsaurem  Natrium-Ammonium
  gefällt.  Durch  tüchtiges  Umrühren  beschleunigt  man  die  Fällung,  setzt
dann  noch  1 / 8  des  Volumens  Ammoniak  von  0,96  spezifischem  Gewicht  hinzu  und
läßt  12  Stunden  an  einem  kühlen  Orte  stehen.  Sodann  wird  filtriert,  mit  ammoniakhaltigem ­
  Wasser  (1  Teil  Ammoniak  von  0,96  spezifischen  Gewichts  und  3  Teile
Wasser)  ausgewaschen,  getrocknet,  erst  über  gewöhnlicher  Flamme  das  Filter  weiß
gebrannt,  dann  5  Minuten  im  Gebläse  geglüht  und  als  pyrophosphorsaures  Magnesium
(Mg 2 Po0 7 )  gewogen.
Wenn  in  dem  geglühten  pyrophosphorsauren  Magnesium  noch  kohlige  Teilchen  vorhanden ­
  sind,  so  können  diese  unter  Anwendung  von  etwas  Salpetersäure  oder  salpetersaurem
Ammon  entfernt  werden,  wobei  man  aber  anfangs  sehr  gelinde  und  vorsichtig  erhitzen  muß.
Bei  den  wässerigen  Bodenauszügen  werden,  wenn  in  der  Gesamtlösung  alle
Bestandteile  bestimmt  werden  sollen,  die  Filtrate  des  Ammoniak-Niederschlags  (Fe 2 0 3 ,
A1 2 0 3 ,  P„0 6 )  nebst  Waschwasser  vereinigt  und  daraus  unter  Erwärmen  der  Flüssigkeit  in
der  Siedehitze  der  Kalk  mit  reinem  oxalsauren  Ammon  ausgetällt.  Nach  der  Absoheidung
des  Kalkes  wird  die  Flüssigkeit  durch  Eindampfen  auf  ein  kleineres  Volumen  gebracht,
hierauf  mit  Salzsäure  schwach  angesäuert  und  durch  Chlorbaryumlösung  die  vorhandene
Schwefelsäure  kochend  gefällt,  der  Niederschlag  jedoch  erst  nach  dem  Erkalten  der  Flüssigkeit ­
  abfiltriert  und  ausgewaschen.  Das  Filtrat  sättigt  man  mit  Ammoniak  und  versetzt  mit
kohlensaurem  Ammon,  erwärmt  mäßig,  entfernt  den  gebildeten  Niederschlag,  dampft  das
Filtrat  zur  Trockne  ein  und  behandelt  den  Rückstand  behufs  Trennung  der  Magnesia  von
den  Alkalien,  wie  unter  £  2  angegeben  ist.
Die  nach  der  Behandlung  des  schwach  geglühten  Rückstandes  mit  Oxalsäure  usw.
erhaltene,  durch  Wasser  nicht  gelöste  Substanz  wird  mit  Salzsäure  behandelt,  aus  der
Lösung  die  noch  vorhandenen  kleinen  Mengen  von  Baryt  mit  Schwefelsäure  abgeschieden,
dann  mit  Ammoniak  übersättigt  (vielleicht  Spuren  von  Tonerde),  mit  ein  wenig  oxalsaurem
Ammon  versetzt  (vielleicht  Spuren  von  Kalk)  und  endlich  durch  phosphorsaures  Natrium
die  vorhandene  Magnesia  gefällt.
Aus  dem  letzten  Niederschlag  berechnet  man,  nach  dem  Auswaschen  desselben  mit
ammoniakhaltigem  Wasser,  Glühen  und  Wägen,  die  Menge  der  Magnesia.  Der  durch
kohlensaures  Ammon  gebildete  Niederschlag  ist  ebenfalls  nach  Auflösen  in  Salzsäure,  Abscheiden ­
  des  Baryts  mit  Schwefelsäure  usw.  auf  Magnesia  zu  prüfen.

')  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1868,  7,  310.
2 )  Journ.  f.  Landw.  1896,  44,  211.
8 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1873,  12,  36.
        <pb n="52" />
        29

Untersuchung  der  Mineralböden.

£).  Bestimmung  der  Schwefelsäure  und  der  Alkalien.  Hierzu  nimmt
man  einen  3.ten  Anteil  der  ursprünglichen  Lösung,  welche  zunächst  wie  unter  cc  behandelt ­
  wird.  Die  nach  Filtration  der  abgeschiedenen  Kieselsäure  erhaltene  salzsaure ­
  Lösung  dient;
1.  Zur  Bestimmung  der  Schwefelsäure.  Man  macht  die  Lösung  zuerst
ammoniakalisch.  sodann  wieder  salzsauer  (Anwesenheit  von  Clorammonium  begünstigt
das  rasche  Absetzen  des  schwefelsauren  Baryums),  erhitzt  zum  Sieden  und  fällt  die
Schwefelsäure  mit  heißer  Chlorbaryumlösung,  erhält  noch  einige  Zeit  im  Kochen
und  läßt  12—24  Stunden 1 )  in  der  Wärme  stehen,  filtriert,  wäscht  anfangs  mit
warmem  salzsäurehaltigen  Wasser,  dann  bloß  mit  warmem  destillierten  Wasser
gut  aus,  trocknet,  glüht  und  wägt.
Das  schwefelsaure  Baryum  (das  Filter  ist  für  sich  zu  verbrennen)  wird  nach
dem  Glühen  mit  Salpetersäure  angefeuchtet  und  nach  dem  Verdunsten  derselben
nochmals  geglüht.  Der  Rückstand  darf  nicht  alkalisch  reagieren;  ist  dieses  der  Fall,
so  wird  er  mit  verdünnter  Salzsäure  behandelt,  der  salzsaure  Auszug  fast  bis  zur
Trockne  eingedampft  und  daraus  nach  Zusatz  von  Wasser  durch  Zusatz  von  Chlorbaryum
  noch  kleine  Mengen  von  schwefelsaurem  Baryum  abgeschieden. 2 )
2.  Zur  Bestimmung  der  Alkalien.  Die  von  dem  schwefelsauren  Baryum
abfiltrierte  Flüssigkeit  fällt  man  unter  Erwärmen  mit  Ammoniak  und  kohlensaurem
Ammon, 8 )  erwärmt  längere  Zeit,  filtriert  und  wäscht  den  Niederschlag  mit  heißem
Wasser  bis  zum  Verschwinden  der  Chlorreaktion  aus.  Das  Filtrat  bringt  man  entweder ­
  am  besten  in  eine  große  Platinschale  oder,  wenn  diese  nicht  vorhanden,  in
eine  glasierte  Porzellanschale  und  dampft  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne  ein;
die  trockene  Masse  wird  in  letzterem  Falle  mittels  eines  Platinspatels  in
eine  kleinere  Platinschale  gebracht  und  Uber  freier  Flamme  vorsichtig  geglüht.
Man  läßt  die  Platinschale  erkalten,  spült  mit  heißem  Wasser  die  noch  in  der
Porzellanschale  verbliebenen  Reste  in  erstere  hinein,  setzt  etwas  kalifreie  Oxalsäure ­
  zu  und  verdampft  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne.  Der  gut  getrocknete
Rückstand  wird  vorsichtig  und  anhaltend  geglüht,  um  die  überschüssige  freie  Oxalsäure ­
  zu  verjagen,  sowie  die  oxalsauren  Salze  in  Karbonate  überzuführen.  Auf
diese  Weise  werden  die  Magnesia,  sowie  die  noch  vorhandenen  kleinen  Mengen  von
Kalk,  Baryt  und  Mangan,  Tonerde  usw.  von  den  Alkalien  getrennt.  Der  Gltihrückstand
  wird  mit  wenig  heißem  Wasser  aufgenommen,  filtriert,  quantitativ  ausgewaschen, ­
  das  Filtrat  nochmals  mit  Oxalsäure  in  der  Platinschale  eingedampft,
hinreichend  geglüht,  wieder  mit  wenig  heißem  Wasser  auf  genommen,  filtriert  und  ausgewaschen. ­
  Darauf  wird  das  Filtrat  mit  einigen  Tropfen  Salzsäure  angesäuert,  in  einer
vorher  gereinigten,  ausgeglühten  und  gewogenen  Platinschale  zur  Trockne  verdampft,
der  Rückstand  vorsichtig  schwach  geglüht  und  als  Gesamt-Chloralkalien  gewogen,
*)  Bei  geringen  Mengen  Schwefelsäure  in  Böden  bedarf  es  langer  Zeit  zur  Abscheidung
des  ßaryumsulfats.  Bei  eisenreichen  Böden  empfiehlt  sich,  das  Eisenoxyd  erst  durch
Ammoniak  abzuscheiden  und  aus  dem  mit  Salzsäure  wieder  angesäuerten  Filtrat  die  Schwefelsäure ­
  zu  fällen.
a )  Zeitschr,  f.  analyt.  Chemie  1870,  9,  62.
3 )  Dieser  Niederschlag  kann  in  Salzsäure  gelöst  und  zur  Wiederholung  der  P2O5-Bestimmung
  benutzt  werden.  Wenn  größere  Mengen  Kalk  vorhanden  sind,  so  fällt  man
zunächst  nur  mit  Ammoniak  in  geringem  Überschuß  und  verwendet  den  dadurch  gebildeten
Niederschlag  zur  Wiederholung  der  Phosphorsäurebestimmung,  während  alsdann  erst  in
dem  Filtrat  hiervon  unter  Erwärmen  desselben  Kalk  und  Baryt  durch  kohlensaures  Ammon,
unter  Zusatz  von  etwas  oxalsaurom  Ammon,  abgeschieden  werden.
        <pb n="53" />
        30

Untersuchung  von  Boden.

Statt  der  freien  Oxalsäure  kann  man  auch  oxalsaures  Ammon  verwenden.  Seibstverständlich
  muß  die  Oxalsäure  chemisch  rein  und  frei  von  Alkalien  sein.  Zur  Gewinnung
solcher  Oxalsäure  läßt  man  die  heiß  gesättigte  wässerige  Lösung  der  im  Handel  vorkommenden ­
  Oxalsäure,  die  häufig  Kali  enthält,  unter  fortwährendem  Umrühren  erkalten  und  das
so  erhaltene  feinkörnige  Kristallpulver  zwischen  Fließpapier  schnell  abtrocknen. 1 )
Noch  sicherer  wird  nach  Stolba  jede  Spur  von  Alkali  entfernt,  wenn  man  die
Oxalsäure  in  10—lö-prozentiger  siedender  Salzsäure  löst,  die  Flüssigkeit  unter  Umrühren
erkalten  läßt,  die  ausgeschiedenen  kleinen  Kristalle  mit  wenig  Wasser  auswäscht  und  aus
reinem  Wasser  umkristallisiert.
Nach  dem  Wägen  der  Chloralkalien  werden  diese  in  Wasser  gelöst,  falls
die  Lösung  schwach  trübe  ist,  filtriert,  mit  genügend  Platinchlorid  versetzt  und  im
Wasserhade  bis  zur  Trockne  verdampft.  Der  trockene  Rückstand  darf  nicht  mehr
nach  Salzsäuregas  riechen.  Man  gibt  1—2  Tropfen  destilliertes  Wasser  hinzu,  übergießt
  mit  Äther-Alkohol  (1:  3)  und  filtriert  die  Flüssigkeit,  welche  deutlich  gefärbt
sein  muß,  durch  ein  ausgewaschenes,  vorher  bei  130°  getrocknetes  Filter,  wäscht
mit  Äther-Alkohol  aus,  bis  der  Äther-Alkohöl  nicht  mehr  gelblich,  sondern  farblos
ahläuft,  läßt  dann  den  Äther-Alkohol  des  Filters  an  der  Luft  verdunsten,  trocknet
hei  130°  und  wägt.
Das  Kaliumplatinchlorid  kann  anstatt  auf  einem  gewogenen  Filter  auch  im
Goochschen  Tiegel  nach  Neubauer  gesammelt  und  gewogen  werden;  indem  man
nachher  das  Kaliumplatinchlorid  mit  heißem  Wasser  auswäscht  und  den  Tiegel  nach
dem  Trocknen  zurückwägt,  erhält  man  das  vorhanden  gewesene  Kaliumplatinchlorid.
Aus  dem  gewogenen  Kaliumplatinchlorid  wird  durch  Multiplikation  mit  0,306
das  Chlorkalium  berechnet,  dieses  von  den  Gesamt-Chloralkalien  abgezogen  und  so  das
vorhandene  Chlornatrium  und  daraus  durch  Multiplikation  mit  0,531  das  Natron
(Na^O)  gefunden,  Kaliumplatinchlorid  x  0,194  —  Kali  (K 2 0).  Soll  das  Natrium
nicht  bestimmt  werden,  sondern  nur  das  Kalium,  so  wird  die  nach  dem  Glühen
mit  Oxalsäure  erhaltene  wässerige  Lösung  nicht  erst  in  einer  Platinschale  zur
Trockne  verdampft,  sondern  direkt  mit  Platinchlorid  oder  Uberchlorsäure  (vergl.
unter  Düngemittel)  versetzt  und  dann  (wie  vorgeschrieben)  weiter  behandelt.
In  letzterem  Falle,  und  wenn  der  Boden  nur  geringe  Mengen  Schwefelsäure
enthält,  kann  man  nach  dem  Vorschläge  von  J.  Hasenbäumer *  2 )  auch  in
folgender  Weise  verfahren:
Die  salzsaure  Lösung  des  Bodens  wird  in  einer  Porzellanschale  eingedampft,
mit  Wasser  aufgenomraen  und  in  eine  Platinschale  gebracht.  Man  setzt  etwas
Ammoniak  und  Ammoniumkarbonat  zu  und  verdampft  zur  Trockne.  Den  Trockenrückstand ­
  erhitzt  man  Uber  einem  Pilzbrenner  ganz  schwach,  bis  die  Ammoniumsalze ­
  verjagt  und  die  organischen  Stoffe  zerstört  sind.  Der  Glührüokstand  wird
einige  Zeit  mit  heißem  Wasser  behandelt,  filtriert  und  das  Filtrat  nach  dem
Ansäuern  mit  Salzsäure  direkt  mit  Uberchlorsäure  oder  mit  Platinchlorid  gefällt.
Anmerkung.  Das  Verfahren  beruht  darauf,  daß  das  Ferrihydroxyd,  wenn  es  schwach
geglüht  bezw.  bis  auf  200°  erhitzt  wird,  kein  Kali  mehr  festhält  (adsorbiert),  also  alsdann
sehr  leicht  mit  wenig  Wasser  sich  auswaschen  läßt.
2.  Aufschließung  des  Rückstandes  von  der  Behandlung  mit  heißer  konzentrierter
Salzsäure  durch  konzentrierte  Schwefelsäure.
Der  Rückstand  von  der  Behandlung  mit  heißer  konzentrierter  Salzsäure  wird
an  der  Luft  unter  Bedecken  mit  Filtrierpapier  trocknen  gelassen,  darauf  tunlichst

J )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1874,  13,  50.
2 )  Chem.-Zeitung  1904,  28,  210.
        <pb n="54" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

31

vollständig  vom  Filter  ahgetrennt,  das  letztere  für  sich  verbrannt,  die  Asche  zu  dem
lufttrocknen  Rückstände  gegeben  und  das  Ganze  gewogen.  Darauf  wird  sorgfältig
gemischt  und  liiervon  1 j 6  zur  Aufschließung  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  abgewogen. ­

Angenommen,  die  angewendeten  150  g  ursprünglichen  lufttrocknen  Bodens
hätten  141,25  g  in  heißer  Salzsäure  unlöslichen  lufttrocknen  Rückstand  ergeben,
so  werden  hiervon  28,25  g  abgewogen;  diese  entsprechen  dann  30  g  des  ursprünglichen ­
  Bodens.  Berechnet  man  jetzt  die  untersuchten  Ergebnisse  der  Schwefelsäure-Aufschließung
  nicht  für  28,25  g,  sondern  für  30  g,  so  erhält  man  die  Ergebnisse
direkt  in  Prozenten  des  ursprünglichen  Bodens. 1 )
Vorstehende  Menge  wird  in  einer  hinreichend  großen  Platinschale  durch
einen  Platinspatel  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  zu  einem  dünnen  Brei  angerührt, ­
  die  Schwefelsäure,  wie  bereits  S.  19  unter  7  b  angegeben  ist,  in  einem  Sandbade ­
  oder  auf  einer  Asbestplatte  bei  ganz  kleiner  Flamme  verjagt,  so  daß  das  Verdampfen ­
  etwa  6  Stunden  in  Anspruch  nimmt  und  bis  der  Rückstand  die  Form
eines  trocknen  und  lockeren  Pulvers  angenommen  hat;  die  Behandlung  wird  bei  tonreichen
  Böden  zum  2.  und  ,3.  ten  Male  wiederholt.  Der  von  Schwefelsäure  tunlichst
befreite  Rückstand  wird  mit  Salzsäure  im  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,
einige  Zeit  im  Luftbade  erwärmt,  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,  gekocht, ­
  filtriert,  ausgewaschen  und  auf  500  ccm  gebracht.  Im  Rückstände  befinden
sich  die  aus  Ton  abgeschiedene  Kieselsäure  +  Sand  und  Silikate,  in  Lösung  die
aufgeschlossenen  Basen  (Tonerde,  Kalk,  Kali  usw.).
a)  Bestimmung  der  aufgeschlossenen  Kieselsäure.  Die  durch  konzentrierte
Schwefelsäure  aufgeschlossene  Kieselsäure  des  Tones  läßt  sich  auf  zweierlei  Weise,
nämlich  indirekt  und  direkt  bestimmen.
a)  Indirekte  Bestimmung.  Der  ausgewaschene  Rückstand  wird  getrocknet,
geglüht  und  gewogen,  darauf  in  eine  geräumige,  glasierte  Porzellanschale  (oder  besser
große  Platinschale)  gebracht,  mit  einer  hinreichenden  Menge  von  Natriumkarbonat
unter  Zusatz  von  etwas  Natronlauge  2  Stunden  ausgekocht,  mit  warmem  Wasser
verdünnt,  absitzen  gelassen,  filtriert,  ausgewaschen, 3 )  getrocknet,  geglüht  und  wieder
gewogen.  Die  Differenz  zwischen  der  ersten  und  letzten  Wägung  gibt  die  Menge
der  aufgeschlossenen  Kieselsäure  des  Tones, 3 )  der  Rückstand  die  Menge  Quarzsand
und  Silikate.
*)  Auf  diese  Weise  umgeht  man  die  lästige  Umrechnung,  welche  erfolgen  muß,
wenn  man  die  gefundenen  Ergebnisse  erst  in  Prozenten  des  Salzsäurerückstandes  berechnet;
es  muß  alsdann  in  dem  letzteren  sowohl  eine  Bestimmung  des  Wassers  wie  Glühverlustes
vorgenommen  werden,  um  die  wirkliche,  durch  Salzsäure  gelöste  Menge  Stoffe  zu  erhalten
nnd  darnach  die  für  die  Schwefelsäure-Aufschließung  gefundenen  Ergebnisse  auf  ursprünglichen ­
  Boden  umzureohnen.
2 )  Es  empfiehlt  sich,  nach  vollständigem  Auswaschen  des  Alkalis,  das  Filter  einmal
mit  verdünnter  warmer  Salzsäure  zu  füllen  und  darauf  noch  einige  Male  mit  Wasser
nachzuwaschen.
3 )  Diese  Menge  schließt  auch  noch  die  durch  heiße  konzentrierte  Salzsäure  vorher
löslich  gemachte  Kieselsäure  mit  ein;  in  den  meisten  Fällen  ist  letztere  nur  gering  und
beträgt  etwa  0,1—0,3%,  so  daß  sie  vernachlässigt  und  der  Kieselsäure  des  Tones  ohne
erheblichen  Fehler  zugereohnet  werden  kann.  Soll  aber  eine  ganz  genaue  Bestimmung
des  Tones  bezw.  der"  Ton-Kieselsäure  ausgeführt  werden,  so  werden  die  abgewogenen
28,25  g  des  Salzsäure-Rückstandes  erst  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat  ausgekocht,
ausgewaschen  und  der  Rückstand  hiervon  mit  Schwefelsäure  aufgeschlossen.  Zur  Bestimmung ­
  der  gelösten  Kieselsäure  wird  wie  unter  a  ß  verfahren  uud  diese  Menge  Kieselsäure ­
  für  sich  aufgeführt.
        <pb n="55" />
        32

Untersuchung  von  Boden.

ß)  Direkte  Bestimmung.  Der  ausgewaschene  Eückstand  wird  direkt  in
eine  geräumige,  glasierte  Porzellanschale  (oder  besser  große  Platinschale)  gebracht, ­
  mit  einer  hinreichenden  Menge  von  Natriumkarbonatlösung  unter  Zusatz
von  etwas  Natronlauge  2  Stunden  ausgekocht,  filtriert  und  ausgewaschen;  das  Filtrat
wird  darauf  mit  Salzsäure  übersättigt,  im  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  einige
Zeit  im  Luftbade  erhitzt,  der  Eückstand  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,
  filtriert,  ausgewaschen  und  die  auf  dem  Filter  gesammelte  Kieselsäure
nach  dem  Trocknen  und  Glühen  gewogen.
Der  Eückstand  vom  Auskochen  mit  der  Lösung  von  Natriumkarbonat  dagegen
wird  für  sich  getrocknet,  geglüht  und  gewogen;  er  wird  aufgehoben  und  dient  zur
weiteren  Untersuchung  auf  Silikate  durch  Aufschließen  mit  Flußsäure  (vergl.  unter
3  S.  33).
b)  Bestimmung  der  aufgeschlossenen  Basen,  a)  Der  Tonerde  (und  der
Eisenoxyde).  100  ccm  der  obigen  Lösung  werden,  nachdem  etwa  vorhandenes
Eisenoxydul  durch  Kochen  mit  einigen  Körnchen  von  chlorsaurem  Kalium  in  Oxyd
Ubergeführt  ist,  bis  zu  eben  eintretender  alkalischer  Eeaktion  mit  Ammoniak  versetzt, ­
  zum  Sieden  erhitzt,  filtriert,  ausgewaschen  und  der  Niederschlag  nach  dem
Trocknen  geglüht  und  gewogen.  In  den  meisten  Fällen  besteht  derselbe,  wenn  der
Boden  vorher  mit  heißer  konzentrierter  Salzsäure  behandelt  wurde,  aus  fast  reiner
Tonerde  und  kann  als  solche  in  Eechnung  gestellt  werden.
Ist  jedoch  eine  besondere  Bestimmung  des  Eisenoxyds  wünschenswert,  so
werden  weitere  100  ccm  der  Lösung  in  derselben  Weise  behandelt,  der  Niederschlag ­
  in  verdünnter  Schwefelsäure  gelöst  und  in  der  Lösung  nach  der  Eeduktion
mit  chemisch  reinem  Zink  bezw.  Zink-Kupfer  usw.  das  Eisenoxydul  wie  oben
S.  20  u.  26  bestimmt.
ß)  Bestimmung  von  Kalk  und  Magnesia.  In  dem  Filtrat  von  der
Ammoniak-Fällung  wird  der  Kalk  in  bekannter  Weise  durch  oxalsaures  Ammon
und  im  Filtrat  hiervon  die  Magnesia  mit  Dinatriumphoshat  gefällt.  Die  Menge
an  Kalk  und  Magnesia  im  Ton  ist  meistens  nur  gering.
y)  Bestimmung  der  Alkalien  bezw.  des  Kalis.  Da  die  Tone  durchweg
mehr  oder  weniger  Alkalien,  besonders  Kali  enthalten,  so  werden  200  ccm  der
obigen  Lösung  zum  Kochen  erhitzt  und  mit  einer  hinreichenden  Menge  von  Chlorbaryum
  gefällt;  man  läßt  absitzen  und  vollständig  erkalten,  versetzt  dann  gleich
mit  Ammoniak  und  kohlensaurem  Ammon, 1 )  filtriert  und  verfährt  zur  Bestimmung
der  Alkalien,  wie  S.  30  angegeben  ist.  Für  gewöhnlich  genügt  es,  nur  das  Kali
zu  bestimmen.  Die  Gesamtmenge  der  gefundenen  Bestandteile,  also  von  aufgeschlossener
Kieselsäure  +  Tonerde  und  Eisenoxyd  +  Kalk  +  Magnesia  +  Alkalien  wird  als  Ton
in  Ansatz  gebracht.
3.  Aufschließung  des  von  der  Behandlung  mit  Schwefelsäure  und  Natriumkarbonat
verbleibenden  Rückstandes  durch  Flußsäure.
Der  von  der  Behandlung  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  verbleibende  und  durch
Kochen  mit  kohlensaurem  Natrium  von  aufgeschlossener  Kieselsäure  befreite  Eückstand ­
  (vergl.  unter  2  a,  S.  31)  besteht  fast  ausschließlich  aus  Quarzsand  und  Silikaten;
derselbe  wird  nach  dem  Trocknen  und  Einäschern  des  Filters  geglüht,  gewogen  und
darauf  im  Achatmörser  fein  zerrieben.  Von  dem  gewogenen  und  fein  zerriebenen  Rück-')
  In  der  Kälte  tritt  zwischen  sohwefelsaurem  Baryum  und  kohlensaurem  Ammon;
wenn  die  Flüssigkeit  nur  kurze  Zeit  steht,  keine  Wechselzersetzung  ein.
        <pb n="56" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

33

stände  dient  1 / 10  oder,  wenn  der  Boden  reich  an  in  Salzsäure  und  Schwefelsäure
löslichen  Bestandteilen  ist  und  verhältnismäßig  nur  wenig  Quarzsand  +  Silikate  hezw.
Silikate  enthält,  1 / 5  desselben  zur  Aufschließung  mit  Flußsäure.
Angenommen,  die  zum  Aufschließen  mit  Schwefelsäure  verwendeten  28,25  g
(entsprechend  30  g  des  ursprünglichen  Bodens)  hinterlassen  24,3476  g  Rückstand
(Quarzsand  +  Silikate),  so  wägt  man  hiervon  nach  dem  Zerreiben  2,4348  g  ah.
Da  zum  Aufschließen  mit  Schwefelsäure  1 / 5  des  Salzsäure-Rückstandes,  zum  Aufschließen ­
  mit  Flußsäure  1 / 10  des  Schwefelsäure-Rückstandes  verwendet  wurde,  so  ent-.
  ,  111
spricht  die  für  den  Flußsäure-Auf  Schluß  angewendete  Substanzmenge  X  ]()  —
150
der  ursprünglich  abgewogenen  Bodenmenge  von  150  g  =  —=  3  g  Boden.  Berechnet
man  wie  unter  2  (S.  31)  die  gefundenen  Ergebnisse,  d.  h.  den  Gehalt  an  Kali  hezw.
Feldspat  nicht  für  die  abgewogenen  2,4848  g,  sondern  für  3  g,  so  erhält  man
den  Gehalt  direkt  in  Prozenten  des  ursprünglichen  Bodens  und  umgeht  die  lästige
Umrechnung.
Das  Aufsehließen  mit  Flußsäure  wird  am  besten  mit  flüssiger,  d.  h.
gelöster  Flußsäure  oder  mit  einem  Gemisch  von  Fluorammonium  und  Schwefelsäure
ausgeführt,  kann  aber  auch  mit  gasförmiger  Flußsäure  geschehen.
Im  ersteren  Falle  bringt  man  obigen  Rückstand  in  eine  Platinschale,  feuchtet
ihn  mit  Wasser  an  und  übergießt  mit  starker  Flußsäure.  Darauf  bedeckt  man
die  Schale  und  läßt  unter  öfterem  Umrühren  mit  einem  Platinspatel  2—3  Tage
stehen,  bis  die  Masse  breiartig  zergangen  ist.  Darauf  wird  zur  Austreibung  der
gebildeten  Kieselfluorwasserstoffsäure  unter  mehrfachem  Umrühren  auf  dem  Wasserbade ­
  zur  Trockne  verdampft,  der  Rückstand  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  befeuchtet ­
  und  letztere  durch  Erhitzen  der  Schale,  indem  man  eine  ganz  kleine
Flamme  vom  Rande  aus  einwirken  läßt,  verjagt.  Die  von  überschüssiger
Schwefelsäure  befreite  trockne  Masse  wird  mit  warmem,  salzsäurehaltigem  Wasser
aus  der  Schale  aufgenommen,  in  ein  Becherglas  gespült  und  gekocht.  Falls  sich
nicht  alles  löst,  wird  filtriert,  der  Rückstand  in  derselben  Weise  zum  2.  oder  3.ten  Male
mit  Flußsäure  behandelt  und  die  salzsaure  Lösung  zu  der  ersten  gegeben.
Die  Aulschließung  mit  gasförmiger  Flußsäure  erfolgt  in  der  Weise,  daß
der  obige  Rückstand  in  einer  Platinschale  flach  ausgebreitet,  mit  verdünnter  Schwefelsäure ­
  angefeuchtet  und  in  besonders  für  diesen  Zweck  hergestellte  Bleikästen  (mit
doppeltem  Rand  und  Deckel)  gestellt  wird,  auf  deren  Boden  sich  gepulverter,  mit
konzentrierter  Schwefelsäure  angerührter  Flußspat  befindet.  Der  bedeckte,  gut
schließende  Bleikasten  wird  einige  Tage  —  meistens  genügen  2  bis  3  Tage  zur  Aufschließung ­
  von  3  bis  4  g  —  auf  einer  Temperatur  von  50—70°  gehalten,  zeitweise
geöffnet  und  dafür  Sorge  getragen,  daß  eine  beständige  Entwickelung  von  Flußsäure
stattfindet.  Nach  2—3  Tagen  nimmt  man  die  Platinschale  heraus,  verdampft  vorsichtig ­
  die  überschüssige  Schwefelsäure  und  nimmt  mit  salzsäurehaltigem  Wasser
auf;  falls  Substanz  ungelöst  bleibt,  wird  dieselbe  abfiltriert,  nach  dem  Trocknen  und
Glühen  in  derselben  Weise  zum  2.  und  nötigenfalls  zum  3.ten  Male  behandelt.
Die  salzsaure  Lösung  enthält  die  in  den  Feldspaten  und  sonstigen  Silikaten
vorhandenen  Basen,  nämlich:  Tonerde  (unter  Umständen  auch  etwas  Eisenoxydul  und
Manganoxydul),  Kalk,  Magnesia,  Kali  und  Natron.  In  den  meisten  Fällen  kommen
nur  Tonerde,  Kali  und  Natron  in  Betracht,  während  die  anderen  Basen  nur  in  sehr
geringer  Menge  vorhanden  sind  und  nicht  bestimmt  zu  werden  brauchen.  Die  Bestimmung ­
  der  Basen  erfolgt  nach  den  unter  2b«  und  2  b  y  (S.  32)  angegebenen
Verfahren.  Ist  Kalk  und  Magnesia  in  größerer  Menge  vorhanden,  so  werden  auch
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="57" />
        34

Untersuchung  von  Boden.

diese  quantitativ  bestimmt,  und  ist  in  der  Berechnung  neben  Kali-  und  Natronfeldspat ­
  auch  auf  Kalkfeldspat  bezw.  Magnesiaglimmer  Rücksicht  zu  nehmen.
Man  berechnet  nämlich  den  gefundenen  Gehalt  an  Kali  auf  Orthoklas  bezw.
Kalifeldspat  nach  dessen  Konstitutionsformel,  den  gefundenen  Gehalt  an  Natron,
wenn  derselbe  mehr  als  1 / 10  des  Kalis  beträgt,  desgl.  auf  Natronfeldspat  (Älbit),
den  Gehalt  an  Kalk  und  Magnesia,  wenn  er  mehr  als  1 / 20  vom  Gehalt  an  Kali
und  Natron  beträgt, 1 )  auf  Kalkfeldspat  bezw.  Magnesiaglimmer.
Bei  der  Umrechnung  können  folgende  Formeln  und  folgende  prozentigen
Gehalte  als  Grundlage  dienen:

Kalifeldspat,
Orthoklas
(K 2 Al 2 Si 0 O, 6 )  =
K 2 0  A1 2 0 3  (Si0 2 ) 6
K 2 0  =  16,89  o/„
A1 2 0 3 =  18,43  „
Si0 2  =64,68  „

Magnesiaglimmer ­

Mgj  Al 6  Si 6  0 27  =
(Mg0) 6 (Al 2 0 8 ) 8 (Si0 2 ) 6
MgO  =  29,80  o/ 0
A1 2 0 8  =  25,60  „
SiO a
Magnesia
3,355,

Natronfeldspat,  Kalkfeldspat,
Albit  Anorthit
(Na 2 Al 2 Si c O, 6 )  =  CaAl 2 Si 2 0 8  =
Na 2  0  Al 2  0 3  (Si0 2 ) 6  Ca0Al 2 0 3 (Si0 2 ) 2
Na 2 0  =  11,82%  CaO  =20,10%
A1 2 0 3  =  19,56  „  A1 2 0 3  =  36,82  „
Si0 2  =68,62  „  Si0 2  =43,08  „  Si0 2  =44,70
Man  multipliziert  daher  den  gefundenen  Gehalt
von  Kali  Natron  Kalk
mit  6,921  8,460  4,975
um  die  entsprechenden  Silikate  zu  erhalten.
Für  gewöhnlich  hat  man  es  nur  mit  Kali-  und  Natronfeldspat  in  den  Böden
zu  tun.  Ist  statt  des  Kalifeldspats  Kaliglimmer  anzunehmen,  so  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß  dieser  in  reinem  Zustande  13,0%  Kali,  38,2  %  Tonerde,  44,6%
Kieselsäure  und  4,2  %  Wasser  zu  enthalten  pflegt,  folglich  der  Gehalt  an  Kali  mit
7,692  multipliziert  werden  muß,  um  die  Menge  Kaliglimmer  zu  finden.
Sind  neben  größeren  Mengen  Kalk,  Magnesia  auch  bedeutendere  Mengen
Eisenoxyd  (als'  Eisenoxydul)  gefunden  worden,  so  können  diese  von  Augit  und
Hornblende  herrühren,  und  ist  gegebenenfalls  eine  Umrechnung  auf  diese  vorzunehmen; ­
  hierbei  kann  folgende  prozentige  Zusammensetzung  dieser  Silikate
zugrunde  gelegt  werden:

CaO  MgO  PeO  A1 2 0 3  Si0 2
Augit  .  .  21,9%  14,5%  9,8%  4,2%  49,6%.
Hornblende  13,0  „  13,2  „  17,0  „  5,8  „  51,0  „
Wenn  die  Aufschiebung  des  Tones  mit  Schwefelsäure  eine  vollständige
gewesen  ist,  so  wird  in  dem  mit  Flußsäure  aufgeschlossenen  Rückstände  nicht
mehr  Tonerde  gefunden,  als  der  aus  dem  Gehalt  an  Kali,  Natron  oder  Kalk  und
Magnesia  berechneten  Menge  Silikate  entspricht.  Verbleibt  aber  ein  größerer
Überschuß  von  Tonerde,  so  ist  dieser  mit  der  entsprechenden  Menge  Kieselsäure
als  „tonige  Substanz“  anzusehen,  welche  sich  der  aufschließenden  Wirkung
der  Schwefelsäure  entzogen  hat;  in  diesem  Falle  nimmt  man  für  den  wasserfreien
Ton  Al. 2 Si 2 0 7  «=  46,1  %  Tonerde  und  53,9  %  Kieselsäure  an  und  berechnet  darnach
aus  dem  Überschuß  an  Tonerde  durch  Multiplikation  mit  2,169  die  Menge  „tonige
Substanz“,  welche  der  durch  Schwefelsäure  gefundenen  Tonmenge  hinzuzuzählen  ist.
Die  Aufschließung  der  Silikate  kann  nach  den  Vorschlägen  von
G.  Jannasch  und  0.  Heidenreich 2 )  auch  mittels  Borsäure  geschehen.

J )  Geringere  Mengen  als  1 / 10  vom  Kali  an  Natron,  bezw.  %„  vom  Kali  oder  Natron
an  Kalk  und  Magnesia  können  als  Bestandteile  von  Kali-  bezw.  Natronfeldapat  herrührend
angesehen  werden.
2 )  Zeitschr.  f.  anorg.  Chemie  1896,  12,  208.
        <pb n="58" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

35

Erforderlich  dazu  ist  eine  alkalifreie  Borsäure,  die  durch  sorgfältiges  2—3-maliges
Umkrystallisieren  eines  guten  Handelspräparates  erhalten,  dann  durch  Glühen  in  kleinen
Mengen  (2—3  g)  im  Platintiegel  entwässert  und  gepulvert  wird.  Von  solcher  Borsäure
benutzt  man  auf  je  1  g  Silikat  3—4  g  für  leicht  aufschließbare,  5—6  g  für  schwerer  aufschließbare ­
  Silikate  und  8  g  für  Feldspat.  Man  glüht  ö—10  Minuten  mit  kleiner  Flamme
zur  Vertreibung  des  vorhandenen  Wassers  und  dann  erst  mit  voller  Flamme.  Sobald  die
Masse  ruhig  fließt,  glüht  man  noch  einige  Zeit  mit  gewöhnlichem  Brenner  und  zuletzt,  auf
dem  Gebläse.  Nach  beendigter  Aufsohließung  setzt  man  den  bedeckten,  glühend  heißen
Tiegel  in  ein  mit  kaltem  Wasser  umgebenes  Tondreieck,  bringt  die  sich  leicht  ablösende
Schmelze  in  eine  geräumige  Platinschale  und  zersetzt  die  Schmelzmasse  unter  schwachem
Erhitzen  mit  kochend  heißem  Wasser  und  Salzsäure.
Ist  die  Aufschließung  vollständig  gewesen,  so  lassen  sich  auf  dem  Boden  der  Platinschale ­
  nicht  die  geringsten  harten  Teilchen  fühlen.  Die  Lösung  wird  auf  dem  Wasserbade ­
  eingedampft,  wobei  die  Flüssigkeit  nach  einiger  Zeit  infolge  Ausscheidung  von
Siliciumhydroxyd  gelatiniert;  von  da  an  muß  bis  zur  vollständigen  Trockne  häufig  umgerührt ­
  werden.
Die  Entfernung  der  Borsäure  geschieht  mittels  Salzsäuremethyläthers,  den  man
dadurch  erhält,  daß  man  in  eine  mit  einem  geschliffenen  Eöhreneinsatz  versehene  dünnstrahlige
  Spritzflasohe  250  ccm  Methylalkohol  gibt  und  durch  das  Spritzrohr  unter  Abkühlung ­
  2—3  Stunden  einen  lebhaften  Strom  von  Salzsäuregas  leitet,  welches  vorher  durch
Wasch-  bezw.  Trockenflaschen  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  und  Chlorcalcium  gegangen ­
  ist.
Mit  der  so  erhaltenen  Flüssigkeit  übergießt  man  in  Mengen  von  60—70  ccm  den
Schmelzrückstand,  erwärmt  im  Wasserbade,  bis  der  Alkohol  verjagt  ist,  und  wiederholt
dieses  3—4-mal,  um  alle  Borsäure  auszutreiben.
Die  verbleibende  Salzmasse  wird  nach  dem  vollständigen  Trockenrühren  mit  dem
Platinspatel  1  Stunde  bei  110°  getrocknet,  der  Trockenrückstand  mit  5  ccm  konzentrierter
Salzsäure  durchfeuchtet,  10  Minuten  lang  stehen  gelassen,  darauf  mit  75  ccm  Wasser  versetzt, ­
  16  Minuten  auf  dem  Wasserbade  erhitzt,  die  unlösliche  Kieselsäure  abfiltriert  und
mit  kochendem  Wasser,  dem  man  anfänglich  auf  dem  Trichter  verdünnte  Salzsäure  zutröpfelt, ­
  gründlich  ausgewaschen.  Das  Filtrat  muß  nochmals  eingedampft  und  in  gleicher
Weise  behandelt  werden,  da  0,5—2,0  e / 0  Kieselsäure  gelöst  bleiben  können,  welche  sonst
später  mit  Tonerde  und  Eisen  zusammen  ausfallen  würden.
Nach  einigen  Versuchen  hierseihst  scheint  das  Verfahren  auch  bei  Böden
trotz  des  hohen  Gehaltes  an  Sand  anwendbar  zu  sein,  wenn  man  genügend  große
Mengen  Borsäure  anwendet.
4.  Bestimmung  des  Quarzes.
Die  Menge  des  Quarzes  in  dem  Boden  ergibt  sich  drfrch  Differenz-Berechnung.
Man  addiert  die  in  dem  mit  Flußsäure  aufgeschlossenen  Eückstande  gefundene
Menge  von  Tonerde,  Kali,  Natron  usw.,  berechnet  aus  diesen  nach  vorstehenden  Angaben ­
  die  entsprechende  Menge  Kieselsäure,  addiert  diese  ebenfalls  hinzu  und  zieht
die  Summe  von  der  zum  Aufsohließen  verwendeten  Menge  Sand  +  Silikate  ah;  der
Rest  ist  als  „reiner  Quarzsand“  anzusehen  und  in  Rechnung  zu  stellen.

III.  Bestimmung  einzelner  Bestandteile  des  Bodens.
1.  Bestimmung  des  Humus.  Dieselbe  ist  bereits  S.  13  beschrieben.  Es  erübrigt,
hier  noch  einige  Verfahren  zur  Ermittelung  der  Beschaffenheit  des  Humus
mitzuteilen.  Dieselbe  ergibt  sich  zum  Teil  schon  aus  dem  Verhältnis,  in  welchem  der
Kohlenstoff  zum  Stickstoff  steht;  je  enger  bei  mittlerem  Humusgehalt  (3—4  °/ 0 )  das
Verhältnis  ist,  um  so  günstiger  ist  dies  im  allgemeinen.  Das  Verhältnis  von  organisch
gebundenem  Stickstoff  zum  Kohlenstoff  kann  von  1:5  bis  1:20  und  selbst  bis
3*
        <pb n="59" />
        36

Untersuchung  yon  Boden.

1  :  40  schwanken;  die  weitesten  Verhältnisse  kommen  meist  nur  bei  einem  sehr
hohen  Gehalt  des  Bodens  an  Humussubstanz,  die  engsten  bei  sehr  geringer  absoluter
Menge  derselben  vor.  Zu  weiterer  Kennzeichnung  der  Humussubstanz  kann  dienen:
a)  Die  mikroskopische  Untersuchung  der  einzelnen  Schlämmerzeugnisse,
die  Ermittelung  des  Glühverlustes  der  letzteren;  hierdurch  erhält  man  Aufschluß
über  den  Grad  der  Zerteilung  und  Vermoderung  des  Humus.
b)  Die  Reaktion  der  Humussubstanz  und  des  Bodens  überhaupt.  Man
legt  ein  mäßig  feuchtes  Klümpchen  Erde  auf  empfindliches  blaues  und  rotes  oder
auch  neutrales  Lackmuspapier  und  beobachtet,  ob  im  nächsten  Umkreise  der
Erdprobe  eine  Farbenveränderung  eintritt.  Da  aber  die  im  Boden  vorhandene
freie  Kohlensäure  eine  Rötung  des  Lackmuspapiers  bewirken  kann,  so  muß  man
das  Lackmuspapier  trocknen  und  sehen,  ob  die  Rötung  auch  noch  nach  dem
Trocknen  sichtbar  bleibt.
Eine  saure  Beschaffenheit  des  Humus  deutet  auf  einen  mangelhaften  Luftzutritt ­
  zum  Boden  hin  und  ist  stets  als  eine  ungünstige  Eigenschaft  zu  bezeichnen.
c)  Zur  Bestimmung  freier  Humussäure  schüttelt  Knop 1 )  100  g  Erde  mit
200  ccm  einer  ammoniakalischen  Lösung  von  salpetersaurem  Calcium,  welche  so
bereitet  und  titriert  ist,  daß  sie  in  dieser  Menge  1  g  CaO  und  die  der  Salpetersäure ­
  äquivalente  Menge  Ammoniak  enthält.  Nach  öfterem  Umschütteln  im  Verlauf ­
  yon  24  Stunden  filtriert  man,  mißt  einen  Teil  der  ammoniakalischen  Flüssigkeit ­
  ab  und  bestimmt  darin  den  noch  vorhandenen  Kalk.  Der  fehlende  Kalk  ist,
wie  Knop  bemerkt,  fast  ganz  von  der  Humussubstanz  des  Bodens  gebunden *  2  3  * )  und
drückt  teils  die  vorhandene  Menge,  teils  auch  gewisse  Eigenschaften  desselben  aus. 8 )
d)  Über  das  Verhalten  des  Humus  gegen  Sauerstoff  und  Bildung  von
Kohlensäure  aus  demselben  vergl.  unter  „Bestimmung  der  physikalischen  Eigenschaften ­
  des  Bodens“  No.  12  S.  62.
e)  Über  die  Menge  der  an  Kalk  gebundenen  Humussubstanz  erhält  man
annähernden  Aufschluß,  wenn  man  die  Kohlensäure  im  ungeglühten  und  geglühten
Boden  bestimmt;  dabei  muß  nach  dem  Glühen  den  Boden  wiederholt  mit  kohlensaurem ­
  Ammon  angefeuchtet  und  schwach  geglüht  werden  bis  zum  Gleichbleiben  des
Gewichtes.  Die  Differenz  im  Kohlensäure-Gehalt  vor  und  nach  dem  möglichst
schwachen  Glühen  gibt  annähernd  die  Menge  des  in  humusartiger  Verbindung  ursprünglich ­
  vorhandenen  Kalkes  an.
2.  Bestimmung  der  Kohlensäure.  Uber  die  Bestimmung  der  gebundenen
Kohlensäure  vergl.  S.  15.  Unter  Umständen  ist  es  auch  —  besonders  für  hygienische
Untersuchungen  —  von  Belang,  die  in  der  Bodenluft  gasförmig  vorhandene
Menge  Kohlensäure  zu  bestimmen,  weil  sie  uns  einen  gewissen  Maßstab  für  die
Menge  der  organischen  Stoffe  im  Boden  und  für  die  Größe  der  Zersetzungsvorgänge
angibt.  Man  treibt  für  den  Zweck  in  den  Boden  ein  größeres  zylinderförmiges
Loch,  versenkt  darin  mehrere  Glas-  oder  Bleirohre  von  verschiedener  Länge  bis
zur  gewünschten  Tiefe,  läßt  das  Loch,  wie  es  meistens  geschieht,  sich  von  selbst
wieder  zuziehen  oder  füllt  dasselbe  besser  mit  derselben  ausgehobenen  Erde
wieder  an  und  wartet  einige  Tage,  bis  sich  alles  ordentlich  gesetzt  hat.  Dann
verbindet  man  das  Ende  der  etwa  15  cm  über  der  Bodenfläche  befindlichen

J )  Landw.  Versuchs-Stationen  1866,  8,  40.
2 )  Jedoch  sind  hierbei  auch  Ton  und  Eisenoxyd,  sowie  überhaupt  diejenigen  Stoffe,
yon  denen  die  Absorptionsfähigkeit  des  Bodens  abhängt,  mehr  oder  weniger  mit  maßgebend-3
 )  Über  die  Bestimmung  freier  Humussäure  vergl.  auch  unter  „Untersuchung  von
Moorboden“.
        <pb n="60" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

37

Röhre  (bezw.  Röhren)  mit  einer,  Gasreinigungsflasche,  v  ,  lko f ersc hen  Ab-Schwefelsäure
  befindet,  und  letztere  weiter  mit  einer  v-  gefüllt  ist.
sorptionsröhre  von  120  ccm  Inhalt,  welche  mit  titrier  er  ary p  un( j
Vor  Beginn  des  Versuches  wird  etwa  1  1  Luft  mittels  spir f^.eingestellt  daß
dann  erst  die  Absorptionsröhre  eingeschaltet.  Die  Baryt  äuge  \m  ,  welche
30  ccm  derselben  von  20  ccm  einer  Oxalsäurelösung  neu  ra  181  ,.  t  8suno -  entin
  1  1  2,8636  g  kristallisierte  reine  Oxalsäure  enthält;  1  ccm  di  r ®h°-es a ugt
spricht  genau  1  mg  Kohlensäure  Wenn  eine  hinreichende  i  on |  50  ccm  Inhalt
ist,  wird  der  Inhalt  der  Absorptionsröhre  in  eine  Flasche  von  _  -  (lcr  ge .
gegeben,  dort  das  kohlensaure  Baryum  vollständig  absitzen  ge  as.  ,  inem
klärten  Flüssigkeit  werden  mittels  einer  Pipette  30  ccm  a  ge  io  ^  titriert.
Kölbchen  unter  Anwendung  von  Rosolsäure  als  Indikator  mi  er  *  '  ,  „
Wenn  a  =  Kchlensäuremenge  in  Gramm,  s=spezif.  Gewicht  der  Kcihlemsanre
bei  0°  und  760  mm  Barometerstand,  nämlich  —  0,001971,  is  ,  so
Kohlensäure  ein  Volumen  (v)  ein  von—,  oder  bei  t°  und  b  mm  D

a  ,.  |  ,  s  760
y  =  __  (t  +  tx)  —,
s  b
worin  x  =  Ausdehnungs-Koeffizient  der  Luft  =  0,003665  für  je  1 0  Temperaturerhöhung ­
  ist;  ist  die  Anzahl  der  durchgesaugten  Liter  Luft  =  1,  so  berechnet  sich
Volumen  Kohlensäure  (v)  für  1000  Volumen  Luft  nach  der  Formel:

a  (t  +  t.  0,003665).  760
s.b.l

Man  kann  die  Kohlensäure  der  Bodenluft  selbstverständlich  auch  anstatt  durch
Titration  gewichtsanalytisch  bestimmen,  indem  man  die  von  Wasser  befreite  Bodenluft
  durch  einen  vorher  gewogenen  Kaliapparat  saugt  und  diesen  nach  dem
Versuch  zurückwägt.  Alsdann  muß  jedoch  der  Kaliapparat  an  beiden  Seiten  von
Chlorcalciumrohren  eingeschlossen  werden,  um  Zutritt  von  Wasser  auszuschlieüe  n.
3.  Bestimmung  der  Gesamtmenge  des  Stickstoffs.  Um  unter  allen  Umständen
sicher  zu  gehen  und  bei
haben,  verfährt
fahrens.

etwa  größerer  Menge  Salpetersäure  keinen  Verlust  zu
man  nach  der  Jodlbaurschen  Abänderung  des  Kjeldahl-Ver-Man

  wendet  die  Substanz  lufttrocken  an,  und  zwar  von  Humus-  und  I  oi  fböden
  1—2  g,  von  humosen  Sandböden,  Sandschlick  2—5  g,  von  gewöhnlichen
Ackerböden  5—10  g  in  fein  gepulvertem  Zustande,  fügt  20  ccm  der  Phenolschwefelsäure, ­
  wie  unter  Düngemittel  angegeben  ist,  1  Tropfen  metallisches  Quecksilber
hinzu  und  verbrennt.
Um  ein  Stoßen  bei  der  Destillation  des  Ammoniaks  zu  vermeiden,  verdünnt
man  nach  der  Verbrennung  mit  wenig  Wasser  und  gießt  vorsichtig  quantitativ
von  dem  zurückbleibenden  Sande  ab.  Dann  spült  man  noch  etwa  3-mal  mit  wenig
Wasser  den  Kolben  aus  und  gießt  jedesmal  von  dem  Sande  vorsichtig  ab.  Die  auf  diese
Weise  vom  Sande  befreite  Lösung  des  schwefelsauren  Amnions  wird  wie  gewöhnlich
der  Destillation  unterworfen  (siehe  unter  Düngemittel).
Man  kann  auch  in  der  Weise  dem  besprochenen  Stoßen  verbeugen,  daß  man
oO  g  Boden  mit  100  ccm  oder  150  ccm  Phenolschwefelsäure  in  einer  Porzellanschale
Ubergießt  und  unter  häufigem  Umrühren  so  lange  auf  dem  Wasserbade  behan  e  ,
bis  alle  organische  Substanz  gelöst  ist.  Sodann  bringt  man  das  Ganze  in  einen
250  ccm  fassenden  Kolben,  spült  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  quantitativ  nac  i
        <pb n="61" />
        38

Untersuchung  von  Boden.

und  füllt  mit  letzterer,  nachdem  vorher  gekühlt  worden  ist,  zur  Marke  auf,  mischt
gehörig  durch  Umschütteln  und  läßt  den  Sand  ahsitzen.  Von  der  überstellenden
Flüssigkeit  mißt  man  25  ccm  ab  und  benutzt  diese  zur  Verbrennung.  Das
Verfahren  ist  nicht  völlig  genau,  da  das  vom  Sande  eingenommene  Volumen  unberücksichtigt ­
  gelassen  wird.  Dieser  Fehler  dürfte  jedoch  dadurch  ausgeglichen  werden,
daß  es  bei  Anwendung  solcher  großen  Mengen  Boden  besser  gelingt,  eine  ordentliche
Durchschnittsprobe  zu  erhalten.
4.  Bestimmung  des  Ammoniaks,  a)  Völlig  zuverlässig  und  bei  humusreichen
Böden  allein  anwendbar  ist  folgendes  Verfahren;
Man  bringt  eine  100  g  bei  125°  getrockneter  Feinerde  entsprechende  Menge
lufttrockner  Feinerde  in  eine  gewogene  1—2  1  fassende  Kochflasohe,  setzt,  ohne  zu
erwärmen,  50  com  verdünnte  Salzsäure 1 )  (1  Vol.  konz.  Salzsäure  +  4  Vol.  Wasser)
zu,  nach  dem  Entweichen  von  Kohlensäure  nochmals  50  ccm  und  nötigenfalls  noch
weitere  50  ccm,  bis  die  Salzsäure  auch  nach  wiederholtem  Umschütteln  ganz  unverkennbar ­
  vorwaltet.  Man  fügt  jetzt  ammoniakfreies  Wasser  zu,  so  daß  man  im
ganzen  etwa  400  ccm  Flüssigkeit  hat,  mischt  gleichmäßig,  wägt  den  Kolben,  läßt
ihn  stehen,  bis  die  über  dem  Boden  stehende  Flüssigkeit  klar  geworden  ist,  zieht
diese  mittels  eines  mit  Quetschhahn  versehenen  Hebers  vorsichtig  ab  und  bestimmt
die  Menge  der  dekantierten  Flüssigkeit  durch  Zurückwägen  des  Kolbens.
Um  zu  erfahren,  welchen  Teil  der  im  ganzen  vorhandenen  Flüssigkeit  man
herausgenommen  hat,  filtriert  man  den  ungelösten  Rückstand  ab,  wäscht  ihn  aus,
trocknet  ihn  bei  126°  und  zieht  sein  Gewicht  von  dem  des  anfänglichen  Gesamtinhaltes ­
  der  Kochflasche  ab.  In  der  dekantierten  Lösung  bestimmt  man  den  Gehalt
an  Ammoniak,  indem  man  den  salzsauren  Bodenauszug  mit  genügend  frisch  geglühter
Magnesia  destilliert,  dabei  das  überdestillierende  Ammoniakgas  möglichst  vor  jeder
Berührung  mit  Kork  oder  Kautschuk  schützt,  durch  titrierte  Schwefelsäure  absorbieren
läßt  und  den  Überschuß  an  Schwefelsäure  zurücktitriert.
Nach  A.  Baumann *  2  3 )  soll  —  namentlich  bei  Anwendung  gläserner  Kühlröhren
  —  der  Ammoniakgehalt  des  Destillates  azotometrisch  (vergl.  unter  Düngemittel) ­
  bestimmt  werden.  Die  gefundene  Menge  Ammoniak  wird  dann  auf  die
Gesamtlösung  und  somit  auf  100  g  bei  126°  getrocknete  Peinerde  berechnet.  Das
azotometrische  Verfahren  ist  für  die  Bodenuntersuchung  in  der  von  Knop  angegebenen ­
  Form  nach  A.  Baumann  unbrauchbar,
b)  Bei  humusarmen  Böden  kann  man  durch  direkte  Destillation  mit  MgO  ein
annäherndes  Ergebnis  erhalten.
c)  Ebenso  liefert  bei  humusarmen  Böden  das  Schlösingsche  Verfahren  ziemlich ­
  annähernde  Ergebnisse,  jedoch  darf  man  die  Natronlauge  auf  keinen  Fall  länger
als  48  Stunden 8 )  einwirken  lassen.  Es  werden  50  g  des  lufttrockenen  Bodens  auf
ein  großes  Uhrglas  flach  ausgebreitet,  mit  40  ccm  kalter,  aber  völlig  konzentrierter
Natronlauge  gleichmäßig  angefeuchtet,  dann  schnell  ein  gläserner  Dreifuß  mit  einem
Schälchen,,  worin  ein  gemessenes  Volumen  von  titrierter  Schwefelsäure  enthalten
ist,  in  die  Erde  hineingestellt  und  das  Ganze  unter  eine  mit  Quecksilber  abgesperrte
oder  sonstwie  luftdicht  verschließbare  Glasglocke  gebracht.  Nach  48  Stunden  wird
durch  Zurücktitrieren  der  Schwefelsäure  mit  Natronlauge  das  Ammoniak  bestimmt.

!)  Die  verdünnte  Salzsäure  ist  auf  einen  etwaigen  Ammoniakgehalt  zu  prüfen  und
dieser  bei  der  Bestimmung  in  Abzug  zu  bringen.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1887,  33,  255.
3 )  A.  Baumann,  ebenda  247.
        <pb n="62" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

39

Al-m  übereießt  1000  g  des  lufttrocknen
5.  Bestimmung  der  Salpetersäure.  Mai  -  mit  der  i m  Boden  schon
Bodens  mit  so  viel  Wasser,  daß  die  Menge  des  ^  Umsch ütteln  läßt  man
vorhandenen  Feuchtigkeit  2000  ccm  betragt.  1  ^J lichst  klar  ab  und  engt
48  Stunden  lang  stehen,.  filtriert  dann  A°?°  .  t  f urch  Eindampfen  auf  dem
diese  Flüssigkeit  unter  Zusatz  von  etwas  Matrox  ^  ziemlich  beträchtlicher
Wasserbade  auf  ein  kleines  Volumen  ein.  ^ el  ^  g  .„n  Aufkochen  der  Flüssigkeit
Mengen  von  löslicher  Humussubstanz  wird  diese  i  nie  -  durch  Einleiten
«i«  Knilch  .,„1  nach  ,1«  Filtriere»  der  ***£  mt  „
von  Kohlensäure  ausgefällt.  Die  wiederum  &amp;lt;  '  ,  p-ieichem  oder  veralsdann,
  um  die  Salpetersäurebestimmung  2-mal  en  we  e  k önnen,  in  zwei
schiedenem  Verfahren  -  siehe  unter  Düngemittel  -'  ^ ttrocU nenBodens.
gleiche  Teile.  Jeder  Teil  entspricht  also  einer  Menge  -  2 00  g  Boden  in
(i.  Bestimmung  des  Chlors  hezw.  Kochsalzes.  E  unter  hilu figem
einem  Literkolben  mit  destilliertem  W  asser  bis  zu  &amp;lt;  ocm  ab fiitriert  und  das
Umschütteln  48  Stunden  lang  stehen  gelassen,  s°  ,  .  f  etwa  100  ccm
Filtrat  unter  Zusatz  von  ein  wenig  kohlensaurem  Natrium^  bis  au  ^  etwas
eingedampft,  wenn  viel  organische  Substanz  S _  versetzt ,  gekocht,  wieder
Kaliumpermanganatlösung  —  aber  nicht  im  .  i  „  Qklor  mit  salpeterfiltriert, ­
  die  Flüssigkeit  mit  Salpetersäure  übersättigt,  ^"^ührend  und  so
saurem  Silber  ausgefällt,  indem  man  du  koch  hlag g sich  zusammenhallt  und
lange  mit  einem  Glasstahe  umrührt,  bis  de  *  ^  chlorsilber  muß  sofort
die  Flüssigkeit  sich  vollständig  klart.  Da.  s  Dunkeln  hei  100°
und  rasch  abfiltriert,  mit  heißem  Wasser  aüsgewa  .  ,  Chlorsilber  vom
getrocknet  werden,  M„n  trennt  nbd.nn  so  " e  “„7p.rrelk.n-Filter
  nnd  verbrennt  letzteres  für  sich  in  einem  g 1  g  n  i  gebliebenen  Teile
tlegel.  Da  durch  die  Fil.erkold.  die  ...  l.n  die“  dtemehe
zum  Teil  zu  Silber  reduziert  worden  sind,  so  n  Silber  zu  lösen,  und
mit  einem  Tropfen  Salpetersäure,  erwärmt  etwas,  um  ,  vorsichtiges  Erfügt
  dann  einen  Tropfen  Salzsäure  hinzu.  Nachdem  man  durch  vorsicmg^  ^
wärmen  die  überschüssige  Säure  verjagt  hat,  gi  b  man  a  ^  ^  Chlorsilber  zu
Chlorsilbers  in  den  Porzellantiegel  und  glüht  nun  s°  &amp;gt;  , m  Exsikkato r  ereinem
  Regulus  zusaminengeschmolzen  ist.  Man  la
kalten  und  wägt  das  Chlorsilber.  ,  q.t,  wefelsäure
Zweckmäßig  ist  es  jedoch,  vorher  die  in  der .  ^’ SU " d g  '"^erhaltene  Schwefelsäure
durch  chlorfreies  salpetersaures  Baryum  auszuscheiden,  Glühen  und  nachdem
Baryum  muß,  wenn  es  quantitativ  bestimmt  werden  soll,  na  worc l en  ist,  mit  veres
  mit  Salpetersäure  angefeuchtet  und  nochmals  schwao  g e g  woo . en  werden,
dünnter  Salzsäure  ausgekocht  und  nacii  dem  Filtrieren  und  Glühen  g  lufttrocknen
7.  Bestimmung  des  Schwefels,  a)  Man  “  T  «  L  VO n  salpetersaurem
Feinerde  in  einer  Platinschale  mit  einer  konzentne  '  B  Glühen.  Nach  dem
Kalium  und  Kalilauge,  trocknet  ein  und  erhitzt  ns  von  etwas
Erkalten  kocht  man  die  Masse  mit  verdünnter  fea  zs*  ur  zur  T rock ne,
Salpetersäure  aus,  verdampft  behufs  A^cteidung  “  Von  der  so  genimmt
  mit  verdünnter  Salzsäure  auf  und  fallt  i  _  welche  in  dem  mit
fundenen  Schwefelsäure  bringt  man  diejenige  Menge  m  A'  .J  entspricht  den
heißer  Salzsäure  bereiteten  Auszug  gefunden  wurde.  Die  Differenz  1
anorganischen  oder  organischen  Schwefelverhindungen  ,  20  ccm
b)  6-10  gi)  des  feingepulverten  lufttrocknen  Bodens  werden
destilliertem  Wasser  und  5  ccm  reinem,  schwefelsäurefreiem  B
x)  Wahnschaffe,  Anleitung  zur  Bodenuntersuchung,  1903,  14.).
        <pb n="63" />
        40

Untersuchung  von  Boden.

Glasröhre  eingeschmolzen  und  in  einem  Wasserhade  allmählich  unter  häufigem
Umschütteln  bis  auf  70°  erhitzt.  Die  Eöhre  wird  durch  Anfeilen  und  Absprengen
der  Spitze  geöffnet,  ihr  Inhalt  in  ein  Becherglas  gespült,  mit  Wasser  verdünnt  und
so  lange  erhitzt,  bis  kein  Bromgeruch  mehr  wahrnehmbar  ist.  Darauf  filtriert  man
den  Boden  ab  und  fällt  die  Schwefelsäure  im  Filtrat  in  gewöhnlicher  Weise  mit
Chlorbaryum,  nachdem  man  vorher  salzsauer  gemacht  hat.  Berechnung  des  Schwefels
wie  unter  a.
c)  20  g  des  mit  Wasser  ausgezogenen  und  getrockneten  Feinbodens  werden
nach  M.  Fleischer 1 )  in  einem  aus  böhmischem  Glase  bestehenden  Bohre  im  Luftstrome ­
  geglüht,  wobei  etwa  vorhandene  Schwefelverbindungen  zersetzt  und  der
Schwefel  in  Schwefelsäure  und  schweflige  Säure  übergeführt  wird.
Man  schiebt  zuerst  in  das  Bohr  A  (Fig.  7)  einen  Glaswollepfropfen  hinein,  schüttet
dann  die  Substanz  lose  darauf  und  fügt  einen  zweiten  Glaswollepfropfen  hinzu.
Das  hintere  Ende  der  Bohre  A  verbindet  man  mit  einer  Wasser  enthaltenden  Gaswaschllasche
  C,  um  den  durchzusaugenden  Luftstrom  kontrollieren  zu  können.
Das  vordere  Ende  verbindet  man  mit  einer  Pelligotschen  U-röhre  B,  welche

Fig.  7.  Apparat  zur  Schwefelbestinimung  nach  M.  Fleischer.
schwefelsäurefreie  Kalilauge  enthält;  auf  das  andere  Ende  der  Pelligotsehen  Eöhre
setzt  man  ein  sogenanntes  Chlorcalciumrohr  auf,  welches  jedoch  anstatt  Chlorcalcium
mit  Kalilauge  befeuchtete  Glasperlen  enthält,  verbindet  letzteres  mit  einem  Aspirator
und  zwar  zweckmäßig  mittels  einer  rechtwinklig  gebogenen  Glasröhre,  welche  am
horizontalen  Arme  zu  einer  Kugel  ausgeblasen  ist,  in  welche  man  etwas  neutralisierte ­
  Lackmuslösung  bringt,  welche  während  der  Behandlung  ihre  Farbe  nicht
ändern  darf.  Das  Kohr  wird  so  beschickt  in  einen  Verbrennungsofen  eingelegt
und,  während  ein  beständiger  Luftstrom  hindurchstreicht,  von  hinten  nach  vorne
fortschreitend  bis  zur  Rotglut  erhitzt.  Durch  vorsichtiges  Erhitzen  treibt  man
auch  die  sich  am  vorderen  Ende  verdichtenden  Destillationserzeugnisse  in  die  Vorlage.
Die  Kalilauge  wird  dann  mit  Salzsäure  übersättigt,  mit  Brom  versetzt,  um  die
Schweflige  Säure  in  Schwefelsäure  überzuführen,  und  das  Brom  durch  Kochen  entfernt. ­
  Darauf  fällt  man  die  Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum,  filtriert,  trocknet  und
glüht.  Da  jedoch  leicht  etwas  konzentrierte  Salzlösung  mitgerissen  wird,  so  wäscht
man  vor  dem  Wägen  das  schwefelsaure  Baryum  nochmals  durch  Erwärmen  auf

')  Walinschaffe,  Anleitung  zur  Bodenuntersuchung,  1903,  147.
        <pb n="64" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

41

dem  Wasserbade  mit  verdünnter  Salzsäure  aus  und  wägt  dasselbe  erst,  nachdem
es  abermals  filtriert,  gut  ausgewaschen  und  geglüht  worden  ist.
Fleischer  berechnet  die  in  pflanzenschädlicher  Form  vorhandene  Schwefelsäure ­
  folgendermaßen;
1.  Als  freie  Schwefelsäure  (der  Schwefelsäurerest,  welcher  nach  Verrechnung
auf  die  Basen  des  Wasserauszuges  übrig  bleibt).
2.  Als  Schwefelsäure,  in  Eisenvitriol  enthalten  (berechnet  aus  dem  Eisenoxydulgehalt
  des  Wasserauszuges).
3.  Als  Schwefelsäure,  welche  .aus  Schwefeleisen  entstehen  kann  (durch  Glühen
des  mit  Wasser  ausgezogenen  Bodens  erhalten).  t
d)  Vergl.  Uber  „Schwefelbestimmung“  auch  unter  „Untersuchung  von  Asche“.
8.  Bestimmung  des  Eisenoxyduls,  a)  Man  übergießt  etwa  30  g  Erde  in
einer  passenden  Kochflasche  (mit  aufgesetztem  engeren  Glasrohr)  mit  60  ccm  heißer
konz.  Salzsäure,  nachdem  man  vorher  einige  Sodakristalle  oder.  Stückchen  von
reinem  Marmor  in  die  Flasche  geworfen  hat,  und  kocht  eine  Zeitlang.  Hieraut
verdünnt  man  stark  mit  kochend  keißem  Wasser,  neutralisiert  die  Flüssigkeit,  ohne
zu  filtrieren,  mit  Natron  oder  Ammoniak  (bei  Gegenwart  von  viel  Chlornatrium
oder  Chlorammonium  wird  die  Umwandlung  des  Eisenoxyduls  in  Eisenoxy  wesen
lieh  verlangsamt), 1 )  löst  den  entstandenen  Niederschlag  durch  einige  Trop  en  a  z
säure  wieder  auf  und  fällt  mit  möglichst  wenig  essigsaurem  Natrium  (S.  24  ß  )■
Sodann  bringt  man  den  ganzen  noch  heißen  Inhalt  der  Kochflasche  rasch  auf  ein
hinreichend  großes  Filtef*  und  wäscht  mehrmals  mit  kochendem  Wasser  aus.  Bas
Filtrat  erhitzt  man  zum  Sieden,  fügt  etwas  Salzsäure  hinzu,  oxydiert  das.  Eisenoxydul ­
  durch  einige  Stückchen  chlorsaures  Kalium,  entfernt  die  Flüssigkeit  \om
Feuer  und  fällt  von  neuem  mit  essigsaurem  Natrium.  Der  Niederschlag  wird  nac  i
dem  Auswaschen  in  Schwefelsäure  oder  nach  dem  Glühen  durch  Zusammenschme  zen
der  fein  gepulverten  Masse  mit  saurem  schwefelsauren  Kalium  gelöst  und  in  der
Lösung  das  Eisen  durch  Kaliumpermanganatlösung  titriert  (S.  24  ß  2).
Die  Gegenwart  von  organischer  Substanz  in  der  Bodenlösung  läßt  überall  nur  eine
annähernd  richtige  Bestimmung  des  Eisenoxyduls  erwarten.  Audi  zeigt  bekanntlich  das
Eiseuoxydul  ein  sehr  verschiedenes  Verhalten  zum  Wachstum  der  Kulturpflanzen,  je  nachdem ­
  dasselbe  an  Kieselsäure,  Kohlensäure,  Schwefelsäure  oder  an  Humussubstanzen  im
Boden  gebunden  ist.  Um  hierüber  einigen  Aufschluß  zu  erhalten,  muß  man  den  Boden
unter  geeigneten  Vorsichtsmaßregeln  (in  einer  Kohlensäure-Atmosphäre  usw.)  mit  verschiedenen ­
  Lösungsmitteln,  mit  Wasser,  verdünnter  Essigsäure,  neutralen  wemsauren
Salzen,  mit  kalter  und  heißer  Salzsäure,  Schwefelsäure  usw.  behandeln  und  diese  verschiedenen ­
  Auszüge  wenigstens  qualitativ  auf  die  Gegenwart  größerer  oder  geringerer
Mengen  von  Eisenoxydul  prüfen.  Der  Rückstand  von  der  Behandlung  des  Bodens  mit
konz.  Schwefelsäure  (S.  32)  enthält  selten  irgendwie  beträchtliche  Mengen  von  Eisenoxydul
Sollte  jedoch  letzteres  der  Fall  sein  und  die  Bestimmung  des  Eisenoxyduls  wünschenswert
erscheinen,  so  läßt  sich  dieses  mit  Kaliumpermanganatlösung  bestimmen,  nachdem  man  das  Autschließen
  der  Substanz  im  Kohlensäurestrome  nach  Cooke 2 )  mittels  Plußsäure  oder  nach
Wilbur  und  Whittlesen 3 )  durch  eisenfreies  Flußspat-  oder  Kryolithpulver  bewirkt  hat.
b)  Wir  bestimmen  bei  mäßig  bumushaltigen  Böden  das  Eisenoxydul  wie  folgt:
10  g  des  lufttrockenen  Bodens  werden  in  einen  250  ccm  oder  500  ccm
fassenden  Kolben  gebracht,  mit  etwa  100  ccm  verdünnter  (1;  3)  Schwefelsäure
*)  Über  die  Bestimmung  des  schwefelsauren  Eisenoxyduls  und  freier  Schwefelsäure
vergl.  auch  unter  „Untersuchung  von  Moorboden“.
2 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1868,  7,  98.
8 )  Ebenda  1871,  10,  98.
        <pb n="65" />
        42

Untersuchung  von  Boden.

übergossen,  nachdem  man  die  überstellende  Luft  durch  Einleiten  von  Kohlensäure
vertrieben  bezw.  durch  letztere  ersetzt  hat;  der  Kolben  wird  alsdann  mit  einem
B  unsen  sehen  Ventil  verschlossen.  Man  behandelt  jetzt  unter  öfterem  Umschwenken  auf
dem  Wasserbade  ungefähr  2  Stunden,  läßt  erkalten,  füllt  mit  ausgekochtem  destillierten
Wasser,  dem  man  noch  etwas  verdünnte  Schwefelsäure  zusetzt,  damit  die  Flüssigkeit ­
  sehr  stark  sauer  ist,  zur  Marke  auf  und  mischt  den  Inhalt.  Man  läßt  den  Kolben
verschlossen  stehen,  bis  sich  der  ungelöste  Boden  vollständig  gesetzt  hat,  hebt  einen
aliquoten  Teil  der  klaren  Flüssigkeit  ab  und  titriert  diese  mit  1 /io  Normal-Kaliumpermanganat ­
  (S.  24  ß  2),  indem  man  die  erste,  einige  Sekunden  anhaltende  Rötung
der  Lösung  als  Endreaktion  annimmt.  Bei  humusreichen  Böden  liefert  dieses  Verfahren ­
  indes  leicht  zu  hohe  Ergebnisse,  weil  auch  die  gelöste  organische  Substanz
schon  in  der  Kälte  reduzierend  auf  Kaliumpermanganat  wirkt.
9.  Bestimmung  von  Kupfer  und  Blei,  Kupfer  und  Blei  finden  sich  mitunter
im  natürlichen  Boden  oder  können  durch  Fabrikabgänge  oder  durch  Düngung  mit
Straßenkehricht  bezw.  Hausabfällen  in  den  Boden  gelangen.  Zu  ihrer  Bestimmung
wird  in  die  erwärmte  salzsaure  Bodenlösung  Schwefelwasserstoff  geleitet;  ist  gleichzeitig ­
  auch  auf  Zink  Rücksicht  zu  nehmen,  so  muß  man  stärker  salzsauer  machen,
da  nach  verschiedenen  Beobachtungen  sonst  das  Zink  teilweise  mitgefällt  wird.
Nach  den  Versuchen  von  R.  Grundmann 1 )  setzt  man  auf  etwa  250  ccm  Lösung
30  ccm  Salzsäure  von  1,1  spezifischem  Gewicht  zu  und  leitet  bei  etwa  70°  Schwefelwasserstoff ­
  ein  bis  zum  starken  Vorwalten,  filtriert,  ehe  der  Schwefelwasserstoffüberschuß ­
  entwichen  oder  zersetzt  ist,  wäscht  mit  schwefelwasserstoffhaltigem  Wasser
aus,  trocknet,  röstet,  löst  wieder  in  Königwasser,  verdampft  zur  Trockne,  setzt
Wasser  und  Salzsäure  zu,  wie  oben,  und  fällt  nochmals  mit  Schwefelwasserstoff-Der
  so  zinkfreie  Niederschlag  wird  wieder  filtriert,  ausgewaschen,  in  Salpetersäure
gelöst,  mit  destilliertem  Wasser  verdünnt  und  filtriert.  Das  Filtrat  versetzt  man
mit  reiner  Schwefelsäure  in  nicht  zu  geringem  Überschuß,  verdampft,  bis  das
Schwefelsäurehydrat  anfängt  sich  zu  verflüchtigen, *  2 )  läßt  erkalten,  fügt  Wasser
zu  und  filtriert  ohne  Säumen  das  ungelöst  bleibende  schwefelsaure  Blei  ab.  Sollte
der  Rückstand  nicht  mehr  genug  freie  Schwefelsäure  enthalten,  so  fügt  man  zu
demselben  verdünnte  Schwefelsäure,  bevor  man  Wasser  zusetzt.  Den  Niederschlag
wäscht  man  mit  schwefelsäurehaltigem  Wasser  aus,  verdrängt  dieses  zuletzt  durch
Weingeist,  trocknet,  glüht  im  Porzellantiegel  und  wägt  als  schwefelsaures  Blei
(PbS0 4 ).  Im  Filtrat  vom  schwefelsauren  Blei  wird  das  Kupfer  bestimmt,  indem  man
die  Flüssigkeit  zum  Sieden  erhitzt  und  mit  Kalilauge  versetzt.  Das  gefällte
Kupferoxydhydrat  wird  abfiltriert,  heiß  ausgewaschen,  getrocknet,  im  Porzellantiegel
  geglüht  und  als  Kupferoxyd  (CuO)  gewogen.  Auch  läßt  sich  das  Kupfer
elektrolytisch  abscheiden  und  bestimmen.
In  den  beiden  vereinigten  Filtraten  vom  Schwefelwasserstoffniederschlage
wird  zuerst  durch  Kochen  der  überschüssige  Schwefelwasserstoff  verjagt  und  das
Zink  wie  folgt  bestimmt:
10.  Bestimmung  von  Zink.  Da  man  gewöhnlich  große  Mengen  von  Eisen
in  den  Bodenlösungen  hat,  so  scheidet  man  am  besten  letzteres  zuerst  durch  essig'
saures  Natrium  ab  (S.,24  ß  1),  filtriert  und  bestimmt  in  der  essigsauren  Lösung
das  Zink,  indem  man  in  die  warme  Lösung  Schwefelwasserstoff  bis  zum  starken
Vorwalten  einleitet.  Man  läßt  zweckmäßig  bedeckt  etwa  12  Stunden  an  eine»
warmen  Orte  stehen,  filtriert  und  wäscht  mit  schwefelwasserstoffhaltigem  Wasser

&amp;gt;)  Joum.  f  prakt.  Chemie,  78,  241.
2 )  Man  muß  so  weit  erwärmen,  bis  alle  Salpetersäure  entfernt  ist.
        <pb n="66" />
        Untersuchung:  der  Mineralböden.  43
aus.  Um  noch  etwaige  Spuren  von  Eisen,  die  in  dem  Schwefelzink-Meder  schlage
enthalten  sein  können,  abzuscheiden,  wird  das  Schwefelzink  in  heißer  verdünnter
Salzsäure  gelöst  und  nach  dem  Kochen  mit  etwas  chlorsaurem  Kalium  mit  Ammoniak
übersättigt.  Das  Eisen  fällt  aus,  während  das  Zink  in  der  ammoniakalischen  Flüssigkeit ­
  gelöst  bleibt.  Man  filtriert  das  Eisenoxydhydrat  ah,  macht  das  Filtrat  essigsauer
und  leitet  in  die  warme  essigsaure  Lösung  wieder  Schwefelwasserstoff,  läßt  12  Stunden
stehen,  filtriert,  wäscht  wie  oben  aus,  löst  wieder  in  Salzsäure,  oxydiert  wie  vorhin
und  fällt  aus  der  salzsauren  Lösung  in  der  Siedehitze,  nachdem  man  an  nähern  mit
Natronlauge  neutralisiert  hat,  mit  kohlensaurem  Natrium  das  Zink  als  Zinkkarbonat.
Es  wird  alsdann  so  lange  gekocht,  bis  alle  freie  Kohlensäure  entwichen  ist.  Sodann ­
  filtriert  man  ab,  wäscht  mit  heißem  destillierten  Wasser  gut  aus,  trocknet,
glüht  im  Platintiegel  und  wägt  das  Zink  als  Zinkoxyd  (ZnO).
Im  Filtrat  von  Schwefelzink  kann  Kalk  und  Magnesia  nach  den  bekannten
Verfahren  S.  27  u.  28  bestimmt  werden.
IV.  Bestimmung  der  physikalischen  Eigenschaften  des  Bodens.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  des  Bodens.  Uas  spezifische  Ge
wicht  des  Bodens  findet  man  bekanntlich  in  der  Weise,  daß  man  das  Gewicht  einer
bestimmten  Menge  Boden  durch  den  Gewichtsverlust,  welchen  dieselbe  hei  dem
Wägen  in  reinem  Wasser  erleidet,  dividiert,  oder  indem  man  das  Gewicht  des  Bodens
durch  das  Gewicht  des  Wassers,  welches  durch  die  betreffende  Menge  des  ersteren
aus  einem  Gefäß  verdrängt  wird,  dividiert.  Es  kommt  also  nur  darauf  an,  dieses
Wasser  dem  Gewicht  oder  dem  Volumen  nach  genau  zu  ermitteln.
a)  Das  gewöhnliche  Verfahren  besteht  darin,  daß  man  ein  Pyknometer
(vergl.  unter  „Milch“)  mit  destilliertem  Wasser  von  15°  anfüllt  und  das  Gewicht
des  letzteren  genau  bestimmt.  Es  wird  dann  eine  kleine  Menge  Boden  (10—15  g),
deren  Feuchtigkeitsgehalt  durch  Trocknen  hei  100°  bestimmt  worden  ist,  mit
wenig  Wasser  aufgekocht,  das  Ganze  in  das  Fläschchen  gespült,  das  letztere  nach  dem
Erkalten  mit  Wasser  von  derselben  Temperatur  wie  oben  wieder  ganz  angefüllt  und
gewogen.  Addiert  man  das  Gewicht  des  angewendeten  Bodens  minus  dem  Gewicht
der  entsprechenden  Menge  Wasser,  die  bei  100°  ausgetrieben  wurde,  zu  dem  Gewichte ­
  des  mit  Wasser  gefüllten  Kölbchens  und  zieht  hiervon  das  Gewicht  des  mit
Wasser  +  Boden  gefüllten  Kölbchens  ab,  so  drückt  die  Differenz  das  Gewicht  des
Volumens  Wasser  aus,  welches  demjenigen  der  angewendeten  Bodenmenge  gleich  ist.
b)  Das  von  einer  gewogenen  Menge  Boden  verdrängte  Wasser  läßt  sich
auch  dem  Volumen  nach  ermitteln.  Wo  es  nicht  auf  große  Genauigkeit  ankommt,
bringt  man  einfach  200  g  Boden  in  einen  300  oder  500  ccm-Kolben,  füllt  den
letzteren  mittels  eines  100  ccm-Kolbens  mit  Wasser  bis  zur  Marke  an  und  mißt
den  im  100  ccm-Kolben  bleibenden  Best  im  graduierten  Zylinder  (Knop). 1 )  Auch
kann  man  in  der  Weise  verfahren,  daß  man  eine  abgewogene  Menge  des  Bodens
(etwa  30  g)  in  einer  genau  graduierten  Glasröhre  mit  50  ccm  W  asser  stark  schüttelt,
um  die  Luft  auszutreiben,  und  dann  ahliest,  um  wieviel  das  ursprüngliche  Volumen
der  Flüssigkeit  durch  die  Gegenwart  des  Bodens  vermehrt  worden  ist.  (Vergl.
Schumanns  Pyknometer  unter  „Zement“.)
Der  Humus  bildet  stets  den  spezifisch  leichtesten,  der  etwas  grobkörnige
Quarzsand  gewöhnlich  den  schwersten  Bestandteil  des  Bodens.  Dagegen  ist  der
überaus  feinkörnige,  mehlartige  und  gleichsam  tonige  Sand,  wie  er  in  manchen
')  Landw.  Versuchs-Stationen  1869,  8,  40.
        <pb n="67" />
        44

Untersuchuug  von  Boden.

Verwitterungshöden  vorkommt,  oft  spezifisch  leichter  als  der  reine  Ton;  ein  zäher,
humusarmer  Tonhoden  kann  daher  nicht  selten  ein  höheres  spezifisches  Gewicht
zeigen  als  ein  lehmiger  Sandboden,  wie  E.  Wolff  z.  B.  bezüglich  der  folgenden
6  Bodenarten  nachgewiesen  hat.  Die  Zahlen  beziehen  sich  überall  auf  den  bei
125°  getrockneten  Boden.
Gehalt  an

Spezif.
Gewicht

Humus

Ton

Sand

Köhlens.
Calcium

Eisenoxyd ­


1.  Boden

2.5445

°/o
6.87

%
18,17

0 ;o
48.38

°/o
16,79

%
3.85

2.

2,6315

0,88

15,74

77,32

0,18

2,91

3*  l

2,6508

2,19

29,76

53.04

2,28

6,27

4.

2,6400

1,40

15,96

75,94

0,52

3.29

5.  „

2,7325

0.66

42,46

30,19

12,81

7,31

6.  „

2,6603

0,92

26,93

62,15

0,84

5,68

Die  prozentigen  Mengenverhältnisse  sind  auf  chemischem  Wege  ermittelt,  der  Humus
aus  dem  direkt  bestimmten  organisch  gebundenen  Kohlenstoff  berechnet,  der  Ton  ist  reines
Aluminiumsilikat  und  der  Sand  die  in  Salzsäure  oder  Schwefelsäure  unlösliche  Masse  des
Bodens.  Im  allgemeinen  also  kann  man  aus  dem  spezifischen  Gewicht  keinen  sicheren
Schluss  auf  die  chemische  oder  mechanische  Beschaffenheit  des  Bodens  ziehen.
2.  Bestimmung  des  absoluten  oder  Volumengewichtes  des  Bodens.  Das  absolute ­
  Gewicht  des  Bodens  findet  man,  wenn  man  den  letzteren  im  lufttrocknen,
möglichst  feinpulverigen  Zustande  in  ein  passendes  Gläschen  von  bekanntem  Inhalt
unter  gelindem  Bütteln  und  Aufstoßen  anteilweise  und  gleichmäßig  fest  einfüllt,
bis  nach  längerem  Aufstoßen  keine  Yolumabnahme  mehr  stattfindet,  und  sodann  die
eingefüllte  Erde  dem  Gewichte  nach  ermittelt.  Das  absolute  Gewicht  wird  auf  ein
bestimmtes  Volumen  (1  cbm,  1  1  usw.)  berechnet.
Von  einer  besonderen  Probe  wird  zu  gleicher  Zeit  das  bei  100°  entweichende
hygroskopische  Wasser  bestimmt  und  das  durch  Wägung  ermittelte  Volumgewicht
stets  auf  bei  100°  getrocknete  Substanz  bezogen,
Heinrich 1 )  verfährt  in  folgender  Weise:
Eine  100  g  Trockensubstanz  entsprechende  Bodenmenge  (Feinerde)  wird  in  eine
bürettenartig  graduierte  Köhre  eingefüllt  und  durch  Aufgießen  von  Wasser  eingeschwemmt.
Nachdem  das  überschüssige  Wasser  abgetropft  ist,  wird  das  Volumen  abgelesen.
Zur  Volumen-Bestimmung  läßt  sich  eine  einfache  Bürette  benutzen,  in  welcher  man
den  unteren  nicht  graduierten  Teil  mit  weißem  Sand  anfüllt.  Der  darauf  zu  schüttende
und  einzuschwemmende  Boden  markiert  sich  dann  mit  scharfer  Grenze.
Es  wird  hieraus  berechnet  das  Gewicht  der  in  1  1  enthaltenen  Trockensubstanz
und  das  Gewicht  des  in  1  1  enthaltenen,  vollständig  mit  Wasser  gesättigten  Bodens  (durch
Messung  des  aufgegossenen  und  abgetropften  Wassers).
Es  sei  bemerkt,  dass  die  gewöhnlichen  Ackerböden,  nachdem  man  sie  in  der  Glasröhre ­
  fest  eingeschüttelt  hat,  durch  das  Einschwemmen  ihr  Volumen  —  trotz  der  Wasseraufnahme ­
  —  noch  weiter  vermindern.  Humose  Böden  erhöhen  ihr  Volumen  bei  dem
B  inschwemmen.
Für  die  Humusböden  (Torf-  und  Moorböden)  ist  das  von  der  Moor-Versuohs-Station
Bremen  angewendete  Verfahren  zweckmäßig  beizubehalten  (vergl.  weiter  unten).
Br.  Tacke *  2 )  hat  für  die  Ermittelung  des  Volumens  größerer  Proben,  besonders ­
  von  Bodenproben,  ein  Volumenometer  eingerichtet,  worauf  hier  nur  verwiesen ­
  werden  mag.

&amp;gt;)  Landw.  Versuchs-Stationen  1893,  43,  341.
2 )  Zeitsohr.  f.  angew.  Chemie  1893,  39.
        <pb n="68" />
        Untersuchung  der  Mineralhöden.

45

3.  Bestimmung  des  scheinbaren  spezifischen  (xevtic  es  Volnrnffcwielit
scheinbare  spezifische  Gewicht  des  Bodens  erhält  man,  wenn  man  (&amp;lt;  s  *
durch  das  Gewicht  des  gleichen  Volumens  Wasser  dividiert..  ,  n
Für  oben  genannte  6  Bodenarten  wurden  folgende  scheinbaren  spezi
Wichte  gefunden;

1.  2.  3.  4.  5,  6.
Lufttrockne  Erde  .  .  1,094  1,171  1,357  1,281  1,406  1,273
Bei  125°  getrocknet.  1,099  1,177  1,375  1,291  1,464  1,285

Bei  der  Berechnung  des  scheinbaren  speziliscliien  GewichdeSlS
Bodens  ist  angenommen  worden,  daß  die  Feuchtigkeit  m  e  ,  zuo-eo-en  gewesen
Baum  einnimmt,  wie  das  Wasser,  wenn  «  ta .  WBÄbnden
wäre.  Das  Volumen  dieses  Wassers  wurde  daher  i  den  au fgeführten
Verhältnisses  von  dem  Inhalt  des  Gefäßes  abgezogen.  sandigen  Bodenarten
Zahlen,  daß  nächst  dem  humusreichen  Boden  (1)  die  feinkörnig  «en  die
(2  und  4)  als  die  absolut  leichteren,  die  tonigeren  Boden  (3,  6  und  namentlicn  ,
absolut  schwereren  sich  ergeben  haben.

4.  Bestimmung  der  Porosität  des  Bodens.  Ihe  ^‘'^‘L^^ode^Feuchtigkeit
Volumen  de?  festen  Bodenteilchen,  sowie  a ^ er ®°f  scheinbare  durch  das  wirkliche
angefüllten  Poren  wird  gefunden,  indem  man  das  s
spezifische  Gewicht  des  Bodens  dividiert.

a)  Hat  man  das  scheinbare  spezifische  Gewicht^  de^  fempnlvengen,
VöBig  lufttrocknen  Bodens  bestimmt  und  daraus  i  (  nach  der  G i e iclunig
trockneten  Boden  berechnet,  so  findet  man  z.  B.
2,5445  ;  1,099  =  100  :  x  (=  43,2)  usw.
Für  die  obigen  6  Bodenarten:  „  3  4.  5-  6-'
  ,.'n  q  48,9  53,6  48,3
Volumen  der  festen  Erdteile  .  .  43,2  44,7  &amp;gt;  ,  434  517
Volumen  der  Poren  56,8  55,3  48,1  ol,i

b)  Für  die  Porosität  des  Bodens  in  seiner  natürlichen  Lage  auf  dem  Felde  u  1  .
-  wenn  man  also  ein  bestimmtes,  auf  1  ccm  zu  berechnendes  Volumen  d fs  Bodens
mit  einem  Erdbohrer  oder  hierzu  passend  eingerichtetem  Stecheisen  aushebt,  aas
Gewicht  der  ganzen  Bodenmasse  und  in  einem  Teil  derselben  die  Trockensubstanz
ermittelt  —  werden  wiederum  andere  und  zwar,  je  nach  der  mechanischen  Bearbeitung ­
  des  Bodens,  nach  der  Düngungsweise  usw.  verschiedene  Zahlen  gefunden
werden.

Es  kann  auch  von  Interesse  sein,  das  Volumen  zu  bestimmen,  welches
der  Boden  in  einem  mit  Wasser  völlig  aufgeschlämmten  Zustande  einnimmt. ­
  Man  benutzt  dazu  den  Boden,  dessen  Volumen  im  lufttrocknen  fempnlvengen
Zustande  ermittelt  worden  ist  jedoch  nur  25  oder  30  g,  schüttelt  dieselben  in
einem  graduierten  Glasrohr  anhaltend  mit  Wasser,  welches  l°/ 0  Chlorammonium
aufgelöst  enthält,  und  läßt  dann  ruhig  absitzen.  Nach  Verlauf  von  24  Stunden
nimmt,  nach  E.  Wolffs  Beobachtungen,  das  Volumen  des  abgesetzten  Bodens  durcb
längeres  Stehen  nicht  mehr  ab;  der  Boden  ist  alsdann  von  der  darüber  stehenden
völlig  klaren  Flüssigkeit  scharf  getrennt.  Das  Volumen  des  Bodens  in  diesem  mi
Wasser  aufgeschlämmten  Zustande  vergleicht  man  mit  demjenigen  Volumen,  weiches
dieselbe  Menge  Boden  als  feinpulverige  lufttrockne  Masse  einnimmt,  indem  man  aas
letztere  Volumen  als  Einheit  der  Rechnung  zugrunde  legt.
Auf  diese  Weise  ergab  sich  für  die  obigen  6  Bodenarten  das  folgende  Verhältnis.
1.  2.  3.  4.  5.  6.
1:1,433  0,962  1,418  1,144  2,139  1,360
        <pb n="69" />
        46

Untersuchung  von  Boden.

,

Es  ist  zu  bemerken,  daß  der  Boden  No.  2  als  feinpulverige  lufttrockne  Masse  ein
etwas  größeres  Volumen  einnahm,  als  wenn  dieselbe  mit  Wasser  aufgeschlämmt  worden
war  und  aus  der  Flüssigkeit  sich  wiederum  abgesetzt  hatte.  Im  übrigen  nimmt  mit  dem
größeren  Humus-  und  namentlich  Tongehalte  das  Volumen  des  Bodens  im  aufgeschlämmten
Zustande  deutlich  zu;  indes  gestatten  die  betreffenden  Verhältniszahlen  auch  allerlei
bemerkenswerte  Schlußfolgerungen  bezüglich  des  mechanischen  oder  physikalischen  Zustandes
der  im  Boden  vorhandenen  Humus-  und  Tonsubstanz.
Durch  einfache  Rechnung  läßt  sich  auch  die  Menge  des  Wassers  ermitteln,  welche
in  dem  aufgeschlämmten  und  aus  dem  Wasser  wieder  abgesetzten  Boden  enthalten  ist,  und
damit  die  verhältnismäßig  höchste  (vergl.  7  a)  Wasserkapazität  des  Bodens  feststellen.  Wenn
man  diese  Wassermenge  auf  den  bei  125°  getrockneten  Boden  bezieht  und  in  Prozenten
des  letzteren  ausdrückt,  so  ergeben  sich  z.  B.  für  obige  Bodenarten  folgende  Zahlen;
1.  2.  3.  4.  5.  6.
Höchste  Wasserkapazität  .  .  91,1  43,8  65,4  50,7  109,5  68,3  u / 0 .
5.  Bestimmung-  der  Absorptiousgröße  des  Bodens  gegen  1 / 10  bezw.  ’/ioo  Normal-Lösungen
  der  wichtigeren  Pflanzennährstoffe.  Es  werden  zu  diesen  Absorptionsversuchen
  zweckmäßig  Lösungen  von  Chlorammonium,  Kaliumnitrat,  Calciumnitrat,
  Magnesiumsulfat  und  Monocalciumphosphat  (saures  phosphorsaures
Calcium)  verwendet,  indem  man  1 / 10  bezw.  1 / 100  des  Molekulargewichtes  in  Grammen
ausgedrückt  (also  bei  1 / 10  Molekulargewicht  5,36  g  NH 4 C1,  10,11  g  KNO s ,  16,40  g
Ca(N0 8 )„,  24,60  g  MgS0 4  +  7H o 0,  24,2  g  CaH 4 (P0 4 ) 2 .  H 2 0)  in  1  1  Wasser  von
16°  löst.
Chlorammonium,  Kaliumnitrat  und  Magnesiumsulfat  lassen  sich  leicht  als
chemisch  reine  wasserfreie  Salze  abwägen.
Calciumnitrat  ist  sehr  zerfließlich,  es  kann  daher  nicht,  als  solches  genau  gewogen ­
  werden.  In  diesem  Falle  stellt  man  sich  eine  konzentriertere  Lösung
her  und  bestimmt  in  etwa  20  oder  25  ccm  den  Kalk-  oder  Salpetersäuregehalt,
indem  man  aus  zwei  gut  übereinstimmenden  Bestimmungen  das  Mittel  nimmt,  die
für  1  1  1 / 10  bezw.  1 / 100  Normal-Lösung  nötige  Menge  berechnet  und  diese  zu  1  1
verdünnt.
Zur  Bestimmung  der  Phosphorsäureabsorption  soll  nach  Fescas 1 )  Vorschläge
Monocalciumphosphat  verwendet  werden.
Dieses  Salz  wird  in  folgender  Weise  dargestellt:  Eine  Lösung  von  phosphorsaurem ­
  Natrium  wird  mit  Eisessig  versetzt,  darauf  mit  einer  Chlorcaloiumlösung
ausgefällt  und  der  Niederschlag  so  lange  durch  Dekantieren  mit  Wasser  ausgewaschen, ­
  bis  sich  keine  Chlorreaktion  mehr  zeigt.  Der  frische  Niederschlag  wird  in
kalter  offizineller  Phosphorsäure  bis  zu  deren  Sättigung  gelöst.  Nach  dem  Filtrieren
kristallisiert  das  Monocalciumphosphat,  nachdem  die  Lösung  im  geheizten  Zimmer
in  Kristallisierschalen  2—3  Wochen  gestanden  hat,  aus.  Die-  Mutterlauge  wird
zunächst  durch  Pressen  zwischen  Fließpapier  entfernt,  das  Salz  über  Schwefelsäure
getrocknet  und  die  letzten  Reste  anhaftender  Phosphorsäure  durch  Auswaschen  mit
wasserfreiem  Äther  auf  dem  Scheidetrichter  entfernt.
Da  dieses  Salz  nur  in  sehr  verdünnter  Lösung  ohne  Zersetzung  löslich  ist,
so  führt  man  die  Absorptionsversuche  mit  einer  1 / 100  Normal-Lösung  (2,43  g
CaH 4 (P0 4 ) 2  .  H 2 0  entsprechend  1,42  g  P 2 0 5 )  aus.
In  25  ccm  dieser  Lösung  wird  nach  dem  Molybdänverfahren  (siehe  Düngemittel) ­
  die  Phosphorsäure  bestimmt.
Die  Absorptionsversuche  werden  mit  lufttrocknem  Boden  ausgeführt,  welcher
durch  ein  Eundlochsieb  von  0,6  mm  Lochweite  geschlagen  wird.
’)  M.  Feaca,  Beiträge  zur  agronomischen  Bodenuntersuclmng,  1882,  S.  31.
        <pb n="70" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

47

Bei  der  Bestimmung  werden  50  g  des  .f  ^cr  srtite^en  Kolben  unter
der  Vio  IJezw.  x l m)  Normallösung  48  Stunden  ™  4  ,  dann  wird  möglichst
wiederholtem  ümschiltteln  bei  Zimmertemperatur  .  n  Her  herelas  abfiltriert,
schnell  durch  ein  lufttrocknes  Faltenfüter  irr  ern  trectoe  Bechergms
während  des  Filtrierens  Trichter  und  Glas  bedeckt
jenige  Bestandteil  bestimmt,  dessen  absorbierte  Menge  um  l3e7e i c hnet  werden;
Nach  vw&amp;gt;  Vorschlag,  soll  als  Ahsorpttohstett»«*
die  Menge  des  absorbierten  Bestandteiles,  in  Mrllrgramn  i
die  Einheit  100  g  Boden.  .  h P7 ü&amp;lt;rlich  einer
Manchmal  ist  es  von  Interesse,  die  Absorptionsv  ei  a  eine  Flüssigkeit
vollständigen  Nährstofflösung  zu  ermitteln;  als  so  c  ®
ansehen,  welche  gleichzeitig  Kaliumnitrat,  Calciumm  ra  &amp;gt;
saures  Magnesium  und  saures  phosphorsaures  Ka  mm  1  2  r
und  zwar  von  jedem  Salze  die  einer  4 / 50  NormaUosung  entsprechende ­
  Menge  enthält.  Man  schüttelt  500  ccm  dies
lösungen  im  Verlaufe  von  24  Stunden  oftmals  mr  -0  .
treffenden  Bodens,  filtriert  sodann  300  oder  ccm  eile
keit  ab  und  bestimmt  darin  die  Mengen  der  sämthchenB  -
Zu  dem  Absorptionsverhalten  des  Bodens  ist  im  allgemeinen
noch  zu  bemerken,  daß  nach  den  Beobachtangen
mann 2 )  die  Absorption  des  Kalis  durch  Brhotaug  der  _Te*
peratur  bis  zur  Kochhitze  sich  nicht  wesentlich  ’  der
gegen  diejenige  der  Phosphorsäure  schon  durch  E^h  :  J?  ^
Temperatur  um  wenige  Grade  (z.  B.  von  1  hen
Doppelte  und  Dreifache  und  durch  Erhitzen  bis  ,
noch  weiter  gesteigert  wird.  Um  daher  bezüg  ic  *  er
säure  vergleichbare  Ergebnisse  zu  gewinnen,  mu
ganz  bestimmte  Temperatur  innegehalten  werden,  a  s  w
mittlere  =  17°  sich  eignet.  v  ,,  A
Nach  W.  Pillitz 8 )  gibt  es  für  die  Absorption  von  K.  &amp;gt;
moniak  und  Phosphorsäure  einen  Aussättigungspun  ,  yig.  s.
hin»,  eine  weitere  Antatae  nicht  «ehr  a f s J  »fftSSSt
Sättigung  ist  eine  gewisse  geringste  Konzentration  der  flüssig
keit  erforderlich;  Kali  und  Ammoniak  werden  in  aq  .  Basen  und  der
Mengen  absorbiert;  Beziehungen  zwischen  der  Absorptionsgroße  der  Ba
Phosphorsäure  lassen  sich  nicht  erkennen.  Verfahren  (nämlich
W.  Pillitz  wie  N.  Zalomanoff 4 )  verwerfen  d^  ^  F Sltrier-Schütteln
  des  Bodens  mit  der  Lösung  in  einem  0  )e44 )  Verhältnissen  entspricht,
Verfahren,  weil  es  einerseits  mehr  den^  natürhchen  ™™ off  bediente  sie h
andererseits  übereinstimmendere  Ergebnisse  liefern  s  ■
zu  den  Absorptionsversuchen  des  vorstehenden  ppaia  es.  Zvlinder  ist  in  ccm
Zwei  Zylinder  sind  vertikal  aufeinander  gestellt;  £  und  b  vereingeteilt, ­
  der  obere  an  beiden  Enden  mit  durc  1  0  n  Innerhalb  des  Zylinders  A
schlossen,  durch  deren  Öffnungen  Glasröhren  c  und  &amp;lt;  ge»  Stück  schwedischen  Filtrierwird ­
  die  Öffnung  des  Eöhrchens  d  mit  einem  rund  geschnittenen  Stuck
’)  Beiträge  zur  agronomischen  Bodenuntersuchung  und  Kaitierur  g,
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1869,  11,  1  und  öi 9
3 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1875,  14-,  55  ul ' c  *1  '  q,  i  ggO  S.  40.
«)  Jul.  Kühn,  Berichte  des  landw.  Instituts  Halle  a.  S.
        <pb n="71" />
        48

Untersuchung  von  Boden.

papiers  verdeckt.  Der  untere  Teil  des  Röhrchens  d  ist  mittels  eines  Kautschukschlauches,
welcher  einen  Quetschhahn  C  trägt,  mit  einem  anderen  Röhrchen  e  verbunden,  welches
durch  den  Pfropfen  f  geht  —  statt  dessen  kann  man  sich  auch  eines  einzigen,  mit  Glashahn ­
  versehenen  Glasrohres  bedienen.
Bei  der  Ausführung  der  Versuche  wird  in  den  oberen  Zylinder  die  abgewogene  Menge
des  zu  untersuchenden  und  wie  oben  vorbereiteten  Bodens  geschüttet,  darauf  die  abgemessene
Menge  der  auzuwendenden  Salzlösung  hinzugegeben ­
  und  der  Zylinder  geschlossen.  Man  öffnet
den  Hahn  C,  läßt  ein  bestimmtes  Volumen  Lösung
—  aber  nicht  alles  —  tropfenweise  durch  den
Boden  filtrieren  und  schließt  darauf  den  Hahn.
Man  rührt  die  durchfiltrierte,  im  unteren  Zylinder
und  auch  die  im  oberen  Zylinder  übriggebliebene
Flüssigkeit  um,  bestimmt  in  beiden  Flüssigkeiten
die  Menge  vorhandener  Bestandteile  und  erhält
aus  der  Differenz  die  absorbierte  Menge,  M.  F  e  s  c  a
glaubt  jedoch  (1.  c.)  diesem  Verfahren  der
Bestimmung  der  Absorptionsgröße  keine  besonderen ­
  Vorzüge  vor  dem  alten  Verfahren,
dem  Schütteln  in  einem  Kolben,  zuschreiben  zu
können.
Hiesige  Versuche  haben  annähernd  übereinstimmende ­
  Ergebnisse  nach  diesem  und  dem
älteren  Verfahren  des  Schütteins  geliefert.
M.  Müller 1 )  empfiehlt,  besonders  für
Vorlesungen,  um  die  Absorptionsfähigkeit
des  Bodens  zu  zeigen,  die  Lösungen  der
Salze  von  unten  nach  oben  durch  den
Boden  steigen  zu  lassen.
Ein  ungefähr  0,75  in  langes  und  4—5  cm
weites,  starkwandiges  Glasrohr  A  ist  oben
und  unten  durch  Gummikorke  mit  einfacher
Durchbohrung,  in  welche  rechtwinklig  gebogene
Glasröhren  eingeführt  werden,  verschlossen.
Das  Rohr  A  ist  zur  Aufnahme  des  für  den
Versuch  geeigneten  Bodens  bestimmt.  Ehe  derselbe ­
  eingefüllt  wird,  gibt  man  erst  unten
eine  Lage  Glasscherben,  Glasperlen  oder  kleiner
Glaskugeln  und  darüber  eine  etwa  1  cm  hohe
Schicht  grober  Glaswolle,  um  zu  verhüten,  daß
das  untere  rechtwinklig  gebogene  Glasröhrohen
verstopft  wird.  Sodann  wird  die  Erde  eingesohüttet
  und  zweckmässig  oben  ebenfalls  mit
Glaswolle  bedeckt.  Rohr  A  steht  durch  einen
Gummischlauch  mit  der  entsprechend  höher
stehenden  Druckflasche  B  von  2  1  Inhalt  in  Verbindung. ­
  Dieselbe  wird  mit  einer  dünnen  Lösung
desjenigen  Stoffes  gefüllt,  dessen  Absorption  durch  die  Erde  man  zeigen  will.  In.
den  Gummischlauoh  ist  kurz  vor  dem  unteren  rechtwinklig  gebogenen  Röhrchen,  bei  c,
ein  gläsernes  T-Stück  eingeschaltet,  dessen  einer  Schenkel  mit  einem  kurzen  Ende  Gummischlauch, ­
  welcher  durch  einen  Quetschhahn  verschlossen  werden  kann,  versehen  ist.  Bei
c  ist  ein  Schraubenquetschhahn  angebracht,  der  den  Zufluß  der  Lösung  von  B  nach  A
regelt  bezw.  ganz  absohließt.  Öffnet  man  den  Schraubenquetschhahn,  nachdem  die

Kg  9.  Absorptionsapparat  von  M.  Müller.

*)  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1889.  501.
        <pb n="72" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

49

Druckflasche  B  mit  Flüssigkeit  gefüllt  ist  so  tritt  die  letztere  i  langsam  oder  schne n  in
dann  durch  Stellen  der  Schraube  ganz  in  der  Gewal  ,  l  »  durch  f  in  ein  darunter
dem  Boden  emporsteigen  zu  lassen.  Schließlich  me  ,  kurzen  Schlauch  kann
gestelltes  Glas  b  ab.  Durch  Offnen  des  Quetschbahnes  ei  dann  m it  den  Anteilen
man  eine  Probe  der  ursprünglichen  Flüssigkeit  nehmen  - n  B er nhrung  gekommen
vergleichen,  welche  bei  b  abtröpfeln,  also  innig  nu  &amp;lt;  cm  Boden  absorbiert  wird,  so
sind.  Will  man  zeigen,  daß  z.  B.  Kaliumkarbona  v  ('iVirchen  mit  rotem  Lackmusfüllt ­
  man  die  beiden  Kugeln  der  rechtwinklig  g^gen  ^  während  es  oben  seine
papier;  dasselbe  wird  in  der  unteren  Kugel  sofort  g  &amp;gt;  d  d i e  a fhalische
rote  Farbe  behält,  da  die  Flüssigkeit  durch  die  Beruhrungnntdem  *  etwas
Reaktion  verliert  Für  Vorlesungsversuche  eigne  81 « h  J“  R  eb t  wird.  Die  anlehmiger ­
  Sandboden,  der  an  der  Luft  vorgetrocknet  un  '  15  g  Kaliumkarbonat,
zuwendenden  Lösungen  sollen  sehr  verdünnt  sein,  z.  .  ’
1,5  g  kristallisiertes  Natriumphosphat  usw.  enthalten.  _  (Verhalten  des
0.  Bestimmung  des  Absorptions-Koeffizienten  uao  gwecke  der  Boden-Bodens
  gegen  eine  Lösung  von  Chlorammonium.)  zu  best immen,  verfährt
Bonitierung  den  „Absorptions-Koeffizienten-  mög•  nachdem  man  den  Versuch
man  nach  Knop 1 )  in  folgender  Weise:  Man  m  ^  ,  J  Kreidepulver  und
mit  50  oder  100  g  Feinerde 2 )  anstellt  mlt  0  °  onsa lzlösung  von  bekanntem
dem  doppelten  Gewicht  (100  oder  200  ccm)  em  ^orammoninm  und  bereitet  davon
Ammongehalt.  Als  Ammonsalz  wählt  man  d  Ammoniak  bei  seiner  Zereine
  Lösung  genau  von  der  Konzentration,  a  d  b .  man  löst  in  je
Setzung  für  jedes  ccm  Flüssigkeit  gerade  1  eem  1C  welche  bei  0°  und
208  ccm  Wasser  1  g  Chlorammonium  auf  (  °  . öfterem  xjmschütteln  die  Böden
760  mm  Luftdruck  208  ccm  einnehmen).  Man  lab  man  de n  Boden  sich
48  Stunden  mit  dieser  Lösung  in  Berührung.  ,  ebl  trocknes  Filter,
absitzen  und  gießt  die  überstehende  klare  Flüssig  ^  oder  40  ccnl!  bestimmt
Aus  dem  Filtrat  entnimmt  man  schnell  mit  der  und  bereclmet  darnach
den  Stickstoff  (siehe  unter  Düngemittel,  Stocks  0  i  ^  ccm ' )  Flüssigkeit  bei
den  Verlust  an  Stickstoff,  den  die  ganze  eng  “  Menge  Stickstoff,  in
Berührung  mit  100  g  Feinerde  erlitten  hat.  ie  ^  Absorptionsgröße  oder
Kubikzentimeter  angegeben,  nennt  man  ohne  b i Sß4 -  a i s  Absorptions-«»rpti.n,
  während,  «ie  bereite  erwähnt,  Vesc»  "““g- B
Koeffizienten  die  Menge  des  adsorbierten  Stickstolls  in
100  g  Boden,  auszudrüoken.  der  Hasser-Kapazität  des
7.  Bestimmung  der  wasserfasseiiden  Kran  kapazität  (wasserfassenden
Bodens.  Für  die  Zwecke  der  Bestimmung  ce  Fähigkeit,  eine  gewisse
oder  wasserhaltenden  Kraft)  des  Bodens,  t  ■  •  ■  folgende  Verfahren
Menge  von  flüssigem  Wasser  in  seine  Poren  aufzunehmen,  seien
erwähnt:  „ p « f .v, a h.  diese  Eigenschaft  durch
a)  Wenn  man,  wie  es  “  mrSenf  ifSem  Achter  mit  Wasser,
Sättigung  einer  gewissen  Menge  des  t  unzuverlässige  und  ganz  ver-Abtropfenlassen
  usw.  bestimmt,  so  erha  •  Boden  nicht  selten  von  30  bis
schiedene,  bei  einem  und  demselben,  na “® n  .  Versuche  eine  größere  oder  geringere
90°/ o  wechselnde  Ergebnisse,  je  nachdem  z  7413101
■)  Landw.  Versuchs-Stationen  1874,17,86;  auchinZeitscto.Lanal^  durc h  ein
2 )  Unter  Feinerde  versteht  Knop  denjen»  )t;  gin  golches  würde  einem  Bund-Drahtnetz
  mit  400  Öffnungen  für  1  flcni  1  ^  -  dgr  g oden  8e br  bindig  ist,  koc
lochsiebe  von  0,5  mm  Lochweite  entsprec ieu '  .  scba ft- bcben  Bodenuntersuchung,  L  ,
man  ihn  (nach  Wahnschaffe,  Anleitung  zur  ateifen  Pinsels  durch  das  sieb,
S.  157)  mit  Wasser  auf  und  gibt  ihn  mit  Hü  4
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="73" />
        50

Untersuchung  von  Boden.

Menge  des  Bodens  genommen  wird  und  der  letztere  in  einem  mehr  oder  weniger
aufgelockerten  oder  gar  mit  Wasser  völlig  aufgeschlämmten  Zustande  sich  befindet.
Um  auf  diese  Weise  einigermaßen  vergleichbare,  obgleich  auf  die  natürlichen  Verhältnisse ­
  durchaus  nicht  zu  beziehende  Ergebnisse  zu  erhalten,  muß  man  stets  eine
gleiche  Menge,  etwa  100  g  des  Bodens  abwägen,  die  Substanz  in  einer  Schale  mit
überschüssigem  Wasser  anrühren  und  sodann  das  Ganze  auf  einen  vorher  gewogenen
Trichter  bringen,  dessen  Spitze  mit  einem  kleinen  Filter  verschlossen  ist.  Der
Trichter  wird  mit  einer  Glasplatte  bedeckt  und  wenn  kein  Abtropfen  mehr  stattfindet, ­
  das  Gewicht  des  von  dem  Boden  aufgenommenen  Wassers  durch  Wägen
des  ganzen  Apparates  ermittelt.  Die  Menge  des  vom  Boden  zurückgehaltenen
Wassers  hat  man,  wie  es  bei  allen  Eigenschaften  des  Bodens  geschieht,  die  sich  auf
sein  Verhalten  zum  Wasser  beziehen,  teils  auf  den  völlig  lufttrocknen,  teils  auf
den  wasserfreien  oder  vielmehr  auf  den  bei  100°  getrockneten  Zustand  des  Bodens
zu  berechnen.
Nach  dem  angegebenen  Verfahren  findet  man  die  Wasserkapazität  des  Bodens,  weil  der
letztere  in  dem  Zustande  der  relativ  höchsten  Auflockerung  vorhanden  ist,  stets
verhältnismäßig  sehr  hoch,  und  zwar  bei  tonigen  Bodenarten  absolut  und  relativ  weit
höher  als  bei  mehr  sandigen  Böden.  Man  kann  die  so  bestimmte  Wassermenge  als
größte  oder  volle  W T asserkapazität  bezeichnen.  Bin  großer  Übelstand  hierbei  ist,
daß  der  Boden,  wenn  er  in  den  Trichter  gleichsam  hineingesohlämmt  worden  ist,  das
überschüssige  Wasser  oft  fast  gar  nicht  abtropfen  läßt,  so  daß  man  genötigt  ist,  das  Wasser
nach  einiger  Zeit  von  der  Oberfläche  des  Bodens  mittels  einer  Pipette  zu  entfernen.
Außerdem  hört  das  Abtropfen  des  Wassers  bei  einem  tonigen  Boden  schon  vollständig
auf,  wenn  er  sich  noch  in  einem  breiigen,  sogar  halbflüssigen  Zustande  befindet.  Noch
weniger  vergleichbare  Ergebnisse  erhält  man,  wenn  man  den  Boden  trocken  und  in
Pulverform  einfach  in  den  Trichter  einsohüttet  und  sodann  mit  Wasser  übersättigt,  weil
man  alsdann  durchaus  kein  sicheres  Maß  dafür  hat,  daß  der  Boden  stets  im  Zustande
relativ  gleicher  Auflockerung  dem  Versuche  unterworfen  wird.  Es  muß  der  Boden  hinsichtlich ­
  seiner  Wasserkapazität  notwendig  unter  Verhältnissen  geprüft  werden,  welche
seinem  natürlichen  Zustande  auf  dem  Felde,  besonders  in  den  tieferen  Schichten  der
Ackerkrume,  möglichst  ähnlich  sind  und  auch  bei  der  Untersuchung  verschiedener  Bodenarten ­
  leicht  in  der  nötigen  Übereinstimmung  hergestellt  werden  können.  Es  wird  dann
zweckmäßig  folgendes  Verfahren  angewendet:
ß)  Ein  zylindrisches  Eöhrohen 1 )  von  Zinkblech,  das  genau  16  cm  hoch  ist  und
einen  lichten  Durchmesser  von  4  cm  besitzt  (Rauminhalt  201,06  ccm),  ist  am  Boden
mit  einem  feinen  Nickel-Drahtnetz  versehen.  Unten  ist  ein  Stück  Zinkrohr  darüber
gelötet,  welches  an  der  Seite  durchlöchert  ist.  Vor  dem  Gebrauch  legt  man  feine
angefeuchtete  Leinwand  auf  den  Drahtnetzboden  des  Zylinders,  •  überbindet  ihn
unten  mit  einem  Stück  Kautschuk  und  füllt  zunächst  den  unteren  Teil  des  Zylinders
bis  zum  Siebboden  mit  Wasser.  Darauf  gießt  man  200  ccm  Wasser  von  16°.
in  den  Zylinder  hinein  und  bringt  genau  über  dem  Wasserspiegel  eine  Marke
an.  Der  Uber  der  Marke  stehende  Blechrand  wird  abgefeilt,  so  daß  der
Zylinder  mit  Leinwandlappen  genau  200  ccm  Rauminhalt  besitzt  und  zu  gleicher
Zeit  zur  Bestimmung  des  Volumgewichtes  des  Bodens  benutzt  werden  kann.  Dieses
Gefäß  wird  bei  dem  eigentlichen  Versuch,  nachdem  zuvor  das  feuchte  Leinwandläppchen
  hineingelegt  worden  ist,  gewogen  und  darauf  mit  dem  Boden  gefüllt.
Derselbe  (die  Feinerde  desselben,  s.  oben  S.  6  u.  12)  muß  vollständig  lufttrocken  sein
(bei  einem  größeren  Wassergehalt  erhält  man  ganz  andere,  zu  hohe  Ergebnisse,  weil
dann  die  Teilchen  des  Bodens  sich  nicht  so  dicht  nebeneinander  legen,  die  Zwischen-')
  Früher  wurden  von  E.  Wolff  viereckige  Kästchen  vorgeschlagen;  die  Zylinder-Röhren
  (nach  Wahnschaffe)  scheinen  jedoch  zweckmäßiger  zu  sein.
        <pb n="74" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

51

räume  oder  Poren  also  mehr  W  asser  aufzune  imel V  gleichförmig  zerrieben,  als
Reihschale  vorher  unter  gelindem  Druck  so  e1 ^  zu  zersto ßen.  Die  Erde
möglich  ist,  ohne  die  etwa  vorhandenen  kleinen  o-eschüttet  und  jedesmal
wird  sodann  in  kleinen  Mengen  in  den  Zi  ^  ^  Unterlage  ein  dichtes
durch  gelindes  AuMopfen  des  Zylinderchens  au  Bewirkt  bis  zuletzt  der
und  gleichförmiges  Zusammensetzen  der  Rot  en  u  c  i  .  mit  Boden  gefüllten
ganze  Zylinder  mit  Erde  angefüllt  ist.  Man  stellt  i  Glaswann e  in  Wasser,
Zylinder,  nachdem  er  gewogen  worden  ist,  so  i  ste ilt  eine  Glasglocke
daß  der  Siebboden  5—10  mm  in  das  Wasser  ^  imtenher  sic h  mit  Wasser
darüber,  um  die  Luft  abzuhalten,  und  laßt  die  Beschaffenheit  des  Bodens  m
vollsaugen.  Die  Feuchtigkeit  erscheint  je  nach  lä ß t  den  Apparat
kürzerer  oder  längerer  Zeit  an  der  Bodeno  er  ac  ,  llöc h s t  unbedeutende
im  Wasser  stehen,  bis  nach  wiederholtem  ag 6 “  te  Gewichtszunahme  ergibt
Gewichtsveränderungen  zu  bemerken  sind.  D  S
die  Menge  des  absorbierten  Wassers.  vuiisnmrfiii  des  lufttrocknen,
Fast  ganz  dieselben  Ergebnisse  wie  bei  Vollsaugen  ^  ^  ^
feinpulverigen  Bodens  von  untenher  erhält  man,  .  rro hr  versehenes  Zink-Schicht
  der  Erde  (16-17  cm)  in  ein  ähnliches,  mit  Tnchterrohr

Fig.  10.

Zinkzylinder  zur  Bestimmung  der  Wasserkapazität.

•  füllt  sodann  von  oben  mit
zylinderchen  unter  ganz  gleichen  Verhältnissen  el ” w J, serg  du rch  das  Trichter-Wasser
  vorsichtig  übersättigt  und  den  Übeisc  •  ü her  die  Wasserrohr ­
  abtropfen  läßt.  Hierbei  muß,  wie  ei  a  ^er  Erhöhung  der  letzteren
kapazität,  die  Temperatur  beobachtet  werden,  wei
die  erstere  mehr  oder  weniger  sich  vermin.  er  .  )  ,„ son ders  wichtig,  diese  Bigen-Bei
  der  Bestimmung  der  Wasserkapazi  a  i  Berechnen,  weil  die  prozentigen  er
schaft  auf  den  lufttrocknen  Zustand  des  Bo  ens  z  deutliche  Übersicht  g ew ‘ l  ’
hältnisse  der  Wasseraufnahme  nur  in  diesem  „„„„„ujedener  Bodenarten  sich  0
dagegen  hei  der  bezüglichen  Vergleichung  86  r  ,j as  Q. ew i c ht  des  bei  1  e
vollständig  ausgleichen  oder  sogar  umkehren,  we  , gt  näm ij c li  die  Wasserkapazi  a  ,
trockneten  Bodens  der  Rechnung  zugrunde  eg  •  J  ,  0 ^ eu  an gedeuteten  y erul
auf  den  lufttrooknen  Zustand  des  Bodens  bezogen,  .  ,  &amp;amp;  geringere  als  für  eben  a  s
nissen  für  tonige,  humusarme  Bodenarten  ® lne  ,  .  „„öfterem  Humusgehalt  ü  era
humusarme,  lehmige  und  sandige  Bodenarten,  wa  des  absorbierten  Wassers  den  ic
die  Porosität  des  Bodens  und  damit  zugleich  die  Menge  des  a«_  tQnige  Bodenzunimmt.
  Ein  sehr  toniger  Boden  vermochte  z.  •  :  von  se hr  feinem  Ko 111
arten  30,5,  30,6  und  31,4%  zwei  sandig-lehmige  “f^^^dcn  41,2%  Wasser
33,0  und  36,4  "/  und  ein  schwarzer,  Humusreiche  ,  »  talteten  sich  diese  Zahlen,
über  den  lufttrocknen  Zustand  hinaus  aufzuneh  _&amp;gt;  ®  ®  der  Rechnung  zugrunde  g  .
wenn  man  überall  das  Gewicht  des  ganz  wasserfreien  Bodens  der  Zahlen verhältn.Bse
in  derselben  Reihenfolge:  36,7  ,  37,4-361-37,3  36^0-39.0  ^/0,  ^  den  lieh
welche  die  Eigenartigkeiten  der  verschiedenen  man  die  Wasserkapa.
hervortreten  lassen.  Richtiger  aber  ist  es,  i)
i)  Haberlandt  in  „Landw.  Versuchs-Stationen“  1866,  8,  4o8.  4*
        <pb n="75" />
        52

Untersuchung  you  Boden.

überhaupt  gar  nicht  auf  das  Gewicht  des  Bodens,  sondern  stets  auf  sein
Volumen  berechnet.
y)  In  Wirklichkeit,  d.  h.  bei  ganz  natürlicher  Lage  des  Bodens  ist  die  Wasserkapazität ­
  des  letzteren  meistens  eine  noch  geringere,  als  nach  dem  soeben  angedeuteten ­
  Bestimmungsverfahren  gefunden  wird;  denn  man  hat  es  dann  mit  noch  weit
tieferen  Säulen  der  porösen  Böden  zu  tun,  und  es  ist  leicht  verständlich,  daß
unter  solchen  Umständen  nur  die  feinen  Kapillarräume  mit  Wasser  gefüllt  bleiben,
während  die  größeren  Zwischenräume  nur  vorübergehend  das  Wasser  aufnehmen,
bei  dem  Versinken  des  letzteren  aber  die  Luft  wieder  eindringen  lassen  —  einerlei,
ob  das  Wasser  von  der  Oberfläche  aus  eindringt  oder  aus  der  Tiefe  aufsteigt,  sobald ­
  nur  in  beiden  Fällen  nach  kürzerer  oder  längerer  Zeit  die  Bewegung  des
Wassers  im  Boden  auf  gehört  hat  und  also  hinsichtlich  des  Feuchtigkeitsgehaltes  ein
Gleichgewicht  zwischen  den  oberen  und  tieferen  Schichten  eingetreten  ist.
Nach  fast  14-tägigem,  meist  sehr  starkem  und  anhaltendem  Regen,  also  im  vollständig ­
  durchnäßten  Zustande  fand  E.  Wolff  in  Proben,  welche  in  einer  Tiefe  von  2  bis
zu  30  cm  entnommen  und  direkt  vom  Felde  auf  ihren  Wassergehalt  geprüft  wurden,
hei  den  oben  erwähnten  ziemlich  tonigen  Bodenarten  durchschnittlich  nur  21,8%,  in  den
feinsandigen  Bodenarten  24,4  %,  gegenüber  von  beziehungsweise  30,8  und  34,7  °/ 0  (nach
Methode  ß  bestimmt),  überall  auf  den  lufttrocknen  Zustand  des  Bodens  berechnet.
Um  den  natürlichen  Verhältnissen  möglichst  nahe  entsprechende  Ergebnisse  zu
erzielen,  verfährt  man  nach  A.  Mayer 1 )  auf  folgende  Weise:  Eine  Glasröhre  von
1,5—2  cm  Weite  wird  unten  mit  Leinwand  zugebunden  und  mit  dem  lufttrocknen
Bodenpulver  unter  mäßigem  Aufstoßen  auf  eine  weiche  Unterlage  1  m  hoch  angefüllt. ­
  Die  Glasröhre  besteht  aus  2  Stücken,  welche  mit  einem  kurzen  Kautschukrohr ­
  aneinander  befestigt  sind.  Das  untere  Stück  ist  nahezu  0,76  m  lang,  so  daß
noch  0,25  m  des  oberen  Stückes  mit  dem  Boden  ungefüllt  werden.  So  vorbereitet
wird  rasch  so  viel  Wasser  oben  aufgegossen,  daß  vorübergehend  die  volle  oder  Gesamt-Wasserkapazität
  des  ganzen  Bodens  in  Anspruch  genommen  wird.  Dabei  findet
während  des  Abwärtssinkens  des  Wassers  eine  Anfeuchtung  der  Hohlräume  vor
ihrer  Anfüllung  mit  Wasser  statt.  Hierauf  wartet  man,  bis  das  überschüssige
Wasser  vollständig  abgeflossen  ist,  öffnet  dann  sogleich  den  Kautschukverband,
nimmt  an  dieser  Stelle  eine  genügende  Menge  des  feuchten  Bodens  heraus,  wägt
und  bestimmt  den  Gewichtsverlust  durch  Trocknen  bei  100°.  Die  so  dem  Gewichte
nach  sich  ergebende  Wasserkapazität  wird  mit  Hilfe  des  „scheinbaren  spezifischen
Gewichtes“  (siehe  unter  3,  S.  45)  des  Bodens  auf  die  Volumeinheit  umgerechnet.
Die  auf  solche  Weise  erhaltene  Zahl  kann  man  als  die  kleinste  (nach  Mayer  auch
absolute)  Wasserkapazität  bezeichnen;  sie  fällt  für  die  verschiedenen  Bodenarten,  je  nach
der  Feinheit  und  Porosität  der  Gemengteile,  sehr  verschieden  aus;  die  Unterschiede  sind,
entsprechend  den  natürlichen  Verhältnissen,  weit  größer  als  bezüglich  der  „vollen“  Wasserkapazität, ­
  deren  Bestimmung  von  keinem  praktischen  Werte  ist.  Bei  sehr  tonigen  Bodenarten ­
  ist  das  angegebene  Verfahren  ein  unbequemes,  weil  das  Wasser  durch  eine  so  tiefe
Schicht  überaus  langsam  hindurchfließt.  In  solchen  Fällen  aber  kann  man  auch  kürzere
Bohren  oder  die  unter  ß  beschriebenen  Zinkgefäße  anwenden,  weil  bei  sehr  tonigen
Bodenarten  die  nach  Verfahren  ß  und  y  ermittelten  Zahlen  ziemlich  zusammenfallen,  vorausgesetzt, ­
  dass  überall  gleiche  Porositätsverhältnisse  vorhanden  sind.  Wollny 2 )  verwirft
jedoch  auch  in  diesem  Falle  das  Verfahren  ß  sowie  das  später  von  A.  Mayer 3 )  abgeänderte

1)  Landw.  Jahrbücher  1874,  3,  771  und  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der
Agrikultur-Physik,  1880,  3,  150.
2 )  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Agrikultur-Physik,  1885,  8,  204.
3 )  Ebenda  1880,  3,  150.
        <pb n="76" />
        Untersuchung  der  Mineralbödeu.

53

untersucuuiig  uw
.  ,  ,  \  May  ersehen  Verfahren  das
Verfahren,  und  redet  auch  hier  dem  von  ihm  ^geänderten  nach  verschiedenen
Wort.  Nachdem  er  das  von  A.  Mayer  §  Bestimmung  der  kleinsten
Richtungen  geprüft  hat,»)  schlägt  er  folgendes  Verfahren
Wasserkapazität  vor:  .  Durchmesser  4  cm  mißt,
Eine  90  cm  lange  Zinkhlechröhre,  deren  nme  nförmige  Erweiterung,
trägt  an  beiden  Enden  rechtwinklig  zui  cmse  ßr  grobmaschiger  Lein-1,5
  cm  breit.  Das  untere  Ende  wird  mit  sta  ’  eige  ein gefiillt  und  mit
wand  zugebunden  und  der  zu  untersuchende  o  e  noc h  2  je  10  cm  lange,
einem  Stößel  festgestampft.  Auf  das  obere  n  e  ^  g nden  m it  aulgekitteten
ebenfalls  4  cm  weite  Glasröhren  gesetzt.  Diese  sin  Achse  des  Köhrenstückes
Messingzylindern  versehen,  die  sich  auch  rec  wm  i  ^ re ^ en  platten  erweitern,
zu  kreisrunden,  vollständig  eben  geschliffenen,  aneinanderstoßenden
Diese  Platten  werden  eingefettet,  aufeinanc  erge  eg  {einan(ler g e p r eßt.  Das  mit
Platten  vermittels  je  dreier  hölzernen  Klemmen  p 0 den  gefüllt,  während
der  Blechröhre  verbundene  Glasrohr  wird  eben  a  .  -vvenn  beim  Anfeuchten
dies  beim  zweiten  bloß  im  unteren  Teil  gesc  16  ’  ’  nac b ru tschen  kann  und
sich  der  Boden  noch  setzen  sollte,  etwas  in  ie  eis  der  noch  freie  Teil  der
diese  stets  mit  Boden  vollgefüllt  bleibt.  s  v&amp;gt;  wiederholt,  bis  das  Wasser
oberen  Glasröhre  mit  Wasser  gefüllt  und  dies  so  findet  sich  in  der  Wand
unten  angelangt  ist.  Dm  dies  beobachten  zu  ’  cm  b 0 her,  durch  eine
des  untersten  Endes  der  Blechröhre  ein (  "  '  ’ m  unteren  Ende  der  Röhre
Glasplatte  verdeckter  Schlitz.  Um  die  er  u  •  e ^ ne  Glasplatte  gestellt,
zu  verhüten,  wird  sie  mit  dem  verbreiterten  ,  wird  d as  überschüssige
Sobald  das  Wasser  am  unteren  Ende  angel  gt  ,  mit  einem  Korke
Wasser  von  der  Oberfläche  abgehoben  un  as  ‘ g  - tze  ansgezogene  Glasröhre
verschlossen,  durch  dessen  Mitte  eine  oben  man  noch  36  Stunden
führt,  um  eine  Verdunstung  zu  vermeiden.  die  e i nZ elnen  Röbrenstücke
stehen.  Sodann  werden  nach  Entfernung  er  .  beiden  Enden  der  mit
mit  einem  Platinblech  auseinandergeschnitten  m  ^  , a ^ g  bedeckt,  um  jede
der  Blechröhre  verbundenen  Glasröhre  mit  je  eia  und  aus  dem  Gewicht  nach
Verdunstung  zu  verhindern.  Es  wird  nun  ergibt  sich  das  Gewicht
Abzug  desjenigen  des  Röhrenstückes  und  der  Diasp  ößere  porzellanschale
des  feuchten  Bodens.  Letzterer  wird  so J ga JS.  n  i ä ßt  man  ihn  24  Stunden  an
gebracht  und  hei  100°  getrocknet.  Vor  dem  K  .  der  Differenz  zwischen
der  Luft  stehen,  um  ihn  lufttrocken  zu  ma ° I T  '  - bt  sich  der  Wassergehalt,
dem  Gewicht  des  feuchten  und  des  trocknen  °  ^  des  Glasröhrenstückes  wird
welcher  volumprozentig  berechnet  wird.  as  °  erm ittelt.
vorher  mit  destilliertem  Wasser  bei  17,5  genau  kleinste  oder  absolute
Die  nach  dem  zuletzt  erwähnten  Aer  a  re  ^  Volumprozenten  noch  an
Wasserkapazität  läßt  zugleich  erkennen,  wie  V1  .  t .  man  braucht  nur  das
Luft  in  dem  mit  Wasser  gesättigten  Boden  vorna  &amp;gt;  Verhältnissen
A 7 olumen  des  auf  genommenen  Wassers  mit  er  _  ^  vergleichen,
ermittelten  Gesamt-Porosität  des  Bodens  (s.  o.  ’  ‘  ( ] er  Lagerung  des  be-Da
  der  Einfluß  des  Untergrundes,  des  y u  .  .  ,  „’ eT)r jift  werden  kann,  so
treffenden  Bodens  zur  Umgebung  im  Laboia  on  .anazität  auf  freiem  Felde
empfiehlt  R.  Heinrich,  die  Bestimmung  ei  ,  jedenfalls  nur  selten  zur
vorzunehmen. 2 )  Jedoch  sei  auf  dieses  Verfahren,  welches  jede
Anwendung  kommen  dürfte,  nur  verwiesen.  ^  g  177  u  g
1)  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiete  ^-f^f^Wollny,  Forschungen  auf
2 )  R.  Heinrich,  Über  Prüfung  der  Wasserkapazität.
dem  Gebiete  der  Agrikultur-Physik,  1886,  9,
        <pb n="77" />
        54

Untersuchung  von  Boden.

8.  Bestimmung  des  Wasser*  Aufsaugung»  Vermögens,  der  Kapillar-Anziehung
des  Bodens.  Das  Aufsaugungsvermögen  (Käpillaranzichung)  des  Bodens  für  Wasser,
wenn  das  letztere  von  untenher  in  den  Boden  anfsteigen  famß,  wird  in  der  Weise
bestimmt,  daß  man  in  Zentimeter  eingeteilte  Glasröhren  von  80  cm  Hohe  und  1,6
bis  2  cm  Durchmesser  am  unteren  Ende  mit  feiner  Leinwand  verschließt,  die  mit
einem  Kautschukring  befestigt  wird  und  unter  gelindem  Aufklopfen  nach  und
nach  mit  dem  feinpulverigen  Boden  anfüllt,  dann  mit  dem  unteren  Ende  1—2  cm
tief  in  Wasser  stellt  und  ermittelt,  wie  lange  Zeit  erforderlich  ist,  bis  die  Feuchtigkeit ­
  von  untenher  bis  zu  einer  gewissen  Höhe  (30—50—70  cm)  in  dem  Boden  aufsteigt ­
  oder  auch  wie  hoch  die  erstere  im  Verlaufe  einer  gewissen  Zeit  (1—2—4
—8—16—24—48  usw.  Stunden)  sich  erhebt.
Dieselben  6  Bodenarten,  von  denen  schon  mehrfach  die  Bede  war,  verhielten  sich
hierbei  in  der  Weise,  daß  die  Feuchtigkeit  innerhalb  der  angegebenen  Zeit  die  folgende
Höhe  erreichte:

1.

2.

3.

4.

5.

6.

Nach  24

Stunden

27,3

38,0

16,7

36,3

8,0

28,8

cm.

„  48

•&amp;gt;1

35,9

50,8

24.5

49,2

11,9

40,5

•  »

„  72

-n

41,5

59,5

30,0

57,9

15,2

49,1

„  96

44,4

66,2

33,5

63,8

17,5

55,1

„  120

&amp;gt;1

46,7

70,0

36,3

68,5

19.2

60,6

»

Man  sieht  hieraus  sehr  deutlich,  daß  ein  größerer  Tongehalt  und  teilweise  auch
der  Humus  das  Aufsteigen  der  Feuchtigkeit  aus  dem  Untergründe  in  die  oberen  Schichten
des  Bodens  sehr  verlangsamt.  In  der  Tat  hatte  das  Wasser  die  Höhe  von  70  cm  in  dem
Boden  No.  2  nach  5  Tagen  erreicht,  in  No.  4  nach  6  Tagen,  in  No.  6  nach  8  Tagen,  in
No.  3  dagegen  erst  nach  72  Tagen,  in  No.  1  nach  etwa  100  und  in  No.  5  gar  erst  nach
175  Tagen.
Dieselben  Apparate  oder  auch  etwas  kürzere,  40  cm  lange  Glasröhren  kann
man  benutzen,  um  zu  beobachten,  bis  zu  welcher  Tiefe  und  wie  schnell  eine
gewisse  Wassersäule  (z.  B.  von  4  oder  8  cm)  von  obenher  in  die  völlig  lufttrockne ­
  Erde  eindringt.  Bezüglich  der  Tiefe  des  Eindringens  hat  man  zwei  Beobachtungsumstände ­
  zu  unterscheiden:
a)  den  Augenblick,  wo  das  flüssige  Wasser  von  der  Oberfläche  des  Bodens
verschwunden,  also  in  ihn  eingedrungen  ist,  und  dann
b)  die  Tiefe,  bis  zu  welcher  die  Feuchtigkeit  überhaupt  in  den  Boden  eindringt, ­
  also  den  Zeitpunkt,  wo  ein  Stillstand  im  weiteren  Versinken  des  Wassers
eintritt,  wenn  nämlich  die  tieferen  Schichten  noch  vollkommen  lufttrocken  sind.
Bei  Versuchen  mit  den  obigen  sechs  Bodenarten  ergab  sich,  daß  eine  4  cm  hohe
Wassersäule  in  den  lufttrocknen  Boden  einsickerte  in

Boden  1  2

3

4

5

6

nach  4,3  1,8

10,3

3,0

21,0

4,3  Stunden,

und

zwar  bis  zu  einer  Tiefe  von
a)  11.0  12,0  11,4

13,3

11,7

12,0  cm.

b)  13,0  18,1

13.0

19,0

12,0

15,5  „

Als  abermals  eine  Wassersäule  von  4

cm  auf

den  in  den

oberen  Schichten  bereits

feuchten  Boden  gebracht  wurde,

verschwand  jetzt  das

!  Wasser  von  der  Oberfläche  erst  in

1.  2.

3.

4.

5.

6.

21,5  9,0

42,0

14,0

80,0

22,0  Stunden,

und

die  Feuchtigkeit  erstreckte

sich  nun  bis

zu  einer

Tiefe  von

a)  21,1  24,3

22,0

25,2

23,0

26,1  cm.

b)  23,9  30,0

23,5

30,0

24,7

30,0  „
        <pb n="78" />
        Untersuchung  der  Mineralboden.

DO

.  .  ..  ■  _  a a rid-  und  Lehmboden  nicht
Die  Feuchtigkeit  wird  daher  von  ein T  fel  ,  ,  bis  zll  der  Yerhältnismaßig
allein  am  raschesten  aufgenommen,  sondern  vertei  t  sic  i  (.  ai  rocken  und  nicht  "vielleicht
größten  Tiefe,  vorausgesetzt,  daß  der  Boden  vorher  g an  .  t  war
in  den  tieferen  Schichten  teilweise  oder  ganz  mit  -assei  B  g e j  gewöhnlicher
!).  Bestimmung  der  Verdunstungsfilhigkeit  des  o  en  gie  in  ziemlich
Zimmertemperatur  im  Schatten  haben  alle  Bodenai  ■  wenigstens  solange  noch
dicken  Schichten  dem  Versuch  unterworfen  wert  en  beinahe  gleiches  Vereine ­
  reichliche  Menge  von  Feuchtigkeit  zugegen  is  bestimmten  Zeit  verdunstungsvermögen, ­
  d.  h.  die  absolute  Menge  es  in  Oberfläche  des  die
dunsteten  Wassers  ist  fast  nur  bedingt  durch  die  vo  e  um g e benden  Luft.
Feuchtigkeit  ausdunstenden  Bodens  und  durch  ae  - 6m l'  *  langsame.  daß  man
Außerdem  ist  die  Verdunstung  in  diesem  Falle  eine  so  6 n  Bodens  in  einer
Monate  gebraucht,  bis  nur  100—15.0  g  des  mit  wie a er  angenommen  haben.
4—6  cm  mächtigen  Schicht  den  völlig  lufttrocknen  .  •  ■  und  g an dgehalt  sehr  ver-Es
  wurden  z.  B.  die  obigen  sechs  in  Onem  m'oMBI  und  150  g  (C)  und  in  Schichten
schiedenen  Boden 1 )  in  Mengen  von  ungefähr  30  g  (fA  S  )  gleicher  Oberfläche,  aber
von  bezw.  !&amp;gt;/,  3  und  5b.  cm  Mächtigkeit  (in  ^“sättigt  und  während  ihrer
verschiedener  Tiefe)  mit  Wasser  gleichförmig  und  yollstand  ^  «  7Al  Ze it  auf  ihre  durch
Aufbewahrung  an  einem  zug-  und  sonnefreien  az  „  Im  Verlaufe  von  96  Stunden
Verdunstung  des  Wassers  bewirkte  Gewichtsabnahme  g'l
waren  verdunstet;

A
B
C
Ferner

1.
7,689
6,833
6,81

6854  4*  4»  '‘h
jf 6 °  6 6 ;S’  IS  ;  :
in  einer  noehWelneren  Menge  reu  nur  M  g  d»  Infltroeknen  Beden..
1  2  3.  1  i[&amp;gt;Q  1  Pi7R  &amp;lt;r  Wasser.
24  Stunden  1,751  1,734  1,644  1,610  1,588  ^  _  „
48  Stunden  3,609  3,731  3,411  3,.  9  ,  itg  die  Übereinstimmung
Die  Differenz  in  den  sehr  verschiedenartigen  un  und  g)  tritt  hier  offenbar
bei  den  unter  sich  ziemlich  gleichartigen  Böden  (  i  ’
nicht  scharf  genug  hervor.  _  möelichst  nachahmt,  indem
Nur  wenn  man  die  natürlichen  A  er  a  i m  Freien  dem  wechselnman
  den  Boden  in  hinreichend  dicken  Sc  ic  dßg  Schattens  anssetzt,
den  Einfluß  des  direkten  Sonnenlichtes  un  deutlich  bemerkbar.  Es
werden  die  Eigenartigkeiten  der  verschiedenen  o  en  schon  früher  in  dieser
ist  wünschenswert,  daß  hierbei  immer  eine  0  er  neu  zu  prüfenden  Boden
Richtung  untersuchte  Bodenarten  gleichzeitig  mi  bessere  Anhaltspunkte
zu  dem  Versuche  benutzt  werden,  weil  man  au  so  c
zur  Beurteilung  der  betreffenden  Eigenschaft  er  a  •  ,  ^riehenen  Zinkzylinder,
Man  benutzt  zu  derartigen  Versuchen  m  o  en  r  m ft  Wasser  sich
in  welchen  man  den  sorgfälltig  eingefüllten  Bo  e  „^ ge  yon  dicker  Pappe
vollsaugen  läßt,  steckt  jedes  in  eine  eng  ansc  i  u  cm  t  nebeneinander
und  stellt  hierauf  die  Kästchen  mit  den  verschiedenen  Bodenarte^^  ^  ^
in  ein  Holzkistchen,  welches  mit  dem  Dec  e  S®  verschlossen,  welcher
kästchen  hat.  Das  Holzkistchen  wird  mit  einem  iye  s0  daß)  we nn
entsprechend  dem  Durchmesser  der  Zinkkästchen  -  n
v  •  Bodenarten  findet  inan
l )  Die  Ergebnisse  der  ausführlichen  Untersucbnng  xese^e  Hohenheim « ?  Stuttgart
in  der  „Beschreibung  der  land-  und  forstwirtschaftlichen  A
1863,  S.  131  ff.  zusammengestellt.
        <pb n="79" />
        56

Untersuchung  von  Boden.

das  Ganze  vor  ein  nach  Süden  ausgehendes  Fenster  oder  auch  ganz  ins  Freie  gestellt
wird,  die  direkten  Sonnenstrahlen  nur  auf  die  Oberfläche  der  Erden  einwirken  können.
Alle  24  Stunden  (oder  nach  Umständen  nur  von  3  zu  3  Tagen)  werden  die
Zinkzylinderchen  aus  den  Hülsen  herausgenommen,  der  Gewichtsverlust  ermittelt
und  diese  Wägungen  je  nach  der  Witterung  14  Tage  bis  4  Wochen  fortgesetzt,
auch  mehrmals  täglich  die  Temperatur  der  Luft  in  der  Nähe  des  Apparates,  der
Feuchtigkeitszustand  der  Luft,  der  jeweilige  Barometerstand,  sowie  die  Beschaffenheit ­
  des  Himmels  beobachtet.  Anfangs  wird  man  bemerken,  daß  die  Verdunstung
bei  allen  mit  Wasser  völlig  gesättigten  Bodenarten  auch  in  der  heißen  Sonne
eine  ziemlich  gleiche  ist,  bald  aber  wird  die  Schnelligkeit  der  Verdunstung  bei  den
ton-  und  humusreichen  Bodenarten  weit  geringer  als  hei  den  sandigen,  überhaupt
denjenigen  Böden,  welche  eine  große  Kapillarkraft  besitzen  und  die  Feuchtigkeit
aus  den  tieferen  Schichten  rasch  an  die  Oberfläche  steigen  lassen.  Es  tritt  ein
Punkt  ein,  wo  die  Unterschiede  in  der  Verdunstung  am  größten  sind,  von  welchem
Punkt  an  sie  wieder  abnehmen,  bis  die  verschiedenen  Bodenarten  unter  gleichen
äußeren  Verhältnissen  eine  Zeitlang  ziemlich  gleichviel  Feuchtigkeit  ausdunsten
und  von  diesem  Punkte  an  abermalige  Unterschiede  sich  einstellen,  so  aber,  daß
von  jetzt  an  die  ton-  und  humusreichen  Böden  schneller  ausdunsten  als  die  Sandböden, ­
  weil  die  letzteren  bereits  fast  bis  auf  den  lufttrocknen  Zustand  ausgetrocknet
sind,  die  ersteren  aber  noch  eine  beträchtliche  Menge  Feuchtigkeit  enthalten.  Da
die  Menge  des  Bodens  und  des  ursprünglich  aufgenommenen  Wassers  in  jedem
Zylinderchen  bekannt  ist,  so  kann  leicht  die  jedem  Zeitpunkte  entsprechende  Menge
des  verdunsteten  Wassers  in  Prozenten  des  lufttrocknen  Bodens  oder  der  ursprünglich ­
  vorhandenen  Wassermenge  berechnet  werden.
Um  den  beschriebenen  Verlauf  der  Verdunstung  noch  besser  zu  verdeutlichen,  seien
hier  die  von  E.  Wolff  bei  einer  derartigen  Versuchsreihe  mit  6  Bodenarten  von  sehr  verschiedener ­
  Zusammensetzung  erhaltenen  Ergebnisse  kurz  mitgeteilt.  No.  1  ist  ein  schwarzer,
humusreicher  und  kalkhaltiger  Lehmsandboden,  die  übrigen  Bodenarten  sind  sämtlich
humusarm,  und  zwar  No.  2  und  4  sehr  feinkörnig,  sandig-lehmig,  No.  3  und  6  ziemlich
tonig,  No.  5  sehr  tonig.  Es  ist  zu  bemerken,  daß  die  Böden  am  Tage  bei  heißem,
hellem  Wetter  8  Stunden  lang  ( 1 / 2 8  Uhr  morgens  bis  x / ä 4  Uhr  nachmittags)  von  dem
direkten  Sonnenlichte  (August  1862)  getroffen  wurden,  während  der  übrigen  Zeit  des  Tages
aber  im  Schatten,  teils  im  Freien  vor  dem  Fenster,  teils  im  Zimmer  standen.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

Lufttrockner  Boden  .  .  .

166,9

181,8

192,5

194,7

207,7

196,8  g.

Absorbiertes  Wasser.  .  .

68,71

66,13

60,64

64,31

66,68

69,95  „

»  „  in  Prozenten ­

  des  lufttr.  Bodens

41,2

36,4

31,4

33,0

27,3

30,6  »/„.

Es  verdunsteten  von

dem  Wasser:

1.

2.

3.

4.

6.

6.

1.—  3.  Tage

16,18

19,58

17,97

19,46

15,78

21,52g.

4-—  6.  „

11,66

17,20

10.36

14.63

6,81

H,58„

7—12.  „

9,59

12,62

8,32

11,52

7,24

7,69  „

4.  Periode  ......

8,56

8,58

9,31

8,59

8.84

8,01  „

5.  Periode

7,26

5,34

8,22

6,30

9,08

7,14  „

Also  verdunsteten  in

den  ersten

12  Tagen

an  Wasser:

37,43

49,24

36,65

45,61

30,01

39,59  g

oder  in  Prozenten  des  ursprünglich  vorhandenen  Wassers:

54,5

74,5

60,5

70,9

52,9

66,0

oder  in  Prozenten  des  lufttrocknen  Bodens:

22,4

27,1

19,0

23,4

14,4

20,2
        <pb n="80" />
        Untersuchung  der  Mineralbbden.

57

Man  wird  also  die  Verdunstung  vorzugsw  deutlich  hervortritt,  bis  zu
Kennzeichen  hei  der  Verdunstung  in  den  einze  neu  haben,  und  zwar  wo  mögdem
  Punkte,  wo  dasselbe  wiederum  verschwinde  ,  zu  v  t-  recht  sandigen  und  einem
lieh  stets  im  Vergleich  mit  zwei  Normal-Bodenarten,  einem  recht
tonreichen  Boden  von  mittlerem  Humusgehalt.  bewirkt,  wenn
Ein.  bedeutend  ».eher.  Verd«  der  Feuetogtatwd  ^^  ^
man  zu  den  vergleichenden  Versuchen  nach  V  .  Werden  unter  gelindem  Auffertigte ­
  Würfel  von  6  cm  Durchmesser  nimmt.  ■  nachdem  man  vorher
klopfen  nach  und  nach  mit  dem  lufttrocknen  *' )(  ul  V'  .  i g  entsprechend
den  Boden  und  die  inneren  Seitenflächen  des  DrahtnetzwürfeD  mt  e^
großen  Stücken  von  Filtrierpapier  helegt  tat,  um  ,  betreffenden  Bodens,  stellt
zu  verhindern.  Hierauf  bestimmt  man  das  G-cwic  jpatilliertes  Nasser  und  läßt
die  untere  Fläche  des  Würfels  etwa  2  cm_  16  ia  T) er  Apparat  wird  dann
auf  diese  Weise  den  Boden  mit  Wasser  sich  vo  _■  o  •  der  Gewichtsverlust
frei  aufgehängt  und  unter  Beobachtung  der
nach  einer  bestimmten  Zeit  ermittelt.  _  ,,  ...  TO ft  Wasser  gesättigtem
Aus  6  verschiedenen  Bodenarten,  '" elc ’ 1 ® 0/ in -.J” 8ser  enthielten,  verdunsteten  schon
Zustande  je  nach  ihrer  Beschaffenheit  47  bis  Feuchtigkeitsgehaltes.
im  Verlaufe  von  24  Stunden  22,7  bis  81,4»/,  des  gesamten  *
Es  sei  hier  noch  auf  die  Arbeit  von  •  * ei  _  pjm  das  Durchsickern
10.  Bestimmung  der  Filtrationsfähig  ei  assende  Vermögen  des  Bodens
des  Wassers  durch  den  Boden  oder  das  wasserdurclüassento  Ve  ^  und
der  Menge  nach  zu  bestimmen,  wird  ein  vierec  g  ,  trichterförmigen
3  cm  im  Quadrat  weites  Zinkkästchen,  we  c  ics  un  .  n  Ende  mit  lockerer
Ansatz  und  engen  Abflußrohr  versehen  ist,  zuerst  a  ,,  t r  hindurchgeht
Baumwolle  verschlossen,  so  daß  die  Baumwolle  durch  d  etwas  grober  Quarzund
  aus  ihm  noch  ein  wenig  hervorragt.  Hie  .  .  e  Vertiefung  des
sand  auf  die  Baumwolle  geschüttet  und  damit  nie  i  mwoUe  mit  Wasser  an
Apparates  ausgefüllt;  man  feuchtet  den  Sam  um  *  Aufklonfen  lufttrocknen,
-  ta  Appuk..  Dann  füllt  m»  S”  «eCLtftel.  vo«  e.w«
feinpulverigen  Boden  hinein,  bis  die  ganze  Bo  ,  •  d  -wieder  gewogen,
16  cm  erricht  h.f,  der  Apj.rht  «dt  de«.  I"“'»*?“  —..»  &amp;gt; h ” h
um  das  Gewicht  des  eingefüllten  Bodens  zu  ermit  ’  sättig t  Nach  dem  Abvorsichtiges ­
  und  allmähliches  Ubergießen  mit  Wasse  s  W ägen  des  ganzen
tropfen  des  überschüssigen  Wassers  bestimm  ma  som it  die  Wasserkapazität
Apparates  die  Menge  des  auf  genommenen  5  aS!,e ^®  übereinstimmend  findet
des  Bodens,  welche  man  nach  diesem  Verfahren  -\Vasser  (s.  7./?,  S.  50)  ermit
  derjenigen,  die  durch  Vollsaugen  des  Bo  ®  “  der  Oberfläche  aufzuwühlen,
mittelt  wird.  Man  gießt  nun  vorsichtig,  ohne  den  „  Annarat  60  bis  70  g
8  cm  hoch  Wasser  (welche  Wassersäule  in  dem  betreffend®  Ap^  ^  ^  ^
wiegt)  auf  den  nassen  Boden  und  beobachtet,  wie  al *  durch  den  Boden  hindurchtropfen ­
  ganz  aufhört  oder  auch  bis  genau  50  ccm  &amp;amp;  Öffnung  des  Zinkkästchens
gesickert  sind,  während  welcher  Zeit  man  ie  beginnt  augenblicklich
mit  einer  kleinen  Glasplatte  bedeckt  hält  ^  Feuchtigkeit  gesättigten  Boden
nach  dem  Auf  gießen  des  Wassers  auf  den  1  ...  „fusche  des  Bodens  vollund
  hört  sofort  auf,  sobald  die  Flüssigkeit  an  i  er  .  drd  fast  immer
ständig  verschwunden  ist.  Bei  der  Wiederholung  des  Versuches
l )  Landw.  Jahrbücher,  1873,  2,  383.  o-rikultur-Physik,  1884.  7.  1.
*)  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiete  dei  Agukultur
        <pb n="81" />
        58

Untersuchung  von  Boden.

mehr  Zeit  zum  Durchsickern  des  Wassers  erfordert,  als  das  erste  Mal.  Man  kann
daher  den  Versuch  etwa  dreimal  wiederholen  und  aus  den  erhaltenen  Ergebnissen
das  Mittel  ziehen.
Bei  den  oben  genannten  6  Bodenarten  dauerte  z.  B.  das  Durchsickern  einer  8  cm
hohen  Wassersäule  durch  eine  16  cm  mächtige  Erdschicht  nach  Stunden:

Boden

1

2-3



.  4

5

6

1  mal  .  .

23

19

163

22'1,

100

60  'U

2

30

20

193

26

143

77

3  „  .  .

40

22

218

29

156

89

Mittel

31,0

20,3

188,0

25,8

133,0

75,8.

Die  zum  Versuche  benutzten  Bodenarten  waren  überaus  feinkörnig  und  zum  Verschlammen ­
  sehr  geneigt.  Bei  mehr  grobkörnigen  Erden  und  wenn  das  jedesmalige  Aufgießen ­
  des  Wassers  mit  äußerster  Vorsicht  geschieht,  sind  die  Unterschiede  bei  der  Wiederholung ­
  des  Versuches  weniger  groß.
Wollny  hat  zu  seinen  Untersuchungen 1 )  den  Apparat  von  D.  v.  Welitschkowsky
 2 )  (Fig.  11,  S.  59)  benutzt.  Hier  befindet  sich  der  Versuchsboden  in  einem
zylindrischen  Gefäß  von  5  cm  Durchmesser.  Dasselbe  ist  unten  mit  einem  aus  feinem
Drahtnetz  hergestellten  Boden  und  oben  mit  einer  Muffe  versehen.  Letztere  dient
zur  Aufnahme  der  Eöhre  b  und  ist  mit  letzterer  durch  einen  breiten  Kautschukring
wasserdicht  verbunden.  Die  Eöhre  b,  deren  Boden  gleichfalls  aus  einem  feinen
Drahtnetz  besteht,  trägt  an  der  einen  Seite  in  Absätzen  von  je  10  zu  10  cm  Tuben
von  1,5  cm  Durchmesser,  auf  der  entgegengesetzten  Seite  ein  Wasserstandsrohr,  an
welchem  unten  ein  Hahn  angebracht  ist.  Das  mit  Erde  gefüllte  Gefäß  a  ruht  auf
einem  Eing,  der  in  dein  Trichter  c  angebracht  ist;  letzterer  ist  mit  einer  durch
einen  Hahn  verschließbaren  Abflußrohre  versehen.
Bei  der  Ausführung  des  Versuches  werden  die  seitlichen  Ausflußöffnungen
bis  auf  eine  mit  Pfropfen  verschlossen.  An  der  frei  bleibenden,  einem  bestimmten
Wasserdruck  entsprechenden  Öffnung  wird  eine  Glasröhre  d,  an  der  ein  Kautschukschlauch ­
  e  angebracht  ist,  wasserdicht  angesetzt.  Nunmehr  wird  durch  die  mit
der  “Wasserleitung  verbundene  Glasröhre  f  Wasser,  zunächst  in  einem  langsamen
Strom,  in  den  Apparat  eingeleitet.  Durch  den  Anstau  steigt  es  bis  zu  d  und  fließt
dann  durch  e  ab;  durch  Regelung  des  Wasserleitungshahnes  ist  es  möglich,  das
W T asser  in  b  auf  gleicher  Höhe  zu  halten.  Die  durch  den  Boden  des  Gefäßes  a
und  durch  die  an  dem  Trichter  c  befindliche  Eöhre  abfließende  Wassermenge  wird
aufgefangen  und  gewogen.  Da  in  der  ersten  Zeit  nach  der  Zufuhr  Schwankungen
auftreten,  wird  mit  dem  Abmessen  so  lange  gewartet,  bis  die  abfließenden  Wassermengen ­
  gleich  sind.  In  den  Versuchen  über  den  Einfluß  des  Druckes  auf  die
den  Boden  durchsickernde  Wassermenge  wird  mit  Wassersäulen  von  verschiedener
Höhe  gearbeitet.
11.  Bestimmung  der  Absorptionsfähigkeit  des  Bodens  für  Wasserdampf  (vergl.
hierzu  das  neue  Verfahren  von  A.  Mitscherlich:  „Bestimmung  der  Hygroskopizität“ ­
  No.  18  S.  67).  Die  Fähigkeit  des  Bodens,  aus  der  umgebenden  Luft  Feuchtigkeit ­
  zu  absorbieren,  W r asserdampf  in  sich  zu  verdichten,  kann  nach  4  verschiedenen
Richtungen  mit  gegenseitig  vergleichbaren  Ergebnissen  ermittelt  werden.
a)  Die  genau  abgewogene  Probe  (10  bis  20  g)  wird  in  einem  flachen,  quadratförmigen
  Zinkkästchen  Uber  eine  Fläche  von  25  qcm  gleichförmig  ausgebreitet  und

] )  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Agrikultur-Physik,  1891,  14,  1.
2 )  Archiv  f.  Hygiene,  1884,  2,  499.
        <pb n="82" />
        Untersuchung  der  Mineralhöden.

59

iipr  iedesmaligen  Lufttemperatur
im  Verlaufe  von  einigen  Tagen  unter  Beohac  i  '  er anderungen  ermittelt,  bis
werden  durch  mehrfache  Wägungen  die  etwaigen  irei  Ueibt .  Durch  Trocknen
das  Gewicht  hei  ziemlich  gleicher  Temperatur  as  o el  V  ; scbes  oder  mechanisch  ahder
  Probe  hei  100«  erfährt  man  sodann,  wievxel  hygroskopi.
sortiertes  Wasser  der  Boden  im  lufttrocknen
Zustande  hei  mittlerer  Temperatur  zurückzuhalten
  vermag.  Von  Interesse  wird  es
auch  sein,  das  Verhalten  des  lufttrocknen
Bodens  heim  Trocknen  über  Schwefelsäure
(unter  der  Glasglocke),  sowie  hei  mäßig
erhöhter  Temperatur,  unter  dem  Einfluß  des
direkten  Sonnenlichtes,  öder  besser  auf  die
Weise  zu  ermitteln,  daß  man  die  Gewichts-  ,
abnahme  bei  künstlich  erhöhter,  aber  gleichmäßig ­
  andauernder  Lufttemperatur,  z-  B.
bei  20°,  bei  30°  und  bei  40°  genau  beobachtet. ­

Zu  einem  ähnlichen  Ergebnis  bei  vergleichenden ­
  Untersuchungen  wird  man  gelangen, ­
  wenn  man  die  abgewogene  Bodenprobe ­
  in  dem  Zinkkästchen  zunächst  bei
100°  oder  über  Schwefelsäure  austrocknet
und  dann  die  Gewichtszunahme  beobachtet,
welche  bei  mittlerer  Lufttemperatur  durch
Absorption  von  Feuchtigkeit  aus  der  umgebenden ­
  Luft  bedingt  ist.
Bei  ziemlich  "gleichem  Humusgehalt
verschiedener  Bodenarten  steht  die  Menge  es
absorbierten  und  von  dem  lufttrocknen  B° (  en
zurückgehaltenen  Wassers  im  nahen  Zusammenhänge ­
  mit  der  Menge  des  vorhandenen
Tones.  Durch  Zunahme  der  Humussuhstanz
erhöht  sich  die  in  Bede  stehende  Eigenschat
des  Bodens  beträchtlich,  so  daß  ein  humusreicher ­
  Sandboden  oft  ebensoviel  und  mehr
Feuchtigkeit  im  lufttrocknen  Zustande  zurüc
hält,  als  ein  humusarmer  Tonboden.  Die  Mengen
der  von  verschiedenen  Bodenarten  hei  gleio  er
Lufttemperatur  absorbierten  oder  zurückgehaltenen ­
  Feuchtigkeit  schwanken  sehr  bedeutend
und  bewegen  sich  im  allgemeinen  in  en
Grenzen  von  0,6  und  7  °/ 0  des  wasserfreien
Bodens.  Beim  Trocknen  über  Schwefelsäure  bei
gewöhnlicher  Temperatur  bedarf  es  einer  Zei
von  4-7  Tagen,  bis  ein  gleiclihleihendes  rlust  ist  dann  um  0,2—l,ö°/o  S enng  ’
wicht  eintritt,  und  der  stattgefundene  Go  ,  _
als  wenn  das  Trocknen  hei  100°  vorgenommen  mit  Wasserdampf  gesättig
b)  Der  lufttrockne  Boden  vermag  m  einem  ^J^uchtigkeit  aufzunehmen.
Baum  bei  gleicher  mittlerer  Temperatur  n  lufttrockne  Probe  von  a
Um  hierüber  Auskunft  zu  erhalten,  wird  Boden  mit  Wasser
in  dem  flachen  Zinkkästchen  über  ein  e  luftdicht  abgeschlossen.  a
bedeckt  ist.  und  das  Ganze  mittels  einer  Glasglocke

Fig.  11.
Apparat  zur  Bestimmung  der  Filtrationsfähigkeit ­
  des  Bodens.
        <pb n="83" />
        60

Untersuchung  von  Boden.

bestimmt  alsdann  drei-  bis  viermal  nach  jedesmal  24  Stunden  die  Gewichtszunahme
der  Bodenprobe.  Gleichzeitig  muß  man  unter  dieselbe  Glasglocke  auch  ein  leeres
Zinkkästchen  von  genau  gleicher  Größe  stellen  und  beobachten,  ob  und  wieviel
dieses  an  Gewicht  zunimmt.  Auch  durch  Hinstellen  in  einen  feuchten  Kellerraum
bei  einer  Temperatur  von  etwa  16°  läßt  sich  die  in  ähnlicher  Weise  stattfindende
Gewichtszunahme  des  Bodens  ermitteln.
Sandige  und  lehmige  Bodenarten  sättigen  sich  auf  diese  Weise  schon  im  Verlaufe
der  ersten  24  Stunden  fast  vollständig  mit  Feuchtigkeit  und  bleiben  dann  im  Gewicht
unverändert  oder  nehmen  nur  überaus  langsam  noch  weiter  an  Gewicht  zu,  wenn  nicht
vielleicht  ungewöhnlich  große  Mengen  von  leicht  löslichen  und  zerfließlichen  Salzen  zugegen ­
  sind,  wodurch  überhaupt  die  Eigenschaft  des  Bodens,  Feuchtigkeit  aus  der  Luft
zu  absorbieren,  sehr  wesentlich  verändert  und  erhöht  wird.  Sehr  tonige  und  auch
humusreiche  Bodenarten  müssen  aber,  selbst  in  der  kleinen,  zu  diesem  Versuche  zu  verwendenden ­
  Probe  von  etwa  40  g,  wenigstens  3—4  Tage  unter  der  Glasglocke  stehen,
bis  sie  mit  Feuchtigkeit  ziemlich  gesättigt  sind.  Natürlich  ist  stets  auch  die  Temperatur
der  mit  Wasserdampf  beladenen  Luft  im  Apparate  zu  beobachten  und  zu  vermerken.  Die
Menge  der  von  den  völlig  lufttrocknen  Bodenarten  absorbierten  Feuchtigkeit  ist  wiederum
hauptsächlich  durch  deren  Ton-  und  Humusgehalt  bedingt,  jedoch  sind  die  Schwankungen
bei  verschiedenen  Bodenarten  im  allgemeinen  nicht  so  beträchtlich,  wie  bezüglich  der  von
dem  lufttrocknen  Boden  unter  gewöhnlichen  Verhältnissen  zurückgehaltenen  Feuchtigkeit;
sie  bewegen  sich  meistens  nur  zwischen  0,2  und  2,6  %  des  wasserfreien  Bodens  (vergl.  No,  18).
c)  Dieselben  Zinkkästchen  und  dieselben  Bodenproben  wie  in  a  und  b  kann
man  auch  benutzen  zu  Beobachtungen  über  die  Absorption  von  Feuchtigkeit,  wenn
man  den  Boden  über  Nacht  im  Freien  dem  Einfluß  eines  mehr  oder  weniger  starken
Taufalles  aussetzt.  Man  hat  hierbei  möglichst  sorgfältige  Vermerke  zu  sammeln
über  die  Stärke  des  Taufalles,  die  Lufttemperatur  und  über  die  Klarheit  oder  teilweise ­
  Bedeckung,  überhaupt  den  Zustand  des  Himmels.  Auch  hat  man  das  Verhalten ­
  des  Bodens  zu  beobachten,  indem  man  die  Kästchen  mit  gleichen  Gewichtsmengen ­
  des  Bodens  und  unter  sonst  ganz  gleichen  Verhältnissen  teils  auf  eine  freie,
pflanzenleere,  dem  frisch  bestellten  Acker  ähnliche  Fläche,  teils  aber  auf  einen
mit  dichter  Grasnarbe  überzogenen  Platz  stellt.
d)  Endlich  ist  noch  darauf  aufmerksam  zu  machen,  daß  die  Beobachtungen
in  b  und  c  hauptsächlich  dann  ein  praktisches  Interesse  gewinnen,  wenn  man  sie
nicht  allein  mit  ganz  kleinen  und  im  Zustande  der  größten  Auflockerung  befindlichen ­
  Bodenproben  anstellt,  sondern  die  Versuche  gleichzeitig  ausdehnt  auf
das  Verhalten  mehr  oder  weniger  mächtiger  Schichten  des  Bodens  in  mit
Wasserdampf  gesättigtem  Raume  oder  im  Freien  während  der  Nacht  unter  dem
Einfluss  der  atmosphärischen  Abkühlung  und  der  Tauniederschläge,  Zu  diesem
Zweck  kann  man  Zinkkästchen  von  gleichem  Durchmesser  und  gleicher  Flächenausdehnung ­
  wie  in  a,  aber  von  größerer  Tiefe  benutzen,  so  daß  die  Bodenschicht
eine  Dicke  erhält  in  verschiedenen  Kästchen  von  etwa  0,5,  1,5  bis  3  und  6  cm.
Der  Boden  muß  überall  im  völlig  lufttrocknen  und  in  einem  gleichförmig  feinerdigen ­
  Zustande  vorhanden  sein;  es  wird  genau  ermittelt,  teils  wieviel  Feuchtigkeit
von  den  verschieden  dicken  Bodenschichten  innerhalb  einer  bestimmten  Zeit  aufgenommen ­
  wird,  teils  wie  tief  die  Feuchtigkeit  in  dem  gleichen  Zeitraum  in  den  Boden
eindringt,  teils  endlich  wie  lange  Zeit  erforderlich  ist  (bei  Beobachtungen  in  dem
mit  Wasserdampf  gesättigten  Raum),  um  die  verschieden  dicken  Bodenschichten  mit
der  unter  den  vorhandenen  Verhältnissen  zu  absorbierenden  Feuchtigkeit  ziemlich
vollständig  zu  sättigen.  Bemerkt  sei  hier,  daß  E.  Heiden 1 )  aus  seinen  Versuchen
J )  E.  Heiden,  Denksclir.  z.  Feier  d.  2ojähr.  Bestehens  d.  agrik.-chem.  Versuchs-Station
Pommritz,  4883,  164  und  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiet  der  Agrikultur-Physik,
1884,  7,  324.
        <pb n="84" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

61

nu  dem  Ergebnis  gelangt,  daß  das  Kondensationsvermögen  der  Ackererden  für
Wassergas  fast  gleich  null  ist.
12.  Bestimmung  der  Absorptionsfähigkeit  des  Bodens  für  Sauerstoff  der
atmosphärischen  Luft.  Nach  W.  Wolf 1 )  verschließt  man  o0  g  ,  .  '
trocknen  Bodens  in  Gläser  von  genau  bekanntem  Luftinhalt  (etwa  500  ccm)  luttdicüt
unter  Hinzufügung  von  so  viel  ccm  destilliertem  Wasser,  daß  der  zu  untersuchende
Boden  einen  Feuchtigkeitsgehalt  von  20  °/ 0  besitzt.  Nach  etwa  8—14  lagen  wird
die  Luft  auf  Sauerstoff,  Stickstoff  und  Kohlensäure  untersucht  und  man  er “  /
wieviel  Sauerstoff  verschwunden  und  wieviel  Kohlensäure  gebildet  ist;  der  hticKston
der  Luft  verändert  sein  Volumen  fast  gar  nicht.
Handelt  es  sich  bloß  um  Bestimmung  des  Absorptions-Koeffizienten  des  Bodens
für  Sauerstoffgas,  so  durchfeuchtet  man  etwa  25  g  Boden  nach  Fr.  Schu  ze
ziemlich  konzentrierter  Kalilauge  in  einem  Gläschen,  verbindet  letzteres  luftdicht
mit  einem  Azotometer,  in  welchem  ein  bestimmtes  Volumen  atmosphärischer  Luft
mit  Quecksilber  abgesperrt  ist,  und  schüttelt  während  des  Versuches  wiederholt  um
Die  Verminderung  des  im  ganzen  Apparat  enthaltenen  Luftvolumens  (nach  1-4  Tagen)
ergibt  die  Menge  des  absorbierten  Sauerstoffs.  ...  ,
Es  sei  hier  auf  eine  Arbeit  von  G.  Ammon*)  „Untersuchungen  über  das
Kondensationsvermögen  der  Bodenkonstituenten  für  Gase- 1  verwiesen.
13.  Bestimmung  der  Luftdurchlässigkeit  des  Bodens  «)  Für  dmsen  Zweck  ^ei
luer  der  von  G.  Ammon*)  benutzte  Apparat  empfohlen,  der  auch  ohne  Zeichnung
verständlich  ist,  nämlich:  .  ,  ,  •.  ■  flhpr
In  2  Gasometern  wird  Luft  komprimiert,  für  gewöhnlich  dur&amp;lt; *  ‘^  gestehende ­
  Wasser,  wenn  stärkerer  Druck  notwendig  ist,  durch  eine  Wassersäule
die  sich  in  einer  an  das  Einflußrohr  angeschraubten  Trichterrohre  befindet
Köhren,  durch  welche  die  Luft  aus  dem  Gasometer  tritt,  jede  durch  einen  Hai
verschließbar,  werden  durch  eine  Glasröhre  verkuppelt,  welcher  in  er  1
winklig  eine  zur  Ableitung  der  Luft  bestimmte  Glasröhre  angesetzt  is.  i
Wendung  zweier  Gasometer  macht  es  möglich,  den  Versuch  in  beliebiger  Dauer
ununterbrochen  fortzusetzen;  während  nämlich  der  eine  in  Tätigkeit  ist,  wird  ü
Füllungswasser  des  anderen  abgelassen.  Die  Ableitungsrohre  stc  i  nu  eii
uhr,  die  bis  auf  x / 100  1  genau  die  durchgehenden  Luftvolumina  ung 1  &amp;gt;
hindung;  die  Hähne  am  Zu-  und  Ableitungsrohre  der  Gasuhr  gestatten  &amp;amp;
'ung  des  Druckes  in  sehr  vollkommener  Weise,  Aus  der  asu  g
Luft  in  eine  mit  Chlorcalcium  gefüllte  Trockenröhre,  von  hier  aus  in  ^
flasche,  die  unten  mit  konzentrierter  Schwefelsäure,  m  i  dieser  in
durch  Schwefelsäure  getränkten  Bimssteinstückchen  gel  i  ^  &amp;gt;_  Wasser  von
den  Kühl-  bezw.  Wärmeapparat,  in  welchem  die  Luft  durch  em  von  Wasser  von
gleichbleibender  Temperatur  umgebenes  8  in  langes  Sch  angenro  Diese
Aus  letzterem  wird  die  Luft  in  die  eigentliche  Versuchsrohre  geleitet.  Diese
besteht  aus  einer  1,25  m  langen,  0,05  m  im  Durchmesser  weiten,  aufrecht  1  2  3  4
1 )  Landw.  Jahrbücher,  1873,'  2,  407.  1S7q  „  .
2 )  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiet  der  Agnku  ur  J  &amp;gt;  ’  ’
3 1  Es  sei  hier  auf  folgende  Arbeite»  verwiesen.  187q  o  339
J.  Renk,  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiet  der  Agrikultur-Physik,  1879,  2,
G  Ammon,  ebenda  1880,  3,  218.
H.  Fleck,  „  1880,  3,  245.
R-  Heinrich,  „  1883,  4,  266  und  1886,  9,  271.
D-  v.  Welitschowskj 7 ,  ebenda  1888,  10,  202.
4 )  Ebenda  1880,  3,  218  und  1893,  16,  193.
        <pb n="85" />
        62  •  Untersuchung  von  Boden.
stehenden  Röhre  aus  Zinkblech,  welche  etwa  6  cm  von  ihrem  oberen  Ende  entfernt ­
  ein  horizontal  stehendes  Ansatzröhrchen  zur  Aufnahme  eines  mit  Wasser
gefüllten  Manometers  trägt.  Das  oben  und  unten  offene  Ende  der  Röhre  wird
durch  Gummistöpsel  geschlossen,  welche  durchbohrt  und  mit  Glasröhren  zum  Zuund
  Ahleiten  der  Luft  versehen  sind.  Im  Innern  der  Röhre  befinden  sich  zwei,
an  der  Innern  Wand  derselben  stark  festzuklemmende,  verschiebbare,  aus  feinstem
Messingdraht  geflochtene  Siebe,  zwischen  welchen  der  Versuchsboden  derart  eingeschlossen ­
  wird,  daß  eine  Verschiebung  nicht  möglich  ist.  Die  Versuchsröhre
ist  mit  einem  18  cm  weiten  und  1  m  langen,  unten  geschlossenen  Zinkzylinder
umgeben,  der  in  gleichen  Abständen  mit  3  schief  nach  oben  gehenden  Ansatzröhren ­
  versehen  ist,  die  zur  Aufnahme  von  Thermometern  bestimmt  sind.  Der
Zwischenraum  zwischen  der  Versuchsröhre  und  dem  Zylinder  wird  mit  Wasser
ausgefüllt,  dessen  Temperatur  durch  Zu-  und  Abfluß  warmen  oder  kalten  Wassers
auf  gleichbleibender  Höhe  erhalten  wird.
Das  Füllungsverfahren,  die  Druckstärke  und  die  Höhe  der  Luft-  und  Bodentemperatur ­
  muß  bei  jedem  Versuch  beobachtet  und  bei  vergleichenden  Versuchen
in  gleicher  Weise  innegehalten  werden.
Zur  Prüfung  der  Luftdurchlässigkeit  des  Bodens  in  seiner  natürlichen  Lage,  also
auf  freiem  Felde  hat  Heinrich 1 )  Versuche  ausgeführt  und  ein  Verfahren 2 )  aus-,
gearbeitet,  worauf  hier  aber  nur  verwiesen  sei.
14.  Bestimmung  der  Wärmeabsorptiou  des  Bodens,  a)  Ein  würfelförmiges
Zinkkästchen,  etwa  6  cm  im  Durchmesser,  wird  mit  dem  möglichst  feinpulverigen,
lufttrocknen  Boden  angefüllt,  dem  Einfluß  des  direkten  Sonnenlichtes  bei  einer  recht
hohen,  genau  zu  bezeichnenden  Lufttemperatur  (25—35°  in  der  Sonne)  einige
Stunden  lang  ausgesetzt  und  beobachtet,  wie  hoch  die  Temperatur  an  der  Oberfläche,
in  der  obersten,  1  cm  dicken  Schicht  des  betreffenden  Bodens  sich  erhebt.  Die
Zinkkästchen  werden  hierbei  passend  mit  Hülsen  von  dicker  Pappe  umkleidet  und
in  ein  Holzkästchen  gestellt,  damit  die  Sonnenwärme  nur  von  obenher  auf  den
Boden  einwirkt.
Will  man  untersuchen,  bis  zu  welcher  Tiefe  und  in  welchem  Grade  die  an  der
Oberfläche  absorbierte  Sonnenwärme  in  die  Erde  eindringt,  so  sind  hierzu  etwas  größere
Mengen  Boden  und  besonders  entsprechend  tiefere  Gefäße  erforderlich.  Auch  kann  es
von  Interesse  sein,  das  Verhalten  des  Bodens  gegen  die  Sonnenwärme  zu  beobachten,  wenn
er  sich  in  einem  mehr  oder  weniger  feuchten  Zustande  befindet,  nämlich  5  oder  10
oder  20%  Wasser  enthält,  außer  der  schon  in  dem  lufttrocknen  Boden  enthaltenen  Menge.
h)  Ein  anderes  einfaches  Verfahren  besteht  darin,  daß  man  eine  kleine  Menge
des  lufttrocknen  Bodens,  etwa  50  g,  in  einem  Glaskölbchen  dem  heißen  Sonnenlichte ­
  eine  Zeit  lang  aussetzt  und  dann  ermittelt,  wie  hoch  die  Temperatur  des
Bodens  steigt.
Gleichzeitig  wird  man  hierbei  auch  den  Gewichtsverlust  bestimmen,  welchen  der
lufttrockne  Boden  in  einer  Menge  von  50  g  innerhalb  einer  gewissen  Zeit,  in  %,  1,
2  usw.  Stunden,  erleidet,  und  wie  rasch  die  verdunstete  Feuchtigkeit  an  einem  sonnenfreien
Orte  und  aus  reiner  mittelfeuchter  Luft  wieder  aufgenommen  wird.
15.  Bestimmung  des  Wärmeleitungsvermögeus  des  Bodens.  Man  kann  dasselbe ­
  teils  unter  dem  Einfluß  der  direkten  Sonnenstrahlen,  teils  in  der  W r eise  ermitteln, ­
  daß  man  das  oben  erwähnte  würfelförmige  Zinkkästchen  oder  auch  möglichst
kugelförmige,  aus  dünnem  Glase  bestehende  Literkolben  mit  lufttrockner  Erde
unter  Aufstoßen  auf  eine  weiche  Unterlage  anfüllt,  .indem  man  gleichzeitig  in  den
Mittelpunkt  des  Gefäßes  die  Kugel  eines  Quecksilberthermometers  bringt.  Man  stellt
’)  Heinrich,  Beurteilung  der  Ackerkrume,  Wismar  1882,  S.  222.
2 )  Wollny.  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Agrikultur-Physik,  1886,  9,  273.
        <pb n="86" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

63

sodann  das  Gefäß  in  einen  erwärmten  Eaum  und  ’  Temperatur,  z.  B.  70
Ms  der  Boden  im  Mittelpunkt  des  Gefäßes  eine  bestimmte  P
oder  80°  angenommen  hat.  „  ,  „ a  d ; P  angenommene  Wärme  mehr
Beohachtiingen  liher  die  Fähigkeit  des  Bo  &amp;gt;  den  un p er  14.  und  15.  anoder
  weniger  lange  zurückzuhalten.  lassen  sic  i  cic  i  erm itteln,  wieviel  Zeit  ergegebenen
  Versuchen  verbinden.  Man  braucht  nur  zi  enthaltene  und  bis
forderlich  ist,  his  sich  der  in  den  dort  heschne  tenei  a i s0  der  Boden  in
auf  70  oder  80°  erwärmte  Boden  an  der  Luft  abgeKun  ’  m£reben den  Luft  zeigt
dem  Mittelpunkte  des  Gefäßes  gleiche  Temperatur  m
oder  auch  his  auf  genau  20  oder  25°  erkaltet  ist.  Wagner, 1 )  sowie  den
Es  sei  hier  noch  besonders  auf  die  Arbeit  von  Fr.  Wag  ,
dort  S.  7  erwähnten  Apparat  verwiesen.  _  ,  Die  Festigkeit  oder
16.  Bestimmung  der  Kohäsion  und  Adhäsion  es  Zähigkeit  und  das  Anhaften
Konsistenz  des  Bodens  im  trocknen  Zustande,  sowl  wichtige  Eigenschaften,
des  nassen  Bodens  an  Holz  und  Eisen  sind  bekanntlich  sehr  wi^  ^^  ^  A(jker .
nach  deren  Gestaltung  zunächst  der  Landwirt  sc™,  na rten  unterscheidet.  Leider
Werkzeugen  schwer  und  leicht  zu  hearhei  en  e)  „.„nau  mit  kleineren  Mengen
können  diese  Eigenschaften  his  jetzt  kaum  ^nähernd  genau
des  Bodens  ermittelt  und  in  bestimmten  a  i  en  ■  ^  .  i u {ttrocknen  Zustande
a)  Um  die  Festigkeit  und  Konsistenz  des  und  formt  mittels  einer
zu  bestimmen,  knetet  man  den  Boden  mit  &amp;lt;'^ 1  ^  cm  Breite  und  Dicke
Schablone  parallelepipedische  Stücke  von  o  cm  '  ^  Glasröhre  Bodenzylinder,
oder  nach  Haherlandt 2 )  mittels  einer  oder  Zylinder  läßt  man
deren  Durchmesser  im  Lichten  2  cm  beträgt,  Druck  durch  Auflegung  von
an  der  Luft  austrocknen  und  untersucht,  bei  -p-  durchschnitten  werden.
Gewichten  sie  von  einem  stumpfen  Messer  o  er  eiser  einarmigen  Wage  kon-Man
  bedient  sich  hierbei  eines  passend  nac  i
struierten  Apparates.  daraus  ein  einigermaßen  richtiges
Der  Versuch  muß  sehr  oft  wiederholt  werden,  um  Bodens  benutzt  man  auch,
Mittel  zu  finden.  Dieselben  oder  ähnlich  geformte  btuc  i  dem  Austrockneu  sein
um  durch  Messung  zu  ermitteln,  in  welchem  Grade  der  Boden
Volum  vermindert.  .  w  Kohärenz  des  Bodens  in  feuchtem
h)  Ein  anderes  Verfahren  zur  Bestimmung  ‘  &amp;lt;■  w (rd  m it  so  viel  Wasser
Zustande  rührt  von  K.  Heinrich 8 )  her.  er  P  50°/ n  der  höchsten  Wassergleichmäßig ­
  durchfeuchtet,  daß  derWasserge  a  g'  arauf  wird  der  Boden  zwischen
kapazität  des  Laboratoriumsversuches  betrag  •  ^  ,j er  ^tte  mit  einem
2  Eisenbleche  von  1  qdcm  Größe  gepreßt,  deren  ei  Bodenschicht  soll  5  10  cm
Haken  versehen  ist.  Die  zwischen  den  Blechen  6  i  Messer  scharf  abgestrichen,
betragen.  Der  herausgequetschte  Boden  wir  mi  ^  befestigt  an  der  unteren
Man  hängt  nun  die  obere  Platte  an  einem  a  en  Mengen  Sand  einträgt,  bis
ein  kleines  Körbchen,  in  welches  man  so  lange  m  Platte  mit  dem  Körbchen
die  Bodensäule  zerreißt.  Darauf  wird  die  a  igeri  der  B; ra ft,  welche  nötig
und  dem  anhaftenden  Boden  gewogen.  Ihr  Gevuc  i  c  Querschnitt  aufzuheben.
war,  um  den  Zusammenhalt  einer  Bodenschich  von  ,  t  anzuwenden,  bei
Dieses  Verfahren  ist  natürlich  nur  bei  “^.fT^oharenz  des  Bodens,
denen  die  Adhäsion  an  die  Eisenplatte  größer  ist  als  fl  t
')  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  '^^p^'physik  1878,  1,  M 8  ff -
2 )  Wollny,  Forschungen  auf  dem  Gebiete^  d ^ r  Ackerkrume  in  Beziehung  auf
3 )  R.  Heinrich,  Grundlagen  zur  Beurteilung  uo
landwirtschaftliche  Pflanzenproduktion.  Wismar  I
        <pb n="87" />
        64

Untersuchung  von  Boden.

c)  Um  das  Anhaften  der  feuchten  Bodenarten  an  Holz  und  Eisen  zu  bestimmen, ­
  wird  nach  R.  Heinrich  (1.  c.)  die  zu  untersuchende  Probe  mit  50°/ 0
ihrer  höchsten  Wasserkapazität  Wasser  angefeuchtet  und  in  ein  größeres  Gefäß
gebracht,  in  welchem  man  die  Oberfläche  des  Bodens  möglichst  einehnet.  Alsdann
wird  eine  Platte  von  Eisenblech  oder  Buchenholz  von  1  qdcm  Querschnitt  fest  aufgedrückt,
  so  daß  eine  vollständige  Berührung  des  Bodens  mit  dem  Metall  oder
Holz  stattfindet.  An  dem  in  der  Mitte  der  anderen  Seite  der  Platte  angebrachten
Haken  ward  ein  Bindfaden  befestigt,  der  über  eine  Rolle  geleitet  wird  und  an
welchen  man  ein  Körbchen  hängt.  Letzteres  wird  so  lange  mit  Sand  belastet,
bis  die  Platte  vom  Boden  abreifit.  Die  zur  Überwindung  der  Adhäsion  erforderliche ­
  Kraft  entspricht  dem  Gewichte  des  Körbchens  mit  dem  Teile  des  Bindfadens,
welcher  bis  zum  Scheitelpunkte  der  Rolle  reicht,  abzüglich  des  Gewichtes  der  abgerissenen ­
  Platte  und  dem  anderen  Ende  des  Bindfadens.
17.  Bestimmung  der  Benetzungswärme  des  Bodens.  Unter  Benetzungswärme ­
  eines  Bodens  oder  „Bodenenergie“  versteht  man  diejenige  Wärmemenge,
die  der  Boden  hei  seiner  Benetzung  mit  Wasser  entwickelt.  Dieselbe  ist  von  den
physikalischen  Eigenschaften  des  Bodens,  nämlich  von  der  Größe  und  Form  der  Oberfläche ­
  desselben  und  von  den  spezifischen  Adhäsionskonstanten  der  einzelnen  Bestandteile ­
  abhängig.  Das  Maß  für  die  Wärmemessungen  ist  die  Kalorie.  A.  Mitscherlich 1 )
glaubt  in  der  Benetzungswärme  einen  Maßstab  für  einen  direkten  Vergleich  der  Bodenproben ­
  untereinander  in  bezug  auf  ihren  physikalischen  Wert  gefunden  zu  haben.
Zur  Bestimmung  der  Benetzungswärme  bedient  sich  Mitscherlich  des
Bunsenschen,  von  Schüller  und  Wartha  sowie  von  ihm  selbst  verbesserten
hezw.  abgeänderten  Eiskalorimeters, 2 )  dessen  Anordnung  aus  Fig.  13  S.  66
ersichtlich  ist.
Dasselbe  besteht  aus  dem  Probierglase  C  und  dem  zylindrisch-eiförmigen  Glasgefäß  B,
in  welches  oben  das  Probierglas  eingeschmolzen  ist,  und  welches  unten  in  eine  nach  aufwärts ­
  umgebcgene  Glasröhre  endigt.  Letztere  ist  an  ihrem  freien  Ende  erweitert  und  mit
einem  doppelt  durchbohrten  Pfropfen  versehen,  durch  dessen  eine  Durchbohrung  ein  Glasstab ­
  mit  Griff  bis  in  das  Quecksilber  reicht  und  in  dessen  andere  Öffnung  eine  Kapillare
mit  einer  wagerecht  liegenden.  40  cm  langen  Skala,  die  etwa  3  g  Quecksilber  faßt,  eingesetzt ­
  ist. 3 )  Ursprünglich  bediente  sich  Mitscherlich  des  von  Schüller  und  Wartha
abgeänderten  Biskalorimeters,  bei  welchem  das  kalibrierte  Kapillarrohr  durch  ein  einfaches ­
  Glasrohr  ersetzt  ist,  welches  in  ein  mit  Quecksilber  gefülltes  Schälchen  ausmündet.
Die  bei  der  Benetzung  des  getrockneten  Bodens  entstehende  Wärme  bringt  Eis  zuffl
Schmelzen.  Die  durch  das  schmelzende  Eis  bewirkte  Yolumenkontraktion  wird  in  beiden
Fällen  durch  die  eingesaugte  Quecksilbermenge  gemessen,  welche  in  ersterem  Falle  durch
Ablesen  an  dem  dem  Volumen  nach  geeichten 4 )  Kapillarrohre,  in  letzterem  Falle  durch  Wägen
des  Quecksilberschälchens  vor  und  nach  dem  Versuch  bestimmt  werden;  1  kal.  ist  0,01544  g
Quecksilber  und  wird  für  1  g  Boden  ausgedrtickt.  Der  Glasstab  hat  den  Zweck,  den  Quecksilberfaden ­
  nach  jedem  Versuch,  ohne  an  der  Kapillare  zu  rühren,  wieder  auf  den  Nullpunkt
! )  Jouru.  f.  Landw.  1898,  4(i,  256  und  1900,  48,  71;  Landw.  Jahrbücher  1901,  30,
361;  1902,  31,  577.  Vergl.  auch  H.  Rodewald,  Zeitsclir.  f.  physikal.  Chemie  1900,  33,  593.
2 )  Das  Eiskalorimeter  wie  auch  die  Apparate  zu  der  nachfolgenden  Bestimmung  der
Hygroskopizität  werden  von  der  Firma  Franz  Hugershoff  in  Leipzig  geliefert.
3 )  Diese  Einrichtung  ist  später  (Landw.  Jahrbücher  1902,  31,  577)  von  A.  Mitscherlich
noch  verbessert  worden.
4 )  Die  Länge  und  Weite  der  dem  Volumeninhalt  nach  geeichten  Skala  genügt  fü r
fast  alle  kalorimetrischen  Bodenuntersuchungen;  nur  bei  strengen  Moor-und  Tonböden  muß
das  bequemere  Ablesen  des  Queoksilberfadens  durch  das  Wägen  des  QuecksilberschälohenS
ersetzt  oder,  wenn  man  dies  vermeiden  will,  eine  geringere  Menge  Boden  zur  Untersuchung
angewendet  werden.
        <pb n="88" />
        Untersuchung  der  Mneralböden.

65

einzustellen  und  für  den  Fall,  daß  der  Stempel  ganz  heruntergedrückt  war,  nach  dem  Verlegen ­
  von  Quecksilber  vor  die  Öffnung  a  solches  wieder  in  das  Kalorimeter  einzusaugen.
Für  die  Ausführung  des  Verfahrens  kommt  das  Trocknen  der  Probe  und  die
eigentliche  Bestimmung  der  Benetzungswärme  in  Betracht.
a)  Das  Trocknen  des  Bodens. 1 )  Hierzu  dient  das  in  Fig.  14  S.  68  abgebildete
Glasgefäß  und  das  S.  67  beschriebene  Trocknungsverfahren.  Besonders  eingerichtete  Gläschen
(Fig.  12)  werden  nach  dem  Wägen  etwa  9  cm  hoch  mit  Boden  angefüllt,  wieder  gewogen  und
daun  in  dem  unten  beschriebenen  Vakuumexsikkator  über  konzentrierter  Schwefelsäure  bezw.
Phosphorpentoxyd  getrocknet.  Das  Trocknen  dauert  24—30  Tage;  hierbei  kann  unter  Umständen ­
  eine  Oxydation  von  Humus-Substanzen
  stattfinden.  Nach  vollendetem
Trocknen  wird  der  Deckel  aufgesetzt,  das
Gläschen  selbst  evakuiert  und  das  Glasrohr
an  der  verdünnten  Stelle  abgeschmolzen.
Um  Zeit  und  Eis  im  Kalorimeter  zu
sparen,  wird  das  geschlossene  Gläschen
mit  dem  getrockneten  Boden  vorher  etwa
1  Stunde  in  Wasser  von  0°  vorgekühlt,
ehe  es  in  das  Probierrohr  (c)  des  Eiskalorimeters ­
  eingesenkt  wird.
b)  Die  Feststellung  der  Benetzungswärme. ­
  Es  wird  zunächst
destilliertes  Wasser  in  einem  Becherglase
ausgekocht, 2 )  gleichzeitig  bringt  man
etwas  Wasser  in  den  ringförmigen  Raum
des  Zylinders  D  (Fig.  13,  S.  66),  welcher
ebenfalls  im  Sieden  erhalten  wird,  um  alle
Luft  auszutreiben;  alsdann  taucht  man  das
Seitenrohr  des  Kalorimeters  —  nach  vorheriger ­
  Entfernung  des  Stopfens  mit  dem
Glasstab  und  Kapillarrohr  —  in  das  Wasser
im  Becherglase  und  entfernt  die  Flamme
unter  dem  Kalorimeter;  das  Wasser  steigt
dann  luftfrei  in  letzteres.  Die  etwa
zurückbleibende  Dampfluftblase  läßt  man,
indem  das  Kalorimeter  aufrecht  gehalten
wird,  in  dem  schmalen  Schenkel  aufsteigen ­
  und  füllt  Quecksilber  hinein,
wobei  während  des  Abkühlens  Sorge
getragen  werden  muß,  daß  das  Seitenrohr
stets  mit  Quecksilber  gefüllt  bleibt;
schließlich  läßt  man  durch  Neigen  des
Kalorimeters  Wasser  in  das  Seitenrohr
übertreten,  das  man  durch  Quecksilber
verdrängt,  bis  das  Volumen  des  letzteren
mindestens  Vio  vom  Volumen  des  Wassers  beträgt.
Jetzt  kommt  es  darauf  an,  um  das  Probierrohr  C  (Fig.  13,  S.  66)  herum  in  dem  Zylindergefäß ­
  eine  Eisschicht  zu  erzeugen.  Man  setzt  zu  dem  Zweck  das  Kalorimeter  in  Eis  und
bringt,  wenn  es  sich  annähernd  auf  0°  abgekühlt  hat,  in  das  innere  Probierrohr  C  eine  Kältemischung ­
  von  Bis  und  Alkohol  oder  von  Schnee  und  Chlorealoium,  oder  man  bringt  durch
das  mit  abgekochtem,  destilliertem  Wasser  nahezu  angefüllte  Rohr  C  einen  zu-  und  ab-!)

  Landw.  Jahrbücher  1902,  81,  577.
2 )  Vergl.  W.  Ostwald  und  R.  Luther,  Hand-  und  Hülfsbuch  zur  Ausführung
physiko-chemischer  Messungen.  Leipzig  1902,  217.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  5

netznngswärme  nacli  A.  Mitscherlich.
        <pb n="89" />
        66

Untersuchung  von  Boden.

fließenden  Strom  von  tief  abgekühltem  Weingeist  und  wiederholt  oder  setzt  diese  Behandlungen ­
  so  lange  fort,  bis  das  Probierrohr  mit  einem  Mantel  von  Eis  umgeben  ist,  der  bis
nahe  an  die  Wand  des  äußeren  Zylindergefäßes  reicht.  Hierbei  tritt  ein  großer  Teil  des
Quecksilbers  wieder  aus.  Die  Kältemischung  wird  darauf  aus  dem  Probierrohre  entfernt
und  dieses  zu  etwa  mit  reinem  Wasser  gefüllt.  Das  so  vorbereitete  Kalorimeter
wird  alsdann  in  ein  mit  Eismantel  ausgekleidetes,  mit  destilliertem  Wasser  und  reinem  geriebenen ­
  Eis  gefülltes  Glas-  oder  Porzellangefäß  gestellt,  welches  der  Größe  des  Kalorimeters ­
  so  angepaßt  ist,  daß  es,  in  das  Gefäß  bis  nahe  zum  oberen  Ende  des  inneren  Eohres
versenkt,  oben  mit  einem  entsprechenden  Deckel  bedeckt  werden  kann.  Dieses  Gefäß  wird
wiederum  in  ein  noch  größeres  Gefäß  gestellt,  welches  vollständig  mit  Bis  angefüllt  wird;
das  während  des  Versuches  aus  letzterem  sich  bildende  überschüssige  Wasser  kann  durch
einen  unten  am  Außengefäß  sich  befindenden  Hahn  abgelassen  werden.

Fig.  13.
Eiskalorimeter  zur  Bestimmung  der  Beuetzungswärme  nach  A.  Mitscherlich.

Darauf  wird  das  mit  getrocknetem  Boden  beschickte  evakuierte  und  verschlossene
Gläschen  (Fig.  12,  S.  65)  in  das  Probierrohr  C  gesenkt,  letzteres  durch  einen  mit  Hebelvorrichtung
versehenen  Pfropfen  geschlossen,  das  mit  Quecksilber  gefüllte  Seitenrohr  des  Kalorimeters
ebenfalls  geschlossen,  in  der  geeichten  Kapillare  mittels  des  Glasstabes  das  Quecksilber
auf  0  eingestellt  und  dann  so  lange  stehen  gelassen,  bis  'Temperaturausgleioh  stattgefunden  hat.
Alsdann  wird  der  Gang  des  Kalorimeters,  d,  h.  die  von  ihm  in  der  Zeiteinheit
(einer  Stunde)  eingesaugte  Quecksilbermenge  festgestellt,  was  zweckmäßig  während  der
Nachtzeit  geschieht.  Der  Nachtgang  hält  sich  einige  Tage  nach  dem  Anfrieren  sehr  beständig. ­
  Ist  der  Gang  zu  hoch,  so  kann  man  ihn  durch  Eingießen  einer  schwachen  Salzlösung ­
  oder  dergleichen  in  das  Eisgefäß  leicht  herabdrücken;  so  bewirkt  z.  B.  1  ccm
96°/ 0 igen  Alkohols  auf  15  1  Eiswasser  einen  Gangunterschied  von—0,1800  g  Quecksilber.
Wenn  das  Röhrchen  mit  dem  Boden  vorher  1  Stunde  in  Wasser  von  0°  vorgekühlt  war,
so  kann  man  schon  eine  Stunde  nach  dem  Einlassen  beginnen,  die  Beobachtung  selbst  nach
einer  Stunde  abschließen  und  braucht  während  der  Bestimmungen  den  Gang  des  Kalorimeters ­
  nicht  zu  kontrollieren.
Nach  diesen  Vorbereitungen  beginnt  der  eigentliche  Versuch.  Die  ausgezogene  und  mit
einem  Glasmesser  leicht  eingeschuittene  Spitze  des  Deckels  wird  mittels  der  Hebelvorrichtung
        <pb n="90" />
        Untersuchung  der  Mineralböden.

67

abgebrochen.  Das  Wasser  dringt  in  das  evakuierte  Gläschen  und  die  infolge  der  Benetzung
auftretende  Wärme  bringt  Eis  zum  Schmelzen;  hierdurch  wird  weiter  das  Volumen  verringert
und  dementsprechend  Quecksilber  eingesaugt.  Wenn,  wie  vorstehend  angegeben,  gearbeitet
wird,  kann  nach  einer  Stunde  die  Beobachtung  abgebrochen,  die  Menge  eingesaugten  Quecksilbers ­
  entweder  durch  Ablesen  an  der  geeichten  Kapillare  oder  durch  Zurüokwägen  des  Quecksilberschälchens ­
  festgestellt  werden;  0,01544  g  eingesaugtes  Quecksilber  sind,  wie  schon  oben
gesagt,  gleich  1  kal.  (g-kal.).  Hiervon  ist  jedoch  noch  die  Arbeit  in  Abzug  zu  bringen,
welche  durch  den  Luftdruck  beim  Binströmen  des  Wassers  in  das  evakuierte  Gläschen
.  .  (76  —  x).  13,6.  v.  0,01544
geleistet  wird.  Die  hierauf  bezügliche  Korrektion  beträgt  42  400  '  worm  x

gleich  dem  in  cm  Quecksilber  ausgedrückten,  in  dem  evakuierten  Gläschen  herrschenden
Drucke  und  v  gleich  dem  in  dem  Gläschen  unausgefüllten  Volumen  (in  ccm)  ist.  x  wird  durch
ein  Queoksilbermanometer,  welches  an  der  zum  Evakuieren  benutzten  Glocke  angebracht
ist,  v  durch  Wägen  der  bei  der  Benetzung  einströmenden  Wassermenge  bestimmt.  Eür
die  meisten  Bälle  ist  eine  mittlere  Korrektion  =  0,00035  g  Quecksilber  für  1  ccm  für  die
Genauigkeit  der  Ergebnisse  ausreichend.
Aus  zahlreichen  Untersuchungen  gibt  Mitscherlich  folgende  Übersichtsergebnisso
für  die  Benetzungswärme  (g-kalorien  für  1  g  Boden):
Humusreiche

Sand

Sandboden

Lehmiger
Sandboden

Lehmboden
u,  humoser
Sandboden

Ertragreiche  Boden  und  ”  ^  s
t/.  .  ...  ,  m  Humus-  und
Kulturboden  strenge  Ten-  ,
,Tonboden
boden

unter  0,5  0,5—1,0  1,0—1,3  1,3—1,8  1,8—4,5  4,5—10  über  10  kal.
Die  Größe  der  Benetzungswärme  bezw.  Bodenoberfläche  steht  hiernach  ohne  Zweifel
in  einem  gewissen  Verhältnis  zur  Ertragsfähigkeit  des  Bodens;  aber  diese  Beziehungen  hören
von  einer  gewissen  untersten  bis  zu  einer  gewissen  obersten  Grenze  auf;  so  kann  die  Beuetzuugswärme
  des  strengen  Ton-  und  Humusbodens  nicht  mehr  als  günstig  angesehen  werden.
18.  Bestimmung  der  Hygroskopizität  der  Bodenarten  usw.  nach  H.  Eodewald
  und  A.  Mitscherlich. 1 )  Zu  denselben  Ergebnissen  wie  das  vorstehende  Verfahren ­
  führt  auch  die  Bestimmung  der  Hygroskopizität  des  Bodens.
Unter  „Hygroskopizität“  versteht  man  die  Wassermenge,  welche  der
Boden  enthält,  wenn  seine  Oberfläche  (d.  i.  die  Summe  der  Oberfläche  der  einzelnen
Bodenpartikelchen)  mit  einer  Molekülschicht  W r asser  bedeckt  ist,  bezogen  auf  hundert
Gewichtsteile  des  trocknen  Bodens.  Die  Hygroskopizität  ist  also  eine  der  Bodenoherfläche
  proportionale  Größe.  Die  Bodenoherfläche  selbst  ist  aber  eine  für  den
einzelnen  Boden  typische  und  gleichhleihende  Größe,  durch  welche  alle  landwirtschaftlich ­
  wichtigen  physikalischen  Eigenschaften  des  Bodens  mitbedingt  werden.
Zur  Bestimmung  der  Hygroskopizität  sind  zwei  Glasgefäße  nach  Art  der
Exsikkatoren  erforderlich,  welche  zweckmäßig  so,  wie  Eig.  14  und  15  S.  68  zeigen,
beschaffen  sein  sollen.
Figur  14,  S.  68.  a  ist  ein  gut  gekühltes,  annähernd  halbkugelförmiges  Glasgefäß,  dessen
oberer  Rand  plan  geschliffen  ist;  b  ist  ein  gewölbter,  am  Rande  plan  geschliffener  Messingdeckel, ­
  an  welchem  sich  eine  Tube  (c)  befindet,  durch  welche  die  Luft  aus  dem  Apparat
ausgepumpt  werden  kann.  Um  den  Apparat  zu  verschließen,  ist  an  der  Tube  ein  dickwandiger ­
  Schlauch  (d)  aus  Gummi  von  „bester  Dampfqualität“  mit  Fett  aufgesetzt,  welcher
nach  dem  Auspumpen  der  Luft  aus  dem  Gefäße  mit  einem  Glasstopfen  verschlossen  wird.
Die  Dichtung  zwischen  Deckel  und  Gefäß  geschieht  derart,  daß  beide  Teile  an  den  abgesohliffenen
  Rändern  schwach  eingefettet  werden  und  dann  dazwischen  ein  etwa  0,8  mm
starker  und  etwa  1  cm  breiter  Ring  aus  Paragummi  (Pig.  14  e)  gelegt  wird.  Dies  ist
erforderlich,  da  der  Vakuumexsikkator  in  strömenden  Dampf  gebracht  werden  soll,  ohne
daß  dabei  das  Vakuum  verloren  geht.  Der  Boden  des  Gefäßes  wird  mit  chemisch  reinem

i)  Von  den  Verfassern  selbst  mitgeteilt;  vergl.  auch  Landw.  Jahrbücher  1902,  31,
675  und  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  59,  433.
        <pb n="91" />
        68

Untersuchung:  von  Boden.

Plg.  14.
Gefäß  zum  Trocknen  des  Bodens  für  die  Bestimmung  der
Hygroskopizität  nach  Eodewald  und  Mitscherlich.

Phosphorpeutoxyd  (zu  beziehen  von  E.  Merk-Darmstadt)  (f)  beschickt.  Hier  hinein  kommt
ein  Glasdreifuß  (g)  und  auf  diesen  zunächst  eine  runde  Glasscheibe  (k)  von  dem  Durchmesser ­
  des  darüber  befindlichen  Glasschälchens  (h),  in  welchem  sich  der  zu  trocknende  Boden  (i)
befindet.  Die  Glasscheibe  dient  dazu,  etwaige  Stäubchen  von  Phosphorsäure  von  dem
Schälchen  (hi  fernzuhalten.  Das  Schälchen  selbst  ist  oben  am  Bande  eben  geschliffen,  so  daß
es  durch  eine  eben  geschliffene  Glasscheibe  bei  den  Wägungen  luftdicht  abgedeckt  werden  kann.
Figur  15.  aisteinzylmd
  drisches  Kandgefäß,  welches
mit  einer  einmal  durchbohrten,
unten  mattgeschliffenen  Spiegelscheibe ­
  (b)  versehen  ist.  Über
der  Durchbohrung  ist  ein  Glastubus ­
  (c)  aufgeschliffen  und  mit
Siegellack  aufgekittet.  Der
Tubus  läßt  sich  durch  einen
daran  befindlichen  Luftpumpenschlauch ­
  (d)  mittels  Quetschhahnesverschließen. ­
  Der  Exsikkator ­
  wird  mit  etwa  100  ccm
Schwefelsäure  (f)  von  10,0  °/ 0
H 2 S0 4 -Gehalt  beschickt.  In
diesen  kommt  ein  Glasdreifuß
(g),  an  dessen  einem  Fuße  das
Manometer  (e)  mit  Draht  befestigt ­
  ist.  Auf  diesen  Dreifuß
stellt  man  wiederum  die  flache
Glasschale  h  mit  dem  zu  untersuchenden ­
  Boden  i.
Das  Trocknungs  verfahr ­
  en  ist  folgendes:  Es  wird
zunächst  die  flache  Glasschale ­
  (h)  mit  dem  plangeschliffenen ­
  Deckel  gewogen.
Darauf  beschickt  man  sie
mit  etwa  30—50  g  lufttrocknem
  oder  besser  noch
trocknerem  Boden  (beimMoorhoden
  genügen  10—20  g)-Man
  stellt  die  Schale  mit
dem  Boden  in  den  mit
frischem  Phosphorpentoxyd
versehenen  Exsikkator  (Fig-14),
  evakuiert  diesen  mit  der
Wasserstrahlluftpumpe  und  stellt  oder  hängt  ihn  vier  Stunden  in  strömenden  W’asserdampf
  (100°).  Ein  Kochtopf  aus  Blech  mit  annähernd  schließendem  Deckel  eignet
sich  zur  Dampfentwickelung.  Der  Apparat  wird  dann  aus  dem  Dampftopf  herausgenommen, ­
  ahgetrocknet  und  ins  Wägezimmer  gestellt,  wo  er  wenigstens  2  Stunden
verbleiben  muß,  damit  die  Schale  mit  dem  Boden  die  Temperatur  der  Wage  annimmt. ­
  Darauf  läßt  man,  nachdem  man  sich  zuvor  von  dem  Vorhandensein  des
Vakuums  durch  Vorlegen  eines  Manometers  überzeugt  hat,  langsam  durch  Schwefelsäurewaschflaschen ­
  getrocknete  Luft  eintreten.  Ist  der  Apparat  mit  Luft  gefüllt,
so  öffnet  man  ihn  dadurch,  daß  man  den  Paragummiring  zwischen  Gefäß  und  Deckel
herauszieht.  Darauf  bedeckt  man  die  den  Boden  enthaltende  Schale  möglichst  schnell

Fig.  15.
Gefäß  zum  Wiedersättigen  des  getrockneten  Bodens  mit  Wasser
für  die  Bestimmung  der  Hygroskopizität  nach  Rodewald  und
Mitscherlich.
        <pb n="92" />
        Untersuchung  der  Miueralböden.

69

mit  einem  eben  geschliffenen  Glasdeckel,  nimmt  Schale  und  Deckel  mittels  einer
Zange  aus  dem  Exsikkator  und  bestimmt  durch  Wägung  die  zur  Untersuchung
herangezogene  Menge  an  trocknem  Boden.  Schale  mit  Boden  wird  dann  in  den
Apparat  (Big.  15)  gestellt,  und  zwar  über  eine  Schwefelsäure,  welche  ungefähr  10  °/ 0
H 2 S0 4  enthält.  Macht  man  mehrere  Versuche  hintereinander,  so  nimmt  man  zweckmäßig ­
  die  zum  vorhergehenden  Versuch  benutzte  Säure.  Der  Apparat  wird  evakuiert.
Nach  etwa  einem  Tage  ist  langsam  Luft  einzulassen  und  dann  die  Schwefelsäure
durch  100  ccm  einer  Säure  zu  ersetzen,  die  genau  10°/ 0  H^SO^ 1 )  enthält;  darauf
ist  der  Apparat  von  neuem  zu  evakuieren.  Derselbe  muß  noch  vier  Tage  stehen,
bis  sich  der  Dampfspannungsausgleich  vollzogen  hat.  Man  stellt  den  evakuierten
Apparat  (Fig.  15)  am  besten  in  einen  dunklen  Schrank  im  ungeheizten  Zimmer  auf,
um  so  Kondensationsfehler,  welche  durch  starke  Temperaturschwankungen  entstehen
können,  zu  vermeiden.  Nachdem  die  Dampfspannung  ausgeglichen  ist,  läßt  man
wiederum  langsam  Luft  in  den  Apparat,  und  zwar  am  besten  solche,  welche  vorher
durch  zwei  mit  ungefähr  zehnprozentiger  Schwefelsäure  beschickte  Waschflaschen
hindurchgegangen  war.  Nach  Öffnung  des  Apparates  bedeckt  man  die  Schale
möglichst  schnell  mit,  ihrem  Deckel  und  stellt  dann  das  Gewicht  von  Schale  +  dem
Boden  +  dem  aufgenommenen  Wasser  fest.
Es  werden  so  im  ganzen  drei  Wägungen  für  eine  Analyse  ausgeführt  und  zwar;
1.  Tara  (=  flache  Glasschale  mit  auf  geschliffenem  Deckel).
2.  Tara  +  trockner  Boden.
3.  Tara  -\-  trockner  Boden  +  hygroskopisches  Wasser.
Wägung  8  —  2  ergibt  die  aufgenommene  Wassermenge.  Diese  wird  mit  100
multipliziert  und  durch  das  Gewicht  des  trocknen  Bodens  (Wägung  2  —  1)  dividiert.
Das  Ergebnis  ist  die  „Hygroskopizität“  des  betreffenden  Bodens.
Nach  der  Hygroskopizität  lassen  sich  die  Bodenarten  in  derselben  Weise  beurteilen, ­
  wie  nach  der  Benetzungswärme;  zwischen  beiden  Größen  besteht  die  Beziehung: ­

- n -+- 1  =1.00  ±0,026, 2 )
w H
worin  r 0  die  höchste  Benetzungswärme,  i  die  Arbeit,  die  zum  Aufheben  der  Kohäsion
beim  Benetzen  erforderlich  ist,  und  wh  die  Hygroskopizität  bedeutet.
'  Die  Hygroskopizität  einiger  Bodenarten  betrug  z.  B.:

Qarzsand

Kohlensaurer ­


Sandboden ­


Sand-Lehm
 ­


LehmWiesen ­

 ­


Kaolin

Strenger
LehmMoor ­

 ­


Strenger
TonKalk ­



(Krume)

boden

boden

I.  Kl.

boden

boden

0,034

1,00

1,06

1,4-2,1

3,00

3,19

5,40

6,64

18,66

23,81

Anbauversuche 8 )  auf  verschiedenen  Bodenarten  ergaben,  daß  die  Erträge  im
Verhältnis  zur  gefundenen  Hygroskopizität  standen,  d.  h.  im  allgemeinen  mit  dieser
stiegen  und  fielen.  Indes  scheint  auch  hier  wie  bei  der  Benetzungswärme  eine  direkte
Proportionalität  zwischen  den  beiden  Größen  nicht  zu  bestehen.
J )  Bei  Anwendung  von  nur  Wasser  würden  Kondensationen  eintreten;  man  muß
daher  eine  Lösung  nehmen,  deren  Dampfspannung  um  etwas  geringer  ist  als  die  des
Wassers.  Die  mit  10%-iger  Schwefelsäure  bestimmte  Hygroskopizität  liefert  übereinstimmende ­
  Werte  für  die  Hygroskopizität,  welche  sich  aus  den  Benetzungsgleichungen
berechnen.
a 'l  Vergl.  Landw.  Jahrbücher  1901,  30,  402.
3 )  Ebenda  1903,  32,  773.
        <pb n="93" />
        70

Untersuchung  von  Boden.

V.  Zusammenstellung  der  Ergebnisse  der  Boden-Untersuchung.
Die  Berechmmgsweise  der  Untersuchungs-Ergebnisse  ist  vorstehend  S.  31,  33  u.
34  schon  hinreichend  auseinandergesetzt;  ebenso  ist  S.  18  die  Übersicht  mitgeteilt,
wie  Knop  nach  seinem  Verfahren  der  Boden-Untersuchung  die  Ergebnisse  zusammenstellt. ­

Es  erübrigt  hier,  zur  Erläuterung  die  Zusammenstellung  einer  ausführlichen
Boden-Untersuchung  nach  Behandlung  mit  verschiedenen  Säuren  zu  geben,  wie  wir
sie  z.  B.  für  einen  sandigen  Lehmboden  ausgeführt  haben.

Oberkrume

Untergrund

I.  Mechanische  Untersuchung:')

°/o

0/
Io

Mineralkörner  über  0,10  mm

2,45

5,75

„  von  0,00—0,10  mm

28,35

26,63

„  „  0,01-0,05  „

36,32

37,30

Mineralfeinerde  bis  zu  0,01  mm

32,88

30,32

II.  Chemische  Zusammensetzung:

Hygroskopisches  Wasser

2,19

1,74

Auf  wasserfreien  Boden  berechnet:

Chemisch  gebundenes  Wasser

2,421

1,765

Humus  •  ■  -

1,945

0,319

Stickstoff

0,196

—

Ammoniak

0,0094

—

Salpetersäure

0,0038

—

Chlor

0,0072

0,0045

GesamUGlühverlust

4,366

A.  In  Salzsäure  lösliche  Bestandteile:

Kieselsäure

0,210

0,130

Phosphorsäure

0,134

0.041

Schwefelsäure

0,051

0.027

Eisenoxydul

0,199

0,094

Eisenoxyd

2,975

2,696

Tonerde

0,954

0,897

Kalk  0,574

0,792

oder  kohlensaures  Calcium

1,025

1,413

Magnesia  0,207

0,187

oder  kohlensaures  Magnesium

0,434

0,393

Kali

0,123

0,098

Natron

0,051

0,038

Gesamtmenge

6,156

B.  Durch  Schwefelsäure  aufgeschlossen:

Kieselsäure

10,856

9,444

Tonerde  (-f-  Eisenoxyd)

4,855

4,654

Kalk

0.214

0,201

Magnesia

0,220

0,221

Kali

0,377

0,457

Natron

0,262

0,671

Gesamtmenge  (als  Ton)

16,784

0  Nach  dem  Schöneschen  Verfahren  ausgeführt.
        <pb n="94" />
        71

Untersuchung  der  Mineralböden.

Oberkrume

C.  Durch  Plußaäure  aufgeschlossen:  °/ 0
Tonerde  1,666
Kalk  0,097
Kali  0,416
Natron  0,282

Daraus  berechnet  sich;
Kalifeldspat.
Natronfeldspat
Quarzsand
Gesamtmenge

III.  Wasserkapazität  31,36
IV.  Absorptions-Koeffizient  nach  Knop  45,02

Untergrund
°/o
0,829
0,179
0,439
0,349

2,457  2,599
2,385  2,962
67,862  71,090
100,000  1ÖÖ.00Ö
26,97
43,05

VI.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens
nach  den  Ergebnissen  der  Untersuchung.
Für  die  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens  kann  nie  der  eine  oder  andere  Bestandteil, ­
  das  eine  oder  andere  Verhalten  allein  maßgebend  sein;  weder  der  Gehalt  an  Nährstoffen ­
  in  der  günstigsten  Löslichkeitsform,  noch  einzelne  günstige  physikalische  Eigenschaften ­
  bedingen  die  Güte  eines  Bodens;  es  kommen  für  den  Boden  als  Nährstoffquelle  der
Pflanzenwurzeln  eine  Anzahl  von  Umständen  in  Betracht,  welche  uns  noch  vielfach  ganz
unbekannt  sind,  oder  für  deren  günstigste  und  ungünstigste  Grenze  wir  noch  keine  festen
Anhaltspunkte  besitzen.  Auch  kann  das  eine  günstige-  Verhalten  durch  ein  anderes  ungünstiges ­
  herabgemindert  werden.  Dann  auch  entscheiden  die  chemischen  und  physikalischen
Eigenschaften  der  oberen  Bodennährschioht  an  sich  selbst  allein  nicht;  es  sind  auch  in  hervorragender ­
  Weise  die  Untergrundverhältnisse,  besonders  die  Grundwasserverhältnisse  mit  zu
berücksichtigen.  Ein  Boden,  dessen  obere  Schicht  sich  in  chemischer  und  physikalischer
Hinsicht  sehr  günstig  verhält,  kann  doch  vielleicht  für  landwirtschaftliche  Anbauzwecke
nicht  den  Erwartungen  entsprechen,  weil  z.  B.  die  Grundwasserverhältnisse  ungünstig  sind,
weil  er  an  stauender  Nässe  leidet  usw.
Inwieweit  einige  besondere  Bestandteile  einen  an  sich  guten  Boden  unfruchtbar
machen  können,  ist  schon  vorstehend  auseinandergesetzt;  so  wird  ein  Boden  bei  einem
höheren  Gehalt  an  Chloriden,  z.  B.  bei  0,1—0,25  °/ 0  Kochsalz,  bei  einem  gewissen  Gehalt
an  Schwefel  eisen,  Eisen-und  Zinkvitriol  unfruchtbar;  auch  leicht  lösliche  Magnesiumsalze ­
  sind,  ja  selbst  Magnesiumkarbonat  in  großer  Menge  ist  schädlich,  wenn  dessen  Menge
diejenige  des  gleichzeitig  vorhandenen  Calciumkarbonats  überwiegt,  während  bei  größerem
Gehalt  des  Bodens  an  letzterem  auch  der  Gehalt  an  ersterem  bedeutend  gesteigert  werden  kann.
Die  meist  große  Unfruchtbarkeit  der  Serpentinböden  muß  wohl  auch  auf  den
schädlichen  Einfluß  der  leicht  zersetzbaren  und  wasserhaltigen  Silikate  des  Magnesiums
zurückgeführt  werden,  besonders  wenn  der  Boden  sehr  arm  an  Kalk  ist  und  so  ein  für  die
gedeihliche  Entwickelung  der  Pflanze  ungünstiges  Verhältnis  zwischen  Kalk  und  Magnesia
im  Boden  entsteht.  0.  Loew’)  hat  nämlich  gefunden,  daß  die  einzelnen  Pflanzen  Kalk
und  Magnesia  in  einem  verschiedenen  Verhältnis  zur  vollsten  Entwickelung  notwendig
haben,  nämlich  CaO;  MgO  wie  3:1,  2:1,  1:1  usw.  Niemals  aber  soll  der  Gehalt  an
Magnesia  höher  sein  als  der  an  Kalk,  oder  der  Kalkfaktor,  d.  h,  -—je,  soll  niemals  unter
’  MgO  ’
eine  gewisse  Grenze  (1)  heruntergehen.  Versuche  an  der  Versuchs-Station  Marburg 2 )  u.  a.
aber  haben  in  Wasserkulturen  auch  noch  bei  einem  Verhältnis  von  CaO  ;  MgO  wie  0,4  :1,0
ein  höchstes  Erntegewicht  ergeben  und  auch  bei  Böden  konnten  die  Ergebnisse  von  0.  Loew
nicht  bestätigt  werden,  sondern  wurde  gefunden,  daß  zur  Erzielung  höchster  Erträge  Kalk
und  Magnesia  nur  in  genügend  absoluter  Menge  vorhanden  sein  müssen;  es  bedarf  daher
die  Ansicht  0.  Loews  noch  einer  weiteren  Prüfung.
x )  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  41,  474  u.  Landw.  Jahrbücher  1902,  31,  661.
a )  Vergl,  Fr.  Gössel,  Chem.-Ztg.  1903,  27,  962.
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        72

Untersuchung  von  Boden.

Manchmal  finden  sich  Böden,  welche  bei  großer  Feinheit  des  Korns,  beträchtlicher
Tiefe  und  anscheinend  günstiger  physikalischer  Beschaffenheit  dennoch  trotz  kräftiger
Düngung  nur  sehr  geringe  Ernteerträge  liefern.  Das  ist  z.  B.  der  Fall  bei  einem  Boden,
welcher  fast  ausschließlich  aus  feinem  Quarzsand  und  feinpulverigem  Humus  unter
reichlich  beigemengten  kleinen  Muschelschalen  oder  kohlensaurem  Calcium  besteht.  Ein
ähnliches  Verhalten  der  Unfruchtbarkeit  zeigt  sich  bei  dem  sogenannten  Moorkalk,  einer
überaus  lockeren  und  feinkörnigen  Masse,  welche  fast  ausschließlich  aus  kohlensaurem
Calcium  oder  aus  einem  Gemenge  desselben  mit  feinem  Qnarzsande  gebildet  ist.
Solche  und  andere  Verhältnisse  sind  daher  in  erster  Linie  mit  zu  berücksichtigen,
um  in  der  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens  nicht  fehl  zu  gehen.  Geschieht  dieses  und
wird  ein  Boden,  wie  vorstehend  beschrieben  ist,  nach  den  verschiedensten  Richtungen  geprüft, ­
  wird  derselbe  also  nicht  allein  auf  die  chemische  Zusammensetzung,  sondern  auch  auf
die  mechanische  Beschaffenheit  und  die  wichtigsten  physikalischen  Eigenschaften  untersucht,
so  kann  die  Untersuchung  des  Bodens,  so  lückenhaft  sie  auch  noch  in  mancher  Hinsicht  sein
mag,  doch  vielfach  recht  wichtige  Anhaltspunkte  einerseits  für  die  Bonitierung,  andererseits ­
  für  die  größere  oder  geringere  Fruchtbarkeit  bezw.  für  die  anzuwendende
Düngung  und  Bearbeitung  geben.
Hier  muß  besonders  auf  die  wertvollen  Untersuchungen  von  G.  Thoms  ')  hingewieseu
werden,  welche  erkennen  lassen,  daß  nicht  die  Menge  der  leicht  löslichen  Nährstoffe  entscheidend ­
  ist,  daß  vielmehr  ausgesprochene  Beziehungen  zwischen  der  Krumentiefe  und  dem
Gesamt-Gehalte  der  Ackererde  an  den  unentbehrlichsten  Pfianzennährstoffen  Stickstoff,
Phosphorsäure,  Kali,  Kalk,  Magnesia  zu  der  Fruchtbarkeit  des  Bodens  vorhanden  sind.
Eine  vollständige  Boden-Dntersuchung  nach  den  verschiedensten  Richtungen  ist  aber
eine  außerordentlich  langwierige  Arbeit;  es  ist  daher  von  jeher  dahin  gestrebt  worden,  durch
einige  wenige  wesentliche'  Bestimmungen  rasch  Aufschluß  über  die  Güte  eines
Bodens  zu  erhalten;  es  mögen  hier  diejenigen  Bestimmungen  und  Eigenschaften,  welche
für  die  Beurteilung  eines  Bodens  bis  jetzt  als  besonders  wichtig  und  entscheidend  angesehen
werden,  noch  Erwähnung  finden.
Zu  den  wichtigsten  Eigenschaften  dieser  Art  werden  gerechnet:
1.  Das  Verhalten  des  Bodens  gegen  Ammoniak  bezw.  das  Absorptionsvermögen  für
Ammoniak  nach  dem  Verfahren  von  Knop,  S.  49.  Es  wird  Ammoniak  gewählt,  weil
die  Absorption  desselben  vorzugsweise  rasch  und  leicht  ermittelt  werden  kann;  auch  verhält ­
  sich  die  Absorption  des  Kalis  im  wesentlichen  der  des  Ammoniaks  gleich.
Die  Absorptions-Koeffizienten  Knops  schwanken  von  0—134.  Die  Höhe  der  Absorption ­
  richtet  sich  in  erster  Linie  nach  dem  Gehalt  des  Bodens  an  wasserhaltigen  Silikaten ­
  (zeolithartigen  Verbindungen  und  feinem,  leicht  aufschließbarem  Ton);  sie  ist  aber
eine  besonders  große,  wenn  gleichzeitig  Sesquioxydhydrate  vorhanden  sind,  während  letztere
für  sich  allein  nur  wenig  adsorbieren.  Diese  beiden  Gruppen  lassen  sich  nicht  einzeln
bestimmen,  aber  über  die  Summe  beider  erhält  man  Kenntnis  durch  die  Bestimmung  der
aufgeschlossenen  Basen,  zum  Teil  auch  durch  die  Bestimmung  des  chemisch  gebundenen
Wassers.  Karbonate  der  alkalischen  Erden  und  Gips  adsorbieren  kein  Ammoniak,  auch
nicht  die  wasserfreien  Silikate  oder  Silikatgesteine,  wenn  diese  ganz  unverwittert  und  von
dichtem  Korn  sind,  wohl  aber  bei  erdartig  weicher  und  poröser  Beschaffenheit  und  alsdann ­
  wiederum  die  „basischen“  (pyroxenischen,  wie  Basalt  und  Basalttuff)  mehr  als  die
„sauren“  Silikatgesteine  (trachytischen,  wie  die  Feldspate  usw.).  Es  ist  daher  auch  auf
das  Verhältnis  der  Kieselsäure  zu  den  Sesquioxyden  und  Monoxyden  in  der  Gesamtmenge
der  Silikate  zu  achten.  Im  allgemeinen  wird  um  so  mehr  Ammoniak  adsorbiert,  je  mehr
der  Boden  im  verwitterten  Zustande  sich  befindet,  und  für  den  Grad  seiner  Verwitterung
hat  man  in  der  Menge  der  aufgeschlossenen  Basen  einen  relativen  Maßstab.  Beides  aber
ist  auch  für  die  Beurteilung  der  Güte  und  Fruchtbarkeit  des  Bodens  von  großem  Wert.
Es  gibt  von  dieser  Regel  jedoch  auch  Ausnahmen;  so  beträgt  z.  B.  bei  Lößmergeln
in  Sachsen  die  Adsorption  nur  25  bei  einem  Gehalt  von  nur  8,06  %  aufgeschlossenen  Basen

i)  G.  Thoms,  Zur  Wertschätzung  der  Ackererde.  Mitt.  I,  Riga  1888;  Mitt.  II,
Dorpat  1892;  Mitt.  III,  Riga  1900.  Journal  f.  Landwirtschaft  1894,  42,  1.
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        Untersuchung  der  Mineralböden.

73

und  9,71  °/ 0  Silikatbasen,  und  doch  gehören  diese  Böden  zu  den  fruchtbarsten,  weil  sie
eine  gleichförmig  lockere,  dabei  eigentümlich  feine  Beschaffenheit,  sowie  in  der  natürlichen
Lage  eine  große  Tiefe  besitzen.
2.  Der  Gehalt  des  Bodens  an  Humus  und  dessen  Beschaffenheit.  Der  Humus
bedingt  die  günstigsten  Eigenschaften  der  Wasser-  und  Wärmeregelung  des  Bodens  und
ist  ferner  eine  anhaltende  Quelle  für  die  Stickstoffernährung  der  Pflanzen;  gute  Kulturboden ­
  enthalten  3—5°/o  Humus;  je  enger  im  allgemeinen  das  Verhältnis  von  organisch
gebundenem  Stickstoff  zum  Kohlenstoff  ist,  um  so  günstiger  verhält  sich  die  Fruchtbarkeit
des  Bodens;  eine  saure  Beschaffenheit  des  Humus  ist  unter  allen  Umständen  ungünstig  für
die  Kultur  eines  Bodens.  Vergl.  S.  35.
3.  Der  Gehalt  an  kohlensauren  Erden.  Die  kohlensauren  Salze  von  Kalk  und
Magnesia  üben  eine  günstige  Wirkung  auf  die  physikalische  Beschaffenheit  des  Bodens
und  auf  die  Zersetzungsvorgänge  in  demselben  aus.  Wenn  Boden  an  Salzsäure  nur
—0,2  °/ 0  Kalk  und  an  kohlensäurehaltiges  Wasser  nur  sehr  wenig  Kalk  abgeben,  so
kann  man  daraus  schließen,  daß  eine  Zufuhr  von  Kalk  oder  Mergel  eine  günstige  Wirkung
ausüben  wird.  (Über  das  günstigste  Verhältnis  von  Kalk:  Magnesia  vergl.  vorstehend  S.  71.)
Nach  Knop  kann  man  Tonböden  mit  einem  Gehalt  von  16—20°/ 0  an  Sesquioxyden,
2—3°/ 0  an  Monoxyden,  3—5°/ 0  an  kohlensaurem  Calcium,  0,5—1,5°/ 0  an  kohlensaurem
Magnesium,  8—20  %  an  aufgeschlossenen  Silikatbasen  und  mit  einer  Absorption  von  60
bis  100  an  Ammoniak  unter  allen  Umständen  als  Böden  erster  Klasse  und,  wenn  sie
noch  3—5°/ 0  Humus  enthalten,  auch  als  Kulturboden  erster  Klasse  bezeichnen.
4.  Der  Gehalt  an  Stickstoff,  Phosphorsäure  und  Kali.  Gerade  bei  diesen
drei  wichtigsten  Pflanzennährstoffen  gibt  uns  bis  jetzt  die  chemische  Untersuchung  noch
am  wenigsten  Aufschluß  darüber,  wieviel  davon  in  einer  für  die  Pflanzen  leicht  aufnehmbaren
  Form  vorhanden  ist.  Nur  für  das  Kali  besitzen  wir  in  der  allmählichen  Behandlung ­
  des  Bodens  mit  kohlensäurehaltigem  Wasser,  mit  kalter  und  heißer  Salzsäure
ein  Mittel,  uns  einigermaßen  über  den  Grad  der  Löslichkeit  des  Kalis  Rechenschaft  zu
geben.  E.  Wolff  fand  bei  Untersuchung  verschiedener  Böden,  daß  durch  kalte  konzentrierte ­
  Salzsäure  0,0148—0,1489°/ 0  Kali  oder  0,8—9,6%  des  Gesamt-Kalis,  durch  heiße
konzentrierte  Salzsäure  0,0490—0,787%  oder  2,6—32,3%  vom  Gesamt-Kali  gelöst  wurden.
Nach  E.  Wolff  ist  für  die  Beurteilung  der  Löslichkeit  des  Kalis  vorwiegend  das  Verhältnis
von  Kali  zu  der  gleichzeitig  in  Lösung  gegangenen  Tonerde  von  Belang;  denn  die
tonige  Substanz  ist  gleichsam  der  Träger  und  das  Bindemittel  für  das  Kali,  und  dieses
wird  um  so  leichter  für  die  Pflanzen  zugänglich,  je  mehr  der  Ton  mit  Kali  beladen
ist.  Je  enger  also  das  Verhältnis  vom  Kali  zu  der  in  der  gleichen  Lösung  enthaltenen
Tonerde  sich  gestaltet,  um  so  günstiger  verhält  sich  die  Löslichkeit  des  Kalis.  Im  allgemeinen ­
  schwankt  das  Verhältnis  von  Kali  zur  Tonerde  in  den  Lösungen  mit  heißer
Salzsäure  und  Schwefelsäure  wie  1:3  bis  über  1:20  und  beträgt  im  Mittel  1;  10.
E.  W.  Hilgard 1 )  glaubt,  daß  man  in  der  Bestimmung  des  Stickstoffgehaltes  des
Bodenhumus  (Matiere  noire  Grandeaus  —  vergl.  S.  77)  ein  Mittel  besitzt,  um  das  Stickstoffbedürfnis ­
  eines  Bodens  zu  bestimmen;  darnach  wird  sich  bei  2%  Humusstickstoff  stets
Stickstoffhunger  im  Boden  zeigen,  mag  auch  der  Gesamtstiokstoff  des  Bodens  außergewöhnlich
hoch  sein.  Ein  Gehalt  von  3  %  Humusstickstoff  schließt  bei  genügendem  Kalkgehalt  schon
Stickstoffhunger  aus  und  bei  6%  lohnt  sich  die  Stiokstoffdüngung  überhaupt  nicht  mehr.
Ad.  Mayer  hält  Böden,  welche  unter  0,07%  in  Säuren  lösliche  Phosphorsäure,  unter
0,2  %  Kali,  0,1  %  Kalk  und  unter  0,1  %  Stickstoff  enthalten,  nicht  mehr  für  den  Rübenbau
geeignet.  Dann  haben  B.  Risler  und  E.  Colomb-Pradel 2 )  auf  Grund  zahlreicher  Boden-Untersuchungen
  noch  bestimmtere  Regeln  für  die  Beurteilung  des  Düngebedtirfnisses
eines  Bodens  je  nach  seinem  Gehalt  an  Stickstoff,  Phosphorsäure  und  Kali
aufgestellt.  Sie  fordern,  daß  ein  Boden  —  nicht  die  Peinerde,  sondern  der  natürliche
Boden  —  mindestens  je  1  für  1000  oder  je  0,1%  Stickstoff,  Phosphorsäure
J )  Deutsche  Landw.  Presse  1895,  490.
2 )  Vergl.  Em.  v.  Proskowetz,  Inwieweit  vermag  die  chemische  Bodenuntersuchung
zur  Bestimmung  des  Düugebedürfnisses  des  Bodens  beizutragen?  Wien  1888.
        <pb n="97" />
        74

Untersuchung  von  Boden.

und  Kali  —  letztere  löslich  in  Salpetersäure  —  enthalten  soll.  Enthält  ein  Boden
nur  0,1  °/o  Stickstoff,  sosoll  man  für  eine  Weizenernte  etwa  %— 1 / 2  des  in  einer
starken  Weizenernte  enthaltenen  Stickstoffs,  also  ungefähr  31—46  kg  für  1  ha  durch
Düngung  zufügen;  enthält  der  Boden  weniger  als  0,1  °/ 0  Stickstoff,  so  muß  die  Stickstoffgabe ­
  entsprechend  auf  46  —  92  kg  für  1  ha  erhöht  werden,  während  bei  einem  Gehalt
von  weniger  als  0,05  %  Vorrats-Stickstoff  eine  Stickstoffdüngung  keine  lohnenden  Weizenernten ­
  mehr  liefert  und  der  Boden  für  forstliche  Anbauzwecke  verwendet  werden  soll.
Bei  einem  Gehalt  von  0,1  °/ 0  Phosphorsäure  empfiehlt  Joulie  etwa  37  kg  Phosphorsäure ­
  für  1  ha  zuzuführen,  hei  einem  Gehalt  von  0,125  %  nur  28  kg,  bei  einem
solchen  von  0,05  %  dagegen  66  kg.  Enthält  ein  Boden  0,1  %  in  Salpetersäure  lösliches
Kali,  so  genügen  meistens  die  im  Stallmist  oder  sonstwie  zugeführten  Kalimengen,
nämlich  50—60  kg  für  Weizen  oder  70—80  kg  für  andere  Früchte;  weist  der  Boden  dagegen
einen  geringeren  Bestand  als  0,1  %  in  Salpetersäure  lösliches  Kali  auf,  so  sollen  auch  noch
Kalisalze  zugeführt  werden.
Nach  Liebscher 1 )  deutet  ein  Kaligehalt  von  0,16  °/ 0  oder  weniger  auf  ein  starkes
Kalibedürfnis  des  Bodens,  ein  Kaligehalt  von  0,2—0,4  oder  vielleicht  bis  0,5  °/ 0  auf  ein
mittleres  Kalibedürfnis  hin;  ein  Kaligehalt  von  0,5  °/ 0  ist  als  hoch  zu  betrachten  und  läßt
eine  Kalidüngung  nicht  als  lohnend  erscheinen.  Bei  der  Phosphorsäure  kommt  es
mehr  auf  die  Löslichkeit  als  auf  den  absoluten  Gehalt  im  Boden  an.  Ein  Gehalt  von
0,07  °/ 0  oder  weniger  ist  als  gering  zu  bezeichnen,  0,07—0,086°/ 0  als  mittelmäßig;
0,085—0,100  °/ 0  Phosphorsäure  kann  als  befriedigend  und  0,1—0,2  %  als  gut  bezeichnet
werden.  Die  Löslichkeit  der  Phosphorsäure  würde  als  sehr  günstig  zu  bezeichnen  sein,
wenn  auf  1  Teil  Phosphorsäure  weniger  als  40  Teile  Eisenoxyd  und  Tonerde  kommen,  als
günstig  bei  einem  Verhältnis  von  1:40—60  und  als  wenig  günstig  bei  einem  solchen  von
1:  60—90  und  als  sehr  ungünstig  bei  einem  solchen  von  1  zu  über  90.
Die  Versuchsergebnisse  von  0.  Lemmermann *  2 )  gehen  dahin,  daß  in  einem  Boden,
welcher  0,2351  %  und  weniger  in  10  °/ 0 -  bezw.  16  %-iger  Salzsäure  lösliches  Kali  enthält,  für
Roggen  und  Weizen  eine  Kalidüngung  angebracht  ist,  daß  für  Hafer  eine  solche  hei
0,2424  %  Kali  und  mehr  nicht  am  Platze  ist.
B.  Dyer 3 )  geht  von  der  Azidität  des  Wurzelsaftes  aus;  derselbe  hat  die
Azidität  der  Wurzeln  von  etwa  100  aus  20  verschiedenen  Klassen  des  natürlichen  Systems
ausgewählten  Pflanzen  bestimmt  und  glaubt  hierfür  in  der  1  °/ 0 -igen  Z  i  t  r  o  n  e  n  s  ä  u  r  e  einen  Ausdruck ­
  gefunden  zu  haben;  er  kommt  zu  dem  Schlüsse,  daß  ein  Boden  mit  nur  0,01  %  in  1  %il? er
Zitronensäure  löslicher  Phosphorsäure  ein  Bedürfnis  nach  Phosphorsäure  und  bei  0,005  °/o
in  1  °/ 0 -iger  Zitronensäure  löslichem  Kali  ein  solches  nach  Kali  hat.  B.  Dyer  hat  die
Zitronensäurelösung  7  Tage  lang  auf  den  Boden  einwirken  lassen  und  während  dieser  Zeit
400-mal  umgeschüttelt.  Nach  Versuchen  von  G.  Berju 4  * )  wird  es  zur  Bestimmung  des  in
1  %-iger  Zitronensäure  löslichen  Kalkes  und  Kalis  für  praktische  Zwecke  wohl  stets  und
für  die  Phosphorsäure  in  den  meisten  Fällen  genügen,  den  Boden  mit  dieser  Lösung  im
Wagner  sehen  Rotierapparat  6  Stunden  hindurch  und  am  folgenden  Tage  wieder  2  Stunden
zu  schütteln;  durch  ein  8-stündiges  Schütteln  hintereinander  würde  nicht  dieselbe  Lösungswirkung ­
  erreicht  werden.
Auf  die  Arbeiten  von  M.  Gerlach, 6 )  welcher  schon  früher  wie  B.  Dyer  auf  die
1  %-  bezw.  2%-ige  Zitronensäurelösung  als  Lösungsmittel  für  die  Bodenphosphorsäure ­
  hingewiesen  hat,  und  auf  die  Veröffentlichungen  Emmerlings 6 )  über  die  verschiedenen
Formen  der  Phosphorsäure  im  Boden  und  deren  Bestimmung  sei  hier  nur  verwiesen.
Bogdanow 7 )  schlägt  für  die  Bestimmung  der  verschiedenen  Pflanzennährstoff 6
vor:  Zur  Bestimmung  des  aufnehmbaren  Stickstoffs  den  Boden  in  einem  Thermostaten
7 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1895,  43,  49.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1898,  49,  287.
3 )  Centralbl.  f.  Agrikultur-Chemie  1894,  23,  799.
4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  55,  19.
6 )  Ebenda  1896,  40,  202.
6 )  Ebenda  1899,  52.  60.
7 )  Exper.  Stat.  Reo.  1901,  12,  325.
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        75

Untersuchung  der  Mineralböden.

48  Stunden  lang  auf  30°  zu  erwärmen  und  alsdann  den  Ammoniak-  und  Salpetersäuregehalt ­
  des  Bodens  zu  bestimmen;  zur  Bestimmung  der  bodenlösliohen  Phosphorsäure ­
  den  Boden  29  Stunden  lang  mit  der  4-fachen  Menge  einer  2°/ 0 -igen  wässerigen
Essigsäurelösung  zu  behandeln;  die  übrigen  in  Betracht  kommenden  Nährstoffe  in  der
wässerigen  Lösung,  die  durch  48-stündiges  Schütteln  von  1  Teil  Boden  mit  100  Teilen
Wasser  erhalten  wird,  zu  bestimmen.  K.  K.  Gedroiz 1 )  konnte  aber  weder  durch  Anwendung ­
  einer  2  °/ n -igen  Essigsäure  noch  einer  2  °/ 0 -igen  Zitronensäure  eine  stetige  Beziehung ­
  zwischen  dem  Gehalt  des  Bodens  an  löslicher  Phosphorsäure  und  der  von  den
Pflanzen  wirklich  aufgenommenen  Menge  Phosphorsäure  finden.
Wir  haben  gefunden,  daß  von  den  in  2  °/ 0 -iger  Zitronensäure  löslichen  Menge  Bodennährstoffen ­
  nur  ein  mehr  oder  weniger  geringer  Anteil  von  den  Pflanzen  aufgenommen
wird,  daß  dieser  Prozentanteil  naturgemäß  bei  den  einzelnen  Kulturpflanzen  wie  auch
einzelnen  Böden  verschieden  ist.  So  wurden  in  Prozenten  der  in  2  °/ 0 -iger  Zitronensäure
löslichen  Bodennährstoffe  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen  von  den  Pflanzen  aufgenommen:

Nährstoffe  löslich  in
2  °/ 0 -iger  Zitronensäure
Kali
Kalk
Phosphorsäure.  .  .

Künstliches  Bodeugemlsoh
mit  adsorptlv  gebundenen
Nährstoffen
Hillsenfrüchte  Gerste
30,73  o/ 0  33,88  °/ 0
0,54  „  0,14  „
3,80  „  4,31  „

Sandboden
Gerste
16,90  o/ 0
1,36  „
3,27  „

Lehmiger
Sandboden
Gerste
26,37  o/ 0
1,38  „
4,19  „

Lehmboden
Gerste
25.56  %.
0,79  „
4,82  „

Wenn  somit  die  Menge  der  in  2  °/ 0 -iger  Zitronensäure  löslichen  Bodennährstoffe  auch
bei  weitem  größer  ist  als  die  von  den  Pflanzen  wirklich  aufgenommene  Menge  Nährstoffe,
so  würde  die  Anwendung  einer  2  °/ 0 -igen  Zitronensäure  doch  dazu  dienen  können,  die  Menge
der  in  einem  Boden  vorhandenen  aufnebmbaren  Nährstoffe  zu  berechnen,  wenn  die  Menge
der  wirklich  durch  die  Pflanzen  aufgenommenen  Nährstoffe  in  Prozenten  der  durch  das
Lösungsmittel,  gelösten  Nährstoffe  für  die  einzelnen  Kulturpflanzen  wie  Bodenarten  eine
annähernd  gleiche  wäre.  Darüber  müssen  noch  weitere  Versuche  entscheiden.
Hall  und  Plymen 2 )  haben  zur  Bestimmung  der  unmittelbar  wirksamen  Pflanzennährstoffe ­
  im  Boden  die  Löslichkeit  des  Kalis  und  der  Phosphorsäure  in  l°/ 0 -iger
Zitronensäure,  in  äquivalenten  Lösungen  von  Salzsäure  und  Essigsäure,  in  einer
gesättigten  wässerigen  Kohlensäurelösung  und  in  ammoniakalischer  Ammonzitratlösung ­
  geprüft.  Die  Löslichkeit  von  Kali  und  Phosphorsäure  war  in  den  verschiedenen
Lösungsmitteln  nicht  dieselbe;  sie  war  am  geringsten  in  dem  kohlensäurehaltigen  Wasser.
Die  l°/ 0 -ige  Zitronensäure  lieferte  mit  der  Erfahrung  am  besten  übereinstimmende  Ergebnisse,
obgleich  sich  auch  hierbei  Abweichungen  feststellen  ließen.  H.  Seyder 8 )  findet,  daß  weder
die  Ausziehung  mit  Zitronensäure  nach  Dy  er  noch  diejenige  mit  1 / s  Normal-Salzsäure  nach
Goß  befriedigende  Ergebnisse  liefert,  besonders  nicht,  wenn  die  Nährstoffe  zumeist  in
organischen  Verbindungen  vorhanden  sind.
W.  Maxwell 4 )  sieht  in  den  einfachen  Kohlenstoffsäuren  und  Amidosäuren,
Reverlin  und  de  la  Harpe 6 )  sehen  in  der  Oxalsäure  Lösungsmittel  zur  annähernden
Feststellung  der  wahrscheinlich  aufnebmbaren  Pflanzennährstoffe  im  Boden,  da  diese  Säuren
den  in  der  Natur  stattfindenden  Vorgängen  ähnlich  wirken.
Th.  Schlößing 6 )  hat  Boden  sehr  oft  mit  Wasser  geschüttelt  und  in  der  wässerigen
Lösung  die  Phosphorsäure  bestimmt;  er  findet  so  in  300  g  von  3  verschiedenen  Bodenarten
33,  16  bezw.  10  mg  lösliche  Phosphorsäure  und  stellt  fest,  daß  diese  Menge  unter  Berücksichtigung ­
  der  aus  den  Wurzeln  und  Stoppelresten,  sowie  aus  dem  bodenbildenden  Gestein

x )  Nach  Journ.  f.  exper.  Landwirtschaft  1903,  4,  432  in  Centralbl.  f.  Agrikultur-Chemie
  1904,  33,  146.
2 )  Proceedings  Chem.  Soc.  17,  239  und  Centralbl.  f.  Agrik.-Chem.  1902,  31,  298.
3 )  Minnesota  Agrio.  Exper.  Stat.  Rep.  1900,  67.
4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1898,  50,  331.
6 )  Vergl.  Lemmermann,  Landw.  Versuchs-Stationen  1898,  49,  287.
6 )  Compt.  rend.  127,  236,  327.
        <pb n="99" />
        76

Untersuchung  von  Boden.

im  Boden  gelösten  Phosphorsäure  für  viele  Jahre  ausreicht.  Ferner  hat  Th.  Schlößing
noch  0,01  und  0,1  °/ 0 -ige  Salpetersäure  als  Lösungsmittel  benutzt.  Sigmund 1 )  wendet
ebenfalls  Lösungen  von  0,1—0,2  °/ 0 -igem  Salpetersäureanhydrid  (N a 0 6 )  an  und  glaubt  auf
Grund  von  gleichzeitigen  Anhauversuchen  schließen  zu  dürfen,  daß  calciumkarbonatreiche
Böden  ein  Bedürfnis  nach  Phosphorsäure  haben,  wenn  sie  weniger  als  0,04  °/ 0 ,  caloiumkarbonatarme
  Böden  dagegen  ein  Bedürfnis  nach  Phosphorsäure  haben,  wenn  sie  weniger
als  0,025°/ 0  in  obiger  Salpetersäure  lösliche  Phosphorsäure  enthalten.  B.  Sjollema *  2 )
kommt  indes  zu  dem  Schluß,  daß  alle  diese  Verfahren,  hei  denen  der  Boden  mit  einer
schwachen  Säure  oder  einem  Salz  behandelt  wird,  in  chemischem  Sinne  eine  wissenschaftliche
Grundlage  nicht  besitzen.  Das  ist  gewiß  richtig  und  ist  auch  wohl  von  keiner  Seite  behauptet
worden;  wir  haben  es  im  Boden  nicht  mit  rein  chemischen,  sondern  mit  chemischphysiologischen ­
  Vorgängen  zu  tun,  und  diese  letzteren  lassen  sich  kaum  in  eine  chemische
Eeaktionsformel  bringen.  Ich  führe  die  verschiedenen  Versuchsergehnisse  hier  nur  an,  um
zu  zeigen,  daß  es  doch  nicht  unmöglich  erscheint,  auf  dem  einen  oder  anderen  Wege  zu
für  die  Praxis  genügenden  Anhaltspunkten  zu  gelangen;  heute  ist  es  allerdings  noch  nicht
möglich,  auf  Grund  der  chemischen  Untersuchung  des  Bodens  bestimmte  Düngungsvorschriften ­
  zu  geben.
5.  Bestimmung  der  im  adsorbierten  Zustande  in  der  Ackererde  vorhandenen
Nährstoffe,  Kali,  Kalk,  Magnesia.  0.  Kellner 3 )  hat  gefunden,  daß  eine  gesättigte
Salmiaklösung  das  im  Boden  vorhandene,  adsorptiv  gebundene  Kali  (und  auch  Kalk)  in
Lösung  bringt,  dagegen  das  in  anderer  Form  vorhandene  Kali  nicht  angreift.  Er  sättigte
verschiedene  Böden  mit  Kali  und  ließ  dann  Salmiaklösung  darauf  ein  wirken;  die  dadurch
gelösten  Kalimengen  waren  gleich  den  vorher  adsorbierten  -j-  den  Mengen,  welche  der
Boden  im  ursprünglichen  Zustande  ohne  adsorptiv  zugeführtes  Kali  an  die  Salmiaklösung
abgah.  Kellner  verfährt  wie  folgt:
20  g  Boden  werden  in  eine  geräumige  Platinsohale  gebracht  und  mit  50  ccm  einer
in  der  Kälte  gesättigten  Lösung  reinen  Salmiaks  ! / 2  Stunde  lang  auf  dem  Wasserbade
unter  häufigem  Umrühren  mit  einem  Platinspatel  behandelt.  Nach  dem  Absetzen  des
Bodens  wird  die  überstehende  Lösung  durch  ein  kleines  Filter  gegossen  und  mit  heißem
Wasser  nachgespült.  Sodann  wird  die  Behandlung  von  neuem  mit  50  ccm  Salmiaklösung
in  derselben  Weise  wiederholt,  bis  ein  Teil  des  Filtrats  heim  Abdampfen  über  der  Flamme
keinen  Eückstand  mehr  hinterläßt.  Dieses  wird  nach  15—20-maligem  Ausziehen  erreicht;
die  Filtrate  werden  in  einer  Literflasche  gesammelt,  bis  zur  Marke  verdünnt  und  in  einem
aliquoten  Teil  Kali,  Kalk  und  Magnesia  bestimmt.
Kellner  hat  sodann  in  einem  Boden  tunlichst  viele  Pflanzen  (Erbsen)  gezogen
und  die  im  Boden  adsorptiv  gebundenen  Basen  Kali,  Kalk  und  Magnesia  vor  und  nach
dem  Wachstum  nach  vorstehendem  Verfahren  bestimmt;  er  findet,  daß  die  von  den  Pflanzen
aufgenommenen  Mengen  Kali  und  Kalk  (für  Magnesia  traf  dieses  nicht  zu)  den  nach
der  Entwicklung  noch  vorhandenen  Mengen  Kali  und  Kalk  gleich  waren  den  Mengen  Kali
und  Kalk,  welche  vor  dem  Wachstum  der  Pflanzen  im  Boden  im  adsorptiv  gebundenen
Zustande  vorhanden  waren.  Kellner  schließt  hieraus,  daß  Kali  und  Kalk  nur  im  adsorptiv
gebundenen  oder  gelösten  Zustande  zur  Ernährung  der  Pflanzen  dienen,  daß  sie  dagegen
aus  schwer  löslichen  Verbindungen  (wasserfreien  Silikaten  usw.)  von  den  Wurzeln  nicht
aufgenommen  werden.
Wenn  sich  diese  Beobachtung  auch  auf  anderen  Bodenarten  allgemein  bestätigt,  so
ist  dieses  Verfahren  ein  wesentlicher  Fortschritt  in  der  Bodenuntersuchung.  Die  Untersuchungen
von  D.  Meyer 4  * )  über  die  Kalkverbindungen  der  Ackererde  und  deren  Löslichkeit  in
10°/ 0  Chlorämmoniumlösung  sprechen  für  die  angeführten  Ergebnisse  Kellners.
A.  Eümpler 6 )  glaubt  im  Kalkwasser  (oder  in  einer  2%-igen  Chloroalciumlösung)
  ein  Lösungsmittel  für  die  Bestimmung  des  leicht  löslichen  bezw.  in  Zeolithform
D  Wiener  Landw.  Ztg.  1902,  42,  362.
2 )  Chem.-Zeitung,  1901.  25.  311.
3 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1887,  33,  359.
4 )  Landw.  Jahrbücher  1900,  29,  913.
6 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  55,  149  u.  Die  deutsche  Zuckerindustrie  1901-
        <pb n="100" />
        Untersuchung;  der  Mineralböden.

77

vorhandenen  Kalis  gefunden  zu  haben.  60  g  Boden  werden  mit  dem  kalifreien  Kalkwaaser
  angerieben,  der  Brei  auf  einen  mit  Watte  verstopften  Trichter  gebracht,  darauf  nach
und  nach  mit  im  ganzen  1200  ccm  Kalkwasser  ühergossen  und  im  Filtrat  das  gelöste  Kali
bestimmt.  Dieselben  Mengen  Kali  werden  auch  gelöst,  wenn  man  10  g  Boden  mit  200  ccm
einer  2  °/ 0 -igen  Chlorcaloiumlösuug  auszieht.
6.  Die  wasserhaltende  Kraft  (oder  die  Wasserkapazität)  des  Bodens.  Im  allgemeinen ­
  steigt  und  fällt  die  Wasserkapazität  des  Bodens  (S.  49)  mit  dem  Absorptionskoeffizienten ­
  für  Ammoniak;  dieses  ist  aber  nicht  immer  der  Fall,  weshalb  eine  jedesmalige
Ermittelung  gerade  dieser  Eigenschaft  von  Belang  ist.  Eine  Wasserkapazität  von  25—35°/ 0
gilt  im  allgemeinen  als  günstig;  niedrigere  und  wesentlich  höhere  Zahlen  bedingen  eine
weniger  gute  physikalische  Eigenschaft  des  Bodens.
R.  Heinrich  legt  neben  der  Wasserkapazität  auch  großen  Wert  auf  die  Bestimmung
der  Luftdurchlässigkeit  des  Bodens  (S.  61).
7.  Das  Wasseraufsaugungsvermögen  (die  Kapillaranziehuug)  des  Bodens.  Die
Fähigkeit  der  Wasserleitung  aus  den  tieferen  Schichten  zur  Oberfläche  gilt  ebenfalls  als
wichtiger  Maßstab  für  die  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens.  Bei  sehr  toniger,  dichter
Beschaffenheit  des  Bodens  steigt  das  Wasser  (nach  S,  64)  in  24  Stunden  nur  um  5—10  cm,
hei  geringerem  Tongehalt  um  10—20  cm  und  bei  sehr  günstiger  physikalischer  Beschaffenheit ­
  um  25—40  cm.  Ein  größerer  Ton-  und  Humusgehalt  vermindert  die  Schnelligkeit
und  den  Grad  des  Aufsteigens  und  ebenso  ist  das  letztere  ein  verhältnismäßig  geringes
bei  sehr  grobem  Korn  des  Sandes.
8.  Die  Benetzungswärme  bezw.  Hygroskopizität  des  Bodens.  Über  die  Verwertung ­
  dieser  beiden  Eigenschaften  zur  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens  vergl.  S.  64  u.  67.
Außer  diesen  als  wesentlichst  bezeichneten  Anhaltspunkten  zur  Beurteilung  der
Ackererden  sind  noch  einige  andere  besondere  Vorschläge  gemacht,  welche  hier  kurz
erwähnt  werden  mögen.
9.  Bestimmung  der  organischen  Substanz  der  „mattere  noire“  (Schwarzstoffes)
von  L.  Grandeau.  L.  Grandeau 1 )  glaubte  seinerzeit  gefunden  zu  haben,  daß  die
Fruchtbarkeit  der  Ackererden  in  direkter  Beziehung  stehe  zu  der  Menge  der  an  organische
Substanz  gebundenen,  in  Ammoniak  löslichen  Mineralstoffe  (Phosphorsäure,  Kali,  Kalk),  daß
der  Fruchtbarkeits-Unterschied  verschiedener  Bodenarten  besonders  mehr  durch  den  Phosphorsäure-Gehalt ­
  des  Ammoniak-Auszugs  als  durch  den  des  Säure-Auszuges  angezeigt  wird.  Behandelt ­
  man  nämlich  einen  Boden  mit  verdünnter  bezw.  so  viel  Salzsäure,  daß  der  vorhandene
Kalk  eben  gelöst  wird,  wäscht  den  Boden  mit  Wasser  aus,  trocknet  ihn  an  der  Luft  und
fügt  man  dann  zu  dem  von  kohlensaurem  Calcium  befreiten  Boden  verdünntes  Ammoniak
(Ammoniak  und  destill.  Wasser  zu  gleichen  Teilen),  so  löst  das  Ammoniak  organische
Substanz  und  an  diese  gebundene  Mineralstoffe,  nämlich  Phosphorsäure,  Kali,  Kalk  auf,
welche  nach  dem  Verdampfen  und  Glühen  des  Auszuges  ermittelt  werden  können.
0.  Titsch *  2 )  und  A.  Tuxen  konnten  indes  derartige  Beziehungen  zwischen  der
Menge  der  an  organische  Substanz  gebundenen  und  inAmmoniak  löslichen  Mineralstoffe  (bezw.
Phosphorsäure)  und  der  Fruchtbarkeit  bei  den  von  ihnen  untersuchten  Böden  nicht  finden;
Tuxen  glaubt  vielmehr,  „daß  die  Menge  von  Stoffen,  welche  die  Salzsäure  durch  das
Freimachen  des  „Schwarzstoffes“  aus  der  Erde  zieht,  maßgebender  ist,  als  die  Bestimmung
des  Schwarzstoffes  und  seiner  Phosphorsäure“.
Im  Anschluß  hieran  mag  erwähnt  sein,  daß  A.  Petermann  und  Friedburg 3 )  s.  Z.
glaubten,  in  der  Dialyse  ein  Mittel  gefunden  zu  haben,  die  Güte  eines  Bodens  zu  bestimmen.
Wenn  man  Boden  in  einen  mit  Pergamentpapier  verschlossenen  Dialysator 4 )  bringt  und  diesen
*)  L.  Grandeau,  Eecherches  expörim.  sur  le  röle  des  matteres  organ.  du  sol  dans
la  nutrition  des  plantes.  Vergl.  dessen  Handbuch  d.  agrik.-chem.  Analyse.  Berlin  1879,  S.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1881,  26,  1.  .
3 )  Ebenda  1872,  15,  466  u.  Bull,  de  l’Aoademie  roy.  de  Belgicpie  1882,  3,  No.  1  im
Centralbl.  f.  Agrik.-Chem.  1883,  22,  361.  .
4 )  Das  Pergamentpapier  darf  nicht  mit  Gummiring,  sondern  muß  mit  einem  cm
breiten  Platinband  um  den  unteren,  verdickten  Glasrand  befestigt  werden;  auch  is'  zu
berücksichtigen,  daß  das  Pergamentpapier  für  sich  allein  Stoffe  an  destilliertes  Wasser  a
gibt,  welche  in  Abzug  gebracht  werden  müssen.
        <pb n="101" />
        78

Untersuchung  von  Boden.

in  eine  größere  Schale  mit  destilliertem  Wasser  hängt,  so  gibt  der  Boden  an  das  destillierte
Wasser  mehr  oder  weniger  ah:  Kalk,  Magnesia,  Eisen,  Kali,  Natron,  Kieselsäure,  Chlor,
Phosphorsäure,  Schwefelsäure  und  auch  organ.  Substanz,  welche  durch  Pergamentpapier
diffundiert.  Aus  letzterem  Verhalten  glaubt  Petermann,  wie  schon  in  den  50-er  Jahren
Risler,  schließen  zu  sollen,  „daß  die  Pflanzen  einen  Teil  ihres  Kohlenstoffs  den  organischen
Substanzen  des  Bodens“  verdanken.
10.  Ermittelung  der  aufnehmbaren  Nährstoffe  (der  Fruchtbarkeit)  des  Bodens
aus  dem  Gehalt  der  in  ihm  gewachsenen  Pflanzen  an  Nährstoffen.  Da  es  bis
jetzt  nicht  möglich  ist,  die  Menge  der  aufnehmbaren  Nährstoffe  durch  die  chemische
Untersuchung  direkt  zu  bestimmen  —  Mineralsäuren,  Zitronensäure  führen  zu  viel,  kohlensäurehaltiges ­
  Wasser  zu  wenig  in  Lösung  —,  so  ist  mehrfach  der  Versuch  gemacht  worden,
aus  dem  Gehalt  der  in  dem  Boden  gewachsenen  Pflanzen  an  Nährstoffen  auf  einen  größeren
oder  geringeren  Gehalt  des  Bodens  an  aufnehmbaren  Nährstoffen  zu  schließen.
Weinhold 1 )  verglich  die  Aschen  der  verschiedenen  Unkräuter  miteinander;  er  erwartete ­
  eine  Ähnlichkeit  der  Aschen  der  auf  demselben  Boden  gewachsenen  Unkräuter
und  glaubte,  daß  sich  auf  einem  Boden  nur  solche  Unkräuter  entwickeln  würden,  für  deren
Gedeihen  der  Boden  die  günstigsten  chemischen  (und  physikalischen)  Bedingungen  zeigt.
A.  Emmerling 2 )  untersuchte  die  Aschen  von  Heusorten,  verglich  ihre  Zusammensetzung
mit  der  mittleren  Zusammensetzung  normalen  Heus  und  glaubte  aus  der  Verschiedenheit ­
  zwischen  beiden  folgern  zu  dürfen,  welche  Nährstoffe  in  der  fraglichen  Wiese
in  ungenügendem  Verhältnisse  vorhanden  seien.  Ä.  Atterberg 8 )  hat  die  Haferkörner
zum  Ausgang  seiner  Untersuchungen  genommen  und  konnte  in  mehreren  Fällen  aus  dem
Gehalt  des  Hafers  an  Stickstoff  und  Phosphorsäure  und  dem  Verhältnis  dieser  Nährstoffe  zueinander ­
  schließen,  daß  dem  Boden  bald  Phosphorsäure,  bald  Stickstoff  fehlte.  Das  Verhältnis
von  Stickstoff:  Phosphorsäure  schwankt  in  den  Haferkörnern  von  100:16  bis  100:83;  das
günstigste  Verhältnis  für  das  Wachstum  ist  100  N;  60—55  P 2 0 5 .  Zeigen  die  Haferkörner
dieses  letztere  Verhältnis,  dann  befinden  sich  die  beiden  genannten  Stoffe  in  richtigem
Verhältnis  im  Boden,  und  ist  die  Ernte  dazu  eine  sehr  große,  so  ist  weder  Düngung  mit
dem  einen  noch  mit  dem  anderen  Stoff  erforderlich;  ist  die  Brntemenge  aber  eine  geringe,
so  fehlt  es  an  beiden  Stoffen.  Ist  das  Verhältnis  100  N:  20  P 2 0 6 ,  so  fehlt  es  dem  Boden
an  Phosphorsäure;  ist  das  Verhältnis  dagegen  100  N:  70  P2O5,  so  ist  Stickstoffmangel  vorhanden. ­

Hellriegel 4 )  förderte  diese  Frage  auf  einer  anderen  Grundlage;  er  zog  Gerstenpflanzen ­
  in  einem  nahezu  kalifreien  Quarzsande,  dem  er  eine  Nährstofflösung  zusotzte,
in  welcher  nur  der  Kaligehalt  schwankte.  Der  Kaligehalt  des  Strohes  fiel  je  nach  den
gegebenen  Kalimengen  von  6,43  auf  0,40  °/ 0  der  Trockensubstanz;  der  letztere  Gehalt
ist  der  durchschnittlich  niedrigste  an  Kali  für  die  betreffenden  Organe  der  Gerstenpflanze. ­
  In  den  Körnern  fiel  der  Kaligehalt  bis  auf  0,18  u / 0  der  Trockensubstanz.  Da  sich
von  dem  gegebenen  Kali  66—100  °/ 0  in  der  Ernte  wiederfanden,  glaubte  Hellriegel  auch
bei  den  Kulturpflanzen  des  Feldes  aus  diesem  Verhältnis  den  Gehalt  an  aufnehmbareffl
Kali  —  wie  überhaupt  an  aufnehmbaren  Mineralstoffen  —  im  Boden  berechnen  zu  können-Gegen
  letztere  Annahme  läßt  sich  indes  geltend  machen,  daß  das  Kali  im  Ackerboden
sich  in  einer  anderen  Form,  nämlich  im  adsorbierten,  also  schwerer  löslichen  Zustande  als
im  Quarzsande  befindet,  daher  aus  dem  Verhalten  der  Pflanze  gegen  das  im  Quarzsande
dargereichte  Kali  nicht  auf  das  Verhalten  gegen  das  im  Boden  enthaltene  Kali  geschlossen
werden  darf,  wenngleich  die-  Pflanzen  auch  das  adsorbierte  Kali  aufzunehmen  vermögen-Da
  ferner  die  einzelnen  Organe  der  Pflanzen  einen  verschiedenen  Gehalt  an  Mineralstoffen
aufweisen,  so  ist  R.  Heinrich 5  6 )  der  Ansicht,  daß  für  besagten  Zweck  nicht  die  ganzen
Pflanzen,  sondern  nur  die  einzelnen  Organe  untersucht  werden  dürfen;  er  hält  di 0

4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1862,  4,  188  und  1864,  6,  50.
2 )  Landw.  Wochenbl.  f.  Schleswig-Holstein  1875,  No.  24  u.  25.
8 )  Landw.  Jahrbücher  1886,  15,  415  und  1887,  16,  757.
4 )  Jahresbericht  f.  Agrikultur-Chemie  1867,  117.
6 )  R.  Heinrich,  Grundlagen  zur  Beurteilung  der  Ackerkrume.  Wismar  1882,  49  u.  #'•
        <pb n="102" />
        Untersuchung  der  Minerälböden.

79

Wurzeln  der  Pflanzen  für  das  geeignetste  Organ,  weil  sich  in  ihnen  die  Differenz
des  Nährstoffgehaltes  (zwischen  „arm“  und  „reich“)  am  meisten  und  deutlicher  zeigt,  als
in  den  höher  gelegenen,  jüngeren  Pfianzenteileu.  Als  Kulturpflanze  wählte  er  zunächst
den  Hafer,  weil  er  auf  den  verschiedenartigsten  Böden  wächst.  Der  Hafer  wurde  teils
auf  sehr  reichen,  teils  auf  an  aufnehmbarem  Stickstoff  sehr  armen  Böden  gezogen;  letztere
wurden  dann  durch  einseitige  Düngung  mit  Stickstoff  und  Kali  bezw.  Stickstoff  und
Phosphorsäure  erschöpft,  um  auch  einen  an  Phosphorsäure  bezw.  Kali  armen  Boden  zu
erhalten.  Auf  diese  Weise  wurden  in  der  Trockensubstanz  der  Haferwurzeln  gefunden
Mengen:
geringe  mittlere  geringe  mittlere
für  Stickstoff  .  .  0,5  —0,6%  0,7—0,9  %  für  Kalk  .  .  .  0,2—0,3%!)  0,3—0,4  %
„  Kali  ....  0,08—0,1  „  0,2—0,4  „  „  Magnesia  .  .  0,1?  ?
„  Phosphorsäure  0,08—0,2  „  0,2—0,3  „  „  Schwefelsäure  0,03?  ?
Unter  diesen  Niedrigstgehalten  in  den  Haferwurzeln  kann  kein  günstiges  Wachstum
mehr  erwartet  werden.  Je  weiter  sich  aber  die  Gehalte  in  den  Haferwurzeln  von  den
Niedrigstzahlen  entfernen,  desto  weniger  wird  die  Zuführung  von  aufnehmbaren  Nährstoffen ­
  durch  die  künstliche  Düngung  erforderlich  sein.  Weist  die  Trockensubstanz  einer
Haferwurzel  z.  B.  folgende  Gehalte  auf;

1.  Kall  2.  Kall  3.  Pall
Stickstoff  1,24  %  0,82  %  0,61  %
Kali  0,87  „  1,23  „  ’  0,36  „
Phosphorsäure  0,18  „  0,63  „  0,21  „

so  ist  im  1.  Kall  nur  eine  Düngung  mit  Phosphorsäure,  im  2.  und  3.  Kall  nur  die  mit
Stickstoff  angezeigt.  Je  ärmer  die  Wurzeln  an  Nährstoffen  sind,  desto  ärmer  ist  die  betreffende ­
  Ackerkrume;  je  reichlicher  die  normalen  Wurzeln  Nährstoffe  enthalten,  desto
reicher  muß  auch  der  Boden  sein,  dem  sie  ihre  Nährstoffe  entzogen  haben.  Derjenige
Bestandteil,  der  in  geringster  Menge  vorhanden  ist,  regelt  die  Erträge  und  bewirkt,  daß
die  Ernten  gering  oder  mittelgut  ausfallen.  Die  übrigen  Nährstoffe  können  dann  in  viel
reichlicher  als  oben  angegebener  Menge  vorhanden  sein,  ohne  daß  sie  deshalb  den  Ertrag
zu  steigern  imstande  wären.
Wenn  die  Pflanzenwurzeln  einen  hohen  Gehalt  an  Nährstoffen  aufweisen  und  der
Boden  gleichzeitig  eine  hohe  absolute  Menge  Nährstoffe  enthält,  dann  kann  der  Landwirt
die  weitere  Aufschließuüg  der  Bodenbestandteile  dem  regelrechten  Verlauf  der  Verwitterung
überlassen  und  braucht  in  dem  vollen  Ersatz  der  entzogenen  Nährstoffe  nicht  ängstlich  zu
sein.  Ist  der  absolute  Gehalt  des  Bodens  ein  hoher,  der  Gehalt  der  Pflanzenwurzeln  aber
ein  geringer,  so  kommt  es  nur  darauf  an,  durch  entsprechende  Kulturen,  durch  Anwendung
von  Stalldünger  und  indirekt  wirkenden  Düngemitteln  (Gips,  Kalk,  Kochsalz)  den  Vorrat
aufzuschließen  und  in  eine  aufnehmbare  Korm  überzuführen.
A.  v.  Dikow 2 )  hat  die  Versuche  Heinrichs  bei  der  Gerstenpflanze  auf  einem
mageren,  mehrere  Jahre  nicht  gedüngten  Sandboden  unter  Anwendung  steigender  Düngermengen
  nachgeprüft  und  schließt  aus  den  Versuchen,  daß  das  Gesetz  des  Minimums
von  Heinrich  als  richtig  anzusehen,  das  Gesetz  des  Maximums  wahrscheinlich  ist,
daß  die  Wurzeln  der  Pflanzen  wohl  das  Düngerbedürfnis  anzeigen,  daß  aber  der  Nährstoffgehalt ­
  der  Wurzeln  nicht  als  Maßstab  für  die  Menge  der  aufnehmbaren  Nährstoffe
im  Boden  dienen  kann;  nur  dann,  wenn  der  Nährstoffgehalt  der  Wurzeln  die  Höchstmenge
erreicht,  ist  der  Zweck  der  Düngung  zur  Erzeugung  der  größtmöglichen  Menge  organischer
Substanz  als  erreicht  anzusehen.
Haeßner 3 )  schließt  aus  seinen  Versuchen,  nach  denen  der  Gehalt  der  gedüngten
Gerstenwurzeln  an  Stickstoff  und  Phosphorsäure  mit  dem  Gehalt  der  Wurzeln  von  unge-*)
  Diese  Zahl  drückt  wahrscheinlich  nicht  die  Niedrigstmenge  aus,  sondern  muß  vielleicht
noch  weiter  herabgesetzt  werden.
2 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1891,  39,  134.
3 )  Haeßner,  Untersuchungen  über  den  Nährstoffgehalt  in  den  Wurzeln  und  Körnern
der  Gerste  und  Verhalten  derselben  zu  den  im  Boden  vorhandenen  assimilierbaren  Pflanzennährstoffen, ­
  1887.
        <pb n="103" />
        80

Untersuchung  von  Boden.

düngten  Parzellen  gleich  war,  die  ünhaltharkeit  der  Ansicht  Heinrichs;  jedoch  ist
nicht  ausgeschlossen,  daß  der  benutzte  Boden  noch  hinreichend  aufnehmbare  Nährstoffe
enthielt.
A.  Helmkampf 1 )  hält  die  Wurzeln  ebenfalls  für  keine  geeignete  üntersuohuugsmasse,
  sondern  glaubt,  daß  die  Pflanzenuntersuchung  in  Verbindung  mit  einem  Dfingungsversuch
  geeignet  ist,  die  Düngungsbedürftigkeit  eines  Bodens  anzugeben,  und  schlägt  folgendes
Verfahren  vor:  „Soll  der  Nährstoffzustand  eines  Ackers  geprüft  werden,  so  ist  zunächst  die
Anstellung  eines  Düugungsversuches  (mit  Halmfrucht)  erforderlich.  Sodann  wird  zur  Zeit
der  Blüte  einer  jeden  Parzelle  ein  Durchschnittsmuster  der  auf  ihr  gewachsenen  Pflauzenmasse
  entnommen  und  untersucht.  Zeigt  sich  nun,  daß  der  Gehalt  der  Pflanzen  infolge
der  Düngung  mit  einem  Nährstoff  an  diesem  eine  Steigerung  erfährt,  so  folgt  daraus  die
Düngungsbedürftigkeit  für  diesen  Stoff;  bleibt  aber  andererseits  trotz  Düngung  der  Gehalt
überall  der  gleiche,  so  ist  auf  genügenden  Vorrat  im  Acker  zu  schließen.“
M.  Stahl-Sohröder 3 )  hat  die  Versuche  Heinrichs  wie  Atterbergs  eingehend
nachgeprüft;  auch  er  verwirft  die  Wurzeln  als  Untersuchungsmasse  für  die  Beurteilung  des
Düngebedürfnisses  des  Bodens,  weil  sie  sich  einerseits  nicht  genügend  quantitativ  sammeln
lassen,  andererseits  Luxuskonsumtion  treiben,  d.  h.  einen  Überschuß  an  Nährstoffen
aufnehmen  und  enthalten  können,  ohne  daß  dieser  Mehrgehalt  in  einer  Mehrernte  zum
Ausdruck  gelangt.  Aus  dem  Grunde  besteht  auch  das  v.  Dikowsche  Gesetz  des
Maximums  nicht.  Dagegen  bietet  der  Vorschlag  Atterbergs  mehr  Aussicht  auf  Erfolg-Es
  müssen  indes  bei  der  Bestimmung  des  Verhältnisses  von  Stickstoff:  Phosphorsäure  mehr
die  klimatischen  und  Witterungs  Verhältnisse  der  Anbaugegend  berücksichtigt  werden.
Stahl-Schröder  findet  z.  B.  in  den  in  Peterhof  bei  Riga  geernteten  Haferkörnern  das
richtige  und  günstige  Verhältnis  von  Stickstoff:  Phosphorsäure  wie  100  :  30—40;  ist  dasselbe
enger,  dann  liegt  Stickstoff-Mangel  oder  Phosphorsäure-Überschuß  vor;  ist  es  weiter,  dann
ist  Phosphorsäure-Mangel  oder  Stickstoff-Überschuß  vorhanden.
Weil  aber  das  Bedürfnis  der  Pflanzen  nach  Stickstoff,  Phosphorsäure,  Kali  usWverschieden
  ist,  außerdem  aber  die  einzelnen  Kulturpflanzen  sich  bezüglich  der  Ausnutzung
der  einzelnen  Bodennährstoffe  verschieden  verhalten,  so  lassen  sich  aus  der  Untersuchung
der  Haferkörner  allein  ohne  Zweifel  noch  keine  richtigen  Düngungsregeln  für  die  anderen
Kulturpflanzen  ableiten.
H.  Joulie 3 )  sucht  durch  zahlreiche  Untersuchungen  zu  ermitteln,  was  ein  fruchtbarer
Boden  enthalten  muß,  und  benutzt  die  so  gewonnenen  Werte  zur  Beurteilung  anderer  Ackererden;
  ist  dann  der  betreffende  Pflanzen  wuchs  zur  Zeit  der  Blüte  und  Reife  ein  befriedigender,
so  war  die  Düngung  eine  richtige,  ist  aber  der  Erfolg  ungünstig,  so  wird  die  Pflanz®
untersucht  und  aus  der  Zusammensetzung  im  Vergleich  zur  typischen  Durchschnitts-Zusammensetzung ­
  derselben  Pflanze,  welche  durch  die  Untersuchung  zahlreicher  am  besten
und  vollkommensten  ausgewachsener  Einzelpflanzen  gefunden  ist,  ermessen,  was  der  ersteren
Pflanze  fehlt.
Auch  M.  Märcker 4 )  läßt  eine  Untersuchung  des  Bodens  gleichsam  durch  die  Pflanz®
ausführen,  indem  er  ermittelt,  wie  große  Mengen  gewisser  Nährstoffe  —,  zunächst  der
Phosphorsäure  —  durch  die  Pflanzen  aus  Bodenarten  von  verschiedener  Beschaffenbett
aufgenommen  werden  können.  Dabei  stellte  sich  heraus,  daß  die  Aufnahme  der  Phosphorsäure ­
  durch  die  Pflanze  sich  mit  der  Löslichkeit  der  Phosphorsäure  im  Boden  steigert®,
daß  die  von  der  Pflanze  aufgenommene  Phosphorsäure  in  geradem  Verhältnis  zu  der  durch
Ammoniumzitrat  (Petermann)  aus  dem  Boden  gelösten  Phosphorsäure  steht.  Deshalb
glaubt  M.  Märcker  in  dem  Ammoniumzitrat  oder  nach  anderen  Versuchen  in  einer  5  °/ 0 -ig eIJ
Zitronensäurelösung  ein  Mittel  zur  Bestimmung  der  bodenlöslichen,  d.  h.  der  jedesmal  fd r
die  Pflanze  aufnehmbaren  Phosphorsäure  gefunden  zu  haben.  (Vergl.  hierzu  vorstehend®
Ausführungen  S.  75.)

4 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1892,  40,  85.
2 )  Ebenda  1904,  52,  31,  soweit  bis  Schluß  des  Druckes  dieses  Bogens  erschienen  i^ -
3 )  Journ.  d’agric.  1,  No.  1086,  89.
4 )  Jahrbuch  der  Versuchs-Station  Halle  1890.
        <pb n="104" />
        Untersuchung  der  Mineralhöden.

81

11.  Schädliche  Bestandteile  des  Bodens.  Wenn  ein  Boden  neben  saurem  Humus
(S.  36)  gleichzeitig  mehr  oder  weniger  Eisenoxydul  enthält,  so  ist  dieses  ein  Zeichen
mangelhafter  Durchlüftung,  die  unter  Umständen  ein  Wachstum  sog.  saurer  Pflanzen  (Sauergräser, ­
  Moos  usw.)  zur  Folge  hat.  Alsdann  muß  in  erster  Linie  auf  eine  zweckmäßige  Durchlüftung, ­
  sei  es  durch  Entwässerung  (Drainage)  oder  durch  Aufbesserung  der  physikalischen
Eigenschaften  der  dicht  geschlossenen  Ackerkrume  hingearbeitet  werden.  Auch  ist  die
Anwendung  von  gebranntem  Kalk  oder  von  diesem  und  einem  Kalisalz  oder  von  Mergel
oder  von  Holzasche  angezeigt.
Als  direkt  sehr  schädlich  ist  „Schwefelkies“  bezw.  „Wasserkies“  in  einem  Boden
zu  bezeichnen,  weil  er  bei  der  Zersetzung  die  für  Pflanzen  giftige  freie  Schwefelsäure  und
ferner  ebenso  giftiges  Ferrosulfat  liefert.  Letzteres  setzt  sich  im  Boden  allerdings  bald
mit  kohlensauren  Salzen  um,  indem  sich  z.  B.  schwefelsaures  Calcium  und  Ferrihydroxyd
bildet.  Letzteres  ist  unschädlich, 1 )  das  schwefelsaure  Calcium  aber  leichter  löslich  als
kohlensaures  Calcium,  und  so  kann  für  den  Anfang  das  Ferrosulfat  sogar  eine  günstige,
d.  h.  indirekt  düngende  Wirkung  äußern.  Das  hält  aber  nur  so  lange  an,  als  Vorrat  an
kohlensauren  Erdalkalien  vorhanden  ist.
Auch  andere  leicht  zersetzliche  Sohwefelverbindungen,  wie  Schwefelcalcium, ­
  Zinkblende  usw.,  sind  schädlich  im  Boden.  Schwefelcaloium  gelangt  z.B.  mitunter
in  den  Abfällen  der  Soda-  und  Pottasche-Fabriken  (nach  Leblancs  Verfahren),  ferner  in  den
Abfällen  von  Gasfabriken  als  Gaskalk  zur  Anwendung;  letzterer  enthält  gleichzeitig  schädliche ­
  unterschwefligsaure  Salze,  teerige  Erzeugnisse  und  vor  allem  Bhodanammonium,
welches  letztere  schon  in  sehr  geringen  Mengen  (0,5—1,0  g  für  1  qm  Boden  bezw.
0,0025°/ 0  nach  E.  Haselhoff 2 )  giftig  auf  die  Pflanzen  wirkt.
Zinkblende  (Schwefelzink)  zersetzt  sich  im  Boden  leicht  zu  schwefelsaurem  Zink,
welches  für  sich  in  einer  Menge  von  5—10  mg  für  1  1  Nährlösung  schon  Pflanzen  zum
Absterben  bringt.  Unlösliche  Zinkverbindungen,  z.  B.  kohlensaures  Zink,  wirken  nicht
oder  nur  dann  schädlich,  wenn  sie  infolge  reichlicher  Kohlensäurebildung  und  genügenden
Wassers  in  Lösung  gebracht  werden.  Es  kann  daher  mitunter  zinksulfathaltiges  Wasser
lange  Zeit  zur  Berieselung  von  Wiesen  benutzt  werden,  ohne  daß  eine  schädliche  Wirkung
zutage  tritt,  nämlich  dann,  wenn  der  Boden  reich  an  kohlensauren  Erden  (und  Humus) 3 )
ist,  mit  denen  sich  das  schwefelsaure  Zink  zu  schwefelsauren  Erden  (Kalk,  Magnesia)  und
zu  unlöslichem,  kohlensaurem  Zink  umsetzt.  Dieser  Umsetzungsvorgang  hat  aber  zur
Folge,  daß  die  schwefelsauren  Salze,  auch  gebildetes  sohwefelsaures  Kalium  als  löslich
mit  dem  Rieselwasser  aus  dem  Boden  weggeführt  werden,  so  daß  letzterer  an  Pflanzennährstoffen ­
  mehr  und  mehr  verarmt,  während  sich  das  Zink  in  ihm  anhäuft.  Zu  der
direkt  schädlichen  Wirkung  des  Zinksulfates  gesellt  sich  dann  die  indirekt  schädliche
Wirkung,  welche  die  Böden  nicht  selten  ganz  ertraglos  macht.  Ebenso  wie  Schwefelkies
und  Ferrosulfat,  Zinkblende  und  Zinksulfat  verhält  sich  Schwefelkupfer  und  Kupfersulfat; ­
  nur  scheint  Kupfersulfat  als  solches  nicht  so  giftig  für  Pflanzen  wie  Zinksulfat
zu  sein;  nach  hiesigen  Versuchen  gedeihen  Mais  und  Bohnen  bei  einem  Gehalt  von  10  mg
Kupfersulfat  auf  1  1  Nährlösung  ganz  regelrecht,  die  schädliche  Wirkung  beginnt  erst  bei
15—20  mg  auf  1  1.
Um  derartig  beschädigte  Böden  wieder  aufzubessern,  empfiehlt  sich  in  erster  Linie
unter  Umbrechen  derselben  eine  starke  Kälkung  oder  Mergelung.
Als  äußerst  giftiger  Bestandteil  ist  auch  die  arsenige  Säure  aufzuführen,  welche
mitunter  durch  Abwasser  aus  Gerbereien,  Färbereien  und  Farbefabriken  usw.  in  den  Boden
gelangen  kann.  Nach  Fr.  Nobbe  bringt  schon  1  mg  arsenige  Säure  in  1  1  Nährlösung
meßbare  Wachstumsstörungen  hervor,  während  es  nach  des  Verfassers  Versuchen  im  Boden
1)  Das  Ferrihydroxyd  wird  erst  bei  größeren  Mengen  schädlich,  indem  es  die
Poren  des  Bodens  verschließt,  also  die  Luftdurohlässigkeit  beeinträchtigt  und  dadurch  versauernd ­
  wirkt.
2 )  Zeitschr.  f.  Pflanzenkrankheiten  1904,  14,  1.
3 )  Auch  der  Humus  bildet  mit  dem  Zinksulfat  unlösliches  humussaures  Zink.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  ö
        <pb n="105" />
        82

Untersuchung  von  Boden.

—  vielleicht  infolge  Verflüchtigung  durch  Bildung  von  Arsenwasserstoff  —  nicht  so  stark
schädlich  zu  wirken  scheint;  die  nachteiligen  Wirkungen  machten  sich  jedoch  im  Boden
auch  schon  hei  geringen  Mengen,  nämlich  0,025  °/ ( „  deutlich  geltend.  ‘
Zu  den  direkt  schädlichen  Bestandteilen  der  Ackererde  gehören  ferner  lösliche
Salze  in  größerer  Menge,  so  Chlornatrium,  Chlorcalcium,  Chlormagnesium,
wie  sie  mitunter  durch  Überschwemmungen  mit  Meerwasser  oder  durch  Berieselung  mit
Abwasser  aus  Steinkohlengruben,  Salinen,  Kalisalz-Bergwerken,  Sodafabriken  (nach  dem
Ammoniak-Verfahren)  im  Boden  auftreten  können.  Wie  schon  oben  S.  71  bemerkt,
macht  ein  Gehalt  von  0,1  °/ 0  und  mehr  Kochsalz  den  Boden  unfruchtbar.  Chlorcalcium
und  Chlormagnesium  scheinen  an  sich  nicht  so  stark  schädlich  zu  sein  als  Chlornatrium. ­
  Bei  hinreichender  Feuchtigkeit  äußern  die  löslichen  Salze  häufig  keine  schädliche ­
  Wirkung,  sondern  erst  beim  Austrocknen  des  Bodens  (im  Sommer),  wo  die  Bodenlösung ­
  konzentrierter  wird;  denn  die  Pflanzen  gedeihen  regelrecht  nur  in  Nährsalzlösungen
von  1  zu  1000,  sind  aber  gegen  eine  einseitige  Salzlösung  noch  empfindlicher.  Gelangen
derartige  salzhaltige  Wässer  wiederholt  auf  einen  Boden,  so  lagern  sich  nach  Ad.  Mayer
die  Tonteilohen  dichter  aneinander,  der  Boden  wird  „dicht  geschlämmt“;  ferner  entführen ­
  sie  dem  Boden  durch  Wechselzersetzung  und  auch  durch  ihre  stärker  lösende
Wirkung,  gegenüber  gewöhnlichem  Wasser,  wichtige  Nährstoffe,  besonders  Kali  (Chlornatrium ­
  löst  auch  Kalk  und  Magnesia),  so  daß  infolgedessen  die  Erträge  ebenfalls  nachlassen.
  Diese  lösende  Wirkung  äußern  die  Salze  schon  deutlich,  wenn  sie  in  einer
Menge  von  0,5  g  auf  1  1  vorhanden  sind;  die  schädliche  Wirkung  kann  durch  einen
gleichzeitig  vorhandenen,  verhältnismäßig  hohen  Kaligehalt  des  Wassers  zum  Teil  ausgeglichen ­
  werden.
Bei  Böden,  welche  durch  Salze  dieser  Art,  besonders  durch  Kochsalz  verdorben  sind,
wird  Anbau  solcher  Pflanzen  empfohlen,  welche,  wie  Kohl,  Kaps  oder  Gerste  (wegen  der
flachen  Bewurzelung)  verhältnismäßig  viel  Salz  vertragen;  bei  den  durch  Überschwemmungen
mit  Meerwasser  beschädigten  Böden  hat  sich  nach  Ad.  Mayer  auch  eine  Düngung  mit
Stickstoff  (Salpeter)  als  günstig  erwiesen,  ebenso  der  Anbau  von  bodenlockernden  Gewächsen
(z.  B.  Klee  und  sonstigen  tiefwurzeluden  Pflanzen);  dabei  soll  man  den  Boden  vorWinter
in  rauhe  Furchen  legen,  damit  der  Frost  auf  ihn  einwirken  kann  und  die  Salzteilchen  den
Winter  über  besser  in  den  Untergrund  gewaschen  werden.
Außer  den  Chloriden  kommt  mitunter  auch  kohlensaures  Natrium  im  Boden  als
schädliches  Salz  vor,  so  z.  B.  im  Boden  der  ungarischen  Pußta,  wo  es  bei  geringer  Bodenfeuchtigkeit ­
  vorübergehende  Unfruchtbarkeit  hervorruft;  Sprengel  fand  in  einer  unfruchtbaren ­
  Ackererde  aus  Portorico  0,66  °/ 0  kohlensaures  Natrium.
Auf  die  Nachteile,  welche  Magnesiumsalze,  auch  sogar  Magnesiumkarbonat
haben,  wenn  letzteres  in  größerer  Menge  als  Calciumkarbonat  vorhanden  ist,  habe  ich
schon  S.  71  hingewiesen.
Auf  diese  und  andere  außergewöhnliche  Bestandteile  ist  unter  Umständen  ebenfalls
Kücksicht  zu  nehmen,  wenn  es  sich  um  Beurteilung  der  Güte  und  Fruchtbarkeit  eines
Bodens  handelt.  Wer  sich  eingehender  darüber,  wie  die  vorstehend  aufgeführten  außergewöhnlichen ­
  Bestandteile  nachteilig  auf  Boden  und  Pflanzen  wirken,  unterrichten  will,
den  verweise  ich  auf  meine  Schrift:  „Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  schädliche
Folgen  usw.“.  Berlin  1899.

B.  Untersuchung  der  Moorböden.
Im  allgemeinen  gelten  für  die  physikalische  und  chemische  Untersuchung  des
Moorbodens  dieselben  Regeln,  wie  für  diejenige  der  mineralischen  Bodenarten.  Di®
Eigenartigkeit  des  erstgenannten  macht  jedoch  im  besonderen  eine  Menge  von  Abänderungen ­
  notwendig,  so  daß  es  ratsam  ist,  die  Untersuchung  der  Moorbodenarten
getrennt  für  sich  zu  behandeln.
        <pb n="106" />
        Untersuchung  der  Moorböden.

83

Im  folgenden  sollen  die  Verfahren  beschrieben  werden,  die  für  die  Untersuchung ­
  des  Moorbodens  von  der  Moor-Yersuchs-Station  in  Bremen  ausgearbeitet
und  augenblicklich  dort  in  Gebrauch  sind.  Wenn  diese  Verfahren  in  der  einen
oder  anderen  Richtung  noch  nicht  die  erwünschte  Erweiterung  und  Vervollständigung
gefunden  haben,  so  liegt  das  einmal  an  der  Neuheit  des  Gegenstandes,  für  den  fast
keine  Vorarbeiten  Vorlagen,  dann  an  der  Fülle  anderer  herantretenden  wichtigen
Fragen,  welche  die  Zeit  und  Arbeitskraft  der  Station  in  Anspruch  nahmen.
Im  großen  und  ganzen  soll  die  Darstellung  dem  hei  der  Untersuchung  von
Mineralböden  eingehaltenen  Gange  folgen;  es  kann  daher  auf  manches  zurückverwiesen ­
  werden.  Die  Besonderheiten  der  Moorboden-Untersuchung  werden  dagegen
eingehende  Besprechung  finden.

I.  Probenahme.
Abgesehen  von  den  für  alle  Bodenarten  gleichmäßig  geltenden  Vorschriften
über  die  Probenahme  zum  Zwecke  chemischer  und  physikalischer  Untersuchung  —
auch  hier  sei  vor  allem  auf  die  Erlangung  einer  wahren  Durchsohnittsprobe  hingewiesen ­
  —  ist  bei  der  Entnahme  von  Moorproben  folgendes  besonders  zu  beachten:
Wegen  der  häufig  sehr  verschiedenen  Beschaffenheit  der  obersten,  für  die  Pflanzen
zunächst  in  Betracht  kommenden  Schicht  und  der  tieferen  Moorschichten  ist  ein
Getrennthalten  bei  der  Probenahme  unerläßlich.  Die  Untersuchung  der  tieferen
Moorschichten,  soweit  sie  durch  die  Entwässerungsgräben  angeschnitten  werden,
soll  Auskunft  darüber  gehen,  ob  der  Vorrat  an  Pflanzennährstoffen  auf  größere
Tiefe  hin  anhält,  sowie  notwendige  Aufschlüsse  über  den  Zersetzungszustand
und  das  Verhalten  der  tieferen  Moorschichten  bei  Entwässerung  und  Durchlüftung ­
  liefern.  Dann  ist  zu  berücksichtigen,  daß  beim  Ausheben  der  zahlreichen
Entwässerungsgräben  nicht  unerhebliche  Mengen  aus  den  unteren  Moorlagen  auf
die  Oberfläche  geschafft  und  über  diese  verteilt  werden,  die  Beschaffenheit  der
späteren  Kulturschicht  also  wesentlich  beeinflussen.  Nicht  selten  finden  sich  zudem
in  den  tieferen  Schichten  pflanzenschädliche  Stoffe,  welche,  auf  die  Oberfläche  gebracht, ­
  äußerst  giftig  auf  das  Pflanzenwachstum  wirken.  Der  mineralische  Untergrund,
falls  er  bei  Mooren  von  geringer  Mächtigkeit  durch  die  Gräben  angeschnitten  wird,
ist  ebenfalls  auf  pflanzenschädliche  Substanzen  zu  untersuchen,  dann,  wenn  z.  B.
eine  Sanddeckkultur  geplant  wird,  bei  welcher  der  Sand  dem  Untergründe  entnommen ­
  werden  soll,  auch  auf  seine  Eignung  als  Bedeckungsmaterial  in  physikalischer
Hinsicht.
Alle  diese  Erwägungen  haben  zur  Aufstellung  einer  Vorschrift  für  die  Entnahme ­
  von  Bodenproben  seitens  der  Moor-Versuchs-Station  geführt,  die  im  Wortlaut ­
  hier  folgt.  Besonders  sei  noch  hervorgehoben,  daß  die  Moorproben  in
ihrem  natürlichen  Zustand,  also  möglichst  frisch,  nicht  etwa  an  der  Luft  vorgetrocknet, ­
  zur  Untersuchung  gelangen  müssen,  da  nur  so,  wie  weiter  unten  ausgeführt ­
  werden  wird,  richtige  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  fraglichen  Moorflächen ­
  gewonnen  werden  können.
Anweisung  zur  Entnahme  von  Moorboden-Proben  behufs  chemischer  und
physikalischer  Untersuchung.
Da  die  chemischen  und  physikalischen  Eigenschaften  der  für  die  Kultivierung  bestimmten ­
  Moore  das  Gedeihen  der  Kulturen  wesentlich  beeinflussen  und  sehr  häufig  für  die
Art  und  Weise  der  Benutz»ng  maßgebend  sind,  so  ist  es  unerläßlich,  vor  der  Inangriffnahme
irgend  welcher  Kultur  auf  Flächen,  über  deren  Verwertbarkeit  genügende  Erfahrungen
noch  nicht  vorliegen  —  neben  Feststellung  der  Wasserverhältnisse  und  sonstiger  das  Pflanzen-6*
        <pb n="107" />
        84

Untersuchung  von  Boden.

Wachstum  beeinflussenden  Faktoren  —  den  Boden  auf  seine  chemische  Zusammensetzung
und  diejenigen  physikalischen  Eigenschaften  zu  prüfen,  welche  für  das  Plianzenwachstum
besonders  wichtig  sind.
Soll  aber  die  Untersuchung  einwurfsfreie  Ergebnisse  liefern,  so  ist  es  vor  allem
geboten,  bei  der  Entnahme  der  Proben  die  größte  Sorgfalt  und  alle  Vorsichtsmaßregeln  zu
beachten,  um  ihnen  den  Charakter  der  Durchschnittsproben  zu  sichern.
Zu  dem  Zweck  stellt  man  zunächst  durch  Beobachtung  des  augenblicklichen
Pfianzenwnohses  und  der  äußeren  Bodenbeschaffenheit  fest,  ob  die  in  Betracht  kommenden
Ländereien
a)  eine  einheitliche  Beschaffenheit  besitzen,
b)  bedeutende  Verschiedenheiten  aufweisen.
Im  Falle  a  verteilt  mau  die  Probenahme  gleichmäßig  über  die  ganze  Fläche  in  der
Weise,  daß  mau  an  möglichst  vielen  Stellen  die  lebende  Bodennarbe  möglichst  flach
abschält  und
1.  Proben  von  etwa  1—2  kg  von  der  Oberfläche  bis  zu  20  cm  Tiefe,
2.  Proben  von  etwa  1—2  kg  von  20  cm  Tiefe  bis  zur  Sohlentiefe  der  vorhandenen
oder  noch  zu  ziehenden  Entwässerungsgräben  aushebt.
3.  Für  den  Fall,  daß  die  Gräben  überall  oder  an  einzelnen  Stellen  schon  in  den
mineralischen  Untergrund  einsohneiden,  hält  man  den  (ebenfalls  einzusendenden)
mineralischen  Teil  (Probe  3)  von  dem  moorigen  Teil  der  Probe  2  gesondert.
Sämtliche  Binzelprobeu  aus  der  Oberflächenschicht  (unter  1)  werden  auf  das  sorgfältigste ­
  durcheinandergemischt,  daraus  wird  ein  Durchschnittsmuster  von  mindestens  2-—3  kg
entnommen  und  in  einen  vorher  mit  unauslöschlicher  Farbe  benummerten  reinen  Beutel
verpackt.  Ebenso  gewinnt  man  je  eine  Durchschnittsprobe  aus  den  tieferen  Schichten
(unter  2  und  3).
Im  Falle  b  verfährt  man  auf  jeder  einzelnen  der  untereinander  verschiedenen
Flächen  für  sich  genau  wie  auf  Fläche  a  und  entnimmt  somit  weitere  Durchschnittsproben:
la,  2  a  usw.,  1b  usw.
Ist  der  Moorstand  geringer  als  20  cm,  so  ist  in  der  angegebenen  Weise  je  eine
Durchsohnittsprobe  aus  der  eigentlichen  Moorsohicht  und  aus  dem  mineralischen  Untergrund
zu  nehmen.
Finden  sich  in  der  Nähe  des  Moores  oder  in  erreichbarer  Tiefe  des  Untergrundes
mineralische  Bodenarten:  Sand,  Lehm,  Mergel,  Wiesenkalk  und  der  gl.,  die  möglicherweise
für  die  Meliorierung  des  Moorbodens  Bedeutung  gewinnen  könnten,  so  sind  auch  hiervon
Durchschnitteproben  von  1—l , / a  kg  zu  entnehmen  und  mit  einer  genauen  Beschreibung  der
Lagerungsverhältnisse,  des  räumlichen  Umfanges  usw.  zu  versehen.
Die  Proben  sind  in  frischem  Zustand,  gut  und  jede  für  sich  verpackt,  zur
Untersuchung  einzusenden.
Es  ist  wünschenswert,  daß  von  jeder  zu  untersuchenden  Fläche  ein  etwa  3  dm  langes
und  breites  Stück  der  ursprünglichen  Bodennarbe  (Gras-,  Heide-,  Moosnarbe  oder  dergleichen)
mit  den  darauf  befindlichen  Pflanzen  in  unverletztem  Zustand  eingesandt  wird.  Die  Auswahl ­
  des  Narbenstückes  ist  so  zu  treffen,  daß  dadurch  eine  einigermaßen  richtige  Vorstellung
von  dem  durchschnittlichen  gegenwärtigen  Pflanzenbestand  der  Moorfläche  gewonnen  werden
kann.  Ist  dieser  Bestand  sehr  verschieden,  so  sollten,  falls  nicht  überhaupt  Fall  b  der
Probenahme  Platz  greift,  mehrere  Narbenproben  von  derselben  Fläche  eingesandt  worden.
Die  Narbenproben  werden  am  zweckmäßigsten  nach  der  Entnahme  mit  einer  Bezeichnung
versehen,  in  besondere  Kistchen  verpackt  und  möglichst  bald  mit  der  Post  abgeschiokt,
damit  die  Pflanzen  in  noch  erkennbarem  Zustande  eintreffen.
Wenn  die  Anlage  von  Dauerweiden  oder  Wiesen  beabsichtigt  wird,  so  ist  es  von  allergrößter ­
  Wichtigkeit,  mehrere  derartige  Narbenstücke  von  jeder  Fläche  einznsenden,  und
zwar  bei  Unterschieden  im  Niveau  der  einzelnen  Fläche  mindestens  je  eines  von  dem
höheren  und  von  dem  tieferen  Teile.  Befinden  sich  in  der  Nähe  auf  demselben  Boden
gute  Dauerweiden  oder  Wiesen,  so  ist  es  sehr  erwünscht,  daß  auch  von  diesen  eine  kennzeichnende ­
  Narbenprobe  oder  eine  etwa  1  kg  große  Durchschnittsprobe  des  Heus  eing@'
reicht  wird.
        <pb n="108" />
        Untersuchung  der  Moorböden.

85

Da  durch  die  Herstellung  der  unter  1  genannten  Misohprobe  die  natürliche  Lagerung
und  Struktur  des  Moorbodens  unter  Umständen  stark  geändert  werden  kann,  so  ist  ferner  noch
die  Einsendung  mindestens  eines,  besser  mehrerer  Bodenwürfel  von  10  cm  Kante  aus  der
Oberfläohenschicht  des  Moores  bis  20  cm  Tiefe,  die  die  durchschnittliche  Beschaffenheit  der
Oberfläche  in  ungestörter  Lagerung  darstellen,  anzuraten.

II.  Vorbereitung  zur  Untersuchung  und  physikalische  Untersuchung.
Für  die  Beurteilung  der  Güte  und  Kulturfähigkeit  eines  Moorbodens  ist  es
sehr  wesentlich,  den  Grad  der  Zersetzung  zu  bestimmen,  in  welchem  sich  die  moorbildenden
  Pflanzen  befinden.  Es  ist  schwierig,  hierfür  bestimmte  Vorschriften  zu
geben;  nur  durch  Vergleichungen  einer  großen  Reihe  der  verschiedenartigsten  Moorbildungen ­
  in  den  verschiedensten  Zuständen  der  Mumifikation  ist  es  möglich,  Sicherheit ­
  in  der  Beurteilung  des  Zersetzungszustandes  zu  erlangen.
Im  allgemeinen  läßt  sich  folgendes  sagen;  Ist  die  Zersetzung  der  moorbildenden ­
  Pflanzenreste  so  weit  vorgeschritten,  daß  ihre  Struktur  mit  bloßem  Auge
nicht  mehr  erkennbar  ist  und  das  ganze  Bodenmuster  erdig  und  mehr  oder
weniger  krümelig  erscheint,  so  kann  die  Moorsubstanz  als  vorzüglich  zersetzt  bezeichnet ­
  werden.  Von  vornherein  darf  als  wahrscheinlich,  wenn  auch  nicht  als
sicher  angenommen  werden,  daß  ein  solcher  Moorboden  einen  verhältnismäßig
großen  Vorrat  an  Stickstoff  und  meistens  auch  an  Kalk  enthält.  Bei  weniger  weit
vorgeschrittener  Humifikation  sind  zahlreiche  in  ihrer  Struktur  noch  erhaltene
Pflanzenreste  erkennbar;  der  betreffende  Moorboden  wird  als  gut  oder  ziemlich  gut
zersetzt  zu  bezeichnen  sein.  Sind  fast  alle  Pflanzenteile  noch  vollkommen  erhalten,
arm  an  erdigen  Beimengungen,  unter  Umständen  noch  sperrig,  so  ist  die  Moorsubstanz ­
  mäßig  oder  schlecht  humifiziert.  Trotz  vollkommener  Erhaltung  der
äußeren  Struktur  kann  der  Zerfall  im  Innern  der  Pflanzenreste  so  weit  gediehen
sein,  daß  sie  z.  B.  beim  Zerreiben  zwischen  den  Fingern  vollständig  erdig  erscheinen.
Ein  so  beschaffenes  Moor  wird  sich  sehr  schnell  durch  die  Einwirkung  der  Atmosphärilien ­
  vollkommen  zersetzen,  es  ist  als  vorläufig  noch  mäßig  zersetzt,  aber  als
leicht  zersetzlich  zu  kennzeichnen.  —  In  jedem  Fall  wird  bei  den  Moorböden  von
unvollkommenem  Zersetzungszustand  nach  der  Anlage  der  Entwässerungsgräben
eine  mehr  oder  weniger  beträchtliche  Verdichtung  und  eine  dadurch  verursachte
Senkung  der  Mooroberfläche  ein  treten,  worauf  bei  dem  Vorschlag  von  Kulturmaßregeln ­
  notwendigerweise  hingewiesen  werden  muß.
"V  or  allem  ist  die  Bestimmung  der  Pflanzen,  aus  denen  das  Moor  entstanden
und  mit  denen  es  im  natürlichen  Zustande  bestanden  ist,  äußerst  wertvoll.  Sie  läßt
in  den  meisten  Fällen  sofort  erkennen,  ob  wir  es  mit  einem  von  Natur  graswüchsigen
sog.  Niederungsmoor  oder  mit  einer  vorwiegend  aus  Torfmoosen,  Heide  und  Wollgräsern ­
  entstandenen  Hochmoorbildung  oder  besser  einem  Heide-Moostorfmoore
zu  tun  haben.  Durch  zahlreiche  Untersuchungen  der  Moor-Versuchs-Station  ist  dargetan, ­
  daß  die  erstgenannten  bedeutend  kalkreicher  sind  als  die  letzteren.  Als
obere  Grenze  des  Kalkgehaltes  für  die  Hochmoore  wurde  0,5°/ 0 auf  Trockensubstanz ­
  berechnet,  als  untere  Grenze  für  die  ausgesprochen  graswüchsigen
Moore  2,5  °/ 0 ,  frei  gedacht  von  zufälligen  Bestandteilen,  ebenfalls  auf  Trockensubstanz
berechnet,  festgesetzt.  Zwischen  beiden  finden  sich  selbstverständlich  zahlreiche
Übergänge,  auch  können  in  demselben  Moore  durch  eine  Veränderung  der  Entstehungsbedingungen ­
  niederungsmoorartige  und  hochmoorartige  Schichten  in  abwechselnder
Lagerung  entstanden  sein.  Jedenfalls  gibt  die  Erkenntnis,  welche  Art  von  Moorboden ­
  vorliegt,  schon  für  die  analytische  Untersuchung,  die  Bestimmung  der  Zer-
        <pb n="109" />
        86

Untersuchung  von  Boden.

Setzungsfähigkeit  u.  dergl.  wertvolle  Winke.  Aus  diesen  Gründen  verlangt  die
obenstehende  Anweisung  auch  die  Einsendung  eines  kennzeichnenden  Narbenstückes
der  betreffenden  Moorflächen.
Die  besprochenen  Beobachtungen  sind  nur  an  der  frischen  Moorsubstanz  mit
Sicherheit  anzustellen  und  werden  daher  am  besten  vor  jeder  weiteren  Verarbeitung
ausgeführt.
Der  Wassergehalt  der  Moorprohen,  soweit  er  sich  von  vornherein  beurteilen
läßt,  verdient  ebenfalls  Beachtung,  da  durch  das  Abzapfen  des  Wassers  aus  sehr
wasserreichen  Mooren  eine  bedeutende  Volumverminderung  der  Moormasse  eintritt.
Im  allgemeinen  ist  die  Untersuchung  der  rein  organischen  und  der  mit
Mineralsubstanzen  (Sand,  Kalk,  Ton)  in  größerer  oder  kleinerer  Menge  gemischten
sog.  anmoorigen  Böden  gleich;  vorteilhafterweise  schenkt  man  jedoch  diesen  Verhältnissen ­
  schon  bei  der  Vorbereitung  zur  Untersuchung  Beachtung,  da  man  dadurch
wertvolle  Anhaltspunkte  für  die  Untersuchung  selbst  erhält.
Die  analytische  Untersuchung  der  Bodenproben  liefert  nur  dann  sichere  Anhaltspunkte ­
  für  den  Vorschlag  von  Kultivierungsmaßnahmen,  wenn  es  möglich  ist,
die  ermittelte  Zusammensetzung  mit  derjenigen  von  Böden  zu  vergleichen,  welche
schon  in  Kultur  sind,  deren  Fruchtbarkeit  bekannt  und  bei  denen  die  Zweckmäßigkeit ­
  der  Meliorierung  durch  den  Erfolg  bewiesen  ist.  Bei  der  außerordentlichen
Verschiedenheit  der  Moorböden  in  bezug  auf  den  Zersetzungszustand,  den  Gehalt
an  Mineralstoffen,  die  Dichtigkeit  der  Lagerung  können  jedoch  die  prozentigen
Zahlen  der  Untersuchung  nicht  viel  besagen.  Enthält  z.  B.  ein  mit  Sand  gemischter
Moorboden  A  in  Prozenten  der  Trockensubstanz  1,5  °/ 0  Stickstoff,  ein  von  Sand
freier  B  dagegen  3°/ 0  Stickstoff,  so  würde  der  Schluß,  daß  der  letztere  der  an
diesem  wichtigen  Pflanzennährstoff  reichere  sei,  durchaus  unsicher  sein,  denn  da
1  cbm  des  natürlichen  Bodens  A  z.  B.  680  kg  feste  Stoffe  (trocken  gedacht),  1  cbm
des  Bodens  B  dagegen  nur  250  kg  feste  Stoffe  enthalten  kann,  so  ergibt  sich,  daß
auf  einem  Hektar  bis  zur  Tiefe  von  20  cm  an  Stickstoff  vorhanden  sind
im  Moorboden  A  20400  kg,
„  „  B  15000  „
daß  also  entgegen  der  durch  die  prozentigen  Zahlen  gewonnenen  Anschauung  der
Boden  A  der  stickstoffreichere  ist.
Daher  ist  es,  um  eine  sichere  Vorstellung  über  die  den  Pflanzen  in  einer
bestimmten  Schicht  zugängliche  Nährstoffmenge  zu  erlangen,  bei  den  Moorbodenarten ­
  in  noch  viel  höherem  Maße  als  hei  den  mineralischen  Böden  notwendig,  das
scheinbare  spezifische  Gewicht  oder  das  Volumgewicht  zu  ermitteln.
Bei  den  unter  Beachtung  der  oben  gegebenen  Anweisung  entnommenen  und
zur  Untersuchung  von  auswärts  eingeschickten  Proben  wird  dieses  nach  dem  an
der  Moor-Versuchs-Station  üblichen  Verfahren  in  folgender  Weise  ausgeführt;  Die
Moorprobe  wird  sorgfältig  gemischt  und  mit  den  Händen  so  dicht  zusammengepreßt,
als  es  ohne  Aufbietung  übermäßiger  Kraft  geht;  nach  Herstellung  einer  ebenen
Fläche  wird  aus  dieser  mit  Hilfe  einer  vorher  tarierten  Blechform  ein  Würfel
von  10  oder  15  cm  Höhe  entsprechend  1000  hezw.  3375  com  Inhalt  ausgestochen,
gewogen,  die  Moorsubstanz  auf  Hürden  flach  ausgebreitet,  im  Trockenschrank  hei
mäßiger  Temperatur  (90°)  lufttrocken  gemacht  und  nach  dem  Erkalten  wieder
gewogen.  Die  Masse  läßt  sich  dann  leicht  zerkleinern  und  mahlen.  Hierzu
leistet  eine  Excelsiormühle  für  Hand-  oder  Maschinenbetrieb  mit  verstellbarer
Mahlscheibe  vorzügliche  Dienste, 1 )  vergl.  auch  unter  „Futtermittel“.  Die  so  ge'

J )  Zu  beziehen  von  dem  Grusonwerk  Friedr.  Krupp  in  Buckau-Magdeburg  bez'tf-Eisenwerk
  Gaggenau  in  Gaggenau  (Baden).
        <pb n="110" />
        Untersuchung  der  Moorböden.

87

wonnene  lufttrockne  Probe  dient  auch  zur  chemischen  Untersuchung;  in  ihr  wird
(s.  u.)  eine  Bestimmung  der  Trockensubstanz  ausgeftlhrt;  damit  erhält  man  die
nötigen  Unterlagen,  um  berechnen  zu  können,  wie  viel  z.  B.  1  cbm  des  natürlichen
Moores  an  frischer  und  trocken  gedachter  Substanz  enthält;  man  kann  dann  leicht
mit  Hilfe  der  prozentigen  Zahlen  der  Untersuchung  den  absoluten  Gehalt  einer
beliebigen  Bodenmenge  an  wertbestimmenden  Stoffen  ermitteln.
Das  beschriebene  Verfahren  ist  allerdings  nicht  vollkommen  einwandfrei.  Die
Veränderung  im  Wassergehalt  und  in  der  Lagerung  der  Moorteilchen  bei  der  Probenahme ­
  und  dem  Versand  wird  die  Größe  des  Volumgewichts  in  gewissem  Grade
beeinflussen.  Bedenkt  man  aber  einerseits,  daß  man  bei  dem  beschriebenen  Verfahren
fast  nie  die  feste  Lagerung  der  Moorteilchen  wie  im  natürlichen  Moore  erreicht,  also
jedenfalls  die  Bestimmung  des  Volumgewichtes  und  infolgedessen  der  in  einem  bestimmten
Bodeny  olumen  vorhandenen  Nährstoff  mengen  eher  etwas  zu  niedrig  als  zu  hoch
ausfällt,  —  die  vorzuschlagenden  Kulturmaßnahmen  werden  hierdurch  nicht  beeinflußt ­
  —  und  daß  vor  allem  das  Verfahren  seit  Jahren  sich  praktisch  bewährt  hat,,
zieht  man  andererseits  in  Erwägung,  daß  es  sehr  schwer  ist,  das  Verfahren  durch  ein
anderes  zu  ersetzen,  das  ebenso  einfach  ist,  ohne  an  die  Einsicht  und  Geschicklichkeit ­
  der  Einsender  von  Moorproben  bei  der  Probenahme  besondere  Ansprüche
zu  stellen,  so  wird  man  sich  vorläufig  wenigstens  mit  ihm  begnügen  können.
Die  Bestimmung  des  Volumgewichtes  ist  natürlich  frei  von  allen  den  Fehlern,
die  durch  die  Veränderungen  im  Wassergehalt  und  in  der  Lagerung  der  Moorsubstanz ­
  bei  der  Probenahme,  dem  Versand  u.  dergl.  verursacht  werden,  wenn
mit  Hilfe  der  Blechform  die  Würfel  an  Ort  und  Stelle  selbst  ausgehoben  werden.
Es  ist  das  aus  naheliegenden  Gründen  allerdings  nur  selten  ausführbar.  Am  zweckmäßigsten ­
  läßt  man  sich  hierfür  eine  Anzahl  vollkommen  gleich  großer  Blechwürfel ­
  von  den  oben  angegebenen  Maßen  mit  gut  schließendem,  übergreifendem
Deckel  hersteilen.  Bei  Bestimmungen  des  Volumgewichtes  in  der  oberen  Schicht,  der
Ackerkrume,  wird  die  Bodennarbe,  falls  sie  vorhanden  ist,  flach  abgeschält;  handelt
es  sich  um  die  tieferen  Schichten,  so  werden  die  oberen  bis  zur  entsprechenden
Tiefe  sorgfältig  abgetragen,  dann  ein  Würfel  eingedrückt,  ausgehoben,  die  überstellenden ­
  Teile  mit  einem  scharfen  Messer  abgeschnitten  und  geglättet,  der  Würfel
mit  dem  zugehörigen  Deckel  verschlossen  und  die  Fugen  zur  Verhinderung  der
Wasserverdunstung  mit  gummierten  Papier  streifen  verklebt. 1 )  Auf  die  beschriebene
Art  werden  an  verschiedenen  Stellen  der  Moorfläche,  nötigenfalls  auch  in  verschiedenen
Schichten  Würfel  ausgestochen  und  dadurch  die  Sicherheit  der  Volumgewichtsbestimmung ­
  vergrößert,  aus  einer  gleichmäßig  über  die  Fläche  verteilten  Anzahl
von  Probelöchern  zudem  noch  ein  Durchschnittsmuster  des  Moorbodens  gewonnen.
Für  die  Bestimmung  des  Volumens  der  festen  Moorteile,  des  spezifischen  Gewichtes
des  Moorbodens  und  im  Anschluß  daran  der  Porosität  des  Moorbodens  dient  ein
besonders  eingerichtetes  Volumenometer. 2 )

Es  hält  sehr  schwer,  aus  stark  sandigen  Mooren  eine  richtige  Durchschnittsprobe ­
  für  die  Untersuchung  zu  gewinnen,  da  nach  dem  Trocknen  an  un
sich  leicht  entmischen.  Beide  werden  daher  zweckmäßig  voneman  er  B e
’)  Die  Würfelform  hat  am  Boden  ein  kleines  Loch,  um  beim  Einpressen  dei  Mooiprobe
  ein  Entweichen  der  Luft  aus  der  Form  zu  gestatten.
2 )  Br.  Tacke,  Zeitachr.  f.  angew.  Chemie  1893,  39.
        <pb n="111" />
        88

Untersuchung  von  Boden.

Dieses  wird  an  der  Moor-Versuchs-Station  in  der  Art  ausgeftlhrt,  daß  die  Moorprohe
  in  hohen  Zylindern  mit  nicht  zu  wenig  Wasser  vollkommen  zerkleinert  und
aufgerührt  wird.  Der  Sand  setzt  sich  ziemlich  schnell  in  dichter  Schicht  ah,  während
das  leichte  Moor  ziemlich  langsam  niedersinkt  und  nur  eine  lockere  Schicht  bildet.
Etwa  in  letzterer  noch  vorhandener  Sand  fällt  hei  schwachen  Eüttelbewegungen,
die  man  mit  Hilfe  eines  Stahes  in  der  Moorschicht  hervorbringt,  bald  zu  Boden.
Die  Flüssigkeit  mit  der  Moorsuhstanz  wird  dann  vorsichtig  ahgegossen  und  das
Verfahren  so  oft  wiederholt,  bis  der  Sand  vollkommen  frei  von  erkennbarer  organischer ­
  Substanz  erscheint.  Die  Flüssigkeit  mit  dem  Moore  wird  in  einer  großen
Porzellanschale  zur  Trockne  verdampft,  der  Sand  ebenfalls  getrocknet  und  beide
getrennt  untersucht.

III.  Chemische  Untersuchung.
Es  sollen  hier  unter  Hinweis  auf  die  chemische  Untersuchung  der  mineralischen
Bodenarten  nur  die  Abweichungen  von  dem  allgemein  gebräuchlichen  Verfahren
Besprechung  finden,  die  durch  den  Reichtum  der  Moorboden  an  organischer  Substanz
nötig  werden.
1.  Die  Trockensubstanzbestimmung.  Eine  völlig  genaue  Bestimmung  des
Troekensubstanzgehaltes  im  Torf  ist  kaum  möglich,  da  die  organische  Masse  das
Wasser  in  verschiedenem  Zustande  des  Gehundenseins  enthält  und  mit  wie  ohne
Anwendung  von  Wärme  beim  Austrocknen  bereits  einen  teilweisen  Zerfall  bestimmter ­
  organischer  Bestandteile  unter  Abgabe  von  Wasser  erleidet,  ehe  noch  das
sog.  hygroskopische  Wasser  entfernt  ist.  Jedoch  liefern  das  Trocknen  im  Vakuum
über  konzentrierter  Schwefelsäure  oder  Phosphorsäureanhydrid  bei  gewöhnlicher
oder  erhöhter  Temperatur,  das  Trocknen  im  Luft-  und  Wasserstoff  ström  bei  höherer
Temperatur  unter  teilweiser  Evakuierung  des  Trockenraumes  oder  das  Trocknen
bei  höherer  Temperatur  und  Erkaltenlassen  der  Substanz  im  Exsikkator  in  luftdicht
verschließbaren  Gefäßen,  die  vor  dem  Wägen  auf  einen  Augenblick  zum  Ausgleich
der  Spannungsunterschiede  gelüftet  werden,  im  allgemeinen  untereinander  übereinstimmende ­
  und  genügend  genaue  Ergebnisse. 1 )  Handelt  es  sich  lediglich  darum,
einen  Moorboden  auf  seinen  Vorrat  an  Pflanzennährstoffen  zum  Zwecke  der
Empfehlung  von  Kultivierungsmaßnahmen  zu  untersuchen,  so  wird  man  sich  meist
mit  einer  zwar  etwas  weniger  genauen,  aber  einfacher  und  schneller  auszuführenden
Wasserbestimmung  begnügen  dürfen.  Hierbei  werden  zweckmäßig  nicht  zu  geringe
Mengen  (5—10  g)  angewendet.
2.  Veraschung.  Für  die  Untersuchung  auf  mineralische  Bestandteile  wird  der
Moorboden  gewöhnlich  verascht.  Die  Untersuchungen,  die  darüber  Auskunft  liefern
sollen,  in  welcher  Verbindungsform  die  Moorbestandteile  im  ursprünglichen  Moor
enthalten  sind,  haben  zwar  bemerkenswerte  Ergebnisse  geliefert,  sind  jedoch  analytisch
noch  nicht  verwertbar.  Dieselben  können  natürlich  nur  an  der  unveränderten
Moorsubstanz  angestellt  werden. *  2 )
Die  Veraschung  ward  am  besten  in  einer  möglichst  flachen  geräumigen  Platinschale ­
  ausgeführt,  das  Glühen  durch  einen  Bunsenbrenner  mit  Sternaufsatz  (Plamraen-&amp;gt;)

  Man  vergl.  K.  Virchow,  Landw.  Jahrbücher  1880,  9,  1022;  Br.  Tacke,
Chem.-Ztg.  1895,  19,  1756;  H.  Tryller,  Landw.  Versuchs-Stationen  1897,  49,  145;
H.  Puchner,  ebenda  1901,  55,  309;  A.  Mitscherlich,  Landw.  Jahrbücher  1902,  31,  577
und  A.  Arntz,  Landw.  Versuchs-Stationen  1904.  59,  411.
2 )  Vergl.  C.  L.  Wiklund,  Landw.  Jahrbücher  1891,  20,  909;  M.  Schmoeger,
Ber.  d.  D.  chem.  Ges.  1893,  26,  386;  Br.  Tacke,  Chem.-Ztg.  1895,,  19,  1756.
        <pb n="112" />
        Untersuchung  der  Moorböden.

89

Verbreiter)  bewerkstelligt.  Die  Hitze  soll  dunkle  Rotglut  nicht  überschreiten.
Gegen  das  Ende  der  Veraschung  muß  häufig  mit  einem  Platindraht  oder  Spatel
umgerührt  werden,  weil  die  Kohleschicht  auf  der  Oberfläche  der  Asche  sonst  schwer
verbrennt.
Die  Moorasche  ist  äußerst  hygroskopisch  und  daher  möglichst  schnell  mit
einer  Platte  bedeckt  zu  wägen.  Die  Exsikkatoren  müssen  dicht  schließen  und  das
Trookenmittel  muß  häufig  erneuert  werden;  bei  einem  schon  längere  Zeit  benutzten
Exsikkator  zieht  Moorasche  wie  trockne  Moorsubstanz  Wasser  an.
Betreffs  der  bei  Bestimmung  gewisser  leicht  sich  verflüchtigenden  Bestandteile,
wie  Chlor,  Kalium,  zu  beachtenden  Vorsichtsmaßregeln  bei  Herstellung  der  Asche
gelten  die  für  Untersuchung  von  Pflanzen  (vergl.  „Pflanzenasche“)  gültigen  Regeln.
Die  mehr  oder  weniger  stark  mit  Sand,  Ton  oder  Kalk  vermischten  Moorböden ­
  werden  in  derselben  Weise  behandelt:
Soll  die  Untersuchung  eines  Moorbodens  lediglich  die  nötigen  Anhaltspunkte
für  die  Beurteilung  seiner  Kulturfähigkeit  liefern,  so  wird  nach  dem  an  der  Moor-Versuchs-Station
  üblichen  Verfahren  die  Asche  gewogen,  mit  konzentrierter  Salzsäure
von  1,135  spezifischem  Gewicht  unter  Zusatz  von  wenig  Salpetersäure  gekocht,  zur
Trockne  verdampft,  der  Rückstand  nach  dem  Uberführen  der  Kieselsäure  in  die
unlösliche  Form  mit  Salzsäure  aufgenommen,  filtriert  und  das  Unlösliche,  sowie  im
Filtrate  Kalk  und  Phosphorsäure  bestimmt.
In  der  lufttrocknen  Substanz  wird  der  Stickstoff  und  behufs  Umrechnung
des  Untersuohungsergebnisses  auf  Trockensubstanz  die  Feuchtigkeit  ermittelt.
Von  einer  Bestimmung  des  Kalis  wird  seitens  der  Moor-Versuchs-Station
meistens  abgesehen,  da  seine  Menge  in  der  überwiegenden  Anzahl  der  Moore
so  gering  ist,  daß  sie  bei  der  Düngung  unberücksichtigt  bleiben  kann.  In  besonderen
Fällen,  z.  B.  wenn  das  Moor  auf  kalireichem  Untergrund  aufgewachsen  oder  mit
Ton  durchsetzt  ist,  oder  wenn  ein  solcher  Untergrund  selbst  zur  Bedeckung  bei
Deckkulturen  verwendet  werden  soll,  wird  eine  Bestimmung  des  Kalis  ausgeführt.
Die  vollständige  Untersuchung  der  Moorbodenasche  weicht  nicht  von  den  hei
Mineralböden  bezw.  Pflanzenaschen  gebräuchlichen  Verfahren  ab.
3.  Bestimmung  einzelner  Bestandteile.  Bezüglich  der  Bestimmung  einzelner
Bestandteile  des  Moorbodens  sei  noch  folgendes  bemerkt:
a)  Stickstoff.  Der  Stickstoffgehalt  des  Moorbodens  wird  nach  dem  von
Wilfarth  u.  a.  abgeänderten  Kjeldahlschen  Verfahren  durch  Kochen  mit  konzentrierter ­
  Schwefelsäure  unter  Zusatz  von  metallischem  Quecksilber  usw.  bestimmt.
Bei  sandfreien  Moorböden  pflegen  2  g  der  lufttrocknen  Masse  für  die  Bestimmung
auszureichen,  bei  sandhaltigen  (anmoorigen)  Moorböden  wird  entsprechend  mehr  (5—10  g)
nötig  sein.  Das  Uberschäumen  im  Anfang  wird  durch  vorsichtiges  Erhitzen  und
Zusatz  eines  Körnchens  (stickstofffreien)  Paraffins  verhindert  (vergl.  auch  S.  37).
b)  Schwefel  und  Phosphor.  Die  Bestimmung  des  in  Form  von  Sulfiden  vorhandenen ­
  Schwefels  nach  dem  von  M.  Fleischer  angegebenen  Verfahren  ist  weiter
unten  S.  96  u.  ff.  behandelt.
Für  den  Gesamtschwefel  und  Gesamtphosphor  im  Moorboden  sind  die  bekannten ­
  Verfahren  anzuwenden  (siehe  Untersuchung  der  Pflanzenasche);  bei  kalkarmen ­
  Mooren  ist  vor  dem  Veraschen,  besonders  für  die  Bestimmung  des.  Schwefels,
der  Zusatz  basischer  Stoffe  (z.  B.  Soda)  erforderlich. 1 )
')  Vergl.  G.  Gundlach,  Journal  f.  Landwirtschaft  1892,  40,  223  und  G.  Schmoeger,
Landw.  Jahrbücher  1896,  25,  1047.
        <pb n="113" />
        90

Untersuchung  von  Boden.

c)  Pflanzensehädliche  Stoffe.  Das  Auffinden  und  die  quantitative  Bestimmung ­
  derartiger  Stoffe  im  Moore  selbst  ist  bisweilen  mit  großen  Schwierigkeiten
verknüpft.  Das  Verfahren  wird  in  einem  besonderen  Abschnitt  über  die  Untersuchung
der  Untergrundsande  weiter  unten  erörtert  werden.
d)  Bestimmung  der  Absorption  wichtiger  Pflanzennährstoffe  durch  den
Moorboden.  Das  Verfahren  ist  im  wesentlichen  demjenigen  bei  mineralischen
Bodenarten  gleich. 1 )  Besonders  zu  beachten  ist  nur  folgendes:  Wegen  der  großen
wasserhaltenden  Kraft  des  Moorbodens  darf  man  nicht  mit  zu  kleinen  Mengen  der
Nährstofflösungen  arbeiten,  um  nach  Beendigung  der  Absorption  eine  für  die  Untersuchung ­
  genügende  Menge  von  Flüssigkeit  zu  erhalten.
Bei  der  Berechnung  der  Ergebnisse  ist  es  unerläßlich,  den  Wassergehalt  der
verwendeten  Moorprohen  zu  berücksichtigen,  widrigenfalls  man  zu  durchaus  falschen
Schlüssen  gelangt.
Im  übrigen  sei  auf  den  betreffenden  Abschnitt  hei  der  Untersuchung  der
Mineralböden  S.  46  verwiesen.

e)  Bestimmung  der  freien  Humussäuren  im  Moorboden.  Für  die  Bestimmung ­
  der  freien  Humussäuren  im  Moorboden  hat  Br.  Tacke *  2 )  folgendes  Verfahren ­
  angegeben:
Das  Zersetzungsgefäß  c  wird  mit  dem  auf  das  feinste  zerkleinerten  frische»
Moorboden,  dessen  Azidität  ermittelt  werden  soll,  beschickt  und  durch  das  in  di®
Flüssigkeit  tauchende  Rohr  Wasserstoff  eingeleitet,  der  in  einem  Apparat  a  vo»

’)  A.  König,  Über  das  Absorptionsvermögen  humoser  Medien;  Landw.  Jahrbücher
1882,  11,  1;  Landw.  Versuchs-Stationen  1881,  26,  400.  Der  Einfluß  des  Wassergehalte^
lufttrocken  verwandter  Böden  auf  die  Berechnung  des  Resultates  bei  Ahsorptionsversuche»)
Journ.  f.  Landwirtschaft  1882,  30,  337.
2 )  Chem.-Ztg.  1897,  21,  174,
        <pb n="114" />
        Untersuchung  der  Moorböden.

91

bekannter  Form  entwickelt  und  in  den  Waschflaschen  b  mit  Säuren  und  Alkali
gewaschen  wird.  Der  aus  c  austretende  Gasstrom  geht  durch  eine  v.  P  ettenkof  ersehe
Absorptionsröhre  e  und  tritt  in  dem  Gefäß  f  unter  Waser  aus.
Der  Gang  des  Stromes  wird  durch  die  Schraubenklemme  h  geregelt;  die  feinere
Regelung  läßt  sich  sehr  leicht  durch  höheres  oder  tieferes  Eintauchen  des  Rohres
im  Gefäß  f  erreichen,  wodurch  eine  Verschiebung  des  Widerstandes  für  den  austretenden ­
  Gasstrom  in  sehr  engen  Grenzen  möglich  ist.  Der  Ansatz  mit  dem
Quetschhahn  d  dient  dazu,  die  Aufschlämmung  von  kohlensaurem  Calcium  zu  dem
Inhalt  im  Zersetzungsgefäß  c  treten  zu  lassen.  Nach  Einfüllung  des  Moorbodens  und
von  100—200  ccm  Wasser  in  c  wird  zunächst  durch  den  ganzen  Apparat  1  Stunde  lang
Wasserstoff  geleitet,  um  den  Sauerstoff  und  die  im  Apparat  vorhandene  Kohlensäure
zu  entfernen.  Zum  Aufschlämmen  der  Stoffe  wird  ausgekochtes  Wasser  benutzt,  desgleichen ­
  zur  Herstellung  der  Lösung  verdünnter  Säure  im  Wasserstoffentwickelungsapparat ­
  a.  Ist  aller  Sauerstoff  und  alle  Kohlensäure  durch  Wasserstoff  im  Apparat
verdrängt,  so  wird  bei  ununterbrochenem  Gasstrom  durch  Lüftung  des  Stopfens  in  das
Absorptionsrohr  e  die  Absorptionsflüssigkeit  (100  ccm  oder  Natronlauge)  eingefüllt, ­
  sodann  durch  d  ein  Uberschuß  von  aufgeschlämmtem  kohlensaurem  Calcium  und
unter  zeitweiligem  Umschütteln  des  Inhaltes  im  Gefäß  c  mindestens  weitere  3  Stunden
Wasserstoff  in  langsamem  Strom  durchgeleitet,  darauf  der  Inhalt  des  Absorptionsrohres ­
  e  unter  möglichster  Verhütung  des  Zudringens  von  Kohlensäure  aus  der  Luft
entleert  und  die  Veränderung  der  Azidität  nach  dem  Verfahren  von  CI.  Winkler 1 )
(Zusatz  von  reinstem  Chlorbaryum  und  Titrieren  mit  oder  ^  Salzsäure,  unter  Verwendung ­
  von  Phenolphthalein  als  Indikator)  bestimmt,  indem  man  die  Lösung
samt  Niederschlag  direkt 2 )  titriert.
Der  Gehalt  der  verwendeten  Lauge  an  freiem  Alkali  wird  vorher  in  derselben
Weise  (unter  Einhaltung  derselben  Verdünnungen)  durch  Titration  mit  Salzsäure
nach  Zusatz  von  Chlorbaryum  unter  Anwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator
festgestellt.  Die  Differenz  zwischen  den  beiden  Titrationen  ergibt  die  Menge
Kohlensäure,  die  aus  dem  Calciumkarbonat  durch  Einwirkung  der  freien  Humussäure ­
  des  Moorbodens  entwickelt  worden  ist,  und  in  dieser  ein  Maß  für  den  Säuregrad ­
  des  Bodens.  Wichtig  ist  es,  daß  bei  der  Titration  am  Schlüsse  der
Zusatz  der  Säure  langsam  erfolgt.
Durch  die  Ermittelung  des  Säuregrades  (Gehaltes  an  freier  Säure,  Humussäure)  lassen
sich  nach  Br.  Tacke  eine  Reihe  Fragen,  wie  über  das  Kalkbedürfnis,  die  Wirkung  der
Eohphosphate  usw.  auf  verschiedenen  Moorböden  beantworten.

IV.  Berechnung  der  Untersuchung  und  ihre  Verwertung  zur  Beurteilung
der  Güte  eines  Moorbodens.
Die  Untersuchungsergebnisse  werden  am  besten  auf  Prozente  der  vollkommen  trocken
gedachten  Moorsubstanz  berechnet  und  daun  auf  Grund  der  Volumgewichtsbestimmung  ermittelt, ­
  wie  viel  von  den  betreffenden  Pflanzennährstoffen  in  einem  bestimmten  Bodenvolumen,
z.  B.  auf  einer  Fläche  von  1  ha,  in  der  Oberflächenschicht  von  0—20  cm  oder  in  einer  gleich
*)  Vergl.  CI.  Winkler,  Maßanalyse,  und  Fr.  Boeckmann,  Untersuohungsmethoden
1893,  1,  411.
3 )  Vergl,  F.  W.  Küster,  Zeitschr.  f.  anorgan.  Chemie  1896,  18,  127,  und  G.  Lunge,
Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1897,  41.
        <pb n="115" />
        92

Untersuchung  von  Boden.

mächtigen  Schicht  der  tieferen  Lagen  vorhanden  ist.  Durch  den  Vergleich  mit  Moorböden
von  anerkannter  Fruchtbarkeit  wird  dann  ein  gewisses  Wertmaß  für  die  gerade  vorliegenden
Moorflächen  und  Anhaltspunkte  für  Kultivierungsvorschläge  gewonnen.
Die  Untersuchungen  der  Moor-Versuchs-Station  haben,  wie  schon  oben  S.  85  erwähnt
wurde,  gezeigt,  daß  der  Kalkgehalt  der  verschiedenen  Moorbodenarten  ein  kennzeichnendes
Unterscheidungsmerkmal  bietet.
Es  lassen  sich  hiernach  die  Moore  in  zwei  Hauptgruppeu  trennen,  erstens  in  solche
mit  weniger  als  0,5  °/ 0 ,  zweitens  in  solche  mit  mehr  als  2,5  °/ 0  Kalk,  auf  trockne  Moorsubstanz, ­
  frei  gedacht  von  zufälligen  Bestandteilen,  berechnet.  Zu  der  ersten,  der  Gruppe
der  kalkarmen  Moore,  zählen  unter  anderen  die  sog.  Hochmoore  oder  Moostorf-Heide-Moore,
  zu  der  Gruppe  der  kalkreichen  Moore  die  allgemein  als  Grünlands-  oder
Niederungsmoore  bezeichneten.  Die  zwischen  den  ausgesprochenen  Hochmooren  und
Grünlandsmooren  stehenden  Moorbildungen,  zu  denen  eine  große  Anzahl  der  süddeutschen ­
  Moore,  die  Mehrzahl  der  Gebirgsmoore,  ebenso  z.  B.  die  Moore  der  schwedischen
Provinz  Smaland  gehören,  weisen  in  der  Eegel  nicht  nur  einen  höheren  Kalk-  und  Stickstoffgehalt, ­
  sondern  auch  einen  weit  besseren  Zersetzungszustand  auf,  als  die  Moostorf'
Heide-Moore.
Für  diese  verschiedenen  Moorarten  ist  die  Art  der  landwirtschaftlichen  Nutzbarmachung ­
  eine  durchaus  verschiedene.  Die  Untersuchung  läßt  zunächst  mit  Sicherheit  erkennen, ­
  welche  Moorbodenart  vorliegt.
Folgende  Zusammenstellung  aus  einer  großen  Anzahl  von  Untersuchungen  berechneter ­
  Durchschnittszahlen,  welche  einem  Aufsatz  von  M.  Fleischer 1 )  entnommen  sind,
gibt  über  die  Zusammensetzung  der  häufiger  vorkommenden  Moorbodenarten  Aufschluß.

In  100  Teilen  Trockensubstanz  sind  enthalten:
1  cbm  frisches

Moostorf-Heide-Moore:  stl &amp;lt;* stoff
Io

Kall
°/o

Kalk
°/o

Phosphorsäure
°/o

Moor  enthält
Trockensubstanz

Oberfläche,  sog.  Heidehumus *  2  3 )  .  .  1,2

0,05

0,35

0.10

120  kg.

Tiefere  Schicht,  Moostorf  (jüngerer)  0,8

0.03

0,25

0,04

90  „

Graswüchsige  Moore  ....  2,5

0,10

4,00

0,25

250  „

In  der  Mitte  stehende  Moore  .  2,0

0,10

1,00

0,20

180  „

Wie  aber  schon  oben  auseinandergesetzt  wurde,  geben  die  prozentigen  Zahle 11
keine  genügende  Vorstellung  von  den  Vorräten  an  Pflanzennährstoffen  in  den  verschiedene»
Moorböden;  diese  erhält  man  erst,  wenn  man  mit  Hilfe  des  Volumgewichts  berechnet,  wie
viel  z.  B.  in  der  obersten  Schicht  von  20  cm,  welche  zunächst  für  die  Pflanze  als  Kulturschicht ­
  in  Betracht  kommt,  an  den  betreffenden  Nährstoffen  auf  1  ha  Fläche  vorhanden  ist.
Es  ergibt  sich  dann  folgendes;
Auf  1  ha  Fläche  bis  zu  20  cm  Tiefe  sind  vorhanden:

Stickstoff

Kall

Kalk

Phosphorsäure

Oberfläche,  sog.  Heidehumus  .  .

.  2880  kg

100  kg

840  kg

240  kg.

Moostorf

1450  „

54  „

450  „

72  „

Graswüchsige  Moore  ....

.  12500  „

500  „

20200  „

1250  „

In  der  Mitte  stehende  Moore  .

.  7200  „

360  „

3600  „

720  „

Zum  Vergleich  mögen  poch  die  folgenden  Angaben  dienen.
Zusammensetzung  einiger  typischen  Bodenarten  nach  Untersuchung» 11
der  Moor-Versuchs-Station: 3 )

*)  M.  Fleischer,  Unsere  Moore  und  ihre  landwirtschaftliche  Verwertung;  Mentzel
und  von  Lengerkes  landw.  Kalender  1888,  II.  T.,  31.
2 )  Darunter  wird  die  besser  zersetzte  Oberflächenschioht  verstanden,  die  durch  Vef'
Witterung  der  organischen  Substanz  und  durch  die  bodenbereichernde  Wirkung  des  Heide'
Wuchses  auf  die  Oberfläche  mit  bestimmten  Pflanzennährstoffen  angereichert  ist.
3 )  M.  Fleischer,  Mitteilungen  des  Vereins  zur  Förderung  der  Moorkultur  1111
Deutschen  Reiche  1889,  7,  205.
        <pb n="116" />
        Untersuchung  der  Moorböden.

93

100  kg  trocknen  Bodens  enthalten:

Boden.

&amp;lt;X&amp;gt;
rd
e  03
6
hg

£  Stickstoff

13
M
kg

lö
kg

aä
'53
(£
P
bfl
cö
s
kg

S|
S|
3  s
kg

o  ©
o  CO
rd
PH
kg

■Ä  ©
03  P
|S
■S  “
m
kg

Kohlenw
  säure

Humoser  Heidesand.
Sandheidefläche  in  der  Arbeiterkolonie
Loxstedt  bei  Bremerhaven  ....

5,22

0,16

0,05

0,03

0,04

?

0,02

?

Cujavischer  Boden  (dunkelt
Rittergut  Lachmirowitz,  Kr,  Inowrazlaw

2,39

0,16

0,24

0,95

0,44

3,14

0,09

0,07

0,43

Weser-Marschboden.
Aus  der  Nähe  von  Bremerhaven  .  .  .

8,64

0,26

0,70

6,72

1,63

9,20

0,20

0,17

4,63

Niederungsmoor  aus  dem  Drömling ­
  (unkultiviert).
Rittergut  Cunrau  (obere  Schicht),  Torfstich

82,56

3,23

0,05

6,96

0,19

3,31

0,25

1,51

Hochmoorboden  durch  Brennkultur ­
  ausgenutzt  (unkultiviert).
Hellweger  Moor,  Kr.  Achim,  Moorkolonie
Hintzendorf

91,47

1,06

0,06

0,27

0,19

0,79

0,09

0,22

Hochmoorboden  in  alter  Kultur
(ohne  Sand).
Hellweger  Moor,  Kr.  Achim,  Moorkolonie
Giersdorf

1,38

0,07

0,59

0,35

0,91

0,16

0,30

Ausgetorfter  Hoohmoorboden
(unkultiviert).
Lilienthaler  Hochmoor,  Kr.  Osterholz,
Moorkolonie  Wörpedorf

99,6E

0,99

0,07

0,24

0,28

0,23

0,05

0,27

Ausgetorfter  Hochmoorboden
(mit  Sand  kultiviert).
Lilienthaler  Hochmoor,  Moorkolonie  Wörpedorf ­
  .  ;  .  .

34,4 r

0,69

0,06

0,27

0,09

0,75

0,11

0,18

—

Aus  einer  anderen  an  demselben  Orte  gegebenen  Zusammenstellung  über  die
Mengen  an  wichtigen  Pflanzennährstoffen  in  1  cbm  der  natürlichen  Böden  ist  die  folgende
labelle  berechnet  worden,  welche  angibt,  wieviel  Kilogramm  Stickstoff,  Kali,  Kalk  und
I  hosphorsänre  in  einer  20  cm  mächtigen  Oberflächenschicht  von  1  ha  Fläche  vorhanden  sind.

Bodenarten.
Humoser  Heidesand  (Sandheidefläche  in  der
Arbeiter-Kolonie  Loxstedt  bei  Bremerhaven)
Cujavischer  Boden  (dunkel).  Rittergut  Lachmirowitz,
  Kreis  Inowrazlaw
Weser-Marschboden  aus  der  Nähe  von  Bremerhaven ­

Niederungsmoor  aus  dem  Drömling  (unkultiv.),
Rittergut  Cunrau  (obere  Schicht,  Torfstich)

Stickstoff

Kali

kg

kg

4000

1200

5000

7600

4200

11200

16200

200

Kalk

Phosphorsaure


kg

kg

800

600

30000

2800

92200

3200

29800

1200
        <pb n="117" />
        94

Untersuchung  von  Boden.

Bodenarten.

Stickstoff
kg

Kali
kg

Kalk
kg

Phosphorsäure

kg

Hochmoorboden  durch  Brennkultur  ausgenutzt

(unkultiviert),  Hellweger  Moor,  Kreis  Achim,
Moorkolonie  Hintzendorf

3000

200

800

120

Hochmoorboden  in  alter  Kultur  (ohne  Sand),

Hellweger  Moor,  Kreis  Achim,  Moorkolonie
Giersdorf

4400

200

800

600

Ausgetorfter  Hochmoorboden  (unkultiv.),  Lilienthaler

  Hochmoor,  Kreis  Osterholz,  Moorkolonie
Wörpedorf

1800

200

400

200

Ausgetorfter  Hochmoorboden  (mit  Sand  kultiviert,

  alte  Kultur),  Lilien  thaler  Hochmoor
Osterholz,  Moorkolonie  Wörpedorf  ....

3400

400

2200

800

Mit  Hilfe  dieser  Zahlen  wird  sich  jeder  Moorhoden  auf  Grund  der  durch  die  Untersuchung ­
  und  das  Yolumgewicht  gewonnenen  Werte  seiner  Zusammensetzung  nach  kennzeichnen ­
  und  annähernd  auf  seinen  landwirtschaftlichen  Wert  beurteilen  lassen.  Auf  die
einzelnen  Arten  der  Meliorierung,  welche  bei  den  erwähnten  Moorhodenarten  eine  durchaus
verschiedene  ist,  kann  hier  nicht  näher  eingegangen  werden;  in  bezug  hierauf  sei  auf  die
schon  mehrfach  erwähnte  Schrift  von  M.  Fleischer,  sowie  die  übrigen  Veröffentlichungei 1
der  Moor-Versuchsstation  verwiesen.
Wiederholt  wurde  schon  betont,  daß  bei  der  Beurteilung  der  Güte  eines  Moorbodens
nicht  weniger,  wie  die  chemische  Zusammensetzung,  der  Zersetzungszustand  Beachtung  verlangt, ­
  da  dieser  die  Kulturfähigkeit  in  hohem  Grade  beeinflußt.  Derselbe  pflegt  bei  kalkreichen
  Mooren  weit  günstiger  zu  sein  als  bei  kalkarmen;  in  den  erstgenannten  Mooren  gehen
die  chemischen  Umsetzungen,  namentlich  die  Bildung  von  Kohlensäure  und  Salpetersäure,
wie  die  von  der  Moor-Versuchs-Station  ausgeführten  Untersuchungen  zeigen,  mit  unvergleichlich ­
  viel  größerer  Energie  vor  sich,  als  in  den  letzteren  Mooren.
Endlich  muß  noch  darauf  hingewiesen  werden,  daß  neben  den  chemischen  und
physikalischen  Bodeneigenschaften  noch  eine  ganze  Reihe  landwirtschaftlicher  und  technischer ­
  Gesichtspunkte,  namentlich  die  Lage,  die  Mächtigkeit,  die  Wasserverhältnisse,  in
Betracht  zu  ziehen  sind,  um  ein  abschließendes  Urteil  über  die  Kulturwürdigkeit  von
Moorflächen  zu  erlangen.  V.
V.  Untersuchung  der  Materialien  zur  Bedeckung  des  Moorbodens  bei  de f
Anlage  von  Deckkulturen  nach  Rimpaus  System  („Dammkultur“).
Als  Bedeckungsmaterial  für  den  Moorboden  dient  der  Mineralboden  aus  de» 1
Untergrund  oder  aus  der  Umgebung  des  Moores.  In  der  Mehrzahl  der  Fälle  handelt
es  sich  dabei  um  Sand-  oder  Kiesböden  mit  oder  ohne  einen  Gehalt  an  kohleh'
saurem  Kalk,  nicht  selten  aber  auch  um  kalkfreie  oder  kalkhaltige  Tonböden  oder
um  'Wiesenmergel  (sog.  Wlesenkalk).
Das  Urteil,  ob  dieser  oder  jener  Boden  ein  geeignetes  Bedeckungsmaterial
abgibt,  stützt  sich  im  wesentlichen  auf  die  Beobachtung  der  folgenden  Eigenschaften'■
Farbe,
Gehalt  an  tonigen  Beimengungen,
„  „  kohlensaurem  Kalk,
„  „  Peldspatteilchen,
„  „  organischen  Stoffen,
„  „  Eisenoxyd-  und  Eisenoxydulverbindungen,
„  „  schädlichen  Bestandteilen  (Schwefeleisen  und  dessen  OxydationseU
Zeugnissen,  schwefelsaurem  Eisenoxydul  und  freier  Schwefelsäure))
        <pb n="118" />
        Untersuchung  der  Moorböden.

95

außerdem  auf  die  Ermittelung  der  Körnigkeit  und  des  Gehaltes  an  kiesigen  Beimengungen ­
  und  deren  Kennzeichnung  hei  Sandböden,  der  Zähigkeit  und  des
Sandgehaltes  hei  Tonhöden.
Um  über  die  Körnigkeit  eines  Sandes  Aufschluß  zu  erhalten,  empfiehlt  es
sich,  die  etwa  vorhandenen  tonigen  Teilchen  durch  Ahschlämmen  zu  entfernen.
Man  verfährt  dabei  zweckmäßig  in  der  Weise,  daß  man  in  einem  zylindrischen,
nicht  zu  niedrigen  Gefäße  eine  Probe  Sand  mit  Wasser  stark  aufrtlhrt,  den  Sand
sich  absitzen  läßt,  den  Ton,  soweit  er  in  dem  Wasser  aufgeschwemmt  ist,  mit
dem  Wasser  abgießt.  Durch  Wiederholung  des  Verfahrens  erhält  man  den  Sand
bald  genügend  tonfrei,  um  sich  betreffs  seiner  Körnigkeit  keinen  Täuschungen
auszusetzen.  Benutzt  man  stets  ziemlich  gleich  große  Gefäße  und  gleiche  Wassermengen, ­
  so  lassen  sich  die  einzelnen  Sande  sehr  gut  miteinander  vergleichen,  und
man  gewinnt  bei  einiger  Übung  durch  dieses  schnell  auszuführende  einfache  Verfahren ­
  ein  genügend  sicheres  Urteil,  ob  der  Sandboden  als  grob-,  mittel-,  feinkörnig
oder  als  fein-  bis  mittelkörnig  oder  mittel-  bis  feinkörnig  usw.  zu  bezeichnen  ist.
Ein  Gehalt  an  Kies  oder  Steinen  verdient  wegen  der  vielleicht  daraus  sich
ergebenden  Schwierigkeiten  bei  der  Bearbeitung  und  wegen  des  Einflusses  auf  die
Kapillarität  der  mineralischen  Decke  Beachtung,  ebenso  die  Gegenwart  größerer
Mengen  organischer  Stoffe  wegen  der  hierdurch  verursachten  dunklen  Färbung.
In  der  Hegel  beschränkt  man  sich  auf  eine  qualitative  Untersuchung.  Wo
quantitative  Bestimmungen  einzelner  Bestandteile  (kohlensaurer  Kalk,  Kali,  Phosphorsäure) ­
  wünschenswert  erscheinen,  wird  nach  den  üblichen  Verfahren  gearbeitet.
Bezüglich  der  Brauchbarkeit  eines  Bedeckungsmaterials  läßt  sich  im  übrigen
keine  allgemein  gültige  Segel  geben,  in  jedem  besonderen  Falle  kann  nur  aus
einer  Reihe  von  Erwägungen  und  Beobachtungen  verschiedener  Art  das  richtige
Urteil  gewonnen  werden.  Zum  Teil  ist  z.  B.  die  Verwendung  davon  abhängig,
welche  Kulturart  beabsichtigt  wird,  wie  die  Entwässerungsverhältnisse  sich  gestalten,
welche  Früchte  im  besonderen  gebaut  werden.  Allgemein  gültig  ist  nur,  daß  die
vorliegenden  Erfahrungn  nicht  zugunsten  des  einen  oder  anderen  Bedeckungsmaterials ­
  sprechen;  sie  lehren  nur,  daß  für  Moore  von  gewisser  Beschaffenheit
dieses  oder  jenes  Bedeckungsmaterial  besonders  brauchbar  ist,  ohne  die  Verwendung
eines  anderen  auszusohließen.
Die  Untersuchung  der  Bedeckungsmaterialien  auf  pflanzenschädliche ­
  Stoffe  erfordert  eine  eingehende  Besprechung.  Als  solche  sind  bis
jetzt  Schwefeleisen  und  seine  Oxydationserzeugnisse,  schwefelsaures  Eisenoxydul
und  freie  Schwefelsäure,  gefunden  worden.  Sie  können  außer  in  den  mineralischen
Untergrundschichten  auch  in  den  tieferen  Moorschichten  verkommen.  Das  Verfahren ­
  für  den  Nachweis  derselben  ist  jedoch  in  beiden  Fällen  dasselbe.  Äußere
Merkmale  für  das  Vorhandensein  von  Schwefeleisen  gibt  es  nicht.  Die  Tiefe,
in  welcher  es  vorkommt,  kann  sehr  verschieden  sein;  es  wurde  bei  einem  ganz
flachen  Moorstande  von  25—30  cm,  wie  auch  in  größerer  Tiefe  von  75  cm  und
mehr  gefunden.  Besonders  ist  die  Ubergangsschicht  zwischen  Moor  und  Sand  darauf
zu  untersuchen.  Sehr  erschwerend  für  die  Auffindung  ist  der  Umstand,  daß  es
nesterweise  vorkommt.  Die  Probenahme  muß  daher  mit  großer  Vorsicht  und  an
möglichst  vielen  Stellen  des  Untergrundes  vorgenommen  werden.  Wegen  der
hieraus  sich  ergebenden  Schwierigkeiten  einer  ganz  sicheren  Probenahme  wird  seitens
der  Moor-Versuchsstation  von  der  Verwendung  von  Untergrundsanden  stets  abgeraten, ­
  in  denen  qualitativ  irgend  erhebliche  Mengen  von  Schwefeleisen  oder
schwefelsaurem  Eisenoxydul  nachweisbar,  sind.  Für  die  Ermittelung  der  pflanzen ­
        <pb n="119" />
        9g  Untersuchung  von  Boden.

schädlichen  Stoffe  wurden  an  der  Moor-Versuchs-Station  die  folgenden  Verfahren
ausgearbeitet: x )
a)  Qualitativer  Nachweis.
a)  Wasserlösliches  Eisenoxydul.  Die  Moor-  oder  Sandprobe  wird  in
einem  Bechergläschen  etwa  mit  dem  doppelten  Volumen  Wasser  libergossen,  eine
Messerspitze  voll  fein  zerriebenen  roten  Blutlaugensalzes  zugesetzt  und  nach  dem
Umrühren  mit  einem  Glasstab  24  Stunden  lang  stehen  gelassen.  Ist  bis  dahin  keine
Blaufärbung  eingetreten,  so  ist  sicher  kein  Eisensulfat  vorhanden.  Bei  Gegenwart
desselben  entstehen  entweder  an  der  Oberfläche  der  festen  Masse  oder  an  einzelnen
häufig  von  außen  sichtbaren  Stellen,  an  Holzresten  und  dergl.  blaue  oder  bläuliche
Färbungen.  Die  bei  Sandproben  sehr  deutliche  Eeaktion  ist  bei  den  dunkel  gefärbten ­
  Moorproben  schwieriger  zu  erkennen. *  2  3  *  *  *  * )
Bei  Gegenwart  von  kohlensauren  Salzen  (kohlensaurem  Calcium)  wird,  wenn
aus  Schwefeleisen  durch  Oxydation  schwefelsaures  Eisenoxydul  entsteht,  bald  eine
Umsetzung  eintreten  und,  falls  die  Mengen  der  kohlensauren  Salze  ausreichen,  alles
Eisensulfat  in  Karbonat  verwandelt  und  kein  wasserlösliches  Eisenoxydul  nachzuw'eisen
  sein.
ß)  Sohwefeleisen.  Nach  den  vorliegenden  Untersuchungen 8 )  hat  das  in
den  Mooren  vorkommende  Schwefeleisen  die  Zusammensetzung  FeS 2  und  die  Form
des  Wasserkieses,  welcher  sich  bei  Gegenwart  von  Wasser  und  Luft  leicht  in
schwefelsaures  Eisenoxydul  und  freie  Schwefelsäure  umsetzt.  Daneben  finden  sich
andere  schwerer  zersetzbare  Schwefeleisenverbindungen,  wenn  auch  seltener.
Der  qualitative  Nachweis  des  Schwefeleisens  stützt  sich  darauf,  daß
es  bei  heftigem  Glühen  unter  Luftzutritt  allen  Schwefel  in  Form  von  Schwefliger
Säure  bezw.  Schwefelsäure  abgibt,  und  daß  selbst  sehr  geringe  Mengen  Schwefliger
Säure  sich  durch  den  Geruch  mit  Sicherheit  erkennen  lassen.
Die  fragliche  Probe  wird  in  einem  Platintiegel  mit  aufgelegtem  Deckel  auf
einem  Gebläse  zum  Glühen  erhitzt,  dann  schnell  in  eine  eiserne  Pfanne  ausgeschilttet
  und  zur  Nase  geführt.  Kleine  Mengen  Schwefliger  Säure  werden  an  dem
scharfen  stechenden  Geruch  sofort  erkannt.  Sind  in  der  Probe  kohlensaure  oder  humussaure
  Salze  vorhanden,  so  wird  ein  Teil  der  entstandenen  Säure  von  den  Basen  dieser
Salze  zurückgehalten  werden.  Aber  unter  Umständen  tritt  selbst  bei  einem  großen
Überschuß  von  kohlensaurem  Kalk,  wie  z.  B.  in  schwefelkieshaltigen  Mergeln,  beim
Glühen  eine  starke  Entwicklung  von  Schwefliger  Säure  auf,  vielleicht  weil  die  Mischung
von  kohlensaurem  Kalk  und  Schwefeleisen  nicht  innig  genug  ist,  um  alle  Schweflige
Säure  festzuhalten.  Wässerige  Auszüge  geben  dann  keine  Eeaktion  auf  Eisenoxydul-Ein
  derartiges  kalkreiches  Deckmaterial  kann  ohne  Bedenken  verwendet  werden,  da
in  dem  vorhandenen  kohlensauren  Kalk  zugleich  ein  Mittel,  die  etwa  aus  Schwefelkies ­
  entstehende  Schwefelsäure  unschädlich  zu  machen,  geboten  ist.  Es  empfiehlt
sich  daher,  neben  der  Prüfung  auf  wasserlösliches  Eisenoxydul  und  Schwefeleisexi
stets  die  auf  Kohlensäure  vorzunehmen.

')  M.  Fleischer,  Landw.  Jahrbücher  1886,  15,  50.
2 )  Betreffs  des  Auftretens  der  Eeaktion  bei  Gegenwart  von  Eisenphosphat  vergl-Br.
  Tacke,  Mitteilung  des  Vereins  zur  Förderung  der  Moorkultur  1892,  10,  46.
3 )  M.  Märcker,  Zeitschr.  des  landw.  Vereins  der  Provinz  Sachsen  1874,  No.  2
und  3,  S.  64  ff.
W.  Th.  Osswald,  Landw.  Jahrbücher  1877,  (&amp;gt;,  391  ff.
K.  Virchow,  Ebenda  1880,  9,  1034.
M.  Fleischer,  Ebenda  1886,  15,  50ff.
        <pb n="120" />
        Untersuchung  von  Gesteinen  und  deren  Verwitterungs-Erzeugnissen.

97

b)  Quantitative  Bestimmung  der  pllanzenschädlichen  Stoffe.
Um  die  Zersetzungserzeugnisse  des  Schwefeleisens,  schwefelsaures  Eisenoxydul
und  freie  Schwefelsäure,  der  Menge  nach  zu  bestimmen,  werden  die  Proben  mit
Wasser  ausgezogen  und  die  in  den  wässerigen  Auszügen  gelösten  Bestandteile  ermittelt. ­
  Es  sind  darin  stets  vorhanden:  Kali,  Natron,  Kalk,  Magnesia,  Schwefelsäure, ­
  Chlor,  bisweilen  geringe  Mengen  Kieselsäure  und  Eisenoxydul,  in  den
wässerigen  Auszügen  aus  Moor  zudem  noch  gelöste  organische  Stoffe.  Aus
den  mit  schädlichen  und  unschädlichen  Sanden  seitens  der  Moor-Versuchs-Station
angestellten  vergleichenden  Untersuchungen  geht  hervor,  daß  man  zu  durchaus
sicheren  Ergebnissen  gelangt,  wenn  man  das  Chlor  als  an  Natrium  bezw.  Kalium,
den  Rest  der  Alkalien,  Kalk  und  Magnesia,  an  Schwefelsäure  gebunden  berechnet;
die  übrig  bleibende  Schwefelsäure  ist  dann  an  Eisenoxydul  gebunden  oder  in  freiem
Zustand  zugegen.  Die  in  den  Wasserauszügen  aus  unschädlichen  Sanden  vorhandenen ­
  Basen  reichen  aus,  um  die  vorhandene  Säure  zu  neutralisieren;  in  den  aus
schädlichen  Sanden  waren  nach  Bindung  der  Alkalien  und  alkalischen  Erden  noch  mehr
oder  weniger  beträchtliche  Mengen  Schwefelsäure  an  Eisenoxydul  gebunden  oder  in
freiem  Zustand  vorhanden.  Wenngleich  bei  den  Auszügen  aus  Moorproben  wegen  der
in  der  Lösung  vorhandenen  humussauren  Salze  die  Menge  der  nach  dem  angegebenen
Verfahren  gefundenen  freien  oder  an  Eisenoxydul  gebundenen  Schwefelsäure  zu  niedrig
gefunden  wird,  weil  die  Basen  der  humussauren  Salze  als  an  Schwefelsäure  gebunden
berechnet  werden,  so  dürfte  dadurch  kaum  dem  praktischen  Wert  des  Verfahrens
Abbruch  geschehen,  da  anzunehmen  ist,  daß  die  humussauren  Alkalien  oder  Erdalkalien
sich  mit  dem  schwefelsauren  Eisenoxydul  im  Boden  bald  zu  humussaurem  Eisenoxydul ­
  und  Sulfaten  der  Alkalien,  des  Kalkes,  der  Magnesia  umsetzen  und  dadurch
die  nach  obiger  Berechnung  nicht  gefundene  Menge  freier  oder  an  Eisenoxydul  gebundener ­
  Schwefelsäure  ganz  oder  größtenteils  unschädlich  wird.  Der  Fehler  fällt
beim  Vorhandensein  größerer  Mengen  schädlich  wirkender  Schwefelsäure  übrigens
kaum  ins  Gewicht.
Quantitative  Bestimmung  des  Schwefeleisens.  Dieselbe  wird  nach
dem  S.  40  u.  f.  beschriebenen  Verfahren  von  M.  Fleischer  ausgeführt.  Es  empfiehlt
sich,  beim  Glühen  von  Moorboden  im  Glasrohr  die  Luft  durch  reinen  Sauerstoff  zu
ersetzen,  um  eine  vollkommene  Verbrennung  zu  erzielen;  anderenfalls  kann  mangels
Sauerstoffs  ein  Teil  des  Schwefels  unzersetzt  bleiben.
Schließlich  kann  man,  um  sich  von  der  Unschädlichkeit  eines  Bedeckungsmaterials ­
  zu  überzeugen,  einen  Keimversuch  in  demselben  anstellen.  Pflanzenschädliche ­
  Stoffe  machen  sich  bald  durch  das  Absterben  der  jungen  Pflänzchen  in
kennzeichnender  Weise  bemerkbar.
Durch  entsprechende  Mengen  von  gebranntem  oder  kohlensaurem  Kalk  gelingt
es,  die  aus  Schwefeleisen  herstammenden  pflanzenschädlichen  Stoffe  unwirksam  zu
machen.

Untersuchung  von  Gesteinen  und  deren  Verwitterungs-Erzeugnissen.

Für  die  Untersuchung  der  Gesteinsarten  und  deren  Verwitterungserzeugnisse
lassen  sich  kaum  allgemein  anzuwendende  Verfahren  angeben.  Dieselben  richten
sich  einerseits  nach  der  Art  des  Gesteins,  andererseits  nach  dem  Zweck  der  Untersuchung. ­
  Soll  durch  die  Untersuchung  nur  der  landwirtschaftliche  Nutzungswert  der
Gesteine  und  deren  Verwitterungserzeugnisse  ermittelt  werden,  so  verfährt  man  im
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  7
        <pb n="121" />
        98

Untersuchung  von  Gesteinen  und  deren  Verwitterungs-Erzeugnissen.

allgemeinen  wie  bei  der  Untersuchung  der  mineralischen  Bodenarten.  Handelt  es
sich  um  eine  einfache  Bausch-Untersuchung,  durch  welche  die  einzelnen  Bestandteile
des  Gesteins  bestimmt  werden  sollen,  so  verfährt  man  wie  folgt:
1.  Aufschließung  mit  kohlensaurem  Kalium-Natrium.  Ein  Teil  des  sehr  fein
zerriebenen  Minerals  (1—3  g)  wird  mit  der  4-fachen  Menge  von  kohlensaurem
Kalium-Natrium  —  Gemisch  von  13  Teilen  wasserfreiem,  kohlensaurem  Kalium  und
10  Teilen  wasserfreiem,  kohlensaurem  Natrium  —  in  einem  geräumigen  Platintiegel
mittels  eines  Platinspatels  innig  vermengt,  anfänglich  gelinde,  dann  im  Gebläse  so
lange  erhitzt,  bis  die  Masse  ruhig  fließt  und  keine  Blasen  mehr  wirft.  Die  erkaltete ­
  Schmelze  (nötigenfalls  mit  Tiegel) 1 )  wird  in  einem  Becherglase  mit  der
10—15-fachen  Menge  Wasser  unter  Erwärmen  aufgeweicht,  dann  unter  Bedecken
des  Becherglases  mit  einem  Uhrglase  mit  Salzsäure  (nötigenfalls  unter  Zusatz
von  etwas  Salpetersäure)  im  Uberschuß  versetzt,  so  lange  damit  stehen  gelassen,
his  keine  Kohlensäure  mehr  entweicht,  dann  in  eine  Porzellanschale  gespült,  in
dieser  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft  und  zur  vollständigen  Abscheidung ­
  der  Kieselsäure  noch  einige  Zeit  im  Luftbade  erwärmt.  Der  Rückstand
wird  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,  die  abgeschiedene  Kieselsäure
filtriert,  ausgewaschen,  getrocknet,  geglüht  und  gewogen.  Das  salzsaure  Filtrat
wird  auf  ein  bestimmtes  Volumen  gebracht  und  in  aliquoten  Teilen  die  Basen:
Eisenoxyd,  Tonerde,  Mangan,  Kalk,  Magnesia  usw.  nach  den  S.  24  u.  ff.  unter
„Boden“  angegebenen  Verfahren  bestimmt.  Die  Alkalien  können  selbstverständlich
in  dieser  Lösung  nicht  bestimmt  werden,  für  deren  Bestimmung  bedarf  es  der
2.  Aufschließung  mit  Flußsäure.  Je  nach  dem  Gehalt  an  Alkali-Silikaten
werden  1  bis  10  g  des  äußerst  fein  zerriebenen  Gesteins  mit  Flußsäure  aufgeschlossen
und  weiter  behandelt,  wie  unter  „Boden“  S.  34  u.  ff.  beschrieben  ist.
3.  Aufschließung  mit  kohlensaiirem  Baryum  oder  Baryumhydroxyd,  Salzsäure ­
  usw.  Wenn  man  die  doppelte  Aufschließung,  einerseits  mit  kohlensaurem
Kalium-Natrium,  andererseits  mit  Flußsäure  umgehen  will,  so  pflegt  man  auch  mit
kohlensaurem  Baryum  oder  Baryumhydroxyd  aufzuschließen,  weil  sich  die  so  erhaltene
Schmelze  sowohl  zur  Bestimmung  der  Kieselsäure,  als  sämtlicher  Basen  verwenden
läßt.  Jedoch  bedarf  es  zur  Aufschließung  mit  letzteren  einer  sehr  hohen  Temperatur, ­
  welche  nur  mit  einem  guten  Gasgebläse,  einem  Sefströmschen  Ofen  usw.
erreicht  werden  kann.
Das  sehr  fein  zerriebene  und  bei  etwa  200°  getrocknete  Gestein  wird  mit
der  5-fachen  Menge  von  kohlensaurem  Baryum  in  einem  geräumigen  Platintiegel
oder  der  4-fachen  Menge  Barymmhydroxyd  in  einem  Silbertiegel  innig  vermengt
und  bis  zum  ruhigen  Schmelzen  der  Masse  erhitzt.  Die  Abscheidung  der  Kieselsäure
erfolgt  wie  unter  No.  1;  das  salzsaure,  von  der  Kieselsäure  befreite  Filtrat  dagegen
wird  unter  Vermeidung  eines  größeren  Überschusses  nach  und  nach  mit  verdünnter
Schwefelsäure  versetzt,  vom  ausgefällten  Baryumsulfat  abfiltriert,  das  Filtrat  hiervon
einschließlich  Waschwasser  auf  ein  bestimmtes  Volumen  gebracht  und  in  aliquoten
Teilen  die  Basen  nach  den  unter  „Boden“  S.  24  u.  ff.  angegebenen  Verfahren  bestimmt. ­

Aus  der  so  gefundenen  Zusammensetzung  des  ganzen  Gesteins  lassen  sich  oftmals
annähernd  die.  prozentigen  Verhältnisse  der  einzelnen  Mineralien  (Gehalt  an  Quarz,
J )  Wenn  man  den  noch  fast  glühenden  Tiegel  auf  eine  kalte,  dicke,  blanke  Eisenplatte ­
  stellt,  gelingt  es  in  der  Regel,  den  geschmolzenen  Kuchen  als  Ganzes  aus  dem
Tiegel  zu  entfernen;  man  braucht  in  diesem  Falle  die  anhängenden  Teilchen  nur  mit  warmem
Wasser  aufzuweichen  und  in  die  Schale  zu  spülen.
        <pb n="122" />
        Untersuchung  von  Gesteinen  und  deren  Verwitterungs-Erzeugnissen.

99

Eeldspat,  Glimmer,  Augit,  Hornblende  usw.)  berechnen,  wie  dieses  unter  „Boden“  S.  34
beschrieben  ist.  Hierbei  empfiehlt  es  sich,  wenn  ein  Gemisch  verschiedener  Mineralien  vorliegt,
  diese  mechanisch  nach  S.  21  u.  f.  zu  trennen  und  als  solche  zu  bestimmen.
Bei  der  Untersuchung  der  Gesteine  ist  außer  der  vorstehenden  Bausch-Untersuchung ­
  noch  folgendes  zu  beachten:
Manche  Silikate,  wie  die  wasserhaltigen  Zeolithe,  werden  schon  durch  heiße
konzentrierte  Salzsäure  zersetzt;  letztere  kann  daher  mit  gutem  Erfolg  hei  der
Untersuchung  von  zeolithartigen,  kristallinischen  Gesteinen,  wie  z.  B.  von
Basalt,  Phenolith,  vulkanischen  Laven  usw.,  verwendet  werden.  Andere
Silikate,  wie  Magnesiaglimmer,  werden  von  heißer  konzentrierter  Salzsäure  nur
wenig,  dagegen  mehr  oder  weniger  stark  von  heißer  konzentrierter  Schwefelsäure
angegriffen;  z.  B.  gibt  mancher  noch  unverwitterte  glimmerreiche  Sandstein
an  kochende  konzentrierte  Salzsäure  kaum  eine  Spur  von  Magnesia  ah,  während
heim  Erhitzen  des  Gesteinspulvers  (oder  des  Rückstandes  von  der  Behandlung  mit
heißer  Salzsäure)  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  eine  merkliche  Menge  Magnesia
in  Lösung  geht.  In  diesem  Falle  kann  man  aus  der  gefundenen  Magnesia  durch
Multiplikation  mit  3,355  annähernd  die  Menge  des  vorhandenen  Magnesiaglimmers
berechnen.
4.  Aufschließung  mit  Borsäure  (yergl.  S.  35).
5.  Bestimmung  des  Quarzgehaltes.  Nach  A.  Müller 1 )  hat  man  in  der
Behandlung  mit  Phosphorsäurelösung  hei  bestimmter  Temperatur  ein  geeignetes  Mittel,
direkt  den  Quarzgehalt  der  Ackererden  und  gemischten  Gesteine  quantitativ  zu  bestimmen, ­
  indem  hierbei  alle  Silikate  unter  gallertartiger  Ahscheidung  der  Kieselsäure ­
  zersetzt  werden,  der  Quarzsand  aber  keine  Veränderung  erleidet,  wenn  die
Behandlung  nicht  eine  zu  lange  und  die  Temperatur  nicht  eine  zu  hohe  ist.
Man  bedient  sich  am  besten  einer  sirupartigen  Phosphorsäure,  welche  durch
Abdampfen  auf  38—37  °/ 0  aus  offizineller  Säure'  von  1,13—1,18  spezifischem  Gewicht ­
  dargestellt  wird.  Säure,  welche  über  diesen  Gehalt  eingedampft  ist,  hat  das
Unangenehme  an  sich,  daß  sie  bei  gewöhnlicher  Temperatur  kristallinisch  erstarrt
und  also  vor  der  Anwendung  erwärmt  werden  muß.
Das  aufzuschließende  Gestein  muß  fein  gepulvert  werden,  braucht  jedoch
nicht  geschlämmt  zu  sein.  Je  nach  dem  Gehalt  an  Silikaten  bedarf  es  einer  verschieden ­
  großen  Menge  Phosphorsäurehydrat,  für  0,5—1  g  des  Materials  wenigstens
15—-20  g;  sonst  verdickt  sich  die  Masse  zu  sehr  durch  die  abgeschiedene  kleisterartige ­
  Kieselsäure.  Man  erhitzt  die  Masse  in  einem  Platinschälchen  in  einem  geeigneten ­
  Apparate  (Luftbad  usw.)  bis  auf  190—200°  und  behandelt  bei  dieser
Temperatur  unter  fleißigem  Umrühren  mit  einem  Platinspatel  5—6  Stunden  lang.
Hierauf  wird  die  erkaltete  Schmelze  allmählich  und  unter  wiederholter  Sedimentation
und  Dekantierung  mit  Wasser  und  einprozentiger  Natronlauge  ausgekocht,  der
Bodensatz  auf  einem  Filter  gesammelt  und  der  Quarz  mit  Säure,  Alkali,  Säure  und
Wasser  rein  gewaschen.
Bei  eisen-  und  tonreichen  Gesteinen  ist  es  gut,  der  ersten  Natronlauge  etwas
Seignettesalz  zuzusetzen.  Das  Trtibfiltrieren  verhindert  man  durch  Auswaschen
der  kieselsäurehaltigen  Natronlauge  mit  reiner  Sodalösung,  der  Säurelösung  mit
einer  Lösung  von  salpetersaurem  Ammon.  Der  Quarzrückstand  nimmt  bei  einer
wiederholten  mehrstündigen  Behandlung  mit  Phosphorsäure  nur  sehr  unbedeutend  an
Gewicht  ab.  Derselbe  wird  mittels  des  Mikroskopes  und  durch  Verflüchtigung
mittels  Flußsäure  auf  Reinheit  geprüft.  Man  kann  auch  natürliche  Bodenarten  nach
9  Journ,  f.  prakt.  Chemie  98,  14.
7*
        <pb n="123" />
        100  Untersuchung  von  Gesteinen  und  deren  Verwitterungs-Erzeugnissen.

diesem  Verfahren  auf  ihren  Gehalt  an  Quarzsand  untersuchen,  nur  ist  es  in  diesem
Talle  notwendig,  erst  die  organische  Substanz  (Humus)  zu  entfernen  und  eine  noch
etwas  größere  Menge  von  Phosphorsäure  anzuwenden.
6.  Bestimmung  der  kohlensauren  Verbindungen.  Sind  dem  Gestein  kohlensaure ­
  Salze  heigemengt,  so  lassen  sich  diese  durch  Behandeln  mit  Essigsäure,  unter
Umständen  auch  mit  verdünnter  Salzsäure  oder  Salpetersäure  entfernen,  ohne  daß
die  sonstigen  Gemengteile  eine  Veränderung  erleiden.  Die  Menge  der  kohlensauren
Salze  erfährt  man  durch  eine  Bestimmung  der  in  der  sauren  Lösung  vorhandenen
Basen  (durchweg  Kalk,  Magnesia,  Eisenoxydul  usw.),  wobei  der  unter  „Boden“
S.  24  u.  ff.  beschriebene  Gang  innegehalten  werden  kann.
7.  Bestimmung  der  Schwefelverbindungen.  Bei  Gegenwart  von  Schwefelmetallen
  bestimmt  man  die  Menge  des  Schwefels  entweder  durch  Zusammenschmelzen
von  1  Teil  Substanz  mit  6  Teilen  wasserfreiem  Natriumkarbonat  und  4  Teilen
reinem  Salpeter  oder  auf  nassem  Wege  durch  Vermengen  der  fein  gepulverten
Substanz  mit  chlorsaurem  Kalium  und  Zusatz  von  konzentrierter  Salzsäure  in  kleinen
Mengen.  Vergl.  unter  „Boden“  S.  39.
8.  Bestimmung  des  Eisenoxyduls.  Zur  Bestimmung  des  Eisenoxyduls  genügt
in  den  meisten  Fällen  eine  Aufschließung  des  fein  gepulverten  Gesteins  mit
Schwefelsäure  in  zugeschmolzenen  Glasröhren;  bei  sehr  schwer  zersetzbaren  Silikaten
erhitzt  man  die  sehr  fein  gepulverte  Substanz  mit  reiner  Flußsäure  und  mäßig
verdünnter  Schwefelsäure  in  zugeschmolzenen  Röhren  von  böhmischem  Kaliglas.
Die  erhaltene  schwefelsaure  Lösung  wird  nach  S.  24  mit  Kaliumpermanganat  titriert.
Um  bei  dem  letzten  Aufschließungsverfahren  recht  genaue  Ergebnisse  zu  erhalten,
werden  in  einer  zweiten  Probe  gleiche  Mengen  Flußsäure  und  Schwefelsäure  für
sich  allein  in  einer  gleichen  Glasröhre  genau  so  behandelt,  die  zur  Rotfärbung
dieser  Flüssigkeit  erforderliche  Menge  Kaliumpermanganat  ermittelt  und  von  der
ersten  für  das  aufgeschlossene  Gestein  gefundenen  Menge  abgezogen.
Vergl.  auch  die  Eisenoxydul-Bestimmung  im  „Boden“  S.  41.
9.  Bestimmung  der  Verwitterbarkeit.  Die  größere  oder  geringere  Verwitterbarkeit ­
  der  Gesteine  ergibt  sich  zum  Teil  schon  aus  dem  Gehalt  an  Schwefelverbindungen, ­
  an  Eisenoxydul  und  kohlensauren  Salzen.  Denn  je  größer  der  Gehalt
an  diesen,  um  so  größer  ist  im  allgemeinen,  sei  es  durch  Oxydation  des  Schwefels
und  Eisenoxyduls,  sei  es  durch  Auswaschen  der  eingesprengten  kohlensauren  Salze
durch  kohlensäurehaltiges  Regen-  bezw.  Bodenwasser,  die  Verwitterbarkeit  der  Gesteine.
Manche  Gesteine,  wie  die  Dolerite  und  Trachyte,  lassen  sich  durch  Behandeln ­
  mit  Schwefelsäure  auf  ihr  rascheres  und  langsameres  Zerfallen  und  damit
auf  den  Grad  ihrer  Verwitterbarkeit  prüfen.  Man  übergießt  zu  dem  Zweck  nach
J.  Neßler  das  in  erbsengroße  Stückchen  zerschlagene  Gestein  auf  je  100  g.  mit
10  ccm  Schwefelsäure  (gleiche  Teile  konzentrierte  Schwefelsäure  und  Wasser).
Nach  einigen  Tagen,  sind  die  Steine  mehr  oder  weniger  in  feine  Teile  zerfallen;
es  kann  alsdann  durch  Untersuchung  des  Rückstandes  und  der  Lösung  ermittelt
werden,  wieviel  Kali  usw.  durch  die  Schwefelsäure  gelöst  ist.
Bei  Dachschiefer  und  ähnlichen  Gebilden  verfährt  man  zur  Prüfung
auf  den  Grad  ihrer  Verwitterbarkeit  für  technische  Zwecke  nach  R.  Fresenius
wie  folgt;
Man  sägt  aus  dem  zu  prüfenden  Schiefergestein  ein  länglich  viereckiges  Stück  von
etwa  7  cm  Länge  und  3  cm  Breite  heraus,  umbindet  es  an  einem  Ende  mit  starker
Schnur,  hängt  es  in  eine  Kochflasche,  in  welche  man  zuvor  etwa  100  ccm  einer  ziemlieh
gesättigten  Lösung  von  schwefliger  Säure  in  Wasser  gebracht  hat,  und  verschließt  die
Flasche  fest  mit  einem  Stopfen  (am  besten  einem  Kautschukstopfen),  welcher  zugleich
        <pb n="124" />
        Untersuchung  von  Kalksteinen,  Mergel  bezw.  Kalkdüngemitteln.

101

die  Schnur  einklemmt  und  somit  das  Schieferstück  in  dem  Luftraum  der  Flasche  in  der
Art  schwebend  erhält,  daß  sein  unterster  Teil  noch  3  oder  4  cm  von  dem  Fltissigkeitsspiegel
  entfernt  ist.  Zweckmäßig  ist  es,  in  einem  zweiten  ebenso  beschickten  Kolben
ein  ähnliches  Stück  eines  anerkannt  guten  Schiefers  aufzuhängen,  damit  man  die  Übereinstimmung ­
  oder  Verschiedenheit  des  Verhaltens  vergleichend  feststellen  kann.  Man
läßt  alsdann  die  Kochflasohen  bei  gewöhnlicher  Temperatur  stehen  und  beobachtet  die
Schieferstücke  in  geeigneten  Zeiträumen  (etwa  nach  7  und  14  Tagen,  sowie  nach
4  Wochen),  ohne  dahei  die  Stopfen  abzunehmen.  Je  nach  der  Natur  des  Schiefers  erscheint
das  betreffende  Stück  in  kürzerer  oder  längerer  Zeit  mehr  oder  weniger  naß,  weich,  zerbrechlich, ­
  gespalten,  gekltiftet  oder  aufgeschwollen.
Dieses  Verfahren  kann  indes  keinen  richtigen  Maßstah  zur  Beurteilung  der
Dachschiefer  ahgehen,  wenn  sie  Calciumkarhonat  und  zwar  im  porösen  oder  kompakten
Zustande  enthalten.  Nach  Fred.  Reverdin  und  Ch.  de  la  Harpe 1 )  entscheidet
überhaupt  die  chemische  Prüfung  der  Dachschiefer  (außer  .auf  Gehalt  an  Oalciumkarhonat
  auch  auf  Eisenoxydul)  weniger  als  die  Ermittelung  der  Porosität  in  den
einer  bezw.  verschiedenen  Temperaturschwankungen  unterworfenen  Schiefern;  für
diese  Prüfungen  werden  von  ihnen  besondere  Verfahren  angegeben.  Brunner 2 )  hält
für  die  Beurteilung  den  Imhihitionsversuch  für  wichtig,  hei  dem  Schieferstücke
von  12  cm  Länge  und  6  cm  Breite  in  ein  Becherglas  gestellt  werden,  dessen  Boden
1  cm  hoch  mit  Wasser  bedeckt  ist,  das  Becherglas  darauf  geschlossen  und  nun  beobachtet
wird,  wie  hoch  das  'Wasser  innerhalb  24  Stunden  im  Schiefer  gestiegen  ist.  In  guten
Schiefern  steigt  das  Wasser  kaum  auf,  sie  werden  nur  wenige  Millimeter  über  der
Wasseroberfläche  feucht.
Die  verschiedenen  Verwitterungsstufen  und  Yerwitterungserzeugnisse  der
kristallinischen  Gesteine,  wie  auch  alle  erdiggeschichteten  Gebirgsarten  und
deren  Zerbröckelungsmassen  müssen  für  agrikulturchemische  Zw'ecke,  oder  wenn
man  über  den  Grad  und  die  Art  der  Verwitterung  sich  möglichst  genaue  Auskunft
verschaffen  will,  in  der  Regel  einer  ganz  ähnlichen  Behandlung  unterworfen  werden,
wie  der  Ackerboden,  d.  h.  man  zieht  hinreichend  große  Mengen  der  pulverförmigen
oder  gepulverten  Substanz  der  Reihe  nach  mit  kalter  und  heißer  konzentrierter  Salzsäure, ­
  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  aus  und  bringt  zuletzt  den  Rückstand  mittels
Flußsäure  oder  auf  sonst  geeignete  Weise  in  einen  der  vollständigen  Untersuchung
zugänglichen  Zustand.
Kalksteine,  Mergel  bezw.  Kalkdüngemittel.
Die  Probenahme  von  Kalksteinen  und  Mergeln  aus  den  Brüchen  oder  Gruben
hat  so  zu  erfolgen,  daß  die  Probe  (etwa  2  kg  groß)  einen  guten  Durchschnitt  der
einzelnen  Schichten  bildet;  dahei  sind  die  Proben  der  verschiedenen  Schichten  scharf
auseinander  zu  halten.
Ein  zum  Brennen  verwendbarer  Kalkstein  soll  mindestens  90°/ 0  kohlensaures
Calcium  enthalten.  Betragen  die  Beimengungen  von  Ton  usw.  10  °/ 0  und  darüber,
so  spricht  man  meistens  von  Mergeln.  Die  Mergel  werden  fett  oder  mager  genannt,
je  nachdem  sie  mehr  oder  weniger  als  50°/ 0  kohlensaures  Calcium  enthalten;  ferner
unterscheidet  man,  je  nach  dem  Vorwiegen  von  Ton  oder  Sand,  Tonmergel  und
Sandmergel.  Die  Mergel  bestehen  nämlich  hauptsächlich  aus  kohlensaurem  Calcium,
kohlensaurem  Magnesium,  Ton  und  Sand  neben  etwas  Kieselsäure  und  Eisen-')
  Chem.-Zeitung  1890,  14,  64,  94,  126.
a )  G.  Lunge,  Chem.-teohn.  Untersuchungsmethoden  1899,  546;  nach  Deutsche  Töpferund ­
  Ziegler-Ztg.  1894,  No.  47.
        <pb n="125" />
        102  Untersuchung  von  Kalksteinen,  Mergel  bezw.  Kalkdüngemitteln.

oxydul  usw.  —  Ihre  Farbe  wird  durch  Eisen  und  organische  Stoffe  bedingt.
Die  an  kohlensaurem  Magnesium  reichen  Mergel  heißen  „Dolomitmergel“;  sie
zeichnen  sich  dadurch  vor  den  Kalkmergeln  aus,  daß  sie  mit  Säuren  in  der  Kälte
keine  oder  nur  wenig  Kohlensäure  entwickeln.  Hinsichtlich  der  landwirtschaftlichen ­
  Wertschätzung  der  Magnesia  in  den  Kalksteinen  und
Mergeln  hat  der  Verband  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im
Deutschen  Reiche  beschlossen, 1 )  daß  zu  den  wertbestimmenden  Bestandteilen ­
  auch  die  Magnesia  zu  rechnen  und  demzufolge  bei  der  Untersuchung ­
  zu  berücksichtigen  ist.
Die  Untersuchung  erstreckt  sich  auf  folgende  Bestimmungen:
1.  Die  Bestimmung  des  Wassers.  In  der
Regel  werden  5  g  bei  105—110°  getrocknet.
Für  eine  genaue  Bestimmung  des  Wassers
genügt  jedoch  ein  Austrocknen  bei  105°  nicht.  Zu
dem  Zweck  wird  die  auf  einem  Platinschiffchen  abgewogene ­
  Substanzmenge  im  Verbrennungsrohre  erhitzt, ­
  das  Wasser  durch  einen  trocknen  Luftstrom  in
ein  vorgelegtes  Chlorcalciumrohr  getrieben  und  letzteres
vor  und  nach  dem  Versuch  gewogen.
2.  Die  Bestimmung  der  Kohlensäure.
a)  G-ewichtsanalytisch,  vergl.  S.  15.
b)  Volumetrisch  nach  Scheibler.
Der  Scheibler  sehe  Apparat  (Pig.  17)  besitzt  folgende ­
  Einrichtung:  2  Glasrohre  von  28  mm  Durchmesser
sind  an  einem  Holzstativ  in  senkrechter  Stellung  befestigt.
Das  Rohr  zur  Rechten  ist  in  halbe  und  ganze  Kubikzentimeter ­
  geteilt  und  faßt  etwa  800  com.  Unten  sind  beide
Rohre  durch  ein  gebogenes  Glasröhrchen  miteinander  verbunden. ­
  Das  Rohr  links  ist  oben  nur  mit  einem  Wattepfropfen ­
  verschlossen.  Von  diesem  Rohre  geht  unten  eine
Glasröhre  ab,  welche  nach  aufwärts  gebogen  ist  und  durch
einen  mit  Quetschhahn  versehenen  Kautschukschlauch  mit
einer  unten  tubulierten  offenen  Flasche  in  Verbindung  steht.
Der  Schlauch  muß  so  lang  sein,  daß  man  die  Flasche
bequem  auf  das  über  dem  Stativ  befindliche  Brettchen  stellen
kann.  Das  graduierte  Glasrohr  ist  oben  durch  eine  nach
unten  führende  Röhre,  an  welcher  sich  seitlich  ein  Ansatz  mit  Glashahn  befindet,  mit  einem
spindelförmig  erweiterten  Glasrohr  verbunden,  welches  die  Kohlensäure  aufniramt,  damit
dieselbe  nicht  durch  das  Wasser  in  dem  graduierten  Glasrohr  absorbiert  wird.  Mit  dem
unteren  Ende  dieser  Glasspindel  wird  durch  einen  Kautschukschlauch  das  Entwickelungsgefäß
  verbunden,  eine  einfache  Glasflasohe  mit  weitem  Halse,  in  welchen  ein  mit  Rohr
versehener  Kautschukstopfen  genau  hinein  paßt.  Beim  Gebrauch  des  Apparates  stellt  man
die  mit  Wasser  gefüllte  Flasche  oben  auf  das  Brett  und  läßt,  während  der  Glashahn  rechts
geöffnet  ist,  die  beiden  Bohre  bis  über  die  Teilung  hinaus  voll  laufen.  Darauf  setzt  man
die  Flasche  herunter  und  läßt  durch  vorsichtiges  Offnen  des  Quetschhahnes  so  viel  Wasser
ablaufen,  daß  der  untere  Meniskus  im  graduierten  Bohre  auf  0  steht.
Um  immer  annähernd  gleiche  Tension  des  Wasserdampfes  zu  haben,  schwenkt  man
die  Entwickelungsflasche  vor  dem  Gebrauch  mit  konzentrierter  Kochsalzlösung  aus.  Darauf
bringt  man  in  dieselbe  mit  einer  Pipette  20  ccm  Salzsäure  (1  Teil  konzentrierte  Salzsäure,
3  Teile  Wasser),  setzt  mit  einer  geraden  Tiegelzange  ein  Porzellantiegelchen  mit  2—4  S
der  zu  untersuchenden  Substanz,  je  nach  ihrem  Gehalt  an  Kohlensäure,  in  die  Säure

Fig.  17.  Kohlensäure-Bestimmnngs-Äpparat
  nach  Scheibler.

J )  Landw.  Versuchs-Stationen  1896,  47,  216.
        <pb n="126" />
        Untersuchung  von  Kalksteinen,  Mergel  bezw.  Kalkdtingemitteln.

103

und  drückt  den  Kautschukstopfen  fest  in  den  Hals  der  Flasche,  ohne  diese  mit  der
Hand  zu  erwärmen.  Jetzt  schließt  man  den  Glashahn  und  läßt  etwa  20  ccm  Wasser
durch  Öffnen  des  Quetsohhahnes  ahfließen,  weil  sonst  beim  Beginn  durch  die  heftige
Kohlensäureentwickelung  das  Wasser  aus  dem  Eohre  links  herausgeschleudert  werden
würde.  Hierdurch  wird  das  Niveau  im  Eohre  rechts  etwas  sinken,  sich  jedoch  bei  einem
Punkte  ganz  gleichbleibend  einstellen.  Sollte  dies  nicht  der  Fall  sein,  so  ist  der  Apparat
an  irgend  einer  Stelle  undicht  und  muß  erst  für  Dichtung  gesorgt  werden.  Schließt  der
Apparat  dicht,  so  ergreift  man  mit  der  linken  Hand  den  Quetschhahn,  mit  der  rechten
die  Entwiokelungsflasche  am  Halse  (um  Erwärmung  zu  vermeiden),  neigt  die  Flasche
bis  zum  Umfallen  des  Tiegels  und  setzt  sie  darauf  in  eine  kreisförmig  schüttelnde  Bewegung. ­
  Während  der  Kohlensäureentwickelung  läßt  man  durch  Öffnen  des  Quetsohhahnes
immer  so  viel  Wasser  abfließen,  als  das  Niveau  im  Eohre  rechts  sinkt.  Man  schüttelt,
bis  das  Niveau  im  Eohre  rechts  gleich  bleibt,  läßt  dann  den  Apparat  10  Minuten  ruhig
stehen,  schüttelt  nochmals,  stellt  das  Wasser  in  den  Eöhren  auf  gleiches  Niveau  ein  und
liest  die  Anzahl  der  entwickelten  Kubikzentimeter  Kohlensäure  ab.  Unter  Berücksichtigung
der  Temperatur  und  des  Barometerstandes  berechnet  man  das  Gewicht  der  Kohlensäure
oder  des  ihr  entsprechenden  Calciumkarbonats  nach  den  von  Finkener  berechneten  Tabellen,
in  welchen  das  Gewicht  eines  Kubikzentimeters  Kohlensäure  in  tausendstel  Milligrammen
angegeben  ist  (vergl.  Tabelle  No.  la  und  Ib  am  Schluß).  In  diese  Zahl  ist  zugleich  der
Fehler  eingerechnet,  der  dadurch  entsteht,  daß  das  Gas  feucht  gemessen  und  eine  gewisse
Menge  Kohlensäure  von  der  Salzsäure  des  Entwickelungsgetäßes  absorbiert  wird.
Für  die  volumetrische  Bestimmung  der  Kohlensäure  sind  eine  Eeihe  ähnlicher,  auf
demselben  Grundsatz  beruhender  Apparate  angegeben,  von  denen  noch  besonders  der  von
Q.  Lunge  und  L.  Marchlewski 1 )  erwähnt  sein  möge.
3.  Bestimmung  der  organischen  Stoffe.
a)  Annähernd  erhält  man  die  Menge  derselben  indirekt  durch  anhaltendes
Glühen,  indem  man  von  dem  Gesamt-Glühverluste  die  gefundene  Wasser-  und
Kohlensäuremenge  abzieht.
b)  Direkt,  wenn  humose  Stoffe  vorhanden  sind,  wie  bei  Boden  S.  13  u.  f.
4.  Bestimmung  der  Schwefelverbindungen  wie  bei  Boden  S.  39.
5.  Bestimmung  des  Eisenoxyduls  wie  bei  Boden  S.  41.
6.  Vollständige  Untersuchung.
a)  Salzsäure-Auszug:  10  g  werden  mit  Salzsäure  zur  Trockne  verdampft,
mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen  und  auf  500  ccm  gebracht.  In  je  25  ccm
werden  bestimmt;
a)  Eisenoxyd  und  Tonerde  nach  Oxydation  mit  chlorsaurem  Kalium  durch
Fällen  mit  Ammoniak  bis  zu  eben  eintretender  alkalischer  Reaktion  und  schnelles
Filtrieren.  Sollen  beide  Teile  getrennt  bestimmt  werden,  so  behandelt  man  in  derselben ­
  Weise  100  com,  löst  den  Niederschlag  vom  Filter  in  verdünnter  Schwefelsäure, ­
  reduziert  mit  Zink  usw.  (S.  19)  im  Kolben  mit  Bunsenschem  Ventil  und
titriert  mit  Chamäleon  wie  bei  Boden  S.  24,  ß2.  Bei  größeren  vorhandenen  Mengen
Eisenoxyd  und  Tonerde  fällt  man  wie  bei  Boden  S.  24,  ß  1  mit  essigsaurem  Natrium.
ß)  Kalk  und  Magnesia  werden  im  Filtrat  der  Ammoniakfällung  durch  Zusatz
von  Ammoniumoxalat  bezw.  Natriumphosphat  wie  üblich  bestimmt.
y)  Phosphor  säure.  Die  Mergel  und  Kalksteine  enthalten  nur  in  ganz  seltenen
Fällen  nennenswerte  Mengen  Phosphorsäure.  Soll  diese  bestimmt  werden,  so  nimmt
man  200  ccm  des  Filtrats  und  mehr,  macht  dieses  erst  ammoniakalisch,  dann  salpetersauer ­
  und  fällt  die  Phosphorsäure  mit  molybdänsaurem  Ammon,  vergl.  unter
„Düngemittel' 1 .
d)  Schwefelsäure  und  Alkalien  wie  bei  Boden  S.  29  u.  f.
')  Zeitsohr.  f.  angew.  Chemie  1891,  229.
        <pb n="127" />
        104

Untersuchung  von  Kalksteinen,  Mergel  bezw.  Kalkdüngemitteln.

b)  Schwefelsäure-Aufschließung:  Der  in  Salzsäure  unlösliche  und  ausgewaschene ­
  Rückstand  wird  erst  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat  und  etwas
Natriumhydroxyd  ausgekocht,  um  die  durch  Salzsäure  gelöste  Kieselsäure  zu  bestimmen;
der  ausgewaschene  Rückstand  hiervon  wird  direkt  noch  feucht  zweimal  mit  konzentrierter
Schwefelsäure  in  einer  Platinschale  bis  fast  zur  Trockne  verraucht  und  die  aufgeschlossene ­
  Masse  zur  Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile  (Kieselsäure,  Tonerde,
Sand,  Kalk  und  Alkalien)  wie  bei  Boden  S.  24  bezw.  31  behandelt.
c)  Erfordert  die  Untersuchung  auch  eine  Bestimmung  der  Silikate  in  dem
Sande,  so  wird  genau  wie  bei  Boden  S.  32  u,  f.  verfahren.
Für  die  Untersuchung  von  Kalkdüngemitteln  hat  der  Verband  landwirtschaftlicher ­
  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche  auf  Antrag  von  Br.  Tacke 1 )
folgende  Bestimmungen  getroffen:
Bei  diesen  Untersuchungen  kommen  in  Betracht;
A.  1.  Gebrannter  Kalk  in  Stücken  oder  gemahlen.
2.  Gebrannter  gelöschter  Kalk.
3.  Gebrannte  oder  gebrannte  und  gelöschte  Graukalke  (stark  magnesiahaltige
gebrannte  Kalke).
B.  4.  Kalkmergel  und  Tonmergel.
5.  Dolomitische  Mergel.
C.  6.  Gemische  aus  A  und  B  in  verschiedenem  Verhältnis.
D.  7.  Abfallkalke  (Nebenerzeugnisse  der  chemischen  Industrie).
Als  wertbestimmend  für  die  Kalkdüngemittel  ist  in  allen  Fällen
nur  der  Gehalt  derselben  an  Kalk  oder  Magnesia  in  basisch  wirkender
Form  zu  betrachten  (Oxyd,  Oxydhydrat,  Karbonat,  nicht  in  Verbindungen ­
  der  genannten  Basen  mit  anderen  Säuren,  Calciumsulfat,
Magnesium-  und  Caloiumsilikate).
Probenahme.  Bei  gebranntem  Kalke  in  Stücken  hat  die  Probenahme  in  der  Art
zu  geschehen,  daß  eine  größere  Anzahl  von  Brocken  von  verschiedenen  Stellen  des
Haufens  zu  haselnußgroßen  Stücken  zerschlagen,  aus  der  sorgfältig  gemischten  Probe
eine  Durchschnittsprobe  von  mindestens  500  g  genommen  und  in  eine  trockne  Flasche
gefüllt  und  dicht  verschlossen  wird.  Bei  den  übrigen  Kalkdüngemitteln  in  gemahlener
Form  erfolgt  die  Probenahme  nach  den  für  Düngemittel  geltenden  Vorschriften.
Da  Kalkdüngemittel,  die  Ätzkalk  enthalten,  namentlich  in  gemahlener  Form  während
des  Versandes  Wasser  und  Kohlensäure  aufnehmen,  so  ist  bei  solchen  die  Probe
bei  loser  Verladung  nach  Entfernung  der  oberen  Schicht  der  Ladung,  bei  Verladung
in  Säcken  aus  der  Mitte  der  Säcke  zu  entnehmen.  Die  Verpackung  der  Probe  hat
bei  gebranntem  Kalk  und  gelöschtem  Kalk  jedoch  in  dicht  verschlossenen  Flaschen,
nicht  in  Büchsen  zu  erfolgen.
Vorbereitung  der  Proben  im  Laboratorium.  Die  Proben  müssen  möglichst ­
  schnell  so  weit  zerkleinert  werden,  daß  sie  durch  ein  Millimetersieb  gehen.  Aus
dem  Durchgesiebten  wird  eine  Probe  so  schnell  als  möglich  durch  ein  Thomasmehlsieb ­
  gebracht  und  zur  Untersuchung  .verwendet.
Untersuchung  A.  Bei  Kalkdüngemitteln  unter  A  1  und  2  bekannter
Herkunft  mit  geringem  Gehalt  an  Magnesia  (bis  5  °/ 0 )  wird  der  Gehalt  an  basisch
wirkenden  Stoffen  wie  folgt  ermittelt:  0,25  g  werden  mit  etwa  200  ccm  erwärmtem
Wasser  aufgeschüttelt,  mit  25  oder  50  ccm  titrierter  Schwefelsäure  versetzt  (etwa
1 / 5  normal),  die  Kohlensäure  durch  Kochen  entfernt  und  die  überschüssige  Säure
!)  Landw.  Versuchs-Stationen  1899,  52,  76;  1900,  54,  7;  vergl.  auch  ImmendorfL
Zeitschrift  f.  angew.  Chemie  1900,  1147.
        <pb n="128" />
        Untersuchung  von  Strontianit.

105

durch  Natronlauge  oder  Barythydrat  unter  Verwendung  von  Phenolphthalein  als
Indikator  ermittelt.  Die  Gehaltsberechnung  wird  ohne  Rücksicht  auf  die  vorhandene
Menge  Magnesia  auf  Calciumoxyd  ausgeführt.
Bei  Graukalken,  A  3,  ist  außerdem  eine  Bestimmung  des  Gehaltes  an
Magnesia  auszuführen  und  auf  Grund  derselben  der  Gehalt  an  Kalk  in  basisch
wirkender  Form  zu  berechnen.
(Die  Bestimmung  des  Wassergehaltes  wird  in  Kalkdüngemitteln,  die  Ätzkalk
oder  Kalkhydrat  enthalten,  durch  Glühen  (von  1—2  g)  im  Rohr  und  Auffangen  des
Wassers  in  einem  Chlorcalciumrohr  ausgeführt,  der  Gehalt  an  Kohlensäure  nach  dem
Gewichte  oder  volumetrisch  ermittelt.)
B.  Bei  Kalk-  und  Tonmergel  bekannten  Ursprungs  mit  geringem  Gehalt
an  Magnesia  (bis  5  °/ 0  MgO)  wird  der  Gehalt  an  wirksamen  Bestandteilen  durch  Bestimmung ­
  der  Kohlensäure  und  Umrechnung  derselben  auf  kohlensauren  Kalk  oder
nach  dem  unter  A  angegebenen  Verfahren  ermittelt.  Bei  dolomitischen  Mergeln  ist
außerdem  eine  Bestimmung  der  Magnesia  auszuführen  und  der  Gehalt  an  solcher
als  Karbonat  in  Rechnung  zu  ziehen.
C.  Bei  Gemischen  von  Kalkdüngemitteln  verschiedener  Art  (Ätzkalk,
gelöschter  Kalk  und  Mergel)  wird  der  Gehalt  an  basisch  wirkenden  Stoffen  nach  A
durch  Titrieren  bestimmt.  (Das  Wasser  ist  durch  Glühen  im  Bohr,  Kohlensäure
gewichtsanalytisch  oder  volumetrisch  zu  ermitteln,  bei  Mischdüngern  aus  stark
magnesiahaltigen  Kalken  außerdem  noch  Magnesia.)
D.  Abfallkalke  (Nebenerzeugnisse  der  chemischen  Industrie)  müssen  auf  das
Freisein  von  pflanzenschädlichen  Stoffen  geprüft  werden.
Die  Beurteilung  der  Mergel-  und  Kalksteine.  Zum  Brennen  von
Kalksteinen  für  landwirtschaftliche  Düngungszwecke  sind  die  reinsten,  d.  h.  die  fast
nur  aus  kohlensaurem  Calcium  bestehenden  Sorten  (Weißkalksteine)  am  besten.
Ton  und  Sand  enthaltende  Kalksteine  (Wasserkalksteine)  brennen  sich  entweder
nur  schwierig  oder  liefern  hydraulische  Kalke,  welche  im  Boden  leicht  zu  festen,
zementartigen  Klumpen  zusammenballen.
Über  die  Frage,  ob  und  wann  ein  Kalkstein  bezw.  Mergel  zur  Zementfabrikation
geeignet  ist,  vergl.  weiter  unten  unter  „Roman-Zemente“.
Bei  den  Mergeln  entscheidet  außer  dem  Gehalt  an  kohlensauren  Salzen
(Kalk  und  Magnesia)  der  Grad  ihrer  Verwitterbarkeit,  d.  h.  die  Schnelligkeit
des  Zerfallens  zu  feinem  Pulver;  denn  je  feinpulveriger  dieselben  sind,  um  so
schneller  und  besser  wirken  sie  bei  gleichem  Gehalt.  Zur  Prüfung  der  Verwitterbarkeit ­
  läßt  man  die  steinigen  Mergel  eine  Zeitlang,  am  besten  im  Winter,  um
sie  auch  dem  Froste  auszusetsen,  an  der  Luft  liegen  und  beobachtet,  ob  sie  unter
diesen  Verhältnissen  zu  kleineren  Stückchen  und  feinem  Pulver  zerfallen.  Bezüglich
einer  etwaigen  „Schlämmuntersuchung“  vergl.  unter  „Boden“  S.  6  u.  ff.
Ein  Gehalt  an  Eisenoxydul  befördert  das  Zerfallen,  wirkt  aber  andererseits
bei  größeren  Mengen  wieder  nachteilig  und  soll  z.  B.  das  Schorfigwerden  der
Kartoffeln  begünstigen.
Strontianit.
In  einigen  Orten  von  Westfalen  finden  sich  Mergel  und  Kalksteine  mit
Strontianit  durchsetzt,  welcher  in  der  Zuckerindustrie  Verwendung  gefunden  hat.
Der  Strontianit  enthält  neben  Strontium-  stets  etwas  Calcium-,  selten  Baryumkarbonat,
  ferner  als  Verunreinigung  Sand,  Ton  und  Schwefelkies.
Zur  Bestimmung  des  Unlöslichen  werden  20  g  Strontianit  mit  100  ccm
verdünnter  Salzsäure  von  1,07  spezifischem  Gewicht  ohne  Erwärmen  gelöst,  der
Rückstand  nach  längstens  12  Stunden  abfiltriert  und  gewogen.
        <pb n="129" />
        106

Untersuchung  von  Strontianit.

Zur  weiteren  Untersuchung  derartiger  Gesteine  sind  folgende  Verfahren  in
Vorschlag  gebracht:
1.  Sogenanntes  deutsches  Verfahren:  1  g  Strontianit 1 )  wird  in  überschüssiger ­
  verdünnter  Salzsäure  gelöst,  die  Lösung  erhitzt  und  mindestens  10  Minuten
in  lebhaftem  Kochen  erhalten.  Nachdem  die  Lösung  etwas  abgekühlt  ist,  wird  nach
Oxydation  mit  etwas  ohlorsaurem  Kalium  mit  kohlensäurefreier  Ammoniakflüssigkeit  in
schwachem  Überschuß  gefällt  (es  empfiehlt  sich,  einige  Tropfen  Rosolsäurelösung  als
Indikator  zuzusetzen),  die  Flüssigkeit  zum  Kochen  erhitzt,  bis  der  Niederschlag  flockig
wird,  dann  rascli  filtriert  und  mit  heißem  Wasser  bis  zum  Verschwinden  der  Chlorreaktion ­
  ausgewaschen.  Der  gesammelte  Niederschlag  wird  verascht,  gewogen  und
nach  Abzug  der  Filterasche  als  „Oxyde“  in  Rechnung  gestellt.  Der  Niederschlag
besteht  aus  etwas  Eisenoxyd  bezw.  Schwefelkies,  Tonerde  und  Sand.
Das  Filtrat  wird  mit  Ätzammoniak  und  kohlensaurem  Ammon  gefällt,  der
Niederschlag  (Sr  C0 8  +  Ca  C0 8 )  nach  dem  Absetzen  abfiltriert  und  mit  kochendem
Wasser  bis  zum  Verschwinden  der  Chlorreaktion  ausgewaschen.  Darauf  löst  man
den  Niederschlag  unter  Bedecken  des  Trichters  mit  verdünnter  Salpetersäure,  wäscht
mit  heißem  Wasser  bis  zum  Verschwinden  der  sauren  Reaktion  nach  und  dampft
Lösung  und  Waschwasser  auf  dem  Wasserbade  in  einer  Glasschale  zur  Trockne
ein.  Man  trocknet  die  Glasschale  bei  130°  und  nimmt  nach  dem  Erkalten  mit
einem  Gemisch  von  gleichen  Teilen  Äther  und  absolutem  Alkohol  auf.  Um  ein
vollständiges  Ausziehen  des  Calciumnitrates  zu  ermöglichen,  müssen  die  Strontiumnitrat-Kristalle ­
  tunlichst  zerdrückt  werden.  Man  wäscht  die  Masse  auf  einem
Filter  mit  dem  Äther-Alkohol-Gemisch  aus,  bis  das  Filtrat  mit  verdünnter  Schwefelsäure ­
  nach  einigem  Stehen  keine  Reaktion  mehr  gibt,  trocknet  bei  100°  im
Trockenschrank  und  wägt,  nachdem  man  das  vom  Niederschlage  befreite  Filter  für
sich  verascht  und  den  Kristallen  beigefügt  hat.  Man  kann  aber  auch  richtiger
die  Kristalle  auf  einem  vorher  gewogenen  Filter  sammeln,  trocknen  und  wäge»-Die
  gefundene  Menge  Sr(N0 8 ) 2  multipliziert  mit  0,697  ergibt  die  Menge  Strontiumkarhonat.

Zur  Bestimmung  des  Calciumkarbonates  erwärmt  man  das  Filtrat  gelinde
auf  dem  Wasserbade  bis  zur  Vertreibung  des  Äthers,  fällt  mit  verdünnter  Schwefelsäure, ­
  läßt  nach  dem  Erkalten  einige  Zeit  stehen,  filtriert,  wäscht  einmal  mft
Alkohol  nach,  läßt  langsam  trocknen  und  glüht, *  2 )  Die  gefundene  Menge  CaS0 4
multipliziert  mit  0,735  gibt  die  Menge  des  Calciumkarbonates.
2.  Sogenanntes  französisches  Verfahren:  2  g  der  gepulverten  Probe
werden  mit  Salzsäure  in  geringem  Uberschuß  zur  Trockne  verdampft,  mit  Wasser,  dem
man  10  g  Natriumacetat  zugesetzt  hat,  aufgenommen,  längere  Zeit  gekocht,  der
Niederschlag  (Eisenoxyd  und  Tonerde  neben  Gangart)  abfiltriert  und  mit  heißem  Wasser
gut  ausgewaschen.  Das  klare  Filtrat  wird  in  einer  Porzellanschale  unter  Zusatz  vo»
400  ccm  einer  Lösung  von  schwefelsaurem  Ammon,  die  260  g  festes  schwefelsaures
Ammon  auf  1  Liter  enthält,  so  daß  auf  1  g  Substanz  50  g  Ammonsulfat  komme»)
1 / 2  bis  3 / 4  gelinde  Stunde  gekocht,  sodann  12  Stunden  beiseite  gestellt,  abfiltriert  und
mit  der  erwähnten  Ammonsulfatlösung  ausgewaschen.  (Etwa  x / 2  Liter  Lösung  genügt
zum  Auswaschen.)  Das  Filter  wird  getrocknet,  mit  Schwefelsäure  befeuchtet,  geglüht
und  gewogen.  Die  gefundene  Menge  SrS0 4  multipliziert  mit  0,8088  gibt  die
r)  Oder  besser  10  g,  indem  man  das  Filtrat  davon  auf  1000  ccm  bringt  und  hiervon
100  ccm  zur  Bestimmung  von  Strontian  und  Kalk  verwendet.
2 )  Zur  Entfernung  des  CaS  gibt  man  nach  dem  Erkalten  einige  Tropfen  verdünntet
Schwefelsäure  hinzu,  dampft  ein  und  glüht  vorsichtig.
        <pb n="130" />
        107

Untersuchung  von  Tonen.

Menge  SrCO g .  Es  ist  von  größter  Wichtigkeit,  sich  von  der  Reinheit  des
Ammonsulfats  zu  überzeugen,  da  sonst  die  erhaltenen  Ergebnisse  sehr  abweichend
sein  können.
Die  Bestimmung  des  Strontiums  im  Strontianit,  wie  hier  angegeben,  liefert
nach  Meißl  stets  zu  hohe  Ergebnisse,  weil  mit  dem  Strontian  stets  Kalk  und  Baryt
ausfallen;  es  ist  deshalb  notwendig,  sowohl  Kalk  wie  Baryt  zu  bestimmen  und  diese
von  dem  ersteren  Niederschlag  in  Abzug  zu  bringen,  wie  es  hei  dem  von  den  österreichischen ­
  Chemikern  vereinbarten  Verfahren  geschieht.  Danach  werden  20  g  der
gut  gemischten  Substanz  in  verdünnter  Salzsäure  gelöst,  in  einer  Porzellanschale
zur  Trockne  eingedampft  und  die  Kieselsäure  daraus,  wie  üblich,  abgeschieden.
Sodann  wird  von  der  abgeschiedenen  Kieselsäure  ahfiltriert  und  das  Filtrat  auf
500  ccm  gebracht.  50  ccm  des  klaren  Filtrates  =  2  g  Substanz  werden  mit
möglichst  kohlensäurefreiem  Ammon  gefällt,  in  Salzsäure  gelöst,  nochmals  gefällt
und  auf  diese  Weise  Eisen  und  Tonerde  entfernt.  Das  Filtrat  von  diesem  Eisenund
  Tonerde-Niederschlag  wird  schwach  ammoniakalisch  gemacht  und  in  der  Kälte
mit  reinem,  gipsfreiem,  schwefelsaurem  Ammon  die  Fällung  des  Strontians  ausgeführt ­
  —  auf  lg  der  ursprünglichen  Substanz  nimmt  man  2  g  schwefelsaures
Ammon  zur  Fällung  —.  Nach  12-stündigem  Stehen  hat  sich  der  Niederschlag  von
schwefelsaurem  Strontium,  der  noch  durch  schwefelsaures  Baryum  und  schwefelsaures
  Calcium  verunreinigt  ist,  vollkommen  ahgesetzt;  hierauf  wird  der  Niederschlag ­
  filtriert  und  mit  ammonsulfathaltigem  Wasser  ausgewaschen.  Die  dem
Niederschlag  anhängenden  Mengen  von  schwefelsaurem  Baryum  und  schwefelsaurem
Calcium  müssen  in  Abzug  gebracht  werden.
Dieselben  werden  in  folgender  Weise 1 )  bestimmt:
1.  Baryum:  5  g  Substanz  werden  in  Salpetersäure  gelöst,  zur  Trockne  eingedampft ­
  und  hei  190°  2  Stunden  getrocknet;  das  salpetersaure  Calcium  wird  mit
Alkohol  und  Äther  ausgezogen.  Der  Rückstand  wird  in  Wasser  gelöst,  ammoniakalisch
gemacht,  mit  essigsaurem  und  chromsaurem  Ammonium  gefällt,  das  chromsaure
Baryum  in  Salzsäure  gelöst  und  als  schwefelsaures  Baryum  gefällt.
2.  Calcium:  10  g  Substanz  werden  in  50  ccm  Salzsäure  von  20  Be.  gelöst,
die  Lösung  mit  12  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure,  welche  vorher  auf  die  Hälfte
verdünnt  wurde,  gefällt,  auf  ein  bestimmtes  Volumen  aufgefüllt  und  filtriert.  Die
Hälfte  des  Filtrates  wird  mit  Ammoniak  und  oxalsaurem  Ammon  gefällt  und  das
gefällte  oxalsaure  Calcium  mit  Kaliumpermanganat  titriert.

Tone.
Ton  ist  ein  Verwitterungserzeugnis  des  Feldspats.  Man  versteht  unter  Ton
im  engeren  Sinne  amorphe,  wasserhaltige,  kieselsaure  Tonerde,  im  weiteren  Sinne
ein  wasserhaltiges  Doppelsilikat  aus  kieselsaurer  Tonerde  mit  kieselsauren  Erden,
Alkalien,  Eisen  und  staubfeinem  Sande.
Bezüglich  der  Probenahme  und  Schlämmuntersuchung  vergl.  unter
„Mineral-Böden“  S.  4  u.  6.
Die  chemische  Untersuchung  hat  sich  zu  erstrecken  auf  die  Bestimmung  der
Menge  der  Tonerde  und  der  an  diese  gebundenen  Kieselsäure,  ferner  auf  die  der
Menge  des  heigemengten  Sandes,  des  Calcium-  und  Magnesiumkarhonats,  des  Eisenoxyduls ­
  und  Eisenoxyds,  der  Schwefelsäure  und  auch  nötigenfalls  des  Chlors.  i)
i)  Vergl.  auch  R.  Fresenius,  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1893,  32,  189,  312.
        <pb n="131" />
        108

Untersuchung  von  Tonen.

Zur  Bestimmung;
1.  des  Wassers  erhitzt  man  eine  gewogene  Menge  Ws  zur  Gewichtsbeständigkeit
auf  120°;  2.  der  Kohlensäure  verfährt  man  wie  hei  Boden  S.  15;  3.  des  Eisenoxyduls ­
  wie  hei  Boden  S.  41.
4.  Vollständige  chemische  Untersuchung.
a)  Salzsäure-Auszug.  5  oder  10  g  werden  mit  Salzsäure  zur  Trockne
verdampft,  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,  in  einen  500  ccm-Kolhen
filtriert  und  ausgewaschen.  Der  Salzsäure-Auszug  wird  wie  beim  Mergel  auf  die
einzelnen  Bestandteile  untersucht.  Der  unlösliche  Eückstand  wird  mit  einer  Lösung
von  kohlensaurem  Natrium  und  etwas  Ätznatron  ausgekocht,  abfiltriert  und  ausgewaschen; ­
  das  Filtrat  wird  mit  überschüssiger  Salzsäure  zur  Trockne  verdampft,  um
die  durch  Salzsäure  abgeschiedene  Kieselsäure  zu  ermitteln.
b)  Schwefelsäure-Auf  Schließung.  Der  Rückstand  von  der  Behandlung
mit  Salzsäure  wird  nach  dem  Auskochen  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat
und  etwas  Ätznatron  mit  Wasser  vollkommen  ausgewaschen  und  noch  feucht  samt
dem  Filter  zweimal  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  in  einer  Platinschale  auf  einer
Asbestplatte  bis  fast  zur  Trockne  verdampft  oder  noch  genauer  nach  S.  19,  7  b  in
einem  zugeschraolzenen  Rohre  aufgeschlossen.  Die  aufgeschlossene  Masse  wird  wie
bei  Boden  S.  31,  2  a  zur  Bestimmung  der  aufgeschlossenen  Kieselsäure,  des  Sandes
und  der  einzelnen  Basen  verwendet.
c)  Erfordert  die  Untersuchung  auch  eine  Bestimmung  der  Silikate  in  dem  Sand,
so'  wird  genau  wie  bei  Boden  S.  32  u.  ff.  verfahren.
5.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung.
Die  in  der  Natur  durch  Verwitterung  der  zusammengesetzten  Silikatgesteine
vorkommenden  Tonablagerungen  zeigen  in  bezug  auf  ihre  chemische  Zusammensetzung, ­
  auf  ihre  physikalische  Eigenschaft  und  ihre  Verwendbarkeit  außerordentliche ­
  Verschiedenheiten.  Im  allgemeinen  werden  die  verschiedenartigen  Eigenschaften
der  Tone  und  tonigen  Ablagerungen  bedingt:
a)  durch  die  Art  des  Gesteins,  dessen  Verwitterungserzeugnis  der  Ton  ist,
b)  durch  das  Alter  des  Tonlagers,
c)  durch  den  Ort  der  Ablagerung  und  die  herrschend  gewesenen  und  noch
herrschenden  klimatischen  Verhältnisse,
d)  durch  eingeschwemmte  fremde  Bestandteile,  hier  besonders  der  organischen
Stoffe,  deren  Gegenwart  die  Überführung  des  Eisens  in  Ferrosulfat  veranlaßte,
welches  durch  einen  Auslaugungsvorgang  fortgewaschen  wurde.
Je  nach  der  Verwendbarkeit  lassen  sich  die  Tone  folgendermaßen  einteilen:
1.  Kaolin  oder  Porzellanerde.
2.  Plastische  Tone:
a)  der  Pfeifenton,
b)  der  feuerfeste  Ton,
c)  der  Töpferton.
3.  Ziegelerde.
1.  Der  Kaolin  oder  die  Porzellanerde  —  hauptsächlich  im  ürgebirge  verkommend ­
  —  ist,  abgesehen  von  geringen  Verunreinigungen,  eine  Verbindung  von
Kieselsäure  mit  Tonerde  und  chemisch  gebundenem  Wasser;  er  hat  nach  Förchhammer
  die  Zusammensetzung:  47,03  °/ 0  Kieselsäure,  39,23  °/ 0  Tonerde,  13,74  °/o
Wasser.
2.  Die  plastischen  Tone  sind  als  Kaoline  zu  betrachten,  denen  wechselnde
Mengen  Eisenoxydhydrat,  Manganoxydhydrat,  kohlensaures  Calcium,  kohlensaures
Magnesium  und  organische  Stoffe  beigomengt  sind.  Je  größer  in  den  Tonen  der
        <pb n="132" />
        Untersuchung  von  Tonen.

109

Gehalt  an  fremden  Beimengungen  ist,  besonders  an  Kalk,  Magnesia  und  Alkalien,
desto  schmelzbarer  werden  sie.  Eisenoxyd  hat  weniger  Einfluß  auf  die  Feuerbeständigkeit ­
  der  Tone.  Die  als  feuerfester  Ton  zur  Herstellung  von  Muffeln,
Retorten,  Schmelztiegeln,  Bekleidungen  für  Feuerungsanlagen  Verwendung  findenden
Tone  sollen  nicht  mehr  als  5—10%  Beimengungen  enthalten;  je  mehr  die  Flußmittel ­
  (Kalk,  Magnesia,  Alkalien)  die  Menge  von  4%  übersteigen,  bei  um  so
niedrigerer  Temperatur  macht  sich  die  Verschiedenheit  in  der  Feuerbeständigkeit
geltend.
Im  allgemeinen  kann  man  annehmen,  daß  es  bei  Beurteilung  des  pyrometrischen
Wertes  eines  feuerfesten  Tones  aus  der  chemischen  Untersuchung  im  großen  und
ganzen  auf  zwei  Verhältnisse  ankommt,  nämlich  einmal  auf  das  Verhältnis  der  Tonerde ­
  zu  den  Flußmitteln  und  weiter  auf  das  der  Tonerde  zu  der  Kieselsäure.  Je
mehr  Tonerde  ein  Ton  auf  1  Teil  Flußmittel  enthält,  um  so  schwerer  ist  er
schmelzbar,  wie  andererseits  die  Feuerflüssigkeit  eines  Tones  zunimmt  mit  der
größeren  Kieselsäuremenge.  Ist  bei  zwei  oder  mehreren  Tonen  bald  das  eine,
bald  das  andere  Verhältnis  vorwiegend  oder  zurücktretend,  so  läßt  sich  nach
C.  Bischof  durch  eine  einfache  Berechnung  —  durch  Division  des  Sauerstoffquotienten ­
  (der  Tonerde  in  die  Kieselerde)  in  den  Sauerstoffquotienten  (der  Flußmittel ­
  in  die  Tonerde)  —  der  pyrometrische  Wert,  ausgedrückt  in  einer  ganz  bestimmten ­
  Zahl,  feststellen.
Um  die  Art  der  Berechnung  zu  zeigen,  diene  folgendes  Beispiel  eines  Tones
von  Wellesweiler;

Tonerde
Kieselerde,  ehern,  geh,
„  als  Sand  .
Magnesia  ....
Kalk
Eisenoxyd.  .  .  .
Alkalien  ....
Glühverlust  .  .  .

Sauerstoff

35,19

=

16,399  0

38,051
11,501

=  49,55  =

26,427  0

0,31)

0,124  )

0,45

°’ 129  l  =  0,507  =

1,521  0

0,31

0,062  *)  j

1,13)

0,192  2 )j

13,70.

Formel;  10.78  (A1 3 0 3  +  1,61  SiO a )  +  RO  oder

1.  auf  10,78  Tonerde  kommt  1  Teil  Flußmittel,  1Q  ?g
2.  1  Teil  Tonerde  kommt  auf  1,61  Kieselerde,  gibt  den  Quotienten-^  =  6,70,
3.  17,36  Kieselerde  auf  1  Teil  Flußmittel.  _
Mit  der  Größe  des  Quotienten  steigt  die  Schwerschmelzbarkeit  des  Tones;
in  der  Tat  gehört  der  Ton  von  Wellesweiler  zu  der  besten  Klasse.
Ausnahmen  von  dieser  Regel  finden  ihre  Erklärung  in  kennzeichnen  en
physikalischen  Umständen,  deren  nicht  zu  unterschätzen  e  eceuung  c t
rechte  Licht  gesetzt  wird.  Der  bezeichnete  Quotient  gut  nie  i  a  ein  &amp;gt;
sondern  bildet  das  eigentliche  Merkmal  für  die  Genauigkeit  der  Gesamtbeobachtungen,
sei  es,  daß  wir  dadurch  ein  richtiges  oder  ein  bestimmtes  Bild  erlangen.
Da  die  Schwerschmelzbarkeit  eines  Tones  abhängig  ist  von  taWJ“
der  Tonsubstanz  zu  den  Flußmitteln,  so  läßt  sich  der  Grad  der  Feuerheständigkert
annähernd  beurteilen  durch  Zusätze  von  reiner  Kieselsäure  und  Tonerde  zu  dem

zu  prüfenden  Material,  welches  man  in  innigster  Mischung  zu  dünnen  Platten  auswalzt, ­
  gut  austrocknet  und  einer  sehr  hohen  Temperatur  aussetzt.

*)  Als  Eisenoxydul  berechnet.
*)  Als  Kali  berechnet.
        <pb n="133" />
        110

Untersuchung  von  Tonen.

Man  wendet  zweckmäßig  als  Zusatzmittel  ein  Gemisch  von  gleichen  Teilen
staubfeinem  Bergkristall  und  absolut  reiner  Tonerde  —  erhalten  durch  Fällen  von
Ammoniak-Alaun  mit  Ammoniak  und  wiederholtes  Auswaschen  —  an.  Es  werden
für  jeden  Versuch  verschiedene  Proben  mit  5,  10,  15,  20  °/ 0  Zusatz  von  Tonerde-Kieselsäure
  geglüht  und  nach  dem  Glühen  beobachtet,  bei  welcher  Probe  ein
Schmelzen  nicht  mehr  stattgefunden  hat.
Zur  Beurteilung  von  feuerfesten  Tonen  können  noch  folgende  Untersuchungen
dienen;

Ton  von  .

.  .  .  Mülheim

Obersuhl

Kieselsäure

....  35,35  o/ 0

64,10  o/o.

Tonerde  .  .

35,36  „

26,26  „

Kalk  ,  .

....  0,16  „

0,75  „

Magnesia  .

....  0,07  „

1-42  „

Eisenoxyd.

....  2,69.  „

4,36  „

Kali.  .  .

....  1,24  „

1,26  ,.

Natron  .  .

1,42  „

Wasser.  .

•  •  !  •  H-72  „

0,53  „

Die  Töpfertone  besitzen  merkliche  Mengen  von  Eisenoxyd  und  kohlensaurem ­
  Calcium  und  haben  eine  Zusammensetzung  von  etwa  57—61  °/ 0  Kieselsäure,
24—37  °/ 0  Tonerde,  4—7,5  °/ 0  Eisenoxyd,  0,5—2,5  °/ 0  Kalkerde  und  einen  Sandgehalt, ­
  der  beispielsweise  beim  Bunzlauer  Ton  bis  30  °/ 0  geht.  Diese  Tone  vertragen ­
  eine  ziemlich  starke  Hitze,  ohne  zu  schmelzen,  können  jedoch  bei  sehr
gesteigerter  Hitze  in  eine  glasige  Schlacke  umgewandelt  werden.
Die  Töpfertone  lassen  sich  in  allen  sedimentären  Formationen  bis  in  das
Diluvium  hinein  verfolgen,  besonders  reich  daran  sind  jedoch  die  Kreideformation
und  die  tertiären  Formationsgruppen.

Zusammensetzung  der  Töpfertone  von

Bunzlau

Lautersheim

Kieselsäure  .  .

.  .  .  32,51  o/ 0

49.00  o/„.

Tonerde  .  .  .

.  .  .  21,60  „

33,09  „

Kalk  ....

•  •  ■  0,34  „

2,00  „

Magnesia  .  .  .

•  ■  ■  0,74  „

0,20  „

Eisenoxyd.  .  .

•  •  •  5,69  „

2,10  „

Kali

.  •  .  2,60  „

—

Wasser.  .  .  .

.  .  .  6,39  „

13,56  „

Sand  ....

.  .  .  30,51  „

—

3.  Ziegelerde,  Die  am  häufigsten  für  die  Ziegelherstellung  verwendete  Ziegelerde,
  deren  Benennung  eine  äußerst  verschiedene  ist,  besteht  in  einer  in  sehr  verschiedenen ­
  Verhältnissen  gemengten  Masse  von  Ton,  Sand  und  Eisenoxyd,  zu  der
meist  noch  Kalk,  Magnesia,  Alkalien  und  Bitumen  treten.  Das  Verhältnis  von  Ton
und  Sand  bewegt  sich  von  80—40°/ 0  für  Ton  und  von  20—60°/ 0  für  Sand;  iw
ersteren  Falle  nennt  man  die  Ziegelerde  fett,  im  letzteren  mager.  Bin  Teil  der
Kieselsäure  ist  mit  der  Tonmasse  chemisch  gebunden,  während  ein  anderer,  als
freie  Kieselsäure  mit  ihr  in  innigster  Mischung  vorhanden,  durch  Kochen  mit  Kalilauge ­
  in  Lösung  gebracht  werden  kann.  Quarzmehl,  feiner  und  gröberer  Sand  lassen
sich  durch  einen  Schlämmvorgang  von  der  kieselsauren  Tonerde  trennen.  Das  Eisenoxyd, ­
  sowie  auch  das  Eisenoxydhydrat  sind  einerseits  an  Kieselsäure  chemisch  gebunden, ­
  andererseits  durch  Einschwemmung  mechanisch  beigemengt.  Beim  Brennen
färbt  das  Eisenoxyd  die  Ziegelerde  rot,  sobald  Mengen  von  4  °/ 0  davon  vorhanden ­
  sind.
        <pb n="134" />
        111

Untersuchung  von  Tonen.

Im  allgemeinen  kann  man  folgendes  annehmen:  eine  tonerdereiche  und  eisenarme
Ziegelerde  brennt  sich  weiß,  eine  massig  eisenhaltige  Ziegelerde  brennt  sich  ledergelb, ­
  eine  tonerdearme  und  eisenreiche  Ziegelerde  brennt  sich  rot,  eine  tonerdearme ­
  und  eisenreiche  Ziegelerde  mit  einem  Gehalt  an  Kalkerde  brennt  sich  bei
niederer  Temperatur  rot,  bei  hoher  dagegen  durch  Bildung  von  Calcium-Eisensilikat
gelb.  Der  Eisengehalt  der  Ziegelerde  befördert  beim  Brennen  das  Sintern  und  demgemäß ­
  das  Brennen  der  Ware  bei  niederer  Temperatur.
Während  ein  hoher  Kalkgehalt,  zumal  wenn  der  Kalk  in  festen  Kalkknollen ­
  vorhanden,  für  das  Brennen  der  Ziegel  nicht  zulässig  ist,  indem  er  beim
Brennen  zu  Ätzkalk  wird,  welcher  später  durch  seine  Umwandlung  in  Calciumhydroxyd ­
  und  -karbonat  die  Steine  zum  Zerfallen  bringt,  wirkt  ein  Gehalt  von
10  °/ 0  bis  zu  15  °/ 0  Calciumkarbonat  in  gleichmäßiger  Verteilung  günstig,  weil  derselbe ­
  beim  Brennen  dem  Zerspringen  und  Bissigwerden  der  Steine  entgegen  wirkt.
Gips,  der  sich  zuweilen  in  der  Ziegelerde  vorfindet,  übt  keinen  Einfluß  aus,  wenn
man  die  Steine  so  stark  brennt,  daß  die  Schwefelsäure  ausgetrieben  wird.  Bei
schwachem  Brennen  aber  wird  der  Gips  nur  entwässert  und  veranlaßt  durch
Wiederaufnahme  des  verloren  gegangenen  Kristallwassers  eine  Zerstörung  des
Steines.  Beim  Vorhandensein  von  Magnesia  bildet  sich,  wenn  mit  schwefelreicher
Steinkohle  gebrannt  wurde,  Magnesiumsulfat,  welches  später  auswittert  und  den  Stein
an  seiner  Oberfläche  zerstört.  Die  an  frischen  Mauern  auswitternde  weiße  Schicht
wird  in  der  Praxis  irrtümlich  „Salpeter“  genannt.
Bei  Anwesenheit  von  Kali  und  Natron  kann  sich  in  ähnlicher  Weise  beim
Brennen  schwefelsaures  Kalium  oder  Natrium  bilden,  welche  durch  Auswitterung
ebenfalls  schädlich  wirken.
Bitumen,  welches  dem  Eohstoff  häufig  eine  dunkle  Farbe  verleiht,  wird
beim  Brennen  vollständig  zerstört.  Sehr  häufig  vorkommende  graue  und  grüne
Ausschläge  an  den  gebrannten  Steinen  werden  durch  vorhandenes  Vanidin  veranlaßt. ­

Schwefelkies,  der  sich  häufig  in  der  Ziegelerde  vorfindet,  erleidet  bei  geringerer ­
  Eotglut  eine  Oxydation  zu  Eisensulfat,  welches  als  solches  den  Stein  durch
späteres  Auskristallisieren  mürbe  machen  würde.  Bei  gesteigerter  Hitze  findet
indes  eine  Zersetzung  des  Salzes  statt,  indem  die  Schwefelsäure  verflüchtigt  wird,
während  Eisenoxyd  zurückbleibt.
Neben  der  chemischen  Untersuchung  empfiehlt  sich  für  die  Beurteilung,  ob
eine  Ziegelerde  für  gewisse  Zwecke  brauchbar  ist,  eine  größere  Probe  praktisch  in
der  Weise  zu  prüfen,  daß  man  dieselbe  in  anderen  Ziegeleien,  die  ein  tadelloses
Erzeugnis  liefern,  brennen  läßt.
Zur  Vergleichung  möge  hier  die  Zusammensetzung  von  drei  Ziegelerden,  die
sich  besonders  für  die  Ziegel-Herstellung  brauchbar  erwiesen  haben,  aufgeführt
werden:

Sand

.  61,26  »/„

54,70%

50,76&amp;lt;&amp;gt;  /„

Kieselsäure  ....

.  15,08  „

21,04  „

14,86  „

Tonerde

.  10,58  „

10,96  „

10,78  „

Eisenoxyd  ....

.  2,56  „

3,57  „

2,67  „

Kohlensaures  Calcium

Spur

0,54  „

8,34  „

Magnesia

.  0,05  „

0,12  „

0,12  „

Alkalien

Spur

Spur

Spur

Glühverlust  ....

.  3,58  „

3,78  „

6,20  „

Wasser

•  6,89

5,29  „

7,37  „
        <pb n="135" />
        112

Untersuchung  von  gebranntem  Kalk.

Kalk,  Zement.
Gebrannter  Kalk.
Bei  einem  Gehalt  von  mindestens  90  °/ 0  Calciumkarbonat  sind  die  in  der
Natur  vorkommenden  Kalksteine  geeignet,  im  gebrannten  Zustande  als  Mörtelmasse
verwertet  zu  werden.
Bin  gehaltreicher,  gut  gebrannter  Kalk  mit  wenig  Verunreinigungen  löscht
sich,  mit  Wasser  übergossen,  schneller  zu  einem  zarten,  unfühlbaren  Mehl  oder  Brei
als  ein  sogenannter  magerer  Kalk,  welcher  letztere  ein  mehr  körniges  Pulver  oder
einen  sich  sandig  anfühlenden  Brei  liefert.
Mit  Sand  oder  Kies  gemischt,  liefert  der  Kalkhrei  den  Luftmörtel,  welcher
die  Eigenschaft  hat,  nach  einiger  Zeit  durch  Wasserverlust  und  Kohlensäureaufnähme
  eine  feste  Masse  zu  bilden,  deren  größte  Festigkeit  häufig  erst  nach  vielen
Jahren  erreicht  wird.  Die  chemische  Untersuchung  des  gebrannten  Kalkes  und  des
Mörtels  geschieht  im  allgemeinen  nach  den  bei  Bodenuntersuchungen  und  Kalkstein
angegebenen  Verfahren.  Dieselbe  ist  auf  die  Bestimmung  des  Gesamtkalkes,  des
Calciumoxydes  bezw.  Hydroxydes,  der  Kohlensäure,  der  hydratischen  Kieselsäure,
des  Sandes,  der  Tonerde  und  des  Wassers  zu  richten.
1.  Bestimmung  des  Wassers.  Ein  einfaches  Trocknen  bei  105°  genügt
nicht,  das  chemisch  gebundene  Hydratwasser  auszutreiben;  auch  ist  ein  Glühen  nicht
statthaft,  weil  hierdurch  ein  Entweichen  der  Kohlensäure  herbeigeführt  werden
würde.  Die  Bestimmung  des  Wassers  geschieht  am  besten  in  der  W T eise,  daß  man
1—2  g  Masse  in  einem  Platinschiffchen  unter  Durchleiten  von  trockner  Luft
im  Verbrennungsrohr  glüht,  das  entweichende  Wasser  in  einem  vorher  gewogenen
Chlorcalciumrohr 1 )  auffängt  und  zurückwägt;  die  Gewichtszunahme  gibt  das  vorhandene ­
  Wasser.
2.  Die  Kohlensäure  ward  in  2—5  g  Masse  entweder  aus  dem  Gewichtsverlust
oder  durch  Auffangen  in  Kalilauge  ermittelt,  vergl.  S.  15.  Gut  ausgebrannter  Kalk
darf  nur  Spuren  oder  höchstens  bis  1  °/ 0  Kohlensäure  enthalten.
3.  Bestimmung  der  nicht  flüchtigen  Bestandteile.  10  g  gebrannter
gepulverter  Kalk  werden  unter  Bedecken  mit  einem  Uhrglase  in  einer  geräumigen
Porzellanschale  in  Salzsäure  gelöst,  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft)
einige  Zeit  im  Luftbade  oder  im  Trockenschranke  (zur  vollständigen  Abscheidung
der  Kieselsäure)  erwärmt,  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,  filtriert,  ausgewaschen ­
  und  das  Filtrat  auf  500  ccm  gebracht.
a)  Kieselsäure  und  Sand.  Der  unlösliche,  hinreichend  ausgewaschene
Rückstand  wird  getrocknet,  geglüht  und  als  Sand  -f-  Kieselsäure  gewogen;  darauf
bringt  man  ihn  in  eine  Porzellanschale  oder  besser  Platinschale,  kocht  ihn  längere
Zeit  mit  einer  hinreichenden,  verdünnten  Lösung  von  Natriumkarbonat  und  etwas
Natriumhydroxyd  aus,  filtriert,  wäscht  genügend  aus  (vergl.  S.  31  a  «),  trocknet)
glüht  und  wägt  wieder;  das  letzte  Gewicht  ist  gleich  dem  vorhandenen  Sand,  die
Differenz  zwischen  dieser  und  der  ersten  Gewichtsmenge  gleich  der  hydratischen
Kieselsäure.
b)  Tonerde  (bezw.  Eisenoxyd),  Kalk  und  Magnesia.  25  com  der  salzsauren
  Lösung  werden  erwärmt,  mit  Ammoniak  bis  zu  eben  eintretender  alkalischer
Reaktion  versetzt,  aufgekocht  und  schnell  filtriert.  Der  Niederschlag  ergib*
Tonerde  +  Eisenoxyd.  Soll  letzteres  besonders  bestimmt  werden,  so  fällt  man
!)  Durch  das  Chlorcalciumrohr  muß  vorher  einige  Zeit  trocknes  Kohlensäurega s &amp;gt;
darauf  trockne  Luft  durchgeleitet  sein.
        <pb n="136" />
        Untersuchung  von  Kalkmörtel.  —  Untersuchung  von  Zement  oder  Wasserkalk.  113

100  oder  auch  200  ccm  der  salzsauren  Lösung,  löst  den  Niederschlag  in  Schwefelsäure,
reduziert  mit  chemisch  reinem  Zink  usw.  (S.  19)  und  titriert  mit  Kaliumpermanganat
(vergl.  S.  24,  ß  2).  Im  Mitrat  der  Ammoniak-Fällung  wird  wie  üblich  der  Kalk  durch
Ammoniumoxalat  und  im  Filtrat  hiervon  die  Magnesia  durch  phosphorsaures
Natrium  usw.  gefällt.
c)  Schwefelsäure  und  Alkalien.  Ist  die  Bestimmung  dieser  Bestandteile  erwünscht, ­
  so  nimmt  man  200  oder  300  ccm  der  salzsauren  Lösung,  fällt  in  der  Kochhitze
mit  Chlorbaryum,  läßt  mehrere  Stunden  in  der  Wärme  stehen,  filtriert  das  Baryumsulfat
ab,  wägt  dieses  und  versetzt  das  Filtrat  in  der  Kälte  mit  Ammoniak  und  kohlensaurem ­
  Ammon,  filtriert  und  verfährt  zur  Bestimmung  der  Alkalien  wie  sonst  nach  S.  29.
Kalkmörtel.
Der  Kalk  gewinnt  erst  durch  Zusatz  von  Sand  die  Fähigkeit,  zu  erhärten;
man  nimmt  gewöhnlich  auf  1  Teil  Kalk  3—6  Teile  Sand.  Die  Güte  des  Sandes
ist  von  wesentlichem  Einfluß  auf  die  Güte  des  Mörtels.  In  regelrechtem  Mörtel
findet  man  8—10  °/ 0  gelöschten  Kalk.
Zur  schnellen  Unterrichtung  über  den  Kalkgehalt  eines  Mörtels  werden  100  g
Mörtel  in  einem  Halbliterkolben  mit  wenig  Wasser  vollkommen  gelöscht,  darauf
unter  Umschütteln  mit  Wasser  bis  zur  Marke  aufgefüllt.  Nachdem  der  Inhalt
durch  kräftiges  Schütteln  gut  gemischt  ist,  werden  100  ccm  abpipettiert  und  in
einem  Literkolben  mit  Wasser  bis  zur  Marke  verdünnt.  Yon  dieser  so  erhaltenen
Flüssigkeit  titriert  man  25  ccm  mit  Normalsalzsäure  unter  Anwendung  von
Phenolphtalem  als  Indikator,  bis  die  Rosafärbung  eben  verschwindet.  1  ccm  norm.
HCl  =  0,028  g  CaO  in  26  ccm  Flüssigkeit.
Bestimmung  der  Güte  des  Mörtels.  Bei  Gegenwart  von  mehr  als  2  °/ 0
hydratischer  Kieselsäure  besitzt  der  Kalk  hydraulische  Eigenschaften.  Die  hydraulischen,
d.  h.  hydratische  Kieselsäure  enthaltenden  Kalke  (auch  Wasserkalke)  sind,  wie  schon
oben  S.  105  bemerkt,  für  Düngungszwecke  um  so  weniger  geeignet,  je  mehr
hydratische  Kieselsäure  sie  enthalten,  weil  sie  im  Boden  leicht  zu  festen,  zementartigen ­
  Klumpen  zusammenballen.  Für  Düngungszwecke  eignen  sich  am  besten
die  sog.  „Weiß-  oder  Fettkalke“,  welche  bis  auf  0,5—2,0  °/ 0  nur  aus  Kalk  (CaO)
bestehen.
Für  Bauzwecke  ist  die  Prüfung  des  Kalkes  auf  Stehvermögen,  Löschfähigkeit
  und  Ausgiebigkeit  wesentlich. 1 )  Für  die  Bestimmung  der  Ausgiebigkeit ­
  verwendet  man  zweckmäßig  das  Mörtelvolumometer  von  Michaelis.
Zement  oder  Wasserkalk.
Unter  Zement  versteht  man  im  allgemeinen  einen  Kalkmörtel,  welcher  die
Eigenschaft  besitzt,  mit  Wasser  zu  einem  Brei  angerührt  unter  Wasser  zu  erhärten.
Derselbe  enthält  einen  gewissen  Prozentsatz  Kieselsäure,  an  Kalk  und  Tonerde  gebunden, ­
  in  einem  für  Salzsäure  leicht  auf  schließbaren  Zustande.  Wenn  auch  die
Ursache  der  Erhärtung  noch  nicht  aufgeklärt  ist,  so  glaubt  man  doch,  daß  der
Vorgang  unter  Bindung  von  Wasser  und  von  freier  Kieselsäure  an  Basen  zu  basischen
Verbindungen  vor  sich  geht.
Sämtliche  Wassermörtel  lassen  sich  einteilen  in:
1.  Puzzolane  oder  hydraulische  Zuschläge,
2.  Roman-Zemente,
!)  C.  Schoch,  „Die  Mörtelinduatrie“  in  „Chem.-techn.  Untersuchungsmethoden“  von
G.  Lunge.  Berlin  1899,  1,  599
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  8
        <pb n="137" />
        114

Untersuchung  von  Zement  oder  Wasserkalk.

3.  Portland-Zeraente,
4.  Gemischte  Zemente.
Da  diese  4  Arten  ganz  gesonderten  Herstellungen  entstammen,  ferner  weil  auch
verschiedene  Anforderungen  an  dieselben  gestellt  werden,  so  sollen  dieselben  im
nachstehenden  einzeln  besprochen  werden.
1.  Puzzolan-Zemente.  Es  sind  dieses  solche  Erzeugnisse,  welche  durch
einfaches  Vermischen  von  pulverförmigem  Kalkhydrat  mit  natürlichen  oder  künstlichen, ­
  staubfein  zerkleinerten  hydraulischen  Zuschlägen,  d.  h.  solchen  Silikaten,  in
denen  die  Kieselsäure  in  für  Salzsäure  leicht  aufschließbarer  Form  vorhanden  ist,
gewonnen  werden.  Von  bei  uns  gewonnenen  Zuschlägen  ist  besonders  der  in  manchen
Gegenden  der  Eifel  gegrabene  Tuffstein  oder  Traß  zu  nennen,  welcher  aus  staubförmiger
vulkanischer  Asche  durch  Druck  und  Wasseraufnahme  zu  einem  porösen  aber  festen
Gestein  gepreßt  ist.  Besonders  geschätzt  ist  für  die  Puzzolanherstellung  der  blaue
Tuffstein  der  Eifel.  Von  den  künstlich  gewonnenen  Zuschlägen  verwendet  man  seit
einigen  Jahren  zur  Herstellung  von  Puzzolan-Zement  Schlacken  aus  Hochöfen  mit
50—60  °/ 0  Kieselsäure  und  15—20  °/ 0  Tonerde,  welche  wie  Traß  in  Pulverform  mit
Kalkhydrat  innig  gemengt  in  den  Handel  gebracht  werden;  ebenso  auch  gemahlene
Ziegelsteine,  gebrannten  Alaunschiefer  und  auch  Asche  von  Braun-  und  Steinkohlen,
überhaupt  alle  solche  Abfallstoffe,  welche  die  Kieselsäure  in  löslicher  verbindungsfähiger ­
  Form  oder  als  saure  Silikate  enthalten.
Die  Untersuchung  der  Puzzolan-Zemente  hat  sich  neben  der  Bestimmung  des
Kalkes  (vergl.  vorstehend  unter  „gebrannter  Kalk“)  auf  die  Natur  des  Zuschlages  2U
erstrecken.  Hochofenschlacke  gibt  sich  beim  Übergießen  mit  Salzsäure  durch  einen
starken  Geruch  nach  Schwefelwasserstoff  unter  Abscheidung  von  Schwefel  zu  erkennen. ­
  Braun-  und  Steinkohlenasche  zeichnen  sich  durch  einen  hohen  Gehalt  an
Alkalien  aus;  gemahlene  Ziegelsteine  hinterlassen  beim  Behandeln  mit  Salzsäure
einen  verhältnismäßig  großen  Rückstand  usw.
2.  Roman-Zement.  Der  Roman-Zement  wird  durch  Brennen  von  tonhaltige®
Kalkmergeln  unterhalb  der  Sintergrenze  und  Zerkleinerung  des  gebrannten  Gestein 8
bis  zur  Mehlform  gewonnen.
Die  Güte  eines  durch  Brennen  von  Kalkmergel  gewonnenen  Roman-Zementes
ist  abhängig  von  dem  richtigen  Mischungsverhältnisse  des  in  den  Gesteinen  ent'
haltenen  Tones  zum  Kalk.  Mergel,  welche  auf  100  Teile  kohlensaures  Calci® 1 ®
20—25  Teile  Ton, 1 )  d.  h.  Silikatverbindungen  der  Tonerde,  des  Eisens  und  der
Alkalien  mit  nicht  wesentlichen  Mengen  groben  Sandes  enthalten,  eignen  sich  z® r
Zementherstellung.
Wenn  der  Sand  in  staubfeinem  Zustande  vorhanden  ist,  so  wird  auch  diese®
beim  Brennen  aufgeschlossen,  während  grobkörniger  Sand  als  schädlicher  Balla st
keinen  Wert  hat.
Die  Untersuchung  eines  für  die  Roman-Zementherstellung  in  Aussicht  g e '
nommenen  Mergels  hat  sich  a)  neben  der  Bestimmung  des  Kalkes  hauptsächlich  2®
richten  auf  diejenige  der  Tonerde,  der  Kieselsäure  und  des  Sandes  (siehe  unte®
„Mergel  und  Kalksteine“),  b)  auf  die  Bestimmung  des  groben  Sandes.  Zur  B 6 '
Stimmung  des  groben  Sandes  werden  50  g  Zement  mit  Salzsäure  ausgekocht,  &amp;amp; e '
kantiert  und  der  Rückstand  einer  Schlämmung  (S.  6  u.  ff.)  unterworfen;  es  soll 611
nicht  mehr  als  8—5  °/ 0  grobkörniger  Sand  vorhanden  sein.
Neben  der  chemischen  Untersuchung  und  der  Schlämmung,  aus  dene®
man  die  Mengenverhältnisse  der  Bestandteile  eines  für  die  Zementherstellung  111
] )  Unter  Ton  versteht  man  alles  in  Salzsäure  Unlösliche.
        <pb n="138" />
        Untersuchung  von  Zement  oder  Wasserkalk.

115

Aussicht  genommenen  Mergels  erfahren  kann,  ist  man  zur  Beurteilung  der  Brauchbarkeit ­
  auf  die  Brennprohe  angewiesen.  Es  werden  gegen  5  g  des  Rohstoffes
his  zum  vollständigen  Verjagen  der  Kohlensäure  hei  allmählich  steigender  Hitze  gehrannt, ­
  die  Masse  fein  gemahlen,  ein  Teil  wie  gebrannter  Kalk,  auf  lösliche
Kieselsäure  usw.  (S.  712,  No.  3  a)  untersucht,  ein  anderer  Teil  dagegen  mit  Wasser
zu  Kugeln  geformt;  nach  wenigen  Minuten  werden  dieselben  in  Wasser  gelegt  und
nun  in  bezug  auf  ihr  Hartwerden  im  Wasser  beobachtet.  Der  gebrannte  Roman-Zement
  wird  gestampft,  gemahlen  und  durch  ein  Sieb,  welches  auf  1  qcm  18  Löcher
besitzt,  geschlagen.
Das  spezifische  Gewicht  des  gepulverten  Zementes  soll  2,723  betragen.
Nachstehend  sei  eine  Untersuchung  des  vorzüglichen  Kufsteiner  Roman-Zementes
  nach  Peichtinger  mitgeteilt:

Kalk  55,78  Natron  1,06
Magnesia  1,62  Kieselsäure  ....  22,53
Tonerde  8,90  Kohlensäure  ....  1,46
Eisenoxyd  6,05  Schwefelsäure  .  .  .  1,85
Kali  0,75
3.  Portland-Zement.  Als  Portland-Zement  bezeichnet  man  solche

Wassermörtel,  welche  aus  künstlichen  Mischungen  von  Ton  und  Kalkstein  durch
Brennen  bis  zur  Sinterung  mit  darauf  folgender  Zerkleinerung  bis  zur  Mehlfeinheit
gewonnen  werden.
Von  den  Rohstoffen  sind  weiche  reine  Kalksteine,  wie  hauptsächlich  Kreide,
Wiesenkalk,  Marmor,  sowie  auch  zerfallener  Kalkschlamm  verwendbar.  Von  den
Tonen  wählt  man  solche,  die  möglichst  kieselsäurereich  sind  und  nur  wenig  Sand
enthalten.  Bei  Gegenwart  von  größeren  Mengen  Sand  werden  die  Rohstoffe
nach  ihrer  Zerkleinerung  einer  Schlämmung  unterworfen;  die  in  Klärbehältern
abgesetzten  Massen  werden,  nachdem  sie  bis  zur  Knetbarkeit  von  Wasser  befreit ­
  sind,  durch  Rührvorrichtungen  und  Walzen  auf  das  innigste  gemischt  und
hieraus  backsteinartige  Kuchen  geformt,  welche,  auf  Hürden  ausgelegt,  in  den  lufttrocknen ­
  Zustand  gebracht  werden.  Diese  werden  alsdann  in  geeignete  Öfen  bei
allmählich  gesteigerter  Hitze  bis  zur  Sinterung  gebrannt  und  auf  Mühlen  zu  staubfeinem ­
  Pulver  gemahlen.
Die  Rohstoffe  sind  so  zu  wählen,  daß  im  gebrannten  Zement  auf
80  Äquivalente  (1  Teil)  Si0 2  210—230  Äquivalente  (2,4—2,7  Teile)  Ätzkalk  und
15—25  Äquivalente  (0,4—0,6  Teile)  Tonerde  -j-  Eisenoxyd  kommen.
Die  chemische  Untersuchung  des  Roman-  und  Portland-Zementes
geschieht  wie  bei  „gebrannter  Kalk“  S.  112.
Zur  Prüfung  der  Zemente  auf  Reinheit  können  außer  dem  spezifischen ­
  Gewicht  (vergl.  unter  „physikalische  Prüfung“  S.  116)  nach  W.  und
R.  Fresenius 1 )  Verfahren  dienen,  die  zum  Teil  zwar  nicht  ohne  Widerspruch  geblieben ­
  sind,  die  aber  immerhin  gute  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  bieten  und  daher ­
  hier  kurz  mitgeteilt  werden  sollen.
a)  Mit  Wasser  übergossen,  darf  keine  wahrnehmbare  Erwärmung  der  Masse
auftreten.
b)  Echter  Zement  soll  in  verdünnter  Salzsäure  sich  vollständig  oder  doch
ohne  wesentlichen  Rückstand  lösen.  (Eine  milchige  Trübung  von  ausgeschiodenem
Schwefel  und  Auftreten  eines  Geruches  nach  Schwefelwasserstoff  verrät  einen  Zusatz
von  Hochofenschlacke.)
0  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1884,  23,  175;  1893,  32,  433.

8*
        <pb n="139" />
        116

Untersuchung  von  Zement  oder  Wasserkalk.

c)  2  g  Zement,  über  der  Bunsensehen  Flamme  geglüht,  dürfen  keinen  über
3,4  °/ 0  betragenden  Gewichtsverlust  aufweisen.
d)  Alkalität:  1  g  des  fein  gepulverten  Zements  wird  mit  einer  Mischung
von  30  ccm  1 / 10  Normal-Salzsäure  und  70  ccm  Wasser  10  Minuten  lang  unter  Umschütteln ­
  behandelt  und  60  ccm  des  klaren  Filtrats  mit  Normallauge  zurücktitriert;
aus  der  Differenz  berechnet  man  die  Alkalität  für  1  g  Masse.  1  g  Zement  soll
nicht  über  14,4  ccm  1 / 10  Normalsäure  verbrauchen.
e)  Verhalten  zu  Kaliumpermanganat:  Das  Verfahren  beruht  auf  dem  Vorhandensein ­
  von  verhältnismäßig  größeren  Mengen  Eisenoxydul  und  Schwefelverbindungen ­
  im  Schlackenmehl,  welches  zur  Verfälschung  dem  Zement  zuweilen  zugesetzt ­
  wird,  während  das  in  dem  reinen  Zement  vorkommende  Eisen  größtenteils
in  der  Oxydstufe  vorhanden  ist.  1  g  des  fein  gepulverten  Zements  wird  mit  150  ccm
einer  Mischung  von  1  Teil  verdünnter  Schwefelsäure  (vom  spezifischen  Gewicht  1,12)
und  2  Teilen  Wasser  in  der  Kälte  behandelt  und  Kaliumpermanganat-Lösung  (etwa
1 / 100  =  0,315  g  in  1  1)  bis  zur  Rotfärbung  hinzugefügt;  der  Endpunkt  wird  für
erreicht  gehalten,  wenn  die  Flüssigkeit  einige  Minuten  lang  rot  bleibt.
Reiner  Zement  wird  bis  zur  Oxydation  1  mg,  aber  niemals  mehr  als  2,8  mg
Kaliumpermanganat  gebrauchen,  während  nach  zahlreichen  Untersuchungen  die
Schlackensorten  44—75  mg  gebrauchen.
Da  die  verschiedenen  Portland-Zemente  im  allgemeinen  nahezu  gleiche  Zusammensetzung ­
  haben,  mag  als  Muster  die  Zusammensetzung  des  vortrefflichen
Bonner  Portland-Zementes  hier  angeführt  werden;

Kalk  Magnesia
57,18  o/o  1,32  o/ 0

oxyd

Kali  Natron  Tonerde

0,58  o/ 0  0,70  o/ (

Kohlen-  Schwefelsäure ­
  säure

_.  Kiesel-Eisen-

  saure
oxyd  (Si0 2 )
9,20  %  5,12  o/o  23,36%  1,90  o/ 0  0,64  »/„■
Die  Schwankungen  im  Gehalt  betragen:
Kalk  59—65  °/ 0 ,  Magnesia  1—3  °/ 0 ,  Alkalien  Spur  bis  3  °/ 0 ,  Tonerde  und  Eisen-7—14%,
  Kieselsäure  (SiO, 2 )  20—26°/ 0 ,  Schwefelsäure  (S0 8 )  Spur  bis  2°/o-Der
  Gehalt  an  Magnesia  soll  nicht  Uber  3°/ 0  betragen.
Die  Güte  und  Brauchbarkeit  eines  Portland-Zementes  hängt  nicht  allein  von
seiner  chemischen  Zusammensetzung  ab,  sondern  auch  ganz  besonders  von  der  Art  des
Brennens,  indem  durch  zu  kurzes  und  starkes  Glühen  ein  Totbrennen  eintritt,  das
eine  vollständige  Unbrauchbarkeit  des  Brandes  zur  Folge  haben  kann.
Bei  Beurteilung  eines  Zementes  ist  neben  der  chemischen  Untersuchung  stets
die  chemisch-physikalische  und  die  physikalische  Untersuchung  auszuführen.
Chemisch-physikalische  Prüfung.  Sehr  häufig  nehmen  schlechte  aber
schnell  bindende  Zemente,  die  einen  erheblichen  Teil  von  kaustischem  Kalk  enthalte»)
sofort  eine  mittlere  Festigkeit  an,  die  sich  jedoch  später  fortschreitend  vermindert,
so  daß  nach  einiger  Zeit  ein  vollständiges  Zerfallen  des  verarbeiteten  Zementes
durch  Treiben  eintritt.
Um  einen  Anhaltspunkt  für  die  Beurteilung  des  Treibens  zu  gewinnen,  empfiehl
es  sich,  30  g  Zement  mit  15  g  destilliertem  Wasser  zu  einer  plastischen  Masse  a®'
zurühren  und  diese  in  ein  Reagenzröhrchen  einzufüllen.
Heinzel  fand,  daß  auf  diese  Weise  beschickte  Reagenzgläser,  an  der  Luft
belassen,  bei  Verwendung  von  gutem  Zement  in  den  ersten  4  Wochen  nicht  gesprengt
werden;  tritt  das  Zerspringen  nach  14  Tagen  ein,  so  hat  man  es  mit  einem  aJ1
Kalk  überreichen,  treibenden  Zement  von  zweifelhaftem  Wert  zu  tun.
Physikalische  Prüfung,  a)  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes-Das
  nebenstehende,  von  Schumann  empfohlene,  100—150  ccm  fassende  Kölbchen»
        <pb n="140" />
        Untersuchung  von  Zement  oder  Wasserkalk.

117

40

35

30
25

20

15

-  10

in  welches  mittels  eines  Glasschliffes  ein  40  ccm  fassendes,  in  1 j 10  ccm  geteiltes
Glasrohr  eingesetzt  wird,  wird  his  zum  Nullpunkt  mit  Terpentinöl  gefüllt;  darauf
bringt  man  mit  Hilfe  eines  weiten  Trichters  durch  das  eingeteilte  Rohr  nach  und
nach  100  g  des  Zementes,  schüttelt,  um  die  Luft  vollständig  auszutreiben,  den
Apparat  vorsichtig  und  wartet,  bis  der  Zement  sich  so  weit  abgesetzt  hat,  daß  der
Flüssigkeitsstand  genau  abgelesen  werden  kann.  Man  erfährt  auf  diese  Weise  in  der
verdrängten  Anzahl  von  Kubikzentimetern  das  Volumen  des  Zementes;  man  hat  daher  nur
mit  dieser  Zahl  in  das  Gewicht  zu  dividieren,  um  das  spezifische  Gewicht  zu  erhalten.
Echter  Portland-Zement  hat  ein  spezifisches  Gewicht  von
mindestens  3,00  im  ungeglühten  und  von  mindestens  3,12  im  geglühten ­
  Zustande,  hydraulische  Kalke  von  2,44—2,55,  Schlackenmehle
  von  2,87—3,01.
b)  Zur  Feststellung  der  Feinheit  der  Mahlung  werden
3  Siebe  von  4900,  2500  und  900  Maschen  für  1  qcm,  bezw.  70,  50
und  30  Maschen  auf  das  laufende  Zentimeter  benutzt;  bei  der  Prüfung
werden  100  g  Substanz  angewendet.  C.  Schoch 1 )  läßt  bei  Zement
1—2  °/ 0  Rückstand  auf  900  Maschen  und  20  °/ 0  Rückstand  auf  4900
Maschen  zu.
o)  Die  Bindekraft  von  Portland-Zement  soll  sowohl  an  reinem
Zement  wie  auch  durch  Prüfung  einer  Mischung  von  Zement  und
Sand  ermittelt  werden.  Ein  Zement,  welcher  nach  7  Tagen  Erhärtung
(1  Tag  an  der  Luft  und  6  Tage  unter  Wasser)  eine  hohe  Festigkeit
erlangt  hat,  darf  ohne  Bedenken  als  gut  erachtet  werden.
Zur  Bestimmung  der  Festigkeitsverhältnisse  sollte  allein
die  Druckfestigkeit  maßgebend  sein.  Da  indes  ein  zu  diesem  Zweck
brauchbarer  Apparat  verhältnismäßig  viel  kostet,  ist  man  überein
gekommen,  die  Zugfestigkeit  für  Beurteilung  des  Zementes  als
Merkmal  anzunehmen.  Zur  Bestimmung  der  Zugfestigkeit  ist  ein
Normal-Apparat  mit  Doppelhebel-Ubersetzung  von  Frühling,
Michaelis  &amp;amp;  Co.  allgemein  im  Gebrauch.
Guter,  langsam  bindender  Portland-Zement  soll,  mittels  dieses
Apparates  geprüft,  auf  1  Gewichtsteil  Zement  mit  3  Gewichtsteilen
Normalsand 2 )  —  1  Tag  an  der  Luft  und  27  Tage  unter  Wasser  —  mindestens  eine
Zugfestigkeit  von  10  kg  für  1  qcm  haben.  Die  Probekörper  müssen  sofort  nach
der  Entnahme  aus  dem  Wasser  geprüft  werden.
Zemente,  welche  eine  höhere  Festigkeit  haben  als  10  kg  für  1  qom,  gestatten  in
den  meisten  Fällen  einen  größeren  Sandzusatz.
4.  Gemischte  Zemente.  Mit  diesem  Namen  sind  solche  Wassermörtel  zu
bezeichnen,  denen  zu  ihrem  Grundstoff  irgend  welche  fremde  Zusätze,  beispielsweise
Gips,  Hochofenschlacke  usw.,  gegeben  sind.  Die  Natur  des  Zuschlages  muß  angegeben ­
  sein.  Die  Untersuchung  dieser  Klasse  von  Zementen  richtet  sich  nach  den
angegebenen  Gesichtspunkten  auf  ihre  chemische  Zusammensetzung  und  auf  die
Anforderung,  welche  an  diese  Mörtel  gestellt  werden.

Fig.  18.
Schumanns
Pyknometer.

*)  G.  Lunge,  Chem.-techn.  Untersuchungsmethoden  1899,  I,  649;
a )  Der  Normalsand  wird  dadurch  gewonnen,  daß  man  einen  möglichst  reinen  Quarzsand ­
  wäscht,  trocknet,  durch  ein  Sieb  von  60  Maschen  für  1  qcm  siebt  und  aus  dem  durohgefallenen
  Sande  mittels  eines  Siebes  von  120  Maschen  für  1  qcm  noch  die  feinsten  Teile
entfernt.
        <pb n="141" />
        Tierische  Entleerungen  und  Stallmist

Tierische  Entleerungen  im  frischen  Zustande.
I.  Harn.
Die  im  folgenden  aufgeführten  Untersuchungsverfahren  beziehen  sich  zunächst
auf  den  Harn  der  grasfressenden  Tiere;  sie  sind  jedoch  großenteils  auch  auf  den
Harn  der  Fleischfresser  und  des  Menschen  anwendbar.  Hinsichtlich  der  Begründung
und  besonderen  Ausführung  der  Verfahren  verweise  ich  hauptsächlich  auf  die  bekannten ­
  Schriften  von  Henneberg  und  Stohmann:  „Beiträge  zur  Begründung
einer  rationellen  Fütterung  der  Wiederkäuer“,  Heft  1  (1860)  und  Heft  2  (1863),  sowie
„Neue  Beiträge  etc.“  1870—72,  ferner  Neubauer:  „Anleitung  zur  qualitativen  und
quantitativen  Analyse  des  Harns“,  neubearbeitet  von  H.  Huppert  und  L.  Thomas.
1.  Das  spezifische  Gewicht  des  Harns  wird  entweder  mit  einem  guten
Aräometer  (Urometer) 1 )  oder,  wenn  die  Ergebnisse  noch  genauer  ausfallen  sollen,
durch  direkte  Wägung  im  Pyknometer  oder  auch  durch  die  Westphalsche  Wage
(vergl.  „Milch“)  ermittelt,  wobei  stets  auch  die  Temperatur  der  Flüssigkeit  zu  beobachten ­
  ist  und  die  Bestimmungen  womöglich  immer  bei  ziemlich  gleicher,  mittlerer
Temperatur  (15,5°)  vorzunehmen  sind.
Das  spezifische  Gewicht  des  Harns  schwankt  im  allgemeinen  zwischen  1,010  und
1,040.  Bei  Anwendung  des  Urometers  sind  natürlich  vorher  alle  Schaumblasen  von  der
Oberfläche  des  Harns  sorgfältig  mittels  Fließpapier  usw.  zu  entfernen.  Nach  vorliegenden
Beobachtungen  entspricht  ein  Temperaturunterschied  von  3°  ungefähr  einem  Grade  des
Urometers.
2.  Die  Gesamtmenge  der  Trockensubstanz  findet  man  durch  Verdampfen
des  Harnes  in  einem  trocknen  Luftstrome  (am  besten  in  einem  Strome  von  reinem
und  trocknem  Wasser  Stoff  gas)  hei  100°.  Man  bedient  sich  hierbei  passend  eines  tiefen
Wasserbades,  in  dessen  mittleren  Teil  eine  quer  durchgehende  und  an  den  Außenseiten ­
  etwas  vorstehende  Blechhülse  eingelötet  ist.  Ein  Porzellan-  oder  Platinschiffchen ­
  wird  zu  zwei  Drittel  mit  reinen  Glassplittern  oder  ausgeglühtem,  feinem
Quarzsand  angefüllt,  bei  100°  getrocknet  und  sorgfältig  im  zugekorkten  Glasrobr
gewogen;  hierauf  läßt,  man  genau  2  ccm  Harn  (das  Gewicht  ergibt  sich  durch
Wägung  oder  durch  Multiplikation  des  Volumens  mit  dem  spezifischen  Gewicht) ­
  auf  die  Glassplitter  fließen  und  schiebt  das  Schiffchen  in  ein  hinreichend
weites  Glasrohr,  welches  in  die  Blechhülse  des  Wasserbades  einpaßt.  Das  Glasrohr ­
  wird  an  dem  einen  Ende  mit  einem  großen  Chlorcalciumrohr  verbunden  und
reicht  mit  dem  anderen  ausgezogenen  und  rechtwinklig  umgebogenen  Ende  fast  bis
auf  den  Boden  eines  Glaskölbchens,  in  welchem  titrierte  Schwefelsäure  sich  befindet.
&amp;gt;)  Sehr  brauchbare  Urometer  und  zu  billigen  Preisen  sind  vom  Mechaniker  Niemann
in  Alfeld  bei  Hannover  zu  beziehen.
        <pb n="142" />
        Tierische  Entleerungen.  Untersuchung  von  Harn.

119

Durch  eine  zweite  Durchbohrung  des  Propfens  ist  das  Kölbchen  mit  einem  Aspirator
in  Verbindung  gesetzt,  um  fortwährend  einen  Luftstrom  durch  den  Apparat  ziehen
zu  können.  Anstatt  dieses  Kölbchens  kann  man  auch  einen  gewöhnlichen  Säureapparat ­
  oder  eine  U-förmige  Kugelröhre  benutzen.
In  den  agrikulturchemischen  Laboratorien  benutzt  man  gewöhnlich  den  zuerst  von
Henneberg  und  Stohmann 1 )  empfohlenen  Apparat  zum  Trocknen  im  Wasserstoffstrome;
dieser  Apparat  ist  mit  6  (bezw.  12)  Liebigschen  Trockenröhren  versehen  und  später  von
H.  Weiske 2 )  etwas  abgeändert,  sowie  mit  dem  gewöhnlichen  Dampftrockenschrank  in
zweckmäßige  Verbindung  gesetzt  worden.
Es  können  hierzu  auch  die  verschiedenen  Vakuum-Trockenapparate  verwendet  werden.
Das  Eintrocknen  des  Harnes  wird  in  etwa  3  Stunden  vollendet  sein;  man  ermittelt ­
  den  Rückstand  durch  Wägen,  spült  das  im  Abdampfrohr  vielleicht  sublimierte ­
  kohlensaure  Ammon  in  das  Kölbchen,  entfernt  die  Kohlensäure  durch
Aufkochen  der  Flüssigkeit  und  titriert  mit  Natronlauge  die  im  Kölbchen  vorhandene ­
  nicht  gesättigte  Säure.  Bei  menschlichem,  durch  seinen  Gehalt  an  saurem
phosphorsaurem  Natrium  sauer  reagierenden  Harn  kann  man  annehmen,  daß  das
so  gefundene  Ammoniak  von  zersetztem  Harnstoff  herrührt;  es  wird  daher  durch
Multiplikation  mit  der  Zahl  1,7644  auf  Harnstoff  berechnet  und  der  Trockenmasse
zugezählt.  Bei  dem  Harn  grasfressender  Tiere  ist  jedoch  aus  der  Schwankung  des
beim  Abdampfen  sich  entwickelnden  und  des  direkt  ira  Harn  bestimmten  Ammoniaks
(s.  unten)  die  Menge  des  im  ersteren  Falle  etwa  sich  zersetzenden  Harnstoffes  zu
ermitteln.  Übrigens  sind  diese  Ammoniakmengen  meistens  nur  unbedeutend  und
können  häufig  ganz  unberücksichtigt  bleiben.
3.  Die  Menge  der  feuerbeständigen  Salze  oder  den  Aschengehalt  des
Harnes  findet  man,  wenn  man  50  ccm  des  letzteren  in  der  Platinschale  eindampft,
den  Rückstand  vorsichtig  verkohlt,  die  kohlige  Masse  mit  Wasser  auszieht,  trocknet
und  dann  vollständig  verbrennt,  was  leicht  stattfindet,  wenigstens  wenn  man  es  mit
dem  Harn  grasfressender  Tiere  zu  tun  hat;  der  wässerige  Auszug  wird  mit  der
Asche  der  Kohle  vereinigt,  zur  Trockne  verdampft,  der  Rückstand  in  der  Schale
mit  aufgelegtem  Deckel  schwach  geglüht  und  gewogen.
In  der  so  erhaltenen  Asche  wird  die  Kohlensäure  bestimmt.  Soll  eine  vollständige
Aschenuntersuchung  ausgeführt  werden,  so  nimmt  man  eine  entsprechend  größere  Menge
Harn  zum  Veraschen.  Die  Untersuchung  der  Harnasche  wird  ebenso  ausgeführt,  wie  die
einer  kieselsäurearmen  Pflanzenasohe,  nur  ist  zu  beachten,  daß  die  Asche  des  frischen
Harnes  pflanzenfressender  Tiere  meist  arm  ist  an  alkalischen  Erden  und  daher  zur  Bestimmung ­
  dieser  Stoffe  womöglich  eine  größere  Menge  Asche  in  Arbeit  genommen  werden
muß.  Von  Phosphorsäure  findet  man  im  Harne  der  Wiederkäuer  meist  nur  Spuren,  im
Harne  der  Schweine  und  oft  auch  der  Kälber  ist  jedoch  die  Menge  der  Phosphorsäure
eine  größere.
4.  Zur  Bestimmung  des  Gesamtstiokstoffes  werden  5  ccm  Harn  mit  5  ccm
gesättigter  (reiner,  d.  h.  NH 3 -freier)  Oxalsäurelösung  (zur  Bindung  des  Ammoniaks)
im  Gemenge  mit  etwas  ausgeglühtem  und  gepulvertem  Gips  in  Hofmeisterschen
Glasschälohen  auf  dem  Wasserbade  eingetrocknet,  die  trockne  Masse  samt  Schälchen
im  Mörser  zerdrückt,  verlustlos  in  einen  Glaskolben  gebracht  und  nach  Kjeldahl
(vergl,  unter  „Düngemittel“)  verbrannt.  Auch  kann  man  direkt  5—10  ccm  Harn
in  den  Verbrennungskolben  bringen,  20  ccm  Schwefelsäure  zusetzen,  dann  zuerst
vorsichtig  über  kleiner  Flamme  das  Wasser  entfernen,  hierauf  stärker  erwärmen  und
die  Verbrennung  wie  üblich  nach  dem  Verfahren  von  Kjeldahl  zu  Ende  führen.
J )  Henneberg  und  Stohmann,  Beiträge  zur  Begründung  einer  rationellen  Fütterung ­
  der  Wiederkäuer,  2.  Heft,  S.  27  ff.,  1763.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1874,  17,  31.
        <pb n="143" />
        120

Tierische  Entleerungen.

5.  Das  im  Harn  vorhandene  fertig  gebildete  Ammoniak  läßt  sich  durch
Destillation  des  verdünnten  Harns  mit  frisch  gebrannter  Magnesia  und  Auffangen
des  destillierenden  Ammoniaks  in  titrierter  Schwefelsäure  (vergl.  über  Ammoniak-Bestimmung
  in  „Düngemitteln“)  ermitteln.
Die  Menge  des  fertig  gebildeten  Ammoniaks  beträgt  im  frischen  Einderharne  nach
Boussingault  0,006—0,010°/o,  nach  Rautenherg  0—0,009%  und  verdient  daher  bei
Untersuchungen  über  den  Stickstoffkreislauf  im  Körper  des  Rindes  kaum  eine  besondere
Berücksichtigung.  Im  menschlichen  Harn  ist  die  Menge  des  Ammoniaks  eine  größere  und
zu  0,078—0,103%  gefunden  worden.
6.  Bestimmung  des  Harnstoffs,  Das  frühere  v.  Liehigsche  Verfahren
zur  Bestimmung  des  Harnstoffs  durch  Titration  mit  salpetersaurem  Quecksilber  wird
wegen  seiner  Umständlichkeit  und  der  vielen  Fehlerquellen  kaum  mehr  angewendet,
da  der  Harnstoff  aus  dem  jetzt  nach  Kjeldahl  leicht  zu  bestimmenden  Gesamt-Stickstoff
  nach  Abzug  des  Ammoniak-  +  Harnsäure-  (hezw.  Hippursäure-)  Stickstoffs
fast  ebenso  zuverlässig  ermittelt  werden  kann.  Ich  beschränke  mich  daher  darauf,
nur  die  zugehörige  Literatur  anzuführen. 1 )
7.  Zur  Bestimmung  der  Hippursäure  und  Harnsäure  dampft  man
200  ccm  Harn  im  Wasserbade  bis  auf  etwa  50  ccm  ein,  versetzt  mit  20  ccm  Salzsäure, ­
  erwärmt  mäßig,  läßt  in  der  Kälte  48  Stunden  stehen  (am  besten  im  Keller
bei  möglichst  niedriger  Temperatur),  sammelt  die  ausgeschiedene  rohe  Hippursäure
auf  einem  gewogenen  möglichst  kleinen  Filter  und  wäscht  mit  kleinen  Mengen
möglichst  kalten  Wassers  aus,  bis  die  Flüssigkeit  farblos  abläuft  und  mit  Silberlösung ­
  nur  noch  schwache  Trübung  gibt;  hierauf  wird  bei  100°  getrocknet  und
gewogen.  Für  je  6  ccm  der  vom  Filter  ablaufenden  Flüssigkeit  addiert  man  dem
Löslichkeitsverhältnis  der  Hippursäure  in  kaltem  Wasser  entsprechend  C/goo)  =  10  mg
zu  dem  direkt  gefundenen  Gewichte  der  Hippursäure  hinzu.  Die  gewogene  Hippursäure ­
  ist  durch  Verbrennen  auf  etwaigen  Salzgehalt  zu  prüfen.
Diabetischen  Harn  läßt  man  vorher  mit  Hefe  vergären,  stark  eiweißhaltigen ­
  Harn  befreit  man  vorher  durch  Koagulation  mit  einigen  Tropfen  Salpetersäure ­
  von  dem  Eiweiß.
In  derselben  Weise  wie  die  Hippursäure  wird  auch  die  etwa  vorhandene  Harnsäure
mittels  Salzsäure  ausgeschieden,  wobei  man  gewöhnlich  für  100  ccm  der  vorhandenen  und
verbrauchten  Flüssigkeit  noch  0,0048  g  Harnsäure  hinzurechnet.  Um  die  hierbei  in  Lösung
bleibende  Harnsäure  ebenfalls  abzusoheiden,  hat  E.  Salkowsky *  2 )  ein  Verfahren  vorgeschlagen, ­
  das  jedoch  mit  dem  oben  angegebenen  Lösungskoeffizienten  nach  Schwanert
übereinstimmende  Ergebnisse  liefert.  In  dem  Harn  der  Pflanzenfresser  sind  meist  nur
Spuren  von  Harnsäure  vorhanden,  die  nicht  berücksichtigt  werden;  in  dem  Harn  der  fleischfressenden ­
  und  von  gemischter  Nahrung  lebenden  Tiere  ist  dagegen  die  Menge  der  Harnsäure
gewöhnlich  eine  größere  als  die  der  Hippursäure.  Um  beide  Säuren  voneinander  zu  trennen,
behandelt  mau  das  Gemenge  wiederholt  mit  83-grädigem  Weingeist,  welcher  die  Hippursäure
leicht  auflöst,  während  die  Harnsäure  darin  fast  unlöslich  ist.
Bei  der  Harnsäurebestimmung  muß  ebenfalls  etwaiges  Eiweiß  durch  Koagulation
entfernt  werden;  zuckerhaltiger  Harn  wird  zuerst  mit  Bleiessiglösung  gefällt,  filtriert,
das  Filtrat  mit  essigsaurem  Quecksilberoxyd  gefällt,  der  abfiltrierte  Niederschlag  durch
Schwefelwasserstoff  zersetzt,  filtriert  und  das  Filtrat  alsdann  mit  Salzsäure  versetzt.

’)  Henneberg  und  Rautenherg,  Ann,  der  Chemie  und  Pharm.  133,  65.
Pfeiffer,  Zeitschr.  f.  Biologie  1884,  20,  550,  558.
Pflüger,  Archiv  f.  die  gesamte  Physiologie  1887,  40,  553—586.
2 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1871,  10,  243  und  1872,  11,  234.  Vergl.  auch  Schwanert,
ebendaselbst  1872,  11,  356.
        <pb n="144" />
        Untersuchung  von  Harn.

121

8.  Prüfung  auf  Eiweiß,  a)  In  ein  kleines,  enges  Reagenzgläsohen  läßt
man  einen  Tropfen  roter  rauchender  Salpetersäure  einfließen  und  fügt  dazu  etwa
2  ccm  reiner  konzentrierter  Salpetersäure  (spezifisches  Gewicht  1,2).  Auf  dieses
Säuregemisch  schichtet  man  den  durch  Filtration  geklärten  Harn  durch  vorsichtiges
Ausflieflenlassen  aus  einem  zweiten  Reagenzgläsohen  oder  aus  einer  Pipette.  Ist
Eiweiß  vorhanden,  so  bildet  sich  an  der  Grenzschicht  beider  Flüssigkeiten  eine
nach  oben  und  unten  scharf  begrenzte  ringförmige  Trübung.  Täuschungen  können
in  sehr  konzentrierten  Harnen  durch  Ausscheidung  von  Harnsäure,  Hippursäure
und  Harnstoff  entstehen.  In  diesen  Fällen  ist  aber  der  Ring  nur  nach  unten
scharf  ahgegrenzt,  nach  oben  dagegen  verschwommen  breiter.
h)  Nachweis  durch  Kochhitze.  Saurer  Harn  bedarf  keines  Zusatzes.  Alkalischem ­
  Harn  wird  so  viel  Essigsäure  zugesetzt,  bis  er  bleibend  sauer  reagiert.
Der  ursprünglich  saure  oder  der  mit  Essigsäure  angesäuerte  Harn  wird  im
Reagenzgläsohen  zum  Sieden  erhitzt  und  nach  dem  Kochen  jedesmal,  gleichgültig
ob  beim  Kochen  ein  Niederschlag  entstanden  ist  oder  nicht,  mit  etwas  konzentrierter
Salpetersäure  bis  zur  stark  sauren  Reaktion  versetzt.  Entsteht  im  gekochten  Harn
ein  flockiger,  auch  nach  Zusatz  von  Salpetersäure  bleibender  Niederschlag,  so  ist
die  Gegenwart  von  Eiweiß  erwiesen.
c)  Man  säuert  den  Harn  reichlich  mit  Essigsäure  an  und  setzt  2—3  Tropfen
Ferrocyankaliumlösung  hinzu;  bei  Gegenwart  von  Eiweiß  entsteht  ein  dichter  weißer
Niederschlag.
Soll  das  Eiweiß  quantitativ  bestimmt  werden,  so  wird  es  nach  (b)  gefällt, ­
  durch  ein  getrocknetes  und  gewogenes  Filter  filtriert,  mit  diesem  getrocknet
und  gewogen;  oder  der  Niederschlag  wird  samt  dem  Filter  nach  Kjeldahl  verbrannt, ­
  der  gefundene  Stickstoff  nach  Abzug  des  Stickstoffs  des  Filters  durch
Multiplikation  mit  6,25  auf  Eiweiß  berechnet.
9.  Wenn  ferner  im  Harn  Zucker  enthalten  ist  und  dieser  bestimmt  werden
soll,  so  muß  der  Harn  vor  allem  eiweißfrei  sein;  enthält  er  Eiweiß,  so  wird  dieses
zuerst  nach  8.  abgeschieden.  Sodann  verfährt  man  unter  Anwendung  der
Fehlingschen  Kupferlösung  ganz  in  derselben  Weise,  wie  im  Abschnitt  „Futtermittel“ ­
  unter  „Zuckerbestimmung“  angegeben  ist.  Der  zu  untersuchende  Harn  ist  hierbei
so  zu  verdünnen,  daß  er  höchstens  1 / 2 —1  °/ 0  Zucker  enthält;  auch  empfiehlt
sich,  stark  gefärbten  Harn  vorher  durch  Tierkohle  usw.  zu  entfärben,  oder  man
entfärbt  den  Harn  mit  Tierkohle  bezw.  Bleiessig  und  polarisiert  das  wasserhelle
Filtrat.  Die  Halbschattenapparate  mit  Kreisgradteilung  zeigen  im  200  mm-Rohr
für  1  Grad  Drehung  =  0,94  °/ 0  Traubenzucker  an.
Bei  qualitativer  Prüfung  auf  geringe  Mengen  von  Zucker  ist  der  Harn  mit
Bleiessig  zu  entfärben  oder  wiederholt  (4—5mal)  durch  Tierkohle  zu  filtrieren;
das  wasserhelle  Filtrat  gibt  dann  eine  ungleich  bessere  Zuckerreaktion  mit  der
Fehlingschen  Lösung,  als  der  ursprüngliche  Harn,  Noch  weit  schärfer  ist  die
Reaktion  nach  Seegen, 1 )  wenn  nach  vollendeter  Filtration  die  auf  dem  Filter
befindliche  Kohle  mit  wenig  Wasser  gewaschen  und  dieses  Waschwasser  (bei
ursprünglich  sehr  gefärbten  Harnen  das  zweite  und  dritte  Waschwasser)  zur  Probe
benutzt  wird.  Man  kann  den  Harn  auch  nach  van  Ketel  durch  4  ccm  Phenolliquefact.
  und  16  ccm  Bleiessiglösung  auf  60  ccm  Harn  klären.  Schließlich  kann
man  auch  nachBöttger  in  folgender  Weise  verfahren:  Zur  eiweißfreien  Harnprobe
setzt  man  einen  reichlichen  Überschuß  einer  konzentrierten  Lösung  von  kohlensaurem ­
  Natrium,  hierauf  eine  kleine  Menge  basisch  salpetersauren  Wismutoxyds
] )  Zeitschr.  f,  anal.  Chemie  1872,  11,  356.
        <pb n="145" />
        122

Tierische  Entleerungen.

und  kocht;  enthält  der  Harn  Zucker,  so  wird  das  weiße  Wismutsalz  unter  Schwarzfärhung
  reduziert.
10.  Freie  und  gebundene  Kohlensäure:  Zwei  Proben  frisch  aufgefangenen
Harns  von  je  etwa  100  ccm  werden,  die  eine  mit  einer  reinen,  die  zweite  mit
einer  ammoniakhaltigen  Lösung  von  Chlorbaryum  versetzt,  die  Flüssigkeiten  auf
dem  Dampfapparate  bis  nahe  zum  Kochen  erhitzt,  die  Niederschläge  auf  ein  gewogenes
Filter  gebracht,  ausgewaschen,  bei  100°  getrocknet,  gewogen  und  der  Gehalt  an
Kohlensäure  ermittelt.
11.  Wenn  auch  Kohlenstoff  und  Wasserstoff  in  der  organischen  Substanz
des  Harnes  bestimmt  werden  sollen,  so  geschieht  dieses  mittels  der  Elementaranalyse, ­
  indem  man  10  ccm  Harn  im  Gemenge  mit  feinem  Quarzsand,  welcher
vorher  mit  Säuren  ausgekocht,  gewaschen  und  geglüht  wmrden  ist,  oder  im  Gemenge
mit  präzipitiertem  und  geglühtem  schwefelsauren  Baryum  verdampft,  den  Rückstand
vollständig  austrocknet  und  mit  chromsaurem  Blei  gegen  Ende  der  Behandlung  im
Sauerstoffstrome  verbrennt.
12.  Bestimmung  des  Chlors:  5—10  ccm  Harn  werden  in  einer  kleinen
Platinschale  mit  1  g  reinem  kohlensauren  Natrium  (um  etwaiges  Chlorammonium
in  Chlornatrium  und  kohlensaures  Ammon  überzuführen  und  einen  Verlust  von
Chlor  zu  verhüten)  und  1—2  g  chlorfreiem  Salpeter  im  Wasserbade  zur  Trockne
verdampft;  der  Rückstand  wird  zuerst  gelinde,  später  stärker  bis  zum  Schmelzen
erhitzt.  Die  verbleibende  Schmelze  wird  in  wenig  Wasser  gelöst,  die  Lösung  in
ein  Becherglas  gebracht  und  zu  der  alkalisch  reagierenden  Flüssigkeit  so  lange
tropfenweise  sehr  verdünnte  reine  Salpetersäure  hinzugegeben,  bis  eine  schwach
saure  Reaktion  eingetreten  ist,  die  man  alsdann  durch  eine  Messerspitze  voll  gefällten
kohlensauren  Calciums  wieder  beseitigt.  Das  überschüssige  kohlensaure  Calcium
filtriert  man  vor  der  Titration  nicht  ab,  da  es  die  Schärfe  der  Endreaktion  durchaus ­
  nicht  beeinträchtigt.  Zu  der  Mischung  setzt  man  ferner  2—3  Tropfen  einer
kalt  gesättigten  Lösung  von  chromsaurem  Kalium  und  titriert  dann  mit  Silberlösung, ­
  bis  eine  deutlich  rötliche  Abstufung  auch  nach  dem  ümrühren  bestehen
bleibt.  Die  Silberlösung  soll  im  Liter  18,469  g  Silber  enthalten,  so  daß  ein  Kubikzentimeter ­
  derselben  10  mg  Chlornatrium  oder  6,068  mg  Chlor  entspricht;  sie  darf
keine  Spur  von  freier  Salpetersäure  enthalten,  muß  also  völlig  neutral  sein.
Man  kann  aber  auch  ebenso  schnell  das  Chlor  in  der  salpetersauren  Lösung
gewichtsanalytisch  bestimmen.
13.  Die  etwa  vorhandene  Phosphorsäure  kann  man  durch  Titration  mit
Uranlösung  ermitteln,  sicherer  ist  jedoch  die  gewichtsanalytische  Bestimmung  in  der
Asche  des  Harns  nach  dem  Molybdänverfahren  (vergl.  unter  „Düngemittel“).
Um  die  an  Erden  gebundene  Phosphorsäure  allein  zu  bestimmen,  versetzt  man  je
nach  der  Konzentration  100  oder  200  ccm  des  filtrierten  Harns  mit  Ammoniak  bis  zur
alkalischen  Reaktion  und  läßt  12  Stunden  stehen.  Der  Niederschlag  wird  auf  einem  kleinen
Filter  gesammelt,  unter  Erwärmen  in  möglichst  wenig  Essigsäure  gelöst,  die  Lösung  bis
auf  50  com  verdünnt  und  nach  Zusatz  von  5  ccm  der  essigsauren  Ammoniösung  mit  Uran
titriert.  Will  man  Kalk  und  Magnesia  bestimmen,  so  löst  man  das  Gemenge  der  Phosphate
vor  dem  Glühen  in  möglichst  wenig  verdünnter  Essigsäure  auf,  fällt  den  Kalk  mit  oxalsaurem
  Ammon  und  nach  dem  Abfiltrieren  des  Niederschlages  das  phosphorsaure  Magnesium
durch  Übersättigung  der  Flüssigkeit  mit  Ammoniak.
14.  Schwefelsäure:  50  oder  100  ccm  des  filtrierten  Harnes  werden  mit
Salzsäure  stark  angesäuert,  bis  zum  Sieden  erhitzt  und  mit  Chlorbaryumlösung
gefällt.  Man  läßt  die  Flüssigkeit  noch  einige  Stunden  in  der  Wärme  stehen  und
filtriert  die  klare  Flüssigkeit  ab.  Den  Niederschlag  rührt  man  noch  wiederholt  in
        <pb n="146" />
        Untersuchung  von  Kot.

123

heißem,  etwas  salzsäurehaltigem  Wasser  auf,  läßt  stets  wieder  ahsitzen,  filtriert
die  klare  Flüssigkeit  und  bringt  den  Niederschlag  erst  auf  das  Filter,  wenn  im
Filtrat  mit  Schwefelsäure  kein  Niederschlag  mehr  entsteht.  Der  Niederschlag  wird
nach  dem  Trocknen  von  dem  Filter  getrennt  und  geglüht  (das  Filter  für  sich  verbrannt), ­
  nach  dem  Glühen  mit  einigen  Tropfen  verdünnter  Schwefelsäure  (um  durch
organische  Substanz  etwa  zu  Schwefelharyum  reduziertes  schwefelsaures  Baryum
wieder  in  letzteres  Uherzuführen)  befeuchtet  und  nochmals  geglüht,  bis  die  überschüssige ­
  Schwefelsäure  verdampft  ist,  hierauf  nach  dem  Erkalten  des  Tiegels  gewogen. ­

15.  Um  den  Schwefel,  der  vielleicht  als  solcher  und  nicht  bloß  als  Schwefelsäure ­
  im  Harne  enthalten  ist,  zu  bestimmen,  werden  50  ccm  Harn  in  einem  geräumigen ­
  Silhertiegel  mit  einigen  Stücken  von  reinem  Ätzkali  und  etwas  Salpeter
versetzt,  vorsichtig  ahgedampft,  der  Rückstand  stark  geglüht  und  darin  die  Gesamtmenge ­
  der  Schwefelsäure  ermittelt  (vergl.  auch  unter  „Tier-  und  Pflanzenasche“).
II.  Der  Kot.
a)  Allgemeine  Untersuchung.  Der  Darmkot,  zunächst  der  Pflanzenfresser, ­
  wird  auf  seine  Bestandteile  fast  genau  in  derselben  Weise  untersucht  und
für  die  Untersuchung  vorbereitet,  wie  die  Grün-  und  Rauhlutterstoffe;  ich  verweise
daher  auf  diesen  Abschnitt,  in  welchem  die  betreffenden  Untersuchungsverfahren
ausführlich  beschrieben  sind.  Nur  hinsichtlich  der  Eohfaserhestimmung  im  Darmkot ­
  sei  bemerkt,  daß  es  wegen  der  reichlichen  Beimengung  von  harzigen  Gallenstoffen ­
  oft  nötig  ist,  die  Masse  zuerst  mit  Weingeist  auszukochen,  bevor  man
dieselbe  der  Behandlung  mit  verdünnter  Schwefelsäure  und  Kalilauge  usw.  unterwirft.
Auch  ist  zu  beachten,  daß  mikroskopische  Untersuchungen  für  die  Beurteilung  der
mit  dem  Kot  im  unverdauten,  jedoch  oft  mehr  oder  weniger  veränderten  Zustande
aus  dem  Körper  entfernten  Futterhestandteile  von  großem  Werte  sind.  Zu  diesem
Zwecke  kann  man  eine  Probe  des  zu  untersuchenden  Kotes  in  einem  Beutel  von
feiner  Leinwand  unter  kaltem  Wasser  längere  Zeit  kneten  und  drücken,  bis  das
Wasser  nicht  mehr  getrübt  wird  und  ans  dem  Rückstand  keine  weiteren  löslichen
Stoffe  in  die  Flüssigkeit  übergehen.  Der  Bodensatz,  welcher  in  der  Flüssigkeit  hei
längerem  Stehen  derselben  sich  bildet,  wird  unter  dem  Mikroskop  mit  Hilfe  von
Jodtinktur  auf  etwa  vorhandene  Stärkemehlkügelchen  und  außerdem  auf  unlösliche
und  schwerlösliohe  Salze  und  sandige  Beimengungen  usw.  untersucht;  die  filtrierte
klare  Flüssigkeit  prüft  man,  oh  sie  vielleicht  Zucker,  gummiartige  Stoffe,
Milchsäure  usw.  enthält.  Ebenso  wird  der  ausgewaschene  Rückstand  im  Leinwandheutel,
  entweder  sofort  oder  nachdem  die  harzigen  Stoffe  durch  Behandlung  mit  Alkohol ­
  entfernt  worden  sind,  unter  dem  Mikroskop  untersucht,  um  Aufschlüsse  über
den  Verlauf  des  Verdauungsvorganges  im  lebenden  Tierkörper  zu  erhalten.
h)  Bestimmung  der  Stoffwechselerzeugnisse  im  Kot.  Dem  Kot  sind
stets  mehr  oder  weniger  Stoffwechselerzeugnisse,  besonders  solche  von  Gallenhestandteilen
  herrührend,  heigemengt.  Diese  verursachen  daher  hei  der  Berechnung
der  Verdauungs-Koeffizienten  einen  Fehler,  indem  letztere  in  Wirklichkeit  höher
sind,  als  sie  sich  aus  Futter-  minus  Kothestandteilen  berechnen.  Dieses  trifft  besonders ­
  für  die  stickstoffhaltigen  Stoffwechselerzeugnisse  zu,  während  die  stickstofffreien ­
  dagegen  zurücktreten  und  (bei  etwa  1—3  °/ 0  der  Kottrockenmasse)
vernachlässigt  werden  können.
Die  stickstoffhaltigen  Gallenhestandteile  sind  löslich  in  Äther  (Dyslysin),  in
Alkohol  (alle  Bestandteile  bis  auf  Dyslysin  und  Taurin)  und  in  Wasser  (in  letzterem
        <pb n="147" />
        124

Tierische  Entleerungen,

das  Taurin).  Man  unterwirft  daher  nach  den  früheren  Weender  Versuchen  den  Kot
(lufttrocken)  einer  aufeinanderfolgenden  Ausziehung  mit  Äther,  Alkohol  und  Wasser,
bestimmt  in  den  Auszügen  den  Stickstoff  und  zieht  diese  Menge  (die  Summe)  vom
gesamten  Kotstickstoff  ah,  um  einen  richtigeren  Ausdruck  für  die  wirklich  unverdaute ­
  Stickstoff-Menge  (das  sog.  Nuklein)  zu  erhalten.  Hierbei  ist  jedoch,  zu
berücksichtigen,  daß  der  Ätherauszug  und  zum  Teil  auch  Alkoholauszug  noch  stickstoffhaltiges ­
  Chlorophyll  einschließt,  das  Wasser  außer  Taurin  auch  noch  sonstige  Stickstoffverbindungen ­
  löst,  andererseits  aber  die  in  Form  von  Darmepithelien  und  Schleimstoffen
  mit  ausgeschiedenen  Stickstoffverhindungen  durch  diese  Lösungsmittel  nicht
gelöst  werden.  E.  Schulze  und  M.  Märcker 1 )  haben  daher  seinerzeit  den  Taurin-Gehalt
  in  der  Weise  ermittelt,  daß  sie  den  Schwefelgehalt  des  wässerigen  Auszuges
bestimmten  und  daraus  den  Taurin-Gehalt  berechneten.  —  Taurin  enthält  25,60  °/ 0
Schwefel  und  11,2  °/ 0  Stickstoff.
Th.  Pfeiffer *  2  3  *  * )  hat  die  Stutzer  sehe  Pepsinlösung  zur  Bestimmung  der  Stoffwechselerzeugnisse ­
  im  Kot  benutzt  und  verfährt  dabei  in  ähnlicher  Weise,  wie
später  unter  Futtermittel  für  die  Bestimmung  der  verdaulichen  stickstoffhaltigen
Stoffe  angegeben  ist  (vergl.  auch  weiter  unter  Stallmist).  Indem  man  die  auf  diese
Weise  gelöste  Stickstoffmenge  vom  Gesamt-Stickstoff  des  Kotes  ahzieht,  erhält  man
den  auf  die  Futterrückstände  entfallenden  unverdauten  Stickstoff,  bezw.  durch
Multiplikation  mit  6,25  die  unverdaute  stickstoffhaltige  Substanz,  und  indem  man
diese  Menge  von  der  im  Putter  verabreichten  Menge  stickstoffhaltiger  Stoffe  (N  X  6,25)
ahzieht,  erfährt  man  die  wirklich  verdaute  Menge  Stickstoff.
Selbstverständlich  sind  die  auf  diese  Weise  berechneten  Verdauungs-Koeffizienten
—  Futterstickstoff  dividiert  in  verdauten  Stickstoff  -  mehr  oder  weniger  wesentlich ­
  höher,  als  wenn  die  stickstoffhaltigen  Stoffwechselerzeugnisse  nicht  berücksichtigt
werden,  und  müssen  die  bis  jetzt  berechneten  Verdauungs-Koeffizienten  für  stickstoffhaltige ­
  Substanz,  bei  welchen  die  Stoffwechselerzeugnisse  außer  acht  gelassen
wurden,  als  mehr  oder  weniger  zu  niedrig  bezeichnet  werden.  Indes  müssen
die  im  Kot  ausgeschiedenen  stickstoffhaltigen  Stoffwechselerzeugnisse  auf  irgend
eine  Weise  durch  die  stickstoffhaltigen  Bestandteile  des  Futters  wieder  ersetzt
werden,  und  wenn  das  bisherige  Verfahren,  aus  Futterstickstoff  minus  Kotstickstoff
den  Verdauungs-Koeffizienten  zu  berechnen,  nicht  richtig  ist,  insofern  in  Wirklichkeit ­
  von  dem  Futterstickstoff  mehr  verdaut  worden  ist,  so  erfahren  wir  doch  aus
der  einfachen  Differenz  Futterstickstoff  minus  Kotstickstoff  die  in  dem  Organismus
wirklich  verbliebene  und  nutzbar  gemachte  stickstoffhaltige  Substanz,  und  mit
dieser  muß  der  praktische  Landwirt  einerseits  für  die  Erzeugung  von  Körpermasse,
andererseits  für  die  Stickstoffgewinnug  im  Dünger  rechnen.
Der  Stallmist.
Bei  der  Untersuchung  des  Stallmistes 8 )  wird  der  in  Wasser  lösliche  und
unlösliche  Teil  jeder  für  sich  der  Untersuchung  unterworfen,  weil  man  bei  der
Probenahme  beide  Teile  voneinander  getrennt  erhält,  und  weil  es  für  die  Beurteilung
des  Stallmistes  von  Wert  ist,  die  Mengen  der  beiden  Stoffe  genau  kennen  zu  lernen.
*)  Journ.  f.  Landwirtschaft  1871,  19,  49.
2 )  Zeitsohf.  f.  physiol.  Chemie  1886,  10,  561  und  Journ.  f.  Landwirtschaft  1886,  34,
425;  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  55,  129.
3 )  Als  Beispiel  einer  ausführlichen  Untersuchung  von  Stallmist  sei  verwiesen  auf
E.  Wolffs  Abhandlung:  „Beobachtung  über  das  chemische  Verhalten  des  Stallmistes  hei
längerer  Aufbewahrung“  in  Landw.  Versuchs-Stationen  1,  123—146.
        <pb n="148" />
        Untersuchung  von  Stallmist.

125

Um  sich  eine  Durchschnittsprobe  des  Stallmistes  zu  verschaffen,  kann  man
das  folgende  Verfahren,  welches  auch  dem  von  G.  Kühn 1 )  angewendeten  entspricht,
in  Anwendung  bringen.
1.  Probenahme.  Ein  größerer  Düngerhaufen,  aus  welchem  eine  Mittelprobe
gewonnen  werden  soll,  wird  zunächst  zur  Hälfte  und  bis  zur  ganzen  Tiefe  abgestochen ­
  und  sodann  mittels  eines  sog.  beiderseitig  scharfen  Torfmessers  ein  etwa
1 la  m  breiter  Streifen  von  der  senkrechten  Wand  von  oben  nach  unten  und  der
ganzen  Länge  oder  Breite  nach  möglichst  scharf  abgenommen.  Die  so  gewonnene
Masse  bringt  man  unter  Zerteilung  der  vorhandenen  Klumpen  und  möglichst  gleichförmiger ­
  Mischung  in  einen  kleineren  flachen,  regelmäßig  viereckigen  und  etwa
2 /s  m  mächtigen  Haufen,  läßt  das  Ganze  zusammenstampfen  und  schlägt  mit  Hilfe
eines  scharfen  Beiles  über  Kreuz  oder  nach  der  Diagonale  1 / 3  m  breite  Streifen  heraus. ­
  Auf  solche  Weise  erhält  man  eine  ziemlich  sichere  Mittelprobe.
Wenn  bei  Fütterungsversuchen  mit  einer  geringen  Anzahl  von  Tieren  der  gewonnene
Mist  unter  den  letzteren  liegen  bleibt,  also  zu  einer  mehr  oder  weniger  mächtigen  Schicht
sich  ansammelt,  so  muß  man  einige  Tage  vor  der  Beendigung  des  Versuches  das  Einstreuen ­
  unterlassen,  dagegen  die  ausgeschiedenen  Exkremente  gleichmäßig  über  den  ganzen
Stand  verteilen.  Man  erreicht  dadurch,  daß  auch  die  obere  Schicht  des  Mistes  gut  zertreten
wird  und  ihre  strohige  Beschaffenheit  verliert.  Behufs  der  Probenahme  wird  sodann  durch
Einbacken  mit  dem  Beile  ein  dem  ganzen  Stand  diagonal  durchsetzender  Streifen  (15—32  cm
breit)  bis  auf  den  Boden  von  dem  übrigen  Miste  losgetrennt.
Das  Ausstechen  einer  Säule  aus  dem  Düngerhaufen  kann  aber  nach  Th.  Pfeiffer 2 )
durch  Auspressen  von  Flüssigkeit  aus  der  zu  entnehmenden  oder  auch  in  die  zu
entnehmende  Probe  einen  Fehler  bedingen.
Th.  Pfeiffer  sucht  diesen  Fehler  dadurch  zu  vermeiden,  daß  er  von  tunlichst  viel
(etwa  30)  Stellen  des  Misthaufens  kleinere  Proben  (bis  zu  etwa  25  kg  im  ganzen)  in  eine
Bleohwanne  werfen,  in  dieser  gründlich  mit  den  Händen  zerzupfen  und  mischen  läßt.  Aus
dieser  gemischten  Masse  wird  dann  eine  kleinere  Durchschnittsprobe  für  die  Untersuchung
entnommen.  Oder  es  werden,  um  einen  Verlust  an  Ammoniak 3 )  zu  vermeiden,  z.  B.  beim
Ausmisten,  fortwährend  kleine  Mengen  des  Mistes  in  bereitstehende  Fässer  geworfen  und
sofort  aus  einem  Gefäß,  dessen  Gewicht  mit  Inhalt  vorher  festgestellt  war,  mit  verdünnter
Schwefelsäure 4 )  besprengt,  die  Menge  des  Zusatzes  durch  Zurückwägen  der  Flasche  ermittelt ­
  und  diese  später  bei  der  Umrechnung  berücksichtigt.  Aus  der  mit  Schwefelsäure
besprengten,  etwa  100  kg  betragenden  Masse  wird  dann,  wie  vorhin,  die  kleine  Mittelprobe ­
  gebildet.
Fr.  Holdefleiß 5 )  verfährt  bei  der  Probenahme  in  ähnlicher  Weise;
Der  aus  dem  Stalle  herausgeschaffte  Mist  wird  sofort  auf  Wagen  geladen,  deren
Taragewicht  bestimmt  war,  um  mit  demselben  auf  einer  großen  Brückenwage  gewogen  zu
werden.  Beim  Auf  laden  mit  Gabeln  werden  während  des  ganzen  Verlaufs  desselben  gleichmäßig ­
  nach  und  nach  einzelne  Gabeln  voll  des  Düngers  in  eine  gut  schließende  Kiste,
welche  vorher  tariert  und  aus  festen,  glatt  gehobelten  Brettern  hergestellt  ist,  gegeben.
Sobald  die  Wagen  mit  dem  für  einen  Haufen  bestimmten  Mist  beladen  sind,  werden  dieselben ­
  gewogen  und  zu  gleicher  Zeit  auch  die  Durchschnittsprobe  mit  der  Kiste,  so  daß
x )  Landw.  Versuchs-Stationen  1869,  12,  123  ff.
2 )  Arbeiten  d.  Deutschen  Landw.-Gesellsoh.  1902,  Heft  73,  S.  12.
3 )  Die  Verluste  an  Ammoniak  durch  Verdunstung  sind  aber  nach  früheren  Versuchen
von  Hellriegel,  Jentys  u.  Verf.  (vergl.  J.  König,  Stiokstoflvorrat  1893,  3.  Aufl.,  S.  85)
nur  unwesentlich,  was  auch  von  Th.  Pfeiffer  bestätigt  wird.
4 )  Statt  der  Schwefelsäure  kann  man  nach  Pfeiffer  (Landw.  Versuchs-Stationen  1896,
46,  1)  wenigstens  bei  Harn  auch  Weinsäure  nehmen,  wodurch  ein  Verlust  von  Nitrat-Stickstoff
  vermieden  wird.
5 )  Fr.  Holdefleiß,  Untersuchungen  über  den  Stallmist,  Breslau  1883.  S.  74.
        <pb n="149" />
        126

Tierische  Entleerungen.

die  entnommene  Durchsclmittsprobe  im  Augenblick  der  Gewichtsbestimmung  denselben
Eeuchtigkeitszustand  besitzt,  wie  der  in  den  betreffenden  Haufen  kommende  Dünger.
Die  betreffenden  Durcbschnittsproben  wogen  in  den  Holdefleißsohen  Versuchen  am
Ort  der  Entnahme  in  der  Regel  etwa  40  kg.  Unmittelbar  vor  der  Inangriffnahme  der
Untersuchung  wurde  die  Probe  von  neuem  genau  gewogen  und  der  etwaige  Feuchtigkeitsverlust
  zwischen  beiden  Wägungen  bei  Berechnung  der  Ergebnisse  selbstverständlich  berücksichtigt. ­
  Nach  dem  erneuten  Wägen  der  betreffenden  Probe  wird  dieselbe  auf  glatter  reiner
Unterlage  ausgeschüttet  und  möglichst  schnell  zerteilt.  Dann  wird  von  dieser  ganzen  großen
Probe  eine  kleinere  Durchschnittsprobe  von  3000—6000  g  Gewicht  entnommen  und  der
Rest  genau  gesammelt  und  gewogen,  um  etwaige  neue  Wasserverdunstungen  berücksichtigen
zu  können.  Die  neuere  kleinere  Probe  wird  genau  gewogen,  mit  einer  bestimmten  geringen
Menge  verdünnter  Schwefelsäure  fein  besprengt,  um  den  Verlusten  von  Ammoniak  während
des  Trocknens  vorzubeugen,  und  endlich  im  Trockenschrank  bei  60—60°  so  lange  getrocknet, ­
  bis  sie  sich  pulvern  läßt;  sie  besitzt  dann  noch  8—10°/ 0  Feuchtigkeit.  Die  getrocknete ­
  Probe  wird,  nachdem  sie  wieder  einige  Zeit  bei  gewöhnlicher  Temperatur  gestanden
hat,  ihrer  ganzen  Masse  nach  vollständig  gemahlen.  Binzelmengen  dieses  innig  gemengten
Pulvers  dienen  zu  den  chemisch-analytischen  Bestimmungen.
2.  Verarbeitung  der  Probe  nach  G.  Kühn.  Eine  große  abgewogene
Mittelprobe  wird  mit  etwa  dem  dreifachen  Gewicht  Wasser  übergossen,  alles  durcheinandergerührt
  und  Uber  Nacht  stehen  gelassen.  Man  gießt  die  Flüssigkeit  durch
ein  genügend  großes  Koliertuch,  Ubergießt  den  Rückstand  nochmals  mit  einer  gleichen
Menge  Wasser,  rührt  um  und  läßt  eine  Zeit  lang  stehen.  Nachdem  man  wieder
koliert  hat,  läßt  man  den  Rückstand  auf  dem  Koliertuche  gut  abtropfen,  sodann  an
der  Luft  trocknen.  Die  beiden  Flüssigkeiten  werden  tüchtig  gemischt,  zum  Absetzen
stehen  gelassen,  die  klare  Flüssigkeit  abgehebert  und  der  Rest  derselben  von  dem
Bodensatz  durch  Filtration  abgetrennt.  Die  so  erhaltene  klare  und  gut  gemischte
gesamte  Flüssigkeit  wird  gewogen.
Der  auf  dem  Filter  verbliebene  und  getrocknete  Rückstand  wird  zu  den  lufttrocknen ­
  festen  Bestandteilen  der  Mistprobe  gegeben  und  ebenfalls  diese  ganze
Menge  gewogen.
Die  ursprüngliche  gewogene  Mistprobe  ist  nunmehr  in  2  Teile  zerlegt:
A.  Spülwasser  und
B.  abgespülte  Spreu  usw.
Der  Teil  B  wird  nach  dem  Abtrocknen  an  der  Luft  gewogen,  durch  ein
Häckerlings-Sieb  geschlagen  und  so  die  vorhandenen  Strohteile  (a)  von  den  bröckligen
und  halbpulverigen  Resten  der  Kotentleerungen  (b)  getrennt;  letztere  werden  durch
Zerreiben  noch  etwas  gleichförmiger  gepulvert.  Das  Stroh  (a)  läßt  man  auf  einer
Häckselbank  ganz  fein  schneiden  und  nimmt  davon,  sowie  von  b  eine  dem  Verhältnis ­
  a;  b  entsprechende  Probe.  Auf  solche  Weise  erhält  man  auch  von  B  eine
richtige  Durchschnittsprobe.  Diese  wird  bei  60—70°  weiter  getrocknet,  abermals
gewogen  und  sodann  in  einer  geeigneten  Mühle  aufs  feinste  zerkleinert.
Unter  Umständen  kann  der  Teil  B  nach  dem  Abtrocknen  an  der  Luft  und
nach  dem  Wägen  auch  direkt  zu  Häcksel  geschnitten,  letzterer  gehörig  gemischt
und  hiervon  ein  Teil  zum  Vortrocknen  bei  60—70°  usw.  genommen  werden.  In
der  gemahlenen  lufttrocknen  Substanz  wird  der  letzte  Rest  Wasser  durch  Trocknen
bei  105—110°  bestimmt  und  der  Wassergehalt  der  ursprünglichen  Probe  berechnet,
wie  dieses  unter.  „Grünfutter“  unter  Abschnitt  „Futtermittel“  angegeben  ist.
Die  nach  dem  angegebenen  Verfahren  erhaltenen  beiden  Teile  des  Stallmistes,
welche  also  einerseits  die  in  Wasser  löslichen  (A),  andererseits  die  unlöslichen
Stoffe  (B)  enthalten,  werden  jeder  für  sich  der  chemischen  Untersuchung  unterworfen.
        <pb n="150" />
        Untersuchung  von  Stallmist.

127

A.  Untersuchung  der  wässerigen  Flüssigkeit,
Die  wässerige  Düngerlösung  ist,  wenn  eine  vollständige  Untersuchung  derselben
beabsichtigt  wird,  in  folgender  Weise  zu  behandeln:
1.  Von  300—600  g  der  Flüssigkeit  (50—100  g  des  feuchten  Mistes  entsprechend) ­
  wird  etwa  ein  Drittel  unter  den  nötigen  Vorsichtsmaßregeln  abdestilliert
  und  das  hierbei  sich  verflüchtigende  Ammoniak  in  einer  Vorlage
mit  titrierter  Schwefelsäure  aufgefangen.  Die  in  der  Retorte  zurückbleibende
Flüssigkeit  wird  sodann  mit  Wasser  und  1—2  g  frisch  gebrannter  Magnesia
versetzt,  abermals  ungefähr  ein  Drittel  abdestilliert,  unter  Auffangen  des  Destillates
in  vorgelegter  titrierter  Schwefelsäure  und  durch  Zurticktitrieren  das  ursprünglich
fester  gebundene  Ammoniak  ermittelt.
2.  Salpetersäure  pflegt  im  Stallmist  in  kaum  nennenswerter  Menge  vorhanden ­
  zu  sein;  falls  eine  Bestimmung  wünschenswert  erscheint,  verfährt  man  nach
dem  Verfahren  von  Schlösing  oder  besser  nach  demjenigen  von  Th.  Pfeiffer
(vergl,  unter  „Düngemittel“).
3.  Zur  Bestimmung  der  Gesamtmenge  des  Stickstoffes  engt  man  200  com
der  Flüssigkeit  nach  dem  Ansäuern  mit  Phenolsohwefelsäure  direkt  im  Glaskolben  erst
auf  dem  Wasserbade  oder  direkt  Uber  ganz  kleiner  Flamme  ein,  bis  das  überschüssige
Wasser  verdunstet  ist,  und  verbrennt  zuletzt  unter  Zusatz  von  mehr  Phenolschwefelsäure ­
  nach  dem  Verfahren  von  Kjeldahl.
4.  Zur  Bestimmung  der  fertig  gebildeten  Schwefelsäure  übersättigt
man  200  g  der  Lösung  mit  Salzsäure,  erwärmt,  filtriert,  wenn  eine  Ausscheidung
erfolgt,  und  fällt  wie  gewöhnlich  mit  Chlorbaryum  in  der  Kochhitze.  Der  abfiltrierte,
gut  ausgewaschene  Niederschlag  wird  getrocknet  und  geglüht,  sodann  mit  etwas
Salpetersäure  angefeuchtet  und  wieder  eingetrocknet,  hierauf  mit  verdünnter  Salzsäure ­
  behandelt,  abermals  abfiltriert  und  nach  dem  Trocknen,  Glühen  usw.  gewogen
(vergl.  unter  „Untersuchung  der  Pflanzenasche“).
5.  Der  Rest  des  wässerigen  Düngerauszuges  (4—5000  ccm)  wird  in  einer
Schale  auf  dem  Dampf  bade  bis  zur  Trockne  eingedampft,  die  Gesamtmenge  des
Rückstandes  gewogen  und  hiervon  einzelne  Teile  in  folgender  Weise  verwendet:
a)  In  2—3  g  des  Rückstandes  ermittelt  man  durch  Trocknen  bei  110°  die
noch  vorhandene  Feuchtigkeit  und  verbrennt  hierauf  bei  möglichst  schwacher
Hitze  die  organische  Substanz,  um  den  Gehalt  an  Gesamtasche  zu  finden.  In
der  so  gewonnenen  Asche  wird  die  Kohlensäure  bestimmt  (S.  15);  die  Differenz
ergibt  die  Menge  der  Reinasche.  Wenn  zur  Zersetzung  der  „Rohasche“  für  die
Kohlensäure-Bestimmung  reine  Salpetersäure  benutzt  worden  ist,  so  kann  die  abfiltrierte ­
  Flüssigkeit  auch  zur  Bestimmung  des  Chlors  dienen,  dessen  Menge  jedoch
auf  andere  Weise  (vergl.  c)  kontrolliert  werden  muß.
b)  Weitere  2—3  g  der  nicht  veraschten  Substanz  werden  zur  Bestimmung
der  fertig  gebildeten  Kohlensäure  verwendet.
c)  Die  Gesamtmenge  des  Schwefels  neben  der  fertig  gebildeten  Schwefelsäure, ­
  der  ganze  Gehalt  an  Chlor,  sowie  die  Phosphor  säure  werden  am  besten
in  der  Weise  ermittelt,  daß  2—3  g  des  trocknen  Rückstandes  nach  dem  Pulvern
anteilweise  mit  einem  Silberspatel  in  eine  in  einem  Silbertiegel  befindliche  Schmelze
von  6—8  Gewichtsteilen  Ätzkali  und  1 / 2  Gewichtsteil  Salpeter  unter  fortwährendem
Umrühren  eingetragen  und  die  ganze  Masse  zuletzt  durch  stärkeres  Erhitzen  weißgebrannt
  wird,  was  ohne  Schwierigkeit  zu  bewirken  ist.  Die  erkaltete  Masse  wird
mit  Wasser  auf  geweicht  und  mit  reiner  Salpetersäure  übersättigt.  Wenn  alles
gelöst  ist,  bringt  man  auf  ein  bestimmtes  Volumen  und  entnimmt  nun  3  aliquote  Teile.
        <pb n="151" />
        128

Tierische  Entleerungen.

a)  In  dem  einen  Teil  bestimmt  man  Chlor,  indem  man,  wenn  nötig,  zuerst
filtriert  und  in  der  heißen  Flüssigkeit  mit  Silbernitrat  fällt,  so  lange  im  Kochen
erhält,  bis  sich  der  Niederschlag  gut  zusammengeballt  hat,  dann  rasch  filtriert,
mit  heißem,  destilliertem  Wasser  auswäscht  und  nach  dem  Trocknen  das  Chlorsilber
im  Porzellantiegel  glüht  und  wägt  (vergl.  unter  „Untersuchung  der  Pflanzenasche“).
ß)  Den  zweiten  Teil  bringt  man  in  einer  Porzellanschale  zur  Trockne,  dampft
einmal  mit  Salzsäure  zur  Trockne  ab,  erhitzt  eine  halbe  Stunde  im  Luftbade  und
scheidet  auf  diese  Weise  die  Kieselsäure  ab.  Alsdann  wird  mit  heißer,  verdünnter
Salzsäure  aufgenommen,  filtriert,  ausgewaschen  und  im  Filtrat  die  Schwefelsäure
mit  Chlorbaryum  gefällt.  Von  der  so  gefundenen  Schwefelsäure  ist  die  fertig  gebildete ­
  (vergl.  4.)  abzuziehen  und  der  Rest  auf  Schwefel  in  organischer  Verbindung
zu  berechnen.
y)  Im  dritten  Teil  scheidet  man  ebenfalls  durch  Eindampfen  zur  Trockne  die
Kieselsäure  ab,  nimmt  dann  jedoch  mit  Salpetersäure  auf  und  bestimmt,  nachdem
man  filtriert  und  ausgewaschen  hat,  im  Filtrat  die  Phosphorsäure  nach  dem
Molybdänverfahren  (vergl.  unter  „Düngemittel“).
d)  Der  Rest  des  trocknen  Düngerauszuges  wird  unter  den  nötigen  Vorsichtsmaßregeln ­
  (s.  Darstellung  der  Pflanzenasche)  verbrannt  und  von  der  Asche  werden
etwa  3  g  zur  Bestimmung  von  Kieselsäure,  Eisenoxyd,  Kalk,  Magnesia,
Kali  und  Natron  benutzt,  wobei  man  ganz  dieselben  Verfahren  an  wendet,  wie
sie  für  die  Untersuchung  einer  an  Kieselsäure  armen  Pflanzenasche  weiter  unten
angegeben  sind.
B.  Untersuchung  des  festen  Anteiles.
Der  in  Wasser  unlösliche  Teil  des  Stallmistes  ist,  nach  dem  Trocknen  und
gleichförmigen  Zerkleinern  der  Masse,  in  ähnlicher  Weise  der  chemischen  Untersuchung ­
  zu  unterwerfen,  wie  der  lösliche  Teil.
1.  Wasser.  In  5—10  g  der  Masse  wird  durch  Trocknen  bei  105—110°
die  noch  vorhandene  Feuchtigkeit  und  daraus,  wie  bereits  bemerkt,  der  Feuchtigkeitsgehalt ­
  der  zuerst  nach  dem  Auswaschen  an  der  Luft  getrockneten  Masse  in
der  hei  „Grünfutter“  unter  Abschnitt  „Futtermittel“  angegebenen  Weise  berechnet.
2.  Asche.  Die  oben  zur  Wasserbestimmung  benutzten  5—10  g  können  durch
vorsichtiges  Verbrennen  zur  Gesamtasche-Bestimmung  dienen.
Die  so  erhaltene  Asche  dient  auch  zur  Ermittelung  des  etwaigen  Kohlensäuregehaltes, ­
  sowie  des  Chlors,  wenn  letzteres  vielleicht  in  geringer  Menge  zugegen  ist.
Außerdem  kann  man  die  sandigen  Beimengungen  bestimmen,  indem  man  den  in  Salpetersäure ­
  unlöslichen  Teil  der  Asche  mit  kohlensaurem  Natrium  und  etwas  Natronlauge  auskocht,
  damit  fast  bis  zur  Trockne  eindampft,  hierauf  den  Rückstand  mehrmals  mit
heißem  Wasser  auswäscht  und  nach  dem  Glühen  wägt.  Die  Behandlung  des  in  Säuren
unlöslichen  Rückstandes  in  gewöhnlicher  Weise  mit  einer  konzentrierten  Lösung  von
kohlensaurem  Natrium  genügt  oft  nicht,  um  die  Gesamtmenge  der  Kieselsäure  von  den
sandigen  Bestandteilen  der  Asche  zu  trennen.  Jedoch  muß  man  beachten,  daß  von  der
Natronlauge  manchmal  auch  etwas  tonige  Masse  gelöst  wird;  es  ist  daher  zu  empfehlen,
die  Lösung  nach  der  Abscheidung  der  Kieselsäure  noch  auf  Tonerde  zu  prüfen.
3.  Stickstoff.  Zur  Bestimmung  des  hier  nur  in  organischer  Verbindung
vorhandenen  Stickstoffs  werden  1—2  g  der  Masse  nachKjeldahl  verbrannt  (verglunter
  „Künstliche  Düngemittel“).
4.  Schwefel.  Die  Menge  des  organisch  gebundenen  Schwefels  ist  ih
derselben  Weise  zu  ermitteln,  wie  oben  unter  A.  5.  c  angegeben  wurde.  Mah
verwendet  hierzu  3—4  g  der  fein  gepulverten  Masse.  Fertig  gebildete  Schwefel'
säure  wird  so  gut  wie  gar  nicht  vorhanden  sein  und  bleibt  daher  unberücksichtigt
        <pb n="152" />
        Untersuchung  von  Stallmist.

129

5.  Aschen-Bestandteile.  Eine  weitere,  ebenfalls  genau  abgewogene  Menge
von  50—100  g  wird  zunächst  langsam  und  bei  möglichst  niedriger  Hitze  in  einer
Platinschale  verkohlt,  sodann  die  kohlige  Masse  mit  einer  konzentrierten  Lösung
von  Ätzbaryt  durchfeuchtet  und  nach  dem  Eintrocknen  bei  erhöhter  Temperatur
vollständig  verascht.  Im  übrigen  ist  bei  der  Darstellung  und  chemischen  Untersuchung
der  Asche  ganz  ebenso  zu  verfahren,  wie  bezüglich  der  kieselsäurereichen
Pflanzenasche  vorgeschrieben  ist  (siehe  unter  „Pflanzenasche“).

C.  Berechnung  der  Ergebnisse  auf  ursprünglichen  Stallmist.
Die  so  für  den  flüssigen  Teil  A  und  den  strohigen  Teil  B  gefundenen  Ergebnisse
müssen  auf  den  ursprünglichen  Gesamtstallmist  umgerechnet  werden.
1.  Gesamtwassergehalt.  Den  gesamten  Wassergehalt  bezw.  Trockensubstanzgehalt
des  Stallmistes  erfährt  man,  indem  man  den  Trockenrückstand  der  wässerigen  Düngerflüssigkeit ­
  A  (nach  A.  6.  a)  unter  Hinzurechnung  des  nach  A.  1.  bestimmten  flüchtigen
kohlensauren  Ammons  zu  dem  Trookensubstanzgehalt  des  gesamten  strohigen  Anteils  B
(a  -f-  h),  vergl.  unter  2.  „Verarbeitung  der  Probe“  S.  126,  hinzuaddiert  und  mit  der  angewendeten ­
  Menge  des  Gesamtstallmistes  in  diese  Summe  dividiert.
Beispiel.')  Gewicht  der  Gesamtprobe  Stallmist  110,9  kg.  Nach  Einweichen  in
Wasser  beträgt  das  Gewicht  310,5  kg,  das  der  abgespülten  und  ausgepreßten  Streu  (B)
unmittelbar  nach  Beendigung  des  Auspressens  104,0  kg;  daher  ist  das  Gewicht  der  Düngerflüssigkeit ­
  A  =  310,5  —  104,0  =  206,5  kg.
Sind  in  der  Düngerflüssigkeit  A  gefunden:
1.  gelöste  Stoffe  überhaupt  3,90  «/„  {  g  Stoffe,

2.  flüchtiges  Ammoniak  0,0302,

so  beträgt  die  Trockensubstanz  3,9302  u / 0
und  die  absolute  GesamUTrockensubstanz  in  derselben  x  206,5

100

=  8,1150  kg.

Der  Rückstand  B  wiegt  nach  dem  Abtrocknen  an  der  Luft  23,74  kg;  durch  Absieben
gewinnt  man
a)  11,79  kg  strohige  Teile  mit  81,64  °/ 0  Trockensubstanz  =  9,62  kg  Trockensubstanz.
b)  11,95  kg  bröcklige  Masse  mit  80,72  „  ,,  =  9,646  „  „
Wir  haben  daher  in  110,9  kg  ursprünglichem  Stallmist;
Trockensubstanz
In  der  Düngerflüssigkeit  A  8,1159  kg
Im  festen  Teil  V  I  a)  strohi 8 e  Teile  •  '  9 &amp;gt; 6200  ”
\  b)  bröcklige  Masse  .  9,6450  „
Summa  27,3809  kg
=  21,69  °/ 0  Trockensubstanz  oder  76,31  %  Wasser.
2.  Andere  Bestandteile.  Dieselben  berechnen  sich  in  derselben  Weise.
Von  dem  festen  Teile  B  (a  und  b)  des  Mistes  werden  nach  dem  Zerschneiden  des
strohigen  Anteiles  a  kleinere  Proben  im  Verhältnis  von  11,79;  11,96  abgewogen,  gemischt,
erst  bei  60—70°  vorgetrocknet,  gemahlen  und  die  gemahlene  Masse  in  vorstehender  Weise
weiter  untersucht.  Angenommen,  diese  Mischung  von  B  hat  ergehen;
■nrncoorPnoi  Also  in  der  Gesamt-Wasserfrei
  Trockensubstanz
—  9,62  +  9,645  ==  19.265  kg.
0,263  °/o  0,0507  kg.
2,410  „  0,3663  „
0,267  „  0,0504  „
0,055  „  0,0106  „

Wasser  .  .  .
Stickstoff  .  .
Mineralstoffe  ,
Phosphorsäure  .
Kali  .  .  .  .

Lufttrocken
7,65  o/ #
0,243  „
2,230  „
0,246  „
0,051  „

')  Vergl.  G.  Kühn,  Landw.  Versuchs-Stationen  1869,  12,
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

124.
        <pb n="153" />
        130

Tierische  Entleerungen.

Ferner  sollen  gefunden  sein  für  die  Düngerflüssigkeit  A;

Lösliche  Mineralstoffe  .  .
Gesamtstickstoff  ....
Davon  flüchtiges  Ammoniak
„  gebundenes  „  „
„  Salpetersäure  .  .  .
Phosphorsäure
Kali

Proz.

Also  in  206,5  kg  Dünger
fiüssigkeit

1,295

2,6742  kg.

0,232

0,4791  „

0,0302

0,0624  „

0,0121

0,0250  „

0,0089

0.0184  „

0,109

0,2251  „

0,312

0,6443  „

Es  sind  demnach  enthalten;
In  110,9  kg  des  untersuchten
Stallmistes

kg
Wasser  83,51910
Oder  Trockensubstanz  27,3809 *  2  3 )
Mineralstoffe  (A  -(-  B)  3,0395
Organische  Stoffe  (aus  der  Differenz) 5 )  ....  24,3414
Gesamtstickstoff  (A  B)  0,5298
Davon  im  ganzen  löslich  (A)  0,4791
„  flüchtiges  Ammoniak  (A)  0,0624
„  gebundenes  Ammoniak  (A)  0,0250
„  Salpetersäure  (A  -(-  B)  0,0184
Phosphorsäure  (A  -f-  B)  0,2755
Kali  (A  +  B)  0,6549

Also  Im
natürlichen  Stallmist
°lo
75,31
24,69
2,74
21,95
0,478
0,432
0,055
0.023
0,017
0,248
0,591

Das  vorstehende  Verfahren  zur  Untersuchung  des  Stallmistes,  ihn  durch
Behandeln  mit  Wasser  in  2  Teile  (A  flüssigen  Anteil  und  B  strohige  Masse)  zu
zerlegen,  ist  sehr  umständlich  und  zeitraubend.  Es  läßt  sich  indes,  wenn  Stroh
zur  Einstreu  gedient  hat,  kaum  umgehen,  weil  es  schwer  hält,  das  Stroh  so  zu
zerkleinern,  daß  durch  Anwendung  kleinerer  Mengen  Mist  eine  hinreichend  gute
Durchschnittsprohe  erhalten  wird.  Wenn  Torfstreu,  Strohahfälle  oder  zerkleinertes ­
  Stroh  zur  Einstreu  verwendet  worden  ist,  oder  wenn  der  Stalldünger
in  stark  verrottetem  Zustande  sich  befindet,  dann  kann  man  ihn  auch  direkt  in
Untersuchung  nehmen,  weil  sich  alsdann  durch  Ausstechen  von  größeren  Würfeln
und  durch  Zerhacken  dieser  Einzelproben  mit  einem  Hackemesser  oder  Beil  oder
scharfen  Spaten  in  einem  entsprechend  großen  Bottich  der  Stalldünger  so  weit
zerkleinern  läßt,  daß  auch  kleinere  Proben  von  1000—2000  g  einem  guten  Durchschnitt ­
  entsprechen.  Man  verfährt  dann  in  folgender  Weise:
a)  Bestimmung  des  Wassers  und  flüchtigen  Stickstoffs.  Etwa
1000—2000  g  des  sehr  fein  zerhackten  Düngers  werden  in  flachen  Porzellanschalen
bei  50  60°  vorgetrocknet,  zurückgewogen,  gemahlen  und  wie  bei  „Grünfutter 1
unter  „Futtermittel“  weiter  auf  Gehalt  an  Wasser,  Asche  usw.  untersucht.
Eine  zweite  Menge,  etwa  200—300  g  des  sehr  fein  zerhackten  Düngers,  giß*
man  in  eine  geräumige  Flasche  und  bestimmt  darin,  wie  vorstehend  S.  127  angegeben
ist,  den  flüchtigen  Ammoniak-Stickstoff.  Diese  Menge  wird  der  gefundenen  Trockensubstanz ­
  zugezählt.
In  derselben  Probe  kann  man  nach  Zusatz  von  Wasser  und  gebrannter
Magnesia  das  gebundene  Ammoniak  nach  S.  142  bestimmen.

’)  110,9  —  (8,1159  +  9,6200  +  9,6450)  =  110,9  —  27,3809  =  83,5191  kg.
2 )  Trockensubstanz  von  A  -)-  B  (a  und  b)  =  8,li59  +  9,6200  -j-  9,6450  =  27,3809  kg-3
 )  27,3809  —  3,0395  =  24,3414  kg.
        <pb n="154" />
        Untersuchung  von  Stallmist.

131

b)  Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffs.  Von  der  tunlichst  zerkleinerten
Masse  werden  etwa  200  g  oder  mehr  abgewogen  und  diese  nach  und  nach  mit  der
zu  der  Stickstoff-Bestimmung  nach  Kjeldahl  verwendeten  Schwefelsäure  in  einer
Porzellanschale  mit  einem  Pistill  leicht  verrieben.  Schale  +  Pistill  sind  vorher
gewogen.  Man  trägt  unter  fortwährendem  Rühren  den  abgewogenen  Mist  anteilweise ­
  ein,  indem  man  jedesmal  wartet,  bis  der  eingetragene  Anteil  zu  einem
flüssigen  Brei  zergangen  ist,  was  bei  der  starken  Erwärmung  leicht  von  statten
geht.  Auf  200  g  Mist  sind  etwa  150—200  ccm  Schwefelsäure  erforderlich.  Sind
merkliche  Mengen  Salpetersäure  vorhanden,  so  wendet  man  zur  Hälfte  Phenolschwefelsäure ­
  an  (vergl.  unter  „Düngemittel“  Salpetersäure-Bestimmung  S.  141).  Nach
dem  Erkalten  der  dickflüssigen,  breiigen  Masse  wird  zurückgewogen  und  nun  von  der
Masse  unter  gehörigem  Umrühren  mit  einem  Porzellanlöffel  20—40  g,  etwa  2—3  g
Düngertrockensubstanz  entsprechend,  in  den  zu  den  Stickstoffbestimmungen  dienenden
Kolben  abgewogen.  Die  Wägung  kann  auf  einer  Wage  ausgeführt  werden,  die
noch  0,1  g  genau  angibt;  eine  größere  Genauigkeit  ist  bei  der  großen  verwendeten
Menge  Substanz  nicht  erforderlich.  Man  gibt  dann  noch  etwa  10—15  ccm  Kjeldahl-Schwefelsäure
  (bezw.  Phenolsohwefelsäure)  und  Quecksilber  hinzu,  erhitzt  erst  mit
kleiner  Flamme,  bis  alles  Wasser  verdunstet  ist,  und  schließlich  in  üblicher  Weise
mit  starker  Flamme,  bis  die  Flüssigkeit  farblos  geworden  ist.
Sind  z.  B.  200  g  Stallmist  verwendet  und  beträgt  das  Gewicht  der  dickflüssigen, ­
  breiigen  Masse  650,55  g,  so  entspricht  1  g  der'  letzteren  =  0,3074  g
Stallmist;  sind  von  der  breiigen  Masse  21,25  g  abgewogen,  entsprechend
21,25x0,3074  =  6,5322  g  Stallmist,  und  sind  hierin  0,02818  g  Stickstoff  gefunden,
so  enthält  er  0,431  °/ 0  Gesamtstickstoff.
Die  Stickstoff-Bestimmungen  in  der  dickflüssigen,  breiigen  Masse  fallen  stets
sehr  genau  übereinstimmend  aus.
Der  Gesamtstickstoffgehalt  des  Stallmistes  aber  ist  für  die  Düngewirkung  des
Stallmistes  allein  nicht  entscheidend.  Die  Hoffnung,  daß  dieses  von  dem  pepsinlöslichen
Stickstoff  im  Stallmist  gesagt  werden  könne,  hat  sich  nach  den  bisherigen  Untersuchungen ­
  von  Th.  Pfeiffer  und  0.  Lemmermann 1 )  ebenfalls  nicht  erfüllt;  da  jedoch
hierbei  die  Bestimmung  des  pepsinlöslichen  Stickstoffs  nach  der  Selbstzersetzung  einen
Anhalt  für  die  Beurteilung  der  spezifischen  Wirkung  bezw.  Nichtwirkung  einiger  zu
Versuchen  benutzten  Stallraistsorten  gegeben  hat,  so  möge  das  von  Th.  Pfeiffer  und
0.  Lemmermann  benutzte  Verfahren  hier  kurz  angegeben  werden:
Die  Bestimmung  des  pepsinlöslichen  Stickstoffs  geschah  stets  in  der
bei  55—60°  getrockneten  (100  g)  und  dann  feingemahlenen  Mistprobe,  indem  je  2  g
nach  dem  in  Möckern  ausgearbeiteten  Verfahren  mit  500  ccm  Pepsinlösung  48  Stunden
bei  Bluttemperatur  behandelt  wurden  (s.  unter  „Futtermittel“).  Zur  Feststellung
des  Einflusses  der  „Selbstzersetzung“  auf  den  Gehalt  an  pepsinlöslichem  Stickstoff
wurden  je  zwei  Durchschnittsproben  von  100  g  Gewicht  in  Bechergläser  locker
eingefüllt,  während  der  Dauer  der  Behandlung  im  Thermostaten  bei  38—40 0  stehen
gelassen  und  dafür  gesorgt,  daß  sie  möglichst  gleichmäßig  genügend  feucht  erhalten
wurden;  in  den  so  behandelten  Stallmistproben  wurde  dann  auch  nach  Ermittelung
der  zurückgebliebenen  lufttrocknen  Masse  der  pepsinunlösliche  Stickstoff  bestimmt.
D.  Jauche.
Die  aus  den  Ställen  abfließende  Jauche  und  sonstige  Düngerfltissigkeiten
werden  im  allgemeinen  wie  die  unter  Stallmist  gewonnene  Düngerflüssigkeit  A  (S.  127)

)  Mitt.  d.  laudw.  Inst.  d.  Dniv.  Breslau  1901,  5,  189.

9*
        <pb n="155" />
        132

Einstreumittel  usw.  für  Stallmist.

oder  auch  wie  „Harn“  (S.  118)  untersucht.  Im  allgemeinen  genügt  eine  Bestimmung
des  Gesamtstickstoffs,  des  Ammoniak-,  nötigenfalls  des  Salpetersäure-Stickstoffs,  des
Kalis,  der  Phosphorsäure,  der  Asche  und  der  Trockensubstanz  (vergl.  S.  127).
Einstreu-  und  Frischhaltungsmittel  für  Stallmist.
I.  Einstreumittel,  Stroh,  Torfstreu  usw.
Zur  Einstreu  in  die  Ställe  werden  verwendet:  Stroh  und  Strohahfälle  aller
Art,  Laub,  Sägespäne,  Holzwolle,  Torfstreu,  Moos,  Heidekraut  und
Plaggen  hezw.  Erde.

A.  Untersuchung  der  Einstreumittel.
Die  Untersuchung  erstreckt  sich  fast  ausschließlich  auf  ihr  Wasseraufsaugungsvermögen. ­
  Gröbere  Einstreumittel,  wie  Stroh,  Moos,  Heidekraut,
werden  für  den  Zweck  zu  Häcksel  von  1,5—3,0  cm  Länge  zerschnitten,  Torfstreu
zerzupft,  erdige  Stoffe  gröblich  zerkleinert  und  von  den  Stoffen  durch  Mischen
hezw.  Vermengen  gute  Durchschnittsproben  verwendet.
Die  Herstellung  einer  richtigen  Durchschnittsprobe  ist  bei  den  Streustoffen,
besonders  bei  Torfstreu  nicht  leicht.  Die  Torfstreu  zieht  sehr  schnell  Feuchtigkeit ­
  aus  der  Luft  an;  man  muß  daher  die  Einzelproben  aus  der  Mitte  mehrerer
Ballen  entnehmen,  was  nur  dadurch  zu  erreichen  ist,  daß  man  die  Ballen  entweder ­
  öffnet  und  auseinanderlegt,  oder  dadurch,  daß  man  an  einer  geeigneten
Stelle  der  Ballen  die  äußere  Schicht  bis  zu  etwa  25—30  cm  entfernt  und  dann
erst  von  den  inneren  Teilen  Einzelproben  für  die  Untersuchung  entnimmt.  So
werden  an  3  Stellen  jedes  Ballens  und  mindestens  von  3—4  Ballen  Einzelproben
entnommen,  diese  9  bezw.  12  Einzelproben  gemischt  und  hiervon  1 / 4  bis  1 / 2  kg  in
trocknen  Blechschachteln  mit  gut  schließenden  Deckeln  zur  Untersuchung  eingesandt.

1.  Zur  Bestimmung  des  Wassers  werden  5—10  g  der  gut  durcheinandergemengten ­
  Mittelproben  in  üblicher  Weise  bis  zur  Beständigkeit  des  Gewichtes  bei
105—110°  getrocknet.  Bei  Torfstreu  werden  stets  2  Bestimmungen  ausgeführt.
Gute  Torfstreu  soll  nicht  mehr  als  20—25  °/ 0  Wasser  enthalten.
2.  Die  Bestimmung  des  Wasseraufsaugungsvermögens  kann  in  der
Weise  geschehen,  daß  man  eine  bestimmte  Gewichtsmenge  in  einer  Schale  längere
Zeit  mit  Wasser  tränkt,  dann  das  überschüssige  Wasser  auf  einem  feuchten  Papierfilter
  oder  einem  mit  Glaswolle  locker  verschlossenen  Trichter  unter  Bedecken  des
Trichters  abtropfen  läßt  und  die  mit  Wasser  gesättigte  Masse  in  einer  bedeckten,
vorher  gewogenen  Schale  rasch  wägt.
Weit  besser  aber  ist  das  Verfahren,  welches  die  Moor-Versuchs-Station  in
Bremen  bei  Torfstreu  anwendet  und  welches  nach  einer  Mitteilung  von  Prof-Dr.
  Br.  Tacke  wie  folgt  ausgeführt  wird:
10  g  der  zerzupften  und  gut  gemischten  Probe  werden  mit  Wasser  bis  zuin
starken  Kochen  erhitzt,  um  alle  Luft  auszutreiben  und  eine  vollkommene  Benetzung
zu  erzielen.  Stark  trocken  gewordene  Proben  benetzen  sich  bisweilen  nur  sehr
schwierig;  die  Benetzung  tritt  sofort  ein,  wenn  einige  Tropfen  Ammoniak  zugesetzt
werden.  Ein  aus  grobmaschigem  Drahtgewebe  gefertigter,  an  einer  Seite  offener  Würfel
von  ungefähr  1  1  Größe  (die  Kante  je  10  cm  lang)  wird  so  mit  Filtrierpapier  ausgekleidet,
  daß  dasselbe  auf  dem  Boden  und  an  den  Wandungen  vollkommen  anliegt,
in  eine  tiefe  Schale  gestellt  und  mit  Wasser  gefüllt,  welches  durchfiltriert,  Papi er
        <pb n="156" />
        Einstreumittel  für  Stallmist.

133

und  Drahtgewebe  vollkommen  benetzt.  Nach  5  Minuten  dauerndem  Abtropfen  auf
einem  Drahtgestell  wägt  man  den  Würfel  mit  einer  untergelegten  Schale.  Die
durch  Kochen  mit  Wasser  gesättigte  Torfstreuprohe  wird  nach  dem  Erkalten  in
den  Würfel  gebracht  und  derselbe  wiederum  nach  5  Minuten  langem  Ah  tropfen  mit
der  zugehörigen  Schale  gewogen.  Die  Gewichtszunahme  ist  gleich  der  Summe  des
Gewichtes  der  angewendeten  Torfstreuprohe  und  des  von  ihr  aufgenommenen
Wassers.
Zur  Herstellung  der  Drahtgewehewürfel  kann  man,  wenigstens  für  die  Untersuchung ­
  von  guter,  also  wenig  erdige  Masse  enthaltender  Torfstreu,  die  feine  Drahtgaze ­
  benutzen, 1 )  wie  sie  für  die  Feinmehlsiehe  hei  Thomasphosphatmehl-Untersuchungen
verwendet  wird;  eine  Einlage  von  Filtrierpapier  ist  bei  diesen  nicht  nur  unnötig,
sondern  sogar  dem  schnellen  Abläufen  hinderlich.  Man  muß  nur  dafür  sorgen,
daß  das  Drahtgewebe  stets  fettfrei  bleibt,  da  es  sich  sonst  nur  unvollkommen  mit
Wasser  benetzt.
Das  Wasseraufsaugungsvermögen  des  Stoffes  wird  für  einen  Gehalt  von  30  °/ 0
Wasser  berechnet,  da  gute  Torfstreusorten  keinen  wesentlich  höheren  Gehalt  an
Feuchtigkeit  haben  sollen.
Angenommen,  eine  Torfstreu  enthält  28,46  °/ 0  Wasser  oder  71,55  °/ 0  Trockensubstanz; ­
  10  g  der  Streu  =  7,155  g  Trockensubstanz  nehmen  so  viel  Wasser  auf,  daß
sie  nach  der  Sättigung  im  ganzen  78,8146  g  wiegen;  es  haben  daher  7,155  g
Torfstreu-Trockensubstanz  78,8145  —  7,1550  g  =  71,6595  g  Wasser  aufgenommen,
71  6595  x  100
folglich  vermögen  100  g  Torfstreu-Trockensubstanz  —■’■■■„  =  1001,5  g  Wasser
(,loo  ’  °
oder  Torfstreu  von  70°/ o  Trockensubstanz  =  70X  __  so  =  671  g  Wasser
aufzunehmen,  d.  h.  ein  Gewichtsteil  wasserfreie  Torfstreu  absorbiert  die  6,7-fache
Menge  Wasser.
Für  die  wirklich  untersuchte  Torfstreu  mit  28,45  °/ 0  Wasser  berechnet  sich
das  Wasseraufsaugungsvermögen  für  100  g  zu  71 ’ 65  lOQ 1001 ’ 5  =  716 ’ 6  ~  28 ’ 45  =  688 ’ 2  S
oder  ein  Gewichtsteil  dieser  Torfstreu  vermag  die  6,9-fache  Menge  Wasser  aufzunehmen. ­

3.  Der  Stickstoff  wird  wie  üblich  nach  Kjeldahl  (vergl.  unter  „Düngemittel“ ­
  S.  136)  bestimmt,  indem  man  wie  bei  Torfstreu  und  hinreichend  feinpulverigen ­
  Stoffen  direkt  2—3  g,  bei  grobstengeligen  Massen  eine  größere  Menge
erst  vorher  bei  50—60°  trocknet,  zurückwägt,  mittels  der  Schrotmühle  zerkleinert
(vergl.  unter  „Futtermittel“),  hiervon  2—3  g  nimmt  und  den  Gehalt  der  lufttrocknen ­
  Masse  an  Stickstoff  auf  ursprünglichen  Wassergehalt  umrechnet  oder  indem
man  nach  S.  131  unter  b  verfährt.
4.  Zur  Bestimmung  von  Asche  und  Sand  werden  5—10  g  der  gut  gemischten ­
  bezw.  zerkleinerten  Masse  wie  üblich  verascht  (vergl.  unter  „Moorboden“
bezw.  „Pflanzenasche“)  und  in  der  Asche,  wenn  nötig,  der  Gehalt  an  Sand  und  Ton
in  der  Weise  bestimmt,  daß  man  die  Asche  in  kochender  Salzsäure  löst,  filtriert,
auswäscht,  den  Rückstand  von  dem  Filter  in  eine  Schale  spült,  hinreichend  mit
einer  Lösung  von  Natriumkarbonat  auskocht,  durch  dasselbe  Filter  filtriert,  auswäseht
  und  den  Rückstand  nach  dem  Trocknen  glüht  und  wägt.
Gute  Torfstreu  soll  nicht  mehr  als  2  °/ 0  Asche  enthalten.
Etwaige  weitere  Bestandteile  in  der  Asche  werden  wie  bei  „Pflanzenasche“
(siehe  dort)  bestimmt,
J )  Glattes  Gewebe  No.  100,  zu  beziehen  von  Amandus  Kahl  in  Hamburg.
        <pb n="157" />
        134

Prischhaltungsmittel  für  Stallmist.

B.  Beurteilung  der  Einstreumittel.
Der  Wert  der  Einstreumittel  hängt  in  erster  Linie  von  dem  Wasseraufsaugungsvermögen ­
  und,  wie  Holdefleiß  anniramt,  von  ihrer  Fähigkeit  ab,  die
rasche  Zersetzung  des  Düngers  einzuschränken,  dann  aber  auch  davon,  wie  sich  die
Teile  der  Einstreu,  oh  fest  oder  locker,  unter  den  Tieren  bezw.  in  den  Düngergruben
zusammenlagern.  Je  fester  sich  die  Teile  aneinanderlagern,  je  weniger  Luft  also
eingeschlossen  bleibt,  bezw.  zutreten  kann,  um  so  besser  für  die  Erhaltung  der
Stallmist-Bestandteile;  denn  die  Verluste  an  Stickstoff  bezw.  organischen  Stoffen
überhaupt  sind  um  so  größer,  je  mehr  Luft  zutreten  kann.  Aus  dem  Grunde  sind
grobstengelige,  harte  Einstreumittel,  wie  z.  B.  Heidekraut,  Kartoffelkraut  usw..  ferner
alle  erdigen  Einstreumittel  zu  verwerfen,  weil  sie  der  Luft  zu  viel  Zutritt  gestatten
und  sich  erstere,  ebenso  wie  Sägespäne,  zu  schwer  zersetzen.
Im  allgemeinen  hängt  die  Dichtlagerung  mit  dem  Wasseraufsaugungsvermögen
zusammen,  d.  h.  je  größer  das  letztere,  um  so  dichter  ist  die  Lagerung  und  umgekehrt.
Bei  Beurteilung  der  Frage,  ob  ein  Moor  zur  Torfstreu-Bereitung  geeignet
ist,  ist  zu  beachten,  daß  die  Schichten  eines  und  desselben  Moores  in  der  Tiefe
wie  an  verschiedenen  Punkten  in  schnellem  Wechsel  häufig  bedeutende  Unterschiede
in  der  Zusammensetzung  aufweisen.  Es  empfiehlt  sich  daher,  an  mehreren  Stellen
der  Fläche  am  besten  Profile  aus  der  ganzen  Höhe  der  in  Betracht  kommenden
Schichten  zu  entnehmen  und  die  einzelnen  Schichten,  sofern  sie  äußerlich  verschieden ­
  sind,  getrennt  zu  untersuchen.
Aus  der  äußeren  Beschaffenheit  der  Proben,  aus  den  Resten  der  Pflanzen,
durch  welche  sie  gebildet  worden  sind,  aus  dem  Grade,  bis  zu  welchem  die  Humifikation
vorgeschritten  ist,  läßt  sich  von  vornherein  schon  ein  ungefährer  Schluß  auf  die
Brauchbarkeit  des  Moores  zur  Einstreu  ziehen.  Je  weniger  zersetzt  das  Moor  ist,
desto  größer  ist  sein  Vermögen,  Wasser  aufzunehmen,  desto  geringer  ist  der  Abfall
an  Staub  bei  der  Verarbeitung  zu  Torfstreu.  Auf  letzteren  Umstand  muß  besonders
bei  Grastorfproben  geachtet  werden.
II.  Bindungsmittel  für  Stallmist.
Zur  Bindung  des  Stickstoffs  im  Stallmist,  bezw.  zur  Verhütung  von  Stickstoffverlusten ­
  werden  in  Vorschlag  gebracht:  Gips,  Superphosphatgips,  d.  h.  freie
bezw.  wasserlösliche  Phosphorsäure  enthaltender  präzipierter  Gips,
Phosphatgips  (Äuslaugungsrückstand  von  der  Darstellung  des  sogenannten  Doppelsuperphosphats), ­
  Superphosphat,  ferner  Kainit,  Kieserit,  Eisenvitriol,
Schwefelsäure  u.  m.  a.  und  für  Jauche  auch  eine  phosphorsäurehaltige
Schwefelsäure.
Über  die  Untersuchung  dieser  Einstreu-  und  Bindungsmittel  vergl.  unter
„Düngemittel“  die,  betreffenden  Abschnitte.
Der  Wert  aller  dieser  Bindungsmittel  für  Stallmist  ist  ein  sehr  fragwürdiger. ­

Die  Wirkung  derselben  beruht  darauf,  daß  sie  einerseits  wie  freie  Säure
direkt  das  Ammoniak  oder  wie  Gips,  Kainit  und  Kieserit  nach  Umsetzung  in  kohlensaures
  Calcium  usw.  und  schwerer  flüchtiges  schwefelsaures  Ammon,  z.  B.  CaS0 4  -V
+  (NH 4 ) 2 C0 8  =  CaC0 3  +  (NH 4 ) 2 S0 4 ,  das  leichtflüchtige,  kohlensaure  Ammon  binden,
andererseits  wie  freie  Phosphorsäure,  Schwefelsäure,  Kainit,  Kieserit  und  Eisenvitriol
als  antiseptische  Mittel  die  Fäulnis  hemmen  und  dadurch  vor  Stickstoffverlusten
schützen.
        <pb n="158" />
        Frischhaltungsmittel  für  Stallmist.

135

Aus  dem  Grunde  aber  sind  Kaimt.  Kieserit  und  Eisenvitriol  am  wenigsten
geeignet  für  die  Einstreu,  weil  der  Landwirt  behufs  schnellerer  Wirkung  des  Stallmistes ­
  eine  gewisse  Zersetzung  (Verrottung)  wünscht;  auch  können  diese  drei  Salze
bei  Verletzungen  und  bei  offenen  Wunden  der  Tiere  nachteilig  wirken,  wozu  bei
Eisenvitriol  noch  hinzukomrat,  daß  er  unter  Umständen  auch  schädlich  für  die
Pflanzen  auf  dem  Acker  wirkt.
Der  Gips  wirkt  auch  nur  dann  günstig,  wenn  der  Stallmist  gleichzeitig  hinreichend ­
  vor  Luftzutritt  geschützt  wird.  Kann  zu  einem  solcherweise  behandelten
Dünger  ungehindert  Luft  zutreten,  so  kann  der  Gips  sogar  nachteilig  wirken,  weil
das  gebildete  Calciumkarbonat  die  Oxydation  der  organischen  stickstoffhaltigen  Stoffe
und  damit  die  Entbindung  von  Stickstoff  befördert;  denn  nach  den  angestellten
Versuchen  geht  der  Stickstoffverlust  mit  der  Menge  der  gebildeten  Salpetersäure
parallel,  d.  h.  je  mehr  Salpetersäure  gebildet  wird,  desto  größer  ist  der  Stickstoffverlust.
Das  beste  Erhaltungsmittel  für  den  Stallmist  ist  daher  die  tunlichste ­
  Abhaltung  der  Luft,  d.  h.  Schutz  vor  Luftzutritt,  wie  vor  Regen
und  Sonnenschein.
Auch  kommt  für  die  Anwendbarkeit  dieser  Erhaltungsmittel  in  Betracht,
ob  sie  zu  einem  angemessenen  Preise  zu  haben  sind;  bei  hohen  Bezugskosten
lohnt  sich  die  Anwendung  derselben  im  allgemeinen  nicht  mehr  (vergl.  hierüber  des
Verfassers  Schrift;  Wie  kann  der  Landwirt  den  Stickstoffvorrat  in  seiner  Wirtschaft
erhalten  und  vermehren?  Berlin  1893,  S.  100—103).
        <pb n="159" />
        Künstliche  Düngemittel

Allgemeine  Untersuchungs-Verfahren. 1 )
A.  Bestimmung  des  Wassers.
Zur  Bestimmung  des  Wassers  in  den  Düngemitteln  werden  10  g  der  gut
gemischten  Probe  hei  100°  Ms  zur  Gewichtsbeständigkeit  getrocknet;  gipshaltige
Düngemittel  (z.  B.  Superphosphate)  müssen  mindestens  3  Stunden  getrocknet  werden.
Enthalten  die  Untersuchungsgegenstände  flüchtige  Stoffe,  wie  Ammouiumkarbonat,
so  müssen  diese  für  sich  bestimmt  und  vom  Gesamt-Trockenverluste  in  Abzug  gebracht
werden.
B.  Bestimmung  des  Stickstoffs.
I.  Gesamt-Stickstoff  nach  Kjeldahl.
Für  die  Bestimmung  des  Gesamtstickstoffs  waren  früher  die  Verfahren  von
Dumas  und  von  Will  -Var  ren  trapp  in  Gebrauch.  Dieselben  sind  aber  zurzeit
wohl  in  allen  Laboratorien  für  angewandte  Chemie  durch  das  bequemere  Verfahren
von  Kjeldahl  verdrängt  worden,  weshalb  nur  dieses  hier  näher  beschrieben
werden  möge. *  2  * )
Das  ursprünglich  von  Kjeldahl  angegebene  Verfahren 8 )  ist  vielfach  abgeändert ­
  worden  und  wird  jetzt  fast  allgemein  wie  folgt  ausgeführt:
1.  Für  salpetersäurefreie  oder  salpetersäurearme  Stoffe.
a)  Abwägung  der  Stoffe.  Man  verwendet;
a)  von  pulverförmigen,  lufttrocknen  Stoffen 4  * )  1—2  g,  in  einem  Wägeröhrchen ­
  oder  ScMffchen  abgewogen;

4 )  Bei  Beschreibung  der  nachstehenden  Untersuclmngsverfahren  sind  in  erster  Linie
die  Vereinbarungen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche
berücksichtigt  worden.
2 )  Der  V.  intern.  Kongreß  für  angewandte  Chemie  hat  für  die  Bestimmung  des
organischen  Stickstoffs  bei  Abwesenheit  von  Nitraten  und  Ammoniaksalzen  das  Verfahren
von  Kjeldahl  und  die  Verbrennung  mit  Natronkalk  für  zulässig  erklärt.
s )  Das  ursprüngliche  Kjeldahlsche  Verfahren  bestand  darin,  daß  die  organischen
Stoffe  durch  konzentrierte  Schwefelsäure  und  Kaliumpermanganat  zerstört  (oxydiert)  wurden,
das  nach  der  Verbrennung  mit  Natronlauge  ahdestillierte  Ammoniak  in  1 j )0  Normalschwefelsäure ­
  aufgefangen  und  der  Überschuß  der  letzteren  mit  jodsaurem  Kalium,  Jodkalium  und
untersohwefligsaurem  Natrium  zurücktitriert  wurde.  Die  Oxydation  mit  Kaliumpermanganat
ist  nach  einigen  Beobachtungen  (vergl.  Proskauer  und  Zülzer,  Zeitsohr.  für  Hygiene
1889,  7,  186)  fehlerhaft.  Dieses  ist  aber  nach  H.  Malafatti  (Zeitschr.  f.  physiol.  Chemie
1903,  80,  467)  nur  dann  der  Pall,  wenn  man  festes  Kaliumpermanganat  anweudet,  nicht
aber  bei  Anwendung  einer  wässerigen  Lösung  des  Salzes  (vergl.  S.  139).
4 )  Dieselben  brauchen  nur  so  weit  zerkleinert  zu  sein,  daß  man  davon  richtige  Durchschnittsproben ­
  erhalten  kann.
        <pb n="160" />
        Künstliche  Düngemittel.  Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffs.

137

ß)  von  sirupartigen,  breiigen  Stoffen  je  nach  dem  Gehalt  2—5  g  (1—2  g
Trockensubstanz  entsprechend),  die  man  entweder  in  einem  dünnen  Glasbecherchen
oder  in  einem  Schiffchen,  das  man  aus  einer  2—3  fachen  Lage  Stanniol  gebildet  hat,
ab  wägt;
y)  von  Flüssigkeiten,  die  verhältnismäßig  reich  an  Stickstoff  sind,  10—30  g
—  man  gibt  die  Flüssigkeit  am  zweckmäßigsten  in  ein  kleines  Kölbchen  mit  eingefettetem ­
  Rand  oder  in  ein  kleines  Becherglas  mit  eingefettetem  Rand  und  mit
Glasstab,  wägt,  gießt  aus  diesem  verlustlos  in  den  Verbrennungskolben  und  wägt
das  Gefäß  mit  dem  Rest  der  Flüssigkeit  zurück  —;  von  Flüssigkeiten  mit  verhältnismäßig ­
  wenig  Stickstoff  werden  100—500  g  oder  ccm  direkt  in  dem  Verbrennungskolben ­
  abgewogen  bezw.  abgemessen,  mit  verdünnter  Schwefelsäure  schwach  angesäuert, ­
  zunächst  in  dem  Kolben  bis  auf  10—20  ccm  eingedunstet  und  dann  wie
die  übrigen  Stoffe  behandelt.
b)  Aufschließen  der  Stoffe.  Die  verlustlos 1 )  in  den  600—600  ccm
fassenden  Verbrennungskolben 2 )  von  schwer  schmelzbarem  Kaliglase  oder  Schottschein
Glase  gebrachten  Stoffe,  bezw.  die  vorher  darin  eingedunsteten  Flüssigkeiten  werden
mit  20  ccm  Schwefelsäure  versetzt,  welche  besteht  aus:
1.  4  Volumen  konzentrierter  und  1  Volumen  rauchender  Schwefelsäure  und
auf  jedes  Liter  dieser  Mischung  100  g  Phosphorsäureanhydrid  (Wilfarth).
2.  1  Liter  konzentrierter  Schwefelsäure  und  200  g  Phosphorsäureanhydrid
(Kellner  u.  a.). 8 )
3.  3  Volumen  konzentrierter  und  2  Volumen  rauchender  Schwefelsäure
(Wilfarth).
4.  Gleichen  Volumen  konzentrierter  und  rauchender  Schwefelsäure.
5.  Konzentrierter  Schwefelsäure  und  dazu  0,06  g  Kupferoxyd  und  1  g  Quecksilber ­
  für  jede  Bestimmung  (Arnold).
6.  Konzentrierter  Schwefelsäure  und  dazu  0,05  g  Kupferoxyd  und  5  Tropfen
Platinchloridlösung  (0,04  g  Platin  in  1  ccm)  für  jede  Bestimmung  (ülsch).
7.  1  Teil  Kaliumsulfat  und  2  Teilen  gewöhnlicher  Schwefelsäure  (Gunning)
oder  5—10  g  Kaliumsulfat,  25  ccm  Schwefelsäure  und  1  Tropfen  Quecksilber
(Wohltmann);  von  anderer  Seite  ist  Kupfersulfat  an  Stelle  von  Kaliumsulfat  vorgeschlagen. ­

Selbstverständlich  müssen  alle  diese  Reagentien  frei  von  Stickstoff  sein.  Für
eine  schnelle  und  vollständige  Verbrennung  sind  die  Gemische  No.  1,  2  und  7
am  meisten  zu  empfehlen.  In  den  beiden  ersteren  Fällen  gibt  man  nach  Zusatz
von  20  ccm  der  betreffenden  Schwefelsäure  und  Mischen  der  Masse  mit  derselben
')  Für  den  Zweck  müssen  die  Kolben,  besonders  der  Hals  derselben,  trocken  sein  und
die  Stoffe  tunlichst  wagerecht  in  dieselben  eingefüllt  werden,  was  bei  trocknen  Stoffen
am  leichtesten  durch  Abwägen  und  Ausfüllen  aus  Glasröhrchen  geschieht.  Leichte  Glasbecherchen ­
  mit  sirupartigen  oder  breiartigen  Stoffen  können  direkt  in  die  Kolben  eingelassen
werden;  Stanniolkapselu  mit  letzteren  Stoffen  werden  oben  zusammengedrückt.  Sollten
Spuren  der  Stoffe  an  der  seitlichen  Glaswandung  hängen  bleiben,  so  sucht  man  dieselben
mit  der  einzufüllenden  Schwefelsäure  vollständig  abzuspülen.
2 )  Das  Verbrennen  der  Stoffe  in  dem  Kolben,  aus  welchem  später  destilliert  werden
kann,  dauert  zwar  etwas  länger  als  in  den  vielfach  angewendeten  kleinen  Kölbchen  von
■^0  200  c °m,  hat  aber  den  Vorzug,  daß  man  das  Umfüllen  aus  den  kleinen  in  die
größeren  Destillationskolben  umgeht  und  damit  eine  Fehlerquelle  vermeidet.
3 )  Die  Schwefelsäure-Gemische  mit  hohem  Gehalt  an  Phosphorsäureanhydrid,  No.  1
und  2,  greifen  Jenaer  (Sohottsches)  Glas  stark  an;  für  diese  Gemische  empfehlen  sich
Kolben  aus  böhmischem  Glase.
        <pb n="161" />
        138

Künstliche  Düngemittel,

einen  Tropfen  Quecksilber 1 )  (=  etwa  1  g)  hinzu  und  erhitzt  den  Kolben,  den  man
zweckmäßig  schief  legt  (vergl.  Fig.  19)  und  mit  einer  gestielten  Glaskugel  verschließt, ­
  so  lange,  bis  die  Lösung  vollständig  farblos  geworden  ist;  ein  schwacher
Stich  ins  Gelbliche  deutet  auf  eine  unvollständige  Verbrennung  hin.  Nur  wenn
größere  Mengen  von  Eisenverbindungen  vorhanden  sind,  erscheint  die  Lösung  schwach
hellgelb.  Im  allgemeinen  verläuft  die  Verbrennung  in  einigen  Stunden.
Nach  den  Vereinbarungen  des  Verbandes  deutscher  landw.  Versuchs-Stationen
sind  2  Verfahren  empfehlenswert,  nämlich:
a)  das  oben  angegebene  Oxydationsgemisch  No.  2  unter  Zusatz  von  1  Tropfen
Quecksilber,  womit  eine  durchschnittliche  Auf  schließungsdauer  von  durchweg  3  Stunden
genügt;  oder

Fig.  19.  Verbrennimgsapparat  für  die  Stickstoff-Bestiinnmügen  nacli  Kjeldahl.
ß)  das  folgende  Gunningsche,  von  Atterberg *  2 )  verbesserte  Verfahren:
„1—2  g  Substanz  werden  mit  20  ccm  stickstofffreier  konzentrierter  Schwefelsäure ­
  unter  Zusatz  von  etwas  (etwa  1  g)  Quecksilber  bis  zur  Auflösung  erhitzt,
was  in  ungefähr  15  Minuten  erreicht  ist;  darauf  werden  15—18  g  stickstofffreies
Kaliumsulfat  zugegeben  und  die  Mischung  wird  weiter  gekocht;  nach  eingetretener
Farblosigkeit  wird  das  Erhitzen  noch  15  Minuten  fortgesetzt.  Die  aufgeschlossene
Masse  wird  nach  etwa  10  Minuten  langem  Stehen  mit  Wasser  verdünnt.  —  Bei
x )  Zur  schnellen  Abmessung  des  Quecksilbers  bedient  man  sich  des  Wrampelmeyersohen
  Apparates,  der  nebst  Beschreibung  von  Gustav  Miche,  mechanische  Werkstatt ­
  in  Hildesheim,  bezogen  werden  kann.  Die  Firma  Fr.  Hugershoff  führt  für  diesen
Zweck  auch  besonders  eingerichtete  Meßfläschchen.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1902,  57,  15;  1903,  58,  141;  1904,  59,  215.
        <pb n="162" />
        Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffs.

139

Stoffen,  welche  erfahrungsgemäß  nicht  schäumen,  kann  das  Kaliumsulfat  gleich  zu
Anfang  zugegeben  werden.“
Nach  Kutscher  und  Stendel')  liefert  das  Kjeldahl-Yerfabren  bei  gewissen
organischen  Basen  (Kreatin,  Kreatinin,  Lysin,  Histidin)  bezw.  bei  den  der  Harnsäure-Gruppe
angehorenden  Stickstoffverbindungen  zu  niedrige  und  nur  unter  Umständen  richtige  Ergebnisse. ­
  Die  zu  niedrigen  Ergebnisse  treten  aber,  wie  H.  Malafatti 2 )  nachweist,  nur
dann  auf,  wenn  zu  wenig  Wasser  vorhanden  ist,  oder  wenn  man  festes  Kaliumpermanganat
anwendet.  Malafatti  versetzt  derartige  Stickstoffverbindungen,  gewöhnlich  ohne  Zusatz
von  Kupfersulfat  oder  Quecksilber,  mit  etwas  weniger  Schwefelsäure,  als  gewöhnlich  genommen ­
  wird,  kocht,  bis  sich  eine  ruhig  siedende  braune  Flüssigkeit  gebildet  hat,  läßt
erkalten,  fügt  eine  ausreichende  Menge  einer  wässerigen  Lösung  von  Kaliumpermanganat
hinzu  und  erhitzt  weiter  bis  zur  vollständigen  Vertreibung  des  Wassers  und  bis  zur  voll-Fig.

  20.  Destillierapparat  für  die  Stickstoff-Bestimmungen  nach  KjeldaUl.

ständigen  Entfärbung.  Auf  diese  Weise  sollen  auch  bei  den  genannten  Stoffen  richtige
Werte  erhalten  werden.  Morgen,  Beger  und  Fingerling 3 )  erhielten  aber  auch  richtige
Ergebnisse  für  Kreatin  nach  dem  Kjeldahl-Verfahren  in  der  beschriebenen  gewöhnlichen
Ausführung,  wenn  genügend  lange  (bis  3  Stunden)  mit  dem  Schwefelsäure-Gemisch  erhitzt
wurde;  die  gegenteiligen  Ergebnisse  von  Kutscher  und  Steudel  haben  nach  ihnen  ihren
Grund  in  der  zu  mangelhaften  Aufschließung.
c)  D  e  s  t  i  11  a  t  i  o  n.  Nach  dem  Erkalten  der  Flüssigkeit  wird  dieselbe  unter  gleichzeitigem ­
  Abspülen  der  gestielten  Kugel  mit  Wasser  verdünnt.  Zu  der  mit  Wasser
verdünnten  Flüssigkeit  setzt  man  rasch  80  ccm  salpetersäurefreie  Natronlauge  von
1,35  spezifischem  Gewicht,  25  ccm  Schwefelkaliumlösung  (40  g  Kalium  sulfuratum
‘)  Zeitschr.  f.  physiol.  Chem.  1903,  89,  12.
2 )  Ebenda  1903,  89,  467.
3 )  Ebenda  1903,  40,  329.
        <pb n="163" />
        140

Künstliche  Düngemittel.

im  Liter),  bezw.  so  viel,  daß  alles  Quecksilber  als  Schwefelquecksilber  ausgefällt
wird  und  die  Flüssigkeit  schwarz  erscheint,  dann  einige  feine  Körnchen  Zink  zu
und  verbindet  rasch  mit  dem  Uestillationsrohr.  Letzteres  taucht  in  einen  250—300  ccm
fassenden  Erlenmeyer-Kolben,  welcher  10  oder  20  ccm  Normalschwefelsäure  und
so  viel  Wasser  enthält,  daß  die  Spitze  des  Destillationsrobres  in  die  Flüssigkeit
taucht  (vergl.  Fig.  20,  S.  139).  Nachdem  etwa  100  ccm  der  Flüssigkeit  abdestilliert ­
  sind,  wird  die  überschüssige  Schwefelsäure  mit  x / 4  Normalnatronlauge
unter  Zusatz  eines  Indikators  zurücktitriert  und  aus  dem  gefundenen  Ammoniak  der
Stickstoff  berechnet.
Anmerkungen.  «)  Nach  0.  Böttcher  ist  der  Zusatz  von  Schwefelkalium  nicht
notwendig,  wenn  mau  für  eine  starke  Wasserstoffentwickelung  sorgt,  also  etwa  l,b  g  Zinkstaub ­
  zusetzt.  Die  starke  Wasserstoff-Entwickelung  kann  aber  leicht  ein  Überspritzen  von
fixem  Alkali  verursachen.  C.  Neuberg  empfiehlt  Natriumthiosulfat  an  Stelle  von
Kaliumsulfid,  und  zwar  je  1  g  gepulvertes  Natriumthiosulfat  auf  0,4  g  Quecksilberoxyd.
ß)  Um  ein  Überspritzen  von  Natronlauge  zu  verhüten,  verbindet  man  den  Kolben
mit  dem  Destillationsrohr  am  besten  durch  ein  Kugelrohr,  in  welchem  das  Glasrohr,  wie
aus  der  Zeichnung  (Fig.  20,  S.  139)  ersichtlich,  umgebogen  ist.  Statt  dieser  Einrichtung
sind  eine  Reihe  anderer  Destillations-Vorrichtungen  in  Gebrauch,  die  aus  den  Preislisten  der
Mechaniker  zu  ersehen  sind.
y)  A.  Hebebrand 1 )  hat  eine  besondere  Destillations-Vorlage  angegeben,  welche  mit
einem  Ü-förmigen  Seitenrohr  versehen  ist  und  das  anfängliche  Eintauchen  des  Destillationsrohres ­
  in  die  vorgelegte  Schwefelsäure  überflüssig  macht.
d)  Bosworth  und  Eissing *  2 )  verwenden  behufs  Vereinfachung  der  Ausrechnung
zur  Verbrennung  stets  genau  1  g  Substanz,  zum  Binden  des  Ammoniaks  in  der  Vorlage
'/j  Normalsäure  und  zur  Titration  */ 14iM  Normalalkali;  1  ccm  Alkali  entspricht  dann  1  mg
Stickstoff  und  1  ccm  '/ 2  Normalsäure  7,02  ccm  des  1 / 14j04  Normalalkali.  Die  Anzahl  der
nicht  verbrauchten  ccm  Alkali,  welche  den  vorgelegten  ccm  Säure  entsprechen,  geben  dann
die  Menge  Stickstoff  in  mg  an,  und  wenn  diese  mit  10  multipliziert  werden,  erhält  man
direkt  die  Prozente  Stickstoff  in  der  Substanz.  Über  die  Einrichtung  der  Bürette  vergl.  das
Original.
d)  Indikatoren.  Als  Indikatoren  für  die  Titration  der  Schwefelsäure  sind
jetzt  mehrere  in  Gebrauch,  nämlich:  Kongorot,  Cochenille,  Methylorange  usw.  statt
der  früher  allgemein  üblichen  Lackmuslösung.  Die  Wirkung  der  Indikatoren  beruht ­
  nach  W.  Ostwald  u.  a.  darauf,  daß  die  Indikatoren  als  Stoffe  von  mehr  oder
weniger  saurer  oder  basischer  Natur  mit  dem  Alkali  oder  umgekehrt  mit  der
Säure  eine  Verbindung  eingehen,  welche  ionisiert  wird  und  wobei  alsdann  das  frei
gewordene  Ion  eine  andere  Farbe  besitzt  als  das  ursprüngliche  Molekül  des  Indikators. ­
  Man  kann  mit  F.  Glaser 3 )  die  Indikatoren  ie  nach  der  stärkeren  sauren
oder  basischen  Natur  in  3
1.  Gruppe  von  ausgeprägt ­
  saurer  oder  basischer
Natur  (Diazo-  bezw.Tetrazoverbindungen ­
  oder  phenolartige ­
  Körper  mit  mehreren
Hydroxylen;
Methylorange,
Kongorot,  Cochenille,
Tropäolin,  Jodeosin  und
Lackmoid.

Gruppen  teilen,  nämlich:
2.  Gruppe  von  schwächerer ­
  Säurenatur  mit  meistens
nur  zwei  Hydroxylen:
Pluorescein,  Phenaoetolin,
  Hämatoxylin,
  Gallein  und  Lackmus. ­


3.  Gruppe  von  schwacher
Säurenatur  mit  nur  einem
Hydroxyl:
Bosolsäure,  Kurkuma, ­
  Phenolphthalein
und  Plavescin.

J )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1902,  5,  61.
2 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1903,  42,  711.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahruugs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  169.
        <pb n="164" />
        141

Bestimmung  des  GesamtrStiokstoffs.

In  den  Laboratorien  sind  vorwiegend  die  Indikatoren  der  1.  und  2.  Gruppe
in  Gebrauch;  die  Indikatoren  der  l.ten  Gruppe  bilden  schon  mit  schwachen  Basen
Salze,  die  durch  schwache,  d.  h.  wenig  dissoziierte  (ionisierte)  Säuren  nicht  zersetzt
werden;  sie  sind  daher  zur  Titration  von  Basen,  auch  der  schwachen,  bei  Gegenwart
von  schwachen  Säuren,  wie  Kohlensäure,  sehr  geeignet  und  werden  mit  V  orliebe
bei  vorstehender  Titration  benutzt. 1 )
Die  Indikatoren  der  2.  u.  3.teu  Gruppe  dagegen  gehen  in  verdünnten  Lösungen  mit
schwachen  Basen,  wie  Ammoniak,  keine  Verbindung  mehr  ein  und  die  Salze  mit  den
stärkeren  Basen  werden  schon  durch  wenig  dissoziierte  Säuren,  wie  Kohlensäure,
-Essigsäure  u.  a.,  zersetzt,  sie  sind  daher  besonders  zur  Titration  schwacher  Säuren
mit  starken  Basen  (Kali,  Natron,  Baryt)  geeignet.
2.  Salpetersäurehaltige  Stoffe  bezw.  Salpeter.  In  salpetersäurehaltigen  Stoffen
wie  in  Salpeter  selbst  kann  der  Stickstoff  nach  den  Verfahren  von  M.  Jodlbaur
und  0.  Förster  bestimmt  werden,  für  Salpeter  allein  vergl.  auch  unter  „m.  Salpeter-Stickstoff“
  S.  144.

a)  Verfahren  von  Jodlbaur; 2 )  0,5  g  des  fein  zerriebenen  Salpeters  oder
etwa  1,0  g  des  salpetersäurehaltigen  Stoffes  werden  in  einer  Reibschale  mit  2  3  g
gebranntem,  fein  gepulvertem  Gips  innig  vermischt  und  diese  Mischung  in  den
Kjeldahl-Kolben  gebracht.  Dieselbe  wird  in  dem  Kolben  unter  Abkühlung  mit
25  ccm  Phenolschwefelsäure, 8 )  welche  40  g  Phenol  für  1  1  konzentrierte  Schwefelsäure ­
  von  66°  Be.  enthält,  versetzt  und  durch  leichtes  Hin-  und  Herbewegen  mit
4er  Säure  gemengt.  Nach  Verlauf  von  ungefähr  5  Minuten  fügt  man  ganz  all-■uählich
  und  unter  Abkühlung  des  Kolbens  2—3  g  durch  Waschen  mit
Wasser  gereinigten  Zinkstaub,  sowie  2  Tropfen  metallisches  Quecksilber  hinzu.
Nun  wird  die  Mischung  gekocht,  bis  die  Flüssigkeit  nicht  mehr  gefärbt  ist;  nach  dem
Erkalten  wird,  wenn  in  einem  kleinen  Kolben  verbrannt  wird,  in  den  Destillationskolben ­
  übergespült,  mit  Natronlauge  übersättigt,  25  ccm  Schwefelkaliumlösung  (40  g
N 2 S  zu  1  1)  hinzugefügt  und  das  Ammoniak  abdestilliert.
Anm.  Von  wesentlichem  Belang  für  die  Sicherheit  dieses  Verfahrens  ist,  daß  die
zu  verbrennenden  Stoffe  nicht  zu  feucht,  sondern  genügend  trocken  sind.
Statt  der  Phenolschwefelsäure  ist  auch  eine  Auflösung  von  Benzoesäure  (75  g  für
1  1)  oder  von  Salizylsäure  in  konzentrierter  Schwefelsäure  vorgeschlagen.
b)  Verfahren  von  0.  Förster: 4 )  0,6  g  Salpeter  bezw.  1,0  g  eines  salpetersäurehaltigen ­
  Stoffes  —  oder  Lösungen  derselben  nach  vorherigem  Eindampfen  im
Kjeldahl-Kolben  —  werden  in  letzterem  mit  15  ccm  einer  6°/ 0 -igen  Phenolschwefelsäure ­
  oder  mit  15  ccm  einer  6  °/ 0 -igen  Salizylsäure-Schwefelsäure  vermischt,
bis  Lösung  eingetreten  ist;  alsdann  werden  bis  zu  6  g  unterschwefligsaures  Natrium,
sowie  nach  Zersetzung  dieses  Salzes  noch  10  ccm  reine  Schwefelsäure  und  das  nötige
Quecksilber  hinzugefügt  und  darauf  erhitzt.  Nach  der  vollzogenen  V  erbrennung
wird  weiter  wie  gewöhnlich  verfahren.

’)  Bei  Verwendung  dieser  Indikatoren  schadet  auch  ein  schwacher  Gehalt  der
Natronlauge  an  Kohlensäure  nicht.  Herfeld-Bonn  verdünnt  hei  Anwendung  von  Methylorange ­
  250  ccm  der  zur  Destillation  verwendeten  Natronlauge  zu  10  1,  um  Normallauge
herzustellen.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1888,  35,  447.  Das  Verfahren  ist  auch  vom  V.  intern.
Kongreß  f.  angew.  Chemie  angenommen.
3 )  Das  Phenol  wird  durch  die  Salpetersäure  nitriert;  beim  weiteren  Verlaufe  wird
die  Nitrogruppe  in  die  Amidogruppe  übergeführt  und  schließlich  schwefelsaures  Ammon
gebildet.
4 )  Chem.-Zeitung  1889,  13,  229;  1890,  14,  1673,  1690.
        <pb n="165" />
        142

Künstliche  Düngemittel.

Das  niitersohwefligsaure  Natrium  darf  nicht  vor  der  Phenolschwefelsäure  zu  dem
Salpeter  gesetzt  werden,  weil  durch  die  alsdann  eintretende  sehr  lebhafte  Reaktion  beträchtliche ­
  Verluste  an  Stickstoff  entstehen  können.  Ein  Gehalt  der  Phenolschwefelsäure
von  mehr  als  7  %  und  weniger  als  4  °/ 0  Phenol  beeinträchtigt  die  Ergebnisse.
Das  unterschwefligsaure  Natrium  hat  den  Zweck,  die  sich  der  Bindung  an  Phenol
entziehende  kleine  Menge  Salpetersäure  in  die  Form  der  nicht  flüchtigen  Bleikammerkristalle
(Nitrosulfosäure)  überzuführen.
Als  mißlicher  Umstand  bei  Anwendung  von  Salizylsäure-Schwefelsäure  wird  hervorgehoben, ­
  daß  sich  darin  Salpeter  und  salpetersäurehaltige  Stoffe  nur  sehr  schwer  lösen,
wodurch  leicht  Verluste  eintreten  können.
II.  Aramoniak-Stickstoif.
Man  bestimmt  das  Ammoniak  am  besten  durch  Destillation  einer  abgewogenen
Menge  mit  Wasser  und  frisch  gebrannter  Magnesia  (auf  1  g  Ammonsalz  etwa
3  g  Magnesia),  fängt  das  Ammoniak  in  titrierter  Schwefelsäure  oder  Salzsäure  auf
und  titriert  mit  Natronlauge  zurück.
Bei  etwaigem  Vorhandensein  von  freiem  Ammoniak  neben  organischen  Stoffen,
deren  Stickstoff  hierbei  teilweise  in  Ammoniak  übergeführt  wird  (Harn),  wird  das
Verfahren  von  Schlösing,  nämlich  Einwirkung  von  Kalkmilch  in  der  Kälte,
vorgezogen. 1 )  Auch  kann  man  den  Ammoniak-Stickstoff  oft  in  wässerigen  oder
sauren  Auszügen  mittels  des  Knopsehen  Azotometers  durch  Einwirkung  von  überschüssigem, ­
  unterbromigsaurem  Alkali  volumetrisch  bestimmen;  der  chemische  Vorgang
verläuft  hierbei  nach  der  Gleichung;  SBrONa  +  2NH,,  =  3BrNa  +  3H 2 0  H  -  2N.
Die  Lösung  des  unterbromigsauren  Natriums  bereitet  man  in  der  Weise,  daß
man  100  g  Ätznatron  in  1250  ccm  destilliertem  Wasser  auflöst,  die  Lösung  stark
abkühlt  und  unter  fortwährendem  Umschütteln  25  ccm  Brom  hinznfügt.  Diese
Lauge  muß  in  einer  dunklen  Flasche  aufbewahrt  werden,  da  sie  sich  am  Lichte
allmählich  zersetzt.  50  ccm  der  Lauge  vermögen  130—150  ccm  Stickstoff  aus  einer
Salmiaklösung  zu  entwickeln.
Das  Knop-Wagnersche  Azotometer  (Fig.  21,  S.  143)  besitzt  folgende
Einrichtung:
Das  unten  in  einem  Metallringe  eingekittete  und  mit  Blei  beschwerte  Eutwickelungsgefäß
  ist  durch  eine  nicht  bis  oben  hinaufreichende  Glaswand  —  in  der  Figur  nicht  sichtbar ­
  —  in  zwei  Teile  geteilt;  in  die  eine  Abteilung  bringt  man  die  Ammonsalzlösung,  in
die  andere  die  Bromlauge.  Es  ist  notwendig,  ein  bestimmtes  Volumverhältnis  der  beiden
Flüssigkeiten  stets  festzuhalten.  Man  dampft  daher  die  das  Ammonsalz  enthaltende  Flüssigkeit ­
  in  einem  Porzellanschälchen  fast  bis  zur  Trockne  ab,  füllt  eine  10  ccm-Pipette  mit
destilliertem  Wasser,  läßt  einige  Tropfen  zur  Lösung  des  Ammonsalzes  zufließen,  gießt
diese  Lösung,  durch  ein  langes  Trichterrohr  in  die  eine  Abteilung  des  Entwickelungsgefäßes
und  spült  mit  dem  in  der  Pipette  zurückgebliebenen  Wasser  Porzellanschale  und  Trichterrohr ­
  aus.  In  die  andere  Abteilung  läßt  man  mittels  einer  Pipette  50  ccm  Bromlauge
einfließen.  Nachdem  das  Entwiokelungsgefäß  mit  einem  Kautschukstopfen  verschlossen
worden  ist,  senkt  man  es  in  das  Kühlgefäß  so  tief  ein,  daß  der  Kautschukstopfen
gerade  noch  mit  Wasser  bedeckt  wird.  Dieses  Kühlgefäß  sowie  auch  der  lange  Glaszylinder- ­
  werden  mit  kühlem  Wasser  womöglich  von  gleicher  Temperatur  gefüllt.  Durch
den  Kautschukstopfeu  des  Entwiokelungsgefäßes  geht  ein  mit  Glashahn  versehenes
Glasrohr  hindurch,  welches  durch  Kautschukschlauch  mit  dem  graduierten  Glasrohr  im
Zylinder  in  Verbindung  steht.  Der  Glashahn  wird  gelockert  oder  herausgezogen  und
die  im  Glaszylinder  eingesohlossenen  kommunizierenden  Röhren  durch  Zusammendrticken
des  mit  einem  Loch  versehenen  Kautschukballes  unter  gleichzeitigem  Öffnen  des  Quetschhahnes ­
  mit  Wasser  gefüllt.  Durch  Ablassen  des  Wassers  durch  den  Quetsohhahn  stellt
man  den  unteren  Meniskus  des  Wasserspiegels  genau  auf  den  Nullpunkt  der  graduierten

x )  Vergl.  R.  Fresenius,  Lehrb.  d.  analyt.  Chem.  1,  225,  b.
        <pb n="166" />
        Bestimmung  des  Ammoniak-Stickstoffs.

143

Röhre  ein.  Nach  Ablauf  von  5  Minuten  wird  der  Glashahn  wieder  fest.  eingesetzt,
jedoch  so  gestellt,  daß  das  Entwiokelungsgefäß  mit  dem  graduierten  Kohr  in  Kommunikation ­
  bleibt.  Man  wartet  darauf  5  Minuten  lang  und  beobachtet,  ob  der  Wasserspiegel ­
  im  graduierten  Rohr  infolge  der  durch  die  Abkühlung  bewirkten  Kontraktion  der
Luft  noch  gestiegen  ist.  Wenn  dies  der  Fall  ist,  so  wird  der  Glashabn  nochmals  gelüftet,
nieder  fest  eingedrückt  und  der  Wasserstand  im  graduierten  Rohr  nach  Ablauf  von  5  Minuten
abermals  beobachtet.  Dies  wiederholt  man  so  oft,  bis  das  Wasserniveau  gleichbleibend  aut
dem  Nullpunkt  einsteht.  Man  nimmt  nun  das  Entwickelungsgefäß  aus  dem  Kuhlzylmder
heraus  und  läßt,  nachdem  man  durch  den  Quetschhahn  20  30  ccm  Wasser  a  a  ic  eu
iassen,  allmählich  durch  Neigen  des  Entwickelungsgefäßes  die  Bromlauge  zu  der  Ammonsalzlösung ­
  zufließen.  Die  Entwickelung  des  Stickstoffes  wird  durch  Schwenken  des  Glases
befördert.  Darauf  schließt  man  den  Glashahn,  schüttelt  die  Entwickelungsflasche  kräftig
Um ,  öffnet  dann  den  Hahn  wieder,  um  das  entwickelte  Stickgas  in  die  graduierte  Rohre
übertreten  zu  lassen,  und  wiederholt  diese  Behandlung  dreimal.  Zuletzt  wird  das  Entwiokelungs-Fig.

  21.

Knop-Wagnersches  Azotometer.

b^fäß  wieder  in  den  Kühlzylinder  zurückgcstellt  und  durch  den  Glashahn  mit  der  graduierten
Öhre  in  Verbindung;  gebracht.  Nach  Verlauf  von  15  Minuten  hat  das  Gefäß  die  frühere
Temperatur  wieder  angenommen;  man  läßt  alsdann  durch  den  Quetschhalm  so  viel  Wasser
ab -  bezw.  zufließen,  daß  das  Niveau  in  den  beiden  kommunizierenden  Röhren  gleich  hoch
® te ht;  darauf  liest  man  die  Anzahl  der  entwickelten  ccm  Stickstoff,  die  Temperatur  des  im
-blinder  befindlichen  Thermometers,  sowie  den  jeweiligen  Barometerstand  ab.
Da  in  der  Flüssigkeit  des  Entwickelungsgefäßes  eine  nicht  unerhebliche
^nge  Stickstoff  absorbiert  wird,  ist  es  notwendig,  diese  hei  der  Berechnung  mit
Zu  berücksichtigen.  Um  hierbei  die  Dietrichsche 1 )  Tabelle  benutzen  zu  können,
e s  notwendig,  stets  genau  10  ccm  der  zu  untersuchenden  Flüssigkeit  und  50  ccm
•“romlauge  von  der  angegebenen  Konzentration  zu  verwenden,  da  sich  die  Menge
de s  absorbierten  Gases  bei  Änderung  der  Konzentration  und  der  Flüssigkeitsmenge
Obenfalls  ändert.
Die  Dietrichsche  Tabelle  für  die  Absorption  des  Stickgases  siehe  am  Schluß
Tabelle  No.  II.
')  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1866,  5,  40.
        <pb n="167" />
        144

Künstliche  Düngemittel.

III.  Salpeterstickstoff.
Die  Verfahren,  durch  Glühen  mit  Kieselsäure  (6—7-fache  Menge  des  Salpeters) ­
  und  mit  Kaliumbichromat  (3—4  fache  Menge  des  Salpeters)  den  Salpeter-Stickstoff
  zu  bestimmen,  seien  hier  nur  erwähnt,  da  wohl  augenblicklich  die  Verfahren ­
  kaum  noch  Anwendung  finden,  sondern  allgemein  nur  nach  den  schon  vorher
S.  141  angegebenen  Verfahren  von  M.  Jodlbaur  und  0.  Förster  oder  nach  einem
der  folgenden  Verfahren  gearbeitet  wird.
1.  Reduktion  der  Salpetersäure  zu  Stickoxyd.  Hierfür  wird  das  Sohlösing-Wagnersche
  Verfahren 1 )  angewendet.  In  das  Kochfläschchen  (a)  von  250—800  ccm  Inhalt
(vergl.  Pig.  22  a),  welches  durch  einen  doppelt  durchbohrten  Kautschukpfropfen  geschlossen
ist,  reicht  ein  15  ccm  fassendes  Triohterrohr  mit  Glashahn  (b).  Das  untere,  mit  enger  Öffnung
versehene  Ende  dieses  Rohres  reicht  in  den  Bauch  des  Kochfläschchens,  jedoch  nicht  bis
in  die  Flüssigkeit.  Durch  die  zweite  Öffnung  des  Stopfens  geht  ein  Gasleitungsrohr  (c),

Fig,  22  a.  Fig.  22  b.
Wagners  Apparat  zur  Bestimmung  des  Salpeter-Stickstoffs.

geeignet  gebogen,  bis  in  die  mit  Wasser  versehene  Glaswanne.  Ein  Gestell  hält  über  der
Wanne  die  Meßröhren,  welche  von  oben  nach  unten  in  1 / 10  ccm  geteilt  sind.  In  das
Kochfläschchen  bringt  man  40  ccm  Eisenchlorürlösung  (etwa  200  g  Eisen  im  Liter  enthaltend) ­
  und  ebensoviel  20%-ige  Salzsäure.  Man  vertreibt  nun  durch  anhaltendes
Kochen  und  mit  der  Vorsicht,  daß  das  Trichterrohr  stets  etwas  Salzsäure  enthält,  die
atmosphärische  Luft  aus  dem  Apparat.  Sodann  bringt  man  eine  der  Meßröbren  über  das
Gasleitungsrohr  und  in  das  Trichterrohr  10  ccm  einer  Normalsalpeterlösung,  die  im  Liter
genau  33  g  chemisch  reines,  wasserfreies  salpetersaures  Natrium  enthält.  Der  Glashahn
wird  alsdann  so  gestellt,  daß  die  Normallösung  langsam  in  die  siedende  Eisenlösung  tropft.
Ist  dies  bis  auf  einen  kleinen  Rest  geschehen,  so  wird  das  Trichterrohr  2-mal  mit  10  u / 0 -iger
Salzsäure  nachgespült  und  die  Säure  in  gleicher  Weise  wie  die  Salpeterlösung  tropfenweise ­
  in  die  siedende  Eisenlösung  gebracht.  Findet  keine  Entbindung  von  Stickoxydgas
mehr  statt,  so  ist  die  Reaktion  beendet.  Man  schiebt  alsdann,  während  man  den  Inhalt
des  Kölbchens  stets  im  Sieden  erhält,  das  Meßrohr  vorläufig  zur  Seite,  ersetzt  es  durch
ein  anderes  und  bringt  10  ccm  der  Lösung  des  zu  prüfenden  Chilisalpeters,  welche  ebenö

  Den  hierzu  nötigen  Apparat  kann  man  von  Ehrhardt  und  Metzger,  Darmstadt, ­
  beziehen;  Beschreibung  und  Anweisung  werden  beigefügt.
        <pb n="168" />
        Bestimmung  des  Salpetersäure-Stickstoffs,

145

falls  im  Liter  33  g  des  Salpeters  enthält,  in  das  Trichterrohr,  indem  man  im  übrigen  ganz  so
verfährt  wie  zuvor,  besonders  auch  2-mal  mit  Salzsäure  nachspillt.  Man  kann  so,  ohne  die
Eisenlösung  zu  erschöpfen,  noch  6—7  weitere  Bestimmungen  und  zum  Schlüsse  noch  eine
Kontrollbestimmung  mit  der  Normalsalpeterlösung  folgen  lassen.  Ist  diese  beendet,  so
öffnet  man  den  Glashahn  um  Luft  in  das  Kölbchen  eintreten  zu  lassen,  und  entfernt  die
Elarnme,
Die  Stickstoffoxyd  enthaltenden  Meßröhren  hat  man  inzwischen  in  einen  hohen,
weiten  Glaszylinder  (Fig.  22  b)  gesenkt,  in  welchem  sie  durch  Messingklammern,
welche  sich  auf  den  Kami  des  Zylinders  legen,  festgehalten  werden.  Man  bringt
innen  und  außen  auf  gleiche  Niveaus,  und  wenn  die  Temperatur  aller  Meßröhren
«nd  ihres  Inhaltes  dieselbe  ist,  liest  man  die  Gasvolumen  ab.  Die  Berechnung  des
■^alpetergehaltes  ist  einfach.
Angenommen,  10  ccm  der  Lösung  des  reinen  Salpeters  haben  89,5  ccm  Stickoxydgas
  geliefert  10  ccm  des  fraglichen  untersuchten  Salpeters  85,1  ccm,  so  ent-J
  95  08  x  14
hält  letzerer  85,1  X  10(3  =  96,08  %  salpetersaures  Natrium  oder  8j .  oder
ni-  89,5
9o,08  x  0,1647  =  15,66  °/ 0  Stickstoff.
Hat  man  dagegen  die  angegebenen  Mengenverhältnisse  nicht  eingehalten,  so  berechnet ­
  man  welcher  Menge  Salpetersäure  oder  Stickstoff  1  ccm  des  aus  reinem  salpetersauren
  Natrium  erhaltenen  Stickstoffoxydgases  entspricht,  und  multipliziert  mit  dem  gefundenen ­
  Werte  die  Anzahl  der  bei  der  Untersuchung  gefundenen  ccm  Stickstoffoxydgas,
  Angenommen,  0,33  g  reines  salpetersaures  Natrium  haben  wie  oben  89,5  ccm
Stickstoffcxydgas  geliefert,  so  entspricht,  da  0,33  g  salpetersaures  Natrium  =  ’  -
oder  0,33  x  0,1647  =  0,05435  g  Stickstoff  enthalten,  1  ccm  Stickstoffoxydgas  —  gg ^
^  0,000607  g  Stickstoff:  hat  man  z.  B.  für  0,5  g  angewendeten  Salpeter  80,o  ccm
Stickstoffoxydgas  gefunden,  so  enthalten  diese  0,000607  x  80,5  =  0,04886  g  Stickstoff
°der  100  Teile  Salpeter  2i0^^&amp;lt;100  =  ^  ^  Sticksto ff.
,  2.  Reduktion  der  Salpetersäure  z«  Ammoniak,  a)  5  g  Salpeter  werden  in
1  i  Wasser  gelöst  und  hiervon  100  ccm  =  0,5  g  Salpeter  oder  eine  dieser  Menge
outsprechende  Menge  Salpetersäure  in  anderen  Düngemitteln  in  einen  etwa  500  bis
800  ccm  fassenden  Kolben  gebracht,  dazu  18-20  g  sa  petersäurefreies  Kaliumhydroxyd ­
  (eine  Stange),  75  ccm  Spiritus  und  je  8-10  g  Zink-  und  Eisenstaub,
s °wie  einige  Körnchen  gereinigte  Tierkohle,  welche  ein  Schäumen  verhütet,  ge-Sohen;
  der  Kolben  wird  alsdann,  wie  aus  umstehender  Zeichnung  (Fig.  23,  8^146)
Sichtlich  ist,  mit  einer  Peligotschen,  etwa  200  ccm  fassenden  U-formigen  Kugelr8
 hre,  welche  10  ccm  Normalschwefelsäure  enthält  und  in  einer  mit  kaltem  Wasser
f n gefülit en  Wanne  hängt,  verbunden.  Um  ein  Überspritzen  von  Kalilauge  zu  ver-Jüten,
  wendet  man  ein  mit  einer  Kugel  versehenes  Verbindungsrohr  an,  welches  in
er  Kugel  umgehogen  ist.
Man  läßt  einige  (etwa  3-4)  Stunden  stehen,  bis  die  erste  heftige  Wasserstoffontwickelung ­
  vorüber  ist  und  destilliert  dann  mit  einer  ganz  kleinen  Flamme,  so  daß
&amp;lt;* ie  Destillation  ungefähr  2  Stunden  dauert.  Dieselbe  ist  beendet,  wenn  aller
Spiritus  Uberdestillicrt  ist  und  deutlich  Wasserdämpfe  übergehen,  welche  sich  als
Juopfen  in  der  Destillationsröhre  ansetzen  und  den  Hals  der  Vorlage  heiß  machen.
1)16  vorgelegte  Schwefelsäure  wird  wie  sonst  mit  Natronlauge  zurücktitnert.
Um  richtige  Ergebnisse  zu  erhalten,  ist  es  erforderlich,  diese  Vorschrift  genau
ln ue  zu  )lnHnrl  6  üm«««  und  achtet  mau  ferner  darauf,  daß  das  anzuhalten. ­

  Geschieht  dieses  und
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

10
        <pb n="169" />
        146

Künstliche  Düngemittel.

wendende  Kaliumhydroxyd  salpetersäurefrei  und  der  Zinkstaub  metallreich
ist,  d.  h.  nicht  zu  viel  Oxyd  enthält,  also  eine  gut  reduzierende  Wirkung  äußert,
so  ist  dieses  Verfahren  neben  dem  von  K.  Ul  sch  (S.  147)  wegen  seiner  Einfachheit
sehr  zu  empfehlen,  zumal  wenn  es  sich  um  vereinzelte  Bestimmungen  handelt,
zu  deren  Ausführung  das  Schlösing-Wagner  sehe  Verfahren  verhältnismäßig  viel
mehr  Zeit  erfordert.  Bei  Anwendung  großer  Wasserwannen  zum  Hineinhängen
der  U-förmigen  Böhren  kann  man  mehrere  Bestimmungen  nebeneinander  ausführen.
0.  Böttcher 1 )  verfährt  in  folgender  Weise:  10  g  Salpeter  oder  20  g
salpeterhaltiges  Gemisch  werden  zu  1  1  gelöst  (nötigenfalls  filtriert)  und  hiervon
zur  Bestimmung  50  ccm  =  0,5  g  bezw.  1  g  Salpeter  in  einen  Erlenmeyer-Kolben  von
etwa  */ 4  1  Inhalt  gebracht,  120  ccm  Wasser  und  80  ccm  Natronlauge  von  32°  Be.
(1,8  spezifisches  Gewicht)  zugesetzt;  sodann  fügt  man  5  g  Zinkstaub  und  5  g

Fig.  23.  Apparat  für  die  Bestimmung  der  Salpetersäure  nach  dem  Reduktionsverfaliren.

Eisenpulver  hinzu  (Ferrum  limatum-Pulver)  und  läßt  nach  dem  Verbinden  mit  dem
Destillationsapparat  eine  Stunde  lang  ohne  Erwärmen  stehen.  Alsdann  destilliert
man  unter  lebhaftem  Sieden,  bis  etwa  100  ccm  Flüssigkeit  übergegangen  sind.
A.  Stutzer  verwendet  auf  0,5  g  Salpeter  25  ccm  Natronlauge  von  33°  Be.
und  3  g  Aluminiumdraht  oder  -Blech,  läßt  über  Nacht  stehen  und  destilliert  dann
das  gebildete  Ammoniak  ab.  Herfeld-Bonn  empfiehlt,  nach  vollendeter  Reduktion
erst  einige  Zeit  mit  kleiner  Flamme  zu  erwärmen,  bis  der  Wasserstoff  aus  der
Lösung  ausgetrieben  ist  und  die  Flüssigkeit  ins  Sieden  kommt.  Das  Aluminium  soll
statt  in  Form  von  Draht  in  Form  von  1  cm  breiten  und  2  cm  langen  Streifen  angewendet
  werden.  Devarda *  2  3 )  setzt  zu  0,5  g  Salpeter  etwa  GO  ccm  Wasser,  5  ccm  Alkohol
50  ccm  Kalilauge  von  1,3  spezifischem  Gewicht  und  2-  2 1 /»  g  einer  Legierung,
welche  aus  45  Teilen  Aluminium,  50  Teilen  Kupfer  und  5  Teilen  Zink  besteht
verbindet  den  Kolben  mit  dem  Destillierapparat,  erwärmt  gelinde  und  beginnt  nach
x / 2  Stunde  mit  der  Destillation.  Th.  F.  Schmidt*)  schlägt  Reduktion  mit  Zink'
und  Eisenstaub  in  essigsaurer  Lösung  vor.

x )  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  41,  370.
2 )  Ebenda  1893,  42,  370.
3 )  Chem.-Zeitung  1890,  14,  1410.
        <pb n="170" />
        Bestimmung  des  Salpetersäure-Stickstoffs.

147

b)  K.  Ulsch 1 )  reduziert  die  Salpetersäure  in  schwefelsaurer  Lösung  mittels
reduzierten  Eisens  (Ferrum  hydrogenio  reductum)  zu  Ammoniak  in  folgender  Weise:
In  einen  a / 2  1  Rundkolben  mit  flachem  Boden,  wie  er  für  die  Stickstoffestimmungen
  nach  Kjeldahl  benutzt  wird,  bringt  man  25  ccm  einer  wässerigen
Dtratlösung,  welche  höchstens  0,5  g  Kaliumnitrat  oder  die  äquivalente  Menge  eines
anderen  salpetersauren  Salzes  enthält  —  also  10  g  Kalisalpeter  oder  etwa  8,0  g
A.itronsalpeter  auf  500  ccm  und  hiervon  25  ccm  —,  setzt  alsdann  10  ccm  verdünnter
chwefelsäure  von  1,35  spezifischem  Gewicht  (erhalten  durch  Mischen  von  ungefähr
,  Vdnmen  Wasser  mit  1  Volumen  konzentrierter  Schwefelsäure)  und  ferner  5  g
es  käuflichen  Ferrum  hydrogenio  reductum  zu.  Um  Verluste  zu  vermeiden,  hängt
nun  in  den  Hals  des  Kolbens  ein  spitz  ausgezogenes,  birnenförmiges,  oben  offenes
as gefäß  von  25  ccm  Inhalt  —  ähnlich  wie  die  birnenförmigen  Glaskugeln,  welche
zum  Bedecken  der  Glaskolben  für  die  Stickstoff-Bestimmungen  nach  Kjeldahl
menen  —  und  füllt  dasselbe  mit  kaltem  Wasser,  so  daß  es  gleichsam  als  Rückflußkühler
  dient.

Durch  vorsichtiges  Erwärmen  mit  sehr  kleiner  Flamme  unterhält  man  eine
obhafte,  doch  nicht  zu  stürmische  Gasentwickelung  und  steigert  die  Hitze  in  dem
i  ße,  als  die  Reaktion  schwächer  wird,  so  daß  nach  etwa  4  Minuten,  vom  Beginn
c  es  Erwärmens  an  gerechnet,  die  Flüssigkeit  unter  noch  andauernder  Gasentwickelung
u  sieden  beginnt,  was  an  dem  Abtropfen  des  kondensierten  Wassers  an  der  Spitze
oer  Birne  leicht  zu  erkennen  ist.  Nachdem  man  etwa  eine  halbe  Minute  im  schwachen
’  mden  erhalten  hat,  ist  die  Reduktion  vollständig  beendet.
Man  verdünnt  alsdann  mit  50  ccm  Wasser,  übersättigt  mit  20  ccm  Natron-•tuge
  von  1,35  spezifischem  Gewicht  und  destilliert  das  Ammoniak  wie  pach  S.  139
!" 1(l  140  in  titrierte  Schwefelsäure  ab.  Ein  Zusatz  von  Zink  vor  der  Destillation
^  n 'cht  erforderlich;  ebenso  sind  nach  Ulsch  die  bekannten  Vorrichtungen  zum
brückhalten  der  zerstäubten  alkalischen  Flüssigkeiten  unnötig.  Da  das  gesamte
üssigkeitsvolumen  sehr  gering  ist,  so  wird  alles  Ammoniak  durch  etwa  5—7

Mir

lu ten  dauerndes  lebhaftes  Kochen  ausgetrieben.

Dieses  Verfahren  verdient  wegen  der  Sicherheit  und  Schnelligkeit  der
Us führung  jetzt  vor  allen  anderen  Beduktionsverfahren  den  Vorzug.
I  3.  Bestimmung  der  Salpetersäure  mit  dem  Nitrometer.  Diese  Bestimmung
geruht  auf  dem  Grundsatz,  daß  Salpetersäureverbindungen  durch  konzentrierte
'  chwefelsäure  zu  Stickstoffoxyd  zersetzt  werden.  Das  letztere  wird  im  Nitrometer  gegossen ­
  und  aus  dem  abgelesenen  und  reduzierten  Volumen  die  Salpetersäure  berechnet.
Da  dieses  Verfahren  in  agrikulturchemischen  Laboratorien  keine  allgemeine
-  ^Wendung  gefunden  hat,  so  sei  dasselbe  hier  bloß  erwähnt  und  auf  G.  Lunge,
'cniisch-technische  Untersuchungsmethoden,  4.  Auflage  1899,  1,  122  und  279
Verwiesen.

r/  4.  Bestimmung  des  Salpetersäure-Stickstoffs  neben  organischem  Stickstoff.
.  1 * r  Bestimmung  des  Salpetersäure-Stickstoffs  neben  organischem  Stickstoff  ist  von
er  allgemein  das  vorhin  unter  1.  S.  144  beschriebene  Verfahren  in  Gebrauch,
o  ‘  Pfeiffer  und  H.  Thur  mann 2 )  haben  aber  gefunden,  daß  es,  besonders  beim
‘  Mimist,  leicht  zu  niedrige  Ergebnisse  liefert.  Wenngleich  P.  Liechti  und
•  Ritter 8 )  das  Sohlbsingsche  Verfahren  nach  weiteren  Untersuchungen  für  völlig

*)  Chem.  Centralbl.  1890,  II,  926.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1896,  46,  1.
)  ^eitschr.  f.  anal.,  Chemie  1903,  42,  205.

10*
        <pb n="171" />
        148  Künstliche  Düngemittel.

einwandfrei  erklären,  hält  Th.  Pfeiffer 1 )  sein  Verfahren  doch  für  richtiger;  es  mag
daher  hier  ebenfalls  beschrieben  werden:
Von  der  zu  untersuchenden  Flüssigkeit  werden  50  ccm  oder  mehr  —  bei  Kontroll-Untersuchungen
  unter  Zusatz  einer  abgemessenen  Salpeterlösung  —  in  ein  Lintnersches
  Druckfläschchen  eingefüllt  und  darin  nach  dem  Hinzufügen  von  etwa  10  gNatriumhydroxyd
  etwa  8  Stunden  auf  120—130°  erhitzt,  wozu  ein  gewöhnlicher  kleiner
Trockenschrank  benutzt  werden  kann.  Nach  dem  Erkalten  wird  der  Flascheninhalt
in  einen  Destillationskolben  gegossen  und  der  fest  an  der  Flaschenwandung  haftende
Belag  auf  ein  Filter  gespült,  welches  selbstverständlich  auf  den  Destillationskolben
gesetzt  wird.  Der  gut  ausgewaschene  Niederschlag  wird  getrocknet  und  zurückgestellt.
  Inzwischen  wird  die  Flüssigkeit,  nachdem  ihr  Gehalt  an  Natriumhydroxyd ­
  durch  Hinzufügen  von  Lauge  auf  die  bei  der  Salpeterbestimraung  übliche
Höhe  gebracht  worden  ist,  so  lange  gekocht,  bis  keine  Spur  von  Ammoniak  mehr
entweicht.  Man  überzeugt  sich  hiervon  am  sichersten  durch  zeitweises  Aufsetzen
eines  Kugelrohres,  wie  es  bei  der  Stickstoffbestimmung  gebraucht  wird;  die  ersten
aus  dem  schräg  gebogenen,  etwas  verlängerten  Rohr  abfließenden  Wassertropfen
dürfen  keine  alkalische  Reaktion  erkennen  lassen;  eine  Prüfung  der  heißen  Dämpfe
ist  viel  weniger  empfindlich. *  2 )  Hierauf  wird  der  getrocknete  Niederschlag  dem
Kolbeninhalt  wieder  zugesetzt,  das  Filter  mit  etwas  Essigsäure  und  Wasser  zur
Gewinnung  etwaiger  noch  am  Papier  haftenden  Spuren  von  Nitraten  ausgewaschen
und  nunmehr  die  Reduktion  mit  Zink-Eisen  usw.  in  üblicher  Weise  bewirkt.  Die
Destillation  erfordert  wegen  des  erwähnten  Schäumens  große  Vorsicht  und  muß
nötigenfalls  wiederholt  werden.  Das  Erhitzen  unter  Druck  scheint  teilweise  nur
eine  Lockerung  der  Stickstoffverbindungen  zu  bewirken;  letztere  zerfallen  dann
erst  vollständig  bei  der  erwähnten  Behandlung.
C.  Bestimmung  der  Phosphorsäure.
1.  Bestimmung  der  freien  Phosphorsäure. 3 )  a)  Maßanalytisches  Verfahren. ­
  Von  dem  wässerigen  Auszuge  eines  freie  Phosphorsäure  enthaltenden
Düngers  (Superphosphats)  wird  ein  1  g  Substanz  entsprechender  Teil  in  einem  Erlenmey
  er-Kolben  mit  Wasser  auf  etwa  100  ccm  verdünnt  und  mit  2—3  Tropfen  einer
wässerigen  Lösung  von  reinem  Methylorange  (1  :  1000)  versetzt.  Man  titriert
sodann  mit  Natronlauge,  bis  die  rote  Farbe  in  Gelb  Ubergegangen  ist.
Bezüglich  der  Einstellung  der  Natronlauge  ist  zu  bemerken,  daß  man  zweckmäßig
eine  Lösung  reiner  Phosphorsäure  von  genau  ermitteltem  Gehalte  unter  den  gleichen  Bedingungen ­
  wie  oben  verwendet,  d.  h.  in  ungefähr  derselben  Verdünnung,  und  die  saure
Lösung  mit  der  Lauge,  nicht  umgekehrt,  titriert.  Der  Parbenumsohlag  tritt  ein,  sobald
das  primäre  Salz  aus  der  Phosphorsäure  nach  folgender  Gleichung  gebildet  ist:  H 3 P04-T"
NaHO  =  NaH 2 P0 4  -j-  H 2 0.  Empfehlenswert  ist  ein  Übertitrieren  der  Superphosphatlösung
mit  Lauge,  darauf  folgendes  Abfiltrieren  des  Niederschlags  und  Zurüoktitrieren  des  Alkali-Überschusses
  mit  Säure  in  einem  aliquoten  Teile  des  Filtrats,  damit  man  den  Farbenumschlag
besser  erkennen  kann.  Das  Übertitrieren  bringt  allerdings  einen  Fehler  mit  sich,  darin
begründet,  daß  Natronlauge  durch  den  Niederschlag  gebunden  wird,  und  zwar  um  so  mehr,

')  Zoitschr.  f.  anal,  Chemie  1903,  42,  612.

2 )  Wurde  die  Flüssigkeit  alsdann  zur  Kontrolle  in  üblicher  Weise  längere  Z el **
weiter  destilliert,  so  ließ  sich  in  dem  in  titrierter  Schwefelsäure  aufgefangenen  Destillat
keine  Spur  von  Ammoniak  nachweisen,  ein  sicheres  Zeichen,  daß  die  Zersetzung  vollständig
beendigt  war.

3 )  Nach  den  Vereinbarungen  des  Vereins  deutscher  Düngerfabrikanten.  BerlUh
(Weidmannsche  Buchhandlung)  1903.
        <pb n="172" />
        Bestimmung  der  Phosphorsäure.

149

je  mehr  man  über  den  durch  Methylorange  erkennbaren  ^^^““^bfiltriert,  nicht  zur
fallen  verbrauchte  Natronlauge  kommt,  wenn  man  cktitrieren  zu  wenig  Säure  und  folgert
Zurücktitration;  man  verbraucht  demnach  zum  Zun  ,  ä  -g s  deshalb  nötig,
daraus  fälschlich  einen  zu  hohen  Gehalt  an  freier  ° S P  Überschuß  ein  gleicher
eine  Korrektur  anzubringen.  (Bei  gleichem  Rohstoff  und  gier  hem  0  *
Faktor.)  1  ccm  Normal-Natronlauge  (=0,040  g  Na  OH)  entspricht  0.09lg-*  Gg _
b)  Gewichtsanalytisches  Verfahren.  10  g  des  e *_  q  mit  waS serwichtsbeständigkeit
  getrockneten  Düngers  (Superp  osp  a  )  ist
freiem  Äther  oder  Alkohol  in  der  Weise,  wie  dies  bei  Alkoho ls
am  Rückflußkühler  etwa  2  Stunden  ausgezogen.  Nach  de  Phos .
bezw.  Äthers  wird  mit  Wasser  aufgenommen,  wenn  noüg  fdtnert  und  a
Phorsäure  in  üblicher  Weise  mit  Magnesiamixtur  gefallt.  1  Teil  Mg,  2  ,
°:88  Teile  H*P(L.

stim

2.  Wasserlösliche  und  Gesamt-Phosphorsäure,  a)  Mafianalytisohe  Been

 tsprechen,
lösu:
Um
Eis,

imung.  Es  werden  25  ccm  von  der  wässerigen  Lösung,  welche  0,6  g  Substanz
mit  25  ccm  Wasser  verdünnt,  mit  10  ccm  einer  essigsauren  Ammonw
  v ,„ s l.  Lösungen  No.  8  am  Schluß)  versetzt  und  auf  60—70°  erwärmt,
eine  salzsaure  Lösung,  welche,  wie  z,  B.  bei  Knochenmehl,  nur  Spuren  von
Eisenoxyd  und  Tonerde  enthält,  zu  titrieren,  wird  mit  Ammoniak  schwach  alkalisch,
, mit  Essigsäure  wieder  schwach  sauer  gemacht  und  auf  60-70°  erwärmt  Darauf
laß t  man  ungefähr  so  viel  Kubikzentimeter  einer  titrierten  Uranacetat-  oder  Uranhitratlösung
  (vergl.  Lösungen  No.  7  am  Schluß)  zulaufen,  als  Prozente  Phosphorsäure
Vermutet  werden  können  —  denn  da  die  Uranlösung  so  gestellt  ist,  daß  1  ccm  —  0,00o  g
Fbosphorsäure  entspricht,  so  bedeutet  bei  Anwendung  einer  0,6  g  Substanz  entbrechenden ­
  Lösung  1  ccm  Uranlösung  =  1  °/ 0  Phosphorsäure  —;  man  rührt  nach
dem  Zusatz  tüchtE  um  bringt  einen  Tropfen  der  geklärten,  zu  prüfenden  Flüssigkeit
auf  einen  weißen  Porzellanteller  und  daneben  einen  Tropfen  frisch  bereiteter  kon-^Mrierter
  FerrocyankaJiumlösung  oder  einige  Körnchen  des  letzteren  Salzes  und  bettet, ­
  ob  beim  Berühren  der  beiden  Tropfen  bezw.  des  Tropfens  mit  den  Körnchen
Salz  eine  braune  Färbung  oder  Fällung  (Uranferrocyamd)  ein  tritt.  Wenn  nicht,  so  laßt
man  so  hinge  je  0  5  oder  0,2  ccm  Uranlösung  zufließen,  bis  eine  deutliche  Reaktion
indem  man  zuletzt  bis  zum  Kochen  erhitzt.  Jetzt  werden  nochmals  26  ccm
ffcosphorsäurelösung  genommen,  mit  25  ccm  Wasser  verdünnt  mit  10«®«»*;
saurer  Ammonlösung  und  darauf  in  der  Kälte  sofort  bis  auf  0,o  bezw.  0  cc
J er  beim  ersten  Versuch  verbrauchten  Anzahl  ccm  Uranlosung  versetzt;  man  erwärmt
vv ieder  auf  90-100°.  setzt  so  lange  0,1  bis  0,2  ccm  Uranlosung  zu,  bis  die  ent-SP
 r &amp;lt;*hende  Reaktion  mit  Ferrocyankalium  eintritt,  bei  welcher  die  Uranlosung  eingestellt ­
  wurde.  .  .
a  „  .  .  „  „ rQ + pn  95  ccm  mit  essigsaurem  Ammon
.  Anm.  Entsteht  beim  Erwärmen  der  ersten  •  ,
! lne  deutliche  Trübung  von  phosphorsaurem  Eisenoxyd  +  Tonerde,  so  w  die  Be-K
  änlmrsäure  cewichtsanaly  tisch  ausgeführt  (siehe  Bestimm ­


stimn

üng  der  löslichen  Phosphorsäure  gew

Schwache,  nur  opalisierende  Trübungen

kön" IIUlng  4er  un löslichen  Phosphorsäure).
nen  nnter  Umständen  vernachlässigt  werden,
all  bezüglich  der  Ferrocyankaliumlösung  sei  bemerkt,  daß  sie  häufig,  nämlich
bew  |  14  Ta UV  frisch  bereitet  werden  muß,  da  die  Reaktion  bei  längerem  Aufa
  lr °n  der  Lösung  an  Schärfe  verliert.
ode  i Die  maß analytische  Bestimmung  der  Phosphorsäure  mit  Uranacetati
  ü  Ifrannitratlösung  liefert  nur  bei  eisen-  und  tonerdefreien  Phosphaten  einigeren ­
  zuverlässige  und  brauchbare  Ergebnisse  und  findet  daher  heute  kaum  mehr
Wendung.  zum?1  die  sicher ere  gewichtsanalytische  Bestimmung  in  der
esten  Ausbildung  nicht  viel  mehr  Zeit  erfordert,  als  das  maßanalytische  Verfahren.
        <pb n="173" />
        150

Künstliche  Düngemittel.

b)  Gewichtsanalytische  Bestimmung.  Für  die  gewichtsanalytische  Bestimmung ­
  der  Phosphorsäure  sind  zwei  Verfahren,  das  sog.  Molybdän-  und  das
sog.  Zitratverfahren,  und  zwar  sowohl  für  die  Ermittelung  der  wasserlöslichen
wie  wasserunlöslichen  Phosphorsäure  in  Gebrauch.
a)  Molybdänverfahren.  Die  Ausfüllung  der  Phosphorsäure  durch  Ammonmolybdat
  kann  für  alle  Abänderungen  dieses  Verfahrens  nach  folgender  Vorschrift
stattfinden:
25  bezw.  50  ccm  der  kieselsäurefreien  Phosphatlösung  (entsprechend  0,5  g  bezw.
1,0  g  Phosphat)  werden  in  ein  Becherglas  gebracht  und,  falls  die  Lösung  nicht  schon
salpetersauer  ist,  erst  ammoniakalisch,  dann  salpetersauer  gemacht 1 )  und  mit  100  ccm
Molybdänlösung  (auf  0,19  g  Phosphorsäure  nicht  unter  50  ccm  Molybdänlösung,
vergl.  Lösung  No.  9  am  Schluß)  vermischt,  bei  60—70°  3  Stunden *  2 )  lang  im
Wasserbade  behandelt  und  mindestens  3  Stunden  lang  der  Abkühlung  überlassen
und  darauf  filtriert.  Zur  Beschleunigung  der  Bildung  des  Niederschlages  von
phosphormolyhdänsaurem  Ammon  wird  zweckmäßig  etwa  1 / 4  Vol.  der  Mischung  an
Ammoniumnitratlösung  (750  g  in  1  I)  zugesetzt.  Den  Niederschlag  wäscht  man
mittels  wiederholter  Dekantation  im  Becherglase  durch  ein  kleines  Filter  mit  einer
Flüssigkeit,  welche  aus  100  Teilen  der  erwähnten  Molybdänlösung,  20  Teilen  Salpetersäure ­
  von  1,2  spezifischem  Gewicht  und  80  Teilen  Wasser  hergestellt  ist  (Lösung
No.  10),  oder  mit  einer  Ammonnitratlösung  unter  Zusatz  von  etwas  Salpetersäure
(Lösung  No.  11)  aus,  bis  die  Kalkreaktion  vollkommen  verschwunden  ist. 3 )
Der  Trichter  mit  dem  darauf  befindlichen  geringen  Teil  des  gelben  Niederschlages ­
  wird,  nachdem  das  Filter  mit  einer  der  angegebenen  Flüssigkeiten  ebenfalls
vollständig  ausgewaschen  worden  ist,  alsdann  über  das  Becherglas,  in  dem  das  Ausfällen ­
  stattfand,  gebracht,  das  Filter  mit  möglichst  wenig  Ammoniakwasser  (1  Teil
Ammoniak  und  3  Teile  Wasser)  so  lange  behandelt,  bis  sich  der  Niederschlag
vollkommen  gelöst  hat,  und  dann  mit  heißem  Wasser  genügend  (7—-8-mal)  ausgewaschen; ­
  sollte  hierdurch  nicht  genügend  Ammoniak  in  das  darunter  befindliche
Gefäß  zum  Lösen  des  gelben  Niederschlages  gekommen  sein,  so  setzt  man  so  viel
hinzu,  bis  sich  der  Niederschlag  eben  auflöst.  Die  Lösung  muß  vollkommen  klar  sein-In
  der  so  hergestellten  Lösung  geschieht  die  Fällung  der  Phosphorsäure
in  folgender  Weise;
J )  Es  muß  ausdrücklich  hervorgehoben  werden,  daß  man  keine  salzsäurehaltige
Lösung  erst  in  dieser  Weise  behandeln  und  dann  später  bei  80—90°  oder  im  siedenden
Wasserbade  mit  Molybdänlösung  fällen  darf.  Denn  bei  dieser  Temperatur  setzt  sich  das
Chlorammonium  mit  der  Salpetersäure  zu  salpetersaurem  Ammon  und  Salzsäure  um,  es  entstehen ­
  wieder  Salzsäure  bezw.  Königswasser,  welche  lösend  auf  den  Niederschlag  von  phosphormolybdänsaurem ­
  Ammon  wirken  bezw.  die  Bildung  des  Niederschlages  beeinträchtigen-Hat
  man  eine  salzsaure  Lösung  von  Phosphaten  und  will  diese  mit  Molybdänlösung
fällen,  so  muß  man  sie  mehrmals  (2—3-mal)  auf  dem  Wasserbade  mit  Salpetersäure  zur
Trockne  verdampfen,  den  Rückstand  mit  Salpetersäure  aufnehmen,  nötigenfalls  filtrieren  und
erst  diese  Lösung  mit  Molybdänlösung  fällen.
2 )  P.  Wagner  setzt  bei  kieselsäurereichen  Phosphat-Lösungen  (wie  Thomasmehl)
nur  so  lange  ins  Wasserbad,  bis  das  Gemisch  die  Temperatur  von  65°  erreicht  hat.  Dehnt
man  die  Erwärmung  zu  lange  aus,  so  kann  leicht  Kieselsäure  mit  ausgeschieden  werden-Diese
  Mitausscheidung  von  Kieselsäure  erkennt  man  daran,  daß  der  Niederschlag  sich  nur
langsam  löst  und  das  Filtrat  sich  nur  langsam  klärt.
3 )  Die  Prüfung  auf  Kalk  erfolgt  durch  Versetzen  von  1  ccm  des  Waschwassers  ndt
durch  ein  wenig  Schwefelsäure  angesäuertem  Alkohol;  es  darf  hierdurch  keine  Trübung
entstehen.
        <pb n="174" />
        Bestimmung  der  Phosphorsäure.

151

1.  Verfahren  von  H.  Fresenius:  Die  Lösung  wird  mit  Salzsäure  vorsichtig
neutralisiert,  so  daß  sie  nicht  mehr  als  70  ccm  beträgt;  man  setzt  nun  6  8  ccm
Ammoniak  von  0,925  spezifischem  Gewicht  hinzu,  alsdann  nach  dem  Abkühlen
tropfenweise  unter  stetem  Umrühren  20  ccm  Magnesiamixtur  und  schließlich  noch
so  viel  unverdünntes  Ammoniak,  daß  die  Menge  der  im  ganzen  zugesetzten  Ammoniakflüssigkeit ­
  (einschließlich  der  zuerst  zugesetzten)  etwa  1 / i  der  Flüssigkeit  beträgt,
also  gewöhnlich  etwa  20  ccm.
2.  Verfahren  von  M.  Märcker;  Die  warme  ammoniakalische  Lösung  wird
Möglichst  scharf  mit  Salzsäure  neutralisiert,  abgekühlt,  sofort  tropfenweise  mit
20  ccm  einer  nach  Märcker  bereiteten  Magnesiamixtur  (mit  einem  höheren
Ammoniak-  und  Chlorammonium-Gehalt)  ausgefällt  und  mit  25  ccm  einer  o  °/ 0 igen
Ammoniakflüssigkeit  versetzt.
3.  Verfahren  von  P.  Wagner:  Der  Molybdänniederschlag  wird  in  etwa
100  ccm  kaltem,  2  %-igem  Ammoniak  gelöst  und  diese  Lösung  tropfenweise  unter
stetem  Umrühren  mit  15  ccm  Magnesiamixtur  versetzt.
In  allen  Fällen  kann  der  Niederschlag  nach  4-stündigem  Stehen  Fresenius
verlangt  12  Märcker  2  und  Wagner  1—2  Stunden  —  abfiltriert  werden;  derselbe ­
  wird  dann  mit  2 1 / 2  %-iger  Ammoniakflüssigkeit  bis  zum  Verschwinden  der
Chlorreaktion  ausgewaschen,  der  Niederschlag  kurze  Zeit  an  der  Luft  oder  im
Trockenschrank  schwach  getrocknet  oder  auch  direkt  in  einen  Platintiegel  gebracht,
indem  man  das  Filter  oben  zusammenfaltet  und  umgekehrt  mit  der  Spitze  nach
oben  in  den  Tiegel  legt.  Man  erwärmt  anfänglich  bei  bedecktem  Tiegel  mit  kleiner,
etwas  abstehender  Flamme,  nach  dem  Verjagen  der  Feuchtigkeit  unter  Schieflegen  des
Tiegels  etwa  10  Minuten  stärker,  bis  das  Filter  verbrannt  ist,  und  darauf  5  Minuten
im  Gebläse  (oder  auch  in  einer  geeigneten  Glühlampe).
Vielfach  wird  jetzt  auch  vorgezogen,  den  Niederschlag  direkt  durch  einen
durchlöcherten,  mit  ausgeglühtem  Asbestfilter  versehenen  Go  och.sehen  Platintiegel
oder  besser  noch  durch  einen  Neubauer  sehen  Tiegel 1 )  zu  filtrieren,  darin  dire  t

weiter  zu  behandeln  und  zu  glühen.
Für  das  Molybdänverfahren  ist  folgendes  ™  ^eac^^  SO wie  01 .g anigc i ie
1.  Gewisse  Ammonsalzc.  besonders  oxa  sau  ;  i( .  jioiyMänlösung;  freie  Zitronen-Stoffe
  beeinträchtigen  die  Fällung  der  Phosp  io  »&amp;lt;  störend-  P.  Wagner 3 )  sucht  den
säure  wirkt  nach  Tollens  und  v.  Ollech-I  nlc  ,  Bestimmung  der  zitratlöslichen
etwaigen  störenden  Einfluß  des  Ammomumzitrats  b

fl  Beim  „Neubauer-Tiegel“  besteht  die  Filtrierschicht  aus  Platinschwamm;  sollte
djese  Filtrierschicht  in  ihrer  Filtrierfähigkeit  nach  einiger  Zeit  nachlassen,  so  genügt  es
einige  Male  verdünntes  Königswasser  schwach  erwärmt  hindurchzusaugen,  umjeit
Fdtrierfähigkeit  zu  erzielen  Bekommt  die  Filtrierschicht  nach  häufigem  Gebrauche  etwa
®' lsse ,  so  daß  das  Filtrat  trübe  durchgeht,  so  wird  eine  Kleinigkeit,  etwai  0,1  «  1  lat
schwamm  in  Wasser  verteilt  durch  das  Filter  gesaugt  und  nach  dieser  Auffüllung  die
Filtrierschicht  einige  Minuten  in  heller  Weißglut  erhalten;  hierdurch  werden  die  etwa  entstandenen ­
  Poren  geschlossen.  ...  .  lt  ■vr.-.j-,.
L  Der  durch  Fällen  von  Thomasphosphatlösungen  mit  Molybdanlosung  erhaltene  Niedeischlag
  von  Magnesium-Ammoniumphosphat  läßt  sich  häufig  nicht  v  ar  1  urc  1  ?°  f  ..  s  c  b  e
Neubau  er  sehe  Tiegel  filtrieren.  Dieser  Niederschlag  wird  daher  zweckmäßig  auf  ascUe
feiern  Filter  gesammelt,  ausgewaschen,  ^trocknet  zunächst  im  Bunseubreuner  bis  z
vollständigen  Veraschung  der  Filterkohle  und  schließlich  2  Minuten  im  Geblase  oder
Boßler-Ofen  geglüht.
2 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1882,  30,  519.
s )  Chem.-Zeitung  1895,  10,  1420.
        <pb n="175" />
        152

Künstliche  Düngemittel.

Phosphorsäure  durch  Anwendung  einer  an  Ammoniumnitrat  reichen  Molybdänsäurelösung
aufzuheben,  da  Ammoniumnitrat  die  Fällung  begünstigt.
Bei  Gegenwart  von  15  %  Ammonnitrat  genügt  etwa  die  Hälfte  der  sonst  notwendigen
Molybdänlösung  zum  Ausfällen,  auch  fällt  der  Molyhdünsäureniedorschlag  unter  den  oben
angegebenen  Verhältnissen  schneller  und  mit  größerer  Genauigkeit  aus.
2.  Das  Auswaschen  des  Molybdänniederschlages  mit  angesäuerter  Ammonnitratlösung
liefert  vollkommen  genaue  Ergebnisse.  Nach  P.  Wagners  Versuchen  lösen  100  ccm
verdünnte  Molybdänlösung  ebenso  wie  100  ccm  Ammoniumnitratlösung  weniger  als  1  mg
P 2 0 5  aus  dem  Molybdänniederschlag  auf.
3.  Bin  allmähliches  Zufügen  der  Magnesiamixtur  ist  unter  allen  Umständen  geraten, ­
  auch  dann,  wenn  man  die  ammoniakalische  Lösung  des  Molybdänniederschlages
zuvor  durch  Salzsäurezusatz  annähernd  neutralisiert  hat.
4.  Nach  H.  Neub  auer 1 }  können  je  nach  der  Abänderung  des  Molybdänverfahrens  beim
Glühen  des  pyrophosphorsauren  Magnesiums  Verluste  entstehen;  es  sind  dabei  folgende
Fälle  zu  beachten:
a)  Der  Niederschlag  entsteht  in  neutraler  oder  ammoniakalischer  Lösung,  welche
keinen  Magnesiumsalz-Überschuß  enthält.  Die  in  der  Flüssigkeit  vorhandenen  Ammonsalze
bewirken  alsdann,  daß  der  Niederschlag  weniger  Magnesia  enthält,  als  der  normalen
Zusammensetzung  entspricht.  Dann  ist  ein  Teil  der  Phosphorsäure  bei  starker  Glut
flüchtig  und  das  Ergebnis  fällt  zu  niedrig  aus.

Fig.  24.  Apparat  zum  Ausfuhren  des  Niederschlages  hei  Phosphorsäure-Fällungen.

b)  Der  Niederschlag  entsteht  bei  Magnesiumsalz-Überschuß  und  während  seiner
Abscheiduug  ist  niemals  Ammoniak-Überschuß  vorhanden.  Die  Folge  ist,  daß  der  Niederschlag
die  normale  Zusammensetzung  besitzt;  das  Ergebnis  fällt  richtig  aus.
c)  Der  Niederschlag  entsteht  bei  Magnesiumsalz-Überschuß  und  während  seiner  Abscheidung ­
  ist  stets  Ammoniak-Überschuß  vorhanden.  Die  Folge  ist,  daß  der  Niederschlag
mehr  Magnesiumoxyd  enthält,  als  der  normalen  Zusammensetzung  entspricht:  das  Ergebnis
fällt  zu  hoch  aus.
(?)  Zitratverfahren.  Nach  den  Vereinbarungen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen
  i.  D.  ß.  wird  folgenderweise  verfahren:
1.  Zu  50  ccm  der  wässerigen,  salz-,  Salpeter-  oder  schwefelsauren  Lösung,  entsprechend ­
  0,1—0,2  g  Phosphorsäure,  werden  direkt  20  ccm  Zitronensäurelösung
(Lösung  No.  12a)  hinzugefügt,  mit  10°/ 0 -igem  Ammoniak  nahezu  neutralisiert  und
die  hierdurch  erwärmte  Flüssigkeit  abgekühlt.  Sodann  werden  tropfenweise  25  ccm
Magnesiamixtur  hinzugeftigt,  bis  zur  entstehenden  Trübung  gerührt,  1 / s  des  Volumens
10°/ o -iges  Ammoniak  hinzugefügt,  nochmals  einige  Minuten  gerührt  und  am  besten

’)  H.  Neubauer,  Inaugural-Dissertation.  Rostock  1893.
        <pb n="176" />
        Bestimmung  der  Phosphorsaure.

153

10—12  Stunden  stehen  gelassen,  sodann  filtriert,  mit  2  / 0 -i§ em  m
gewaschen,  geglüht  und  gewogen.  w  7W eck-2.
  Oder  statt  Zitronensäure  und  Ammoniak  setzt  man  nach  .  ^  /u
mäßig  50  ccm  fertiger  Zitratlösung  (Lösung  No.  Flüssigkeitein,  rührt
kühlen,  tropfenweise  2o  ccm  Magnesiamixtur  in  &amp;lt;  innerhalb  der  nächsten
30  Minuten  in  einem  Becherglase  aus,  filtriert  so  or  wäscht  wie  oben  mit
2  Stunden  durch  einen  Gooch-  oder  Neuhauer-Tiegel  und  nascht
2%-igem  Ammoniak  aus.  als  p  Stunde
3.  Auch  kann  man  nach  Böttcher  zu  50  cc m  der•nicht  läng  ng
gestandenen  Phosphatlösung  direkt  50  ccm  Zitrat-Mag
No.  12c)  zusetzen  und  wie  unter  1.  verfahren.  .  ,  landw.
Letzteres  Verfahren  Ne.  3  ist  zurzeit  Ve“  ei
Versuchs-Stationen  als  allgemein  empfehlensnt
Anm.  1.  Bei  Fällung  der  Phosphorsäure  nach
dem  Zitratverfahren  geht  stets  etwas  und  um  so  mehr
Kalk  mit  in  den  Niederschlag  über,  je  reicher  ie
Lösung  an  Kalk  ist.  Für  gewöhnlich  hat  indes  dieser
Umstand  keinen  Einfluß  auf  das  Ergebnis,  d.  h.  aut
den  aus  dem  gewogenen  Niederschlag  berechneten
Phosphorsäuregehalt,  weil  dafür  eine  entsprechende
Menge  phosphorsaures  Ammonmagnesium  in  Bosun
Weiht.  Bei  kalkreichen  Düngerlösungen,  wie  z.  ß-Thomasphosphatmehl,
  kann  dieser  Fehler  indes
ein  merklicher  werden,  weshalb  man  solche  Phosphate
zweckmäßig  mit  Schwefelsäure  aufschließt,  wodurch  2£)
ein  großer  Teil  des  Kalkes  als  Gips  ausgeschieden  wird.  rlchtun g  für  Phosphorsäure-Anm.
  2.  Bei  Gegenwart  von  Mangan  findet  Trocuen  NiederscUäge .
man,  wie  A.  Stutzer  angibt,  nach  dem  1 ^ ra
verfahren  etwas  zu  niedrige  Ergebnisse;  dl f e J  Menge  voll  Magnesiamixtur
Fehler  läßt  sich  aber  durch  Zusatz  einer  etwas  -
Vermeiden.  ,  .  Beacht uiig  der  vorstehend  angegebenen
Im  übrigen  ist  das  Zitratverfahren,  unter  .
Gesichtspunkte,  eben  so  einfach  als  zuverlässig.  m äßig  auch  hier  des  Neuhauer-Für
  die  Filtration  bedient  man  sich  sehr  zweckmau  g
sehen  Tiegels.  _  ,  k ann  man  sich  zweckmäßig  der  von
Anm.  3.  Zum  Ausr(ihren  des  Ni® der8n welche  sich  nach  hiesiger  K'^ichtung
K-  Stutzer  angegebenen  Rührvorrichtung  )  tl „itnn‘&amp;gt;'Swassor  treiben  läßt;  Fig.  2  ■
mittels  einer  Lahoratoriumsturbine  durch  Druc F’ eitU " g s 9 ^ tet  z  Wasser-Zufluß,  a  Wasserveranschaulicht
  den  Gebrauch  dieses  Buhrapparat  •  tab  Der  Apparat  wird  auch  in
Abfluß,  B  Becherglas,  g  Glasstab,  k  Kiemme  für  Zufluß . Einr ichtung  angefertigt.
Kreisform  für  12  Bestimmungen  und  mit  sei  angefertigt,  bei  welchem  die  leicht
G -  Fuchst  hat  einen  Eührapparat  ähnliche!  1  welche  die  Bewegung  übertragen,
unwirksam  werdende  Schnur  durch  kleine  Zahnradchen,
ersetzt  ist.  .  ßnoch .  0 der  Neubauer-Tiegel  filtrierten
Anm.  4.  Zum  Vertrocknen  des  nU enbe 8timmungen  von  Phosphorsaure  ler
Niederschlages  kann  mau  sich  besonders  bei  Ma  Diese lbe  besteht  aus  einem  eisernen
obenstehenden  Heizvorrichtung*!  (Fig.  25)  bedienen.
P  Perhardt-Bonn  oder  Jul.  Schäfer-Bonn  bezogen
*)  Die  Vorrichtung  kann  von  G.  G
Werden.
2 )  Chem.-Zeitung  1897,  21,  372.  Fr  Hugershoff  in  Leipzig  au-8
 )  Die  Trockenvorriohtung  wird  von  ei
gefertigt.
        <pb n="177" />
        154

Künstliche  Düngemittel.

Ofen  mit  Eisenplatte,  unter  welcher  ein  Sohlangenhrenner  angebracht  ist.  Auf  die  Eisenplatte ­
  wird  das  Tragegestell  von  Nickel  für  5  Tiegel  aufgesetzt  und  kann  dieses  nach  dem
Ausglühen  des  Niederschlages  direkt  unter  einen  großen  Exsikkator  gesetzt  werden.
3.  Zitronensäurelösliche  Phosphorsäure.  Dieses  Verfahren  kommt  zwar  vorwiegend ­
  nur  für  das  Thomasphosphatmehl  in  Anwendung,  mag  hier  aber  unter  den
allgemeinen  Untersuchungsverfahren  besprochen  werden,  weil  es  auch  für  sonstige
Phosphate  (Boden  usw.)  anwendbar  ist.
Man  verwendet  für  diesen  Zweck  eine  2°/ 0 -ige  Zitronensäure  (vergl.  Lösung
No.  13  a)  und  bewirkt  die  Lösung  im  Rotierapparat  (vergl.  unter  Thomasmehl).
Die  so  erhaltene  Lösung,  die  nach  dem  Schütteln  sofort  oder  innerhalb  der
nächsten  Stunde  filtriert  werden  muß,  kann,  um  den  störenden  Einfluß  von
etwas  vorhandener  gelöster  Kieselsäure  z.  B.  bei  Thoraasphosphatmehl  zu  beseitigen,
nach  verschiedenen  Verfahren  auf  ihren  Gehalt  an  Phosphorsäure  untersucht  werden:
a)  Nach  den  Vereinbarungen  des  Verbandes  Landw.  Versuchs-Stationen
  i.  D.  R.;  „Bei  der  Bestimmung  der  zitronensäurelöslichen
Phosphorsäure  in  Thomasmehlen  ist  nach  dem  von  0.  Kellner  (Chem.-Ztg.
  1902,  26.  1151)  angegebenen  Verfahren 1 )  zu  prüfen,  ob  ein  Thomasmehl ­
  vorliegt,  das,  nach  dem  Verbandsverfahren  —  Verfahren  Böttcher
---untersucht,  ein  unrichtiges  und  zwar  zu  hohes  Untersuchungsergebnis
erwarten  läßt.  Fällt  die  Kellnersche  Reaktion  positiv  aus,  so  ist  vor
Ausfüllung  der  Phosphorsäure  die  Kieselsäure  abzuscheiden  und  dies
im  Untersuchungsbericht  mitzuteilen.
Die  Kieselsäure  ist  wie  folgt  abzuscheiden;
100  ccm  des  zitronensauren  Auszuges  werden  unter  Zusatz  von
7,5  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,12  oder  5  ccm  rauchender
Salzsäure  auf  dem  Wasserbade  zu  einem  nicht  mehr  nach  Salzsäure
riechenden  Sirup  eingedampft;  der  Abdampfrückstand  wird  noch  heiß
mit  1,5—2,0  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,12  gründlich  verrührt ­
  und  mit  so  viel  Wasser  gelöst,  als  zum  Auffüllen  zu  100  ccm  erforderlich ­
  ist;  in  50  ccm  des  Filtrats  wird  die  Phosphorsäure  nach  dem
direkten  Verfahren  bestimmt.“
b)  Durch  direkte  Fällung  mit  Eisen-Magnesia-Mixtur.  Nach
P.  Wagner 2 )  werden  50  ccm  des  Filtrats  (0,5  g  Phosphat  entsprechend)  in  ein  Becherglas ­
  abpipettiert,  dieses  unter  den  Rührapparat  (S.  152)  gebracht  und  letzterer
in  schnelle  Bewegung  gesetzt  (etwa  250—300  Umdrehungen  in  der  Minute).  Ist
dieses  geschehen,  so  fügt  man  50  ccm  Eisen-Zitrat-Magnesiamixtur  (Lösung  12d)
zu  und  rührt  unter  Kühlhaltung  des  Becherglases  (14—18°)  30  Minuten  lang  aus.
Der  entstandene  Niederschlag  wird  dann  sogleich  oder  innerhalb  der  nächsten
2  Stunden  im  Gooch-  oder  Neubauer-Tiegel  gesammelt,  mit  2°/ 0 -igem  Ammoniak
ausgewaschen  und  in  bekannter  Weise  weiter  behandelt.

')  Vorprüfung  nach  0.  Kellner:  50  ccm  des  zitronensauren  Auszuges  werden
mit  60  ccm  ammoniakalisoher  Zitratlösung  ungefähr  eine  Minute  lang  gekocht  und  dann
5—10  Minuten  beiseite  gestellt.  Ist  ein  die  Böttchersche  direkte  Fällung  störender
Gehalt  an  löslicher  Kieselsäure  vorhanden,  so  scheidet  sich  aus  der  Lösung  ein  in  Salzsäure
nicht  vollständig  auflösbarer  Niederschlag  aus.  Als  ammoniakalische  Zitratlösung  ist  die
in  den  Landw.  Versuchs-Stationen  1893,  42,  105  angegebene  zu  verwenden:  1100  g  Zitronensäure, ­
  4000  g  24  °/o-iges  Ammoniak  mit  Wasser  zu  10  1  aufgefüllt.  (Landw.  Versuchs-Stationen
  1904,  60,  220.)
2 )  P.  Wagner,  Die  Bestimmung  der  zitronensäurelöslichen  Phosphorsäure.  Berlin
1903,  104  u.  ff.
        <pb n="178" />
        Bestimmung  der  Phosphorsäure.

155

Die  Fällbarkeit  der  Kieselsäure  in  der  Zitronensäure-Lösung  steigert  sich  von  Stunde
zu  Stunde;  sobald  aus  dem  Zitronensäure-Auszug  die  Phosphorsäure  ausgefällt  ist,  wird
die  Fällbarkeit  der  Kieselsäure  sehr  gering;  die  Fällbarkeit  der  Kieselsäure  soll  vorwiegend ­
  durch  Mangel  an  Bisen  erhöht  werden.
Aus  diesen  Gründen  empfiehlt  P.  Wagner,  genau  nach  der  vorstehenden  Vorschrift
zu  verfahren.
c)  Fällung  mit  Molybdänlösung.  50  ccm  des  Filtrats  werden  in  ein
Becherglas  gebracht  und  mit  80—100  ccm  Molybdänlösung  versetzt.  Die  Mischung
wird  durch  Einstellen  ins  Wasserbad  auf  etwa  66°  erwärmt,  das  Becherglas  alsdann
herausgenommen,  beiseite  gestellt  und  erkalten  gelassen.  Nach  dem  Erkalten  wird
filtriert,  der  Niederschlag  mit  1  %-iger  Salpetersäure  sorgfältig  ausgewaschen  und  in
etwa  100  ccm  (nicht  erwärmtem)  2  0 / 0 -igein  Ammoniak  gelöst.  Die  ammoniakalische
Lösung  wird  unter  beständigem  Umrühren  tropfenweise  mit  15  ccm  Magnesiamixtur
versetzt,  das  Becherglas  mit  einer  Glasscheibe  bedeckt  und  etwa  2  Stunden  stehen
gelassen.  Der  Niederschlag  von  Magnesium-Ammoniumphosphat  wird,  weil  er  sich
durch  einen  Go  och-  oder  Neubauer-Tiegel  nicht  klar  filtrieren  läßt,  auf  einem
aschefreien  Filter  gesammelt  und  wie  sonst  weiter  behandelt.
Anm  Eine  Verunreinigung  des  Molybdän-Niederschlages  mit  Kieselsäure  erkennt
man,  wie  schon  oben  bemerkt',  an  der  langsam  erfolgenden  Auflösung  in  Ammoniak  und
au  der  unklaren  oder  sich  nur  langsam  klärenden  Lösung  des  letzteren.
Wird  die  Lösung  erst  nach  längerem  Stehen  klar,  so  ist  wie  folgt  zu  verfahren;
Mau  fällt  die  ammoniakalische  Lösung  mit  Magnesiamixtur  sammelt  den  Niederschlag  auf
einem  Filter,  setzt  das  Becherglas  unter  den  Trichter,  wascht  das  Filter  mit  etwa  100  ccm
V/o-iger  Salzsäure  aus  und  fügt  dem  Filtrat  unter  Emtropfeln  und  beständigem
Linrühren  20  ccm  einer  Mischung  aus  1  Teil  Magnesiamixtur  und  2  Teilen  20%-igem
Ammoniak  zu  Die  weitere  Behandlung  ist  danu  wie  oben.
d)  Verfahren  von  Naumann. 1 )  100ccm  des  Filtrats  der  Zitronensäure-Lösung
^rden  in  einen  250  ccm-Kolben  gebracht  und,  um  die  Ausscheidung  von  zitronensaurem ­
  Kalk  zu  vermeiden,  mit  8  ccm  konzentrierter  Salpetersaure  versetzt;  die  Losung
wird  bei  anfänglich  kleiner  Flamme  bis  auf  25  ccm  eingekocht  welcher  Zeitpunkt  an
d «n  zeitweise,,  Stoßen  bemerkt  wird,  der  Kolben  vom  Feuer  heruntergenommen  und
abgekuhlt;  zu  dem  Inhalt  gibt  man  alsdann  entweder  nur  25  ccm  konzentrierte
Schwefelsäure  oder  ein  Gemiscli  von  25  ccm  Schwefelsäure  und  o  ccm  konzentrierter
Salpetersäure.  Die  Flüssigkeit  gerät  sofort  unter  Entwickelung  braunroter  Dampfe
wieder  ins  Sieden  und  kann  zur  Abscheidung  der  Kieselsäure  gleich  wieder  an  die
F lamme  gebracht  werden.  Nach  10  Minuten  beginnen  sich  weiße  Dampfe  zu  bilden,
‘He  das  Ende  der  Behandlung  anzeigen.  Nach  dem  Erkalten  der  mit  ausgefälltem
durchsetzten  Flüssigkeit  wird  Wasser  zugegeben  abgekuhlt  schließlich  Ins  zur
Marke  aufgefüllt,  gemischt  und  durch  ein  trocknes  Filter  filtriert  Von  dem  Filtrat
werden  125  ccm  =  0,5  g  Substanz  mit  etwa  35  ccm  konzentriertem  Ammoniak,  weiter
»ach  dem  Abkühlen  mit  50  ccm  24  %-iger  Ammoniumzitrat  osung  und  2cccm  Magnesmnüxtur
  versetzt.  Der  Niederschlag  wird  entweder  stark  ausgeschüttelt  bezw.  ausgerührt.
  sofort  oder  nach  kurzer  Zeit  filtriert  und  in  üblicher  Weise  weiter  behandelt.
e)  Verfahren  von  P.  Wagner  und  E.  Kunze.  Da  eile  durch  Zitronensäure ­
  gelöste  Kieselsäure  sehr  leicht  mit  dem  Niederschlage  von  Magnesmm-Ammon-Phosphat
  mit  ausfällt,  wenn  die  Temperatur  der  Losung  nur  wenig  erhöht  wird,
so  verfahren  Wagner  und  Kunze  nach  einem  weiteren  Vorschläge  zur  Erzielung
richtiger  Ergebnisse  in  der  Weise,  daß  sie  die  Phosphorsäure  mit  zitrathaltiger

x )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  120.
        <pb n="179" />
        156

Künstliche  Düngemittel.

Magnesiamixtur  bei  erhöhter  Temperatur  ausfällen,  den  Niederschlag  wieder  lösen,  die
Kieselsäure  abfiltrieren  und  das  Filtrat  mit  Ammoniak  versetzen.
100  ccm  des  zitronensauren  Thomasmehlauszugs  werden  in  ein  200  ccm-Kölbchen
gebracht  und  mit  50  ccm  Zitratmagnesiamischung  (siehe  Lösung  12  e)  versetzt.  Man
läßt  die  Mischung  ungefähr  5  Minuten  unter  öfterem  Umschwenken  des  Kölbchens
stehen,  stellt  sie  dann  ins  Wasserbad,  fügt  nach  ungefähr  15  Minuten  10  ccm
20  °/ 0 -iger  Salzsäure  zu,  läßt  erkalten,  füllt  mit  Wasser  bis  zur  Marke  auf  und
filtriert.  100  ccm  des  Filtrats  werden  mit  25  ccm  20°/ 0 -igem  Ammoniak  eine  halbe
Stunde  lang  ausgerührt  und  der  Niederschlag  wie  üblich  weiter  behandelt.
Als  Waaserbad  benutzen  Wagner  und  Kunze  ein  aus  verzinktem  Kupferblech
gearbeitetes  rundes  Gefäß  von  36  cm  Durchmesser  und  12  cm  Höhe,  zu  dessen  Erwärmung
auf  etwa  90°  ein  einfacher  Bunsenbrenner  ai\sreicht.  In  dieses  Gefäß  paßt  ein  durchlöchertes
ßlechgestell,  in  welchem  in  kreisförmiger  Anordnung  10  Abteilungen  angebracht  sind.  In
diese  Abteilungen  werden  die  Kölbchen  gestellt.  Das  Gestell,  welches  in  seiner  Mitte  mit
einem  Griff  versehen  ist,  wird  in  das  Wasserbad  getaucht,  nach  15  Minuten  herausgehoben
und  in  ein  gleichgroßes  Kühlbecken  gebracht.
Nach  den  Vereinbarungen  des  Verbandes  1  and  w.  Versuchs-Stationen
im  Deutschen  Reiche  ist  für  die  Bestimmung  der  Phosphorsäure  in  allen
Düngemitteln  (Rohphosphate  vorläufig  ausgeschlossen)  und  zwar  auch
bei  Schiedsanalysen  das  direkte  (Böttchersche)  Zitratverfahren  (vergl.  ß
No.  3  S.  163)  allein  zulässig.  Die  Anwendung  des  Molybdänverfahrens  würde
hiernach  nur  auf  Rohphosphate  beschränkt  bleiben.
4.  Zitratlösliche  Phosphorsäure.  Für  die  Bestimmung  der  zitratlöslichen
Phosphorsäure  sind  zwei  Verfahren  in  Gebrauch:  das  von  P.  Wagner  und  das  von
A.  Petermann.  Beide  unterscheiden  sich  in  etwas  durch  die  Verschiedenheit  der
Zitratlösung.
a)  Verfahren  von  P.  Wagner.  5  g  des  zu  untersuchenden  Düngers
(Superphosphat  oder  Präzipitat)  werden  mit  verdünnter  Wagner  scher  Zitratlösung
(Lösung  13ha)  unter  Abschlämmen  fein  zerrieben,  in  eine  Halbliterflasche  gespült
und  mit  verdünnter  Zitratlösung  bis  zur  Marke  aufgefüllt.  Die  Mischung  bleibt  dann
bei  13—18°  Zimmertemperatur  entweder  unter  öfterem  Umschütteln  etwa  18  Stunden
stehen  oder  wird  in  einem  Rotier-  oder  Schüttelapparat  30  Minuten  geschüttelt;
beide  Behandlungsweisen  liefern  gleiche  Ergebnisse.  Von  dem  Filtrat  werden  50  ccm
mit  so  viel  Molybdänlösung  (Lösung  No.  9  am  Schluß)  versetzt,  daß  auf  1  mg
P 2  0 5  1  ccm  Molybdänlösung  kommt,  und  dann,  wie  vorstehend  angegeben  ist,  weiter
behandelt.
b)  Verfahren  von  Petermann.  Superphosphate  und  Präzipitate  werden
nach  diesem  Verfahren  verschieden  behandelt.
a)  Superphosphate.  Von  mehr  als  10°/ 0  Phosphorsäure  enthaltenden
Superphosphaten  werden  2,5  g,  von  weniger  als  10  °/ 0  Phosphorsäure  enthaltenden
Superphosphaten  und  zusammengesetzten  Düngern  werden  5  g  in  einem  kleinen
Glasmörser  zuerst  trocken,  dann  nach  Zusatz  von  20—25  ccm  Wasser  innig  verrieben, ­
  die  Flüssigkeit  auf  ein  Filter  dekantiert  und  in  einen  250  ccm-Kolben
filtriert;  der  Rückstand  im  Mörser  wird  noch  3-mal  in  derselben  Weise  behandelt,
dann  selbst  auf  das  Filter  gebracht  und  so  lange  mittels  Wassers  ausgewaschen,  bis
das  Filtrat  etwa  200  ccm  beträgt.  In  50  ccm  des  mit  Salpetersäure  angesäuerten
und  auf  250  ccm  aufgefüllten  und  gemischten  Filtrates  kann  man  die  wasserlösliche ­
  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdän-  oder  Zitratverfahren  bestimmen.  Der
Rückstand  dagegen  wird  samt  Filter  in  einen  250  ccm-Kolben  gebracht  und  darin
mit  100  ccm  Petermannscher  Zitratlösung  (Lösung  No.  13b/?)  so  lange  geschüttelt,
        <pb n="180" />
        Bestimmung  des  Kalis.

157

bis  das  Papier  vollständig  zerteilt  ist;  darauf  läßt  man  lo  Stunden  bei  Zimmertemperatur
und  l  Stunde  im  Wasserbade  bei  40»  einwirken,  füllt  nach  dem  Erkalten  mit  Wasser
bis  zur  Marke  auf  und  filtriert.  Auch  von  diesem  Filtrat  dienen  60  ccm  zur  Bestimmung ­
  der  Phosphorsäure  (also  der  zitratloslichen)  nach  dem  M  oh  x  an  oc  e
Zitratverfahren.  WE  man  wasserlösliche  und  zitratlösliche  PJosphnrsaure  = men
d.  h.  die  Summe  beider  bestimmen,  so  kann  man  auch  50  ,
_  .  t  i  rlpr  Verfahren  weiter  Denanclein.
zweiten  Filtrats  vereinigen  und  naejunern^  ^  ^  10Q  ccm  derLösung
ß)  Präzipitate.  \  on  Id ^ ip  ‘.  -  n  2 50  ccm-KoIben  gespült,  die  Mischung
(Idb  /S)  in  einer  Reibschale  zerrieben,’  in  "  "fiter  Umschütteln  stehen  gelassen,
?  ni  alls  15  Stunden  bei  ™"’ er  ,  ,  lt  nae i,  dem  Erkalten  bis  zur  Marke  auf-1
  Stunde  im  Wasserbade  bei  40  hehandel  ,  konzentrierter
gefüllt  und  filtriert.  Von  dem  Filtrat  werden  oO  ccm  mit  1  c
Salpetersäure  gekocht  und  die  Phosphorsäure  entwedernach^de  ”  M ^yl^  oder
neutralisiert,  mit  15  ccm  Zitratlosung  •  •  tur  versetzt  und  durch
Gewicht,  sowie  weiter  tropfenweise  mit  25  ccm  Magnesiamixtur  versetzt  und  durch
x / 2 -stündiges  Rühren  ausgefällt.

D.  Kalibestimmung.
Zur  Bestimmung  des  Kalis  in  den  Düngemitteln  sind  jetzt  mehrere  Verfahren
xn  Gebrauch.
1.  Bestimmung  des  Kalis  als  Kaliiimplatinchlorid,  bezw.  in  Form  des  hieraus
abgeschiedenen  Platins.  Zur  Bestimmung  des  Kalis  in  DUngerlösungen  als  Kalium-Platinchlorid
  muß  erst  die  Schwefelsäure  und  Phosphorsäure  entfernt  werden.  Die
Salzsäure  kalihaltige  Lösung  wird  dieserhalb  zum  Kochen  erhitzt,  zunächst  behufs
Abscheidung  der  Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum  versetzt,  erkalten  und  absitzen
gelassen,  filtriert  und  ausgewaschen.  Das  Filtrat  wird  erhitzt,  bei  Vorhandensein  von
viel  Phosphorsäure  mit  Eisenchlorid  versetzt,  ammoniakalisch  gemacht  und  so  lange
'üit  Ammonkarbonatlösung  versetzt,  als  eine  Fällung  entsteht.^  Nachdem  sich  die
Flüssigkeit  geklärt  hat,  wird  filtriert,  ausgewaschen  und  das  liltrat  nebst  Waschwasser ­
  in  Ermangelung  von  großen  geräumigen  Platinsohalen  in  einer  gut  glasierten
Porzellanschale  auf  dem  Wasserhade  zur  Trockne  verdampft.  Im  übrigen  verfährt
®ün  in  derselben  Weise,  wie  unter  Boden  S.  29  angegeben  worden  ist.
Faßhänder  empfiehlt,  das  durch  Reduktion  mit  ameisensaurem  Natrium  aus
^ e &amp;gt;n  Kaliumplatinchlorid  erhaltene  Platin  zu  wägen.
J.  H  Vogel  und  H  Häfcke 1 )  versetzen  nach  dem  Eindampfen  von  50  ccm
d er  wässerigen  Lösung  =  1  g  Substanz  zur  Abscheidung  von  Kalk  und  Magnesia
20  ccm  neutralem  kohlensaurem  Ammon,  filtrieren  nach  12-stündigem  Stehen,
waschen  mit  10—15  ccm  des  Fällungsmittels  aus  und  dampfen  das  Filtrat  nach
Zusatz  von  sehr  wenig  konzentrierter  Schwefelsäure  zm  Trockne  ein.  Aus  dem
Trockenrückstand  werden  die  Ammonsalze  durch  Glühen  vertrieben;  der  Rückstand
wird  mit  heißem  Wasser  aufgenommen  und  durch  ein  kleines  Filter  in  eine  gut
glasierte,  glatte  Porzellanschale  filtriert.  Das  Filtrat  wird  nach  Zusatz  von  einigen
Tropfen  Salzsäure  mit  Platinchlorid  verdampft,  bis  die  zähflüssige  Masse  beim
Erkalten  erstarrt  und  nicht  mehr  nach  Salzsäure  riecht.  Nach  dem  völligen
Erkalten  wird  die  Kristallmasse  mit  20-25  ccm  eines  Gemisches  von  2  Teilen
absolutem  Alkohol  und  1  Teil  Äther  übergossen,  mit  Hilfe  eines  kleinen  Achat-J

 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1896,  47,  97
        <pb n="181" />
        158

Künstliche  Düngemittel.

pistills  fein  zerrieben  und  nach  15  Minuten  langem  Stehen  filtriert.  Zur  Filtration
dienen  gut  glasierte  Porzellantiegel  mit  Siebboden  nach  Gooch,  welche  ein  Asbestfilter ­
  haben.  Der  Niederschlag  wird  mit  Äther-Alkohol  ausgewaschen,  bis  das  Filtrat
farblos  abläuft,  dann  getrocknet  und  das  Kaliumplatinchlorid  im  Wasserstoffstrom
reduziert.  Durch  Auswaschen  mit  heißem  Wasser  wird  das  vorhandene  Natriumsulfat ­
  und  Chlorkalium  entfernt;  das  reduzierte  Platin  bleibt  zurück,  welches
nach  dem  Trocknen  und  Glühen  gewogen  werden  kann.
Dieses  Verfahren  eignet  sich  sehr  gut  zur  Bestimmung  des  Kalis  in  organischen
Stoffen,  indem  dazu  die  nach  dem  Kjeldahl-Verfahren  erhaltene  schwefelsaure
Lösung  verwendet  werden  kann;  es  werden  so  die  bei  der  Veraschung  unvermeidlichen ­
  Verluste  an  Kali  vermieden.
Neubauer  hat  das  alte  Fink  euer  sehe  Verfahren,  nach  dem  das  metallisch
abgeschiedene  Platin  gewogen  wird,  in  folgender  Form  empfohlen: 1 )
Von  der  in  der  üblichen  Weise  hergestellten  wässerigen  Lösung  des  Kalisalzes
werden  25  ccm  entsprechend  0,5  g  Substanz  direkt  mit  einigen  Tropfen  Salzsäure  und
so  viel  Platinchloridlösung  eingedampft,  daß  nach  Bildung  des  Kaliumdoppelsalzes
noch  ein  kleiner  Überschuß  bleibt.  1  las  Eindampfen  geschieht  in  einer  gut  glasierten,
geräumigen  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  und  wird  so  weit  fortgesetzt,  bis
eine  merkliche  Verflüchtigung  nicht  mehr  stattfindet.  Man  läßt  erkalten,  durchfeuchtet ­
  die  Masse  mit  etwa  1  ccm  Wasser  und  zerreibt  sie  sehr  sorgfältig  mit
einem  am  Ende  breitgedrückten  Glasstab.  Man  setzt  alsdann  mindestens  30  ccm
käuflichen  Alkohol  (von  etwa  93—96  Volumprozent)  in  Mengen  von  je  etwa  10  ccm
zu  und  verreibt  nach  jedesmaligem  Zusatz  gründlich  mit  dem  Glasstab.  Bei  Anwesenheit ­
  von  viel  Natrium-  und  Magnesiumsulfat  nimmt  die  Salzmasse  zunächst
eine  weiche,  käsige  Beschaffenheit  an,  wird  aber  schließlich  hart  und  kristallinisch.
Man  läßt  die  Schale  bedeckt  etwa  1 / 4  Stunde  lang  stehen  und  reibt  von  Zeit  zu  Zeit
den  Niederschlag  durch.  Sodann  filtriert  man  durch  ein  in  einem  Goochschen  Platintiegel ­
  befindliches  Asbestfilter,  indem  man  die  Flüssigkeit  möglichst  dekantiert  und
mit  unverdünntem  Alkohol  unter  gehörigem  Verreiben  mit  dem  Glasstab  gründlich
auswäscht.  Man  spült  die  gesamte  Salzmasse  mit  Alkohol  in  den  Tiegel,  verdrängt
die  letzten  Reste  Alkohol  durch  Aufgießen  von  etwas  Äther,  den  man  durch  rasches
Durchsaugen  von  Luft  verdunsten  läßt.  Man  erhitzt  das  Kaliumplatinchlorid  nebst
den  noch  vorhandenen  anderen  Salzen  gelinde  im  Strom  eines  reduzierenden  Gases,
und  zwar  kann  man  sich  statt  des  Wasserstoffgases  auch  des  Leuchtgases  bedienen.
Man  leitet  das  Gas  in  nicht  zu  schwachem  Strom  durch  einen  durchbohrten  Deckel
in  den  Tiegel.  Um  den  Gasstrom  regeln  zu  können,  verbindet  man  den  Zuleitungsschlauch ­
  mit  einer  mit  etwas  Wasser  beschickten  Gas  waschflasche.  Nachdem
der  Gashahn  richtig  eingestellt  ist,  entfernt  man  die  Flasche  wieder,  leitet  das
Gas  direkt  in  den  Tiegel  und  kann  nun  unverzüglich  mit  dem  Erhitzen  beginnen. ­
  Man  erwärmt  zunächst  mit  ganz  kleiner  Flamme,  weil  sonst  leicht  durch
Dekrepitation  der  Kristalle  und  durch  die  Salzsäureentwickelung  gerade  zu  Anfang
Platinteilchen  emporgewirbelt  werden  und  dadurch  Verluste  entstehen  können.  Nach
etwa  6  Minuten  vergrößert  man  die  Flamme  ein  wenig,  so  daß  der  Boden  des  Tiegels
(also  der  angesetzte  Platinschuh)  in  der  Mitte  nur  eben  sichtbare,  ganz  dunkle  Rotglut ­
  zeigt.  In  diesem  Zustande  läßt  man  den  Tiegel  mindestens  20  Minuten,  stellt
dann  das  Gas  ab,  läßt  den  Tiegel  erkalten,  befeuchtet  den  Inhalt  zunächst  mit
kaltem  Wasser,  saugt  sodann  etwa  15-mal  heißes  Wasser  durch,  bis  die  leicht
!)  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1900,  39,  481  und  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,
51,  38;  1902,  50,  37;  1902,  57,  11  u.  461.
        <pb n="182" />
        Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde,  Mangan,  Kalk  und  Magnesia.

159

löslichen  Salze  völlig  ausgewaschen  sind,  füllt  den  Tiegel  mit  5  %-iger  Salpetersäure
voll  und  läßt  diese,  ohne  zu  saugen,  mindestens  1 j 2  Stunde  lang  einwirken,  indem
Dian  von  Zeit  zu  Zeit  immer  wieder  etwas  nachgiefit.  Sodann  saugt  man  die  Säure
a, J,  wäscht  gründlich  mit  heißem  Wasser  nach,  trocknet  und  glüht  das  erhaltene
Hatin.  Das  Gewicht  ergibt,  mit  0,481  multipliziert,  die  entsprechende  Gewichtsmenge ­
  Kaliumoxyd  (K.,0).  Es  empfiehlt  sich,  besonders  bei  Anwesenheit  von  viel
Calciurasulfat,  die  Behandlung  mit  Salpetersäure  nochmals  zu  wiederholen,  um  ganz
sicher  zu  sein,  daß  alle  Salze  vollständig  entfernt  sind.
M.  Fasson 1 )  gibt  ein  vereinfachtes  Verfahren  zur  schnellen  Bestimmung  des  Kalis
im  Kainit  und  dem  40  ®Jo~igen  Düngesalz  an,  worauf  hier  nur  verwiesen  werden  mag.
2.  Bestimmung  des  Kalls  als  überchlorsaures  Kalium.  Bei  der  Bestimmung
des  Kalis  mittels  Überchlorsäure  in  Kalisalzen  wird  nach  einer  Mitteilung
des  Syndikates  der  Kaliwerke  an  den  Verein  deutscher  Düngerfabrikanten 2 )  wie
folgt  verfahren;  13,455  g  der  fein  zerriebenen  Kalisalze  werden  unter  Zusatz  von
3’—4  ccm  salzsäurehaltiger  Chlorbaryumlösung  zu  500  ccm  aufgelöst.  20  ccra !i )  des
Filtrates  (=  0.5382  g  Salz)  werden  in  einer  flachen  Glas-  oder  Porzellanschale  von
etwa  10  cm  Durchmesser  mit  der  D/^-fachen  Menge  der  zur  Zersetzung  aller  Salze
nötigen  Überchlorsäure 4 )  (durchweg  5  ccm  einer  20  %-igen  Lösung  von  Überchlorsäure)
auf  dem  Wasserbade  eingedampft,  bis  der  Geruch  nach  Salzsäure  verschwunden
ist  und  sich  weiße  Nebel  von  Uberchlorsäure  entwickeln.  Der  erkaltete  Rückstand
V'ird  alsdann  mit  15  ccm  96  °/ 0 -igem  Alkohol,  dem  0,2  °/ 0  Überchlorsäure  zugesetzt
ist,  verrieben,  absitzen  gelassen,  die  Flüssigkeit  durch  einen  Neubauer-Tiegel
filtriert,  der  Rückstand  von  Kaliumperchlorat  noch  2-mal  in  derselben  Weise  behandelt. ­
  dann  erst  das  Perchlorat  ganz  in  den  Tiegel  gebracht  und  mit  0,3  %
Überchlorsäure  enthaltendem  Alkohol  ausgewaschen.  Schließlich  wird  der  Niederschlag
  mit  möglichst  wenig  reinem  Alkohol  —  das  Filtrat  soll  höchstens  75  ccm
betragen  —  zur  Verdrängung  der  Überchlorsäure  abgespritzt,  etwa  ü 2  Stunde  bei
1-0—130°  getrocknet  und  gewogen.  —  1  mg  Kaliumperchlorat  0,1  °/ 0  Kaliumchlorid
  =  0,0632  %  Kali. 5 )  Oder  1  Teil  KC10 4  =  0,638  Teile  KCl  =  0,629  Teile
K 2 S0 4  =  0,340  Teile  K„0.
Bezüglich  der  übrigen  in  der  Staßfurter  Kaliindustrie  gebräuchlichen  Untersuchungsverfahren ­
  muß  auf  die  Literatur«)  verwiesen  werden.
E  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde,  Mangan,  Kalk  und  Magnesia.
Die  Bestimmung  des  Eisenoxyds  und  der  Tonerde,  sowie  des  Mangans,
Kalkes  und  der  Magnesia  in  den  Phosphaten  kann  wie  hei  Boden  S.  24-28
oder  wie  in  der  Pflanzenasche  (siehe  diese)  vorgenommen  werden.  W  eil  aber  hier  der
Überschuß  an  Phosphorsäure  gegenüber  dem  Gehalt  an  Eisenoxyd  und  Tonerde  störend
')  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1902,  1263.  ...  ,
a )  Methoden  z.  Untersuchung  d.  Kunstdüngemittel.  Berlin  (Weidmannsche  Buchhandlung)
  1903  21
3 )  Hat  man  mehr  als  20  ccm  Lösung  (entsprechend  0,5  g  Substanz)  angewendet,  so
verdampft  man  letztere  erst  bis  auf  20  com.
4 )  Vom  Salzbergwerk  Neustaßfurt  bei  Löderburg  zu  beziehen.
T  ,  5 )  Der  V.  intern,  Kongreß  f.  angew.  Chemie  hat  die  Bestimmung  mit  Überchlorsaure
ud  Platinchlorid  für  zulässig  erklärt.  Auch  A.  Aumann  (Landw.  Versuchs-Stationei.  1904,
,f0 -  231)  hat  damit  sehr  günstige  Ergebnisse  erzielt,  die  wir  bestätigen  können.
1K QO  6)  V '  üruber,  Zeitschr.  f  angew,  Chemie  1895,  510;  Lunge  Untersuchungsmethoden
J 8 "-  L  154  und  Methoden  z.  Unters,  d.  Kunstdüngemittel.  Berlin  (Weidmannsche  Buchhandlung) ­
  1903.
        <pb n="183" />
        160

Künstliche  Düngemittel.

wirkt  und  der  durch  Natrium-  oder  Ammoniumazetat  erhaltene  Niederschlg  wiederholt
(wenigstens  1-inal)  wieder  gelöst,  nochmals  gefällt  und  das  zweite  Filtrat  mit  dem
ersten  vereinigt  und  eingedunstet  werden  muH,  so  hat  man  für  die  Bestimmung
vorstehender  Bestandteile  abgekürztere  und  doch  genügend  sichere  Verfahren
ausgearbeitet.
1.  Verfahren  von  E.  Glaser 1 )  zur  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde  und
Kalk.  5  g  Phosphat  werden  in  bekannter  Weise  in  25  ccm  Salpetersäure  von
1,2  spez.  Gewicht  sowie  in  etwa  12,5  ccm  Salzsäure  von  1,12  spez.  Gewicht  gelöst
und  auf  500  ccm  gebracht.  100  ccm  Filtrat  (=  1  g  Substanz)  werden  in  einen  Kolben
von  260  ccm  gegeben  und  dazu  25  ccm  Schwefelsäure  von  1,84  spez.  Gewicht  gesetzt.
Man  läßt  den  Kolben  etwa  fünf  Minuten  stehen  und  schüttelt  ihn  einige  Male,
setzt  dann  etwa  100  ccm  95  °/ 0 -igen  Alkohol  zu  und  kühlt  den  Kolben  ab,  füllt  mit
Alkohol  bis  zur  Marke  auf  und  schüttelt  gut  durch.  Hierbei  findet  Kontraktion
statt.  Man  lüftet  den  Stöpsel,  füllt  abermals  mit  Alkohol  bis  zur  Marke  auf
und  schüttelt  von  neuem.  Nach  halbstündigem  Stehen  wird  filtriert.  100  ccm
Filtrat  (=  0,4  g  Substanz)  werden  in  einer  Platinschale  eingedampft,  bis  der  Alkohol
entfernt  ist.  Die  alkoholfreie  Lösung  wird  in  einem  Becherglase  mit  etwa  50  ccm
Wasser  versetzt  und  zum  Kochen  erhitzt.  Man  setzt  zu  der  Lösung  Ammoniak  bis
zur  alkalischen  Reaktion,  aber,  um  ein  zu  starkes  Aufbrausen  zu  vermeiden,  nicht
während  des  Kochens.
Das  überschüssige  Ammoniak  wird  weggekocht.  Man  läßt  erkalten,  filtriert
ab,  wäscht  mit  warmem  Wasser  aus,  glüht  und  wägt  phosphorsaures  Eisenoxyd  plus
phosphorsaure  Tonerde.  Die  Hälfte  des  ermittelten  Gewichtes  nimmt  man  als  aus
Fe 2  0,  +  Al 2  Ojj  bestehend  an.
Das  Glasersche  Verfahren,  welches  sich  in  l 1 /^—2  Stunden  ausflihren  läßt,
liefert  unter  gewöhnlichen  Verhältnissen  genügend  richtige  Ergebnisse;  nur  in  Streitfällen ­
  soll  es  nach  den  Vereinbarungen  des  Vereins  deutscher  Düngerfabrikanten
durch  das  folgende  Jones  sehe  Verfahren  ersetzt  werden.
2.  Verfahren  von  R.  Jones *  2 )  zur  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde  und  Kalk.
10  g  Substanz  werden  mit  25  ccm  Salzsäure  gelöst  und  zu  500  ccm  aufgefüllt.
50  ccm  dieser  Lösung  =  1  g  Substanz  werden  in  einem  Becherglase  zur  Hälfte
eingedampft,  noch  heiß  mit  10  ccm  Schwefelsäure  (1  Teil  konzentrierte  Schwefelsäure ­
  zu  5  Teilen  Wasser)  versetzt,  umgerührt,  150  ccm  absoluter  Alkohol
zugesetzt  und  nochmals  gemischt.  Nach  3  Stunden  wird  der  Schwefelsäure  Kalk
auf  einem  Filter  gesammelt  und  mit  absolutem  Alkohol  ausgewaschen.  Man
filtriert  alsdann  in  einen  Erlenmeyer-Kolhen  von  400  bis  500  ccm  Inhalt
und  wäscht  so  lange  aus,  bis  die  letzten  10  Tropfen,  mit  dem  gleichen  Volumen
Wasser  verdünnt,  durch  einen  Tropfen  Methylorangelösung  nicht  mehr  gerötet ­
  werden.  Eine  Wasserluftpumpe  leistet  beim  Auswaschen  gute  Dienste.
Von  dem  Inhalt  des  Kolbens  wird  der  Alkohol  abdestilliert.  Der  Destillationsrückstand
  wird  in  ein  Becherglas  gespült,  hei  Anwesenheit  von  organischen  Stoffen
mit  Brom-Salzsäure  oxydiert,  mit  Ammoniak  schwach  übersättigt  und  darauf  erhitzt,
bis  alles  überschüssige  Ammoniak  verjagt  ist.  Das  letztere  ist  wesentlich,  da  sich
sonst  Magnesia  dem  Eisenphosphatniederschlage  beimischt.  Der  Niederschlag  wird
filtriert,  die  am  Glase  haftenden  Reste  mittels  Wischers  und  kalten  Wassers  auf
das  Filter  gebracht,  das  Filter  viermal  mit  kochendem  Wasser  ausgewaschen,  ohne
daß  der  Niederschlag  aufgerührt  wird.  Auf  diese  Weise  erhält  man  stets  klare
Filtrate.  W’er  noch  sicherer  gehen  will,  kann  nach  dem  Vorschläge  von  Fresenius
x )  Zeitschr.  f.  angewandte  Chemie  1889,  636
2 )  Methoden  zur  Untersuchung  der  Kunstdüngemittel.  Berlin  1903,  9.
        <pb n="184" />
        161

Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde,  Mangan,  Kalk  und  Magnesia.

\\  aschwasser  etwas  salpetersaures  Ammoniak  zusetzen,  welches  selbstverständlich
m cht  sauer  sein  darf.  Der  Niederschlag  wird  geglüht  und  gewogen.
1  Auch  für  diesen  Niederschlag  (Eisen-Aluminiumphosphat)  nimmt  man  die  Hälfte
(e s  Gewichtes  als  aus  Eisenoxyd  +  Tonerde  bestehend  an.  Ist  eine  genaue  getrennte ­
  Bestimmung  der  drei  Bestandteile  erwünscht,  so  nimmt  man  von  Anfang
zweckmäßig  3-mal  je  50  ccm,  behandelt  jede  Probe  für  sich,  wie  oben  angegeben,  bestimmt ­
  in  der  einen  Probe  die  Gesamtmenge  von  Phosphorsäure  +  Tonerde  -f-  Eisen-^yd,
  den  Niederschlag  der  2.ten  Probe  löst  man  in  Salpetersäure  und  bestimmt
ar in  die  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdänverfahren,  in  der  S.ten  Probe  reduziert
man  nach  dem  Auflösen  des  Niederschlages  in  Schwefelsäure  das  Eisenoxyd  mittels
chemisch  reinen  Zinks  usw.  (S.  19) 1 )  zu  Eisenoxydul  und  titriert  mit  Kaliumpermanganat-Lösung ­
  von  bekanntem  Gehalt;  durch  Abzug  der  ermittelten  Menge  Phosphors.lure
  und  Eisenoxyd  vom  Gesamt-Niederschlage  erhält  man  die  Menge  Tonerde.
a  a her  der  Niederschlag  der  Sesquioxyde  auch  etwa  vorhandenes  Mangan  mit  einschließt, ­
  so  muß  dieses  für  sich  bestimmt  (vergl.  No.  5)  und  von  der  Gesamtmenge
(er  berechneten  Sesquioxyde  in  Abzug  gebracht  werden.
Zur  gleichzeitigen  quantitativen  Bestimmung  des  Kalkes  bringt  man
J  as  vorhin  abgeschiedene  und  ausgewaschene  Calciumsulfat  in  eine  Platinschale,
mgt  das  Filter  darauf,  brennt  den  Spiritus  weg  und  glüht  bei  mäßiger  Flamme  bis
ZUm  beständigen  Gewicht.
Die  Magnesia  dagegen  fällt  man  in  dem  Filtrat  des  Eisen-Aluminium-Phosphatniederschlages
  durch  Zusatz  von  Ammoniak  und  nötigenfalls  phosphorsaurem
Natrium,  läßt  12  Stunden  stehen  und  verfährt  wie  bekannt.
.  3.  Verfahren  von  H.  Lasne 2 )  zur  Bestimmung  der  Tonerde.  Lasne  schlägt  zur
^©Stimmung  der  Tonerde  in  den  Phosphaten  die  Fällung  der  noch  mit  überschüssiger
bosphorsäure  versetzten  Phosphatlösung  mit  Natronlauge  in  Nickelgefäßen  und  ein
inständiges  Erwärmen  des  Gemisches  bei  100°  vor,  wodurch  Tonerdephosphat  gelöst
'ynd;  in  dem  Filtrat  wird  dann  das  Tonerdephosphat  durch  Zusatz  von  Ammoniak  und
nimoniumacetat  oder  statt  letzterer  besser  mit  Ammoniumhyposulfit  gefällt,  der
jiederschlag  nach  dem  Trocknen  und  Glühen  zuletzt  im  Gebläse  geglüht  und  zur
Berechnung  der  Tonerde  mit  0,418  multipliziert.  Die  verwendete  Natronlauge  muß
Se  bstverständlich  frei  von  Tonerde  sein,  was  selten  der  Fall  ist.
p  *•  Verfahren  von  Hollemaun 3 )  zur  Bestimmung  des  Kalkes.  50  ccm  (=  1  g
r.b ( jsphat)  einer  salzsauren  Lösung  werden  stark  eingeengt,  mit  20  ccm  neutraler
f-ahumoxalatlösung  (1  :3)  versetzt  und  auf  dem  Wasserbade  unter  Umrühren  behandelt, ­
  bis  der  Niederschlag  rein  weiß  erscheint  und  keine  Klümpchen  mehr  ent-J

 )  Statt  dieses  Eeduktionsverfahrens  kann  auch  das  von  M.  Hauffe  (Chem.-Zeitung
21,  894)  augewendet  werden.  Mau  versetzt  die  saure  Lösung,  die  von  organischen
«offen  durch  Brom-Salzsäure  usw.  befreit  ist,  mit  einem  schwachen  Überschuß  von  Zinn-;
 Q1 °rür  (verdünnte  Lösung),  zerstört  den  geringen  Uberschuß  von  Zmnchlorür  durch  Zusatz
2  JO«  ccm  Quecksilberchlorid  (kalt  gesättige  Lösung),  setzt  weiter  60-100  ccm  Mangan-“jatlösung
  (100  g  kristallisiertes  Mangansulfat  in  1300  ccm  Wasser  gelöst  und  mit  200  ccm
1  Schwefelsäure  von  1  84  spezifischem  Gewicht  versetzt)  zu,  kühlt  rasch  ab,  verdünnt  mit
;/  Wi «scr  und  titriert  wie  üblich  Morgan  schlägt  (Chem.-Zeitung  1901,  25,  Kep.  275)
2  Vl hnellen  Reduktion  des  Eisenoxyds  Zinkkupfer  vor;  8  g  granuliertes  Zink  werden
Minuten  in  eine  10»/„ige  Kupfersulfatlösung  eingetaucht  und  das  so  gebildete  Zmk-Ka
 Pler  in  die  Eisenoxydlösung  gebracht;  die  Reduktion  soll  dann  nach  10  Minuten  beendet
Sein  (vergl,  S.  19).
)  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1897,  276.
)  Chem.-Ztg.  1892,  16,  1471.

Land'

wirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

11
        <pb n="185" />
        162  Künstliche  Düngemittel.

hält,  was  meistens  nach  10  Minuten  erreicht  ist;  man  filtriert,  wäscht  mit  heißem
Wasser  aus,  bis  das  Filtrat  oxalsäurefrei  ist,  löst  das  Calciumoxalat  in  Salzsäure,
engt  diese  Lösung  auf  25  ccm  ein,  fügt  10  ccm  Schwefelsäure  (1;  5)  und  150  ccm
96  °/ 0 -igen  Alkohol  hinzu,  filtriert  nach  3  Stunden  und  wägt  den  Kalk  als
Calciumsulfat.
5.  Bestimmung  des  Mangans. 1 )  Das  Verfahren  beruht  auf  der  Umsetzung;
3  Mn  Cl 2  -(-  2  K  Mn  0^.  -j-  2  Zn  0  =  2  K  CI  -j-  5  Mn  0 2  -j-  2  Zn  Cl 2
und  wird  wie  folgt  ausgeführt:  10  g  Phosphat  werden  unter  Zusatz  von  chlorsaurera
Kalium  mit  Salzsäure  erhitzt  und  nach  Entfernung  des  Chlors  durch  Kochen  auf  1  1
aufgefüllt.  200  ccm  der  durch  Schütteln  gemischten,  nicht  filtrierten  Lösung  werden  in
einem  Erlenmeyer-Kolben  von  etwa  800  ccm  Inhalt  zur  Bindung  der  Phosphorsäure
an  Eisen  mit  100  ccm  der  oben  erwähnten  Eisenlösung  versetzt  und  bis  zum  Kochen
erhitzt,  darauf  wird  so  lange  Zinkoxyd  hinzugefügt,  bis  1  Tropfen  der  Lösung  durch
1  Tropfen  Rhodankalium  nicht  mehr  gerötet  wird.  Die  heiße  Lösung  wird  alsdann
nach  Volhard-Wolff  so  lange  unter  häufigem  Schwenken  mit  Kaliumpermanganat
von  bekanntem  Gehalt  titriert,  bis  die  über  dem  Niederschlage  stehende  Flüssigkeit ­
  rosa  gefärbt  ist.  Man  beobachtet  nach  jedem  Zusatze  der  Kaliumpermanganatlösung ­
  die  nach  kurzer  Zeit  entstehende  klare  obere  Schicht  bei  durchfallendem  Lichte.
Da  die  Eisenlösung  und  das  Zinkoxyd  geringe  Mengen  Kaliumpermanganat
reduzieren,  so  ist  vorher  ein  blinder  Versuch  anzustellen  und  die  hierbei  verbrauchte ­
  Menge  Kaliumpermanganat  in  Abzug  zu  bringen.
Beispiel;  1  ccm  Kaliumpermanganat  entspreche  0,0106  g  Fe  oder  0,0106x0,2946  =
0,00312  g  Mn.  Zum  blinden  Versuche  wurde  verbraucht  1  ccm  Permanganatlösung,  zur
Bestimmung  6  com,  demnach  enthalten  200  ccm  Phosphatlösung  =  2  g  Substanz  (6—1)
x  0.00312  oder  0,0156  g  Mn,  mithin  100  g  =  0,78  g  Mn.
F.  Bestimmung  von  Kieselsäure,  Kohlensäure,  Schwefelsäure,  Chlor,  Jod
und  Fluor.
1.  Bestimmung  der  Kieselsäure.  Die  Kieselsäure  wird  durch  mehrmaliges
Eindampfen  mit  Salzsäure  bezw.  Königswasser  abgeschieden  und  kann  nach  Aufnehmen ­
  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  durch  Abfiltrieren  und  Auswaschen  des
Rückstandes  bestimmt  werden.  Ist  auch  Sand  als  Beimengung  anzunehmen,  so
kocht  man  den  gewogenen  Rückstand  mit  einer  Lösung  von  kohlensaurem  Natrium
und  etwas  Natronlauge  aus  und  wägt  nach  dem  Auswaschen  den  unlöslich  gebliebenen ­
  Sand  (vergl.  S.  31  a).
Wenn  die  Phosphate  gleichzeitig  Fluorverbindungen  enthalten,  dann  ist  dieses  Verfahren ­
  zur  Kieselsäure-Bestimmung  ungenau;  es  kommt  dann  zu  der  in  vorstehender  Weise
gefundenen  Menge  Kieselsäure  die  der  entwichenen  Fluormenge  äquivalente  Kieselsäure
(4  Fl  =  SiO ä )  hinzu.  Man  kann  dann  zur  Beseitigung  des  Fluors  das  S.  34  angegebene
Borsäure-Schmelzverfahren  amvenden,  wodurch  alles  Fluor  als  BF1 3  entfernt  wird.  Indes
hat.  das  Verfahren  hier  seine  Schwierigkeit,  weil  es  nur  in  Platinschalen  ausgeführt  werden
kann  und  die  in  diesem  Falle  frei  werdende  Phosphorsäure  die  Platinsohale  angreift.
2.  Bestimmung  der  Kohlensäure  wie  im  Boden  S.  15.
8.  Bestimmung  der  Schwefelsäure  und  des  Schwefels  wie  im  Boden  S.  29
und  S.  39  u.  f.
4.  Zur  Bestimmung  des  Chlors,  Jods  und  Fluors  empfiehlt  der  Verein
Deutscher  Düngerfabrikanten  folgende  Verfahren 1 ):
')  Methoden  zur  Untersuchung  der  Kuustdüngemittel,  herausgegeben  vom  Verein
Deutscher  Düngerfabrikanten,  1903,  10.
        <pb n="186" />
        Bestimmung'  der  Säuren  außer  Phosphorsäure.

163

a)  Chlor:  Die  salpetersaure  Lösung  des  Phosphates  wird  mit  salpetersaurem
Silber  versetzt,  solange  ein  Niederschlag  entsteht;  das  ausgefällte  Chlorsilher  wird
in  gewohnter  Weise  weiter  behandelt.
b)  Jod:  50  g  Phosphat  werden  mit  einem  Überschüsse  konz.  Schwefelsäure
Versetzt  und  unter  Durchleiten  eines  Luftstromes  auf  200°  erhitzt.  Die  entweichenden
Gase  leitet  man  in  verdünnte  Natronlauge.  Das  gebildete  Jodnatrium  wird  durch
Erhitzen  mit  einer  Lösung  von  Kaliumpermanganat  zu  jodsaurem  Natrium  oxydiert.
^  ersetzt  man  die  angesäuerte  Lösung  von  jodsaurem  Natrium  mit  Jodkalium,  so
wird  Jod  frei,  welches  mit  Natriumthiosulfat  titriert  wird.  Nach  der  Gleichung
HJ0 3  +  6HJ  =  6  J  +  3H 2 0  ist  1 / 6  des  abgeschiedenen  Jods  in  Eechnung  zu  stellen.
c)  Fluor:  5  g  fein  zerriebenes  Phosphat  werden  mit  20  ccm  20%-iger  Essigsäure ­
  in  einer  Platinschale  auf  dem  Wasserbade  zur  Entfernung  dei  Kohlensäure
z ur  Trockne  verdampft,  hierauf  geglüht,  um  auch  die  Feuchtigkeit  und  die
organische  Substanz  zu  entfernen.  Man  mischt  den  Glührückstand  mit  etwa  20  g
reinen  geglühten  Quarzsandes  und  bringt  die  Mischung  in  einen  trocknen  Kolben
y on  etwa  250  ccm  Inhalt,  setzt  40  ccm  konz.  Schwefelsäure  hinzu,  schaltet  als
Vorlage  zwei  mit  Wasser  gefüllte  U-Eöhren  ein  und  erhitzt  4  Stunden  auf  140°
a m  besten  im  Metallbad,  das  auf  140°  eingestellt  ist  —.  Nach  Beendigung  der  Zersetzung ­
  saugt  man  einen  warmen  Luftstrom,  etwa  1  I  Luft,  durch  den  ganzen
Apparat.  Der  Inhalt  der  Vorlage  wird  in  ein  Becherglas  gespült  und  die  entstandene ­
  Kieselfluorwasserstoffsäure  mit  j  Lauge  unter  Verwendung  von  Phenol-Phthalein
  als  Indikator  titriert.  1  ccm  “  Lauge  =  0,0095  g  Fluor.  Bei  weniger  als
*/.  %  Fluor  wird  Fluorcalcium  zugesetzt  und  nachher  wieder  in  Abzug  gebracht.
Da  in  den  auf  wässerigem  Wege  entstandenen  Phosphaten  Chlorcalcium  bezw.
Chloride  nicht  enthalten  sind,  so  hat  man  mit  dem  Auftreten  von  Salzsäure  bei
dieser  Behandlung  nicht  zu  rechnen.
Bei  Superphosphaten  fügt  man  zu  der  abgewogenen  in  einein  Platinschälchen ­
  befindlichen  Substanzmenge  Kalkmilch  bis  zur  deutlich  alkalischen  Eeaktion
Verdampft  das  Wasser  auf  dem  Wasserbade,  trocknet  und  glüht  schwach.  Nach
dem  Erkalten  zerreibt  man  den  Glührückstand  mit  einem  Pistill  bringt  ihn  unter
Zuhilfenahme  eines-  getrockneten  Trichters  in  den  Zersetzungskolben,  spult  Platinschale ­
  und  Trichter  wiederholt  mit  feingeriebenem  geglühtem  Quarzpulver  trocken
na ch  und  verfährt  im  übrigen  wie  bei  den  Eohphosphaten.

Besondere  Vorschriften  für  die  Untersuchung  der
einzelnen  Düngemittel.
Die  Vorbereitung  der  Proben  im  Laboratorium.
^  Nach  den  Vereinbarungen  des  Verbandes  landw.  "V  ersuchs-Stationen  i.  D.  E.
ten  folgende  Vorschriften: 1 )
n  1-  Trockne  Proben  von  Phosphaten  oder  sonstigen  künstlichen
^hngemitteln  dürfen  gesiebt  und  gemischt  werden.  Dieselben  sind  nur
ausnahmsweise  abzusieben  und  zwar  nur  in  den  Fällen,  in  denen  die
, atu r  des  Düngemittels  eine  gründliche  Mischung  durch  einfaches  Zuuuimenreiben
  nicht  zuläßt.

)  Laudw.  Versuchs-Stationen  1890,  38,  283;  1893,  42,  135.

11*
        <pb n="187" />
        164

Künstliche  Düngemittel.

2.  Bei  feuchten  Düngemitteln,  hei  welchen  dieses  nicht  zu  erreichen ­
  ist,  hat  sich  die  Vorbereitung  auf  eine  sorgfältige  Durchmischung ­
  zu  beschränken.
3.  Bei  Ankunft  der  Proben  ist  das  Gewicht  derselben  zu  bestimmen. ­
  Die  Kostprobe  wird  in  dichtscliließenden  Gläsern  in  einem
kühlen  Eaume  ein  Vierteljahr  aufbewahrt,  soweit  nicht  durch  besondere ­
  Verträge  mit  dem  Lieferanten  oder  sonstige  Bestimmungen
etwas  anderes  festgesetzt  ist. 1 )
4.  Bei  Kohphosphaten  und  Knochenkohle  soll  zum  Nachweis  der
Identität  der  Wassergehalt  bei  105—110°  bestimmt  werden.  Bei  Proben,
welche  während  des  Trocknens  Ammoniak  in  irgend  welcher  Form  verlieren ­
  können,  ist  dieses  außerdem  zu  bestimmen  (vergl.  Wasserbestimmung
S.  136).
5.  Es  ist  dahin  zu  wirken,  daß,  soweit  es  sich  um  die  Feststellung
des  Gehaltes  bei  der  Kontrolle  handelt,  den  untersuchenden  Chemikern
nur  sorgfälltig  entnommene,  in  dichtschließenden  Glasgefäßen  verpackte ­
  Durchschnittsmuster  von  wenigstens  250—500  g  übersandt  werden.
6.  Das  Gewicht  der  eingesandten  Pr  oben  ist  in  den  Untersuchungsattesten ­
  anzugeben.
7.  Bei  Stoffen,  welche  beim  Pulvern  ihren  Wassergehalt  ändern,
muß  sowohl  in  der  feinen,  wie  in  der  groben  Substanz  der  Wassergehalt
bestimmt  und  das  Ergebnis  auf  den  Wassergehalt  der  ursprünglichen
groben  Probe  umgereohnet  werden.
8.  Thomasmehle,  in  denen  dem  Augenschein  nach  gröbere  Teile
vorhanden  sind,  werden  durch  ein  2  mm-Sieb  abgesiebt,  die  auf  dem
Sieb  verbleibenden  gröberen  Teile  durch  leichtes  Zerdrücken  auf  dem
Siebe  verteilt.  Die  Bestimmung  der  Phosphorsäure  wird  in  dem  durch
das  2  mm-Sieb  gefallenen  Teil  ausgeführt,  das  Ergebnis  unter  Berücksichtigung ­
  der  groben  Teile  berechnet.
Die  von  dem  V.  internationalen  Kongreß  für  angewandte  Chemie  vereinbarten  Vorschriften ­
  für  die  Probenahme  und  Vorbereitung  von  Proben  der  Fabrikate  und  Rohstoffe  der
Dünger-Fabrikation  für  den  internationalen  Großhandel  sind  folgende:
a)  Probenahme.
1.  Unvorschriftsmäßige  Proben  sind  seitens  der  Untersuchungs-Stationen  znrückzuweisen.
  bezw.  ist  dies  auf  den  Untersuchungs-Attesten  zu  vermerken.
2.  Vorschriftsmäßige  Proben  sind  nur  solche,  welche  auf  der  letzten  Balm-  oder
Schiifsstation  bei  der  Entladung  in  Gegenwart  von  Zeugen  beider  Parteien  oder  durch
einen  vereideten  Sachverständigen  unter  Beobachtung  nachfolgender  Vorschriften  genommen ­
  sind;
3.  Bei  Fabrikaten  ist  aus  jedem  zehnten  Sack,  bei  loser  Verladung  von  mindestens
10  verschiedenen  Stellen  Probe  mittels  Probestechers  zu  nehmen.
4.  Bei  Rohstoffen  wird  jedes  fünfzigste  Bntladungsgefäß  (also  9  %)  auf  den
Probehaufen  gestürzt  und  wird  davon  nach  der  erten  Feinung  auf  mindestens  Haselnußgröße ­
  Probe  zur  Wasserbestimimmg  genommen;  von  der  ganz  gefeinten  Masse  wie  bei
Fabrikaten  zur  Gehaltsbestimmung.
5.  Die  Proben  müssen  lose  in  feste,  reine  und  völlig  trockne  Glasgefäße  geschüttet
werden  und  etwa  300  g  Gewicht  haben.
6.  Es  sind  mindestens  je  3  Proben  zu  ziehen  und  luftdicht  mit  den  Siegeln  der
Probenehmer  zu  verschließen.

] )  Landw.  Versuchs-Stationen  1893,  42,  135.
        <pb n="188" />
        Blutmehl.  Ledermehl,  Wolle,  Haare,  Hornmehl,  Pleischdüngemehl,  Fischguano.  165

7.  Die  Etikette  ist  mit  demselben  Siegel  zu  befestigen  und  mit  der  Namensunterschrift ­
  der  Probenehmer  zu  versehen.
8.  Die  Proben  sind  an  einem  kühlen,  dunklen  und  trocknen  Orte  aufzubewahren.
9.  Bei  Substanzen  von  ungleicher  Zusammensetzung  muß  der  1  iillung  der  Probeflaschen
eine  genügende  Zerkleinerung  und  Mischung  vorangehen.
b)  Vorbereitung.  .
1.  Trockne  Proben  von  Phosphaten  oder  sonstigen  künstlichen  Düngemitteln  dürfen
gesiebt  und  dann  gemischt  werden.  _
2.  Bei  feuchten  Düngemitteln,  bei  welchen  dieses  nicht  zu  erreichen  ist,  hat  sich
die  Vorbereitung  auf  eine  sorgfältige  Durchmischung  mit  der  Hand  zu  beschränken.
3.  Bei  Rohphosphaten  und  Knochenkohle  soll  zum  Nachweise  der  Identität  der
Wassergehalt  bestimmt  werden.  T  .
4.  Boi  Substanzen,  welche  beim  Pulvern  ihren  Wassergehalt  andern  muß  sowohl  in
der  feinen,  wie  in  der  groben  Substanz  der  Wassergehalt  bestimmt  und  das  Ergebnis  der
Analyse  auf  den  Wassergehalt  der  ursprünglichen  groben  Substanz  umgerechnet  werden.
Anmerkung;  Zur  Bestimmung  des  Unlöslichen,  die  ebenfalls  mit  zur  Identifizierung
der  Proben  dient,  werden  10  g  Substanz  verwendet;  bei  Lösung  ln  Mineralsäuren  wird
nach  vorherigem  Abdampfen  zur  Unlöslichmachung  der  Kieselsäure  der  abfiltrierte  und
ausgewaschene  Rückstand,  bei  Lösung  in  Wasser  der  abfiltnerte  und  ausgewaschene  Rückstand ­
  bei  100 u  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  getrocknet.
Untersuchung  der  einzelnen  Düngemittel.
Für  die  Untersuchung  der  einzelnen  Düngersorten  ist  noch  das  Folgende
besonders  zu  bemerken:

I-  Blutmehl,  Ledermehl,  Wolle,  Wollstaub,  Haare,  Hornmehl,
Fleischdüngemehl,  Fischguano.
1.  Stickstoff.  1,0—1,5  g  Substanz  werden  nach  Kjeldahl  (S.  136)  verbrannt.
Wenn  die  Substanz  nicht  von  gleichartiger  Beschaffenheit  ist,  z.  B.  aus
Stöberen  und  feineren  oder  schwereren  und  leichteren  Teilen  besteht,  wie  es  oft
bei  diesen  Düngemitteln  der  Fall  ist,  und  somit  durch  1—1,5  g  keine  gute  Mittel-Probe
  erzielt  werden  kann,  verfährt  man  zweckmäßig  wie  folgt.  )  10  16  g  der
unliebst  fein  gepulverten  und  sorgfältig  gemischten  Probe  weiden  mit  150  ccm
7 S  Schwefelsäuregemisches  in  einer  Porzellanschale  so  lange  unter  Umrühren  mit
Ue ®  Glasstahe  auf  dem  Wasserbade  erwärmt,  bis  sich  alles  zu  einem  flüssigen  Brei
8elö *t  hat;  darauf  gießt  mau  die  Lösung  in  ein  200  ccm  fassendes  Kölbchen,  ver-Wendet
  etwa  50  ccm  der  Schwefelsäure  zum  Nachspülen  der  Schale,  läßt  erkalten
11  n&amp;lt;1  füllt  auf  200  ccm  auf  Nach  hinreichendem  Uraschütteln  und  Mischen  werden
:°“  der  Lösung  20  ccm  entsprechend  1,0  oder  1,5  g  Substanz  abgemessen  und  in
" lnen  Kolben  zur  weiteren  vorschriftsmäßigen  Zerstörung  der  organischen  Stoffe
8e eeben.  Wenn  die  Substanz  nicht  völlig  flüssig  werden  sollte  sondern  breiartig
JÄ  so  verfährt  man.  wie  unter  Stallmist  S.  131,  b  angegeben  ist.  Man  kann,  wie
angibt,  auch  5-10  g  Substanz  nach  Kjeldahl  verbrennen,«)  die  Losung
;  ' ,f  °00  ccm  auffüllen  und  in  200  ccm  den  Stickstoff  durch  Abdestilheren  mit  Natron-‘
  u &amp;amp; e  bestimmen.  .
dül  2.  Phosphorsäure.  Die  Bestimmung  der  Phosphorsäure  in  Fischgunno  Fischdünger ­
  usw.  erfolgt  nach  den  Beschlüssen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen
)  Nach  Verfasser,  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1888,  62.1.
)  Zeitschr,  f  aimew  Chemie  1893,  75.  .  ,  .  .  ,
3 i  ,,  °  ’  „n„ v  Mpmrpri  Substanz  ist  aber  sehr  langwierig.
&amp;gt;  L&amp;gt;ie  vollständige  Verbrennung  so  großer  Mengen  ouusia  «  s-
        <pb n="189" />
        166

Künstliche  Düngemittel.

i.  D.  R.,  wie  bei  Knochenmehl  S.  167  angegeben  ist.  Man  kann  auch  in  der  Weise  verfahren, ­
  daß  man  2,5—5,0  g  Substanz  mit  etwa  dem  4-fachen  Gewichte  eines  sehr  fein
zerriebenen  Gemenges  von  1  Gewichtsteil  Kalisalpeter  und  2  Gewichtsteilen  wasserfreiem ­
  Natriumkarbonat  mengt  und  das  Gemenge  anfangs  gelinde,  dann  langsam
steigernd  bis  zur  Rotglut  und  zuletzt  bis  zum  Schmelzen  erhitzt,  nach  dem  Erkalten
die  Schmelze  in  salpetersäurehaltigem  Wasser  löst,  die  Flüssigkeit  in  einer  Porzellanschale ­
  zur  Trockne  bringt,  um  die  Kieselsäure  abzuscheiden,  den  Rückstand  mit
salpetersäurehaltigem  Wasser  aufnimmt,  filtriert  und  mit  etwa  100  ccm  Molybdänlösung ­
  (siehe  weiter  Phosphorsäurebestimmung  S.  150)  fällt.
Heß  fällt  die  Phosphorsäure  in  50  ccm  des  Filtrats  seiner  unter  1  erhaltenen
Lösung  nach  dem  Zitratverfahren,  wobei  jedoch  zu  beachten  ist,  daß  die  zu  verwendende ­
  Schwefelsäure  arsenfrei  sein  muß,  weil  sonst  durch  Mitfällung  von  arsensaurem
  Ammon-Magnesium  zu  hohe  Ergebnisse  erhalten  werden.
8.  Asche,  Sand  und  Feuchtigkeit.  (Wie  bei  „Knochenmehl“,  vergl,  S.  167.)
4.  Nachweis  von  Blut  in  Blutdünger,  Blutmelasse.  Man  wäscht  nach  A.  Emmerling ­
 1 )  10—20  g  der  Substanz  auf  Gaze  mit  Wasser  aus,  bringt  von  dem  Rückstand
einen  Teil  in  ein  Reagensglas,  tibergießt  mit  25  °/ 0 -igem  Ammoniak,  kocht  über  der
Flamme  etwa  20—25-mal  auf,  läßt  abkühlen  und  filtriert.  Die  klare  Lösung  wird  in  ein
planparalleles  Absorptionsgläschen  gefüllt,  so  daß  noch  ein  Raum  für  einige  Tropfen
frei  bleibt.  Man  beobachtet  mit  Hilfe  des  Spektralapparates  das  Spektrum  eines
leuchtenden  Gasflämmchens,  während  das  Absorptionsgläschen  vor  dem  Spalt  steht.
Wenn  das  Spektrum  zu  stark  absorbiert  wird,  muß  etwas  verdünnt  werden.  Man
bringt  dann  einige  Tropfen  nicht  zu  alten  Schwefelammoniums  zu  der  Lösung  im
Absorptionsgläschen;  wenn  Blut  vorhanden  ist,  so  erhält  man  die  sehr  kennzeichnenden
dunkeln  Absorptionsbänder  des  Hämatochromogens.  Es  empfiehlt  sich,  stets  die  Gegenprobe ­
  mit  zweifellos  echtem  Blutdünger  oder  getrocknetem  Blut  anzustellen.
Dieses  Verfahren  kann  in  einem  mit  Ledermehl  oder  Lederabfällen  verfälschten ­
  Blutmehl  oder  Blutdünger  im  Stiche  lassen.  Es  rührt  dies  daher,  daß
Lederabfälle  beim  Kochen  mit  Ammoniak  eine  tiefbraune  Lösung  liefern,  die  schon
bei  mäßiger  Konzentration  das  ganze  Spektrum  auslöscht.  Um  Teile  des  Spektrums
und  darin  etwa  auftretende  Absorptionsbänder  sichtbar  zu  machen,  müßte  man  erheblich ­
  mit  Wasser  verdünnen.  Hierdurch  wird  aber  leicht  die  Grenze  der  Sichtbarkeit ­
  jener  Bänder  überschritten,  so  daß  das  Spektrum  wieder  kontinuierlich  erscheint. ­
  Man  kann  sich  in  einigen  Fällen  dadurch  helfen,  daß  die  ausgewaschene
Substanz  zuerst  mehrfach  mit  Alkohol  ausgekocht  wird,  bis  filtrierte  Anteile  keine  Gerbstoffreaktion ­
  mehr  geben.  (Als  Reagens  auf  Gerbstoff  kann  man  eine  ammoniakalische
Lösung  von  weinsaurem  Eisenoxydul  verwenden.)  In  manchen  Fällen  dürfte  Auskochen ­
  mit  Wasser  zweckmäßiger  sein,  falls  sich  der  vorhandene  Gerbstoff  leichter
hierin  als  in  Alkohol  löst.  Mit  dem  Rückstand  kann  man  dann  in  der  angegebenen
Weise  verfahren  und  wird  daun  das  vorher  vermißte  Hämochromogenspektrum  erhalten. ­
  Die  Gerbstoffreaktion  der  Auskochungen  kann  zugleich  als  Beweismittel  für
die  Gegenwart  von  Leder  dienen,  das  außerdem  an  einzelnen  ausgesuchten  Teilchen
mikroskopisch  an  der  ausgesprochenen  Faserstruktur  zu  erkennen  ist.  Ob  dieses
Verfahren  auch  noch  ausreicht,  wenn  das  Leder  als  gedarrtes  Ledermehl  vorhanden
ist,  konnte  A.  Emmerling  bis  jetzt  noch  nicht  feststellen.
In  anderen  Fällen  kann  auch  die  Teichmann  sehe  Häminprobe  gute  Dienste
leisten.  Man  zieht  etwa  5—10  g  des  Blutdüngers  oder  der  Blutmelasse  mit  kochsalzhaltigem ­
  Wasser  aus,  verdampft  das  Filtrat  mit  Essigsäure  im  Uhrglase  oder

x )  Nach  einer  privaten  Mitteilung.
        <pb n="190" />
        Knochenmehl.

167

auf  dem  Objektträger  ein  und  untersucht  den  Rückstand  auf  Hämin-Kristalle
(schmale,  zugespitzte  rhombische  Blättchen).
II.  Knochenmehl.
1.  Stickstoff.  1—2,0  g  Substanz  werden  nach  Kjeldahl  verbrannt.
Bei  sehr  grobkörnigem  Knochenmehl,  z.  B.  bei  rohem  und  stark  haarehaltigem
Hehl,  verfährt  man,  wie  vorstehend  bei  Blutmehl,  Hornmehl  usw.  S.  165  angegeben ­
  ist.
2.  Asche  und  Sand.  5  g  Substanz  werden  verascht  und  darauf  gewogen.
Die  Asche  wird  mit  Salz-  oder  Salpetersäure  längere  Zeit  (etwa  1 / 4  Stunde)  zum
Sieden  erhitzt,  in  einen  500  ccm  fassenden  Kolben  filtriert,  der  Rückstand  (Sand,
T °n)  gut  ausgewaschen  und,  wenn  dessen  Bestimmung  notwendig  ist,  geglüht,  gewogen ­
  und  als  Sand  +  Ton  in  Rechnung  gebracht.
3.  Phosphorsäure.  Das  Aufschließen  wird  nach  den  Beschlüssen  des  Verbandes
iandw.  Versuchs-Stationen  i  D.  RA)  in  der  "Weise  bewirkt,  daß  man  entweder
5  g  Knochenmehl  in  50  ccm  Königswasser  (3  Teile  Salzsäure  von  1,12
spezifischem  Gewicht  und  1  Teil  Salpetersäure  von  1,25  spezifischem
Gewicht)  oder  vorsichtig  in  einem  Gemisch  von  20  ccm  Salpetersäure
von  1,42  spezifischem  Gewicht  und  50  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure
! on  1,84  spezifischem  Gewicht  durch  Vstündiges  Kochen  löst,  auf
oOO  ccm  auffüllt  und  hiervon  50  ccm  zur  Fällung  verwendet.
Die  Zerstörung  der  organischen  Stoffe  kann  ferner  auch  durch  Salzsäure
^d  chlorsaures  Kalium  geschehen  oder  endlich  durch  Zusammenschmelzen  mit
einem  Gemisch  von  Kaliumnitrat  und  Natriumkarbonat  (im  Verhältnis  von  1  :2),
wi e  hei  Blutmehl,  Hornmehl  usw.  (s.  oben).  Fermentierte  Knochenmehle  müssen
Un ter  allen  Umständen  auf  diese  Weise  aufgeschlossen  bezw.  gelost  werden.
4.  Feuchtigkeit.  5  g  Substanz  werden  bei  100-110  bis  zur  Gewichtseständigkeit
  getrocknet.  ,  .  ,  ,
5.  Haut-  und  hornartige  Stoffe.  Von  dem  gemahlenen  durch  ein  1  mm-Sieb
geschlagenen,  sorgfältig  gemischten  Knochenmehle  werden  10  g  entweder  in  einem
^linder  (von  100-200  ccm  Inhalt)  mit  Ausguß,  der  vorher  gut  bis  zur  Hälfte  mit
Chloroform  gefüllt  ist.  geschüttelt,  dann  bis  nahe  an  den  Ausguß  mit  Chloroform
^füllt,  das  Ganze  mehrmals  durchgeschüttelt,  hingestellt,  bis  die  Ch  oroformschicht
fischen  Bodensatz  und  Schwimmendem  hinreichend  klar  geworden  ist,  und  das  oben
^schwimmende  durch  raschen  Guß  auf  ein  trocknes  Filter  gebracht  und  abtropfen
fassen.  Oder  man  füllt  einen  Scheidetrichter  (von  200  ccm  Inhalt  mH  weiter
Durchbohrung  zur  Hälfte  mit  Chloroform,  füllt  10  g  Knochenmehl  ein,  dann  fast
!°«  Chloroform,  schüttelt  durch,  läßt  wie  vorhin  ah«t«  ^  Jenj e zifisch
Schweren  Teil  des  Knochenmehles  nebst  der  klaren  Schicht  ahfließen  und  bringt
Wie  vortm,  r  i  ■  n'oiip  auf  ein  trocknes  Iilter.  JNacMem  das
Dhlorofn  , &amp;lt;le  sc ^ wimme  .  '  90  100°  getrocknet,  der  Rückstand
in  ?•  °rm  abgetropft  ist,  wird  das  Filter  bei  Jv  iw  g  ’
e  Schale  gebracht  und  gewogen.  mmende  Schicht  in  einem  Scheidetrichtpp
  ‘  Stutzer  empfiehlt,  die  oben  aufsch  erst  mit  Alkohol  zu
wnter,  wenn  der  Bodensatz  bis  nahe  an  diese  abgeiassenj*  ,
diesen  langsam  durch  den  Glasha  n  a  1  P  J  trocknen  und  zu
Khckstand  in  eine  tariprte  Glasschale  zu  spülen,  hei  100«  zu  trocknen  und  zu
Wä ^-  Die  trockne“  hatl  soll  keinen  gelben  Fettrand  zeigen.  Da  die  Knochen  i

i  Landw.  Versuchs-Stationen  1890,  38,  28o.
        <pb n="191" />
        168  Künstliche  Düngemittel.

indes  jetzt  allgemein  stark  entfettet  werden,  so  dürfte  diese  Vorsicht  kaum  notwendig ­
  sein.
0.  Fett.  10  g  der  feingemahlenen  Substanz  werden  nach  dem  Vertrocknen
hei  110°  in  der  später  unter  „Futtermittel“  zu  beschreibenden  Weise  3—4  Stunden
mit  Äther  ausgezogen,  darauf  wird  die  Substanz  nochmals  fein  zerkleinert  und  das
Ausziehen  in  derselben  Weise  fortgesetzt.
7.  Feinheit.  Für  die  Qualität  des  Knochenmehles  ist  auch  der  Feinheitsgrad  maßgebend, ­
  denn  je  feiner  es  gepulvert  ist,  desto  rascher  dürfte  seine  Wirkung  sein,
wenngleich  in  einigen  Gegenden  eine  grobkörnige  Ware  vorgezogen  wird.  Über  die  Bestimmung ­
  des  Feinheitsgrades  sind  bis  jetzt  keine  Vereinbarungen  getroffen.
Man  kann  sich  aber  zu  dem  Zweck  der  in  agrikultur-chemischen  Laboratorien  viel
verbreiteten  Siebe  bedienen,  von  denen  No.  I  der  Siebe  auf  1  gern  1089,  No.  II  =  484  und
No.  III  =  256  Maschen  hat;  bei  No.  I  kommen  daher  auf  1  qmm  =  11,  bei  No.  II  =  5,  bei
No.  III  =  2,6  Maschen;  der  Best,  welcher  auf  dem  Siebe  No.  III  zurückbleibt,  wird  als
Mehl  No.  IV  bezeichnet.
Für  eine  derartige  Prüfung  auf  Feinheit  verwendet  man  60  oder  100  g  Knochenmehl.
8.  Was  ist  Knochenmehl!  Über  diese  Frage  hat  der  Verband  deutscher  Versuchs-Stationen
  am  20.  September  1903  folgenden  Beschluß  gefaßt; 1 )
„Als  Knochenmehl  soll  nur  dasjenige  Düngemittel  bezeichnet  werden,
das  aus  fabrikmäßig  gereinigten  Knochen  ohne  Zusatz  von  fremden  stickstoffund
  phosphorsäurehaltigen  Stoffen  hergestellt  ist.  Unter  fabrikmäßiger
Reinigung  ist  das  Auslesen  der  Hufe,  Klauen,  Hörner  und  der  Beimengungen
nichttierischen  Ursprungs  zu  verstehen.“
Für  die  Bezeichnung  der  einzelnen  Sorten  Knochenmehle  dürften  folgende
Bestimmungen  geeignet  sein:
a)  Knochenmehle,  welche  4—3,3  °/o  Stickstoff  und  19—22  °/„  Phosphorsäure  enthalten
und  in  welchen  sich  nach  Abzug  des  durch  Chloroform  Abtrennbaren  ein  Verhältnis  von
N:  P 2 0 5  wie  1:4  bis  5,5  herausstellt,  werden  als  Normalknochenmehle  oder  als
Knochenmehl  No.  0  bezeichnet.
b)  Knochenmehle,  welche  3—4°/ 0  Stickstoff  und  21—25%  Phosphorsäure  enthalten
und  in  welchen  sich  nach  Abzug  des  durch  Chloroform  Abtrennbaren  ein  Verhältnis  von
N;  P 2 0 5  wie  1:6,5  bis  8,5  herausstellt,  heißen  einfach  „Knochenmehl“.
c)  Knochenmehle,  welche  1—3  %  Stickstoff  und  24—30  %  Phosphorsäure  enthalten
und  in  welchen  sich  nach  Abzug  des  durch  Chloroform  Abtrennbaren  ein  Verhältnis  von
N  :  P 2 0 6  =  1:  8,5  bis  30 2 )  herausstellt,  führen  die  Bezeichnung  „entleimte  Knochenmehle“. ­

d)  Nur  solche  Knochenmehle  dürfen  als  „rohe  Knochenmeh  le“  bezeichnet  werden,
welche  durch  Zerkleinern  von  rohen  Knochen  gewonnen  sind.
e)  Düngemehle,  welche  nach  Abzug  des  durch  Chloroform  Abtrennbaren  weniger
als  1  %  Stickstoff  in  Form  von  Knochenleimstickstoff  enthalten  und  in  welchen  sich  ein
höheres  Verhältnis  von  N  :P 2 0 8  wie  1  :  30  herausstellt,  dürfen  nicht  mehr  die  Bezeichnung
„Knochenmehl“,  sondern  höchstens  die  von  „gemischten  Düngemehlen“  führen.
Ausgenommen  von  diesen  Bestimmungen  ist  das  bei  der  Fleischoxtrakt-Herstellung
gewonnene  Düngemehl,  welches  durch  die  Bezeichnung  „Fleischknochenmehl“  oder  „Fleischdüngemehl“
  hinreichend  von  dem  eigentlichen  Knochenmehl  in  vorstehendem  Sinne  unterschieden ­
  wird.
9.  Verfälschungen  des  Knochenmehles.  Zusätze  von  haut-  und  kornartigen ­
  Stoffen,  welche  bei  der  Reinigung  der  Knochen  abgefallen  sind,
werden  sich  aus  der  Monge  der  durch  Chloroform  abschlämmbaren  Bestandteile,
sowie  aus  dem  Verhältnis  des  wirklichen  Knochenmehl-Stickstoffs  (Gesamt-Stickstoff
x )  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  59.  314  u.  00,  235,  vergl.  auch  ebenda  1890,’37,  28.
3 )  Vielleicht  auch  nur  8-25.
        <pb n="192" />
        Peruguano.

169

minus  Stickstoff  der  durch  Chloroform  ahschlämmbaren  Bestandteile)  ergeben  (vergl.
Ko -  5,  S.  167).  Ein  Knochenmehl  mit  mehr  als  9%  durch  Chloroform  abtrennbare
Bestandteile  sollte  nicht  mehr  als  Normal-Knochenmehl  bezeichnet  werden  dürfen.
Zum  Nachweis  von  Sägespänen  oder  von  Steinnußspänen  benutzt
®an  am  besten  das  Mikroskop.  Sägespäne  kann  man  auch  durch  Schwefelsäure
nachweisen,  da  diese  hierdurch  schwarz  gefärbt  werden,  während  die  organische
Substanz  der  Knochen  durch  Schwefelsäure  nicht  gefärbt  wird.
Phosphorite  mineralischen  Ursprunges  lassen  sich  durch  Feststellung  von
Biuor  nachweisen.  Man  verfährt  dabei  in  der  oben  S.  163  angegebenen  Weise.
Gips  wird  nach  0.  Böttcher 1 )  häufig  verwendet,  um  bei  lagernden,  sich
Ersetzenden  Knochen  das  Ammoniak  zu  binden.  Da  das  Knochenmehl  nur  geringe
Mengen  von  Schwefelsäure  enthält,  so  ist  ein  Gipszusatz  an  einem  höheren  Schwefelsäure-Gehalt ­
  zu  erkennen.
III.  Peruguano,
a)  Roher  Peruguano.
1.  Gesamt-Stickstoff.  1,0—1,5  g  Substanz  werden  nach  dem  Jodlbaur-Mjeldahlsehen
  (S.  141,  No.  2a)  oder  auch  nach  dem  Förster-Kjeldahlschen  Verehren ­
  (S.  I4i ;  No.  2b)  verbrannt  oder  man  reduziert  ebenso  zweckmäßig  1—2  g
Substanz  zuerst  nach  ülsch  (S.  147)  und  verbrennt  weiter  nach  Kjeldahl.
2-  Ammoniak-Stickstoff.  Der  als  freies  Ammoniak  oder  in  Form  von  Ammoniak-Sa
 lzen  vorhandene  Stickstoff  wird  in  100  bezw.  200  ccm  einer  Lösung  von  10  g  gut
zerriebenem  Guano  in  1  1  durch  Destillation  mit  gebrannter,  möglichst  kohlens
 4urefreier  Magnesia  bestimmt  (S.  142).
n  ,  3.  Salpetersäure-Stickstoff.  Soll  dieser  bestimmt  werden  so  setzt  man  zu  der
Substanz,  welche  zur  Ammoniakbestimmung  gedient  hat,  nachdem  alles  Ammoniak
ubdestilliert  worden  ist.  in  demselben  Destillationskolben  unter  Verdünnen  mit  Wasser
® twa  20  g  Kalihydrat  und  so  viel  Kaliumpermanganat,  daß  die  Flüssigkeit  nach
^  Erhitzen  bis  zum  Kochen  deutlich  blau  erscheint,  kocht  noch  eine  Zeitlang,
if  dann  erkalten,  bringt  nach  dem  Erkalten  das  Volumen  auf  etwa  100  ccm,  setzt
3, 5  cc «i  Spiritus  sowie  je  8-10  g  Zink-  und  Eisenstaub  zu  und  verfährt  weiter  unter
V °rlegung  neuer  Schwefelsäure,  wie  S.  145,  No.  2  angegeben  ist  .
w  Auch  kann  man  den  Salpetersäure  -  Stickstoff  nach  dem  Schlosinga
 gn  er  sehen  Verfahren  bestimmen,  indem  man  die  von  Ammoniak  befi  eite  Losung
gi aUf  ein  kleines  Volumen  konzentriert  und  nach  S.  144,  No  1  behandelt  Die
den  6nz  zwisc hen  Gesamt-Stickstoff  und  Ammoniak-  +  Salpetersäure-Stickstoff  gibt
or ganischen  Stickstoff.  .,  ■  K  ,  Q
ptos  Phosphorsäure.  «)  Wasserlösliche  Phosphorsaure  wie  bei  „Super-,P
 ;;« e ^ r  u f en  f  180) '  Guano  werden  in  einem  */ 4  1-Kölbchen
mit  J: 1  Gesamt-Phosphor  saure.  o  S  wuano  wo  „
20—25  ccm  Salnetersäure  und  2—3  ccm  Salzsäure  1—2  Stunden  auf  dem
V-asserbifb.  Mpete  si  ,  ,  d  Erkalten  bis  zur  Marke
auf«.  *  ade  erwärmt  und  die  Flüssigkeit  nacu  uem  ^  PllQT1 „  m . +
dp,5 eftt  lt  Man  kann  auch  in  der  Weise  verfahren,  daß  man  1  -  g  Guano  mit
Ue m  ^  a  .  ,  n  rp„ii P1l  wasserfreiem  Natriumkarbonat
l  K®r'“r  e  nea SZTJ e \e,  SomZu  S.  166.  N«,  2  oben  Oe-«O»
  ««eh  -ie  bei  Knooh.l.ehl  S.  167,  Ho.  3  b»  «■
HSS*  empfehlenswert  iS.  .las  '«*“; tr ‘ , J n ®“°n  «rasehen  nnd  in
ei-,  karbonatlösune-  in  einer  Flatinschale  ein/  &amp;gt;
lne m  alimrrw-  rr,  . s  t  tic  die  Phosphorsäure  zu  bestimmen.
'  au quoten  Teil  der  salpetersauren  Losung  am  1
‘1  Lunge,  Chem.-techn.  Untersuchungsmethoden  1900,  2,  431.
        <pb n="193" />
        170

Künstliche  Düngemittel,

5.  Kali.  Zu  diesem  Zwecke  verascht  man  5  g  Substanz,  löst  die  Asche  in  Salzsäure, ­
  füllt  auf  500  ccm  auf  und  bestimmt  in  100  ccm,  wie  S.  157  u.  f.  angegeben,
das  Kali.
6.  Oxalsäure,  a)  Lösliche  Oxalsäure.  10—20  g  zerriebener  roher  Peruguano
werden  mit  1  1  Wasser  2  Stunden  in  der  Kälte  behandelt,  dann  filtriert  und  vom  Piltrat
100  ccm  zur  Bestimmung  verwendet.  Man  säuert  zuerst  mit  Essigsäure  stark  an  und  fällt
in  der  Siedehitze  die  Oxalsäure  mit  einer  essigsauren  Lösung  von  Chlorcalcium  oder  mit
essigsaurem  Calcium.  Das  abfiltrierte  oxalsaure  Calcium  wird  auf  dem  Gebläse  bis  zur
Gewichts-Beständigkeit  geglüht  und  als  Calciumoxyd  gewogen;  da  auf  diese  Weise  leicht
Gips  und  Kalkphosphat  mit  niederfallen,  so  muß  der  erhaltene  Kalk  stets  auf  Schwefelsäure
und  Phosphorsäure  geprüft  werden.  Zu  diesem  Zwecke  löst  man  denselben  mit  Salpetersäure. ­
  teilt  ihn  in  zwei  Hälften  und  fällt  quantitativ  die  eine  Hälfte  mit  Baryumnitrat,
die  andere  mit  Molybdänlösung.
Es  wird  die  dem  gefundenen  Baryumsulfat  entsprechende  Menge  schwefelsaures
Calcium  (1  Teil  BaS0 4  =  0,684  Teile  Ca  S0 4 )  und  die  dem  gefundenen  pyrophosphorsauren
Magnesium  entsprechende  Menge  phosphorsaures  Calcium  (1  Teil  Mg ä P 2 0 7  =  rund  1,4  Teile
Ca 3 P 2 0 8 )  von  dem  Calciumoxyd  in  Abzug  gebracht  und  aus  dem  Rest  die  wasserlösliche
Oxalsäure  berechnet  (1  Teil  CaO  =  1,607  g  C 2 H 2 0 4 ).
b)  Gesamt-Oxalsäure.  5  g  Guano  werden  mit  20  g  kohlensaurem  Natrium  und
etwa  200  ccm  Wasser  gekocht,  die  ganze  Flüssigkeit  nach  dem  Erkalten  durch  Zusatz  von
Wasser  auf  500  ccm  gebracht,  gemischt  und  durch  ein  trocknes  Filter  filtriert.  50  oder
100  ccm  werden  mit  Essigsäure  angesäuert  und  darin  wie  vorstehend  die  Oxalsäure
bestimmt.
7.  Feuchtigkeit.  Da  beim  Erwärmen  des  rohen  Guanos  auf  110°  auch  Ammonsalze
  entweichen  können,  so  wird  das  Wasser,  wenn  es  sich  um  genaue  Ergebnisse
handelt,  in  der  Weise  bestimmt,  daß  etwa  2  g  Substanz  in  ein  Porzellanschiffchen
und  dieses  in  eine  in  einem  Luft-  oder  Wasserbade  liegende  Glasröhre  gebracht
werden,  indem  man  das  eine  Ende  der  Glasröhre  mit  einem  Kugelröhrchen,  welches
mit  konz.  Schwefelsäure  befeuchtete  Bimssteinstückchen  enthält,  das  andere  mit
einem  10  ccm  titrierte  Schwefelsäure  enthaltenden  Kugelapparat  und  diesen  wieder
mit  einem  Aspirator  verbindet.  Nach  Beschickung  des  Apparates  erhitzt  man  das
Luftbad  auf  100—110°  und  saugt  langsam  einen  trocknen,  ammoniakfreien  Luftstrom ­
  durch.  Nach  etwa  einstündigem  Trocknen  wägt  man  das  Porzellanschiffchen
mit  der  Substanz  zurück,  titriert  das  in  der  Vorlage  aufgefangene  Ammoniak  und
zieht  das  Gewicht  des  letzteren  von  dem  Gesamtverluste  ab.
8.  Asche  und  Saud  werden  wie  bei  Knochenmehl  S.  167  bestimmt.
9.  Prüfung  auf  Echtheit.  Roher,  natürlicher  Peruguano  kommt  jetzt  seltener  im
Handel  vor.  Die  als  solcher  vertriebenen  Marken  I  und  II  sind  zum  Teil,  nämlich  mit
10—15  °/ 0  Schwefelsäure  von  60—62°  Bö.  aufgeschlossen  und  enthalten  die  Phosphorsäure
in  bis  zur  Hälfte  wasserlöslichem  Zustande.  Da  ferner  der  Gehalt  des  Peruguanos  besonders
an  Stickstoff  immer  mehr  zurückgeht,  so  wird  letzterer  mitunter  durch  Zusatz  von  Salpeter
oder  Ammoniaksalz  erhöht.  Man  sollte  aber  mit  der  Bezeichnung  „Peruguano“  nur
solche  Ware  zulassen,  welche  außer  Schwefelsäure  zum  Aufschließen  keine  irgendwelchen
anderen  Zusätze  erhalten  hat.  Alle  sonstigen  künstlichen  Mischungen  sollten  entweder  als
„gemischter  Peruguano“  oder  als  „Salpeter-Peruguano  usw.“  von  der  echten,  unvermischten
Ware  unterschieden  werden.
Für  den  Nachweis  der  Echtheit  des  Peruguanos  kann  dienen:
a)  Die  Prüfung  auf  Harnsäure.  1—2  g  Guano,  mit  Salpetersäure  zur  Trockne
verdampft,  liefern  einen  gelben  oder  ziegelroten  Rückstand,  der  durch  wenig  Ammoniak
schön  purpurrot  wird  (Murexidprobe)  und  durch  nachherigen  Zusatz  von  Kali-  oder  Natronlauge
schön  rötlich-blau.  Diese  Reaktion  gelingt  wegen  der  rötlichen  Färbung  des  Peruguanos
nur  in  den  seltensten  Fällen  gut.  Besser,  aber  auch  nicht  immer  zuverlässig,  ist  es,  15—20  g
Peruguano  mit  Kali-  oder  Natronlauge  auszukochen,  heiß  zu  filtrieren,  das  Filtrat  mb
        <pb n="194" />
        Peruguano.

171

Salz-  oder  Schwefelsäure  zu  versetzen  und  die  nach  1  2-tägigem  Stehen  erhaltene  Ausscheidung ­
  auf  Harnsäure  zu  prüfen.
Für  die  quantitative  Bestimmung  der  Harnsäure  verfahren  A.  Stutzer  und
A.  Karlowa 1 )  in  folgender  Weise:
1—2  g  Substanz  werden  in  einer  Porzellanschale  mit  Wasser  übergossen  und  das
Wasser  mit  Salzsäure  schwach  angesäuert.  Man  verdunstet  die  Flüssigkeit  auf  dem
Wasserbade  bis  zur  völligen  Entfernung  der  Salzsäure,  übergießt  den  Kückstand  mit
100  ccm  Wasser  iu  dem  3  g  Piperazin  gelöst  sind,  erwärmt  die  Flüssigkeit  und  hält  sie
ungefähr  1  Minute  lang  im  Sieden.  Nun  wird  filtriert,  das  Filtrat  nach  dem  vollständigen
Erkalten  mit  wenig  Phenolphthalein  und  so  viel  Salzsäure  versetzt,  daß  die  alkalische
Reaktion  eben  verschwunden  ist.  Dann  gießt  man  10  ccm  einer  10  %-igen  Salzsäure  hinzu,
rührt  gut  um  und  läßt  die  Flüssigkeit  12  Stunden  stehen  Die  ausgeschiedenen  Kristalle
von  Harnsäure  werden  auf  einem  Filter  von  bekanntem  und  möglichst  geringem  Stickstoftgehalt
  gesammelt  und  mit  Wasser,  welches  1  %  Salzsäure  beigemengt  enthalt  ausgewaschen, ­
  bis  die  Gesamtmenge  des  Filtrats  200  ccm  betragt.  ^D^  Erlter  nebst  lnhalt
(1) ent  zur  Bestimmung  des  Stickstoffs,  aus  welchem  durch  Multiplikation  mit  2,994  die
^lönge  der  Harnsäure  berechnet  wird.
Da  die  Harnsäure  in  1  %-iger  Salzsäure  in  geringem  Maße  löslich  ist,  so  wird  der
Gehalt  der  200  ccm  au  Harnsäure  ermittelt;  derselbe  beträgt  rund  3  mg  und  ist  diese
Menge  zu  dem  gefundenen  Ergebnisse  zu  addieren.
b)  Die  Bestimmung  des  Kalis.  Echter  Peruguano  enthalt  2-4%  Kali;  letzteres
ann  a ber  auch  leicht  künstlich  zugesetzt  werden.  ..
,  Dev  Peruo-uano  enthalt  um  so  mehr  Oxalsäure,
je  nuA 016  Bestimmung  der  Oxalsäure  S“  bei  8-10%  Stickstoff  und  be
J e  mehr  Stickstoff  er  enthält,  nämlich  bis  18%  Oxalsäure  uei  ,o
gwingerem  Gehalt  an  letzterem  entsprechend  weniger.  .
Wir  fanden  z  B.  in  6  Sorten  echten  Peruguanos  neuester  Einfuhr.

Gesamt-Stickstoff  .
Att »moniak-Stickstoff

Ge

«amt-Eöslic],



■Phosph

orsäure

Kali
SST"“""
Earnsäure  .”

Chinchas
%
12,47
1.78
8.78
2,56
2,37
11,92
vorhanden ­


Guanape
%
10,19
3,80
16,79
6,59
3,44
8.56
0,87
vorhanden ­


Baliertas
%
12,26
3,68
10,96
3,36
2,42
10,40
4,16
vorhanden ­


Santa
Islands
°/o
3,29
1,73
26,38
1,99
3,11
0,30

Huaura  Marabi

Io
13,12
3.96
10.95
6.96
2,10
10.96
1,45
vorhanden ­


°/
Io
12,43
7,00
12,89
5,15
3,56
16,82
12,78
vorhanden ­


s tehen  Gehalt  an  Oxalsäure,  die  in  einem  emspiow.^  —
heit  Pfle§,t &amp;gt;  bietet  daher  wohl  den  sichersten  Anhaltspunkt  zur  Entscheidung  der  Echt
AuÄ  p eruguanos,  denn  diese  künstlich  zuzusetzen,  dürfte  nicht  lohnen.  Durch  das
^ehuuri  Ie ^ en  mit  Schwefelsäure  wird  durchweg  nur  die  lösliche  Oxalsäure
ene  Oxalsäure  und  die  Harnsäure  dagegen  nicht  bezw.  in  geringem  G.
b)  Aufgeschlossener  Peruguano,
««.«u.  Der  Gesamt-Stickstoff  und  die  einzelnen  Stickstoffformen  werden
rohen  Guano  bestimmt  (S.  169).
“•  Gliche  Phosphorsäure  wird  wie  bei  Superphosphat  bestimmt  (S.  180).
stimmt KaU  Uml  sons tig e  Bestandteile  werden  wie  bei  rohem  Peruguano  (S.  170)

pnt&amp;lt;?nrech  enden  Verhältnis  zum  Stickstoff  zu

die

(Vio  V,  V  Stickstoff.
16  bei  dem

l )  Ghem.-Zeitung  1896,  20,  721.
        <pb n="195" />
        172

Künstliche  Düngemittel.

IV.  Baker-,  Maiden-,  Mejillones-Guano.
1.  Stickstoff.  Diese  Guanosorten  enthalten  meistens  sehr  wenig  Stickstoff;
falls  er  bestimmt  werden  soll,  verfährt  man  ebenso  wie  hei  Peruguano  (S.  169).
2.  Phosphorsänre.  Dieselbe  wird  nach  den  unter  rohem  Peruguano  (S.  169),
hezw.  wie  hei  Knochenmehl  (S.  167)  angegebenen  Verfahren  bestimmt.
3.  Asche,  Sand  und  Feuchtigkeit  werden  wie  bei  Knochenmehl  (S.  167  bezw.
136)  bestimmt.
V.  Knochenkohle,  Knochenasche  usw.
1.  Phosphorsäure.  5  g  der  fein  zerriebenen  Substanz  werden  entweder  wie
bei  Knochenmehl  aufgeschlossen  oder  verascht  (Knochenasohe  wird  direkt  gelöst),
dann  mit  mäßig  konzentrierter  Salzsäure  1 / 4  Stunde  gekocht,  zur  Abscheidung
etwaiger  Kieselsäure  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  mit  salzsäurehaltigem
  Wasser  auf  genommen  und  filtriert.
Der  Rückstand  wird  nach  dem  Auswaschen,  wenn  erforderlich,  getrocknet,
geglüht  und  gewogen;  er  ergibt  die  vorhandene  Sandmenge.  Das  Filtrat  wird  auf
500  ccm  gebracht  und  50  ccm  davon  zur  Phosphorsäurebestimmung  (S.  150)  verwendet.
2.  Feuchtigkeit.  Durch  Trocknen  von  10  g  Substanz  bei  105—110°  bis  zur
Gewichtsbeständigkeit.
3.  Kohlensäure  und  Ätzknlk.  Die  Kohlensäure  wird  wie  bei  Boden  (S.  15)
oder  wie  bei  Mergel  (S.  102)  in  etwa  3  g  bestimmt.  Sollte  auch  Ätzkalk  zugegen
sein,  so  feuchtet  man  eine  zweite  Probe  im  Tiegel  mit  einer  Lösung  von  Ammoniumkarbonat ­
  an,  verdunstet  die  Feuchtigkeit  unter  Bedecken  des  Tiegels  mit  dem  Deckel,
wiederholt  diese  Behandlung  mehrmals  und  erhitzt  zuletzt  vorsichtig  etwas  stärker,
jedoch  nicht  bis  zum  Glühen,  so  daß  von  der  Kohle  nichts  verbrennt.  Hierauf
wird  nochmals  die  Kohlensäure  bestimmt  und  aus  der  Differenz,  welche  man  bei
der  ersteh  und  zweiten  Bestimmung  findet,  die  vorhandene,  der  mehr  gefundenen
Kohlensäure  entsprechende  Menge  Ätzkalk  berechnet;  1  Teil  C0 2  =  1,273  Teile  CaO.
4.  Schwefelsäure  und  Chlor.  Zur  Untersuchung  auf  diese  Bestandteile
fällt  man  die  verdünnte  salpetersaure  Lösung  mit  Baryumnitrat  bezw.  Silbernitratlösung. ­


VI.  Thomasphosphatmehl.
Für  die  Vorbereitung  der  zur  Untersuchung  auf  Phosphorsäure  zu
verwendenden  Probe  Thomasmehl  gilt  die  vom  Verbände  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen ­
  i.  D.  Reiche  getroffene  Vereinbarung  No.  8  S.  164.  *)
1.  Gesamt-Phosphorsäure.  Zur  Bestimmung  der  Phosphorsäure  in  dem
Thomasphosphatmehl  werden  5  oder  10  g  mit  Salzsäure,  mit  Königswasser  oder
mit  Schwefelsäure  aufgeschlossen.
Von  dem  Verbände  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  R.  ist  die  Aufschlieflung
mit  Schwefelsäure  vereinbart. *  2 )  Dieselbe  wird  am  besten  nach  dem  Vorschläge ­
  von  G.  Loges 3 )  ausgeführt.  10  g  Phosphatmehl  werden  in  einem  1 / 2  1-Kolben
von  hartem  Kaliglase  mit  Wasser  durchfeuchtet  und  mit  50  ccm  konzentrierter
Schwefelsäure  versetzt.  Darauf  erhitzt  man  die  Masse  entweder  im  Sand-  oder

J )  Diese  Vereinbarung  ist  auch  vom  V.  intern.  Kongreß  f.  angewandte,  Chemie  angenommen. ­

2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1893,  43,  324.  Der  V.  intern.  Kongreß  f.  angewandte
Chemie  hat  sich  ebenfalls  für  das  Aufschließen  mit  Schwefelsäure  ausgesprochen.
3 )  Repertorium  f.  anal.  Chemie  1887,  S.  85  u..  Privat-Mitteilung.
        <pb n="196" />
        Thomasphosphatmehl.

173

Luftbade  oder  auch  über  freier  Flamme  auf  dein  Drahtnetz,  bis  sich  weide
Dämpfe  entwickeln.  Beim  Erhitzen  über  freier  Flamme  vollzieht  sich  die  Aufschließung ­
  in  Stunde.  Man  läßt  erkalten,  füllt  mit  Wasser  bis  zur  Marke  auf,
mischt  und  filtriert.  Die  filtrierte  Flüssigkeit  trübt  sich  nach  längerer  Zeit 1 )  häufig
durch  sich  ausscheidendes  Calciumsulfat,  das  sich  dann  aber  später  in  Zitronensäuren! ­
  Ammon  wieder  löst.  Ohne  darauf  also  Rücksicht  zu  nehmen,  wird  in  50  ccm
dieser  Lösung  die  Phosphorsäure  bestimmt  (vergl.  S.  152  unter/?).
Die  Aufschließung  des  Thomasphosphatmehles  mit  Schwefelsäure  hat  den  Vorteil,
daß  dadurch  die  Kieselsäure  so  gut  wie  vollständig  und  der  Gips  zum  größten  Teil
ausgeschieden  wird,  welche  beide  die  spätere  Fällung  der  Phosphorsaure  (vergl.  S.  153)
beeinträchtigen  können, 2 )  so  daß  man  stets  Lösungen  von  fast  gleichem  Gehalt  an  Gips
und  Tonerde  erhält.  Auf  diese  Weise  fallen  die  Ergebnisse  für  die  nach  dem  Zitrat-^erfahren
  bestimmte  Phosphorsäure  gleichmäßiger  aus.  Die  freie  Schwefelsäure  ist  nach
Fresenius 3 )  ohne  Einfluß  auf  die  Bildung  des  Molybdanuiederschlages  wenn  die
Phosphorsäure  nach  dem  Molybdänverfahren  bestimmt  wird.  Etwa  vorhandenes  Eisenoxydul
Wlf d  durch  die  Salpetersäure  der  Molybdänlösung  oxydiert.  Das  Aufschließen  mit  Schwefelte ­
  kann  aber  den  Nachteil  haben,  daß  sich  mitunter.  fodmb  “  tTrkt
Wandungen  ansetzt  und  dadurch,  daß  er  Phosphatlösung  emschheßt,  fehlerhaft  wirkt.
Wenngleich  dieser  Fall  nur  vereinzelt  vorkommt  so  wird  doch  von  manchem
Aufschließung  mit  Salzsäure  vorgezogen.  Dieses  Verfahren  ist  aber  vom
Verbände  landw.  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche  als  unzulässig  erklärt
Worden. 1 )

m  Eine  vollsändige  und  glatte  Aufschließung  des  Thomasphosphatmehles  erreicht
Un  auc h  durch  Eindampfen  mit  Königswasser.  Indes  wird  hierdurch  leicht  etwas
viel  Fhosphorsäure  gefunden,  weil  der  vorhandene  Phosphor  in  Phosphorsäure
d u )er f eführt  und  mit  bestimmt  wird.  Freilich  geht  auch  ein  Teil  des  Phosphors
r °h  Aufschließen  mit  Schwefelsäure  und  Salzsäure  in  Phosphorsäure  über;  für
Eit'f  bUnlieb  sind  die  Differenzen  jedoch  nur  gering  und  hat  es  keinen  wesentlichen
u3 &amp;gt;  ob  man  mit  Schwefelsäure,  Salzsäure  oder  Königswasser  aufschließt.
b an ,  "•  ^itronensäurelösliche  Pliosphorsäure.  ö  g  des  natürlichen  oder  bei  Vorteilen ­
  groben  Stückchen  durch  ein  2  mm-Sieb  gesiebten  Thomasmehles  werden  in
an  61 | i  ccm_ Eolben  gebracht,  in  welchen  man  vorher,  um  das  hestsetzen  der  Substanz
2  0/  .  Wandung  zu  verhüten,  5  ccm  Alkohol  gegeben  hat;  der  Kolben  wird  mit
/o'iger  Zitronensäure,  deren  Temperatur  17,5°  beträgt,  bis  zur  Marke  aufgefüllt,
R  Kautschukpfropfen  verschlossen  und  ohne  \erzug  30  Minuten  lang  in  den
D  «erapparat  gebracht,  der  sich  30—40mal  in  der  Minute  um  seine  Achse  dreht,
gehnu° Sllng  wird  dann  sogleich  filtriert.  Diese  Bedingungen  müssen  strenge  inne
cn  Werden.  Besonders  ist  noch  folgendes  zu  beachten:
ten*;  DerRau «b  worin  die  Ausschüttung  vorgenommen  wird,  muß  eine  Durohschnitts-P
  atur  v on  17,5"  haben.

’)  Läßt  man  die  sauren
816  leicht  ganz  klare  Filtrate.

unfiltrierten  Lösungen  einige  Stunden  stehen,  so  geben

2 )  Dip 1 «  kl ^ r - 6  ..  ,  •  t  uac h  einigen  Versuchen  nicht  so  not-'
 Ve ndio- z JJle  Beseitigung  der  Kieselsäure  scheint  nacu  s
31

.  —  sein,  45i.  „94  Bei  etwaiger  Anwendung
3 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1864,  ’,  i: -!4;  l" 3 ’  „konzentrierter  Salzsäure  un
4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  13J2 ‘  ,  '’ tme hl  mit  loO  ccm  Kieselsäure  l / a  Stunde
Salzsäure  verdampft  mau  10  g  Ph ° S £ tand  zur  Absche«*«  in  einen  500  ccm-Wasserhade
  zur  Trockne,  erwärmt  denWasser  auf,  &amp;amp;***
S 1 .  Luftbado,  nimmt  mit  salzsäurehaltigem
Kolh eil
        <pb n="197" />
        174

Künstliche  Düngemittel.

2.  Statt  des  Rotierapparates 1 )  darf  kein  Schüttelapparat  angewendet  werden.
3.  Zur  sofort  nach  der  Schüttelung  vorgenommenen  Filtration  verwendet  man  zweckmäßig ­
  große  Falteulilter;  wenn  die  Flüssigkeit  anfangs  trübe  filtriert,  wird  sie  auf  das
Filter  zurüokgegossen.
Die  so  hergestellte  Zitronensäure-Lösung  enthält  unter  Umständen  hei  kieselsäurereichen
  und  eisenarmen  Thomasmehlen  verhältnismäßig  viel  Kieselsäure,  und
diese  wirkt,  weil  sie  sich  unlöslich  ausscheidet,  fehlerhaft  d.  h.  bedingt  zu  hohe
Ergebnisse.  Die  Zitronensäure-Lösungen  von  solchen  Thomasmehlen  erscheinen
hell,  fast  farblos  und  liefern  nur  schwierig  filtrierende  Niederschläge.  Zur
Vermeidung  der  durch  Mitausscheidung  von  Kieselsäure  bedingten  Fehler  können
verschiedene,  bereits  S.  154—156  beschriebene  Verfahren  angewendet  werden.  Die
deutschen  Versuchs-Stationen  haben  die  Vorprüfung  nach  Kellner  (S.  154  Anm.  1),
die  Abscheidung  der  Kieselsäure  durch  Eindampfen  mit  Salzsäure  und  die  Fällung
der  kieselsäurefreien  Lösung  nach  Böttcher  (S.  153)  vereinbart.
P.  Wagner *  2  *  * )  dagegen  schlägt,  weil  an  sich  jede  Bestimmung  doppelt  ausgeführt
zu  werden  pflegt,  folgenden  Weg  vor;
Jede  zur  Untersuchung  kommende  Thomasmehlprobe  wird  von  zwei,  nötigenfalls  von
drei  verschiedenen  Chemikern  untersucht,  und  zwar  wie  folgt:
Verfahren  I.  Der  eine  Chemiker  bestimmt  die  Phosphorsäure  unter  genauer  Einhaltung ­
  der  S.  154  angegebenen  Bedingungen  durch  Fällung  mitEisen-Zitrat-Magnesiamixtur.

Verfahren  II.  Der  zweite  Chemiker  bestimmt  (selbstredend  in  einem  anderen  Teile
der  Probe)  die  Phosphorsäure  nach  dem  gleichen  Fällungsverfahren,  jedoch  mit  der  Abweichung, ­
  daß  er
a)  nicht  die  Eisen-Zitrat-Magnesiamixtur,  sondern  die  Zitrat-Magnesiamixtur  ohne
Eisen  verwendet,  oder
b)  die  Zitrat-Magnesiamixtur  dem  zitronensauren  Phosphatauszug  zufügt,  die  Mischung
3—5  Minuten  stehen  läßt  und  sie  dann  in  den  Rührapparat  bringt.
Liegt  ein  Thomasmehl  von  normalem  Kieselsäuregehalt  vor.  so  deckt  sich  das  bei
diesem  Verfahren  erhaltene  Ergebnis  mit  dem  bei  Verfahren  I  erhaltenen.  Liegt  dagegen
ein  Ausnahmefall  vor,  also  ein  ausnehmend  kieselsäurereiches  Thomasmehl,  so  wird  beim
Verfahren  II  ein  höheres  und  zwar  unrichtiges  Ergebnis  erhalten.  Der  Ausnahmefall  wird
also  mit  Sicherheit  entdeckt  und  das  betreffende  Thomasmehl  wird  dann  nicht  nur  nach
dem  Verfahren  I,  sondern  auch  nach  dem  Molybdänverfahren  oder  dem  Verfahren
Naumann  (S.  155)  oder  einem  anderen  genauen  Verfahren  untersucht.
Verfahren  III.  Diejenigen  zitronensauren  Thomasmehlausztige,  welche  nicht  normal
gefärbt  sind,  vielmehr  durch  holle  Färbung  sich  bemerklich  machen  oder  auch  völlig  farblos
sind,  mithin  als  eisenarme  oder  eisenfreie  Lösungen  sich  darstellen,  werden  einem  dritten
Chemiker  übergeben,  der  sie  unter  Anwendung  des  Molybdänverfahrens  (S.  150)  oder  des
Verfahrens  von  Naumann  (S.  155)  oder  von  Wagner  und  Kunze  (S.  155)  untersucht.
Bei  Schiedsuntersucbungen,  welche  die  Bestimmung  der  zitronensäurelöslichen ­
  Phosphorsäure  in  Thomasmehlen  betreffen,  ist  nach  einem  Beschlüsse  des
Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche 8 )  die  direkte  Fällung
')  Der  Rotierapparat  nebst  Heißluft-Motor  kann  von  Ehrhardt  und  Metzger  in
Darmstadt  oder  anderen  Mechanikern  bezogen  werden.  Erstere  Firma  liefert  auch  passende,
gleichmäßig  hergestellte  !/ 2  1-Kolben  mit  Pfropfen  und  Blechhülse  hierzu.  Statt  des  genannten
Rotierapparates  ist  auch  der  von  K.  Müller  in,Gebrauch,  der  mit  einem  Uhrwerk  eingerichtet ­
  ist  und  sich  ganz  genau  auf  die  Umdrehungszahl  einstellen  läßt.  Dieser  Apparat
kann  von  der  Großuhrenfabrik  F.  A.  Beyer  in  Hildesheim  bezogen  werden.
2 )  P.  Wagner,  Die  Bestimmung  der  zitronensäurelöslichen  Phosphorsäure  i n
Thomasmehlen.  Berlin  1903,  105.
s )  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  56,  30;  1902,  57,  7.
        <pb n="198" />
        Thomaephosphatmehl.

175

, r  .  .  .  ,  nur  Thomasphosphatmehle,
mit  Magnesiamixtur  anzuwenden.  Auen  sollen  ;  __
_•  i  ,  i  TT-  i  „  ,i  flT&amp;gt;  q  n  fl  p  r  ft  Dhosphorsäurenaltige  Düngenicht
  aber  Knochenmehle  oder  anneie  °  ,
mittel  nach  dem  vonP.  Wagner  lediglich  für  d  i  eü  n  t  e  rsuchun g  von  Th  °  m  asmehlen
  auf  zitronensäurelösliche  Phosphorsäure  ausge  &amp;gt;  vo
■xr  tt  nntprsuent  werden  aunen.
er,  an  de  a  n  g  e  n  o  mm  e  neu  er  i  ThomaS p hoS phatmehle  unterscheiden
3.  Spezifisches  Gewicht.  hillischem  Eisen  durch  ein  verschiedenes
sich  nicht  selten  je  nach  dem  Gehalt  an  metal  ^  ^  Ermittelung  desselben
spezifisches  Gewicht;  es  schwankt  w&amp;gt;n  •,  -  sc h]ägt  folgendes  Verfahren
hm.  wie  bei  .Zement“  (S.  117)  erfolg...  ",„«Lrt*  in  50  eemnur
  Ern.itMlmig  des  spee,  f  ™  M  enlhalte. 1  -  hlnnngegeben,
Kölbchen  gebracht,  aus  einer  BUiette  Alkohol  zur  Marke  au fgefüllt.
geschüttelt,  um  anhaftende  Luft  zu  entferne,  nach  c i en  Beschlüssen  des
4.  Feinmehl.  Die  Bestimmung  t  '  .  f 0 igt ; 8 )  50  g  Phosphatmehl
Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  x.  •  •  unter  20  cm  Durchmesser
werden  in  einem  Sieb,  dessen  Siebflaone  nie

Flg.  26,  Schüttelwerk  zur

Bestimmung  des  Felnmehles  des  Thomasphosphatmehles.

^ e tr,igt  und  aus  dem  Drahtgewebe  No.  100  von  Amandus  Kahl  in  Ham-(glattes
  Gewebe)  hergestellt  ist,  15  Minuten  lang  mit  der  Hand
er  einem  geeigneten  Schüttelwerk  geschüttelt. 4 )  Die  Differenz:  50  g
IUs  Gewicht  des  auf  dem  Sieb  verbleibenden  Rückstandes,  gibt  den  Feinmehlgehalt.
Als  Schüttelwerke  für  Thomasmehl  sind  verschiedene  in  A  erschlag  gebracht,
von  M.  Fleischer, 5 )  A  Stutzer«)  u.  a.  AVir  bedienen  uns  unter  Anwendung  der
em r ! eSchriebenen  Siebe  mit  Vorteil  des  von  v.  Weinzierl  für  Absieben  von  Kleeseide
SieT° hlenen &amp;gt;  hier  abgebildeten  Schüttelapparates, 7 )  mit  dem  man  gleichzeitig  2  Proben
w Deri  kann.  Derselbe  läßt  sich  bequem  mittels  eines  sogenannten  Nähmaschinenassermotors
  oder  auch  eines  kleinen  Elektromotors  statt  mit  der  Hand  treiben.
® e i  Bestimmung  des  Feinmehlgehaltes  kommen  bisweilen  iccht  erhebliche
grenzen  vor.  Sie  liegen  einerseits  in  der  Ungleichheit  der  Siebe  —  selbst  das
J  kandw.  Versuchs-Stationen  1898,  50,  190.
J  J^vat-Mitteilung.  or ._
)  Landw.  Versuchs-Stationen  1888,  35,  8  und  1890,  38  30o.  ,
kommen  16868  Verfahren  ist  auch  vom  V '  intern -  K °“ g  aüferewaudte  Chemie  au ‘
2  2,1  beziehen  von  Aug.  Fr.  Weiland  in  Bremen
’  "  %  „  C.  Gerhardt  in  Bonn,

7 )

Lenoir

und  Förster  in  Wien  IV,  Waaggasse  No.  5.
        <pb n="199" />
        176  Künstliche  Düngemittel.

von  einer  und  derselben  Fabrik  bezogene  Drahtnetz  weist  Ungleichheiten  auf  oder
verändert  bezw.  verstopft  sich  mit  dem  längeren  Gebrauch,  weshalb  es  öfters  erneuert
werden  soll  —andererseits  sind  die  Differenzen  durch  die  Art  des  Siebens  bedingt;  bei
Maschinenbetrieb  und  vertikaler  Bewegung  findet  man  durchweg  einen  höheren
Gehalt  an  Feinmehl,  als  bei  Handbetrieb  und  horizontaler  Bewegung  des  Siebes.
Differenzen  von  einigen  Prozenten  sind  daher  nicht  auffallend  und  kaum  vermeidbar.
Enthält  ein  Schlackenmehl  gröbere  (hirsekorngroße)  Schlackenstucke,  so  soll
man  diese,  wie  schon  S.  164  No.  8  erwähnt,  durch  ein  2  mm-Sieb  vorher  absieben  und
getrennt  in  Rechnung  bringen.  Mitunter  finden  sich  auch  infolge  eingedrungenen
Wassers  Klümpchen  im  Thomasphosphatmehl,  welche  durch  leichtes  Zerdrücken  oder
durch  anhaltendes  Sieben  zu  Staub  zerfallen.
5.  Nachweis  von  Verfälschungen  des  Thomasphosphatmehles.  Das  Thomasphosphatmehl ­
  ist  mehrfach,  vorwiegend  in  England,  mit  Redonda-Phosphatmehl
und  Präzipitaten  von  Eisen-  und  Tonerde-Phosphaten  verfälscht  worden;  auch  hat
man  den  Versuch  gemacht,  statt  des  Thomasmehles  andere  Mineralphosphate,  so  das
Atlasphosphat,  belgisches  Phosphatmehl  usw.,  in  den  Handel  zu  bringen.
Die  Verschiedenheit  der  chemischen  Zusammensetzung  erhellt  z.  B.  aus  folgenden
Zahlen:

Thomas-Redonda-







phosphat

phosphat

0/
Io

%

°/o

Phosphorsäure
Davon  in  verdünnter  Essigsäure  (1  :  2  Vol.  Wasser)

17,98

41,22

11,62

löslich  ,

8,25

Spur

1,33

Eisenoxyd  und  Tonerde

17,10

28,72

12.80

Kalk

47,58

0,26

17,74

Davon  löslich  in  verdünnter  Essigsäure

37,31

Spur

2,62

Wasser

0,15

23,94

8,99

Spezifisches  Gewicht

3,317

2,481

2,551.

Am  sichersten  zum  Nachweis  dieser  Art  Phosphate  und  auch  der  Präzipitate
kann  dienen:
a)  Der  Wassergehalt.  Thomasphosphatmehl  enthält  nur  Spuren  Wasser,  die
zur  Verfälschung  dienenden  Phosphate  dagegen  enthalten  nicht  unbedeutende  Mengen
Wasser,  welches  größtenteils  schon  bei  105—110°  verflüchtigt  wird.  Zeigt  daher
ein  fragliches  Phosphatmehl  durch  Trocknen  bei  105—110°  mehrere  Prozente
Gewichtsverlust,  so  ist  es  verdächtig  und  einer  weiteren  Prüfung  nach  folgenden
Verfahren  zu  unterwerfen:
b)  Das  spezifische  Gewicht.  Dasselbe  ist  bei  Rcdonda-  und  Atlasphosphat,
ebenso  bei  den  Präzipitaten,  erheblich  geringer  als  bei  dem  Thomasphosphatmehl,
dessen  spezifisches  Gewicht  zwischen  3,00—3,33  zu  liegen  pflegt.
Bringt  man  daher  in  ähnlicher  Weise  wie  bei  der  Bestimmung  des  Hornmehles
  in  Knochenmehl  nach  S.  167,  No.  5  die  fraglichen  Phosphatmehle  in  eine
Flüssigkeit  von  2,6—2,7  spezifischem  Gewicht,  so  findet  eine  Scheidung  statt;  das
Thomasphosphatmehl  setzt  sich  zu  Boden,  während  die  leichteren  Mineralphosphate
und  Präzipitate  sich  an  der  Oberfläche  der  Flüssigkeit  ansammeln;  letztere  können
dann  abfiltriert  und  näher  untersucht  werden.  Wendet  man  eine  bestimmte  Monge
des  fraglichen  Thomasphosphatmehles  an,  sammelt  den  obenauf  schwimmenden  Teil
auf  einem  Filter  und  wägt  ihn  nach  dem  Trocknen  und  schwachen  Glühen,  so  läßt
sich  auch  annähernd  die  Menge  der  Beimengung  bestimmen.
Die  geeignetste  Scheidungsflüssigkeit  für  den  Zweck  ist  nach  M.  Märcker
das  Bromoform,  welches  bei  14,5°  ein  spezifisches  Gewicht  von  2,775  besitzt.
        <pb n="200" />
        Phosphorite,  Apatite,  Koprolithe  usw.

177

Nach  Log-es 1 )  ist  Bromoform  nur  brauchbar  zur  Scheidung  von  Tonerdephosphaten,
versagt  aber  bei  den  Verfälschungen  mit  Phosphoritmehlen,  da  deren  spezifisches
Gewicht  nahe  an  3,0  liegt;  deshalb  ist  die  Anwendung  der  S.  21  genannten  Lösungen,
womit  sich  ein  spezifisches  Gewicht  von  3,0  und  mehr  erreichen  läßt,  empfehlenswerter.
Handelt  es  sich  um  mit  Kohlenstaub  gefärbte  Phosphoritmehle,  so  genügt  das
Schütteln  der  Substanz  mit  Wasser,  um  Phosphoritmehl  und  Kohle  zu  trennen.
c)  Glühverlust  Derselbe  wird  nur  in  wenigen  Fällen  Aufschluß  geben,
da  besonders  längere  Zeit  den  Witterungseinflttssen  ausgesetzt  gewesene  Thomasmehle ­
  Karbonate  enthalten.  ,  ,  ,  ,  _ T  ,
d)  Fluor.  Über  Verfälschungen  mit  Phosphoritmehlen  gibt  auch  der  Nachweis ­
  von  Fluor  Aufschluß.  Derselbe  erfolgt  nach  Ü.  Böttcher*)  m  folgender
Weise:  10-15  g  Substanz  werden  in  ein  10  cm  hohes  und  o-6  cm  weites  Becherglas ­
  gebracht,  mit  15  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  übergossen  und  darauf  das
Becherglas  mit  einem  Uhrglas  bedeckt,  an  dessen  unterer  Seite  ein  Tropfen  Wasser
hängt.  Ist  in  dem  Thomasmehl  fluorhaltiges  Phosphoritmehl  v  orhanden^  dann  bildet
s ich  um  den  Wassertropfen  ein  weißer,  schneeartiger  Rand.  Aach  5  Mi  mten
dauernder  Einwirkung  sieht  man  meistens  auch  nach  Reinigung  des  1  hrghases  die
durch  die  Flußsäure  bewirkte  Ätzung.  Allerdings  wollen  Werth  und  Wagner

auch  in  Thomasmehlen  schon  Fluor  nachgewiesen  haben.
e)  Nach  Richter  und  Förster 8 )  kann  der  Zusatz  von  Redondaphosphat  zu
omasmehl  dadurch  nachgewiesen  werden,  daß  man  die  Substanz  mit  kalter  Natron-Ja
 uge  schüttelt,  filtriert,  das  Filtrat  mit  Salzsäure  ansäuert  und  dann  schwach
uuimoniakalisch  macht;  bei  nur  5%  Redondaphosphat  entsteht  ein  starker  gallertiger ­
  Niederschlag  von  phosphorsaurer  Tonerde.  Reines  Thomasphosphatmehl
| lbt  gar  keinen  oder  nur  einen  ganz  geringen  Niederschlag,  der  sich  in  einem
er schuß  von  Essigsäure  wieder  löst.
b  f)  Mikroskopische  Prüfung.  Zur  ersten  Unterrichtung  leistet  die  makroezw
 -  mikroskopische  Prüfung  des  Grobmehles  gute  Dienste.
g)  Löslichkeit.  Da  die  Phosphorsäure  der  Phosphorite  in  der  Wagneren
  Ammonzitratlösung  (Lösung  13  b  a)  im  Gegensatz  zu  der  Thomasmehlphosphoretw
 6  W6nig  oder  S ;ir  nicht  löslich  ist ’  S °  Wird  dieS6S  Verfahren  W ° hl  immer  dne
J ge  Verfälschung  anzeigen.

VII.  Phosphorite,  Apatite,  Koprolithe  usw.
Jr f  | ,  '•  Phosphorsäure.  5  g  der  möglichst  fein  zerriebenen  Masse  werden  in  einem
S ben  Ode,-  in  einer  Porzellanschale  -  bei  reichlich  vorhandenen  kohlensauren
Unter  Bedeckung  mit  einem  Uhrglase  -  mit  Königswasser  (3  Teile  Salz-G
 2 e  von  l,i 2  spezifischem  Gewicht  und  1  Teil  Salpetersäure  von  1,26  spezifischem
beS  Cbt)  entw eder  i/ a  Stunde  gekocht  oder  im  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,
hS?  Ahscheidung  der  Kieselsäure  einige  Zeit  im  Luftbade  erwärmt,  mit  sa  petersaurevon
  -fn®  Was «er  aufgenommen,  filtriert,  das  Filtrat  auf  500  ccm  gebracht  und  dabeh
 an( |^ m  entweder  nach  dem  Molybdänverfahren  (S.  loO)  oder  Zitratve  (S■  o.)
«*r  i  '«‘f ac  **?£££,  H
STS&amp;gt;•“  —
2,  pfivat-Mitteilung.
a  ^  mm-Zeitung  1894,  18.  565.
Land  Mltteil  d -  D -  Landw.-Gesellschaft  1890/91,  131.  ^
Wirtschaftliche  Stoffe,  3,  Auflage.
        <pb n="201" />
        178  Künstliche  Düngemittel.

fischem  Gewicht  1 / 2  .Stunde  stark  gekocht,  ahgekühlt,  mit  Wasser  auf  500  ccm  aufgefüllt,
  durch  dichtes  Filtrierpapier  filtriert,  50  ccm  des  ganz  klaren  Filtrats  annähernd ­
  mit  Ammoniak  neutralisiert,  mit  100  ccm  Zitratlösung  (nach  M.  Märcker
vergl.  Lösung  12  b)  versetzt,  gekühlt  und  nach  Zusatz  von  25  ccm  Magnesiamixtur
1 / 2  Stunde  ausgerührt  usw.
2.  Kohlensäure  in  3—5  g  Substanz  wie  hei  Boden  (S.  15)  oder  wie  bei
Mergel  (S.  102).
3.  Feuchtigkeit  vergl.  S.  136.
VIII.  Präzipitierte  Phosphate.
1.  Gesamtphosphorsänre.  5  g  Substanz  werden  in  einem  1 / 2  Literkolben  mit
Schwefelsäure  oder  Königswasser,  bis  Lösung  erfolgt,  gekocht,  sodann  abgekühlt,
zur  Marke  aufgefüllt,  durch  ein  trockenes  Filter  filtriert  und  50  ccm  des  Filtrates
nach  dem  Molybdän-  (S.  150)  oder  Zitratverfahren  (S.  152)  behandelt.  Nach
Th.  Pfeiffer 1 )  erhält  man  durch  Lösen  mit  Salzsäure  beim  Fällen  mit  Magnesiamixtur ­
  den  als  Pyro-  bezw.  Metaphosphat  vorhandenen  Teil  der  Phosphorsäure,
welcher  um  so  größer  ist,  je  schärfer  das  Phosphat  getrocknet  wurde,  nicht.  Infolgedessen ­
  hat  der  Verband  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen
folgenden  Antrag  von  Th.  Pfeiffer  angenommen; 2 )  Es  ist  dahin  zu  wirken,
daß  beim  Verkauf  von  Präzipitaten  eine  Garantie  für  die  in  Form  von
Dicalciumphosphat  vorhandene  (zitratlösliche)  Phosphorsäure  geleistet ­
  wird.
2.  Zitratlösliche  Phosphorsäure.  Über  die  Bestimmung  der  zitratlöslichen  Phosphorsäure ­
  nach  P.  Wagner  vergl.  S.  156  No.  4a,  nach  A.  Petermann  S.  156  No.  4b.
3.  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Tonerde,  Kalk  usw.  vergl.  S.  160.
4.  Bestimmung  des  Arsengehaltes  in  für  Fütteruugszwecke  bestimmtem
Präzipitat,  a)  Qualitativer  Nachweis.  Zu  diesem  Zwecke  sei  das  Gutzeitsche
  Verfahren  wegen  der  sehr  bequemen  Ausführbarkeit  empfohlen:
Man  .  bringt  1—2  g  Substanz  in  ein  größeres  Probierglas,  setzt  etwa  1  g
chemisch  reines  Zink,  sowie  etwa  10  ccm  schwach  verdünnte,  chemisch  reine  Salzsäure ­
  hinzu,  verschließt  die  Mündung  lose  mit  einem  Baumwollebausch  (um  spritzende
Flüssigkeitströpfchen  zurückzuhalten)  und  deckt  darüber  ein  mit  kalt  gesättigter
konzentrierter  Silbernitratlösung  getränktes  Stückchen  Filtrierpapier.  Man  läßt  in
einem  wenig  belichteten  Raume  etwa  1  Stunde  stehen;  entsteht  auf  dem  Filtrierpapier ­
  ein  gelber  Fleck,  so  ist  Arsen  vorhanden.
Das  Zink  darf  keine  Spur  Schwefelzink  und  ebensowenig  wie  die  Salzsäure
Arsen  enthalten,  worüber  man  sich  durch  einen  blinden  Versuch  Sicherheit  verschafft.
b)  Quantitative  Bestimmung.  10—20  g  Substanz  werden  nach  den
Vereinbarungen  im  Kaiserl.  Gesundheitsamt 3 )  in  einer  Porzellanschale  in  der  nötigen
Menge,  nämlich  in  etwa  25  ccm  reinster  Salzsäure  von  1,10—1,12  spezifischem  Gewicht ­
  und  75  ccm  Wasser  gelöst  ;  man  setzt  0,5  g  chlorsaures  Kalium  hinzu,  bringt
auf  ein  Wasserbad,  gibt,  wenn  die  Flüssigkeit  die  Temperatur  des  Wasserbades
angenommen  hat,  von  6  zu  5  Minuten  weitere  kleine  Mengen  von  chlorsaurem  Kalium
hinzu,  im  ganzen  etwa  2  g,  und  ersetzt  dabei  das  verdunstete  Wasser.  Nach  dem
Erkalten  der  Flüssigkeit  wird  filtriert,  das  erste  Filtrat  in  einer  Kochflasche  erhitzt;
bis  kein  Chlorgoruch  mehr  wahrnehmbar  ist,  das  Waschwasser  dagegen  für  sich  bis
auf  etwa  50  ccm  im  Wasserbade  verdunstet  und  dann  beide  Flüssigkeiten  vereinigt-*)

  Landw.  Versuchs-Stationen  1896,  47,  357.
2 )  Ebenda  1897,  4!»,  29.
3 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1888,  307.
        <pb n="202" />
        Präzipitierte  Phosphate.

179

-We  Gesamtmenge  der  Flüssigkeit  soll  das  8—10-fache  \  olumen  der  angewendeten
Salzsäure,  also  200—250  ccm  betragen.  In  die  auf  60—80°  erwärmte  Flüssigkeit
leitet  man  3  Stunden  lang,  indem  man  sie  auf  dieser  Temperatur  erhält,  reines,  gewaschenes ­
  Schwefelwasserstoffgas  in  langsamem  Strom  ein,  läßt  12  Stunden  an  einem
mäßig  wannen  Ort  stehen,  filtriert,  wäscht  mit  schwefelwasserstoffhaltigem  Wasser  gut
a us,  behandelt  darauf  noch  feucht  mit  Schwefelammonium  (etwa  4  ccm  -f-  2  ccm
Ammoniakflüssigkeit  von  0,96  spezifischem  Gewicht  +  15  ccm  Wasser  genügen)  —,
wäscht  mit  schwefelararaoniumhaltigem  Wasser  nach,  verdampft  das  gesamte  Filtrat
in  einem  Porzellanschälchen  (von  etwa  6  ccm  Durchmesser)  zur  Trockne,  Ubergießt
den  Rückstand  mit  etwa  3  ccm  roter  rauchender  Salpetersäure,  verdampft  bei  gelinder
arme  und  wiederholt  nötigenfalls  das  Abdampfen  mit  rauchender  Salpetersäure,
ins  der  Rückstand  im  feuchten  Zustande  gelb  erscheint.  Dei  noch  feuchte  Rückstand
w ird  mit  kohlensaurem  Natrium  alkalisch  gemacht  und  mit  2  g  eines  Gemisches
von  3  Teilen  reinster  Soda  und  1  Teil  reinstem  Natronsalpeter  versetzt,  getrocknet,
dann  bis  zum  beginnenden  Schmelzen  erhitzt.  Die  Schmelze  wird  mit  warmem
Nasser  aufgenommen,  die  Lösung  filtriert  und  mit  so  viel  Salpetersäure  versetzt,
daß  die  Flüssigkeit  auch  nach  dem  Austreiben  der  Kohlensäure  durch  Kochen  deutlich
sa «er  reagiert  Die  etwas  eingeengte,  klare  (wenn  nötig  filtrierte)  ganz  erkaltete
Flüssigkeit  wird  mit  einem  gleichen  Volumen  Molybdänlösung  (vergl  unter  Lösungen
No -  9  am  Schluß)  versetzt  und  3  Stunden  in  der  Kälte  stehen  gelassen  Entsteht
gelbe  Fällung  (herrührend  von  Phosphorsäure  durch  ungenügendes  Auswaschen
f e s  Schwefelarsens)  so  mul)  filtriert  werden.  Das  Filtrat  oder  die  mit  Molybdänosung
  versetzte  klar  gebliebene  Flüssigkeit  wird  in  einem  Kölbchen  auf  dem  V,  asser-)a
 de  erhitzt,  bis  sich  Molybdänsäure  auszuscheiden  beginnt,  was  meistens  nach
^Minuten  langem  Erwärmen  bei  Siedehitze  geschieht.  Sodann  wird  filtriert,  der
Rückstand  auf  dem  Filter  mit  verdünnter  Molybdänlösung  (100  Teile  Molybdänlosung,
20  Teile  Salpetersäure  von  1,2  spezifischem  Gewicht  und  80  Teile  Wasser)  ausgewaschen
111  verdünntem  Ammoniak  (  :  2),  2-4  ccm  Ammoniak  von  0,96  spezifischem  Gewicht
**»8t,  das  Filtra  t  V  Raumteil  Alkohol  versetzt  und  mit  einigen  ccm  Magnesiat
  nach  einigem  Stehen
Ammoniak  ,1  Teil  Ammoniak,  2  Teile  Wasser  und  1  Terl  ^berTe  ührt’
getrocknet  und  durch  Glühen  in  pyroarsensaures  Magnesium  (Mg,  As  0,  HbMgtot
Man  bringt  zu  dem  Zweck  den  trocknen  Niederschlag  möglichst  vollständig
in  Pl -  TT1 S  /AI  üem  /jWf  ,  - +  „ inpr  Lösung  von  Ammoniumnitrat,
trocW Uhrel ^&amp;gt;  tränkt  daS  FiltC1 ’  6ben ,“v  in  eTnem  Porzellantiegel.  Nachdem
Erkauf  eS . ulld  verbrennt  es  dann  vorsichtig  .  gß  - n  den  Tiegel;  erhitzt  zu .
--  ‘Ten  gibt  man  den  Niederschlag  auf  dem  g  .  •«  tjandbade  weiter
'»i  .3«-  im  Lnftbadc,  dnh.il
stunden  auf  einer  durch  eine  Flamme  erhitzt  F
ber  der  Flamme.  noch  feuchten  Niederschlag  von
ar „  esser  verfährt  man  in  folgender  Weise.  ■  --.
  nsaurem  Ammonmagnesium  löst  man  durch  Au  i  op
ö  .  einen

I
Zeit

ms  einer  Pipette
.  -pp,,  gewogenen,  genügend  großen
S“  '“»glichst  wenig  warmer  Salpetersäure  in  e&amp;gt;  mit  warmem  Wasser  nach;
F°rzell an ti e gei  und  Wäscht  mehrmals  m  der  eil  bade  zur  Trockne  und  glüht
dara “f  verdampft  man  den  Tiegelinhalt  auf  dem
ä  “.«r»  «is-  '■
H.  Pr"Ä’e^plieUt  folge.**  JJ**^*,  «m  »Werte
assende.  tnhnlip.ftft  "Retorte

e ine

*/a  1  fa

tubulierte  Retorte  aus
‘■^ebl.  d.  61  Vers.  d.  Naturforscher  und  Ärzte  in

Köln  1889,  329.

12*
        <pb n="203" />
        180

Künstliche  Düngemittel.

Salzsäure  von  1,19  spezifischem  Gewicht  und  dann,  wenn  sich  das  Präzipitat  größtenteils ­
  gelöst  hat,  5  ccm  einer  kalt  gesättigten  Eisenchlorürlösung  zugefilgt.  Der  im
stumpfen  Winkel  gebogene  Hals  der  Retorte  wird  mit  einem  Kühler  verbunden,
dessen  Kühlrohr  luftdicht  in  eine  tubulierte  Vorlage  von  700—800  ccm  Inhalt  führt.
Letztere  wird  mit  20  ccm  Wasser  beschickt;  sie  befindet  sich  in  einem  mit  Wasser
gefüllten  Kühlgefäß  und  ist  durch  den  Tubus  noch  mit  einer  'etwas  Wasser  enthaltenden ­
  Peligotschen  Röhre  verbunden.  Man  destilliert,  bis  nur  ein  geringer
Rückstand  in  der  Retorte  verbleibt.  Es  gelingt  so,  den  gesamten  Ärsengehalt  durch
eine  Destillation  in  die  Vorlage  überzufUhren.  In  die  aus  der  Vorlage  und  der
Peligotschen  Röhre  vereinigten  Flüssigkeiten  leitet  man  anfangs  unter  gelindem
Erwärmen,  zuletzt  in  der  Kälte  Schwefelwasserstoff  ein,  läßt  etwa  12  Stunden  stehen,
filtriert,  wäscht  mit  schwefelwasserstoffhaltigem  Wasser,  Alkohol,  Schwefelkohlenstoff
und  abermals  mit  Alkohol  aus  und  wägt  als  „Arsentrisulfid“  (As. 2 S a ).
Es  empfiehlt  sich,  das  gewogene  Schwefelarsen  in  Ammon  und  kohlensaurem
Ammon  zu  lösen.  Bleibt  dabei  ein  Rückstand  von  organischen  Stoffen,  so  kann
das  Schwefelarsen  aus  der  ammoniakalischen  Lösung  nach  Ansäuern  mit  Salzsäure
durch  Einleiten  von  Schwefelwasserstoff  in  reinem  Zustande  abgeschieden  und  nochmals ­
  gewogen  werden  (1  Teil  As 2 S 3  =  0,609  Teilen  As  =  0,804  Teilen  As 2 0 8 ).
IX.  Superphosphate.
1.  Stickstoff.  1—1,5  g  Substanz  werden,  wenn  der  Stickstoff  in  Form  von
Ammoniak  oder  organischen  Stoffen  vorhanden  ist,  nach  Kjeldahl  (S.  136  bezw.  138)
verbrannt.
Enthalten  die  Superphosphate  den  Stickstoff  zum  Teil  in  Form  von  Salpetersäure, ­
  so  verfährt  man  wie  bei  Peru-Guano  (nach  S.  169  bezw.  S.  141).
Ist  der  Stickstoff  ganz  in  Form  von  Salpetersäure  vorhanden,  so  wird  in
einem  aliquoten  Teil  der  für  die  Phosphorsäure-Bestimmung  hergestellten  Lösung
(No.  2a)  der  Stickstoff  am  besten  nach  K.  Ulsch  bestimmt  (vergl.  S.  142).
DieBestimmung  des  Ammoniak-Stickstoffs  in  Ammoniak-Superphosphaten ­
  und  sonstigen  Mischdüngern,  in  denen  Stickstoff  als  Ammoniak
garantiert  wird,  ist  nach  einem  Beschlüsse  des  Verbandes  landwirtschaftlicher ­
  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche 1 )  in  einem  bestimmten ­
  Teil  der  Lösung,  welche  man  durch  Ausschütteln  von  20  g
Substanz  in  einem  Literkolben  wie  bei  Bereitung  der  Superphosphatlösung ­
  gewinnt,  mit  Magnesia  auszuführen.' 2 )  Der  so  bestimmte  Stickstoff ­
  ist  als  wasserlöslicher  Ammoniak-Stickstoff  zu  bezeichnen.
Bei  allen  Superphosphaten,  welche  als  Ammoniak-Superphosphate ­
  bezeichnet  werden,  ist  in  den  Untersuchungs-Attesten  nur  der
Gehalt  an  Ammoniak-Stickstoff  anzugeben,  wenn  nicht  die  Ermittelung
des  Gesamt-Stickstoffs  ausdrücklich  verlangt  worden  ist. 8 )
2.  Wasserlösliche  Phosphorsäure,  a)  Die  Ausziehung  der  Superphosphate ­
  soll  nach  den  Beschlüssen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  in
folgender  Weise  geschehen: 4 )  20  g  Superphosphat  werden  in  eine  Literflasche ­
  gebracht,  mit  800  ccm  Wasser  übergossen  und  30  Minuten  lang
fortwährend  und  kräftig  geschüttelt.  Sodann  wird  mit  Wasser  bis  zur
J )  Landw.  Versuchs-Stationen  1899,  52,  81  und  1900,  54,  8.
a )  Dieses  Verfahren  ist  auch  vom  V.  intern.  Kongreß  f.  angew.  Chemie  angenommen-3
 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1895,  45,  370.
4 )  Ebenda  1890,  38,  284.
        <pb n="204" />
        Superphosphate.

181

Marke  aufgeftillt,  die  ganze  Flüssigkeit  kräftig  durchgeschüttelt  und
filtriert. 1 )
Zur  Ausschüttung  bedient  man  sich  besonderer  Schüttelmaschinen  die  durch
Handbetrieb  oder  einen  Motor  bewegt  werden.  Als  Norm  für  dm  Schnelligkeit  der
Bewegung  werden  150  Touren  in  der  Minute  empfohlen.
Wir  bedienen  uns  eines  Schüttelapparates  von  untenstehender  Form  (Pig.  27),  der  nach
Art  des  von  0.  Güssefeld*)  angegebenen  Apparates  eingerichtet  ist,  sehr  kräftig  schüttelt
und  mittels  eines  gewöhnlichen  Wassermotors  (am  wirksamsten  sind  die  sogenannten
Nähmasohinen-Motoren)  bewegt  werden  kann. 3 )
b)  Bestimmung  der  wasserlöslichen  Phosphorsäure  Sie  wird  am
besten  gewichtsanalytisch  nach  dem  Zitratverfahren  (vergl.  S  152)  ausgeführt
Die  sog.  Doppelsuperphosphate  enthalten  neben  freie  Phosphorsaure
zuweilen  größere  Mengen  Pyrophosphorsäure,  welche  sich  der  Fällung  bezw.  der

•  diesen  die  wässerige  Lösung
entziehen  kenn;  ee  .«  «•  T*
z unächst  mit  Salpetersäure  gek(  ..  r e  umzuwandeln,  c
*J«ph.„h.r.wr.  in  10  «»  -uchende
Sendet  dazu  auf  25  ccm  Lösung  de
Salpetersäure"  '  Nach  dem  Beschlüsse  des  Verbandes  land-3.
  Zitratlösliche  Phosphorsaure.  Reiche 5 )  ist  “  p e P termann
^rtschaftlicher  Versuchs-Stationen  i  Phosphor  säure  na  ^
Pbaten  der  Gehalt  an  zitratlbshcher  ^  z / erm itteln  nnd  mitzuteilen
S -  156  Ko.  4h)  auf  Verlangen  ^^'eriöslicher  und  zitratloshchei
nicht  die  Gesamtmenge  ^° n  'bezeichnen.
nosphorsäure  als  zitratlöshch  zu  ^  f  augew ,  Chemie  angenommen.
')  Dieses  Verfahren  ist  auch  T"  !!,  .  .
а )  Zeitscbr.  f.  angew.  Chemie  1b  i  u  n  ff  in  Leipzig  ge  16
;&amp;gt;  Apparat  wird  ...  I*.  f"f
)  Landw.»Versuchs-Stationen  18  &amp;gt;
б )  Ebenda  1897,  40.  60.

Fig.  27.

SchUttelvon-ichtung  für  Superphosphate.
        <pb n="205" />
        182

Künstliche  Düngemittel.

Anmerkung.  Wenn  man  in  Superphosphateu  wasserlösliche  und  in  Ammoniumzitrat
lösliche  Phosphorsäure  in  einer  Behandlung  bestimmen  will,  dann  muß  man  selbstverständlich
ein  ammoniakalisches  Ammoniumzitrat  anwenden,  weil  sonst  die  freie  Phosphorsäure  das
zitronensaure  Ammoniak  zersetzen  und  Zitronensäure  frei  machen,  diese  aber  unaufgeschlossenes ­
  3-basisches  phosphorsaures  Calcium  auflösen  würde.
4.  Gesamtphosphorsäure.  5  g  Substanz  werden  wie  bei  Phosphaten  usw.
(vergl.  S.  177)  mit  Königswasser  oder  dem  Gemisch  von  rauchender  Salpetersäure
und  Schwefelsäure  ausgekocht  und  die  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdän-  oder
Zitratverfahren  bestimmt. x )
Bei  Bestimmung  der  Gesamtphosphorsäure  darf  die  organische  Substanz  nie  durch
Veraschen  zerstört  werden,  weil  sich  dadurch  aus  dem  einfach  phosphorsauren  Calcium
teilweise  pyrophosphorsaures  Calcium  bildet,  das  unter  Umständen  nicht  oder  nur  schwer
wieder  in  Lösung  zu  bringen  ist.
5.  Fluor  (vergl.  S.  163).
6.  Feuchtigkeit  (vergl.  S.  136).
X.  Salpeter.
a)  Chilisalpeter  (Natronsalpeter).
1.  Stickstoff.  Nach  dem  Beschlüsse  der  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen
i.  D.  R. *  2 )  ist  der  Stickstoff  nach  einem  direkten  Verfahren  zu  bestimmen;
gestattet  sind  die  Verfahren  von  Kühn-Böttcher, 3  4 )  Ulsch,  Jodlbaur,
Förster  und  Schlösing-Grandeau. 1 )
Das  Jodlbaursche  Verfahren  ist  in  der  bisherigen  Ausarbeitung  weniger  empfehlenswert. ­

Man  löst  20  g  Substanz  in  einem  Liter  Wasser  und  verfährt  mit  25  ccm
dieser  Lösung  nach  einem  der  S.  144—147  angegebenen  Verfahren.
2.  Feuchtigkeit.  Von  dem  zerriebenen,  gut  durcheinandergemischten  Salpeter
werden  5—10  g  in  einem  geräumigen  Platintiegel  über  einer  ganz  kleinen
Flamme  vorsichtig  erwärmt,  so  daß  der  Salpeter  eben  schmilzt.  Man  läßt  im
Exsikkator  erkalten  und  wägt.  Das  Erwärmen  wird  bei  gleicher  Temperatur  wiederholt, ­
  bis  keine  Gewichtsabnahme  mehr  stattfindet.
3.  Sand  und  organische  Stoffe.  20  g  des  zerriebenen  Salzes  werden  in
heißem  Wasser  gelöst,  die  Lösung  durch  ein  vorher  bei  110°  getrocknetes  und
gewogenes  Filter  in  eine  Literflasche  filtriert,  mit  heißem  Wasser  vollständig  ausgewaschen, ­
  das  Filter  mit  dem  Rückstand  wieder  bei  110°  getrocknet  und  gewogen,
schließlich  verbrannt  und  wieder  gewogen.  Die  erste  Wägung  gibt  Sand  +  organische
Substanz,  die  zweite  Wägung,  abzüglich  der  Filterasche,  den  Sandgehalt  allein  an.
Das  Filtrat  wird  auf  1000  ccm  gebracht.
4.  Schwefelsäure.  200  ccm  des  nach  3.  erhaltenen  Filtrates  werden  mit
Salpetersäure  angesäuert  und  mit  Baryumnitrat  gefällt.  Man  läßt  längere  Zeit
-  bis  12  Stunden  —  in  der  Wärme  stehen,  weil  sich  der  Niederschlag  von  Baryumsulfat
  nur  langsam  bildet.

J )  Dieses  Verfahren  ist  auch  vom  V.  intern.  Kougreß  f.  angew.  Chemie  angenommen.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1893,  43,  325  und  1845,  45,  343.
3 )  Die  Reduktion  der  Salpetersäure  mit  Zink-Eisenpulver  in  alkalischer  Lösung  unter
Zusatz  von  Spiritus  ist  vielfach  als  das  Verfahren  von  Kühn-Böttcher  bezeichnet.  Verfhat
  das  Verfahren  aber  weit  eher,  nämlich  schon  in  der  1.  Auflage  seiner  Nahrungsmittelchemie ­
  1878,  beschrieben.
4 )  Diese  Verfahren  sind  auch  vom  V.  intern.  Kongreß  f.  angew.  Chemie  angenommen.
        <pb n="206" />
        Chili-  oder  Natronsalpeter.

183

5.  Chlor.  50—100  ccm  des  obigen  Filtrates  werden  mit  Salpetersäure  ungesäuert,
mit  salpetersaurem  Silber  in  der  Kochhitze  gefällt  und  so  lange  im  Kochen  erhalten,  bis
sich  das  Chlorsilber  fest  zusammengeballt  hat,  sodann  rasch  filtriert,  ausgewaschen,
im  Porzellantiegel  unter  Beobachtung  der  nötigen  Vorsichtsmaßregeln  geglüht  und
das  Chlorsilber  gewogen;  auch  kann  das  Chlor  in  der  neutralen  Lösung  durch  eingestellte ­
  1 / 10 -NormalsilberIösung,  unter  Anwendung  von  neutralem,  chromsaurem  Kalium
als  Indikator  oder  in  saurer  Lösung  nach  J.  Volhard  maßanalytisch  bestimmt  werden.
(&amp;gt;.  Kalk  und  Magnesia.  In  500  ccm  obiger  Lösung  wird  der  Kalk  wie  üblich
durch  oxalsaures  Ammon,  die  Magnesia  durch  phosphorsaures  Natrium  gefällt.
7.  Natron.  Das  Natron  ergibt  sich  entweder  durch  Rechnung  oder  auf  die
Weise,  daß  man  100  ccm  obiger  Lösung  mit  Schwefelsäure  versetzt,  zur  Trockne
eindampft,  den  Rückstand  glüht,  alsdann  ein  wenig  trocknes  kohlensaures  Ammon
in  den  Tiegel  gibt,  im  bedeckten  Tiegel  nochmals  glüht  und  diese  Behandlung  mehrmals ­
  wiederholt,  bis  das  Gewicht  des  geglühten  Rückstandes  gleich  bleibt.  Aus
dem  nach  Abzug  des  schwefelsauren  Calciums  und  Magnesiums  verbleibenden
Schwefelsäuren  Natrium  wird  durch  Multiplikation  mit  0,437  die  Menge  des  Natrons
berechnet.
Über  die  etwaige  Gegenwart  einer  größeren  oder  geringeren  Menge  von  Kali  im
Chilisalpeter  erhält  man  annähernd  Aufschluß,  wenn  man  den  Rückstand  der  schwefelsauren
  Salze  in  Wasser  unter  Zusatz  von  etwas  Salzsäure  auflöst  und  in  der  Lösung  mit
Chlorbaryum  die  Schwefelsäure  genau  bestimmt.  Es  wird  von  der  Gesamtmenge  der
schwefelsauren  Salze  zunächst  das  vorhandene  Schwefelsäure  Calcium  und  Magnesium  abgezogen ­
  und  dann  das  Schwefelsäure  Kalium  und  Natrium  nach  folgender  Formel  berechnet;

S-(Ax0,45919).  K  =  A _ N
1  -  0,10419
A  bedeutet  die  Gesamtmenge  der  schwefelsauren  Alkalien,  S  die  an  Alkalien  gebundene ­
  Schwefelsäure,  N  die  Menge  des  Schwefelsäuren  Natriums  und  K  die  des  schwefel-8a
 uren  Kaliums.
Bei  den  im  Chilisalpeter  vorhandenen  geringen  Mengen  Kali  ist  dieses  Verfahren
Jndoch  sehr  ungenau.  ..  ,
8.  Nachweis  und  Bestimmung  von  Perchlorat  in  Salpeter.  .  .  jo  (  iua
ha *  in  einem  Chilisalpeter,  der  schädliche  Wirkungen  auf  Pflanzen  geäußert  hatte,
Ursache  dieser  schädlichen  Wirkung  Perchlorat  erkannt,  das  schon  in  geringen
Mengen  schädlich  für  Pflanzen  wirkt.  ,  ,  ,
„  Zum  qualitativen  Nachweis*)  löst  man  100  g  Salpeter  m  */,  oder  1  1
^  asser,  versetzt  einen  aliquoten  Teil  der  Lösung  mit  feuchtem  Silberoxyd  im  Uber-S(
 *uö,  filtriert,  verdampft  das  Filtrat  zur  Trockne,  glüht,  nimmt  den  Glührückstand
mit  heißem  Wasser  auf  und  setzt  nach  dem  Ansäuern  mit  Salpetersäure  SMatomg
Wenn  Perchlorat  vorhanden  ist,  so  entsteht  ein  Niederschlag  von  Chlorsilber..
„  ,  Erck-3)  löst  für  den  Zweck  100  g  Salpeter  in  80  ccm  Wasser,  setzt  7  ccm
Salpetersäure  und  8  ccm  92prozentigen  Weingeist  zu  und  kocht  5  Minuten.  Unter
Entwickelung  von  salpetrigen  und  aldehydartig  riechenden  Dampfen  wird  alles
Form  von  Chloriden  und  Chloraten  vorhandene  Chlor  verflüchtigt.  Gibt  eine
^ohe  der  gekochten  Lösung  mit  Silbernitrat  noch  eine  Chlorreaktion,  so  muß  noch
!‘ ehr  Salpetersäure  und  Weingeist  zugesetzt  und  weiter  gekocht  werden.  Die
^  Chloriden  und  Chloraten  befreite  Lösung  wird  dann  mit  chlorireiem  Natriumharbonat
  oder  -bikarbonat  im  Überschuß  versetzt,  in  einer  Platmschale  zur  Trockne

J )  Chem.-Zeitung  1896,  20,  1002.
2 )  Ebenda,  1897,  21,  44.
8 )  Ebenda  1897,  21,  10.
        <pb n="207" />
        184

Künstliche  Düngemittel.

verdampft,  geglüht  und  der  Glührückstand,  wie  vorhin  angegeben,  mit  Silberlösung
geprüft.  Dieses  Verfahren  hat  vor  dem  Sjollemaschen  keine  Vorzüge,  ist  aber
umständlicher.
Fresenius  und  Bayerlein 1 )  weisen  nach  dem  Verfahren  von  M.  van
Brenkeleveen  durch  Überführung  des  Perchlorats  in  Rubidiumperchlorat  das
Perchlorat  qualitativ  nach.
Zur  quantitativen  Bestimmung  wird  zunächst  in  einer  wässerigen  Lösung
des  Salpeters  das  als  Chlorid  vorhandene  Chlor  bestimmt;  eine  weitere  gewogene
Probe  Salpeter  wird  unter  Zusatz  von  wenig  Alkalihydrat  oder  Alkalikarbonat
(Loges 2 ))  oder  Natriumkarbonat  (Förster 8 ))  oder  gebranntem  Kalk.  Kalkhydrat
oder  Calciumkarbonat  (Blattner  und  Bresseur 4 ))  oder  Pyrolusit  (C.  Gilbert 5  6 ))
bis  zur  Dunkelrotgluthitze  geglüht  und  in  dem  Glührückstande  das  Chlor  bestimmt.
Der  Mehrgehalt  an  Chlor  nach  dem  Glühen  gibt  das  als  Chlorat  und  Perchlorat
vorhandene  Chlor  an.  Bei  der  gesonderten  Bestimmung  des  Chlorates  verfährt
Loges 2 )  wie  folgt:  5  g  Salpeter  werden  mit  10  g  ausgewaschenem,  chlorfreiem
Zinkstaub  und  150  ccm  einer  1  °/ 0 igen  Essigsäurelösung  eine  halbe  Stunde  schwach
gekocht;  darauf  wird  filtriert  und  in  dem  Filtrat  Chlor  als  Chlorid  und  Chlorat
bestimmt.
Der  Verband  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche  hat
beschlossen, 0 )  von  einer  gesonderten  Bestimmung  des  Chlorates  neben  Perchlorat
im  Chilisalpeter  abzusehen,  vielmehr  das  Chlor  in  diesen  beiden  Verbindungsformen
zusammen  zu  bestimmen.
1  Teil  CI  ist  =  2,805  Teilen  CI  0 4  =  3,455  Teilen  NaC10 4 .
Bezüglich  des  zulässigen  Gehaltes  an  Perchlorat  usw.  hat  der  Verband  landw.
Versuchs-Stationen  i.  D.  R.  beschlossen:
1.  Nach  neueren  Beobachtungen  müssen  Salpeter  schon  mit  einem  Gehalt  von  l°/ 0
Perchlorat  unbedingt  als  gefährlich  und  bedenklich  bezeichnet  werden,  namentlich  in  ihrer
Anwendung  zu  Roggen,  Gerste,  Weizen  und  auch  Hafer.  In  sauren  Moorböden,  namentlich
zu  Roggen,  sind  Salpeter  schon  mit  % u /o  Perchlorat  als  gefährlich  zu  bezeichnen.
2.  Die  sogenannte  Perchloratklausel  der  Hamburger  Salpeterhändler,  nach  welcher
bis  zu  3 / 4 °/o  Perchlorat  nach  dem  indirekten  Verfahren  mit  zu  bezahlen,  ein  höherer
Perchloratgehalt  zwar  entschädigungspflichtig  sei,  aber  nicht  zur  Ablehnung  eines  solchen
Salpeters  berechtige,  ist  vollkommen  unannehmbar  und  überhaupt  nicht  in  Betracht  zu  ziehen.
3.  Es  ist  immer  wieder  hervorzuheben,  daß  die  Hamburger  Durchsohnitts-Schiffs-Analyse
nach  dem  indirekten  (Differenz-)  Verfahren  in  keiner  Weise  den  Landwirten  die  notwendige
Gewähr  für  die  Lieferung  eines  vollwertigen  Salpeters  bietet.  Eine  solche  ist  vielmehr
nur  in  der  direkten  Stickstoffbestimmung  der  Teilladungen  gegeben.
b)  Kalisalpeter.
Stickstoff,  Feuchtigkeit,  Chlor,  Schwefelsäure,  Kalk,  Magnesia
und  Sand  werden  wie  bei  Chilisalpeter  bestimmt.
Kali.  10  g  Salpeter  werden  in  1  1  Wasser  gelöst  und  25  ccm  davon  zur
Bestimmung  des  .Kalis  nach  S.  157  verwendet,  wobei  zur  Zerstörung  der  Salpeter’) ­
  Zeitschr.  f.  anal.  Chem.  1898,  37,  501.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1898,  50,  39.
3 )  Chem.-Zeitung  1898,  22,  357.
4 )  Ebenda  1898,  22,  589.
8 )  C.  Gilbert,  Methoden  zur  Bestimmung  des  Perchlorates.  Tübingen,  Verlag
v.  Franz  Pietzker,  1899.
6 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1898,  50,  36.
        <pb n="208" />
        Arnmoniaksalz;  Solrwefelsaures  Ammon.  —  Superphosphatgips,  Phosphatgips,  Gips.  185

säure  wiederholt  vorsichtig  mit  Oxalsäure  zur  Trockne  verdampft  und  abgeglüht
werden  muß.  Man  kann  auch  das  salpetersaure  Kalium  durch  wiederholtes  Abdampfen ­
  der  Lösung  mit  Salzsäure  in  Chlorkalium  überführen,  Schwefelsäure  durch
Chlorbaryum  ausfällen,  mit  Ammon  und  kohlensaurem  Ammon  versetzen  usw.  Ist
gleichzeitig  das  Natron  zu  bestimmen,  so  wird  die  Gesamtmenge  der  Chloralkalien
vorher  gewogen,  diese  mit  Platinchlorid  eingedunstet  und  Kali  und  Natron  wie
üblich  bestimmt  und  berechnet  (S.  29).

XI.  Ammoniaksalz;  Schwefelsaures  Ammon.
1.  Stickstoff.  Der  Verband  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  R.  schreibt 1 )  für  die
Bestimmung  des  Ammoniak-Stickstoffs  in  Ammoniaksalzen  und  Mischungen  dieser  Salze
mit  Superphosphaten  bezw.  anderen  Stoffen  Auskochen  von  1  g  Substanz  mit  3  g
möglichst  kohlensäurefreier  Magnesia  vor.' 1 )
Zweckmäßig  werden  10  g  Substanz  in  1  1  Wasser  gelöst,  davon  100  ccm  in
einen  500—600  ccm-Kolben  gebracht,  mit  50  ccm  W T asser  verdünnt,  mit  3  g  fnsc
gebrannter,  kohlensäurefreier  Magnesia  versetzt  und  das  Ammoniak  abdestillier  .
Dieses  ist  erreicht,  wenn  von  den  150  ccm  etwa  100  ccm  abdestilliert  sind.  Bei
Anwendung  von  100  ccm  der  Lösung  =  1  g  Substanz  müssen  20  ccm  Normalschwefelsäure ­
  vorgelegt  werden.
t  Eine  wässerige  Lösung  des  Salzes
wird  mit  einigen  Tropfen  Salzsäure  und  darauf  mit  Lisenchlorid  versetzt  Bei
Gegenwart  von  Rhodanverbindungen  entsteht  eine  mehl■oAevweniger^rote  Färbung
..  Quantitativ  läßt  sich  der  BhodangeMt  £££
Losung  mit  Silbernitrat  fallt,  filtneit.  den  N  •  «  Rückstand  m i t  Salzsäure
schmilzt,  die  Schmelze  mit  Salpetersäure  eindampft  den  Rückstand  m  b
„„4  i„  der  L«.g  die  ”1«  dS  “  Bh.d».,
erfundenen  Menge  SchwefelsMre  Jereehnet  sieh  „ SIUziehen  „„j
H-  Off  ermann 3 )  empfiehlt  5  g  Substanz  Hn.ptrisch  oder  maßanalytisch
ln .  dem  alkoholischen  Auszug  das  Rhodan  entwe  er  ^  dem  Augzug  nac h
Mittels  Silherlösung  oder  durch  Bestimmung  ,  mit  Brom  u)1( i  Bestimmung
Kjeldahl  oder  durch  Oxydation  des  Abdampfruckstandes  mit  Bronn«  *
d er  Schwefelsäure  zu  ermitteln.  Gefundener  Stickstoff  x  4,
Gefundenes  BaS0 4  x  0,498  =  Rhodan  (CNS).
XII,  Supdrphospha.gipj,  R  «4,.
Diese  drei  Düngemittel  dienen  als  Bin  ß  aug  e j nem  viel  kohlensaures
Superphosphatgips  ist  ein  mit  Sc  we  e^  ^  enthäR  neben  viel  Gips
Calcium  enthaltenden  Phosphat  hergestelltes  Erz  g
ein ige  Prozente  (5—7  %)  lösliche  Phosphorsäure^  ^ enen  Rückstände  von  der
Unter  Phosphatgips  versteht  man  ch  b  !  Gips  einige  Prozente  (2—4%)
Loppel-Superphosphat-Herstellung;  er  enthalt  neben  tni
Unlösliche  Phosphorsäure.  .  einfaches  Zerkleinern  des  in  der
Der  Einstreugips  dagegen  wird  111  durchweg  aus  reinem  Calciumf
 ;  ur  vorkommenden  Gipses  gewonnen  1111(1  De ;  koh icnsaure  Erden  beigemengt,
sulfat  +  Kristallwasser.  Mitunter  sind  Sand  oder  ^  ^
0  Landw.  Versuchs-Stationen  1897  49  15  und  J  50  •  chemie  an g en0 mmen.
2 )  Dieses  Verfahren  ist  auch  vom  V  mt  ^  Konf  507 .
3 )  Biedermann,  Centralbl.  f.  Agrikultur-Chemie
        <pb n="209" />
        186

Künstliche  Düngemittel.

1.  Freie  Phosphorsäure  (vergl.  S.  148).
2.  Wasserlösliche  Phosphorsäre  wie  bei  Superphosphat  (S.  180).
3.  (Sesamtphosphorsäure  ebenso  wie  bei  Superphosphat  (S.  182).  Differenz
zwischen  Gesamt-  und  wasserlöslicher  Phosphorsäure  gibt  die  unlösliche  Phosphorsäure. ­

4.  Schwefelsäure,  Kalk  und  Magnesia.  5  g  Substanz  werden  mit  verdünnter
Salzsäure  gekocht,  in  einen  Literkolben  filtriert,  mit  heißem,  salzsäurehaltigem
Wasser  bis  zu  1  1  ausgewaschen  bezw.  aufgefüllt,  in  100  ccm  des  Filtrats  die
Schwefelsäure  und  in  50  ccm  Kalk  und  Magnesia  bestimmt.
Enthält  die  Lösung,  wie  bei  dem  Phosphatgips,  gleichzeitig  Eisenoxyd  und
Tonerde,  so  werden  diese  nach  dem  Abstumpfen  der  Salzsäure  wie  bei  Boden  (S.  24)
erst  mit  essigsaurem  Natrium  abgeschieden,  in  der  essigsauren  Lösung  der  Kalk
durch  oxalsaures  Ammon  und  im  Filtrat  hiervon  die  Magnesia  durch  phosphorsaures
  Natrium  gefällt.
Bei  Einstreugips  kann  man  auch  1-  2  g  der  fein  gepulverten  Substanz
durch  anhaltendes  Kochen  mit  einer  Lösung  von  kohlensaurem  Kalium  —  kohlensaures ­
  Natrium  ist  nicht  so  gut  —  zerlegen  oder  noch  zweckmäßiger  mit  4—6
Teilen  kohlensaurem  Natriumkalium  im  Platintiegel  zusammenschmelzen  und  die
Schmelze,  indem  man  Tiegel  mit  Inhalt  in  ein  Becherglas  oder  in  eine  Porzellanschale ­
  bringt,  mit  Wasser  behandeln.  Die  Flüssigkeit  wird  einige  Zeit  bis  zur  vollständigen ­
  Auflösung  der  schwefelsauren  und  kohlensauren  Alkalien  gekocht,  heiß
filtriert,  der  Rückstand  mit  ammoniak-  und  ammoniumkarbonathaltigem  Wasser  ausgewaschen, ­
  das  Filtrat  auf  ein  bestimmtes  Volumen  (etwa  200  ccm)  gebracht  und  im
Filtrat  die  Schwefelsäure  bestimmt,  indem  man  die  Lösung  unter  Bedecken  des  Becherglases ­
  mit  Salzsäure  ansäuert  und  mit  Chlorbaryum  versetzt.  Den  Filterrückstand
von  der  Schmelzelösung  kann  man,  wenn  er  nur  aus  kohlensaurem  Calcium  besteht,
direkt  anhaltend  glühen  und  als  Kalk  wägen.  Ist  auch  auf  Tonerde,  Eisenoxyd  und
Magnesia  Rücksicht  zu  nehmen,  so  löst  man  unter  Bedecken  des  Trichters  den
Niederschlag  vom  Filter  mit  salzsäurehaltigem  Wasser,  oxydiert,  versetzt  mit
Ammoniak,  fällt  im  Filtrat,  wie  üblich,  erst  den  Kalk  und  dann  die  Magnesia.
5.  Saud  und  Unlösliches.  Der  Filterrückstand  von  der  Auflösung  von  5  g
in  salzsäurehaltigem  Wasser  wird  nach  dem  Trocknen  geglüht  und  als  Sand  +
Unlösliches  gewogen.
6.  Feuchtigkeit.  Vergl.  S.  136.
XIII.  Kalisalze,  Kochsalz  und  Viehsalz.
1.  Feuchtigkeit.  Der  Verband  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen ­
  im  Deutschen  Reiche  hat  für  die  Wasserbestimmung  in  Kalisalzen
folgendes  Verfahren  vereinbart: 1 )
„10  g  der  Probe  werden  im  bedeckten  Platintiegel  über  kleiner
Flamme  etwa  10  Minuten  hei  dunkeier  Rotglut  erhitzt.  Bei  chlormagnesiumhaltigen
  Salzen  ist  die  Probe  mit  frisch  ausgeglühtem  Ätzkalk ­
  zu  überschichten.“
Beim  Beginn  des  Erhitzens  wird  man  zweckmäßig  die  Flamme  sehr  vorsichtig ­
  unter  dem  Tiegel  hin  und  her  bewegen  und  erst  nach  dem  Aufhören  des
Knisterns  ständig  mit  kleiner  Flamme  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  glühen.
Falls  organische  Stoffe,  z.  B.  wie  bei  dem  mit  Wermutkraut  denaturierten
Viehsalz  oder  in  Torf-Kainit  vorhanden  sein  sollten,  so  bestimmt  man  den

*)  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  42,  172.
        <pb n="210" />
        Kalisalz,  Kochsalz  und  Viehsalz.

187

Feuchtigkeitsgehalt  durch  anhaltendes  Trocknen  bei  140—150°  bis  zur  Gewichtsheständigkeit.

2.  Alkalien  (Kall  und  Natron).  Nach  den  Beschlüssen  des  1  erbandes
landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche 1 )  soll
zur  Bestimmung  des  Kalis  in  den  Staßfurt  er  Kalisalzen  nur
Wasser  zur  Lösung  angewendet  werden.  Das  abgekürzte  Verfahren,
wie  es  nachstehend  angegeben  wird,  wird  als  Verbandsverfahren  angenommen, ­
  doch  ist  der  Kaliumplatinchlorid-Niederschlag  durch  Auflösen ­
  usw.  von  seinen  Verunreinigungen  zu  befreien.
Die  Untersuchung  kann  nach  einem  der  folgenden  drei  Verfahren  ausgeführt
werden:

^  10  F  deS  (lurch  ein  1  mm - Sie b  gebrachten  Kalisalzes  werden  mit  400  ccm
asser  */ 4  Stunde  gekocht,  nach  dem  Abkühlen  auf  500  ccm  aufgefüllt  und  von
&amp;lt;  ieser  Lösung  aliquote  Teile  (25  oder  50  ccm)  zur  Bestimmung  verwendet.  Sie
"  erden  zuerst  durch  Fällen  mit  Chlorbaryum  von  Schwefelsäure  befreit  und  weiter
w j e  bei  Kalibestimmung  (S.  137  bezw.  29)  mit  Ammoniak,  kohlensaurem  Ammon,
Dxalsäure  usw.  behandelt.
b)  Bei  Kainit  und  Chlorkaliumsalzen,  welche  neben  Chloriden  nur  wenig
Schwefelsäure  Salze  enthalten,  kann  man  das  Kali  auch  in  abgekürzter  Weise  bestimmen,
w-Müller 2 )  verfährt  dabei  in  folgender  Weise:  250  com  des  Filtrates  der  wässerigen
Lösung  (10  g  auf  500  ccm)  werden  im  500  ccm-Kolben  nach  Zusatz  von  10  ccm
alzsäure  mit  kalifreier  Chlorbaryumlösung  unter  Vermeidung  eines  größeren  Überschusses ­
  gekocht,  nach  dem  Erkalten  aufgefüllt  und  filtriert.  Vom  Filtrat  werden
.  cct| i  =  1  g  Substanz  in  einer  Porzellanschale  auf  ein  Volumen  von  etwa  20  ccm
ein geengt,  sodann  mit  10  ccm  Platinchlorid  =  1  g  Platin  versetzt  und  zur  Trockne
Ungedämpft.  Die  erkaltete  Masse  wird  mit  einigen  Tropfen  Wasser  angefeuchtet,
80°/ 0 -ig- e m  Alkohol  übergossen,  mit  dem  Pistill  fein  zerrieben  und  mindestens
Minuten  stehen  gelassen;  sodann  wird  filtriert,  das  Kaliumplatinchlorid  mit
,  0 /o-igem  Alkohol  ausgewaschen  und  der  Rückstand  getrocknet.  Das  Kaliumplatinc
  lorid  wird  in  eine  gewogene  Platinschale  gebracht,  das  Filter  mit  kochendem  Wasser
ausgewaschen,  das  Waschwasser  zum  Salz  hinzugefügt  und  auf  dem  Wasserbade  zur
Irockne  eingedampft;  schließlich  wird  bei  130°  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  ge-8o°o
 kne t’  0( ^ er  ^ as  Kalinmplatinchlorid  wird  im  Go  och  sehen  Tiegel  gesammelt,  mit
,  /o'igem  Alkohol  ausgewaschen,  getrocknet  und  gewogen,  hierauf  das  Kaliumplatin-„
  l°rid  mit  heißem  Wasser  ausgewaschen  und  der  Tiegel  nach  dem  Trocknen
^urückgewogen.
c )  Bestimmung  des  Kalis  mit  Überchlorsäure  (vergl.  S.  159).
p  3 -  Schwefelsäure.  Sie  wird  in  50  ccm  der  nach  2  a  erhaltenen  Lösung  durch
a  en  mit  Chlorbaryum  bestimmt.
l0  4.  Chlor.  Zu  dieser  Bestimmung  bereitet  man  eine  wässerige  Lösung,  etwa
S  ZU  1000  ccm &amp;gt;  und  bestimmt  in  einem  aliquoten  Teil  das  Chlor  durch  Titration
jü  1 /ioNormal-Silbernitratlösung  unter  Zusatz  von  einigen  Tropfen  einer  10%-igen
°sung  von  neutralem  chromsaurem  Kalium  als  Indikator.
S.  Der  in  Säure  unlösliche  Rückstand  (Ton.  Sand,  Torf,  etwaiges  Wermutw
  Ver  Lei  Viehsalz).  Zur  Bestimmung  des  in  Säuren  unlöslichen  Rückstandes
ein  611  50  g  mit  warmer  verdünnter  Salzsäure  behandelt,  vom  Unlöslichen  durch
1  vorher  getrocknetes  und  gewogenes  Filter  abfiltriert,  der  Rückstand  samt  Filter
J  Landw.  'Versuchs-Stationen  1898,  49,  11  und  1898,  50,  159.
1  Ebenda  1898,  49,  7.
        <pb n="211" />
        188

Künstliche  Düngemittel.

bei  100°  getrocknet  und  gewogen,  nötigenfalls  weiter  eingeäschert  und  wieder  gewogen, ­
  um  die  unlöslichen  Mineralstoffe  (Sand  usw.)  zu  finden.
6.  Kalk  und  Magnesia.  10  g  oder  je  nach  dem  Gehalt  eine  kleinere  oder
größere  Menge  werden  in  verdünnter  Salzsäure  gelöst,  ammoniakalisch  gemacht,
sodann  der  Kalk  mit  oxalsaurem  Ammon  gefällt,  filtriert,  im  Gebläse  geglüht  und
als  Calciumoxyd  gewogen.
Im  Filtrat  wird  mit  phosphorsaurem  Natrium  die  Magnesia  gefällt,  ein  Drittel
des  Flüssigkeitsvolumens  10°/ 0 -iges  Ammoniak  zugesetzt,  nach  12  Stunden  filtriert,
der  Niederschlag  im  Gebläse  geglüht  und  als  pyrophosphorsaures  Magnesium  gewogen.
XIV.  Düngergemische.
(Ammoniak-Superphosphate,  Salpeter-Superphosphate,  Kali-Superphosphate, ­
  Kali-Ammoniak-Super  phosphate.)
1.  Stickstoff.  Der  Gesamtstickstoff  wird  bei  Gegenwart  von  Nitraten  wie
bei  dem  rohen  Peru-Guano  (S.  169),  nach  Jodlbaur  bezw.  nach  Förster  (S.  141)
bestimmt.  Liegen  reine  Ammoniak-Salpeter-Mischungen  vor,  so  kann  man  erst  das
Ammoniak  nach  S.  142  und  die  Salpetersäure  nach  Schlösing-Wagner  usw.
(S.  144  u.  ff.)  bestimmen.
Nach  einem  der  S.  145  u.  f.  angegebenen  Reduktions-Verfahren  kann  man,  wenn
nicht  Ammoniak-  und  Salpeter-Stickstoff  getrennt  bestimmt  werden  sollen,  die  beiden
Bestimmungen  vereinigen,  indem  man  zunächst  reduziert  und  darauf  das  fertige  und
gebildete  Ammoniak  abdestilliert.  Man  erhält  auf  diese  Weise  Ammoniak-+  Salpeter-Stickstoff.

Ist  der  Stickstoff  in  Form  von  Ammoniak,  Salpetersäure  und  organischen
Verbindungen  vorhanden  und  sollen  alle  3  Formen  getrennt  bestimmt  werden,  so
verfährt  man  wie  folgt:
2—3  g  Substanz  (je  nach  Gehalt)  werden  mit  etwa  25  ccm  Wasser  ungerührt,
auf  ein  Filter  (von  schwedischem  Filtrierpapier)  gespült,  in  einen  Kolben  von
200  ccm  ausgewaschen  und  der  hinreichend  ausgewaschene  Rückstand  direkt  samt
Filter  nach  Kjeldahl  verbrannt;  er  ergibt  den  unlöslichen  organischen  Stickstoff.
Das  Filtrat  wird  auf  200  ccm  auf  gefüllt,  die  Hälfte  davon  (=  100  ccm)  in  einem
500—600  ccm-Kolben  nach  Verdünnen  mit  50  ccm  Wasser  mit  etwa  20  g  Kalihydrat
und  einigen  Körnchen  übermangansaurem  Kalium  versetzt,  der  Kolben  wie  in
Fig.  20  (S.  139)  rasch  mit  einer  titrierte  Schwefelsäure  enthaltenden  Vorlage  verbunden ­
  und  nach  Lösen  des  Kalihydrats  erhitzt,  bis  etwa  100  ccm  abdestilliert  sind.
Man  titriert  die  vorgelegte  Schwefelsäure  und  erhält  so  Ammoniak-  (+etwa  in
geringer  Menge  vorhandenen  gelösten  organischen)  Stickstoff.
Der  Kolbeninhalt,  welcher  von  hinreichend  zugesetztem  Kaliumpermanganat
noch  grünlich  gefärbt  sein  muß,  wird  erkalten  gelassen,  mit  50  ccm  Wasser  verdünnt, ­
  dann  nach  S.  145  mit  75  ccm  Alkohol  und  je  8—10  g  Zink-Eisenstaub  versetzt, ­
  wieder  mit  einer  neu  beschickten,  titrierte  Schwefelsäure  enthaltenden  Vorlage ­
  verbunden,  3—4  Stunden  stehen  gelassen  und  wie  bei  Salpeter-Bestimmungen
S,  145  destilliert.  Durch  Titration  der  vorgelegten  Schwefelsäure  erhält  man  den
Salpeter  säure-Stickst  off.
2.  riiosphorsäure.  Die  lösliche,  zitratlösliche  und  Gesamtphosphorsäure  wird
wie  in  den  Superphosphaten  (S.  180  u.  f.)  bestimmt.
3.  Kali.  20  g  Substanz  werden  in  einer  Porzellanschale  mit  etwa  200  ccm
Wasser  zum  Sieden  erhitzt,  dann  absitzen  gelassen,  in  einen  Literkolben  abgegossen
und  der  Rückstand  nochmals  mit  200  ccm  Wasser  gekocht.  Man  spült  alsdann  das
        <pb n="212" />
        Berechnung  des  Mindergeldwertes  der  Düngemittel  bei  Mindergehalt.

189

Ganze  in  den  Literkolben,  läßt  erkalten,  füllt  bis  zur  Marke  mit  Wasser  auf,
schüttelt  um  und  filtriert  durch  ein  trocknes  Filter.  Von  dem  Filtrate  verwendet
man  50—100  ccm  zur  Bestimmung  des  Kalis  nach  S.  157.
4.  Feuchtigkeit.  Vergl.  S.  136.

Berechnung  des  Mindergeldwertes  der  Düngemittel  bei
Mindergehalt.

Die  Berechnung  des  Mindergeldwertes  der  Düngemittel  bei  Mindergehalt  richtet
sich  in  erster  Linie  nach  den  mit  dem  Lieferer  getroffenen  Vereinbarungen,  Hierbei  sind
mehrere  Fälle  zu  berücksichtigen.
1.  Fall.  Am  richtigsten  ist  es,  für  die  zu  liefernden  einzelnen  Diingerbestandteile
(Stickstoff,  lösliche  Phosphorsäure,  Kali  usw.)  einen  festen  Preis  für  je  1  kg  zu  vereinbaren
und  die  Düngemittel  nach  dem  wirklich  gelieferten  und  jedesmal  ermittelten  Gehalt  zu
bezahlen,  indem  mau  letzteren  einfach  mit  dem  vereinbarten  Grundpreis  multipliziert.  So
wird  es  auch  schon  vielfach  bei  Massenlieferungen  an  größere  Verbände  gehandhabt.  Man
bestellt  Düngemittel  von  annähernd  z.  B.  7  %  Stickstoff  und  9  %  löslicher  Phosphorsäure
mit  einem  Grundpreise  von  z.  B.  1,20  M.  für  l  kg  Stickstoff  und  0,40  M.  für  1  kg  lösliche,
d.  h.  wasserlösliche  Phosphorsäure,  ermittelt  jedesmal  nach  einer  guten  Durchschnittsprobe
den  Gehalt,  multipliziert  letzteren  mit  den  vereinbarten  Preisen  und  bezahlt  darnach.  Sind
im  vorstehenden  Falle  z.  B.  6,72  %  Stickstoff  und  9.43  %  lösliche  Phosphorsäure  gefunden
■worden,  so  werden  bezahlt:

für  Stickstoff
„  lösliche  Phosphorsäure

6,72  x  1,20  =
9,43  x  0,40  =

8,06  M.,
3,77  „

Summa;  11,83  M.,
11,83  M.  tür  1  dz.  =-100  kg.  a j, er  n j c ht  überall  durchführen.
fFri“  Es  wird'l 8  feste“  Geringstgehalt  gewährleistet  und  eine  gewisse  Gehalts-Schwankung
  (Latitflde),  z.  B.  3% g ( d -  K  m  a3 0 / 0 Tder  'für  je
es  dürfen  bei  garantierten  10%  Stickstoff  oder  „t rP tpn  braucht-  wenn  also  statt
;„VW*""-.....  «....“TÄüSt'ÄXl*.
10%  nur  9,7%  gefunden  werden,  so  hegt  der  usw .  geliefert,  so  muß
haltsgrenzen.  Fehlen  aber  0,5  %,  sind  also  statt  10  /„  n  &amp;gt;  Io
eine  Rückvergütung  für  den  ganzen  Mjndergeha  d ®“^® ndergehalt  des  einen  Bestandteiles
Dabei  gilt  meistens  wieder  als  Regel,,  d  ^  ander f n  Bestandteiles  ausgeglichen
h&amp;gt;s  zu  der  Höhe  von  1  %  durch  den  Mehrgeb  lösliche  phosphorsäure  bei  einer  Gehalts-Gerden
  kann.  Wenn  z.  B.  7  %  Stickstoff  und  /«  yon  d o/  für  jeden  Bestandteil
Schwankung  von  3%  und  einer  Ausgieichslm  ^  -W  p ho8p horsäure  geliefert  sind,  so
gewährleistet,  aber  nur  6,61  %  Stickstoff  und  9,  Jo  Mehrgehalt  von  0,45  %
Gird  der  fehlende  Gehalt  von  0,39  %  Stickstoff  zum  leii  eure
löslicher  Phosphorsäure  ausgeglichen  und  gegengerec  we i c h e  Preise  für  die  einzelnen
Bei  der  Berechnung  kommt  es  weiter  -  &amp;gt;  stickstoff  zu  1)20  M.,  der  für
ungerbestandteile  vereinbart  sind.  Ist  der  P  beträgt  der  Geldwert;
1  hg  lösliche  Phosphorsäure  zu  0,40  M.  vereinbart,  so  beträgt  der  Gern
.  ni .  ,  „  .  0,39  X  1,20  =  —  0,47  M,,
für  den  Fehlbetrag  an  Stickstoff  ■  ;  ;  ‘  0,45  x  0.40  =  +  0,18  „
„  „  Mehrbetrag  an  löslicher  Phosphorsau  ~

p .  7]irück  zu  vergüten  bezw.  am  Preise  nachd
 -  h.  es  sind  für  je  100  kg  Dünger  29  Pf-  tie
z nlassen  ,  •  piuer  festen  allgemeinen  Gehaltsg
3.'  Pall.  In  anderen  Fällen  wird  *“ den  Bestandteile,  sondern  ein  Gesam^reis
hem  fester  Preis  für  die  einzelnen  wertbesti  Minderwer tsberechnung  m  anderer
den  Dünger'vereinbart  und  hier  muß  man  die
Vernehmen.
        <pb n="213" />
        190

Künstliche  Düngemittel.

a)  Handelt  es  sich  um  ein  Düngemittel  mit  nur  einem  einzigen  wertbestimmonden
Bestandteil,  so  ist  die  Berechnung  einfach.  Angenommen,  es  besteht  folgende  Beziehung
zwischen  Garantie,  Befund  und  Preis;

1.  Superphosphat  .
2.  Chilisalpeter
3.  Kainit  .  .  .

Garantie
18,0%  Phosphorsäure
15,5  „  Stickstoff
12,4  „  Kali

Befund  Preis  für  100  kg
17,26  °/ 0  Phosphorsäure  7,20  M.
15,05  „  Stickstoff  17,50  „
11,75  „  Kali  2,05  „

so  kostet  nach  der  Garantie  und  dem  vereinbarten  Preise  je  1  kg:  -

Lösliche  Phosphorsäure  bei  No.  1
^  =  0,40  M.
Io

Stickstoff  bei  No.  2
17.60
16.60  :

:  1,13  M.

Kali  bei  No.  3

2,06
12,4

=  0,166  M.,

also  sind  nach  dem  wirklichen  Gehalt  der  gelieferten  Ware  wert  je  100  kg:

1.  Superphosphat  17,26  x  0,40  =  6,90  M.
2.  Chilisalpeter  15,06  x  1,13  =-17,00  „
3.  Kainit  11,75x0,165=  1,94  „

Hierbei  pflegt  in  den  Superphosphaten  die  wasserunlösliche  Phosphorsäure  nicht
berücksichtigt  zu  werden;  falls  sie  zitratlösliche  Phosphorsäure  enthalten  und  letztere
als  wertbestimmend  mit  angesehen  wird,  bedarf  es  hierüber  einer  vorherigen  Vereinbarung.
Im  Kainit  und  den  Kalisalzen  wird  nur  das  Kali  als  werthestimmend  angesehen,
b)  Weniger  einfach  ist  die  Berechnung,  wenn  ein  Düngergemisoh  mit  mehreren
wertbestimmenden  Bestandteilen  vorliegt  und  ebenfalls  nur  ein  Pauschpreis  vereinbart  ist.
In  diesem  Palle  muß  man  für  einen  oder  zwei  der  Wertbestandteile  nach  den  zeitlichen
Preisen  den  Geldwert  berechnen,  diesen  vom  Gesamtpreise  abziehen  und  den  Best  auf  den
noch  vorhandenen  Wertbestandteil  verteilen.
Angenommen,  es  lautet  Garantie,  Befund  und  Preis:

a)  Pür  Salpeter-Superphosphat.
Preis  für  100  kg  12,00  M.
Garantie  Befand
Stickstoff  7  %  6,58  %.
Lösliche  Phosphorsäure  9  „  9,25  „

ß)  Pur  Kali-Ammoniak-Superphosphat.
Preis  für  100  kg  10,60  M.
Garantie  Befund
Stickstoff  5  %  5,11  %.
Lösliche  Phosphorsäure  10  „  9,05  „
Kali  3  „  2,71  „
Der  zeitliche  und  örtliche  Handelspreis  für  lösliche  Phosphorsäure  bezw.  Kali  kann
leicht  nach  den  Preisen  und  Gehalten  der  ungemischten 1 )  Superphosphate  bezw.  Kalisalze
ermittelt  werden;  wenn  hiernach  1  kg  wasserlösliche  Phosphorsäure  0,40  M.,  1  kg  Kali
0,20  M.  kostet,  so  sind  in  dem  Salpeter-Superphosphat  9%  lösliche  Ph.  =  9x  0,40  =
3,60  M.  wert,  diese  von  den  12,00  M.  Gesamtpreis  abgezogen,  bleibt  12,00  —  3,60  =  8,40  M.
o  a  n
für  7  %  Stickstoff,  also  für  1  %  =  - 1 =~  =  1,20  M.;  danach  berechnet  sich  der  Geldwert  '
der  gelieferten  Ware  nach  dem  wirklichen  Befunde  zu:
für  Stickstoff  6,58  x  1,20  =  7,90  M.,
„  lösliche  Phosphorsäure  .  .  9,25  x  0,40  =  3,70  „
im  ganzen  11,60  M.,
also  sind  statt  12,00  M.  nur  11,60  M.  für  100  kg  zu  zahlen.
*)  Hierbei  ist  zu  berücksichtigen,  daß  sich  in  den  gemischten  Düngemitteln  der
Stickstoff  20—30  Pf.,  die  Phosphorsäure  10—15  Pf.  höher  stellt,  als  in  den  betreffenden
ungemischten  Düngern.
        <pb n="214" />
        Berechnung  des  Mindergeldwertes  der  Düngemittel  bei  Mindergehalt.

191

ß)  Für  das  Kali-Ammoniak-Superphosphat  stellt  sich  die  Berechnung  wie  folgt:
10%  lösliche  Phosphorsäure  sind  wert  10  x  0,40  =  4,00  M.,  3%  Kali  =  3x0,20
=  0,60  M.  Die  Summe  4,00  +  0,60  =  4,60  M,  von  10,60  M.  Gesamtpreis  abgezogen,
10,60  —  4,60  =  6,00  M.  ist  Bestwert  für  5  %  Stickstoff,  also  kostet  1  kg  des  letzteren  1,20  M.
Hieraus  ergibt  sich  der  Geldwert  der  gelieferten  Ware  nach  dem  Befunde:
für  Stickstoff  5,11  x  1,20  =  6,13  M.,
„  lösliche  Phosphorsäure  9,05  x  0,40  =  3,62  „
„  Kali  2,71x0,20  =  0,54  „
im  ganzen  10,29  M.,
d.  h.  statt  10,60  M.  sind  nur  10,29  M.  für  100  kg  zu  zahlen.
4.  Knochenmehl.  Das  Knochenmehl  setzt  sich  aus  mit  Leimsubstanz  durchwachsenem ­
  Kalkphosphat  zusammen.  Hier  gibt  es  für  den  Stickstoff  und  die  Phosphorsäure ­
  im  getrennten  Zustande  keine  Einzelpreise.  Man  muß  daher  bei  einem  Mindergehalt
entweder  yon  dem  Preise  des  Stickstoffs  in  einem  ähnlichen  Düngemittel,  z.  B.  Horumehl,
worin  ebenfalls  nur  der  Stickstoff  als  wertbestimmend  angesehen  wird,  ausgehen,  oder
inan  legt  für  die  Phosphorsäure  einen  hypothetischen  Wert,  der  zwischen  dem  der  unlöslichen ­
  und  wasserlöslichen  Phosphorsäure  liegt,  zugrunde,  berechnet  hiernach  den  Geldwert ­
  dieses  Bestandteiles  und  verrechnet  den  Best  auf  den  anderen  Bestandteil.
Angenommen  ein  Knochenmehl  mit  einer  Garantie  von  4,50  %  Stickstoff  und  20%
Phosphorsäure  ist  zu  11.00  M.  für  100  kg  verkauft,  die  Untersuchung  der  gelieferten  Ware
aber  hat  3,96  %  Stickstoff  und  20,98  %  Phosphorsäure  ergeben.
Wenn  Hornmehl-Stickstoff  zurzeit  etwa  1,00  M.  für  1  kg  kostet,  so  sind  die  garantierten ­
  4,50  %  Knochenmehl-Stickstoff  1,00  x  4,50  =  4,50  M.  wert;  es  bleiben  also
'  o.uO
11,00  —  4,60  =  6,50  M.  für  20%  Phosphorsäure  oder  für  1  %  ==  0j33  M.  übrig.

Die  gelieferte  Ware  ist  hiernach  für  100  kg  wert;
für  Stickstoff  3,96  x  1,00  =  4.40  M.,
„  Phosphorsäure  20,98  x  0,33  =  6,92  „
im  ganzen  10,88  M.
Oder  man  nimmt  für  Phosphorsäure  einen  hypothetischen  Wert  z.  B,  0,30  M.
kg  an  und  berechnet  nach  der  Garantie  und  dem  Preise  den  Wert  des  Stickstoffs.
Auf  diese  Weise  sind  20  kg  Phosphorsäure  6,00  M.  wert;  diese  von  11,00
•  •  ---*  ..  M  i  e  nn  m  aüe/„  Stickstoff,  also  sind

für
M.
für

abgezogen,  als"o“  11,00  -  6,00  =  6,00,  bleibt  5,00  M.  für  ifi
1  kg  Stickstoff  = 5 ^ 3 =  1,H  M,  zu  berechnen.
4,o  -tnn  ksr  Geldwert.
Die  gelieferte  Ware  hat  demnach  u  g  gß  i,H  =  4,40  M.,
für  Stickstoff  20,98  X  0.30  =  6,29  „  _
„  Phosphorsäure  ••••'■  Summe  10,69  M.,
d -  h,  statt  11,00  M.  sind  nur  10,69  M.  für  1«°  ^^“^  zu  fordern,  daß  der  fehlende
Bei  Knochenmehl  empfiehlt  sid  an  Phosphorsäure  ausgeg
Stickstoff  nur  bis  zu  0,5  %  durch  ^n^yen  nimmt  die  Phosphorsaure  in  dem
werden  darf;  denn  bei  den  entlohnten  Knochen  ^  mehr  als  gleichwertig  mit
Maße  zu,  als  der  Stickstoff  abnimmt.  P iese  ^“  werden,  weil  die  Wirkung  des  Knochendem
  nicht  entleimten  Normalknochenmehl  angeseh  . g  mehr  Leim  auf  das  mit  ihm
fehles  überhaupt  zweifellos  um  so  besser  um  LÖBung  des  letzteren  wird  durch
durchwachsene  Kalkphosphat  entfallt,  denn  hieran  igt  desto  schneller  »i
Fäulnis  des  Leimes  bewirkt,  und  je  größer  der  Geha
Paulnis  verlaufen. 1 )  nTnft8T) hosphatmehl  wird  entweder  nach  dem
,  5.  Thomasphosphatmehl.  Das  i  ..  u  er  phosphorsäure  als  Grum  ag
at  an  Gesamt-oder  an  Zitronensäure  os  durchwachsenen  Leim,  nicht
■)  Dieses  •*,  «  «,  *.  »»  +
&amp;gt;  die  in  Form  von  Hornmehl,  Fleisch  usw.
        <pb n="215" />
        192

Künstliche  Düngemittel.

Geldwertsberechnung  verkauft;  es  sollte  daher  auch  in  letzterem  Kalle  eine  Entschädigung
verlangt  werden  können,  wenn  an  dem  garantierten  Gehalt  mehr  als  V/'/o  f^t  Der  Verband
landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche  hat  sich  auch  für  diese  Latitüde
ausgesprochen,')  jedoch  ist  eine  Einigung  mit  den  Thomasphosphatfahriken  bisher  nicht  erzielt,
da  von  letzteren  eine  Latitüde  von  0,75  °/ 0  verlangt  wird.  Der  Mindergeldwert  berechnet  sich
dann  einfach  nach  Maßgabe  des  Garantiegehaltes  und  des  vereinbarten  Preises,  Wenn  aber
der  Ankauf  des  Thomasphosphatmehles  nach  Gesamtphosphorsäure  und  Peinmehl  erfolgt,  so
soll  nach  den  Beschlüssen  des  Verbandes  landwirtschaftlicher  Versuchs-Stationen  im  Deutschen
Reiche *  2 !  eine  Kompensation  irgend  welcher  Art  zwischen  Peinmehl  und  Phosphorsäure  nicht
stattfinden,  vielmehr  die  Entschädigung  bei  Mindergehalt  getrennt  geregelt  werden  und
zwar  für  die  Phosphorsäure  nach  dem  festgesetzten  Preise,  für  Feinmehl  mit  2,60  M,  für  das
Prozent  und  10000  kg.
Mafsregeln  für  die  Düngerkontrolle.
Da  der  Düngerhandel  in  Deutschland  noch  nicht  wie  in  Amerika,  Frankreich,  Belgien,
Finnland  uaw.  gesetzlichen  Bestimmungen  unterliegt,  so  ist  der  deutsche  Landwirt  auf
Selbstschutz  angewiesen;  die  Kontrolle  wird  bis  jetzt  durch  eigens  von  ihm  geschaffene
Anstalten,  die  landwirtschaftlichen  Versuchs-Stationen,  nach  einem  privaten  Abkommen ­
  zwischen  diesen  bezw.  den  Landwirtschaftskammern  und  den  Düngerfabriken  bezw,
Handelsfirmen  gehandhabt.
Hierbei  empfiehlt  es  sich,  gewisse  allgemein  gültige  Maßregeln  zu  treffen,  welche
einerseits  den  Landwirt  vor  Übervorteilung,  andererseits  den  rechtschaffenen  Fabrikanten
vor  verwerflichem  Wettbewerb  schützen.
Als  solche  Maßregeln  sind  zu  beachten:
1.  daß  die  Bezeichnung  der  Dünger  voll  und  ganz  ihrer  Natur  entspricht. ­
  Dieses  betrifft:
a)  in  erster  Linie  den  Peruguano.  Unter  dem  Namen  Peruguano  oder  schlechtweg
„Guano“,  worunter  fast  stets  der  Peruguano  verstanden  wird,  sollten  nur  solche  Düngemittel ­
  zugelassen  werden,  welche  außer  Schwefelsäure  zum  Aufschließen  keine  anderen
Zusätze  erhalten  haben.  Haben  stickstoffhaltige  Guanosorten  (also  Peru-,  Saldanha-Bayoder
  Ichaboe-Guano  usw.)  stickstoffhaltige  Zusätze  wie  Ammoniaksalz,  Salpeter  usw.  erfahren,
so  sollten  diese  Mischungen  deutlich  durch  Zusätze,  z.  B.  „gemischter“  Guano,  „Ammoniak“-oder
  „Salpeter“-Guano  gekennzeichnet  werden.
Alle  Düngemittel,  welche  aus  stickstofffreien  Phosphatguanos  gewonnen  sind,
sollten  nicht  die  einfache  Bezeichnung  „Guano“  führen  dürfen;  sie  müßten  entweder  einen
Zusatznamen  führen,  welcher  ihren  Fundort  andeutet,  also  Baker-  oder  Möjillones-  usw.,
Guano-Superphosphat,  oder  der  Zusatz  „Guano“  müßte  ganz  wegfallen,  indem  sie  einfach
als  Superphosphat  (oder  wenn  sie  Stickstoff  enthalten,  als  Stickstoff-,  Ammoniak-  oder  Salpeter-Superphosphat)
  bezeichnet  werden.  Denn  die  stickstofffreien  Guano-Phosphate  stehen  den
Mineral-Phosphaten  näher  als  den  stickstoffhaltigen  Guanos;  es  ist  daher  nicht  zulässig,  ihnen
einfach  den  Namen  Guano-Superphosphat,  Ammoniak-Guano  usw.  beizulegen,  weil  darnach
angenommen  werden  kann,  daß  sie  aus  den  seit  langem  in  besserem  Rufe  stehenden  stickstoffhaltigen ­
  Guanosorten  gewonnen  sind.
b)  Die  einzelnen  Knochenmehlsorten  des  Handels  sollten  als  Normal-Knochenmehle ­
  oder  No.  0,  als  einfache  „Knochenmehle“  und  als  „entleimte  Knochenmehle“  nach
S.  168  u.  f.  unterschieden  werden.
o)  Unter  der  Bezeichnung  „Thomasschlackenmehl“  oder  Thomasphosphatmehl
oder  Thomasmehl  sind  nur  diejenigen  Dünger  zuzulassen,  welche  aus  wirklicher  Thomasschlaoke
  gewonnen  sind.  Alle  anderen  Phosphatmehle,  welche  durch  Zerkleinern  von  Mineral-Phosphaten
  oder  aus  sonstigen  phosphorsäurehaltigen  Schlacken  gewonnen  sind,  sollten  durch
einen  Zusatz,  z.  B.  Mineralphosphatmehl,  „Koprolithenmehl“  usw.  unterschieden  werden.
d)  Mit  der  Bezeichnung  Knochemaehl-Superphosphat,  Ammoniak-  oder  Salpeter-Superphosphate
  usw.  sind  nur  solche  Superphosphate  zuzulassen,  welche  den  Stickstoff

*)  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  56,  30.
2 )  Ebenda  1893,  43,  352.
        <pb n="216" />
        Maßregeln  für  die  Düngerkontrolle.

193

wirklich  und  ganz  in  Form  von  Knochenmehl,  bezw.  Ammoniak,  hezw.  Salpeter  usw.
enthalten.
2.  An  den  Säcken  bezw.  Behältern  sollen  deutlich  sichtbar  die  Bezeichnungen  der
Düngemittel,  welche  ihrer  Natur  nach  den  vorstehenden  Normen  entsprechen,  zu  lesen  sein.
Dabei  empfiehlt  es  sich,  nur  runde  Sackge'wichte  von  50,  75  oder  100  kg  zuzulassen.
3.  An  den  Säcken  sollen  Garantiezettel  angebracht  sein,  welche  genau  den  Gehalt
an  den  wertbestimmenden  Bestandteilen  angeben,  nämlich:
a)  Bei  Superphosphaten  den  Gehalt  an  wasserlöslicher  Phosphorsäure;  falls
die  sog.  zurückgegangene  oder  zitratlösliche  Phosphorsäure  und  ferner  auch  die  unlösliche
Phosphorsäure  berücksichtigt  werden  sollen,  ist  auch  deren  Gehalt  anzugeben.  Eine  Angabe,
aus  welchem  Rohstoffe  das  Superphosphat  hergestellt  ist,  ist  nicht  erforderlich.
b)  Bei  Präzipitaten  den  Gehalt  an  zitratlöslicher  und  Gesamt-Phosphorsäure.
c)  Bei  Thomasphosphatmehl  den  Gehalt  an  Gesamt-Phosphorsäure  und  Peinmehl
oder  an  zitronensäurelöslicher  Phosphorsäure.
d)  Bei  den  Knochenmehlen,  bei  Pleischdüngerm  ehl  bezw.  Fleischknochenmehl,
sog.  Fischguano,  den  Gehalt  an  Stickstoff  und  Phosphorsäure.
e)  Bei  rohem  bezw.  gemahlenem  Peruguano,  Saldanha-Bay-,  Ichaboe-Guano
usw.,  bei  Poudrette  und  Fäkalguano  den  Gehalt  an  Stickstoff,  Gesamt-Phosphorsäure
und  auch  den  Gehalt  an  Kali  und  wasserlöslicher  Phosphorsäure,  falls  die  Wertberechnung
der  beiden  letzten  Bestandteile  verlangt  wird.
f)  Bei  aufgeschlossenem  Peruguano,  bei  stickstoffhaltigen  Super-Phosphaten
  den  Gehalt  an  Stickstoff  und  wasserlöslicher  Phosphorsäure,  wie  auch  an
Kali,  falls  letzteres  zu  berücksichtigen  ist.
Bei  Ammoniak-Superphosphaten  den  Gehalt  an  Ammoniak-Stickstoff,  bei
Salpeter-Superphosphaten  denjenigen  an  Salpeter-Stickstoff,  bei  Gemischen  beider
den  Gehalt  an  Ammoniak-  und  Salpeter-Stickstoff  sowie  in  allen  Füllen  den  Gehalt  an
Wasserlöslicher  Phosphorsäure.
g)  Chilisalpeter  und  Ammoniaksalz  (sohwefelsaures  Ammoniak)  unterliegen,
Wenn  sie  in  Original-Verpackung  geliefert  werden,  nicht  diesen  Bestimmungen;  dagegen
’nuß  auch  bei  ihnen,  wenn  sie  in  irgend  einer  Weise  zuhereitet  werden,  neben  der  Bezeichnung ­
  auch  der  Gehalt  an  Stickstoff  an  den  Säcken  bezw.  Behältern  angegeben  weiden.
h)  Bei  Blutmehl,  Hornmehl,  Ledermehl,  Wollstaub  und  anderen  stickstoffhaltigen ­
  Düngern  ist,  wenn  sie  für  den  landwirtschaftlichen  Verbrauch  bestimmt  sind,  der
behalt  an  Stickstoff  anzugeben.  „  ,
i)  Bei  kalihaltigen  Düngemitteln  ist  der  Gehalt  an  Kali  (nicht  an  schwefelsaurem ­
  Kali  oder  Chlorkalium)  anzugeben.  ,
k)  Bei  Superphosphatgips,  Phosphatgips  ist  der  Gehalt  an  löslicher  bezw.  unöslicher
  Phosphorsäure  und  Gips  anzugeben.  ,  ,  ,,  ,
i■  Ein  der  Garantie  gegenüber  nachgewiesener  Mindergel  a  an  wer  es
Bestandteilen  ist  nach  dem  berechneten  Werte  zu  vergüten.  Bin  etwaiger  Ub erschuff  des
^ nen  wertbestimmenden  Bestandteiles  darf  zugunsten  eines  gleichzeitig  vorkommenden
Jadergehaltes  an  einem  anderen  gerechnet  werden,  und  m  ril  **  vom
Wasserlöslicher  Phosphorsäure  bis  zu  0,5  vom  Hundert  und  von  Stickstoff  bis  zu  0,2o  vom
ändert  dem  Werte  nach  in  dieser  Weise  in  Rechnung  ges  e  wer  f“-  ,  ( r
t , M  ^  allen  Düngemitteln  ist  eine  Abweichung  von  dem  gewährleisteen  Gehalte  (Lato
j? de )  ^i  wasserlöslicher  und  unlöslicher  Phosphorsäure  sowie  bei  Kali  bis  zu  0  5  vom
Hundert,  bei  Stickstoff  bis  zu  0,25  vom  Hundert  gestattet  ohne  daß  der  Abnehmer  hierf
£“ e  Entschädigung  beanspruchen  kann.  Übersteigt  der  Mindergehalt  diese  Zahlen,  so
1  a  len  Fällen  der  volle  Fehlbetrag  zu  vergüten.  ,  n  s i e  j m
Ka  ,  Die  Gehaltsschwankung  (Latitüde)  darf  nur  beansprucht  werden,  S16 A ™
Kaufverträge  ausdrücklich  a^sbedungen  wurde.  Dieselbe  fallt  aus,  sobald  eine  Aus
b  l °bung  (Kompensation)  in  Anspruch  genommen  wir  .  o-pstattet  (Nach
Bei  Verkauf  gach  Prozenten  sind  Kompensation  und  Latitüde  nicht  glättet  (A
Verband  deutscher  Versuchs-Stationen  aufgesteUt  n  Entwurf  von  Gmn  g
ur  D ung er -Kontro  11-Verträge“.  Landw.  Versuchs-Stationen  189o,  4o,  332.)
B  13
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  „
        <pb n="217" />
        Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen
und  Brennstoffen.

I.  Pflanzenasche.
1.  Vorbereitung.  Als  Vorbereitung  der  pflanzlichen  Stoffe  zur  Veraschung ­
  muß  man  eine  möglichst  sorgfältige  Reinigung  vornehmen;  man  kann
hierauf  nicht  genug  Mühe  und  Umsicht  verwenden,  da  eine  Beimischung  von
tonigen  und  sandigen  Stoffen  die  Untersuchung  der  Asche  sehr  erschwert  und
die  Genauigkeit  wesentlich  beeinträchtigt.  Wurzeln  und  Knollen  sind  durch
vorsichtiges  Eeiben  mit  weichen  Bürsten  unter  Wasser  und  wiederholtes  Abspülen
mit  destilliertem  Wasser  von  allen  erdigen  Beimengungen  zu  befreien  und  sodann
mit  einem  weichen  Leinwandtuche  abzutrocknen.  Von  Blättern  und  Stengeln  entfernt ­
  man  den  Staub  usw.,  soweit  ihre  Beschaffenheit  solches  gestattet,  durch
Abwischen  mit  einem  weichen  Pinsel  oder  Tuche  unter  Anwendung  eines  möglichst
gelinden  Druckes.  Samenkörner,  namentlich  die  größeren  Sorten,  kann  man  mit
destilliertem  Wasser  ühergießen,  darin  einige  Minuten  lang  aufrühren,  dann  aber
sofort,  bevor  die  Feuchtigkeit  eindringt  und  ein  Aufweichen  der  Samenkörner  bewirkt ­
  wird,  auf  einem  Siebe  abtropfen  lassen,  auf  Fließpapier  legen  und  rasch
wieder  zwischen  weichen  Tüchern  abtrocknen.
Grüne  Blätter  und  Kräuter  sowie  ebenso  in  möglichst  dünne  Scheiben  zerschnittene ­
  Rüben  läßt  man,  an  Fäden  aufgehängt,  im  Trockenschranke  bei  50—60°
austrocknen.  Kartoffeln  müssen  in  Stückchen  und  Scheiben  zerteilt  und  in  großen
Porzellanschalen  auf  dem  Dampfbade  oder  im  Trockenschranke  bei  50—60°  von
ihrem  Wassergehalt  befreit  werden;  sie  lassen  sich  hierauf,  ebenso  wie  die  getrockneten ­
  Rüben,  leicht  zu  Pulver  zerstoßen,  welches  jedoch  nicht  zu  fein  sein
darf,  damit  es  beim  Veraschen  sich  hinreichend  locker  erhält  und  nicht  fest  zusammensetzt. ­
  Die  getrockneten  Blätter  und  Kräuter,  sowie  die  Heu-  und  Stroharten
werden  zunächst  mit  der  Schere,  einer  Häckselbank  oder  mittels  eines  sonst  geeigneten
Apparates  in  Stückchen  zerschnitten  und  das  Ganze  gut  durcheinander  gemischt.  Die
lufttrocknen  Samenkörner  muß  man  im  Mörser  zu  einem  groben  Pulver  zerstoßen
oder  nur  einfach  quetschen,  wodurch  die  Veraschung  sehr  erleichtert  und  ein
Umherspringen  beim  Erhitzen  vermieden  wird.
2.  Veraschen,  a)  Veraschen  ohne  Zusätze.  Das  Veraschen  der  in  vorstehender ­
  Weise  vorbereiteten  Pflanzenstoffe  wird  mit  50—100  g  Substanz  am  besten
in  einer  geräumigen,  mit  Deckel  versehenen  Platinschale  und  zwar  über  der  freien
Flamme  vorgenommen,  indem  man  zunächst  mehrere  Stunden  und  länger  nur  eine
ganz  schwache  Flamme  einwirken  läßt.  Es  findet  hierbei  eine  sehr  langsame  Verkohlung ­
  statt,  die  Verbrennungsgase  entwickeln  sich  ruhig  und  gleichförmig  und
        <pb n="218" />
        Pflanzenasche.

195

die  Masse  behält  eine  lockere  Beschaffenheit.  Sobald  die  Gasentwicklung  großenteils
aufhört,  steigert  man  unter  öfterem  Durchrühren  mit  dem  Platinspatel  die  Hitze
allmählich,  jedoch  keineswegs  bis  zum  Glühen,  und  bewirkt  dadurch  in  der  Regel,
daß  die  Kohle  in  der  lockeren  Masse  vollständig  verbrennt,  wenigstens,  wenn  man
es  mit  Aschenarten  zu  tun  hat,  welche,  wie  die  der  meisten  Futterkräuter,  Holzarten ­
  und  Eübenarten,  reich  sind  an  kohlensauren  Salzen  und  wenn  die  Hitze  sorgfältig ­
  geregelt  worden  ist,  so  daß  ein  Schmelzen  der  Asche  in  keiner  Weise  stattfindet. ­
  Palls  jedoch  eine  vollständige  Verbrennung  der  kohligen  Teilchen  bei
derartigen  Pflanzen  langsam  und  schwierig  erfolgt,  so  erreicht  man  sie  fast  ohne
Ausnahme,  wenn  man  die  kohlige  Masse  in  der  Platinschale  mit  einem  Pistill
zerdrückt,  letzteres  mit  Wasser  abspült,  die  mit  Wasser  angefeuchtete  kohlige
Masse  im  Wasserbade  eintrocknet  und  weiter  glüht.  Oder  man  zieht  die  kohlige
Masse  besonders  bei  solchen  Pflanzenaschen,  welche,  wie  die  phosphorsäure-  und
kieselsäurereichen,  entweder  leicht  zusammensintern  oder  schwer  verbrennen,  mit
Wasser  aus,  verbrennt  den  auf  einem  tunlichst  aschenfreien  Filter  verbliebenen
kohligen  Rückstand  weiter,  vereinigt  die  so  weißgebrannte  Asche  mit  der  wässerigen
Lösung,  verdampft  das  Ganze  zur  Trockne,  glüht  schwach  und  wägt.
Vielfach  sind  auch  die  Muffelöfen  (aus  Ton,  Eisenblech,  Platinblech)  zur
Veraschung  in  Gebrauch,  die  den  Vorteil  haben,  daß  man  gleichzeitig  mehrere  Veraschungen ­
  vornehmen  und  durch  die  stärkere  Luftzufuhr  ein  schnelleres  Weißbrennen
erzielen  kann.  Hierdurch  sind  dann  aber  auch  leicht  Verluste  sowohl  an  Substanz
w ie  durch  Verflüchtigung,  besonders  von  Chloriden,  bedingt,  zumal  wenn  gleichzeitig
hoch  erhitzt  wird;  in  letzterem  Falle  tritt  dann  auch  leicht  ein  Zusammenschmelzen
der  Asche  ein.
Am  einfachsten  lassen  sich  die  kohligen  Aschenrückstände  weiß  brennen  und
von  Kohlenresten  durch  Anwendung  eines  schwachen  Stromes  von  Sauerstoffgas ­
  befreien.  Man  bereitet  das  Sauerstoffgas  sehr  rasch  und  einfach  aus
Wasserstoffsuperoxyd 1 )  unter  Zusatz  von  etwas  Ammoniak  und  allmählichem
•Zufluß  von  Kaliumpermanganat-Lösung.  Das  Sauerstoffgas  wird  aus  einem  kleinen
Gasometer  mittels  eines  Gummischlauches  und  einer  in  eine  Spitze  ausgezogenen
Glasröhre  in  sehr  schwachem  Strom  auf  die  schwach  geglühte  kohlehaltige  Masse
geleitet,  indem  man  die  Glasröhrchenspitze  in  der  Schale  herumführt.  Auf  diese
Weise  verbrennt  die  Kohle  sehr  ruhig,  ohne  daß  viel  Sauerstoff  verbraucht  wird.
H -  Wislicenus 2 )  durchfeuchtet  nach  möglichst  weitgehender  Verbrennung  der  Kohle
die  zurückbleibende  Substanz  mit  geringen  Mengen  einer  3  °/ 0 -igen  Wasserstoffsuperoxydlösung, ­
  läßt  damit  ein  wenig  quellen,  gibt  von  neuem  Wasserstoffsuperoxydlösung ­
  zu  und  trocknet  langsam  auf  dem  Sandbade  ein;  die  getrocknete  Masse
wird  vorsichtig  weiter  erhitzt.  Diese  Behandlung  wird  so  lange  wiederholt,  bis
S1 ch  keine  Reste  von  Kohle  mehr  finden.
Mitunter  wird  auch  zum  Weißbrennen  der  Asche  bei  gelinder  Hitze
Ammoniumnitrat  in  kleinen  Mengen  zugesetzt,  indes  findet  hierbei  leicht  ein
Verstäuben  der  Asche  aus  der  Schale  statt.  -  Auch  die  vorgeschlagenen  Sauerstoffdberträger:
  Eisenoxyd,  Wismutnitrat,  Calciumplumbat  empfehlen  sich  nicht.
Um  ein  Verstäuben  von  Aschenbestandteilen  bei  der  Veraschung  zu  verhindern,
kezw.  um  die  Verflüchtigung  von  Stoffen  festzustellen,  sind  von  H.  Wislicenus, 2 )
')  Aus  100  com  des  30  volumprozentigen  Wasserstoffsuperoxyds,  etwa  30  ccm  Kalium-Pennanganat-Lösung
  (2,3  g  in  1  1)  und  etwas  Ammoniak  gewinnt  man  etwa  3 l / 2  1
Sauerstoff.
2 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1901,  40,  441.

13*
        <pb n="219" />
        196

Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen  und  Brennstoffen.

v.  Hlasiwetz, 1 )  Reese, 2  3 )  B.  Tollens  und  Shuttleworth 8 )  sowie  von  Tucker 4 )
besondere  Verasclumgsvorriclitungen  angegeben,  von  denen  für  Zwecke  einer  genauen
Aschenuntersuchung  die  von  H.  Wislicenus  hier  beschrieben  werden  möge,  weil  sie
nur  eines  Veraschungsdeckels  benötigt  und  sonst  in  den  gebräuchlichen  Platinschalen ­
  oder  Platintiegeln  ausgeführt  werden  kann.
Der  Deckel  (Big.  28)  ist  durch  leichte  Wölbung  und  zwei  kreisförmige  Billen  (a  und  b),
welche  noch  weitere  Zwecke  erfüllen,  versteift.  Die  äußere  Bille  (a)  versteift  den  Band
und  gibt  das  Lager  für  den  Schalenrand.  Die  zweite  (b),  nach  unten  gewölbt,  trägt  einen
Zylinder  (c)  mit  horizontal  umgelegtem  Band.  Dieser  Band  schließt  nahezu  an  die  Schalenwand ­
  an  und  bildet  dadurch  einen  ringförmigen  Baum  (d),  in  welchem  die  zuströmende
Luft  verteilt  und  vorgewärmt  wird.  Die  Luft  ist  gezwungen,  von  der  Peripherie  aus  ruhig
und  gleichmäßig  auf  die  zu  veraschende  Masse  zu  strömen;  sie  tritt  nicht  blasend  aus  einer
zentralen  Bohre  ein,  wie  in  den  anderen  Apparaten,  und  wirbelt  deshalb  die  Asche  nicht
hinweg.  Dem  Ausgußschnabel  der  Schale  entspricht  eine  Auswölbung  im  Deckel.  Beide
bilden  eine  Öffnung,  durch  welche  der  eingesaugten  Luft  Sauerstoff  beigemengt  werden  kann.

Der  Zylinder  c  ist  locker  durch  ein  Blech  abgeschlossen.  Dieses  kann  (am  Blechgriff ­
  h)  leicht  durch  eine  Drehung  eingesetzt  oder  zur  Beinigung  herausgenommen  werden.
In  dem  dadurch  gebildeten  Baume  setzen  sich  mitgerissene  Aschenteilchen  wieder  ab.  Die
durchstreichenden  Verbrennungsgase  entweichen  durch  das  Eöhrchen  i,  in  welches  ein
Saugrohr  aus  dem  temperaturwechselfesten  Jenaer  Glas  dicht  passend  eingeschoben  wird.
Das  eingeschobene  Ende  ist  ganz  leicht  konisch  ausgezogen,  um  gut  eingepreßt  werden  zu
können.  Dieses  Glasrohr  trägt  einen  kleinen  Kühler  k  (Pig.  29  S.  197)  und  stellt  die  Verbindung
mit  dem  Waschgefäß  w  und  durch  dieses  mit  dem  Saugapparat  her.  Als  Waschgefäß  ist  das
Absorptionsgefäß  w  für  schnell  ziehende  Gasströme  als  besonders  geeignet  zu  empfehlen.
Es  findet  darin  eine  vorzügliche  Zerlegung  des  Gasstromes  statt  und  die  zerstäubten
Elüssigkeitsteilchen  werden  vollständig  zurüokgehalten.  Man  beschickt  es  (zu  '/ 3 )  mit  etwas
Kalkmilch  oder  anderen  basischen  bezw.  Karbonatlösungen.  Dieses  Gefäß  wird  in  ein
Gestell  eingespannt,  während  man  den  Kühler  beweglich  läßt,  um,  an  diesem  anfassend, ­
  den  Deckel  von  Zeit  zu  Zeit  zum  Beobachten  und  Umrühren  der  Asche  von  der
Schale  abzuheben.  Zum  Wenden  der  Asche  kann  man  durch  den  Schnabel  der  Schale
einen  nach  der  Schalenwand  gebogenen  Platindraht  einlegen.
4 )  Ann.  Chem.  Pharm.  97,  244.
2 )  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  .1888,  27,  133.
3 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1899,  47,  199.
*)  Berichte  d.  Deutschen  chem.  Gesellschaft  1899,  32,  2583.
        <pb n="220" />
        Pflanzenasohe.

197

Bei  der  Anwendung  des  Apparates  verfährt  man  am  besten  so,  daß  man  die  Schale
ohne  und  mit  Deckel  wägt,  in  der  Schale  die  Trockenbestimmung  mit  etwa  -0  g
Substanz  vornimmt,  die  Trockensubstanz  dann  mit  einem  gleichteihgen  Gemisch  dm
Shuttleworthschen  Calciumazetatlösung  und  reinster  Kalkmilch  (aus  gegu
oxalat)  gut  durchtränkt  und  auf  einem  sauberen,  mäßig  heißen  Saudbade  oder  Wasserbadc
eintrocknet.  Dann  verkohlt  man  die  Substanz  zunächst  noch  in  o  enei
fächelnder  Flamme  nicht  zu  schnell.  ,  ^  ,  ,,  .,  »„ocUinitt
Die  Schale  mit  verkohlter  Substanz  wird  nun  in  eine  Asbestplatte  mit  Aussen  ■■
eingehängt  und  mit  dem  an  Kühler  und  Waschgefäß  montierten  Veraschungsdeckel  ve  -
sehen.  Der  Deckel  soll  leicht  abhebbar  sein.  Das  Waschgefäß  ist  zu  :3  mit  Kalkmil  ,
Kalkwasser  usw.  beschickt,  die  Säugpumpe  in  mäßig  schnellen  Gang  gesetz  .
Unter  öfterem  Lüften  des  Deckels,  Beobachten  und  Umwenden  der  Substanz  wird
bei  höchstens  dunkler  Eotglut  möglichst  weit  verascht.  Ganz  zum  Schluß  wird  ein  g
Minuten  lang  —  event.  mehrmals  —  rein  gewaschener  Sauerstoff  der  eingesaugten  Lu
beigem  engt.  Wird  die  Asche  auf  diese  Weise  nicht  absolut  kohlefrei,  so  gi  man  e
reines  Ammoniumnitrat  zu  oder  wendet  die  oben  beschriebene  Oxydation  mit  dünnem  V  asseistofsuperoxyd,

  vielleicht  wiederholt,  an.  Das  Verglimmen  der  jedesmal  eingetrockneten
Masse  läßt  man  wieder  im  geschlossenen  Apparat  vor  sich  gehen.  Nunmehr  gibt  man  den
Inhalt  des  Waschgefäßes  in  die  Schale,  löst  den  Deckel  vom  Kühler,  legt  ihn  umgedreht  auf
( ^e  Schale  und  spült  ihn  mit  wenig  warmem  Wasser  durch.  Dabei  kommt  dieser  Behänd-Inng
  seine  trichterförmige  Form  zu  statten.  Der  äußere  Band  ist  natürlich  rem  geblieben.
Damit  ist  jeder  Verlust  vermieden.  Zur  Kontrolle  wägt  man  den  gereinigten  und  getrockneten ­
  Deckel  nach.  Wenn  die  Veraschung  in  einem  Platintiegel  vorgeuommen  werden
soll,  erhält  der  Deckel  selbstverständlich  eine  etwas  andere  Form.  Im  übrigen  ist  das  veilahren
  dasselbe.  .  .  .
b)  Veraschen  unter  Zusätzen,  a)  Als  Zusätze  sind  am  weitesten  verbreitet
Natriumkarbonat  und  Barythydrat.  Beim  Einäschern  der  Pflanzenstoffe  fiii
sich  allein  verflüchtigt  sich  leicht  ein  Teil  des  Chlors  wie  Schwefels,  auch  der
etwa  in  organischer  Verbindung  vorhandene  Phosphor  kann  sich  der  Oxydation
211  Phosphorsäure  entziehen.  Um  daher  für  diese  drei  Bestandteile  tunlichst  genaue
Ergebnisse  zu  erhalten,  durchfeuchtet  man  die  Pflanzenstoffe  (20—50  g)  in  einer
geräumigen  Platinschale  mit  einer  Lösung  von  chemisch  reinem,  d.  h.  chlor-,
Schwefelsäure-  und  phosphorsäurefreiem  Natriumkarbonat  (etwa  50  g  wasserfreies
Natriumkarbonat  im  Liter  enthaltend) 1 )  unter  Zusatz  von  etwas  ebenso  reiner
’fCcHinclei'  setzt  auf  1  g  zu  veraschender  Stoffe  100  ccm  einer  10%-igen  Sodalösung ­
  zu.
        <pb n="221" />
        19g  Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen  nnd  Brennstoffen.

Natronlauge,  trocknet  vollständig  im  Wasserhade  ein  und  verkohlt  über  einer
Spiritusflamme.  Letztere  empfiehlt  sich  —•  besonders  bei  quantitativen  Bestimmungen ­
  des  Schwefels  bezw.  der  Schwefelsäure  in  den  durch  Hütten-  oder
Steinkohlenrauch  beschädigten  Pflanzenbestandteilen  —  aus  dem  Grunde,  weil  das
Leuchtgas  durchweg  Schwefelverbindungen  enthält,  welche  sich  in  der  Flamme  zu
Schwefelsäure  oxydieren  und  den  Gehalt  der  Einäscherungsmasse  an  dieser  vermehren ­
  können.  Nachdem  die  Masse  verkohlt  ist,  zerdrückt  man  sie  in  der
Platinschale  mit  dem  Pistill,  durchfeuchtet  sie  unter  Abspülen  des  letzteren  mit  Wasser,
trocknet  auf  dem  Wasserbade  ein  und  verbrennt  weiter  unter  Anwendung  des  unter
2.  a  erwähnten  schwachen  Sauerstoff  Stromes.
ß)  Ätzbaryt.  Vielfach  ist  und  wird  auch  noch  jetzt  zur  vollständigen  Verkohlung ­
  der  Pflanzenstoffe  besonders  in  den  kieseisäure-  und  phosphorsäurereichen
Pflanzenaschen  eine  wässerige  Lösung  von  Ätzbaryt  angewendet,  womit  die  Masse
durchfeuchtet  wird.  Der  auf  diese  Weise  in  die  Asche  übergehende  Ätzbaryt  bezw.
das  sich  bildende  Baryumsulfat  erschwert  aber  die  Untersuchung  der  Asche  auf  die
einzelnen  Bestandteile  sehr,  ohne  daß  diese  Art  Einäscherung  genauere  Ergebnisse
liefert,  als  das  unter  2.  b  a  beschriebene  Verfahren.  Statt  Ätzharyt  ist  auch
Baryumsuperoxyd  oder  Baryumnitrat  vorgeschlagen.
y)  Shuttle  worth  empfiehlt  besonders  für  Stroharten  und  Blätter  denZusatz
von  essigsaurem  Calcium  (0,2  g  CaO  auf  5—6  g  Substanz),  H.  Wislicenus
ein  Gemisch  von  letzterem  und  reiner  Kalkmilch  (aus  geglühtem  Calciumoxalat).
&amp;amp;)  Zucker,  Melasse  und  sonstige  Erzeugnisse  dieser  Art  werden  unter  Zusatz ­
  von  Schwefelsäure  verascht  und  von  der  Sulfat-Asche  1 / 10  des  Gewichtes
abgezogen,  um  sie  auf  Karbonat-Asche  umzurechnon.
Beim  Veraschen  von  Glyzerin  mit  Schwefelsäure  multipliziert  man  die  Asche
mit  dem  Faktor  0,8.
Die  unter  Zusatz  von  Schwefelsäure  dargestellten  Aschen  können  jedoch  nicht
zur  Bestimmung  des  Chlors  und  wahrscheinlich  auch  nicht  zu  der  der  Phosphorsäure ­
  dienen.
«)  Zur  Ermittelung  des  Gesamt-Schwefels  sind  verschiedene  Vorschläge
gemacht;
1.  Nach  einem  Vorschläge  werden  in  einer  Platinschale  vorerst  etwa  6  g
chemisch  reines  Kalihydrat  und  3  g  reiner  Salpeter  bei  möglichst  gelinder  Hitze
mit  einer  Spiritusflamme  zusammengeschmolzen  und  in  die  Schmelze  ganz  allmählich ­
  kleine  Mengen  der  gepulverten  Pflanzenmasse  bis  zu  4  g  eingetragen.
Nachdem  die  ganze  Masse  mit  dem  Ätzkali  zusammengeschmolzen  ist,  wird  noch
etwas  stärker  bis  zum  Weißbrennen  erhitzt,  erkalten  gelassen,  die  Schmelze  mit
verdünnter  Salzsäure  gelöst,  zur  Trockne  verdampft,  um  die  Kieselsäure  abzuscheiden,
mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen  und  im  Filtrat  die  Schwefelsäure  mit
Chlorbaryum  gefällt.
Auch  empfiehlt  sich  das  Einäschern  in  der  Kalihydrat-Salpeterschmelze, ­
  wenn  in  den  betreffenden  Pflanzen  oder  Pflanzenteilen
Metalle  bestimmt  werden  sollen,  welche,  wie  Zink,  Blei  und  Arsen,
durch  einfaches  Einäschern  eine  Verflüchtigung  erfahren  können.
2.  Der  Vorschlag  von  Th.  Osborne 1 )  gilt  vorwiegend  für  die  Bestimmung
des  Schwefels  in  Proteinstoffen.
Ungefähr  10  g  Natriumsuperoxyd  werden  in  einem  Nickeltiegel  in  Hydrat  verwandelt,
indem  man  etwas  Wasser  zusetzt  und  so  lange  über  einer  Alkohollampe  erhitzt,  bis  der

*)  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1902,  41,  25.
        <pb n="222" />
        Pflanzenasche.

199

Wasserübersohuß  ausgetrieben  ist.  Nun  rührt  man  1-—2  g  des  Proteins  in  das  etwas  abgekühlte ­
  Hydrat  ein  und  oxydiert,  indem  man  die  Temperatur  steigert  und  kleine  Mengen
Natriumsuperoxyd  zusetzt,  bis  die  Oxydation  vollendet  ist.  Die  geschmolzene  Masse  wird  daun
in  400  ccm  Wasser  gelöst,  die  Lösung  mit  Salzsäure  stark  angesäuert,  so  lange  erhitzt,
bis  der  Überschuß  des  Peroxyds  zerstört  und  das  Chlor  ausgetriehen  ist,  durch  reines  Papier
filtriert,  mit  Ammoniak  neutral  gemacht  und  ein  Überschuß  von  4  ccm  konzentrierter  Salzsäure ­
  zugesetzt.  Aus  der  siedenden  Lösung  wird  die  Schwefelsäure  dadurch  gefällt,  daß
man  allmählich  verdünnte  Chlorbaryumlösung  zusetzt.  Nachdem  die  Probe  über  Nacht  auf
einem  Dampfbade  gestanden  hat,  wird  das  Baryumsulfat  abfiltriert,  gewaschen,  geglüht
und  gewogen.
Für  die  Bestimmung  des  lose  gebundenen  Schwefels  in  Proteinstoffen  erhitzt ­
  man  nach  Schulz  entweder  1  g  Protein  mit  50  ccm  einer  30°/ o -igen  Sodalösung ­
  und  etwas  essigsaurem  Blei  mehrere  Stunden  am  Rückfluükühler  oder  man
mischt  5  g  Protein  mit  50  ccm  einer  50  °/ 0 -igen  Sodalösung  und  etwas  essigsaurem
Blei  in  einem  Nickeltiegel  und  erhitzt  die  Mischung  7  Stunden  lang  in  einem  Autoklaven
hei  135—165°,  löst  die  Masse  dann  in  beiden  Fällen  in  Wasser  unter  Zusatz  von
etwas  Essigsäure,  filtriert  das  gebildete  Bleisulfid  ab,  w-äscbt  mit  W  asser  aus,
schmilzt  es  nach  dem  Trocknen  mit  Soda  und  Natriumperoxyd  und  bestimmt
die  Schwefelsäure  wie  üblich.

3.  Nach  Tollens  und  Barlow 1 )  liefern  alle  vorstehend  beschriebenen  Verfahren ­
  zur  Bestimmung  des  Gesamt-Schw'efels  mehr  oder  weniger  zu  niediige
Ergebnisse;  sie  haben  daher  folgendes  Verfahren  ausgearbeitet,  welches  in  allen
Fällen  richtige  Ergebnisse  liefert.
Ein  Rohr  aus  böhmischem,  schwer  schmelzendem  Glase  von  gegen  70  cm  Länge
(Fig.  30)  und  1,5  cm  Durchmesser  ist  an  einem  Ende  (B)  ausgezogen  und  nach  unten  gebogen. ­
  Ungefähr  30  cm  von  diesem  Ende  ist  eine  böhmische  Bohre  (D)  von  b-7  mm
Durchmesser  seitlich  angeschmolzen;  der  Teil  der  weiteren  Bohre  zwischen  dem  angeschmolzonen
  und  dem  ausgezogenen  Ende  (D  F  G)  enthält  das  kohlensaure  a  rium
°der  den  Soda-Quarz 2 )  (10—15  cm),  der  Teil  zwischen  der  seitlichen  Bohre  und  dem  nicht
ausgezogenen  Ende  dient  zur  Aufnahme  des  oder  der  Porzellanschiffchen  (M)  mit  der  zu
verbrennenden  Substanz.
Durch  den  dieses  Ende  des  Rohres  schließenden  Kork  (A)  und  über  die  zu  verbrennende
Substanz  kann  man  nach  Belieben  Kohlensäure  oder  Sauerstoff  leiten;  in  das  enge  an  die
Mitte  des  Hauptrohres  gelötete  Rohr  wird  ebenfalls  Sauerstoff  geleitet;  passende  terzweigungsrg^en
  (K  S  0,)  samt  Schraubenquetschhähnen  erlauben,  den  Sauerstoff  nach  Beheben ­
  dorthin  zu  leiten,  wo  man  ihn  gebraucht.  Eingeschaltete  kleine  Kugelrühren  mit

’)  Journ.  f.  Landwirtschaft  1903,  51,  289.  mm  zerstoßen  und  für  die  zur
2 )  Reiner  Bergkristall  wird  in  Stückchen  g  mit  3 _ 4  g  Natriumkarbonat
Beschickung  der  10—15  cm-Schicht  in  der  l  o  ,i as  Gemenge  unter  Umrühren  über  einer
und  etwas  Wasser-  in  einer  Schale  gemischt  u
Spiritusflamme  eingetrocknet.
        <pb n="223" />
        200

Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen  und  Brennstoffen.

etwas  Wasser  zeigen  die  Schnelligkeit  der  Gasströme  an.  Der  Soda-Quarz  wird  an  einer
Seite  durch  ein  rundes  Platinsiehchen  (oder  auch  etwas  vorher  ausgeglühten  Asbest)  an  der
anderen,  den  Dämpfen  zugewendeten  Seite  durch  einen  längeren,  spiralig  gebogenen  Platindraht ­
  zusammengehalten.
Sobald  das  Bohr  mit  Soda-Quarz  beschickt  ist,  legt  man  es  in  den  Verbrennungsofen,
schiebt  das  oder  die  Schiffchen  mit  der  gewogenen  Substanz  ein  und  verschließt  mit  dem
Kork,  durch  welchen  die  Zuleitungsröhre  für  Kohlensäure  und  Sauerstoff  geht.  Nun  wird,
während  ein  langsamer  Strom  Kohlensäure  (ohne  Sauerstoff)  in  das  Kohr  eintritt,  der  Soda-Quarz
  an  der  Seite,  welche  der  Substanz  zugewendet  ist,  zu  sehr  gelindem  Glühen  erhitzt,
die  anderen  Teile  noch  weniger;  dann  beginnt  man  mit  dem  Erhitzen  der  Substanz.
Sobald  das  Erscheinen  von  Dämpfen  beginnt,  öffnet  man  den  Quetschhahn,  welcher  den
Eintritt  von  Sauerstoff  in  das  seitliche  Kohr  erlaubt;  man  sieht,  daß  die  Dämpfe
augenblicklich  verschwinden,  sobald  sie  in  den  heißen  Teil  der  Röhre  und  in  Berührung  mit
dem  Sauerstoff  und  der  Platinspirale  kommen.  Bald  sieht  man  eine  Flamme  erscheinen;
diese  bleibt,  falls  genügend  Sauerstoff  eintritt,  an  der  Seite  der  Substanz,  und  keine  Spur
von  teerigen  oder  kehligen  Teilchen  tritt  auf,  oder  diese  werden,  falls  bei  ungenügender
Sauerstoffzufuhr  einmal  Dämpfe  und  Bräunung  auftreten  oder  gar  das  Rohr  oder  der  Soda-Quarz
  sich  schwarz  färben  sollten,  sobald  man  den  Sauerstoff-Quetsohhahn  etwas  mehr  öffnet,
sofort  vernichtet  und  alles  wird  wieder  weiß.
Ist  bei  allmählich  verstärkter  Flamme  die  Substanz  ganz  verkohlt,  so  daß  keine
Dämpfe  mehr  erscheinen,  so  öffnet  man  langsam  den  Hahn,  welcher  den  Sauerstoff  über  die
Substanz  selbst  leitet,  worauf  man  letztere  erglühen  sieht,  die  Kohle  schnell  verbrennt  und
die  Asche  im  Schiffchen  hinterbleibt.
Nach  beendeter  Verbrennung  wird  das  Schiffchen  mit  der  darin  befindlichen  Asche
herausgezogen  und  dann  der  Soda-Quarz  samt  den  Platin-Drähten  und  -Siebchen  (oder  dem
Asbest)  in  eine  Porzellanschale  gebracht.  Das  Rohr  wird  gut  ausgespült,  das  Waschwasser
zu  dem  Soda-Quarz  gebracht;  letzterer  wird  unter  einer  aufgelegten  Uhrschale  mit  Wasser
und  verdünnter  Salzsäure  übergossen,  die  Flüssigkeit  nebst  unlöslichem  Rückstände  erst
auf  einer  Spiritusflamme  eingedampft,  dann  im  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  der
Rückstand  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,  filtriert,  ausgewaschen,  im  Filtrat
die  Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum  gefällt  und  der  Niederschlag  von  Baryumsulfat  nach
s  S.  204  weiter  behandelt.
3.  Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile  der  Asche,  a)  In  der  ohne  jeglichen
Zusatz  dargestellten  Asche.  Von  den  Pflanzenstoffen  wird  so  viel  verbrannt,  daß
man  etwa  4—6  g  Asche  erhält.  Diese  wird  nach  dem  Weißhrennen  und  Wägen
aufs  innigste  verrieben;  von  dem  Gemisch  dient:
a)  Zur  Bestimmung  der  Kohlensäure  etwa  1  g.  Sie  kann  wie  bei
Boden  S.  15  aa  am  einfachsten  aus  dem  Gewichtsverluste  bestimmt  werden.  Am
genauesten  ist  die  Austreibung  und  quantitative  Auffangung  in  konzentrierter  Kalilauge ­
  (vergl.  S.  16  a  ß).
Wenn  es  auf  eine  ganz  genaue  Bestimmung  des  Chlors  nicht  ankommt  und
dasselbe  in  der  ohne  Zusatz  von  Natriumkarbonat  und  Natronlauge  dargestellten
Asche  bestimmt  werden  soll,  so  kann  man  die  Kohlensäure  auch  statt  mit  Salzsäure
mit  salzsäurefreier  Salpetersäure  austreiben 1 )  und  im  Filtrat  der  salpetersauren
Lösung  nach  Ermittelung  der  Kohlensäure  das  Chlor  durch  Fällung  mit  Silbernitrat
oder  maßanalytisch  nach  J.  Volhard  bestimmen.
ß)  Sand,  Kohle,  Kieselsäure  und  Reinasche.  Weitere  3—4  g  Asche
befeuchtet  man  in  einer  Kochflasche  mit  konzentrierter  Salpetersäure,  übergießt
mit  starker  Salzsäure  und  behandelt  eine  Zeit  lang  bei  anfangender  Kochhitze.
Hierauf  wird  das  Ganze  in  eine  Porzellansohale  gespült  und  bis  zur  Trockne,  zu-')
  Die  Lösung  darf  aber  mit  Salpersäure  nicht  eingedampft  worden,  weil  dadurch
Chlor  ausgetrieben  werden  würde.
        <pb n="224" />
        Pflanzenasohe.

201

letzt  im  Wasserbade,  unter  Zerteilung  aller  Klümpchen  verdampft;  die  trockne
Masse  läßt  man  längere  Zeit  im  Trockenschranke  stehen,  bezw.  erwärmt  im  Luftbade, ­
  feuchtet  sodann  mit  konzentrierter  Salzsäure  an  und  zieht  mit  Wasser  aus.
Die  ungelösten  Stoffe  (Kieselsäure,  Sand  und  geringe  Mengen  Kohle)  werden  auf
einem  vorher  bei  110—120°  getrockneten  und  gewogenen  Filter  —  zweckmäßig
gehärtetem  Filter  —  gesammelt,  mit  heißem  Wasser  gut  ausgewaschen,  mit  dem
Filter  bei  110—120°  getrocknet  und  gewogen.  Nach  dem  Trocknen  läßt  sich  der
Inhalt  des  Filters  ziemlich  vollständig  von  dem  letzteren  ablösen;  er  wird  in  einer
geräumigen  Platinschale  mehrmals  mit  einer  konzentrierten  Lösung  von  kohlensaurem ­
  Natrium  unter  Zusatz  von  etwas  Natronlauge  ausgekocht,  die  Flüssigkeit
durch  dasselbe  Filter  filtriert,  der  Rückstand  (Sand  und  Kohle)  ausgewaschen,  wieder
hei  110°  getrocknet  und  schließlich  das  Filter  nebst  der  Kohle 1 )  verbrannt,  so  daß
die  sandige  Masse  für  sich  allein  zurückbleibt.  Die  Kieselsäure  wird  aus  der
alkalischen  Lösung  wieder  abgeschieden,  indem  man  mit  Salzsäure  übersättigt,  zur
Trockne  verdampft,  einige  Zeit  im  Luftbade  erhitzt,  den  Rückstand  mit  etwas  ungesäuertem ­
  Wasser  auskocht  und  dem  Gewichte  nach  bestimmt.

Wenn  man  nur  auf  Kieselsäure  +  Sand  einerseits  und  Kohle  andererseits  Rücksicht ­
  zu  nehmen  hat,  kann  man  auch  eben  so  zweckmäßig  den  Rückstand  (Sand  +  Kieselsäure-)-Kohle) ­
  durch  einen  mit  Asbest  beschickten,  getrockneten  und  gewogenen
Goochschen  Platintiegel  filtrieren,  nach  dem  Trocknen  bei  110—120°  wägen,  glühen
und  wieder  wägen;  der  Gewichtsverlust  gibt  die  Menge  Kohle  an.  Wollte  man  in
solchem  Falle  auch  Sand  und  Kieselsäure  getrennt  bestimmen,  so  müßte  man  den  Rückstand ­
  im  Tiegel  wiederholt  mit  kochend  heißer  Lösung  von  Natriumkarbonat  +  Natronla
 üge  auswaschen.  Auf  diese  Weise  läßt  sich  aber  die  Kieselsäure  kaum  quantitativ
aas  dem  Rückstand  entfernen,  wie  denn  überhaupt  die  Trennung  der  amorphen
Kieselsäure  von  der  kristallinischen  (Sand  und  Quarz)  —  sei  es  durch  Natriumkarbonat ­
  +  Natronlauge  oder  10  °/ 0 -ige  Natronlauge  allein  —  nicht  leicht  und  nicht
ganz  genau  ist.
Aus  dem  Grunde  soll  man,  wie  auch  B.  Tollens 2 )  rät,  die  zu  untersuchen  en
Stoffe  vor  ihrer  Veraschung  tunlichst  von  Sand  und  Erde  befreien,  um  nicht  letztere
berücksichtigen  zu  müssen.  .  .
,  Bei  zu  starkem  Glühen  der  ohne  Zusätze  eingeäscherten  Stoffe  kann  sich
le icht  ein  in  Salzsäure  unlösliches  Silikat  bilden.  Dieses  muß  dann  mit  Schwefelsäure
Fluorammonium  aufgeschlossen  und  der  Rückstand  von  Sulfaten  der  salzsauren
Maschen  Gesamtasche  minus  (Kohlensäure  +  Sand  +  Kohle)
&amp;amp; l  t  die  Menge  „Reinasche“.  .  .  .  ,  ,  Ko
+ .  Bie  von  den  unlöslichen  Stoffen  abfiltrierte  Flüssigkeit  wird  auf  ein  bestimmtes ­
  Volumen,  z.  B.  500  ccm  gebracht;  hiervon  dienen  aliquote  Teile  zu
0  Senden  Bestimmungen:  .  ,  of , n
n .  y)  Zur  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Kalk  und  Magnesia  usw.  etwa  200  ccm
■? e  salzsaure  Lösung  wird  annähernd  mit  Ammoniak  neutralisiert  dann  mit
Kmmoniumazetat  versetzt,  gelinde  erwärmt  und  das  ausgeschiedene  phosphorsaure
Eisen  (PeP0 4 )  abfiltriert  getrocknet,  geglüht  und  gewogen  Die  Hälfte  der  ge-^nen
  Menge  wird  als  „Eisenoxyd“  berechnet  (vergl.  S.  160).

tta  ,  J )  Die  Menge  der  Kohle  darf  für  4-6  g  Asche  köchstens  einige  Zentigramm  ausmachen;
  i st  di«  „„«fw«  an  bleiben  in  der  Kohle  selbst  nach  längerem  Aus

Menge  der  Kohle  darf  für  4  o  ^  ^  Kohle  selbst  nach  längerem  Ans
die  Menge  eine  größere,  so  zurilck)  infolgedessen  die  Bestimmung
—  ™ht  Phosphorsäuro  und  alkalische  Salze
ungenau  ausfallen  kann.  oa1
2 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1902,  50,
        <pb n="225" />
        202

Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen  nnd  Brennstoffen.

Das  Filtrat  versetzt  man  event.  unter  Zusatz  von  etwas  Essigsäure  mit  einer
hinreichenden  Menge  von  oxalsaurem  Ammon,  erhitzt  bis  zum  anfangenden  Kochen
und  bestimmt  den  Kalk  nach  S.  28  No.  3.
Das  Filtrat  vom  oxalsauren  Calcium  wird  bis  auf  etwa  150  ccm  konzentriert,
mit  etwas  phosphorsaurem  Natrium  —  in  den  meisten  Fällen  genügt  die  bereits
vorhandene  Phosphorsäure  —  versetzt,  mit  Ammoniak  übersättigt,  etwa  12  Stunden
stehen  gelassen  und  die  Magnesia  in  üblicher  Weise  als  pyrophosphorsaures
Magnesium  gewogen.
Enthält  die  Asche  deutliche  Mengen  Mang  an,  ohne  daß  dieses  vorher  ausgefällt ­
  wurde,  so  setzt  man  nach  Fällung  mit  Ammoniumoxalat 1 )  20  ccm  Zitronensäurelösung ­
  (500  g  im  Liter)  hinzu,  neutralisiert  mit  Ammoniak,  setzt  event.  unter
beständigem  Fmrühren  noch  phosphorsaures  Natrium  hinzu  und  schließlich  noch
1 / s  Volumen  10°/ o iges  Ammoniak.  Auf  diese  Weise  geht  kein  Mangan  in  den
Magnesium-Ammoniumphosphat-Niederschlag  mit  über.  Richtiger  aber  ist  die  vorherige ­
  quantitative  Fällung  und  Bestimmung  des  Mangans  vor  der  Fällung  des  Kalkes
nach  S.  26,  weil  es  sonst  zu  leicht  die  Bestimmung  des  Kalkes  und  der  Magnesia
fehlerhaft  beeinflußt.
Soll  neben  dem  Eisenoxyd  auch  Tonerde,  welche  mitunter,  besonders  in
Aschen  von  Pilzen  auftritt,  bestimmt  werden,  so  fällt  man  eine  zweite  Menge  der
Aschenlösung  —  womöglich  400  ccm  —  nach  annähernder  Neutralisation  mit
Ammoniak  oder  Natriumkarbonat  mit  Ammonium-  oder  Natriumazetat,  löst  den  Niederschlag ­
  in  verdünnter  Schwefelsäure,  reduziert  mit  chemisch  reinem  Zink  usw.  nach
S.  19  und  titriert  das  Eisen  mit  Kaliumpermanganat  (vergl.  S.  24  No.  2).  Die  Menge
Tonerde  ergibt  sich  aus  der  Differenz,  indem  man  von  der  aus  der  gewogenen  phosphorsauren
  Tonerde  +  Eisenoxyd  berechneten  Menge  —  der  Hälfte  des  Niederschlages
—  die  titrierte  Menge  Eisenoxyd  abzieht  (vergl.  auch  unter  „Düngemittel“  S.  160).
Das  vorstehende  Trennungsverfahren  ist  zwar  für  viele  Fälle  ausreichend  und
wird  wegen  seiner  bequemen  Durchführbarkeit  gern  angewendet;  wenn  es  sich  aber
um  ganz  genaue  Untersuchungen  handelt,  ist  es  nicht  empfehlenswert;  denn
einerseits  kann  leicht  Calciumphosphat  mit  in  den  Niederschlag  von  Eisen-Aluminiumphosphat, ­
  andererseits  in  den  von  oxalsaurem  Calcium  übergehen,  letzteres  auch
Spuren  von  Magnesiumphosphat  mit  niederreißen,  während  oxalsaures  Calcium  als  nicht
ganz  unlöslich  in  Essigsäure  mit  in  den  Niederschlag  von  Magnesiumammoniumphosphat
übergehen  kann.  Für  eine  genaue  Bestimmung  dieser  Bestandteile  muß  man  daher
die  Niederschläge  entweder  wieder  auflösen  und  durch  neue  Fällung  reinigen  oder
man  entfernt,  wie  Tollens  (1.  c.)  empfiehlt  und  worauf  Yerf.  schon  früher 2 )
aufmerksam  gemacht  hat,  vorher  die  Phosphorsäure  und  bestimmt  in  der
phosphorsäurefreien  Lösung  Mangan,  Kalk  und  Magnesia.
Die  Abseheidung  der  Phosphorsäure  kann  entweder  durch  chemisch  reines
Zinn  in  salpetersaurer  Lösung  der  Asche  oder  ebenso  angenehm  und  einfach  durch
Zusatz  von  Eisenchlorid-Lösung  von  bekanntem  Gehalt  zu  der  salzsauren  Aschenlösung ­
  geschehen;  in  letzterem  Falle  setzt  man  so  viel  Eisenchlorid  zu,  als  zur  Bindung
der  Phosphorsäure  (als  FeP0 4 )  erforderlich  ist,  macht  mit  Ammoniak  alkalisch,
darauf  mit  Essigsäure  schwach  sauer,  fügt  noch  Ammonazetat  zu,  kocht,  filtriert  usw.
Da  der  Niederschlag  von  Eisenphosphat  auch  Mangan  mit  niederreifit,  so  muß  er
zur  quantitativen  Bestimmung  des  letzteren  nochmals  gelöst  und  gefällt  werden;
’)  In  diesem  Palle  ist  auch  der  ausgefällte  Kalk  noch  besonders  auf  Mangan  zu
prüfen.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1868,  10,  396.
        <pb n="226" />
        Pflanzenasclie.

203

das  Filtrat  hiervon  wird  mit  dem  ersteren  vereinigt,  das  Ganze  eingeengt  und  in
dieser  Lösung  Mangan,  Kalk  und  Magnesia  wie  üblich  bestimmt.
Für  die  Bestimmung  des  Eisenoxyds  muß  dann  ein  besonderer  Teil  der  Aschenlösung, ­
  wie  vorstehend  angegeben  ist,  verwendet  werden.
Bei  Pflanzenbeschädigungen  durch  industrielle  Abwässer  oder
Hüttenrauch  —  auch  die  Metallsulfate  scheinen  ebenso  wie  die  Schwefelsäure  und
schweflige  Säure  durch  die  Blätter  aufgenommen  zu  werden  —  wird  vielfach  zum
Nachweise  dieser  Beschädigungen  auch  die  Bestimmung  von  Blei,  Kupfer  oder  Zink
(mitunter  auch  von  Arsen)  notwendig.  Zwar  kommen  Kupfer  und  Zink  als  natürliche ­
  Bestandteile  in  sehr  geringer  Menge  ziemlich  stark  verbreitet  in  den  verschiedensten ­
  Pflanzen  vor,  diese  Menge  ist  aber  bedeutend  höher,  wenn  es  sich  um
derartige  Beschädigungen  handelt. 1 )  Um  für  solche  Fälle  in  der  Beurteilung  sicher
zu  gehen,  untersucht  man  als  Gegenproben  gesunde  Pflanzen  und  Pflanzenteile
derselben  Art,  welche  in  der  Nähe  unter  denselben  Boden-  und  klimatischen  Verhältnissen, ­
  aber  so  gewachsen  sind,  daß  sie  dem  vermuteten  schädlichen  Einfluß
nicht  ausgesetzt  waren.
In  diesem  Falle  wird  aber  zweckmäßig  nicht  die  Asche  zur  Bestimmung  verwendet, ­
  sondern  die  Pflanzenstoffe  werden,  wie  A.  Halenke  u.  a.-)  vorgesclilageu
haben,  mit  chemisch  reiner  Schwefelsäure  und  Kaliumsulfat  (vergl.  S.  138  b)  aufgeschlossen. ­
  Man  rechnet  auf  1  g  Substanz  5  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure  und
verwendet  10—26  g  Substanz,  Die  vollständige  Zerstörung  der  organischen  Substanz
kann  man  gegen  Ende  durch  Zusatz  von  etwas  Kaliumsalpeter  beschleunigen.  Die
überschüssige  Schwefelsäure  verraucht  man  zum  größten  Teil  in  einer  Platinschale,
verdünnt  mit  Wasser  und  scheidet  Blei  als  Sulfat  in  bekannter  Weise  durch  Zusatz
von  Alkohol  aus  oder  man  fällt  Kupfer  und  Blei  in  der  mäßig  sauren  (d.  h.  nach
teilweisem  Abstumpfen  der  Schwefelsäure  mit  Natriumkarbonat)  verdünnten  Lösung
durch  Schwefelwasserstoff,  trennt  und  bestimmt  beide  nach  S.  42.  Wenn  erforderlich,
prüft  man  den  Schwefel  Wasserstoff-Niederschlag  auf  Arsen  und  bestimmt  dieses  in  bekannter ­
  Weise  als  „Schwefelarsen“  oder  „arsensaures  Ammon-Magnesium“  nachS.  178  b.
Wenn  von  schweren  Metallen  nur  Zink  zugegen  ist,  so  fällt  man,  wie  vorhin
angegeben  ist,  Eisenoxyd  -j-  Tonerde  als  phosphorsaure  Salze  mit  Ammoniumoder ­
  Natriumazetat,  leitet  in  das  essigsaure  Filtrat  Schwefelwasserstoff,  sammelt
d as  ausgeschiedene  Schwefelzink,  löst  dieses  in  verdünnter  Salzsäure,  indem  man
den  Schwefel  mit  etwas  chlorsaurem  Kalium  oxydiert,  versetzt  mit  überschüssigem
Ammoniak  und  filtriert  den  nötigenfalls  entstehenden  Niederschlag  ab  macht  die
ammoniakalische  Lösung  essigsauer  und  fällt  nochmals  mit  Schwefelwasserstoff.
1)er  so  gesammelte  und  mit  Schwefelwasserstoff  ausgewaschene  Niederschlag  isU  s
reines  Schwefelzink  anzusehen;  es  wird  entweder  nach  dem  Glühen  im  ^  asseis  o
ströme  als  solches  bestimmt  oder  in  verdünnter  Salzsäure  gelöst,  xe  osung  zur
Oxydation  des  Schwefels  mit  einigen  Körnchen  chlorsauren  Kaliums  gekocht  das
ZlI »k  mit  keinem  zu  großen  Uberschuß  von  Natriumkarbonat  gefallt  und
w ie  üblich  als  Zinkoxyd  gewogen.
d)  Phosphorsäure.  100  ccm  oder  200  ccm  der  oben  erwähnten  Losung  von
500  ccm  werden  mit  Ammoniak  neutralisiert,  mit  Salpetersäure  wieder  ungesäuert
°der  besser  mehrmals  mit  Salpetersäure  zur  Trockne  verdampft,  mit  dieser  wieder
angenommen  und  die  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdänverfahren  bestimmt  (b.  150).
Taucü  sind  die  betreffenden  Böden,  in  welchen  die  Pflanzen  bezw.  Bäume  gewachsen ­
  sind,  auf  diese  Bestandteile  zu  untersuchen
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-u.  Genußmittel  1899,  2,  128;  1900,  .,
19 03,  «,  643.
        <pb n="227" />
        204

Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen  und  Brennstoffen.

s)  Schwefelsäure.  100  ccm  der  Lösung  werden  zum  Kochen  erhitzt  und
darin  die  Schwefelsäure  in  üblicher  Weise  mit  Chlorharyum  gefällt,  bis  kein
Niederschlag  mehr  erfolgt;  man  läßt  erkalten,  filtriert,  ohne  den  Niederschlag  aufzurühren, ­
  kocht  ihn  einmal  mit  Salzsäure  auf  und  bringt  ihn  dann  aufs  Filter  usw.
Für  genaue  Bestimmungen  der  Schwefelsäure  verwendet  man  die  unter  Zusatz  von
Natriumkarbonat  und  etwas  Natronlauge  dargestellte  Asche  nach  b  unten  oder  verfährt ­
  noch  sicherer  nach  dem  Vorschläge  von  Tollens  und  Barlow  (S.  199).
£)  Alkalien.  Kali  und  Natron  werden  in  der  (selbstredend  ohne  Zusatz
von  Natriumkarbonat)  hergestellten  Asche  nach  Abscheidung  der  Schwefelsäure
nach  S.  29  getrennt  und  bestimmt,  jedoch  muß  vor  dem  Zusatz  von  Ammoniak  und
Ammoniumkarbonat  noch  mehr  oder  weniger  Eisenchlorid  zugesetzt  werden,  um
auch  alle  Phosphorsäure  zu  entfernen.  Oder  man  macht  nach  B.  Tollens  (1.  c.)
mit  chemisch  reinem  (alkalifreiem)  Barythydrat  alkalisch,  kocht  auf,  filtriert  und
beseitigt  auf  diese  Weise  Eisenoxyd,  Magnesia,  Schwefelsäure  und  Phosphorsäure;
das  Filtrat  wird  durch  Zusatz  von  festem  Ammoniumkarbonat,  Kochen  und  Filtrieren
von  Baryt  und  Kalk  befreit,  das  Filtrat  hiervon  mit  Salzsäure  neutralisiert,  in  einer
Platinschale  eingedampft,  nach  dem  Eintrocknen  vorsichtig  erhitzt,  bis  keine
Salmiakdämpfe  mehr  fortgehen,  der  Rückstand  in  wenig  Wasser  gelöst,  durch  ein
kleines  Filter  in  eine  gewogene  Platinschale  filtriert,  hierin  eingedampft,  schwach
geglüht,  gewogen  und  in  dem  Rückstand  von  Chlorkalium  +  Chlornatrium  das
Chlorkalium  wie  üblich  bestimmt  (vergl.  S.  29  u.  30).
b)  Bestimmung  der  Säuren  der  unter  Zusätzen  dargestellten  Asche.  Cl)  In  der
durch  Veraschen  mit  Natriumkarbonat  nach  2.  b  S.  197  dargestellten
Asche.  Man  löst  die  Asche  unter  Bedecken  der  Platinschale  —  oder  wenn  man  die
Asche  mit  Wasser  in  eine  größere  Porzellanschale  gespült  hat  —  unter  Bedecken  dieser
mit  einem  ührglase  in  Salpetersäure,  verdünnt  mit  Wasser,  läßt  einige  Stunden
in  gelinder  Wärme  stehen,  filtriert  auf  ein  bestimmtes  Volumen  (etwa  200  ccm)
und  fällt  in  der  einen  Hälfte  das  Chlor  mit  Silberlösung,  in  der  anderen  Hälfte
erst  die  Schwefelsäure  mit  Baryumnitrat  und  im  Filtrat  davon  die  Phosphorsäure ­
  nach  dem  Molybdänverfahren  (S.  150),  oder  man  fällt  in  der  einen  Hälfte
erst  die  Schwefelsäure  mit  chlorfreier  Baryumnitratlösung  und  im  Filtrat  das  Chlor
mit  Silberlösung,  in  der  anderen  Hälfte  die  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdänverfahren.
Über  die  Untersuchung  von  Aschen  bei  Pflanzenbeschädigungen  durch  saure
Gase  (Rauch-  oder  Fabrikgase)  vergl.  weiter  unter  Abschnitt  „Beschädigung  der
Pflanzen  durch  Rauch  und  Staub“.
ß)  Untersuchung  der  unter  Zusatz  von  Barythydrat  dargestellten
Asche.  Hat  man  die  Asche  unter  Zusatz  von  Baryt  dargestellt,  wie  es  bei  den  an
Kieselsäure  oder  an  phosphorsauren  Alkalien  reichen  Aschen  zu  geschehen ­
  pflegt,  so  behandelt  man  sie  wie  oben  (S.  200  unter  3.  a  ß)  mit  konzentrierter ­
  Salpeter-Salzsäure  und  dampft  die  Lösung  bis  zur  Trockne  ein.  Die
nach  dem  Eintrocknen  unlöslichen  Stoffe  (Kieselsäure,  Sand,  schwefelsaures  Baryum
und  Kohle)  werden  mehrmals  mit  chemisch  reinem  kohlensauren  Natrium  unter
Zusatz  von  etwas  Ätznatron  ausgekocht,  die  zurückbleibende  Masse  auf  einem  vorher ­
  getrockneten  und  gewogenen  Filter  gesammelt  und  ausgewaschen,  hierauf  mit
verdünnter  heißer  Salzsäure  ausgezogen,  wieder  ausgewaschen  (die  salzsaure  Flüssigkeit ­
  ist  in  einem  besonderen  Gläschen  aufzufangen),  bei  110°  getrocknet,  gewogen
und  nach  dem  Verbrennen  der  Kohle  abermals  gewogen.  Die  Kieselsäure  findet
man  nach  Abscheidung  aus  der  alkalischen  Flüssigkeit  durch  direkte  Wägung,  sowie ­
  die  Schwefelsäure  in  dem  Filtrat  von  der  Kieselsäure  durch  Ausfällen  mittels
Chlorbaryums.
        <pb n="228" />
        Pflanzenasche.

205

Die  von  den  unlöslichen  Stoffen  (Kieselsäure,  schwefelsaures  Baryum  usw.)  abfiltrierte ­
  Flüssigkeit  wird  wie  unter  3.  a  ß  und  3.  a  y  untersucht.  Bei  dem  Teil  des
Filtrats,  in  welchem  Kalk  und  Magnesia  bestimmt  werden  sollen,  wird  erst  der  Baryt
durch  verdünnte  Schwefelsäure  (1:  300),  wobei  ein  "Überschuß  zu  vermeiden  ist,
ausgefällt,  das  Filtrat  tunlichst  mit  Ammoniak  neutralisiert,  mit  Ammoniumazetat
versetzt  und  wie  unter  3.  a  y  weiter  behandelt.
y)  Untersuchung  der  unter  Zusatz  von  Kalk  bezw.  Calciumazetat
hergestellten  Asche.  Bei  der  unter  Zusatz  von  Calciumazetat  hergestellten
Asche  empfehlen  Shuttleworth  und  Tollens 1 )  den  zugesetzten  Kalk  einerseits
von  der  erhaltenen  Gesamtasche,  andererseits  von  dem  gefundenen  Gesamtkalkgehalt
abzuziehen,  um  so  den  Gehalt  der  Substanz  an  Eeinasche  wie  Kalk  zu  finden.
Hierbei  müssen  dann  aber  genaue  Mengen  Kalk  zugesetzt  und  darauf  geachtet
werden,  daß  keinerlei  Verluste  daran  beim  Einäschern  statthaben.
Im  allgemeinen  empfiehlt  es  sich,  für  genaue  Untersuchungen  die  unter  Zusätzen ­
  hergestellten  Aschen  nur  für  die  Bestimmung  der  Säuren  (Phosphorsäure,
Schwefelsäure  und  Chlor)  zu  verwenden,  dieselben  Säuren  auch  in  der  ohne  Zusätze
hergestellten  Asche  zu  bestimmen  und  die  in  ersterem  Falle  mehr  gefundene  Menge
Säuren  der  ohne  Zusätze  hergestellten  Asche  zuzurechnen,  um  die  Gesamtmenge
der  Eeinasche  zu  erhalten.
d)  Bestimmung  der  fertig  gebildeten  Schwefelsäure.  Die  meisten
Kulturpflanzen  enthalten  nur  wenig  fertig  gebildete  Schwefelsäure;  einige
jedoch,  wie  namentlich  die  Kruziferen,  bilden  eine  Ausnahme.  "Wenn  man  die  Menge
dieser  Schwefelsäure  in  der  Pflanze  und  auch  das  Chlor,  welches,  wie  bereits
bemerkt,  bei  dem  gewöhnlichen  Verfahren  des  Einäscherns  großenteils  verloren
gebt,  bestimmen  will,  so  kann  dieses  annähernd  in  der  Weise  geschehen,  daß  man
die  getrockneten  und  fein  zerteilten  pflanzlichen  Stoffe  mit  kaltem,  salpetersäurehaltigem
  Wasser  möglichst  vollständig  auszieht.  Eine  etwa  50—60  cm  lange  und
f 1 / 2 —2  cm  im  Durchmesser  haltende  Glasröhre  wird  an  dem  einen  Ende  ausgezogen
°der  auch  mit  einem  Kork,  in  welchen  ein  mit  Kautschukröhre  und  Quetschhahn
versehenes  Glasröhrchen  eingefügt  ist,  verschlossen.  In  das  Ende  der  Glasröhl  e
schiebt  man  ein  wenig  Baumwolle,  die  vorher  mit  salpetersäurehaltigem  Wasser
ausgekocht  worden  ist,  und  bringt  dann  8—10  g  des  fein  zerteilten  pflanzlichen
Stoffes  in  den  Apparat.  Man  füllt  nun  die  Glasröhre,  indem  man  den  Quetschhahn
geschlossen  hält,  mit  dem  salpetersäurehaltigen  Wasser  (gewöhnliche  reine  Salpetersäure ­
  und  Wasser  etwa  wie  1  :  20)  und  läßt  die  Masse  damit  einige  Stunden  lang
Einweichen;  hierauf  öffnet  man  den  Quetschhahn  und  läßt  etwas  von  der  Flüssigkeit
^fließen,  so  daß  eine  neue  Menge  der  verdünnten  Salpetersäure  mit  der  Manzen-™asse
  in  Berührung  kommt,  während  die  Eöhre  aufs  neue  gefüllt  wird.  Diese  Behandlung ­
  wird  wiederholt,  bis  eine  Probe  der  abfließenden  Lösung  entweder  gar
nicht  oder  doch  nur  ganz  schwach  mit  Silberlösung  opalisiert.  Die  Flüssigkeit
wir d  alsdann  zuerst  mit  salpetersaurem  Baryum  und  darauf  mit  Silberlosung  oder
^gekehrt  zuerst  mit  Silberlösung  und  dann,  nach  Abscheidung  des  überschüssigen
Übers,  mit  Baryumnitrat  gefällt.
lr  Jeder  der  beiden  Niederschläge,  besonders  aber  das  Chlorsilber,  wenn  seine
Me nge  einigermaßen  bedeutend  ist,  muß  von  dem  Filter  sorgfältig  getrennt  und
n ach  dem  Trocknen  mit  reinem  kohlensauren  Natrium  geschmolzen  werden  Die
geschmolzene  Masse  wird  mit  Wasser  ausgekocht  und  ausgewaschen,  die  abfiltrierte
Flüssigkeit  mit  Salpetersäure  übersättigt  und  abermals  mit  der  Silberlosung  gefallt.
x )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1899,  47,  173.
        <pb n="229" />
        206

Asche  von  Pflanzen,  tierischen  Stoffen  und  Brennstoffen.

4.  Bei  der  Berechnung  und  Zusammenstellung  der  Ergebnisse  einer  ausführlichen ­
  Aschenuntersuchung  hat  man  die  prozentigen  Verhältnisse  der  einzelnen  Aschenhestandteile
  sowohl  mit  Einschluß  der  gefundenen  Kohlensäure,  Kohle  und  sandigen
Masse  in  Prozenten  der  Rohasche,  als  auch  nach  Abzug  dieser  Bestandteile  in
Prozenten  der  Eeinasche  anzugehen.
II,  Asche  tierischer  Stoffe.
Tierische  Stoffe,  namentlich  solche,  welche  vor  dem  Verkohlen  zuerst  schmelzen,
sind  sehr  schwierig  zu  veraschen,  und  es  gelingt  oft  nur  unter  Anwendung  besonderer ­
  Zusätze,  die  kehligen  Teilchen  aus  der  Asche  völlig  zu  entfernen.  Es  muß
jedoch  stets  der  Versuch  gemacht  werden,  das  Einäschern  womöglich  ohne  Zusätze
zu  bewirken,  wenn  dieses  ohne  wesentliche  Verluste  und  Veränderungen  der  Aschenhestandteile
  geschehen  kann.  Die  Stoffe  werden  zuerst  immer  in  einer  Platinschale
verkohlt,  wobei  man  die  Hitze,  um  ein  Schmelzen  der  Masse  zu  verhüten,  nur  langsam
steigern  darf.  Wenn  die  Verkohlung  so  weit  stattgefunden  hat,  daß  beim  Behandeln
mit  Wasser  das  letztere  nicht  mehr  gefärbt  wird,  so  zerstößt  man  die  Kohle  zu  einem
gröblichen  (nicht  feinen)  Pulver,  kocht  und  wäscht  anhaltend  mit  Wasser  aus.  Der
kohlige  Rückstand  wird  hierauf  getrocknet  und  in  der  Schale  unter  Anwendung
eines'schwachen  Sauer  Stoff  Stromes,  wie  oben  (S.  195)  angegeben  ist,  bei  anfangender
Rotglühhitze  vollends  verbrannt.  Unter  Umständen  muß  man  das  Auslaugen  mit
Wasser  und  Erhitzen  in  der  Muffel  mehrmals  wiederholen,  bis  die  letzten  Anteile
der  Kohle  völlig  verbrennen.
Zur  genauen  Bestimmung  des  Chlors,  Schwefels  und  der  Phosphorsäure ­
  verfährt  man  nach  2.  b  S.  197  u.  ff.
Die  Asche  tierischer  Stoffe  enthält  zuweilen  auch  nicht  unbedeutende  Mengen
von  cyansauren  Salzen.  Man  zerstört  dieselben  am  einfachsten,  indem  man  die
Asche  mit  Wasser  befeuchtet  und  hierauf  allmählich  zum  Glühen  erhitzt.  In  der
Regel  genügt  ein  einmaliges  Befeuchten  usw.,  um  die  cyansauren  Salze  in  kohlensaure ­
  umzu  wandeln.
Die  Untersuchung  der  Asche  auf  die  einzelnen  Bestandteile  geschieht  genau
wie  unter  3.  (S.  200  u.  ff.)  beschrieben  ist.
III.  Asche  der  Brennstoffe.
Die  Asche  der  Brennstoffe  wird,  insofern  sie  nur  als  Düngemittel  in  Betracht ­
  kommt,  ausschließlich  auf  die  in  konzentrierter  kochender  Salpeter-Salzsäure
löslichen  Bestandteile  untersucht;  der  nach  dem  Eindampfen  mit  dieser  verbleibende
unlösliche  Rückstand  wird,  nachdem  er  mit  einer  konzentrierten  Lösung  von
kohlensaurem  Natrium  mehrmals  ausgekocht  worden  ist,  um  die  Kieselsäure  zu
bestimmen,  nicht  weiter  berücksichtigt,  sondern  nur  als  Ganzes  gewogen  und  als
„Unlösliche  Substanz“  in  Rechnung  gebracht.
1.  Die  Untersuchung  der  Holzasche  wird  fast  genau  in  derselben  Weise  ausgeführt, ­
  wie  eine  an  kohlensauren  Salzen  reiche  reine  Pflanzenasche.  Man  nimmt
jedoch  eine  etwas  größere  Menge  (5—10  g)  in  Arbeit,  behandelt  diese  mit  Königswasser, ­
  dampft  bis  zur  Trockne  ein,  kocht  den  Rückstand,  nachdem  er  mit
konzentrierter  Salzsäure  angefeuchtet  worden  ist,  mit  Wasser  aus,  verdünnt  die
Lösung  bis  auf  1000  ccm  und  bestimmt  in  aliquoten  Teilen  der  Lösung  die  einzelnen
Bestandteile,  wie  unter  3.  (S.  200  u.  ff.)  angegeben  ist.
2.  Die  Torfasche  und  mehr  noch  die  Braun-  und  Steinkohlenasche
sind  durchweg  sehr  arm  an  Phosphorsäure  und  Alkalien.  Man  muß  daher  für  die
        <pb n="230" />
        Asche  der  Brennstoffe.

207

Untersuchung  dieser  Aschen  eine  größere  Menge  (10—20  g)  verwenden  und  mit
Salpeter-Salzsäure  zur  Trockne  verdampfen.  Die  im  unlöslichen  Rückstände  verbleibende ­
  „Kieselsäure“  wird  durch  Auskochen  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat, ­
  Fällen  mit  Salzsäure  usw.  bestimmt,  während  die  salzsaure,  vom  unlöslichen ­
  Rückstände  abfiltrierte,  auf  500  oder  1000  ccm  gebrachte  Lösung  nach  3.
(S.  200  u.  ff.)  untersucht  wird.
Häufig  enthält  diese  Art  Asche  nicht  unbedeutende  Mengen  Schwefel-Verbindungen,
  welche  bei  der  Anwendung  der  Aschen  zur  Düngung  unter  Umständen
schädlich  wirken  können,  wenn  nicht  gleichzeitig  hinreichende  Mengen  von  kohlensauren ­
  Alkalien  oder  koblensaurem  Kalk  zugegen  sind.  Man  bestimmt  die  Schwefelverbindungen ­
  am  besten  nach  Tollens  und  Barlow  S.  199  No.  3  oder  durch
Zusammenschmelzen  der  Asche  (1  Teil)  mit  einem  Gemisch  von  wasserfreiem
Natriumkarbonat  (6  Teile)  und  Salpeter  (4  Teile),  Lösen  der  Schmelze  in  salzsäurehaltigem
  Wasser  und  Fällung  der  Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum.  Von  der  so
gefundenen  Menge  Schwefelsäure  wird  die  durch  direktes  Lösen  der  Asche  in
salzsäurehaltigem  Wasser  gelöste,  fertig  gebildete  Schwefelsäure  abgezogen  und  die
Differenz  als  von  Schwefelverbindungen  herrührend  angesehen.
Mitunter  sind  die  Aschen  sehr  reich  an  Gips;  da  dieser  sich  nur  schwer
in  Wasser  löst  (etwa  1  Teil  in  800  Teilen  Wasser),  so  muß  man  solche  Aschen  entweder ­
  sehr  lange  mit  heißem,  salzsäurehaltigem  Wasser  auswaschen  und  das  Filtrat
auf  1000  ccm  anstatt  auf  500  ccm  bringen,  oder  man  kocht  zur  Bestimmung  der
Schwefelsäure  etwa  1—2  g  der  fein  gepulverten  Asche  1  Stunde  lang  mit  einer
wässerigen  Lösung  von  6—8  g  Natriumkarbonat  und  bestimmt  im  Filtrat  die
Schwefelsäure  und  im  Rückstände  den  Kalk,  wie  bei  Gips  (S.  186)  angegeben ­
  ist.
        <pb n="231" />
        Futtermittel

A.  Allgemeine  Untersuchungsverfahren.
I.  Vorbereitung  zur  Untersuchung.
Die  meisten  Futtermittel  befinden  sich  nicht  in  einem  solchen  Zustande,  daß  sie
ohne  weiteres  zur  Untersuchung  verwendet  werden  können.  Handelt  es  sich  um
feinpulverige  lufttrockne  Stoffe,  so  können  dieselben  in  einer  Eeibschale  häufig
einfach  zerrieben  oder  gemischt  werden;  grobkörnige  spröde  Stoffe  müssen
erst  gemahlen  werden  und  soll  dabei  nach  den  Vereinbarungen  des  Verbandes
deutscher  landw.  Versuchs-Stationen  ein  solcher  Zerkleinerungsgrad  angestrebt ­
  werden,  daß  die  gemahlene  Masse  durch  ein  Sieb  von  1  mm  geht.
Dickflüssige,  brei-,  sirup-  und  pastenartige  Massen  müssen  vorher  entweder  gehörig
umgeschüttelt  oder  mit  einem  Spatel  durcheinander  gearbeitet  werden.
Eauhfuttermittel,  Wurzelgewächse  bedürfen  noch  besonderer  Vorbereitungen, ­
  die  weiter  unten  mitgeteilt  werden.
II.  Bestimmung  des  Wassers  bezw.  der  Trockensubstanz.
Futter-  bezw.  Nahrungsmittel,  welche  entweder  pulverförmig  sind  oder  sich
ohne  Vortrocknen  mittels  der  Schrotmühle  pulvern  lassen  (wie  Körner,  Ölkuchen ­
  usw.),  werden  in  der  Weise  auf  Gehalt  an  Wasser  untersucht,  daß  etwa
5—10  g  in  Trockengläschen  (von  der  Form  der  Erlenmeyerschen  Kochkolben
mit  schrägen  Seitenwänden,  welche  sich  leicht  reinigen  lassen)  bei  106—110°  bis
zur  Beständigkeit  des  Gewichtes  —  wozu  meistens  3—5  Stunden  genügen  —  erwärmt
werden.
Grünfuttermittel,  Eüben,  Kartoffeln  usw.  bedürfen  einer  Vortrocknung  bei
etwa  50—60°  und  eines  Pulverns  der  so  vorgetrockneten  Masse;  wie  dieses  vorzunehmen ­
  ist,  wird  unter  B.  „Besondere  Vorschriften  für  Untersuchung  der  einzelnen
Futtermittel“  beschrieben  werden.
III.  Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen.
1.  Eohprotein.  Zur  Bestimmung  des  Eohproteins  werden  ungefähr  1—2  g
Trockensubstanz  entsprechende  Mengen  —  über  die  Abwägung  verschiedener  wasserhaltigen ­
  Stoffe  vergl.  S.  136  u.  f.  —  abgewogen  und  nach  Kjeldahl 1 )  (S.  138)
verbrannt.
J )  Bei  Anwendung  dieses  Verfahrens  ist  darauf  zu  achten,  daß  die  Substanz,  besonders ­
  die  mehlartigen  Futtermittel,  vor  dem  Erhitzen  vollständig  von  der  Schwefelsäure
durchfeuchtet  sind.
        <pb n="232" />
        Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen.

209

Den  so  gefundenen  Stickstoff-Gehalt  pflegt  man  unter  der  Annahme  von  16%
Stickstoff  in  der  stickstoffhaltigen  Substanz  mit  6.25  zu  multiplizieren,  um  den  Gehalt ­
  an  „Eohprotein“  zu  erhalten.
Diese  Art  Bestimmung  und  Berechnung  des  Bohproteins  wird  für  gewöhnlich
als  ausreichend  angesehen.  Sie  ist  aber  nichts  weniger  als  genau.  Denn  die  Multiplikation
des  gefundenen  Stickstoffs  mit  6,25  gibt  nur  einen  annähernden  Ausdruck  für  den  Gehalt
an  wirklichen  Proteinstoffen,  einerseits,  weil  die  Futter-  und  Nahrungsmittel  neben  den
Protein-  oder  eiweißartigen  Verbindungen  noch  verschiedene  andere  Stickstoff-Verbindungen,
w ie  Amide,  Alkaloide,  Ammoniak,  Salpetersäure  usw.  enthalten,  welche  nicht  nur  einen
mehr  oder  weniger  weit  von  16  %  abweichenden  Stickstoff-Gehalt  haben,  sondern  auch
bezüglich  ihrer  Nährwirkung  von  den  Proteinstoffen  völlig  verschieden  sind,  andererseits,
weil  die  Proteinstoffe  selbst  in  dem  Gehalt  an  Stickstoff  wie  in  ihrer  Beschaffenheit  voneinander ­
  abweiohen.
Nur  bei  den  tierischen  Proteinstoffen  liegt  der  Stickstoffgehalt  um  16°/ 0
herum,  bei  den  pflanzlichen  Proteinstoffen,  besonders  in  den  Samen,  ist  derselbe  nach
den  Untersuchungen  von  H.  Bitthausen, 1 )  sowie  nach  denen  von  Weyl,  Barbieri,
E.  Schulze,  Meissl,  Osborne,  Glättenden  u.  a.  weit  höher  und  schwankt  von  16,38
bis  18,73°/ 0 .  H.  Eitthausen  schlägt  daher  vor,  für  die  einzelnen  Gruppen  der  Samen
je  nach  ihrem  abweichenden  Stickstoff-Gehalt  verschiedene  Faktoren  für  die  Protein-Berechnung
  zugrunde  zu  legen,  und  zwar  für:
06  °  Mittlerer  N-Gehalt
  d.  Proteinstoffe ­


&amp;lt;  Gerstenkörner,  Gerstenmehl,  Gerstentreber,  Mais,
B  Gruppe  l  Buchweizen,  weisse  Bohnen,  Sojabohne,  Kaps-  und
1,  Eübsen-Pressrückstand
Weizenkörner,  Weizenfuttermehl,  Weizenkleie,
II.  Gruppe  J  Roggenkörner,  Eoggenfuttermehl,  Eoggenkleie,
'  Haferkömer,  Hafermehl,  Erbsen,  Saubohnen,
Wicken,  Candlenuts-Kuchen

%
16,66

Protein-Faktor

Hx

17,60

6,00

5,70

Bl-  Gruppe

Preasrückstände  von:  Leinsamen,  Hanfsamen,  Erdnuss-, ­
  Baumwollsamen,  süssen  und  bitteren  Mandeln,
Haselnüssen,  Paranüssen,  Kizinussamen,  Aprikoaenkernen,
  Walnüssen,  Sesamsamen,  Sonnenblumensamen,
Kürbiskernen,  Kokosnüssen,  Lupinen

}  18,20

5,50

leicht  Binse  Vorschläge  Bitthausens  verdienen  alle  Beachtung.  Indes  wird  es  nicht  so
ein er  a jj ln ’  über  die  richtigsten  Faktoren  zur  Berechnung  der  Proteinstoffe  schon  jetzt  zu
Und  Nah f meineD  Einigung  zu  gelangen,  weil  bis  jetzt  nur  ein  kleiner  Teil  der  Futterder
  “'en  Un B sm Btel  nach  dieser  Kichtung  untersucht  ist  und  weil  sich  die  Untersuchungen
nicht  auf 1 "'» 611  Bntter-  und  Nahrungsmittel  nur  auf  einen  Teil  ihrer  Gesamtproteinstoffe,
j  alle  erstrecken.
®ticlcatoffg  6n .  s  gibt  die  Berechnung  des  Bohproteins  durch  Multiplikation  des  gefundenen
stoff en  Ini t  6,25  nur  einen  mangelhaften  Ausdruck  für  den  wirklichen  Gehalt  an  Proteindieg
 e  (lem  ® run ^ e  lst  eine  weitere  Trennung  der  Stickstoff-Verbindungen,  soweit
Möglich  w  'i. 611  Vorschlägen  von  B.  Schulze,  B.  Sachsse,  A.  Stutzer  u.  a.  zurzeit
b  höchst  wertvoll.
Werden'  j^ e ' n P r °t e iu.  a)  Verfahren  von  A.  Stutzer. 2  *  *  * )  Nach  diesem  Verfahren 8 )
Griem  Bec]j~  ^  ^ er  zu  untersuchenden,  durch  ein  1  mm-Sieb  gebrachten  Substanz  in
Boi  stärke  6  nf^ aS6 -  " l ^  ^O  ccm  Wasser  übergossen,  zum  Sieden  erhitzt  bezw.
-  ~  llle hlhaltigen  Stoffen  10  Minuten  im  Wasserbade  erwärmt,  dann  mit  0,3
2)  ^'/-^ionen  1896,  47,  391.
3 )  Ein  t  ..  an dwirtschaft  1881,  29.  473  und  Kepertorium  f.  anal.  Chemie  1885,  162.
,  Wal §’ er  Gehalt  an  Pepton  wird  nach  diesem  Verfahren  nicht  mitbestimmt,
'wirtschaftliche  Stolle,  s.  Auflage.  14
        <pb n="233" />
        210

Futtermittel.

bis  0,4  g  aufgeschlämmtem  Kupferhydroxyd  —  über  die  Bereitung  vergl.  unter
Lösungen  No.  16  am  Schluß  —  versetzt,  nach  dem  Erkalten  durch  ein  Filter
von  schwedischem  Filtrierpapier  filtriert,  der  auf  dem  Filter  befindliche  Rückstand ­
  mit  Wasser  ausgewaschen  und  samt  Filter  noch  feucht  nach  dem  Verfahren
von  Kjeldahl  (S.  138)  verbrannt.
Bei  der  Untersuchung  von  solchen  Stoffen,  welche  wie  Samen,  Ölkuchen  usw.
reich  an  phosphorsauren  Alkalien  sind,  bei  welchen  sich  also  phosphorsaures  Kupfer
und  freies,  Proteinstoffe  lösendes  Alkali  bilden  kann,  werden  dem  Wasser  vor
dem  Zusatz  von  Kupferhydroxyd  einige  ccm  Alaunlösung  zugefügt,  wodurch  gelöste
Phosphate  unter  Bildung  unlöslicher  phosphorsaurer  Tonerde  zersetzt  werden,  sodann ­
  wird  weiter  wie  sonst  verfahren.
Enthalten  die  Pflanzenstoffe  schwer  lösliche  Alkaloide,  so  werden  1—2  g
in  einem  Becherglase  mit  100  ccm  absolutem  Alkohol  und  1  ccm  Essigsäure
im  Wasserbade  zum  Sieden  erhitzt;  nach  dem  Absetzen  der  Substanz  wird  die
Flüssigkeit  mit  möglichster  Vorsicht  filtriert,  so  daß  nichts  oder  nur  ganz  geringe ­
  Mengen  von  dem  Ungelösten  mit  aufs  Filter  gelangen;  dann  wird  das  Filter,  um
gelöstes  Fett  zu  entfernen,  mit  wenig  erwärmtem  Alkohol  und  Äther  ausgewaschen,
die  im  Becherglase  befindliche  Substanz  mit  100  ccm  Wasser  zum  Sieden  erhitzt
—■  bezw.  bei  stärkemehlhaltigen  Stoffen  10  Minuten  im  Wasserbade  erwärmt  —,
hierauf  wie  oben  mit  0,3—0,4  g  Kupferhydroxyd  versetzt,  der  Niederschlag  nach
dem  Erkalten  auf  das  bereits  benutzte  Filter  gebracht,  mit  Wasser  ausgewaschen  usw. 1 )
Der  Stickstoff  des  Filters,  welcher  bei  schwedischem  Filtrierpapier  für  5  cm  Durchmesser ­
  0,00004  g  oder  bei  Filtrierpapier  No.  689  von  Schleicher  und  Schüll  in  Düren
0,00005—0,00010  g  für  11—12  cm  Durchmesser  beträgt,  kann  vernachläßigt  werden;
ebenso  ist  ein  Fehler  dadurch,  daß  durch  Einwirkung  des  Kupferoxyds  aus  dem  bei  der
Verbrennung  entstehenden  Ammoniak  freier  Stickstoff  gebildet  werden  könnte,  nicht  zu
befürchten.
Viel  einfacher  und  zweckmäßiger  ist  das  Verfahren  von  F.  Barnstein 2 )  zur
Bestimmung  des  Eeinproteins  mit  Kupferhydroxyd:  1—2  g  des  Futtermittels
werden  mit  50  ccm  destilliertem  Wasser  auf  gekocht  —  bezw.  bei  Stärkemehl  haltigen
Stoffen  10  Minuten  im  Wasserbad  erhitzt  —,  sodann  mit  25  ccm  einer  Kupfersulfatlösung ­
  versetzt,  welche  in  1  1  60  g  kristallisiertes  Kupfersulfat  enthält,  darauf  unter
Umrühren.  25  ccm  einer  Natronlauge  von  der  Konzentration  12,5  :1000  hinzugegeben.
Nach  dem  Absetzen  wird  die  überstehende  Flüssigkeit  durch  ein  Filter  abgegossen,
der  Niederschlag  wiederholt  mit  Wasser  dekantiert,  schließlich  auf  das  Filter  gebracht ­
  und  mit  warmem  Wasser  so  lange  ausgewaschen,  bis  das  Filtrat  mit  gelbem
Blutlaugensalz  oder  Chlorbaryum  keine  Reaktion  mehr  gibt.  Der  Stickstoffgehalt
des  Niederschlages  wird  sodann  nach  dem  Kjeldahl-Verfahren  bestimmt.
Beim  Vermischen  von  je  25  ccm  Kupfersulfat-  und  Ätznatronlösung  von  der
oben  angegebenen  Konzentration  entsteht  ein  grünlicher  Niederschlag  eines  basischen
Kupfersalzes  mit  einem  Gehalt  von  etwa  0,38  Cu(OH) 2 ,  welches  letztere  offenbar
den  wirksamen  Bestandteil  des  Niederschlages  bildet.  Die  überstehende  Flüssigkeit
zeigt  noch  eine  deutliche  Reaktion  auf  Kupfer.

!)  B.  Sjollema  versetzt  (Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel,
1899,  2,  415)  1  g  Substanz  mit  50  ccm  Wasser,  kocht  und  fügt,  um  das  spätere  Filtrieren
zu  erleichtern,  beim  Beginn  des  Siedens  allmählich  und  unter  fortwährendem  Umrühren
60  ccm  95  °/ 0 -igen  Spiritus  hinzu,  darauf  noch  50  ccm  Wasser,  einige  Tropfen  einer  kaltgesättigten
  Alaunlösung  und  alsdann  die  vorgeschriebene  Menge  der  Kupferhydroxyd-Mischung-2
 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1900,  54,  327,
        <pb n="234" />
        Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen.

211

Es  sei  gleich  an  dieser  Stelle  hervorgehoben,  daß  nach  diesem  1  erfahren
auch  dann  noch  richtige  Zahlen  erhalten  werden,  wenn  das  Natron  in  so  großer
Menge  hinzugefiigt  wird,  daß  das  Kupfer  nicht  als  basisches  Salz,  sondern  vollständig
als  Oxydhydrat  ausgefällt  wird;  selbstverständlich  darf  diese  Menge  aber  nicht  so  groß
sein,  daß  die  über  dem  Niederschlag  stehende  Flüssigkeit  alkalisch  reagiert.
b)  Verfahren  von  H.  Schjerning.  H.  Schjerning 1 )  wendet  gegen  die
Fällung  mit  Kupferhydroxyd  ein,  daß  es  die  Peptone  nicht  vollständig,  dagegen  aber
Amin-Amidverhindungen  mit  ausfällt.  Nach  seinen  Versuchen  können  zur  Fällung
des  Reinproteins  an  Stelle  von  Kupferhydroxyd  ebensogut  Zinnchlorür,  Bleiazetat,
  Ferriazetat  und  Uranazetat  angewendet  werden.  Neben  Ammoniumazetat
  wurden  20  verschiedene  Amide  und  organische  Basen  gegen  diese  Fällungsmittel ­
  geprüft  und  gefunden,  daß  Zinnchlorür  nur  Alloxan,  Bleiazetat  sowie  Ferriazetat ­
  nur  geringe  Mengen  Alloxan  nebst  äußerst  geringen  Mengen  Koffein  und  Chinin,
Uranazetat  dagegen  bloß  Piperazin  mit  ausfällte.  Nur  Quecksilberchlorid  wie
Magnesiumsulfat  fällen  eine  größere  Menge  der  Amide  oder  Basen  und  sind
deshalb  für  die  Fällung  nicht  geeignet.
H.  Schjerning  empfiehlt  daher  zur  Fällung  der  Rein-Proteinstoffe  das  Uranazetat ­
  in  folgender  Ausführung:  „0,5—1,0  g  des  Futtermittels  werdenjn  einem
geräumigen  Becherglas  abgewogen,  mit  100  ccm  destilliertem  Wasser  ilbergossen
u ud  hiermit  unter  wiederholtem  Umrühren  mehrere  Stunden  —  bis  20  -
Zimmertemperatur  stehen  gelassen.  Dann  wird  die  Mischung  in  ein  Wasserbad
gebracht  und  auf  50°  erwärmt  (Futtermittel,  welche  keine  Stärke  enthalten,  können
a, mh  unbedenklich  auf  100°  erhitzt  werden;  aber  es  ist  nicht  notwendig);  darauf
wird  ein  Uberschuß  von  Uranazetat  —  20  bis  40  ccm  einer  gesättigten  Lösung  werden
immer  hinreichen  —  zugesetzt.  Indem  man  vor  direkter  Einwirkung  des  Lichtes
Schützt,  wird  die  Mischung  etwa  x / 2  Stunde  bei  50°  gehalten,  natürlich  unter
wiederholtem  Umrühren  mit  einem  Glasstab.  Der  Niederschlag  wird  dann  auf
einem  H  C m  großen,  mit  Flußsäure  ausgezogenen  Filter  (von  Schleicher  und  Schüll)
gesammelt  und  2—3-mal  mit  einer  kalten  1—2  °/ 0 -igen  üranazetatlösung  ausgewaschen. ­
  Filter  und  Niederschlag  werden  in  einen  1 / 4  Liter-Kolben  gebracht
mit  50  ccm  Magnesiamilch  —  11  g  Mg  0  in  2  1  Wasser  —  versetzt,  gekocht  und
auf  einer  Asbestplatte  über  einer  schwachen  Gasflamme  beinahe,  aber  doch  nie
^Müg,  zur  Trockne  eingedampft.  Der  Eindampfungsrest  wird  weiter  nach  Kjeldahls
  Verfahren  behandelt.  Als  Korrektion  für  die  Löslichkeit  der  Uranfallung  sind
fUr  je  100  ccm  Filtrat  und  Waschflüssigkeit  0,1  ccm  %  Normalsäure  zu  addieren  .
,,,  .  Von  Hoppe-Seyler  uud  Schmidt-Mühlheim  ist  Ferriazetat  von  F^Hoimeister
J  eihydroxyd  unter  Zusatz  von  etwas  Bleiazetat,  von  Meißl,  SeBtini,  Keliner  ma.
Uleiazetatlösung  zur  Fällung  der  Proteinstoffe  vorgeschlagen  E.  Schulze  )  ®“P  .
mehrere  dieser  Verfahren  gleichzeitig  nebeneinander  anzuwenden  und  auch  ^Stickstoff
m  dem  durch  Schwefelwasserstoff  von  Kupfer  befreiten  Filtrat  des  Niederschlages  durch
Emdampfen  in  Hofmeisterschen  Glasschälchen  usw.  zu  bestimmen;  femei  zui  weite
-•!  .QoVnxrA+Alah

—-uampien  in  Hofmeisterschen  Hlasscnaicm,  mit  Schwefelsäure  und  1hl
Kennzeichnung  der  Stickstoff-Verbindungen  die  Auw  lg  en  und  den  im  FiUrat  hm
wolframsäure  (vergl.  Lösung  No.  23  am  Sch  uß)  p, 10 sphorwolframsaure  wird  auch
von  verbleibenden  Stickstoff  ebenfalls  zu  ermitte  ,  und
Tannin  angewendet.  A  Albumosen,  Pepton,  _  a  v
Durch  Phosphorwolframsäure  we  Xanthin.  Guanin,
Ammoniak  gefällt,  ferner;  Betain,  Hyp  Glutamin,  Leucin,  Cyro
Arginin,  nicht  aber  die  Amide  (Asparag  &amp;gt;

’)  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1900.  30,  645&amp;gt;  und  633.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1881,  26,  213-14’*
        <pb n="235" />
        212

Futtermittel.

Zur  weiteren  Trennung  der  nicht  proteinartigen  Stickstoff  Verbindungen
empfiehlt  E.  Schulze 1 )  Zusatz  von  salpetersaurem  Quecksilber  zu  den  vorher  mit
Bleiazetat  behandelten  Pflanzenauszügen,  wodurch  Asparagin,  Glutamin,  Allantoin,
die  Xanthinkörper  und  zum  Teil  auch  Tyrosin  gefällt  werden;  sie  lassen  sich  nach
Entfernung  des  Quecksilbers  durch  Schwefelwasserstoff  weiter  durch  ammoniakalische
Silberlüsung  trennen,  wodurch  Hypoxanthin,  Xanthin  und  Guanin  abgeschieden
werden.
In  den  meisten  Fällen  genügt  es  indes,  den  Gesamt-Stickstoff  und  den  in
Form  von  reinem  Protein  vorhandenen  Stickstoff  zu  bestimmen,  während  der  in
Form  von  Nichtprotein-Verbindungen  vorhandene  Stickstoff  aus  der  Differenz  angenommen ­
  wird.  Sollen  letztere  jedoch  näher  gekennzeichnet  werden,  so  verfährt
man  nach  dem  zuerst  von  R.  Sachsse 2  3 )  angegebenen  Verfahren,  indem  man  erst
das  Ammoniak,  dann  den  Amid-  und  Säureamid-Stickstoff  bestimmt.
3.  Albumosen  und  Pepton.  Zur  Bestimmung  der  Alhumosen  und  Peptone
in  Futtermitteln  stellt  man  zunächst  eine  kalte  wässerige  Lösung  her,  je  nach  dem
Gehalt,  10  oder  20  g  auf  500  ccm,  filtriert  durch  ein  trocknes  Filter  und  verwendet
von  dem  Filtrat  50  oder  100  ccm;  diese  werden  unter  Zusatz  von  einigen  Tropfen
Salpetersäure  gekocht.  Wenn  ein  Gerinnsel  von  Eiweiß  sich  ausscheidet,  ward  filtriert,
der  Niederschlag  wie  hei  der  Kupferhydroxyd-Fällung  nach  Kjeldahl  verbrannt
und  aus  dem  gefundenen  Stickstoff  durch  Multiplikation  mit  6,25  der  Gehalt  an
Albumin  berechnet.
a)  Das  Filtrat  oder,  wenn  kein  Albumin  vorhanden  ist,  50—100  ccm  der
ursprünglichen  Lösung  werden  auf  40—50  ccm  eingedampft,  diese  nach  A.  Börner 8 )
mit  Schwefelsäure  schwach  angesäuert  (um  das  Ausfallen  von  unlöslichen  Zinksalzen
wie  Phosphat  usw.  zu  verhindern)  und  darauf  mit  fein  gepulvertem  Zinksulfat  in  der
Kälte  gesättigt.  Nachdem  sich  die  ausgeschiedenen  Albumosen  (an  der  Oberfläche  der
Flüssigkeit)  abgesetzt  haben  und  am  Boden  des  Glases  noch  geringe  Mengen  ungelösten
Zinksulfates  vorhanden  sind,  werden  die  Albumosen  abfiltriert,  mit  kaltgesättigter
Zinksulfatlösung  hinreichend  ausgewaschen  und  nach  Kjeldahl  verbrannt.  Durch
Multiplikation  der  gefundenen  Stickstoffmenge,  abzüglich  des  Filterstickstoffs, 4 )  mit
6,25  erhält  man  die  ihr  entsprechende  Menge  Alhumosen.  Sind  nennenswerte  Mengen
Ammoniak 5  * )  in  den  Stoffen,  so  werden  weitere  50  ccm  der  Lösung  in  derselben
Weise  mit  Zinksulfat  gefällt,  in  dem  Niederschlage  der  Ammoniak-Stickstoff  bestimmt
und  letzterer  von  dem  Gesamt-Stickstoff  des  Zinksulfat-Niederschlages  abgezogen.
h)  Das  Filtrat  von  der  Zinksulfat-  bezw.  Albumosen-Fällung  füllt  man  mit
Wasser  auf  250  ccm  auf  und  prüft  davon  zunächst  20—25  ccm  qualitativ  auf
Peptone.  Man  versetzt  mit  soviel  konzentrierter  Natronlauge,  bis  das  anfänglich
sich  ausscheidende  Zinkhydroxyd  sich  wieder  vollständig  gelöst  hat  und  fügt  einige
Tropfen  einer  l°/ 0 -igen  Lösung  von  Kupfersulfat  hinzu.  Eine  karminrote  bis
rotviolette  Färbung  zeigt  Peptone  an.
Ist  eine  solche  Färbung  aufgetreten,  so  werden  100  ccm  des  Filtrates  der
Zinksulfat-Fällung  zur  quantitativen  Bestimmung  des  Peptons  mit  einer  stark  an*) ­
  Vergl.Landw.  Versuchs-Stationen  1881,  28,  213;  1882,27,449  und  1887,38,89  und  124.
2 )  E.  Sachsse,  Die  Chemie  und  Physiologie  der  Farbstoffe,  Kohlehydrate  usw.
Leipzig  1877,  S.  256.
3 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1895,  34,  562  u.  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1898,  1,  106.
4 )  Derselbe  kann  bei  Anwendung  von  schwedischem  Filtrierpapier  unberücksichtigt
bleiben.
5 )  Ammoniak  geht  mitunter  unter  Bildung  eines  Doppelsalzes  bezw.  eines  komplexen
Salzes  von  Ammonsulfat  und  Zinksulfat  mit  in  die  Zinksulfat-Fällung  über.
        <pb n="236" />
        Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen.

213

gesäuerten  Lösung  des  phosphorwolframsauren  Natriums 1 )  so  lange  versetzt,  als  noch
ein  Niederschlag  entsteht;  der  Niederschlag  wird  nach  etwa  12-stündigem  Stehen
durch  ein  Filter  von  bekanntem  Stickstoff-Gehalt  filtriert,  mit  verdünnter  Schwefelsäure ­
  (1  :  3)  ausgewaschen,  samt  Filter  noch  feucht  in  einen  Kolben  gegeben  und
darin  der  Stickstoff-Gehalt  nach  Kjeldahl  ermittelt.  Durch  Multiplikation  des  gefundenen ­
  Stickstoff-Gehaltes  mit  6,25  erhält  man  die  Menge  des  vorhandenen  Peptons.
Man  kann  auch  das  albuminfreie  Filtrat  nach  dem  Ansäuern  mit  Schwefelsäure
direkt  mit  phosphorwolfrarasaurem  Natrium  fällen;  man  erhält  auf  diese  \\  eise
Albuinosen-  -j-  Pepton-Stickstoff  und  nach  Abzug  des  durch  Zinksulfat  gefällten
Albumosen-Stickstoffs  den  Pepton-Stickstoff;  jedoch  ist  die  vorherige  Ausfüllung  der
Albumosen  vorzuziehen.
Bei  der  Pepton-Fällung  durch  Phosphorwolframsäure  ist  jedoch  zu  berücksichtigen,
daß  hierdurch  auch  organische  Basen  und  Ammoniak  (siehe  oben)  gefällt  werden.
Letzteres  läßt  sich  in  einer  2.  Fällung  durch  Destillation  des  Niederschlages  mit
gebrannter  Magnesia  bestimmen  und  von  dem  Gesamt-Stickstoff  des  Niederschlages
in  Abzug  bringen.  Für  die  organischen  Basen  ist  aber  eine  gesonderte  Bestimmung
neben  den  Peptonen  nicht  möglich.  Man  prüft  hierauf  qualitativ,  indem  man  das
Filtrat  von  dem  Zinksulfat-Niederschlage  mit  überschüssigem  Ammoniak  bis  zur
deutlichen  alkalischen  Reaktion  versetzt,  von  einem  etwa  entstehenden  Niederschlage
(Phosphate)  abfiltriert  und  zu  dem  Filtrate  eine  Lösung  von  Silbernitrat  (etwa
2,5  g  in  100  ccm  Wasser)  hinzufügt.  Ein  entstehender  Niederschlag  zeigt  organische ­
  Basen  (Xanthinbasen,  vergl.  vorstehend  S.  212)  an.  Bleibt  ein  solcher  Niederschlag ­
  aus,  so  darf  man  noch  nicht  auf  Abwesenheit  von  organischen  Basen  überhaupt
schließen;  weil  aber  die  Xanthinbasen  am  weitesten  im  Pflanzen-  und  Tierreich  verbreitet ­
  sind,  so  deutet  das  Ausbleiben  eines  Niederschlages  mit  Silbernitrat  darauf
bin,  daß  die  Menge  an  organischen  Basen  nur  gering  ist;  man  kann  alsdann,  wenn
gleichzeitig  eine  deutliche  qualitative  Reaktion  von  Peptonen  aufgetreten  ist,  den
dnrch  phosphorwolframsaures  Natrium  gefällten  Stickstoff  als  vorwiegend  Pepton-Stickstoff
  annehmen.  Konnte  dagegen  qualitativ  kein  Pepton  nachgewiesen  werden,
80  stammt  der  durch  phosphorwolframsaures  Natrium  gefällte  Stickstoff  —.  nach
Abzug  des  Ammoniak-Stickstoffs  —  vorwiegend  aus  stickstoffhaltigen  organischen
Lasen.  Richtiger  aber  bringt  man  die  durch  Zinksulfat  gefällten  Stickstoff-V  erbindungen
  als  Albumosen-Stickstoff,  die  durch  phosphorwolframsaures  Natrium  geeilten ­
  Stickstoff-Verbindungen  als  „Pepton-  +  Basen-Stickstoff“  zum  Ausdruck.
L  Trennung  und  Bestimmung  der  nichteiweißartigen  Stickstoff-Verbindungen.
Hierbei  ist  in  erster  Linie  zu  beachten,  daß  man  wegen  der  leichten  Zersetzlichkeit  dei
Lflanzenauszüge  recht  rasch  arbeiten  und  das  Ausziehen  so  vornehmen  muß,  daß  sich  nicht
crch  die  Art  des  Ausziehens  Zersetzungserzeugnisse  bilden,  welche  ic  igo  ni
natt  beeinflussen.  t  .,  „ n  ,.
.  .  ö.  Kellner  hat  vorgeschlagen,  die  Pflanzenstoffe  statt  mit  asser  mi  ^  w
'grädigem  Weingeist  unter  Zusatz  von  einigen  Tropfen  Essigsauie  mi  au
Johr  IV*—iV.  Stunden  zu  kochen,  nämlich  10  g  fein  gepulverte  Substanz  mit  300  ccm
beses  Weingeistes,  nach  dem  Erkalten  zu  filtrieren,  von  dem  Filtrat  einen  aliquoten
61  im  Wasserbade  einzudampfen,  mit  Wasser  aufzunehmen  usw.
,  Will  man  mit  Wasser  ausziehen.  so  empfiehlt  es  sich,  zunächst  (2-mal)  1  Stunde
lan g  mit  kaltem  Wasser  (etwa  das  10-fache  der  Substanz)  zu  behandeln, 1 )  mit  Hilfe  dei
’)  120  g  phosphorsaures  Natrium  und  200  g  wolframsaures  Natrium  ^ rde £  111  1  1
Va sse  gelögt  Zu  der  j . edegmal  erfor d er l ic h e n  Lösung  setzt  man  ein  halbes  F  olumeu
wefelsäure  (1  Vo'l.  konz.  Schwefelsäure  und  1  Vol.  Wasser).  .
2 )  Das  Asparagin  zersetzt  sich  nämlich  schon  beim  Kochen  der  wässerigen  Losung.
        <pb n="237" />
        214

Futtermittel.

Säugpumpe  zu  filtrieren  und  noch  1-mal  mit  der  10-fachen  Menge  Wasser  auszukochen.
Die  Filtrate  werden  zusammengegeben,  rasch  durch  Kochen  von  Eiweiß  befreit,  filtriert
und  das  Filtrat  auf  ein  geringeres  Volumen  eingedunstet;  um  den  störenden  Einfluß  von
etwa  vorhandenem  Pepton  und  intermediären  Proteinzersetzungsstoffen  zu  vermeiden,
säuert  man  mit  Schwefelsäure  an,  fällt  mit  Phosphorwolframsäure,  filtriert,  bringt  das
Filtrat  auf  ein  bestimmtes  Volumen  und  nimmt  hiervon  zu  den  einzelnen  Bestimmungen
aliquote  Teile.
Das  Wesen  der  weiteren  Bestimmung  und  Trennung  der  amidartigen  Verbindungen
beruht  darauf,  daß  die  Amidosäuren,  bei  denen  innerhalb  des  Radikals  Wasserstoff
durch  die  Amidogruppe  (NH 2 )  ersetzt  ist,  mit  salpetriger  Säure  gerade  wie  Ammoniak
freies  Stickstoffgas  entwickeln,  nach  der  Gleichung:
2C 2 H 3 (NH 2 )  |  coojjH”  2HN0 2  =  2C 2 H 3 .  OH  {  +  2H a O  +  2N 2
Asparaginsäure  +  Salpetrige  Säure  =  Äpfelsäure  -f-  "Wasser  +  Stickstoff.
In  derselben  Weise  verhält  sich  Leucin  =  C 6 H I0 (NH 2 )  CO  OH,  welches  bei  dieser
Behandlung  Leucinsäure  und  freies  Stickstoffgas  entwickelt,  ferner  Tyrosin  C 9 H,,  N0 3  =
C 0 H 4 (OH).  CH 2 .  CH(NH 2 ).  CO  OH,
Es  entsprechen  hiernach;
28  Tie.  gefundenerN  =  133  Tin.  Asparaglnsäure,  =  131  Tin.  Leucin.  =  181  Tin.  Tyrosin,  oder:
1  TL  „  =  4,75  „  „  =  4,68  „  „  =  6,46  „  „  .
Die  Amido-Säureamide,  bei  denen  auch  noch  eine  Hydroxylgruppe  (OH)  des
Karboxyls  durch  eine  2.  Amidogruppe  (NH 2 )  vertreten  ist,  geben  dagegen  durch  Behandeln
mit  salpetriger  Säure  nur  die  eine  Hälfte  des  Stickstoffs  in  Form  von  freiem  Gas  ab;  das
an  die  Karboxylgruppe  gebundene  NH 2  wird  in  Ammoniak  umgewandelt;  die  Umwandlung
der  letzteren  Amidogruppe  in  Ammoniak  kann  durch  Kochen  mit  einer  beliebigen  anderen
verdünnten  Säure,  z.  B.  Salzsäure,  geschehen;  bei  Asparagin  entsteht  dadurch  Chlorammonium
und  Asparaginsäure,  die  sich  dann  beim  Behandeln  mit  salpetriger  Säure  wie  oben  verhält, ­
  also:
c 2 h 3 .nh 2  {  ZoT+  HC1  +  h 2 o  =C 2 H 3 .NH 2  {  cqoh  +  NH.CI
Asparagin  -|-  Salzsäure  -f  Wasser  =  Asparaginsäure  -f  Chlorammonium.
Behandelt  man  letzteres  Umsetzungserzeugnis  nach  dem  Austreiben  des  Ammoniaks
durch  Alkalien  oder  alkalische  Erden  wie  oben  mit  salpetriger  Säure,  so  erhält  man  ebenfalls
Äpfelsäure  und  freies  Stickstoffgas,  wobei  28  Teile  des  letzteren  =  132  Teilen  Asparagin
oder  1  Teil  N  =  4,71  Teilen  Asparagin  sind.  Man  kann  aber  auch  die  Menge  des  in  Form
von  Ammoniak  abgespaltenen  Stickstoffs  ermitteln  und  daraus  den  Asparagingehalt  berechnen
^obei  14  Tie.  N  =  132  Tin.  Asparagin  oder  1  T).  N  =  9.43  Tin.  Asparagin).  Dieses  zuerst
von  E.  Sachsse  angegebene  Verfahren  ist  später  von  E.  Schulze,  0.  Kellner,  E.  Kern,
A.  Emmerling,  C.  Böhmer  u.  a.  geprüft  und  für  die  praktische  Untersuchung  ausgebildet ­
  worden.
Um  mit  Hilfe  dieses  Verfahrens  die  amidartigen  Verbindungen  in  den  Pflanzen  und
deren  Auszügen  zu  bestimmen,  teilt  man  den  obigen  Auszug  in  3  gleiche  Teile  und  verfährt ­
  wie  folgt:
1.  In  dem  ersten  Teil  bestimmt  man  das  fertig  gebildete  Ammoniak.
Dieses  kann  entweder  im  Azotometer  durch  bromierte  Natronlauge,  wobei  sich  das
Ammoniak  (z.  B.  Salmiak)  nach  folgender  Gleichung  umsetzt;
2NH 4 C1  +  3NaBrO  +  2NaH0  =  2N  +  3NaBr  +  2NaCl  +  5H 2 0,
oder  aber  durch  Austreiben  des  Ammoniaks  mit  alkalischen  Erden  (Kalk  oder  Magnesia)
bestimmt  werden;  letzteres  Verfahren  dürfte  den  Vorzug  besitzen,  weil  A.  Morgen  gefunden ­
  hat,  daß  auch  die  Amid-  und  andere  Stickstoffverbindungen  der  Pflanzenauszüge
durch  bromierte  Natronlauge  angegriffen  werden.
Manche  Chemiker  ziehen  für  diesen  Zweck  Kalkmilch  der  Magnesia  vor,  weil  sie
bei  phosphorsäurehaltigen  Stoffen  die  Bildung  von  schwer  zerlegbarem  Magnesium-Ammouiumphosphat
  befürchten.
        <pb n="238" />
        Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen.

215

Zur  Austreibung  des  Ammoniaks  durch  Kochen  mit  gebrannter  Magnesia  kann  man
sich  des  Schlösingschen  oder  eines  Apparates  von  ähnlicher  Art  bedienen;  man  bringt
den  Auszug  mit  Magnesia  in  einen  Kolben,  verbindet  diesen  durch  ein  hohes,  womöglich ­
  mit  Kugel  versehenes  Glasrohr,  um  ein  Übersteigen  von  Magnesia  zu  verhüten,
mit  einem  fast  wagerecht  liegenden  Liebigschen  Kühler,  der  am  anderen  Ende  in  luftdichter ­
  Verbindung  eine  U-förmige  Vorlage  mit  titrierter  Schwefelsäure  enthält,  wie  bei  einer
Salpetersäurebestimmung  nach  S.  146.  Auch  läßt  sich  die  Austreibung  des  Ammoniaks  durch
Kalkmilch  in  der  Weise  bewirken,  daß  man  nach  C.  Böhmer  den  Auszug  in  einer  Schale
unter  eine  geräumige,  auf  einer  geschliffenen  Platte  luftdicht  schließende,  tubulierte  Glasglocke ­
  bringt,  die  mit  einem  doppelt  durchbohrten  Gummipfropfen  geschlossen  wird;  durch
die  eine  Öffnung  geht  ein  mit  Glashahn  versehenes  Trichterrohr  bis  in  die  Schale  mit
dem  Auszug,  durch  die  andere  ein  rechtwiukelig  gebogenes,  ebenfalls  mit  Glashahu  versehenes
Glasrohr,  das  oben  unter  dem  Pfropfen  in  der  Glocke  mündet;  neben  die  Schale  mit  Auszug
setzt  man  in  einiger  Erhöhung  eine  andere  mit  titrierter  Schwefelsäure,  schließt  die  Glocke,
läßt  durch  das  Trichterrohr  vorsichtig  Kalkmilch  in  die  untere  Schale  mit  Substanz  fließen,
evakuiert  mit  der  Wasserluftpumpe,  läßt  3  Tage  unter  Erneuerung  des  Vakuums  stehen
und  titriert  zurück.
Ein  ähnliches  Verfahren  hat  A.  Emmerling 1 )  angegeben;  er  wendet  ein  unten
konisch  zulaufendes  und  mit  Glashahn  oder  Bunsensohem  Ventil  verschließbares  Zylinderrohr ­
  an,  welches  seitlich  mit  einem  starken  Ansatzrohr  versehen  ist;  an  dieses  wird  luftdicht ­
  ein  Kolben  mit  der  betreffenden  Substanz  und  Kalkmilch  befestigt;  das  Zylinderrohr
rst  mit  Glassplittern  gefüllt,  die  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  getränkt  sind.  Das  Zylinderrohr
  ist  oben  mit  einem  Pfropfen  geschlossen,  durch  welchen  ein  reohtwinkelig  mit  Hahn
versehenes  Glasrohr  zu  einer  Wasserluftpumpe  führt;  nach  Beschickung  des  Apparates  wird
durch  leztere  evakuiert,  3  Tage  stehen  gelassen,  die  Salzsäure-  und  salmiakhaltige  Flüssigkeit ­
  in  eine  Schale  gespült,  mit  Platinchlorid  zur  Trockne  verdampft  und  das  Ammoniak
a ls  Platinsalmiak  bestimmt.
Diese  Art  der  Ammoniakbestimmung  durch  Herstellung  eines  Vakuums  läßt  sich
111  der  mannigfaltigsten  Weise  abändern;  sie  hat  vor  der  ersten  auch  den  Vorzug,  daß  sie
gestattet,  die  Pflanzenstoffe  als  solche  zu  verwenden.  A.  Longi  wendet  statt  der  Kalkfflüch
  Magnesiamilch  bei  38—40°  im  luftleeren  Raum  an,  während  E.  Boßhard  mit
überschüssiger  Phosphorwolframsäure  versetzt  und  den  Niederschlag,  in  welchen  auch  das
Wmoniak  übergeht,  mit  Magnesiamilch  destilliert  oder  mit  Kalkmilch  in  der  Kälte  behandelt.
2-  Der  zweite  Teil  dient  zur  Bestimmung  des  fertig  gebildeten  Ammoniaks
r&amp;amp;aureamidstickstoffes  (Asparagin  usw.).
Man  kocht  zu  dem  Zweck  diesen  Teil  des  Auszuges  1  '/ 2 —2  Stunden  mit  verdünnter
2  z-  _°der  Schwefelsäure  (auf  100  ccm  Auszug  7—8  ccm  konzentrierte  Salzsäure  oder
'~2,ö  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure),  läßt  erkalten  und  bestimmt  die  Menge  Ammoniak
na ch  den  unter  1  angegebenen  Verfahren.
_  Die  Differenz  zwischen  dem  unter  1  in  Form  von  fertig  gebildetem  Ammoniak  und
jetzt  nach  Kochen  mit  Säure  gefundenen  Ammoniak-Stickstoff  gibt  die  Menge  von
saureamidstickstoff.
3.  Der  dritte  Teil  wird  zur  Bestimmung  des  in  Form  von  Ämidosäuren
01  landenen  Stickstoffs  benutzt.
j  Da  sich  die  Säureamide  durch  keine  Fällungsmittel  von  den  Ämidosäuren  trennen
(1  , S8ea ’  80  kocht  man  auch  diese  Menge  wie  unter  2  zuerst  mit  verdünnten  Säuren,  verdampft ­
  sie  alsdann  unter  Zusatz  von  Kalkmilch  oder  Magnesia  oder  Alkalien  zur
sal  °  - e ’  Um  *)  ** as  stören de  Ammoniak  auszutreiben,  und  behandelt  diesen  Rückstand  mit
letnger  Säure.  Zu  dem  Zweck  wendet  man  salpetrigsaures  Kalium 2 )  an,  indem  man

*)  Landw.  Versuchs-Stationen  1880,  f' V f  vorhan denen  Karbonat  zu  reinigen,
*)  Um  das  Kaliumnitrit  von  dem  fast  s  ersteren  mit  Caloiumnitrat  zu  verempfiehlt
  U.  Kreusler  die  konzentrierte  Losung  __  anfänglich  voluminös  -  wird
setzen,  solange  noch  ein  Niederschlag  en ^ s  e  ^  filtr : er u ar  Man  hat  daun  statt  des  Kar  ona  s
durch  gelindes  Erwärmen  kristallinisch  und  bald  filtrierter  Man  ^  ^  stor end.
Kaliumnitrat  neben  etwas  Calciumnitrat  in  Losung,  diese
        <pb n="239" />
        216

Futtermittel.

die  zu  untersuchende  Flüssigkeit  mit  Schwefelsäure  ansäuert.  Da  sich  hierbei  neben  freiem
Stickstoffgas  noch  Stickoxydgas  (NO)  entwickelt,  so  bietet  die  gasvolumetrisohe  Bestimmung
einige  Schwierigkeit.  Man  benutzt  zur  Beseitigung  des  Stickstoffoxyds  meistens  Eisenvitriol
und  Sauerstoff.  Dieses  Verfahren  hat  aber  wegen  der  gleichzeitig  vorhandenen  Kohlensäure ­
  verschiedene  Übelstände;  C.  Böhmer 1 )  hat  sich  daher  als  Absorptionsmittels  bezw,
Oxydationsmittels  für  das  Stickstoffoxyd  des  übermangansauren  Kaliums  in  alkalischer  Lösung 2  3 )
bedient,  welche  den  großen  Vorzug  besitzt,  daß  sie  gleichzeitig  die  vorhandene  Kohlensäure ­
  entfernt.
Das  von  C.  Böhmer  angewendete  Verfahren  verdient  wegen  seiner  Einfachheit
und  Sicherheit  vor  allen  anderen  in  Vorschlag  gebrachten  Verfahren  dieser  Art  den  Vorzug
und  möge  daher  hier  wiedergegeben  werden:
A  in  Fig.  31  ist  ein  mit  verdünnter  Salzsäure  gefüllter  hoher  Standzylinder.  In  ihm
befindet  sich  ein  mit  Marmorstüoken  gefülltes,  nicht  zu  enges,  unten  etwas  verjüngtes,  auf
beiden  Seiten  offenes  Glasrohr.  Dieses  ist  oben  mit  einem  durchbohrten  Kork  verschlossen
und  mittels  eines  in  den  Kork  geschobenen  Glasröhrchens  nebst  Gummisohlauch  mit  dem  Reagierkölbchen
  B  verbunden.  In  dem  weiten  Hals  des  letzteren  sitzt  luftdicht  ein  3-fach  durch-Fig.

  81.

bohrter  Kork,  in  dessen  einer  Öffnung  ein  bis  an  den  Boden  reichendes,  unten  spitz  ausgezogenes ­
  Röhrchen  steckt,  das  mit  dem  Kohlensäure-Entwickelungsapparat  in  Verbindung
steht.  Durch  die  zweite  Öffnung  führt  ein  langhalsiger  Scheidetriohter  und  durch  die  dritte  ein
rechtwinklig  gebogenes  Rohr,  das  dicht  unter  dem  Kork  abschneidet.  Auf  diesem  Glasrohr
sitzt  ein  in  seiner  Mitte  bei  a  durchschnittener  Gummischlauoh,  dessen  Schnittfläche  mit
Hilfe  eines  hineingeschobenen,  eng  anschließenden  Glasröhrchens  wieder  verbunden  ist.
Über  diesem  Glasrohr  klemmt  einstweilen  der  Quetschhahn  b.  Das  andere  Ende  des  Gummischlauches ­
  kann  mit  der  Hempelsohen 8 )  Pipette  C  verbunden  werden,  einer  sogenannten
„einfachen  Absorptionspipette“,  deren  größere,  ungefähr  150  ccm  fassende  Kugel  mit  einer
alkalischen  Lösung  von  übermangansaurem  Kalium  gefüllt  ist.  Letztere  Lösung  wird  in  der
Weise  bereitet,  daß  man  eine  für  den  Gebrauch  hinreichende  Menge  Wasser  mit  einem
Überschuß  von  übermangansaurem  Kalium,  sowie  mit  einigen  Grammen  Kalium-  oder
Natriumhydroxyd  versetzt  und  unter  zeitweiligem  Umrühren  kurze  Zeit  stehen  läßt.
')  Landw.  Versuchs-Stationen  1883,  29,  247.
2 )  Auch  durch  Ohromsäure  wird  Stickstoffoxyd  rasch  und  vollständig  absorbiert  bezw.
oxydiert;  sie  ist  aber  für  diese  Bestimmung  nicht  so  geeignet,  weil  sie  sich  nicht  in  alkalischer
Lösung  zur  gleichzeitigen  Entfernung  der  Kohlensäure  anwenden  läßt.
3 )  Hempel,  Neue  Methoden  zur  Analyse  der  Gase.  Braunschweig  1880,  S.  17.
        <pb n="240" />
        Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen.

217

Zum  Zwecke  der  Untersuchung  wird  die  schwach  alkalische  Substanz  nebst  einigen
Grammen  salpetrigaauren  Kaliums  in  das  Kölbchen  B  gebracht,  dieses  nötigenfalls  bis  zur
Hälfte  mit  Wasser  aufgefüllt,  der  Kork  fest  aufgesetzt  und  Kohlensäure  hindurchgeleitet.
Ist  nach  einigen  Minuten  die  Luft  ausgetrieben,  so  stellt  man  durch  Zuschrauben  des
Hahnes  c  die  Entwickelung  fast  ganz  ab  und  verbindet  durch  Neigen  die  Absorptionspipette ­
  so  mit  dem  Gummischlauch  vor  dem  Quetschhahn,  daß  keine  Luft  in  die  Kapillare
d  tritt.  Hierauf  stellt  man  die  Kohlensäure-Entwickelung  ganz  ab,  läßt  durch  den  Scheidetrichter ­
  in  kleinen  Zwischenräumen  einige  Tropfen  verdünnter  Schwefelsäure  (1  :  3)  nach  B
fließen  und  befördert  durch  Schütteln  von  B  und  C  die  Gasentwiokelung  bezw.  Absorption. 1 )
Ist  man  sicher,  daß  nach  kräftigem  Umschtitteln  die  Entwickelung  zu  Ende  ist,  so  füllt
man  das  Reagierkölbohen  bis  dicht  unter  den  Kork  mit  Wasser  auf,  läßt  noch  einige
Blasen  Kohlensäure  hindurchstreichen,  zieht  den  Gummischlauch  ein  wenig  von  a  ab,
klemmt  ihn  mit  dem  Quetsohhalm  b  zu  und  zieht  ihn  hierauf  ganz  ab.  Nachdem  man  das
Gas  mit  der  Flüssigkeit  in  der  Absorptionspipette  noch  einmal  tüchtig  durohgeschüttelt

Fig.  32.

verbindet  man  letztere  mittels  eines  Kapillarrohrs  (vergl.  Fig.  32)  mit  einer
Hempelsehen' 2 )  „einfachen  Gasbürette“,  saugt  das  Gas  in  die  Bürette  und  liest  unter
eobachtung  der  nötigen  Vorsichtsmaßregeln  ab.  Steht  eine  solche  Bürette  nicht  zur  Verübung, ­
  so  verbindet  man  die  Absorptionspipette  in  der  unten  beschriebenen  Weise  mit  dem
y°ü  Schmidt 3 )  für  Stickstoffbestimmungen  angegebenen  Apparat.  Dieser  ist  sehr  leicht
handhaben;  als  Meßbürette  genügt  zur  Not  eine  gewöhnliche  kalibrierte  Bürette  mit
Quetschhahnverschluß.  Nachdem  man  letztere  durch  Heben  oder  Senken  des  eisernen
fwnges  A  (Fig.  32)  mit  der  auf  einem  Schemel  stehenden  Absorptionspipette  in  gleiche
Höl le  gebracht  hat,  wird  der  Quetsohhalm  an  dem  die  Kapillare  abschließenden  Gummi-Schlauch
  ein  wenig  gelüftet  und  durch  Neigen  der  Pipette  die  Flüssigkeit  bis  zur
Jeren  Mündung  des  Gummischlauches  getrieben.  Dieser  wird  hierauf  mit  zwei  Fingern
101  linken  Hand  abgeklemmt,  der  Quetsohhalm  mit  der  rechten  über  das  Kapillarrohr
z urückgeschoben  und  der  Gummischlauch  mit  der  rechtwinkligen  Kapillare  c  verbunden,

2 )  Die  Verbindung  von  B  und  C  kann  auch  mit  einem  einzigen  Schlauch  hergestellt
zu  l!-’  Einrichtung  gestattet  jedoch,  die  Flüssigkeit  in  der  Absorptionspipette  stark
1  sci ütteln,  ohne  das  Reagierkölbchen  vom  Stativ  zu  ziehen.
,)  Hempel,  Neue  Methoden  zur  Analyse  der  Gase,  Braunschweig  1880,  S.  9.
d )  Journ.  f.  prakt.  Chemie,  24,  444.
        <pb n="241" />
        218

Futtermittel.

deren  anderer  Schenkel  mit  einem  Gummischlauch  an  der  oberen  Mündung  der  Meßbürette
befestigt  ist.  Diese,  wie  die  Kapillare,  sind  vorher  durch  Heben  des  Ballons  bezw.  Glasstückes ­
  A  mit  dem  in  b  befindlichen  Wasser  gefüllt  worden.  Durch  Heben  von  A  und
Öffnen  des  Hahnes  d  treibt  man  etwaige  in  der  Kapillare  der  Kugelpipette  befindliche  Gasblasen ­
  in  die  Kugel,  bringt  sie  durch  Schütteln  zur  Absorption  und  saugt  darauf  durch
Senken  des  Ballons  A  das  Gas  in  die  Meßbürette.  Sollte  es  Vorkommen,  daß  man  infolge
zu  starker  Gasentwickelung  Grund  hätte,  an  der  Brauchbarkeit  des  in  der  Pipette  befindlichen ­
  Absorptionsmittels  zu  zweifeln,  so  füllt  man  sie  mit  frischer  Lösung,  treibt
nach  geschehener  Verbindung  mit  b  das  Gas  nochmals  in  die  Kugel  zurück,  schüttelt  und
saugt  es  in  die  Meßbürette.
Die  auf  diese  Weise  gefundene  Menge  Stickstoff  ergibt  also  den  in  Form  von  fertig
gebildeten  Amidosäuren  (Leucin,  Tyrosin,  Asparaginsäure  usw.)  -J-  Stickstoff  der  durch
Kochen  aus  den  Säureamiden  gebildeten  Amidosäuren;  indem  man  daher  den  für  die  Säureamide ­
  unter  No.  2  gefundenen  Stickstoff'  von  diesem  abzieht,  erhält  man  die  Menge  des  in
Form  von  Amidosäuren  vorhandenen  Stickstoffs.
U.  Kreusler 1 )  hat  gefunden,  daß  die  Amidoverbindungen  durch  salpetrige  Säure
nicht  gleichmäßig  zersetzt  werden;  Asparaginsäure  z.  B.  zersetzt  sich  glatt,  Asparagin
dagegen  spaltet  Ammoniak  ab,  welches  von  salpetriger  Säure  nur  in  wechselnden  Mengen,
niemals  aber  vollständig  zersetzt  wird.  Letzteres  gelingt  vollkommener  durch  Erhitzen
mit  salpetriger  Säure,  indes  bedürfen  die  einzelnen  Amidoverbindungeu  eines  verschieden
langen  Erhitzens,  um  annähernd  richtige  Ergebnisse  zu  liefern. 2 )  Kreusler  hat  für  seine
Versuche  einen  besonderen  Apparat  angewendet  und  hält  auch  den  zur  Beseitigung  des
Stickstoffoxyds  zuerst  empfohlenen  Eisenvitriol  für  zweckmäßig;  ich  muß  jedoch  bezüglich
der  Einzelheiten  dieses  Apparates  auf  das  Original  verweisen.
Durch  vorstehende  Bestimmungsweise  erhält  man  daher
a)  den  Ammoniak-Stickstoff,
b)  den  Amidosäureamid-Stickstoff  (aus  der  Differenz  2—1),
c)  den  Amidosäure-Stickstoff  (aus  der  Differenz  3—2).
Addiert  man  diese  3  Größen,  so  ist  die  Summe  nach  C.  Böhmer  uud  E.  Kern
meistens  kleiner,  als  sich  aus  der  Differenz  von  Gesamt-Stickstoff  minus  Protein-Stickstoff
für  die  löslichen  Stickstoffverbindungen  ergibt;  es  folgt  hieraus,  daß  in  den  Pflanzen  neben
vorstehenden  3  Verbindungsformen  noch  andere  lösliche  Stickstoff-Verbindungen  (z.  B.
Salpetersäure  u.  a.)  vorhanden  sind.
5.  Bestimmung  der  Salpetersäure.  Für  die  Bestimmung  der  Salpetersäure
in  den  Pflanzensäften  nach  Konzentration  unter  Zusatz  von  Kalkmilch  sind  verschiedene
Verfahren  in  Vorschlag  gebracht;  sie  beruhen  auf  dem  Verhalten,  daß  die  Salpetersäure  durch
Eisenchlorür  und  rauchende  Salzsäure  in  Stickstoffoxyd  (NO)  übergeftihrt  und  letzteres
ermittelt  wird.  Das  ist  bald  durch  gasvolumetrische  Messung,  bald  durch  Wiederüberführen
in  Salpetersäure  und  Titration  der  letzteren  geschehen.  Am  zweckmäßigsten  ist  die  Bestimmung ­
  auf  gas  volumetrischem  Wege,  wobei  man  die  der  Berechnung  anhaftenden
Unbequemlichkeiten  nach  dem  Verfahren  von  P.  Wagner  (vergl.  S.  144  u.  f.)  dadurch
umgehen  kann,  daß  man  unter  gleichen  Bedingungen  Koutrollbestimmuugen  mit  einer
bestimmten  Menge  reinen  Salpeters  nebenher  ausführt  und  die  erhaltenen  Gasvolumen
miteinander  vergleicht.  Vergl.  auch  das  Verfahren  von  Th.  Pfeiffer  S.  148.
Einfach  und  sicher  gelingt  auch  die  Bestimmung  der  Salpetersäure,  wenn  man  sich
des  von  C.  Böhmer  vorgesohlagenen  Absorptionsmittels  für  Stickstoffoxyd,  der  Chromsäure
bedient  und  das  Stickstoffoxyd  gewichtsanalytisch  bestimmt.
Zu  dem  Zweck  ergänzt  man  den  in  Fig.  31  S.  216  angegebenen  Apparat  in  der  Weise,
daß  man  den  Kolben  B  statt  mit  der  HempeIschen  Absorptionskugel  mit  einer  U-förmigen
Vorlage  verbindet,  die  mit  wenig  Lösung  von  kohlensaurem  Natrium  (etwa  5—10  ccm)  gefüllt
ist,  und  in  einem  Gefäß  mit  kaltem  Wasser  hängt,  um  einerseits  mitgerissene  Salzsäure,
J )  Landw.  Versuchs-Stationen  1885,  31,  277.
2 )  A.  Emmerling  (Landw.  Versuchs-Stationen  1886,  32,  446)  konnte  mit  Hilfe  seines
Apparates  (im  Vakuum)  Ammoniumsulfat  auch  in  der  Kälte  durch  Kaliumnitrit  und  Essigsäure ­
  in  80  Minuten  vollständig  zerlegen.
        <pb n="242" />
        Bestimmung  der  stickstoffhaltigen  Substanzen.

219

andererseits  den  größten  Teil  Wasser  aus  dem  entwickelten  Gas  zu  entfernen.  An  diese
U-Böhre  schließt  sich  zur  vollständigen  Entfernung  des  Wassers  ein  Chlorcaloiumrohr
und  hieran  ein  Liehigscher  Kaliapparat,  der  mit  10—15  ccm  einer  12-prozentigen
Salpetersäure  gefüllt  ist,  in  der  man  12  g  Chromsäure  aufgelöst  hat;  der  Kaliapparat  wird
mit  einem  Chlorcalciumrohr  geschlossen,  welches  das  aus  der  Chromsänrelösung  mitgerissene
Wasser  zurückhält.  Beide,  der  mit  Chromsäure  gefüllte  Kaliapparat  und  dieses  letzte
Chlorcalciumrohr,  werden  (wie  bei  einer  Elementaranalyse)  gewogen;  dann  gibt  man
den  unter  Zusatz  von  Kalkmilch  eingeengten  und  filtrierten  Pflanzenauszug  in  das
Kölbchen  B,  öffnet  den  Quetschhahn  b  und  leitet  so  lange  Kohlensäure  durch  den  Apparat,
bis  alle  Luft  ausgetrieben  ist;  hierauf  läßt  man  durch  das  Trichterrohr  Eisenohlorür  und
sehr  starke  Salzsäure  zufiießen,  stellt  die  Kohlensäure-Entwicklung  bis  auf  ein  Minimum  ab,
erwärmt  das  Kölbchen  B  zum  Kochen,  leitet,  nachdem  alles  Stickstoffoxyd  ausgetrieben  ist,
noch  eine  kurze  Zeit  Kohlensäure  und  schließlich  nach  Aufhebung  der  Verbindung  zwischen
A  und  B  mittels  eines  Aspirators  Luft  durch.
Die  Gewichtszunahme  von  dem  Kaliapparat  und  dem
letzten  Chlorcalciumrohr  gibt  die  Menge  des  entwickelten
Stickstoffoxyds  und  hieraus  berechnet  sich  durch  Multiplikation
mit  1,8  (60N 2 0 2 :108N 2 0 6 )  die  gesuchte  Monge  Salpetersäure.
Amidosubstanzen  als  solche  sind,  selbst  wenn  sie  in
erheblicher  Menge  vorhanden  und  von  sonstigen  organischen
Stoffen  (wie  Zucker  usw.)  begleitet  sind,  nach  ü.  Kreusler
ohne  merklichen  Einfluß  auf  die  Ergebnisse.
0.  Bestimmung  der  verdaulichen  Stickstoff-Substanz
hezw.  des  unverdaulichen  Nukleins.  Für  die  Bestimmung
des  verdaulichen  Anteiles  der  Stickstoff-Verbindungenbezw.
des  unverdaulichen  Nukleins  auf  künstlichem  Wege  hat
A.  Stutzer 1 )  ein  Verfahren  ausgearbeitet,  welches  von
ff.  Kühn 2 )  und  seinen  Mitarbeitern  verbessert  worden  ist.
Behandlung  mit  künstlichem  Magensaft.
2  g  der  sehr  fein  gepulverten,  durch  ein  1  mm-Sieh  gebrachten ­
  Substanz  werden  vorher  in  einem  Ausziehungsa
 Pparat  5—6  Stunden  mit  Äther  vollständig  entfettet,
nach  dem  Entfetten  getrocknet,  sodann  mit  Hilfe  eines
Messers  oder  einer  Federfahne  verlustlos  in  ein  x / 2  Liter
fassendes  Beoherglas  gebracht,  mit  500  ccm  Magensaft
(yergl.  unter  Lösungen  17  a  am  Schluß)  Uhergossen  und  48  Stunden  lang  —  hei
einigen  Futtermitteln,  wie  den  Rückständen  der  Kümmel-,  Fenchel-,  Anis-  und
Koriandersamen,  sind  72  bis  84  Stunden  erforderlich  —  hei  37  bis  40°  erwärmt,
mdem  man  gleichzeitig  in  den  ersten  Stunden  und  zwar  in  Zwischenräumen  von  ungefähr ­
  1—2  Stunden  je  5,0  ccm  einer  10  °/ 0 -igen  Salzsäure  (also  jedesmal  0,5  g  oder
fbr  die  angewendete  Menge  Flüssigkeit  0,1  %  HCl)  unter  Umrühren  hinzufügt,
bis  der  Gehalt  der  Flüssigkeit  an  Salzsäure  auf  1  °/ 0  gestiegen  ist.  Diu  Erwärmung
kann  in  einem  Wasser-  oder  Luftbade  von  der  angegebenen  Temperatur  erfolgen.
Statt  des  seihst  bereiteten  künstlichen  Magensaftes  kann  man  nach  B.  Sj  ollema 3 )
und  K.  Wedemeyer 4 )  auch  sehr  gut  das  käufliche  Pepsin  der  Apotheken
anwenden,  welches  eine  sehr  gleichmäßige  Wirksamkeit  besitzt.
p  ^  K ,urn -  f.  Landwirtschaft  1880,  28,  201;  1881,  29,  475;  ferner  Zeitschr.  f.  physiol.
hemie  1886,  9,  211;  1887  11,  207  und  537;  ferner  Landw.  Versuchs-Stationen  1889,  36,
d 41  und  1890,  37,  107.
2 )  0.  Kellner,  Arbeiten  d.  Versuchs-Station  Möckern  1894,  S.  188,  oder  auch  Landw.
Versuchs-Stationen  1894,  44,  188.
3 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  413.
4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1899,  51,  388.

/

Fig.  SB.  Filtrationsvorrichtung
für  schwer  filtrierende
Lösungen.
        <pb n="243" />
        220

Puttermittel.

2  g  Substanz  werden  in  einem  Becherglase  mit  etwa  430  ccm  Wasser,  1  g
Pepsin  und  20  ccm  10  °/ 0 -iger  Salzsäure  versetzt  und  das  Gemisch  in  einem  Wasserbade ­
  oder  Brutschränke  bei  38—40°  unter  wiederholtem  ümrtlhren  48  Stunden  lang
behandelt;  nach  16,  24  und  48  Stunden  setzt  man  jedesmal  weitere  10  ccm  der
10  °/ 0 -igen  Salzsäure  zu,  so  daß  die  Flüssigkeit  gegen  Ende  der  Behandlung  rund
1  °/ 0  Salzsäure  enthält.
Die  so  behandelte  Masse  wird  in  der  Regel  durch  ein  Asbestfilter  filtriert;
man  legt  in  einen  Glastrichter  einen  aus  Messingdrahtgewebe  hcrgestellten  Konus,
darauf  wenig  grobfaserigen  und  zuletzt  geschlämmten,  feinen  Asbest;  für  schleimige
Stoffe,  wie  Leinkuchenmehl,  verwendet  man  besser  ein  Faltenfilter  von  ausgewaschenem
Filtrierpapier  mit  bekanntem  Stickstoff-Gehalt.
Wir  bedienen  uns  für  diese  und  andere  schwer  filtrierbaren  Lösungen  von  organischen
Stoffen,  z.  B.  auch  für  Bestimmung  der  löslichen  Kohlenhydrate,  der  Eohfaser  mit  bestem
Erfolg  der  vorstehenden  Vorrichtung  (Fig.  33,  S.  219).
In  den  Trichter  auf  dem  zu  evakuierenden  dickwandigen  Erlenmeyer-Kolben  gibt
man  einen  Porzellanteller  von  etwa  65  mm  Durchmesser  mit  ziemlich  weiten')  Löchern
und  schüttet  auf  den  Teller  unter  Anwendung  der  Wasserstrahlpumpe  feinfaserigen,  in
Wasser  verteilten  Asbest  gleichmäßig  so  viel  und  so  lange,  bis  sich  eine  klar  filtrierende
Schicht  gebildet  hat.  Hierzu  ist  durchweg  nur  eine  verhältnismäßig  dünne  Lage  Asbest  erforderlich. ­
  Nach  beendeter  Filtration  und  Auswaschung  läßt  sich  das  Asbestfilter  nebst
Rückstand,  nachdem  man  den  Porzellanteller  durch  Einführung  eines  Glasstabes  von  unteu
in  den  Trichter  gelockert  und  herausgenommen  hat,  leicht  quantitativ  abtrennen  und  direkt
nach  Kjeldahl  verbrennen.
Wenn  man  in  vorstehender  Weise  den  Magensaft  einwirken  läßt,  findet  man  nach
G.  Kühns  eingehenden  Untersuchungen  die  sämtlichen  verdauungsfähigen,  stickstoffhaltigen
Bestandteile  der  gewöhnlichen  Futtermittel.
Die  weitere  von  A.  Stutzer  empfohlene  6-stündige  Behandlung  des  Rückstandes
(mit  Filter)  mit  100  ccm  alkalischem  Pankreassaft  nach  der  Pepsinverdauung  —  vergl.
unter  Lösungen  No.  17  b  am  Schluß  —  bei  37  bis  40°  ist  nicht  notwendig,  zumal  es  sich
dabei  nicht  um  eine  spezifische  Pankreasverdauung,  sondern  lediglich  um  eine  lösende
Wirkung  der  in  der  Pankreasflüssigkeit  enthaltenen  Soda  handelt.
Die  verschiedenen  Ergebnisse,  welche  durch  vergleichende  Versuche  über  die  künstliche
und  natürliche  Verdauung  von  den  Versuchs-Stationen  Göttingen 2 )  und  Hohenheim 3 )  erzielt
wurden,  haben  darin  ihren  Grund,  daß  man  die  Pepsinflüssigkeit  nicht  in  genügender
Menge  —  nur  250  ccm  —  und  in  nicht  genügender  Zeit  —  nur  24  Stunden  —  einwirken ­
  ließ. 4 )

IV.  Bestimmung  des  Fettes.
1.  Bestimmung  des  Eolifettes  (bezw.  Ätherauszuges).  5  oder  10  g  der  gemahlenen ­
  oder  gut  gepulverten  Substanz  werden  in  eine  fertige,  unten  geschlossene
Papierhülse  (von  Schleicher  und  Schul]  in  Düren)  oder  in  eine  aus  fettfreiem
Fließpapier  hergestellte  Hülse  gebracht,  welche  in  der  Weise  hergestellt  wird,
daß  man  um  ein  zylindrisches  Holzstüek,  dessen  Durchmesser  4  mm  geringer  ist

')  Ist  der  Porzellanteller  fein  durchlöchert,  so  geht  die  Filtration  nicht  so  rasch
von  statten.
3 )  Chem.-Zeitung  1882,  (i,  1249;  Journ.  f.  Landwirtschaft  1883,  31,  221  u.  343;  1886,
84,  439;  ferner  Landw.  Versuchs-Stationen  1887,  34,  456.
3 )  Tageblatt  der  deutschen  Naturforscher  und  Ärzte  in  Wiesbaden  1887,  S.  362.
4 )  Auf  eine  Arbeit  von  W.  Wiebe  1  (Landw.  Jahrbücher  1890,  19,  149),  welcher  dem
Verfahren  nur  einen  konventionellen  Wert  zuschreibt  und  glaubt,  daß  man  die  Pepsin-Verdauung
  durch  vorheriges  Kochen  mit  verdünnter  Salzsäure  bei  darauffolgender  Behandlung ­
  mit  Pankreasflüssigkeit  umgehen  kann,  sei  nur  verwiesen.
        <pb n="244" />
        Bestimmung  des  Fettes.

221

als  die  Weite  des  Extraktionszylinders,  ein  Stück  Filterpapier  2-mal  herumrollt,
über  die  ebene  Basis  des  Holzzylinders  ein  seinem  Durchmesser  entsprechendes
Stück  der  gebildeten  Rolle  hervorstehen  läßt,  dieses  ähnlich,  wie  man  ein  Paket
schließt,  umbiegt  und  den  gebildeten  Boden  der  Hülse  durch  kräftiges  Aufdrücken
ebnet.  Hat  man  die  Substanz  eingefüllt,  so  schließt  man  die  obere  Öffnung  der
Hülse  ebenfalls  durch  Umbiegen  oder  bei  festen  Hülsen  dadurch,  daß  man  entfettete ­
  Baumwolle  in  sie  schiebt  und  die  Substanz  vollständig  bedeckt.
Von  anderer  Seite  sind  die  von
W.  Bersch 1 )  beschriebenen  Aluminiumhülsen ­
  mit  siebartig  durchlöchertem  Boden
empfohlen.
Die  so  mit  Substanz  beschickte
Hülse  wird  3  Stunden  im  Wasserdampftrockenschrank ­
  bei  95°  getrocknet,  dann
in  einen  Soxhletschen  Fettextraktionsapparat ­
  gebracht  (vergl.  Fig.  34,  Fig.  35
S.  222  oder  Fig.  36  S.  223)  und  4—6
Stunden,  d.  h.  bis  zur  Erschöpfung,  mit
alkohol-  und  wasserfreiem  Äther  ausgezogen. ­

Das  Vortrocknen  der  Substanz  darf
nicht  zu  lange  und  bei  95—100°  nicht
übersteigenden  Temperaturen  fortgesetzt
Werden,  weil  sonst  unter  Umständen  eine
Veränderung  des  Fettes  eintreten  kann.
Futterstoffe  mit  trocknenden  Fetten
wie  Leinkuchen,  Leinmehl,  Mohnkuchen ­
  usw.  werden  wegen  der  leichten
Verharzung  in  sauerstoffhaltiger  Luft
zweckmäßig  im  Leuchtgas-  oder  Wasserstoffstrome ­
  1  Stunde  bei  100°  getrocknet. 2 )
Leicht  zusammenbackende  (zuckeründ
  dextrinreiche)  Stoffe  wie  Melassefutter ­
  usw.  werden  zweckmäßig  vorher
durch  Behandeln  mit  kaltem  Wasser  auf
der  S.  219  beschriebenen  Vorrichtung  von
Zucker  befreit,  der  Rückstand  wieder  getrocknet ­
  und  mit  Äther  ausgezogen  usw.
Weniger  zuckerreiche  Stoffe  können
auch  mit  geglühtem  Sande 8 )  vermengt  getrocknet, ­
  zerrieben,  nach  2-stündigem  Ausziehen ­
  mit  Äther  wieder  herausgenommen,
getrocknet,  abermals  zerrieben,  in  dieselbe  Hülse  zurückgebracht  und  weiter  mit

Fig.  34.  Emmerlings  Fettauszngsvomohtung.

I

Äther

ausgezogen  werden.

l )  Zeitschr,  f.  landw.  Yersuchswesen  in  Österreich  1901,  4,  31.  Die  Hülsen  werden
von  der  Firma  W.  J.  Eohrbecks  Nachfolger,  Wien  I,  Kärntnerstr.  69  geliefert.
")  0.  Foerster  hat  (Landw.  Versuchs-Stationen  1890,  37,  67)  mehrere  Einrichtungen
angegeben,  welche  für  Zwecke  des  Trocknens  im  Leuchtgasstrome  dienen.
3 )  Gips  ist  nach  L.  Geheck  (Landw.  Versuchs-Stationen  1894,  43,  193)  nicht  geeignet,
  weil  er  leicht  Fett  zurückhält.
        <pb n="245" />
        222

Futtermittel,

C.  Beger 1 )  empfiehlt  für  genaue  Fettbestimmungen  in  proteinreichen
Stoffen  den  Vorschlag  Dormeyers,  nämlich  die  Stoffe  zur  Lösung  der  Proteinstoffe ­
  vorher  mit  Pepsin  und  Salzsäure  (S.  219)  zu  behandeln  und  den  Rückstand
nach  dem  Trocknen  mit  Äther  auszuziehen,  weil  auf  diese  Weise  unter  Umständen
nicht  unwesentlich  höhere  Fettmengen  erhalten  werden.
Aus  dem  vorher  tarierten,  die  Ätherfettflüssigkeit  enthaltenden  Kölbchen  wird
der  Äther  durch  Destillation  entfernt,  der  Kolhen  im  Dampftrockenschranke  während
1—2  Stunden  getrocknet  und  zurückgewogen.  Die  Gewichtszunahme  gibt  die  aus
der  angewendeten  Substanz  enthaltene  Menge  „Eohfett“  an.
Der  gewogene  Ätherauszug  braucht  nach  dem  Trocknen  nicht  vollkommen ­
  in  Äther  löslich  zu  sein. 2 )
Der  Ätherauszug  schließt  außer  eigentlichem  Fett  auch  noch  verschiedene  andere
Bestandteile  ein,  vorwiegend  Farbstoffe  aller  Art  (Chlorophyll)  und  organische  Säuren  usw.
Die  Farbstoffe  lassen  sich  zwar  durch
Behandeln  der  ätherischen  Fettlösung  mit
gereinigter  Tierkohle  entfernen,  diese
absorbiert  aber  auch  einen  Teil  des  Fettes,
so  daß  alsdann  von  letzterem  zu  wenig
gefunden  wird.
Zur  Entfernung  etwaiger  Säuren
kann  man  den  Ätherauszug  mit  kochend
heißem  Wasser  durchschütteln,  filtrieren
und  in  den  Wasserauszügen  die  Säure
titrieren.  Das  rückständige  Fett  auf  dem
Filter  wird  nach  dem  Abtrocknen  an  der
Luft  mit  warmem,  absolutem  Alkohol  und
Äther  gelöst,  in  ein  vorher  gewogenes
Kölbchen  filtriert,  Alkohol  und  Äther
verdunstet  usw.  und  wieder  gewogen.
Dadurch,  daß  man  den  Ätherauszug
in  wenig  heißem  Alkohol  löst  und  erkalten ­
  läßt,  kann  man  die  wachsartigen
Verbindungen  und  Kohlenwasserstoffe  (bei
Heu  und  Grünfutterstoffen)  aus  dem
Ätherauszug  abscheiden;  indes  ist  dieses
Trennungsverfahren  nicht  scharf,  auch
haben  sich  die  wachsartigen  Verbindungen
des  Ätherauszuges  ebenfalls  als  teilweise  verdaulich  erwiesen.
Ein  von  A.  Emmerling  und  G.  Loges  eingerichteter  Fettbestimmungsapparat  für
8  Soxhletsche  Köhren  (vergl.  Fig.  34  S.  221)  verbindet  mit  dem  Vorzug  der  Raumersparnis  den
einer  bequemen  Handhabung  bei  der  Ausführung  des  Ausziehens,  da  die  ganze  obere  Vorrichtung ­
  des  Apparates  um  die  Achse  des  festen  Stativs  leicht  drehbar  ist.  Neuerdings  ist
an  dem  Apparat  das  Kühlgefäß  verbreitert  und  dadurch  der  ganze  Apparat  etwas  niedriger
geworden. 3  4 )
Wir  verwenden  neben  dieser  noch  Vorrichtungen  von  obenstehender  Form,
bei  welchen  die  Ätherfettkölbchen  entweder  in  einem  gemeinschaftlichen  Wasserbade ­
  (Fig.  35)  oder  auf  einer  elektrischen  Heizplatte  (Fig.  36,  S.  223)  erwärmt
werden  und  jedes  Kölbchen  mit  einem  Kühlrohr  versehen  ist. 1 )
’)  Chem.-Ztg.  1902,  20,  112.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  40,  60.
3 )  Der  Apparat  kann  durch  den  Mechaniker  Zwickert  in  Kiel  bezogen  werden.
4 )  Die  Halter  (Fig.  36)  befinden  sich  nicht  an  dem  Soxhl  et  sehen  Heherapparat,
sondern  an  dem  Kühler.

Fig.  35.
Vorrichtung  für  Fettauszielrangen  im  Wasserbade.
        <pb n="246" />
        Bestimmung  des  Fettes.

223

2.  Bestimmung  der  freien  Fettsäuren  des  Fettes.  Für  die  Bestimmung  der
freien  Fettsäuren  wird  der  bei  100°  (zwei  Stunden)  getrocknete  Ätherauszug  mit
25  ccm  Äther  ühergossen,  nach  dem  Lösen  des  Fettrückstandes  mit  ein  paar
Tropfen  alkoholischer  Phenolphthaleinlösung  als  Indikator  versetzt,  und  entweder
a)  mit  alkoholischer  1 / 10 -Normalkalilauge  oder  b)  nach  Zusatz  von  26  ccm
Alkohol  mit  wässeriger  ^o-Normalkalilauge  bis  zur  bleibenden  Rosafärbung
titriert.  Sollte  in  letzterem  Falle  die  Lösung  schwach  trübe  werden,  so  erwärmt
man  gelinde.
Von  den  hierzu  verbrauchten  ccm  Lauge  werden  die  zur  bleibenden  Rosafärbung ­
  von  einem  gleichen  Volumen  Äther  bezw.  Äther  +  Alkohol  in  gleich  dicker
Schicht  erforderlichen  ccm  Lauge  abgezogen  und  die  so  erhaltene  Menge
1  /  io"  A  e  r  ui  al  -  X  a  t  r  o  n  hi  u  g  e  auf  Fettsäure  und  zwar  auf  Ölsäure  C i8  H m 0 2
berechnet.  1  ccm  1 / 10  N.-Lauge  entspricht  0,0282  g  Ölsäure.

Fig.  36.  Elektrische  Heizvorrichtung  für  Fettauszi  ehungen  mittels  Äther.

Ausgedrückt  wird  der  gefundene  Säuregehalt  in  Prozenten  und  zwar:
1.  auf  100  Teile  des  betreffenden  Futter-  oder  Nahrungsmittels  und
2.  auf  100  Teile  Gesamt-fett  bezogen.
Bei  Fetten  und  ölen  kann  man  die  Titrationswerte  auch  in  Säuregraden
Ausdrücken,  worunter  man  die  Anzahl  ccm  Normalalkali  versteht,  welche  zur
1  eutralisation  von  100  g  des  Fettes  erforderlich  sind.
Weil  aber  nach  G.  Loges 1 )  durch  Trocknen  des  Futter-  oder  Nahrungsmittels ­
  un ^  d es  Ätherauszuges  ein  Teil  der  flüchtigen  Fettsäuren  verloren  geht,
erner  andere  Fettsäuren  eine  Veränderung  (durch  Aufnahme  von  Sauerstoff  usw.)
er  ehlen  können,  so  empfiehlt  es  sich,  gleichzeitig  eine  andere  nicht  vorx
 )  Landw.  Versuchs  Stationen  1891,  38,  314.
        <pb n="247" />
        224

Futtermittel.

getrocknete  Probe  mit  Äther  wie  üblich  zu  erschöpfen,  und  die  Ätherlösung
entweder  direkt  mit  alkoholischer  oder  nach  Zusatz  eines  gleichen  Volumens  Alkohol
mit  wässeriger  1 / 10  Normalalkalilauge  wie  vorhin  zu  titrieren.
Die  Differenz  zwischen  dieser  und  der  ersten  Titration  ergibt  zum  Teil  die  Menge
der  fluchtigen  Säuren;  diese  werden  bei  fettreichen  Futtermitteln  auf  Buttersäure
—  1  ccm  1 j 1  o  Normalalkali  =  0,0088  g  Buttersäure  —  und  bei  eingesäuerten  oder
eingemachten  grünen  Futtermitteln  auf  Milchsäure  —  1  ccm  1 /lO  Normalalkali
=  0,009  g  Milchsäure  —  umgerechnet.*)
Die  Mengen  freier  Fettsäuren,  welche  auf  diese  Weise  gefunden  werden,  sind  je
nach  der  Art  der  Aufbewahrung  der  Futter-  und  Nahrungsmittel  großen  Schwankungen
unterworfen;  im  allgemeinen  enthalten  die  Ölkuchenmehle,  ebenso  wie  alle  Futtermittel
in  pulveriger  oder  Mehlform,  mehr  freie  Fettsäuren,  als  die  in  Kuchen-  oder  sonstiger  fester
Form.  Auf  diese  Weise  schwankt  der  Gehalt  an  freien  Fettsäuren  zwischen  10—90%
in  Prozenten  des  Fettes.  Da  die  Pflanzenfette,  besonders  die  Fette  der  aufbewahrten
Pflanzenstoffe  oder  von  deren  Abfällen  durchweg  an  sich  mehr  oder  weniger  freie  Fettsäuren ­
  enthalten,  so  läßt  sich  aus  dem  Gehalt  an  diesen  allein  in  den  Futtermitteln,  als
Abfällen,  ein  sicherer  Schluß  auf  die  Beschaffenheit  nicht  ziehen.  Im  allgemeinen  geht
nur  der  Gehalt  an  freien  Fettsäuren  der  schimmeligen  und  verdorbenen  Beschaffenheit
parallel.
Die  tierischen  Fette  enthalten  in  frischem  Zustande  nur  mäßige  Mengen  freier  Fettsäuren;
  hier  muß  ein  Gehalt  von  10°/ 0  in  Prozenten  des  Fettes  schon  als  hoch  bezeichnet  werden.
Jedoch  bildet  das  Fleischfuttermehl  usw.  hiervon  wieder  eine  Ausnahme,  indem  dieses
infolge  der  Herstellung  und  der  längeren  Aufbewahrung  besonders  im  feuchten  Zustande
mehr  freie  Fettsäuren  zu  enthalten  pflegt.
V.  Bestimmung  der  Stickstofffreien  Extraktstoffe  bezw.  der
Kohlenhydrate.
Unter  Stickstofffreien  Extraktstoffen  versteht  man  den  Rest,  welcher  übrig
bleibt,  wenn  man  von  einer  Substanz  ihren  Gehalt  an  Wasser,  Rohprotein,  Eohfett,
Rohfaser  und  Asche  abzieht.
Der  Begriff  „Stickstofffreie  Extraktstoffe“  umfaßt  demnach  eine  ganze  Reihe
mehr  oder  minder  verschiedener  Verbindungen,  von  denen  die  wichtigsten  und  verbreitesten
  die  Zuckerarten,  Dextrine  und  die  Stärke  sind;  außerdem  gehören  hierher ­
  die  Pflanzengummis,  Pflanzenschleime,  Pflanzensäuren,  ferner  die  Pektin-,  Bitter-,
Farbstoffe  und  dergl.  Gewöhnlich  werden  die  Stickstofffreien  Extraktstoffe,  wie  oben
angegeben,  aus  der  Differenz  berechnet.  Vielfach  ist  jedoch  auch  eine  Bestimmung
einer  oder  mehrerer  zu  dieser  Gruppe  gehöriger,  gut  gekennzeichneter  chemischer
Verbindungen  erforderlich.
1.  Bestimmung  der  Gesamtmenge  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe.  2—20  g
des  zu  untersuchenden  Stoffes  werden  in  einer  Koohflasohe  6—8-mal  mit  je
250—300  ccm  kaltem  b'ezw.  mit  40—50°  warmem  Wasser,  die  letzten  3-mal  in  der
Siedehitze  —  stärkemehlreiche  Stoffe  nur  mit  kaltem  Wasser  —  ausgezogen,  die
überstehende  Flüssigkeit  nach  jedesmaliger  Behandlung  entweder  durch  ein  Papier-,
Filz-  oder  Asbestfilter  mit  Hilfe  der  Wasserstrahlpumpe  (vergl.  Fig.  33,  S.  219)
J )  Wenn  man  für  die  Säuren  des  Ätherauszuges  der  nicht  vorgetrockneten  Stoffe
den  3-mal  höheren  Faktor  der  Ölsäuren  anwendet,  so  kann  man  bei  größeren  vorhandenen
Mengen  flüchtiger  Säuren  mehr  freie  Fettsäuren  finden,  als  überhaupt  Fett,  d.  h.  Ätherauszug ­
  vorhanden  ist;  man  drückt  daher  in  diesem  Falle  die  Säuren  als  Säuregrade  aus
(vergl.  unter  „Milch“).
        <pb n="248" />
        Bestimmung  der  Gesamtmenge  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe.

225

rasch  abfiltriert  und  das  Ausziehen  bezw.  die  Filtration  so  beschleunigt,  daß  die
Behandlung  tunlichst  in  einem  Tage  beendet  ist. 1 )
Die  gesamten  wässerigen  Auszüge  werden  vereinigt,  auf  ein  bestimmtes
Volumen  gefüllt,  gemischt  und  aliquote  Teile  zur  Bestimmung  der  einzelnen
Bestandteile  verwendet.
a)  Die  Gesamtmenge  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe  wird  entweder
direkt  bestimmt,  indem  man  je  nach  dem  zu  erwartenden  Gehalt  1 / 10  bis  1 / 4  des
wässerigen  Auszuges  in  einer  vorher  gewogenen  Platinschale  auf  dem  Wasserbade
zur  Trockne  verdampft,  2  Stunden  bei  100—105°  oder  bei  der  für  die  Trocknung
der  betreffenden  Stoffe  vorgeschriebenen  Temperatur  trocknet  und  wägt.
Der  gewogene  Eückstand  ergibt  die  Gesamtmenge  löslicher  Stoffe;  durch
Einäschern  erfährt  man  die  Menge  der  gelösten  unorganischen  Stoffe  und  durch  Abzug
dieser  vom  Gesamttrockenrückstand  die  Menge  der  gelösten  organischen  Extraktstoffe.
Bei  Futter-  und  Nahrungsmitteln,  welche  aus  fast  nur  in  Wasser  leicht  löslichen
Stoffen  bestehen,  findet  man  ihre  Menge  annähernd  und  rascher  dadurch,  daß  man  10—20  g
entweder  in  einem  Halbliter-  oder  Literkolben  mit  kaltem  bezw.  40—50°  warmem
Wasser  einen  halben  Tag  unter  öfterem  Umschütteln  stehen  läßt  oder  1  Stunde  lang
in  einer  Schüttelmaschine  schüttelt,  nach  dem  Erkalten  bis  zur  Marke  auffüllt,
mischt,  die  Lösung  —  event.  unter  Zusatz  indifferenter  Klärmittel  —  durch  ein
trocknes  Papier-  oder  Asbestfilter  filtriert  und  von  dem  Filtrat  •—  unter  Vernachlässigung ­
  des  Volumens  der  ungelösten  Stoffe  —•  einen  Teil  ( 1 / 4  bis  1 j 2 )  wie
°ben  eindampft  und  behandelt.
Weil  aber  viele  Untersuchungsgegenstände  in  Wasser  lösliche,  mit  den  Wasserdämpfen ­
  sich  verflüchtigende  Stoffe  enthalten  oder  die  wässerige  Lösung  leicht
mne  Zersetzung  erleidet,  so  findet  man  durch  Eindampfen  des  wässerigen  Auszuges
durchweg  nicht  die  Gesamtmenge  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe,  sondern  mehr  oder
minder  weniger.
Es  empfiehlt  sich  daher  in  vielen  Fällen;
b)  Die  Gesamtmenge  der  wasserlöslichen  Stoffe  indirekt  zu  bestimmen, ­
  indem  man  den  unlöslichen  Rückstand  auf  einem  vorher  getrockneten  und
gewogenen  Filter  sammelt,  bei  105—110°  trocknet  und  wieder  wägt.
Die  Berechnung  der  gesamten  in  Wasser  löslichen  Stoffe  ist  dann  einfach:
Angenommen,  es  seien  10  g  Substanz  mit  einem  Wassergehalt  von  12,6  °/ 0  angehende! ­
  und  5,7235  g  wasserfreier  unlöslicher  Rückstand  gefunden,  dann  sind  10  —  5,7235  =
&amp;gt;2765  g  =  42,76°/ 0  gelöst  worden;  diese  schließen  aber  die  12,50°/ 0  Wasser  der  ange-Wendoten
  Substanz  mit  ein,  also  beträgt  die  Menge  der  gesamten  löslichen  Extraktivstoffe
d  7612 ’ 50  =  30,26  °/ n  in  Prozenten  der  natürlichen  Substanz.  Um  die  Gesamtmenge
' er  löslichen  Stoffe  gleich  in  Prozenten  der  Trockensubstanz  zu  berechnen,  führt  mau  die
Berechnung  wie  folgt  aus:
Den  angewendeten  10  g  Substanz  entsprechen  =  8,76  g  Trockensubstanz,
davon  sind  durch  Ausziehen  mit  Wasser  verblieben  5,7235,  also  von  100  g  Trockensubstanz
V235  x  ioo
8,75  =  6M1  %  unlöslicher  Rückstand  oder  34,59  %  lösliche  Extraktivstoffe.

')  Die  Beschleunigung  dieser  Arbeit  ist  epu'n  Gärung'^oderFä^nis  übergeht
zu g,  der  zu  weiteren  Untersuchungen  dienen  soll,  m  Keller  oder  Eisschrauk)
Du  Sommer  muß  daher  der  Auszug  entweder  | lircmiBC p t  werden,  wodurch  er  sich
aufbewahrt  oder  auch  mit  einigen  Tropfen  Chloro  o  7..  u ß  jedoch  in  letzterem
mehrere  Tage  hält.  Für  Zuckerbestimmungen  in  den  Auszügen  i
^alle  das  Chloroform  vorher  durch  Kochen  wieder  ve  j  ö  -  ^5
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="249" />
        226

Futtermittel.

Hat  man  den  unlöslichen  Rückstand  wegen  schlechter  Filtrierbarkeit  der
wässerigen  Lösung  nicht  auf  einem  vorher  getrockneten  und  gewogenen  Papierfilter
sammeln  und  wägen  können,  sondern  wie  hei  der  Eohfaser-  usw.  Bestimmung  auf
einem  vorher  nicht  wägbaren  Asbest-Filter  (vergl.  S.  219,  Fig.  33)  sammeln  müssen,
so  findet  man  die  Menge  des  unlöslichen  Rückstandes  durch  Verbrennen  des  getrockneten ­
  und  gewogenen  Asbestfilter-Rückstandes  und  Zurückwägen  des  Aschen-Rückstandes.
  Die  Differenz  gibt  dann  aber  nur  die  Menge  der  unlöslichen  organischen
Stoffe,  nicht  aber  die  der  unlöslichen  unorganischen  Bestandteile.  Diese  findet  man
dann  in  der  Weise,  daß  man  einen  Teil  der  wässerigen  Lösung  eindampft,  verascht
und  die  Menge  der  gelösten  Mineralstoffe  bestimmt.  Indem  man  diese  von  der
Gesamtmenge  der  Mineralstoffe  der  ursprünglichen  Stoffe  abzieht,  ergibt  sich  die  Menge
der  unlöslichen  Mineralstoffe,  und  indem  man  diese  der  Menge  der  unlöslichen
organischen  Stoffe  zuzählt,  erhält  man  die  Gesamtmenge  der  in  Wasser  unlöslichen
Stoffe,  aus  welchen  man  wie  vorhin  die  Menge  der  gesamten  gelösten  Extraktivstoffe ­
  berechnet.
2.  Bestimmung  einzelner  Bestandteile  des  wässerigen  Auszuges,  a)  Bestimmung ­
  der  löslichen  Mineralstoffe.  Der  Trockenrückstand  der  direkten
TrockenrUckstandbestimmung  oder  ein  anderer  Teil  der  wässerigen  Lösung  (4—5  g
Trockenrückstand  entsprechend)  wird  nach  dem  Eindampfen  auf  dem  Wasserbade
nach  S.  194  eingeäschert,  die  kohlenfreie  Asche  gewogen  und  hierin  event.  unter
Anwendung  von  mehr  Auszug  eine  weitere  Bestimmung  der  einzelnen  Mineralstoffe
nach  S.  200  unter  3  vorgenommen.
b)  Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffes  und  dessen  Verbindungen.
Ein  aliquoter  Teil  des  Auszuges  (2—3  g  Trockensubstanz  entsprechend)  wird  in
einem  Kjeldahl-Verbrennungskolben  unter  Ansäuerung  mit  Schwefelsäure  Uber
kleiner  Flamme  bis  auf  20—30  ccm  eingekocht,  darauf  nach  dem  Erkalten  mit
20  ccm  Kjeldahl-Schwefelsäure  versetzt  und  nach  S.  137  weiter  behandelt.  Die
Trennung  und  Bestimmung  der  einzelnen  Stickstoff-Verbindungen  erfolgt  nach  S.  213.
3.  Bestimmung  und  Trennung  der  löslichen  Kohlenhydrate,  a)  Trennung  der
Dextrine 1 )  von  den  Zuckerarten.  Ein  aliquoter  Teil,  etwa  200  bis  500  ccm  der
nach  S.  225  erhaltenen  wässerigen  Lösung, 2 )  w'elche  die  Gesamtmenge  der  wasserlöslichen ­
  Kohlenhydrate  enthält,  wird  in  einer  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade
bis  zum  dicken  Sirup  eingedampft,  dieser  in  10  oder  20  ccm  warmem  Wasser  gelöst ­
  und  die  Lösung  unter  fortwährendem  Umrühren  allmählich  mit  100
bezw.  200  ccm  Alkohol  von  95  Vol.-°/ 0  versetzt.  Nachdem  sich  der  entstandene
Niederschlag,  welcher  die  Dextrine  enthält,  abgesetzt  hat,  filtriert  man  die  fast  klare
alkoholische  Lösung  in  eine  Porzellanschale  ab  und  wäscht  den  Rückstand  in  der
ersten  Schale  unter  Reiben  mit  einem  Pistill  mehrmals  mit  kleinen  Mengen
Alkohol  (hergestellt  durch  Vermischen  von  1  Teil  Wasser  mit  10  Teilen  Alkohol
von  95  Vol.-°/ 0 )  aus.  Das  Filtrat  wird  zur  Vertreibung  des  Alkohols  vorsichtig
auf  dem  Wasserbade  eingedampft,  abermals  mit  10  com  Wasser  gelöst  und  in  derselben ­
  Weise  nochmals  mit  Alkohol  behandelt.  Ebenso  werden  die  ausgeschiedenen
Dextrine  wieder  mit  heißem  Wasser  von  dem  Filter  in  die  Schale  gelöst,  auf
10—20  ccm  eingedampft  und  nochmals  wie  oben  gefällt.

’)  Als  „Dextrine“  bezeichnet  man  diejenigen  in  kaltem  Wasser  löslichen,  in  etwa
90°/ u -igem  Alkohol  aber  unlöslichen  Kohlenhydrate,  welche  nach  der  Inversion  mit  Salzsäure ­
  reduzierende  Zuckerarten  liefern,  berechnet  auf  Glukose  x  0,90.
2 )  Enthält  die  Lösung  freie  Säuren,  so  sind  diese  vorher  mit  Natriumkarbonat  zu
neutralisieren.
        <pb n="250" />
        Bestimmung  der  Zuckerarten,

227

15*

Unter  Umständen  erhält  man  eine  bessere  flockige  Ahscheidung  der  Dextrine,
wenn  man  erst  1 / 5 — 1 / 4  des  nötigen  Äthylalkohols  an  Methylalkohol  zusetzt,  z.  B.
die  Zucker-Dextrinlösung  (20  ccm)  erst  mit  40  ccm  Methylalkohol  und  darauf  mit
150—160  ccm  Äthylalkohol  vermischt.
Die  alkoholischen  Filtrate,  welche  die  Zuckerarten  enthalten,  werden  zur
Trockne  verdampft,  mit  Wasser  aufgenommen  und  behufs  Bestimmung  und  Trennung
der  Zucker  auf  ein  bestimmtes  Volumen  gebracht.  Der  Rückstand  der  Alkohol-Fällung
  auf  dem  Filter  und  in  den  Schalen  enthält  die  Dextrine.  Man  löst  ihn
in  heißem  Wasser  und  bestimmt  die  Dextrine,  wie  weiter  unten  angegeben  ist.
Zu  diesem  Trennungs-Verfahren  muß  ausdrücklich  bemerkt  werden,  daß  es  als
ein  genaues  nicht  angesehen  werden  kann;  denn  einerseits  wird  durch  den  Alkohol  stets
etwas  Zucker  mitgefällt,  andererseits  etwas  Dextrin  in  Lösung  gehalten.  Wenn  aber
stets  in  derselben  Weise  gearbeitet  wird,  so  fallen  die  Ergebnisse  gleichmäßig  aus
ünd  sind  wenigstens  miteinander  vergleichbar.
b)  Bestimmung  der  einzelnen  Zuckerarten.  Ein  Teil  der  unter  No.  1  erhaltenen ­
  alkoholischen  Lösung  dient  nach  Verjagung  des  Alkohols,  oder  wenn
keine  Dextrine  vorhanden  waren,  die  wässerige  Lösung  direkt  zur  Bestimmung  der
Zuckerarten:

a)  auf  chemischem  Wege,  wobei  zu  beachten  ist,  daß  die  wässerige
Lösung  der  Zuckerarten  zur  Bestimmung  mittels  Fehlingscher  Lösung  wenn
m öglich  nicht  weniger  als  0,6  °/ 0 ,  keinenfalls  aber  mehr  als  1  °/ 0  Zucker  enthalten ­
  darf.

Zuck
Best:

1-  Bestimmung  der  Fehlingsche  Lösung  direkt  reduzierenden
erarten  (Glukose,  Fruktose,  Invertzucker,  Maltose,  Laktose  usw.).  Diese
immung  kann  auf  maß-  und  gewiehtsanalytischem  Wege  geschehen,
a)  Maßanalytisches  Verfahren  nach  Fr.  Soxhlet. 1 )  Man  bringt  25  ccm
^upferlösung  und  25  ccm  der  alkalischen  Seignettesalzlösung  (vergl.  Lösungen
°-  18  am  Schluß)  in  einer  tiefen  Porzellanschale  zum  Kochen  und  setzt  dann
011  ^ er  betreffenden  Zuckerlösung  so  lange  zu,  bis  nach  einer  der  Zuckerart  entfiif
 0  , n&amp;lt; * en  Lochdauer  die  Lösung  nicht  mehr  blau  ist.  Die  Kochdauer  beträgt
j  r .  Llnkose,  Invertzucker  und  Fruktose  2  Minuten,  für  Maltose  4  und  für
ccm  ° Se  ^  Minuten.  Auf  diese  Weise  wird  vorläufig  ungefähr  festgestellt,  wieviel
P 1  ,^ er  Zuckerlösung  50  ccm  der  Fehlingschen  Lösung  entsprechen,  bezw.
0^*1  Prozent  ungefähr  die  betreffende  Zuckerlösung  enthält.  Durch  Verdünnen
Ist Cr  Eindampfen  muß  darauf  die  Lösung  ungefähr  1-prozentig  gemacht  werden.
j£ 0  &amp;lt;les  geschehen,  so  erhitzt  man  wieder  50  ccm  Fehlingsche  Lösung  zum
der C  Vf 1  Un ^  gibt  nun  von  der  auf  etwa  1  °/o  gestellten  Zuckerlösung  so  viel  zu,  als
st : i  i-  Bnge  ents P ri cht,  welche  beim  Vorversuch  die  Fehlingsche  Lösung  voll-Zvicko^
  ret * uz * ert  hatte.  Es  wird  dann  so  lange  gekocht,  als  für  die  betreffende
d ic ht era *  erforderlich  ist,  worauf  man  die  ganze  Flüssigkeit  auf  ein  großes,  aber
daß  68  T*  a i ten Blter  gibt.  Es  muß  beim  Filtrieren  vor  allem  darauf  geachtet  werden.
besten 0 “  6twa  ^P uren  c i es  feinkörnigen  Kupferoxyduls  durch  das  Filter  gehen;  am
und  'i  ^erzeugt  man  sich  davon,  indem  man  das  Filtrat  einige  Zeit  stehen  läßt
sich  j ums °h'wenkt,  durch  welche  Behandlung  der  Kupferoxydul-Niederschlag
n  er  Mitte  sammelt.  Ist  das  Filtrat  noch  blau  oder  grünlich,  so  ist  selbstberiohtii/^
  ^^analytische  Verfahren  ist  von  Fehling  eingeführt,  von  Fr.  Soxhlet
bi-  F.  21  ^geändert  worden.  Vergl.  Fr.  Soxhlet,  Journ.  f.  prakt.  Chemie  1880,
        <pb n="251" />
        228

Futtermittel.

verständlich  noch  Kupfer  in  Lösung  und  es  bedarf  keiner  Prüfung.  Ist  das  Filtrat
dagegen  gelb,  so  muß  es  auf  Kupfer  geprüft  werden.  Dies  geschieht,  indem  man
das  Filtrat  mit  Essigsäure  ansäuert  und  mit  frisch  bereiteter  Ferrocyankaliumlösung
versetzt.  Dunkle  Eotfärhung  zeigt  eine  größere  Menge,  Eosafärhung  nur  Spuren
von  Kupfer  an;  das  Ausbleiben  deutet  auf  eine  vollständige  Eeduktion  des  Kupfers
und  damit  auf  einen  Überschuß  der  Zuckerlösung  hin.  Um  den  Punkt  zu  finden,
hei  welchem  die  Zuckerlösung  eben  hinreicht,  um  sämtliches  Kupfer  auszufällen,
muß  nun  mit  der  Titration  so  lange  fortgefahren  werden,  bis  von  2  aufeinander
folgenden  Titrationen  die  eine  eben  noch  eine  Spur  Kupfer  anzeigt,  während  die
darauffolgende,  mit  einer  um  0,1  ccm  vermehrten  Menge  Zuckerlösung  ausgeführte
Titration  eine  vollständige  Eeduktion  ergibt.  Die  wahre,  50  ccm  Fehlingsche
Lösung  genau  reduzierende  Menge  der  Zuckerlösung  liegt  mitten  zwischen  den  zwei
Ergebnissen.  Die  in  der  angewendeten  Anzahl  ccm  der  Zuckerlösung  enthaltene
Menge  der  betreffenden  Zuckerart  berechnet  sich  leicht  aus  den  von  Soxhlet  für
die  verschiedenen  Zuckerarten  gefundenen  Eeduktionswerten,  wonach  in  etwa  1  %-igen
Lösungen  50  ccm  Fehlingsche  Lösung  entsprechen:
=  0,2365  g  Glukose,
=  0,2470  „  Invertzucker,
=  0,2572  „  Fruktose,
=  0,3890  „  Maltose,
=  0,3380  „  kristallisierter  Laktose.
Bei  gefärbten  Flüssigkeiten  läßt  sich  im  Filtrat  der  Eintritt  der  Eeaktion
mit  Ferrocyankalium  schlecht  oder  nicht  erkennen.  Soxhlet  hat  dafür  folgendes
Verfahren  angegeben;  Das  Filtrat  wird  mit  einigen  Tropfen  Zuckerlösung  versetzt,
etwa  1  Minute  lang  gekocht  und  dann  3—4  Minuten  stehen  gelassen.  Gießt  man
nun  vorsichtig  ab,  so  ist  ein  Niederschlag  entweder  sofort  oder  dann  zu  erkennen,
wenn  man  mit  einem  um  einen  Glasstab  gewickelten  Stück  Filtrierpapier  über  den
Boden  wischt,  welches  durch  am  Boden  haftende  Spuren  Kupferoxydul  rot  gefärbt ­
  wird.
In  einigen  Fällen,  wo  der  Zuckergehalt  annähernd  bekannt  ist,  kann  man
sich  auch  des  Eeischauerschen  Titrationsverfahrens  bedienen.  Man  gibt  in
6  Proberöhrchen  des  sogenannten  Eeischauerschen  Sternes,  befestigt  an  einem
Stativ  mit  Klemmvorrichtungen,  je  5  ccm  der  Zuckerlösung,  welche  für  diese  Bestimmung ­
  nicht  mehr  als  0,58  g  Glukose  bezw.  Maltose  in  100  ccm  enthalten  darf,
dazu  1,  2,  3,  4,  5  und  6  ccm  der  Fehlingschen  Lösung,  taucht  den  Stern  in  ein
kochendes  Wasserbad  und  läßt  ihn  20  Minuten  darin.  Alsdann  nimmt  man  heraus ­
  und  sieht  zu,  wie  die  überstehende  Flüssigkeit  in  den  einzelnen  Eöhrchen  gefärbt ­
  ist,  blau,  grün  oder  gelb  usw.,  d.  h.  ob  alles  Kupfer  ausgefällt  ist  oder  nicht.
Um  sich  sicher  zu  überzeugen,  ob  in  der  gelb  erscheinenden  Flüssigkeit  eines
Proberöhrchens  noch  Kupfer  vorhanden  ist  oder  nicht,  filtriert  man  einen  Teil  ab
und  prüft  das  Filtrat  mit  Essigsäure  und  Ferrocyankalium;  eine  Eotfärbung  gibt
die  Anwesenheit  von  Kupfer  kund.
Hat  man  bei  2  aufeinander  folgenden  Proberöhrchen  die  An-  und  Abwesenheit ­
  von  Kupfer  festgestellt,  so  variiert  man  die  Kupfermenge  zwischen  diesen  um
Zehntel  ccm;  waren  die  Endpunkte  z.  B.  zwischen  3  (gelb  bezw.  kupferfrei)  und  4  (grün
bezw.  kupferhaltig),  so  nimmt  man  3,16,  3,40,  3,60,  3,75  und  3,90  ccm  Fehlingsche
Lösung;  liegen  die  Endpunkte  jetzt  zwischen  3,40  und  3,60,  so  nimmt  man  bei  einem
3..ten  Versuch  3,46,  3,49,  3,51,  3,53,  3,55  und  3,57  ccm  Fehlingsche  Lösung;  fallen
die  Endpunkte  jetzt  zwischen  3,51  und  3,55,  so  nimmt  man  hiervon  das  Mittel  (3,53)  an.
        <pb n="252" />
        Bestimmung  der  Zuckerarten.

229

Nach  K.  Kruis  entspricht:

Glukose

Maltose

b)  Ge  wiohtsanalytisches  Verfahren.
Stimmung  ist  zuerst  von  E.  Meißl,  später  von  F.
und  ferner  auch  auf  die  Bestimmung  des  Invertzuckers,  der
Maltose,  der  Laktose  und  der  Fruktose  angewendet  worden.
Für  die  betreffenden  Zuckerarten  haben  Meißl,  Wein,
Soxhlet  und  Lehmann  Tabellen  angefertigt.  Es  sind  für
jede  Zuckerart  Lösungen  von  bestimmten  Verdünnungen  und
von  bestimmter  Menge  notwendig;  g  ftuaein  s  am  ist  allen  die  Art
der  Ausführung.  Diese  ist  folgende:  Man  erhitzt  die  F  e  h  1  i  n  g  -
sehe  Lösung  bezw.  deren  Verdünnung  in  einer  Porzellanschale,
besser  in  einer  Porzellanhenkelschale,  zum  Kochen,  trägt
mit  einer  Pipette  die  vorgeschriebene  Menge  der  Zuckerlösung
  ein  und  kocht  dann  so  lange  weiter,  als  es  für  die
betreffende  Zuckerart  vorgesohrieben  ist,  worauf  sofort
filtriert  wird.  Zum  Filtrieren  bedient  man  sich  eines
^oxhletschen  Ashestfilterröhrchens  (vergl.  Fig.  37).  Dieses
stellt  man  her,  indem  man  ein  etwa  10  cm  langes  Stück  Verbrennungsrohr ­
  an  dem  einen  Ende  etwa  zur  halben  Stärke
auszieht.  In  den  Hals  bringt  man  dann  einen  kurzen
Pfropfen  von  Glaswolle  und  darauf  weichen,  mit  Natronlauge
Salpetersäure  behandelten,  gut  ausgewaschenen  Asbest.
Dieser  darf  weder  zu  locker  noch  zu  fest  angedrückt  sein,
da  im  ersteren  Falle  Kupferoxydul  mit  durchgerissen  wird,
m  anderem  Falle  das  Filter  zu  langsam  filtriert.  Der  mit
cißein  Wasser  ausgewaschene  Asbest  wird  mit  Alkohol  und
ann  mit  Äther  nachgewasohen  und  zum  Schluß  das
Höhrehen
geglüht.

=  5,57

mg

7,26

mg.

=  10,36

55

14,46

55

=  14,95

55

21,83

55

=  19,57

55

29,32

51

=  24,26

55

36,82

51

=  28,97

55

44,36

55

ihren.

Die

gewichts

sanalytische  Bevon

  F.  Alli

hn 1 )  für  Glukose  ausgearheitet

Fig.  37.  Vorrichtung  für
Zuekerbestimmung.

nachgewaschen  und  zum
samt  Asbest  unter  Durchsaugen  von  Luft  aus-Es
  ist  damit  für  den  Gebrauch  fertig  und  Wir  „
nach  jedesmaliger  Benutzung  dadurch  wieder  gebrauch  a  ig  ge  1  niswäscht  und
«fc  Salpetersäure,  dann  mit  heißem  Wasser,  Alkohol  undMher  aus«Ischt  und
wieder  trocknet.  Das  ausgeglühte  und  im  Exsikkator  erkaltete  Röhrchen  vird  vor
dem  jedesmaligen  Gebrauch  gewogen.  .  _  .  .  .  ,  .
Beim  Filtrieren  setzt  man  mittels  eines  Korkes  ein  Tnchterchen  auf  das  Rohr
^d  gibt  vorerst  etwas  heißes  Wasser  auf  das  Asbestfüter  und  dann  die
Flüssigkeit  mit  dem  Kupferoxydul.  Die  letzten  Reste  des  Niederschlages  werden
mit  einem  Pederchen  und  heißem  Wasser  nachgespült,  mehreremale  mit  hei ^  ^ aS
nachgewaschen,  darauf  mit  Alkohol  und  zuletzt  mit  Äther  die  größte  Menge  des  Wassers
® n tfernt.  Nach  vollständigem  Trocknen  verbindet  man  das  Röhrchen  so  mit  emem
^  asserstoff-Entwickelungs-Apparat,  daß  das  getrocknete  Wasserstoffgas  durch
m  oberen  Ende  des  Filterröhrchens  mittels  eines  gut  schließenden  K
io  3  Nft ae  Zeitschr.  f.  Rübenzuckerindustrie  8,  230  und  Zeitechr.  f  anal.  Chemie  1879,
18 ’  348  und  1881,  20,  434,  ferner  ausführlich  in  Journ,  f.  prakt.  Chemie-1880,  U,  4b.
        <pb n="253" />
        230

Futtermittel.

sitzendes  engeres  Röhrchen  eintritt  und  durch  das  schräg  nach  abwärts  geneigte
Filter  röhr  eben  hindurchgeht.  Nach  einiger  Zeit,  wenn  die  Luft  ausgetrieben  ist,  erhitzt ­
  man  den-  Asbestpfropfen  mäßig,  worauf  die  Reduktion  des  Kupferoxyduls  zu
metallischem  Kupfer  stattfindet.  Sind  die  bei  der  Reduktion  auftretenden  Wassertropfen ­
  verdampft  und  ist  sämtliches  Kupfer  mattrot,  so  läßt  man  im  Wasserstoffstrome
erkalten  und  wägt  dann  sogleich.  Die  Gewichtszunahme  ergibt  die  Menge  des
Kupfers;  die  diesem  entsprechende  Menge  der  betreffenden  Zuckerart  findet  man  in
den  zugehörigen  Tabellen  angegeben.
Die  Reduktion  des  Kupferoxyduls  zu  Kupfer  im  Wasserstoffstrom  wird  jedoch
jetzt  meistens,  weil  zu  lästig,  nicht  mehr  vorgenommen,  sondern  das  Kupferoxydul
in  bequemerer  Weise  durch  einen  trocknen,  d.  h.  mittels  konzentrierter  Schwefelsäure ­
  gewaschenen  Luftstromes  unter  Erhitzen  des  Filterröhrchens  in  Kupferoxyd
übergeführt  und  dieses  gewogen.  1  TI.  CuO  =  0,799  Tie.  Cu.  Yergl.  auch  Tabelle  III
am  Schluß.
Die  für  die  gewichtsanalytischen  Zuckerbestimmungen  notwendigen  Lösungen
sind  im  allgemeinen  dieselben,  wie  sie  bei  dem  maßanalytischen  Verfahren  (unter
Lösungen  No.  18)  angegeben  sind,  doch  hat  für  die  Bestimmung  der  Glukose  Allihn
eine  andere  Zusammensetzung  der  Seignettesalzlösung  vorgeschrieben,
aa)  Bestimmung  der  Glukose  nach  Meißl  und  Allihn;
30  ccm  Kupfersulfatlösung,
30  ccm  Seignettesalzlösung  (173  g  Seignettesalz  -)-  125  g  Kalihydrat  zu  500  ccm  gelöst) ­
  und
60  com  Wasser  werden  zum  Kochen  erhitzt,  sodann
25  ccm  der  nicht  mehr  als  1  °/ 0 -igen  Zuckerlösung  zugesetzt  und  noch  weitere  2  Minuten
im  Kochen  erhalten.
(Siehe  Tabelle  No.  IV  am  Schluß.)
bh)  Bestimmung  des  Invertzuckers  nach  E.  Meißl:
25  ccm  Kupfersulfatlösung,
25  ccm  Seignettesalz-Natronlauge  (nach  Soxhlet)  und  so  viel  ccm  Invertzuckerlösung,  als
im  Höchstbetrage  0,245  g  Invertzucker  entsprechen,  und  das  Ganze  auf  100  ccm
gebracht.  Die  zum  Sieden  erhitzte  Flüssigkeit  wird  weitere  2  Minuten  im  Sieden
erhalten.
(Siehe  Tabelle  No.  Va  u.  Vb  am  Schluß.)
cc)  Bestimmung  der  Maltose  nach  E.  Wein:
25  com  Kupfersulfatlösung,
25  ccm  Seignettesalz-Natronlauge  (nach  Soxhlet)  und
25  ccm  der  nicht  mehr  als  1  °/ c -igen  Zuckerlösung  kalt  gemischt,  zum  Kochen  erhitzt
und  4  Minuten  im  Kochen  erhalten.
(Siehe  Tabellen  No.  VI  am  Schluß.)
dd)  Bestimmung  der  Laktose  nach  Fr.  Soxhlet:
25  com  Kupfersulfatlösung,
25  com  Seignettesalzlösung  (nach  Soxhlet),
100  ccm  einer  verdünnten  Milchflüssigkeit  (25  com  Milch  mit  400  ccm  Wasser  verdünnt,
nach  Ritthausen  gefällt,  auf  500  ccm  aufgefüllt,  filtriert,  von  dem  Filtrat
100  com)  zum  Sieden  erhitzt  und  6  Minuten  im  Sieden  erhalten.
(Siehe  Tabelle  No.  VIII  am  Schluß.)
ee)  Bestimmung  der  Pentosen;
35  com  Kupfersulfatlösung,
35  ccm  Seignettesalz-Natronlauge,
25  ccm  einer  '/*  hi 8  1  °/ 0 -igen  Pentosenlösung  4  Minuten  lang  erhitzt  und  davon  3  Minuten
im  Kochen.
        <pb n="254" />
        231

Bestimmung  der  Zuckerarten.

In  Lösungen  von  0,26—1,0°/ 0  Pentosen  reduziert  hierbei  nach  W.  E.  Stone 1 )  1  mg
Arahinose  1,9—2,0  mg,  1  mg  Xylose  1,86—1,96  mg  Kupfer.  Weiser  und  Zaitschek 2 )
erhielten  wesentlich  andere  Reduktionswerte;  sie  wendeten  aber  eine  Lösung  wie  Meißl-Allihn
  für  die  Glukose-Bestimmung  an  und  kochten  bezw.  erhitzten  die  145  ccm  betragende ­
  Lösung  nach  dem  Vorschläge  Pflügers  30  Minuten  im  siedenden  Wasserhade.
8ie  fanden  für  die  Reduktionsfähigkeit  der  Arahinose  und  Xylose  folgende  Werte:

Arahinose;

Xylose:

Reduziertes
Kupfer
__  mg

Arahinose
mg

t  mg  Cu  entspricht ­

Arahinose
mg

Eine  der
Arahinose
gleiche  Menge
Glukose  reduziert ­
  Cu

Reduziertes
Kupfer
mg

Xylose
mg

L  mg  Cu  entspricht ­

Xylose
mg

Eine  der
g  Xylose  gleiche
^  Menge  Glukose
reduziert  Cu

27,8

11,3

0,396

31,4

32,1

11,2

0,349

31,1

52,1

22,6

0,434

55,0

57,5

22,4

0,390

54,6

76.4

35,6

0,463

81,6

79,6

33,6

0,423

77,5

99,4

45,2

0,463

101,4

102,2

44,9

0,439

100,4

193,1

90,5

0,468

193,4

123,8

56,1

0,453

123,2

215,6

101,8

0,472

216,1

171.4

78,5

0,458

168,9

234,1

111,2

0,475

234,5

184,4

86,0

0,461

182,0

237,2

113,2

0,477

238,4

194,3

89,7

0,462

191,5

264,6

122,8

0,482

257,5

216,1

100,9

0,467

214,2

278,5

134,3

0,482

279,4

226,6

106,2

0,468

224,6

314,2

153,6

0,488

315,2

239,3

112,2

•  0,469

236,3

357,2

178,0

0,498

357,9

308,8

148,7

0,482

306,5

368,0

184,2

0,500

368,2

346,2

170,0

0,491

344.0

392,9

200,2

0,501

394.9

384,0

191,2

0,502

379,9

417,5

214,9

0,515

417,9

420,7

212,4

0,505

414,4

qj  .  Hiernach  reduziert  die  Arahinose  etwas  schwächer,  die  Xylose  etwas  stärker  als
lein  °r U  ’  Heduktionswert  eines  Gemisches  von  Arahinose  und  Xylose  kann  daher  gleich
Reduktionswert  von  Glukose  gesetzt  werden.  Sind  in  einem  Zucker-Gemisch  von
der  7 &amp;amp;n  auc ^  Pentosen  vorhanden,  so  kann  man  durch  Destillation  eines  besonderen  Teiles
Weit  uc ' &amp;lt;er iösung  mit  Salzsäure  von  1,06  spez.  Gewicht  (vergl.  Bestimmung  der  Pentosane
biuo -  Un ten  S.  243)  das  Purfurol  und  damit  (nach  Tabelle  X  am  Schluß)  die  Pentosen  (Ara-+
  Xylose)  bestimmen  und  daraus  die  den  letzteren  entsprechende  Kupfermenge
Kunf  eClU ^° nSWert  ^ er  Hi uIjose )  berechnen,  und  wenn  diese  von  der  ganzen  Menge  reduzierten
Hierb 1 ' 8  . a ^ ezo S en  wird,  erhält  man  die  der  Glukose  allein  entsprechende  Kupfermenge.
Toll 61  18t  j edoc ^  zu  berücksichtigen,  daß  auch  die  Hexosen  (Glukose,  Saccharose)  nach
oder  qV"  o**  C * 6r  Hestillation  Purfurol  liefern,  z.  B.  reine  Glukoselösungen  0,36  °/ 0  Purfurol
gezoo-  ,t&amp;gt;0  ’°  Hentosen.  Diese  Menge  muß  daher  von  der  gefundenen  Pentosenmenge  ah-°
  n  Ul 'd  der  Rest  erst  auf  den  Reduktiouswert  der  Glukose  umgereohnet  werden,
bei  3  ,  61s Piöl:  Angenommen,  3,0  g  Hafer  werden  (vergl.  unter  „Stärke“)  im  Autoklaven
1.125  mos Phären  Druck  aufgeschlossen,  die  Lösung  filtriert,  mit  20  ccm  Salzsäure  von
Hösuna^ eZ f  ^ ew icht  (für  200  ccm  Lösung)  3  Stunden  am  Eückflußkühler  gekocht  und  die
Hlukose  aU *  ° Cm  S 6 ^ )rac ^ t !  50  ccm  der  Lösung  sollen  296,4  mg  Cu  reduzieren  =  142,4  mg
Hlukose  ’  ^ V . e ! tere  °0  com  der  Lösung  sollen  8,4  mg  Pentosen  liefern.  Da  das  aus  142,4  mg
sächlich  p  Purfurol,  auf  Pentosen  umgerechnet,  1,0  mg  beträgt,  so  ist  der  tat-6
  entosengehalt  der  Lösung  8,4  —  1,0  =  7,4,  also  der  wahre  Gehalt  an  Glukose

2  ® er &amp;gt;chte  d.  deutschen  ehern.  Gesellschaft  1890,  23,  3795.
&amp;gt;  Laadw.  Versuchs-Stationen  1903,  58,  219.
        <pb n="255" />
        232

Futtermittel.

142,4  —  7,4  =  135,0  mg,  und  diese  mit  0,9  multipliziert,  liefert  erst  den  der  Glukose  entsprechenden ­
  Stärkewert.
J.  Kjeldahl 1 )  macht  darauf  aufmerksam,  daß  auf  die  Ausfällung  des  Kupferoxyduls ­
  der  Zutritt  der  Luft  in  höherem  Maße  während  des  Kochens  als  während  des
Filtrierens  von  Einfluß  ist,  indem  um  so  weniger  Kupfer  ausfällt,  d.  h.  also  um  so  mehr
oxydiert  wird,  mit  je  mehr  Luft  die  Flüssigkeit  während  des  Kochens  in  Berührung  kommt.
Kjeldahl  schlägt  daher  vor,  das  Kochen  der  Kupfer-  und  Zuckerlösung  in  einem  Erlenmeyer-Kolben
  im  Wasserstoffstrome  vorzunehmen.  Als  Kochdauer  hat  er  20  Minuten  angewendet, ­
  und  weil  die  so  erhaltenen  Ergebnisse  nicht  mit  den  nach  vorstehenden  Verfahren
ermittelten  Ergebnissen  übereiustimmen,  so  hat  Kjeldahl  neue  Tabellen  entworfen  (vergl.
Tabelle  IX  am  Schluß).
2.  Bestimmung  der  Saccharose.  Zur  Bestimmung  mittels  Fehlingscher
Lösung  wird  die  Saccharose  durch  Inversion  mittels  Salzsäure  oder  Invertase
(siehe  unter  „Darstellung  der  Lösungen“  21  h)  in  Invertzucker  übergeführt.
a)  Bei  Anwendung  des  gewichtsanalytischen  Verfahrens  ist  darauf  zu
achten,  daß  die  Invertzuckerlösung  in  50  ccm  nicht  über  0,246  g  Invertzucker  entsprechend ­
  0,233  g  Saccharose  enthalten  darf.  Man  verfährt  daher  am  besten  folgendermaßen: ­
  100  com  der  (nicht  über)  1  °/ 0 -igen  Saccharoselösung  erwärmt  man  in  einem
250  ccm-Kolben  1 / 2  Stunde  im  kochenden  Wasserbade  mit  30  ccm  1 / 10  Normal-Salzsäure,
  setzt  nach  dem  Abkühlen  ebensoviel  ccm  1 / 10  Normalkalilauge  hinzu  und
füllt  auf  250  ccm  mit  Wasser  auf.  Von  dieser  Lösung 2 )  verwendet  man  50  ccm
(=  0,21  g  Invertzucker  bei  1  °/ 0 -iger  Saccharoselösung)  zur  gewichtsanalytischen
Bestimmung  des  Invertzuckers  nach  E.  Meißl.  Man  zieht  von  der  erhaltenen
Kupfermenge  die  zuerst  für  die  direkt  reduzierenden  Zuokerarten  gefundene  Kupfermenge ­
  ab,  sucht  die'  dem  als  Rest  verbleibenden  Kupfer  entsprechende  Menge  Invertzucker ­
  nach  der  Tabelle  No.  V  a  bezw.  V  b  am  Schluß  auf  und  erhält  durch
Multiplikation  der  gefundenen  Menge  Invertzucker  mit  0,95  die  Menge  der  vorhandenen
Saccharose.  Oder  man  bestimmt  nach  der  Tabelle  die  gesamte  Invertzuckermenge,
zieht  davon  die  vor  der  Inversion  gefundene  Invertzuckermenge  ab  und  rechnet  die
Differenz  durch  Multiplikation  mit  0,95  auf  Saccharose  um.  Letzteres  Verfahren
ist  das  richtigere.
b)  Bei  Anwendung  des  maßanalytischen  Verfahrens  nach  Fr.  Soxhlet
erhitzt  man  nicht  über  9,5  g  Saccharose  in  700  ccm  Wasser  mit  100  ccm  1 / 5  Normalsäure ­
  1 / 2  Stunde  im  siedenden  Wasserbade.  Darauf  wird  rasch  abgekühlt,  mit
titrierter  Natronlauge  genau  neutralisiert  und  auf  1000  ccm  aufgefüllt.  Man  hat
dann  eine  weniger  als  1  %-ige  Invertzuckerlösung  und  verfährt  nach  S.  227.
c)  Bestimmung  der  Dextrine.  Die  Dextrine  werden  durch  Hydrolyse  mit  Salzsäure ­
  in  Glukose  übergeführt  und  diese  wird  entweder  maßanalytisch  nach  Fr.
Soxhlet  oder  gewichtsanalytisch  nach  Meißl-Allihn  bestimmt.
Bei  der  Herstellung  der  Glukoselösung  aus  den  zu  bestimmenden  Dextrinen
löst  man  diese  in  etwa  200  ccm  Wasser  und  erwärmt  drei  Proben  Lösung  mit
20  ccm  Salzsäure  (von  1,125  spezifischem  Gewicht)  1,  2  und  3  Stunden  lang,  im
kochenden  Wasserbade  am  Rückflußkühler.  Darauf  wird  jedesmal  rasch  abgekühlt,
mit  Natronlauge  neutralisiert  oder  wenigstens  bis  zu  nur  schwach  saurer  Reaktion
versetzt  und  so  weit  verdünnt,  daß  die  Lösung  höchstens  1  °/ 0  Glukose  enthält.

J )  Nach  Meddelelser  fra  Carlsberg  Laboratoriet  4,  1,  in  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie
1896,  35,  344.
2 )  Wenn  die  Lösung  einen  flockigen  Niederschlag  enthält,  ist  sie  durch  ein  trocknes
Filter  vorher  zu  filtrieren.
        <pb n="256" />
        Bestimmung  der  Zuckerarten.

233

In  25  ccm  dieser  Lösungen  wird  der  Zucker  nach  Meißl  und  Allihn  (S.  230)
gewichtsanalytisch  oder  nach  Fr.  Soxhlet  (S.  227)  maßanalytisch  bestimmt.
In  beiden  Fällen  erhält  man  aus  der  gefundenen  MengeGlukose  durchMultiplikation
mit  0,90  die  Menge  der  vorhandenen  Dextrine  (vergl.  auch  Tabelle  VII  am  Schluß).
Das  höchste  Ergebnis  der  drei  (1,  2  und  3  Stunden  lang  gekochten)  Lösungen
wird  als  das  richtige  angenommen;  in  der  Regel  wird  man  nur  die  3  Stunden
lang  erwärmte  Lösung  zu  untersuchen  haben.
ß)  Bestimmung  der  Zuckerarten  durch  Polarisation.  Das  polarimetrische
Verfahren  der  Zuckerbestimmung  findet  vorwiegend  nur  Anwendung  bei  Bestimmung
der  Saccharose,  ferner  auch  zur  Bestimmung  der  Glukose.  Es  ist  natürlich  nur
dann  anwendbar,  wenn  keine  sonstigen  optisch  aktiven  Verbindungen  in  der  Lösung
vorhanden  sind.
Als  Polarisationsapparate  sind  in  analytischen  Laboratorien  vorwiegend  die
Dolarisationsapparate  von  Mitscherlich,  Laurent  und  Wild  mit  Kreisgradteilung
(Halbschattenapparate)  in  Gebrauch,  während  die  Farbenapparate  von  Soleil-^
  entzke-Scheibler  und  Soleil-Dubosq  und  der  Halbschattenapparat  von
Schmidt  und  Hänsch  mit  Zuckerskala  vorwiegend  in  der  Fabrikpraxis  in  Gebrauch ­
  sind.
Als  Lichtquelle  dient  bei  den  Halbschattenapparaten  eine  Natriumflamme  oder
Auer-Licht,  bei  den  Farbenapparaten  eine  gewöhnliche  Gasflamme.  Die  Polarisation
nimmt  man  durchweg  bei  17,5°  vor.
1.  Bestimmung  der  Saccharose.  Die  spezifische  Drehung  der  Saccharose
beträgt  bei  17,5°  =  +  66,5°.  Polarisiert  man  eine  Saccharoselösung  im  200  mm-Eohr
bei  17,5°,  so  entspricht  1°  Drehung  im  Polarisationsapparate  von:
Saccharose  in  100  ccm

Mitscherlich,  Laurent,  Schmidt  u.  Hänsch,  Wild  mit  Kreisgradteilung  0,76
koleil-Yentzke-Soheibler,  Schmidt  und  Hänsch  mit  Zuokerskala.  .  0,26048
Soleil-Dubosq  mit  Zuckerskala  0,16350.
In  der  Praxis  verfährt  man  bei  der  Bestimmung  der  Saccharose  jedoch
'neist  so,  daß  man  diejenige  für  jeden  Apparat  bestimmte  Menge  Eohsubstanz  (das
rAormalgewicht“)  abwiegt,  welche  zu  100  com  mit  Wasser  gelöst,  direkt  den
rozentgehalt  an  Saccharose  abzulesen  gestattet,  und  diese  Lösung  polarisiert.
Das  Normalgewicht  beträgt  für  100  ccm  Lösung  für  den  Polarisationsa
 Pparat  von:

Mit  sch  erüch,  Laurent,  Schmidt  u.  Hänsch,  Wild  mit  KreiBgradteilung  75000  g.
Sol  eil-Yentzke-Scheibler,  Schmidt  und  Hänsch  mit  Zuckerskala  .  JgJ»  »
Soleil-Dubosq

Polarisiert  man  diese  Lösungen  im  200  mm-Eohr,  so  bedeutet  1  Drehung
10 /o  Saccharose;  nur  bei  den  Apparaten  mit  Kreisgradteilung  würde  eine  Losung,
welche  75  g  Saccharose  in  100  ccm  Lösung  enthält,  zu  konzentriert  sein,  man
verwendet  daher  Lösungen,  welche  nur  15  g  Substanz  in  100  ccm  Losung  enthalten;
man  muß  daher  die  gefundenen  Grade  mit  5  multiplizieren.
2.  Bestimmung  der  Glukose.  Bei  verdünnten  (bis  zu  14  g  wasserfreie
Glukose  in  100  ccm  enthaltenden)  Glukoselösungen  beträgt  die  spezifische  Drehung
dei '  Glukose  -f  53°  während  sie  bei  konzentrierteren  Lösungen  nicht  unerheblicn
größer  ist.

Da  die  krystallisierte  Glukose  Birotation  xe'  g  ,  tün ^g em  Erwärmen  auf
nach  24-stündigem  Stehen  in  der  Kälte  oder  nach  /i  B
100°  vorgenommen  werden.
        <pb n="257" />
        234

Futtermittel.

Verwendet  man  zur  Polarisation  Glukose-Lösungen,  welche  his  zu  14  g
wasserfreie  Glukose  in  100  ccm  enthalten,  so  entspricht  1°  Drehung  im  200  mm-Rohr
  im  Polarisationsapparate  von;
Glukose  ln
100  ccm  Lösung
g
Mitscherlich,  Schmidt  u.  Hänsch,  Wild  u.  Laurent  mit  Kreisgradteilung  0,9434

Soleil-Ventzke-Scheibler,  Schmidt  u.  Hänsch  mit  Zuckerskala  .  .  .  0,3268
Soleil-Dubosq  mit  Zuckerskala  0,2061.

y)  Trennung  der  einzelnen  Zuckerarten  voneinander.  Für  die  Trennung
der  einzelnen  Zuckerarten  voneinander  können  folgende  Verfahren  dienen:
1.  Titrimetrisch  oder  gewichtsanalytisch,  a)  Verfahren  von  Fr.Soxhlet.
Um  zwei  Zuckerarten  nebeneinander  zu  bestimmen  oder  die  Identität  einer  Zuckerart
mit  einer  bekannten  festzustellen,  bedient  man  sich  der  Eigenschaft  der  Zuckerarten,
Fehlingsche  Kupferlösung  und  Sachssesche  Quecksilberlösung  in  verschiedenen,
aber  unter  gleichen  Arbeitsbedingungen  gleichbleibenden  Verhältnissen  zu  reduzieren.
Die  Ausführung  der  Zuckerbestimmung  mittels  Fehlingscher  Kupfer-  und  Sachssescher
  Quecksilberlösung  geschieht  auf  maßanalytischem  Wege.  (Über  die  Darstellung
der  Lösungen  vergl.  Lösungen  No.  18  u.  19.)
Für  die  Berechnung  der  Mengen  der  vorhandenen  Zuckerarten  hat  Fr.  Soxhlet
gefunden,  daß  je  1  g  der  verschiedenen  Zuckerarten  in  1  °/ 0 -igen  Lösungen  die
in  nachfolgender  Tabelle  angegebenen  Mengen  Fehlingscher  und  Sachssescher
Lösung  reduziert,  bezw.  daß  100  ccm  der  letzteren  (unverdünnt)  durch  die  daselbst
angegebenen  Zuckermengen  in  1  °/ 0 -igen  Lösungen  reduziert  werden.

1  g  Zucker  in  l°/ 0 -iger

100  ccm  der  Lösungen

Lösung  reduziert

von

Zuckerart:

Fehling

S  a  c  h  s  s  e

Fehling-S

  achssewerden

  reduziert  in

scheLösung

scheLösung

iproz.  Lösung  durch

ccm

ccm

mg

mg

Glukose  (Traubenzucker)

210,4

302,5

475,3

330,5

Invertzucker

202,4

376,0

494.1

266,0

Fruktose

194,4

449,5

514,4

222,5

Laktose

148,0

214,5

675,7

466,0

Desgl.  (nach  der  Inversion)

202,4

267,7

494,1

388,0

Galaktose

196.0

226,0

510,2

442,0

Maltose

128,4

197,6

778,8

506,0

Wenn  man  Zuckerlösungen  von  1  °/ 0  Gehalt  an  zwei  verschiedenen  Zuckerarten, ­
  z.  B.  an  Glukose  (durch  Hydrolyse  von  Dextrin  erhalten)  und  an  Invertzucker ­
  (durch  Inversion  von  Saccharose  erhalten)  einerseits  mit  Fehlingscher
Kupferlösung,  andererseits  mit  Sachssescher  Quecksilberlösung,  wie  vorstehend
angegeben  ist,  titriert,  so  berechnet  sich  der  Gehalt  an  Glukose  und  Invertzucker
aus  den  beiden  Gleichungen:
ax  +  by  =  F  und  cx  +  dy  =  S,
worin  bedeutet:
a  die  Anzahl  der  ccm  Pehlingscher  Lösung,  welche  durch  1  g  Glukose  reduziert
werden,
b  die  Anzahl  der  com  Pehlingscher  Lösung,  welche  durch  1  .g  Invertzucker  reduziert
werden,
        <pb n="258" />
        Bestimmung  der  Zuckerarten.

235

c  die  Anzahl  der  ccm  Sachssescher  Lösung,  welche  durch  1  g  Glukose  reduziert
werden,
d  die  Anzahl  der  ccm  Sachssescher  Lösung,  welche  durch  1  g  Invertzucker  reduziert
werden,
F  die  Anzahl  der  für  1  Volumen  der  Zuckerlösung  (etwa  100  com)  verbrauchten  ccm
Fehling  scher  Lösung,
S  die  Anzahl  der  für  1  Volumen  der  Zuckerlösung  (etwa  100  com)  verbrauchten  ccm
Sachssescher  Lösung,
x  die  Menge  der  gesuchten  Glukose  in  Gramm,  enthalten  in  1  Volumen  (100  com)  der
Zuokerlösung,
y  die  Menge  des  gesuchten  Invertzuckers  in  Gramm,  enthalten  in  1  Volumen  (100  ccm)
der  Zuckerlösung.
Handelt  es  sich  also  um  Bestimmung  von  Glukose  und  Invertzucker  nebeneinander, ­
  so  würden  die  angegebenen  Formeln  lauten:

210.4  x  +  202,4  y  =  F,
302.5  x  +  376,0  y  =  S.
Hieraus  berechnet  man  die  vorhandenen  Glukose-  und  Invertzuckermengen  in
bekannter  Weise.
b)  Verfahren  von  J.  Kjeldahl.  Statt  des  vorstehenden  Verfahrens  kann
man  sich  auch  des  von  J.  Kjeldahl 1 )  angegebenen  Verfahrens  bedienen,  welches
darauf  beruht,  daß  man  zunächst  das  Reduktionsvermögen  gegen  eine  geringe  Menge
(etwa  15  ccm)  Fehlingscher  Lösung  feststellt  und  alsdann  unter  Anwendung  einer
vielfachen  (n)  Menge  Zuckerlösung  eine  Bestimmung  unter  Benutzung  von  50  oder
00  ccm  Fehlingscher  Lösung  ausführt.
Kjeldahl  führt  aber  die  gewichtsanalytische  Bestimmung  anders  als  vorstehend ­
  aus  und  hat  infolgedessen  auch  andere  Tabellen  (vergl.  Tabelle  IX  am
'  c hluß)  für  die  Berechnungen  aufgestellt.  Das  Verfahren  ist  folgendes:
ln  einen  Erlenmeyer-Kolben  von  etwa  150  ccm  Inhalt  bringt  man  zunächst
°  nötige  Menge  Fehlingscher  Lösung 2 )  —  meistens  30  oder  50  ccm,  nur  bei
.  .  1  verdünnten  Zuckerlösungen  15  ccm  —  fügt  dann  die  gemessene  Zuckerlösung
p,, Zl1 ;  verdünnt  auf  genau  100  ccm,  leitet  einen  Strom  von  Wasserstoff  durch  die
ssigkeit  und  erhitzt  während  genau  20  Minuten  auf  dem  kochenden  Wasserte. ­
  D ie
üblich.

Filtration  und  Wägung  des  gebildeten  Kupferoxyduls  geschieht  wie

Die  Tabelle  No.  IX  am  Schluß  gibt  an,  W1 ®^ d el M d i[ os e e) n ^nter  vorstehender
(Glukose.  Fruktose,  Galaktose,  Arabinose,  Laktose  und  Maltose)
Arbeitsweise  je  1  mg  Kupfer  entspricht.

’)  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1896,  35,  345 '  J^he  Konzentration,  nämlich  34,639  g
2 )  Die  Fehlingsche  Lösung  hat  die  „„ +tp a a i z  i e doch  hebt  der  Verfasser
Kupfersulfat,  65  g  Natronhydrat  und  173  g  Seignettesalz,  jedocn

.  __  „.  —  ss-ara.-ÄS.rK
alle  3  Lösungen,  auch  die  Seignettesalz  osung,  ^  können,  stellt  Kjeldahl  2  np  ^
geforderte  Flüssigkeitsmenge  von  100  ccm  ei  ncr  ^  enthält  2x34,639  =  69»  g
lösungen  und  2  Natronlaugen  her.  Die  Kupfe  |  CuSO t  +  5  H 2 0  in  11;  eben-CuS0
 4  +  5 H 2 0,  die  Kupferlösung  B  4  &amp;gt;&amp;lt;  wfcZyd §  die  Lauge  B  4X65  =  260  g
so  die  Lauge  A  =  2  x  65  =  130  g  reines  Natnumnyar  y
Natriumhydroxyd  in  1  1  (durch  Titration  bestimmt!  entsprechende  Lösungen  zu
Um  aus  diesen  Lösungen  15,  30,  oO  7o  oder  100  ^  lz  mit  Hilfe
erhalten,  löst  man  2,6  g,  5,2  g,  8,6o  g,  13,0  g  ^ er S j e  der  Hälfte  der  Lauge  B
von  7,5,  }5,0,  25,0,  37,5  oder  50  ccm  der  hinzu.
fugt  die  gleichen  Volumina  der  entsprechenden
        <pb n="259" />
        236

Futtermittel.

Die  Bestimmung  der  einzelnen  Zuckerarten  nebeneinander  geschieht  in  der
vorstehenden  Weise,  die  Berechnung  z.  B.  für  ein  Gemisch  von  Glukose  und
Fruktose  durch  folgende  Formeln:

und  hieraus;

worin  bedeutet:

nd  —D

n  =  vielfache  Menge  der  Zuokerlösung,
p  =  reduziertes  Kupfer  bei  Anwendung  von  wenig  (z.  B.  15  ccm)  Fehlingscher
Lösung  und  Zuckerlösung,
P  =  reduziertes  Kupfer  bei  Anwendung  von  mehr  Fehlingscher  und  mehr  Zuckerlösung, ­

d  =  Glukosemeuge  für  p  reduziertes  Kupfer,
D  =  Glukosemenge  für  P  reduziertes  Kupfer,
1  =  Fruktosemonge  für  p  reduziertes  Kupfer,
L  =  Fruktosemenge  für  P  reduziertes  Kupfer,
x  =  gesuchte  Menge  Glukose,
y  =  gesuchte  Menge  Fruktose.
2.  Bestimmung  der  Glukose  und  Fruktose  durch  Eeduktion  und
Polarisation.  Das  frühere  Verfahren  von  C.  Neubauer  wird  zweckmäßig  durch
das  Verfahren  von  Halenke  und  Möslinger 1 )  ersetzt.  Ein  abgemessener  Teil
der  Zuckerlösung  wird  mit  geeigneten  Klärmitteln  (Bleiazetat  usw.)  geklärt  und
das  Filtrat  unter  Berücksichtigung  der  Verdünnung  durch  das  Klärmittel  bei  15°
polarisiert.  In  einem  anderen  Teil  des  Filtrats  bestimmt  man  nach  Entfernung  der
störenden  Bestandteile  von  dem  Klärmittel  —  also  bei  Anwendung  von  Bleiazetat
durch  Zusatz  einer  überschüssigen  Menge  schwefelsauren  Natriums  (etwa  5  ccm  gesättigte ­
  Lösung  auf  20  ccm  Zuckerlösung)  und  nach  Zusatz  von  Alkali  bis  zur
deutlich  alkalischen  Reaktion  —  den  Gesamtzucker  als  Invertzucker  nach  Meißl
(vergl.  S.  230).  Da  nach  den  Untersuchungen  von  Gubbe 2  3 )  und  Ost 8 )  der  spezifische
Drehungswinkel  («d)  bei  15°  in  ungefähr  10°/ 0 -iger  Lösung  für  Glukose  =  52,5  °,
für  Fruktose  =  —  95,5°  ist,  so  berechnet  sich,  wenn  für  100  ccm  Zuckerlösung:
d  =  Glukose,  1  =  Fruktose,  s  =  Gesamtzucker,  («)  =  Drehungsgrade  einschließlich
Vorzeichen  bei  15°  und  im  100  mm-Rohr  bedeutet,  nach  der  Gleichung;
(k)  =  —  0,965  1  -j-  0,525  d

oder,  weil  d  =  s
1  =

—  1  und  1  =  s-0,525
  s  —  (a) 4  *  *  * )
1,48

—  d  ist,
,  ,  0,955  s  +  («)■*)  ,  ,
und  d  =  &amp;lt;  -v p  oder  d  =  s  —  1.
1,48

*)  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1895,  34,  263.
2 )  Berichte  d.  deutschen  chem.  Gesellsch.  1884,  17,  2297.
3 )  Ebenda  1891,  24,  1636.
4 )  Wenn  (et),  wie  in  den  meisten  Fällen,  negativ  ist  (Linksdrehung),  so  wird  in  der
ersten  Gleichung  für  Berechnung  der  Fruktose  (1)  —■  (—  «)  =  -(-«,  d.  h.  man  muß  zu  dem
Produkt  0,525  s  die  Linksdrehungsgrade  hinzuaddieren,  in  der  letzten  Gleichung  für  Berechnung ­
  von  d  dagegen  von  dem  Produkt  0,955  s  abziehen,  weil  -(-  (—  tt)  =  —  a  ist.
Ist  («)  dagegen  positiv  (Rechtsdrehung),  so  müssen  umgekehrt  für  die  Berechnung
von  1  die  Drehungsgrade  abgezogen  werden,  weil  —  (-]-«)  =  —  «  ist,  für  Berechnung  von
d  dagegen  hinzuaddiert  werden.
        <pb n="260" />
        237

Bestimmung  der  Zuokerarten.

Da  in  den  Laboratorien  das  Arbeiten  bei  15°  mit  Schwierigkeiten  verbunden  ist,
so  kann  man  nach  dem  Vorschläge  von  W.  Fresenius  auch  eine  Polarisationstemperatur
  von  20°  wählen;  es  ändert  sich  dann  aber  unter  Berücksichtigung  der
Drehungsänderung  mit  steigender  Temperatur  die  angegebene  Formel  für  die  Berechnung ­
  der  Glukose  und  Fruktose  in:

1  =

0,525  s  —  (a)

und  d  =

0,955  s  4-  («)

oder  d  =  s  —  1.

1,456  1,455
Dieses  Verfahren  geht  von  der  Voraussetzung  aus,  daß  der  Gesamtzucker  bekannt ­
  ist,  was  aber  nicht  zutrifft,  weil  von  vornherein  nicht  feststeht,  in  welchem
Verhältnis  Glukose  und  Fruktose  vorhanden  sind,  beide  aber,  wie  vorhin  gezeigt
ist,  Fehlingsche  Lösung  in  verschiedenem  Grade  reduzieren.  Wenn  aber  der
Gesamtzucker  als  Invertzucker  berechnet  wird  und  die  Mengen  Glukose  und  Fruktose
nicht  sehr  weit  voneinander  abweichen,  so  ist  der  Fehler  meist  nicht  groß  und  kann
das  schnell  auszuführende  Verfahren  zur  annähernden  Ermittelung  dienen,  während
die  vorhin  erwähnten  Titrationsverfahren  sichere  Ergebnisse  liefern  können.

3.  Bestimmung  von  Saccharose,  Glukose,  Fruktose,  Maltose,
Isomaltose,  Pentosen  und  Dextrin  nebeneinander.  Bei  gleichzeitiger  Anwesenheit ­
  dieser  Zuckerarten  und  des  Dextrins  bestimmt  man:
a)  Das  gesamte  Reduktionsvermögen  für  Fehlingsche  Lösung:
«)  in  der  Lösung  direkt,
ß)  nach  der  Inversion  mit  Invertin  (bei  50—55°),
y)  in  dem  Gärrückstande  nach  dem  Vergären  mit  einer  geeigneten,  d.  h.
Maltose  nicht  vergärenden,  reingezüchteten  Weinhefe  direkt,
d)  in  dem  nach  y  erhaltenen  Gärrückstande  nach  der  Inversion  mit  Salzsäure
nach  Sachsse  mit  1,  2  und  3  Stunden  Kochdauer,
k)  Die  Dextrine  durch  Alkoholfällung  in  der  ursprünglichen  Lösung.
Ans  diesen  Bestimmungen  ergibt  sich:
1-  die  Saccharose  aus  der  Differenz  von  a  und  ß,
2.  die  Summe  von  Glukose  und  Fruktose  aus  der  Differenz  von
cc  und  y,
3-  die  Summe  von  Maltose  und  Isomaltose  aus  der  Differenz  von
d  und  b,
4-  über  die  Bestimmung  von  Pentosen  in  einem  Gemisch  mit  Hexosen  vergl.

S.  231,
der  Gehalt  an  Dextrinen  aus  b.
Sind  einzelne  der  angeführten  Zuckerarten  nicht  zugegen,  so  können  unter
Ständen  Vereinfachungen  eintreten.
Aus  dieser  Übersicht  ergibt  sich  keine  Trennung  von  Maltose  und  Isomaltose
m  keine  Trennung  von  Glukose  und  Invertzucker;  auch  ist  keine  Eücksicht  gemen
  auf  den  Einfluß,  den  die  Gegenwart  von  Saccharose  auf  das  Reduktionsermögen
  anderer  Zuckerarten  ausübt.
sich  wer I V0 'I e  Ergänzung  der  gewichtsanalytischen  Bestimmungen  ergibt
in  , lln * er  Umständen  durch  Heranziehung  der  polarimetrischen  Zuckerbestimmung
Elüss^k  . Versc ^ ec ^ enen &amp;gt;  bei  dem  beschriebenen  Gang  in  Betracht  kommenden
Pjyj  V  enn  demnach  die  Werte  auch  nur  annähernde  sind,  so  ist  doch  in  allen
in"  T?!!’  we I c hen  Malzextrakt  oder  Stärkezuckersirup,  bezw.  Most  und  Süßweine
kand^ 1 ^ 6  k° mmen &amp;gt;  ein  Bedürfnis  für  eine  solche  Trennung  der  Zuokerarten  vor-?
 n ’  un( I  Ihr  die  meisten  Fragen  genügt  die  nach  vorstehendem  Verfahren  zu
^zielende  Genauigkeit.
        <pb n="261" />
        238

Futtermittel.

E.  Prior 1 )  hofft  durch  Anwendung  verschiedener  Hefen  eine  Trennung  der
Zuckerarten  und  Dextrine  erreichen  zu  können;  so  vergärt:
a)  Saccharomyces  Marxianus  Saccharose,  Glukose  und  Fruktose,  aber  keine  Maltose.
h)  Saccharomyces  octosporus  Maltose,  Glukose  und  Fruktose,  jedoch  keine  Saccharose.
c)  Saccharomyces  apiculatus  Glukose  und  Fruktose,  jedoch  keine  Saccharose  und
Maltose.
d)  Die  meisten  Oherhefen,  welche  Invertase  ausscheiden,  zerlegen  die  Melitriose
in  Fruktose  und  Melihiose,  vergären  erstere,  aber  nicht  die  Melihiose.  Die
Unterhefen  dagegen,  welche  neben  Invertase  auch  Melibiase  ausscheiden,
zerlegen  auch  die  Melihiose  in  Galaktose  und  Glukose,  vergären  also  die
Melitriose  vollständig.
e)  Die  Unter  hefen  vom  Typus  Saaz  und  Typus  F  robb  erg  vergären  alle  Zuckerarten, ­
  erstere  die  Dextrine  so  gut  wie  gar  nicht,  letztere  gewisse  Dextrine
etwas.
f)  Die  Hefe  Logos  vergärt  die  dem  Zucker  nahestehenden  Dextrine  vollständig,
andere  dagegen  nicht.
Da  der  Vorschlag  bis  jetzt  noch  keine  bestimmte  Form  angenommen  hat,  sei
nur  auf  die  Abhandlung  verwiesen.
4,  Bestimmung  der  Stärke.  Als  „Stärke“  bezeichnen  wir  diejenigen  Kohlenhydrate, ­
  welche  in  kaltem  Wasser  unlöslich  sind,  aber  durch  Diastase  oder  überhitzten ­
  Wasserdampf  löslich  gemacht  werden  und  nach  der  Hydrolyse  Fehling  sehe
Lösung  reduzieren.  Da  das  Umwandlungserzeugnis  der  Stärke  Glukose  ist,  wird
der  Eeduktionswert  der  Zuckerlösung  nach  Fr.  Soxhlet  oder  Meißl-Allihn  ermittelt ­
  und  auf  Glukose  berechnet,  deren  Menge  mit  0,9  multipliziert  die  vorhandene
Stärkemenge  ergibt  (vergl.  auch  Tabelle  VII  am  Schluß).
Dieser  Begriff  von  Stärke  ist,  wie  C.  J.  Lintner 2 )  hervorhebt,  nicht  zutreffend, ­
  weil  je  nach  der  Art  des  Bestimmungsverfahrens  (oh  durch  Diastase,
kürzeres  oder  längeres  Dämpfen  mit  und  ohne  Zusatz  von  Säure  usw.)  Differenzen
bis  zu  6  °/ 0  erhalten  werden;  wenn  man  aber  in  den  Stärkeaufschließungen
die  Pentosane  bestimmt  und  diese  von  den  gefundenen  Mengen  Stärke
abzieht,  sollen  die  Werte  noch  nicht  um  1  °/ 0  abweichen  (vergl.  S.  231).
Ohne  Berücksichtigung  dieses  Umstandes  erhält  man  daher  nach  keinem  der
Untersuchungsverfahren  den  wahren  Stärkegehalt,  sondern  nur  mehr  oder  weniger
den  Stärkewert.  Dieses  trifft  am  meisten  die  Verfahren,  bei  welchen  die  Substanz
direkt  mit  unorganischen  Säuren  gekocht  und  in  der  Lösung  der  gebildete  Zucker
bestimmt  wird. 3 )  In  solchem  Falle  kann  man  nur  von  „in  Zucker  überführharen
Stoffen“,  nicht  aber  von  Stärke  sprechen.  Aus  dem  Grunde  muß  bei  Mitteilung ­
  von  Stärkegehaltszahlen  das  Bestimmungs-Verfahren  immer
angegeben  werden.
Für  technische  wie  wissenschaftliche  Zwecke  sind  folgende  Verfahren  am
meisten  in  Gebrauch:

x )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1903,  6,  916.
'■b  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1898,  725.
3 )  Nach  einem  solchen  Verfahren  (von  Liebermann,  vergl.  Saare,  Fabrikation  der
Kartoffelstärke,  Berlin  1897,  491)  werden  z.  B.  10  g  fein  gepulverte  Substanz  mit  200  ccm
Wasser  und  15  ccm  Salzsäure  2'/a  Stunden  im  Wasserbade  erhitzt,  annähernd  mit  Natronlauge ­
  neutralisiert,  auf  1000  ccm  aufgefüllt  und  in  25  ccm  die  Glukose  mit  Fehl  in  gscher
Lösung  bestimmt.
        <pb n="262" />
        Bestimmung  der  Stärke.

239

a)  Das  Diastase-Verfahren  verbunden  mit  Hydrolyse  durch  Salzsäure ­
  nach  M.  Märcker. 1 )  M.  Märcker  hat  sein  früher  angewendetes  Hochdruckverfahren, ­
  welches  auch  in  die  2te  Auflage  dieses  Handbuches  auf  genommen
ist,  als  nicht  mehr  zutreffend  aufgegeben  und  hält  das  folgende  1  erfahren  für
richtiger:  „3  g  der  fein  gemahlenen  Körner  oder  getrockneten  Kartoffeln  werden  mit
100  ccm  Wasser  */ 2  Stunde  gekocht  (oder  schwach  gedämpft),  auf  65°  abgekühlt
und  mit  10  ccm  Normal-Malzauszug  (100  g  Malz  auf  1  1  Wasser)  versetzt,  etwa
2  Stunden  bei  65°  gehalten,  dann  nochmals  1 / 2  Stunde  gekocht,  wieder  auf  65°
abgekühlt  und  nochmals  etwa  x / a  Stunde  mit  10  ccm  Malzauszug  bei  65°  gehalten,
dann  aufgekocht,  abgekühlt,  auf  250  ccm  aufgefüllt  und  filtrirt.  1  on  dem  Filtrat
werden  200  ccm  auf  bekannte  Weise  mit  15  ccm  Salzsäure  von  1,125  spezifischem  Gewicht ­
  hydrolysiert,  neutralisiert,  auf  500  ccm  gebracht  und  davon  50  ccm  zur  Zuckeibestimmung ­
  verwendet.“  Bei  der  Berechnung  muß  die  in  dem  Malz  zugesetzte
Zuckermenge  abgezogen  werden.  Weiter  ist  noch  folgendes  zu  berücksichtigen:
1.  Wenn  die  Stoffe  Zucker  und  Dextrin  enthalten,  so  müssen  diese  entweder  in  einer
besonderen  Probe  für  sieh  bestimmt  und  von  dem  nach  der  Hydrolyse  gefundenen  Zucker
abgezogen  oder  durch  Auswaschen  mit  kaltem  Wasser  entfernt  und  der  Rückstand  wie  vorstehend ­
  gekocht  bezw.  gedämpft  usw.  werden.  Wenn  man  den  Auszugsrückstand  auf  dem
Filter  noch  feucht  mit  Alkohol  behandelt  und  dann  an  der  Luft  abtrocknen  läßt,  so  läßt
er  sich  wieder  quantitativ  vom  Filter  entfernen.
2.  Sehr  fettreiche  Stoffe  werden  vorher  durch  Ausziehen  mit  heißem  Alkohol  und
Äther  entfettet.
3.  Selbstverständlich  gehen  auch  auf  diese  Weise  noch  andere  Stoffe  als  Stärke  in
Lösung;  besonders  werden  durch  das  Kochen  der  diastasierten  Lösungen  noch  aus
anderen  Anhydriden  als  Stärke  (z.  B.  aus  Peutosaneu)  reduzierende  Zuckerarten  gebildet,
■km  nächsten  kommt  man  daher  dem  wahren  Stärkewert,  wenn  man  die  Hydrolyse  mit
Salzsäure  umgeht  und  den  Zucker  in  der  diastasierten  Lösung  durch  Gärung
bestimmt.
b)  Hochdruckverfahren  vonEeinke. 2 )  Dieses  Verfahren  gleicht  dem  früher
von  M.  Märcker  und  A.  Morgen  ausgearbeiteten  Verfahren,  wird  aber  von  Märcker
selbst  für  richtiger  gehalten.  „3  g  fein  gemahlener,  lufttrockner  Substanz  werden  in
einem  Metallbecher  mit  25  ccm  1%-iger  Milchsäure  sowie  30  ccm  Wasser  angerührt  und
zugedeckt  im  Soxhletschen  Dampftopfe  (Autoklaven  Fig.  38  S.  240)  2 1 / 2  Stunden  auf
'  )5  Atm.  erhitzt,  dann  mit  W T asser  in  einen  250  ccm-Kolben  gespült,  nach  dem
Erkalten  auf  250  ccm  aufgefüllt  und  nach  gehörigem  Umschtttteln  filtriert.  ^  200  ccm
es  Filtrates  werden  mit  15  ccm  Salzsäure  (spezifisches  Gewicht  1,125  =  25°/ 0  HCl)
versetzt  und  in  einem  Erlenmeyer-Kolben  mit  aufgesetztem  Glasrohr  im  Wassernde ­
  2 1 / 2  Stunden  erhitzt.  Hierdurch  wird  alle  Stärke  (aber  nach  Lintner  auch
ein  Teil  der  gummiartigen  Stoffe)  und  die  Saccharose  hydrolysiert  oder  in  Glukose  verhandelt. ­
  Die  Flüssigkeit  wird  nach  dem  Erkalten  annähernd  mit  Natronlauge
neutralisiert  und  auf  250  ccm  verdünnt.  In  25  ccm  dieser  Lösung  wird  eine
u  ose-Bestimmung  ausgeführt.“
Statt  dieses  Verfahrens  kann  man  sich  auch  des  folgenden  bedienen;  3  g  der
entb-^t  gepulverten  Substanz  werden,  wenn  sie  Zucker  oder  Dextrin
e j  '*■  1’  ers t  mehrmals  mit  kaltem  Wasser  ausgezogen,  der  Rückstand  alsdann  in
1  bedeckten  Fläschchen  oder  noch  besser  in  einem  bedeckten  Zinnbecher  von
ja  pOO  ccm  Inhalt  mit  100  ccm  Wasser  gemengt  und  in  einem  Soxhletschen
ri T  to Pf  3—4  Stunden  lang  bei  3  Atmosphärendruck  erhitzt.  In  Ermangelung
^  M.  Märoker,  Handbuch  d.  Spiritusfahrikation,  7.  Auflage,  Berlin  1898,  S.  111.
1  Vergl.  0.  Saare,  Die  Fabrikation  der  Kartoffelstärke,-  Berlin  1897,  S.  491.
        <pb n="263" />
        240

Futtermittel.

eines  Dampftopfes  kann  man  sich  auch  der  Eeischauer-Lintnerschen  Druckfläschchen ­
  bedienen,  welche  8  Stunden  bei  108—109°  im  Glyzerinbade  erhitzt  werden.
Der  Inhalt  des  Bechers  bezw.  Fläschchens  wird  sodann  noch  heiß  durch  einen
mit  Asbest  gefüllten  Trichter  filtriert  und  mit  siedendem  Wasser  ausgewaschen.
Da  aber  die  Lösungen  meistens  schlecht  filtrieren,  so  füllt  man  den  Inhalt
des  Bechers  zweckmäßig  auf  250  ccm  auf  und  filtriert  durch  ein  trocknes  Faltenfilter.
Der  Rückstand  darf  unter  dem  Mikroskop  keine  Jodreaktion  mehr  geben.
Von  dem  Filtrat  werden  200  ccm  in  einem  500  ccm-Kolben  mit  20  ccm  einer  Salzsäure ­
  von  1,125  spezifischem  Gewicht  3  Stunden  lang  am  Rückflußkühler  im  kochenden
Wasserbade  erhitzt.  Darauf  wird  rasch  abgekühlt  und  mit  Natronlauge  so  weit
neutralisiert,  daß  die  Flüssigkeit  noch  eben
schwach  sauer  reagiert,  dann  auf  500  ccnl
aufgefüllt  und  in  dieser  Lösung  die  gebildete
Glukose  nach  Meißl-Allihn  bestimmt.  Die
gefundene  Glukosemenge  mit  0,9  multipliziert
ergibt  die  vorhandene  Stärke  (vergl.  auch
Tabelle  VII  am  Schluß).
Will  man  die  Glukose  maßanalytisch
nach  Soxhlet  bestimmen,  so  ist  die  Lösung
auf  ein  geringeres  Volumen  zu  konzentrieren.
Anm.  Selbstverständlich  wird  durch  den
starken  Druck,  besonders  bei  Anwendung  von
Milchsäure,  ein  Teil  der  Hemizellulosen
(Pentosane)  außer  der  Stärke  hydrolysiert  werden,
so  daß  ein  höherer  Gehalt  an  Stärke  erhalten
wird,  als  wirklich  vorhanden  ist.  Über  die
Vermeidung  dieses  Fehlers  vergl.  Weiser  und
Zaitschek  S.  231,  Andererseits  aber  kann
bei  dem  hohen  Druck  und  der  Länge  der  Einwirkung ­
  eine  teilweise  Karamelisierung
oder  gar  eine  Reversion  (d.  h.  Bildung  nicht
reduzierender  Stoffe)  eintreten  und  daher  zu
wenig  für  Stärke  gefunden  werden.
c)  Direkte  Bestimmung  der
Stärke.  Zur  direkten  Bestimmung  der
Stärke,  also  des  wahren  Stärkewertes,  sind
mehrere  Verfahren  in  Vorschlag  gebracht.
«)  Verfahren  von  J.  Mayrhofer,
welches  allerdings  in  erster  Linie  für  die
Bestimmung  der  Stärke  in  der  Wurst  ausgearbeitet,  aber  auch  für  andere  Fälle
anwendbar  ist.  3—20  g  Substanz  (je  nachdem  die  Jodreaktion  größere  oder  kleinere
Stärkemengen  anzeigt)  werden  im  zerkleinerten  Zustande  in  einem  Becherglas  oder  einer
tiefen  Porzellansehale  (Porzellankasserole  mit  Stiel)  mit  50  ccm  8  °/ 0 -iger  alkoholischer
Kalilauge  übergossen,  das  Gefäß  mit  einem  Uhrglas  bedeckt  und  auf  ein  kochendes
Wasserbad  gesetzt.  Nach  kurzer  Zeit  ist  die  Masse  aufgelöst  (der  Auflösung
kann  durch  Zerdrücken  der  Schnitten  mit  einem  Glasstab  nachgeholfen  werden);
man  verdünnt  sodann  mit  heißem  50  °/ 0 -igem  Alkohol,  läßt  absitzen  und  filtriert
(Asbeströhrchen  sind  Papierfiltern  vorzuziehen),  wäscht  noch  zweimal  mit  heißer
alkoholischer  Kalilauge  und  schließlich  mit  Alkohol  nach,  bis  das  Filtrat  auf  Zusatz ­
  von  Säure  vollkommen  klar  bleibt  und  nicht  mehr  alkalisch  reagiert.  Nunmehr
        <pb n="264" />
        Bestimmung  der  Stärke.

241

gibt  man  das  Filter  in  das  ursprüngliche  Gefäß  zurück  und  erwärmt  mit  etwa  60  ccm
wässeriger  Normalkalilauge  auf  dem  Wasserbade  eine  halbe  Stunde  lang  unter
öfterem  Umschütteln.  Bei  sehr  mehlreichen  Stoffen  wendet  man  etwas  stärkere
Lauge  an,  um  eine  vollkommene  Lösung  zu  erzielen.  Nach  dem  Erkalten  säuert
man  mit  Essigsäure  an  und  bringt  zweckmäßig  das  Volumen  der  Flüssigkeit  auf
100  ccm,  wobei  man  den  durch  das  Filter  veranlaßten  Fehler  vernachlässigt;  man
filtriert  und  fällt  in  einem  aliquoten  Teil  der  Lösung  die  Stärke  mit  Alkohol  aus.
Der  Niederschlag  wird  auf  gewogenem  Filter  gesammelt,  mit  50°/ 0 -igem  Alkohol
so  lange  gewaschen,  bis  das  Filtrat  beim  Verdampfen  auf  einem  Uhrgläschen  einen
Rückstand  nicht  mehr  hinterläßt;  sodann  verdrängt  man  den  verdünnten  Alkohol
roit  absolutem,  diesen  endlich  mit  Äther  und  trocknet  bei  100°  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit. ­

Die  Ausfällung  der  Stärke  ist  vollkommen,  wenn  zur  wässerigen  Lösung
eine  gleiche  Menge  Alkohol  von  95  Gewichts-Prozenten  zugesetzt  wird,  so  daß
( 'ie  Mischung  etwa  50  °/ 0  Alkohol  enthält.  Wenn  die  Untersuchungsgegenstände,
'wie  z.  B.  Fleischwaren,  neben  Stärke  auch  Glykogen  enthalten,  so  wird  dieses  mit
der  Stärke  gefällt,  kann  aber  ebenso  wie  Zucker  davon  nach  weiteren  Angaben  von
J-  Mayrhofer 1 )  getrennt  werden;  wegen  der  Umständlichkeit  dieses  nur  selten  in
Betracht  kommenden  Verfahrens  sei  auf  die  Quelle  verwiesen.
ß)  Verfahren  von  G.  Baumert  und  H.  Bode, 2 )  abgeändert  von
D-  Witte. 8 )  G.  Baumert  und  H.  Bode  haben  ein  im  Wesen  dem  Mayrhofersc
 hen  ähnliches  Verfahren  für  die  Bestimmung  des  wahren  Stärke  wertes  der  Kartoffeln
^gearbeitet,  welches  H.  Witte  dann  auch  für  die  Bestimmung  der  Stärke  im
6 hl  und  Stärkemehl  ausgebildet  hat.  Die  Vorschrift  für  letzteres  lautet  also:
Y  Die  zu  untersuchende  Substanz  wird  zuvor  durch  ein  feines  Haarsieb  verrieben.
°n  Mehl  werden  zweimal  je  1  g  im  Porzellanbecher  mit  wenig  Wasser  fein  anuart;
  der  hierzu  benutzte  Glasstab  wird  nötigenfalls  zur  Entfernung  anhängender
i  6n  e inem  Flöckchen  Asbest  abgerieben  und  abgespritzt.  Die  Becher
en  mit  Wasser  auf  gefüllt  und,  mit  dem  Deckel  (Porzellandeckel  mit  übergreifendem
%an  )  verschlossen,  im  Dampftopf  2  Stunden  bei  4  Atmosphären  erhitzt.
Nach  dem  Abkühlen  unter  100 04 j  und  öffnen  wird  der  Inhalt  der  Becher
in  /  Nachspülen  und  Aus  wischen  mit  einer  Federfahne  mit  heißem  Wasser
hier ,me  ® eraumi ge  Kochflasche  umgefüllt,  in  der  sich  einige  Zinkspäne  befinden,  und
beiß 1 » 1  ^  Minuten  lang  gekocht.  Die  Lösung  wird  unter  sorgfältigem  Nachspülen  mit
Ein  ^ asser  in  einen  Kolben  von  500  ccm  gebracht,  nahezu  aufgefüllt  und  durch
Wo  6  l6n .  * n  kaltes  Wasser  unter  Umschwenken  abgekühlt;  sodann  wird  mit  kaltem
PUn  S6r  ZUr  M arke  aufgefüllt  un( ]  g u4  gemischt.  Die  Lösung  wird  an  der  Saug-Eiltr’
 1 »  ^ Urck  e i n  nicht  zu  dickes  Asbestplattenfilter  filtriert,  wobei  das  zuerst
Pud  n  °  zw f lmal  weggegossen  wird  (wegen  der  Verdünnung  durch  das  in  Filter
glas  ke R n( Riche  Wasser);  vom  Filtrat  werden  dann  je  50  ccm  in  ein  Becher-■^■Sbestes^
 0 ™’  ^  ccm  elIler  10  °/ 0 -igen  Natronlauge  und  je  etwa  1  g  feinflockigen
Lie  \p  ^  verse Wt.  Man  braucht  natürlich  nur  eine  genügende  Menge  zu  filtrieren.
dan a  0Q C O / Un ^  Wlr&amp;lt; l  ]I| it  je  1.00  ccm  96°/ 0 -igem  Alkohol  —  die  Flüssigkeit  enthält
kurze  Z  ■  °  ^kubol  —  gefällt  und  mit  einem  Glasstabe  gut  verrührt.  Man  läßt
.  61  a bsitzen  und  filtriert  das  Uberstehende  durch  ein  weites  Asbestfilterrohr

')  Zeitscbr.  f.  Untersuchung  der  Nahrungs-  46 i.
2 )  Zeitschr.  f,  angew.  Chemie  1900,  1074  und  HU,
8 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung
4 )  Nach  etwa  1 / 2  Stunde.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

4,  1101.

der  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  65.

16
        <pb n="265" />
        242

Puttermittel.

mittels  der  Säugpumpe  ab.  Den  Eückstand  bringt  man  mit  25  ccm  Weingeist
+  15  ccm  Wasser  (=  60  °/ 0 -igem  Alkohol)  in  das  Eöhrchen  und  wäscht,  unter  Auswischen ­
  des  Glases  mit  einer  Federfahne,  nacheinander  mit  25  ccm  Alkohol  +15  ccm
Wasser,  25  ccm  Alkohol  +  10  ccm  Wasser  +  5  ccm  Salzsäure  (10  °/ 0 -ige),  25  ccm
Alkohol  +  15  ccm  Wasser,  25  ccm  Alkohol,  zuletzt  mit  etwas  Äther  aus,  wobei  man
mit  dem  Glasstabe  den  Niederschlag  im  Eöhrchen  öfter  aufrührt  und  zum  Schluß
den  Glasstah,  nachdem  der  Niederschlag  leicht  zusammengedrückt  ist,  mit  der  Federfahne ­
  in  Alkohol  abwischt.
Nach  scharfem  Ahsaugen  werden  die  Eöhrchen  in  einem  Lufthade  bei  etwa
120°  unter  Hindurchsaugen  eines  langsamen,  in  Schwefelsäure  getrockneten  Luftstromes ­
  getrocknet,  was  in  etwa  20  Minuten  bereits  vollkommen  erreicht  ist.  Die
Eöhrchen  werden  dann  nach  dem  Erkalten  im  Exsikkator  sofort  gewogen,  die  Stärke
wird  im  Luft-  bezw.  Sauerstoffstrome  verbrannt  und  die  Eöhrchen  nach  dem  Erkalten ­
  im  Exsikkator  wieder  gewogen.  Die  Differenz,  welche  die  in  0,2  g  Mehl
enthaltene  reine  Stärke  angibt,  wird  durch  Multiplikation  mit  500  auf  Prozente
umgerechnet.
Von  Weizenstärke  (Handelsstärke)  werden  2  g  in  einem  Becher  behandelt,
die  Lösung  wird  auf  250  ccm  aufgefüllt  und  davon  werden  je  20  ccm  +  5  ccm
Natronlauge  mit  110  ccm  Alkohol  von  96  °/ 0  —  die  Mischung  enthält  dann  etwa
80  °/ 0 -igen  Alkohol  —  gefällt;  zum  Auswaschen  nimmt  man  25  ccm  Alkohol  +  5  com
Wasser  bezw.  5  ccm  Salzsäure  (entsprechend  80°/ o -igem  Alkohol).
Das  Ergebnis  wird  durch  Multiplikation  mit  625  auf  Prozente  umgerechnet.
Kartoffelstärke  wird  genau  wie  Weizenstärke  behandelt.  Für  sie  genügt  auch
schon  ein  Druck  von  3 1 / 2  Atmosphären.
Mit  Mais-  und  Eeisstärke  wird  ebenso  verfahren,  nur  müssen  diese  zwei
Stunden  bei  4 1 / 2  Atmosphären  erhitzt  werden.
Ohne  Zweifel  würde  ein  auf  vorstehendem  Grundsatz  beruhendes  Verfahren  zur  direkten
Bestimmung  der  Stärke  richtigere  Ergebnisse  liefern  können  als  die  beiden  ersten  Verfahren, ­
  indes  sind  sie  in  der  jetzigen  Ausbildung  entweder  zu  umständlich  (infolge  zu
schlechter  Filtration  bezw.  zu  langer  Zeitdauer)  oder  noch  nicht  für  alle  Fälle  anwendbar.
Dieses  gilt  auch  besonders  von  den  sonstigen  in  Vorschlag  gebrachten  Verfahren,  z.  B.  von
dem  polarimetrischen  Verfahren  von  A.  Baudry 1 )  für  Kartoffeln,  von  H.  Weller 2 )
für  Pleischwaren,  von  Dowzard 3 )  für  Mehl,  das  titrimetrischo  Verfahren  von
v.  Asböth. 4 )  Mehr  Aussicht  auf  Erfolg  scheint  das  kolorimetrische  Verfahren  von
Dennstedt  und  Voigtländer 5 )  wenigstens  für  Mehle  zu  haben,  wenngleich  auch  dieses,
wie  H.  Witte 6 )  nachweist,  noch  einer  weiteren  Nachprüfung  bedarf.  Ich  begnüge  mich
daher  hier  mit  einem  Hinweise  auf  diese  vorgeschlagenen  Verfahren.
5.  Bestimmung  der  verdaulichen  Kohlenhydrate.  A.  Stutzer  und  A.  Isbert 7 )
haben  s.  Zt.  ein  Verfahren  angegeben,  um,  wie  bei  den  Stickstoff-Verbindungen  durch
Behandlung  mit  Pepsinlösung  usw.,  so  bei  den  Kohlenhydraten  durch  abwechselnde
Behandlung  mit  Ptyalin-  und  Diastaselösung  die  Verdaulichkeit  auf  künstlichem
Wege  zu  ermitteln.  Th,  Pfeiffer 8 )  hat  aber  nachgewiesen,  daß  das  Verfahren  hei
1 )  Zeitschr.  f.  Spiritusindustrie  1892,  15,  41.
2 )  Forschungsherichte  über  Lebensmittel  1896,  3,  430.
3 )  Chem.  News  1898,  77,  107.
4 )  Repertorium  f.  anal.  Chemie  1887,  7,  299.
6 )  Forschungsberichte  über  Lebensmittel  1895.  2,  173.
6 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahruugs-  und  Genußmittel  1903,  (i,  625.
7 )  Zeitsohr.  f,  physiol.  Chemie  1888,  12,  72.
8 )  Centralbl.  f.  Agrikultur-Chemie  1888,  17,  115.
        <pb n="266" />
        243

Bestimmung  der  Pentosane.

16*

rohfaserreichen  Futtermitteln  zu  irrigen  Ergebnissen  führt.  Da  dasselbe  fernerhin
keine  weitere  Prüfung  erfahren  hat,  so  sei  hier  nur  darauf  verwiesen.
6.  Bestimmung  der  Pentosane.  Unter  Pentosanen  sind  die  Anhydride  der
Penta-Glukosen  bezw.  Pentosen  zu  verstehen;  bei  der  Futtermittel-Untersuchung
werden  aber  unter  dieser  Bezeichnung  alle  jene  Stoffe  zusammengefaßt,  welche  bei
4er  Destillation  mit  Salzsäure  von  1,06  spezifischem  Gewicht  Furfurol  liefern.  Da
sich  die  Pentosen  auch  physiologisch  von  den  Hexosen  verschieden  verhalten,  so
wird  ihre  Bestimmung  in  den  Futtermitteln  sich  bald  allgemeinen  Eingang
verschaffen.  Das  Verfahren  hierfür  ausgearbeitet  zu  haben,  ist  das  Verdienst  von
P-  Tollens. 1 )
Das  Verfahren  setzt  sich  aus  zwei  voneinander  unabhängigen  Behandlungen,
nämlich  einerseits  der  Überführung  der  Pentosane  (bezw.  Pentosen)  durch  Destillation
mit  Salzsäure  in  Furfurol,  andererseits  der  Fällung  des  Furfurols  im  Filtrat  zui'ig.

  39.  Destillations-Vorrichtung  für  die  Bestimmung  der  Pentosen.

■mmen  Anfänglich  verwendete  Tollens  zum
VHrazin
I  hlo

Fällen  des  Furfurols  Phenylin
  letzter  Zeit  nach  dem  Vorschläge  von  Councler*)  ausschließlich
_  -  ein,  welches  sich  nach  der  Gleichung  C 8  H 8  0 8  +  C 5 H4  2  »  V. 3  nw;L
nmsetzt, 3 )  so  daß  sich  verhält  Phloroglucin  :  Phloroglucid  =  126  :186.  Die  Destillation
ls t  bei  beiden  Verfahren  gleich  geblieben.  .
.  ^Es  möge  daher  nur  die  von  Tollens  und  Krüger  ausgebüdete  Bestimmung
nut  Phloroglucin  hier  beschrieben  werden.
J )  Landw.  Versuchs-Stationen  1893,  42,  381  bezw.  398;  Zeitschr.  d  Vereins  f.
"mbenzuckerindustrie  d  D  R  44,  460  und  40,  480  und  Journal  f.  Landwirtschaft  1900,
*8»  357.
*)  Chem.-Zeitung  1894,  18,  966.  „  „  ,  1QfW
,  3 )  Nach  Jäger  und  Unger  (Berichte  d.  deutschen  chemischen  Gesellschatt  191»,
•So,  44d 0 )  soll  die  TT
OH

■44401  ii  Jager  und
l^oa  die  Umsetzung  wie  folgt  verlaufen:  C 6 H 6 0 3  +  C 5 H 4 O a  =  C u H 8 0 4  +  H 2 0  oder

c 8 h 3

0.  c 6 h 3 o
-OH
OH

•H,0.
        <pb n="267" />
        244

Futtermittel.

d)  Destillation.  5  g  der  zu  untersuchenden  Substanz  —  bei  pentosenreichen
  Stoffen  2  bis  3  g  —  werden  mit  100  ccm  Salzsäure  von  1,06  spezifischem
Gewicht  in  einem  etwa  300  ccm  fassenden  Kolben  aus  einem  Bade  von  Eoseschem
  Metallgemisch  (1  Teil  Blei,  1  Teil  Zinn,  2  Teile  Wismut)  destilliert.  Wir
bedienen  uns  für  die  gleichzeitige  Ausführung  von  4  Bestimmungen  der  vorstehenden
Destillationsvorrichtung  (Fig.  39  S.  243).  Nachdem  jedesmal  80  ccm  abdestilliert
sind,  werden  mittels  einer  Hahnpipette  wieder  30  ccm  derselben  Salzsäure  nachgefüllt,
  bis  das  Destillat  nahezu  400  ccm  erreicht  hat  und  kein  Furfurol  mehr
überdestilliert,  was  mit  einer  Lösung  von  essigsaurem  Anilin  festgestellt  wird,  indem ­
  ein  Tropfen  hiervon  auf  Filtrierpapier  mit  dem  Destillat  zusammengebracht
keine  Rotfärbung  mehr  zeigen  darf.
ß)  Fällung  mit  Phloroglucin.  Das  vorstehend  erhaltene  Destillat  wird
mit  der  doppelten  Menge  des  zu  erwartenden  Furfurols  an  Phloroglucin  puriss.
E.  Merck  versetzt,  welches  man  vorher  in  Salzsäure  von  1,06  spezifischem  Gewicht ­
  gelöst  hat,  und  weiter  so  viel  dieser  Salzsäure  zugesetzt,  daß  das  Volumen
400  ccm  beträgt;  man  rührt  gut  um,  läßt  bis  zum  folgenden  Tage  (15—18  Stunden)
stehen,  filtriert  durch  ein  vorher  bei  97  bis  100°  getrocknetes  und  in  geschlossenem
Kölbchen  gewogenes  Filter,  wäscht  mit  150  ccm  Wasser  nach,  breitet  das  herausgenommene ­
  Filter  erst  auf  Fließpapier  aus,  um  den  größten  Teil  des  Wassers  zu
entfernen,  trocknet  dann  im  Wassertrockenschrank  (also  bei  etwa  98—100°)
3 1 / 2 —4  Stunden  und  wägt.
Das  Phlorogluoid  muß  nach  Tollens  und  Kröber  in  geschlossenem
Kölbchen  —  und  nicht  im  Goochschen  Tiegel  —  gewogen  werden,  weil  es  sehr
hygroskopisch  ist.  Bei  zu  langem  Trocknen  —  20  bis  24  Stunden  —  findet
infolge  Oxydation  leicht  eine  Gewichtszunahme  statt.
Um  zu  sehen,  ob  man  bei  der  Fällung  genügend  Phloroglucin  zugesetzt  hat,
prüft  man  die  Lösung  nach  dreistündigem  Stehen  mit  Anilinazetatpapier  auf  Furfurol,
rührt,  wenn  das  Papier  gerötet  wird,  noch  eine  kleine  Menge  Phloroglucinlösung  hinzu
und  prüft  nach  weiteren  3  Stunden  abermals,  bis  keine  Furfurolreaktion  mehr  auftritt.
Das  Phloroglucin  puriss.  E.  Merck  enthält  häufig  noch  geringe  Mengen
Diresorcin  —  erkennbar  durch  die  Yiolettfärbung,  welche  entsteht,  wenn  man  eine
kleine  Menge  des  Präparates  in  2—3  Tropfen  Essigsäureanhydrid  löst  und  mit
1—2  Tropfen  konzentrierter  reiner  Schwefelsäure  versetzt  —.  Man  kann  das  Phloroglucin ­
  durch  häufiges  Umkristallisieren  von  Diresorcin  reinigen  (reinstes  Phloroglucin
schmilzt  bei  205—210°,  unreines  bei  175°  und  niedriger),  indes  ist  ein  geringer
Gehalt  des  Phloroglucins  an  Diresorcin  nach  Tollens  ohne  Einfluß  auf  das  Ergebnis.
Aus  der  Menge  des  gewogenen  Niederschlages  von  Furfurol-Phloroglucin,  dem
Phloroglucid,  berechnet  man  nach  Tollens  die  Menge  von  Furfurol:
Bei  kleinen  Mengen  Niederschlag  durch  Division  mit  1,82,  bei  größeren
Mengen  Niederschlag  durch  Division  mit  1,93,  im  Mittel  mit  1,84.
Genauere  Divisoren  je  nach  der  Menge  des  Niederschlages  gibt  folgende  Tabelle:

Erhaltene

Divisor  für  die

Erhaltene

Divisor  für  die

Phlorglucid-Berechnung



Phlorogluoid-Berechnung



menge

auf  Furfurol

menge

auf  Furfurol

0,20  g

1,820

0,34  g

1,911

0,22  „

1,839

0,36  ,.

1,916

0,24  „

1,856

0,38  „

1,919

0,26  „

1,871

0,40  „

1,920

0,28  „

1,884

0,45  „

1,927

0,30  „

1,895

0,50  „

1,930

0,32  „

L904

0,60  „

1,930
        <pb n="268" />
        Bestimmung  der  Eohfaser.

245

Aus  dem  Furfurol  berechnet  man  dann  die  betreffenden  Pentosane  oder
Pentosen  wie  folgt.
Pentosane;
(Furfurol  —  0,0104)  x  1,68  =  Xylan,
(Furfurol  —  0,0104)  X  2,07  =  Araban,
(Furfurol  —  0,0104)  x  1,88  =  Pentosane  (im  allgemeinen),
Pentosen:
(Furfurol  —  0,0104)  x  1,91  =  Xylose,
(Furfurol  —  0,0104)  x  2,35  =  Arabinose,
(Furfurol  —  0,0104)  x  2,13  =  Pentosen  (im  allgemeinen).
Die  Tabelle  X  am  Schluß  erspart  diese  Umrechnung.
Hotter 1 )  hat  Pyrogallol  zur  Fällung  des  Furfurols  vorgesohlagen,  R.  Jäger  und
H.  Unger 2  *  * )  empfehlen,  weil  dem  Phloroglucid-Verfahren  verschiedene  Mängel  anhaften,  zur
Pallung  des  Furfurols  Barbitursäure  CO  &amp;lt;[  qq  &amp;gt;  CH 2 ,  welche  mit  Furfurol  das
Hondensationserzeugnis  CO  &amp;lt;(  )&amp;gt;  C  ;  CH  .  C 4 H 3 0  bildet;  diese  Verbindung  ist  ein
hellgelbes,  amorphes,  gegen  alle  Lösungsmittel  sehr  widerstandsfähiges  Pulver,  welches  aucli
in  12  °/ 0 -iger  Salzsäure  nur  sehr  wenig  löslich  ist.  Beleg-Analysen  liegen  aber  bis  jetzt
u  er  dieses  Pällungsmittel  nicht  vor.
_  Um  die  bei  der  Destillation  von  organischen  Stoffen  mit  Salzsäure  von
. s P e z-  Gewicht  erhaltenen  Flüssigkeiten  auf  die  Gegenwart  von  Methylrturol
  —  entstanden  aus  Methylpentosanen  bezw.  Methylpentosen  —  zu  prüfen,
versetzt  man  nach  Tollens  und  Oshima 8 )  in  einem  Probierrohre  etwa  5  ccm
selben  mit  dem  gleichen  Volumen  konzentrierter  Salzsäure,  bringt  eine  kleine
läß  S 6  einer  Lösung  von  Phloroglucin  in  Salzsäure  von  1,06  spez.  Gewicht  hinzu,
Bei  C ^ Wa  ^  -^Unuten  stehen,  filtriert  und  prüft  die  Flüssigkeit  vor  dem  Spektroskop,
ei  Gegenwart  von  Methylfurfurol  zeigen  sich  die  von  Windsoe  beschriebenen
n kelen  Bande  im  blauen  Teile  des  Spektrums.

VI.  Bestimmung  der  Rohfaser.
Be)  ” IInter Uoh-  oder  Holzfaser  versteht  man  den  durch  eine  bestimmte
*^ng  der  Futter-  und  Nahrungsmittel  mit  verdünnten  Säuren
Alkalien  von  bestimmtem  Gehalt  verbleibenden  Rückstand.“
Verf  Verfahren  von  Henneberg  und  Stohmann,  das  sogenannte  Weender
einer  ren:  ®  ®  ^ er  lufttrocknen,  feingepulverten  Substanz  werden  mit  200  ccm
cj„.  r  }^°lo'igen  Schwefelsäure  (von  einem  Gemisch  von  50  g  konzentrierter
Schwefelsäure  =  H 9 SO.

cci n,  dazu  150

nicht  Anhydrid  -—  mit  Wasser  bis  zu  1  1  nimmt  man

tiert  7  ““““  ccm  Wasser)  1 / 2  Stunde  gekocht,  dann  läßt  man  absitzen,  dekan-TU1C
 ^  Igelit  den  Rückstand  in  derselben  Weise  zweimal  mit  demselben  Volumen
nasser  auf.
nieder«^ 6  al3 ^ e * 10 l )enen  Flüssigkeiten  läßt  man  in  Zylindern  absitzen  und  gibt  die
Zu  U]  J esc hfagenen  Teilchen  nach  dem  Abhebern  der  Flüssigkeit  in  das  Gefäß  mit  der
ffiit  90 o rSUChenden  ® u hstanz  zur dck.  Darauf  kocht  man  den  Rückstand  1 / 2  Stunde
(ROH  CCra  einer  l,25°/ 0 -igen  Kalilauge  [von  einer  Lösung  von  50  g  Kalihydrat
uicht  Ko0  —)  i n  Wasser  bis  zu  1  1  nimmt'man  50  ccm,  dazu  150  ccm
2  ^em.-Zeitung  1893,  17,  1743.
äv  er [ c ut e  d.  deutschen  chem.  Gesellschaft  1902,  35,  4440.
enchte  d.  deutschen  chem.  Gesellschaft  1901,  34,  1425.
        <pb n="269" />
        246

Futtermittel.

Wasser],  filtriert  durch  ein  gewogenes  Filter  und  kocht  den  Eückstand  noch  zweimal
mit  demselben  Volumen  Wasser  1 / 2  Stunde,  bringt  alles  auf  ein  getrocknetes,  gewogenes
Filter,  wäscht  mit  heißem  und  kaltem  Wasser,  zuletzt  mit  Alkohol  und  Äther  aus,
trocknet,  wägt  und  verascht.  Filterinhalt  minus  Äsche  ergibt  die  Menge  Eoh-  oder
Holzfaser.
Diese  Ausführungsweise  nimmt  jedoch  wenigstens  2  Tage  in  Anspruch;
Fr.  Holdefleiß 1 )  und  H.  Wattenberg 2 )  haben  daher  andere  Ausführungsweisen
in  Vorschlag  gebracht,  welche  schneller  zum  Ziele  führen  und  von  denen  hier  das
Verfahren  von  Fr.  Holdefleiß,  weil  wohl  am  meisten  in  Gebrauch,  näher  beschrieben
  werden  mag.
In  den  engen,  konisch

auslaufenden  Hals  eines  hirnförmigen ­
  Gefäßes  A  (Fig.  40)
von  etwa  250—280  ccm  Inhalt ­
  bringt  man  ein  Büschel
von  ausgeglühtem,  langfaserigem ­
  Asbest,  den  man
fest  in  die  Spitze  ansaugt.  In
dieses  Gefäß  werden  3  g  der
lufttrocknen  Substanz  eingefüllt ­
  und  200  ccm  einer
kochenden  Flüssigkeit  darauf
gegossen,  die  50  ccm  einer
5  °/ 0 -igen  Schwefelsäure  (vergleiche ­
  vorstehend)  enthält;
das  Gefäß  wird  mit  einem
Tuche  dicht  umwickelt,  um
W  ärmeausstrahlung  tunlichst
zu  verhindern,  und  hierauf
durch  das  Glasrohr  c  bis  auf
den  Boden  Dampf  eingeleitet,
der  in  C  entwickelt  wird.
Durch  Eegelung  der  Flamme
unter  C  hat  man  es  in  der  Hand,

Hg.  40.  Apparat  zur  Rolifaser-Bestlmmung  nach  Holdefleiß.  e j n  jpinauggehleudern  sowie
Zurücksteigen  der  kochenden
Flüssigkeit  in  A  zu  verhindern.  Letztere  Gefahr  wird  auch  durch  Anbringung  eines
U-förmig  gebogenen  Kugelrohres  hei  C  beseitigt.  Nach  genau  1 / 2  Stunde  wird  das  Kochen
durch  Abstreifen  des  Schlauches  d  vom  Glasrohr  c  unterbrochen  und  die  kochendheiße ­
  Flüssigkeit  durch  Verbindung  von  b  mit  einer  kräftigen  Luftpumpe  in  das
darunter  befindliche  Gefäß  B  abgesaugt.  Diese  Behandlung  wird  zweimal  mit  heißem
Wasser  wiederholt,  darauf  wird  mit  200  ccm  einer  l,25°/ 0 -igen  Kalilauge  (vergl.
vorstehend)  gekocht  und  dann  wiederum  zweimal  mit  derselben  Menge  Wasser  gekocht ­
  und  mit  heißem  Wasser  nachgewaschen.
Schließlich  wird  der  Birnenrückstand  zwei-  bis  dreimal  mit  Alkohol  und
Äther  nachgewaschen  und  samt  Gefäß  A  getrocknet.  Die  trockne  Masse  bringt
man  in  eine  Platinschale,  trocknet  nochmals  bei  100—105°,  läßt  erkalten  und  wägt.
J )  Landw.  Jahrbücher  1877,  Suppl.-Bd.  S.  103.
2 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1880,  21,  273.
        <pb n="270" />
        Bestimmung  der  Eohfaser,

247

Hierauf  wird  geglüht,  erkalten  gelassen  und  wieder  gewogen.  Erste  minus  zweite
Wägung  gibt  das  Gewicht  der  Eohfaser.  Die  ganze  Behandlung  kann  an  einem
Tage  zu  Ende  geführt  werden.
Für  die  Beschleunigung  des  Verfahrens  sind  noch  verschiedene  andere  Vorschläge  gemacht ­
  ;  W.  A.Withers  empfiehlt,  erst  mit  Kalilauge  und  dann  mit  Schwefelsäure  zu  kochen,
was  bei  proteinreichen  Flüssigkeiten  einige  Vorteile  bietet.  H.  Holldack 1 )  empfiehlt,
die  gekochte  Flüssigkeit  nicht  erst  absitzen  zu  lassen,  sondern  im  Gegenteil  gehörig  umzurühren ­
  und  dann  nach  dem  Vorschläge  Wattenbergs  mittels  eines  mit  Leinwand
überspannten,  umgekehrten  Trichters  abzusaugen,  während  Thatcher 2 )  zur  Filtration
einen  mit  Platinkonus  und  Asbestwolle  versehenen  Trichter  anwendet,  der  groß  genug
ist,  die  ganze  Menge  der  zu  filtrierenden  Flüssigkeit  auf  einmal  zu  fassen;  für  feinflockige
Stoffe  soll  ein  Heißwassertrichter  angewendet  werden.
Ebenso  zweckmäßig  ist  es,  die  gekochte  Flüssigkeit  in  einem  Becherglase  oder  in
einer  Porzellanschale  unter  Ersatz  des  verdunstenden  Wassers  jedesmal  durch  ein  Asbestfilter
nach  S,  219,  Fig.  33  zu  filtrieren  oder  statt  des  Trichters  mit  Porzellanteller  einen
großen  Goochschen  Tiegel  (vergl.  Fig.  43,  S.  250)  anzuwenden,  nur  muß  letzterer  weiter  durchlocht ­
  sein  als  für  die  Phosphorsäure-Bestimmungen.  Der  erste  Rückstand  nach  der  Kochung
mit  Schwefelsäure  wird  mit  Asbestfilter  abgetrennt,  samt  letzterem  mit  Kalilauge  gekocht
und  für  die  letzte  Filtration  ein  2.  Asbestfilter  gebildet.
Auf  vorstehende  Weise  erhält  man  die  aschefreie  Eohfaser;  in  vielen
-Fällen  ist  es  aber  auch  wichtig,  die  proteinfreie  Eohfaser  zu  kennen.  Man  stellt
*)iiiu  in  derselben  W T eise  eine  2.  Menge  Eohfaser  dar,  ermittelt  darin  nach
•leldahl  den  Stickstoff-Gehalt,  multipliziert  letzteren  mit  6,25  und  bringt  diese
Men ge  in  Abzug.
Fettreiche  Substanzen,  wie  Ölsameu,  müssen  vorher  größtenteils  entfettet  werden,
&amp;lt; 8  man  dadurch  erreicht,  daß  man  sie  in  der  Birne  vor  dem  Behandeln  mit  Schwefelsäure
zw  i  ' le *® en  absoluten  Alkohol  und  Äther  auszieht;  stärkereiche  Stoffe  behandelt  man
w  uokmäßig  vor  Anwendung  der  Säure  und  Alkalien  mit  Malzaufguß  (100  g  Malz
mit'4 n  Ia ^  b  1  Wasser  ausgezogen,  vom  Filtrat  werden  300  ccm  mit  3  g  Substanz,  die
der  a  ~  CCm  Wasser  vorher  zu  Kleister  verkocht  war,  bei  60—70°  bis  zum  Verschwinden
‘  tarke  behandelt;  mit  dem  Rückstand  verfährt  man  dann  weiter  wie  oben  angegeben  ist).
r oin  ^r 6  aU ^  vors tehende  Weise  erhaltene  Rohfaser  ist  ein  Gemenge  von
e , r  Zellulose  (Hexosanen)  mit  mehr  oder  weniger  anderweitigen  Stoffen,
ich  Lignin,  Pentosanen  und  Proteinstoffen  (Nuklein).  Die  Rohfaser  der
sie  , lne ® n  (.Wiesenheu,  Stroh  und  Spreu  der  Cerealien)  ist  verhältnismäßig  am  reinsten,
3  aber  immer  noch  in  100  Teilen  2—3  Teile,  die  Eohfaser  des  Kleeheus  aber
Eutt  ■  6  Froteinsubstanz;  in  der  Eohfaser,  welche  man  aus  dem  unter  dem  Einfluß  jener
bere 6 )! 1111 ^ 6 ^  erzeu sten  Darmkot  dargestellt  hat,  findet  man.  nach  dem  Stickstoffgehalt
Abz C ( lne ^’  D0C ^  ln ®b r  Proteinsubstanz,  bezw.  4—6°/ 0  und  selbst  9—10°/ 0 .  Aber  auch  nach
Eleni^  ^ 6r  Froteinsubstanz  und  der  entsprechenden  Menge  von  Kohlenstoff  usw,  ist  die
der  ■  .  rzusam mensetzung  des  Restes  immer  noch  wesentlich  verschieden  von  derjenigen
K.leeh° lnen  ^ e F u l° se !  die  proteinfreie  Eohfaser  der  Gramineen  enthält  stets  1—2%,  die  des
Kohl p eU +  ur *d  die  des  entsprechenden  Darmkots  sogar  3—4 u / 0  bezw.  5—7  °/ 0  mehr
ns  off,  als  der  Zellulose  entspricht.
reinere  SM  ^ 6ni  ® run&amp;lt; ^ e  si^d  eine  Reihe  anderer  Verfahren  in  Vorschlag  gebracht,  welche
'von  p  ®Fulose  auf  z.  T.  weniger  umständliche  Weise  liefern  sollen,  nämlich  das  Verfahren
Sübatan  *  °J IU * Z ® 3 )  durch  Behandlung  der  mit  Wasser,  Alkohol  und  Äther  behandelten
z  mit  chlorsaurem  Kalium  und  Salpetersäure,  von  W.  Hoffmeister 4 )  durch  Seal ­
  £ h . em --Ztg,  1903,  27,  34.
8 1  j, e * tso ^ r -  F  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  886.
Ceutralbi  1 r «-^ C ^ U ^ ze ’  ® e4 U‘äge  zur  Kenntnis  des  Lignins,  Rostock  1856,  und  Chem.
H  r  a’  vergl.  auch  dieses  Handbuch,  2.  Aufl.,  1899,  S.  228  u.  ff.
’  andw -  Jahrbücher  1888,  17,  241  u.  1889,  18,  767.
        <pb n="271" />
        248

Futtermittel.

handlung  mit  chlorsaurem  Kalium  und  Salzsäure,  yon  G.  Lange 1 )  durch  Zusammenschmelzen
  mit  Ätzalkali,  von  M.  Honig 2 )  durch  Erhitzen  mit  Glyzerin  bis  210°,  yon
Gabriel 3 )  durch  Erhitzen  mit  Glyzerin-Kalilauge.  Auch  sind  zur  Darstellung  reiner
Zellulose  vorgeschlagen:  Chlor  und  Chlorwasser  hezw.  Chlorkalklösung  von  Premy  und
Terreil, 4  * )  Croß  und  Bevan, 6 )  Verfasser 3 )  u.  a.;  ferner  Bromwasser  von  H.  Müller. 7 )
Aber  alle  diese  Verfahren  haben  nach  den  Untersuchungen  von  B.  Tollens
und  H.  Sur  in  gar 8 )  den  Ubelstand,  daß  sie  entweder,  wie  das  allgemein  eingeftihrte
  Verfahren  von  Henneberg  und  Stohmann,  keine  reine  Zellulose
liefern  oder  letztere  mehr  oder  weniger  stark  angreifen.  Nur  das  Verfahren  von

Fig.  41.
Vorrichtung  zur  Bestimmung  der  Rohfaser  durch  Kochen  mit  Glyzerin-Schwefelsäure  am  Rückflußkühler.

Fr.  Schulze,  welches  aber  wegen  seiner  Langwierigkeit  kaum  allgemeinen  Eingang ­
  finden  kann,  liefert  eine  sonst  reine  Zellulose  und  ohne  wesentliche  Verluste.
')  Zeitschr.  f.  physiol.  Chemie  1890,  14,  283.
2 )  Chem.-Ztg.  1890,  14,  868  u.  902.
3 )  Zeitschr.  f.  physiolog.  Chemie  1892,  IC,  270.
4 )  Bull.  Soc.  chim.  (II),  !),  439.
6 )  Croß  und  Bevan,  Zellulose;  Ann.  of  the  Chemistry  of  the  struktural  elements
of  plants  S.  45.
6 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1873,  16,  415.
7 )  A.  W.  Hofmann,  Bericht  über  d.  ehern.  Industrie  auf  d.  Wiener  Weltausstellung
,  Abt.  I,  1  u.  27.
8 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1896,  712  u.  742.

8.
        <pb n="272" />
        Bestimmung  der  Rohfaser.

249

Dazu  aber  kommt,  daß  die  nach  allen  diesen  Verfahren  erhaltenen  Rohfasern
hezw.  Zellulosen,  wie  Tollens  und  Düring 1 )  sowie  auch  Verfasser  gefunden  haben,
noch  mehr  oder  weniger  Pentosane  einschließen,  so  daß  diese,  wenn  sie,  wie  zu
wünschen  ist,  für  sich  bestimmt  werden,  z.  T.  doppelt  zum  Ausdruck  gelangen,  nämhc
einmal  für  sich  allein  in  der  Gesamtmenge  und  dann  zum  Teil  noch  in  dem  als
Rohfaser  bestimmten  Anteil.
2.  Verfahren  zur  Bestimmung  einer  tunlichst  pentosanfreien  Rohfaser, ­
  der  Zellulose  und  des  Lignins.  Aus  vorstehendem  Grunde  ist  der
Verfasser  bemüht  gewesen,  ein  Verfahren  ausfindig  zu  machen,  welc  es
einerseits  eine  tunlichst  pentosanfreie  Rohfaser  liefert,  andererseits
aber  auch  ermöglicht,  den  Anteil  an  Zellulose  und  Lignin  in  ihr  zu  bestimmen. ­
 2 )  Dieses  Ziel  glaubt  Verfasser  nach
bisherigen  Erfahrungen  durch  folgende  V  erfahren
gefunden  zu  haben;
a)  Verfahren  zur  Bestimmung  einer
tunlichst  pentosanfreien  Rohfaser.  3  g
lufttrockne  hezw.  5—14  °/ 0  Wasser  enthaltende
Substanz  werden  in  einem  Kolben  oder  in  einer
Porzellanschale  mit  200  ccm  Glyzerin  von
1)28  spez.  Gewicht,  welches  2  °/ 0  konzentrierte
Schwefelsäure  enthält,  versetzt,  durch  häufiges
Schütteln  hezw.  Rühren  mit  einem  Glasstabe
gut  verteilt  und  entweder  am  Rückflußkühler
b fi  133—135°  eine  Stunde  gekocht  oder  in
e inem  Autoklaven  hei  137  0  (=  3  Atmosphären)
uiue  Stunde  lang  gedämpft.  Darauf  läßt  man
erkalten,  verdünnt  den  Inhalt  des  Kolbens  oder
er  Schale  auf  ungefähr  400—500  ccm,  kocht
nochmals  auf  und  filtriert  heiß  durch  ein
Asbestfilter  entweder  im  Goochschen  Tiegel
0( ler  auf  einer  durchlöcherten  Porzellanplatte
vermittels  der  Säugpumpe.  Den  Rückstand
auf  dem  Filter  wäscht  man  mit  ungefähr  400  ccm  siedendheißem  Wasser,  darauf
w ie  bei  dem  ersten  Verfahren  zunächst  mit  erwärmtem  Spiritus  und  »ittzt
mit  einem  erwärmten  Gemisch  von  Alkohol  und  Äther  aus,  bis  das  liltra
vollkommen  farblos  ahläuft.  Darauf  wird  der  Goochsche  Tiegel  mit  dem  Rückstände ­
  direkt  bei  105  110°,  oder  wenn  ein  solcher  nicht  benutzt  ist,  das  Asbestfilter
mit  dem  Rückstände,  nachdem  es  quantitativ  in  eine  Platinschale  gebracht  ist,  hei
105  Ho«  bis  Zllr  Q-ewichtsheständigkeit  getrocknet  und  gewogen,  weiter  Uber
roier  Flamme  vollständig  verascht  und  zurückgewogen.  Der  Unterschied  zwischen
leiden  Wägungen  gibt  die  Menge  aschenfreier  „Rohfaser“  an.
Hierzu  sei  noch  bemerkt:
.  1-  Zum  Kochen  kann  man  sich  einer  Vorrichtung,  wie  sie  in  Pig.  41S.  248  veranschaulicht
tn  b ® dien( m;  durch  die  eine  Durchbohrung  des  Korkes  im  Glaskolben  führt  ein  Glasrohr
m  Ruckflußkühler,  durch  die  andere  ein  Thermometer,  um  die  Temperatur  zu  kontrollieren.
2.  U m  i m  Autoklaven  gleichzeitig  4  Bestimmungen  ansetzen  zu  können,  bedienen
uns  des  Einsatzes  in  Fig.  42.  Die  Behandlung  der  Substanz  im  Dampltopt
2  dourn -  R  Landwirtschaft  1897,  45,  79.  „  1RQ
)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  1  u.  .  ,  &amp;gt;

Fig.  42.
Einsatz  für  die  Erhitzung  der  Substanz
mit  Glyzerin-Schwefelsäure  im  Dampftopf
zur  Bestimmung  der  Rohfaser.
        <pb n="273" />
        250

Futtermittel.

ist  stets  vorzuziehen,  weil  sie  nicht  nur  bequemer  ist,  sondern  auch  gleichmäßigere ­
  Ergebnisse  liefert.
3.  Für  die  Filtration  empfehlen  sich  auch  hier  Goochsche  Tiegel  mit  weiter  Durchlochung ­
  und  dünner  Asbestlage.  Statt  der  teueren  Platintiegel  kann  man  recht  wohl  solche
aus  Reinniokel  anwenden;  diese  werden  durch  die  verdünnte  saure  Lösung  nicht  angegriffen ­
  und  erleiden  auch  durch  das  Glühen  nur  unwesentliche  Veränderungen,  d.  h.
Gewichtsabnahmen,  die  nur  bei  dem  erstmaligen  Glühen  5,5—25,5  mg  für  den  Tiegel  betragen, ­
  dann  geringer  werden  und  hei  dem  Glühen  zum  dritten  Male  schon  durchweg  fast
gleich  Null  sind.  Notwendig  nur  ist,  daß  man  zum  Glühen  starke  Oxydationsflammen ­
  anwendet,  wie  sie  z.  B.  mit  den  Teclu-Brennern  erzielt  werden.
In  einer  großen  Reduktionsflamme  überziehen  sich  die  Nickeltiegel  leicht  mit  einem
schwarzen  Belag  von  Kohlenstoff  bezw.  Kohlenstoffnickel, ­
  der  sich  durch  anhaltendes  Glühen  nur
schwer  beseitigen  läßt.
Auch  sind  bei  anderthalbstündigem  starken
Glühen  der  Eeinnickel-Tiegel  in  einer  Gehläseflamme
  die  Gewichtsverluste  beträchtlicher;  aber
ein  so  anhaltendes  Glühen  ist  zum  Verbrennen  der
erhaltenen  Rohfaser  nicht  notwendig;  hier  genügt
ein  viertel-  bis  halbstündiges  Glühen  auf  viel  Luft
zuführendem  Brenner  vollständig.
Jedenfalls  ist  die  Gewiohtsab-  oder  -Zunahme
der  Tiegel  so  unbedeutend,  daß  die  dadurch  etwa
entstehenden  Fehler  bei  der  quantitativen  Bestimmung ­
  der  Rohfaser  nicht  ins  Gewicht  fallen
und  bedeutend  geringer  sind,  als  sie  bei  der
üblichen  Bestimmung  der  Eohfaser  (Umfüllen  des
Rohfaserrückstandes  mit  Asbest-  oder  Papierfilter)
leicht  entstehen  können.
Die  Tiegel 1 )  haben  die  übliche  konische
Form;  die  Höhe  beträgt  6  cm,  der  obere  Durchmesser ­
  6  cm,  der  untere  4  cm;  sie  sind  mit
möglichst  weiten  Löchern  versehen  und  werden
mittels  eines  weichen  Kautschukschlauches  von  8  cm
Länge  und  3—4  cm  Durchmesser  auf  die  dickwandige ­
  Aspirationsflasche  mit  schwachem  Umlegerand ­
  aufgesetzt.  (Vergl.  Pig.  43.)
Die  Filtration  durch  diese  Tiegel  verläuft  durchweg  schnell,  wenn  man  die  verdünnte
Glyzerinflüssigkeit  stets  kochend  heiß  hält.  Nur  in  seltenen  Fällen,  z.  B.  bei  Baumwollesaatmehl, ­
  Kot  und  sonstigen  staubartig  feinen  Stoffen,  empfiehlt  es  sich,  die  gekochte  oder
gedämpfte  Flüssigkeit  in  großen  Beohergläsem  stärker  zu  verdünnen,  absitzen  zu  lassen,
die  völlig  klare  Flüssigkeit  einmal  abzuhebern  und  dann  den  Bodensatz  nach  Verdünnen
und  Kochen  zu  filtrieren.
Das  Verfahren  hat  vor  dem  Hennehergschen  den  Vorzug,  daß  die  Bestimmung
der  Eohfaser  mit  nur  einer  Kochung  oder  Dämpfung  beendet  ist.  Auch  liefert  es
mit  diesem  durchweg  gleiche  und  nur  in  dem  Falle  niedrigere  Ergebnisse,  wenn
die  Stoffe  verhältnißmäßig  viel  Pentosane  enthalten.  Daraus  folgt  dann  von  selbst,
daß  die  nach  dem  Glyzerin-Schwefelsäure-Verfahren  bestimmte  Eohfaser  mehr
von  den  sonstigen  Begleitern  der  Eoh-  oder  Holzfaser,  nämlich  mehr  Lignin  enthalten ­
  muß.  Das  ist  auch  in  der  Tat  der  Fall,  aber  eher  ein  Vor-  als  Nachteil
des  Verfahrens,  wenn  es  gelingt,  gleichzeitig  in  der  Eohfaser  das  Lignin  quantitativ
] )  Die  Tiegel  werden  von  W.  C.  Heraeus  in  Hanau  bezw.  von  „Vereinigte  Deutsche
Nickelwerke“  in  Schwerte  i.  Westf.  geliefert.
        <pb n="274" />
        Bestimmung  der  Asche.

251

zu  "bestimmen.  Hierfür  glaubt  Verfasser  nach  vorläufigen  Erfahrungen  folgendes
Verfahren  in  Vorschlag  bringen  zu  können:
b)  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Zellulose  bezw.  des  Lignins.  Es
Wird  eine  2.  Probe  von  3  g  lufttrockner  bezw.  5—14°/ 0  Wasser  enthaltender
Substanz  abgewogen  und  genau  in  derselben  Weise  behandelt,  wie  unter  a  angegeben
ist.  Der  Rückstand  in  dem  Goochschen  Tiegel  wird  dann  aber  nicht  getrocknet,
sondern  nach  dem  Absaugen  des  zuletzt  zum  Auswaschen  verwendeten  Äthers  und
A  erdunstenlassen  desselben  an  der  Luft  nebst  dem  Asbestfilter  verlustlos  in  ein
etwa  800  ccm  fassendes  Beoherglas  gebracht  und  unter  Bedecken  mit  einem  Uhrglase ­
  oder  einer  Glasplatte  mit  100  oder  150  ccm  chemisch  reinem,  3-gewichtsprozentigem
  Wasserstoffsuperoxyd  sowie  10  ccm  24  °/ 0 -igem  Ammoniak  versetzt  und
emige  Zeit  (etwa  12  Stunden)  stehen  gelassen;  dann  werden  10  ccm  30-gewichts-Prozentiges
  chemisch  reines  Wasserstoffsuperoxyd  zugesetzt  und  dieses,  wenn  die
'  auerstoffentwickelung  aufgehört  hat,  noch  2—4mal,  d.  h.  so  oft  wiederholt,  bis  die
blasse  (Rohfaser)  völlig  weiß  geworden  ist.  Beim  dritten  und  fünften  Zusatz  von
Wasserstoffsuperoxyd  fügt  man  auch  noch  je  5  ccm  (oder  10  ccm)  des  24°/ 0 -igen
Ammoniaks  hinzu.  Man  kann  Wasserstoffsuperoxyd  und  Ammoniak  in  graduierten
yhndern  mit  eingeschliffenen  Glasstöpseln  vorrätig  halten  und  aus  diesen  die  jedesmaligen ­
  Mengen  der  Flüssigkeiten  zusetzen,  um  die  Arbeit  zu  vereinfachen;  denn
ein  ganz  genaues  Ahmessen  der  Flüssigkeiten  bei  dem  jedesmaligen  Zusatze  ist  nicht
notwendig.  Wenn  die  Substanz  völlig  weiß  geworden  ist,  erwärmt  man  etwa  1—2
unden  im  Wasserbade  und  kann  dann,  wenn  das  Wasserstoffsuperoxyd  rein  war,  d.  h.
nu *  Ammoniak  keinerlei  Niederschlag  oder  Trübung  gab,  sofort  und  glatt  durch  ein
Weites  Asbestfilter  filtrieren  und,  wie  oben  angegeben  ist,  weiter  verfahren.  Roher
  minus  Zellulose  ergibt  die  Menge  des  Lignins.
.  Kier  bietet  die  Filtration  niemals  Schwierigkeiten,  wenn  das  Wasserstoffsuperoxyd
eint  - SC1 . rein  war  und  nicht  etwa  Aluminiumverbindungen,  welche  die  Filtration  sehr  be-"tiff
  ^ ei1 '  enthält.  Die  reine  Zellulose  wird  durch  vorstehende  Behandlung  nicht  anged&amp;lt;&amp;gt;r
  P  man  kann  daher  den  Zusatz  von  Wasserstoffsuperoxyd  des  öfteren  wiederholen,  bis
„  Uc kstand  weiß  geworden  ist.  Man  erhält  auf  diese  Weise  eine  Zellulose,  welche  in
sam  eros ^ amrilon i a k  löslich  ist,  wenn  sie  auch  nicht  in  allen  Fällen  die  prozentige  Zue
 j  ^tsetzuig  der  Zellulose  hat.  Es  muß  noch  festgestellt  werden,  ob  in  solchen  Fällen
an ders  konstituierte  Zellulose  vorliegt.

VII.  Bestimmung  der  Asche.
bei  ^ twa  5  bis  10  g  der  lufttrocknen  Substanz  werden  in  einer  Platinschale
anfangs  kleiner  Flamme  verbrannt.
Elan  * St  zwec kmäßig,  sobald  ein  vollständiges  Verkohlen  stattgefunden  hat,  die
‘  me  zu  löschen;  es  findet  alsdann  mitunter  durch  allmähliches  Verglimmen  im  Innern
.  Verk ohlten  Substanz  ein  fast  vollständiges  Veraschen  statt,  worauf  man  in  den
mamaT  zur  Erzielung  einer  schön  weißen  Asche  nur  nötig  hat,  die  Substanz
cua,/  mit  Wasser  anzufeuchten,  zu  trocknen  und  nun  noch  einige  Zeit  einer
■eren  Flamme  auszusetzen.
Kohl&amp;gt;  Stoffen,  welche  viel  Salze  enthalten,  ist  man  gezwungen,  die  noch
zu  ^iimltende  Asche  mit  Wasser  auszulaugen  und  den  Rückstand  weiter
Kohle  F f re,nnen  ^ an  erhält  in  kurzer  Zeit  auf  diese  Weise  eine  tunlichst  von
damnft  1016  ^ sc ^ e &amp;gt;  we lche  mit  der  erhaltenen  Lauge  vereinigt,  zur  Trockne  Verhaltes ­
  ’  noc k ma ls  schwach  geglüht  und  gewogen  wird.  Zur  Ermittelung  des  Gev&amp;lt;s
 r teu  ”Keinasche“,  d.  h.  der  von  Kohle,  Sand  und  Kohlensäure  freien  Asche,
Uhrt  man  nach  8,  200  u.  f.
        <pb n="275" />
        252

Futtermittel.

VIII.  Bestimmung  des  Sandes  in  den  Futtermitteln.

Bezüglich  des  Sandgehaltes  der  Futtermittel  hat  der  Verband  landw.  Versuchs-Stationen
  i.  D.  B.  folgendes  vereinbart:
Die  qualitative  Prüfung  aller  Futtermittel  auf  Sand  bezw.  mineralische ­
  Beimengungen  ist  obligatorisch  zu  machen,  und  es  ist,  sobald
die  Vorprüfung  die  Anwesenheit  von  mehr  als  normalen  Mengen  ergibt,
die  quantitative  Bestimmung  auszuführen.
Der  Sand  in  den  Futtermitteln  kann,  besonders  wenn  er  grobkörnig  ist,  das
Gebiß  beschädigen,  unter  Umständen  in  den  Falten  des  Labmagens  sich  festsetzen
und  schwere  Verdauungsstörungen  hervorrufen. 1 )
Zur  schnellen  Bestimmung  des  Sandes  sind  verschiedene  Vorschläge 2  3 )  gemacht.
a)  Chloroformprobe.  6  oder  10  g  des  Futtermittels  werden  in  einem  Reagenzglase ­
  mit  Chloroform  geschüttelt,  kurze  Zeit  stehen  gelassen,  die  ausgeschiedenen  mineralischen ­
  Beimengungen  gesammelt  und  gewogen.
b)  Verfahren  von  A.  Stutzer.  10  g  des  Futtermittels ­
  werden  in  einem  Becherglase  mit  Alkohol  durchfeuchtet, ­
  darauf  mit  300—400  ccm  1  %-iger  Salzsäure  übergossen ­
  und  gekocht.  Beim  Umrtihren  setzt  sich  Sand,
Erde  usw.  auf  dem  Boden  des  Becherglases  ab;  der  Sand  wird
von  der  überstehenden  Masse  durch  Dekantation  gereinigt,
auf  einem  Filter  gesammelt,  verascht  und  gewogen.
c)  Verfahren  von  A,  Emmerling. 8 )  Als  schwere
Flüssigkeit  dient  eine  vollkommen  gesättigte  Lösung  von
Zinksulfat  von  etwa  1,43  spezifischem  Gewicht  —  1  kg
kristallisiertes  Salz  auf  725  g  Wasser  —.  Die  Vorprüfung
führt  man  im  Reagenzröhrchen  aus,  das  man  zur  Hälfte  mit
der  Zinksulfatlösung  füllt,  über  welche  man  vorsichtig  Wasser
schichtet.  Man  schüttet  dann  etwa  einen  Teelöffel  des  Futtermittels ­
  auf  das  Wasser  und  rührt  lebhaft  mit  einem  Draht,
ohne  die  untere  Lösung  viel  aufzurühren.  Man  erkennt  alsdann, ­
  ob  stark  liohtbrechende  Sandkörner  nach  unten  sinken,
und  unterscheidet  3  Fälle:  Sand  =  0,  Sand  vorhanden,  aber
augenscheinlich  unbedeutend,  Sand  in  solcher  Menge  vorhanden, ­
  daß  die  gewichtsanalytische  Bestimmuug  erforderlich
wird.  Bei  einzelnen  Futtermitteln,  wie  Erdnußmehlen,  läßt  sich  ein  sicheres  Urteil  nur
durch  die  Gewichtsanalyse  erlangen,  da  die  an  den  organischen  Teilen  haftenden  staubartigen
Sandkörnohen  beim  Rühren  nicht  vollständig  niederfallen.
Um  den  Sand  nach  demselben  Grundsatz  nicht  allein  auszurühren,  sondern  auch  in
Substanz  zu  gewinnen,  kann  man  sich  eines  E.  Spaethschen  Scheidetriohters  in  Form
eines  Sektglases  mit  Hahn  bedienen  (vergl.  Fig.  44).  Nachdem  sich  der  Sand  in  der
Höhlung  des  Hahnes  angesammelt  hat,  schließt  man  den  Hahn,  reinigt  das  Glas  und  kann
dann  die  angesammelten  Körnchen  zum  Zweck  der  Wägung  und  näheren  Prüfung  leicht
gewinnen.  Dieses  Verfahren  kann  in  manchen  Fällen  als  Ausweg  dienen,  wo  das  gewichtsanalytisohe
  Verfahren  infolge  reichlichen  Vorhandenseins  stark  verkieselter  Spelzen
Schwierigkeiten  bietet.
Da  diese  Verfahren  aber,  wie  Ä.  Emmerling  für  sein  Verfahren  selbst  hervorhebt, ­
 4 )  nur  annähernd  richtige  Ergebnisse  liefern,  im  letzten  Falle  auch  die  ständige

*)  F.  Barnstein  teilt  (Landw.  Versuchs-Stationen  1902,  56,  417)  sogar  einen  Fall
mit,  wo  der  Magen  eines  Ochsen  nach  Verzehrung  von  einem  Gerstenschrot,  das  2,6  %
hellen  Sand  enthielt,  so  viel  Sand  aufgenommen  hatte,  daß  das  Eingehen  des  Ochsen  nach
Ansicht  des  Tierarztes  hierauf  zurückgeführt  werden  mußte.

a )  Landw,  Versuchs-Stationen  1893,  43,  357.

3 )  Nach  einer  PrivaLMitteihmg.

4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1896,  47,  221.
        <pb n="276" />
        Prüfung  der  Futtermittel  auf  ihre  Neigung  zu  Scliimmelbildung  oder  Fäulnis.  253

Beibehaltung  der  Reinheit  und  Konzentration  der  Zinksulfatlösung  mit  Schwierigkeiten ­
  verbunden  ist,  so  bestimmt  man  den  Sand-  und  Ton-  (Erde-)  Gehalt  am
sichersten  in  der  Weise,  daß  man  5  oder  10  g  des  Futtermittels  einäschert,  die
Asche  in  verdünnter  Salzsäure  löst,  die  Lösung  filtriert,  auswäscht,  den  Rückstand
vom  Filter  in  eine  Schale  spült,  zur  Entfernung  der  ausgeschiedenen  Kieselsäure
mit  Sodalösung  unter  Zusatz  von  etwas  Natriumhydroxyd  kocht,  die  Lösung  durch
dasselbe  Filter  filtriert,  den  Rückstand  auswäscht,  einäschert  und  als  Sand  +  Ton  wägt.
Nach  dem  Beschlüsse  der  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  R. 1 )  soll  in  den
•  ahresberichten  die  Beobachtung  über  den  Sandgehalt  der  Futtermittel
a  bellarisch  zusammen  gestellt  werden  und  zwar  nach  folgender  Anordnung:
^and  unter  1  &amp;lt;&amp;gt;/ 0 ,  1—1,5  o/ 0 ,  1,5—2,0  °/ 0 ,  2—3  %,  3  °/ 0  bis  Höchstgehalt.
Nicht  selten  kommt  in  den  Futtermitteln,  besonders  in  den  englischen  Graupena
  allen  auch  eine  erhebliche  Menge  kohlensaurer  Kalk  —  herrührend  von  Mörtel
. or  Mauerputz  als  Zusammenfegsel  bezw.  bei  den  Graupenabfällen  angeblich  von
ei neru  Zusatze  von  kohlensaurem  Kalk  bei  der  Herstellung  der  Graupen  —  vor;
rf lne  Menge  läßt  sich  aus  einer  Bestimmung  der  Kohlensäure  in  dem  natürlichen
termittel  (nach  S.  15)  berechnen  oder  aus  einer  Bestimmung  des  Kalkes  in  der
,,  C  le  schließen,  wobei  in  letzterem  Falle  die  mittlere  Menge  des  in  dem  betreffenden
termittel  enthaltenen  Kalkes  abgezogen  werden  muß.
IX  p
•  Prüfung  der  Futtermittel  auf  ihre  Neigung  zu  Schimmelbildung  oder
Fäulnis  von  A.  Emmerling.' 2 )
t  1  den  Kulturversuchen  dienen  Erlenmeyer-Kölbchen  von  etwa  50  ccm
rp,  &amp;gt;  welche,  mit  Baumwolle  verschlossen,  durch  mehrstündiges  Erhitzen  im
Un , ermostate n  auf  etwa  150°  sterilisiert  sind.  In  diese  Kölbchen  füllt  man  die  zu
jv./^henden  Stoffe  mittels  ausgeglühter  Gerätschaften:  bei  pulverförmigen  Stoffen
Qlk  G ^gestellt  aus  Draht  und  Kupferblech,  bei  Ölkuchen  sog.  Löffelbohrer.  Von
Bach  &amp;gt; 1611  S -f ,ann *  man  6211  Stück  in  den  Schraubstock  und  bohrt  eine  frische  Bruchan&amp;gt;
  80  daß  das  sich  bildende  Pulver  unmittelbar  in  das  untergehaltene
Schaf/ 1  m  6 7 er 'Kölbchen  fällt.  Es  wird  dann  eine  zur  Herstellung  breiartiger  Be-•
 Wur d e Cnae2 * ;  genügende  Menge  Wasser,  welche  vorher  durch  Kochen  sterilisiert
Aull  ’  zu S ese f z k  Die  Baumwollverschlüsse  werden  in  üblicher  Weise  an  ihrer
etwa^^o 6  an ^ e ^ rannt -  Man  füllt  etwa  6  Kölbchen,  von  denen  4  im  Brutofen  auf
Von'  i  °  Spalten,  2  bei  Zimmertemperatur  hingestellt  werden.  Man  untersucht
2imm  611  War:m  gehaltenen  Pröbchen  2  nach  1  Tag,  2  nach  2  Tagen,  die  bei
ertemperatur  stehenden  erst  nach  3  Tagen.
Schijj  ^  u  W * r&amp;lt; ^  ^ er  Geruch,  die  Reaktion  des  Breis,  die  etwaige  Anwesenheit  von
hezeieß 16 /  nöti genfalls  die  Art  des  Schimmels  festgestellt.  Die  als  „Fäulnis“  zu
Gerne),  ° naei1  Erscheinungen  geben  sich  äußerlich  durch  die  Reaktion,  durch  den
Ammo 1 ’-  /^ urc ^  schleimige,  häutige  Beschaffenheit  (Zooglöen),  oft  auch  durch
Solche  p  '  0l ^ er  Heringsgeruch  beim  Zusatz  von  etwas  Natronlauge  zu  erkennen,
die  Ftiy]  f°  .  enthalten  dann  oft  nur  wenig  Schimmel.  In  vielen  Fällen  ringt
durchwa'!/.  ^  ^ er  Schimmelbildung  und  man  sieht  dann  die  Zooglöen  von  Schimmel
Von  P p i  Sen '  Her  Befund  bei  Zimmertemperatur  ist  praktisch  und  insofern
fütteruim U&amp;lt; | Un ^’  a ^ S  es  V2e lf ac b  üblich  ist,  Futterstoffe  längere  Zeit  vor  der  Veröden ­
  Schi  a  S  ^ re: *  anzll rühren.  Liegt  eine  ausgesprochene  Neigung  zur  raschen  Fäulnis
—— mm elbildung  vor,  so  ist  ein  solches  Verfahren  bei  der  Fütterung  zu  vermeiden.
)  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  ÖO,  216.

2 )  Nach

einer  PrivaPMitteilung.
        <pb n="277" />
        254

Futtermittel.

Im  übrigen  handelt  es  sich  bei  dem  Keimkastenverfahren  insbesondere  darum,
auf  einem  leicht  ausführbaren  Wege  festzustellen,  ob  ein  Futtermittel  in  feuchter
Wärme  das  allgemeine  Verhalten  seiner  Art  zeigt,  oder  ob  es  wesentlich  in  auffallender ­
  oder  verdächtiger  Weise  davon  abweicht.  Wenn  dies  der  Fall  ist,  so  wird
es  oft  gerechtfertigt  sein,  einige  Vorsicht  bei  der  Verwendung  der  Futtermittel  zu
empfehlen,  unter  Umständen  auch  von  ihr  ganz  abzuraten.  Weitere  allgemeine  Regeln
lassen  sich  vorläufig  nicht  aufstellen.  Die  Verwertung  des  Verfahrens  für  die  Beurteilung ­
  der  Beschaffenheit  muß  dem  Sachverständigen  überlassen  bleiben  und  wird
auch  diesem  nur  möglich  sein,  wenn  er  durch  öftere  Untersuchung  von  Futtermitteln
derselben  Art  eine  grundlegende  Erfahrung  in  dieser  Richtung  sich  erworben  hat.
Auf  eine  Feststellung  etwaiger  schädlichen  pathogenen  Bakterienarten  wird  sich  der
untersuchende  Chemiker  in  der  Regel  nicht  einlassen  können,  wohl  aber  unter  Umständen ­
  sich  auf  Grund  seiner  Voruntersuchung  veranlaßt  sehen,  einen  Bakteriologen
von  Fach  um  eine  weitere  eingehende  Untersuchung  anzugehen.
B.  Untersuchung  der  Futtermittel  im  besonderen.
I.  Grün-  und  Rauhfutter.
1.  Probenahme.  Wenn  die  zur  Untersuchung  zu  verwendende  Probe  der  mittleren
Beschaffenheit  eines  größeren  Haufens  oder  Vorrates  möglichst  nahe  entsprechen  soll,
so  läßt  man  die  ganze  Futtermasse  umstechen  und  nimmt  von  verschiedenen  Stellen
des  Vorrates  jedesmal  eine  Hand  voll  heraus,  im  ganzen  10—20  und  mehr  Einzelproben.
Die  so  entnommene  größere  Menge  des  Futters  wird  tunlichst  gemischt,  entweder
vom  Einsender  oder  im  Laboratorium  auf  der  Häcksellade  zu  feinem  Häcksel  zerschnitten ­
  und  der  Häcksel  gehörig  durcheinandergemengt,  bevor  man  zu  der  Probenahme ­
  für  die  Analyse  schreitet;  hierzu  genügt  etwa  1 / 2 —1  kg.
Von  Grünfutter  ist  eine  größere  Menge  in  natürlichem  Zustande  —■  um  eine
größere  Wasserverdunstung  zu  vermeiden  —  erforderlich,  nämlich  5—10  kg.  Das
Zerschneiden  zu  Häcksel  wird  im  Laboratorium  vorgenommen.
Bei  genauen  Fütterungsversqchen  muß  man  von  dem  betreffenden,  den  Tieren--zugewogenen
  Futter  während  der  ganzen  Dauer  der  Fütterungszeit  alltäglich  bezw.  alle
2  oder  3  Tage  eine  Hand  voll  (besser  noch  jedesmal  einen  aliquoten  Teil)  zurücklegen,
vor  Staub  und  Wasserverlust  usw.  bewahrt  aufhehen  und  dann  später  das  Ganze  zu  feinem
Häcksel  zerschneiden,  um  daraus  die  für  die  Untersuchung  bestimmte  Probe  zu  entnehmen.
Oder  wenn  es  sich  um  ein  gleichmäßiges  lufttrocknes  Futter  handelt,  welches  bei  der  Aufbewahrung ­
  keine  Änderung  erleidet,  so  kann  man  auch  die  täglichen  Puttermengen  für  die
ganze  Fütterungszeit  abwägen,  in  besonderen,  vor  Verunreinigung  geschützten  Behältern
aufbewahren  und  die  zur  Untersuchung  dienende  Mittelprobe  sofort  mit  abwägen.  Oftmals
wird  es  zweckmäßig  sein,  die  fein  zerschnittene  Masse  zunächst  mittels  Siebe  in  verschiedene ­
  Teile  zu  zerlegen  und  von  jedem  Teil  eine  aliquote  Menge  abzuwägen.
2.  Zerkleinerung  und  Wasser-Bestimmung.  Von  dem  feinen  Häcksel  wird
eine  bestimmte  Gewichtsmenge  (also  bei  Trockenfutter  etwa  500—1000  g,  bei  Grünfutter ­
  4000—5000  g)  abgewogen,  auf  Hürden  mit  Papierunterlage  in  dünner  Schicht
ausgebreitet,  in  einem  Lufttrockenschrank 1 )  bei  etwa  50—60°  so  lange  vorgetrooknet,
bis  die  Masse  bröcklig  und  spröde  geworden  ist  und  mit  der  Schrotmühle  gemahlen
bezw.  gepulvert  werden  kann.  Alsdann  nimmt  man  die  Hürden  heraus,  läßt  das
getrocknete  Futter  einige  Stunden  an  der  Luft  liegen,  damit  es  bei  gewöhn-1)
  In  den  agj-ik.-chem.  Laboratorien  hat  man  für  den  Zweck  große,  1,5  m  hohe,
70—80  cm  tiefe  und  breite  Trockensohränke,  welche  durch  einen  um  die  Feuerung  gelegten ­
  Luftkanal  (event.  auch  durch  Gasflamme)  oder  durch  Wasserdampf  mittels  Heizrippenkörper ­
  oder  Heizschlangen  erwärmt  werden.
        <pb n="278" />
        Grün-  und  Rauhfutter.

255

lieber  Lufttemperatur  wieder  so  viel  Wasser  aufnimmt,  als  etwa  heim  Mahlen  aufgenommen ­
  werden  könnte,  wägt  dann  die  Gesamtmasse  zurück  und  pulvert  mit  der
Schrotmühle.

Als  Schrotmühlen  sind  eine  ganze  Anzahl  in  Gebrauch;  am  weitesten  sind  für  den
Zweck  zur  Zeit  die  Excelsior-Schrotmühlen 1 )  verbreitet,  die  sowohl  für  Hand-  als
Kraftbetrieb  (Wasser-  und  Elektromotoren)  eingerichtet  werden  und  ein  sehr  feines  Mahlgut ­
  zu  liefern  imstande  sind;  meistens  genügt  die  mit  der  geringsten  Leistungsfähigkeit
(AI);  wo  eine  genügende  Wasser-  oder  elektrische  Kraft  zur  Verfügung  steht,  kann  man
auch  eine  solche  von  größerer  Leistungsfähigkeit  anwenden.
M.  Märcker  hatte  seinerzeit  zum  staubfeinen  Pulvern  noch  eine  besondere  Pulveroder ­
  Zerkleinerungsmühle 2 )  hergestellt;  diese  Vorrichtung  erfordert  indes  viel  Kraft  und
verhütet  auch  nicht  genügend  das  Verstäuben  oder  Heraussohleudern  von  gepulverter  Masse,
80  daß  sie  sich  nur  wenig  Eingang  verschafft  hat.

Von  der  gepulverten  Masse  werden  5—10  g  in  Trockenkölbchen  abgewogen
und  einige  Zeit  bei  105°  weiter  getrocknet,  um  alles  Wasser  zu  entfernen  und  zu
bestimmen.
Die  Berechnung  des  ursprünglichen  Wassergehaltes  ist  folgende:
Angenommen,  es  seien

I.  Eauhtrookeniütter

ursprünglich  abgewogen  1006,28  g
diese  geben  nach  dem  Trocknen  bei  50—60°  .  921,10  „

Kerner  mögen  von  der  vorgetr.  Substanz  .  .  ^&amp;gt;^865  g
hei  106°  noch  verlieren  0,52  „
also  Wasser  in  Prozent  enthalten  /o
oder  Trockensubstanz  93,13  „

II.  Grünfutter
4020,55  g
598,68  „
8,1435  g
0,4587  „
5,63  %
94,37  „.

Man  kann  nun  die  in  921,10  g  noch  vorhandene  Wassermenge  nach
Gleichung  x  :  921,10  =  0,5216  :  7,5865  oder  einfacher  nach  dem  Ansatz
rgKlOx  6,87
löo  =  68,279  g  berechnen;  diese,  von  921,10  g  abgezogen,  ergeben  den
wirklichen  Trockensubstanzgehalt.  Aber  noch  einfacher  ist  es,  wenn  man  von  der
2  eren  prozentigen  Trockensubstanz  ausgeht  und  auf  die  ursprüngliche  Masse
' 3ereC ^ net ’  wenn  die  bei  50—60°  vorgetrocknete  Substanz  93,13  °/ 0  bezw.
’  ‘  Io  Trockensubstanz  enthält,  so  ergibt  sich  für  die  ursprüngliche  Masse;

Rauhfutter
921.10  x  93.13
°  =  857,820  g

Grimfutter
598,68  X  94,37

100

100

564,974  g,

■  =  14,06%.

XV/V/
als °  prozentiger  Gehalt  der  ursprünglichen  Masse  an  Trockensubstanz:
857,820x  100  q-  o,  564.974xJ.00
~1Ö0528  =  80,33  /o  4020,55
.  Die  Bestimmung  der  einzelnen  Bestandteile  erfolgt  nach  dcnv.irstehend
beschriebenen  Verfahren  in  der  lufttrocknen  Substanz.  Um  die  gefundenen
Ergebnisse  auf  ursprüngliche  Substanz  zu  berechnen,  hat  man  die  gefundenen  Zahlen
einfach  nach  der  Gleichung:  ,
für  I.  (Rauhtrockenfutter)  x;  85,33  ==  1:93,13  (=0,9162)  mit  0,9162,
für  II.  (Grüufutter)  x  ;  14,05  =  1:94,37  (=  0,1489)  mit  0,1489
z n  tnoltiplizicrcn.

?»ggeniu D f Bj p X " el l 0 ™ ü ** len  we rden  von  dem  Eisenwerke  Gaggenau,  Aktien-Gesellschaft
1903,  27  5qo  , en '  geliefert.  Auch  hat  Th.  Körner  eine  Mühle  dieser  Art  in  Chem.-Zeitung
hoff  l',!;,'  .'^‘rieben;  diese  und  andere  Mühlen  liefert  auch  die  Eirma  Fr.  Hugers-2)
  j.  ■  ^"
mse  wird  von  Mechaniker  Dreefs  in  Halle  a.  S.  geliefert.
        <pb n="279" />
        256

Futtermittel.

’)  Landw.  Versuchs-Stationen  1885,  82,  56  und  Chem.-Zeitung  1890,  14,  905.

Für  gewöhnlich  wird  man  indes  die  für  die  lufttrockne  Substanz  gefundenen
Zahlen  erst  auf  wasserfreie  und  von  da  auf  ursprüngliche  Substanz  berechnen,  um
auch  die  Zusammensetzung  der  Trockensubstanz  zu  finden.  Man  hat  dann  die  gefundenen ­
  Zahlen  nach  der  Gleichung;
I.  x  :  100  =  1;  93,13  (=  1,074)  mit  1,074,
II.  x  :  100  =  1:  94,37  (=  1,059)  mit  1,069
zu  multiplizieren,  um  die  Zusammensetzung  der  Trockensubstanz  zu  erhalten,  und
86  33  x;  i
die  Prozentzahlen  hierfür  mit  —-j-qq—=0,8533  (für  I.)  und  mit  0,1405  (für  II.)
zu  multiplizieren,  um  die  prozentige  Zusammensetzung  der  ursprünglichen  Substanz
zu  finden.  Ein  Beispiel  wird  dieses  näher  erläutern.
I.  Rauhtrockenfutter  (Wiesenheu).

Lufttrockne  i

f  mal  \  /

Trocken-\

  mal  \

(  Ursprüngliche

Substanz  &amp;lt;

Substanz

x  1

l  mi  i  l

X

j  0,8533  |

i  x

Wasser

6.87

—

14,67

Rohprotein  ....

9,58

10,29

8,78

Rohfett

2,57

2,76

2  36

N-freie  Extraktstoffe

.  46,60

50,03

42,68

Rohfaser

.  28,97

31,11

26,55

Asche

5,41

5,81

4,96.

II.  Grünfutter  (Rotklee

vor  der

Blüte).

Lufttrockne  j

W

Trocken-\

  mal  \  ,

f  Ursprüngliche

Substanz  &amp;lt;

Substanz

!  Substanz

°/o  1

1,059  i  1

X

J  0,1405  j

[  X

Wasser

5,63

—

85,95

Rohprotein  ....

.  18,67

19,77

2,78

Rohfett

3,87

4,09

0,57

N-freie  Extraktstoffe

.  40,76

43,26

6,07

Rohfaser

21,55

22,82

3,21

Asche

9,52

10,08

1,42.

II.  Sauerfutter,  Pressfutter  (Ensilage),  Schnitzel  (frisch  und  eingesäuert).
Die  Probeentnahme,  Vorbereitung  für  die  Untersuchung,  die  Wasserbestimmung
und  Berechnung  erfolgt  wie  unter  No.  I  bei  Rauh-  und  Grünfutter.
Sollte  das  Sauer-  und  Preßfutter  sehr  wasserreich  sein,  so  daß  Wasser  abtropft ­
  oder  doch  ins  Papier  eindringt,  so  muß  das  Vortrocknen  bei  60—60°  in
großen  flachen  Porzellanschalen  oder  emaillierten  Eisenschalen  vorgenommen  werden.
Beim  Trocknen  dieser  Futterstoffe  geht  ein  Teil  des  Stickstoffs  in  Form  von
Ammoniak  und  ein  Teil  der  organischen  Säuren  in  Form  von  flüchtigen  Säuren  (Essigsäure ­
  usw.)  verloren;  man  findet  daher  für  diese  Futterstoffe  durch  die  angegebene
Wasserbestimmung  leicht  zu  wenig  Trockensubstanz.  Für  ganz  genaue  Untersuchungen
ist  daher  die  Menge  der  flüchtigen  Stickstoff-Verbindungen  und  Säuren  durch  Bestimmung ­
  in  der  frischen  und  getrockneten  Substanz  zu  ermitteln  und  die  Differenz
der  in  üblicher  Weise  gefundenen  Trockensubstanz  zuzuzählen.  Für  die  Bestimmung
des  Stickstoffs  und  der  freien  Säuren  an  sich  ist  dieser  Umstand  ganz  unbedingt
zu  beachten.
0.  Kellner 1 )  fand  z.  B.  erhebliche  Verluste  an  Stickstoff  im  Sauerfutter,
wenn  er  den  flüchtigen  Stickstoff  in  Form  von  Ammoniak  usw.  nicht  berücksichtigte.
        <pb n="280" />
        Sauerfutter,  Preßfutter,  Schnitzel.

257

Auch  findet  man  in  dem  bei  50—60°  vorgetrockneten  Sauerfutter  entweder  keine
oder  doch  erheblich  weniger  freie  Säure  als  im  frischen  Zustande.  Um  daher  Gesamt-Stickstoff ­
  und  freie  Säure  zu  finden,  darf  man  nicht,  wie  bei  Trockenfutter,  die
vorgetrocknete,  sondern  man  muß  die  ursprüngliche  frische  Masse  verwenden.
1.  Gesamt-Stickstoff.  Zur  Ermittelung  des  Gesamt-Stickstoffs  kann  man  wie
folgt  verfahren:
a)  100  g  (bei  feinstengeligen)  oder  200  g  und  mehr  (bei  grobstengeligen
Massen)  des  tunlichst  fein  zerschnittenen  Sauer-  bezw.  Preßfutters  werden  wie  bei
Stallmist  (S.  131,  b)  in  100—200  ccm  der  für  das  Kjeldahl-Verfahren  benutzten
Schwefelsäure,  welche  sich  in  einer  geräumigen,  vorher  nebst  Pistill  gewogenen
orzellanschale  befindet,  nach  und  nach  in  kleinen  Mengen  eingetragen,  indem  man
mit  dem  Pistill  langsam  rührt  und  die  härteren  Stücke  leise  zerdrückt.  Man  trägt
eist  eine  neue  Menge  ein,  wenn  die  vorherige  der  Hauptsache  nach  zergangen  ist.
feinstengeligen  und  feuchten  Futtermassen  zergeht  alles  infolge  der  natürlichen
tzung  verhältnismäßig  rasch  zu  einem  gleichmäßigen,  mehr  oder  weniger
unnen  Brei;  bei  grobstengeligen  Massen  (wie  Mais,  Lupinen  usw.)  unterstützt  man
16  Aufschließung  dadurch,  daß  man  die  Schale  in  ein  mäßig  erwärmtes  Sandbad
® e tzt  und  unter  öfterem  Umrühren  mit  dem  Pistill  so  lange  erhitzt,  bis  die  gröberen
ncke  zergangen  sind.  Alsdann  läßt  man  unter  Bedecken  der  Schale  erkalten,
^ägt  und  verwendet  von  dem  tüchtig  durchgerührten  gleichmäßigen  Brei  30—50  g
weiteren  vollständigen  Verbrennung.  Diese  werden  direkt  in  die  für  die
^Jeidahl-Bestimmungen  verwendeten  Kolben  auf  einer  größeren  Wage,  die  noch
an zeigt,  —  diese  Genauigkeit  ist  für  die  angewendete  größere  Menge  aushend
  —  abgewogen,  mit  noch  weiteren  10  ccm  Schwefelsäure,  sowie  1  Tropfen
CKsilber  versetzt,  anfänglich  mit  ganz  kleiner  Flamme  erhitzt  und  diese  erst
'  ei gert,  wenn  das  überschüssige  Wasser  verdampft  ist.  Im  übrigen  wird  wie
Sonst  verfahren.
nis  ( ^ ese  Weise  erhält  man  stets  gleichmäßige  und  übereinstimmende  Ergeb-So
  | ir  den  Stickstoff  gehalt  dieser  Futtermittel,
oder  ■  St  ^ em  ® auer f utter  e ' ne  beträchtlichere  Menge  Salpetersäure  vorhanden
lieh  ZU  Vermuten )  80  nimmt  man  auf  300  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure  ursprüng-1
  etwa  100  ccm  Phenol-Schwefelsäure  (vergl.  S.  141,  a).
öas  ^  ,^ ac k  O-  Kellner  (1.  c.)  befeuchtet  man  die  zerschnittene  Sauerfutter-8et
  6 ,  verdünnter  Salzsäure,  trocknet  hiermit  bei  50—60°,  zermahlt  die  vordieseW^
 6  ^ asse  unc *  bestimmt  den  Stickstoff  in  der  lufttrocknen  Substanz.  Auf
.  eise  wird  nach  Kellners  Versuchen  das  freie  Ammoniak  bezw.  kohlensaure
^■mmon  i
durch eS p inrnUn ^  der  Trockensubstanz  etwas  zu  hoch  aus,

vor  Verflüchtigung  geschützt.  Zwar  fällt  durch  die  Bindung  von  Salzsäure
mung  der  Trockensubstanz  etwas  zu  hoch  aus,  indes  wird  dieses  Plus
*ls  aufc"  Z erflUc , hti e un S  von  aromatischen  Stoffen  und  flüchtigen  Säuren  mehr
beim  / eWogen -  Nach  F.  W.  A.  Woll 1 )  soll  indes  die  Besprengung  mit  Salzsäure
ergebe^  °] C  ') Uen  ^ es  ® auer l u tt ers  nicht  oder  nur  unwesentlich  mehr  an  Stickstoff
We ithak'  ^ erner  bann  man  100—200  g  fein  zerschnittenes  Sauerfutter  in  einen
Verschlief 611  ^°^ )en  füllen,  diesen  mit  einem  doppelt  durchbohrten  Gummistopfen
führt  und 6 ',  ( * urcl1  dessen  eine  Öffnung  ein  Glasrohr  bis  auf  den  Boden  des  Kolbens
erstens  p  dessen  andere  Öffnung  ein  Glasrohr  bis  unter  den  Pfropfen  mündet;
Kolben  i n °*.  dient  als  Zuleitungs-,  letzteres  als  Ableitungsrohr.  Man  setzt  den
n  ein  Vasserbad,  erwärmt  dieses  bis  zum  Kochen  und  leitet  trockne,

Land-’)

  Landw.  Versuchs-Stationen  1889,
J  wirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

36,  161.

17
        <pb n="281" />
        258

Futtermittel.

ammoniakfreie  Luft  durch,  indem  man  die  aus  dem  Kolben  austretende  Luft  durch
verdünnte  Schwefelsäure  streichen  läßt.  Letztere  versetzt  man  nach  hinreichendem
Durchleiten  von  trockner,  amraoniakfreier  Luft  mit  überschüssiger,  gebrannter
Magnesia,  destilliert  mit  vorgelegtem  Kühler,  indem  man  die  Dämpfe  in  titrierter
Schwefelsäure  auffängt  und  diese  wie  üblich  zurücktitriert.  Auf  diese  Weise  erfährt
man  den  flüchtigen  Ammoniak-Stickstoff,  den  man  zu  dem  in  der  lufttrocknen,
gepulverten  Substanz  gefundenen  Stickstoff  hinzuaddiert,  um  die  gesamte  Menge
Stickstoff  zu  erhalten.  Hierbei  muß  man  selbstverständlich  den  in  der  lufttrocken
gemachten  Substanz  gefundenen  Stickstoff  erst  auf  die  frische  natürliche  Substanz
urarechnen  und  zu  diesem  den  für  die  frische  Substanz  gefundenen  Ammoniak-Stickstoff
  hinzuaddieren.
2.  Freie  Säuren.  100  g  oder  200  g  des  tunlichst  fein  zerschnittenen,  gut
gemischten  Sauerfutters  werden  in  einen  weithalsigen  1  oder  2  Liter-Kolben  gebracht,
mit  Wasser  bis  zur  Marke  aufgefüllt  und  unter  öfterem  tüchtigen  Umschütteln
mehrere  Stunden  stehen  gelassen.  Darauf  filtriert  m^n  100  oder  200  ccm  ab  und
titriert  mit  Alkalilauge  unter  Anwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator.  Die
gefundene  Menge  Säure  rechnet  man  je  nach  dem  Vorwalten  der  einen  oder  anderen
auf  Essigsäure  oder  Milchsäure  um  (1  ccm  N.-Alkalilauge  entspricht  0,060  g
Essigsäure  oder  0,090  g  Milchsäure).
Um  über  die  Natur  der  Säuren  Aufschluß  zu  erhalten,  werden  200  ccm  des
Filtrats  mit  vorgelegtem  Kühler  —  am  besten  unter  Einleiten  von  Wasserdampf
■—  bis  auf  etwa  100  ccm  abdestilliert,  das  Destillat  in  derselben  Weise  mit  Alkalilauge ­
  titriert  und  diese  Säure  als  freie  Essigsäure  berechnet.
Die  rückständigen  100  ccm  werden  mit  150  ccm  Wasser  verdünnt,  mit  etwas
Schwefelsäure  wie  vorhin  destilliert,  das  Destillat  wieder  titriert,  um  so  die  Menge
der  gebundenen  flüchtigen  Säure  (Essigsäure)  zu  finden.
3.  Fett.  Der  Ätherauszug  der  getrockneten  Sauerfuttermasse  schließt  stets
mehr  oder  weniger  freie  organische  Säuren  hezw.  aromatische  Stoffe  ein.  Um
diese  annähernd  aus  dem  Fett  zu  entfernen,  wird  der  Ätherauszug  wiederholt
mit  kochend  heißem  Wasser  durchgeschüttelt,  filtriert  und  das  rückständige,  an
der  Luft  abgetrocknete  Fett  wieder  in  Alkohol  oder  Äther  gelöst,  letztere
verdunstet  und  der  Rückstand,  nach  hinreichendem  Trocknen  bei  90—100°,  gewogen. ­

III.  Schlempe,  Pülpe,  Treber,  Trester  usw.
Für  die  Probenahme  ist  zu  berücksichtigen,  daß  der  Inhalt  der  Bottiche
bezw.  Gefäße,  worin  sich  diese  dickflüssigen  Massen  befinden,  tüchtig  durchgerührt
und  die  Probe  wegen  ihrer  leichten  Zersetzlichkeit,  besonders  im  Sommer,  alsbald
nach  d§r  Entnahme  untersucht  werden  muß.
1.  Wasser.  Nur  die  Treber  und  Trester  lassen  sich  durch  flaches  Ausbreiten
  in  großen  Schalen  bei  etwa  50—60°  vortrocknen  und  dann  wie  bei  No.  I
Grünfutter  weiter  behandeln.  Man  wendet  für  den  Zweck  1,0—1,5  kg  frische
Treber  an.  Bei  den  verschiedenen  Schlempesorten  ist  ein  Vortrocknen  bei
etwa  50°  meistens  nicht  möglich,  weil  sie  nach  dem  Trocknen  so  fest  an  den
Wandungen  der  Porzellanschalen  haften,  daß  die  eingetrocknete  Masse  kaum  mit
mechanischen  Hilfsmitteln  von  den  Wandungen  loszutrennen  ist.
Man  verfährt  daher  hei  diesen  Futtermitteln  zur  Wasserbestimmung  zweckmäßig ­
  in  der  W T eise,  daß  man  etwa  50—100  g  der  gut  durchgeschüttelten  hezwgut
  durchgemischten  Masse  in  einer  flachen,  wenn  nötig  mit  geglühtem  Sand  be ­
        <pb n="282" />
        Schlempe,  Pülpe,  Treber,  Trester  usw.

259

schickten  und  mit  einem  Uhrglase  bezw.  einer  Glasplatte  zu  bedeckenden  Porzellanschale ­
  abwägt,  den  Inhalt  erst  auf  dem  Wasserbade  eindunstet,  dann  im  Trockenschrank ­
  bei  105—110°  so  lange  trocknet,  bis  annähernde  Gewichtsbeständigkeit  eingetreten ­
  ist.  Für  ganz  genaue  Bestimmungen  des  Wassergehaltes  empfiehlt  sich
e in  Austrocknen  im  Vakuum  bei  100°.
Hat  man  die  Treber  usw.  wie  unter  No.  I  (Grünfutter)  vorgetrocknet  und  gemahlen, ­
  so  verfährt  man  zur  weiteren  Untersuchung  der  lufttrocknen  Substanz,  wie
u nter  A  S.  208  und  ff.  angegeben  ist.
Läßt  sich  diese  Art  Futtermittel  indes  hinreichend,  wie  Schlempe,  ohne  vorgetrocknet ­
  zu  werden,  mischen,  so  daß  man  in  10—50  g  eine  genügende  Durchc
  ni ttsprobe  voraussetzen  kann,  so  verwendet  man  einfacher  und  rascher  zu  den
weiteren  Bestimmungen  die  frische,  natürliche  Masse,  nämlich:
2.  Stickstoff.  10—20  g  bezw.  so  viel  Substanz,  als  1—2  g  Trockenstanz
  entsprechen,  werden  direkt  mit  Schwefelsäure  usw.  versetzt  und  nach
Jeldahl  verbrannt;  oder  man  kann  sie  auch  erst  in  Hof  meisten  sehen  Glasa
  eben  unter  Zusatz  von  etwas  Gips  auf  dem  Wasserbade  eindunsten,  dann
' dmt  Schälchen  zerdrücken,  in  einen  Kolben  bringen  und  weiter  nach  Kjeldahl
verbrennen.  Versetzt  man  die  ursprüngliche  Substanz  direkt  mit  Schwefelsäure,
J  uuiß  man,  um  ein  Verspritzen  zu  vermeiden,  erst  mit  kleiner  Flamme  erwärmen,
18  ^ as  Wasser  verdunstet  ist.
,q  Uie  Trennung  der  einzelnen  Stickstoff-Verbindungen  erfolgt  wie  unter  A
0 5 -  209  u.  ff.).
Fett.  30—70  g  der  frischen  Substanz,  etwa  5—10  g  Trockensubstanz
etw ^ 0 nd,  werden  in  Hof  meisten  sehen  Glasschälchen  mit  geglühtem  Sand  und
im  t  ( w * e  hei  Hilch)  auf  dem  Wasserbade  eingedampft,  dann  mehrere  Stunden
wie  ..Verschränke  bei  95—100°  getrocknet,  aufs  sorgfältigste  verrieben  und
1  heb  mit  wasserfreiem  Äther  ausgezogen.
H  Freie  Säuren.  Diese  werden  wie  bei  Sauerfutter  usw.  (S.  258)  bestimmt.
Schw  f  16  * ac h  wird  der  Maische  zur  Erzielung  einer  reineren,  kräftigeren  Gärung
säure* 3  G ' Säure  zu gesetzt,  nämlich  auf  50  kg  Schrot  90—120  ccm  Schwefelüicht
  VOn  Solcherweise  gewonnene  Schlempe  kann  daher,  wenn  die  Säure
halte  111 ^chiäminkreide,  wie  anzuraten,  abgestumpft  ist,  freie  Schwefelsäure  entn
 ’  es  berechnen  sich  für  50  kg  Schrot  120—180  g  freie  Schwefelsäure  (SOg). 1 )
daß  s j e  Udn  Nachweis  der  freien  Schwefelsäure,  welche  dadurch  nachteilig  wirkt,
kauiu 10  &amp;lt;iem  ® ut  Alkali  entzieht,  kann  man  die  bei  „Essig“  angeführten  Verfahren
Voli g f  v ® rwen den.  Man  wird  daher  in  solchen  Fällen  am  zweckmäßigsten  eine
und  ‘  , Uge  Aschenuntersuchung  (Bestimmung  sämtlicher  Basen  und  Mineralsäuren
führen  &amp;lt;U '  letztere  in  der  mit  Natriumkarbonat-Zusatz  hergestellten  Asche)  ausbleibt
  ’  rr'  nacl1  Umrechnung  auf  Salze  zu  ersehen,  ob  freie  Mineralsäure  übrig
Sehlem  .  ler h®i  kann  man  die  Schwefelsäure  direkt  in  einer  abgewogenen  Menge
mit  g a j  ,.  urc ^  filtrieren  und  hinreichendes  Auswaschen  im  Filtrat  nach  Ansäuern
Phorsäuro lUr,e  ^ Urc ^  Lhlorbaryum  fällen,  während  man  zur  Bestimmung  der  Phos-Aschenu
  t  ^  k°hlensaurem  Natrium  oder  auch  etwas  Kalihydrat  und  Salpeter  (vergl.
g  n  ers uchung  S.  197  und  198)  eindampft,  verascht  und  diese  in  der  Aschehestimmt,
man  I'nöt'  Uc * er ’  Dextrin.  Falls  eine  Bestimmung  dieser  erforderlich  ist,  verfährt
S.  226  og™  na( 'h  Konzentration)  mit  einer  entsprechenden  Gewichtsraenge  nach
Uüd  mit  *^ ac ^weis  freier  Schwefelsäure  kann  man  unter  Umständen  etwas  einengen
0  Ol  fällen,  wie  bei  Wein  (vergl.  Chem.  Centralbl.  1891,  I,  1018).

17*
        <pb n="283" />
        260

Futtermittel.

')  Landw.  Versuchs-Stationen  1889,  36,  29.

6.  Rohfaser.  15—40  g  Schlempe  bezw.  Treber,  2—3  g  Trockensubstanz  entsprechend, ­
  werden  unter  Berücksichtigung  des  Wassergehaltes  der  Schlempe  direkt
nach  S.  245  unter  I  oder  auch  nach  dem  Eindunsten  wie  unter  2  S.  249  behandelt.
7.  Asche.  25—50  g  werden  in  einer  Platinschale  erst  auf  dem  Wasserbade
eingetrocknet  und  dann  wie  üblich  verascht.
Die  Stärkeschlempen  sind  meistens  sehr  arm  an  Mineralstoffen  (besonders  an
Kali-  und  Phosphorsäure).
8.  Alkohol.  Sollte  die  Bestimmung  des  Alkohols,  welcher  gewöhnlich  nur  in  Spuren
in  der  Schlempe  vorhanden  ist,  gewünscht  werden,  so  werden  nach  M.  Märcker  3  1  Schlempe
in  eine  geräumige  Retorte  gebracht,  welche  in  einem  Wasserbado  erhitzt  wird  und  durch
deren  Tubus  man  mittels  eines  bis  auf  den  Boden  der  Retorte  reichenden  Glasrohres
Wasserdampf  einleitet,  und  so  300  ccm  bei  vorgelegtem  Kühler  abdestilliert;  man  ermittelt
das  spezifische  Gewicht  dieser  Flüssigkeit  und  berechnet  den  Alkoholgehalt  nach  der
Alkohol-Tabelle;  jedem  Alkoholometergrad  im  Destillat  entspricht  '/in  Volumprozent
Alkohol  in  der  Schlempe.  Bei  geringem  Gehalt  an  Alkohol  empfiehlt  es  sich,  die  300  ccm
nochmals  zu  destillieren  und  von  100  ccm  Destillat  das  spez.  Gewicht  zu  bestimmen.
Zum  qualitativen  Nachweise  des  Alkohols  verzetzt  man  das  Destillat  mit  einigen
Tropfen  einer  gesättigten  Lösung  von  Jod  in  Jodkalium  (1  Teil  Jodkalium  auf  6—6  Teile
Wasser),  fügt  darauf  verdünnte  Kalilauge  zu,  bis  die  braune  Jodfarbe  fast  verschwunden
ist,  stellt  kurze  Zeit  in  heißes  Wasser  und  läßt  ruhig  erkalten;  bei  Anwesenheit  von
Alkohol  bildet  sich  ein  gelber,  kristallinischer  Absatz  von  Jodoform,  bei  geringer  Menge
ein  deutlicher  Geruch  nach  Jodoform.
9.  Glyzerin.  Nach  H.  v.  Törring')  enthalten  die  Brauntweinschlempen  im  natürlichen ­
  Zustande  0,156—0,300  °/ 0  Glyzerin  oder  2,5—3,9  °/ 0  der  Trockensubstanz.
Zur  quantitativen  Bestimmung  wird  das  Filtrat  von  30  g  Schlempe  samt  dom  Nachwasohwasser
  in  einer  Schale  auf  dem  Wasserbade  bis  auf  etwa  5  ccm  eingedampft,  15  g
gebrannter  Gips  hinzugefügt,  die  zu  erhärten  beginnende  Masse  gut  verrieben  und  das  erhaltene ­
  Pulver  im  Heberextraktionsapparat  etwa  6  Stunden  lang  mit  absolutem  Alkohol  ausgezogen. ­
  Die  alkoholische  Lösung  wird  unter  Zusatz  von  10—20  ccm  Wasser  bis  zur
völligen  Verjagung  des  Alkohols  erwärmt  und  darauf  die  wässerige,  Glyzerin  enthaltende
Lösung  der  Destillation  unterworfen.  Zu  dem  Zweck  wird  die  Lösung  iu  eine  etwa  100  ccm
fassende  Retorte  umgefüllt,  welche  sich  in  einem  mit  Thermometer  versehenen  Luftbade  von
Eisenblech  befindet;  die  Retorte  steht  luftdicht  mit  einem  Liebigschen  Kühler  und  das
umgebogene  Endstück  des  inneren  Kühlrohres  desgl.  durch  einen  mit  einem  doppelt  durchbohrten ­
  Pfropfen  verschlossenen,  starkwaudigeu  Kolben  in  Verbindung;  durch  die  eine
Öffnung  des  Pfropfens  geht  das  umgehogene  Endstück  des  Kühlrohres  bis  in  die  Mitte  des
Kolbens,  durch  die  andere  Öffnung  führt  ein  Glasrohr  zu  einer  Wasserluftpumpe;  in  die
letztere  Verbindung  ist  ein  Quecksilbermanometer  eingeschaltet.  Die  Wasserluftpumpe  muß
die  Luftverdüunung  bis  auf  die  Tension  des  Wasserdampfes  hersteilen  können.
Zuerst  wird  das  Luftbad  auf  160—170°  erwärmt,  bis  alles  Wasser  in  die  Vorlage
überdestilliert  ist;  dann  verbindet  man  mit  der  Wasserstrahlpumpe,  evakuiert  und  destilliert
unter  Steigerung  der  Temperatur  auf  190—210°;  um  die  letzten  Spuren  Glyzerin  aus  dem
Destillationsrohr  zu  entfernen,  läßt  man  3—4  com  Wasser  in  die  erkaltete  Retorte  tröpfeln
und  destilliert  ohne  Anwendung  des  Vakuums  bei  150—170°  im  Luftbade  weiter.
In  dem  10—16  ccm  betragenden  Destillat,  welches  nicht  mehr  als  0,2  g  Glyzerin  in
0,5—1  °/ 0 -iger  Stärke  enthalten  darf  —  bei  geringerem  oder  höherem  Gehalt  konzentriert
oder  verdünnt  man  entsprechend  —,  bestimmt  man  nach  v.  Törring  das  Glyzerin  dadurch,
daß  man  das  Destillat  mit  5  ccm  Benzoylchlorid  und  35  ccm  einer  10  %-igen  Natronlauge
unter  wiederholter  Abkühlung  längere  Zeit  kräftig  durchschüttelt,  bis  das  Glyzerinbenzoat
fest  geworden  ist.  Die  hart  gewordene  Masse  wird  schließlich  nach  dem  Zerreiben  in  der
alkalischen  Flüssigkeit  auf  einem  gewogenen  Filter  gesammelt,  mit  Wasser  gewaschen,
2  —  3  Stunden  bei  100°  getrocknet  und  gewogen;  0,386  g  Glyzerinbenzoat  entsprechen
0.1  g  Glyzerin.
        <pb n="284" />
        Melasse  und  Melassemischfutter.

261

IV.  Melasse  und  Melassemischfutter.
Die  Melasse  und  Melassemischfutter  haben  in  den  letzten  Jahren  nach  Einführung ­
  der  neuen  Zuckerfahrikationssteuer,  wonach  auch  der  aus  Melasse  gewonnene
Zucker  versteuert  werden  muß.  was  früher  nicht  der  Fall  war,  eine  stetig  wachsende
Verwendung  zur  Fütterung  erfahren.
Bei  der  Melasse  unterscheidet  man  die  gewöhnliche,  bei  der  Gewinnung  des
Rohzuckers  abfallende  Melasse,  die  Raffinerie-Melasse  und  die  Restle ­
  lasse  (von  der  Verarbeitung  der  ersten  Melasse  auf  Zucker  mittels  des  Strontianverfahrens
  usw.).  Letztere  Melasse  wird  aber  kaum  mehr  gewonnen  und  die  ersten
’ßtden  Sorten  haben  im  Durchschnitt  eine  nahezu  gleiche  chemische  Zusammensetzung.
Da  die  Yerfütterung  der  Melasse  selbst  wegen  ihrer  klebrigen  Beschaffenheit
p Ub  Schwierigkeiten  verbunden  ist,  vermischt  man  sie  für  den  Handel  mit  trocknen
uttermitteln  (oder  auch  Torfstreu),  die  als  „Melasseträger“  dienen.
Als  Melasseträger  werden  angewendet:  getrocknete  Rübenschnitzel,  gerechnete ­
  Biertreber,  getrocknete  Kartoffelpülpe,  Weizenkleie,  Erdnußkleie,  Mais-(
 '  ‘'"Kuchenmehl,  Palmkernmehl,  Torfstreu  u.  a.,  und  zwar  entweder  für  sich  allein
1  1111  Gemisch  miteinander;  andere  Sorten  sollen  einen  Zusatz  von  Blut  erhalten
( .  Werden  Blut-Melasse  genannt.  Mit  Milch-Melasse  bezeichnet  man  ver-_
  le dene  Mischungen,  welche  aber  nur  zum  Teil  Milch  als  Zusatz  enthalten;  in
Ri  - n  füllen  sind  darin  sehr  minderwertige  Melasseträger  wie  Reisspelzen,  Erdoiehj
  16  ® e ^ un d en &amp;gt;  i n  einem  anderen  Falle  fanden  wir  Palmkernmehl  und  etwas  Erdnuß-_
  1 '  h&amp;gt;as  Verhältnis  von  Melasse  zu  den  Melasseträgern  ist  großen  Schwankungen
gani erwor ^ en )  nämlich  auf  50—70  °/ 0  Melasse  50—30  °/ 0  Melasseträger.  Die  Zudas
  M enSetzun g  dieser  Art  Futtermittel  erhellt  aus  folgenden  Zahlen,  welche  durchweg
Mittel  von  vielen  Untersuchungen  bilden: 1 )
Bezeichnung:
Jucker-Melasse  .  .
«afflnerie-Melasse.
T^^^fdmitzetMelasse
MaS ntreber -Melasse
W P i kei ®-Mel a88e .  ,
MaT a l e  ieie ‘ Mela6se  ■
Paln1 eim4Iela88 e  ■
^'ch-Melasse  (sog.)  [
fast  zu  berücksichtigen
aus  Beta SChUeßlich  aus  Amh
st ehen  ^anthinkörpern

Wasser
22,50  o/o
22,50  „

Stickstoff-Substanz

(N  X  6,25)
10,25  o/ 0
11,10  „

Fett
(Ätherauszug)


Saccharose ­

51,45  o/ 0
50,80  „

Sonstige
stickstofffreie ­

Extraktstoffe ­

8,70  o/ 0
8,30  „

Rohfaser

Asche
7,10  o/ 0
7,30  „

14,26  °/ n

9,30  °/ 0

0.65  o/ 0

22,65  o/ 0

35,50  o/„

11,80  o/o

5,85  %

16,70  „

15,85  „

2,55  „

28,30  „

19,60  ,.

12,90  „

5.10  „

19,08  „

13,52  „

0.42  „

34,66  „

19,70  „

4,79  „

7,84  ,.

22,90  „

12,70  „

1,10  „

27,80  „

24,90  „

4.00  „

6,60  „

18,30  „

15,30  „

3,60  „

30,60  „

22,60  „

3,80  „

5,90  „

20,00  „

11,15  „

1,80  „

31,80  „

23,10  „

4,80  „

7,35  „

24,22  „

8,37  „

0,66  „

35,14  „

19,08  „

5,71  „

6,92  „

14,50  „

18,75  „

1,90  „

19.87  „

18,68  „

18,35  „

8.55  ,.

20,13

21,04  „

2,21  „

20,40  „

19,25  „

7,86  „

8,11  ,.

daß  die  Stickstoff-Verbindungen  der  Melasse
Amiden  (Asparagin,  Glutaminsäure,  Leucin,  Tyrosin),  ferner
n  tv  -*pern  usw.  und  nur  zu  etwa  5  °/ 0  aus  wirklichem  Protein  bobezw
 -  -Snell5v aSSeträger  wie  Torfmull,  Erdnußschalenkleie  und  Getreideschalen
die  Ausn  tr Zen  besi t z en  nicht  nur  keinen  Futterwert,  sondern  beeinträchtigen  sogar
ühschfntt' 1 .  l ^ es  sons tig , en  Futters.  Es  sollte  daher  die  Bezeichnung  der  Melasseß
 er T mi : ttel  den  vorhandenen  Melasseträger  zum  Ausdruck  bringen.
Verbände"  f  1C  1  ^ er  Untersuchung  und  der  Gehaltsgrenzen  gelten  besondere,  von  dem
_____—tscher  landw.  Versuchs-Stationen  getroffene  Vereinbarungen.
ei &amp;amp;k  hierzu:  M.  Schmoeger,  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  59,  83.
        <pb n="285" />
        262

Futtermittel.

1.  Bestimmung  des  Wassers.  In  den  Melassemischfuttern  kann  der  Gehalt  an
Wasser  wie  üblich  bestimmt  werden.  Von  der  Melasse  selbst  oder  ähnlichen  sirupartigen
  Massen  wägt  man  entweder  3—5  g  in  einer  mit  geglühtem  Seesande  beschickten, ­
  vorher  gewogenen  Schale  ab,  verdünnt,  um  eine  gleichmäßige  Mischung
mit  dem  Sande  zu  bewirken,  mit  entsprechenden  Mengen  Wasser,  oder  man  nimmt
von  einer  wässerigen  Lösung  von  bekanntem  Gehalt  —  die  zur  Zuckerbestimmung
verwendet  werden  soll  —  25  oder  50  ccm,  gibt  diese  in  die  mit  geglühtem  Sande
beschickte,  vorher  gewogene  Platinschale,  trocknet  zuerst  im  Wasserbade  und  darauf
im  Trockenschrank  bei  100--105°  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit. 1 )  Auch  kann  man
sich  statt  der  mit  geglühtem  Sande  beschickten  Schalen  der  flachen  Niokelschalen
(wie  bei  Milch)  oder  der  flachen  Platinschalen  (wie  bei  Wein)  bedienen,  wobei  zu
beachten  ist,  daß  die  angewendete  Menge  nur  so  groß  sein  darf,  daß  der  Trockenrückstand
  1—2  g  beträgt.
Für  ganz  genaue  Trockensubstanz-Bestimmungen  empfiehlt  sich  ein  Trocknen
im  Wasser  Stoff  ström  bei  100°.
„Der  Wassergehalt  darf 2 )  bei  Melasse-Kraftfutter  und  ähnlichen
Gemischen  höchstens  20°/ 0 ,  bei  Torfmelasse  höchstens  25°/ 0  betragen.
Ein  Überschuß  über  diese  Gehaltsgrenzen  ist  als  eine  entsprechende
Wertsverminderung  der  Ware  anzusehen.  Auch  ist  bei  Melassefutter-Gemischen
  gegebenenfalls  darauf  hinzuweisen,  daß  ein  mehr  als  20°/ 0
betragender  Wassergehalt  die  Haltbarkeit  des  Futtermittels  um  so
mehr  gefährdet,  je  höher  derselbe  Uber  der  Grenzzahl  von  20°/ 0  liegt.“
2.  Bestimmung  des  Stickstoffs  (vergl.  S.  137).  Man  kann  bei  reiner  Melasse
(also  ohne  Aufsaugungsmittel)  die  zur  Zuokerbestimmung  dienenden  Flüssigkeiten
(10  g  zu  250  ccm)  verwenden,  indem  man  aliquote  Teile  (25  oder  50  ccm)  zunächst  unter
Zusatz  von  einigen  Tropfen  Schwefelsäure  auf  einer  kleinen  Flamme  im  Kjeldahl-Kolben
  bis  auf  einen  kleinen  Eest  (10—15  ccm)  eindunstet,  erkalten  läßt,  dann
allmählich,  um  ein  zu  starkes  Auf  schäumen  der  Masse  zu  verhindern,  mit  20  ccm  der
vorgeschriebenen  Schwefelsäure  versetzt  und  wie  üblich  weiter  verbrennt.  Von
Melassemischfutter  verwendet  man  direkt  abgewogene  1—2  g  Substanz  wie  üblich.
Der  so  in  der  Melasse  oder  dem  Melassemischfutter  gefundene  Stickstoff,  multipliziert
mit  6,25,  darf  aber  nicht  als  Kohprotein  angesehen  werden,  weil  der  größte  Teil  der
Stickstoff-Verbindungen  der  Melasse  aus  Amiden  und  anderen  nicht  proteinartigen  Verbindungen
besteht.  Daher  soll  der  Gesamt-Stickstoff  mal  6,25  in  der  Melasse  als  „Stickstoff-Substanz“
und  in  Melasse-Mischfuttermitteln  als  „Stiokstoffh.  Substanz“,  herstammend  aus  Melasse
und  dem  betreffenden  Futtermittel  bezeichnet  werden.  Außerdem  soll  nach  den  Beschlüssen
des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen 3 )  i.  D.  fi.  den  Mitgliedern  anheimgegeben  werden,
je  nach  Befinden  für  die  stickstoffhaltigen  Stoffe  in  der  Trockensubstanz  gewöhnlicher
Melassen  2,16  °/ 0  Stickstoff  =  13,5  °/ 0  Nh-Substanz  und  für  die  der  Eestmelasse  0,69  °/ u
Stickstoff  =  4,3  °/ 0  Nh-Substanz  in  Anrechnung  zu  bringen.  Wird  die  Stickstoff-Substanz
der  Melasse  auf  diesem  Wege  ermittelt,  so  ist  dies  in  den  Untersuchungs-Attesten  anzugeben.
3.  Bestimmung  des  Fettes.  25  g  des  Melassemischfutters  werden  3  Stunden
bei  80°  getrocknet,  nach  dem  Erkalten  und  Wägen  auf  der  Gruson-  oder  Malzmühle ­
  gemahlen;  von  dem  Pulver  werden  dann  5  g  auf  einem  Saugfilter  oder  im
Goochschen  Tiegel  mit  etwa  100  ccm  kaltem  Wasser  unter  Auftropfen  vom
J )  Diese  wird  in  zucker-  und  dextrinreichen  Massen  selten  genau  erreicht;  sie  geben
nur  schwer  alles  Wasser  ab;  trocknet  mau  sie  aber  zu  lange,  so  bräunen  sie  sich  und
nehmen  unter  Umständen  infolge  Aufnahme  von  Sauerstoff  sogar  etwas  an  Gewicht  zu.
2 )  Vergl.  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  57,  21  und  1902,  68,  137.
3 )  Ebenda  1901,  55,  10.
        <pb n="286" />
        Melasse  und  Melassemischfutter.

263

Mucker  befreit, 1 )  der  Rückstand  in  üblicherweise  bei  95°  getrocknet  und  mit  Äther
ausgezogen. 2 )
4.  Bestimmung  des  Zuckers.  Die  Bestimmung  des  Zuckers  kann  nach  Auflösen ­
  einer  bestimmten  Menge  in  200  oder  500  ccm.  Filtrieren  und  Invertieren
eines  aliquoten  Teiles  des  Filtrates  gewichtsanalytisch  (S.  229)  erfolgen  oder  auch
durch  Polarisation  nach  dem  Vorschläge  von  K.  Müller 8 )  wie  folgt:
25  g  Melassefuttermittel  werden  in  einem  Erlenmeyer-Kolben  von  etwa
•300  ccm  eingewogen,  mit  250  ccm  Wasser  etwa  1 / 4  Stunde  unter  öfterem  Umschwenken
ausgezogen,  darauf  filtriert.  Von  dem  Filtrat  werden  100  ccm  in  einem  Kölbchen  mit
e mer  Messerspitze  voll  Tannin  (0,015—0,020  g)  versetzt;  nach  Durchschütteln  hiermit
Werden  10  ccm  des  üblichen  Bleiazetats,  ferner  10  ccm  einer  5  °/ 0 -igen  Alaunlösung,
endlich  ein  Messerspitzchen  voll  Tonerdehydrat  zugeraischt,  filtriert  und  polarisiert.
Beispiel;  Angenommen,  die  Polarisation  nach  Ventzke-Soleil  betrage  10,8  Grad,  so
at  man  unter  Berücksichtigung  der  Verdünnung  mit  20  ccm  im  ganzen  10,8  +  2,06  =  12,36
Grad  Drehung:
12,36  x  0,26048  =  3,22  g  Zucker  in  100  ccm.
i®  Gesamtmenge  Flüssigkeit  beträgt  250,0  ccm,
( azu  Wasser  aus  Melassefuttermittel,  z.  B.  Torfmelasse  (mit  25%  Wasser)  .  6,3  „

also  ln  25  g  Torfmelasse  =  8,25  g  oder  33%  Zucker.

zusammen  256.3  com,

100
Nimmt  man  in  der  Melasse  48%  Zucker  im  Durchschnitt  an,  so  besteht  die  Torfuelasse^
  aus  69%  Melasse  und  31%  Torf.
5*  Bestimmung  der  Rohfaser  in  dem  Melassemischfutter  vergl.  S.  245  und  249.
6»  Bestimmung  der  Asche.  Bei  der  Veraschung  der  Melasse  und  des  Melasse-•'chtuttemittels
  sind,  um  eine  vollständige  Verbrennung  zu  erzielen,  die  S.  195
gegebenen  Hilfsmittel  zu  beachten.
sehr  h'  Saclnveis  der  Natur  des  Melasseträgers.  Dieser  Nachweis  erfolgt  nach  Aufeiiung
  der  Substanz  mikroskopisch.  Vielfach  dienen  ganz  wertlose  oder  die  Ver-Un
 g  gar  beeinträchtigende  Zusätze  (z.  B.  Erdnußhülsen,  Torfmehl)  als  Melasseträger.
3.  Nachweis  von  Blut  in  sog.  Blutmelnsse.

kann

Zum  Nachweis  von  Blut  in  Melasse
den  \r man  desselben  Verfahrens  bedienen,  welches  A.  Emmerling  u.  a.  für
achweis  von  Blut  in  Blutdünger  (S.  166)  angegeben  haben.
Bestimmung  des  Gehaltes  an  Melasse  hezw.  Melasseträger  in  Melassemischo„.
  ,  r *  Hierzu  hat  der  Verband  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  E.  folgenden  Behlu
 8  gefaßt: 4 )
tr ..  ’-Hie  Bestimmung  des  Gehaltes  der  Melassemischungen  an  Melasseder
  6111  unc *  an  belasse  ist  bis  auf  weiteres  entweder  durch  Bestimmung
Wasserunlöslichen  Trockensubstanz  (Verfahren  Schmoeger)  oder
einschrV^* 0  vor k er ige  Entfernung  des  Zuckers  ist  deshalb  notwendig,  weil  er  das  Fett
mit  W  .  H lnw irkung  des  Äthers  auf  dasselbe  behindert.  Beim  Auswaschen
asser  können  aber  leicht  Verluste  auch  an  Fett  stattfinden.
sprüniO•  v,  el “ stvers tändlich  muß  die  so  gefundene  Fettmenge  auf  das  entsprechende  urw
 ®der  die  um &amp;amp; erec i 1 net  werden.  Einfacher  dürfte  es  daher  sein,  daß  man  ent-(==5
  Dalfte  (=  12,6  g  ursprüngliche  Substanz)  oder  ’/b  des  getrockneten  Rückstandes
nicht  mabT^ 6  Substanz)  anwendet.  Wenn  der  Trockenrüokstand  sich  überhaupt
z iehen  a  80  mu d  man  die  ursprüngliche  Substanz  (10  g)  direkt  mit  Wasser  aus-’
 3 ,  ® n  Rückstand  trocknen  und  weiter  mit  Äther  behandeln,
selbst  hervoi*^  ^. ersu °l 18 'Stationen  1896,  47,  249.  Das  Verfahren  ist,  wie  K.  Müller
4 1  T  ° r W ) *’  n i°ht  genau,  genügt  aber  den  praktischen  Bedürfnissen.
’  andw -  Versuchs-Stationen  1904,  60,  214.
        <pb n="287" />
        264

Futtermittel.

durch  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  eines  wässerigen  Auszuges ­
  (Verfahren  Neuhauer)  auszuführen.  Die  Versuchs-Stationen  sind
aufzufordern,  durch  eine  Vervollständigung  der  von  Schmoeger  und
Neubauer  angegebenen  Korrektionszahlen  für  den  wasserlöslichen  Teil
des  Melasseträgers  Material  zu  liefern  für  eine  etwa  nötig  werdende
Richtigstellung  derselben.“
Das  Verfahren  von  M.  Schmoeger 1 )  besteht  in  folgendem:
„6  g  der  vorgetrockneten  und  gemahlenen  Mischung  werden  zur  Lösung  der
Melasse  mit  10  bis  20  ccm  kaltem  Wasser  angerührt  und  sodann  auf  einem  Saugfilter ­
  oder  in  einem  größeren  Goochschen  Tiegel  unter  weiterem  Auftropfen  von
kaltem  Wasser  ausgewaschen.  Das  gesamte  Waschwasser  soll  etwa  100  ccm  betragen. ­
  Der  Rückstand  wird  bei  95°  getrocknet  (zweckmäßig  erst  auf  offenem
Wasserbad,  dann  im  Wassertrockenschrank).  Aus  dem  Gewicht  des  gefundenen
Wasserunlöslichen  berechnet  man  unter  Berücksichtigung  des  in  Lösung  gegangenen
Teiles  der  Trockensubstanz  des  Melasseträgers  *)  und  des  durchschnittlichen  Wassergehaltes ­
  des  lufttrocknen  Melasseträgers  (cfr.  die  gebräuchlichen  Futtermitteltabellen)
  den  Prozentgehalt  der  Melassemischung  an  Melasseträger  oder  Melasse.“
H.  Neubauer  bestimmt  die  Menge  der  Melasse  in  Melassemischfutter  wie  folgt:
M  bedeutet  das  spezifische  Gewicht  der  Melassetrockeusubstanz  (1,69),
T  das  Gewicht  der  in  1  g  Trockensubstanz  des  Aufsaugungsmaterials  enthaltenen  wasserlöslichen ­
  Stoffe  (ausgedrückt  in  Gramm),  unter  gewissen  Voraussetzungen  aus  dem
spezifischen  Gewicht  ihrer  Lösung  berechnet  (im  Mittel  etwa  0,046), 2 )
w  das  Gewicht  der  in  einer  Melasselösung  enthaltenen  Wassermenge  (Gramm),
s'  das  direkt  beobachtete  spezifische  Gewicht  einer  reinen  Melasselösung,
s  das  direkt  beobachtete  spezifische  Gewicht  des  aus  einem  Melassemischfntter  hergestellten ­
  wässerigen  Auszuges,
s"  das  direkt  beobachtete  spezifische  Gewicht  des  wässerigen  Auszuges  eines  Anfsaugungsmaterials.

a  die  zur  Untersuchung  verwendete  Gewichtsmenge  Trockensubstanz  des  Melassemischfutters ­

  (Gramm),
x  das  gesuchte  Volumen  der  in  dem  Mischfutter  enthaltenen  Melassetrockeusubstanz  iu
com,  also
Mx  das  gesuchte  Gewicht  der  Melassetrockeusubstanz  in  Gramm.
Löst  man  Mx  g,  entsprechend  x  g  Melassetrockensubstanz  in  so  viel  Wasser
auf,  daß  das  Volumen  der  Flüssigkeit  v  beträgt,  und  ist  das  spezifische  Gewicht
dieser  Lösung  s',  so  besteht  die  Gleichung:
Mx  +  v  —  x  =  vs'.
Durch  weitere  Beziehungen  zwischen  den  einzelnen  Größen  erhält  man
schließlich  das  Gewicht  der  Melasse-Trockensubstanz  durch  folgende  Gleichung:
v  (s  —  1)  —  a  T

Mx  =  M  ,

M  (1-  T)  —  1'

Behufs  Ausführung  des  Verfahrens  werden  3  g  bei  etwa  100°  bis  zum  beständigen ­
  Gewicht  getrocknet;  es  seien  7,86  °/ 0  Wasser  =  92,14  °/ 0  Trockensubstanz
gefunden.

x )  Vergl.  G.  Schmoeger,  Landw.  Versuchs-Stationen  1902.  57,  27.  Dort  werden
jz.  B.  als  ungelöst  von  der  Trockensubstanz  (Schmoegersche  Konstanten)  angegeben:
.Palmkern-  Trockne  Trocken-  „  ,  ,  .  Trocken-  „  ,  „ r  .  ...
mehl  Biertreber  sohlempe  Malzkelrae  schnitze!  Torf  Weizenkleie
90,2  o/o  95,1  o/o  90,7  o/„  62,4  %  90,2  %  99,5  &amp;lt;&amp;gt;/ 0  82,3%.
s )  Für  Biertreber  ist  T  z.  B.  =  0,026.  Brennereitreber  =  0,018,  Erdnußhülsen  =  0,026,
Malzkeime  =  0,153,  Palmkernmehl  =  0,039,  Rübenschnitzel  =  0,046,  Torffaser  =  0,007,
        <pb n="288" />
        Peptonfutter.

265

In  ein  tariertes,  etwa  200  ccm  fassendes  Erlenmeyer-Kölbchen  werden
10,00  g  Substanz  gebracht,  darauf  aus  einer  Pipette  100  ccm  Wasser  zugegeben,
das  Ganze  gewogen,  das  Kölbchen  sofort  mit  einem  auch  an  der  unteren  Fläche
dicht  an  das  Glas  anschließenden  Gummistopfen  verschlossen  und  unter  häufigem
Uiuschtttteln  2  Stunden  lang  bei  Zimmertemperatur  stehen  gelassen.
Nach  Verlauf  dieser  Zeit  wird  in  ein  25  ccm  fassendes  Reischauersches
Pyknometer  filtriert,  nach  dem  Temperieren  auf  15°  auf  die  Marke  eingestellt  und

durch  Wägung  das  spezifische  Gewicht  des  Filtrats  bestimmt.  Man  hat  dann  alle
notwendigen  Unterlagen.
Es  wird  vorausgesetzt,  daß
M  =  1,69  und  T  =  0,046  ist.
Kölbchen  +  10  g  Substanz  Wasser  wiegt  149,790  g
Kölbchen  leer  39,763  „
Also  Gewicht  des  zugesetzten  Wassers  100,027  g
Gewicht  des  in  der  Substanz  schon  enthaltenen  Wassers  .  .  0,786  „

also  W  =  100,813  g
Die  angewendete  Menge  Trockensubstanz  beträgt  a  =  .  .  .  9,214  „
Als  spezifisches  Gewicht  der  Lösung  wurde  gefunden  s  =  .  1,0145  ,,
Setzt  man  alle  diese  Werte  in  die  oben  abgeleitete  Formel  ein,  so  erhält  man:

Mx  =  1,69

100,813  (1,0145  —  1)  -  9.214.0.046  _  1.4618  -  0.4238
1,69  (1  —  0,046)  —  1,0145  “  1 1,6123  -  1,0145
1.0380
~  1,by  •  0,5978  -  g '

Es  sind  also  in  den  10  g  angewandter  Substanz  2,93  g,  entsprechend  29,3  0 . 0
assetrockensubstanz,  enthalten.
Die  Verfahren  von  Schmoeger  wie  Neubauer  liefern  beide  richtige  Erge  )-ni
 ®e;  auch  zeigt  H.  Neuhauer, 1 )  daß  zwischen  der  von  ihm  benutzten  Größe  T  und
der  Konstanten  von  Schmoeger  (wasserunlöslicher  Anteil  der  Trockensubstanz  des
■Melasseträgers)  eine  Beziehung  besteht.

Mel

,  „  10.  Garantien  im  Handel  mit  Melassefutter.  An  die  Verkäufer  von  Melasse
Futtermitteln  ist  nach  dem  Beschlüsse  des  Verbandes  laudw.  Versuchs-Stationen  i.  D  U
dle  Anforderung  zu  stellen,  daß  sie  nicht  allein  für  bestimmte  Gehalte  an  Nährstoffen  und
iU1  Melasse,  sondern  auch  für  die  Art  der  vorhandenen  Melassetrager  Garantie  lelste “  ,
.  t  11.  Wertschätzung  der  Melassefuttermittel.  Der  Wert  des  Melassemischfutte
lät  nach  dem  Marktpreise  der  das  Futter  zusammensetzenden  Stoffe,  also  der  Melasse  uu
sonstigen  Zusätze  zu  bemessen.

V.  Peptonfutter,
ei nem  ^? ter  diesem  Namen  werden  verschiedene  Erzeugnisse  verstanden.  Nach
Und  r  , sc k la g e  von  A.  Braun  in  Wiesbaden  soll  man  saure  Milch,  Kartoffeln
p e _.  *'^deschrot  zu  einem  Brei  verarbeiten,  diesen  durch  Erwärmen  auf  62,5°
fein  n  usiereir ‘,  darauf  durch  Zusatz  von  Natriumkarbonat  alkalisch  machen  und  mit
v °rsteh  UU  &amp;lt;ter  Pankreasdrüse  vom  Schwein  vermischen.  In  ähnlicher  Weise  wie
Und  p  ei K  &amp;lt;is  »Schweinefutter“  soll  Milch  durch  direkten  Zusatz  von  Natriumkarbonat
bar  sind  leassa ^  pcptonisiert  werden.  Da  derartige  Erzeugnisse  sehr  wenig  haltj,.
 !  so  setzen  sie  ihrer  Anwendung  von  selbst  Schranken.
Werken“ 1 *  ;uit ' ores :  von  E.  Plönnis  angegebenes  und  von  den  „Deutschen  Peptonaui
  dem  Berliner  Viehhof  angewendetes  Verfahren  besteht  angeblich  darin,
1  Landw -  Versuchs-Stationen  1904,  60,  243.
        <pb n="289" />
        266

Futtermittel.

daß  man  die  Schweine  bis  etwa  zwei  Stunden  vor  dem  Schlachten  mit  Gerstenschrot
füttert,  den  mit  Speichel  und  Magensaft  durchtränkten  Speisehrei  sammelt,  hei  40°  mit
Blut  vermischt,  nach  Peptonisierung  behufs  Auflockerung  mit  Heuhäcksel  versetzt,
das  Ganze  zwei  Stunden  kocht,  trocknet  und  mahlt.  Die  Versuchs-Station
Halle  a.  S.  fand  für  ein  solches  Erzeugnis:
Stickstoff-  „  ,  Stickstofffreie  „  ,  ,,  .  ,
Wa8ser  Substanz  Fett  Extraktstoffe  Kohfaser  Asche
13,7  %  51,9  o/ 0  0,9  o/ 0  17,3  «/„  7,0  %  9,2  o/ 0 .
Das  vorstehende  Verfahren  ist  dann  von  E.  Plönnis 1 )  dahin  ahgeändert,
daß  das  verwendete  Blut  erst  mit  direktem  Dampf  von  6—8  Atm.  gekocht,  das  ausgeschiedene ­
  Protein-Gerinnsel  mit  dem  Inhalt  der  Schweinemägen  und  mit  getrocknetem
Panseninhalt  der  Einder  gemischt,  das  Ganze  erhitzt  und  schließlich  getrocknet
wird;  diese  Masse  wird  angeblich  nochmals  mit  getrocknetem  Pansen-  bezw.  Blätterraageninhalt
  versetzt  und  dem  staubfein  gemahlenen  Pulver  Melasse  als  Bindemittel
zugesetzt.  Nach  den  Untersuchungen  von  B.  Schulze 2 )  zeigte  dieses  Peptonfutter
anfänglich  große  Schwankungen,  z.  B.  16,5—22,1  °/ 0  Wasser,  13,0—24,4  °/ 0  Stickstoff-Substanz ­
  in  festem  Stoff,  4,3—5,9  °/ 0  Melasse-Stickstoff-Suhstanz,  19,9—27,7  °/ 0
Zucker  usw.  In  letzter  Zeit  scheint  das  Peptonfutter  eine  gleichmäßigere  Beschaffenheit ­
  angenommen  zu  haben,  indem  es  durchschnittlich  ergab: 8 )  23,8°/ 0
Eohprotein,  18,3  %  Eeinprotein,  1,0  °/ 0  Fett,  30,8  °/ 0  Zucker,  43,0  °/ 0  sonstige  stickstofffreie ­
  Extraktstoffe.
Auch  lauten  die  Berichte  über  Fütterungsversuche  mit  dem  Peptonfutter
allgemein  sehr  günstig.  Das  rechtfertigt  aber  immer  noch  nicht  seine  Anwendung;
denn  diese  hängt,  abgesehen  davon,  daß  das  Peptonfutter  leicht  schädliche  Stoffe
bezw.  Keime  enthalten  kann,  von  seinem  Preise  ab  und  dieser  muß  infolge  der
Herstellungsunkosten  für  gewöhnliche  Fütterungszwecke  stets  zu  teuer  werden. 4 )
Auch  muß  die  Zusammensetzung  dem  Namen  entsprechen,  d.  h.  es  muß  als  Peptonfutter ­
  auch  wirklich  Pepton  enthalten;  letzteres  konnten  aber  B.  Schulze  wie  auch
wir  in  einigen  Proben  nicht  oder  nur  in  geringer  Menge  nachweisen.
Zur  Bestimmung  der  Albumosen  bezw.  Peptone  werden  10  g  oder  mehr
einige  Zeit  in  einem  1 / 2  1-Kolben  mit  Wasser  unter  öfterem  Umschütteln  behandelt,
dann  wird  mit  Wasser  bis  zur  Marke  aufgefüllt,  durchgemischt  und  durch  ein
trocknes  Filter  filtriert;  von  dem  Filtrat  werden  100  ccm  einige  Zeit  gekocht  und,
wenn  eine  Ausscheidung  von  Albumin  —  dieses  wird  für  sich  bestimmt  —•  stattfindet, ­
  filtriert;  das  Filtrat  nebst  Waschwasser  wird  auf  ein  kleines  Volumen
(40—50  ccm)  eingedampft  und  nach  S.  212  auf  Albumosen  und  Peptone  untersucht.

VI.  Wurzelgewächse,  Kartoffeln  und  Rüben  usw.
1.  Probenahme.  Um  eine  gute  Durchschnittsprobe  von  größeren  Haufen  zu
erhalten,  wählt  man  gute  Mittelexemplare  der  größten,  mittleren  und  kleineren
Knollen  oder  Eüben  der  Menge  nach  in  dem  Verhältnis  aus,  in  welchem  die  verschiedenen ­
  Größen  vorhanden  sind,  und  zwar  von  kleineren  Wurzelgewächsen  20—30,
von  größeren  9—12  Exemplare;  diese  werden  von  den  Köpfen,  den  anhängenden
Wurzelfasern  und  anhaftender  Erde  durch  Ahspülen  sorgfältig  gereinigt,  mit  einem
Tuch  von  anhaftendem  Wasser  befreit  und  einige  Stunden  an  der  Luft  liegen  gelassen.
')  Illustrierte  Landw.  Zeitung  1902,  No.  28.
2 )  Mitteilungen  d.  D.  Landwirtschafts-Gesellschaft  1902,  Stück  13.
8 )  Ebenda  1904,  Stück  2.
4 )  Vergl.  J.  Hansen,  Deutsche  Landw.  Presse  1902,  49.
        <pb n="290" />
        Wurzelgewächse,  Kartoffeln  und  Rüben.

267

Darauf  werden  die  sämtlichen  Exemplare  gewogen,  um  das  Durchschnittsgewicht
zu  erhalten;  wenn  die  größeren,  mittleren  und  kleineren  Exemplare  getrennt  untersucht ­
  werden  sollen,  werden  auch  deren  Gewichte  getrennt  ermittelt.
2.  Bestimmung  des  Wassers.  Die  sorgfältigst  gereinigten  Knollen  oder  Rühen
werden  in  tunlichst  dünne  Scheiben  geschnitten,  die  Scheiben  an  vorher  gewogenen
Messingdrähten  mit  Bügel  (oder  auch  an  Fäden)  aufgereiht,  gewogen,  in  einen
Trockenschrank  gebracht  und  bei  50—60°  so  lange  getrocknet,  bis  die  Schnitte
hinreichend  spröde  sind  behufs  Zerkleinerung  mit  der  Schrotmühle.
Im  ganzen  verwendet  man  700—1500  g.
Um  eine  tunlichst  große  Anzahl  Exemplare  verwenden  zu  können,  teilt  man
hie  Knollen  und  kleineren  Rüben  in  2  Hälften  und  zerschneidet  je  die  eine  Hälfte
zu  dünnen  Scheiben.

Aber  auch  das  würde  für  große  Rübenkörper  hei  Anwendung  von  mehreren
Exemplaren  zu  viel  zum  Trocknen  geben.  Diese  teilt  man  daher  kreuzweise  in
Teile  und  nimmt  von  jedem  Viertel  eine  oder  mehrere  entsprechende  Schnitte.
ac h  dem  Trocknen  läßt  man  sie  einige  Stunden  an  der  Luft  liegen,  wägt  und
zerkleinert  auf  einer  geeigneten  Schrotmühle.
I  on  der  vorgetrockneten,  gepulverten  Substanz  werden  5—10  g  bis  zur  Beuudigkeit
  des  Gewichtes  bei  105—110°  weiter  getrocknet;  die  Berechnung  des
ursprünglichen  Wassergehaltes  erfolgt  wie  bei  No.  I  (Grünfutter)  S.  255  u.  f.
In  anderen  Fällen  kann  man  auch  den  Gehalt  an  Wasser  bezw.  an  Trockenen ­
  „stanz  in  der  Weise  bestimmen,  daß  man  von  dem  feinen,  mit  einer  Kartoffel-  oder
h  enreibe  hergestellten,  gut  durchgemischten  Brei  100—200  g  in  flachen  Porzellan-T,
  ; en  erst  auf  dem  Wasserbade  eindunstet,  dann  anhaltend  bis  zur  annähernden
Inständigkeit  des  Gewichtes  bei  105—110°  im  Trockenschranke  weiter  trocknet.
c  lerer  ist  die  völlige  Austrocknung  im  Vakuum  bei  100°.
g  ,  Die  Bestimmung  der  übrigen  Bestandteile  erfolgt  in  der  lufttrocknen
’s  anz  nach  den  unter  A  S.  208—251  angegebenen  Verfahren.
e  ,  Für  die  Darstellung  des  wässerigen  Auszuges  nimmt  man  entweder  eine
'  j )re chende  Menge  der  lufttrocknen  Substanz  oder  auch  des  feinen,  gut  durchsetzen ­
  Breies  und  behandelt  diese  wiederholt  mit  ausgekochtem,  kaltem  Wasser.
3  e-  man  Bloß  Glukose  und  Saccharose  bestimmen,  so  zieht  man  2  bis
die  1 er  Bilttrocknen  Substanz  wiederholt  mit  80—85  °/ 0 -igem  Weingeist  aus,  bringt
Best  USz11ge  au ^  ein  bestimmtes  Volumen  und  entnimmt  hiervon  aliquote  Teile  zur
■’  miniung  der  Zuckerarten  nach  S.  227—234.
Die  Bestimmung  des  Zuckers  in  „Zuckerrüben“  ist  weiter  unten  besprochen,
ge  ® o11  auch  eine  Bestimmung  der  Stärke  —  z.  B.  in  Kartoffeln  —  vor-S
 p  , men  werden,  so  verreibt  man  eine  etwa  3—4  g  Trockensubstanz  ent-Wiede
  ^ enge  Kartoffel-  bezw.  Rübenbrei  mit  kaltem  Wasser  und  läßt  unter
Plüss'  /  . tem  tüchtigen  Durchrühren  eine  Stunde  stehen.  Hierauf  gießt  man  die
Pließ  .  ? lt}  oFne  ^ en  Bodensatz  aufzurühren,  auf  ein  Filter  von  gut  filtrierendem
Unter  t J? ler  ’  zu ^ e tzt  wird  das  Ungelöste  auf  das  Filter  gebracht,  mit  kaltem  Wasser
Dlass  I  •  niner  Wasserluftpumpe  vollständig  ausgewaschen,  das  Filter  auf  eine
Pläsch  b 1,)e  ailsgeFre itet  und  der  Inhalt  sorgfältig  in  ein  150—200  ccm  fassendes
wie  q  ooo  ® es P*Ut,  die  Wassermenge  auf  etwa  200  ccm  gebracht  und  die  Stärke,
2ö8  u  f  ar
Bode  S.  241

ii.  f.  angegeben  ist,  bestimmt.  Vergl.  auch  das  Verfahren  von  Baumert
3.  241.
We  -  Bestimmung  der  Asche  ist  in  zuckerhaltigen  Rüben  oder  Flüssigkeiten
gen  ^ er  schweren  Verbrennung  der  eingeschlossenen  Kohle  durchweg  recht
        <pb n="291" />
        268

Futtermittel.

schwierig;  um  eine  kohlefreie  Asche  zu  erhalten,  muli  man  die  S.  194  unter  2a
angegebenen  Hilfsmittel  benutzen.
i.  Spezifisches  Gewicht.  Es  wird  wie  bei  Kartoffeln  ermittelt  (vergl.  „Spiritusfabrikation“). ­

Man  hat  aus  dem  spezifischen  Gewicht  der  Hüben,  ähnlich  wie  hei  Kartoffeln,
auf  deren  Gehalt  an  Trockensubstanz  geschlossen,  indes  besitzen  diese  Angaben
nicht  die  Genauigkeit  wie  hei  Kartoffeln.
Für  die  Untersuchung  der  Kartoffeln  und  Zuckerrüben  zu  technischen
Zwecken  gelten  noch  besondere  Vorschriften,  welche  hei  Zucker-  und  Spiritushersteilung
  näher  beschrieben  werden.
VII.  Ölsamen.
Die  Ölsamen  lassen  sich  wegen  ihres  großen  Fettgehaltes  durchweg  nicht
mit  der  Schrotmühle  zerkleinern;  sie  müssen  in  einem  geriffelten  eisernen  Mörser
tunlichst  fein  zerquetscht  und  verrieben  werden,  was  wegen  der  Geschmeidigkeit
der  Samen  sehr  leicht  gelingt.  Die  Untersuchung  dieser  fetthaltigen  Masse  geschieht,
wie  unter  A  (S.  208—251)  angegeben  ist.  Es  bleibt  nur  noch  folgendes  zu  beachten:
1.  Für  die  Fettbestimmung  füllt  man  die  zerquetschte  Masse  (5  g)  wie
sonst  in  die  Papierhülse,  setzt  diese  für  sich  allein  in  ein  Porzellanschälchen,
trocknet  1—2  Stunden  bei  90—100°  und  spült,  falls  Fett  in  das  Schälchen  eingedrungen ­
  sein  sollte,  dieses  mit  Äther  in  den  Heberextraktionsapparat  hezw.  in
das  Kölbchen  und  zieht  wie  sonst  3—4  Stunden  aus.  Dann  nimmt  man  die  Hülse
mit  dem  entfetteten  Rückstand  heraus,  gibt  letzteren  tunlichst  vollständig  in  einen
eisernen  Mörser,  zerkleinert  sorgfältig  und  zieht  von  neuem  2—3  Stunden  aus.
Unter  Umständen  empfiehlt  es  sich,  die  tunlichst  zerquetschte  und  verriebene
Masse  (5  g)  mit  geglühtem  Sand  (etwa  20  g)  im  Mörser  innig  zu  verreiben,  letzteres
Gemisch  in  die  Hülse  zu  bringen  und  auszuziehen;  dabei  muß  die  Schale  wiederholt ­
  mit  Äther  ausgespült  und  letzterer  in  den  Extraktionsapparat  gebracht  werden.
M.  Lehmann 1 )  hat  für  den  Zweck  eine  kleine  Extraktionsmühle 2 )  hergestellt, ­
  welche  genügend  fein  mahlt  und  so  klein  ist,  daß  sie  mit  dem  Mahlgut  in
den  Soxhletschen  Apparat  eingefügt  werden  kann.
Man  hat  für  die  Technik  auch  besondere  sog.  „Oleometer“  zur  Fetthestimmung
  angefertigt,  von  denen  das  vonVohl  am  weitesten  verbreitet  ist.  Der
Extraktionsapparat  ist  dem  Soxhletschen  Heberextraktionsapparat  durchaus  ähnlich;
als  Extraktionsmittel  wird  Kanadol,  ein  zwischen  37—50°  siedendes  Destillationserzeugnis ­
  des  Petroleums,  verwendet  und  das  ausgezogene  Fett  nach  Verdampfen  des
Kanadols  nicht  gewogen,  sondern  es  wird,  wie  hei  der  Soxhletschen  Milchfett-Bestimmung,
  das  spezifische  Gewicht  des  Kanadolauszuges  ermittelt  und  daraus  auf
den  Gehalt  an  öl  bezw.  Fett  geschlossen.  Vohl  hat  zu  dem  Zweck  besondere
Tabellen  für  Rüböl,  Leinöl,  Hanföl,  Mohnöl  usw.  berechnet,  aus  denen  man  den  dem
spezifischen  Gewicht  entsprechenden  Fettgehalt  ablesen  kann.
2.  Ranzigkeit  der  Fette  (freie  Fettsäuren);  hierüber  vergl.  unter  Fettbestimmung ­
  (S.  223).
3.  Für  die  Bestimmung  der  Rohfaser,  der  Stärke  und  der  in  Wasser  löslichen
Stoffe  sind  die  zerquetschten  und  zerriebenen  ölsamen  vorher  mit  heißem  Alkohol
und  Äther  auszuziehen  und  dann  erst  weiter  zu  behandeln;  dabei  nimmt  man  von
der  ursprünglichen  gut  gemischten  Substanz  je  nach  dem  Fettgehalt  der  Samen  die
')  Chem.-Zeituug  1894,  18,  412.
2 )  Zu  beziehen  von  Max  Kahler  und  Martini  in  Berlin  W.
        <pb n="292" />
        Olsamen.

269

doppelte  Menge  oder  1 / g  mehr,  als  sonst  für  diese  Bestimmungen  genommen  zu
werden^  pflegt.
4.  Bestimmung  des  Senfölgehaltes  in  den  Cruciferensamen.  Zur  Bestimmung
des  Senfölgehaltes  in  den  Cruciferensamen  empfiehlt  0.  Förster 1 )  folgendes  Verfahren:
25  g  der  gepulverten  Substanz  werden  in  einem  Glaskolben  mit  Wasser  zu
einem  dünnen  Brei  verrührt  und  nach  Verlauf  einer  halben  Stunde  Wasserdampf
hineingeleitet,  welcher  mit  dem  Senföl  sich  in  einem  luftdicht  anschließenden,
abwärts  geneigten  Kühler  verdichtet,  dessen  senkrecht  herabgebogene  Spitze  in
einen  etwa  250  ccm  fassenden  Kolben  mit  50  ccm  eines  mit  Ammoniak  gesättigten
Alkohols  taucht,  so  daß  die  Spitze  des  Kühlers  einige  Millimeter  unter  der  Flüssigeitsoberfläche
  sich  befindet.  Nachdem  so  viel  Wasser  Uberdestilliert  ist,  daß  die
lüssigkeitsmenge  in  der  Vorlage  etwa  200  ccm  beträgt,  wird  die  das  gebildete
hiosinamin  enthaltende  Flüssigkeit  nach  etwa  12-stündigem  Stehen  im  verschlossenen
°  ' )en  in  einem  Becherglase  zum  Sieden  erhitzt,  eine  zur  Bindung  des  Schwefels
als  ausreichende  Menge  von  in  der  unten  beschriebenen  Weise  bereitetem
Huecksilberoxyd  hinzugesetzt  und  noch  einige  Minuten  unter  Umrühren  im  Kochen
orhalten.  Vor  dem  völligen  Erkalten  wird  eine  zur  Lösung  des  überschüssigen  Queck-'
  Peroxyds  und  des  durch  Einwirkung  des  Ammoniaks  gebildeten  Oxydimerkuriammoniumhydroxyds
  ausreichende  Menge  Cyankaliumlösung  hinzugesetzt  und  bis
Zl1r  völligen  Befreiung  des  Schwefel  quecksilbers  von  anderen  Niederschlägen  um-Efortihrt.
  Das  Gewicht  des  auf  gewogenem  Filter  gesammelten,  mit  heißem  Wasser
ausgewaschenen,  getrockneten  und  gewogenen  Niederschlages  von  Schwefelquecksilber
nil l  0,4266  multipliziert,  um  das  Gewicht  des  zur  Zersetzung  gelangten  Senföls
zu  ermitteln.
eine  Q uec k sl lberoxyd  wird  stets  frisch  in  der  Weise  bereitet,  daß  25  ccm
zu ^ 0 / rige n  Quecksilberchloridlösung  mit  überschüssiger  Kalilauge  versetzt  und  bis
1  Kochen  erhitzt  werden;  es  gelangt  mit  der  Fällungsflüssigkeit  zur  Verwendung,
j...  Schlicht 2 )  findet  nach  dem  Verfahren  von  Förster  zu  niedrige  Ergebnisse,
lieh 1 r  * n  -P rozen t en  des  Senföles  3,4—7,2  °/ 0  zu  wenig.  Er  hat  das  ursprünge
  Verfahren  von

Per

V.  Dirks, 8 )  das  abdestillierte  Senföl  durch  alkalische

ln  an 8anatlösung  zu  oxydieren,  dahin  abgeändert,  daß  er  das  Senföl  wie  oben
p er  me  Lösung  von  Permanganat  destilliert,  die  ungefähr  20-mal  soviel  Kaliume
 nthält ganat ’  a ^ S  ZUr  Oxydation  der  anzunehmenden  Senfölmenge  erforderlich  ist,
q een  ,  1111,1  ferner  1 / 4  des  angewendeten  Permanganats  an  Kaliumhydroxyd.  Nach
erwäf 6  6r  L es tiHation  wird  der  Inhalt  der  Vorlage  unter  tüchtigem  Durchschütteln
das  ^ as  überschüssige  Permanganat  durch  Zusatz  von  reinem  Alkohol  zerstört,
filtriert 126  ^  4  *  6  * * n  bestimmtes  Volumen  gefüllt,  gemischt,  durch  ein  trocknes  Filter
jedoch  i Un&amp;lt; ^  " n  e * nem  aliquoten  Teil  des  Filtrats  die  Schwefelsäure  bestimmt.  Da
r eduzi  * 11  aUS  t * ein  zu gesetzten  Alkohol  etwa  entstehende  Aldehyd  Kaliumsulfat
s äure 16  ^ a ^ en  Lann,  so  setzt  man  zu  dem  abgemessenen  Teil  nach  Ansäuern  mit  Salzer
 lialt  WaS  zu  11  n ö  fällt  erst  nach  dem  Erwärmen  mit  Chlorbaryum.  Aus  dem
an  SenföT  ^ aryumsu ^ at  berechnet  sich  durch  Multiplikation  mit  0,4249  der  Gehalt

uieses  Verfahren  hat  A.  SchUcht 1 )  weiter  wi^folg^,  g | n f samenpu iver
behandelt  25  g,  bei  starker  Senfölentwickelung  •
4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1888,  35,  209.
2 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1891,  30,  661.
8 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1883,  28,  !&amp;lt;“•
4 )  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chemie  1903,  9,  37.
        <pb n="293" />
        270

Futtermittel.

zunächst  mit  Wasser  4  Stunden  bei  Zimmertemperatur,  bringt  dann  die  Masse  zum
Sieden  und  erhält  sie  ungefähr  15  Minuten  darin.  Nach  völligem  Ahkühlen  setzt
man  Myrosinlösung  zu  und  läßt  diese,  ohne  zu  erwärmen,  16  Stunden  einwirken.
Oder  man  behandelt  den  gepulverten  Samen  mit  300  ccm  Wasser,  in  welchem  0,6  g
Weinsäure  gelöst  sind,  16  Stunden  bei  Zimmertemperatur.  In  beiden  Fällen  war
der  Entwickelungskolben  von  vornherein  mit  der  eine  alkalische  Permanganatlösung
enthaltenden  Vorlage  verbunden.  Nach  dem  Digerieren  wird  in  beiden  Fällen  unter
Vermeidung  jeglicher  Kühlung  möglichst  viel  aus  dem  Entwickelungskolben  abdestilliert. ­
  Die  Bestimmung  der  bei  der  Oxydation  des  Senföls  entstandenen  Schwefelsäure ­
  erfolgt  wie  vorhin  angegeben.
M.  Fasson 1 )  hat  vorgeschlagen,  das  Senföl  in  50—75  ccm  Eisessig  aufzufangen, ­
  indem  noch  gleichzeitig  eine  2.  Vorlage  mit  20  ccm  Schwefelsäure  hinzugefügt
  wird,  das  ganze  Destillat  in  einem  Kjeldahl-Kolben  einzuengen  und  nach
Kjeldahl  zu  verbrennen.
1  Teil  Stickstoff  =  7,0715  Teile  Senföl,  oder  1  ccm  1 / 10  Normallauge  =
0,0099  g  Senföl.
In  verschiedenen  Raps-  und  Rübsensamen  wurden  von  R.  Ulbricht 4 )  sowie
A.  Schuster 2  3 )  und  Mecke 2 )  nur  0,032—0,154°/ 0  Senföl  —  letztere  höchste  Menge
für  indischen  Raps  —  gefunden,  in  den  zugehörigen  Ölkuchen  aber  —  auf  fettfreie
  Substanz  berechnet  —  erheblich  mehr,  nämlich  0,23—0,79  °/ 0  Senföl.  Diese
Zunahme  an  Senföl  im  Rapskuchen  gegenüber  der  Saat  wird  nach  Schuster  und
Mecke  durch  Erwärmen  der  zerkleinerten  Saat  auf  70°  vor  dem  Pressen  bewirkt.
E.  Haselhoff 8 )  konnte  indes  eine  nennenswerte  Erhöhung  des  Senfölgehaltes
durch  Erwärmen  des  Rapssamens  auf  70°  nicht  feststellen  und  weist  ferner  nach,
daß  die  Verfahren  von  Schlicht  und  Fasson  im  wesentlichen  gleiche  oder  hei
ersterem  Verfahren  durchweg  nur  etwas  höhere  Ergebnisse  liefern.
R.  Ulbricht 4 )  glaubt,  daß  ein  Rapskuchen  mit  mehr  als  0,5  °/ 0  Senföl  in  der
Substanz  noch  nicht  beanstandet  werden  darf,  wenn  sich  der  Rapskuchen  im  übrigen
als  rein  und  fehlerfrei  erwiesen  hat.  Indischer  Raps  enthält  0,4—0,5  °/ 0  Senföl.
VIII,  Körner  und  Mehle  der  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte.
Die  Körner  der  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte  lassen  sich  für  die  gewöhnliche
Untersuchung  durchweg  im  natürlichen  Zustande  hinreichend  fein  mittels  der  Schrotmühle ­
  zerkleinern  und  mahlen.  Palls  ein  Vortrocknen  erforderlich  ist,  verfährt
man  nach  S.  254  unter  B.
Auch  ist  die  Bestimmung  der  sonstigen  Bestandteile  nach  den  unter  A  (S.  208
bis  251)  angegebenen  Verfahren  auszuführen.
Zur  Stärkehestimmung  werden  3  g  der  fein  gepulverten  Substanz  nach  S.  239
unter  b  verwendet;  dabei  sind  die  in  Wasser  löslichen,  in  Zucker  überführbaren  Kohlenhydrate ­
  (Zucker,  Dextrin  usw.)  ebenfalls  zu  berücksichtigen  und  in  Abzug  zu  bringen.
Der  Wasserauszug  von  Getreide-  und  Mehlarten  filtriert  oft  sehr  langsam,
jedoch  wird  man  das  Filtrieren  durch  die  bekannten  Mittel  (Wasserstrahlpumpe,
Asbest-,  Filzfilter  nach  S.  219  usw.)  beschleunigen  können.  Am  besten  wird  freilich
eine  Real  sehe  Presse  wirken 5 );  auch  kann  man,  wenn  es  sich  hauptsächlich  um
ö  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1896,  422.
2 )  Chem.-Zeitung  1892,  16,  1954.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  der  Nahrungs-  und  Genußmittel  1898,  1,  235.
4 )  Hannoversche  land-  und  forstwirtsoh.  Zeitung  1893,  113.
6 )  W.  Pillitz,  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1872,  11,  56.
        <pb n="294" />
        Körner  und  Mehle  der  Getreidearten  und  Hülseuf'rilchte.

271

die  Bestimmung  von  Zucker  und  Dextrin  im  Wasserauszug  handelt,  die  Substanz
in  einem  Maßkolben  einfach  wiederholt  mit  Wasser  schütteln,  bis  zur  Marke  Unfällen, ­
  einen  Teil  der  Flüssigkeit  abmesSen,  mit  Bleiazetat  unter  Zusatz  einiger
Tropfen  von  Tannin-  und  Leimlösung  fällen  und  hierauf  filtrieren.
Es  erübrigt  hier  noch,  einige  besondere  Verfahren  zu  besprechen,  nämlich:
1.  Nachweis  von  Unkrantsamen.  Als  \  orprobe  zum  chemischen  Nachweis 1 )
Von  Unkrautsamen  im  Mehl  kann  man  sich  des  folgenden  Verfahrens  von  A.  E.  Vogl 2 )
bedienen;

2  g  Mehl  werden  in  einem  Eeagenzrohre  mit  etwa  10  ccm  5  °/ 0  Salzsäure
enthaltendem  70  °/ 0 -igen  Weingeist  kräftig  durchgeschüttelt,  nötigenfalls  auch  erwärmt,
a &amp;gt;sitzen  gelassen  und  im  reflektierten  Lichte  die  Färbung  beobachtet,  welche  das
‘  gesetzte  Mehl  und  die  überstehende  Flüssigkeitssäule,  besonders  an  ihrem  freien
&amp;gt;^aume,  zeigt.  Ganz  reine  und  feine  Weizenmehle  bleiben  hierbei  rein  weiß  und  die
ussigkeit  ist  vollkommen  farblos,  wasserhell,  klar,  am  Saume  reinweiß;  bei  minder
reinen  Weizenmehlsorten,  bei  den  gewöhnlichen  Eoggen-,  Hafer-  und  Gerstenmehlen
erscheint  der  Saum  gelblich,  strohgelb,  schwach  gelbrötlich,  bei  den  gröbsten  Mehlen
gelb  oder  rötlichgelb.
Eine  auffällige  Färbung  (orange,  rot,  violett,  blau,  grün)  der  Flüssigkeit  und
■  anders  ihres  Saumes  deutet  auf  die  Anwesenheit  gewisser  Verunreinigungen  von
'  ‘  men  oder  Früchten,  die  im  Ausreuter  Vorkommen,  hin.  Die  Anwesenheit  von
en  u nd  Taumellolch  verrät  sich  im  feinen  Weizen-  und  Eoggenmehle  durch
^rangegejt»^  jene  von  Wicken  durch  rosenrote,  violette  oder  purpurne,  die  von
achtelweizen  und  Klappertopf  durch  blaugrüne  oder  grüne,  jene  von  Mutterkorn
rc  i  fleichrote  bis  blutrote  Farbe.
Zum  Nachweis  der  Kornrade  bezw.  des  darin  enthaltenen  eigenartigen
1 1  onins  hat  A.  Petermann 3 )  folgendes  Verfahren  vorgeschlagen:
beiß  ®  ^hl  werden  mit  1  1  Weingeist  von  85  °/ 0  im  Wasserbade  behandelt  und
Nied  1  triert ;  das  Filtrat  wird  mit  absolutem  Alkohol  gefällt,  der  sich  ausscheidende
dies  6rsc ^ a S  bei  100°  getrocknet  und  mit  kaltem  Wasser  aufgenommen.  Fällt  man
d e s  Q pi  *^ uszu g  wiederum  mit  absolutem  Alkohol,  so  erhält  man  durch  Trocknen
breti  '  1  lerten  Niederschlages  ein  gelblich-weisses  Pulver,  welches  einen  bitteren,
g e  , n ® n&amp;lt; * en  Geschmack  besitzt  und  leicht  in  Wasser  löslich  ist;  die  Lösung  bildet,
®ich  f  i  ^  e * nen  l an S  anhaltenden  Schaum.  Zur  näheren  Feststellung  bedient  man
keine  p- en ^ er  Reaktion:  Man  versetzt  Lösung  oder  Pulver  mit  Jodlösung;  entsteht
und  p  ^  j lr *. mn g,  80  ist  keine  Stärke  vorhanden;  die  wässerige  Lösung  reduziert  Silberw
 esenl  !^ n ^ sc k e  Lösung,  letztere  aber  erst  nach  Behandeln  mit  etwas  Salzsäure  (Ab-Bi
 e i e  , eit  Von  Zucker,  Anwesenheit  eines  Glykosids);  die  wässerige  Lösung  wird  durch
a b® r  nicht  durch  Tannin  oder  durch  Kochen  gefällt  (Abwesenheit  von  Eiweiß),
das  M&amp;gt;l  i  ^ ei ^ cus  un( i  H.  Kober 4 )  entfetten  behufs  Nachweises  von  Kornrade

erst  im  Soxhletschen  Apparat  mit  Petroläther,  ziehen  darauf  20  g  und

mehr  des  entfetteten  Mehles  heiß  mit  80  g  Chloroform  und  20  g  absolutem  Alkoho^
* US ’  filtrieren  möglichst  warm  unter  Zuhilfenahme  der  Wasseriuftpumpe  und  dampfen
aS  Filtrat  auf  dem  Wasserbade  ein.  Keines  Weizenmehl  hinterläßt  bei  dieser  Be
handlung  geringe  Mengen  einer  schwach  gelben  Substanz  während  von  kornrade^
haitigem  Mehle  mehr  Rückstand  verbleibt.  Der  EUckstand  wird  mit  wenig  heißem

brin

l )  Ein

gen  (vergl.

sicherer  Nachweis  der  Unkrautsamen  läßt  sich  nur  mikroskopisch  er-2\

  a  S'  weifcer  unten).
J  E.  Vogl,  Die  wipl

3  —  •  -gi,  Die  wichtigsten  vegetabilischen  Nahrungs-  und  Genußmittel,  18,1.,
Bulletin  de  l’Academie  de  Belgique  1879,  aoüt.
)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genu.

Genußmittel  1902,  5,  1077.
        <pb n="295" />
        272

Futtermittel.

Wasser  versetzt,  filtriert  und  wiederum  eingedampft.  Bei  reinem  Weizenmehl  bleibt
ein  nur  sehr  geringer  weißer  Beschlag;  kornradehaltiges  Mehl  dagegen  gibt  einen
bedeutend  größeren,  gleichfalls  fast  rein  weißen  Rückstand.  Diese  Rückstände  mit
einigen  Tropfen  konzentrierter  Schwefelsäure  versetzt,  liefern  bei  kornradehaltigem
Mehle  nach  einigen  Minuten  erst  gelbe,  dann  braunrote  Färbungen,  während  bei
reinem  Weizenmehl  2  Stunden  lang  die  Schwefelsäure  fast  farblos  bleibt.  Eine
auftretende  schwache  Rosafärbung  zeigt  die  Gegenwart  von  Kornrade  an.  1  °/ 0
Zusatz  von  Kornrademehl  zeigt  obige  Reaktion  schon  sehr  schön.  Handelt  es  sich
um  noch  geringere  Mengen,  so  muß  eben  eine  größere  Menge  Mehl  ausgezogen
werden.  Es  ist  empfehlenswert,  gleichzeitig  einen  vergleichenden  Versuch  mit  reinem
Weizenmehl  auszuführen.
2.  Nachweis  von  Mutterkorn.  Zum  chemischen  Nachweis  von  Mutterkorn
versetzt  man  in  einem  Kölbchen  nach  Hofmann-Kandel 1 )  10  g  des  Mehles  mit
20  ccm  und  bei  Kleien  mit  30  ccm  Uber  Natrium  destilliertem  Äther,  setzt  1,2  ccm
5  °/ 0 -iger  Schwefelsäure  zu,  schüttelt  gut  durch  und  überläßt  das  verschlossene
Kölbchen  6  Stunden  der  Ruhe.
Hierauf  filtriert  man  den  Kolbeninhalt  durch  ein  kleines,  vorher  mit  Äther
angefeuchtetes  doppeltes  Filter  in  einen  farblosen,  bei  40  ccm  mit  Marke  versehenen ­
  Zylinder  (bezw.  Reagenzrohr)  und  wäscht  den  Rückstand  so  lange  mit
Äther  aus,  bis  das  Filtrat  40  ccm  beträgt.  Das  Filtrat  wird  sodann  mit  1,8  ccm
einer  gesättigten  Lösung  von  doppelkohlensaurem  Natrium  versetzt  und  gut  durchgeschüttelt. ­
  In  wenigen  Minuten  sondert  sich  ein  Teil  der  Flüssigkeit  am  Boden
des  Zylinders  ab,  der  bei  Vorhandensein  von  Mutterkorn  je  nach  der  Menge  eine
schwache  hell-  bis  stark  dnnkelviolette  Färbung  hat.
Man  kann  auf  diese  Weise  noch  0,5  °/ 0  Mutterkorn  in  Mehl  oder  Kleie  (nach
Hilger  sogar  noch  0,005—0,01  °/ 0 )  nachweisen.  Nach  L.  Medicus  und  H.  Kober  (1.  c.)
aber  ist  die  Reaktion  von  Hof  mann  nicht  allein  für  Mutterkorn  kennzeichnend,
sondern  tritt  auch  bei  Gegenwart  von  Kornrade  ein.
Andere  Unkrautsamen  (wie  Sauerampfer,  Knöterich-,  Leguminosen-  und  Brassica-Arten)
  geben  diese  Reaktion  nicht.
G.  Lagerheim  empfiehlt  behufs  Nachweises  von  Mutterkorn  das  mit  salzsäurehaltigem ­
  Wasser  behandelte  Mehl  mittels  einer  alkoholischen  Lösung  von
Dimethylamidoazobenzol,  Thionin  und  Safranin  zu  färben;  hierdurch  werden  die
Mutterkornfragmente  gelb  gefärbt  und  können  schon  bei  schwacher  Vergrößerung
leicht  von  den  blau,  violett  oder  bunt  gefärbten  Fragmenten  unterschieden  werden.
Auf  eine  Arbeit  zur  quantitativen  Bestimmung  des  Alkaloidgehaltes,
im  Mutterkorn  von  C.  C.  Keller 2 )  sei  nur  verwiesen.
3.  Die  Bestimmung  des  Klebers  und  der  Backfähigkeit  eines  Mehles  (bezw.  der
Beschaffenheit  des  Weizens  und  Roggens).  Die  größere  und  geringere  Backfähigkeit
eines  Mehles  wird  vielfach  einzig  und  allein  dem  Gehalt  des  Mehles  (Weizenmehles)
an  Kleber  zugeschrieben.  Es  sind  deshalb  eine  Reihe  Verfahren  in  Vorschlag  gebracht, ­
  welche  darauf  hinausgehen,  aus  einem  Weizenmehl  (bezw.  aus  einem  zu
Mehl  gemahlenen  Weizen)  den  Kleber  durch  Auswaschen  abzuscheiden  und  die  Menge
wie  Güte  des  Klebers  zu  ermitteln.  Auf  diesem  Grundsatz  beruhen  das  Aleurometer
von  Boland 3 )  und  das  Farinometer  von  K.  W.  Kunitz 4 )  in  Reudnitz  bei  Leipzig-’)
  Vergl.  H.  Lauck,  Landw.  Versuchs-Stationen  1894,  43,  303.
2 )  Schweiz.  Wochenschr.  für  Chem.  und  Pharm.  1894,  44  und  121.
3)  Vergl.  0.  Dämmers  Lexikon  der  Verfälschungen,  1887,  S.  545.
*)  Vergl.  Fr.  Nobbe  in  Landw.  Versuchs-Stationen  1885,  31,  184.
        <pb n="296" />
        Körner  und  Mehle  der  Getreidearten  und  Hiilsenfrüohte.

273

Zur  quantitativen  Bestimmung  des  Klebers  werden  nach  den  Vereinbarungen ­
  deutscher  Nahrungsmittelchemiker 1 )  23  g  Mehl  mit  13  ccm  Wasser  —
am  besten  gesättigtem  Gipswasser  —  in  einer  Porzellanschale  mit  Hilfe  eines
Spatels  zu  einem  gleichmäßigen  Teig  verknetet.  Man  läßt  diesen  Teig  mit  einem  Glase
bedeckt  1  Stunde  lang  liegen  und  wäscht  ihn  frei  oder  in  einem  Beutel  von  feiner
Müllergaze  eingeschlagen  unter  dem  dünnen  Strahle  der  Wasserleitung  so  lange
' ius j  bis  das  Waschwasser  klar,  also  frei  von  Stärke  abläuft.  Es  empfiehlt  sich,
V  ermeidung  von  Verlusten  das  ablaufende  Wasser  durch  ein  Sieb  aus  feiner
1  ällergaze  (No.  12)  oder  feinem  Messinggewebe  (vergl.  S.  175)  fließen  zu  lassen,
?, m  auf  diesem  etwa  losgerissene  Kleberteile  schließlich  zu  sammeln.  Der  erhaltene
eher  wird  in  frischem  Zustande  gewogen,  die  äußeren  Eigenschaften  —  Farbe,
ennbarkeit  —  ohne  Verzug  festgestellt  und  in  einem  abgewogenen  Teile  die  beim
rocknen  bei  105°  verbleibende  Trockensubstanz  ermittelt.
Die  Bestimmung  des  Klebers  ist  mindestens  zweimal  auszufahren.
Nach  Boland  werden  30  g  Mehl  mit  15  g  Wasser  zu  einem  Teig  angerührt,
x °r  einige  Zeit  (1—3  Stunden)  stehen  gelassen  und  entweder  in  einem  Leinentuch
er  auf  einem  Haarsieb  durch  einen  Wasserstrahl  unter  fortwährendem  Kneten
‘  ■'gewaschen,  der  erhaltene  Kleber  frisch  gewogen,  alsdann  (7  g  davon)  in  dem
-  eurometer  auf  Dehnbarkeit  bezw.  Zähigkeit  geprüft.  Kunitz  verwendet  ent-Wed
 er  ebenfalls
ganzen  Mehl.

den  ausgewaschenen  Kleber  oder  direkt  den  Teig  aus  dem

einf'  /' ser  mac ht  einen  Teig  aus  dem  Mehl  und  prüft  den  Grad  der  Festigkeit
1  c  1  durch  Drücken  mit  dem  Finger;  je  fester  der  Teig,  desto  besser  ist  das  Mehl.
t e jj  Die  internationale  Jury  für  die  Wiener  Weltausstellung 2 )  gründete  ihr  Urhrai
  V  Ermittelung  der  Menge  Wasser,  welche  das  Mehl  zur  Teigbildung  geje
  mehr  Wasser  erforderlich  ist,  desto  mehr  Kleber  enthält  das  Mehl.
Und  .7°^bin 8 )  behandelt  24  g  Mehl  mit  186,6  ccm  verdünnter  Essigsäure  bei  93°
der  T  r -  11  ^ aS  s P ezi fi s che  Gewicht  der  geklärten  Lösung;  je  hoher  das  spezifische  Gewicht
Jsung  ist,  desto  mehr  Kleber  soll  vorhanden  und  desto  besser  soll  das  Mehl  sein.
fahic-L-  - aC ^  Heinrich 4 )  besteht  kein  bestimmtes  Verhältnis  zwischen  Backsoll ­
  (1  V,  llnd  Hiebergehalt.  Die  Brauchbarkeit  der  Weizensorten  für  Backzwecke
1  ■  rodukt  der  Multiplikation  des  Klebergehaltes  mit  der  Volumvermehrung  bilden.
°bacht  dlen ^ e  und  Mößlinger 5 )  konnten  ebenfalls  auf  Grund  mehrjähriger  Be-Hleber«"^
 611  ^ e8ne  regelmäßigen  Beziehungen  zwischen  der  Backfähigkeit  und  dem
zur  p rgehalt  feststellen;  dagegen  glauben  sie  in  folgendem  Verfahren  ein  Mittel
eststellung  der  Güte  der  Mehle  gefunden  zu  haben;
füg 0I1  7  g  Hehl  werden  mit  100  ccm  Wasser  und  zwar  unter  allmählichem  Zu-Koiü
 en m  6iner  Horzellansohale  fein  zerrieben,  darauf  in  einen  250  ccm  fassenden
zuletzt  P SpUlt ’  welcher  1%—2  Stunden  in  einem  Wasserbade  bei  60—70°  und
Harke  ,  Urze  ^ ei t  bei  100 d  erwärmt  wird.  Nach  dem  Erkalten  wird  bis  zur
Serech  aU ^ c ^H,  filtriert  und  im  Filtrat  wie  üblich  der  Zucker  (auf  Maltose  umnet
 )  ^stimmt;  sie  fanden  so  Maltose:

Weizen
Gutes  Mehl  10—20%
Schlechtes  Mehl  40—60  „

10-15%.
30-50  „
2 )  Vereinbarungen  z.  einheitl.  Untersuchung  usw.,  Berlin  1899,  Heft  II,  S.  15.

O'“
8 )  Dinglers  Polytechn.  Journal  147,  452.
4 )  Zweiter  Bericht  der  Versuchs-Station  Los  0C U  .  L  ,j  a ngew.  Chemie  1884,  ^  &amp;lt;&amp;gt;■
6 )  Korrespondenzbl.  d,  freien  Vereinigung  bayer.  \
Landwirtschaftliche

agners  Handbuch  d.  Technologie  8,  71.

Stoffe,  3.  Auflage.

18
        <pb n="297" />
        274

Futtermittel.

E.  Kayser 1 )  konnte  jedoch  diese  Ergebnisse  nicht  bestätigen;  er  erhielt  z.  B.
für  gut  backfähiges  Mehl  nach  vorstehendem  Verfahren  mehr  Maltose,  als  für  schlecht
backfähiges  Mehl.
Fr.  Günther 2 )  berücksichtigte  außer  der  Maltose  nach  dem  Verfahren  von
Halenke  und  Mößlinger  auch  noch  die  ursprünglich  vorhandene  Menge  Maltose
(bezw.  Zucker)  und  die  freie  Milchsäure.  Für  die  Bestimmung  der  letzteren  wurden
10  g  Mehl  mit  einer  gleichen  Menge  gereinigten  Sandes  in  einer  Eeibschale  innig
gemischt,  in  eine  Papierhttlse  gebracht  und  in  einem  So  xhl  et  sehen  Fettextraktionsapparat ­
  12  Stunden  mit  absolutem  Alkohol  ausgezogen;  man  bringt  die  Lösung  auf
100  ccm  und  bestimmt  in  der  einen  Hälfte  nach  Verjagen  des  Alkohols  die  Menge
Zucker  (auf  Maltose  berechnet)  nach  Allihn-Soxhlet,  in  der  anderen  Hälfte  die
freie  Säure  (als  Milchsäure  berechnet),  indem  man  sie  mit  Lackmustinktur  versetzt, ­
  so  lange  kocht,  bis  keine  Farbenveränderung  mehr  statthat,  und  wie  üblich
titriert.  Günther  fand  auf  diese  Weise:

Roggen,  ausge-Roggenmehl



gut:

wachsen  (Mehl  nicht

Weizenmehl,

gut;

backfähig);

Bestandteile:

Nied-Nied

 ­
  st-Nied-







Höchst-Mittel



Höchst-Mittel



gehalt

geh  alt

gehalt

geh  alt

ge  halt

geh  alt

%

01
Io

°/o

•/0

°/o

°/o

°/o

°/o

01
10

Milchsäure

0,023

0,045

0,036

0,059

0,112

0,004

0,023

0,011

Maltose  (ursprünglich)  .

0,176

0,318

0,210

0.512

1,09

—

0,036

0,106

0,053

Maltose  (gebildet)  .  .

32,6

47,7

—

48,2

51,3

—

11,9

34,0

—

Hiernach  zeigt  das  nicht  backfähige  Mehl  aus  ausgewachsenem  Roggen  allerdings ­
  mehr  Milchsäure, 3 )  auch  mehr  Maltose,  sowohl  ursprünglich  vorhandene,  als
auch  durch  Säuerung  bezw.  Diastase  gebildete;  indes  sind  die  Unterschiede  so  gering, ­
  daß  sich  hierauf  kein  Unterscheidungsverfahren  zwischen  backfähigem  und
nicht  backfähigem  Mehle  gründen  läßt.
M.  Märckor  hat  daher  an  Stelle  aller  dieser  Verfahren  den  „zunftgerechten“
Backversuch  nach  allen  Regeln  der  Praxis  in  einem  wirklichen  Backofen  gesetzt,
während  U.  Kreusler 4 )  einen  der  Praxis  nachgeahmten  Backversuch  im  kleinen,
wie  folgt,  ausführt:
25  g  des  zu  prüfenden  Mehles,  12,5  g  Wasser,  0,6  g  gute  Preßhefe  und
0,3  g  Kochsalz  werden  in  einem  passenden  Schälchen  sorgsam  und  unter  Vermeidung ­
  eines  jeglichen  Verlustes  gemischt,  indem  man  erst  Hefe  und  Kochsalz  im
Wasser  verrührt  und  dann  das  Mehl  allmählich  hinzufügt.  Man  bedient  sich
anfangs  eines  Spatels,  später,  zum  besseren  Durchkneten,  der  Hände;  um  Verluste
durch  Anhaften  zu  vermeiden,  wird  etwas  Mehl  aufgehoben,  mit  welchem  man  die
anhaftenden  Teilchen  losreibt.
')  Korrespondenzbl.  d.  freien  Vereinigung  bayer.  Vertreter  d.  angew.  Chemie  1885,  No.  !!•
2 )  Mitteil,  aus  dem  pharmaz.  Institut  in  Erlangen  von  A.  Hilger,  1889,  2.
8 )  Bailand  (Recherohes  sur  les  blbs,  les  farines  et  le  pain,  Paris  &amp;amp;  Limoges  1894»
150)  findet  in  altem  Mehl  ebenfalls  mehr  Säure,  weniger  Fett  und  Kleber,  welcher
dabei  zum  Teil  in  Wasser  löslich  wird,  z.  B.:
Säure  Fett  Kleber
Mehl,  1  Monat  alt  ...  0,025  °/ 0  .  1,02  °/ 0  3,5  °/ 0 .
„  4  Jahre  alt  .  .  .  .  0,054  „  0,20  „  2,6  „
Außerdem  sollen  sich  in  altem  Mehl  Alkaloide  bilden.
4 )  Nach  „Die  Mühle“  1887,  No.  35  in  Centralbl.  f.  Agrikultur-Chemie  1887,  16,  733.
        <pb n="298" />
        Körner  und  Melde  der  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte.

275

18*

Der  fertiggestellte  Teig  wird  in  eine  aus  starkem  Messingblech  hergestellte
Backkapsel  gefüllt,  welche  aus  einem  annähernd  60  mm  weiten  und  ebenso  hohen
Zylinder  mit  beiderseits  ebengescldiffenem  Eande  besteht;  als  Deckel  und  Boden
dient  je  eine  etwas  größer  bemessene  ebengeschliffene  Scheibe.  Nachdem  der  Teig
mittels  eines  kleinen  Mörserpistills  mäßig  fest  eingedrückt  ist,  wird  er  bei
offener  Kapsel  2  Stunden  in  einem  Trockenschrank  bei  30°  dem  Aufgehen  überlassen, ­
  darauf  die  betreffende  Kapsel  rasch  mit  dem  zugehörigen  Deckel  und  Draht-Verschluß
  versehen  und  20  Minuten  lang  in  einem  inzwischen  bereits  auf  250°  erwärmten ­
  Olbade 1 )  ausgebacken.  Man  nimmt  die  Backkapseln  rasch  heraus,  läßt
sie  erkalten,  schiebt  das  Gebäck  heraus  und  ermittelt  das  Volumen,  wie  folgt:
Ein  zylinderförmiges  Glasschälchen  mit  ebengeschliffenem  Bande  und  so  groß,
daß  beim  Einbringen  des  größten  Probegebäckes  allerseits  noch  8—10  mm  Spielraum ­
  verbleibt,  wird  unter  behutsamem  Einrütteln  mit  Glasperlen  bis  zum  Überln
 " J 'en  angefüllt,  der  Überfluß  mit  einem  glatten  Stäbchen  abgestrichen  und  der  Inhalt

lauf.

m

einen  graduierten  Zylinder  gebracht,  indem  man  vorsichtig  rüttelt  und  aufstößt,
aus  Nachdem  so  mehrmals  der  Inhalt  des  Glasschälchens  ermittelt  ist,  gießt  man
dem  Zylinder  so  viel  Glasperlen  in  das  Glasschälchen,  daß  dessen  Boden  etwa
* 10c h  damit  bedeckt  ist;  darauf  drückt  man  das  Brötchen  sanft  ein,  füllt  den
o-? 1  bleibenden  Baum  unter  leichtem  Bütteln  wie  vorhin  ganz  mit  Glasperlen  aus,
und  ( ^ 6  ^gestrichenen,  überschüssigen  Glasperlen  wieder  in  den  Zylinder  zurück
im  r, er ^hbrt  das  Volumen  des  Gebäckes  aus  der  Differenz  des  Glasperlenvolumens
ylinder  vor  und  nach  dem  Versuch.
schied  ® an g®l  an  diesem  Verfahren  wird  bezeichnet,  daß  dabei  nicht  das  bei  veri
  enen  Mehlsorten  höchst  verschiedene  Vermögen  der  zur  Teigbildung  erforderlichen
keit  eiau t na hme,  worin  seitens  der  Müller  und  Bäcker  das  Hauptmerkmal  der  Backfähiggesucht ­
  wird,  Berücksichtigung  findet.
kit Ze  '''  Lieberlnann 3 )  benutzt  wiederum  die  Dehnbarkeit  des  Klebers  beim  Er-Y
 e  ,  zur  Bestimmung  der  Backfähigkeit  der  Mehle,  wendet  aber  ein  etwas  anderes
T , ren  ;lr| .  indem  er  das  Volumen  des  e-ebackenen  Klebers  in  ähnlicher  Weise
" le  XL  K

indem  er  das  Volumen  des  gebackenen  Klebers  in  ähnlicher  Weise
reusler  für  das  gebackene  ganze  Mehl  bestimmt.  20  g  Mehl  werden

mit  io  cut,ler  tur  das  gebackene  ganze  Mehi  bestimmt.  20  g  Mehl  werden
Wasch»  CCm  £ esa, Xtigtera  Gipswasser  eingeteigt,  der  Kleber  sorgfältig  unter  Ausöibadg
 611  ^ esamm elt,  in  eine  durchlöcherte  Metallkugel  gebracht,  diese  in  einem
Weiter  lU ^.  *^°  ei- hitzt  und  von  der  Kleberkugel  das  Volumen  bestimmt.  Des
die  (&amp;gt; ( V U  S&amp;lt;d  a ul  das  Original  verwiesen;  ebenso  auf  eine  Arbeit  von  Th.  Kosutäny, 8 )
•  e  des  Weizenmehles  durch  den  Festigkeitsprüfer  von  Eejtö  zu  ermitteln.
Von  ü  ‘  ‘ &amp;gt; _ e Hnick 4 )  hat  ein  dem  Kreuslersehen  ähnliches  Backverfahren  mit  dem
0,6  p  v  e B&amp;gt;gerichteten  Apparat  „Artopton“  vorgeschlagen,  indem  er  30  g  Mehl,
in  Kuo.  'J trdurD X tar ‘I)°nat  und  1,0  g  Weinstein  mit  18,20  oder  22  ccm  einteigt,  diese
0.  und  darauf  in  dem  Apparat  mit  11  ccm  Spiritus  erhitzt.
Verseili  i  ^ at  aber  Sauden,  daß  auch  dieses  Verfahren  die  Unterschiede  in  der
Auch  p  p 6n  Backfähigkeit  der  Mehle  nicht  scharf  genug  hervortreten  läßt,
eine  Bel  Iwanow 0 )  spricht  dem  Artopton,  ebenso  dem  Farinometer  von  Kunis,
'  -  eutung  für  die  Beurteilung  der  Backfähigkeit  der  Mehle  ab.
von  c  pBas  Ölbad  wird  von  Mechaniker  Wolz  in  Bonn,  die  anderen  Teile  des  Apparates
2\  ® r  a rdt  daselbst  geliefert.
3\  j 61  s&amp;lt;dlr -  X  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1901,  4,  1009.
4  vT 11 ,  f '  Landwirtschaft  1903,  51,  331.
6\  pk*  S ,  '  L  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1899,  2,  875.
)  Ebenda  1902,  5 ,  449.
)  Menda  1902,  5,  666,
        <pb n="299" />
        276

Futtermittel.

Zu  demselben  ungünstigen  Urteil  über  die  vorgenannten  Apparate  und  Verfahren ­
  gelangen  K.  Korners  und  v.  Haunalter, 1 )  ebenso  A.  Maurizio. 2 )  Erstere
beiden  Untersuchen  halten  indes  im  Gegensatz  zu  M.  Fischer, 3 )  der  nur  den
zunftgerechten  Mahl-  und  Backversuch  gelten  lassen  will  und  einen  tunlichst  hohen
Feinheitsgrad  des  Mehles  als  maßgebend  bezeichnet,  den  Laboratoriumsbackversuch  für
völlig  ausreichend,  wenn  die  üblichen  Fehlerquellen  hierbei  beseitigt  werden.  Letztere
bestehen:  1.  In  der  Verwendung  eines  ungleichmäßig  beschaffenen  Gärmittels  (Preßhefe
oder  Backpulver);  sie  empfehlen  die  Anwendung  der  Büchner  sehen  Zymase,  der  sog.
„sterilen  Dauerhefe“  oder  des  „Zymins“,  welches  von  der  Firma  Schröder  in  München
oder  durch  E.  Merck  in  Darmstadt  bezogen  werden  kann  und  in  einer  Menge  von  2  g
auf  25  g  Mehl  bei  27—30°  angewendet  werden  soll.  2.  In  der  Verwendung  einer  gleichen
Menge  Wassers  für  jedes  Mehl;  es  muß  die  erforderliche  Menge  Wasser  dem  jedesmaligen
Mehle  angepaßt  und  davon  nur  so  viel  genommen  werden,  daß  ein  Teig  von  möglichst ­
  gleicher  Festigkeit  erhalten  wird;  je  besser  ein  Mehl  ist,  um  so  größer  ist
durchweg  zur  Erzielung  einer  gleichen  Festigkeit  des  Teiges  seine  Wasseraufnahmefähigkeit. ­
  3.  In  der  Feststellung  des  Volumens  der  Gebäcke;  die  Verfasser  empfehlen
zu  dem  Zweck  statt  der  bis  jetzt  üblichen  Verwendung  von  Blei-,  Glas-  oder  Sandschrot ­
  ein  Überziehen  des  Gebäckes  mit  Paraffin,  Feststellung  des  Überzuges  von
Paraffin  durch  Wägen  des  Gebäckes  vor  und  nach  dem  Überziehen,  sowie  Ermittelung
des  spezifischen  Gewichtes  in  einem  besonderen  Pyknometer  durch  Wasserverdrängung,
wobei  das  spezifische  Gewicht  des  Paraffins  berücksichtigt  werden  muß.
A.  Maurizio  empfiehlt  dagegen  zur  Bestimmung  des  Volumens  der  Gebäcke
Bleischrot  in  starken  Eisen-  oder  Glasgefäßen  und  hält  das  spezifische  Gewicht  des
Brotes  für  einen  besonders  wichtigen  Maßstab  zur  Beurteilung  der  Backfähigkeit
eines  Mehles;  er  fand:
Beste  Mehle  Mittelgute  Mehle  Geringe  Mehle
Volumen  des  Brotes  aus  je  100  g  Mehl  560—580  ccm  400—480  ccm  250—350  ccm.
Spezifisches  Gewicht  des  Brotes  .  .  .  0,23—0,28  0,35  0,46  und  mehr.
Im  Gegensatz  zu  diesen  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Backfähigkeit  der
Mehle  hat  E.  Fleurent 4 )  ein  ganz  anderes,  rein  chemisches  Verfahren  vorgeschlagen.
Nach  E.  Fleurent 4 )  hängt  die  Baokfähigkeit  eines  Weizenmehles  nicht  von  dem
Gehalt  an  Gesamtkleber,  sondern  von  dem  Verhältnis  der  darin  enthaltenen  Proteinstoffe, ­
  namentlich  von  dem  Verhältnis  des  in  Alkohol  unlöslichen  Glutenkaseins
(von  Fleurent  Glutenin  genannt)  zu  dem  in  Alkohol  löslichen  Gliadin  (und  sonstigen
alkohollöslichen  Stickstoff-Verbindungen)  ah;  dieses  Verhältnis  von  Glutenin  (Glutenkasein): ­
  Gliadin  soll  wie  25:75  sein;  eine  Veränderung  dieses  Verhältnisses  irgend
welcher  Art  bedingt  eine  geringere  Backfähigkeit  des  Mehles.  Zur  Ermittelung
dieses  Verhältnisses  benutzt  E.  Fleurent  ein  ziemlich  umständliches  Verfahren.
Man  bereitet  zuerst  eine  alkoholische  Kalilösung  aus  70%-igem  Alkohol
und  3,0—3,5  g  Kali  in  1  1,  stellt  sie  genau  gegen  Normalsäure  ein  und  berechnet ­
  den  Wirkungswert  auf  kohlensaures  Kalium  (K. 2 CO g ).  Darauf  bereitet  man
aus  33,33  g  Mehl  in  gebräuchlicher  Weise  den  Kleber,  zerschneidet  ihn  in  Stücke,
verreibt  diese  in  einem  Mörser  mit  der  alkoholischen  Kalilösung,  spült  unter  Anwendung ­
  von  im  ganzen  80  ccm  der  Kalilösung  in  eine  geeichte  Flasche  (von
150  bezw.  250  ccm),  setzt  Glasperlen  zu  und  läßt  unter  öfterem  ümschütteln  36  bis
J )  Zeitachr.  d.  landw.  Versuchs  Wesens  in  Österreich  1902,  5,  1225.
2 )  Landw.  Jahrbücher  1902,  31,  179.
3 )  Pühlings  Landw.  Zeitung  1902.
4 )  Ann.  Science  Agronom.  1898  [2],  4,  I,  371;  vergl.  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d er
Nahrungs-  und  Genußmittel  1899,  2,  583.
        <pb n="300" />
        Körner  und  Mehle  der  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte.

277

48  Stunden  bezw.  so  lange  stehen,  bis  aller  Kleber  fein  flockig  zergangen  ist.  Man
leitet  alsdann  Kohlensäure  bis  zur  Sättigung  ein,  füllt  mit  70%-igem  reinem  Alkohol
auf  150  ccm  —  bei  großen  Mengen  Kleber  auf  250  ccm  —  auf,  schüttelt  gut  um
und  filtriert;  50  ccm  des  Filtrats  werden  eingedampft,  bei  106°  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit ­
  getrocknet,  gewogen  und  so  nach  Abzug  des  in  50  ccm  vorhandenen  Kalium  ­
karbonats  die  Menge  der  in  Alkohol  löslichen  Kleberproteinstoffe  (Gliadin  usw.)  erhalten.
Dadurch,  daß  man  entweder  den  aus  33,33  g  Mehl  erhaltenen  Gesamtkleber
bestimmt,  oder  dadurch,  daß  man  50  ccm  der  alkoholischen  Kleberemulsion  (also
Blutenkasein  +  Gliadin)  ebenfalls  eindampft,  bei  105°  trocknet,  wägt,  von  diesem
Rückstand  ebenfalls  die  vorhandene  Menge  Kaliumkarbonat  abzieht  und  von  dem  so  gefundenen ­
  Gesamtkleber  die  erstere  in  Alkohol  lösliche  Menge  in  Abzug  bringt,  erhält
man  die  Menge  Glutenkasein  oder  Glutenin,  d.  h.  den  alkoholunlöslichen  Anteil.  Beträgt
z -  B.  die  Menge  des  Gesamtklebers  7,47°/ 0 ,  die  des  alkohollöslichen  Anteiles  5,62  °/ 0 .
80  ist  die  Menge  des  Glutenkaseins  7,47—5,62  =  1,85  °/ 0  oder  das  Verhältnis  von
letztere

fern  zu  ersterem  wie  24,75  :  75,25.
Die  Nachprüfungen  dieses  Verfahrens  von  z.  B.  A.  Maurizio,

Hamann.

g  *  w  /  ,
1  uyder,  Kosutäny,  Korners  und  v.  Haunalter,  W.  Schneidewind  und  Mitarbeitern, ­
 1 )  sowie  von  Verf.  und  Eintelen 2 )  iiaben  aber  die  Beziehungen  zwischen
et  Backfähigkeit  und  Fleur  ent  sehen  Verhältniszahl  bei  weitem  nicht  immer  hervoreten
  lassen;  es  sind  zum  Teil  sehr  abweichende  Verhältniszahlen  erhalten  worden,
as  hat  seinen  Grund  in  den  nicht  unerheblichen  Fehlerquellen  des  Verfahrens,
dämlich  einerseits  darin,  daß  das,  was  man  als  Kleber  bezeichnet  und  wägt,  kein
ei  .  feiner  Kleber  ist,  sondern  noch  mehr  oder  weniger  Stärke,  öl,  Mineralstoffe
alt  V 1  .  ®t,  andererseits  darin,  daß  sich  der  Kleber  äußerst  schwierig  durch  die
sich  10  ' sc ^ e  Kalilösung  verteilen  läßt.  Aus  dem  Grunde  und  weil  das  Verfahren  an
da  ■'  ZU  Ums kä.ndlich  ist,  hat  E.  Fleurent 8 )  ein  neues  Verfahren  angegeben,  welches
besteht,  daß  man  5  g  Mehl  2 J / 2 —3  Stunden  lang  mit  150  ccm  Alkohol  von
son  sc büttelt  und  das  spezifische  Gewicht  der  Lösung  bei  20°  mit  einem  beeint
  -f 8  ein S er i c hteten  Aräometer,  dem  Gliadimeter  bestimmt;  dasselbe  hat  2  Gradjjjj
  p Un § en )  die  eine  zur  Feststellung  des  vorgeschriebenen  Alkoholgrades,  die  andere
beio-  r nU1 ^ e ^ ln S  des  spezifischen  Gewichtes  der  Gliadinlösung.  Aus  einer  dem  Apparat
Sebiu-  en  R^belle  erfährt  man  den  dem  spez,  Gewicht  entsprechenden  Gliadina
  in  100  Teilen  trocknen  Klebers.
Verf  ^ we if e i  i g t  folgendes  hier  von  Verf.  und  Eintelen  ausgearbeitete
ns\v  •  T  Ebener  zur  Bestimmung  des  Verhältnisses  von  Glutenkasein  zu  Gliadin
Bißs-w  an  aus  30  g  Mehl,  wie  oben  angegeben  ist,  den  Kleber  mit  gesättigtem
füllt  aSS6r  ^ er ’  wä 8't  ibn  feucht,  löst  ihn  in  60—100  ccm  Kjeldahl-Schwefelsäure,
läßt  Ul ! tGr  Machspülen  mit  derselben  Schwefelsäure  in  ein  250  ccm-Kölbchen  um.
entsnr 1 *  ,  en ’  füllt  auf  250  ccm,  mischt  und  entnimmt  je  25  ccm  (also  3  g  Mehl
feiend)  zur  Bestimmung  des  Gesamtkleber-Stickstoffs  nach  Kjeldahl.
7qoj  j  einer  werden  20  g  des  Mehles  in  einem  Literkolben  mit  etwa  800  ccm
Sehättf 6m  ^bohol  übergossen,  1  Stunde  bei  gewöhnlicher  Temperatur  mit  einem
deagelbe'^ a f a *  geschüttelt,  die  Flüssigkeit  nach  dem  Schütteln  mit  Spiritus  von
trocknest Zur  ^ ar b 0  aufgefüllt,  sorgfältig  gemischt  und  durch  ein
in  eine,,  v- ter  fR triert -  Von  dem  Filtrat  werden  200  ccm  (4  g  Mehl  entsprechend)
,1  eldahl-Kolben  gebracht,  unter  Zusatz  von  einigen  Tropfen  Schwefel-)
  Landw.  Jahrbücher  1904,  33,  269.
■  ’utelen,  Inaug.-Dissertation,  Münster  i.  W.  1905.
'  L ° m P t -  Mnd.  1901,  132,  1421.
        <pb n="301" />
        278

Futtermittel.

säure  im  Wasserbade  oder  über  einer  kleinen  Flamme  bis  auf  etwa  20—30  com  eingedunstet, ­
  erkalten  gelassen,  dann  mit  20  com  der  Kjeldahl-Scbwefelsäure  versetzt
und  wie  üblich  weiter  behandelt;  man  erhält  auf  diese  Weise  den  Stickstoff  der  in
Alkohol  löslichen  Kleberproteinstoffe  (des  Gliadins  nach  Fleurent)  und  vermeidet
die  Ungenauigkeiten,  welche  durch  die  Beimengungen  zum  rohen  Kleber  bedingt  sind.
Ob  aber  auf  diese  Weise  bessere  Beziehungen  zwischen  der  Backfähigkeit  des  Mehles
und  dem  Verhältnis  von  Glutenkasein  (Glutenin)  zu  Gliadin  usw.  erhalten  werden,
erscheint  nach  einigen  hiesigen  Untersuchungen  zweifelhaft.
4.  Bestimmung  der  wasserbindenden  Kraft  des  Mehles  (die  sog.  Teigprobe).
Nach  vorstehenden  Ausführungen  hängt  die  Beschaffenheit  eines  Mehles  wesentlich
mit  der  Größe  der  wasserbindenden  Kraft  zusammen.  Zur  Bestimmung  derselben
wird  nach  Kupp 1 )  eine  beliebige  Menge  Mehl  in  einer  geräumigen  Porzellanschale
2—3  cm  hoch  auf  geschichtet  und  in  die  Oberfläche  des  Mehles  mit  einem  geeigneten
Gegenstände,  z.  B.  mit  einem  kleinen  Schälchen,  eine  Mulde  geformt,  in  welche
man  genau  10  ccm  Wasser  vorsichtig  einfließen  läßt.  Man  rührt  nun  von  dem
Mehle  mittels  eines  Glasstabes  so  viel  in  das  Wasser,  bis  eine  kompakte,  am  Glasstabe ­
  hängen  bleibende  Masse  gebildet  ist.  Letztere  wird  auf  die  mit  Mehl  gut
bestreute  Handfläche  gebracht  und  noch  so  viel  Mehl  eingeknetet,  bis  ein  nicht
mehr  an  den  Fingern  klebender,  zusammenhängender,  steifer,  aber  noch  leicht
knetbarer  Teig  entstanden  ist.
Die  so  hergestellte  Teigmasse  wird  gewogen  und  die  wasserbindende  Kraft
des  Mehles  nach  folgendem  Ansätze  berechnet:
G—10:  10=  100;  W,  '
worin  W  die  wasserbindende  Kraft  des  Mehles,  ausgedrückt  in  Teilen  Wasser,
welche  100  Teile  Mehl  zu  binden  vermögen,  G  das  Gewicht  des  erhaltenen  Teiges
bedeutet.  Der  Versuch  ist  mindestens  dreimal  anzustellen  und  aus  den  Ergebnissen
das  Mittel  zu  nehmen.  Auf
6.  Die  Terkleisterungsprobe  von  Halenke  und  Mößlinger, 2  3 )
ö.  Die  diastatische  Probe,
7.  Die  Bamihlsche  Probe 8 )  zur  Feststellung  von  Weizenmehl  in  Roggenmehl ­
  will  ich  hier  nur  hinweisen. 4  * )
8.  Milbenprobe. 4 )  300—500  g  des  fraglichen  Mehles  werden  in  einem  weißen
Pulverglase  durch  Aufstoßen  auf  Holz  oder  Tuchunterlage  dicht  zusammengeschüttet ­
  und  die  Oberfläche  geebnet.  Nach  längerem  Stehen  (mindestens  24  Stunden)
zeigen  sich  hinter  den  Glaswandungen  die  bekannten,  durch  die  Bewegungen  der
Milben  verursachten  Gänge  und  die  Oberfläche  erscheint  bei  Anwesenheit  größerer
Mengen  von  Milben  eigenartig  verändert  (fein  gefurcht).
9.  Nachweis  und  Bestimmung  von  Alaun,  Kupfer,  Zink,  Blei.  Alaun,  Kupferund
  Zinksulfat  werden  mitunter  dem  Mehle  zugesetzt,  um  die  Backfähigkeit
aufzubessern;  Blei  bezw.  Bleiverbindungen  können  unter  Umständen  aus  den  Gerätschaften ­
  (aus  mit  Blei  ausgebesserten  Mahlsteinen)  ins  Mehl  gelangen.  Bein 1
Nachweis  dieser  Verbindungen  ist  zu  berücksichtigen,  daß  sehr  geringe  Mengen
Aluminium-,  Kupfer-  und  Zink-Verbin  düngen  in  jedem  Mehl  —  aus  dem  natürlichen
Getreidekorn  herrührend  —  Vorkommen  können;  es  muß  daher  wenigstens  für  die
Schwermetalle  eine  quantitative  Bestimmung  ausgeführt  werden.
*)  Eupp,  Nahrungs-  und  Genußmittel,  Heidelberg  1894,  181.
2 )  Korrespondenzbl.  d.  freien  Vereinigung  bayr.  Vertreter  der  angew.  Chemie  1884,  No  !•
3 )  Zeitschr.  f.  analyf  Chemie  1871,  10,  366.
4 )  Vergl.  Vereinbarungen  zur  einheitlichen  Untersuchung  und  Beurteilung  v °®
Nahrungsmitteln  usw.,  Berlin  1899,  H.  Heft,  16,  17,  19  und  20.
        <pb n="302" />
        Körner  und  Mehle  der  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte.

279

a)  Nachweis  von  Alaun.  Zum  Nachweise  von  Alaun 1 )  wird  das  Mehl
111  einem  Prohierglase  mit  etwas  Wasser  und  Alkohol  durchfeuchtet.  Dann
Werden  einige  Tropfen  frisch  bereiteter  Kampecheholztinktur  (5  g  Kampecheholz
a uf  100  ccm  96  °/ 0 -igen  Alkohol)  zugefügt,  das  Ganze  wird  gut  umgeschüttelt  und
das  Glas  mit  gesättigter  Kochsalzlösung  aufgefüllt.  Bei  einem  Alaungehalte  von
0,05—0,10  °/ 0  nimmt  die  überstellende,  klar  gewordene  Flüssigkeit  eine  blaue,  bei
emem  Alaungehalte  von  0,01  °/ 0  eine  violettrote  Färbung  an.
h)  Bestimmungen  von  Kupfer,  Zink  und  Blei.  25  g  Mehl  werden  in
einem  geräumigen,  zur  Erhitzung  auf  freiem  Feuer  geeigneten  Eundkolben  mit
0  10  g  Kaliumsulfat 2 )  und  mit  30  ccm  konzentrierter  reiner  Schwefelsäure  versetzt.
■Nach  tüchtigem  Umschütteln  ist  die  Masse  in  etwa  10  Minuten  ohne  Anwendung
win  Feuer  zur  Trockne  verkohlt.  Nun  erhitzt  man  den  Kolben  unter  allmählichem
Zu  fügen  von  jedesmal  10  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  bei  ganz  kleiner  Flamme.
lese  Behandlung  wird  in  drei  Absätzen  in  ungefähren  Zwischenräumen  von
10  Minuten  wiederholt,  so  daß  man  nunmehr  im  ganzen  etwa  60  ccm  kohzentrierter
Schwefelsäure  verbraucht  hat.  Nach  etwa  halbstündigem  Erhitzen  kann  man  die
noch  fohlenden  etwa  65  ccm  Schwefelsäure  zufügen  und,  ohne  ein  Uberschäumen
er  Masse  befürchten  zu  müssen,  stärker  erhitzen.  Die  vollkommene  Aufschließung
zur  Erzielung  einer  wasserhellen  Flüssigkeit  ist  in  etwa  5  Stunden  beendigt.

bis
Der

gesamte  Rückstand  soll  nicht  mehr  als  höchstens  20  ccm  betragen;  ist  die  genügende ­
  Aufschließung  früher  erfolgt,  so  verdampft  man  die  überschüssige  Säure
n  einer  Platinschale  bis  zu  diesem  Volumen,  wobei  der  in  dem  Aufschließungskolben
.  mdliche  Rest  bis  zur  weiteren  Verwendung  beiseite  gestellt  wird.  Das  Ganze
'' lr( l  nach  dem  Erkalten  mit  destilliertem  Wasser  bis  zu  250  ccm  verdünnt  und
]. Ur  Oxydation  des  etwaigen  Ferrosulfates  mit  etwas  Salpetersäure  erwärmt.  Man
den  Flüssigkeit  abkühlen,  übersättigt  mit  konzentriertem  Ammoniak  und  filtriert
mit  p 11  .  an&amp;lt; * enen  gelblichen  Niederschlag  nach  einigem  Stehen  ab.  Das  Filtrat  wird
.  ^  ssi £ sa ure  schwach  angesäuert  und  mittels  Schwefelwasserstoffes  auf  Zink  ge-,
  .  -Entsteht  ein  weißer  Niederschlag  von  Schwefelzink,  so  wird  mit  Wasser
w  Unnt  un d  der  Niederschlag  nach  24-stündigem  Stehen  abfiltriert,  mit  Schwefelund
  erSt0ff  Unc ^  Ammoniumnitrat  enthaltendem  Wasser  ausgewaschen,  geglüht
in  *  4  a ' S .  ® n koxyd  gewogen.  Sollen  größere  oder  kleinere  Mengen  als  25  g  Mehl
re i  rbei t  genommen  werden,  so  sind  für  je  1  g  Mehl  etwa  5  ccm  konzentrierter
Mo 01  ^Lwefelsäure  in  Anwendung  zu  bringen;  die  Anwendung  von  größeren
'Sen  als  25  g  Mehl  erscheint  jedoch  nicht  ratsam.
Schvv  t n  g ^ e ' c ^ er  Weise  kann  die  Zerstörung  der  organischen  Substanz  mittels
Verw e  Msäure  auch  zum  Nachweise  und  zur  Bestimmung  anderer  Metalle  im  Mehle
s aur  en&amp;lt; J un S  finden.  Der  Nachweis  bezw.  die  Bestimmung  erfolgt  in  der  schwefel-611
  Lösung  nach  den  bekannten  Verfahren,
dem  y 10 ’  N,llcll "cis  des  Ölens  des  Weizens.  Das  ölen  des  Weizens  geschieht  zu
er höh  Wec k’  um  das  Hektolitergewicht  eines  Weizens  von  geringer  Beschaffenheit  zu
11  ’  denn  durch  ölen 3 )  fügen  sich  die  Weizenkörner  dichter  aneinander,  es
^itlichei^rr 0 * 1  L- erz ,  Eepert.  f.  anal.  Chemie  1886,  (i,  359;  vergl.  Vereinbarungen  zur  ein-2)
  jj.  nters uchung  der  Nahrungsmittel  usw.,  Berlin  1899,  Heft  II,  14.
vveil  e g  s :  ! e  Vereinbarungen  schreiben  Zusatz  von  Quecksilber  vor;  dieser  Zusatz  ist  aber,
befördert  ei  U ( ni  den  Nachweis  anderer  Metalle  handelt,  nicht  empfehlenswert;  Kaliumsulfat
3)  ^  ® nfa lls  die  Verbrennung  und  ist  in  diesem  Palle  vorzuziehen  (S.  137).
Schaufeln  H  ^^9^  hg  Weizen  verwendet  man  1 / i —  1  kg  Öl;  man  taucht  in  letzteres
n  wirft  mit  den  geölten  Schaufeln  den  Weizen  um.
        <pb n="303" />
        280

Futtermittel.

gehen  mehr  Körner  in  das  Hektoliter,  und  wenn  dieses  78  kg  statt  75  kg  wiegt,  wird
der  Weizen  verhältnismäßig  viel  höher  bezahlt.
Der  Nachweis  des  Ölens  ist  kaum,  wenigstens  nicht  immer,  mit  Sicherheit  zu  erbringen. ­

Wir  behandelten')  2  Stunden  je  1  kg  ungeölten  und  geölten  Weizens  in  der  Kälte
mit  700  ccm  Äther,  gossen  ab  und  spülten  den  Weizen  mit  weiteren  600  ccm  Äther  ab.
Der  Äther  wurde  filtriert,  verdunstet  und  der  Fettrückstand  gewogen;  nicht  geölter  Weizen
gab  auf  diese  Weise  0,90—1,02  0 /„  Fett  an  den  Äther  ab,  geölter  dagegen  0,99—1,17°/,,,
also  nur  ganz  unwesentlich  mehr,  was  bei  den  geringen  angewendeten  Mengen  Öl  zu  erwarten ­
  ist.
Nach  Himly  soll  man  den  fraglichen  Weizen  in  einem  Glase  mit  etwas  Bronzepulver ­
  schütteln,  die  Körner  dann  auf  trocknes  Papier  bringen  und  damit  etwas  abreiben.
Ist  der  Weizen  geölt,  so  überzieht  er  sich  mit  der  Bronze  und  vergoldet  sich  gleichsam;
ungeölter  Weizen  dagegen  reibt  sich  leicht  ab,  es  bleibt  nur  in  der  Kerbe  und  an  den
Haaren,  dem  sogenannten  Bart,  etwas  hängen.
Ähnlich  wie  Bronzepulver  verhält  sich  Kurkumapulver;  die  Unterschiede  treten
hier  sogar  etwas  deutlicher  hervor.
Ein  anderes  Verfahren  besteht  darin,  daß  man  ein  absolut  fettfreies  Becherglas  mit
Wasser  füllt  und  etwas  Kampferstaub  auf  die  Wasserfläche  streut.  Die  Kampferteilchen
geraten  in  eine  lebhafte  Bewegung;  diese  hört  aber  auf,  wenn  man  geölten  Weizen  in
das  Becherglas  gibt;  sie  bleibt  dagegen,  wenn  der  Weizen  nicht  geölt  ist.
Die  Prüfungen  mit  Bronze-  und  Kurkumapulver  sind  im  allgemeinen  noch  zuverlässiger ­
  als  letztere,  indes  auch  nicht  so  zuverlässig,  daß  sich  hiernach  mit  Sicherheitgeölter
  und  nicht  geölter  Weizen  unterscheiden  ließe.  Wenigstens  soll  man  stets  nicht
geölten  und  selbst  geölten  Weizen  zum  Vergleich  heranziehen,  um  nicht  irre  zu  gehen.
11.  Bestimmung  des  Volumgewichtes.  Zur  Bestimmung  des  Volum  ge  wichtes
des  Getreides  kann  irgend  eine  zuverlässige  Getreidewage *  2  *  *  * )  benutzt  werden  (vergl.
Untersuchung  von  Sämereien).
12.  Die  zolltechnische  Prüfung  des  Mehles.  Für  eingeführtes  Getreide  braucht
kein  Zoll  entrichtet  zu  werden,  wenn  dafür  eine  entsprechende  Menge  von  Mehl  wieder
ausgeführt  wird;  es  wird  angenommen,  daß  aus  100  kg  Roggen  65  kg,  aus  100  kg
Weizen  75  kg  ausfuhrfähiges  Mehl  gewonnen  werden  können.  Um  zu  sehen,  ob  nicht
etwa  Mehl  von  einer  größeren  Ausbeute  oder  nur  grobes  Mehl  mit  höherer  Ausbeute
nach  Entfernung  der  feinen  Mehlanteile  (No.  0)  für  die  Ausfuhr  genommen  ist,  dient;
a)  die  Beurteilung  des  Mehles  nach  der  Farbe,  für  welche  festgelegte ­
  Muster  oder  Typen  zumVergleich  dienen,  bezw.  das  Pekarisieren.
Zur  Erkennung  der  Farbenunterschiede  formt  man  auf  einer  Glasscheibe  oder  besser
auf  einem  dünnen,  glatten  (geölten)  Brettchen  von  hartem  Holze  aus  etwa  2  Teelöffeln ­
  (15—20  g)  des  fraglichen  Mehles  ein  Parallelopiped  von  etwa  5  cm  Länge,
3  cm  Breite  und  3  mm  Höhe,  indem  man  die  Oberfläche  mit  einer  zweiten  Glasscheibe ­
  durch  Aufpressen  oder  durch  Auflegen  eines  Stückchen  starken  Schreibpapieres
  und  durch  Flachdrucken  mit  einem  Lineal  ebnet  und  durch  Beschneiden  mit
dem  Messer  für  eine  scharfe  Begrenzung  sorgt,  oder  man  bedient  sich  eines  besonderen
Formstechers, 8 )  mit  dem  man  aus  dem  Mehl  ein  Rechteck  heraussticht.  Durch
Vergleichung  der  Farbe  dieser  Rechtecke  mit  den  festgelegten  Mehltypen  lassen
sich  schon  geringe  Unterschiede  erkennen.  Die  Farbenunterschiede  treten  aber  noch
deutlicher  hervor,  wenn  man  das  Brettchen  mit  den  Mohlrechtecken,  vorsichtig
] )  Vergl.  H.  Weigmanu,  Chem.-Zeitung  1888,  12,  1358.
2 )  Für  Preußen  wird  der  Getreideprober  von  Sommer  und  Runge  in  Berlin  SW.,
Wilhelmstr.  122,  empfohlen.
*)  Der  Formstecher  wird  zum  Preise  von  1,50  Mk.  von  dem  Modellschlosser  Külitz,
Berlin  N.,  Invalidenstr.  42,  angefertigt.
        <pb n="304" />
        Körner  und  Mehle  der  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte.

281

schräg  haltend,  einige  Minuten  unter  Wasser  taucht,  Ws  keine  Luftblasen  mehr
aufsteigen.  Das  Verfahren  heißt  „Pekarisieren“  (nach  dem  Erfinder  Pekar).
b)  Beurteilung  nach  dem  Aschengehalt.  Wenn  die  Beurteilung  des
Hehles  nach  der  Farbe  durch  Vergleichung  mit  den  Mehltypen  zweifelhaft  bleibt,
s o  soll  zur  Beurteilung  auch  der  Aschengehalt  mit  herangezogen  werden.  Je
geringwertiger  ein  Mehl  ist,  je  mehr  Kleie  es  enthält,  desto  höher  ist  der  Aschen
gehalt;  es  sind  daher  auch  für  letzteren  Grenzwerte  festgestellt,  nämlich:

in  der  lufttrocknen  in  der  Trockensubstanz ­
  Substanz
Höchstgehalt  für  Weizen-Exportmehl  .  .  .  2,22%  2,50%
„  „  Koggen-  „  ...  1,73  „  1,92  „
Niedrigstgehalt  „  Einfuhr-Kleie  aller  Art  .  .  3,70  „  4,10  „
Zur  Bestimmung  der  Äsche  werden  2  g  angewendet  und  unter  Benutzung  der
.195  angegebenen  Hilfsmittel  und  einer  kleinen  Flamme  so  verascht,  daß  die  Asche
rem  weiß  ist  und  nicht  zusammensintert.
Da  der  Weizen  eine  dickere,  holzigere  Schale  hat  als  der  Roggen,  so  enthält
grobes  Weizenmehl  mehr  Asche  als  grobes  Roggenmehl.
c)Die  Siebprobe.  Falls  durch  Vermischen  von  gutem  und  geringem
oggenmehl  und  grobes  Mahlen  mehr  als  70  °/ 0  Ausbeute  erzielt  worden  sein  sollten,
.  e  daß  gegen  die  Typen  verstoßen  worden  ist,  so  kann  man  dieses  durch  Ermittelung ­
  des  Kleiengehaltes  feststellen,  indem  beim  Sieben  durch  Müllergaze  No.  7
61  solchen  Mehlen  bis  20  °/ 0  Kleie  und  Gries  auf  dem  Siebe  bleiben,  während  von
er  Type  kaum  5  °/ 0  Rückstand  sich  ergeben.
j  Nach  der  Verordnung  vom  1.  Januar  1898  für  Getreidemühlen  und  Mälzereien
als  gebeuteltes  Weizenmehl  nur  das  anzusehen,  welches  höchstens  7  °/ 0  Rückß
 d,  als  gebeuteltes  Roggenmehl  das,  welches  höchstens  3  °/ 0  Rückstand  hinterläßt,
mi  dieses  festzustellen,  werden  je  50  g  Mehl  2-mal  3  Minuten  mit  einem  Siebe
licht  '  we ^ c ^ es  durch  Überspannen  eines  rechteckigen  Holzrahmens  von  22  cm
p-a  j. 6 , 1  Hänge,  15  cm  lichter  Breite  und  5  cm  Höhe  mit  Müllergaze  No.  8 1 )  hergestellt
  ist.
dar"  ® es Dmm«ng  des  Alkaloi'dgehaltes  der  Lupinen,  bezw.  des  giftigen  Stoffes
Die  Lupinenkörner  können  0,1  bis  zu  1,0  °/ 0  Alkaloide  enthalten,  denen
dah' Ue  Giftigkeit  der  Körner  bezw.  des  Lupinenheus  zugeschrieben  hat.  Man  ist
Destin  SC ^° n  se4b  l all g em  bestrebt,  diese  näher  zu  kennzeichnen  und  quantitativ  zu
.  Übergebung  der  älteren  Verfahren  (von  Eichhorn,  Beyer,  Siewert)
mmgej 1  ^ 16r  Verfahren  von  G.  Liebscher, 2 )  M.  Hagen, 8 )  G.  Baumert 4 )  kurz
Lite- 0Utet  und  bezüglich  eingehenderer  Untersuchung  und  der  einschlägigen
‘  p lr  au f  die  angeführten  Quellen  verwiesen  werden.
(ttieh  lernac h  wird  eine  nicht  zu  geringe  Menge  gemahlener  Lupinenkörner
gez(,«. (1&amp;lt;  bis  etwa  1000  g)  mit  salzsäurehaltigem  Alkohol  wiederholt  ausürul
  b6 ^’  &amp;lt; * er  Alkohol  verdunstet,  der  Rückstand  mit  Kalihydrat  alkalisch  gemacht
Stoffe' 111  Hetroleumäther  ausgeschüttelt.  Da  letzterer  Auszug  noch  immer  Farb-Seschtitt
 ri&amp;lt;1  ^ ette  en tLält,  so  wird  er  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  durchgehohep
 6 ^’-  We * cbes  die  Alkaloide  wieder  aufnimmt;  der  Petroleumäther  wird  ab-—.
  n &amp;gt;  die  wässerige  salzsaure  Lösung  der  Alkaloide  abermals  mit  Soda  und
)  Eu  beziehen  von  Gebr.  Stallmann  in  Dortmund.
■2  Huhn,  Berichte  aus  d.  landw.  Institut  d.  Universität  Halle  1880,  Heft  2,  53.
4  ~ benda  1886,  Heft  6,  46.
)  4/andw.  Versuchs-Stationen  1882,  27,  15  und  1884,  80,  295.
        <pb n="305" />
        282

Futtermittel.

Kaliumhydroxyd  zerlegt  und  mit  Äthyläther  völlig  ausgeschüttelt.  Nach  dem  Abdestillieren ­
  des  Äthers  bleiben  die  noch  immer  etwas  verunreinigten  Alkaloide  als  braune,
ölige  Flüssigkeit  zurück,  die  beim  Erkalten  unter  Umständen  kristallinisch  erstarrt.
Zur  weiteren  Trennung  der  Alkaloide  wird  der  Rückstand  —  wegen  der
großen  Empfindlichkeit  der  Lupinenalkaloide  gegen  Sauerstoff  im  Wasserstoff  ström
—  wiederholt  destilliert  und  auf  diese  Weise  das  „Lupinin“  (C 21 H 40 N 2 O 2 ),  welches
den  niedrigsten  Siedepunkt  besitzt,  der  Hauptmenge  nach  von  den  anderen  Basen
geschieden.  Der  kristallinische  Rückstand  wird  dagegen  durch  Umkristallisieren
aus  Äther  gereinigt  und  weiter  nach  Neutralisieren  der  Mutterlauge  mit  Salzsäure
und  durch  Fällen  mit  einer  konzentrierten  wässerigen  Lösung  von  Platinchlorid
von  den  flüssigen  Basen  befreit.
E.  Täuber 1 )  vereinfacht  dieses  Verfahren  dahin,  daß  er  etwa  25  g  feingepulverte ­
  Lupinen  nicht  mit  salzsäurehaltigem,  sondern  mit  gewöhnlichem  80-  bis
90-grädigem  Alkohol  ( 1 / 2  1)  unter  Anwendung  eines  Rückflußkühlers  1 / 2  Stunde
kocht,  den  Alkohol  abgießt,  die  Ausziehung  3-mal  wiederholt  und  schließlich  die
Substanz  noch  auf  dem  Filter  mit  heißem  Alkohol  auswäscht.  Die  alkoholischen
Auszüge  werden  mit  25—30  Tropfen  Salzsäure  versetzt  und  durch  Destillation
zuletzt  unter  Zusatz  von  Wasser  vollständig  von  Alkohol  befreit,  der  Rückstand
in  einen  Scheidetrichter  gegeben  und  durch  5-maliges  Ausschütteln  mit  Petroleumäther ­
  gereinigt.  Den  so  gereinigten  Auszug  verdampft  man  bei  etwa  50°  bis  fast
zur  Trockne,  versetzt  ihn  mit  Ammoniak  und  etwas  Kalihydrat  und  schüttelt  ihn
5-mal  mit  50  ccm  eines  bei  40°  siedenden  Petroleumäthers  aus.  Die  Äther-Auszüge
werden  in  ein  gewogenes  Kölbchen  filtriert,  der  Äther  abdestilliert,  der  Rückstand
8  Stunden  lang  bei  einer  50°  nicht  übersteigenden  Temperatur  getrocknet  und  gewogen. ­
  Die  Gewichtszunahme  gibt  die  Gesamtmenge  der  Alkaloide.
Der  gewogene  Rückstand  wird  möglichst  genau  mit  einer  mit  der  10-fachen
Menge  Alkohol  verdünnten  Salzsäure  und  so  lange  tropfenweise  mit  Platinchloridlösung ­
  versetzt,  als  noch  eine  Fällung  beobachtet  werden  kann,  aber  nicht  mehr,
weil  der  Niederschlag  in  überschüssiger  Platinlösung  wie  auch  in  freier  Säure  löslich ­
  ist.  Entsteht  im  Filtrat  durch  Platinchlorid  noch  ein  Niederschlag,  so  wird
dieser  ebenfalls  auf  das  gewogene  Filter  gebracht.  Von  dem  gewogenen  Platinniederschlag ­
  werden  27,4  °/ 0  als  auf  flüssiges  Alkaloid  entfallend  angenommen.
Nach  den  Untersuchungen  von  G.  Liebscher  (1.  c.)  besitzen  die  Lupinenalkaloide
  zwar  stark  giftige  Eigenschaften,  indes  verursachen  sie  nicht  die  eigentliche ­
  Lupinenkrankheit,  die  sogenannte  „Lupinose“;  diese  scheint  durch  einen
fermentartigen  Stoff  bewirkt  zu  werden,  den  Liebscher  dadurch  gewinnen  konnte,
daß  er  fein  gemahlene  Lupinenkörner  (oder  Heu  oder  Schoten)  48  Stunden  mit
Glyzerin  in  Berührung  ließ,  durcli  ein  Tuch  abpreßte  und  mit  dem  doppelten
Volumen  Alkohol  vermischte;  hierdurch  schied  sich  ein  schleimig-flockiger  Niederschlag ­
  aus,  welcher  —  nach  2-tägigem  Stehen  und  2-maligera  Auswaschen  mit
Alkohol  —  mit  Wasser  verrieben  bei  Kaninchen  Gelbsucht  verursachte.  Dieser  die
Lupinose  bewirkende  Bestandteil  verliert  durch  Dämpfen  und  durch  Gärung  seine
Schädlichkeit.
IX.  Ölkuchen,  Kleie  und  ähnliche  gewerbliche  Abfälle.
Die  chemische  Untersuchung  dieser  Abfälle,  welche  vielfach  für  die  Untersuchung ­
  feinpulverig  genug  sind  oder  sich  doch,  wie  Ölkuchen,  im  natürlichen  Zustande
fein  mahlen  lassen,  richtet  sich  ganz  nach  den  unter  A  S.  208—253  angegebene»
')  Landw.  Versuchs-Stationen  1883,  29,  462.
        <pb n="306" />
        Ölkuchen,  Kleie  und  sonstige  Abfälle.  —  Knochenfuttermehl  oderKutterkalkphosphat.  283

L  erfahren.  Bei  den  Ölkuchen  pflegt  meistens  nur  der  Gehalt  an  Protein  und  Fett
bestimmt  zu  werden;  hei  den  Kleien  empfiehlt  sich  auch  noch  die  Bestimmung
der  Rohfaser,  weil  deren  Menge  für  den  Futterwert  der  Kleie  von  Belang  ist;  je
höher  die  Rohfaser,  desto  geringwertiger  ist  durchweg  die  Kleie.
In  vielen  Fällen  handelt  es  sich  hei  Untersuchung  dieser  Abfälle  auch  um
die  Frage  der  Unverdorhenheit  und  Reinheit.
Die  Frage,  oh  diese  Futtermittel  verdorben  oder  unverdorben  sind,  läßt  sich
bis  jetzt  nur  annähernd  und  relativ  beurteilen;  einige  Anhaltspunkte  liefert  die
Prüfung  auf  Schimmel-  und  Fäulnispilze  nach  dem  Verfahren  von  A.  Emmerkj
 n g  (S.  253)  oder  die  Bestimmung  des  Gehaltes  des  Fettes  an  freien
■rettsäuren  (S.  223);  über  die  Frage  der  Reinheit  oder  Verfälschung  gibt  die
chemische  Untersuchung  nur  in  seltenen  Fällen  sicheren  Aufschluß.  Ist  z.  B.  ein
Ölkuchen  oder  ölkuohenmehl  durch  Mehlabfälle  verfälscht,  so  kann  der  Gehalt  an
Krotein  und  Stärke  als  Anhaltspunkt  dienen;  ist  eine  Kleie  mit  gemahlenen  Reisschalen ­
  oder  sonstigen  rohfaserreichen  Abfällen  versetzt,  so  führt  eine  Bestimmung
1  er  Rohfaser  zum  Ziel.
Hat  z.  B.  eine  Roggenkleie  einen  Gehalt  von  17,50  °/ 0  Rohfaser  ergeben  und
ls t  durch  die  mikroskopische  Untersuchung  ein  Zusatz  von  Reisschalen  erwiesen,
1°,  ^rechnet  sich,  da  normale  Roggenkleie  etwa  6,15  °/ 0 ,  Eeisschalen  dagegen  etwa
34,95  °/ 0  Rohfaser,  also  34,95  —  6,15  =  28,80  °/ 0  mehr  enthalten,  in  der  untersuchten
;°ggenkleie  aber  17,50  —  6,15  =  11,35  %  Rohfaser  mehr  als  normal  gefunden  worden
Sln d,  die  Größe  des  Zusatzes  nach  der  Gleichung;
,  28,80  :  11,35  =  100  :  x  (=  39,4),
( '  b.  die  Roggenkleie  ist  in  diesem  Palle  mit  etwa  39,4  °/ 0  Eeisschalen  verfälscht
•  h  ri  en ‘  den  natürlichen  Schwankungen  der  Rohfasergehalte  sind  diese  Werte
a  01  nilr  annähernde.
die  ( * en  rae i s t en  Fällen  muß  die  Frage  der  Reinheit  oder  Verfälschung  durch
mikroskopische  Untersuchung  entschieden  werden.
X.  Knochenfuttermehl  oder  Futterkalkphosphat.
fi .  '  ielfach  wird  hei  jungen  Tieren,  besonders  Schweinen,  Kalkphosphat  beige-U
 ttert  Hty»  Tr  1  -I  •!  1  i  *1  -  1  I.  _

Wa  Um  ( ^ e  Knochenbildung  zu  unterstützen.  Als  solche  Mittel  werden  ange-„
  1  :  natürliches  und  entleimtes  Knochenmehl,  Knochenasche,  natürliche  oder  ausdu
  '  o  Holzasche  und  besonders  gefälltes  (präzipitiertes)  Kalkphosphat,  erhalten
nut  K Auflösen  von  Knochenasche  bezw.  Rohphosphaten  in  Salzsäure  und  Fällen
Süch  «kmilch.  Für  die  Handelswaren  dieser  Art  hat  der  Verband  landw.  Vers-Stationen ­
  i.  D.  R.  folgende  Begriffserklärung  vereinbart: 1 )
der  -pA nt . er  Knochenfuttermehl  oder  Futterknochenmehl  versteht  nach
gab  ntwic klung,  welche  der  Handel  und  Verbrauch  dieser  Futterbeisaure^
 611 ' 01111111611  ^ er  kaufende  Landwirt  nur  den  gefällten  phosphorniciit
 n  ( 'er  zum  größten  Teil  aus  Dicalciumphosphat  besteht,
entl  ■  a ' )er  eine  der  Formen  des  Knochenmehles  (rohes,  gedämpftes,
den  vr ttltes ’  kalziniertes  Knochenmehl),  wie  es  zu  Düngungszweoken  in
andel  un b  zum  Verbrauch  gelangt.“
mehl  /' GC  lt  häufig  bestehen  aber  die  Knochenfuttermehle  aus  entleimtem  Knochene
 H°lgte Ut '°/ 0  Stickstoff);  wenn  die  Entleimung  durch  Schweflige  Säure
e üthäi t e ’  S °  en *halten  dieselben  auch  mitunter  Schweflige  Säure;  Knochenasche
lucht  selten  viel  kohlensauren  Kalk;  letzterer  kann  auch  bei  unrichtiger
)  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  60,  214.
        <pb n="307" />
        284

Futtermittel.

Fällung  der  Phosphatlösung  mit  Kalkmilch  in  größerer  Menge  vorhanden  sein  (wir
fanden  in  3  Proben  7,79  °/ 0)  30,18  °/ 0  und  64,37  °/ 0  Calciumkarbonat  neben  72,22  °/ 0
bezw.  58,60  °/ 0  bezw.  30,29  °/ 0  Calciumphosphat).  Am  bedenklichsten  aber  ist  das
Vorkommen  von  Arseniger  Säure  —  offenbar  von  der  Anwendung  roher  Säure
herrührend  —  in  den  Futterkalken.  Wir  fanden  in  5  arsenhaltigen  Sorten  0,056
bis  0,157  g  arsenige  Säure.  Da  1  Stück  Großvieh  täglich  0,06—0,5  g  arsenige  Säure
im  Futter  vertragen  kann  oder  die  unschädliche  Höchstmenge  etwa  0,00015  Teile
arsenige  Säure  auf  100  Teile  Körpergewicht  (oder  0,15  g  As, 2 0 8  auf  100  kg  Körpergewicht) ­
  beträgt,  da  ferner  kleinere  Tiere  aber  nur  10—20  g,  größere  20—30  g
Knochenfuttermehl  zu  erhalten  pflegen,  so  würde  selbst  ein  Gehalt  von  0,2  °/ 0  arseniger
Säure  wohl  kaum  jemals  im  Futter  direkt  giftige  Wirkungen  hervorrufen;  immerhin
ist  ein  Gehalt  an  arseniger  Säure,  der  über  Spuren  bis  etwa  0,02  °/ 0  hinausgeht,
zu  beanstanden,  weil  er  beweist,  daß  mit  sehr  unreinen  Rohstoffen  gearbeitet  ist.
Über  die  Bestimmung  der  Arsenigen  Säure,  der  Phosphorsäure,  des
Kalkes  usw.  vergl.  S.  178,  des  Fluors  S.  163.
Über  die  Herkunft  des  Knoohenfutterkalkes  kann  das  Verhältnis  von  Kalk
(CaO)  :  Phosphorsäure  (P 2 0 5 )  Aufschluß  geben,  welches  bei  einem  Tricalciumphosphat
  1  :  0,88  (54,20  ®/ 0  CaO  :  45,80  °/ 0  P 3  0 5 ),  bei  reinem  Dicalciumphosphat
dagegen  1:1,268  (41,18  °/ 0  CaO:  52,20  °/ 0  P 2 Ö 8 )  ist;  selbstverständlich  müssen  bei
der  Berechnung  dieses  Verhältnisses  die  an  sonstige  Säuren  (Kohlensäure,  Chlor
usw.)  gebundenen  Mengen  Kalk  berücksichtigt  und  von  der  Gesamtmenge  in  Abzug
gebracht  werden.  Entleimtes  Knochenmehl  gibt  sich  durch  die  mikroskopische
Untersuchung  (außer  durch  Gehalt  an  Stickstoff)  zu  erkennen;  es  zeigt  infolge  der
Leimentziehung  deutliche  Poren-Struktur,  während  die  gefällten  Kalkphosphate  eine
formlose  Masse  bilden.
Die  zitratlösliche  Phosphorsäure  ist  nach  dem  Verfahren  von  Petermann ­
  S.  156  zu  bestimmen.
Mikroskopische  Untersuchung  der  Futtermittel.
Die  mikroskopische  Untersuchung  der  Futtermittel  und  deren  Verunreinigungen
ist  nachgerade  so  wichtig  wie  die  chemische  Untersuchung  derselben  geworden.
Dementsprechend  hat  dieses  früher  vernachlässigte  Gebiet  in  den  letzten  Jahren
auch  eine  vielseitige  Bearbeitung  gefunden.
Von  den  nachstehenden  Abbildungen  sind  die  der  Hillsenfrächte,  Ölsamen  und
Unkrautsamen  mit  einigen  Ausnahmen  Original-Zeichnungen,  welche  von  C.  Böhmer
größtenteils  während  seiner  Tätigkeit  an  hiesiger  Versuchs-Station  angefertigt  sind;
später  hat  C.  Böhmer  diese  Zeichnungen  vervollkommnet  sowie  vervollständigt  und
in  seinem  Handbuch  „Die  Kraftfuttermittel“,  Berlin  bei  Paul  Parey  1903,  niedergelegt, ­
  auf  welches  hiermit  besonders  verwiesen  sei.  Auch  von  diesen  hier  Gebrauch
zu  machen,  hat  mir  der  Verfasser  freundlichst  gestattet.  Die  übrigen  Zeichnungen
sind  entnommen:
1.  Jos.  Möller,  Mikroskopie  der  Nahrungs-  und  Genußmittel.
2.  Von  demselben,  Pharmakognostisoher  Atlas.
3.  0.  Dämmer,  Lexikon  der  Verfälschungen.
4.  C.  Dammann,  Die  Gesundheitspflege  der  landw.  Haussäugetiere.
6.  Fr.  Beneke,  Anleitung  zur  mikroskopischen  Untersuchung  der  Futtermittel.
Außer  diesen  Schriften  seien  noch  weitere,  ebenfalls  hier  zum  Teil  benutzte  Untersuchungen ­
  genannt:
6.  L.  Wittmack,  Anleitung  zur  Erkennung  usw.  von  Roggen-  und  Weizenmehl.
7.  Unterscheidungsmerkmale  der  wichtigsten  Samen  und  Unkräuter  von  Sempolowsky;
  Landw.  Jahrbücher  1874,  3,  823.
        <pb n="308" />
        Mikroskopische  Untersuchung.

285

8.  Unterscheidungsmerkmale  der  wichtigsten  Samen  und  Unkräuter  von  v.  Bretfeld,
Landw.  Versuchs-Stationen  1881,  26,  429.
9.  Desgl.  von  Kobus,  Landw.  Jahrbücher  1884,  13,  819.
10.  Die  landw.  wichtigen  Rücktsände  der  Ölfabrikation  von  0.  Kornauth  in
Mitteil.  d.  chem.-techn.  Versuchs-Station  für  Rübenzucker-Industrie  in  Wien
1887,  Heft  I,  II  und  III.
11.  E.  0.  Harz,  Landw.  Samenkunde.
12.  Vor  allem  auch:  Fr.  Nobbe,  Handbuch  der  Samenkunde,  welches  jetzt  in  neuer
Auflage  erscheint.
13.  P.  Uhlitzsch,  Rückstände  d.  Fabrikation  ätherischer  Öle;  Landw.  Versuchs-Stationen
  1893,  42,  215.
11.  R.  Pfister,  Ölkuchen;  ebenda  1894,  43,  441.
15.  0.  Burchard,  Bau  d.  Samenschale  einiger  Brassicaarten;  Journ.  f.  Landw.
1894,  42,  125.
16.  A,  Emmerling,  Über  einfache  Unterscheidungsmerkmale  von  Gersten-  und  Haferspelzeu;
  Landw.  Versuchs-Stationen  1898,  50,  1.
17.  Derselbe,  Über  Palmkernkuchen  und  Palmkernmehl;  ebenda  1898,  50,  5.
18.  A.  Hebebrand,  Über  den  Sesam;  ebenda  1899,  51,  45.
19.  Kinzel,  Über  die  Samen  einiger  Brassica-  und  Siuapis-Arten  mit  besonderer  Berücksichtigung ­
  der  ostindischen;  ebenda  1899,  52,  169.
20.  Alfr.  Lemoke,  Über  Hanfkuchen;  ebenda,  1901,  55,  161.
21.  A.  Koehler,  Erbsen,  Bohnen,  Wicken;  ebenda,  1901,  55,  401.
22.  F.  Barnstein,  Roggen  und  Weizen;  ebenda,  1902,  56,  369.
23.  M.  Schmoeger,  Preßlinge,  Diffusionsschnitzel,  Melasse;  ebenda  1903.  59,  83.
24.  E.  Hauptfl  eisch,  Die  Spelzweizen;  ebenda  1903,  58,  65.
25.  E.  Haselhoff  und  E.  Mach,  Der  Hafer;  ebenda  1904,  60,  161.
26.  E.  Mach,  Mohn  und  Mohnkuchen;  ebenda  1902,  57,  419.
27.  0.  Förster  und  Gram,  Rapskuchen;  ebenda  1898,  50,  371  und  449.
Weiter  sei  verwiesen  auf:
28.  A.  E.  Vogel,  Die  wichtigsten  vegetabilischen  Nahrungs-  und  Genußmittel,
Berlin-Wien  1898.

Trotz  der  fleißigen  Bearbeitung  weist  dieser  Abschnitt  indes  noch  manche  Lücken
'  und  wird  sich  kaum  vollständig  erschöpfen  lassen,  weil  die  Anzahl  der  ver-&amp;lt;len
 (6 ^ en  Futtermittel  und  die  Form,  in  welcher  sie  angewendet  werden  bezw.  in
Handel  kommen,  ferner  aber  auch  die  Anzahl  der  Verunreinigungen  gar  zu  groß  ist.
A  ,  Fs  lassen  sich  daher  nicht  für  alle  Fälle  die  erforderlichen  Zeichnungen  und
altspunkte  zur  Erkennung  der  Art  der  Futtermittel  und  ihrer  Verunreinigungen
e rn.  Auch  bedürfen  die  Vorkommnisse  von  fremden  Beimengungen  stets  einer
'gemäßen  Deutung.  Immerhin  werden  nach  hiesigen  Erfahrungen  die  nachund
  ent * 6U  Abbildungen  und  Erläuterungen  in  zahlreichen  Fällen  von  Nutzen  sein,
g r  Wo  sie  lücken-  und  mangelhaft  sind,  mögen  sie  zu  neuen  Untersuchungen  und
Weiterungen  Veranlassung  geben.
mai  Ui  mikroskopische  Untersuchung  der  Futtermittel  bietet  weiter  insofern
So  , c  16  Schwierigkeiten,  als  dieselben  meistens  nicht  in  ganzen  Körnern  oder  Samen,
]j 0  1  n  lm  zerkleinerten,  gemahlenen  oder  gepreßten  Zustande  im  Handel  vor--Die
  Anfertigung  von  Querschnitten  ist  daher  durchweg  ausgeschlossen;
daheri^  ^  ^ ast  immer  nur  Tangential-  oder  Flächenansichten;  letztere  bieten
Hierauf  ^  me * s * en  Anhaltspunkte  zur  Feststellung  dieses  oder  jenen  Bestandteiles.
s Uchun  1St  ™  ^ 6n  ä H eren  un d  auch  manchen  neueren  mikroskopischen  Unter-Quer-
  •u™  ZU  weni S  Rücksicht  genommen;  sie  geben  fast  ausschließlich  nur
S&amp;lt; A nittsa nsichten,  mit  denen  man  es  in  einem  Handelsfuttermittel  selten  zu  tun  hat.
Ünt e  e ^ u ^ s  Vorbereitung  der  Futtermittel  für  die  mikroskopische
usuchung  verfährt  man  im  allgemeinen  wie  folgt:
        <pb n="309" />
        286

Futtermittel.

1.  30—50  g  Substanz  einer  guten  Mittelprobe  werden  von  den  mehlartigen
Futtermitteln  direkt,  von  denen  in  Kuchenform  usw.  nach  dem  Zermahlen  auf  der
Schrotmühle  je  nach  dem  Zerkleinerungszustand  durch  ein  feineres  oder  gröberes
Sieb  von  0.2—0,3  mm  Maschenweite  oder  durch  mehrere  Siebsätze  gesiebt;
von  dem  Abgesiebten  dient  das  feinste  Mehl  (bei  fettreichen  Stoffen  nach  Entfetten
durch  Äther  bezw.  Äther-Alkohol)  zur  Untersuchung  auf  Stärke,  indem  man  das
entfettete  Mehl  mit  so  viel  Wasser  anrührt,  daß  eine  milchig-trübe  Flüssigkeit
entsteht.  Hiervon  werden  3-raal  je  ein  Tropfen  auf  den  Objektträger  gebracht  und
sowohl  ohne  als  mit  Zusatz  von  Jodlösung  bei  etwa  300-facher  Vergrößerung  auf
Stärkeform  untersucht.

Als  Jodlösung  wendet  man  entweder  eine
verdünnte  Lösung  von  Jod  in  Jodkalium  (letzteres
wird  in  der  20-fachen  Menge  Wasser  gelöst,
Jqd  im  Überschuß  zugefügt  und  die  Lösung  verdünnt) ­
  oder  eine  verdünnte  Lösung  von  Jod  in
Alkohol  an.
Breiartige  Futtermittel  wie  Schlempe  usw.
gießt  man  durch  ein  lockeres  Leinen-  oder  Gazetuch ­
  und  verwendet  die  kollerte  Flüssigkeit  zur
Stärke-Untersuchung,  den  Rückstand  zur  Bestimmung ­
  der  gröberen  Zellsubstanz.
2.  Der  auf  dem  Sieb  verbleibende  schalenhaltige ­
  Rückstand  wird  in  2  Teile  geteilt;  den
einen  Teil  behandelt  man  —  fettreiche  Stoffe  nach
Entfetten  mit  Äther  bezw.  Äther-Alkohol  —  mit
verdünnter  Salpetersäure  (solche  von  1,2  spezifischem
Gewicht  mit  etwa  dem  5—10-fachen  Volumen
Wasser  verdünnt),  nötigenfalls  unter  Zusatz  von
einigen  Körnchen  chlorsaurem  Kalium,  längere  Zeit
im  Wasserbade,  bis  die  Masse  ein  helles  Aussehen ­
  angenommen  hat,  den  anderen  Teil  in
derselben  Weise  mit  verdünnter  Kalilauge  (etwa
0,5—1,0  °/ 0 -iger),  gießt  die  behandelten  Massen
unter  starkem  Verdünnen  mit  Wasser  in  einen  Zylinder  oder  in  ein  hohes  Becherglas, ­
  läßt  absitzen,  gießt  vorsichtig  ab,  fügt  abermals  Wasser  hinzu,  dekantiert
wie  vorhin  und  verwendet  beide  Bodensätze  zur  mikroskopischen  Untersuchung  bei
verschiedener  (150—300-facher)  Vergrößerung.
Häufig  empfiehlt  es  sich,  die  mit  verdünnter  Salpetersäure  aufgeschlossene ­
  Masse  noch  weiter  direkt  mit  verdünnter  Kalilauge  zu  behandeln
und  die  Rückstände  auf  einem  feinen  Koliertuch  zu  sammeln  und  schwach  auszuwaschen-Flg,

  45.  CWorentwickelungsapparatzur
Aufhellung  der  Futtermittel.

3.  Th,  Dietrich  und  A.  Hebebrand 1 )  wenden  zum  Aufschließen  bezw.  Aufhellen ­
  der  Stoffe  7  °/ 0 -ige  Sodalösung  an  und  leiten  10—15  Minuten  mit  der  Vorsicht
Chlor  ein,  daß  die  Flüssigkeit  stets  alkalisch  hleibt.
Als  Chlorentwickelungsapparat 2  3 )  bedient  sich  A.  Emmerling-Kiel 8 )  eines
Brlenmeyerschen  Kölbchens,  auf  welches  eine  Röhre  aufgeschliffen  ist,  die

')  Landw.  Versuchs-Stationen  1899,  51,  75.
2 )  Zu  beziehen  durch  die  Fabrik  von  Dr.  R.  Hase  in  Hannover  oder  durch  den
Glasbläser  Heinrich  Müller  in  Kiel.
3 )  Privat-Mitteilung.
        <pb n="310" />
        Mikroskopische  Untersuchung-,

287

nach  unten  in  eine  Spitze  mit  einer  überaus  feinen  Öffnung  endigt  (vergl,
Big.  45).  In  das  Erlenmeyer-Kölbchen  bringt  man  einige  kleine  Löffel  voll
Kaliumpermanganat,  in  die  Röhre  starke  (25°/ 0 -ige)  Salzsäure.  Während  des
Tropfens  und  noch  etwas  länger  findet  eine  lebhafte  Chlorentwiokelung  statt,  die
für  die  Aufhellung  der  Substanz  in  der  Vorlage  genügt.  Ein  Entweichen  des
Guses  durch  die  Spitze  wird  durch  den  kapillaren  Druck  verhindert.
Es  empfiehlt  sich,  nach  dem  Gebrauch  des  Apparates  das  Röhrchen  in  Wasser  zu
stellen  und  als  Antichlor  einige  Kristalle  von  Natriumhyposulfit  ins  Kölbchen  zu  werfen.
4.  Statt  des  freien  Chlors  kann  man  auch  Javellesche  Lauge,  ferner
Wasserstoffsuperoxyd  und  Ammoniak  benutzen:  in  anderen  Fällen  —  besonders
zum  Nachweis  von  Haaren  in  Getreidemehlen  —  empfiehlt  sich  Chloralhydrat,
Wodurch  die  Stärke,  nicht  aber  die  Haare  aufquellen.
Grobe  Verunreinigungen  und  Verfälschungen  können  in  dem  Siebrückstand
zuweilen  schon  makroskopisch,  oft  mit  Hilfe  der  Lupe  erkannt  werden,  indem
® an  den  Rückstand  auf  einen  Bogen  weißen  oder  schwarzen  Papiers  ausbreitet.
Han  liest  die  gleichartigen  Schalenteilchen  mit  der  Pinzette  aus  und  behandelt
diese  für  sich  getrennt  wie  oben,  wodurch  der  Nachweis  ihrer  Abstammung  erdichten ­
  wird.
Bei  Beurteilung  der  Reinheit  der  Futtermittel  ist  zu  berücksichtigen,  daß
fast  stets  gewisse  natürliche  Verunreinigungen,  z.  B.  durch  Unkrautsamen,
^dt,  die  sich  häufig  nicht  vermeiden  lassen,  die  auch  nicht  als  eine  absichtliche
crfälschung  oder  Beimengung  zu  betrachten  und  zu  beanstanden  sind,  wenn  sie
Sl ch  in  mäßigen  Grenzen  bewegen  und  nicht  giftiger  Natur  sind.
Dazu  kommt,  daß  die  Saatwaren,  die  der  Getreide-  und  Hülsenfruchtarten,
* ler  die  Ölsamen  nicht  selten  durcheinander  verladen  oder  nebeneinander
.  bewahrt  werden;  daß  besonders  bei  den  überseeischen  Ölsamen-Einfuhren  z.  B.
eme  Schiffsladung,  wenn  sie  mit  dem  einen  Ölsamen  nicht  voll  geworden  ist,  durch
611  anderen  ergänzt  und  letzterer  womöglich  gleichzeitig  mit  dem  ersteren  veraltet ­
  wird.
p  ^  Besonders  aber  ist  zu  beachten,  daß  bei  der  Verarbeitung,  beim  Mahlen  oder
R e -  ? Sen  usw -  der  Getreidearten  und  Ölsaaten  in  den  Elevatoren,  Transportschnecken,
und  Zerkleinerungsmaschinen  mitunter  Teile  der  Saat  Zurückbleiben,
jjjj..  s l c h  heim  Übergang  von  der  einen  zur  anderen  Sorte  der  nachfolgenden
&amp;gt;ll en  und  letzteres  Fabrikationserzeugnis  unfreiwillig  verunreinigen  können,
teile  ^ an  daher,  wenn  in  einer  Handelsabfallware  vereinzelte  Bestands
 i c .  ^ nes  fremden  Samens  Vorkommen,  nicht  immer  ohne  weiteres  auf  eine  abd
 e  .  . 1Ce  Verfälschung  schließen.  Letztere  ist  erst  dann  anzunehmen,  wenn
vor', 11  tige  f rem&amp;lt; lartige  Bestandteile  in  größerer  und  gewinnbringender  Menge
fanden  sind,
S ]j  .  ^ enn  ferner  über  die  Natur  der  Beimengung  nach  den  vorhandenen  mikrogehalt
  611  i^hhüdungen  Zweifel  bestehen,  so  soll  man  stets  entweder  vorrätig
m u t( .' Ue  Mikroskopische  Original-Präparate  oder  besser  frisch  aus  dem  verherai
  ■  •  ?  ^ es f an dteil  dargestellte  mikroskopische  Präparate  zum  Vergleich
s ämtli  n  en . un d  darnach  urteilen.  Aus  dem  Grunde  empfiehlt  es  sich,  sowohl  von
Bnkra  t° U  ln  hietracht  kommenden  Saatwaren  als  auch  von  den  verschiedenen
v °rrät'  S&amp;lt;Unen  un( l  den  zur  Verfälschung  dienenden  Gegenständen  Original-Muster
f  j^ u  halten,  welche  man  in  Zweifelsfällen  zum  Vergleich  heranziehen  kann,
ziehen  11  ei Geiu  ist  auch  stets  die  chemische  Untersuchung  mit  in  Betracht  zu
Zusam’i  WenU  ( hirch  die  mikroskopisch  erwiesene  Beimengung  die  mittlere  chemische
cnsetzung  der  in  Frage  stehenden  Ware  verändert  werden  kann.  Wenn ­
        <pb n="311" />
        288

Futtermittel.

gleich  in  vielen  Fällen  die  chemische  Zusammensetzung  durch  die  Beimengung  keine
wesentliche  Änderung  erleidet,  so  wird  doch  in  anderen  Fällen  durch  die  gleichzeitige ­
  Berücksichtigung  des  mikroskopischen  und  chemischen  Befundes  der
Beweis  der  Verfälschung  bezw.  der  Verunreinigung  erst  ein  sicherer  (vergl.  S.  283).
Jedenfalls  ist  bei  Beurteilung  der  Reinheit  oder  Unreinheit  bezw.  der  Verfälschung ­
  aus  den  angegebenen  Gründen  mit  Umsicht  zu  verfahren;  es  dürfte  auch
hier  der  Grundsatz  im  allgemeinen  Geltung  haben,  daß  es  besser  ist,  daß  ein
Schuldiger  unbestraft  ausgeht,  als  daß  ein  Unschuldiger  einer  ungerechten  Verdächtigung ­
  oder  Bestrafung  ausgesetzt  wird.  Ist  aber  eine  absichtliche  Verunreinigung ­
  oder  Verfälschung  mit  Bestimmtheit  erwiesen,  so  ist  um  so  rücksichtsloser ­
  vorzugehen,  als  für  manche  Ungehörigkeiten  auf  dem  Futtermittelmarkte  bis
jetzt  kein  solcher  Rechtsschutz  vorhanden  ist,  wie  für  den  Verkehr  mit  menschlichen ­
  Nahrungsmitteln,  Genußmitteln  und  Gebrauchsgegenständen.

I.  Die  Getreidearten  und  ähnliche  stärkereiche  Futtermittel.

Die  Körner  der  Getreidearten  sind  Früchte,  welche  mit  ihrer  Samenschale  an
die  Fruchtschale  eng  angewachsen  sind.  Das  ganze  Korn  besteht  aus  der  Schale,
der  Kleberschicht,  dem  Mehlkörper  und  dem  Keimling.
Die  Schale  läßt  sich  unterscheiden  in  die  Fruchtschale  und  die  Samenschale, ­
  welche  beide  zusammen  mit  anhaftenden  Teilen  der  Kleberschicht  und  des
Mehlkörpers  die  Kleie  liefern.
Die  Fruchtschale  gliedert  sich  weiter  in  die  Oberhaut  oder  Epidermis,  die
Querzellenschicht  und  die  Schlauchzellenschicht.
Die  Samenhaut  wird  gebildet  aus  der  sogenannten  braunen  Schicht  und  der
hyalinen  Schicht.
Bei  der  Gerste,  dem  Hafer  und  dem  Reis  sind  mit  der  äußeren  Fruchtschale ­
  noch  eng  verwachsen  die  Spelzen,  welche  durch  das  Dreschen  nicht
entfernt  werden,  während  sie  bei  Roggen  und  Weizen  als  Spreu  abgeschieden  werden.
Obgleich  die  Früchte  unserer  Getreidearten  im  allgemeinen  einen  ähnlichen
oder  fast  gleichen  Bau  besitzen,  so  zeigen  sie  doch  in  ihren  einzelnen  Schichten
kleine  Unterschiede  in  der  Form  und  Größe  ihrer  Zellen,  so  daß  man  bei  aufmerksamer ­
  Beobachtung  mittels  des  Mikroskops  wohl  imstande  ist,  die  Mehle  und  Kleien
voneinander  zu  unterscheiden  oder  auch  Zusätze  geringwertiger  Mehle  zu  erkennen.
Früher  betrachtete  man  die  Stärke  als  das  hauptsächlichste  Unterscheidungsmittel
  der  Getreidearten.  Sie  ist  auch  in  manchen  Fällen  in  der  Form  so  verschieden,,
daß  hiernach  eine  Unterscheidung  möglich  ist.  Bei  weniger  unterschiedlichen  Formen
kann  die  Größe  der  Stärkekörner  mit  entscheidend  sein.
Der  Durchmesser  der  Stärke  der  wichtigsten  Getreidearten  usw.  beträgt  z.  B--Gewöhnliches
  Vorkommen  Mittel
mm  mm

Eoggenstärke  .
Weizenstärke
Qerstenstärke  .
Haferstärke  .  .
Reisstärke  .  .
Maisstärke  .  .
Erbsenstärke.  .
Bohnenstärke
Linsenstärke  .  .
Sagostärke  .  .
Arrowrootstärke
Kartoffelstärke  .

0,0369—0,0528
0,0283  —0,0400

—

0,0200—0,0263

—

—

0,0044
0,0066

—

0,0200

0,050  —0,057

—

0,033  —0,063

—

0,033  —0.067

—

0,065  —0,070

—

0,010  —0,100

—

0,060  —0,185

0,140
        <pb n="312" />
        Mikroskopische  Untersuchung.

289

Vielfach  läßt  aber  die  Form  und  Größe  der  Stärkekörner  ganz  im  Stich;
man  muß  dann  nach  anderen  kennzeichnenden  Gewebselementen  suchen.
Was  die  Vorbereitung  dieser  Gruppe  Futter-  und  Nahrungsmittel  für  die
mikroskopische  Untersuchung  anbelangt,  so  sei  noch  besonders  bemerkt,  daß  man
zur  mikroskopischen  Untersuchung  der  Stärkekörner  entweder  das  natürliche
Mehl  oder  den  abgesiebten  feineren  Teil  der  Abfälle  (Kleie  usw.)  mit  so  viel  Wasser
'Verreibt,  daß  nur  eine  weiß-trübe  Flüssigkeit  entsteht,  von  der  ein  Tropfen  bei
300-facher  Vergrößerung  beobachtet  wird.
Die  Schalenanteile  werden  wie  vorstehend  mit  verdünnter  Salpetersäure
und  Kalilauge  oder  nach  Th.  Dietrich  und  A.  Hebebrand  (S.  286)  aufgeschlossen.
Zur  Aufhellung  der  Kleien  kann  auch  das  nachfolgend  angegebene,  von
B  Harnstein 1 )  veränderte  Uhlitzschsche  Verfahren  angewendet  werden:  Etwa
5  g  der  durch  ein  1  mm-Sieb  geschlagenen  Kleie  werden  mit  100—200  ccm  einer
sehr  verdünnten,  etwa  2  °/ 0 -igen  Salzsäure  unter  Umrühren  in  einer  Porzellanschale
  bis  zum  Aufküchen  erhitzt,  die  Flüssigkeit  sodann  durch  ein  Gazefilter,
Welches  über  einem  Becherglase  ausgespannt  ist,  gegossen,  das  Filter  beutelförmig
zusainmengefaltet,  der  Inhalt  des  Beutels  durch  Reiben  auf  der  Handfläche  unter
fließendem  Wasser  ausgewaschen,  bis  das  Waschwasser  klar  abläuft,  und  das  Filter
schließlich  ausgepreßt.  Sodann  wird  der  Rückstand  in  einem  Porzellantiegel  mit
einer  Mischung  von  Glyzerin  und  konzentrierter  Essigsäure  1  :  1  bis  zum
Kochen  erhitzt,  der  Inhalt  des  Tiegels  wiederum  auf  das  Gazefilter  gegeben  und  die
Glyzerin-Essigsäure  durch  geringes  Auswaschen  mit  Wasser  entfernt.  Die  mikroskopische ­
  Untersuchung  des  Präparates  kann  unter  Wasser  oder  Glyzerin  vorgenommen
Werden.

.  Bei  der  Aufhellung  der  Futtermehle  reibt  man  zweckmäßig  eine  angemessene
u&amp;amp; e  zunächst  mit  Wasser  an,  um  die  Bildung  von  Klümpchen  zu  vermeiden,  und
Währt  dann  wie  oben  angegeben.
•  Handelt  es  sich  darum,  aus  Mehlsorten  die  kennzeichnenden  Haare  zu
all  16 ^ en ’  80  erhitzt  man  etwa  50  g  Mehl  längere  Zeit  mit  verdünnter  Salzsäure,  bis
aß 6  gelöst  ist,  läßt  absitzen,  gießt  die  Flüssigkeit  vorsichtig  vom  Bodensatz
’  1t  letzteren  in  ein  spitz  zulaufendes  Absatzglas  (Champagnerglas  S.  252)  um,
st  n  nnt  mi t  warmem  Wasser,  rührt  um  und  läßt  abermals  absitzen.  Die  Ubern
  0IU ‘ e  Flüssigkeit  wird  wiederum  abgegossen  und  der  Bodensatz  mikroskopisch
10  rsuc ^-  Ch.  Steenbusch  schlägt  vor,  das  Mehl  vorher  zu  verkleistern  (etwa
aus^  K10—200  ccm  Wasser),  den  auf  55—60°  erkalteten  Kleister  mit  Malzkah
  ' 1 ^  i-HerBitot  aus  20  g  gemahlenem  Malz  durch  1-stündiges  Behandeln  mit  200  g
j)i  ® m  Wasser  und  Filtrieren  durch  ein  doppeltes  Filter)  oder  besser  durch
Prot  i aselösun g  zu  verzuckern,  die  Lösung  abzugießen,  den  aus  Haaren,  Schalen  und
l}at r ein , 8t °^ en  bestehenden  Rückstand  zur  Lösung  der  letzteren  mit  verdünnter
n  äuge  zu  behandeln  und  den  hierbei  verbleibenden  Rückstand  mikroskopisch
U  Versuchen.

Mal?  jf  ^  *ttmack  verwirft  indes  dieses  Verfahren,  weil  einerseits  durch  den
^  SfV eicht  Haare  in  das  Untersuchungsobjekt  gelangen,  andererseits  durch
Se hen  r °ni au ge  die  Haarwandungen  aufquellen  und  z.  B.  Roggonhaare  das  Ausvon
  Weizenhaaren  annehmen  können.
Hehloi^ 111  ^ esseren  Abscheidung  der  Haare  und  Zellpartien  aus  den  aufgeschlossenen
em pfiehlt  es  sich,  dieselben  in  der  Zentrifuge  von  T  hörn  er 2 )  zu  zentrifugieren.

')  Landw.  Versuchs-Stationen  1902,  56,  392.
2 )  Chem.-Zeitung  1891,  15,  1201.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

19
        <pb n="313" />
        290

Futtermittel.

Koggen,  Secale  cereale  L.
Der  Roggen  hat.  wie  der  Weizen,  mit  dem  er  am  nächsten  verwandt  ist,
nackte,  aus  den  Spelzen  leicht  herausfallende  Körner,  welche  auf  ihrer  Epidermis,

Fig.  46.  Roggen.  Haarformen
der  Schale  nach  J.  Möller.
(Vergr.  300.)

Fig.  47.  Roggen.  Querzellen  nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)
*  Hie  abgerundeten,  porenfreien,  dicken  und  dünnwandigen
Endflächen.

besonders  aber  am  Scheitel,  dicht  behaart  sind  und  unter  der  Lupe  seideglänzend
erscheinen.  Die  einzelnen  Gewebsschichten  und  Gewebsteile  beider  Getreidefrüchte

bieten  ebenfalls  nur  geringe  Unterschiede,
größerer  Anzahl  als  beim  Weizen  von  drei-,
fünf-  und  mehrstrahligen  breiten  Spalten
zerklüftet,  im  übrigen  aber  sind  sich  diese
und  die  Gerstenstärkekörnchen  in  ihrem
Bau  und  ihrer  Größe  so  ähnlich,  daß  hiernach ­
  eine  Unterscheidung  dieser  Getreidearten ­
  nicht  möglich  ist.  Dagegen  bieten
die  Längs-  und  Querzellen  der  Schale,

Fig.  48.  Xtoggen-Stärke  nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)

Die  Eoggenstärkekbrnchen  sind  zwar  in

h'  Haare,  davon  je  das  rechte  stark  verdickt,  also
nicht  typisch,  st  Stärkekömer,  st'  Stärkekörner
hei  63,5°  verkleistert  (nach  L.  Wlttmaok).

ferner  die  Haare  einige  Unterschiede,  welche  die  Unterscheidung  des  Roggens  vom
Weizen  ermöglichen.  Dazu  gesellen  sich  die  verschiedene  Yerkleisterungstemperatur
  der  Stärke  und  die  verschiedene  Färbung  der  Kleberzellen  beider
        <pb n="314" />
        Mikroskopische  Untersuchung,  Roggen.  Weizen.

291

Getreidearten  als  weitere  Unterscheidungsmittel.  Über  die  mosaikartig  gefärbten
Aleuronzellen  des  Roggens  vergl.  Tafel  I  am  Schluß.  Die  erstgenannten  Formelemente
sind  allerdings  in  den  feinsten  Mehlen  nur  in  geringer  Menge  enthalten,  können
aber  auch  daraus  nach  der  vorstehend  angegebenen  Aufschließung  größerer  Mengen
Mehl  gewonnen  werden.
1.  Die  Längszellen  der  Schale  des  Roggens  (Fig.  491)  sind  perlschnuroder
  rosenkranzartig  getüpfelt,  aber  sie  sind  länger  und  nicht  so  stark  getüpfelt,
als  heim  Weizen  (Fig.  55,  S.  293).
2.  Die  Querzellen  (Fig.  47  und  Fig.  49q)  sind  ebenfalls  nicht  so  lang  und
so  stark  rosenkranzartig  verdickt,  als  beim  Weizen  (Fig.  50  u.  65).  Außerdem  sind
sie  an  den  schmalen  Enden  meist  stark  gequollen,  besonders  wenn  das  Präparat
längere  Zeit  in  Wasser  liegt  ;  die  Enden  sind  abgerundet,  weshalb  zwischen  ihnen  oft
nmdlich-dreieckige  Zwischenräume  (Interzellularräume)  bleiben,  die  sich  mit  Luft
füllen  und  unter  dem  Mikroskop  schwarz  aussehen.
3.  Die  Haare  des  Roggens  (Fig.  46  und  Fig.  49  h)  sind  dünnwandig,  der
Hohlraum  ist  stets  weiter,  als  die  Wand  dick  ist;  das  Lumen  läßt  sieh  meist  bis
w  die  Spitze  des  Härchens  verfolgen.  Eine  Ausnahme  hiervon  machen  nur  die
ganz  kurzen  Haare,  und  diese  soll  man  nicht  berücksichtigen.  Nur  in  einzelnen
ganz  seltenen  Fällen  kommen  auch  einige  längere  Roggenhaare  vor,  die  dickwandiger ­
  sind.
Die  Größenverhältnisse  der  Roggen-,  Weizen-  und  Gerstenhaare  erhellen  nach
H.  Wittmack  und  J.  Möller  aus  folgenden  Zahlen:

Weizen

Roggen

Gerste

Länge  der  Haare

120—742

60—420

60—160

Durchmesser  der  größten  Haare

15—21

9—17

20—26

i,  „  „  an  der  Basis  .  .  .

28

23

40

„  „  kleinsten  Haare

9—10

8

20

Dicke  der  Wand  .  ,

7

3—4

20

Weite  des  Lumens  durchschnittlich  ....

1,4-4,0

7

8—30

Weizen,  Nacktweizen,  Triticum  vulgare  Vill.
Der  Weizen  kommt  in  den  verschiedensten  Mahlerzeugnissen  und  deren  Abfällen ­
  als  verbreitetstes  Nahrungs-  und  auch  als  Futtermittel  zur  Verwendung.
Die  Verfälschung  der  Weizenmahlerzeugnisse ­
  mit  denen
aes  Roggens  ist  häufiger  als
die

von  Roggen  mit  Weizen.
Letztere,  nämlich  die  Verfälschung ­
  von  Roggenmehl  mit
geringeren  Weizenmehlsorten,  en  Querzellen  nach  J.  Möller.  (Vergr.  soo.)
kommt  nur  dann  vor,  wenn  der  ing-Hoggen
  zeitweise  einen  gleichen.  _  Weizen
oder  etwas  höheren  Handelspreis  besitzt,  a  s  01 ‘  Hnown-  und  Weizenmahl-I«e
  Fon..»».,,  wulche  7«““\.7«SLZ  Abbildungen
erzeugnissen  dienen  können,  mögen  durch  tue  v
gekennzeichnet  werden.  -R nP -o-ens  sind  schon
Die  Unterschiede  dieser  Formelemente  von  denen  des  Roggens
vorstehend  bei  letzterem  angegeben,  nämlich:  .  ^  kürzer
1.  Die  Längszellen  der  Schale  des  Weizens  (Fig.  551,  S.  293)
und  stärker  rosenkranzartig  getüpfelt,  als  beim  Roggen.

19*
        <pb n="315" />
        292

Futtermittel.

2.  Die  Querzellen  der  Schale  des  Weizens  (Fig  50  und  Fig.  55q)  sind
meist  länger  und  ebenfalls  viel  stärker  verdickt,  als  beim  Eoggen;  sie  sind  an
den  schmalen  Enden  dünnwandig  und  stoßen  dort  meist  mit  scharfen  Ecken
aneinander  (wesentlicher  Unterschied  von  Roggen).

Fig.  51.  Weizen.  Haarformen  der  Schale  nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)

3.  Die  Haare  des  Weizens  (Fig.  51  und  Fig.  55li)  sind  viel  zahlreicher,
länger  und  dickwandiger;  ihr  Hohlraum  ist  oft  nur  linienförmig,  höchstens  so
dick  wie  die  Wand,  und  geht  nicht  wie  heim  Eoggen  bis  in  die  Spitze. 1 )  (Ausnahme ­
  heim  Spelz.)
Falls  diese  Formelemente
über  die  Natur  eines  fraglichen
Gemisches  beider  Getreidearten
noch  Zweifel  bestehen  lassen
sollten,  so  kann  zur  weiteren
Unterscheidung  dienen:
4.  Die  Verkleisterung
der  Stärke;  Eoggenstärke  wird
bei  einer  Temperatur  von  62,5°
verkleistert,  während  Weizenstärke ­
  bei  dieser  Temperatur
ihre  Struktur  noch  behält  und
erst  bei  65°  verkleistert  wird.
1  g  des  zu  prüfenden
Mehles  wird  nach  L.  Wittmack
in  einem  Becherglase  mit  50  ccm
(oder  2  g  mit  100  ccm)  Wasser
zu  einem  dünnen  Brei  ungerührt
Fig.  52.  Weizen-Stärke  nacii  Müller.  (Vergr.  300.)  und  nun  in  ein  Wasserbad  oder
in  ein  8 j i  mit  Wasser  gefülltes
großes  Becherglas  gesenkt.  Durch  eine  kleine  Flamme  erwärmt  man  das  Wasserhad
und  damit  auch  den  Mehlbrei  langsam  auf  genau  62,5°,  indem  man  häufig  mit  einem
Thermometer  umrührt.  Ist  die  Temperatur  von  62,5°  erreicht,  nimmt  man  sofort
das  kleine  Becherglas  heraus  und  taucht  es  in  kaltes  Wasser;  die  Probe  ist  alsdann
zur  mikroskopischen  Untersuchung  fertig.

’)  J.  Möller  gibt  (Mikroskopie  der  Nahrungs-  und  Genußmittel,  1886,  S.  92)  an,
daß  diese  Unterschiede  nicht  für  diebreiten,  sondern  nur  für  die  schmaleren  und  kleineren
bis  mittleren  Haare  gelten  (vergl.  Fig.  51,  das  große  Haar).  Dem  Verfasser  will  es
aber  scheinen,  daß  diese  Abbildung  Möllers  nicht  sehr  naturgetreu  ist  oder  nur  für  sehr
selten  yorkommende  Weizenhaare  gilt.
        <pb n="316" />
        Mikroskopische  Untersuchung,  Weizen.

293

Die  Eoggenstärkekörner  sind  bei  der  Temperatur  von  62.5 0  fast  sämtlich
aulgequollen,  die  meisten  schon  geplatzt  und  alle  haben  ihre  Form,  die  ursprünglich
linsenförmig  war,  zum  Teil  ins  Unkenntliche  verändert;  nur  einzelne  sind  noch
ziemlich  unverändert  geblieben.

wärmt.  Nach  C.  Böhmer.

Fig.  54.  Welzen-  Mehl  bis  62.5  0
erwärmt.  Nach  C.  Böhmer.

Die  Weizenstärkekörner  sind  dagegen  zum  größten  Teil  noch  fast  ganz  unverändert, ­
  höchstens  etwas  blasser  oder  etwas  gequollen,  nie  ganz  geplatzt;  sie  sind
noch  so  stark  lichtbrechend  wie  normale  Stärkekörner  und  zeigen  deshalb  unter
dem  Mikroskop  sehr  scharfe
schwarze  Ränder,  während  die
Eoggenstärkekörner,  selbst  wenn
sie  ihre  kreisrunde  linsenförmige
Gestalt  noch  behalten  haben,  meist
v °n  hellen  Umrißlinien  begrenzt
sind.  Im  allgemeinen  bietet  reines,
au f  62,5°  mit  Wasser  erwärmtes
Eoggenmehl  unter  dem  Mikroskop
also  ein  Bild  von  aufgesprungenen,

halb

verkleisterten,  sackartigen

Stärkekörnern,  Weizenmehl  dagegen
von  runden,  meist  wohlerhaltenen
Körnern.  (Yergl.  Fig.  53  und
Kig.  54.)
5.  Zur  Bestimmung  von  geringwertigen ­
  Mehlen  in  Weizenmehl ­
  verfährt  Gr.  Volpino 1 )
w ie  folgt;  „30  g  Mehl  werden  mit
Möglichst  wenig  Wasser  zu  einem
Teig  angemacht,  der  Kleber  unter
dem  Wasserstrahl  ausgewaschen
'W  ÄÄ  Hände
Sodann  bringt  man  die  angesammelte  Flüssigkeit  auf  ein  .  u  ^  Flügsigkeit
etwa  den  Händen  entgangenen  Kleberstückchen  au  ge  angen  ",  filtriert
Wird  durch  ein  Asbestwollsäckchen  mit  Hilfe  einer  Wasserstrahlluftpumpe
’)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,

Fig.  55.  Weizen.  Schale  usw.  1  Längszellen,  q  Querzellen,
  s  Schlauchzellen,  f  Farbstoffschicht  (Samenschale),
k  Kleberschicht,  h  Haare,  st  Stärkekörner,  st'  Stärkekörner
aus  ausgewachsenem  Weizen  (nach  L.  Wittmack).
        <pb n="317" />
        294

Futtermittel.

und  die  auf  dem  Filter  zurückhleibende  Substanz  gesammelt.  Letztere  läßt  man
darauf  eine  Stunde  lang  bei  100°  im  Ofen  trocknen  und  bestimmt  in  2  g  derselben
nach  dem  Verfahren  von  Kjeldahl  den  Stickstoff-Gehalt.  Multipliziert  man  die
gefundene  Stickstoffmenge  mit  6,25  so  erhält  man  die  vorhandene  Proteinmenge.
Liegt  eine  Verfälschung  des  Mehles  vor,  so  wird  dieser  Wert  für  die  in
Wasser  unlöslichen  und  nach  Auszug  des  Klebers  aus  dem  Mehle  rückständigen
Proteinstoffe  mehr  oder  weniger  groß  sein.  Als  verfälscht  wird  man  ein  Mehl  ansehen
  können,  das  nach  Auszug  des  Klebers  eine  mehr  als  0,2  g  betragende  Menge
unlöslichen  Proteins,  auf  100  g  Mehl  bezogen,  ergibt.“
6.  Die  Färbung  der  Kleberzellen.  (Vergl.  Tafel  I  am  Schluß.)
Zum  Nachweise  von  Roggenmehl  in  Weizenmehl  benutzt  Fr.  Benecke 1 )  die
unterschiedliche  Eigenschaft,  daß  das  Roggenmehl  vorwiegend  blaue,  das  Weizenmehl
dagegen  farblose,  wenigstens  keine  blauen  oder  bläulichen  Kleberzellen  enthält.
Diese  Unterschiede  können  in  einfachster  Weise  dazu  dienen,  Roggenmehl  in
Weizenmehl  nachzuweisen,  nicht  aber  umgekehrt  Weizenmehl  in  Eoggenmehl.
Fr.  Benecke  verfährt  wie  folgt:
100  g  des  zu  untersuchenden  Mehles  werden  in  ein  birnenförmiges  Gefäß  geschüttet,
welches  ungefähr  500—600  g  Wasser  zu  fassen  imstande  ist.  Das  Mehl  wird  bis  zu
2 / 3  der  Birne  mit  Chloroform  übergossen,  die  Birne  mit  einem  Korke  verschlossen,  darauf
tüchtig  durchgeschüttelt,  so  daß  das  Mehl  sich  gleichmäßig  verteilt.  Alsdann  füllt  man
so  viel  Chloroform  nach,  daß  nur  noch  wenige  ccm  in  der  Birne  frei  bleiben,  verschließt
letztere  wieder,  schüttelt  sie  abermals  stark  und  läßt  auf  einer  passenden  Unterlage  ruhig
stehen.  Sehr  bald  setzen  sich  Schmutz-  und  Staubpartikelohen  als  schokoladenbrauner  Bodensatz ­
  ab,  allmählich,  meist  nach  etwa  24  Stunden  (die  Zeitdauer  ist  unter  anderem  auch  wohl
von  der  Zimmertemperatur  abhängig),  findet  eine  weitere  Sonderung  der  Mehlbestandteile
statt.  Sowohl  bei  Roggen-  als  wie  bei  Weizenmehl  setzen  sich  am  Boden  vorzugsweise
die  Kleberzellen  ab,  während  oben  die  übrigen  Mehlbestandteile,  insbesondere  das  Stärkemehl, ­
  eine  feste,  dichte  Decke  bilden,  welche  kaum  eine  Kleberzelle  einschließt.  Die  sich
am  Boden  absetzenden  Kleberzellen  sind  meist  außer  geweblichem  Verband,  teils  einzelne
ganze,  teils  Bruchstücke  von  Zellen.
Zwischen  Bodensatz  und  Decke  befindet  sich  eine  mehr  oder  weniger  klare,  gelbe
Chloroformlösung.
Bei  Roggenmehl  geringster  Beschaffenheit  (Em.  II) 2 )  zeigt  die  Hauptmasse  des  Bodensatzes ­
  eine  duukel-olivengrüne  Farbe,  wie  sie  auf  der  am  Schluß  des  Buches  beigegebenen
Tafel  I  bei  I,  4  wiedergegeben  ist;  die  Decke  hat  eine  hellbraune  Farbe,  Bei  Weizenmehl
bester  Beschaffenheit  (Wm.  000)  hingegen  hat  der  Bodensatz  eine  bräunlich-gelbe  Farbe,
wie  sie  auf  der  Tafel  bei  I,  1  gemalt  ist,  und  die  Decke  besitzt  eine  fast  weiße  Farbe,  die
nach  oben  in  eine  schwach  bräunliche  Farbe  übergeht.  Die  grüne  Farbe  beim  Eoggenmehl
ist  begründet  im  Gehalt  der  Kleberzellen  an  einem  blauen  Farbstoff;  durch  Mischung  mit
gelblichen  und  bräunlichen  Mehlbestandteilen  sowie  Staubpartikelchen  kommt  die  grüne
Farbe  zustande.  Da  der  blaue  Farbstoff  dem  Weizen  fehlt,  so  zeigt  der  Bodensatz  von  Weizenmehl ­
  auch  nur  eine  gelbe  bis  braune  Färbung  ohne  jeden  bläulichen  oder  grünen  Ton.
Bin  weiterer  Unterschied  ist  quantitativer  Art:  Der  Bodensatz  ist  beim  Eoggenmehl
geringster  Beschaffenheit  weit  größer  als  bei  Weizenmehl  bester  Beschaffenheit.  Es  würde
aber  falsch  sein,  anzunehmen,  daß  dies  ein  durchgreifender  Unterschied  zwischen  Eoggenund
  Weizenmehl  sei;  er  zeigt  sich  hier  nur,  weil  eine  Eoggenmehlsorte  geringster  Beschaffenheit ­
  einer  Weizenmehlsorte  erster  Beschaffenheit  gegenübergestellt  wird.  Richtig
ist  allerdings,  daß  im  allgemeinen  der  Bodensatz  bei  Eoggenmehlen  beträchtlicher  ist  als
] )  Laudw.  Versuchs-Stationen  1889,  36,  337.
2 )  Der  Kürze  wegen  sind  im  folgenden,  wie  auch  auf  der  beigegebenen  Tafel  I  die
Eoggenmohle  mit  „Em.“  die  Weizenmehle  mit  „Wm.“  bezeichnet,  wie  es  auch  meist  in
der  Praxis  üblich  ist.  Die  Feinheit  der  Sorten  nimmt  ab  entsprechend  den  Zahlen:  000,
00,  0,  I,  II,  III.
        <pb n="318" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Weizen.

295

bei  Weizenmehlen,  aber  dies  mag  damit  Zusammenhängen,  daß  bei  der  Herstellung  von
Roggenmehl  durchschnittlich  nicht  die  gleichgroße  Sorgfalt  in  Anwendung  kommt,  wie
bei  Herstellung  von  Weizenmehl.
Durch  eine  große  Reihe  von  Einzelversuchen  hat  Benecko  feststellen  können,  daß
mit  der  zunehmenden  Feinheit  des  Mehles  die  Menge  des  Bodensatzes  abnimmt.  Es  ist  also
der  Bodensatz  von  Wm.  000  geringer  als  von  Wm,  00,  und  dieser  wieder  geringer  als
von  Wm.  0  bezw,  Wm.  I  usw,,  und  ebenso  nimmt  der  Bodensatz  zu  von  Em.  00  zu  Rm.  0,
Rm.  I,  Rm.  II  usw.  Würden  wir  Rm.  00  und  Wm.  III  vergleichen,  so  wäre  das  Verhältnis
ein  umgekehrtes,  indem  der  Bodensatz  von  Wm.  III  weit  beträchtlicher  ist  als  der  von  Rm.  00.
Da  die  Hauptmasse  des  Bodensatzes  aus  Kleberzellen  besteht,  so  leitet  Ben  ecke
aus  seinen  Versuchen  den  Satz  ab:  Die  Feinheit  des  Mehles  läßt  sich  nach  der
Anzahl  der  Kleberzellen  bemessen.  Die  Mächtigkeit  des  Bodensatzes  hängt
von  dem  Feinheitsgrade,  die  Farbe  von  der  Herkunft  des  Mehles  ab.
,  So  wie  Roggenkleie  durch  die  blauen  Kleberkörner  in  Weizonkleie  leicht  und  sicher
naohgewiesen  werden  kann,  so  ist  es  also  auch  möglich.  Roggeumehl  in  Weizenmehl  aufzufinden, ­
  und  zwar  etwa  20%  Roggenmehl-Zusatz  mit  größter  Sicherheit  ohne  jede  Anwendung ­
  des  Mikroskops;  wenn  geringe  Sorten  Roggenmehl  verwendet  sind,  so  lassen
sich  auch  noch  10%  oder  sogar  5%  nachweisen.
Ein  Zusatz  von  10%  Rm.  0  zu  Wm.  00  kann  indes  nicht  mehr  mit  Sicherheit
durch  die  grüne  Färbung  ermittelt  werden.  Zum  Nachweise  geringer  Zusätze  feinerer
Sorten  Roggenmehl  verfährt  man  wie  folgt:

Die  in  der  Birne 1 )  sich  bildende  Decke  wird  vorsichtig  zerrührt  und  mit  dem
Chloroform  herausgespült;  man  gießt  alsdann  Äther  in  die  Birne,  rührt  den  Bodensatz
auf  und  spült  ihn  in  eine  kleine  Porzellanschale,  läßt  absitzen,  dekantiert  den  Äther  ab,
übergießt  mit  mäßig  konzentrierter  Essigsäure  und  kocht  unter  Umrühren  den  Rückstand
einmal  auf.  Man  wendet  so  viel  Essigsäure  an,  daß  nach  dem  Erkalten  noch  eine  flache
Schicht  über  dem  gekochten  Brei  steht.
Weizenmehl  in  dieser  Weise  behandelt,  zeigt  eine  gelbbraune  Farbe  ohne  jeden
Stich  ins  Rote,  Roggenmehl  dagegen  eine  prachtvolle,  tief  rosenrote  Färbung.  Diese
beiden  Farbenreaktionen  sind  auf  der  Tafel  unter  II  durch  Streifen  1  (Wm.  3)  und
Streifen  4  (Rm.  2)  zur  Darstellung  gebracht.  Es  sind  dies  dieselben  Mehle,  welche  ohne
Behandlung  mit  Essigsäure  die  Farben  der  gleichlautend  numerierten  Streifen  unter  I
zeigen.  Unter  II  sind  dann  ferner  dargestellt:  die  Farben  der  Mehlgemische  3,  9  und  8;
Streifen  II,  3  (50%  Rm,  2  zu  Wm.  3)  zeigt  noch  eine  stark  rote  Färbung,  bei  Streifen  9
(20%  R m ,  o  zu  Wm.  00)  ist  die  Färbung  schwächer,  aber  noch  recht  deutlich.
Streifen  8  gibt  die  Färbung  eines  Mehlgemisches  von  90%  Wm.  00  mit  10%
B-m.  0,  bei  welchem  nach  alleiniger  Behandlung  mit  Chloroform  kein  grüner  Farbenton  mehr
mit  Sicherheit  wahrzunehmen  ist  (I,  8).  Nach  Behandlung  des  Bodensatzes  mit  Essigsäure
ls t  aber  in  unzweifelhafter  Weise  ein  rötlicher  Parbenton  noch  nachweisbar,  wie  ihn  II,  8
z ®igt.  Auf  den  ersten  Blick  mag  es  scheinen,  als  ob  der  rötliche  Ton  nicht  sicher  wahizunehmen
  sei;  man  braucht  aber  nur  Streifen  9,  3  und  4  mit  weißem  Papier  zu  überdecken, ­
  um  sich  vom  Vorhandensein  des  rötlichen  Tones  zu  überzeugen.  In  der  Praxis  wird
ühm  einfach  nur  ein  in  gleicherweise  behandeltes,  unzweifelhaft  reinesAVeizenmehl  daneben  zu
halten  brauchen,  um  Gewißheit  darüber  zu  erhalten,  ob  eine  rötliche  Färbung  vorhanden  ist
oder  —  was  dasselbe  sagen  will  —  ob  das  Weizenmehl  einen  Zusatz  von  Roggenmehl  enthält.

Mahl-  und  sonstige  Abgänge  von  Roggen  und  Weizen,  ihre
Verunreinigung  und  Unterscheidung.
Zu  den  tagtäglich  wiederkehrenden  Aufgaben  in  den  agrikulturchemischen
Laboratorien  gehört  der  Nachweis  von  Mahlerzeugnissen  des  Roggens  in  Weizen  oder
umgekehrt,  ferner  der  Nachweis  von  Verunreinigungen  in  denselben.

"eiche  ri-  a -p  ^ er  Birne  werden  in  diesem  Palle  zweckmäßiger  große  Gläser  augewendet,
scbließij,,,, 10  ■  &amp;lt; f m  e * nes  Champagnerglases  haben  und  oben  mit  einem  Korkpfropfen  ver-S1
 n  ,  aus  solchen  Gläsern  läßt  sich  die  Decke  leicht  abheben  und  daher  ist  eine
        <pb n="319" />
        296

Futtermittel.

Bei  der  Beurteilung  der  Reinheit  von  Mahlerzeugnissen  des  Roggens  und  Weizens
muß  aber  beachtet  werden,  daß  eine  geringe  Beimengung  (etwa  5  °/ 0 )  der  einen
Getreideart  zu  der  anderen  leicht  Vorkommen  kann,  ohne  daß  ein  absichtlicher
Zusatz  anzunehmen  ist.  Geringe  Beimengungen  der  einen  in  der  anderen  Getreideart
können  daher  nicht  ohne  weiteres  als  Verfälschung  angesehen  werden;  erst  größere
Beimengungen  sind  zu  beanstanden..  Diese  lassen  sich  aber  nicht  oder  nur  durch
äußerst  sorgfältiges  und  langwieriges  Auszählen  der  fremden  Gewebselemente  unter
dem  Mikroskop  in  annähernden  Prozentsätzen  angeben.
1.  Die  Untersuchung  von  Mehlen  auf  Reinheit.  Für  die  Unterscheidung
von  Roggen-  und  Weizenmehl  kommen  die  vorstehend  angegebenen  Forraelemente,  besonders ­
  die  Haare,  Quer-,  auch  Längszellen,  ferner  das  Verhalten  der  Stärkekörner ­
  und  Kl  eherzellen  in  Betracht.  Dasselbe  gilt  von  Futtermehlen  (Boll-,
Schwarzmehl  usw.).  Dagegen  bedarf
2.  die  Untersuchung  der  Kleien  noch  einiger  besonderen  Erläuterungen;
denn  in  diesen  finden  sicli  die  Formelemente  nicht  nur  in  einem  anderen  Verhältnis,
sondern  auch  neben  diesen  die  verschiedensten  anderen  Verunreinigungen.
Nach  den  Beschlüssen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  R.  ist
Kleie  der  Abfall,  welcher  beim  Mahlen  des  vorher  von  Verunreinigungen
befreiten,  also  reinen,  mahlfertigen  Kornes  entsteht.
Die  Erzeugnisse  des  Bntspitzens  sind  demnach  zu  den  Bestandteilen ­
  der  Kleie  zu  zählen,  nicht  aber  etwaige  Ansammlungen  in  den
Staubkammern.
Beim  Verkauf  von  Kleie  ist  die  Gehaltsgarantie  für  Nährstoffe
möglich  und  anzustreben.
Die  Kleie  muß  unverdorben  sein  und  soll  nur  aus  dem  ihrem  Namen
entsprechenden  Material  hergestellt  sein.  Mischungen  von  Kleie  sind
unter  Angabe  der  Bestandteile  besonders  zu  bezeichnen.
Bei  der  Weizenkleie  unterscheidet  man  mehrere  Sorten,  nämlich:  Fiugkleie,
  bestehend  aus  den  beim  Putzen  durch  den  Ventilator  abgeblasenen  Staubteilchen ­
  und  Schalenblättern,  die  zur  Fütterung  nicht  verwendet  werden  soll;
Spitzkleie,  bestehend  aus  den  beim  „Spitzen“  des  Weizens  auf  einem  besonderen
Mahlgang  erhaltenen  behaarten  Spelzen  neben  einem  großen  Teil  der  Weizenschalen
—  letztere  können  durch  die  neuen  Mahleinrichtungen  auch  fast  rein  für  sich  gewonnen
werden  —;  sie  werden  aber  mit  der  Spitzkleie  der  gewöhnlichen  Kleiesorten  entweder
der  groben  bezw.  Schalenkleie  oder  der  feinen  bezw.  Gries-  oder  Dunstkleie
zugesetzt.  Letztere  enthalten  neben  den  Bestandteilen  der  Frucht-  und  Samenschale
die  Gesamtreste  des  unter  der  letzteren  liegenden  Knospenkernes,  die  Aleuronschicht
und  Reste  des  Stärkekörpers.
Bei  der  Vermahlung  des  Roggens  fällt  neben  dem  Futtermehl  durchweg
nur  eine  Sorte  Kleie  ab;  um  so  mehr  ist  sie  den  Verunreinigungen  bezw.  den  Verfälschungen, ­
  besonders  durch  die  jetzigen  Abfälle  des  Weizens  ausgesetzt,  welche,
wie  die  Weizengrieskleie,  Spitz-  und  Flugkleie,  mit  unbewaffnetem  Auge  der  Roggenkleie ­
  ähnlich  erscheinen  oder  ihr  eine  helle  —  d.  h.  beliebtere  —  Farbe  erteilen.
Besonders  häufig  ist  der  Zusatz  von  dem  Kornausputz  oder  Ausreuter  bei
beiden  Kleien;  unter  Kornausputz  bezw.  Ausreuter  versteht  man  alle  beim  Reinigen
und  Putzen  des  Getreides  abgeschiedenen  Abfälle  organischer  Natur,  als  da  sind:
Vermengung  der  Bestandteile  des  Bodensatzes  mit  denen  der  Decke  weit  mehr  ausgeschlossen. ­
  Vergl.  die  von  Ed,  Spaeth  (Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1897,  10)  für  diese
Zwecke  besonders  vorgeschlagenen  Sedimentiergläser  S.  262.
        <pb n="320" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Weizen.

297

Mutterkorn  und  Pilzsporen,  Spreu,  Flugkleie,  Bart  mit  Haaren,  Maden,  Käfer,
Raupen,  Mäusekot,  ferner  Getreidebruchkorn  und  die  zahlreichen  Unkrautsamen,
z.  B.  Kornrade,  Wicken-  und  Knöterich-Arten,  Wachtelweizen,  Melde,  Ackerhahnenfuß, ­
  Taumellolch  und  sonstige  Grassamen,  Kornblume,  Ackersenf,  Ackersteinsamen
usw.;  dazu  kommen  dann  noch  vielfach  erdige  Bestandteile  und  Kehricht.  Wenn
der  Ausputz  bloß  aus  den  gereinigten  und  gemahlenen  Unkrautsamen  bestände,  so
würde  gegen  die  Verwendung  des  Ausputzes  zur  Fütterung  kaum  etwas  zu  erinnern
sein;  denn  dieser  Ausputz,  auch  Kleie-,  Hühner-  oder  Wickenweizen  bezw.  Kitzkorn
genannt,  kann  unter  Umständen  ohne  Schaden  und  sogar  mit  Vorteil  verfüttert
werden. 1 )  Weil  aber  der  Ausputz  auch  giftige  —  wenigstens  wenn  in  größerer
Menge  vorhanden,  giftige  —  Unkrautsamen,  ferner  auch  Mutterkorn,  Brand-  und
Pilzsporen  zu  enthalten  pflegt,  so  muß  der  Zusatz  solchen  Ausputzes  im  großen
Umfange  zu  Kleie  wie  nicht  minder  die  Verwendung  des  Ausputzes  selbst  oder  der
damit  versetzten  Kleie  als  gleich  verwerflich  bezeichnet  werden.  Auch  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß  kleine,  nicht  vermahlene  Unkrautsamen  auch  dem  Kauvorgang
sich  entziehen,  unzerkleinert  in  den  Kot  übergehen  und  damit  zur  abermaligen  Verunkrautung ­
  des  Ackerlandes  beitragen  können.
Zu  den  Ungehörigkeiten  vorstehender  Art  im  Kleienhandel  gesellen  sich  als
direkte  Verfälsohu  ngen  verschiedene  Zusätze  von  wertlosen  fremden  Abfällen,  wie
gemahlenen  Gersten-,  Hafer-,  Reis-  und  Hirsespelzen,  Erbsen-,  Bohnen-,  Erdnuß-,
Kaffee-  und  Kakaoschalen,  der  Ausputz  von  Klee-  und  Leinsamen,  Kartoffel-Pülpe
  usw.

Der  Weizen  wird  ferner  auf  Stärke  und  Bier  verarbeitet.  Bei  der
Weizenstärke-Herstellung  werden  als  Abfälle  gewonnen:  die  W  eizentreher  (diese,
uns  den  Hülsen  bestehend,  werden  aber  nur  gewonnen,  wenn  geschrotener,  ganzer
Weizen  und  nicht  wie  üblich  Weizenmehl  verwendet  wird),  die  Weizenschlempe,
frisch  und  getrocknet  (aus  proteinreichem  Stärkeschlamm  nebst  Zellteilen  bestehend)
und  der  Weizenkleber,  welcher  jetzt  durchweg  durch  Trocknen  und  Pulvern  für
menschliche  Ernährungszwecke  unter  dem  Namen  Aleuronat,  Roborin  usw.  wieder
nutzbar  gemacht  wird,  teilweise  auch  zur  Herstellung  von  Schusterleim  dient.  Die
bei  der  Herstellung  von  Weizenbier  (Weißbier)  gewonnenen  Abfälle:  Weizenmalztreber
  und  Weizenraalzkeime,  haben  eine  ähnliche  Zusammensetzung  wie
die  Gerstenahfälle  dieser  Art  (siehe  weiter  unten).
Der  Roggen  dient  außer  zur  Mehlgewinnung  durchweg  nur  noch  zur  Branntweingewinnung ­
  (Kornbranntwein,  Dornkaat,  Gilka,  Whisky);  die  hierbei  gewonnenen ­
  Roggenbranntwein-Treber  und  -Schlempe  haben  eine  gleiche  Zusammensetzung ­
  wie  die  Abfälle  dieser  Art  bei  Verarbeitung  anderer  stärkereicher
Rohstoffe  und  werden  wie  diese  verwendet.
a)  Makroskopische  Untersuchung  der  Kleie.  Die  makroskopische
Untersuchung  der  Kleie  kann  nach  F.  Barnstein  zweckmäßig  wie  folgt  vor-Senommen
  werden:
Ein  abgewogener  Teil  der  sorgfältig  gemischten  unvermahlenen  Probe  wird
Mittels  des  bekannten  Nobbesehen  Siebes  zerlegt  (Barnstein  benutzt  die  Siebsätze
l )  0.  Hagemann  hat  (Landw.  Jahrbücher  1903,  32,  929)  z.  B.  nachgewiesen,  daß
me  Verfütterung  von  kornradehaltigem  Futter  —  Kühe  erhielten  bis  2,5  kg  reiner  Korn-.
 6  für  600  kg  Leb.-Öew.  und  Tag,  Schweine  bis  60  %  Kornrade  in  den  Futtermischuugen
  —,  wie  es  in  den  regelrechten  Müllereibetrieheu  gewonnen  wird,  bei  den  Hausp®
 ren  keine  Vergiftung  heryorruft;  indes  können  Milchkühe  nach  reichlicher  Komradeutterung
  Milch  mit  einem  minderwertigen  Fett  von  abnormer  Beschaffenheit  liefern.
        <pb n="321" />
        298

Futtermittel.

mit  l 1 /^  1  und  x / 2  mm  Loclrweite),  der  Inhalt  der  einzelnen  Siebsätze  auf  glattem,
farbigem  Papier  ausgebreitet  und  mit  Lupe  und  Mikroskop  durchmustert.  Der  erste
Siebsatz  enthält  alle  etwa  vorhandenen  gröberen  Beimengungen,  wie  Getreidespelzen,
Mutterkorn,  ganze  und  zerschlagene  Getreidekörner,  Unkrautsamen  und  Teile
davon,  Erdklümpchen,  Mäusekot,  ferner  auch  Kleie  und  Mehlschweißklumpen  usw.
Es  ist  sehr  empfehlenswert,  hierbei  stets  dieselbe  Menge  (25  g)  Kleie  zu  verwenden,
weil  auf  diese  Weise  bei  Untersuchung  einer  mit  Kornausputz  vermischten  Kleie
eine  bessere  Übereinstimmung  in  der  Angabe  der  vorhandenen,  äußerlich  unverletzten
Unkrautsamen,  deren  Menge  auf  1  kg  umzurechnen  ist,  erzielt  wird.  Auch  der  zweite
Siebsatz  enthält  häufig  noch  eine  erhebliche  Zahl  nicht  zermahlener  kleiner  Unkrautsamen, ­
  unter  anderem  Lepidium,  Capselia  bursa,  Aira,  Viola,  Urtica,  Crepis,  Erysimum,
  Chenopodium,  Papaver,  Euphorbia  usw.  Bei  aufmerksamer  Durchmusterung
mit  der  Lupe  lassen  sich  auch  gewisse  fremde  Zusätze,  wie  namentlich  Hirseschalen,
Eeisspelzen,  Weizenbärte  und  dergl.,  im  ersten  und  zweiten  Siebsatz  nachweisen.
Der  Inhalt  des  dritten  und  vierten  Siebsatzes  ist  zunächst  mittels  einer  Lupe
auf  etwa  vorhandene  Milben  zu  prüfen.  Sind  solche  in  größerer  Menge  in  der
Kleie  enthalten,  so  kann  man  ihre  Gegenwart  auch  ohne  Anwendung  einer  Lupe
feststellen,  wenn  man  den  ausgeschütteten  Siebinhalt  mit  einer  glatten  Tafel,  etwa
mittels  des  Siebbodens  oder  einer  Glasplatte  zusammendrückt,  so  daß  der  Band  des
Haufens  eine  steil  abfallende  Fläche  bildet.  Alsdann  werden  die  durch  die  Bewegung ­
  der  Milben  verschobenen  Kleieteilchen  an  der  Randfläche  abgleiten.  Bei
sehr  mehlreicher  Kleie  oder  besser  noch  bei  Futtermehlen  kann  die  Oberfläche  des
Haufens  durch  die  beschriebene  Behandlung  so  geglättet  werden,  daß  die  von
Milben  auf  der  Oberfläche  ausgeworfenen  Häufchen  schon  mit  bloßem  Auge  beobachtet ­
  werden  können.  Die  letzten  Siebsätzc  sind  ferner  mikroskopisch  und  zwar
mit  und  ohne  Zusatz  von  Jodlösung  auf  fremde  Stärkekörnchen,  Schimmclpilzschläuche,
  Brand-,  Rost-  und  Schimmelpilzsporen,  Milben  und  Milbeneier,  mineralische
Zusätze  und  auf  eine  etwaige  abnorme  Beschaffenheit  der  Stärkekörnchen  zu  prüfen.
b.  Mikroskopische  Untersuchung.  Für  die  mikroskopische  Untersuchung
wird  die  Kleie  nach  S.  286  bezw.  289  aufgeschlossen.
1.  Am  häufigsten  ist  die  Frage  zu  entscheiden,  ob  Weizen-  oder  Eoggenkleie
  oder  ein  Gemisch  beider  vorliegt.  Für  die  Unterscheidung  beider  Kleiesorten
dienen  auch  hier:
«)  Die  Querzellen  (vergl.  S.  290,  291  bezw.  293).
ß)  Die  Haare  (vergl.  S.  290,  292  bezw.  293).  Der  Weizenbart  enthält  etwa
4-mal  mehr  Haare  als  die  Scheitelzellen  des  Roggens.  Ist  eine  Eoggenkleie  mit
Weizenkleie  vermengt,  so  sind  neben  den  eigentlichen  Kleiebestandteilen  des
AVeizens  auch  noch  ganze  Weizenbärte  und  einzelne  Weizenhaare  vorhanden,  die  schon
bei  Betrachtung  mit  der  Lupe  durch  ihren  seidigen  Glanz  auffallen.  Findet  man
dagegen  an  kennzeichnenden  Weizenformelementen  fast  nur  Weizenhaare  und  nur
verhältnismäßig  wenige  oder  kaum  Weizenquerzellen,  so  liegt  entweder  Weizenspitzkleie ­
  oder  ein  Gemisch  von  dieser  mit  Eoggenkleie  vor,  wenn  auch  Roggenquerzellen
und  Eoggenhaare  vorhanden  sind.
y)  Die  Aleuronzellen.  „Da  der  blaue  Farbstoff  der  Eoggen-Aleuronzellen
selbst  in  verdünnten  Alkalien  und  Säuren  leicht  löslich,  auch  in  Wasser  nicht  unlöslich ­
  ist,  sich  aber  in  Alkohol,  Äther,  Chloroform,  Glyzerin  und  Nelkenöl  nicht
löst,  so  verfährt  man  nach  Be  necke 1 )  bei  der  Untersuchung  erfahrungsgemäß  am
besten  folgendermaßen:  „Ein  Teelöffel  voll  des  zu  untersuchenden  Futtermittels

*)  Vergl.  C.  Böhmer,  Die  Kraftfuttermittel,  Berlin  1903,  S.  158.
        <pb n="322" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Spelzweizen.

299

wird  in  einem  Porzellanmörser  wiederholt  und  so  lange  mit  Äther  angeriehen  und
ahgeschlämmt,  Ms  der  Äther  nur  noch  wenig  durch  Mehlteilchen  getrübt  abläuft.
Den  Rückstand  spült  man  aus  der  Eeibschale  mit  Äther  in  ein  Bechergläschen,
gießt  den  Äther  ab  und  untersucht  eine  Probe  in  Nelkenöl  bei  100-  bis  200-facher
Vergrößerung  und  voller  Beleuchtung.  (Bei  stärkerer  Vergrößerung  ist  die  Färbung
nicht  mehr  sicher  erkennbar.)  Die  Behandlung  mit  Äther  hat  den  Zweck,  störende
Stärkekörner  fortzuschwemmen,  eine  wenigstens  teilweise  Trennung  der  einzelnen
Schichten  herbeizuführen  und  die  Luft  aus  den  Zellen  zu  entfernen.  Findet  man
in  einer  Kleie  gar  keine  blauen  Äleuronzellen,  so  ist  keine  Eoggenkleie  vorhanden;
die  Masse  besteht  dann  lediglich  aus  Weizenkleie.  Beobachtet  man  aber  blaue  Aleuronzellen,
  so  ist  unzweifelhaft  Eoggenkleie  zugegen,  falls  nicht  etwa  Einkorn,  Gerste,
blauer  oder  violetter  Mais  oder  NegerMrse  in  Frage  kommen.  Sehr  schwer  und
unter  Umständen  fast  unmöglich  ist  es,  den  Prozent-Gehalt  einer  Weizenkleie
an  Eoggenkleie  anzugehen  oder  zu  ermitteln,  ob  eine  Eoggenkleie  frei  von  Weizenkleie ­
  ist,  weil  jede  Eoggensorte  eben  auch  farblose  Äleuronzellen  führt  und  die
verschiedenen  Sorten  sich  in  bezug  auf  die  Menge  dieser  Zellen  verschieden  verhalten. ­
  Man  kann  nur  feststellen,  wieviel  Eoggenkleie  mindestens  einer  Weizenkleie
zugesetzt  ist,  indem  man  durch  Zählen  und  Messen  der  ganz  oder  teilweise  blau
gefärbten  Fragmente  der  Äleuronschicht  ihr  Verhältnis  zu  den  ganz  farblosen
ermittelt.  Nur  wenn  verhältnismäßig  wenige  blaue  Äleuronzellen,  dagegen  sehr
viele  völlig  ungebläute  Stückchen  der  AleuronscMcht  angetroffen  werden,  ist  auch
der  Schluß  auf  Zusatz  von  Weizenkleie  gerechtfertigt.  Noch  sei  erwähnt,  daß,
wenn  man  die  mit  Äther  behandelte,  in  Nelkenöl  befindliche  Eoggenkleie  auf  einer
Glasplatte  über  weißer  Unterlage  ausbreitet,  man  nach  Ben  ecke  schon  makroskopisch, ­
  besser  mit  der  Lupe  die  blau  gefärbten  Fragmente  der  AleuronscMcht
huffinden  kann.  Der  Unterschied  tritt  besonders  auffallend  hervor,  wenn  man  eine
Glasplatte  mit  einer  in  gleicher  Weise  behandelten  Weizenkleie  daneben  bringt.“
d)  Viel  Brandsporen  in  einer  Kleie  deuten  auf  Kleie  von  Weizen  (auch
Mais,  Gerste  und  Hafer)  hin,  weil  diese  sehr  häufig  von  Brand  befallen  werden,
Roggen  dagegen  nur  sehr  selten.  Umgekehrt  zeigt  das  Vorkommen  von  Mutterkorn ­
  in  der  Kleie  an,  daß  Eoggenkleie  oder  ein  Gemisch  von  dieser  mit  Weizenkleie ­
  vorliegt,  weil  Mutterkorn  nur  auf  Roggen  auftritt.
2.  Uber  die  Beimengung  der  Abfälle  von  anderen  Getreidearten  oder
Gülsenfrüchten,  Erdnuß-,  Kakao-,  Kaffeeschalen  usw.,  sowie  über  die  vorhandenen ­
  Unkrautsamen  geben  einerseits  die  Form  der  Stärkekörner,  andererseits
hie  Gewebselememte  der  Spelzen  hezw.  Schalen  Aufschluß  (vergl.  die  Abbildungen
Un d  Ausführungen  über  diese  weiter  unten;  ferner  über  die  Erkennung  einiger
Gnkrautsamen  auf  chemischem  Wege  S.  271).

Spelzweizen.
Der  Spelzweizen,  welchen  drei  Arten,  den  Spelt  oder  Dinkel  (Triticum  Spelta  i.),  Emmer
G-r.  dicoccum)  und  Einkorn  (Tr.  monocoocum),  umfaßt,  unterscheidet  sich  dadurch  vom
(aoktweizen,  daß  seine  Ährchen  von  den  Klappen  so  fest  umschlossen  sind,  daß  sie  beim
reschen  nicht  herausfallen.  Aus  dem  Grunde  muß  der  Spelzweizen  auch  etwas  anders
verarbeitet 1 )  werden,  als  der  Nacktweizen.  Das  Korn  wird  auch  hier  zunächst  geputzt,
ann  von  Klappen,  Deck-  und  Vorspelzen  befreit  oder  geschält  (auch  Gerben,  die
uhlen  „Gerbesteine“  genannt)  und  weiter  auf  Zyklonen  hiervon  und  von  den  Unkrautsamen
e *reit.  Der  hierbei  gewonnene  Abfall  heißt  „Gerbstaub“  und  dient  als  Gänsefutter.  Die

l )  Vergl.  P.  Hauptfleisch,  Landw.  Versuchs-Stationen  1903,  58,  67.
        <pb n="323" />
        300

Futtermittel.

geschälten  (gegerbten)  Kerne  erfahren  durch  die  weitere  Verarbeitung  eine  Trennung  in
Spreu,  Spreu  mit  Kernen  und  reine  Kerne,  und  letztere  unterliegen  erst  dem  eigentlichen

Füg.  66.  Dinkel.  Querzellen  und  Solllauchzellen,  von  der  Fläche  gesehen,  qu  Querzellen  mit
deutlichen  Tüpfeln;  dahinter  Schlauchzellen  sch.  (Vergr.  220.)  Nach  Hauptfleisch.
Mahlvorgang  wie  der  Nacktweizen.  Die  hierbei  gewonnenen  Futterabfälle  sind;  1.  Qerbstaub,
  2.  Futterspreuer,  3.  Koppstauh,  beide  vielfach  vermischt  mit  4.  dem  Futtermehl,
5.  Spitzkernle,  6.  grobe  Schalenkleie,  7.  Grieskleie.
Die  diesen  Abfällen  etwa  beigemengteu
ünkrautsamen  usw.  können  dieselben  sein,  wie
beim  Nacktweizen  (S.  297).
Auch  ist  der  Bau  des  Kornes  der  Spelzweizen ­
  bis  auf  die  noch  vorhandene  Deckspelze ­
  im  wesentlichen  dem  des  Nacktweizeus
gleich.  Von  den  Gewebselementen  bieten  die
Stärkekörner  und  Haare  von  Roggen,
Weizen  und  Gerste  ebenfalls  keine  solchen
Unterschiede,  daß  darauf  ein  mikroskopischer
Nachweis  gegründet  werden  könnte.  Die  Haare
des  Emmers  gleichen,  was  Länge  und  Weitlumigkeit
  anbelangt,  am  meisten  denen  des
Roggens,  die  Haare  des  Einkorns  denen  des
Weizens,  während  die  Haare  des  Dinkels
gewissermaßen  in  der  Mitte  zwischen  beiden  stehen.  Die  Länge  der  letzteren  schwankt
nach  Hauptfleisch  zwischen  100—1280  fx,  der  Durchmesser  der  größten  Haare  im  Schaft

Fig.  67.  Einkorn.  Querzellen  und  Schlauchzellen,
  von  der  Fläche  gesehen,  qn  Querzellen ­
  mit  mehr  oder  weniger  deutlichen
Tüpfeln;  dahinter  Schlauchzellen  sch.  (Vergr.
220.)  Nach  Hauptfleisch.
        <pb n="324" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Spelzweizen.

301

21—27  ß,  an  der  Basis  B4—42  /x,  der  Durchmesser  der  kleinsten  Haare  16—28  /x,  Dicke  der
Wand  8  /x,  Weite  des  Lumens  1,6—6,6  fx.  Dagegen  gehen  nach  Hauptfleisch  (1,  c.)
wichtige  Unterscheidungsmerkmale:
1.  Die  Längszellen.  Während  nämlich  die  Längszellen
getüpfelt  sind  und  die  Wandverdickungen  zwischen  den  Tüpfeln
scheinen,  sind  die  Tüpfel  beim  Nackt-  und  Spelzweizen  viel  stärker,

des  Roggens  schwach
im  Profil  rundlich  erdie
  Wandverdickungen

erscheinen  im  Profil  rechteckig  oder  doch  scharfeokig  und  ziemlich  geradlinig  kouturiert.
Das  tritt  besonders  auffällig
hervor,  wenn  man  diese  Zellen,
deren  Wände  sehr  quellungsfähig ­
  sind,  mit  verdünnter  Kalilauge ­
  behandelt.
2.  Die  Quer-  oder
G  ü  r  t  e  1  z  e  11  e  n  (Pig.  66,  S.  300).
Die  Querzellen  des  Dinkels  sind
länger  als  die  des  Roggens
und  auch  meist  länger  als  die
Längszellen,  zu  deren  Längsrichtung ­
  sie  senkrecht  verlaufen; ­
  sie  sind  meistens  noch
stärker  getüpfelt  als  die  des
Weizens  und  stoßen  mit  Schmalseiten ­
  fest  aneinander,  ohne
Interzellularräume  —  oder  doch
nur  in  Spuren  —•  im  Gegensatz
zu  Roggen  zu  bilden.  Die
Querzellen  des  Emmers  und
Einkorns  (Pig.  57,  S.  300)  sind
dagegen  zarter,  zeigen  keine
80  deutliche  Tüpfelung  als  die
des  Weizens,  während  ihre
Längszellen  sehr  stark  getüpfelt
81 ud.  Sie  gleichen  daher  in
dieser  Hinsicht  den  Querzellen
des  Roggens,  sie  haben  aber
zum  Unterschiede  von  letzterem
Leine  Interzellularräume  oder
diese  sind  doch  auf  ein  Mindestmaß ­
  beschränkt.
3.  Die  Aleuronkörners
 °hicht.  Die  Zellen  der
Aleuronschicht,  die  aber  keinen
auswaschbaren  Kleber  liefern,
8 'ud  nach  v.  Höhnel  im  allgemeinen ­
  und  stets  größer  —  Breite  der  Zellen  37  bis  50  fx,  Durchmesser  der  Proteinkörner
L'I  bis  4,2  fi  —■,  als  die  der  anderen  Getreidearten,  was  aber  Hauptfleisch  bei  einem
"Mgleiohsweise  angebauten  Theiß-Weizen  nicht  bestätigt  fand.  Dagegen  geben  nach
Hauptfleisch
T  4.  die  Zellenelemente  der  Spelzen  und  Klappen  ein  vorzügliches  Mittel  zur
Merscheidung;  dieses  ist  um  so  wichtiger,  als  sich  Teile  dieser  Bestandteile  nicht  nur  in  den
leien  und  Futtermehlen,  sondern  auch  in  den  reineren  Mehlen  in  geringer  Menge  finden
""erden.  Der  Querschnitt  der  inneren  oder  Vorspelze  zeigt  durchweg  3,  zuweilen  4,  zuweilen
auch  nur  2  Zellreihen,  die  alle  ziemlich  dickwandig  und  ziemlich  langgestreckt  sind;  an  diese
o  zt  sich  die  äußere  oder  Deckspelze  an,  welche  wesentlich  mannigfaltiger  gebaut  ist  als
16  Vorspelze,  und  auch  andere  Elemente  aufweist,  als  diese.  Die  kennzeichnenden  Zellen
ter  ^ or_  und  Deckspelze  sind,  von  der  Fläche  gesehen,  folgende;

Fig.  58.  Dinkel.
Innere  Epidermiszellen
der  Vorspelze,  von  der
Fläche  gesehen.
Vergr.  160.  (Seibert
Ok.  I,  Obj.  III.)  Nach
Hauptfleisch.

Fig,  69,  Einkorn.  Schwammparenchymzellen
  aus  der  Vorspelze,
von  der  Fläche  gesehen.  Vergr.  220.
(Zeih  Ok.  II,  Obj.  F.)  Nach
Hauptfleisch.
        <pb n="325" />
        302

Futtermittel.

a)  Die  inneren  Bpidermiszellen  der  Vorspelze  des  Dinkels  (Fig.  58,  S.  301).  Es
sind  langgestreckte,  prosenchymatisclie  Zellen,  die  meist  spitz  endigen  und  keine  luterzellularräume
  bilden;  nicht  selten  tragen  sie  auf  ihrer  Außenseite  kurze,  stachelige  Härchen.
b)  Schwammparenchymzellen  aus  der  Vorspelze  des  Einkorns  (Fig.  59,  S.  301).
Sie  schließen  sich  den  Bpidermiszellen  an,  sind  stark  zusammengedrückt  und  besitzen  eine
dünne,  vielfach  gebogene,  durchsichtige  Membran  und  zwischen  sich  zahlreiche  Inter-Fig.

  60.  Dinkel.  Faserzelleu
  der  mittleren  Schicht
der  Vorspelze,  von  der
Fläche  gesehen.  (Vergr.  150.)
Nach  Hauptfleisch.

Fig.  61.  Dinkel.  Zellen  der  äußeren  Epidermis ­
  aus  der  Vorspelze,  von  der  Fläche  gesehen. ­
  1  Langzellen,  k  Kieselzellen,  z  Zwillingszellen, ­
  h  Haar.  (Vergr.  520.)  Nach  Hauptilelsoh.


zellularräume.  Diese  Zellen  fehlen  in  den  Vorspelzen  des  Dinkels  wie  des  Maises,  sind
aber  in  denen  des  Emmers  und  Einkorns  wie  der  meisten  Getreidearten  vorhanden.
c)  Faserzellen  der  mittleren  Schicht  der  Vorspelze  des  Dinkels  (Fig.  60).
Sie  haben  eine  den  Zellen  der  Epidermis  ähnliche  Form  mit  ziemlich  dicker  Wand,  die
allseitig  spärlich  und  nicht  stark  getüpfelt  ist.
d)  Zellen  der  äußeren  Epidermis  aus  der  Vorspelze  des  Dinkels  (Fig.  61).
Diese  Zellen  haben  die  am  meisten  kennzeichnende  Form  zur  Unterscheidung  von  denen
anderer  Getreidearten  und  nur  mit  der  Epidermis  der  Außenseite  der  Gerstenspelzen  eine
gewisse  Ähnlichkeit.  Die  Epidermis  setzt  sich  wie  die  der  Gerste  aus  sog.  Langzellen
(Fig.  611)  und  Kurzzellen  (Fig.  61z  u.  k)  zusammen;  diese  Zellen  sind  in  Längsreihen
        <pb n="326" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Spelzweizen.

303

(parallel  mit  der  Hauptachse  der  Frucht)  so  angeordnet,  daß  je  eine  Langzelle  mit  je  einer
Kurzzelle  (k)  oder  zwei  Kurzzellen  (z)  ab  wechselt.  Die  Langzellen  sind  ihrer  Hauptgestalt
nach  lang-rechteckig,  die  Kurzzellen  haben  dreierlei  Gestalt.  Die  mit  k  bezeichneten  sind
die  bei  den  Gerstenspelzen  „Kieselzellen“  genannten  Zellen;  sie  haben  ein  rundliches  Lumen
und  tragen  bisweilen  ein  sehr  kurzes,  stumpfkegelfönniges  Haar  (h).  Die  mit  z  bezeichneten
sind  die  bei  der  Gerstenspelze  „Zwillingszellen“  genannten  Zellen;  sie  kommen  fast  regelmäßig
paarweise  vor  und  bestehen  aus  2  Zellen,  von  denen  die  eine  ein  etwa  halbmondförmiges
Lumen  besitzt,  während  das  der  Zwillingszelle,  die  eng  an  die  halbmondförmige  angesohmiegt
  ist,  etwa  flach  segmentförmig  ist;  sie  machen  den  Eindruck  verkümmerter
Spaltöffnungen,  die  übrigens  auch  in  normaler  Ausbildung  vorhanden  sind.

Die  Wände  aller  dieser
4  Zellformen  sind  stark  (am
meisten  beim  Spelt,  weniger
beim  Emmer  und  Einkornl
verdickt  und  zeigen,  von  der
Fläche  gesehen,  alle  —  ausgenommen ­
  allein  die  Wand
zwischen  den  Zwillingszellen ­
  —  ein  buchtig  hinund
  hergebogenes,  Darmwindungen ­
  ähnliches  (flüchtig ­
  betrachtet;  zickzackartiges) ­
  Aussehen,  ln  Kalilauge ­
  quellen  sämtliche
Zellen  der  Vorspelze  stark
auf,  ganz  besonders  aber  die
Gekrösezellen.  Dabei  wird
bei  ihnen  —  und  auch  bei
den  getüpfelten  Paserzelleu
—  die  Mittellamelle  zwischen ­
  den  Nachbarzellen
aufgelöst,  und  es  bedarf
dann  nicht  einmal  des
Kochens,  sondern  es  genügt
ein  geringes  Quetschen,  um
die  genannten  Zellen  aus
ihrem  Verbände  zu  isolieren;
dann  liegen  in  einem  solchen
zerquetschten  Präparat  die
Epidermiszellen  der  Außeneeite
  einzeln  da  und
zeigen  ringsherum  hervorepringende
  dicke  Zapfen,  die  mit  entsprechenden  Buchten  abwechseln;  die  Zapfen  der  einen
Zelle  lösen  sich  von  den  Buchten  der  Nachbarzelle  und  umgekehrt;  sie  sind  aber  dann  so
stark  aufgequollen,  daß  von  den  Gekrösewindungen  fast  nichts  mehr  zu  sehen  ist.  Mit
Phlorogluzin  und  Salzsäure  färben  sich  sämtliche  Zellen,  wenigstens  ans  den  mittleren
iPartien  der  Spelzen,  braunrot.
e)  Epidermis  der  Innenseite  der  Deckspelze  des  Dinkels  (Fig.  62).  Diese
•Unterscheidet  sich  wesentlich  dadurch  von  der  Innenepidermis  der  Vorspelze,  daß  hier  fast
s tets  zweierlei  Zellen  ziemlich  regelmäßig  miteinander  abwechseln,  nämlich  kleine  kreisluntle,
  die  alle  ein  kurzes,  spitzes,  schlankkegelförmiges  oder  schwach  S-förmig  gekrümmtes
btaar  tragen,  mit  größeren  rhombenförmigen  Zellen,  deren  Längsdurohmesser  ungefähr
—4-mal  so  lang  ist,  als  ihr  größter  Querdurchmesser.
f)  Schwammparenchym  der  Deckspelze  des  Dinkels  (Fig.  64,  S.  304).  Die
J 6llen  des  Schwammparenchyms  sind  im  großen  und  ganzen  in  Reihen  geordnet,  stoßen  unter

Fig.  62.  Dinkel.  Epidermis  der  Innenseite
der  Deckspelze,  von  der  Fläche  gesehen,
soll  Schließzellen,  s  Spaltöffnungen.
(Vergr.  220.)  Nach  Hauptfleisch.

Fig.  63.  Einkorn. ­
  Haar
von  der  Innenepidermis ­
  der
Deckspelze.
(Vergr.  220.)
Nach  Hauptfleisch. ­
        <pb n="327" />
        304

Futtermittel.

Bildung  mehrfacher  Interzellularräume  aneinander  und  sind  mit  eigenartigen  Membranfalten
ausgezeichnet.
g)  Faserzellen  der  Deckspelze  des  Dinkels  (Fig.  65).  Sie  haben  das  Aussehen
von  Holzfasern,  große  Ähnlichkeit  mit  den  Faserzellen  der  Yorspelze,  nur  ist  ihre  Wand
meist  dicker  als  dort,  auch  sind  die  Tüpfel  recht  tief  und  in  außerordentlicher  Menge
vorhanden.
Nackt-  und  Spelzweizen-Mahlerzeugnisse  lassen  sich  von  denen  des  Roggens
durch  die  starke  eckige  Tüpfelung  der  Längszellen  unterscheiden,  Nacktweizen  und
Spelzweizen  durch  das  Fehlen  oder  Vorhandensein  der  Spelzen  und  Klappenteile.

Fig.  64.  Dinkel.  Schwammparenchym
der  Deckspelze  in  der  Flächenansicht.
1  Interzellularräume,  t  Memhranausstiilpungen.
  (Vergr.  220.)  Nach
Hauptflelsoh.

Fig.  65.  Dinkel.  Faserzellen  der  Deckspelze ­
  Im  Längsschnitt;  stark  verdickt
und  mit  zahlreichen  Tüpfeln  im  Profil,
f  Tüpfel  von  der  Fläche  gesehen.  {Vergr.
220.)  Nach  Hauptfleisch.

Grobe  Tüpfel  in  den  Querzellen  zeigen  nebst  den  Eoggenhaar-  und  Weizenhaarähnliohen
  Haaren  das  Vorhandensein  von  Dinkel,  zart  gebaute,  wenig  und  flach  getüpfelte ­
  Querzellen  in  Begleitung  von  Weizenhaar-ähnlichen  Haaren  das  Einkorn,
ebensolche  Zellen  neben  Roggenhaar-ähnlichen  Haaren  den  Emmer  an.
Gerste.
Von  den  drei  Sorten  Gerste,  der  6-,  4-  und  2-zeiligen  Gerste  wird  vorwiegend
nur  letztere  in  Deutschland  und  den  Nachbarländern  angehaut,  und  zwar  die
2-zeilige  Gerste,  die  heim  Dreschen  nicht  aus  den  Spelzen  fällt;  nur  solche  ist
zur  Bierbrauerei  geeignet,  nicht  die  aus  den  Spelzen  fallende  Varietät  (Hordeum
nudum)  der  2-zeiligen  Gerste.  Aus  dein  Grunde  hat  man  es  im  Handel  nur  mit  der
bespelzten  Gerste  zu  tun,  deren  Fruchtschale  wie  hei  dem  Spelzweizen  mit  der
darüberliegenden  Deck-  und  Yorspelze  innig  verwachsen  ist;  deshalb  auch  haben
die  hei  der  Verarbeitung  der  Gerste  gewonnenen  Abfälle  eine  andere  Zusammensetzung ­
  —  sie  sind  wesentlich  rohfaserreicher  —  als  hei  Roggen  und  'Weizen.
        <pb n="328" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Gerste.

305

Am  umfangreichsten  wird  die  Gerste  zur  Malzbereitung  einerseits  für
Zwecke  der  Bier-,  andererseits  für  Zwecke  der  Spiritus-  oder  Hefe-Gewinnung
(Brennerei)  verwendet.  Die  bei  der  Bierbrauerei  und  Brennerei  gewonnenen  Abfälle
sind  aber  in  einem  Punkte  wesentlich  verschieden.  In  der  Bierbrauerei  kann
nur  gekeimte  und  durch  Darren  usw.  entkeimte  Gerste  (Malz)  verwendet  werden;
man  gewinnt  daher  dort,  wo  nur  Gerstenmalz  zur  Bierbereitung  verwendet  werden
darf,  als  Abfälle  die  Malzkeime  und  die  keimfreien  Treber  (Biertreber),
die  frisch  wie  getrocknet  als  Futtermittel  Verwendung  finden.  Aber  auch  wenn
noch  sonstiges  Getreide  (wie  Mais,  Reis  u.  a.)  Verwendung  findet,  muß  dieses
durch  Schälen  entkeimt  werden,  so  daß  die  hei  der  Bierbereitung  gewonnenen
Treber  allgemein  keimfrei  sind.  In  der  Brennerei  dagegen,  hezw.  auch  hei
der  Hefengewinnung  verwendet
man  keimhaltiges  Grün-  oder  Luftmalz ­
  und  andere  Getreidearten  (Roggen,
Dari  usw.)  im  natürlichen,  nicht  entkeimten ­
  Zustande;  die  Brennereitreber ­
  (frisch  oder  getrocknet)  sind
daher  zum  Unterschiede  von  den  Biertrebern ­
  stets  keim  haltig.  Im  übrigen
werden  die  Brennereitreber  wie  bei
der  Bierbrauerei  gewonnen,  indem  man
das  verzuckerte  Maischgut  abseiht,
d.  h.  von  den  Schalen  der  Rohstoffe
befreit  und  dann  der  Gärung  unterwirft. ­
  Durch  Destillation  des  gebildeten
Alkohols,  durch  das  sog.  Abbrennen
wird  als  weiterer  Abfall  die  Schlempe
(Destillationsrückstand)  erhalten,  die
ebenfalls  im  frischen  wie  getrockneten
Zustande  ein  geschätztes  Futtermittel ­
  ist;
Aus  der  Gerste  werden  ferner  sehr
Verschiedene  Mahlerzeugnisse  hergestellt, ­
  nämlich  Grütze,  Graupen,
Gries,  Perl-  (oder  Roll-)  Gerste,
ferner  feinstes  Gerstenmehl  (Gerstenschleimmehl).  Unter  Gersten-Grütze
versteht  man  die  geschälten  oder  gespitzten  und  gebrochenen  Mehlkerne,  unter  Gersten-Graupen
  die  geschälten,  gerundeten  und  polierten  Mehlkerne,  unter  Perl-(Roll-)
Gerste  geschälte  Gerste,  die  zunächst  in  Gräupchen  zerschnitten  und  dann  erst
gerollt  wird;  durch  weitere  Zerkleinerung  und  Reinigung  erhält  man  das  Gersten-Sc
 hleimmehl.  Die  hierbei  gewonnenen  Abfälle  bestehen  aus  den  Spelzen  hezw.  der
s °g.  Gerstenkleie  oder  Gerstenabputz  (mit  Grannen),  die  beide  reich  an  Rohfaser
  und  Asche  (Kieselsäure  aus  den  Spelzen)  sind,  ferner  aus  dem  Gerstenfuttermehl ­
  von  sehr  schwankendem  Gehalt  an  Gerstenschalen  (6,0—23,0°/ 0  Rohlaser
und  2,8—9,5  o/ 0  Asche).
An  Verunreinigungen  kommen  in  den  Mahlabfällen  der  Gerste  häufig  vor
H'icken  und  sonstige,  unter  Roggen-  und  Weizen-Abfällen  bereits  genannte  Unrautsamen,
  ferner  Staubbrand  (Ustilago  Carbo)  und  Mutterkorn,  weil  Gerste  nächst
cem  Roggenkorn  am  häufigsten  von  Mutterkorn  befallen  wird.  Beregnete  oder
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  20

Fig.  66.  Querschnitt  durch  ein  Gerstenkorn.
Sp  Spelze  mit  Gefäßhündel,  Fr  Fruchtschale,  S  Samenschale, ­
  Al  Aleuron,  M  Mehlkörper.  Nach  C.  Böhmer.
        <pb n="329" />
        306

Futtermittel.

schlecht  eingeerntete  Gerste  ist  häufig  stark  verschimmelt.  Schlecht  aussehende,
beregnete  oder  havarierte  Gerste  wird  auch  wohl  geschwefelt.
Für  die  mikroskopische  Unterscheidung  der  Gerste  und  deren  Mahlerzeugnisse ­
  von  anderen  Getreidearten  kommen  nur  die  Gewehselemente  der
Spelzen  in  Betracht,  welche  entweder  mit  der  Fruchtschale  fest  verwachsen  sind  oder,
wie  bei  der  Braugerste,  die  Frucht  doch  so  fest  einschließen  (Fig,  66,  S.  305),  daß  sie
erst  nach  mehrstündigem  Einweichen  sich  von  der  Frucht  trennen  lassen.  Man  unterscheidet ­
  hei  den  Spelzen  zunächst  die  kräftigst  entwickelte  Bücken-  oder  äußere
Deckspelze  und  die  Bauch-  oder  innere  Vorspelze  und  in  diesen  von  außen  nach
innen  4  Zellreihen,  nämlich  äußere  Epidermis,  Faserschicht,  Schwammparenchym ­
  und  innere
Epidermis,  von  denen  die
äußere  Epidermis  und  das
Schwammparenchym  am
meisten  unterschiedliche
Merkmale  von  anderen  ähnlichen ­
  Getreidearten,  wie  z.  B.
dem  Hafer,  darbieten.  Bruchstücke ­
  der  Gerstenspelzen
findet  man  aber  selbst  bei
sorgfältigster  Reinigung  des
Mahlgutes  in  allen  Mahlerzeugnissen. ­

A.  Emm  erlin  g 1 )bringt
zur  Bloßlegung  der  Schichten
ein  aufgefundenes  und  mit
einem  Tropfen  Wasser  aufgeweiohtes
  Bruchstück  der
Spelzen  so  auf  den  Objektträger, ­
  daß  die  Epidermis
das  Glas  berührt,  hält  es
mit  der  Nadel  fest,  schabt
mit  dem  Rasiermesser  das
Gew'ebe  von  der  Innenseite
der  Spelze  ab  und  erhält  so
das  Parenchym  neben  einigen
derhwandigen  Fasern.  C.  Böhmer 2 )  schließt  erst  mit  5  °/ 0 -iger  Salzsäure,  dann
mit  1  °/ 0 -iger  Kalilauge  auf,  wäscht  mit  Wasser  aus  und  bringt  den  Rückstand  in
Glyzerin  oder  konzentrierte  Chloralhydratlüsung  (vergl.  auch  S.  286).
1.  Zellen  der  äußeren  Epidermis  (Fig,  67).  Die  Zellen  der  äußeren
Epidermis  der  Gerstenspelzen  zerfallen  in  Lang-  und  Kurzzellen,  von  denen
erstere  am  zahlreichsten  Vorkommen,  in  der  Mitte  der  Spelzen  sehr  dickwandig
sind  und  nach  den  Rändern  dünner  und  schwächer  werden  [längste  Zellen  80—100  (i
(vereinzelt  bis  150  /,(.),  Breite  15—20  kürzeste  Zellen  kaum  40  fi  lang].  Zwischen
den  verdickten,  kaum  wellig  gebogenen  Schmalseiten,  also  zwischen  den  Querwänden
der  Langzellen  liegen  die  Kurzzellen  (nämlich  die  einfachen,  nahezu  kreisrunden,
nach  innen  gekerbten,  stark  verkieselten,  in  der  Nähe  der  Grannen  mit  kurz  zuFig. ­

  67.  Gerste.  Zellen  der  äußeren  Epidermis.  A  Zellen  der
äußeren  Epidermis  aus  der  Mitte,  A'  vom  Rande  der  Spelze,
1  Langzellen,  kr  einfache,  kreisrunde  Zellen,  h  Haare  von  denselben,
zk  Zwillingskurzzellen,  von  denen  eine  halbmondförmig,  B  Faserzellen. ­
  Nach  C.  Böhmer.

1 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1898,  50,  1.
2 )  C.  Böhmer,  Die  Kraftfuttermittel,  Berlin  1903,  227.
        <pb n="330" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Gerste.

307

gespitzten  Haaren  besetzten  Kurzzellen  und  die  paarigen,  glattwandigen,  zum  Teil
halbmondförmigen  Kurzzellen  (vergl.  Fig.  67).
Mit  der  Oberhaut  verbunden  sind  weiter  die  meist  in  2-  bis  3-facher  Lage
ineinander  verkeilten,  sehr  lang  gestreckten  Faserzellen  (Hypoderma),  worin  die
makroskopisch  als  Rippen  bemerkbaren  Gefäßbündelstränge  liegen.  Die  Zellen  sind
200—300  ii  und  mehr  lang,  in  der  Längsachse  des  Kornes  gestreckt,  bis  auf  ein
schmales,  spaltenförmiges  Lumen  verdickt  und  spaltenförmig  getüpfelt.  Diese  Zellen
•—  nicht  ganz  zutreffend  auch  Skiereiden  oder  Steinzellen  genannt  -—  besitzen  bei
allen  Spelzfrüchten  nahezu  gleiche  Form  (vergl.  S.  302  und  S.  310,  313,  316).
Dagegen  bietet:

Nach  C.  Böhmer.

2.  das  Schwammparenchym  (Fig.  68)  ein  sehr  gutes  Unterscheidungsmerkmal,
r  ^mers  zwischen  Gersten-  und  Haferspelzen.  Es  besteht  bei  der  Gerste  aus  reihenj
  übereinander  liegenden,  im  Umriß  verschlungenen,  4-seitigen,  dünnwandigen,
er  Plächenansicht  gleichsam  leiterartigen  Zellen.  Die  bis  ins  Innere  der  parallel
au  eil&amp;lt; len  Zellen  reichenden  Faltungen  erweitern  sich  oft  zu  großen,  meist  rund-Fio
 1Cn  ^ n ^ erze hulartäumen  und  bilden,  wenn  sie  sich  gegenüberliegen,  brillenartige
sch'  Y* 1  Durch  diese  oder  neben  der  Schicht  sieht  man  dünnwandige,  ver-?
 n  lan S  gestreckte  Langzellen  der  inneren  Epidermis,  die  mit  Spaltöffnungen
vielen,  etwa  50  fx  langen  Haaren  versehen  sind,  hervortreten.
de r  g  '  ^®Den  der  Fruchtsamenhaut  (Fig.  69),  Die  mit  der  inneren  Epidermis
Druckt 6  Z6n  —'  aus genommen  in  der  Scheitelgegend  des  Kornes  —  verwachsene
ganz  ! a ! neil Daut  verhält  sich  den  entsprechenden  Schichten  des  Roggens  und  Weizens
S  eich  und  besteht  aus  4  Zellschichten,  nämlich  der  Fruchtoberhaut  mit  Lang-20*
        <pb n="331" />
        308

Futtermittel.

zellen  (100—200  (i  lang;  an  den  Längswänden  getüpfelt,  in  den  Querwänden  glatt),
den  Quer-  und  Schlauchzellen  und  einer  quellungsfähigen,  sehr  zarten,  farblosen
Samenhaut.  In  der  Scheitelgegend  des  Kornes  werden  die  Zellen  der  Fruchtober-Mg.

  69.  Gerste.  Zellen  der  Fruchtsamenhaut.  Fruchtoberhaut  A  von  der  Mitte,  B  vom  Scheitel
der  Gerstenfrucht,  a  obere  getüpfelte,  b  darunter  liegende  glatte  Zellen,  h  Haarformen.
Nach  C.  Böhmer.

haut  kurz,  unregelmäßig  polygonal  sowie  glattwandig  und  treten  zwischen  ihnen
Spaltöffnungen  sowie  30—180  fi  (meist  100—150  fi)  lange,  weitlumige  Haare  auf,
auf  denen  man  häufig  zahlreiche  Pollenkörner  und  Pilzsporen  bemerkt.

Fig.  70.  Gersten-Stärke  nach  J.  Möller.  (Yergr.  300.)
Die  Stärkekörner  der  Gerste  (Fig.  70)  bieten  keine  Unterscheidungsmerkmale ­
  zwischen  denen  des  'Roggens  und  Weizens.
        <pb n="332" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Hafer.

809

Hafer,  Arena  sativa  L.
Die  Verwendung  des  Hafers  als  Backmehl  ist  wie  die  der  Gerste  von  ganz
geringer  Bedeutung,  obgleich  auch  wohl  Mischungen  desselben  mit  Eoggenmehl  hier
und  da  vorgekommen  sein  sollen.  Häufig  dagegen  dient  der  entschälte  und  gröblich
zerkleinerte  Hafer  zur  Herstellung  von  Hafergrütze  und  Hafergries,  sowie  das  Hafermehl ­
  zur  Herstellung  von  Kindernahrungsmitteln  usw.  Zu  dem  Zweck  wird  der
Hafer 1 )  zuerst  von  Staub,  Schmutz,  ünkrautsamen  gereinigt,  sortiert  und  dann
entweder  mit  siedendem  Wasser  oder  mit  Wasserdampf  so  lange  behandelt,  bis  sich
die  Deckspelzen  leicht  ablösen  lassen.  Der  entspelzte  Hafer  wird  entweder  direkt
gedarrt  bezw.  geröstet  (amerikanisches  Verfahren)  oder  erst  in  Wasser  bezw.
m  Dampf  gekocht  und  dann  geröstet  (deutsches  Verfahren).  Der  geröstete  Hafer
Wird  weiter  entschält,  d.  h.  von  den  Hülsen  und  der  Kernspitze  des  Kornes  befreit
"und  dann  erst  auf  Mehl  oder  Grütze  verarbeitet.  Die  hierbei  sich  ergebenden
Abfälle  bestehen  aus  den  Haferspelzen,  die  gemahlen  fälschlich  als  Haferkleie
bezeichnet  werden,  aber  so  gut  wie  keinen  Futterwert  besitzen;  der  eigentlichen

&amp;lt;'  ^  9-  *  V  *
fc  «  **•  »Hl  o  iM?

Mg.  71.  Hafer-Stärke  nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)
Haferkleie,  bestehend  aus  der  äußeren  Samenhülse  des  entschälten  Kornes  und
darunter  liegenden  Schichten;  dem  Haferfuttermehl,  bestehend  ans  en  eim
Schälen,  Putzen.  Bürsten,  Mahlen  und  Hafergrützeschneiden  abfallenden  Kernspitzen
Hehlteilchen,  Fruchthaaren  und  wenig  Spelzen;  aus  denselben  Bestandteilen  Mesteht
der  Abfall  unter  der  Bezeichnung  Hafergrützenabfall,  Haferrot-  und  Hafer-^eißmehl;
  dem  Haferschlamm,  im  wesentlichen  die  Fruchthaare  des  Ha  c
haltend.  Diese  Haferabfälle  unterscheiden  sich  chemisch  wesentlich  durch  i  r
Hrotein-,  p e tt-  und  B.ohfasergehalt.  So  enthalten  die  Haferhülsen  (Deckspe  ze.)
,2—3,0°/ 0  Protein,  0,4—1,8°/ 0  Fett  und  22,5—39,0°/ 0  Rohfaser;  Haferkleie
Haferschlamm  und  Haferrotmehl)  6,8—10,8  &amp;lt;&amp;gt;/ 0  Protein,  2,3-4,1  / 0  Fett  und
ip’d  25,8° /o  Rohfaser;  das  Haferfuttermehl  9,2-15,2  &amp;lt;&amp;gt;/ 0  Protein,  3,5-7,2&amp;lt;&amp;gt;/ 0
ett  nn &amp;lt;l  1,9—16,0  °/ 0  Rohfaser.  r ,  ^ nr7
TT  Als  Verunreinigungen  können  im  Hafer  die  schon  oben  S.  297  genannten
Oukrautsamen,  ferner  die  Sporen  des  Flugbrandes  (Ustilago  carbo)  Vorkommen;
üw  eilen  ist  der  Hafer  auch  verschimmelt  oder  geschwefelt.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  der  Hafermahlerzeugnisse  kommen
J  lr  Unterscheidung  von  anderen  Getreidearten  in  Betracht:
V )  Vergl.  E.  Haselhoff  und  F.  Mach,  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  60,  161.
        <pb n="333" />
        310

Futtermittel.

1.  Die  Stärkekörner  (Fig.  71,  S.  309).  Sie  sind  häufig  zusammengesetzt,
treten  aber  in  dieser  Form  sehr  hinter  der  Zahl  der  kleinen  polygonalen  Körner  zurück,
welche  die  Grundsuhstanz  bilden,  in  denen  die  großen  ovalen  und  rundlichen  Stärkekörner ­
  eingebettet  liegen.  Kennzeichnend  ist  die  spindelförmige,  viertelmondförmige,
spitz-elliptische  Gestalt  eines  Teiles  der  Stärkekörner.  Die  großen  kugeligen  oder
elliptischen  Stärkekörner  haben  15—50  fi,  die  einfachen  Körner  1,5—12,0  /i
(durchweg  7  fi)  im  Durchmesser.  Sämtliche  Stärkekörner  sind  ohne  Schichtung
und  Kerne.
Von  wesentlicherer  Bedeutung  zur  Erkennung  der  Hafermahlerzeugnisse
aber  sind:

Fig.  72.  Hafer.  Zellen  der  Oberhaut  der  Deckspelze.  A  Zellen  aus  der  Mitte,  A'  vom  Rande  der  Spelze,
letztere  mit  einigen  darunter  liegenden  Faserzellen  B,  a  Verdickungen  der  Querwände,  b  spitz  auslaufende ­
  Zelle,  c  einfache,  d  Zwillingskurzzellen.  Flächenansicht  nach  C.  Böhmer.
2.  Die  Oherhautzellen  der  Deckspelze  (Fig.  72).  Sie  sind  in  der  Mitte
der  Spelze  dickwandig  —  in  der  Yorspelze  dünnwandig,  ohne  zackige  Struktur  —,
sehr  ungleich  verdickt  und  eigenartig  buchtig  gezähnt;  in  der  Nähe  der  Eandnervatur
finden  sich  auch  zahlreiche  Spaltöffnungszellen.  Bei  den  Haferdeckspelzen  treten
zum  Underschiede  von  den  Spelzen  der  Gerste  und  anderer  Getreidearten  knotenartige ­
  Verbiegungen  der  Querwände  auf.  Zwischen  den  buchtigen  und  den  zartwelligen
  Langzellen  liegen  viele  Kurz-  oder  Kieselzellen  sowie  Zwillingskurzzellen,
aus  denen  häufig  sehr  dickwandige,  spitze,  an  die  Oberfläche  angedrückte  Haare
von  40—180  /x  Länge  hervorwachsen.  Unter  der  Oberhaut  liegen  in  mehrreihiger
Schicht  die  Faserzellen.
3.  Das  zusamraengedrückte,  dünnwandige  Schwamm-(Stern-)parenchym
  (Fig.  73).  Es  folgt  auf  die  Faserzellen  und  unterscheidet  sich  als  besonders
kennzeichnend  von  dem  Spelzenparenchym  der  Gerste  (Fig.  68,  S.  307)  durch
die  tieferen,  halbkreisförmigen,  faltigen  Einbuchtungen,  zwischen  denen  große,  runde,
brillenförmig  angeordnete  Interzellularräume  liegen  und  infolge  derer  in  dem
Sternparenchym  blasenartige  Hohlräume  entstehen,  während  die  schmalen,  tiefen
        <pb n="334" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Reis.

311

Faltungen  bei  dem  Gerstenspelzenparenchym  in  der  Längsrichtung  benachbarter
Zellen  leiterartige  (nach  A.  Emmerling  dachziegelförmige)  Figuren  erzeugen.
4.  Die  Fruohtsamenoberhaut  (Fig.  74).  Diese  ist  durch  dünnwandige,
langgestreckte,  fein  getüpfelte  Tafelzellen  ausgezeichnet,  die  oft  gruppenweise  nach
regellos  verteilten  Zentren  zusammenlaufen,  in  denen  ein  oder  mehrere  kürzere  und

bis  1,5  mm  lange  Haare  entspringen.

kig.  73.  Hafer.  Sternparenchym  der  Spelze
mi t  brillenförmlg  angeordneten  Interzellularräumen, ­
  darunter  die  Innenepidermis  mit
Spaltöffnungen  am  Rande,  Fläohenansicht
nach  C.  Böhmer.

Diese  sind  schlank,  im  Vergleich  zum

Fig.  74.  Hafer,  Fruchtoherhaut  mit  langen
Haaren.  Flächenansicht  nach  C.  Böhmer.

Lumen  dickwandig  (Wanddicke  4,6  fi,  Lumenweite  in  der  Mitte  der  Haare  3,0—4,8  [i)
Und  laufen  ganz  allmählich  in  eine  feine  Spitze  aus.

Keis,  Oryza  sativa  L.
Das  Reiskorn  unterliegt  behufs  Verarbeitung  zu  menschlichen  Ernährungs-Hecken
  vorwiegend  einem  Schälvorgang  und  ist  hierzu  wegen  des  lehlens  der
Längsfurche  besonders  geeignet.  Eine  weitere  Zerkleinerung  bis  zu  feinstem  Mehl
Ludet  nur  in  beschränktem  Umfange  statt.  Der  eingeführte  Reis  wird  zunächst
m  d er  Staubtrommel  von  fremden  Beimengungen  (Staub,  Steine,  Stroh)  und  bnkraut-*
 a men,  in  dem  Spitzgang  oder  Grannenbrecher  von  Grannen,  weiter  auch  von  Bruchk
 °rnern  (Bruchreis)  befreit,  darauf  in  einem  System  von  Maschinen  (Sortier-,  bcha  -
und  Poliermaschinen)  einer  stufenweisen  Schälung  unterworfen.  Bei  diesem  Schal-
        <pb n="335" />
        312

Futtermittel.

Vorgang  fallen  der  Eeihe  nach  ab:  Grannen,  Gemisch  von  Spelzen  mit  wenig  Keimen,
weiter  Gemische  von  Spelzen,  Keimen  und  Silberhaut  (Fruchtsohale)  und  zuletzt
vorwiegend  Silherhaut  mit  Mehlendosperm  sowie  Teilen  des  abgeriebenen  Putz  -
mittels  (Weizenschalen,  Spelzen  usw.)  als  weißes  Eeis  mehl.  Es  gibt  daher  eine
Eeihe  Eeisabfallmehle  mit  einem  größeren  oder  geringeren  Gehalt  an  Spelzen;  einen,
nur  aus  der  Silherhaut  bestehenden  Abfall,  der  der  Eoggen-  und  Weizenkleie  entsprechen ­
  würde,  gibt  es  nicht.  Eeisspelzen,  welche,  für  sich  vermahlen,  vielfach  zur
Verfälschung  anderer  Futtermittel  dienen,  haben  gar  keinen  Futterwert,  sondern  beeinträchtigen ­
  sogar  durch  ihren  Eeiz  auf  die  Darmwandung,  der  eine  schnellere
Darmentleerung  bewirkt,  die  Verdaulichkeit  des  sonstigen  Futters.  Da  die  Silberhaut ­
  (Keim-  und  Aleuronsohicht)  gegenüber  dem  Mehlkern  usw.  reich  an  Fett  und
auch  reicher  an  Protein  ist,  so  enthalten  die  Eeisfuttermehle  um  so  mehr  Protein  und
Fett,  je  mehr  Silberhaut  und  Keime  sie  einschlieflen.  Aus  diesem  Grunde  sind
gerade  die  weißen  und  reineren  Eeismehle,  die  kaum  Spelzen,  aber  mehr  oder
weniger  Teile  von  dem  Mehlkern  enthalten,  den  letzteren  gegenüber  verhältnismäßig
arm  an  Protein  und  Fett.
Bei  der  Verarbeitung  des  Eeises  auf  Stärke,  wozu  man  meistens  den  Bruchreis ­
  verwendet  und  wobei  der  Eeis  in  verdünnter  Natronlauge  eingequollen  wird,  erhält ­
  man  die  sog.  E  e  i  s  s  c  h  1  e  m  p  e,  die  aus  den  Hülsen,  Zellstoff,  stickstoffhaltigen  Stoffen
und  erheblichen  Mengen  Stärke  besteht;  diese  wird  sowohl  frisch  (mit  etwa  95—96  °/ 0
Wasser),  als  auch  im  gepreßten  Zustande  als  sog.  Preßfutter  (mit  60—70°/ o  Wasser)
oder  getr  ocknet  (mit  10—14  °/ 0  Wasser)  zur  Fütterung  verwendet,  neigt  im  frischen
und  gepreßten  Zustande  aber  sehr  zur  Säuerung.  Bei  der  Eeisstärke-Herstellung
erhält  man  auch  das  Eeisprotein  (unrichtigerweise  auch  Reiskleber  genannt),  welches
indes  menschlichen  Ernährungszwecken  zugänglich  gemacht  wird.  Bei  der  Darstellung ­
  von  Reis  hier  erhält  man  die  E  ei  streber,  die  wie  die  Malztreber  (S.  305)
gewonnen  werden  und  zusammengesetzt  sind.
Als  Verunreinigungen  der  Eeismehle  kommt  in  erster  Linie  die  Beimengung
von  gemahlenen  Eeisspelzen 1 )  in  Betracht,  ferner  die  häufige  Verschimmelung,
besonders  bei  Reismehlen  aus  überseeischen  Eeisschälereien;  diese  Mehle  haben  dann
vielfach  einen  dumpfigen,  ranzigen  Geruch  und  sind  mit  Käfern  und  Larven  des
Klopfkäfers  (Anobium  paniceum)  sowie  Schimmelpilzen  durchsetzt.  Auch  Sand,
Erde  und  Kehricht  (Mauerputz)  finden  sich  nicht  selten  in  den  Reismehlen.  Das
Vorhandensein  von  etwas  Weizenkleie  im  Eeismehl  kann  nicht  ohne  weiteres  als
Verfälschung  angesehen  werden,  weil  Weizenkleie,  wie  schon  gesagt  ist,  zum  Polieren
des  Kochreises  verwendet  wird.
Der  anatomische  Bau  des  Reiskornes  gleicht  dem  anderer  bespelzten  Getreidekörner, ­
  besonders  dem  der  Gerste,  jedoch  bieten  die  einzelnen  Zelllagen  eigenartige ­
  Unterschiede  von  denen  der  letzteren.  Auch  die  Spelze  des  Reises  zerfällt
in  eine  verkieselte  äußere  Oberhaut,  eine  Faserschicht,  ein  von  Gefäßbündeln  durchsetztes ­
  Schwammparenchym  und  eine  innere  Oberhaut.  Von  diesen  Zelllagen  sind
in  der  Flächenansicht  kennzeichnend  für  den  Eeis:
1.  Die  Oberhautzellen  (Fig.  75).  Diese  sind  kurz,  höckerig,  mit  langen,
spitzfingerartigen  Ausbuchtungen  der  Längswände  versehen,  die  fest  ineinander  greifen.
’)  Da  Reisspelzen  im  Mittel  35°/ 0  Rohfaser  und  13  °/ 0  Asche  (kieselsäurereich),  weiße
Reismehle  nur  bis  6  %  Rohfaser  und  5  %  Asche  enthalten,  so  sind  die  Reisfuttermehle  um
so  mehr  mit  Reisspelzen  vermischt,  je  mehr  Rohfaser  und  Asche  sie  aufweisen.  Die  Reismehle ­
  mit  mittlerem  Gehalt  an  Spelzen  enthalten,  bei  18—30%  Protein  -)-  Fett,  7—12%
Rohfaser  und  6—9%  Asche.
        <pb n="336" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Keis.

313

Gegenüber  der  Gerste-  und  Haferspelze  fehlen  die  kleinen  runden  Doppelzellen,  nur
die  einfachen  Eundzellen  sind  vorhanden,  die  aber  erst  durch  Behandeln  des  Mehles
oder  der  Spelzen  mit  Alkalilauge  hervortreten.  Hierdurch  zerfallen  dann  die  Ober-,'S-

  7 5.  Reis.  Oberhautzellen  der  Spelze.  Ä  Oberhautzellen  mit  Lauge,  A'  mit  Wasser  behandelt,
K ®nntlich  au  den  tiefen  Faltungen,  t  Tüpfel  und  Höcker  daran,  r  Rundzelle,  woran  Haare  H  sitzen,
F  Zellen  des  darunterliegenden  Fasergewebes.  Nach  C.  Böhmer.

tarerinV  Reis -  Großpoly«
Zellerw? 1  der  Spelzen '  u
®Uen  der  Silberhaut  b
l*ach  C.  Böhmer

Fig.  77.  Reis.  Silberhäutchen  mit  Aleuronzellen.  a  eingedrückte ­
  sogenannte  Langzellen  mit  darunterliegenden  Schichten
a',  b  Querzellen  mit  Interzellularen  /S,  c  Schlauohzellen,  d  Aleuronzellen. ­
  Nach  C.  Böhmer.
        <pb n="337" />
        314

Futtermittel.

hautzellen  und  die  kurzen,  durch  dickwandige  Rundzellen  getrennten  Oherhautzellen
zeigen  sich  als  zackige,  mit  langen  knorrigen  Fortsätzen  ineinander  greifende  Gebilde ­
  Uber  den  Faserzellen.
2.  Großpolyedrisches  Parenchym  (Fig.  76,  S.  313).  Auf  die  Faserschicht
folgen  die  großpolyedrischen  Parenchymzellen,  die  bandartig  gestreifte  Zellwände
haben  und  in  welche  man,  wie  in  deckellose  Kästchen,  hineinsehen  kann.  Sie
sind  zart,  verquollen  mit  verdünnter  Kalilauge  und  werden  durch  heiße  Kalilauge
zerstört.
3.  Silherhäutchen  (Fig.  77,  S.  313).  Das  Silherhäutchen,  die  zarte,  glänzende
Fruchthaut  umschließt  das  geschälte  Reiskorn  und  lagert  mit  den  Schlauchzellen
unmittelbar  auf  der  Aleuronschicht;  eine  Samenhaut  fehlt  beim  Reis.  Die  Zellschichten ­
  der  Silberhaut  bestehen  aus  den  zusammengedrückten  Langzellen,  den  fast
inhaltlosen,  oft  durch  weite  Interzellularräume  voneinander  getrennten  Querzellen
und  den  faden-  oder  streifenartig  in  weiten  Zwischenräumen  nebeneinander  liegenden
Schlauchzellen  (3—5  n  breit  und  bis  100  /,/.  lang).  Die  Zellen  der  einreihig  das
Korn  umgebenden  Aleuronschicht  sind  5-  bis  6-seitig.  Auch  die  Silberhaut  wird,
wie  das  großpolyedrische  Parenchym,  leicht  durch  Kalilauge  zerstört.  Man  färbt
es,  um  die  einzelnen  Teile  erkennbar  zu  machen,  zweckmäßig  mit  Chlorzinkjod.

Fig.  78.  Eels-Stärke  nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)

4.  Die  Stärkekörner  (Fig.  78).  Die  Stärkekörner  des  Reises  haben  einige
Ähnlichkeit  mit  denen  des  Hafers.  Auch  hier  findet  man  zahlreiche  isolierte,  kleine,
polygonale,  mit  Kernhöhle  versehene  Stärkekörner  von  3—7  fi  Durchmesser,  neben
welchen  eiförmige  Klumpen  mit  2—100  einzelnen  Körnchen  angetroffen  werden.
Sie  färben  sich  mit  Jod  häufig  rot  bis  rotbraun,  wie  die  der  Klebhirse.
Mais,  Zea  Mais.
Der  Mais  wird  vielfach  wie  der  Hafer  direkt  bezw.  nach  dem  Schroten  zur
Fütterung  verwendet.  Da  der  Keim  wie  das  hornartige  Endosperm  beim  Mais  einen
großen  Teil  des  Kornes  ausmachen  und  beide  mit  der  Schale  verwachsen  sind,  so  läßt
sich  das  Maiskorn  durch  den  einfachen  Mahlvorgang  nicht  so  vollständig  wie  andere
Getreidearten  in  feines  Mehl,  Gries  usw.  und  Kleie  zerlegen.  Das  Mehl  behält  infolge ­
  Beimengung  der  peripherischen  Schichten  leicht  eine  gelbliche  Färbung;  in
die  Abfälle  (Kleie)  gehen  dagegen  außer  der  Fruchtschale  und  dem  Keim  auch  noch
Teile  des  hornartigen,  glasigen  Endosperms  über.  Aus  dem  Grunde  hat  man  versucht,
        <pb n="338" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Mais.

315

das  Korn  nur  in  wenige  Teile  zu  zerreißen,  mit  Wasser  zu  benetzen  und  mit  gespanntem ­
  Wasserdampf  einer  Temperatur  von  105—110°  auszusetzen,  so  daß  sich
Schale  und  Keim  besser  von  dem  Mehlkörper  loslösen;  letzterer,  der  teilweise  verkleistert ­
  ist,  wird  dann  zu  Nudeln  geformt  und  gemahlen.
Eine  weitgehende  Verarbeitung  findet  der  Mais  zur  Stärke-Bereitung.
Hierbei  wird  das  Maiskorn  entweder  von  der  breiten  nach  der  spitzen  Seite
zu  gespalten,  um  dadurch  den  Keim  abzutrennen  und  das  entkeimte  Korn  durch
Einweichen  in  verdünnter  Natronlauge  auf  Stärke  zu  verarbeiten,  oder  man  weicht
das  Korn  etwa  60  Stunden  mit  60°  warmem  Wasser  ein,  welches  %—Vs/Vo
Schweflige  Säure  enthält,  quetscht  das  Korn,  wobei  Schale  und  Keim  nicht  mit  zerkleinert ­
  werden;  beim  Aufschlämmen  des  Kornbreies  sinkt  die  Stärke  als  am  spezifisch
schwersten  nach  unten,  die  Schalen  sammeln  sich  oben  an,  darauf  folgen  die  Keime;
auf  diese  Weise  können  die  Kornteile  mechanisch  voneinander  getrennt  werden.
Man  erhält  so  eine  Reihe  Abfälle,  die  zum
großen  Teil  sehr  als  Futtermittel  geschätzt
sind,  nämlich;  die  Maistreber  oder  Maiskleie ­
  (die  beim  Alkali-Verfahren  abgesiebten
Maishülsen),  den  Keim,  der  bis  45  °/ 0  öl  enthält, ­
  hierauf  verarbeitet  wird  und  die  Maiskeimkuchen
  (mit  26—28%  Protein  und
7-—10%  Fett)hinterläßt,  Gluten-Peed(Gluten
mit  viel  Schalen,  24—28  %  Protein,  2—4  %
Fett,  7—10%  Rohfaser)  und  Gluten-Meal
(Hinten  mit  wenig  Schalen,  34—39  %  Protein,
2—4  %  Fett,  2—4%  Rohfaser)  und  weiter
has  Gluten  selbst.  Man  wäscht  die  Stärkeirsilcb
  entweder  mit  Natronlauge  enthaltendem
°der  nach  dem  Säure-Verfahren  mit  Schweflige
Säure  enthaltendem  Wasser  aus  und  fällt  das
Hluten  mit  Säure  bezw.  Alkali.  Das  Gluten
"’ird  entweder  für  sich  verwendet  oder  aber
hem  Schalenabfall  zugesetzt.
Bei  der  Verwendung  des  Maises  zur
^ier-  oder  Branntwein-Bereitung  werden
ähnliche  Abfälle  wie  bei  der  Verwendung  anderer
&amp;lt;,( -'treidearten  gewonnen;  nur  sind  diese  Abfälle,
Welche  zum  Teil  oder  ganz  den  protein-  und
^reichen  Keim  bezw.  die  Aleuronschicht  mit
^schließen,  verhältnismäßig  protein-  und  fettreicher  als  die  Abfälle  von
s onstigen  Getreidearten.
Als  Verunreinigungen  des  Maises  und  seiner  Erzeugnisse  kommen  in  Bedacht ­
  der  Mais-  oder  Beulenbrand  (Ustilago  Maydis),  recht  häufig  Schimmel,
besonders  wenn  die  Körner  längere  Zeit  in  dem  Kolben  belassen  werden;  dem  Vorkommen ­
  von  Schimmel  schreibt  man  in  Italien  und  den  Ländern  an  der  unteren
°nau  das  Auftreten  der  Pellagra  beim  Menschen,  einer  schleichenden  Hautkrankheit,
??•.  h» e r  Körnermais  des  Handels  besteht  aus  unreifen,  am  Scheitel  und  am
.  eim Hng  geschrumpften  Körnern;  in  den  Mahlerzeugnissen  sind  Steinnuß,
ln  her  Maisschlempe  der  Brennereien  bis  12%  Calciumkarbonat  —•  herrührend  von
einer  Säure-Abstumpfung  —  beobachtet  worden.  Das  Vorkommen  von  Hülsen  und
‘  chalen  der  Gerste  in  diesen  und  den  Abfällen  der  Maisbierbrauereien  rührt  von  der

Fig.  79.  Mais.  Epidermis  der  oberen
Hüllspelze  in  der  Flächenansicht.  (Vergr*
300.)  Nach  Win  ton.
        <pb n="339" />
        316

Futtermittel.

gleichzeitigen  Verwendung  von  Gerstenmalz  her.  Die  Maiskeimkuchen  sind  nicht
selten  ranzig,  sauer  und  zeigen  dann  häufig  ein  lockeres,  bröckliges  Gefüge.

Flg.  80.  Mais.  Schichten  der  Schale  in  der  Flächenansicht  nach  J.  Möller.  (Vergr.  160.)  m  Mittelschicht,
p  Schwammparenchym,  sch  Schlauchzellen,  is  Innenschicht  (der  hyalinen  Schicht  anderer  Zereallen
entsprechend),  K  Kleberschicht.

Flg.  81.  Mals.  Oberflächenzellen  der  Spelze  in  der
Flächenansloht.  (Vergr.  160.)  p  das  Grundgewebe,  ep
Oberhaut  mit  den  langen,  einzelligen  Haaren  H  und
den  kurzen,  leicht  abfallenden,  1—3-zelligen  Haaren  h,
*  Spuren  abgefallener  Haare.  Nach  J.  Möller.

Flg.  82.  Mais.  Isolierte  Elemente
der  Mittelschicht  der  Schale.

Für  die  mikroskopische  Untersuchung  des  Maises  und  seiner  Erzeugnisse ­
  ist  zu  merken,  daß  die  Körner  heim  Entkernen  der  Kolben  als  nackte
        <pb n="340" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Hirse.

317

Früchte  gewonnen  werden,  denen  nur  an  dem  spitzen  Grunde  vereinzelte  Reste
der  Spelzen  anhaften.  Diese  werden  heim  Putzen  der  Körner  so  vollständig
entfernt,  daß  sie  nur  in  der  Maiskleie  bezw.  den  Maisschalen  (Trebern)  usw.,  nicht
aber  im  Maismehl  oder  Gries  Vorkommen.  In  den  Maiserzeugnissen  jedoch,  in  denen
sie  auftreten,  können  sie  als  Unterscheidungseieinente  von  anderen  Getreidearten
dienen.  Als  solche  sind  zu  beachten;

1.  Die  Oberflächenzellen  der  Spelzen  (Fig.  81,  S.  316).  Die  Spelzen  haben
zum  Unterschiede  von  anderen  Getreidespelzen  nur  zwei  Zolllagen,  nämlich  die  Oberfläche ­
  mit  ungleich  wellig-buchtigen,  geschlängelten  Längsrändern  und  das  darunter
liegende  Parenchym  mit  zartwandigen  Tafelzelleji.  Auf  der  Oberfläche  sitzen
einzellige,  dickwandige,  bis  1000  fi  lange  Haare,  bis  zur  Spitze  mit  offenem  Lumen,
ferner  auch  kurze,  dünnwandige  1  bis  3-zellige  Haare.  Besonders  kennzeichnend
sind  auch  die  Zellen  der  Epidermis  der  Hüllspelze  (Fig.  79,  S.  315).

2.  Schichten  der  Maisschale  (Fig.  80,  S.  316).  Die  Maisschale,  die  sich
schon  durch  bloßes  Kochen  als  farbloses  Häutchen  abheben  läßt,  besteht  aus  der  Oberhaut ­
  und  vier  vielgestaltigen  Zellschichten,  die  reihenweise  nebeneinander  liegen.
Die  Oberhautzellen  sind  teils  4-,  teils
5 -  Ws  6-seitig,  teils  geradwandig,
teils  getüpfelt;  sie  sind  mit  der  6-  bis
8-reihigen,  zusammengepreßten  Mittelschicht, ­
  deren  Zellen  denen  der  Oberhaut ­
  ähnlich  sind,  verwachsen.  Die
vielgestaltigen  Zellen  des  Schwamm-Parenchyms
  setzen  sich  aus  buchtigen
his  sternförmigen  Elementen  zusammen, ­
  denen  häufig  vereinzelte
'^chlauchzellen  anhaften.  Die  Zellen

der

einreihigen  Aleuronschicht  erscheinen ­

  in  der  Flächenansicht  geendet, ­
  vielseitig,  derbwandig,  mit
.zwei  nahezu  parallelen  Wänden.

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-0  &amp;lt;&amp;gt;  ^  &amp;lt;
9  r  #  *&amp;gt;  /  °
O  H.

Fig.  88.  Mais-Stärke  nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)

3.  Die  Stärkekörner  (Fig.  83).  •  .
Sie  sind  rundlich-eckig,  ungeschichtet,  meist  mit  einem  hellen  Kern  und  einer
zentralen,  radial  gestreiften  Höhlung  versehen;  ihr  Durchmesser  beträgt  8—3o  fi
Öni  Durchschnitt  16—22  [x)\  die  Stärkekörner  aus  dem  hornigen  Teil  des  Maiskornes
J^hen  scharfkantige,  die  aus  der  Peripherie  des  letzteren  bezw.  aus  dem  lockeren
Nährgewebe  haben  meist  rundlich-eckige  Formen.
p  Das  Gewebe  des  Keimes  besteht  aus  zarten,  dünnwandigen,  palissadenförmigen
Darenchymzellen.

Auf  eine  Arbeit  von  D.  Ottolenghi 1 )  über  den  Nachweis  von  Maismehl
*  Brot  durch  Behandeln  des  mit  0,3«/ o -iger  Kalilauge  hergestellten,  eingetrockneten
Auszuges  mit  Isoamylalkohol,  der  einen  Proteinstoff  des  Maises  löst,  sei  hier  nur
Verwiesen.

Hirse.

qj  .  Bari  unterscheidet  vorwiegend  zwei  Sorten,  die  Rispen-  und  Kolbenhirse
ar| icum  miliaceum  L.  bezw.  P.  italicum  L)  und  die  Sorgho-  oder  Mohren-  oder

bezw.

)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  189.
        <pb n="341" />
        318

Futtermittel.

Durrahirse  (Sorghum  vulgare  Pers.,  S.  saccharatum  Pers.,  S.  tataricum  usw.),
welche  letztere  als  Varietäten  der  Art  Andropogon  Sorghum  Brot,  aufgefaßt  werden
und  von  denen  eine  Art,  der  Dari  oder  das  Guineakorn,  hei  uns  eine  ziemlich  umfangreiche ­
  Verwendung  zur  Branntweinbereitung  gefunden  hat  und  dazu  wegen
seines  höheren  Stärke-  und  niedrigeren
Protein-  und  Eohfasergehaltes  (7—9  °/ 0
Protein  und  2,8—4,0  °/ 0  Eohfaser)  besser
geeignet  ist  als  die  stärkeärmere  und
protein-  und  rohfaserreichere  Eispenoder
  Kolbenhirse  (10—14  °/ 0  Protein  und
7—18  °/ 0  Eohfaser).
Bei  uns  wird  vorwiegend  nur  die
Eispenhirse  auf  Gries,  Grütze  oder
Gräupchen,  sehr  selten  auf  Mehl  verarbeitet. ­
  Zur  Darstellung  der  Hirsegrütze ­
  dienen  im  allgemeinen  dieselben
Eeinigungs-  und  Entschälungs-  bezW-Mahl-Vorrichtungen
  wie  bei  den  anderen
Getreidearten;  man  erhält  auch  hier  als
Abfall  den  Boden-  und  Polierstaub,  die
Spelzen  (Schalen)  als  sog.  Hirsekleie,
Futterhirse  (kleine  und  beschädigte
Körner),  Hirsefuttermehl  undHirsekuchen.
Die  Hirseschalen  (Kleie),  die,  wie  andere
Getreidespelzen,  keinen  Futterwert  besitzen, ­
  dienen  vielfach  zur  Verfälschung
von  wertvolleren  Getreideabfällen  oder
auch  von  Gewürzen.  Einen  eigentlichen
Futterwert  besitzen  nur  die  Teile  des
Hirsekornes,  die  zwischen  den  Spelzen
und  dem  Mehlendosperm  liegen,  also
aus  Fruchtsamenschale,  Aleuronzellen,
Keimen  und  den  beim  Koppen,  Polieren  und

Fig.  84.  Rispenhirse,  Spelze.  Ep  Oberhaut,
Ep'  Zellen  derselben  neben  einem  Randnerv,
t  Tüpfel,  F  Faserzellen,  P  bandförmiges  Parenchym.
Nach  C.  Böhmer.

Fig.  85.  Rispenhirse,  Fruchtschale.  Ep  Oberhaut ­
  der  Fruchtschale  nebst  einigen  Zellen  des
unteren,  dünnwandigen  Gewebes.  Al  Aleuronzellen.
Nach  C.  Böhmer.

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Fig.  86.  Stärke  der  Rlspenhlrse.
C.  Böhmer.

Nad&amp;gt;

Putzen  entstehenden  Trümmern  des  Nährgewebes  bestehen.  Selbstverständlich  enthalten ­
  diese  Abfälle  auch  noch  wechselnde  Mengen  der  Spelzen  beigemengt.  Be 1111
Polieren  und  Putzen  der  Hirsekörner  ballt  sich  ein  Teil  der  kleinen  ölreichen  Keiuj e
zu  Klumpen  zusammen  und  liefert  nach  dem  Abkratzen  von  den  Polierflächen  di 0
Masse  zu  den  Hirsekuchen;  diese,  wie  auch  das  Hirsefuttermehl  und  der  Polierstaub)
enthalten  16—20  °/ 0  Protein  und  ebensoviel  Fett;  sie  gleichen  daher  in  der  Zusammen
        <pb n="342" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Hirse.

319

Setzung  den  Abfällen  bei  der  Reis-Verarbeitung-  oder  übertreffen  diese  noch  im
Protein-  und  Fettgehalt.  Wegen  des  hohen  Protein-  und  Fettgehaltes  werden  die
Hirseabfälle  leicht  ranzig  und  schimmelig;  auch  trifft  man  in  ihnen  vielfach  den
Ausputz,  Milben  und  Sporen  des  Hirsebrandes  (Ustilago  destruens).
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  behufs  Unterscheidung  von
anderen  Getreidearten  sind  auch  hier  vorwiegend  Zellschichten  der  Spelzen  in  der
f  lächenansicht  maßgebend.

i.  Rispenhirse.  Für  die  Unterscheidung  der  Mahl-  bezw.  Schälabgänge  doi
ßispenhirse  kommen  vorwiegend  in  Betracht:
a)  Die  Oberhautzellen  und  das  bandförmige  Parenchym  der.Spelzen
(Fig.  84,  S.  318).  Die  Spelzen  der  die  2  mm  lange  Frucht  umschließenden  Eispenhirse
sind  bauchig  gewölbt,  meist  strohgelb,  lebhaft  glänzend,  spröde  und  lassen  nach
dem  Kochen  mit  Kalilauge  die  Oberhautzellen  erkennen,  die  zwar  Ähnlichkeit  mit  denen
des  Reises  und  der  Gerste  haben,  aber  zarter  und  nicht  spießförmig,  wie  beim.Reis,
sondern  schwungvoll  gebuchtet,  außerdem  viel  länger  als  breit  sind.  Auch  e  i  en
ihnen  die  rundlichen  Kieselzellen  und  die  Zwillingskurzzellen.  Die  Hypodermfaserzellen
  sind  zwar  einzeln  mit  spieß-  und  zahnförmigen  Auswüchsen  versehen,  aber
Von  zarterer  Struktur  als  bei  den  anderen  Getreidespelzen.  An  die  Hypodermfaser
Schließt  sich  als  dritte  besonders  kennzeichnende  Schicht  ein  großzelliges,  zusammengedrücktes ­
  Parenchym  an,  dessen  bandartig  dünne,  feinnetzig  getüpfelte  Zellwände
kettengliederartig  verschlungen  sind.
b)  Die  Fruchthaut  (Fig.  85,  S.  318).  Die  Fruchthaut  umgibt  nach  Art  der
^überbaut  des  Reises  den  Mehlkern  als  zartes,  weißes,  ablösbares  Häutchen,  dessen
Oberhaut  aus  zartwandigen,  tiefgebuchteten  Längszellen  mit  ziemlich  geraden  Quer  -
fänden  besteht.  Das  darunter  liegende  Parenchym  ist  verschiedenartig  gestaltet,
hat  teils  lange  und  kurze,  teils  gerad-  und  krummwandige  Tafelzellen,  unter  denen
( schlanken,  lückenhaft  verteilten  Schlauchzellen  liegen.
c)  Die  Stärkekörner  (Fig.  86,  S.  318)  sind  rundlich-polyedrischundö—16  fx  grob.
(Andropogon  Sorghum  var.  techn.  Koern.).  Bei  der  Besenman
  wie  bei  anderen  Hirsenarten  nach  A.  L.  Winton 1 )
indes  beim  Dreschen  abfliegt,  die  4—6  mm  langen  Hüll  -
deren  ganze  Oberfläche  mit  weichen  Haaren  dicht  besetzt  ist,  die  aber
° eim  Dreschen  und  Reinigen  des  Kornes  fast  ganz  entfernt  werden,  die  dünne
^Pelze  innerhalb  der  unteren  oder  Hüllspelze  als  Überbleibsel  einer  verkümmerten
f“ te ’  ebenfalls  mit  zahlreichen  Haaren  besetzt,  und  zuletzt  die  Vorspelze  eben-*
 alls  häutig  und  behaart  wie  die  dünne  Spelze.  Die  kennzeichnenden  Zellen  der
•Besenmohrhirse  sind;

rrmu  t. 2 '  ® esenm ohrhirse
die  D  rSe  untersch eidet
snti  ec kspelze,  welche

h  Düllspelzen.
stark  skl^ 6 -  äu ^ ere  Epidermis  (Fig.  87  aep  und  88  aep,  S.  320);  sie  besteht  aus
Kontur  ei " osierten  Zellen,  welche  zuweilen  so  lang  als  breit  sind  und  eine  wellige
1  aufweisen.
Schichten^' 6  ^P^erm  fasern  (Eig.  87  f  und  88  f,  S.  320),  von  welchen  mehrere
träe-t  n  '  &amp;lt;J1 ’handen  sind,  haben  dicke  Wände  und  enges  Lumen.  Ihre  Länge  bemm
  oder  auch  mehr.
ansicht  sind  Wamm P a renchym  (Fig.  88  p,  S.  320  und  89  p,  S.  321).  In  der  Flächen-Zwischenz
  &amp;gt;|i  - &amp;lt;lie  Zellen  dieser  Schicht  mehr  oder  weniger  rechteckig  mit  runden
räumen;  sie  ähneln  denen  in  den  Spelzen  des  Reises  und  der  Gerste,
schnitt  ist"d- ere  ( E P icl ®rmis  (Fig.  88  iep,  S.  320  und  89  iep,  S.  321).  Im  Quer-&amp;lt;
  lese  Schicht  nicht  leicht  zu  beobachten,  da  die  Eadialwände  gewöhnlich

')  Zeitsoh:

r.  f.

Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel

1903,  (i,  337.
        <pb n="343" />
        320

Futtermittel.

kollabiert  sind;  dagegen  erscheinen  in  Flächenpräparaten  die  größeren  länglichen
Zellen  (oft  0,15  mm  lang  und  0,05  mm  breit)  häufig  von  Spaltöffnungen  und  Haaren
durchsetzt  und  vollkommen  klar.

2.  Dünne  Spelze.
a)  Äußere  Epidermis  der  dünnen  Spelze  (Fig.  90,  S.  321).  In  der  Gesamterscheinung ­
  sind  die  Zellen  denen  der  äußeren  Epidermis  der  Hüllspelzen  ähnlich,
jedoch  enger  und  dünnwandig.  Die  Eandhaare  sind  lang  (oft  0,5  mm),  einzellig
und  zugespitzt,  doch  kommen  auch  kürzere  Haare  vor  mit  2  oder  3  Gliedern  und
stumpfen  Spitzen.  Diese  beiden  Formen  haben  außerordentlich  dünne  Wände.
b)  Die  innere  Epidermis  (Fig.  90  iep,  S.  321)  unterscheidet  sich  von  der
äußeren  durch  gerade  Wände  und  den  gänzlichen  Mangel  an  Haaren.

Fig.  87.  Besenmohrhirse,
aep  äußere  Epidermis  und  f  Faser  der
Hüllspelze  in  der  Flächenansicht.
(Yergr.  300.)  Nach  Winton.

3.  Caryopsis  (Fruchtschichten). ­
  Die  Zellen  a)  der
Epidermis  (Fig.  88  ep  und  91  ep,
S.  321)  sind  longitudinal  und  haben
dicke,  wellige  Wände,  welche  mehr
oder  weniger  deutliche  Poren  aufweisen. ­


W

Fig.  88.  Besenmohrhirse.  Querschnitt  der  Frucht  und
einer  Hüllspelze.  (Yergr.  160.)  Sp  Hüllspelze,  bestehend
aus  der  äußeren  Epidermis  aep,  der  Faserschicht  f,  dem
Schwammparenchym  p  und  der  inneren  Epidermis  iep*
g  Gefäßbündel,  sto  Spaltöffnung,  Fs  Perikarp,  bestehend
aus  der  Epidermis  ep  mit  der  Cuticula  c,  dem  Hypoderm
hy,  dem  stärkeführenden  Mesokarp  mes,  den  Querzellen  q
und  den  Schlauchzellen  sch,  N  Nucellarrest  oder  hyalin©
Schicht  mit  gequollenen  inneren  Wänden  s,  E  Endosperm»
bestehend  aus  der  Aleuronschicht  al  und  dem  mehlhaltigel 1
Gewebe  mit  Stärkekörnern  st  und  dem  Proteinnetze  a.
Nach  Winton.

b)  Das  Hypoderm  (Fig.  88  hy  und  91  hy,  S.  321)  besteht  aus  1—3  Zellschichten ­
  mit  etwas  dünneren  Wänden  als  bei  der  Epidermis.
c)  Das  stärkehaltige  Mesokarp  (Fig.  88  mes  und  91  mes,  S.  321)  wird  aus
dünnwandigen  Parenchymzellen  gebildet,  die  gewöhnlich  mit  kleinen  runden  oder
abgerundet-polygonalen  Stärkekörnern  (selten  über  0,006  jx)  gefüllt  sind.
d)  Die  Querzellen  (Fig.  88  q  und  91  q,  S.  321)  sind  gewöhnlich  lang  und
schmal  und  von  den  Schlauchzellen  oft  nur  durch  ihre  Querlage  zu  unterscheiden-Gegen
  die  Enden  des  Kornes  zu  sind  sie  jedoch  kürzer  und  von  unregelmäßiger  Forme)
  Die  Schlauchzellen  (Fig.  88  sch  und  91  sch,  S.  321)  liegen  im  rechten
Winkel  zu  den  Querzellen.  Sie  sind  ungefähr  0,005  mm  breit  und  erreichen  oft  eine
Länge  von  0,2  mm.
        <pb n="344" />
        321

Mikroskopische  Untersuchung.  Hirse.

f)  Der  Nucellarrest  oder  die  Hyalinschicht  (Fig.  88  N  und  91  N )  1S *
oft  0,03  mm  dick;  die  äußeren,  radialen  Wände  sind  dünn  die  inneren  jedocht  stark
verdickt;  in  der  Flächenansicht  sind  die  großen  Zellen  nie  nui  ’
sondern  auch  durch  ihre  gelbe  oder  braune  Farbe  bemer  iar.

-sto.

V  V  ^  |f  ij  ,,
Fig.  89.  Besenmohrhirse.  p  Schwammparenchym ­
  und  iep  innere  Epidermis  der  Hüllspelze ­
  in  der  Flächenansicht,  sto  Spaltöffnung,
v  f  Vergr.  300.)

;.  90.  Besenmohrhirse,
e  Spelze  (Fig.  88)  in  der
enausicht.  (Vergr.  160.)  aep
•e  Epidermis,  h  einzelliges
—  -zweizeiliges  Haar.

t  , n  aer  Flächenansicht.  (Vergr.  160.)  Bedeutung  der
««■«.  Besenmohrhirse.  Fruchtschichtenita* gg _  NacU  Winton.
Bnchstahen  wie  in
,  .  i  ,  88  al  und  91  al)  sind  gekenng)
  Die  Zellen  der  Aleuronschicht bis  0 ,04  mm  im  Durchzeichnet ­
  durch  erhebliche  Unterschiede  ihrer
messer)  und  ihrer  Form.  “H
Landwirtschaftliche  Stoffe,  8.  Auflage.

hy.  mes.
        <pb n="345" />
        322

Futtermittel.

h)  Die  Stärkekörner  des  mehlhaltigen  Endosperras  (Fig.  88  st,  S.  320)
sind  viel  kleiner  als  die  im  Inneren  des  Samens,  welche  zuweilen  einen  Durchmesser
von  0,03  mm  erreichen.  Sie  sind  gewöhnlich  scharf  polygonal,  mit  deutlichem  Kern
und  radialen  Spalten.  Die  Stärke  ist  von  einem  Netz  (Fig.  88  a,  S.  320)  kleiner  Proteinkörner ­
  umgeben,  welches  hei  Entfernung  der  Stärke  durch  Eeagentien  deutlich  sichtbar ­
  wird.  Bei  manchen  Exemplaren  verdrängen  diese  Proteinkörner  geradezu
die  Stärke.
Buchweizen.
Der  Buchweizen  (Polygonura  fagopyrum  I.)  ist  die  Frucht  einer  einjährigen
Kulturpflanze  aus  der  Familie  der  Polygonazeen,  welche  vorwiegend  im  nördlichen
Deutschland  auf  leichtem  Sandboden  oder  auf  abgebranntem  Moorboden  angebaut

Fig.  92.  Buchweizen.  Querschnitt  durch  eine  Fruchtkante,  in  Lauge  gequollen.  1  Oberhaut,  2  Sklerenchymschlcht,
  B  Parenchymschicht.  4  Innenepldermis,  5  Oberhaut,  6  Schwammparenchym  der  Saroenhaut,
  7  Aleuronzellen,  8  Stärke  führende  Zellen,  Fr.  Fruchtschale,  Sa  Samenhaut,  Al  Äleuronzellen,
St  Stärkezellen,  G  Gefäßbündel.  Nach  C.  Böhmer.
wird.  In  diesen  Gegenden  nimmt  der  Buchweizen  die  Stelle  einer  Getreidefrucbt
ein.  Auch  der  Buchweizen  wird  auf  Grütze,  Gries  und  Mehl  verarbeitet;  für  diesen
Zweck  muß  die  dunkele,  harte  Fruchtschale  und  die  Samenschale  entfernt  werden,
was  auch  hier  durch  Schäl-  und  Mahlvorrichtungen  geschieht.  Hierbei  wird  nux
ein  Abfall,  die  Buchweizenkleie,  gewonnen,  die  aus  den  verholzten  Fruchtschalen,
Samenhäutchen,  Teilen  der  Keime  und  des  Mehlkernes  besteht,  die  aber  bei  ihrem
hohen  Gehalt  an  Rohfaser  (33—35  °/ 0  Rohfaser,  9—11%  Protein,  2—3  %  l’ ett!
keinen  wesentlichen  Putterwert  besitzt.  Die  Buchweizenkeime  liegen  in  der  Mit te
des  Kornes;  nach  einem  besonderen  Mahlverfahren  soll  es  trotzdem  gelingen,  dies®
für  sich  zu  gewinnen;  für  ihre  Zusammensetzung  werden  43,75%  Protein,  8,40  /o
Fett  und  3,50  %  Rohfaser  angegeben.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  der  Mahlerzeugnisse  des  Bucü
weizens  ist  zu  bemerken,  daß  die  verholzten  Fruchtschalen  sich  nur  in  der  Kl® 16 ’
        <pb n="346" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Buchweizen.

323

nicht  (oder  höchst  vereinzelt)  im  Gries  und  Mehl  befinden.  Die  einzelnen
schichten  und  deren  Struktur  verhalten  sich  wie  folgt:  Frucht-1.
  Querschnitt  durch  eine  MM.WJ,  *  SÄ
schale  unterscheidet  man  4  Zellschichten,  die  Ober  (  )&amp;gt;

93.  Buchweizen.  Flächenansicht.
,  tzf örmig  verdickte  Oberhautzellen  1,
Z** 1  davon  mit  Farbstoff  f  erfüllt.  Steinzeilengewebe
  2  mit  Gefäßbündelrest  S  aus
e Ppenförmigen  Ring-  und  Spiralgefäßen.
Nach  C.  Böhmer.

.94.  Buchweizen.  Flächenansichten  der  Samenit
  und  der  Aleuronschicht.  5  wellig-buchtige,  5'
wach  gewellte  Oberhautzellen,  6  sternförmiges,
uerzellenförmiges  Schwammparenchym,  7  Aleuronzellen.
  Nach  C.  Böhmer.

Sklerenchymschicht,  sog.  Mittelschicht  (2),  ein«L^Häutchen  und  besteht  aus  2  Zelle
 Pidermis  (4).  Die  Samenhaut  bildet  ein  z.  ,g.  j&amp;gt; ara n  schließt  sich  eine
lagen:  der  Oberhaut  (5)  und  dem  Schwammparenchym  (b).
einreihige,  aus  unregelmäßig  polyednschen  e
bestehende  Aleuronschicht  (7)  und  ein  gro  ze  ig  &amp;gt;
dünnwandiges  Stärkeparenchym,  worin  der  S-formig
gebogene  Keim  liegt.  .
2.  Flächenansichten  (Fig.  93  und  Fig.  W-In
  der  Flächenansicht  sind  die  Oberhäute»!
(Pig.  93)  langgestreckt,  spiralig  netzförmig  vernc  ,
teilweise  mit  Farbstoff  (Fig.  93  1  f)  erfüllt;  ie ®
über  mehrreihigem,  prosenchymatischem  o  6  .
chym  von  porös  verdickten,  fest  ineinan  er  ve
keilten  und  mit  braunem  Farbstoff  gefüllten  ge  ame noberhaut  sind  langgestreckt
Bast-  und  Steinzellen.  Die  farblosen  Zellen  der  &amp;gt;  ‘  fferaden  Zellwänden  umschlossen,
und  von  durchweg  wellig-buchtigen,  zuwei  en  a  ,  ^  r ötlich-braun  gefärbt
Das  darunter  liegende  zartwandige  Schwammp
und  besteht  aus  unregelmäßig  sternförmigen  Zenei.  21*

„  ,  j  *
*  a  v
'ssa»*  ^  *.  ’
*  '  V*.
tS  _  ’  V  •  f
1  O  e

Fig.  95.  Buchweizen-Stärke.
Nach  J.  Möller.
        <pb n="347" />
        324

Futtermittel.

3.  Die  Stärkekörner  des  Buchweizens  (Fig.  95,  S.  323)  sind  sehr  kleine,
rundliche  oder  eckige  Körnchen  von  meist  0,004—0,006  mm  Durchmesser,  welche
oft  zu  stäbchenförmigen  Aggregaten  zusammengelagert  sind.
Von  der  ihr  ähnlichen  Reis-  und  Haferstärke  ist  die  Buchweizenstärke  durch
die  Größe  der  einzelnen  und  die  Form  der  zusammengesetzten  Stärkekörner  verschieden. ­
  Auch  besitzt  die  Buchweizenstärke  eine  Kernhöhle,  die  bei  der  Stärke
des  Reises  und  Hafers  weniger  oft  verkommt.  Reis-  und  Buchweizenmehl  erkennt
man  mit  Sicherheit  an  dem  vorhandenen  Silberhäutchen  des  ersteren  (Fig.  77  S.  313).
II.  Hülsenfrüchte.
Die  Hülsenfrüchte  unterscheiden  sich  von  den  Getreidearten  vorwiegend  durch
einen  viel  höheren  (2-  bis  3-mal  höheren)  Gehalt  an  Protein  (als  sog.  Legumin  vorwiegend ­
  dem  Globulin  angehörig);  die  einen  Vertreter  dieser  Gruppe  (Bohnen,
Erbsen,  Linsen,  Wicken)  führen  Stärke  und  sind  arm  an  Fett,  die  anderen  Vertreter
(Lupinen,  Sojabohnen)  sind  noch  proteinreicher  als  erstere,  außerdem  fettreich,  führen
aber  keine  Stärke.  Die  Samenkörner  sitzen  durchweg  in  einfächerigen,  zweiklappigen
  Hülsen,  sind  also  im  Gegensatz  zu  den  Schließfrüchten  der  Getreidearten
nackte  Samen.  Von  den  in  Deutschland  angebauten  Sorten  finden  die  Erbsen  eine
ziemlich  ausgedehnte,  die  Bohnen  (Acker-  wie  Schminkbohne)  und  die  Linsen  nur
eine  spärliche,  Wicken  und  Lupinen  gar  keine  oder  höchstens  in  Zeiten  der  Not
eine  Verwendung  zur  Mehlbereitung.  Die  Sojabohne,  die  vorwiegend  in  Japan  und
China  angebaut  wird,  erfährt  dagegen  eine  sehr  vielseitige  Verarbeitung  und  liefert
mannigfache  Abfälle, 1 )  die  bis  jetzt  aber  kaum  nach  Europa  gelangen.
Für  die  Beurteilung  der  Mahlabgänge  bei  den  Hülsenfrüchten  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß,  wie  bei  den  Getreidearten  die  Aleuronschicht  den  Mehlkern,  so  hier
ebenfalls  eine  proteinhaltige,  plasmatische  Schicht  den  Stärkekörper  umgibt,  daß
diese  aber  mit  den  Stärkezellen  so  fest  verwachsen  ist,  daß  sie  beim  Schälen  mit
ihnen  in  Verbindung  bleibt.  Aus  dem  Grunde  sind  auch  die  feinsten  Mehle  der
Hülsenfrüchte  reich,  die  Kleienabfälle  derselben  dagegen  arm  an  Protein,  während
es  bei  den  Getreidearten,  bei  denen  die  lose  den  Mehlkern  umschließende  Aleuronschicht ­
  abgeschält  werden  kann,  umgekehrt  ist.  Auch  lassen  sich  die  Hülsenfruchtsamen ­
  nicht  ohne  weiteres  vermahlen,  sondern  sie  müssen  erst  eingeweicht  oder  mit
Wasserdampf  gedämpft  und  dann  gedarrt  werden,  um  sie  entschälen  und  genügend
fein  mahlen  zu  können.  Auf  die  Samenschale  folgt  die  meist  farblose  Samenhaut,
welche  die  beiden  fleischigen  Keimlappen,  zwei  halbkugelförmige  Gebilde,  bedeckt,
welche  die  Stelle  des  Endosperms  bei  den  Getreidearten  vertreten,  während  von  dem
mächtig'  entwickelten  Keimnährgewebe  der  Getreidearten  bei  den  Hülsenfrüchten
kaum  bemerkbare  Reste  vorhanden  sind.
Mikroskopisch  erkennt  man  die  Hülsenfrüchte  an  den  nierenförmigen  Stärkekörnern ­
  (Erbsen,  Bohnen,  Wicken,  Linsen),  den  dickwandigen  Palissadenzellen,  den
eigentümlich  geformten  Säulenzellen,  der  Oberhaut  der  Keimlappen  und  den  getüpfelten, ­
  in  der  Nähe  der  Interzellularräume  meist  stark  verdickten  Zellen  der
Keimlappen.  In  den  zum  Zwecke  der  mikroskopischen  Untersuchung  mit  Mazerationsmitteln ­
  behandelten  Futtermitteln  erblickt  man  die  Zellen  und  Zellschichten
unter  dem  Mikroskop  in  Konglomeraten  neben-  und  übereinander  liegend.  Je  nach
ihrer  Lage  geben  sie  dann  ein  verschiedenes  Bild.  Meist  erblickt  man  sie  nicht,
wie  sie  in  Abbildimgen  gewöhnlich  dargestellt  werden,  in  der  Seitenansicht,  d.  h.
] )  Vergl.  des  Verfassers  „Chemie  der  menschl.  Nahrungs-  und  Genußmittel“,  1904,
II.  Bd,,  2.  Aufl.,  S.  562  und  ,788.
        <pb n="348" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Erbsen.

325

im  Querschnitt  des  Samens,  sondern  in  der  Tangential-  oder  Oberflächenansicht,
d.  h.  aus  der  Eichtung  der  Samenperipherie  nach  dem  Samenzentrum  hin  gesehen.  In
dieser  Lage  gehen  besonders  die  Palissaden-  und  Säulenzellen  und  die  Oberhaut
der  Keimlappen  wichtige  Merkmale  zur  Unterscheidung  der  einzelnen  Hülsenfrüchte,
Zur  Erläuterung  der  hei  allen  Leguminosen  ähnlichen  Stärkeform  kann  die
Linsenstärke  (Fig.,  99  S.  328)  dienen.

Erbsen,
Bei  den  Erbsen  unterscheidet  man  zwei  Arten:  die  weiße  Saat-  oder  Felderhse
  (Pisum  sativum  L.)  und  die  graue  oder  Ackererbse  (P.  arvense  L.)  mit  zalil-Fig.

  96.  Erbse.  (Vergr.  200.]
Querschnitt.
1  Palissadeuzelleu,  2  Säulenzellen,  3  Parenchymzellen,
4  Innen-Epitbel,  5  Oberhaut  der  Samenlappen,  6  Kotyledonargewebe,
  a  Cuticula,  b  getüpfelte  Membranen,
c  Verdickung  der  Interzellularräume,  d  Stärkekörner.

Nach  C.  Böhmer.
Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden ­
  Nummern  des  Querschnittes. ­


reichen  Spielarten.  Bei  der  Verarbeitung  der  Erbsen  zu  Mehl  und  daraus
stellenden  Dauerwaren  fallen  ah  die  Schalen  oder  Erbsen  me  (mit  ,  ,  /o
Protein  und  41—63  °/ 0  Rohfaser),  das  Erbsenkleienmehl,  d.h.  Schalen  gemengt  mi
dem  beim  Schälen  entstehenden  Erhsenhruch  (mit  11  19  /o  ' 0  llM&amp;lt;  “  °
Eohfaser)  und  Erhsenfuttermehl,  welches  beim  Halbieren  un  o  teren  er
schälten  Samen  gewonnen  wird  und  aus  Bruchstücken  es  oty  e  onargewe  es
Würzelchens  und  Knöspchens  besteht  (mit  21—26  / 0  I  rotem  un  —  j°,
faser);  an  Fett  sind  sämtliche  Abfälle  verhältnismäßig  arm,  sie  en  m  e
etwa  1,0—3,5°/ 0 .  „  ,
Diese  Abfälle  werden  selten  verfälscht,  dagegen  dienen  die  gemahlenen  Brbsenschalen
  seihst  häufig  zum  Verfälschen  anderer  Futtermittel,  so  der  Kleien  u.  a.
        <pb n="349" />
        326

Futtermittel.

Den  im  geschrotenen  Zustande  vertriebenen  Erbsen  können  ebenfalls  leicht  Erbsenschalen ­
  beigemengt  werden,  welche  Beimengung  durch  mechanische  Zerlegung  mittels
Siebens  (Nobbesches  Samensieb)  in  Schalen,  Bruchstücken  und  Mehl  festgestellt
werden  kann;  die  Erbsensamen  enthalten:
6,08—8,39  °/ 0  Samenschalen  und  93,92—91,61  °/ 0  Keimling.
Auch  ist  bei  dem  Erbsenschrot  besonders  auf  Schimmel  zu  achten.  In  den
eingeführten  indischen  Erbsen  sollen  auch  die  Samen  von  Cicer  arietinum,  Cajanus
indicus  und  Lathyrus  sativus  L.  Vorkommen,  denen  man  giftige  Eigenschaften  zuschreibt. ­

Für  die  mikroskopische  Unterscheidung  der  Bestandteile  der  Erbse
können  dienen:
1.  Die  Palissadenzellen  der  mattglänzenden  Samenschale  (Fig  96  No.  1,
S.  325);  sie  sind  60—100  fx  lang,  10—25  fx  breit;  sie  bilden  in  der  Flächenansicht  ein
zierliches  Netz  von  5-  bis  6-seitigen  Maschen,  in  der  Mitte  mit  rundlichem  Lumen
und  konzentrisch  strahlig  verlaufenden  Kanälen.
2.  Die  Säulenzellen  (Fig.  96  No.  2,  S.  325),  die  unter  den  Palissadenzellen  liegen
und  wegen  ihrer  eigenartigen  Gestalt  auch  Sanduhr-,  Träger-  oder  Becherzellen  genannt ­
  werden.  Sie  liegen  radial  um  den  Samenkern,  sind  seitlich  eingedrückt  bezw.
eigentümlich  eingebogen  und  durch  große,  kanalartige  Interzellularräume  getrennt.
In  der  Flächenansicht  erscheinen  sie  wie  bei  Bohnen  und  Wicken  rundlich-polygonal
mit  unregelmäßig  konzentrischen  Ringen.
3.  Das  Parenchym  (Fig.  96  No.  3  und  4,  S.  325)  bildet  den  Abschluß  der  Samenschale ­
  nach  innen  und  ein  aus  mehreren  Zonen  bestehendes  Gewebe,  in  dessen  derbwandigem
  Teil  sich  viele  Spiralgefäße  befinden.
4.  Die  Oberhautzellen  der  Kotyledonen  (Fig.  96  No.  5,  S.  325)  sind  zart,
in  der  Flächenansicht  lang,  gruppenweise  nach  verschiedenen  Richtungen  gestreckt,
schmal,  frei  von  Stärke,  enthalten  Plasma.
5.  Der  Samenkern  (Fig.  96  No.  6,  S.  325)  besteht  aus  einem  großzelligen,
derbwandigen,  getüpfelten  Kollenchym,  dessen  isodiametrische,  an  den  Interzellularräumen ­
  stark  verdickten  Zellen  in  einer  proteinhaltigen  Grundmasse  zahlreiche
Stärkekörner  führen.
6.  Die  Stärkekörner  von  15—60  /x  (durchweg  von  30—40  /x)  Länge
gleichen  denen  der  Wicken  (Fig.  99,  S.  328).
Sau-  und  Feldbohne.
Die  kleine  wie  große  Sau-  oder  Feldbohne  (Vicia  Faha  minor  L.  bezw.
major  L.)  werden  selten  auf  Mehl  verarbeitet;  als  menschliches  Nahrungsmittel  dient
vorwiegend  die  Schrainkbohne  (Phaseolus)  im  unreifen  Zustand  (Salat-,  Schnittbohnen)
und  im  reifen  Zustande  als  solche  oder  als  Mehl.  Die  große  Sau-  und  Feldbohne
wird  in  einigen  Gegenden  auch  gern  im  unreifen  Zustande  (frisch  und  eingemacht),
die  kleine  Feldbohne  vereinzelt  im  reifen  Zustande  genossen.  Aus  dem  Grunde
kommen  Kleienabfälle  von  Bohnen  oder  Verfälschungen  von  Bohnenschrot  mit  solchen
nur  selten  vor.
Der  anatomische  Bau  der  Bohnenarten  ist  im  wesentlichen  gleich  und
stimmen  die  Zelllagen  der  Bohne  mit  denjenigen  der  Erbse  überein,  jedoch  besitzen
die  Zellen  der  Bohnen  durchgängig  derbere  Struktur.  Die  leistenförmigen  Verdickungen ­
  der  Palissaden  verlieren  sich  an  dem  unteren,  den  Säulenzellen  zugekehrten
  Ende  ganz  und  machen  einem  braunen  Farbstoff  Platz.  Sie  sind  110  bis
300  fx  lang,  10—25  fx  breit;  in  der  Flächenansicht  sind  sie  5-  bis  6-seitig,  mit
        <pb n="350" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Sau-  und  Feldbohne.  Linse.

327

breiten  Porenkanälen  zwischen  den  leistenförmigen  Verdickungen  versehen.  Die
Säulenzellen  (Tangentialansioht  2  d  e  f  in  Fig.  97)  erscheinen  wie  diejenigen  der
Erbse  in  der  Tangentialansicht  3-fach  konturiert.  Das  großzellige  Keimlappengewebe
wird  von  einer  Oberhaut  bedeckt,  deren  tangential  gestreckte  Zellen  abweichend
von  denen  anderer  Leguminosen  in  der  Tangentialansicht  eigentümlich  wellig
konturierte  Begrenzungsfläehen  zeigen.  Die  Kotyledonen  führen  Stärke.

Fig.  97.  Saubohne.  (Vergr.  200.)
Querschnitt.
l  Palissadenzellen,  2  Säulenzellen,  3  Parenchym,
4  innere  Oberhaut  der  Samenschale,  5  Oberhaut  der
Kotyledonen,  6  Kotyledonengewebe,  a  Cuticula,  b  Lichtlinie. ­


Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden ­
  Nummern  des  Querschnittes. ­
  c  im  unteren  Teil
durchschnittene  Palissadenschicht,
d  unterer,  e  oberer,  f  mittlerer
Teil  der  Säulenschicht.

Linse.
Die  Linsen  (Ervum  Lens  L.)  werden  noch  seltener  als  Bohnen  auf  Mehl  verarbeitet; ­
  man  begegnet  daher  ihren  Abfällen  kaum;  sie  werden  meistens  im  ganz
reifen  Zustande  genossen.
        <pb n="351" />
        328

Futtermittel.

Bei  der  Linse  bemerkt  man  an  der  peripherischen  Begrenzungsfläche  der
zierlichen  Palissaden  (Länge  30—40  /x.  Breite  6  /x)  am  Querschnitt  wellige  Erhebungen. ­
  Die  Säulenzellen  erscheinen  in  der  Tangentialansicht  nur  2-fach  konturiert

Fig.  98.  Linse.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Querschnitt.  Tangentialansichten  zu  den
1  Palissadenzellen,  2  Säulenzellen,  3  Parenchym  der  Samenschale,  5  Ober-  entsprechenden  Nummern
haut  der  Kotyledonen,  6  Parenchym  der  Kotyledonen.  des  Querschnittes.

und  5-  bis  6-seitig  polygonal.  Die  Kotyledonen  werden  von  einer  aus  tangential
gestreckten  Zellen  bestehenden  Schicht  umgeben,  deren  Zellwände  nicht  durchbohrt
oder  wellenförmig  gebogen  sind,  ln  den  Keimlappen  befindet  sich  Stärke  (Fig.  99).

Fig.  99.  Unsen-Stärke.  Nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)

Die  Stärkekörner  der  Linse  wie  der  Hülsenfrüchte  (Erbsen,  Bohnen,  Wicken)
sind  gerundet  von  höhnen-  oder  nierenförmiger  Gestalt;  sie  haben  eine  spaltenförmige, ­
  rissige  Kernhöhle  und  eine  konzentrische  Schichtung.
Lupine.
Die  Lupinen,  von  denen  wir  vorwiegend  die  gelbe  Sorte  (Lupinus  luteus  L-),
weniger  häufig  auch  die  blaue  Sorte  (L.  angustifolius  L.)  anbauen,  werden,  wie
        <pb n="352" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Lupine.

329

schon  gesagt,  nur  in  Zeiten  der  Not  mit  zur  Brotbereitung  verwendet;  vereinzelt ­
  dienen  sie  auch  zur  Bereitung  eines  Kaffeeersatzmittels.  Wegen  ihres
Gehaltes  an  gerbstoffhaltigen  Bitterstoffen,  Alkaloiden  und  dem  mitunter  darin
auftretenden  anscheinend  enzymatischen  Gift  (Iktrogen)  sind  sie  aber  hierzu,
besonders  auch  zur  Fütterung  wenig  geeignet  und  wenig  beliebt.  Um  ihnen
die  unschmackhaften  hezw.  schädlichen  Bestandteile  zu  nehmen,  pflegen  sie  auf

Fig.  100.  Lupine.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Querschnitt  der  Lupine.
1  Palissadeuzellen,  2  Säulenzellen,  3  Parenchym  Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden
der  Schale,  4  Innenepithel,  5  Oberhaut  der  Samen-  Nummern  des  Querschnittes  der  Lupine,
lappen,  6  Parenchym  der  Samenlappen,  a  Cuticula,
h  Liohtlinie,  c  Farbstoff,  d  Gefäßbündel,  e  Proteinkörner.

verschiedene  Weise  enthittert  zu  werden,  nämlich  entweder  durch  längere  Behandlung ­
  mit  heißem  Wasser  oder  Einquellen  mit  Wasser,  einstündiges  Dämpfen
im  Wasserbade  und  Auswaschen,  oder  durch  Ausziehen  mit  schwefelsäurehaltigem
Wassser  und  Auswaschen  mit  Wasser  bis  zum  Verschwinden  der  sauren  Reaktion,
Darren  oder  Rösten.  Durch  das  Einquellen  in  Wasser,  Dämpfen  und  Auswaschen
gehen  die  Alkaloide  zu  93—95%  in  Lösung;  von  der  Trockensubstanz  gehen
15—20  %,  vom  Protein  3,0—4,5  %  gleichzeitig  verloren.  Aber  die  enthitterten
Lupinen  werden  nach  O.  Kellner  höher  verdaut,  als  die  nicht  enthitterten.
        <pb n="353" />
        330

Puttermittel.

Bezüglich  der  anatomischen  Unterscheidung  kommen  hei  der  gelben
Lupine  vorwiegend  die  mächtig  entwickelten,  110—300  fi  langen  Palissaden  der
Schale  durch  die  doppelwellenförmige  Biegung  des  basalen  Teiles  in  Betracht.
Auch  die  derben  und  dabei  englumigen  Säulenzellen  weichen  insofern  vom  Bau
der  korrespondierenden  Zellen  der  Buffbohne  und  Erbse  ab,  als  sie  im  basalen  Teil
keine  sehr  deutliche  Ausbiegung  zeigen  und  daher  in  der  Tangentialansicht  nur
2  Konturen,  die  obere  Ausbiegung  und  den  Schaft  der  Säulenzellen,  erkennen  lassen.
Kennzeichnend  ist  auch  die  Oberhaut  des  Kernparenchyms  (Fig.  100
No.  5,  S.  329)  in  der  Flächenansicht;  sie  besteht  aus  kleinen  regelmäßigen,  4-  bis
6-seitigen,  fein  getüpfelten  Zellen  mit  plasmatischem  Inhalt.
Die  sog.  Aleuronschicht,  welche  die  Keimlappen  umgibt,  fällt  durch  die
isodiametrischen  und  getüpfelten  Zellen  auf.  Innerhalb  der  großporigen  Membranen
der  Samenlappen  befinden  sich  an  Stelle  von  Stärke  nur  Proteinkörner.

Sandwicke,  Vicia  villosa  Roth.

Fig.  101.  Sandwicke.  (Yergr.  200. - )  Nach  C.  Böhmer.
Querschnitt.  Tangentialansichten  zu  den  ent-1
  Palissadenzellen,  2  Säulenzellen,  3  Parenchym  der  sprechenden  Nummern  des  Quer-Samenschale,
  a  und  b  Lichtlinien,  c  Farbstoff.  Schnittes.

Die  Zellen  der  Wicke  (Fig.  101)  zeichnen  sich  mit  denen  der  Linse  durch  zarte
Struktur  aus;  ihr  Bau  harmoniert  mit  dem  der  anderen  Leguminosen.  Die  schmalen,  nur
6  fi  breiten,  stäbchenartigen,  60—100  fi  langen  Palissaden  lassen  im  Querschnitt  am
peripherischen  Ende  warzenförmige  Erhöhungen,  weniger  deutlich  eine  doppelte
Lichtlinie  erkennen;  bei  den  dunkel  gefärbten  Wicken  enthalten  sie  einen  gelbbraunen
Farbstoff.  In  der  Flächenansicht  erscheinen  sie  5-  bis  6-seitig.  In  Querschnittlage ­
  fällt  das  breite  Lumen  der  Säulenzellen  in  die  Augen.  In  der  Flächenansicht ­
  erscheinen  sie  als  rundliche,  scheinbar  ohne  Interzellularräume  nebeneinander
stehende  Polygone,  deren  große  dunkle,  das  Lumen  darstellenden  Zentren  von  unregelmäßig ­
  konturierten  Seitenwänden  umgehen  sind.
Sojabohne,  Soja  hispida  Mönch.
Die  Palissadenschicht  der  Sojabohne  (Fig.  102)  setzt  sich  aus  kleinen  Zellen
(Länge  60—100  fi)  zusammen,  welche  kleiner  sind  als  die  darunter  liegenden  Säulen ­
        <pb n="354" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Rückstände  der  Ölbereitung.  331

zellen.  Diese  sind  radial,  außerordentlich  gestreckt  und  daher  bei  mazeriertem
Samen  oft  in  der  Querschnittlage  sichtbar.  Sie  fallen  durch  stark  verdickte  Längsund ­
  dünne  Querwände  auf.  Die  kapitälförmige  Ausstülpung  an  den  beiden  Längsenden ­
  scheint  wenig  ausgebildet  zu  sein.  Im  Parenchym  der  Keimlappen  befinden
sich  vornehmlich  Proteinkörner  und  Fett.

Fig,  102.  Sojabohne  (Querschnitt).  (Vergr.  200.)  1  Palissadenzellen,  2  Sänlenzellen,  3  Innere  und
äußere  Parenchymschicht,  4  hyaline  Streifen,  5  Oberhaut  der  Kotyledonen,  6  Parenchym  der
Kotyledonen.  Nach  Hanausek.
III.  Rückstände  der  Ölbereitung. 1 )
Die  Rückstände  der  Ölbereitung  bilden  zurzeit  die  weitverbreitetsten  Kraftfuttermittel. ­
  Ihre  Beschaffenheit  hängt  naturgemäß  von  der  der  Ölsamen  ab,  dann
aber  auch  von  der  Art  ihrer  Verarbeitung.  Auch  bei  den  Ölsamen  wird  in  ähnlicher
Weise  eine  Reinigung  vorgenommen  wie  bei  den  Getreidearten;  die  mit  Hülsen  (z.  B.
Erdnuß  usw.)  oder  dicken  Schalen  (z.  B.  Baumwollesamen,  hier  auch  Baumwolle)  versehenen ­
  Ölsamen  werden  durch  gefurchte,  sich  schnell  bewegende  Walzen  abgetrennt,  die
groben  Hülsenteile  durch  Rüttelsiebe,  die  feinen  durch  Exhaustoren  entfernt.  Die  Gewinnung ­
  der  öle  bezw.  Fette  geschieht  jetzt,  wenn  man  von  dem  ureinfachen  Ausschmelzen ­
  und  Auskochen  in  den  Tropenländern  absieht,  in  zweierlei  Weise,  nämlich  auf
mechanischem  oder  chemischem  Wege;  mechanisch  gewinnt  man  das  öl  entweder  durch
Zerquetschen  mittels  Stampf-  oder  Schlagwerke,  durch  Walzwerke  und  Kollergänge
oder  durch  Pressen  mittels  Keil-  und  hydraulischer  Pressen.  Hierbei  wird  der
Samen  bald  warm,  bald  kalt  gepreßt.  Bei  der  kalten  Pressung  gewinnt  man  weniger
aber  durchweg  reineres  öl,  auch  behalten  die  Preßkuchen  einen  höheren  Futterwert,
als  bei  der  warmen  Pressung.  Auch  wird  zum  Zwecke  des  Fressens  die  Preßmasse
in  wollene  Tücher  gegeben,  die  zum  Schutze  in  Preßtücher  von  Pferde-  oder
Kamelhaaren  oder  pflanzlichen  Fasern  eingehüllt  werden,  woraus  sich  das  vereinzelte ­
  Vorkommen  von  Wollfasern  oder  Haaren  in  Preßkuchen  erklärt.  Statt
der  wollenen  Tücher  werden  jetzt  auch  wohl  aus  Stahldraht  hergestellte  Kästen
angewendet,  wodurch  der  Preßrückstand  eine  fein  rauhkarrierte  und  wellig  gerippte
Oberfläche  annimmt.
l )  Unter  Berücksichtigung  einiger  neuen  Arbeiten  wesentlich  nach  den  früheren
Ausarbeitungen  von  Dr.  C.  Bö  hm  er,,  der  auch  die  meisten  Abbildungen  zu  diesem  Abschnitt ­
  geliefert  hat  (vergl.  auch  dessen  Handbuch  „Die  Kraftfuttermittel“,  Berlin  1903).
        <pb n="355" />
        332

Futtermittel.

Mitunter  wird  dem  Preßgut  (vorwiegend  Leinsaat)  auch  eine  Kochsalz-Lösung
  zugesetzt,  wodurch  die  Ölausbeute  erleichtert  und  erhöht  werden  soll.  Die
Preßrückstände  nehmen  infolge  solchen  Zusatzes  einen  höheren  Äschen-  bezw.
Kochsalz-Gehalt  an.
Bei  dem  chemischen  ölgewinnungs  verfahren  wird  das  öl  dem  zerkleinerten ­
  Ölsamen  durch  Lösungsmittel  wie  Schwefelkohlenstoff  oder  Petroläther
(Kanadol,  auch  Naphtha  genannt)  entzogen;  auf  diese  Weise  wird  mehr  und  reineres
öl  gewonnen,  die  Rückstände  sind  aber  fettarmer  als  die  Preßkuchen;  sie  enthalten
nur  2—4  %  Fett,  während  die  Preßrückstände  im  allgemeine])  7—10%  Fett  enthalten.
Leinsamen,  Linum  usitatissimum  L.
Der  Leinsamen  kommt  als  sog.  Schlaglein  und  als  Saatlein  in  den  Handel;
der  Schlaglein  wird  gewonnen  hei  der  Verwendung  der  Leinpflanze  als  Gespinstfaser, ­
  ist  also  unreife  Saat,  die  aber  beim  Lagern  so  weit  nachreift,  daß  sie  sehr
wenig  und  nicht  wesentlich  mehr  Stärke  enthält,  als  der  Saatlein  bezw.  reife  Leinsamen.
Der  Leinsamen  wird  im  zerkleinerten,  unentfetteten  Zustande  als  Futtermittel
verwendet  und  heißt  dann  Leinsamenmehl  (auch  wohl  Leinmehl),  dann  durch
Pressen  entfettet  als  Leinkuchen  oder,  wenn  diese  zerkleinert  sind,  als  Leinkuchenmehl ­
  oder  auf  chemischem  Wege  entfettet  (mit  durchweg  2—4°/ 0 Fett)  als
Leinmehl  bezw.  Leinschrot.
In  Leinkuchenmehlen,  die  unter  Zusatz  einer  gehaltreichen  Kochsalzlösung ­
  durch  Pressen  und  Zerkleinern  gewonnen  waren,  fanden  wir  hei  25,57  bis
31,60%  Protein  und  6,66—9,08  %  Fett  9,06—11,60%  Asche  mit  2,09—6,32%
Kochsalz.  Dieser  Kochsalzgehalt  ist  für  die  Fütterung  an  Großvieh  nicht  schädlich
—  Kälber  verweigern  unter  Umständen  die  Aufnahme  eines  solcherweise  hergestellten ­
  Leinmehles  ■—,  bedeutet  aber  bei  dem  geringeren  Preise  des  Kochsalzes
gegenüber  den  Leinpreßrückständen  für  den  Fabrikanten  einen  gewissen  Gewinn;
denn  das  Leinsamenmehl  und  die  entfetteten  Rückstände  sind  nicht  nur  wegen
ihres  Nährstoffgehaltes,  sondern  vorwiegend  wegen  ihrer  diätetischen  Wirkung,
welche  durch  den  Schleimgehalt  bedingt  ist,  geschätzt  und  werden  verhältnismäßig
viel  teurer  bezahlt  als  andere  Ölsamen  und  deren  Abfälle.  Sie  sind  daher  auch
nicht  selten  den  verschiedensten  Verfälschungen  ausgesetzt.  Als  Verfälsehungsmittel
  dienen  z.  B.  Kleie,  verdorbenes  Getreide-  oder  Futtermehl,  Reismehl,  Abfälle
der  Maisstärkebereitung,  Kaffeeschalen,  Kakaoschalen,  sonstige  Ölkuchen  wie  Erdnuß-,
Bucheckern-,  Rizinuskuchen  usw.
Weitere  Verfälschungen  bestehen  in  der  Beimengung  von  Mineralstoffen
und  Wasser  als  solchem  bis  zu  23  %.  Der  mitunter  beim  Anrtihren  von  Leinkuchen ­
  bezw.  Mehl  auftretende  Blausäuregeruch  kann  auf  einen  größeren  oder
geringeren  Gehalt  des  Leinsamens  selbst  an  Amygdalin  zurückgeführt  werden.
Bei  Entscheidung  der  Frage,  ob  ein  Leinkuchen  bezw.  Mehl  rein  oder  verfälscht ­
  ist,  muß  berücksichtigt  werden,  daß  der  Leinsamen  fast  stets  mehr  oder
weniger  natürliche  Verunreinigungen  enthält,  welche  durchweg  3-8%,  mitunter
aber  über  50  %  betragen.  So  fand  Aug.  Völcker  an  fremden  Sämereien  und  anderen
Unreinheiten  in  Leinsamen  von  Bombay  4,5  %  (gewöhnliche  Ware),  1,75  %  (feinste
Ware),  in  Lein  vom  schwarzen  Meer  (3  Proben)  12,  19  und  20%,  von  Odessa
12,5  %,  von  Morskanski  7  %,  von  Petersburg  beste  Ware  3  %,  gewöhnliche  41  %,
geringere  43,5%,  schlechteste  Ware  70  %,  in  Lein  von  Riga  gewöhnliche  Ware
35%,  gebrochene  Probe  42—49,5  %  Verunreinigungen.  Nach  E.  Haselhoff 1 )

ö  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  41,  60.
        <pb n="356" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Leinsamen.

333

schwankten  die  Verunreinigungen  in  russischer,  durchweg  von  Königsberg  aus
vertriebener  Saat  zwischen  6,62—55,09  °/ 0 ,  in  Leinsaat  aus  Südamerika  fand  er
3,35  °/ 0 ,  in  solcher  aus  Ostindien  0,86  und  in  solcher  aus  Mecklenburg  nur  0,46  °/ 0
Verunreinigungen.  Unter  diesen  Umständen  findet  man  in  den  Leinkuchen  bezw.
Mehlen  stets  mehr  oder  weniger  fremde  Bestandteile,  ohne  daß  man  gleich  auf  eine
absichtliche  Verfälschung  schließen  darf.  Zu  den  gewöhnlichen  Verunreinigungen
gehören  die  Samen  von  z.  B.  Brassica-,  Sinapis-,  Polygonum-Arten,  Spörgel,  Kornrade, ­
  Spitzwegerich,  auch  vereinzelt  Leindotter,  Grassamen  aller  Art  (Leinlolch,
Lolium  linicolum,  Setaria,  Hirse)  usw.
Aus  dem  Grunde  gilt  nach  der  Angabe  von  E.  Haselhoff  eine  Leinsaat  mit
4  °/ 0  Unkrautsamen  und  wenn  diese  zu  den  Ölsämereien  (Brassica-  und  Sinapis-Arten,
Leindotter  u.  a.)  gehören,  noch  mit  8  °/ 0  Unkrautsamen  als  börsenmäßig  lieferbar.
Nach  der  Ermittelung  der  Versuchs-Station  Wageningen  *)  gehen  von  den  häufig  im
Leinsamen  vorkommenden  Unkrautsamen  auf  je  0,05  g:
Camelina  sativa  Polygonum  lapathifolium  Pol.  Convolvulus  Galium  Aparine
Stück  Samen  46  16  13  4
oder  sie  betragen,  wenn  so  viel  in  6  g  Leinsaat  gefunden  werden,  1  °/ 0 .
Die  Anzahl  der  in  5  g  Leinsaat  vorhandenen  Unkrautsamen  wird  nach  Punkten
ausgedrückt,  nämlich:
Camelina  sativa  Polygonum  lapathifolium  Pol.  Convolvulus  Galium  Aparine
Punkte  .  .  2  6  8  26
und  wenn  die  Summe  der  so  erhaltenen  Punkte  100  überschreitet,  soll  der  Leinsamen
nicht  mehr  als  rein  bezeichnet  werden  können.
Je  nach  dem  Gehalt  einer  Leinsaat  an  Unkrautsamen  bezw.  je  nach  dem  Grade
der  Reinigung  unterscheidet  man  sehr  verschiedene  Marken  (1.,  2.  bis  gar  25.  Qualität)
und  kommt  es  wesentlich  auf  die  Art  und  Menge  der  Verunreinigungen  an,  ob
ein  Leinkuchen  bezw.  Mehl  als  rein,  verunreinigt  oder  verfälscht  zu  bezeichnen  ist.
Vielfach  dient  auch  die  Schleimbildung  mit  Wasser  zur  Beurteilung  der
Güte  eines  Leinkuchens  bezw.  Mehles;  man  rührt  5  g  der  Ware  mit  100  ccm
kochenden  Wassers  in  einem  Becherglase  zu  einem  Brei  an  und  beurteilt  durch
Vergleich  der  schleimigen  Beschaffenheit  dieses  Breies  mit  der  eines  Breies  aus  5  g
von  einer  sicher  reinen  Ware  die  Güte  der  fraglichen  Probe.  Auch  soll  sich
dieser  Brei  nach  dem  Erkalten  auf  Zusatz  von  Jodlösung  nicht  deutlich  blau  färben;
deutliche  und  allgemeine  Blaufärbung  läßt  auf  Zusatz  stärkereicher  Abfälle  schließen.
Sicher  aber  läßt  sich  die  Art  und  annähernde  Menge  der  Verunreinigung  nur  durch
eine  eingehende  mikroskopische  Untersuchung  nachweisen.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  teilt  man  das  Mehl  bezw.  den  gemahlenen
Kuchen  durch  Sieben  wie  oben  S.  286  u.  f.  zweckmäßig  in  zwei  Teile,  untersucht  den
abgesiebten  Teil  auf  Stärke,  den  gröberen  Siebrückstand  nach  Behandeln  mit  Säure
und  Alkali  auf  fremde  Schalenteile.  Die  Natur  einiger  Fragmente  läßt  sich  auch
schon  im  Abgesiebten  oder  im  Schlämmrüokstand  mit  Hilfe  der  Lupe  feststellen.
Bei  der  Behandlung  des  Siebrückstandes  mit  Säuren  und  Alkali  wird  das
zartwandige  Parenchym  der  Samenkerne  zerstört;  wenn  hierauf  wie  bei  etwa  vorkommenden ­
  großen  Mengen  fremder  Stärke  nach  der  Vorprüfung  mit  Jod  Rücksicht
genommen  werden  muß,  kann  man  nach  G.  Böhmer  eine  Probe  des  Leinmehles  mit
absol.  Alkohol  in  einem  Reagenzglase  oder  Zylinder  durchschütteln  und  stehen
lassen.  Es  scheiden  sich  die  schweren  Schalentrümmer  zuerst  ab,  während  sich  das
Parenchymgewehe  auf  diesen  ansammelt;  es  kann  abgehoben  und  nach  Verdunstung
des  Alkohols  für  sich  unter  dem  Mikroskop  untersucht  werden.

’)  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  41,  90.
        <pb n="357" />
        334

Futtermittel.

Für  die  Erkennung  des  Leinsamens  sind  zu  beachten:
1.  Die  5-  bis  7-seitigen  Epidermis-(Schleim)-Zellen  (Fig.  103,1);  sie  quellen
mit  Wasser  stark  auf  und  sondern  den  dicken,  zähen  Schleim  ab;  im  jugendlichen
Zustande  bestehen  sie  aus  Zellulosemembranen  und  enthalten  vereinzelte  Stärkekörnchen, ­
  im  reifen  Zustande  nicht  mehr.

Leinsamen.  Querschnitt.
1  Schleimzellen,  2  Parenchymzellen,
3  Sklerenchymzellen.  4  und  5  zusammengedrückte ­
  Testaschichten,  6  Pigmentschicht,
7  Endosperm,  a  Interzellularräume,  b  Proteinkörner, ­
  c  Öltropfen.

Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
Fig.  103.  Leinsamen.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.

2.  Die  kreis-  oder  ellipsoidischen  P  a  r  e  n  c  h  y  m  z  e  11  e  n,  die  durch  zahlreiche
Interzellularräume  getrennt  sind  (Fig.  103,  2  a).
3.  Die  langgestreckten,  stark  verdickten,  porösen  Faserzellen  (Fig.  103
No.  3),  die  an  den  Spitzen  fest  ineinander  verkeilt  sind  und  einen  braunen  Inhalt  führen-Die
  folgenden  Zellschichten  (Fig.  103  No.  4  und  5),  das  hyaline  Parenchym,
bieten  wenig  Eigenartiges,  dagegen  bilden
        <pb n="358" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Rückstände  von  Raps-  und  Rühsensamen.  335

4.  die  4-  Ms  5-seitigen  Tafel-  oder  Pigmentzellen  (Pig.  103,  6)  ein  sehr
wertvolles  Unterscheidungsmerkmal;  sie  enthalten  einen  dunkelbraunen  Farbstoff
und  erscheinen  Uber  oder  unter  den  polygonalen  farblosen  Endospermzellen  wie  in
einem  Netze  liegend;  ihre  Wände  sind  von  feinen  Porenkanälen  durchbohrt.  Das
parenchymatische  Endosperm  und  die  Kotyledonen  enthalten  zahlreiche  Proteinkörner
und  Öltröpfchen.  Stärkekörner  sind  nur  in  unreifen  Samen  aufzufinden.
Rückstände  von  Raps-  und  Rühsensamen.
Unter  Rapskuchen  (bezw.  Eübkuchen)  verstehen  wir  in  Deutschland  sowohl  die
aus  Eapssamen,  Brassica  Napus  oleifera,  und  zwar  die  aus  Winterraps,  Br.  hiemalis,
und  Sommerraps,  Br.  campestris,  als  auch  die  aus  Eübsensamen,  Br.  Eapa  oleifera,
(mit  ebenfalls  einer  Winter-  und  Sommerfrucht)  gewonnenen  Ölkuchen  bezw.  entfetteten
Rückstände.  Aus  dem  Grunde  hat  der  Verband  deutscher  landw.  Versuchs-Stationen
folgende  Vereinbarung  getroffen:
Ein  als  „Eäpskuchen“  bezw.  Eapskuehenmehl  ohne  Herkunftsangabe ­
  bezeichneter  Ölkuchen  darf  nur  die  Bestandteile  von  „Brassica
Napus“  oder  von  „Brassica  Eapa“  enthalten.
Diese  Begriffserklärung  ist  wichtig,  weil  auch  unter  der  Bezeichnung
„Indische  Rapskuchen“  Preßrückstände  in  den  Handel  kommen,  die  aus  anderen
Ölsamen  bezw.  Eapsarten,  nämlich  Sinapis  glauca  Roxb.,  S.  dichotoma  Roxb.  und
S.  ramosa  Roxb.  gewonnen  werden  und  über  deren  Gleichwertigkeit  mit  inländischem
Rapskuchen  die  Ansichten  geteilt  sind.  Auch  sind  die  Rapskuchen  mit  Unkrautsamen ­
  aller  Art  verunreinigt.
So  fand  H.  Heinrich  in  100  kg  Rapskuchen:

400  Korn

Kornrade,

Agrostemma  Githago.

3680

33

Wucherblume,

Chrysanthemum  segetum.

896

33

Knöterich,

Polygonum  lapathifolium.

212

33

Kornblume,

Centaurea  cyanus.

92

33

Weizen,

Triticum  vulgare.

240

„

Sauerampfer,

Rumex  aoetosa.

400

31

Melde,

Chenopodium  album.

644

33

Kleeseide,

Cuscuta  epithymum.

56

33

Blutkraut,

Polygonum  bistorta.

124

33

Sherardia,

Sherardia  arvensis.

40

33

Leinsamen,

Linum  usitatissimum.

36

33

Ehrenpreis,

Veronica  Chamaedris.

56

33

Wegebreit,

Plantago  lanceolata.

80

33

Valerianella  und

28  Korn  einer  Lolium-Art.

Am  häufigsten  finden  sich  Senfarten  und  Hederichsamen  (Eaphanus
Eaphanistrum),  welcher  letztere  vielfach  absichtlich  beigemengt  und  in  letzterer
Zeit  sogar  für  sich  gepreßt  als  Raps-,  Rübsen-  oder  unter  dem  einfachen  Namen
Ölkuchen  in  den  Handel  gebracht  wird.  Mitunter  verwendet  man  nur  den  Aus  putz
von  Ölsämereien  nebst  Kehricht  und  stellt  daraus  Preßkuchen  her.  Dieselben
kommen  aus  Süddeutschland,  aus  Ungarn  und  Rußland  in  den  Handel  und  enthalten
bis  14  °/ 0  Sand  neben  nur  wenig  Eapsbestandteilen.
Wenn  schon  die  reinen  Raps-  und  Eübkuchen  an  sich  wegen  des  Senfölgehaltes
  einen  scharfen  Geschmack  haben,  so  ist  dieses  um  so  mehr  bei  etwaigem
Gehalt  an  Sinapisarten  der  Fall  —  über  die  Bestimmung  des  Senföles  vergl.  S.  269  —.
Diese  Art  Rückstände  bewirken  bald  Durchfall,  Verkalkung,  usw.,  bald  verleihen  sie
der  Milch  einen  scharfen  Geschmack  usw.  Der  häufig  beigemengte  Unkrautsamen  des
Pfennigkrautes  soll  der  Milch  einen  Knoblauchgeschmaok  verleihen.  Eine  andere
        <pb n="359" />
        336

Futtermittel.

Verfälschung  soll  nach  Crispo  darin  bestehen,  daß  man  dunkelgefärbten  Ölrückständen ­
  dieser  Art  durch  Zusatz  von  Kalk  wieder  eine  schöne  grüne  Farbe  erteilt.
Verschimmelten  bezw.  verdorbenen  Raps-  und  Eübkuchen  sucht  man  unter
Umständen  durch  Zusatz  von  Gewürzsamen  bezw.  deren  Abfällen  wieder  den  würzigen
Geruch  des  echten,  frischen  Raps-  bezw.  Rühsenkuchens  zu  geben.  Mitunter  wird
durch  Pressen  von  Raps-  und  Rizinussamen  ein  Gemisch  von  Raps-Rizinusöl  hergestellt. ­
  Derartige  Preßrückstände  gelten  als  giftig  und  sind  nur  zur  Düngung  geeignet.
Die  mikroskopische  Unterscheidung  der  Brassica-  und  Sinapis-Arten
von  anderen  Samenarten  ist  nicht  schwer,  um  so  schwieriger  aber  ist  die  Unterscheidung ­
  der  Brassica-  und  Sinapis-Arten  unter  sich.  Von  den  6  Schichten  dieser
Samenarten,  nämlich:  1.  Epidermiszellen,  2.  äußerem  Parenchym,  3.  Palissaden-,
Becher-,  Stäbchen-Zellen  oder  Skiereiden,  4.  Farbstoffzellen,  5.  Aleuron-  oder  Proteinzellen, ­
  6.  dem  unter  den  Proteinzellen  liegenden  Innenparenchym  des  Nährgewehes
sind  nur  die  3  ersten  Zellschichten  und  darunter  besonders  die  Epidermisund
  Palissadenschicht  zur  Unterscheidung  geeignet.  Die  vieleckigen,  in  der
Flächenansicht  meist  5-  bis  6-seitigen  Epidermiszellen  gelatinieren  zum  Teil  in
Wasser  und  in  verdünnter  Alkalilauge  bei  den  einzelnen  Brassica-  und  Sinapis-Arten
  in  sehr  verschiedenem  Grade  und  bilden  oft  große  Mengen  Schleim;  in  anderen
Fällen  ist  die  Epidermis  gar  nicht  quellhar.  Die  darunter  liegende  äußere
Parenchymschicht  mit  inhaltleeren  Zellen  fehlt  bei  einigen  Arten  ganz  und
bietet  sonst  wenig  kennzeichnende  Unterschiede.  Dagegen  sind  die  nach  innen
folgenden,  radial  gestreckten,  meist  gelb  oder  braun  gefärbten  Palissadenzellon
für  die  Unterscheidung  um  so  wichtiger.  Sie  besitzen,  wie  C.  Böhmer  (1.  c.  S.  412)
ausführt,  das  Eigentümliche,  daß  im  Querschnitt  die  Verdickungen  je  zweier  Nachbarzellen ­
  zusammen  eine  radial  gestreckte,  im  oberen  Teil  nach  dem  Zelllumen  zu
beiderseits  schräg-dachförmig  absetzende  Palissade  bilden,  die  bei  einzelnen  Samenarten ­
  in  ungleicher  Höhe  absetzt  und  in  verschiedenem  Dickenverhältnis  zur  Weite
des  Lumens  steht.  Der  obere  Teil  der  Palissade  ist  also  hei  den  meisten  Samen
unverdickt  und  fadendünn;  zugleich  folgen,  wie  bei  Brassica  dissecta  und  Brassica
nigra  Koch  zu  ersehen  ist,  bei  ein  und  derselben  Samenart  lange  und  kurze  Palissaden
alternierend  aufeinander.  Da  die  peripherischen  Schichten  kollabiert  darüber  liegen,
so  bekommt  die  Oberfläche  der  verschiedenen  Samenarten  dadurch  einen  welligen,
netzig-grubigen  Verlauf.  Ist  der  obere,  unverdickte  seitliche  Teil  der  Palissaden
lang,  so  löst  sich  beim  Präparieren  der  ganze  obere  Zellverband  als  feines  Fadennetz
  leicht  ab;  sind  bei  anderen  Kruziferenarten  die  unverdickten  Zellwände  kurz,
so  kann  man  in  der  Fläche  ein  Fadennetz  nur  mit  Schwierigkeit  erkennen,  und
reicht  die  seitliche  Verdickung  bis  zum  oberen  Zellrand,  so  ist  ein  Fadennetz  überhaupt ­
  nicht  vorhanden.
C.  Böhmer  empfiehlt  daher  die  Ölkuchenmehle  dieser  Art  in  Wasser  aufzuweichen, ­
  mit  verdünnter  Alkalilauge  aufzukochen,  das  zarte  leichte  Keimparenchym
wiederholt  mit  Wasser  abzuschlämmen,  die  abgeschlämmten  Schalen  für  sich  auf
einer  Glasplatte  mit  einer  Unterlage  von  weißem  Papier  auszubreiten  und  zunächst
mittels  einer  Lupe  zu  untersuchen,  ob  sie  gequollen  oder  stark  verschleimt  sind,
ob  sie  eine  erkennbare  oder  gar  sehr  deutliche  Maschenzeichnung  aufweisen  und
welche  Farbe  sie  besitzen.  Bei  denjenigen  Kruziferensamen,  welche,  wie  z.  B.  dem
Raps,  keine  quellbare  Epidermis  besitzen,  gelingt  das  Abschlämmen  leichter  als  bei
den  mit  quellbarer  Epidermis  versehenen  Kruziferensamen.
C.  Böhmer  gibt  dann,  anlehnend  an  die  Gruppeneinteilung  von  O.Burchard, 1 )
folgende  Gruppenübersicht  zur  Unterscheidung  der  einzelnen  Kruziferensamen:

')  Journal  f.  Landwirtschaft  1896,  44,  340.
        <pb n="360" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Rückstände  von  Raps-  und  Rübseusamen.  337

A.  Die  Epidermis-  wie  auch  die  ä
I.  Die  Zellen  des  äußeren  Parenchyms ­
  sind  in  den  Ecken  kollenchymatisch
  verdickt  und  schließen
Interzellularräume  ein.
1.  Die  Palissaden  sind  farblos,  in  der  Fläche
ohne  Maschennetz.  Die  Schale  ist  glatt:
Sinapis  alba.
2.  Die  Palissaden  wie  Parbstoffzellen  enthalten ­
  einen  mattbraunen  Farbstoff;
erstere  sind  in  der  Flächenansicht  englumig;
  die  Schale  ist  zart  netzig-grubig:
Sinapis  disecta.
3.  Das  äußere  Parenchym  besteht  aus
großen,  sehr  deutlich  hervortretenden
Zellen;  die  Palissadenzellen  sind  niedrig
und  von  etwas  ungleicher  Höhe;  sie  bewirken ­
  eine  weitlumige  Maschenzeichnung: ­

Raphanus  Raphanistrum.
B.  Das  äußere  über  den  Palissadf
gedrückt  und  nach  der  Quellung  kaun
I-  Die  Epidermis  zeigt  im  Querschnitt ­
  starke,  schleimige  Quellung.
1.  Die  Palissaden  erscheinen  farblos.
a)  Samenschale  ist  glatt,  die  Palissaden  sind
in  der  Flächenansicht  ohne  Maschennetz ­
  u.  erscheinen  mit  sehr  schmalem,
ovalem  Zelllumen;  Farbstoff  der  reifen
Samen  in  den  strichförmigen  Lumina
violettsohwarz:
Sinapis  arvensis.
i&amp;gt;)  Samenschale  ist  rauh,  fein  grubig;
Brassica  trilocularis.
2.  Die  Palissaden  erscheinen  gelb  bis  braun
gefärbt.
a )  Die  Palissaden  sind  nur  bis  zu  1 / 3  bis
3 U  der  Höhe  verdickt,  sehr  schlank:
Brassica  carinata.
b)  Die  Palissaden  sind  überall  bis  fast  zur
vollen  Höhe  verdickt.
«)  Palissaden  kräftig,  stark  verdickt,
mit  großem  Lumen,  dunkelbraun,
ohne  Netzzeichnung:
Brassica  oleracea.
ß)  Oberfläche  der  Samen  grob  netzadrig, ­
  Palissaden  sehr  niedrig,
maschengezeiohnet.  Rötliche  Pigmentzellen: ­
  Brassica  juncea.
y)  Palissaden  etwas  gestreckter,  die
Lumina  deutlicher  erkennen  lassend,
im  Querschnitt  braun,  nicht  rötlich.
Schwache  Netzzeichnung:
Brassica  Besseriana.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

ußere  Parenchymschicht  sind  quellbar.
II.  DieZellen  des  äußerenParenchyms
  sind  im  allgemeinen  einschichtig, ­
  nicht  kollenchymatisch
verdickt  und  ohne  Interzellularräume. ­

1.  Die  Schale  ist  braun;  die  Netzzeiohnung
unter  dem  Mikroskop  zwar  kräftig,  aber
etwas  verschwommen;  Parbstoffzellen
mehrschichtig;  Brassica  nigra.
2.  Farbstoffzellen  sind  einschichtig;  sonstige ­
  Eigenschaften  wie  bei  der  vorigen
Art:  Brassica  japonica.

a  lagernde  Parenchym  ist  zusammensichtbar. ­

II.  Die  Epidermis  läßt  am  Querschnitt ­
  keine  schleimige  Quellung  erkennen. ­

1.  Die  Palissaden  sind  sehr  niedrig,  erscheinen
farblos  oder  gelblich,  zeigen  keine  Schichtung ­
  und  stehen  gedrängt  aneinander.
a)  Schale  glatt,  ohne  Netzzeiohnung,  die
Lumina  der  Palissaden  in  der  Flächenansioht
  auffällig  eng:
Brassica  glauca.
b)  Schale  fein  netzig-grubig,  daher
Maschenzeichnung;  Palissaden  wie  bei
Br.  Rapa,  aber  heller  und  glänzender,
Masohennetz  sehr  schwach:
Brassica  dichotoma.
2.  Die  Palissadenzellen  erscheinen  bräunlichgelb ­
  bis  braun,  sind  höher  als  die  unter  1.
a)  Palissaden  ähnlich  wie  bei  Br.  dichotoma, ­
  aber  dolchförmig,  sehr  deutliche
Maschenzeiohnung:
Brassica  ramosa.
b)  Palissaden  in  der  ganzen  Länge  verdickt, ­
  oben  abgerundet;  Lumina  derselben ­
  durchschnittlich  so  breit  wie
zwei  aneinanderstoßende  Zellwände;
keine  Masohenzeichnung,  daher  glatte
Schale:  Brassica  Napus.
c)  Lumina  der  Palissaden  viel  enger  als
die  Zellwände;  schwach  ausgeprägte,
aber  deutliche  Maschenzeichnung,  daher
feine,  grubige  Schale:
Brassica  Rapa.
22
        <pb n="361" />
        338

Futtermittel.

Winterraps,  Brassica  Jfapus  hiemalis  Dill.
Die  Unterschiede  von  andern  Samenarten  dieser  Gruppe  sind  schon  vorstehend
angegeben.  Der  Samen  ist  braun  bis  violettschwarz.  Die  Samenschale  ist  glatt;
die  Epidermiszellen  enthalten  keinen  Schleim,  bleiben  vielmehr  wie  das  äußere
Parenchym  hei  der  beschriebenen  Behandlung  bandförmig  dicht  Uber  den  Palissaden
liegen,  ohne  Zellteilung  erkennen  zu  lassen.

Winterraps.  Querschnitt.
1  Epidermis,  2  Parenchymschioht,  3  Stähchenschicht,
  3'  dünnwandiger  Teil  derselben,
4  Farbstoffsohlcht,  6  äußere,  6  Innere  Endospermschicht.


Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes,  a  Lumen  der  Epidermiszellen,
h  Öltropfen,  o  Proteinkörner.
big.  104.  Winterraps.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Die  Palissaden  (Fig.  104)  sind  im  Querschnitt  gleich  lang  und  zeigen  keine
oder  nur  eine  kaum  bemerkbare  Maschenzeichnung;  ihre  Lumen  sind  zum  Unterschied
von  anderen  Brassica-Arten  so  breit  und  mitunter  breiter  als  die  seitlichen  Doppelwände.
  Das  im  Querschnitt  dünne  Häutchen  der  beiden  obersten  Zclllagen  differenziert
sich  in  eine  in  der  Tangentialansicht  aus  5—6-seitigen  polygonalen  Zellen  bestehende
Epidermis  und  2—3  Reihen  tangentialer,  tafelförmig  gestreckter,  zartwandige 1
Parenchymzellen.
        <pb n="362" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Sommerrübsen.  Kohlsaat.  Erdnuß.

339

Sommerrübsen,  Brassica  Bapa  anuua  Koch-Metzger.
Der  Samen  des  Sommerrübsens  ist  kleiner,  die  Farbe  desselben  heller  (rötlichbraun)
  als  der  bezw.  die  des  Rapses.
Die  Zellstruktur  des  Sommerrübsens  ist  nahezu  übereinstimmend  mit  derjenigen
von  Brassica  Napus,  nur  die  der  StäbcbenscMcht  ist  ein  wenig  abweichend.  Die  Länge
der  Stäbchenzellen  (Fig.  105)  variiert  nämlich  in  ziemlich  regelmäßigen  Abständen ­
  um  eine  Kleinigkeit,  und  deshalb  erscheint  die  Schicht  in  tangentialer
Lage  über  den  längeren  Stäbchen  wie  von  einem  undeutlichen  Schattennetz  überzogen.
Gleichzeitig  sind  die  radialen  Zellwände  am  zentralen  oder  basalen  Teil  so  verdickt,
daß  die  Zelllumen  nahezu  verschwinden,  niemals  aber  den  Durchmesser  der  Doppelwandungen ­
  erreichen.

Sommerrübsen.  Querschnitt.
1  Epidermis,  2  Parenchymschicht,  3  Stäbchenschicht, ­
  4  Farbstoffschicht,  5  äußere,  6  innere
Endospermschicht.

Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
Fig.  105.  Sommerrübsen.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.

Kohlsaat,  Brassica  oleracea  L.
Die  Zellstruktur  von  Brassica  oleracea  (Fig.  106,  S.  340)  ist  derjenigen  von
Brassica  Napus  und  Eapa  sehr  ähnlich.  Die  Stäbchen  sind  gleich  lang,  der  seitliche,
unverdickte  Teil  der  Zellwände  ist  sehr  kurz,  auf  Querschnitten  kaum  bemerkbar;
auf  denselben  sind  kennzeichnend  die  hohen,  in  Wasser  stark  aufquellenden
Epidermiszellen.
Ober  die  in  Raps-  und  Rübsenkuchen  vorkommenden  Sinapis-  und  sonstige
Brassica-Arten  vergl.  weiter  unten  unter  „Unkrautsamen“.

Erdnuß,  Lrachis  hypogaea  L.
Die  Preßrückstände  der  zu  del1  .^'f^Krattf^ttenSttel^'^hren 11  botanischen
hypogaea  L.)  gehören  jetzt  zu  den  beliebtesten  Ki  j  ’  ,  Ab-Namen
  verdankt  die  Pflanze  dem  Umstande,  daß  der  Fruchtknoten  nach  dem  Ab
blühen  unter  den  Boden  eindringt  und  dort  zur  Reife  gelangt.  Die  Samen  liegen
        <pb n="363" />
        340

Futtermittel.

zu  zweien  in  einer  lederartigen  Hülse  (Fruchtkapsel);  nach  Abtrennung  der  letzteren
und  der  Samenschale  dienen  die  Samen  auch  zur  Darstellung  eines  Kaffeeersatzmittels ­
  (Erdnuß-  oder  afrikanischer  Nußbohnen-Kaffee)  oder  auch  im  entfetteten  Zustande ­
  als  Mehl  zur  Brot-  und  Zwieback-Bereitung;  durchweg  aber  werden  die  entfetteten ­
  Rückstände  als  Futtermittel  verwendet;  für  den  Zweck  muß  man  verschiedene
Sorten  unterscheiden.  Die  Beschaffenheit  der  Erdnußrückstände  ist  zunächst  schon
nach  dem  Ursprünge  der  Erdnüsse  verschieden.  Als  beste  Erdnüsse  gelten  die
aus  dem  nördlichen  Senegambien  (Rufisque,  Kapor,  Galam),  als  von  mittlerer  Beschaffenheit ­
  die  hiervon  südlicher  bis  zu  den  Bissagos-Inseln  gewachsenen  (Gambia,
Kazamanze,  Buma),  als  von  geringerer  Beschaffenheit  die  von  der  Sierra-Leona-Küste
  (Lagos).

Kolilsaat.  Querschnitt.
1  Epidermis,  2  Parenchym,  3'  dünnwandiger
Teil  der  Stäbchen,  3  Stäbchenschicht,
4  Farbstofischicht,  5  äußere,  6  innere
Endospermschicht.

Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
Fig.  106.  Kohlsaat.  (Yergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.  Zu  S.  339.

Weiter  aber  hängt  die  Beschaffenheit  der  Erdnußkuchen  wesentlich  von  der  Bearbeitung ­
  bezw.  dem  Entölen  ab.  Anfänglich  wurde  die  ganze  Frucht,  also  mit
Hülse  gepreßt,  d.  h.  auf  öl  verarbeitet;  weil  aber  die  so  gewonnenen  Rückstände  keinen
nennenswerten  Futterwert  besaßen  und  außerdem  auch  leicht  verschimmelten,  so  verwendet ­
  man  jetzt  nur  die  enthülsten  Samen  zur  Ölgewinnung.  Vereinzelt  gelangen
nur  noch  Bruchstücke  von  der  Hülse  (Fruchtkapsel)  mit  in  die  Preßrückstände,  und
kann  man  diese  an  den  langgestreckten  holzigen  Zellen  leicht  erkennen.  Aber  auch
bei  dieser  Art  Verarbeitung  unterscheidet  man  verschiedene  Sorten,  nämlich  ob
außer  den  Beimengungen  (Steinen,  Kohlen,  Wurzeln,  Nägeln,  Schmutz  und  Staub)
sowie  außer  den  Hülsen  die  rötliche  Samenhaut,  ferner  die  dicken,  zwischen
den  plankonvexen  Keimlappen  liegenden  Würz  eichen  mehr  oder  weniger  entfernt
sind  oder  nicht.  Die  Preßrückstände  der  von  letzteren  Bestandteilen  gereinigten
Samen  sind  die  besten  und  gehaltreichsten.  Das  öl  wird  meistens  durch  Auspressen
mittels  hydraulischer  Pressen  gewonnen;  nur  geringwertige  oder  vorgepreßte  Erdnüsse ­
  werden  mit  chemischen  Lösungsmitteln  behandelt.  Die  warm  gepreßten
Kuchen  und  auch  die  aus  nur  mangelhaft  von  der  Samenschale  befreiten  Samen
        <pb n="364" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Erdnuß,

341

wonnenen  Kuchen  haben  häufig  einen  rötlichen  Schein.  Für  die  Beurteilung  der
Beschaffenheit  der  Erdnußabfälle  kann  auch  die  chemische  Zusammensetzung  mit
dienen,  weshalb  dieselbe  hier  mit  aufgeführt  werden  möge;  es  enthalten  im  Mittel:
Bestandteile  der  Erdnuß:
Fruchthfilse  10,60
Samenschale  (Kleie)  .
Samen  (enthülst)  .  .
Erdnußkuchen
Unenthülst  ....
Wenig  entschält  .  .
Besser  entschält

Wasser

Stickstoffsubstanz ­


Fett

Stickstofffreie ­

Extraktstoffe

Rohfaser

Asche

°/o

°/o

°/o

°/o

°/o

°/o

10,60

7.10

2,26

18,25

61,80

3,00

8,20

7.68

3,50

22,98

53,20

4,50

7,48

27,52

44,49

15.65

2,37

2,49

11,11

30,71

9,04

19,38

23,43

6,33

11,01

45,63

7,29

25,43

5.81

4,93

10,66

47,63

7,99

23,75

6,01

4,87

9,65

48.82 1 )

7,67

27,39

4,04

4,43

Völlig  entschält  und  von  Würzelchen ­
  befreit  (beste  Sorte  aus
Eufisque-Samen) 1 )  ....
Mitunter  enthalten  die  Erdnußkuchen  größere  Mengen  Haare  von  den  Preßbeuteln: ­
  derartige  Ölkuchen  sind  mit  Recht  bei  den  Landwirten  weniger  beliebt,
weil  sie  leicht  zu  Verstopfungen  und  Zusammenballungen  im  Darm  Veranlassung
geben  können.  Aus  dem  Grunde  werden  entweder  die  mittels  Wollpreßbeuteln  aus
den  besseren  Sorten  Erdnüssen  gewonnenen  Kuchen  oder  das  zerkleinerte  und  gesiebte ­
  Mehl  vorgezogen.
Je  heller  im  allgemeinen  die  Erdnußkuchen  hezw.  -mehle  sind,  um  so  besser
pflegt  ihre  Beschaffenheit  zu  sein.  Gute  Kuchen  oder  Mehle  haben  einen  reinen
bohnenartigen  Geschmack.
Nicht  selten  wird  die  Aufnahme  von  Erdnußpreßrückständen  —  besonders  solcher
aus  Marseille,  die  auch  durchweg  viel  Sand  enthalten,  —  von  den  Tieren  verweigert; ­
  sie  sind  dann  meistens  aus  verdorbenen,  nicht  sortierten  Nüssen  gewonnen;
vielfach  werden  aber  auch  unverdorbene  Erdnußkuchen  anfangs  ungern  aufgenommen.
Cohn  und  Eidam  erkannten  unter  den  Mikroorganismen  der  Erdnußkuchen;
1.  Einen  gelben,  nicht  in  Europa  vorkommenden  Aspergillus,  der  dem  Aspergillus
flavus  nahe  steht,  welcher  in  Japan  auch  auf  dem  Reis  verkommt.  Dieser  Aspergillus  erscheint, ­
  wenn  mau  das  Erdnußkuchenmehl  mit  verhältnismäßig  recht  wenig  Wasser  anrühit,
so  massenhaft,  daß  er  nach  48—60  Stunden  eine  vollständig  gelbe  Decke  bildet.
2.  Einen  schwarzen  Aspergillus  (vielleicht  Aspergillus  niger),  der  in  Form  v(m
einzelnen  Flecken  zwischen  dem  vorigen  auftritt.  Rührt  man  das  Mehl  mit  etwas  Wasser
an  und  hält  es  feuchter  als  vorhin  unter  1,  so  bilden  sich  an  den  trocknen  Stellen  nur  die
eben  genannten  Pilze,  dagegen  an  den  feuchteren  ein  dichter  Rasen  von
3.  einem  dem  Muoor  stolonifer  (auch  Rhizopus  nigricans)  ähnlichen  Pilz,  dessen
Sporen  mitunter  schon  in  dem  ursprünglichen  Mehl  aufgefunden  werden  können.
4.  Mehrere  andere  Mucor-Arten  in  geringerer  Menge,  so  Mucor  circinellus  u.  a.
Unter  den  Spaltpilzen  konnten  Cohn  und  Eidam  ein  Bakterium  und  einen
Micrococcus  mit  Sicherheit  bestimmen.  M.  Gonnermann 2 )  züchtete  aus  einem
verdächtigen  Erdnußkuchen  10  verschiedene  Bakterienarten  und  einen  Sproßpilz.
Anacker  berichtet  Uber  einen  Fall,  wo  die  Verbitterung  von  Erdnußkuchen
Kolikanfälle  mit  Diarrhöen  zur  Folge  hatte.  Diese  Erdnußkuchen  sollen  Eizinusund
  Krotonöl  enthalten  haben.  Außer  mit  Rizinus  hat  man  Verfälschungen  mit
Reisraehl,  Reisschalen,  Gerstenspelzen,  Ausputz  der  Mehl-  und  Ölindustrie, ­
  Sonnenblumensaraen  und  Sägemehl  usw.  festgestellt.
Ö  Letztere  Brduußkuohen  enthalten  mitunter  bis  zu  59  °/ 0  Protein.
2 )  Chem.-Ztg.  1894,  18,  486.
        <pb n="365" />
        342

Futtermittel.

Bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  der  Erdnußkuchen  hezw.  des
Erdnußmehles  hat  man  zunächst  sein  Augenmerk  zu  richten  auf:

Erdnuß.  Querschnitt  durch  die  Samenschale.

Querschnitt  durch  den  Keimlappen.

Erdnuß.  Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
1  Epidermis,  2  Gefäßbündelschichten,  3  innere  Schalenoberhaut,  4  Keimlappen,  f  Poren,  g  Stärke,
h  Öltröpfchen,  i  Eiweißkörner,  A  Stärkekörner,  la  Steinzellen  mit  rotbraunem  Farbstoff,
b  Gefäßbündel  mit  Spiralen.

Fig.  107.  Erdnuß.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.

1.  Die  Samenschale,  welche,  von  zäher  Beschaffenheit,  den  mit  zwei  fleischigen
Keimblättern  versehenen  Keimling  lose  bedeckt  und  welche  sich  je  nach  der  geringeren
oder  besseren  Entschalung  in  größeren  oder  geringeren  Mengen  in  den  entfetteten
Rückständen  befindet.  Man  kann  sie  häufig  schon  durch  Sieben,  wenigstens  znffl
größten  Teile,  von  dem  feineren  Mehl  trennen  oder  nach  Behandlung  des  letzteren
        <pb n="366" />
        343

Mikroskopische  Untersuchung.  Erdnuß.

mit  sehr  verdünnten  Säuren  oder  Alkalilauge  ahschlämmen;  die  Samenschale
sich  dann  schon  hei  Betrachtung  mit  der  Lupe  durch  ihre  fuchsrote  Farbe  zu

gibt
er-Fig.

  108.  Erdnußhülse.  Langgestreckte  isolierte  Zellen.  Nach  Benecke.

kennen.  Von  den  3  Schichten  der  Samenschale  (Fig.  107,  Querschnitt),  der  äußeren
und  inneren  Epidermis,  sowie  der  Mittelschicht  ist  besonders  die  äußere  Epidermis
(Oberhaut)  durch  eigenartige  Zellen  ausgezeichnet.  Diese  sind  in  der  Flächenansicht

Fig  109.  Erdnußhlilse.  Nach  C.  Böhmer.
Zellgruppen  aus  den  Schichten  der  Fruchtschale,  in  der  Fläche  gesehen  1  äußere  Epidermis.  2,  2Min8  poros
und  netzförmig  verdickte  Zellen.  3  Skleroidenhündel,  hei  s  mit  ästigen  Verzweigungen.  4  treppentormig
verdickte  Gefäße  aus  einem  Gefaßhundelstrang.

(Fig.  107,  1)  scharfeckig,  5-  bis  6-seitig;  der  obere  Teil  der  Seitenwände  ragt  mit
lamellen-  und  leistenförmigen  Verdickungen  in  das  Lumen  hinein  und  umsäumt  dasselbe ­
  kammartig.  Dieselben  sind  eigentümlich  karamartig  porös  verdickt  und  führen
        <pb n="367" />
        344

Futtermittel.

zwischen  den  Lücken  einen  rotbraunen  Farbstoff.  Beim  Mazerieren  löst  sich  die
Epidermis  leicht  von  dem  darunter  liegenden,  von  zahlreichen  Spiralen  durchzogenen,
gelben  Schwammparenchym  (Fig.  107  2,  S.  342)  ab.  Den  Abschluß  der  Schale  nach
innen  bildet  ein  farbloses,  hyalines  Häutchen  (Fig.  107  3,  S.  342).
2.  Das  Parenchym  der  Keim!appen  zeichnet  sich  durch  seinen  Gehalt  an
runden,  der  Getreidestärke  ähnlichen  Stärkekörnern  aus,  die  5—15  /.i  groß  sind  und
mit  Jodlösung  Blaufärbung  zeigen.  Sonst  bieten  dieselben  nichts  Auffälliges.
3.  Die  Hülsen  der  Erdnußkerne  (Fig.  108  u.  109,  S.  343).  Selbst  bei  sorgfältiger ­
  Eeinigung  der  Erdnüsse  gelangen  einzelne  Teile  der  Hülse  mit  in  die  Preßrückstände;
  das  Vorkommen  von  Hülsenteilchen  in  größerer  Menge  zeigt  immer  eine
geringe  Beschaffenheit  der  Erdnußkuohen  bezw.  -mehle  an.  In  der  Flächenansicht  sieht
man  die  farblose  Epidermis  als  aus  dünnwandigen,  5-  bis  6-seitigen  Zellen  zusammengesetzt ­
  (Fig.  109  No.  1);  darunter  treten  deutlich  die  porös  bis  netzförmig  verdickten
Zellen  (Fig.  109  2,  2'  und  3)  hervor.  Die  Zellen  der  darunter  liegenden  Hornhaut  treten
erst  nach  anhaltendem  Kochen  mit  Alkalilauge  deutlich  hervor;  sie  erscheinen  alsdann
als  ein  dichtes  Gefüge  von  Skiereiden  und  Tracheiden  (Fig.  109  No.  3  und  4);  sie
führen  einen  braungelben  Farbstoff  und  sind  oft  ästig  verzweigt.  Die  Skiereiden  treten
durchweg  in  der  Lage  auf,  wie  sie  aus  Fig.  108,  S.  343  nach  Benecke  erhellt.
Eine  große  Ähnlichkeit  mit  dieser  Hornhaut  hat  auch  die  Pergamenthülle  der
Kaffeefrucht.
Bniimwollesamen,  Gossypium  herbaceum  L.
Mit  den  Entfettungsrückständen  der  Erdnuß  nehmen  die  des  Baumwollesamens
jetzt  den  ersten  Platz  als  Kraftfuttermittel  ein.  Als  Ausfuhrländer  der  entfetteten
Baumwollesamenrückstände  kommen  für  uns  vorwiegend  Nordamerika  in  Betracht,
in  geringerem  Grade  Mexiko,  Brasilien,  einige  afrikanische  Küstenländer,  Ägypten,
die  Levante  und  Ostindien.  Die  Beschaffenheit  der  Rückstände  hängt  weniger  von
der  Natur  der  verwendeten  Samen  als  der  Art  der  Verarbeitung  ab.  Zwar  sind
manche  Samen,  die  ungefähr  2 / 3  des  Gewichtes  der  nicht  entkernten  Baumwollekapsel ­
  ausmachen  (Ägypten),  nicht  mehr  so  fest  und  stark  von  Resten  der  Baumwolle ­
  eingehüllt  und  liefern  faserfreiere  Rückstände,  aber  bei  sorgfältigem  Reinigen
der  faserreichen  Samen  lassen  sich  aus  diesen  ebenso  faserfreie  Rückstände  erhalten.
Nur  selten  werden  die  faserfreien  Samen  entölt  und  als  schalenhaltige  Preßkuchen
vertrieben;  meistens  wird  die  anhängende  Wolle  mit  der  Schale  entfernt  und  der
gereinigte  Samen  nach  dem  Entölen  als  Baumwollesaatmehl  in  den  Handel  gebracht.
Der  eigentlichen  Reinigung  des  Samens  geht  wie  bei  allen  Ölsamen  eine  Vorreinigung
von  Steinchen,  Nägeln,  Samenkapseln,  Wollflocken  usw.  durch  Trommelsiebe  von
verschiedener  Maschenweite,  bezw.  durch  eine  dem  Exhaustor  ähnliche  Maschine
voraus;  darauf  folgt  das  Entwollen,  d.  h,  die  Entfernung  der  Wolle  von  den  Samen
mittels  einer  mit  geripptem  Leder  überzogenen  Walze  (Eollergin),  auf  welche  sich
beim  Drehen  die  Wollfäden  festlegen,  während  die  Kerne  durch  zwei  messerartige
Schienen  entfernt  werden.  Dem  Samen  haften  aber  nach  Verlassen  des  Rollergin
noch  Grundwolle  und  Wollteilchen  an,  von  welchen  er  durch  eine  weitere  besonders
eingerichtete  Walze,  die  Zylindersäge  (Unter),  gereinigt  wird.  Erst  dann  werden
durch  die  Schälmaschine  (hui  ler)  die  Samen  entschält  —  die  Entschalung  kann  durch
Dämpfen  oder  Kochen  der  Samen  unterstützt  werden  —,  die  Schalen  durch  Siebe
und  Trieure  entfernt,  der  schalenfreie  Samen  zerquetscht  und  schließlich  nach  dem
Erwärmen  durch  Pressen  entölt  —  die  Entölung  auf  chemischem  Wege  ist  selten  —■
Bei  wiederholter  oder  zu  starker  Erwärmung  nimmt  das  Baumwollesaatmehl
leicht  ein  dunkelgefärbtes  Aussehen  an.
        <pb n="368" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Baumwollesamen.

345

Aber  auch  das  aus  entwollten  und  entschälten  Samen  gewonnene  Baumwollesaatmehl
  ist  noch  nicht  frei  von  Schalen  und  Wolle;  um  es  von  den  letzten  Resten  dieser
zu  befreien,  wird  es  weiter  entweder  schon  in  Amerika  oder  in  den  Verbrauchsorten
selbst  durch  Sieben  gereinigt;  es  hängt  aber  ganz  von  der  auf  diese  Arbeit  verwendeten ­
  Sorgfalt  ab,  ob  dabei  Schalen  wie  Wolle  vollständig  entfernt  werden;
dieses  gelingt  für  die  Wolle  eher  als  für  die  Schalentrümmer.  Man  unterscheidet
je  nach  den  Reinigungsmühlen  z.  Z.  eine  große  Anzahl  verschiedener  „Marken“
Baumwollesaatmehl, 1 )  ohne  daß  die  eine  oder  andere  Marke  als  die  stetig  beste  in
der  Zusammensetzung  angesehen  werden  könnte.  Im  allgemeinen  gilt  die  Texas-Marke
  z.  Z.  als  die  proteinreichste  und  beste.  Die  Verschiedenheit  der  verschiedenen

Fig.  110.  Baumwollesamen.  inlialtleere  Zellen,
Querschnitt  1  Basis  der  Baumwollhaare  2  Gefaß . b “ n 41 ie „p e r i ;herie  aus,  4b  (Fig.  Ul)  Palissaden-•i
  Palissadenzellen,  4  a  (Fig.  111)  Palissadenzellen  von  der  ® a "'® n e P " r ^ 8toffschic ht,  a  Gefäßbündelstrang
zellen  vom  Samenzentrum  aus  gesehen,  5  Testaschicht,  ,  .p.  jjaumwollhaare.
mit  Spiralgefäßen,  h  Harzdrüse,  c  (Fig.  111)  Atemhohle,  d  (mg.

Erzeugnisse  aus  den  Baumwollesamen  erhellt  auf  folgenden  mittleren  Untersuchungs-Ergebnissen:

Baumwollesamen:
Nicht  entschält
Entsohält
Schalen
Wolle  (Abfall  vom  Sieben)  .
B  aum  Wollesamenkuchen  hezw.  Me
Unentschält
Faser-  und  sohalenhaltig
Faser-  und  sohalenfrei  .  .
l )  Vergl.  Deutsche  Landw.  Presse  1898,  25,  No.  13.

Wasser
“Io
.  9,29
.  8,28

Stlckstoffsuh
  stanz
°/o
19,09
29,55

Fett
°/o
19,95
27,23

Stickstofffreie ­

Extraktstoffe
°/o
23,41
24,07

Kohfaser
°lo
23,75
4,62

Asche
°lo
4,61
7,25

.  12,25

5,44

2,32

28,81

48,33

2,86

.  8,46

13.67

13,06

20.86

40,36

3,69

il:
.  11,86

24,25

5,82

30,74

20,95

6,38

.  8,76

43,66

14,20

20,84

5,38

7,06

.  8,22

47.75

14,85

20,42

3,51

5,25
        <pb n="369" />
        346

Futtermittel.

Selbstverständlich  sind  diese  Zahlen  großen  Schwankungen  unterworfen;  im
allgemeinen  schwankt  der  Gehalt  an  Protein  +  Fett  bei  den  weniger  sorgfältig  von
Schalen  und  Wolle  gereinigten  Baumwollesaatmehlen  zwischen  54—58,  bei  den
schalen-  und  faserfreien  Mehlen  dagegen  zwischen  58—64  °/ 0 .  In  der  letzten  Zeit

JTig.  111.  Baumwollesamen.  (Vergr.  200.)
Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes  (Flg.  110,  S.  345).
kommen  die  Baumwollesaatmehle  auch  stärker  entfettet  (mit  7—9  °/ 0  Fett)  in  den
Handel.
Verfälschungen  des  Baumwollesaatmehles  mit  Abfällen  fremden  Ursprungs
kommen  wohl  kaum  vor,  dagegen  ist  der  Zusatz  der  eigenen  Abfälle  (Schalen,  Wolle),
die  früher  zur  Feuerung,  Düngung  oder  Papierbereitung  benutzt  wurden,  nachdem
sie  fein  gemahlen  sind,  zu  Baumwollesaatmehl  neuerdings  versucht  worden.
        <pb n="370" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Baumwollesamen.

347

Mehr  aber  als  über  Verfälschungen  wird  über  häufige  schädliche,  ja  tödliche ­
  Wirkungen  des  Baumwollesaatmehles  Klage  geführt.  Am  empfindlichsten  sind
junge  und  tragende  Tiere  sowie  Schafe  gegen  Baumwollesaatmehl;  auf  alle  Fälle
empfiehlt  es  sich,  dasselbe  trocken  und  zunächst  nur  in  kleinen  Gaben  zu  verfüttern,
die  für  500  kg  Lebendgewicht  auf  höchstens  2  kg  im  Tage  gesteigert  werden  dürfen,
über  die  Ursache  der  giftigen  Wirkung  des  Baumwollesaatmehles  ist  bis  jetzt  nichts
bekannt;  pathogene  oder  gifterzeugende  Bakterien  konnten  bis  jetzt  ebensowenig
wie  giftige  Stoffe  als  solche  aufgefunden  werden.  Vielfach  neigt  man  der  Ansicht
zu,  daß  das  Baumwollesaatmehl  nur  indirekt  giftig  wirkt,  nämlich  bei  solchen

Querschnitt  durch  die  Spitze  eines  Samenlappens
und  durch  das  graue  Häutchen.
Fig.  112.  iUumwollesamen.  Nach  C.  Böhmer,
ransenzellcn.  8  Endosperm,  9  Keimlappen,  an  der  linken  Seite  mit  Aleuronkörnern  und  Öltröpfchen
ge  uilte  Zellen,  o  Oberhaut  der  Außen-,  o'  der  Innenseite,  p  Prismenzellen,  H  Harzdrüse  mit  etwas
Sekret.

1  nrior  Störung  des  Verdauungsvermögens
Tieren,  bei  denen  infolge  Unvollkommenheit  Me s  nicht  durch  die  regelrecht
die  Proteinstoffe  des  beigefütterten  Baumw  ‘  „ PT ,tonisiert  und  aufgenominen
für  gewöhnlich  abgesonderten  die
werden,  sondern  bei  denen  solche  im  V  “  des  Baumwollesaatmehles  giftige
Oberhand  gewinnen,  welche  aus  den  1  ro  ^  wirkungen  hervorrufen.
Stoffe  (Ptomaine)  erzeugen  und  aut  •  die  ^•  s0 ^ hem  Cholin  und  Betain  gen
  J er  Tat  hat  man  111  Ba ™r°  Z  Sd  von  denen  aber  das  Cholin  durch  Gefunden, ­
  die  an  sich  zwar  nicht  giftig  sind,  , t  von  p  j£ol.  Wasser
dation  leicht  in  das  giftige  Muskarin  oder  durch  Abspaltung  von
leicht  in  das  giftige  Neurin  übergehen  kann  «nmenschale  dem  seiden-Der
  Samen  der  Baumwollestaude  bes  e.  au  w  ^  die  g ’ amen  vor  der
glänzenden  Häutchen  und  dem  Keimli  g-
        <pb n="371" />
        348

Futtermittel.

Entölung  geschält  werden,  so  gelangen  doch  selbst  bei  dem  sorgfältig  gereinigten
Baumwollesaatmehl  stets  einzelne  Schalentrlimmer  mit  in  das  Mehl  und  diese  sind
für  den  mikroskopischen  Nachweis  besonders  wertvoll.
1.  Die  Samenschale.  Die  Samenschale  besteht  aus  6  Zellschichten  (vergl.
Fig.  110,  S.  345).  Die  gelblichen,  gegen  Mazerationsflüssigkeiten  äußerst  widerstandsfähigen ­
  keulenförmigen  Haarzellen  (110  1  und  Fig.  111  d)  sind  deutlich  geschichtet,
mit  dunkelbraunem  Inhalt  gefüllt  und  erscheinen,  durch  Mazerationsmittel  aufgehellt,
in  der  Tangentialansicht  polygonal,  zuweilen  im  Kreise  um  einen  gemeinsamen  Mittelpunkt, ­
  die  Atemhöhle,  gruppiert.  Mit  ihnen  innig  verwachsen  findet  man  die  parenchymatische,
  mehrreihige  schwarzbraune  Farbstoffschicht  mit  Gefäßbündeln  (2)  und
darunter  die  farblosen  bezw.  gelblichen  verholzten  Kubenzellen  (3).  Die  säulenförmigen ­
  Palissaden  (Prismenzellen)  liegen  nach  der  Mazeration  bündelweise  nebeneinander ­
  und  zeichnen  sich  durch  starken  Glanz,  starke  Verdickung  des  dünneren
Endes  und  die  gelben  Punkte  in  2 / g  ihrer  Höhe,  wo  ein  spaltenförmiges  Lumen
sichtbar  wird,  aus.  In  der  Flächenansicht  am  Scheitelende  zeigen  die  Prismen  ein
radial  gestreiftes,  sternförmig  verzweigtes  Lumen,  am  gegenüber  befindlichen  Basisende ­
  feine  konzentrische  Streifungen.  Die  weiteren  Zellschichten  5  und  6  bieten
wenig  Eigenartiges.
2.  Häutchen  (Fig.  112,  S.  347).  Das  zwischen  der  Testa  und  dem  Keimling
liegende  graue  Häutchen  besteht  aus  zwei  Zellschichten  (7  und  8),  von  denen  sich  die
obere,  äußere  (eine  Art  Perisperm)  aus  kennzeichnenden,  sehr  kleinen  Fransenzellen  (7),
die  untere  aus  in  der  Flächenansicht  5-  bis  6-seitigen  geradwandigen,  mit  Plasma
gefüllten  Endospermzellen  zusammensetzt.
3.  Keimling  (Fig.  112,  S.  347).  Auch  im  Gewebe  der  Kotyledonen  befinden  sich
eigenartige  Bestandteile.  Zwischen  den  polygonalen,  an  der  Innenfläche  der  Keimlappen ­
  gestreckten  Parenchymzellen  liegen  dunkle,  schon  mit  der  Lupe  erkennbare
Harzdrüsen,  die  sich  in  konzentrierter  Schwefelsäure  mit  blutroter  Farbe  auflösen.
Sesamsamen,  Sesamum  indicum  L.
Die  in  Deutschland  gangbaren  Sesamkuchen  werden  durchweg  aus  dem  weißen
(indischen)  Sesamsamen,  Sesamum  indicum  L.,  gewonnen,  die  braunvioletten  bis
schwärzlichen  Sesarasamen,  Sesamum  orientale  L.,  finden  nur  vereinzelte  Verwendung;
die  Preßkuchen  der  letzteren  gelten  als  nicht  so  nahrhaft  und  sind  nicht  so  gesucht,
als  die  der  ersteren  Samen.  Indes  findet  man  in  der  hellen  Saat  stets  kleinere
Beimengungen  der  dunklen  Saat.  Die  gemischte  Saat  enthält  bis  50  °/ 0  dunkle
Körner.  Diese  Saaten  (helle  wie  dunkle)  enthalten  z.  T.  aber  noch  vielerlei  Unkrautsamen ­
  und  auch  Erde  (Sand).  A.  Hebebrand 1 )  konnte  in  dem  Ausputz
von  gemischter  Saat  (mit  12  °/ 0  dunklen  Sesamsamen)  75  Arten,  H.  Kraut 1 )  in
solchem  von  Levantiner  Saat  79  Arten  Unkrautsamen  nachweisen.  Hebebrand
fand  in  100  g  Ausputz  aus  Levantiner  Saat  u.  a.:  5,8  g  Panicum  miliaceum,
1,2  g  Papaver  somniferum,  1,2  g  Sinapis  glauca  und  arvensis,  5,0  g  Hafer,  Koggen,
Weizen,  Gerste,  3,5  g  verschiedene  Samen,  M.  Klassert  ferner  27,70—74,63  °/ 0
Asche  mit  10,00—57,10  °/ 0  Sand.  Wegen  dieser  Beimengungen  wird  die  Sesamsaat
vor  dem  Pressen  erst  sorgfältig  gereinigt, 2 )  darauf  geschroten  und  in  hydraulischen
Pressen  einem  Druck  von  etwa  300  Atm.  ausgesetzt.  Die  ausgepreßte  Masse  unterliegt ­
  noch  zwei  Nachpressungen,  von  denen  die  letzte  unter  Erwärmung  auf  25—40°
’)  Landw.  Versuchs-Stationen  1899,  51,  45.
2 )  In  Sesamkuchen  aus  schlecht  gereinigter  Saat  sind  bis  15  °/ 0  Sand  gefunden  worden.
        <pb n="372" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Sesamsamen.

349

vorgenommen  wird.  Die  auf  letztere  Weise  erhaltenen  öle  sind  selbstverständlich
minderwertig.  Das  durch  kaltes  Pressen  gewonnene  öl  ist  das  feinste  und  ähnelt
wegen  seiner  neutralen  Beschaffenheit  selbst  dem  Olivenöl  im  Geschmack.
Die  Sesamkuchen  werden  mitunter  mit  Mohnkuchen  verfälscht,  indem  man
die  beiden  Samen  gemischt  preßt,  um  so  einerseits  dem  als  Speiseöl  geschätzten
Mohnöl  das  minderwertige  Sesamöl,  andererseits  den  gesuchteren  Sesamkuchen  die
weniger  beliebten  Mohnkuchen  beizumischen.  Auch  Raps-  und  Rizinuskuchen,  Hirse-,

Fig.  113.  Sesamsamen.  Nach  C.
Flächenansichten.  (Vergr.  200.)
1  a  Tangentialansicht  der  Epidenniszellen  des  weißen,  1b  des
schwarzen  Sesam,  bei  c  Proteinkörner  und  Drusen,  Calciumoxalat ­
  führend,  ic  dieselben  Zellen  nach  Behandlung  mit  verdünnter ­
  Lauge,  bei  c'  mit  dem  Basisende  nach  oben  gewendet,
2  subepidermale  Parenchymschicht,  «  Calciumoxalat-Drusen,  •*
desgl.  Nadeln,  Y  Fetttröpfchen.

Böhmer.
Samenschale,  Querschnitt.  (Vergr.  200.)
1  mit  braunem  bezw.  schwarzem  Farbstoff ­
  gefüllte  Epidermiszellen,  2  und  3
darunter  liegendes  farbloses  Parenchym, ­
  4  mit  Proteinkörnern  und  Fett
angefülltes,  dickwandiges  Parenchym
des  Endosperms,  bei  d  gequollen,  5  zartwandiges
  Parenchym  der  Keimlappen,
bei  e  kubische,  bei  f  prismatische
Zellen.

Eeisspelzen,  Getreideausputz,  Erdnußschalen  sind  vereinzelt  in  den  Sesarakuchen  gefunden ­
  worden.
Sehr  häufig  indes  finden  sich  in  den  Sesamkuchen  zahlreiche  Schimmelsporen
(besonders  eine  eigenartige  Monilia-Art),  Bazillen  und  Stäbchenbakterien.  Das  Fett
der  Sesamkuchen  enthält  durchweg  viel  freie  Fettsäuren.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  bezw.  Feststellung  der  Sesamrückstände ­
  ist  nur  das  dünne,  parenchymatische  Samenhäutchen  mit  den  Oberhautund
  subepidermalen  Zellen  von  Wert.
        <pb n="373" />
        350

Futtermittel.

Keimlappen  und  Endosperm  des  Sesams  bestehen  aus  einem  wenig  ausgeprägten ­
  Parenchym  farbloser,  teils  zusammengepreßter,  teils  kubischer,  teils
prismatischer  Zellen.  Um  das  Samenhäutchen  tunlichst  und  unverletzt  zu  erhalten,
muß  man  die  Sesamrückstände  mit  ganz  verdünnter  Essigsäure  —  nicht  Mineralsäure ­
  —  und  ganz  verdünnter  Alkalilauge  behandeln  oder  die  Schalenteile  in  Chloralhydrat
  legen.  Die  Epidermis  kennzeichnet  sich  in  der  Tangentialansicht  durch  die
kugelförmigen,  aus  Körnchen  oder  konzentrisch  strahlig  geordneten  Säulen  von
oxalsaurem  Calcium  bestehenden  Einlagerungen  der  5-  bis  6-seitigen  Zellen,  deren
zart  poröse  Membrane  bei  dem  schwarzen  Sesam  von  einem  schwarzbraunen  Inhalt
umkleidet  sind.  Die  Einlagerungen  treten  erst  nach  der  Behandlung  mit  sehr  verdünnter ­
  Essigsäure  und  Natronlauge  deutlich  hervor;  sie  müssen  auf  Zusatz  von
verdünnter  Salzsäure,  aber  nicht  von  konzentrierter  Essigsäure  verschwinden.
Zur  weiteren  Feststellung  der  Sesamrüekstände  kann  die  Baudouinsche
Reaktion  des  ausgezogenen  Fettes  mit  Furfurol  und  Salzsäure  dienen  (vergl.  unter
Margarine).
Palmkerne,  Elaeis  gnineensis  Jacq.
Die  Palrakernkuchen  werden  aus  den  Kernen  der  Steinfrucht  der  afrikanischen
Ölpalme,  Elaeis  guineensis  Jacq.  und  der  schwarzsamigen  Ölpalme,  El.  melanococca
Gaertn.  gewonnen.  Das  Fruchtfleisch  der  Palmfruoht  liefert  ebenfalls  ungefähr
10  %  eines  stark  gelbrot  gefärbten  Öles  (Palmöl),  welches  meist  schon  bei  gewöhnlicher ­
  Temperatur  zu  einem  schmelzbutterähnlichen  Fette  erstarrt  (Palmbutter); ­
  letzteres  wird  aber  in  den  Erzeugungsländern  der  Ölpalme  selbst  gewonnen
und  verwendet;  auch  gelangen  die  entfetteten  Rückstände  nicht  nach  Europa.
Die  den  Samenkern  umhüllende  Steinschale  B  (Fig.  114,  S.  351)  macht  ungefähr
%  vom  Gesamtgewicht  der  Frucht  aus;  sie  ist  sehr  rohfaserreich  (etwa  70  %)  und
proteinarm  (3  °/ 0 );  eine  Vermischung  der  Preßrückstände  des  Kernes  mit  der  Steinschale ­
  wird  sich  daher  schon  durch  eine  Bestimmung  der  Eohfaser  zu  erkennen
geben,  welche  bei  reinem  Palmkernkuchen  bezw.  -mehl  nur  18—23  %  beträgt.
Die  Palmkerne  werden  teils  durch  Pressen,  teils  durch  chemische  Extraktionsmittel ­
  entfettet;  erstere  Rückstände  enthalten  7—11%  Fett,  letztere  nur  2—4%;
das  Fett  der  letzteren  Rückstände  soll  leichter  ranzig  werden,  als  das  der  Preßrückstände. ­

Als  Verfälschungsmittel  sind  in  den  Palmkernrückständen  die  Abfälle  der
Steinnußverarbeitung  (die  Steinschalc  der  Frucht  von  Phytelephas  macrocarpa,  auch
vegetabilisches  Elfenbein  genannt)  beobachtet;  die  Steinschale  enthält  neben  wenig
Fett  (1—2%)  und  wenig  Protein  (4—5%)  viel  Eohfaser  (70—75%);  manche
Untersuchungen  ergaben  an  letzterer  allerdings  weniger.
Ferner  sind  im  Palmkernmehl  auch  Kapokmehl,  der  Rückstand  der  Samen  des
Wollbaumes  (Bombax  pentandrum  L.),  Abfälle  von  Hülsenfruchtmehl  und  Erdnußmehl
gefunden.  Die  Samen  zweier  polynesischen  Palmen,  die  Tahiti-  und  australische
Wassernuß  genannt,  sind  den  Palmkernen  auch  in  der  mikroskopischen  Struktur
gleich.  Unkrautsamen  können  in  die  Palmkernrückstände  nur  durch  absichtlichen
Zusatz  gelangen.  Dagegen  findet  man  als  wichtig  für  die  mikroskopische
Untersuchung  in  den  Rückständen  noch  immer  Trümmer  der  Steinschale,  von
der  sich  die  Samenkerne  nie  vollständig  befreien  lassen.
Die  äußerst  widerstandsfähigen,  porös  verdickten,  dunkelbraunen  Steinzellen  B'
der  den  Kern  umhüllenden  Steinschale  bewirken  im  Verein  mit  den  mit  dunkelbraunem ­
  Inhalt  gefüllten  Zellen  (2)  des  Samens  die  Färbung  der  dunklen  Teilchen,
die  man  mit  bloßem  Auge  in  allen  Palmkernmehlen  antrifft.  Ihr  Vorkommen  in
        <pb n="374" />
        '  Mikroskopische  Untersuchung.  Palmkerne,

351

Gesellschaft  mit  den  braungelben,  getüpfelten,  tangential  gestreckten  Zellen  (1)  läßt
auf  die  Gegenwart  von  Rückständen  der  Palmkerne  oder  Kokosnüsse  schließen.
Genauere  Entscheidung  hierüber  bringt  die  Struktur  des  Endosperms.  Das  Gewebe

desselben  besteht  aus  knotig  verdickten,  5  fx  dicken,  prismatischen,  unter  der  Samenschale ­
  isodiametrischen  Parenchymzellen,  in  denen  man  bei  starker  'Vergrößerung
deutliche  Tüpfel  beobachten  kann;  sie  schließen  viel  Protein  und  Fett  ein,  Fettkristalle ­
  sind  nur  mit  Schwierigkeit  aufzufinden.
        <pb n="375" />
        352

Futtermittel.

Kokosnuß,  Cocos  uucifera  L.
Die  Frucht  der  in  allen  Küstengebieten  der  Tropen,  auf  den  Inseln  des  Stillen
Ozeans  usw.  angebauten  Kokospalme  setzt  sich  aus  4  Teilen  zusammen,  die  sämtlich

Flg.  115.  Kokosnuß.
a  äußere  Frnchthaut,  b  Fruchtfleisoh-Faserschicht,  o  innere  Fruchtschale  (Stelnkem),  d  Samen,
e  Endosperm  des  Samens,  f  Höhlung  (in  der  frischen  Frucht  mit  Kokosmilch  gefüllt).

eine  Verwendung  finden,  nämlich  aus  etwa  30°/ o  Faser,  aus  der  Matten  und  sonstige
Gegenstände  angefertigt  werden,  aus  etwa  20  °/ 0  Steinschale,  die  zur  Anfertigung

Flg.  116.  Kokosnuß.  (Yergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Fläohenanslchten.  Querschnitt.  Flächenanslcht  der  Samenschale-1
  und  2  Schichten  der  Samenschale,  3  Endosperm,  c  Steinzellen.

von  Gefäßen  und  Knöpfen  dient,  aus  etwa  40  °/ 0  Samen  (Kopra  oder  Koppra,
Albumen  nebst  Samenschale  und  Keimling),  woraus  das  Fett  und  als  Rückstand  die
Kokoskuchen  gewonnen  werden,  und  aus  etwa  10  °/ 0  Milch  (im  Innern  des  Samens),
        <pb n="376" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Kokosnuß.  Mohnsamen.

353

die  im  Ursprungslande  direkt  als  kühlendes  Getränk  genossen  wird.  Um  die  Faserschicht ­
  von  den  Steinkernen  zu  entfernen,  wird  die  reife  Frucht  monatelang  in
Wasser  geweicht,  'geklopft,  gewaschen  und  der  entfaserte  Kern  an  der  Sonne  getrocknet. ­
  In  diesem  Zustande  gelangt  die  Kokosnuß  durchweg  zur  Ausfuhr.  Die
Steinschale  läßt  sich  nur  durch  Zerschlagen  mit  Steinen  oder  Hammer  oder  durch  Zersägen ­
  entfernen.  Die  von  der  Steinschale  befreite  Samenschale  wird  entweder  an  der
Sonne  (in  den  Tropen)  oder  künstlich  getrocknet  und  dann  in  üblicher  Weise  entfettet.
Verfälschungen  der  entfetteten  Rückstände  sind  ziemlich  selten;  vereinzelt
sind  Erdnußabfall  und  Steinnußmehl  beobachtet.  Jedoch  wird  das  Fett  der  Kokoskuchen ­
  leicht  ranzig;  auch  kommt  mitunter  havarierte  Ware  vor.
Die  Zellstrukt  ur  der  Kokosnuß  (Fig.  116,  S.  352)  entspricht  der  der  Palmkerne
(Pig.  114,  S.  351).  Auch  von  dem  Endokarp,  der  Steinschale,  gelangen  Reste  mit  in
die  Preßrückstände  des  Samens;  das  Gewebe  der  Steinschale  setzt  sich  wie  bei  den
Palmkernen  aus  langgestreckten,  stark  verdickten,  von  zahlreichen  Porenkanälen
durchzogenen  Steinzellen  zusammen,  deren  spaltenförmige  Lumina  mit  braunem
Inhalt  erfüllt  sind.  Nur  die  Endospermzellen  besitzen  schwächer  verdickte,  etwa
3  ,u  dicke  Zellwände  gegenüber  den  Palrakernen  und  enthalten  zwischen  zahh  eichen
Proteinkörnern  Bündel  von  Fettsäurekristallen.

Mohnsamen,  Papaver  somniferum  L,
Der  Mohnsamen  hat  je  nach  dem  Ursprung  sehr  verschiedene  Farbentöne;  der
ostindische  sieht  weiß  bis  bräunlich  aus,  der  deutsche  grau  und  blau,  der  russische
bläulich,  der  türkische  gelb  und  blau,  der  französische  blau;  aus  dem  Grunde  sehen
auch  die  Preßrückstände  der  Mohnkuchen  bald  hell  bald  dunkel  aus.  Im  Südwesten
Deutschlands  hält  man  die  dunklen  Mohnkuchen  für  geeigneter  zur  Fütterung;  die  hellen
(französischen  hezw.  indischen)  Mohnkuchen  sollen  eine  narkotische  (einschläfernde)
Wirkung  besitzen.  F.  Mach 1 )  konnte  indes  in  denselben  keine  Opiumalkaloide
Nachweisen;  nur  die  Kapselfragmente,  die  sich  in  der  ungereinigten  Saat  befinden,  enthielten ­
  Narkotin  (aber  kein  Morphin  und  Kodein).  Außer  der  einschläfernden  W  iikung
schreibt  man  den  Mohnkuchen  auch  zu,  daß  sie  Bullen  des  Geschlechtstriebes  verlustig
machen.  Ara  besten  eignen  sich  die  Mohnkuchen  als  Mastfutter  für  erwachsene  Rinder.
Verfälschungen  kommen  bei  Mohnkuchen  kaum  vor,  weil  sie  wegen  der  geringen ­
  Nachfrage  meistens  zu  den  verhältnismäßig  billigsten  Kraftfuttermitteln  gehören
und  daher  selbst  nicht  selten  zur  Verfälschung  anderer  teuereren  Futtermittel  (auch  der
Gewürze)  verwendet  werden.  Die  ausländischen,  besonders  die  ostindischen  Mohnkuchen
enthalten  häufig  Verunreinigungen  aller  Art  und  sind  nicht  selten  stark  verschimmelt.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  ist  folgendes  zu  bemerken;
Über  tafelförmigen,  mit  körnigem  Inhalt  gefüllten  Epidermisze  en  le  en
leistenförmige  Erhebungen  hervor,  welche  sich  in  geschlängelten  inien  zu
quadratischen  Figuren  vereinigen  und  die  feine  Äderung  des  Mohnsamens  bewirken
(M  in  Fig.  117,  S.  354).  Die  Samenschale  besteht  aus  6  Schichten,  von  denen  hauptsächlich ­
  die  dritte  und  fünfte  Schicht  kennzeichnend  sind.  Die  unter  der  Epidermis
liegenden  4-  bis  6-seitigen  Parenchymzellen  werden  wegen  ihres  sandig-körnigen
Inhaltes  Kristallzellen  genannt.  ,
Die  dritte  Schicht  wird  von  langgestreckten,  farblosen  oder  braunen,  lest
ineinander  gekeilten  Zellen  gebildet.  Quer  zu  diesen  liegen  poröse,  spindelförmig
gestaltete  Zellen.  Die  fünfte  eigenartigste  Schicht  wird  von  netzig-porbsen,  bei  den
dunklen  Samenvarietäten  mit  braunrotem  Farbstoff  gefüllten,  polygonalen  a  e  zc  en

’)  Landw.  Versuchs-Stationen  1902,
Land-wirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

57,  419.

23
        <pb n="377" />
        354

Futtermittel.

gebildet,  welche  Mer  und  da  übereinander  greifen  und  daselbst  in  der  Tangentialansicht
  das  Aussehen  einer  mehrreihigen  Schicht  besitzen.  Die  polyedrischen  Zellen
des  Endosperms  sind  mit  Fett  und  Aleuronkörnern  gefüllt.

Samenschale.

Endosperm.

Mohnsamen.  Querschnitt.
1—5  Samenschale.  6  und  7  Parenchym  von  Endosperm  und  Embryo.
1  Epidermis  mit  leistenförmigen  Erhebungen,  2  Kristallzellen,  3  Faserzellen,  4  Spindelzellen,
5  Pigmentzellen,  a  Übereinander  geschobene  Zellen  der  Färb  stoffschi  cht.

Flächenansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
Fig.  117.  Mohnsamen.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Da  in  den  Rückständen  des  Mohnsamens  stets  Bruchstücke  von  den  spröden
im  feuchten  Zustande  zähen,  schwammigen  —  Mohnkapseln  Vorkommen,  so
        <pb n="378" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Sonnenblumenkerne.

355

kann  auch  deren  Zellgewebe  mit  zur  Feststellung  der  Rückstände  dienen.  Dasselbe
besteht  aus  drei  Schichten,  nämlich:  1.  der  kleinzelligen,  stark  porös  verdickten
Außenepidermis,  deren  Zellen  mit  gelblich  bis  braun  gefärbtem  Inhalt  gefüllt  und  in
der  Flächenansicht  polygonal  sind;  2.  der  dicken,  großmaschigen,  von  zahlreichen
Gefäßsträngen  durchsetzten  Mittelschicht;  3.  der  stark  verdickten  inneren  pi  ermis
(inneren  Oberhaut),  deren  Zellen  tangential  gestreckt,  schwach  wellig  gebogen  sind,
durch  Kochen  mit  Lauge  schleimig  aufquellen  und  zwischen  denen  vereinzelt  kleine
Spaltöffnungszellen  liegen.

Fig.  118.  Mohnkapsel.  Nach  C.  Böhmer.
1  Oberhaut,  2  Mittelschicht,  3  innere  Oberhaut  mit  Spaltöffnungszellen, ­
  s  linke  Hälfte  mit  Lauge  verquollen,  rechte  Hälfte  mit
Wasser  aufgekocht.

Sonnenhlumenkerne,  Helianthus  ^, und  50 o^)  a us
Die  Sonnenhlumenkerne  (Früchtchen)  bestehen  450/  (rund  50°/ o )  Samendem
  Fruchtgehäuse,  Fruchtschalen  (Perikarp)  um  ^  entweder  durch  einfache
kernen.  Für  die  Ölgewinnung  werden  die  Fnic  s  ähnlich  wie  hei  der
Ouetschmühlen  und  Sieben  oder  besser 1 )  auf  einem  .  ^^  Samenkernen  in  üblicher
Entschalung  der  Hirse,  entfernt  und  aus  den  en  sc  ..  ^ er  j^urbt  ist  folgende:
Weise  das  öl  gewonnen.  Die  Zusammensetzung  aei

Sonnenblume:
Ganze  Frucht  .
kamenkerne
Schalen

Wasser
■  7.150/0
4,13  „
9,56  „

Stickstoff-Substanz

14,950/0
24,55  „
6,04  „

Fett
29,11%
49,65  „
6,44  „

Stickstofffreie
Extrakt  Stoffe
16,82  %
14,86  „
22,88  „

Rohfaser
28.65%
3,16  „
62,87  „

Asche
3,32%
3,75  „
2,21  „

“eben  (entschält)

•  9,94,,

34,66  „

14,53  „

22,29  „

12,60  „

6.68  „

Wrgl.Th.K
ebenda  1902,  57,  305.

osutany,  Landw.  Versuchs-Stationen  1893,  43,  255,

und  E.  Windisch,

23*
        <pb n="379" />
        356

Futtermittel.

Die  Preßrückstände  der  Kerne  der  Sonnenblume  sind  meistens  sehr  dicht  und
daher  sehr  haltbar.  Sie  geben  mit  kochendem  Wasser  eine  schleimige  ölige  Masse,
welche  die  diätetische  Wirkung  des  Leinsamenschleimes  besitzen  soll;  nachDammann
sollen  sie  mitunter  Opium-ähnliche  Alkaloide  enthalten,  welche  betäubend  wirken.
Der  Futterwert  der  Sonnenblumenkernkuchen  hängt  wesentlich  von  ihrem  Gehalt ­
  an  Schalen  ab,  denn  diese  beeinträchtigen  wegen  ihrer  holzigen  Beschaffenheit ­
  die  Ausnutzung  und  wegen  ihres  Gerbstoffgehaltes  die  Schmackhaftigkeit. ­
  Den  Gehalt  an  Schalen  kann  man  aus  dem  Gehalt  an  Eohfaser  ermessen;

£Fig.  119.  Sonnenblumenkerne.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Querschnitt.  1  Epidermis,  a  Haare  derselben  bei  b  gepaart,  2  subepidermale  Parenchymschicht,
3  Sklerenchymbündel,  3'  Markstrahlen  ähnliches  Gewebe,  c  pechartiger  Farbstoff,  4  dünnwandiges
Parenchym,  d  Gefäßbündel.

letzterer  soll  nur  10—15°/ 0  betragen.  Eigentliche  Verfälschungen  sind  bei  diesen
Ölkuchen  kaum  beobachtet;  als  zufällig  beigemengte  fremde  Samen  werden  genannt:
Eaps,  Eübsen,  Senfarten  und  Leinsamen  mit  seinen  Begleitern.
Die  Zellstruktur  der  Sonnenblumensamen  ähnelt  sehr  derjenigen  der  Madiaund
  Nigersamen.  Die  Fruohtschale  der  Sonnenblumenkerne  erkennt  man  an  der
farbigen,  mit  zahlreichen  einzelligen,  gewöhnlich  zu  Paaren  nebeneinanderstehenden
Haaren  besetzten  Epidermis.  Im  porösen  Parenchym  (2)  befindet  sich  ein  pechartiger
  Farbstoff,  durch  welchen  in  der  Flächenansicht  die  Sklerenchymbündel
schildpattähnlich  hervorleuchten.  Im  Innenparenchym  lagern  Bast-  und  Holzzellen
sowie  Spiralgefässe  führende  Gefäßbündel.
        <pb n="380" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Hanfsamen.

357

Handelt  es  sich  um  fruchtschalenfreie  (Mehl-)  Rückstände,  so  lassen  sich  dieselben
an  dem  von  Spiralgefäßbündeln  (e)  durchsetzten  Schwammparenchym  (5  und  6)
erkennen.

Fig.  120.  Sonnenblumen  kerne.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer,
jfo  ,  Tangential  anslohten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
•  &amp;amp;  und  6  Schichten  der  Samenschale,  e  Gefäßbiindel  derselben,  7  polygonale  Endospermzellen.

Hanfsamen,  Cannabis  sativa  I.
zu  w  ^ an ^ sanien  pflegen  vor  dem  Pressen  mehr  oder  weniger  stark  geröstet
sind  r  ^  W0&amp;lt; * urc * 1  sie  ein  dunkles,  mitunter  verkohltes  Aussehen  annehmen.  Auch
Sle  Achter  und  mehr  als  andere  Ölkuchen  dem  Verschimmeln  ausgesetzt.
        <pb n="381" />
        358

Futtermittel.

A.  Lemcke 1 )  fand  unter  den  Schimraelarten
seltener  Mucor  mucedo  L.  und  Aspergillus

Flg.  121.  Hanfsamen.  Querschnitt.  (Yergr.  200.)
1  Epidermis  i
2  Gefäßbündelschicht  ;  der  Eruchtschale,
3  Palissaden  )
4,  5  und  6  darunter  liegende  Schichten  der  Samenschale
und  des  Endosperms.

vorwiegend  Penicillium  crustaceum  L.,
flavescens,  Aspergillus  niger,  Mucor
spinosus,  bei  starker  Verschimmelung ­
  Phycomyces  nitens,  in  2  Fällen
auch  Thamnidium  elegans  Link.
Vielleicht  verursachen  die  Hanfkuchen ­
  vorwiegend  wegen  ihrer
schimmeligen  Beschaffenheit  Durchfall, ­
  Abortus,  schlechten  Buttergeschmack ­
  usw.
Auch  schreibt  man  den  Hanfkuchen ­
  nach  andauernder  und
starker  Verfütterung  erschlaffende
und  narkotische  Wirkungen  zu.
Sie  sollen  daher  nicht  an  Zuehtund
  Jungvieh,  sondern  nur  an
Mastvieh  und  zwar  zu  höchstens
1,0  kg  für  500  kg  Lebendgewicht
verfüttert  werden.
Weil  die  Hanfkörner  vor
dem  Entölen  nicht  geschält  werden,

Flg.  122.  Hanfsamen.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Flächenansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.

so  enthalten  die  Hanfkuchen  durchweg  viel  Rohfaser,  nämlich  20—25  °/ 0 ,  neben
28—33  °/ 0  Protein  und  8,0—15,0  °/ 0  Fett.
J )  Landw.  Versuchs-Stationen  1901,  55,  161.
        <pb n="382" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Candlenuß.  Nigersamen.  359

Als  Verunreinigungen  kommen  nicht  selten  Unkrautsamen  aller  Art
und  Sand  (0,5—1,5  °/ 0  und  mehr),  auch  kommen  Mischkuchen  im  Handel  vor,
bestehend  aus  Mischungen  von  Hanf-,  Dotter-,  Raps-,  Senf-  und  Sonnenhlumensamen.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  der  Hanfsamenrückstände  ist  zu
berücksichtigen,  daß  die  graubraune,  netzadrige  Fruchtschale  in  den  Rückständen
verbleibt  und  in  den  Zellschichten  1,  2,  3  und  4  kennzeichnende  Merkmale  besitzt.
Die  Oberhaut  besteht  aus  gebuchtet  sternförmigen,  mehr  oder  weniger  stark  verdickten, ­
  farblosen,  hornartig  erhärteten  Zellen,  die  von  zahlreichen  feinen  Poren
durchsetzt  sind  und  mit  ihren  Ausbuchtungen  polypenartig  ineinandergreifen.  Auf
ihrer  Unterseite  liegen  in  einem  chlorophyllhaltigen  Parenchym  zahlreiche  Spiralgefäßbündel, ­
  welche  die  feine,  mit  bloßem  Auge  bemerkbare  Äderung  der  Schale
bewirken  (Fig.  121).  Die  Palissaden  (3)  sind  im  Querschnitt  knotig  verdickt,  zeigen
deutliche  Schichtung  und  erscheinen  in  der  Oberflächenansicht  nach  genügender
Mazeration  sternförmig  mit  kreisrundem  Lumen;  ihre  zahnförmigen  Ausbuchtungen
greifen  kammradartig  ineinander.  Ganz  ähnliche  Zellen  besitzen  gewisse  Knötericharten ­
  und  andere  Samen;  man  muß  deshalb  zur  Diagnose  auch  die  chlorophyllhaltigen,
  porösen  Zellen  (4)  des  Samenhäutchens  zu  Rate  ziehen,  welche  in  der
Flächenansicht  reihenweise  nebeneinander  liegen  und  zahnförmig  begrenzt  sind.
Der  unter  dem  Samenhäutchen  liegende  weiße,  aus  zwei  großen  Samenlappen  nebst
Würzelehen  und  Knöspchen  bestehende  Kern  ist  stärkefrei.

Candlenuß,  Aleurites  triloba  Forst,
(Siehe  Fig.  123,  S.  360.)
Die  Rückstände  der  Candlenuß  oder  Bankulnuß,  der  fleischigen  Kapselfrucht
v ° n  Aleurites  triloba  F.,  welche  kalt  (zu  Speiseöl)  oder  warm  (zu  Brennöl  usw.)  gepreßt
^yd,  kommen  bei  uns  nur  vereinzelt  im  Handel  vor.  Da  das  öl  purgierende
irkungen  besitzt,  so  ist  von  den  Preßrückständen  vielleicht  das  gleiche  anzunehmen. ­


darin

Candlenußrückstände  werden  aus  geschälten  Nüssen  hergestellt,  jedoch  pflegen

wie  in  den  Palmkern-  und  Kokosnußkuchen  auch  Reste  der  den  Kern  um-I
  enden  Steinschale  vorzukommen.  Dieselbe  ist  etwa  3—4-mal  dicker  als  die
c  unter  liegenden  Schichten  und  besteht  aus  steinharten,  schmalen,  radial  gestellten
ssaden  mit  leistenförmigen  Verdickungen.  In  dem  Parenchym  der  Samenschale
en  sich  die  großen,  netzförmig  durchbohrten  Kugelzellen  mit  Drusen  von  Calciumuml
  T  ' lervor '  Zwischen  ihnen  und  den  polyedrischen,  mit  Proteinkörnern,  Fett
Kristalloiden  gefüllten  Zellen  (4)  liegt  ein  zusammengeprefltes,  Gefäßbündel
führendes  Parenchym.
Mgcrsamen,  Guizotia  oleifera  I.
Die  Preßrückstände  des  Niger-  oder  Ramtillasamens  gleichen  äußerlich  alten
besit"  °^ er  ^ksenkuchen,  mit  denen  sie  auch  gleiche  chemische  Zusammensetzung
1'eil  Zei |  Z |* r  Unterscheidung  können  jedoch  die  lamellenartigen,  violett-schwarzen
Nig C  ® amensc bale  dienen,  welche  auch  in  den  Preßkuchen  auffallen.  Die
neben  werden  bei  uns  bis  jetzt  nur  vereinzelt  zur  Verfütterung  verwendet,
nur  Ä f ieZell s c bichten  des  Nigersamens  besitzen  unter  den  gebräuchlichen  Sämereien
eigp  .  .  mit  denen  der  Madie-  und  Sonnenblumensamen.  Dem  Nigersamen
stre  1  IUilc ^  ^d  die  haarlosen,  tangential  in  der  Längsrichtung  desselben  ge-•
 vve i c h e en ’.  '"ü  violettrotem  oder  rötlich-gelbem  Farbstoff  gefüllten  Epidermiszellen,
6  Slca  s °barf  von  den  gleichartigen  porösen  Zellen  der  Madiefruchtschale
        <pb n="383" />
        V

360

Futtermittel,

unterscheiden.  Die  Sklerenchymhündel  der  3.  Schicht  setzen  sich  aus  äußerst
englumigen  Zellen  zusammen  und  gehen  der  Fruchtschale  unter  dem  Farbstoff  der

&amp;lt;6.
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3
        <pb n="384" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Nigersamen.  Ölmadie.

361

darüber  liegenden  Parenchymzellen  in  der  Flächenansicht  ein  schildpattähnliches
Aussehen.  In  fruchtschalenfreien  Rückständen  lassen  sich  die  Nigersamen  durch
die  rosenkranzförmig  verdickten  Zellen  (4)  der  Samenschale  identifizieren,  welche
in  der  Tangentialansicht  ein  gebuchtet  sternförmiges  Aussehen  besitzen  und  in  der

Frucbtschale.

Samenschale.
Endosperm.

Nigersamen.  Querschnitt.  (Yergr.  200.)
1  Epidermis,  2  äußeres  Parenchym,  3  Bastbündel,  3'  Markstrahlen
ähnlich  eingelagertes  Gewebe  der  Fruchtschale,  4  Epidermis  der
Samenschale,  5  Samenschale,  6  und  7  Endospermschichten.
a  violettroter,  b  schwarzbrauner  Farbstoff.

Fläolienanslchten  zu  den  entepreclienden  Nummern
Fig.  124.  Nigersamen.  (Vergr.
-r,  ...  tafelförmigen  Plasmazellen  (6)  des  Endo-Eegel
  im  Verein  mit  den  meist  4-seitigen  tafeltorm  g
sperms  zu  sehen  sind.
Ölmadie,  Madia  sativa  L.
•  nu-i  nurl  Kalifornien  einheimischen  Ölmadie,  die
1Jic  Preßrückstände  der  in  Chile  u  ^  Handel  yor  Die  Pflanze,
Madiekuchen,  kommen  bei  uns  nur  ganz  v  worden  ist  hat  eine  drusigwelche
  versuchsweise  auch  in  Deutschland  ang  0 , rünen  Zustande  als  giftig.
klebrige  Beschaffenheit,  riecht  unangenehm  und  e  Epidermiszellen  liegen
Unter  eigenartigen,  leeren,  rosenkranzf  g  lchen  die  un teren  einen
mehrere  Reihen  ähnücher  Parenchymzellen,  von
        <pb n="385" />
        362

Futtermittel.

dunklen  Farbstoff  enthalten.  Durch  denselben  leuchten  in  Tangentialansichten  bei
mazerierten  Präparaten  die  verdickten  Zellen  der  Sklerenchymbündel  hindurch.
Das  darunter  liegende  Parenchym  ist  von  kleinen  Gefäßbündeln  durchzogen.
Ein  mehrschichtiges  Parenchym,  im  peripherischen  Teil  des  Samens,  aus
Tafelzellen  bestehend,  bildet  die  Samenschale.  Im  Endosperm  liegen  radial  zusammengedrückte, ­
  protein-  und  fetthaltige  Tafelzellen.

Fruchtsohale.

Samenschale.
Endosperm.

Ölmadie.  Querschnitt.  (Vergr.  800.)
1  Epidermis,  2  äußeres  Parenchym,  3  Basthündel,  3'  Markstrahlen  ähnlich  verlaufendes  poröses
Parenchym,  4  Gefäßhundelschicht.  a  Farbstoff.

Tangentialansiohten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
Fig.  125.  Ölmadie.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.

leindottersamen,  Camelina  sativa  L.
Leindotterkuchen  kommen  wegen  des  geringen  Anbaues  des  Leindotters  oder
Dotters  nur  spärlich  im  Handel  vor;  man  sagt  ihnen  nach,  daß  sie  Abortus  bewirken, ­
  der  Milch  und  Butter  einen  Beigeschmack  verleihen  und  von  den  Tieren
ungern  gefressen  werden.  Es  kann  aber  sein,  daß  sie  diese  Eigenschaften  einer
Beimengung  von  gewissen  Unkrautsamen  verdanken.
Leindotter  wird  wegen  seiner  schleimgebenden  Epidermiszellen  auch  zur  Verfälschung ­
  des  Leinsamens  verwendet,  von  dem  er  mikroskopisch  jedoch  sehr  leicht
durch  die  langen,  schlauchförmigen  Aufquellungen  der  das  Lumen  dieser  Zellen  umgebenden ­
  Membranen  zu  unterscheiden  ist.  Ferner  sind  kennzeichnend  die  nie ­
        <pb n="386" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Leindottersameu.  Buchnuß.

36B

drigen,  braunen,  in  der  Flächenansicht  rähmchenartigen  Zellen  der  sogenannten
Stäbchenschicht  (2)  Fig.  126,  welche  häufig  in  der  Mitte  kugelige  Schwellungen
zeigen.  Die  Plasmazellen  (4)  sind  farblos,  mit  Fett  und  Proteinkörnern  gefüllt.
Kressensamen  unterscheidet  sich  vom  Leindotter  durch  die  verkehrt  stiefelförmigen ­
  Ausstülpungen  der  in  Wasser  aufquellenden  Epidermis,  im  Innern  der
Ausstülpung  fehlt  die  scharf  begrenzte,  kegelförmige  Membran.

Leindottersamen,  Querschnitt.
1  Epidermis,  2  Stäbchenschicht,  3  Farbstoffsohicht,  ‘
4  äußere,  5  innere  Eudospermschicht,  a  schlauchförmige ­
  Quellung  der  Epidermis,  b  kegelförmige
•  Innenmemhran  derselben.

Flächenansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.
Fig.  126.  Leindottersamen.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.

Buchuuß,  Fagus  silvatica  L.
In  Bucheckern-reichen  Jahren  werden  die  Bucheckern  außer  als  Kaffee-Ersatzmittel ­
  auch  zur  Ölgewinnung  und  die  Rückstände  hiervon  zur  Fütterung  verwendet.
Dieselben  gelten  zwar  für  Pferde,  Maultiere  und  Esel  als  schädlich,  sind  aber  in
sonst  gutem  Zustande,  besonders  die  Kuchen  von  geschälten  Bucheckern,  für  Kinder,
Schafe  und  Schweine  unschädlich.
In  dem  anatomischen  Bau  der  Buchnuß  ist,  abgesehen  von  der  Fruchtschale,
von  diagnostischem  Werte  die  Samenschale.  Auf  dieser  treten  an  einzelnen  Steilen
Büschel  von  langen,  dünnwandigen  Haaren  auf,  die  oft  bandartig  zusammtngc  a  cn
sind  und  Stauchungen  zeigen;  auch  kommen  kurze,  borstige  Haare  an  den  Kanten  der
Samen  vor  (Fig.  128,  S.  364).  Nach  außen  hin  schließt  die  Samenschale  mit  einer  ein-
        <pb n="387" />
        364

Futtermittel.

zeitigen  Schicht  tafelförmiger,  ziemlich  großer  Zellen  mit  gelblichem  Inhalt  und
verkorkten  Wänden  (Fig.  127)  ah.  Nach  innen  folgt  parenchymatisches  Gewebe,
in  welchem  Gefäßhündelendigungen  verlaufen.  Diesem  folgt  weiter  eine  Schicht
tafelförmiger  Zellen  mit  stark  lichthrechenden,  porös  verdickten  Wänden.  Das

Fig.  127.  Buchnuß.  Samenschale.
Nach  Pfister.  (Yergr.  220.)

Fig.  128.  Buchnuß.  Haare.  Nach  Pfister.
(Yergr.  770.)

sich  hieran  anschließende  Kotyledonengewebe  wird  rings  von  einer  einzelligen
Schicht  kleiner  Zellen  umgehen  und  besteht  im  übrigen  aus  dünnwandigem  Palissaden-Parenchym,
  welches  neben  Fett  und  Protein  geringe  Mengen  Stärke  führt.

Walnuß,  Jnglaus  regia  L.
Die  Kerne  der  Schalenfrucht  des
Walnußbaumes  (Juglans  regia  L.)  dienen
mitunter  ebenfalls  zur  Gewinnung  von
öl  und  die  Preßrückstände  zur
Fütterung.  Letztere  enthalten  bittere
Extraktivstoffe  und  eignen  sich  nicht
zur  Yerfütterung  an  Milchvieh  oder  an
Muttertiere.
Besonders  kennzeichnend  für  die
Walnuß  ist  die  Testa  des  Samens,  welche
nach  außen  hin  mit  einer  einzelligen,
epidermalen  Schicht  abschließt,  nach  Art  einer  den  Pflanzenkörper  bedeckenden
Epidermis.  Dieselbe  führt  ebenso  wie  diese,  wenn  auch  nicht  in  so  reichem  Maße,
Spaltöffnungen  mit  verdickten  Schließzellen  (Fig.  131,  S.  365).  Dieser  epidermalen
Schicht  folgt  Schwammparenchym,  in  welchem  Gefäßbündelendigungen  fast  stets  zu
erkennen  sind.  Den  weitaus  größten  Teil  des  Gewebes  nimmt  der  Keim  ein,  dessen
mächtige  Kotyledonen  aus  dünnwandigen,  kleinen  Zellen  bestehen.  Letztere  führen
Fett  und  Eiweiß,  aber  keine  Stärke.

Samenschale.

Endosperm.

Kotyledonen.

Fig.  129.  AValnuß.  Querschnitt.
Nach  Pfister.  (Vergr.  200.)
        <pb n="388" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Walnuß.  Anis.

365

Kg-  130.  Walnuß,  Schicht  tafelförmiger
Zellen.  Nach  Pfister.  (Vergr.  440.)

Fig.  131.  Walnuß.  Epidermis  mit  Spaltöffnungen,
deren  Sohließzellen  verdickt  sind.  Nach
Pfister.  (Vergr.  440.)

Anis,  Pimpinella  Auisum  X.

Die  von  ätherischem  öl  befreiten  Destillationsrückstände  der  Früchte  (Spaltder

  PrnMit- 11 !. 8 ',  ^ tr i emen  (°)  bedeckt  von  quergestrecktem  Parenchym
schale  (ep),  rechts  das  Endothel  der  Striemen  sichtbar.
Nach  J.  Möller.

ep—

und  Teilfrüchte)  der  Anispflanze ­
  (Pimpinella
Anisum  L.)  werden  sowohl
für  sich  allein  als  auch
im  Gemenge  mit  anderen
Futtermitteln  zur  Fütterung ­
  verwendet.
Wie  für  alle  Umhelliferenfrüchte,
  so  sind
auch  für  die  Anisfrüchte

Fig.  133.  Anis,  Äußere  Oberhaut ­
  in  der  Flächenansicht.
Nach  J.  Möller.
        <pb n="389" />
        366

Futtermittel.

kennzeichnend  die  in  der  Fruchtwand  verlaufenden  Ölstriemen  (o  Fig.  132)  und  das
Endosperm.  Für  Pimpinella  kommt  noch  als  besonders  kennzeichnend  hinzu,  daß  die
Epidermiszellen  sehr  häufig  zu  kleinen,  einzelligen,  warzigen  Härchen  ausgewachsen
sind  (Fig.  133,  S.  365).  In  der  auf  die  Epidermis  folgenden  Parenchymschicht,  dem
Mesokarp,  verlaufen  vertikal  und  zwar
unter  den  Rippen  die  Gefäßbündel,  unter
den  Tälchen  die  Ölstriemen.  Letztere  sind
bei  Pimpinella  Anisum  in  großer  Anzahl
vorhanden,  jedoch  nicht  sehr  weitlumig.
Dieselben  anastomosieren  zuweilen  und  sind
von  einem  besonderen  Bekleidungsgewebe,
dem  Endothel,  umgeben  (Fig.  133,  S.  365).
Nach  innen  schließt  die  Fruchtwand
mit  einer  einzelligen  Schicht  auffallend
großlumiger  Zellen  als  Innenepidermis  (Fig.
134)  ab.

Fenchel,  Foeniculnm  offlcinale  All.

Die  von  ätherischem  öl  befreiten  Rückstände  vom  Fenchel  werden  wie  die
von  Anis  verwendet.

Im  Gegensatz  zu  Pimpinella  Anisum  durchzieht  unter  jedem  Tälchen  das
Mesokarp  nur  ein  großer,  elliptischer  Ölgang  (Fig.  135).

Fig.  135.  Fig.  136.  Fig.  137.
Fenchel  nach  Tschirch.  Quer-  Fenchel  nach  Tschirch.  Fenchel  nach  Tschirch.
schnitt  durch  eine  Yitta.  Zellen  aus  der  Fruchtschale  Schematische  Darstellung;  von
mit  Netzleistenverdickungen,  innerer  Oberhaut  und  Fruchtwandparenchym ­
  in  Verbindung. ­


Die  Epidermis  zeigt  nichts  Auffallendes;  sie  ist  einschichtig;  Haarbildungen
kommen  nicht  vor.
Das  Parenchym  des  Mesokarps  ist  nicht  überall  von  gleichmäßiger  Beschaffenheit. ­
  Das  um  die  Ölgänge  gelegene  ist  zartwandig  und  tiefbraun  gefärbt,  während
das  die  Gefäßbündel  einschließende  Parenchym  derbwandig  und  farblos  ist.  Dasselbe ­
  ist  durch  ungewöhnlich  breite  Poren  ausgezeichnet,  welche  in  der  Nähe  der
Gefäßbündel  so  nahe  aneinander  gerückt  sind,  daß  die  Zellen  fast  netzartig  verdickt ­
  erscheinen  (Fig.  136).  Ferner  ist  für  eine  Differentialdiagnose  die  innere  Oberhaut
der  Fruchtschale  von  großem  Werte  (Fig.  138,  S.  367).  Kennzeichnend  für  gemahlenen
        <pb n="390" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Fenchel.  Kümmel.  Olivenkerne.

367

Fenchel  ist  noch  das  sich  darbietende  Bild  gitterförmiger  Gewebspartien,  die  dadurch
entstehen,  daß  Gewebsteile  des  Fruchtwandparenchyms  mit  der  inneren  Oberhaut  in
Verbindung  geblieben  sind  (Fig.  137,  S.  366).

Fenchel

Fig.  188.
nach  J.  Möller.  Innere  Oberhaut
der  Fruchtschale.

mit  Spaltöffnungen.

Kümmel,  Carum  Carvi  L.
Für  Kümmel,  Carum  Carvi,  der  in  ähnlicher  Weise  wie  Anis  und  Fenchel
erwendung  findet,  lassen  sich  ähnlich  scharf  ausgeprägte,  durchgreifende  Unterscheidungsmerkmale ­
  in  der  Struktur  der  Frucht  nicht  angeben,  welche  in  zereinertem
  Zustande  eine  sichere  Bestimmung  zuließen.
Olivenkerne,  Olea  europaea  L.
Die  pflaumenartige  Frucht  des  Ölbaumes,  Olea  europaea  L.,  enthält  in
g  r ® m  Fruchtfleische  das  öl,  welches  als  Speiseöl  die  weitgehendste  Verwendung
Die  Preßrückstände  der  Olivenkerne,  welche  nicht  selten  den  Gewürzpulvern,
namentlich  dem  Pfeffer  zum  Zweck  der  Verfälschung  beigemengt  werden,  kommen
auc  i  wohl  als  Futtermittel,  entweder  als  solches  oder  im  Gemisch  mit  anderen  Ablallen,
  i n  den  Handel.
,  ^’ e  äußere  Umhüllung  der  Olivenkerne  besteht  aus  einer  Steinschale  mit
sich 1  t( ? n&amp;lt; * en  Td 1611  des  Fruchtfleisches,  welches,  mit  der  Steinschale  verwachsen,
mit  niC ^  Slatt  von  dieser  ablösen  läßt.  Im  Innern  ist  die  Steinschale  bekleidet
lieh  ™ ner  .■^ em l )ran  aus  zarthäutigen  Zellen,  welche  in  Wasser  farblos  und  undeutgeschichtet,
  in  Alkalien  und  Säuren  gelb  gefärbt  erscheinen.
rück  ^teinschale  stets  in  größerer  oder  geringerer  Menge  in  den  Preßhild
  ^  ii ’ I | K ^ en  vorhanden  ist  und  ihre  Zellen  am  wenigsten  die  Gestalt  verändern,
en  ( l le selben  ein  wertvolles  Kennzeichen  beim  Nachweis  der  Olivenkerne,
von  r  Hauptmasse  der  Steinschale  besteht  aus  kurzen,  mannigfach  gestalteten,
za  reichen  Porenkanälen  durchzogenen  Steinzellen  (Fig.  140,  S.  368).
An  der  Innenseite  sind  die  Zellen  gestreckt,  flach  und  wenig  verdickt.
        <pb n="391" />
        368

Futtermittel.

Fig.  140.  Gewebselemente  des  Olivenkerns.  Nach  J.  Möller.  (Vergr.  160.)
m  Steinzellen  ans  der  mittleren  Schicht  der  Steinschale,  a  Faserzellen,  welche  die  Gefäßbündel  begleiten, ­
  i  innere  Steinzellen,  darunter  das  Endothel  en,  p  Zellen  aus  dem  Fruchtfleisch,  ep  Oberhaut
der  Samenschale  mit  durchschiiumerndem,  braunem  Parenchym,  ea  Außenschicht  des  Endosperms,
E  Gewebe  der  Keimblätter,  e  Embryonalgewebe,  sp  Spiroiden  aus  der  Samenhaut.
Rizinussnnieu,  Ricinus  communis  L.
Die  Samen  des  Rizinus  finden  wegen  ihrer  abführenden  und  die  Verdauungswerkzeuge
  reizenden  Wirkung  als  Futtermittel  keine  Verwendung.
Dieselben  bestehen  aus  24  °/ 0  Schale  und  76  °/ 0  Kern;  letzterer  enthält  45
bis  60°/ o  fettes  Öl,  Eicinin,  und  einen  glykosidähnlichen  Körper,  welcher  ähnlich
dem  Amygdalin  in  Berührung  mit  Wasser  die  Entstehung  eines  widrig  riechenden,
gütigen  Körpers  von  noch  unbekannter  Natur  veranlaßt.
Die  durch  Pressen  bis  auf  10  °/ 0  vom  Öl  befreiten  Samen  enthalten  noch  diejenigen ­
  Stoffe,  welche  die  drastisch  giftige  Wirkung  des  Samens  bedingen;  denn
man  beobachtete,  daß  nach  dem  Verfüttern  von  rizinushaltigen  Kraftfuttermitteln
an  Kühe  sämtliche  Individuen  unter  den  Erscheinungen  der  Appetitlosigkeit,  des
Versagens  der  Milch,  von  Diarrhöe,  vollständiger  Apathie,  gestörtem  Bewußtsein  und
Krämpfen  erkrankten.
Die  Verfütterung  von  Rizinuskuchen  führt  nach  den  bis  jetzt  gemachten
Erfahrungen  zu  den  schlimmsten  Folgen  und  sollte  verboten  werden.  Mitunter
werden  dieselben  im  gepreßten  Zustande  als  Ölkuchen  vorwiegend  aus  Südrußland
angeboten  und  ist  anzunehmen,  daß  sie  entweder  als  solche  oder  mit  anderen  Ölkuchen ­
  vermischt  Verwendung  finden.
Die  Preßkuchen  von  ungeschältem  Eizinussamen  sehen  dunkelschwarz  wie
Nigerkuchen  aus.
Das  Zellgewebe  der  Rizinussamen  zeichnet  sich  durch  die  radial  gestellten
Palissaden  der  Schale  aus  (vergl.  Querschnitt  1),  unter  denen  ein  parenchymatisches,
von  zahlreichen  derben  Spiralgefäßen  durchsetztes  Gewebe  liegt.
Nach  dem  Behandeln  der  Preßrückstände  des  Rizinus  mit  Salpetersäure  und
Kalilauge  fallen  besonders  die  langgestreckten,  stark  verdickten,  im  basalen  Teil
schmalen  Zellen  der  Samenschale  auf.
Dieselben  sind  verhältnismäßig  lose  miteinander  verbunden,  so  daß  sie  in
dem  mikroskopischen  Präparat  zum  Teil  einzeln  oder  in  Bündeln  auftreten.  Bei
        <pb n="392" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Kizinusaamen.  Künstlich  getrocknete  Futtermittel.  369

stärkerer  Vergrößerung  erkennt  man  in  den  kolhig  verdickten  Enden  ein  sehr
schmales  Lumen  und  eine  fein  gezackte  Begrenzung  des  oberen  Teiles.

Rizinussamen.  Querschnitt.  (Vergr.  150).
1  Samenschale  mit  Pallssaden,  2  Samenhaut  fehlt,
S  Samenkern-Endosperm.

Rizinnssamen.  Parenchym  des  Samenkernes ­
  (3).  Nach  dem  Behandeln  mit  Äther
und  Alkohol,  a  Spiralgefäße  der  Samenhant.

j  ,.  Flg.  141.  Rizinnssamen.
lerte  langgestreckte  Zellen  der  Samenschale  (1)  nach  Behandlung  mit  Äther  und  Kalilauge.

(Vergr.  150).

(Vergr.  350).

Künstlich  getrocknete  Futtermittel.
(Biertreber,  Schlempe,  Diffusionsschnitzel,  Kartoffeln  und  Kartoffelpülpe.)
Die  Abfälle  der  Bier-,  Branntwein-,  Stärke-  und  Zucker-Herstellung  werden  jetzt
vielfach  sowie  die  Kartoffeln  selbst  vereinzelt  künstlich  getrocknet  und  im  getrockneten
bezw.  wieder  aufgequollenen  Zustande  zur  Fütterung  verwendet,  weil  sie  im  natürlichen ­
  Zustande  entweder  durch  sauere  Gärung  sich  leicht  zersetzen  (Treber  un
Schlempe)  oder,  wie  die  Kartoffeln,  durch  innere  Zersetzungsvorgänge  einen  V  erlust
RR  Nährstoffen  erleiden.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="393" />
        370

Futtermittel.

a)  Getrocknete  Treber. 1 )  Sowohl  die  Brauerei-  wie  Brennereitreber
werden  der  künstlichen  Trocknung  unterworfen.  Die  Trocknung  beider  Trebersorten
(über  den  Unterschied  vergl.  S.  305)  geschieht  auf  gleiche  Weise.  Entweder  benutzt
man  die  natürlichen  Treber  wie  sie  gewonnen  werden,  oder  man  preßt  einen  Teil
des  Wassers  (etwa  30  °/ 0 )  vorher  ab.  Diese  Flüssigkeit  enthält  bei  neuen  Pressen
(mit  noch  engen  Löchern)  1,5—2,0  Pfd.,  bei  alten  Pressen  (mit  weiteren  Löchern)
3,0—4,0  Pfd.  Nährhestandteile  für  1  Ztr.  Malzeinmaischung.  Da  aus  3  Ztr.  Malzeinmaischung
  ungefähr  1  Ztr.  Trockentreber  gewonnen  werden,  so  beträgt  der  Verlust ­
  an  Trockenmasse  durch  das  Pressen  etwa  6  °/ 0  bezw.  10  °/ 0 .  Früher  —  und  auch
jetzt  noch  vereinzelt  in  England  —  wurde  das  Trocknen  durch  direkte  Feuergase,
jetzt  wird  es  durchweg  durch  Abdampf  bei  etwa  65°  vorgenommen.  Durch  das  letztere
Trocknungsverfahren  erleiden  die  Biertreber  keine  Einbuße  in  der  Verdaulichkeit
und  Bekömmlichkeit.
Die  Brennereitreber  werden  bei  dem  sog.  „Lufthefe-  oder  Lüftungsverfahren“ ­
  erhalten,  wobei  man  die  Mutterhefe  nicht  direkt  in,  die  Maische,  sondern
in  die  von  dieser  abgetrennte,  also  treberfreie  Würze  überführt.  Die  Zusammensetzung
der  getrockneten  Treber  ist  im  Mittel  mehrerer  Untersuchungen  etwa  folgende:

Anzahl  Stickstoff-Art

  der  Treber;

der
Unter-Wasser



Stickstoff-Substanz


Fett

freie
Extrakt-Rohfaser



Asche

Buchungen
0/
Io
Brauerei-  /  Gerstenmalz  .  .  63  8,70

°/o
22,50

°/o
7,50

Stoffe
°/o
42,30

°/o
15,10

°/o
3,90

treber  aus  \  Woizemnalz  .  .

13

8,75

25,40

8,63

40,65

13,52

3,06

Mais  .  .  .  .

3

9,03

20,83

10,13

44,14

13,77

2,10

Brennerei-Mais

  u.  Roggen

3

5,23

21,63

10,30

44.84

15,43

2,67

treber  aus

Mais  u.  Malz-Gersten-



  .  .  ,

2

5,65

20,55

10,50

45,65

14,50

3,25

malz  und

Eoggen  u,  Malzkeime

  .  .  .

5

8,30

18,80

6,46

47,22

15,62

3,60

Große  Unterschiede

sind

hiernach

in  der

Zusammensetzung

der  einzelnen

Trebersorten  nicht  vorhanden;  die  Weizen-Biertreber  enthalten  durchweg  nur  etwas
mehr  Protein  und  Fett  (Ätherauszug)  als  die  Gersten-Biertreher;  bei  den  Brennereitrebern ­
  zeichnen  sich  die,  welche  unter  Verwendung  von  Mais  gewonnen  werden,
durch  einen  höheren  Fett-  und  durchweg  auch  einen  höheren  Protein-Gehalt  vor
den  unter  Verwendung  von  Roggen  an  Stelle  von  Mais  gewonnenen  aus.
Gute  Trockentreber  sollen  frei  von  brenzlichen  und  angebrannten,  kohligen
Teilen  sein,  sowie  nur  bis  12  °/ 0  Wasser  enthalten.  Mitunter  beobachtet  man  bei
Trockentrebern  einen  stark  saueren  Geruch;  wir  fanden  in  solchen  Proben  bis  zu
2,43  °/ 0  freie  Säuren,  als  Milchsäure  berechnet.  Die  freie  Säure  kann  wohl
nur  daher  rühren,  daß  die  Treber  vor  dem  Trocknen  längere  Zeit  gelagert  haben
und  dabei  in  sauere  Gärung  übergegangen  sind.  Wenn  die  zur  Trocknung  verwendeten ­
  Heizgase  mit  den  zu  trocknenden  Trebern  in  direkte  Berührung  kommen
sollten,  so  können  die  Treber  (und  auch  die  folgenden  getrockneten  Futtermittel)
geringe  Mengen  schweflige  Säure  bezw.  Schwefelsäure  aufnehmen.
Die  Art  der  verwendeten  Rohstoffe  läßt  sich  nur  durch  eine  mikroskopische
Untersuchung  feststellen  (vergl.  die  einzelnen  Getreidearten). 2 )
] )  Vergl.  Th.  Dietrich,  Laudw.  Versuchs-Stationen  1901,  56,  207.
2 )  Wir  beobachteten  in  einem  Palle  eine  Verfälschung  von  Trockentrebern  mitEeisspelzen,
  die  angeblich  den  Brennereitrebern  hier  und  da  zugesetzt  werden  sollen,  um  die
Treber  leichter  trocknen  zu  können.  Um  zu  entscheiden,  ob  die  vorhandenen  Eeisspelzen
        <pb n="394" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Künstlich  getrocknete  Futtermittel.

371

24*

b)  Getrocknete  Schlempen.  Die  bei  der  Stärke-  und  Branntwein-Herstellung ­
  gewonnenen  Schlempen  werden  jetzt  durchweg  aus  denselben  Gründen  wie
die  Treber  eingetrocknet.  Wegen  des  höheren  Wassergehaltes  der  Schlempe  geht
indes  hier  ein  Eindampfen  dem  Trocknen  voraus.  Denn  bei  der  Schlempe  ist  eine
vorherige  Pressung  bezw.  Filtration  behufs  Entfernung  eines  großen  Anteiles  des
Wassers  nicht  angängig,  weil  sie  eine  größere  Menge  in  Wasser  löslicher  Nährstoffe
enthält,  als  die  Treber;  die  70—80  °/ 0  der  Schlempe  betragende  Schlempe-Flüssigkeit
  enthält  etwa  3  °/ 0 ,  der  20—30  °/ 0  ausmachende  Treber-Anteil  20  °/ 0
Trockensubstanz;  bei  Entfernung  der  Flüssigkeit  gehen  daher  etwa  30—40  °/ 0  der
Nährstoffe,  und  zwar  die  am  leichtesten  verdaulichen  Nährstoffe,  verloren.  Wenn
dennoch  eine  Filtration  oder  Pressung  vor  dem  Trocknen  auch  hier  vorgenommen
wird,  so  kann  das  nur  durch  den  zu  großen  Kostenaufwand,  der  beim  Miteintrocknen
der  Flüssigkeit  entsteht,  entschuldigt  bezw.  gerechtfertigt  werden.
Die  Zusammensetzung  der  Trocken-Schlempen  muß  naturgemäß  den  verwendeten ­
  Rohstoffen  entsprechend  verschieden  sein  und  werden  eine  große  Anzahl
Rohstoffe,  nämlich  fast  sämtliche  Getreidearten,  Kartoffeln,  Melasse  usw.,  für  die
Branntwein-Herstellung  verwendet.  Am  umfangreichsten  gelangen  wohl  die  Kartoffeln ­
  zur  Anwendung,  indes  wird  deren  Schlempe  meist  frisch  verfüttert  und  bildet
®ür  selten  im  getrockneten  Zustande  eine  Handelsware.  Meistens  hat  man  es  mit
Schlempen  aus  Roggen  und  Mais  bezw.  aus  einem  Gemisch  beider,  selbstverständlich
Jedesmal  unter  Zusatz  von  Gerstenmalz,  zu  tun.  Den  Schlempen  dieser  Art  mögen
bei  der  Stärke-Herstellung  gewonnenen,  ebenfalls  Schlempe  genannten  Abfälle
^geschlossen  werden.  Davon  ist  die  Weizenschlempe  in  derselben  Weise  wie  die
rennereischlempe  getrocknet,  die  Reisschlempe  (bezw.  Reisabfall)  dagegen  nur  ge-Pießt.
  Hiernach  enthalten 1 )  im  Mittel:

Art  der  Schlempe:

Anzahl
der
Untersuchungen ­


Wasser

Stickstoff-Substanz


Fett

Stickstofffreie ­

Extraktstofte


Rohfaser  Asche

Branntwein- ­


aus

&amp;lt;7  o

°/o

%

°/o

°/o

°/o

12

10,0 2 )

22,70

5,40

47,10

8,90

5,90

34

10.0

27,10

12,60

36,60

9,10

5,60

19

10,0

25,44

12,18

33,86

14,39

4,15

2

10,0

23,03

3,45

38,88

8,23

16,51

7

12,90

8,65

1,74

74,63

0,84

1,28

18

65,15

12,92

0.84

17,94

3,89

1,96

2

9,56

3,80

0,46

71,54

12,97

1,67

[  Roggen  .  .  .
J  Mais  ....
empen  1  Mais  u.  Roggen
iUs  [  Kartoffeln  .  .
Stärke-  (■  Weizensohlempe
q  ?,  ' a "‘  j  Reispreßfutter  .
^hlempen  (  Kartoffelpülpo  .
,  Selbstverständlich  sind  diese  Zahlen  großen  Schwankungen  unterworfen;  so
hu  r kt  *^ er  der  Trockenmaisschlempe  an  Protein  zwischen  18,0—39,0  °/ 0 ,
ein  p 6tt  , zwiscileri  6 ,-0—21,5  °/ 0 .  Im  allgemeinen  ist  die  Maistrockenschlempe  oder
sei  l  U!miScl1  dieser  protein-  und  fettreicher  als  Roggen-  und  andere  Getreideempen;
  nur  Reistrockenschlempe  hat  einen  reichlich  ebenso  hohen  Gehalt  an
muß S  ^ c * 10  zu gesetzt  sind  oder  von  einer  Miteinmaisohung  von  Reis  oder  Reismehl  herrühren,
Letzter' 111  V&amp;lt;H '  . a " em  au ^  das  Vorkommen  des  Silberhäutchens  (Fig.  77,  S.  3131  achten,
ist-  ßs es  j miß  ln  größerer  Menge  vorhanden  sein,  wenn  Reis  oder  Reismehl  mitverwendet
solche  a  6h  ’  a ' 3er  °d er  findet  sich  nur  vereinzelt  vor,  wenn  gemahlene  Reisspelzen  als
-Trebern  zugesetzt  sind.
2 )  T) Cr ^’  ^'* 1 '  Dietrich,  Landw,  Versuchs-Stationen  1901,  56,  345.
Umo- ere( !p  6 . r  besseren  Übersicht  wegen  ist  die  Zusammensetzung  auf  90%  Trockensubstanz
8—,'ii  oi  Ue ^'  Der  Wassergehalt  kann  von  5,0—16.0  °/ 0  schwanken  und  beträgt  durchweg
1  Io-
        <pb n="395" />
        372

Futtermittel.

Protein  und  Fett,  nämlich  nach  6  Frohen  im  Mittel  38,0  °/ 0  Protein  und  15,5  °/ 0
Fett.  Man  kann  die  chemische  Zusammensetzung  der  Trocken-  (lufttrocknen)  Schlempe
auch  annähernd  berechnen,  wenn  man  die  Menge  und  Zusammensetzung  der  angewendeten ­
  Rohstoffe,  die  Menge  des  gebildeten  Alkohols  und  die  der  gewonnenen
Schlempe  kennt.  Nach  M.  Märcker  werden  aus  je  100  kg  Maischrohstoffen  gewonnen:
Kartoffeln  Roggen  Mais
Lufttrockne  Schlempe  10  kg  40  kg  45  kg.
Wenn  man  annimmt,  daß  auf  je  1000  kg  Roggen  oder  Mais  120  kg  Gerste
(Malz)  eingemaischt  werden  und  von  dem  eingemaischten  Stärkemehl  etwa  85  %
vergären,  so  müßte  unter  Zugrundelegung  einer  Durchschnitts-Zusammensetzung  der
Rohstoffe  die  Roggen-Trockenschlempe  (hei  10  °/ 0  Wasser)  31,7%  Protein  und
4,8  %  Fett,  die  Mais-Trockenschlempe  dagegen  25,3  %  Protein  und  11,8  %  Fett
enthalten.  Die  wirklichen  Handelswaren  pflegen  aber  bezüglich  des  Proteingehaltes
sich  durchweg  umgekehrt  zu  verhalten.  Ob  dieser  Unterschied  mit  der  Art  der
Verarbeitung  zusammenhängt,  muß  dahin  gestellt  bleiben;  unwahrscheinlich  ist
dieses  nicht,  denn  die  Versuchs-Station  Darmstadt  fand  z.  B.  in  der  Trockensubstanz:

Aus  ganzer  Schlempe  ....

Protein
27,2%

Fett
14,2%

Stickstofffreie
Extraktstoffe
39,9%

Rohfaser
10,2%

Asche
8,5%,

Aus  dem  ungelösten  Anteil
der  Schlempe

24,1  „

8,3  „

35,8  „

19,4  „

12.4  „

Im  übrigen  müssen  an  die  Trockenschlempen  dieselben  Anforderungen  gestellt
werden,  wie  an  die  Trockentreber  (S.  370).
Uber  die  Mischbestandteile  der  Trockenschlempen  kann  ebenfalls  nur  die
mikroskopische  Untersuchung  Aufschluß  geben.
c)  Getrocknete  Kartoffeln,  Kartoffelmehl.  Man  hat  versucht,  die
Kartoffeln,  die  heim  Aufbewahren  10%  und  darüber  an  Substanz  verlieren,  im
großen  künstlich  zu  trocknen,
um  sie  auf  diese  W T eise  auf
längere  Zeit  für  die  Verfütterung
  verwenden  zu
können.  Anscheinend  scheitert
das  Verfahren  daran,  daß  die
Herstellungskosten  sehr  hoch
sind  und  die  getrockneten
Kartoffeln  nicht  von  allen
Tieren  genügend  verdaut
werden.  Dagegen  haben  sich
trockne  Kartoffeldauerwaren
für  die  menschliche  Ernährung ­
  (auf  Schiffen,  in
Festungen  usw.)  schon  vielfach ­
  eingeführt.  Das  unter
dem  Namen  „Kartoffelmehl“
im  Handel  vorkommende  Kartoffel-Erzeugnis ­
  pflegt  jedoch
eine  mehr  oder  weniger  unreine  Kartoffelstärke  zu  sein.  Das  Kartoffelmehl  hezw.  die
Stärke  wird  vielfach  den  Nahrungsmittel-Dauerwaren  zugesetzt;  andererseits  erfährt
es  selbst  mitunter  Zusätze  von  geringwertigeren  Getreidemehlen,  hezw.  deren  Stärke.
Für  den  Futtermittelhandel  kommt  auch  die  bei  der  Kartoffelspiritus-Bereitung
abfallende  getrocknete  Kartoffelschlempe  hezw.  Pülpe  in  Betracht  (siehe  S.  258),.

Fig.  112.  Kartoffel.  Querschnitt.  (Vergr.  1;  100.)
Nach  A.  Bömer.
        <pb n="396" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Künstlich  getrocknete  Futtermittel.

373

die  für  sich  allein  oder  auch  als  Melasse-Träger  zur  Mtterung  verwendet  wird.
Die  getrockneten  Kartoffeln  haben  folgende  durchschnittliche  Zusammensetzung.
9,65  °/ 0  Wasser,  7,27  °/ 0  Stickstoff-Substanz,  0,56  °/ 0  Fett,  74,98  °/ 0  stickstofffreie
Extraktstoffe,  3,57  °/ 0  Rohfaser  und  3,97  °/ 0
Asche.  Über  die  Zusammensetzung  von  getrockneter ­
  Kartoffelschlempe  und  Plilpe  vergl.
vorstehend  S.  371.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung
des  Kartoffelmehles  auf  Beimengungen,  hezw.
für  den  mikroskopischen  Nachweis  von  Bestandteilen ­
  der  Kartoffeln  in  ihren  Abfällen  kommen
in  Betracht:  die  Stärkekörner,  die  Korkschicht ­
  und  die  dünnwandigen  Zellen  des
Mehlkörpers.
Fig.  142,  S.  372,  stellt  einen  Teil  des
Querschnittes  durch  die  Kartoffel  dar.  Man
beobachtet  als  äußerste  Schicht  (A)  die  Korkschicht ­
  der  Schale,  welche  aus  stärkefreien
Zellen  mit  etwas  verdickten,  braunen  Zellwänden
besteht.  Unter  dieser  Schicht  liegt  eine  Zellschicht, ­
  welche  bei  roten  Kartoffeln  den  Färb-Stoff
  enthält  und  gleichfalls  stärkefrei  ist.  Dann  folgt  der  stärkereiche  Mehlkorper  (B),
dessen  äußere  Schichten  nur  kleine  Stärkekörner  enthalten.

Fig.  143.  Kartoffel.  Flächenansicht  der
Korkschicht  der  Schale.  (Vergr.  1;  100).
Nach  A.  Börner.

tii
144 ‘  Kartoffel.  Teil  des  Mehlkörpers  aus  Kartoffelpülpe;  mit  verdünnter  Säure  und  Lauge
aufgeschlossen.  (Vergr.  1:100).  Nach  A.  Börner.
..  Mer  Bau  und  die  Form  der  großen  Kartoffelstärkekörner  sind  so  verkenn' ­
  6n  ,V ° n  ^ enen  a * ler  uns  gebräuchlichen  Mehle,  daß  sie  sehr  leicht  zu  ervon
  W  Mie  Kartoffel  enthält  aber  auch  kleine  Körner,  welche  nicht  wesentlich
exzen-,  Roggen-  und  Gerstenstärke  unterschieden  sind,
kann  p 61  ? Ur  e ™g erma ß en  erheblichen  Mengen  beigemengter  fremdartiger  Mehle
For 1  16  ^ erme k rllri g  der  kleinen  und  linsenförmigen  Körner  neben  den  typischen
men  an( lerer  Stärkearten  nicht  entgehen.
        <pb n="397" />
        374

Futtermittel.

Bei  Gegenwart  von  Weizenmehl  werden  ferner  die  großen  konzentrischen
Körner  sich  verraten.  Ist  Eoggenmehl  zugesetzt,  so  gibt  sich  dieses  durch  die  in
der  Mehrzahl  strahlig  zerklüfteten  großen  Stärkekörner  zu  erkennen.  Ebenso
verrät  sich  die  Stärke  der  Leguminosen  durch  ihre  bohnenartige  Form  mit  den
kennzeichnenden  Längsrissen  (vergl.  Linsenstärke,  Fig.  99,  S.  328).
Andere  einheimische  Mehle  und  Stärkearten,  welche  dem  Kartoffelmehl  beigemengt ­
  werden  könnten,  bestehen  zum  größten  Teil  aus  zusammengesetzten  und
eckigen  Körnern,  während  Kartoffelstärke  überhaupt  wenig  kleine  Körner  enthält
und  diese  fast  kugelig  sind.
Fig.  143,  S.  373,  zeigt  eine  Flächenansicht  der  Korkschicht  der  Kartoffelschale ­
  in  einem  mit  verdünnter  Salpetersäure  und  verdünnter  Kalilauge  hergestellten
Präparate.  Die  Zellwände  erscheinen  meist  noch  braun  und  fallen  durch  ihre  große
und  trotz  der  Dünnwandigkeit  der  Zellen  meist  noch  scharf  polygonale  Form  auf.
Fig.  144,  S.  373,  zeigt  ein  Stück  des  Mehlkörpers  der  Kartoffel  aus
Kartoffelpülpe  mit  den  großen,  inhaltlosen  Zellen  mit  dünnen  Zellwänden,  die
im  Gegensatz  zur  Korkschicht  hier  vielfach  in  der  verschiedensten  Weise  zerrissen
oder  ineinandergeknickt  erscheinen.
In  Melassefuttermitteln  erkennt  man  die  Kartoffelpülpe  vorwiegend  an
der  eigenartigen  Korkschicht  der  Schale  (Fig.  143),  sowie  den  großen  inhaltlosen,
dünnwandigen  Zellen  des  Mehlkörpers  (Fig.  144,  S.  373).
d)  Getrocknete  Rüben  und  Etlhenschnitzel.  In  letzter  Zeit  hat  man
versucht,  die  Zuckerrüben  ebenso  wie  die  Kartoffeln  künstlich  zu  trocknen,  weil  sie
ebenfalls  in  übergroßer  Menge  angehaut  werden  und  sich  noch  weniger  verlustlos
aufbewahren  lassen,  als  die  Kartoffeln.  In  bedeutend  größerem  Umfange  und  schon
länger  ist  das  Trocknungsverfahren  bei  den  Diffusionsschnitzeln  in  Gebrauch.  Nach
dem  Verfahren  von  Büttner  und  Meyer  in  Ürdingen  werden  die  nassen  Schnitzel
mit  den  in  einer  besonderen  Feuerung  erzeugten  Feuerungsgasen  in  direkte  Berührung
gebracht;  der  hohe  Wassergehalt  der  Schnitzel  schützt  sie  vor  einer  Erhitzung
über  100°.  Das  Verfahren  von  Petry  und  Hecking  in  Dortmund  unterscheidet
sich  von  dem  ersteren  nur  dadurch,  daß  die  mit  Wasserdämpfen  gesättigten  Heizgase ­
  den  Apparat  schon  in  der  vorletzten  Trockenkammer  verlassen,  so  daß  die
letzte  Trockenkammer  nur  von  außen  geheizt  wird.  Hierdurch  soll  ein  Anbrennen
der  Trockenschnitzel  vermieden  und  die  Wärme  besser  ausgenutzt  werden. 1 )
Neben  den  Trockenschnitzeln  aus  gewöhnlichen  Diffusionsschnitzeln  sind
neuerdings  auch  sog.  „Zuckerschnitzel“  zu  unterscheiden.  Letztere  werden  nach  dem
Verfahren  von  K.  Steffen  erhalten; 2 )  darnach  werden  die  Rübenschnitzel  nicht  mit
Wasser,  sondern  2  Minuten  lang  mit  bereits  gewonnenem,  auf  96—100°  angewärmtem
Eühensaft  behandelt,  der  Brühsaft  abgezogen,  die  zurückbleibenden  noch  heißen
Schnitzel  in  den  gebräuchlichen  Pressen  abgepreßt  und  dann  in  den  gewöhnlichen
Schnitzeltrockenapparaten  getrocknet.  Ihr  höherer  Gehalt  an  Zucker  rechtfertigt
die  Bezeichnung  „Zuckerschnitzel“.  Die  Zusammensetzung  dieser  Erzeugnisse  erhellt
im  Mittel  mehrerer  Untersuchungen  aus  folgenden  Zahlen:

Getrocknete:

Wasser
°/o

Stickstoff-Substanz

»/„

Fett
«/„

Zucker
°/o

Stickstofffreie

Extraktstolfe

°/o

Rolifaser
°/ 0

Asche
°/ 0

Ganze  Zuckerrüben  .  .

8,10

6,01

0,25

63,32

10,84

6,59

4,89

Diffusionssohnitzel  .  ,

11,90

8,24

0,60

7,60

49,86

17,46

4,45

Zuckerschnitzel  (sog.)  .

7,15

7,05

0.33

34,55

33,97

13,10

3,85

')  Vergl.  M.  Schmöger,  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  59,  83.
3 )  Vergl.  J.  Hansen,  Landw.  Jahrbücher  1903,  32,  337.
        <pb n="398" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Künstlich  getrocknete  Futtermittel.

375

Zur  mikroskopischen  Erkennung  der  Trockenschnitzel  in  Melasse-  und
sonstigen  Futter-Mischungen  können  die  folgenden  mikroskopischen  Abbildungen
—  erhalten  durch  Aufschließen  mit  ganz  verdünnten  Lösungen  von  Säure  und
Alkali  —  dienen:

Eig.  U5,  Zuckerrübe.  Querschnitt  durch  die
Epidermis  und  anliegendes  Gewebe.  (Vergr.  216).
E  Epidermis.  Nach  M.  Schmöger.

Fig.  146.  Zuckerrübe.  Netzgefäße  bei
starker  Vergrößerung  (366).  Ü  Übergangsgewebe, ­
  K  Kern.  Nach  M.  Schmöger.

Fig.  148.  Zuckerrübe.  Oberhautgewebe; ­
  Ansicht  bei  tiefer  Einstellung ­
  des  Tubus.  (Vergr.  100).
Nach  M.  Schmöger.
        <pb n="399" />
        376

Futtermittel.

Die  Oberhaut-(Kork-)Schicht  der  Zuckerrübe  ist  der  der  Kartoffel  ähnlich.
Kennzeichnend  für  die  Zuckerrübenschnitzel  sind  die  Netzgefäße  oder  Siebröhren
(Fig.  146,  S.  375).
Fleischfuttermehl,  Fischfuttermehl,  Kadavermehl.
a)  Das  Fleischfuttermehl 1 )  besteht  aus  den  getrockneten  und  gemahlenen
Rückständen  von  der  Fleischextrakt-Bereitung.  Die  bei  der  Herstellung  des  Fleischextraktes ­
  gewonnenen  knochenreichen  Abfälle  geben  den  Rohstoff  für  das  Fleischknochenmehl, ­
  die  von  Fett  und  Sehnen  tunlichst  befreiten  und  mit  70—80°  warmem
Wasser  ausgezogenen  Fleischstücke  den  Rohstoff  für  das  Fleischfuttermehl  ab.
Gutes  Fleischfuttermehl  muß  nahezu  geruchlos  und  sehr  fein  gemahlen  sein.  An

A  Hg.  149.  B
Muskelfasern  aus  Fleischfuttermehl
nach  Behandeln  mit  Säuren  und  Natronlauge.  nach  alleiniger  Behandlung  mit  Säuren.
(Yergr.  120.)  (Vergr.  300.)
Schweine  kann  es  je  nach  dem  Lebendgewicht  derselben  von  1 / 10 —1  kg,  an  Schafe  von
100  bis  400  g,  an  ein  Stück  Großvieh  von  1 / 2 —1  kg  gefüttert  werden,  ohne  daß  die
tierischen  Erzeugnisse  an  Beschaffenheit  eine  Einbuße  erleiden,  jedoch  soll  man  mit
geringen  Mengen  (10  g  bei  kleineren  oder  60  g  bei  größeren  Tieren)  anfangen.  Für
Pferde  ist  es  nur  in  Form  von  Fleischzwieback  geeignet.
Verfälschungen  kommen  beim  Fleischfuttermehl  kaum  vor.  Am  nächsten
liegt,  demselben  Fleischknochenmehl  —  gekennzeichnet  durch  einen  hohen  Aschengehalt ­
  —  Fischmehl,  Knochen-,  Horn-,  Leder-  oder  Kadavermehl  zuzusetzen.  Zahlreiche ­
  Untersuchungen  des  Fleischfuttermehles  ergaben  folgende  mittlere  Zusammensetzung ­
  und  Schwankungen:
Wasser  Protein  Fett  Asche
Mittel  Schwank.  Mittel  Schwank.  Mittel  Schwank.  Mittel  Schwank.
10,50%  (5,7-15,2%)  72,32%  (59,9-84,2%)  13,17%  (5,9-24,0&amp;lt;%)  3,98%  (1,6-12,0%).
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  behandelt  man  das  Fleischfuttermehl
mit  verdünnten  Säuren  und  verdünnter  Natronlauge;  es  erscheinen  die  Fleischteilchen
l )  Yergl.  zu  diesem  Abschnitt  V.  Schenke,  Landw.  Versuchs-Stationen  1903,  58,  9.
        <pb n="400" />
        Fleischfuttermehl,  Fischfuttermehl,  Kadavermehl.

377

als  Gruppen  von  lose  zusammenhängenden  Fasern,  oder  es  bleiben  undurchsichtige,
dickere  Stückchen,  welche  aber  bei  schwachem  Druck  so  gelockert  werden,  daß
dieselben  ein  Bild  liefern,  wie  es  A  in  Pig.  149  zur  Anschauung  bringt.
Noch  deutlicher  erscheinen  diese  Fasern,  wenn  man  das  zu  prüfende  Mehl
nur  mit  Salz-  oder  Salpetersäure  behandelt.  Es  erscheinen  alsdann  die  einzelnen
Fasern  durch  feine  Querstreifung  schraffiert,  wie  es  B  in  Pig.  149  darstellt.
Stärkemehl  und  sonstige  Pflanzenteile  dürfen  in  einem  Fleischfuttermehl
selbstverständlich  nicht  vorhanden  sein.
b)  Fischfuttermehl,  Fischmehl  oder  Fischguano.  Von  diesen  Erzeugnissen ­
  unterscheidet  man  zwei  Sorten,  eine  fettreiche  und  eine  fettarme  Sorte.  Erstere

wird  nach  dem  älteren  Verfahren  in  der  Weise  gewonnen,  daß  man  alle  unbrauchbaren ­
  Abfälle,  welche  sich  bei  der  Verarbeitung  der  Fische  für  menschliche  oder
technische  Gebrauchszwecke  ergeben,  z.  B.  die  bei  der  Stockfisch-Bereitung  abfallenden
Köpfe  und  Rückgrate  der  Dorschfische,  die  Abfälle  von  der  Tranbereitung,  sowie
ferner  kleinere  unverkäufliche  Fische  (Stichlinge,  Heringe  usw.)  dämpft,  trocknet
und  mahlt.  Auch  werden  die  für  den  Verkauf  unverwendbaren  Fische  nach  einem
der  Kadavermehl-Herstellung  ähnlichen  Verfahren  (vergl.  c)  verarbeitet  und  wird
auf  diese  Weise  ebenfalls  ein  fettreiches  Fischmehl  erhalten.  Die  Fischmehle  werden
aber  sehr  leicht  ranzig  und  sind  für  die  Fütterung  nicht  oder  weniger  geeignet.
Aus  dem  Grunde  werden  jetzt  die  Fische  und  Fischabfälle  durch  hydraulische
Pressen  zunächst  größtenteils  von  öl  und  Wasser  befreit,  darauf  in  offenen  Kesseln
behufs  weiterer  Abscheidung  des  Fettes  gekocht,  die  rückständige  Masse  in  geschlossenen ­
  Kesseln  behufs  Ausziehung  von  Leim  gespannten  Wasserdämpfen  ausgesetzt, ­
  die  gedämpfte  Masse  weiter  in  hydraulischen  Pressen  oder  in  Zentrifugen
entwässert,  auf  Darren  getrocknet,  gemahlen  und  gesiebt.  Oder  die  unbrauchbaren
Fische  und  Fischabfälle  werden  zerquetscht,  getrocknet,  nach  dem  Trocknen  mit
Penzin  entfettet,  nach  dem  Entfetten  nochmals  getrocknet  und  dann  gepulvert.
Das  entfettete  Fischfuttermehl  wird  von  den  Tieren  lieber  aufgenommen,  als  das
fettreiche  Fischmehl,  weil  letzteres  durchweg  einen  schlechten,  tranähnlichen  Geruch
besitzt.  Bezüglich  der  Art  und  Menge  der  Fütterung  gilt  dasselbe  wie  bei  Fleisch-,'ittermehl.
  Zur  Beseitigung  des  üblen  Geruches  wird  den  Fischmehl-Preßkuchen,

besondi

folgende:

ers  den  Heringskuchen,  Kleie  zugesetzt. 1 )  Die  mittlere  Zusammensetzung  ist

Wasser

Protein

Fett

Asche

°/„

»/„

°/„

°/

.  .  11,33

58,45

11,65

18,57

.  .  10.55

63,96

2,00

23,50

.  .  7,50

38,50

13,50

8.25

Men
7,5-47,0-


  des  Fischmehles;
Fischmehl  I  fettreich  ■  ■  ■  •
w  .  \  fettarm
Heringskuchen  mit  Kleienzusatz.  ,  .
Die  Heringskuchen  enthalten  neben  vorstehenden  Bestandteilen  je  nach  der
e  der  beigemengten  Kleie  20,0-45,0  »/„  stickstofffreie  Extraktstoffe  und
11,0  °/ 0  Rohfaser  Der  Gehalt  der  Fischfuttermehle  an  Protein  schwankt  von
-66,0  o/ Q)  der  an  Fett  von  1,25—19,0  °/ 0 ,  an  Asche  von  5,4-38,0  °/o-  Das
■FLchfuttermehl  enthält  ferner  mehr  Leim  als  das  Fleischfuttermehl.
c)  Kadavermehl  (Tierkörpermehl,  auch  deutsches  Fleischfuttermehl  genannt).
Während  früher  nicht  verwertbare,  mit  Infektionskrankheiten  behaftete  Tiere  oder
veri
  jetzt  entweder  durch  Behandeln  mit  Schwefelsäure
lösen  zwecks  Gewinnung  von  Fett  und  Dünger)  oder  durch  Dämpfen  unschädlich
Und  gleichzeitig  nutzbar  zu  machen.  Ganze  oder  zerschnittene  Tiere  bezw.  iierwerden
  in  Trommeln  mehrere  Stunden  gespannten  Wasserdämpfen  von

yy  c/i  IU(M  Cj  iiliu  uuiiaivi  «liixva.i.wxuw.u.  UOJLJ.CU.büLC  J.XOJC  U
brannt°  ° ares  Fl eisc b  und  Fleischabfälle  entweder  vergraben  (verscharrt)  oder  v
(Auflr-  Wu ™ en &amp;gt;  su °ht  man  dieselben  jetzt  entweder  durch  Behandeln  mit  Schwefelsäi

obfälle

)  Derartige  Gemische

gespannten
müssen  selbstverständlich  als  solche  bezeichnet  werden.
        <pb n="401" />
        378

Futtermittel.

3—5  Atmosphären,  also  Temperaturen  von  130—140°  ausgesetzt;  hierbei  scheidet
sich  das  Fett  ab,  welches  für  sich  gesammelt  wird;  ferner  wird  eine  leimhaltige
Flüssigkeit  erhalten,  die  auf  Leim  verarbeitet  wird,  während  der  gedämpfte  Rückstand ­
  nach  dem  Trocknen  leicht  gepulvert  werden  kann  und  das  Kadavermehl  abgibt. ­
  Die  Zusammensetzung  desselben  ist  nach  mehreren  Untersuchungen  folgende:
Wasser  Protein  Fett  Asche
Mittel  Schwank.  Mittel  Schwank.  Mittel  Schwank.  Mittel  Schwank.
6,60%  (3,5-11,4%)  52,15%  (40,0-65,0%)  16,60%  (8,0-22,0%)  24,65%  (15,4-33,6%).
Dem  Kadavermehl  haftet  durchweg  ein  so  scharfer  Geruch  an,  daß  es  von
Pferden,  Kühen  und  Schafen  nicht  aufgenommen  wird.  Schweine  sind  dafür  weniger
empfindlich  und  verzehren  dasselbe  anscheinend  bis  zu  1  kg  für  ein  ausgewachsenes
Tier  ohne  Nachteil.  Indes  ist  mit  Rücksicht  auf  die  Herkunft  des  Kadavermehles  größte
Vorsicht  am  Platze;  es  darf  selbstverständlich  nur  solches  Kadavermehl  zugelassen
bezw.  angewendet  werden,  in  welchem  alle  Infektionskeime  vollständig  abgetötet  sind.
IV.  Unkrautsamen  und  Verfälschungsmittel.
Gewisse  Unkrautsämereien  sind  stete  Begleiter  der  Getreideabfälle  und  derjenigen ­
  Rückstände  der  Ölbereitung,  welche  aus  so  kleinen  Samen  gewonnen  werden,
daß  die  Unkrautsamen  nur  mit  großer  Mühe  daraus  zu  entfernen  sind.  Die  Anzahl
der  auf  diese  Weise  in  den  Futtermitteln  vorkommenden  Unkrautsamen  ist  außerordentlich ­
  groß.  Dieselben  lassen  sich  kaum  erschöpfend  behandeln.  Bis  jetzt  sind
nur  die  aln  häufigsten  vorkommenden  Unkrautsamen  mikroskopisch  näher  untersucht
und  diese  mögen  hier  kurz  beschrieben  werden.
Vnkrautsameii  von  Gräser  arten.
Die  Unkrautsamen  aus  der  Familie  der  Gräser  sind  ebenso  wie  die  Kulturgrasarten, ­
  die  Getreidearten,  vorwiegend  durch  den  anatomischen  Bau  der  Spelzen
unterschieden  und  eignet  sich  zur  Unterscheidung  vorwiegend  die  äußere  Oberhaut
der  Deck-  und  Vorspelzen.  Die  Spelzen  einiger  der  wichtigsten  Gras-Unkrautsamen
sind  von  J.  Formäneck 1 )  mit  folgendem  Ergebnis  untersucht:

a

Fig.  150.  Lolch  (Lolium  temulentum).  Spelzen.  Nach  J.  Form  aneck.  A  Deckspelze,  B  Yorspelze,
a  Breite  der  dickwandigen  Zellen,  c  Einbuchtungen,  k  Kurzzellen,  m  Zwillingskurzzellen,
d  Entfernung  der  Einbuchtungen.  (Vergr.  1:150).
*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1899,  2,  833.
        <pb n="402" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Verfälschungsmittel.  379
a)  Lolch  (Lolium  temulentum,  Fig.  150).  Die  äußere  Epidermis  der  Deckspelze ­
  (A)  des  Lolches  besteht  aus  den  langen,  in  der  Mitte  dickeren,  an  den

Rändern  und  hei  der  Yorspelze  (B)
dünnen,  unregelmäßig  gewellten  Zellen,
deren  Einbiegungen  mehr  in  die  Spitze
laufen,  was  sich  deutlich  hei  den  dünnwandigen ­
  Zellen  äußert.  Die  langen
Zellen  sind  entweder  durch  die  rundlichen ­
  Kurzzellen  (k),  welche  nach
außen  glatt,  im  Innern  aber  papillenartig ­
  gebaut  sind,  oder  durch  die
Zwillingskurzzellen  (m),  deren  größere
gebogenen  konischen  Zellen  eine
kleinere  Zelle  umfassen,  unterbrochen.
b)  Trespe  (Bromus  secalinus  L.,
Fig.  151).  Die  Zellen  der  äußeren
Epidermis  der  Deckspelze  sind  lang,
dickwandig,  an  den  Rändern  und  bei
dgr  Yorspelze  jedoch  schwächer  entwickelt; ­
  die  Wände  sind  wellenförmig
gebogen.  Die  Einbuchtungen  der
Wände  sind  zum  Unterschiede  von  denen
des  Lolches  rund  und  zeigen  schärfere
Einbiegungen.

A

Fig.  151.  Trespe  (Bromus  secalinus).  Spelzen.  Nach
J.  Form  an  eck.  A  Deckspelze.  B  Vorspelze,  a  Breite
der  dickwandigen  Zellen,  c  Breite  der  Einbuchtungen,
d  innere  Entfernungen  der  Einbuchtungen,  k  Kurzzellen, ­
  m  Zwillingskurzzellen,  o  Spaltöffnungen.
(Vergr.  1:150).

A

Flughafen  (Avena  fatua).  Spelzen.  Nach  J.  Formaneck.  A  Deckspelz  ,  ,  .  n
1  ® e )tenspelze  mit  Kurzzellen,  CHUllspelze,  aBreite  der  dickwandigen  Zellen,  c  Breite  der  Fluh  S  ,
u  innere  Entfernung  der  Einbuchtungen,  k  Kurzzellen,  m  Zwillingskurzzellen,  o  Spaltonnuuge  .
(V  ergr.  1:150).
        <pb n="403" />
        380

Futtermittel.

Die  langen  Zellen  sind  durch  die  Kurzzellen  oder  die  Zwillingskurzzellen
oder  durch  beide  Zellenarten  unterbrochen.  Die  Kurzzellen  sind  mehr  oval  und  zum
Unterschiede  von  denen  des  Lolches  an  beiden  Seiten  zahnförmig.
c)  Flughafer  (Avena  fatua  L.,  Fig.  152,  S.  379).  Die  Zellen  der  äußeren
Epidermis  der  Deckspelze  sind  in  der  Mitte  dickwandig,  an  den  Rändern  ebenso  wie  die
der  Yor-  und  Hüllspelze  weniger  stark  entwickelt.  Die  Zellen  der  Flughaferspelze
haben  dieselbe  trommelschlägelartige  Struktur  wie  die  der  Haferspelze  (Avena
sativa  L.,  vergl.  S.  310).  Die  halbmondförmigen  Zellen  nehmen  jedoch  eine  hufeisenförmige ­
  Struktur  an;  am  meisten  unterscheiden  sich  Flughafer-  und  Haferspelze  durch
die  Dimensionen  der  dickwandigen  Zellen  (vergl.  die  unten  S.  382  stehende  Übersicht
über  die  Dimensionen  der  Zellen).
d)  Quecke  (Triticum  repens  L.,  Fig.  153).  Der  Bau  der  Zellen  der  Quecke
gleicht  dem  der  Gerstenspelze  (Hordeum,  vergl.  S.  306).  Die  Zellwände  sind  auch
ähnlich  gleichmäßig  buchtig  gewellt,  in  der  Mitte  der  Oberhaut  der  Deckspelze

Fig.  153.  Quecke  (Triticum  repens).  Spelzen.  Nach  J.  Form  an  eck.  A  Deckspelze,  B  Vorspelze,
a  Breite  der  ganzen  dickwandigen  Zelle,  c  Breite  der  Einbuchtungen,  d  innere  Entfernung  der  Einbuchtungen ­
  der  Zelle,  k  Kurzzellen,  m  Zwillingskurzzellen,  o  Spaltöffnungen.  (Yergr.  1:150).
dicker,  an  den  Rändern  und  bei  der  Vorspelze  dünner  entwickelt;  die  Zellwände  der
Queckenspelze  sind  jedoch  regelmäßiger  und  dünner,  die  Zelleinbuchtungen  im  Innern
weiter  voneinander  entfernt  als  bei  der  Gerstenspelze;  auf  dem  Unterschied  dieser
Dimensionen  der  Zellen  beruht  das  wesentlichste  Unterscheidungsmerkmal  (vergl.
untenstehende  Übersicht).  Die  Zellenquerwände  sind,  wie  bei  der  Gerstenspelze,
glatt  und  gleichmäßig  verdickt,  die  Kurzzellen  rund  und  oval.
e)  Borstengras  (Setaria  viridis  B.  Br.,  Fig.  154,  S.  381).  Die  Spelze  besteht  aus
kurzen  Zellen  und  hat  keine  doppelten  Kurzzellen.  Die  Zellen  der  Deckspelze  sind
dickwandig,  an  den  Rändern  und  bei  der  Vorspelze  dünner  und  länglich,  mit  größeren
Einbuchtungen.  Kennzeichnend  für  Borstengras  ist,  daß  im  Gegensatz  zu  den  aufgeführten ­
  Spelzen  jede  dickwandige  Zelle  nahe  an  der  Querwand  mit  einer  Art
Zahn  (z)  versehen  ist;  diese  kurzen  Zähne  erscheinen,  von  der  äußeren  Fläche  der
Spelze  aus  gesehen,  als  doppelt  konturierte  Ringe  (r).
f)  Hühnerfennich  (Panicum  crus  galli  L.,  Fig.  155,  S.  381).  Die  Zellen  der
Oberhaut,  der  Deck-  wie  Vorderspelze  sind  im  mittleren  Teil  kurz-dickwandig,  zum
Unterschiede  von  der  gewöhnlichen  Rispenhirsespelze  (Panicum  miliaceum)  sehr
        <pb n="404" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Yerfälschungsmittel.  381

breit  und  dicht  und  zeigen  tief  gefaltete  Biegungen.  An  den  Bändern  der  Spelze
sind  die  Zellenwände  schwächer  entwickelt,  die  Querwände  deutlich  gewellt,  die

kurzen  Zähne  von  der  Fläche  aus  gesehen.  (Yergr.  1:150).

155.

—  Hühnerfennlch  (Panicum  crus  galli).  Spelzen.  Nach  J.  Formäneck.  A  Deckspelze,
a  Breite  derZellen,  bLänge  der  Zellen,  c  Breite  derElnhnchtungen,  d  innere  Entfernung  der  Einbuchtungen.
(Yergr.  1:150).
Zellen  länglich,  wie  bei  der  gewöhnlichen  Hirsespelze;  von  letzterer  unterscheidet
sie  sich  besonders  durch  die  Dimensionen.  Die  Hühnerfennichspelze  ist  aber  auch
        <pb n="405" />
        382

Futtermittel.

der  Reisspelze  S.  313  ähnlich;  die  dickwandigen  Zellen  der  letzteren  sind  aber
verhältnismässig  noch  größer  und  breiter  (vergl.  die  folgende  Übersicht).

Übersicht  über  die  Größenverhältnisse  der  Zellen  der  vorstehenden
Spelzen.

Spelze  der  Samen
von

Breite  der
dickwandigen ­


Breite
der  Binbuch- ­


  Eutiiing
  der
Eintungen ­
  (d)

Auf  1000  ß
Länge
kommen
Kurzzellen ­


Spaltöffnungen ­


Haare

Zellen  (a)

tungen(o)

PC  rP
Po  £
H-1  «1-1  P
P

in  den  Oberhautzellen

Lolium  temulentum  L.

40-66  ß

12—20  ß

16  ß

12—17

vorhanden

kurz,

Bromus  secalinus  L.  .

32—44  ß

14—16  ß

3—12  ß

8—12

desgl.

konisch,
dickwandig.

Avena  fatua  L.  .  .  .

40-60  ß

17—26  ß

5—8  ß

—

desgl.

kurz,

(Avena  sativa  L.,  vergl.
oben  S.  310)  .  .  .

30-40  ß

14—16  ß

CO
1

konisch.

Tritioum  repens  L.

22—24  fi

7—8  u

8  ß

—

desgl.

—

(Hordeum,  vergl.  S.  306)

23—28  ß

10-12  ß

3—4  ß

—

—

—

Setaria  viridis  R.  Br.  .

64—72  ß

24—28  ß

16—20  ß

’

—

—

Panicum  crus  galli  L.

56—96  ß

24—44  ß

8  ß

—

—

—

Desgl.  einzelne  Zellen

88—128  ß

40—66  ß

8—16  u

—

—

—

(Eeisspelze,  vergl,  Seite
313)

185—270  ß

80—110  ß

25—50  ß

—

—

—

Unkrautsamen  von  Cruciferen.
Außer  den  Vertretern  der  Ölsamen,  die  zu  der  Gruppe  der  Brassica  Napus
und  Brassica  Rapa  gehören  und  die  nach  dem  Entfetten  nur  die  Bezeichnung  Raps-  oder
Rühkuchen  (S.  335)  führen  sollen,  kommen  noch  eine  Reihe  anderer  Cruciferensamen
vor,  die  teils  für  sich  allein  oder  auch  im  Gemisch  mit  obigen  zwei  Samen-Varietäten
gepreßt  werden  oder  sich  als  Unkrautsamen  in  den  echten  Raps-  oder  Rühkuchen
finden.  Hierzu  gehören  u.  a.:
a)  Ostindische  Rapssaat  (Brassica  campestris  L.  var.  Sarson  Train,  Indian
Colza,  auch  Brassica  glauca  oder  Sinapis  glauca  Roxb.  genannt,  Fig.  156).  Die
indischen  Rapskuchen  enthalten  nach  J.  Hansen  und  H.  Hecker 1 )  nicht  mehr
Senföl  (0,7  °/ 0  im  Samen)  oder  von  anderer  Wirkung  als  die  Rapskuchen  aus
europäischer  Saat;  auch  haben  sie  nach  ihnen  denselben  Futterwert  als  diese;
nichtsdestoweniger  sollen  sie  nach  der  S.  335  angegebenen  Begriffserklärung
als  indische  Rapskuchen  bezeichnet  werden.
Als  besonderes  Kennzeichen  für  die  Unterscheidung  des  ostindischen  Rapses
von  anderen  Brassica-Ärten  gibt  C.  Böhmer  an,  daß  die  meist  undeutlich  rundlichen ­
  Palissaden  stark  lichtbrechend  sind;  eine  Maschenzeichnung  ist  nur  selten
und  dann  noch  schwach  vorhanden.  Die  glatte  Epidermis  und  das  äußere  Parenchym ­
  lassen  keine  Teilung  erkennen. 2 )  Die  Farbe  ist  gelbweiß.
*)  Laudw.  Jahrbücher  1903,  32,  371.
2 )  Weiter  kommen  im  indischen  Rapskuchen  vor:  Brassica  juncea  Hook  f.  et  Thoms,
Brassica  dichotoma  Prain  (brauner  indischer  Raps)  und  Brassica  ramosa  (punktierter  indischer
Raps).  Hierüber  vergl.  C,  Böhmer,  Kraftfuttermittel  1903,  416.
        <pb n="406" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Verfälschungsmittel.  383

b)  Europäischer  Eaps  (Brassica
Indien  wachsende  Brassica-Art  hat  eine  s
Epidermis  und  äußeres  Parenchym  sind
kollabiert.
c)  Bussischer  Sareptasenf
(Brassica  Besseriana  Andr..  Big.  158).  Der
Sareptasenf  von  hellbrauner  Farbe  wird
zum  Typus  Brassica  juncea  Roxb.  (Sinapis
glauca  L.,  nach  Burchard  mit  Brassica
lanceolata  Lange  sich  deckend)  gerechnet
und  kommt  zuweilen  im  indischen  Raps
vor;  da  er  außer  dem  gewöhnlichen  Senföl
ein  ätherisches  Senföl  enthält,  welches
die  Haut,  besonders  Schleimhaut,  stark
angreift  —  daher  die  Verwendung  des

Hächenansicht.  Querschnitt.
In  a  •  Fig '  156-«tuscher
  Raps  (Brassica  campestris  var.  Sarson
•*«»«.).  l  Epidermis,  2  Parenchymschiclit,  3  Palissaden-4
  Farbstoffschicht,  5  Proteinzellen,  6  innere
Parenchymschicht.  Nach  C.  Böhmer.
Sareptasenfes  zu  Senfpflastern  —,  so  isi
schädlich  anzusehen.

campestris  L.,  Fig.  157).  Diese  nicht  in
tärkere  Maschenzeichnung  als  der  Rübsen;

Flächenansicht.
Fig.  157.
Europ  äi  sch  er  Raps  (Brassica  campestris  L.).
.....  Nach  C.  Böhmer.

;£  sein  Vorkommen  in  Rapskuchen  als

Querschnitt  Fig.  158.
Russischer  S  a  r  e  p  t  a  s  e  n  f.

Flächenansicht.
Nach  C.  Böhmer.

hebe

kde  ungleich  hohen  Palissaden  bilden  in  der  Flächenansicht  eine  meist  deuti
  aschenzeichnung  und  auffallend  enge,  rundliche,  oft  dreieckige  Lumina.
        <pb n="407" />
        384

Futtermittel.

d)  Raute  .(Eruca  sativa  Lam.,  Fig.  159)  und  Schotendotterhederich
(Erysimum  orientale,  Fig.  160).  Beide  Unkrautsamen  kommen  in  Rapskuchen  vor,
und  zwar  nach  C.  Böhmer  (1.  c.  S.  428)  Eruca  sativa  Lam.  vorwiegend  im  indischen
und  europäischen,  Erysimum  orientale  im  südrussischen  Raps.
Eruca  sativa  hat  eine  glatte  Samenschale,  deren  Epidermis-Zellen  leicht  quellen
und  Schichtung,  sowie  im  Querschnitt  axile  Säulen  erkennen  lassen.  Der  obere  Teil
der  Palissaden  erscheint  in  der  Flächenansicht  als  zartes  Maschennetz.
Ähnlich  verhält  sich  der  Samen  von  Erysimum  orientale;  auch  er  hat  eine
stark  quellende  Epidermis;  die  Palissadenzellen  sind  nur  am  untersten  Teil  der
Epidermis  verdickt.

Querschnitt.  Fig.  159.  Flächenansichten.
Raute  (Eruca  sativa  Lam.),  Nach  C.  Böhmer.

Flächenansicht.  Fig.  160.  Querschnitt.
Schotendotterhederich  (Erysimum  orientale).  Nach  C.  Böhmer.

e)  Hederichsamen  (Raphanus  Raphanistrum  L.,  Fig.  161).  Der  Hederichsamen ­
  wird  nicht  selten  für  sich  allein  gepreßt  und  unter  dem  Namen  „öl-  oder  Rapsoder ­
  Rübsenkuchen“  in  den  Handel  gebracht.  In  den  echten  Sorten  der  letzteren,  ferner
im  Leinkuchen  bezw.  Leinmehl  findet  er  sich  fast  stets  als  natürliche  Beimengung.
Mitunter  kommen  nur  aus  Hederichsamen  und  Ackersenf  hergestellte  Ölkuchen
in  den  Handel,  die  sich  in  der  chemischen  Zusammensetzung  von  den  Raps-  und
Rübsenkuchen  nicht  unterscheiden.  Die  anatomische  Struktur  des  Samens
stimmt  im  allgemeinen  mit  derjenigen  der  Senfsamen  überein.  Diese  Unkrautsamen
lassen  sich  mikroskopisch  nur  schwer  von  den  Brassica-Arten  unterscheiden  (vergl
S.  337).  Am  kennzeichnendsten  zur  Unterscheidung  ist  die  in  Big.  161  unter  0
dargestellte  Flächenansicht  der  Stäbchenschicht  mit  ihrem  sehr  kleinen  Lumen.
        <pb n="408" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Yerfälschungsmittel.

385

a  Oberhaut  mit  einer  gequollenen  Zelle  a',
b  darunter  liegende,  tafelförmige  Zellen  mit
Interzellularräumen  b',  c  wellenförmig  verlaufende ­
  Stäb  chenschicht,deren  peripherisches,
äußeres  Ende  sehr  lang  und  dünnwandig  ist,
sich  daher,  wie  in  Fig.  B  bei  b  angedeutet,  von
dem  unteren  loslöst,  d  darunter  liegende,  gelbgefärbte ­
  Tafelzellen,  e  Endospermschicht  mit
darunter  liegenden,  zartwandigen  Parenchymzellen ­
  f  (mit  den  übrigen  Brassica-Samen  kongruent). ­
  C  die  Tangentialansiclit  der  Stäbchenschicht ­
  ist  sehr  deutlich  netzförmig,  Zellen  mit
sehr  kleinem,  infolge  seitlicher  Beschattung
schwarz  erscheinendem  Lumen  und  in  der
mazerierten  Masse,  infolge  seitlicher  Verschiebung ­
  des  oberen,  dünnwandigen  Teiles,
oft  nur  undeutlich  erkennbar.

A  Querschnitt.

Fig.  161.  Hederichsamen.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer,
ß  und  C  Tangentialansichten  zu  den  3  peripherischen  Schichten.

f)  Ackersenf  (Sinapis  arvensis  L.,  Fig.  162).  Die  Senfsamen  gehören  sämtlich
des  darin  enthaltenen  ätherischen  Senföls  zu  den  für  landwirtschaftliche  Nutztiere
c nädlichen  Samen.  Die  von  Senföl  größtenteils  befreiten  Preßrückstände  sind  nicht

Querschnitt,  Tangentialansicht  der  Stähohenschloht.
1—4  g  Fig.  163.  Ackersenf.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
enschale,  1  Epidermis  mit  einer  aufgequollenen  Zelle  a,  2  Parenchym,  3  Stähchenschicht,
4  Earhstoffschicht,  5  äußere,  6  innere  Endospermschicht.

und  werden  die  sog.  Senfkuchen  vereinzelt  als  Futtermittel  angehoten.

Tr*  i  U11U  werden  di
ei  Senfsamen  enthaltende

lanJL Ver ^ ttert  UIK ^  wom öglich  zur  Entfernung  des  Senföles  vorher  einige  Zeit  mit
■icuiwarmem  .  ,  ,  ,

Ölsamen-Etickstände  sollen  aber  stets  mit  größter  Yorarmem

  Wasser  erwärmt  und  dann  gekocht  werden.

Land’

■Wirtschaftliche  Stoffe,  8.  Auflage,

25
        <pb n="409" />
        386

Futtermittel.

Der  Samen  des  Ackersenfes  zeichnet  sich  vor  dem  der  Brassica-Arten  durch  die
hohen,  tafelförmig  aneinander  gereihten  Epidermiszellen  aus  (Fig.  162,  S.  385).  Zur
Identifizierung  dienen  die  kleinen,  radial  pfeilspitzenartig  gestreckten  Stäbchen.  Ihre
Höhendifferenz  fällt  im  Verhältnis  zur  Länge  nicht  ins  Auge,  man  bemerkt  deshalb
auch  kein  Schattennetz.  Infolge  der  zentralen  Verdickung  der  seitlichen  Zellwände
sind  die  Lumina  undurchsichtig  und  heben  sich  in  der  Tangentialansicht  als  schwarze
Striche  hervor,  welche  von  den  braunen  Zellwänden  wie  von  den  Fäden  eines
kleinmaschigen  Netzes  umgeben  werden.
g)  Schwarzer  Senf  (Brassica  nigra  Koch.,  Sinapis  nigra  L.,  Fig.  163).  Über
den  braunschwarzen  Stäbchenzellen  bemerkt  man  in  der  Tangentialansicht  eine  aus-Fig.

  163.  Schwarzer  Senf.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Tangentialansicht  zu  den  entsprechenden  Nummern  Tangentialansicht  der  Stäbchenschicht,
des  Querschnittes.

geprägte,  große  Maschenzeichnung,  veranlaßt  durch  die  zwischen  die  zartwandigen,
großen  Parenchymzellen  (2,  Fig.  163)  radial  hineinragenden,  fadenförmigen  Verlängerungen ­
  der  Stäbchen.  Das  Bild  kann  nur  zu  Verwechselungen  des  schwarzen
Senfs  mit  russischem  Senf  (Sinapis  juncea)  oder  mit  Hederich  (Raphanus  Eaphanistrum),
allenfalls  auch  mit  Rübsen  führen.  Russischer  Senf  ist  aber  an  der  helleren  Färbung
der  Stäbchen  kenntlich.  Der  Unterschied  der  übrigen  Sämereien  läßt  sich  nur  am
Querschnitt  feststelien.  Der  Hederich  enthält  über  den  Stäbchen  eine  2-reihige
Schicht  dickwandiger  Parenchyrazellen,  der  schwarze  Senf  nur  eine  Reihe  dünnwandiger, ­
  nahezu  kubischer  Zellen;  beim  Rübsen  fehlen  unter  anderem  die  langen,
fadenförmigen  Verlängerungen  der  Stäbchen.
Die  5—6-seitigen  hohen  Tafelzellen  der  Epidermis  sind  wie  diejenigen  des
weißen  Senfs  und  Hederichs  mit  zarten  Porenkanälen  versehen.
h)  Weißer  Senf  (Sinapis  alba  L.,  Fig.  164).  Stäbchen  im  Gegensatz  zu  denen
aller  anderen  Brassica-  und  Sinapisarten  farblos  oder  schwach  gelblich  gefärbt,  nur  im
        <pb n="410" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Yerfälsohungsmittel.

387

unteren  Drittel  bis  zur  halben  Höhe  verdickt,  von  da  ab  in  Gestalt  geschlängelter
Fäden  in  die  kollenchymatisch  verdickten  Zellen  (2  Fig.  164)  verlaufend.  Die
niedergedrückten  Fäden  verdecken  bei  schwacher  Aufschließung  in  der  Tangentialansicht ­
  die  Lumina  der  farblosen  Zellen  und  lassen  keine  Maschenzeichnung  erkennen;
erst  nach  genügender  Aufhellung  durch  längeres  Kochen  mit  Säuren  und  Alkalien
tritt  die  Maschenzeichnung  zwar  schwach  aber  deutlich  hervor.  Epidermiszellen
im  Querschnitt  quadratisch,  geschichtet,  in  Wasser  hoch  auf  quellend,  mit  spaltenförmigem ­
  Lumen,  in  der  Tangentialansicht  5—6-seitig  polygonal.

Querschnitt.

1  Epidermis  (a  gequollene  Zelle),  2  Parenchymschicht, ­
  3  Stäbchenschicht,  4  Endodermis,
5  und  6  Endospermschichten.

Fig.  164.  Weißer  Senf.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.

0.  Burchard 1 )  hat  auch  die  anatomische  Struktur  verschiedener  anderer
seltenen  Senf  arten  beschrieben.  „  _
i)  Hirtentäschchen  (Capsella  bursa  pastoris  L.,  Fig.  165,  S.  388).  Der  Samen
de s  Hirtentäschchens  kommt  besonders  häufig  in  Lein-  und  Rapskuchen  vor.  Man
erkennt  ihn  an  den  gallertartig  aufquellenden,  in  der  Tangentialansicht  reihenweise
nebeneinander  liegenden,  nahezu  quadratischen  Epidermiszellen,  unter  welchen  das
darunter  liegende,  dünnwandige  Parenchym  und  eine  Schicht  gelbbrauner,  lückenlos
aneinander  gefügter  Tafelzellen  hervorleuchten.  Die  letzteren  entsprechen  den
1  täbchen  der  Brassica-Arten  und  erscheinen  im  Querschnitt  des  Samens  mi  sei  ic
emporgehobenen  Rändern.

)  Journ.  f.  Landwirtschaft  1894,  42,  125.

25*
        <pb n="411" />
        388

Futtermittel.

Die  gequollenen  Lumina  der  Epidermiszellen  ragen  auf  Querschnitten  schorn
steinartig  empor.

Querschnitt.
1  Epidermis,  2  Parenchymschicht,  3  sog.
Stähchenschieht,  4  Farhstoffschicht,
ö  äußere,  6  innere  Endospermsohicht,
a  Lumen  der  Epidermiszellen.

Tangentialansiohten  zu  den  entsprechenden  Nummern
des  Querschnittes.

Fig.  165.  Hirtentäschchen.  fVergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.

k)  Feld-Pfennigkraut  (Thlaspi  arvense  L.,  Fig.  166).  Der  Samen  des  Feld-Pfennigkrautes
  kennzeichnet  sich  durch  den  wellenförmigen  Verlauf  der  Stähchenschieht,

Feld-  Pfennigkraut.  Querschnitt.
1  Epidermis,  2  Parenchymschicht,  3  Stäbchenschicht. ­
  4  und  5  Sta)stoffschicht,  6  Plasmazellen, ­
  a  leistenförmige  Erhebungen,  b  Interzellularräume. ­


Fig.  160.  Feld-Pfennigkraut.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern  des  Querschnittes.

indem  absatzweise  die  langen  Stäbchen  in  paralleler  Richtung  allmählich  in  kürzere
übergehen  und  nach  dem  Zurückgang  auf  halbe  Länge  wieder  längere  folgen.
Durch  die  langen,  dunkelbraun  gefärbten  Stäbchen  entstehen  die  leistenförmigen
        <pb n="412" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Yerfälschungsmittel.  389

Erhebungen,  welche  in  der  Tangentialansicht  die  dunklen  Linien  hervorrufen.  In
den  zwischen  denselben  liegenden  Rillen  treten  die  dickwandigen,  englumigen  Zellen
in  polygonaler  Begrenzung  deutlich  hervor.  Auf  Querschnitten  besitzen  dieselben
infolge  ihrer  Rundung  am  peripherischen  Ende  und  der  farbigen  Schattierung  ein
pfauenfederähnliches  Aussehen.  Zwischen  den  radial  etwas  zusammengedriickten
Plasmazellen  bemerkt  man  deutliche  Interzellularräume.
1)  Kresse  (Lepidium  sativum  L.,  Fig.  167).  Der  Kressensamen  zeichnet  sich
durch  2  sehr  kennzeichnende  Zellschichten  aus.  Die  farblosen,  in  der  Tangentialansicht
6-seitig  polygonalen  Epidermiszellen  quellen  nämlich  in  Wasser  und  selbst  in  nahezu
absolutem  Alkohol  außerordentlich  leicht  auf,  wobei  die  innere,  das  Lumen  umgebende
Membran  saugrüsselartig  hervortritt.  Die  rotbraunen  Stäbchen  umkleiden  wie  diejenigen ­
  des  Leindotters  rähmchenartig  die  Zelllumina.

Kornrade,  Agrostemma  Githago  L.
Der  Samen  der  Kornrade  enthält  ein  vorwiegend  in  den  Samenschalen  voröinmendes,
  drastisch  wirkendes  Alkaloid,  das  „Agrostemmin“  und  ferner  eine
örtlich  scharf  wirkende  giftige  Substanz,  das  „Grithagin“,  ein  dem  Saponin  ähnliches
ykosid.  Uber  die  Schädlichkeit  vergl.  S.  297  Anm.  Die  Nachweisung  dieses
n krautsamens  in  Futtermitteln  ist  daher  häufig  von  Belang.
Die  Rade  kommt  vorwiegend  in  Weizen-  und  Roggonkleie  vor,  worin  sie  sich
r :-' t; llnter  ma kroskopisch  durch  ihre  schwarzen,  nierenförmig-kugeligen  Schalen  ver-‘
  j  unter  der  Lupe  bemerkt  man  auf  denselben  reihenweise  die  in  schneckenförmigen
dor's 110 ^ 01 '  an S eor dneten  Höckerchen.  Dieselben  bilden  die  schwarzbraune  Epidermis
erk  amens chale,  auf  deren  Oberfläche  man  unter  dem  Mikroskop  zahllose  Wärzchen
&amp;lt;liirc| lnt  390)-  Auf  Tangential-  und  Querschnitten  sind  die  Höcker
q  ^ ln!  der  gebuchteten  wellenförmigen  Umgrenzung  parallel  verlaufende
Schichtung  gekennzeichnet.
eis-e  ,,!  u * er  niehreren  Schichten  eines  radial  zusammengepreßten  Parenchyms  liegen
ecki* 1  spindelförmige  Stärkekörper,  welche  durch  Druck  in  zahllose,  rundlich-•V
  ,W  ® ro ® e  Stärkekörnchen  zerfallen.
ber  den  chemischen  Nachweis  der  Kornrade  vergl.  S.  271.
        <pb n="413" />
        390

Futtermittel.

Tangentialansicht  der  Oberhaut  (1).

Tangentialansicht  zu  den
entsprechenden  Nummern
des  Querschnittes.

Fig.  168.  Kornrade.  Querschnitt.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
1  Oberhaut,  A  und  A'  Höcker,  a  Wärzchen  auf  denselben,  h  Schichtung,  2  und  3  Parenohymschichten,
4  Stärkezellen,  5  Stärkekörner.

Yogelmiere,  Stellaria  mcdia  L.

Die  seesternförmigen  Epidermiszellen  sind  typisch  für  eine  große  Anzahl
Samen  der  Pflanzen  aus  der  Familie  der  Nelkengewächse.

Querschnitt.  1  Epidermis,
2  und  3  Parenchymschichten,
4  Stärkezellen.
Fig.  169.  Vogelmiere.

Tangentialansicht  der  Epidermis.
(Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
        <pb n="414" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Yerfälscliuugsmittel.

391

Die  braune  Epidermis  der  Stellaria  media  wird  von  zahlreichen,  scharf  umgrenzten ­
  Warzen  bedeckt.  Unter  der  Schale  liegen  polyedrische,  mit  winzig  kleinen
Stärkekörnchen  gefüllte  Zellen.

Wegerich,  Plantago  lanceolata  L.
Den  Wegerich  findet  man  in  den  Rückständen  kleiner  Ölsamen  (Eaps-,  Leinkuchen ­
  usw.)  und  in  der  Kleie.  Er  ist  infolge  der  hornigen,  in  Wasser  aufquellenden
Epidermis  fast  unverdaulich  und  zeichnet  sich  durch  die  kleinen,  porösen,  stark
verdickten  und  hornartig  erhärteten  Endospermzellen  mit  den  darüber  lagernden,
einen  braunen  Inhalt  führenden  Tafelzellen  aus.

Querschnitt  {in  Kalihydrat  gequollen).
1  Epidermis,  2  Parenchymschicht,
3  Farbstoffschicht,  4  Endosperm.

Fig.  170.  Wegerich.

Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden
Nummern  des  Querschnittes.
(Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.

Gemeiner  Sauerampfer,  Rumex  acetosa  X.
Die  kleinen,  glänzenden,  3-kantigen  Samen  des  Sauerampfers  erhalten  ihre
Festigkeit  durch  die  hornartig  erhärteten,  in  der  Tangentialansicht  sternförmig  ge-1

  n,  Querschnitt.
4  Barmi  2  ^Piüermis,  8  Farhstoffschicht,
6  stört  ^ er  Samenschale,  5  Kleberzellen,
ehaltlges  Parenchym,  7  Stärkekörner.
Fig.  171.  Sauerampfer.

Tangentialansiohten  zu  den  entsprechenden
Nummern  des  Querschnittes.
&amp;lt;Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
        <pb n="415" />
        392

Futtermittel.

buchteten  Epidermiszellen.  Sie  liegen  (Fig.  171,  S.  391)  unter  einer  glänzenden
Cuticula  und  über  großen,  stark  aufquellenden,  mit  braunrotem  Farbstoff  gefüllten
Parenchymzellen.
Die  polygonalen,  mitunter  etwas  abgerundeten  Stärkekörnchen  zeichnen  sich
durch  Kernhöhlen  aus  und  besitzen  Ähnlichkeit  mit  denen  des  Buchweizens  und  der
Hirse,  können  auch  mit  Reis-  und  Haferstärke  und  der  Stärke  verschiedener  Unkrautsamen ­
  verwechselt  werden.

Ampferblätteriger  Knöterich,  Polygonum  lapathifolhim  L.
Die  die  Auffindung  von  Polygonum  lapathifolium  kennzeichnenden  Gewebselemente
  sind  die  den  Samen  abschließende  Palissadenschicht  und  das  sich  an  diese

Knöterich.  Querschnitt.  (Vergr.  200.)
A  Palissadenschicht,  B  Parenchym.

anschließende  parenchymatische  Gewebe.  Die
Zellen  der  Palissadenschicht  (Fig.  172)  sind
ungemein  verdickt,  die  die  einzelnen  Zellen
trennende  Membran  ist  nicht  mehr  zu  erkennen, ­
  das  Lumen  ist  sehr  eng,  nimmt  aber
nach  dem  Innern  hin  beständig  zu  und  zeigt
nach  den  Seiten  hin  meist  Ausstülpungen.
Der  Tangentialschnitt  hierzu  (Fig.  174)  gibt
ein  entsprechendes  Bild;  die  Zell-Membran
wird  deutlicher  bei  Behandlung  mit  Natronlauge. ­

Das  sich  anschließende  parenchymatische
Gewebe  ist  dunkel  gefärbt  und  führt  Inhalt;
die  Tangentialansicht  desselben  ist  durch  die
wellig  verlaufende  Membran  der  Zellen  deutlich ­
  gekennzeichnet  (Fig.  173).

Fig.  173.
Knöterich,  Tangentlalsclmitt  zu  B  Parenchym,

Fig.  174.
Knöterich.  Tangentialschnitt  zu  A  Palissadenschicht. ­


■Wachtelweizen,  Melampyrum  arvense  L,
Die  Samen  des  Wachtelweizens,  eines  auf  manchen  Feldern  sehr  lästigen  Unkrautes, ­
  können  ihrer  geringen  Größe  wegen  bei  einer  sorgfältigen  Reinigung  des
Getreides  entweder  gar  nicht  oder  doch  nur  vereinzelt  in  die  Mahlerzeugnisse  geraten.
Die  sehr  harte  und  widerstandsfähige  Beschaffenheit  der  Samenschale,  aus
welcher  ein  großer  Teil  der  Samensubstanz  besteht,  schließt  die  Möglichkeit  einer
Verunreinigung  des  Mehles  durch  Wachtelweizen  fast  ganz  aus.
        <pb n="416" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Yerfälschungsmittel.  393

In  den  Futterabfällen,  welche  Bestandteile  des  Wachtelweizens  enthalten
können,  erkennt  man  dieselben  (Fig.  175)  an  den  radial  gestellten,  in  der  Tangentialansicht ­
  5—6-seitigen  Palissadenzellen  und  den  darunter  liegenden,  stark  porös  verdickten, ­
  regelmäßig  5—6-seitigen,  mit  Eiweiß  und  Fett  gefüllten  Zellen  der  Schale.

Querschnitt  durch  den  Samen.
Fig.  175.  Wachtelweizen.

Tangentialansicht  der  Oberhaut  des
Wachtelweizens.
(Vergr.  160.)  Nach  J.  Möller.

Windenknöterich,  Polygonum  cohtoIvuIus  L.
Die  Knötericharten  bilden  einen  steten  Begleiter  des  Leinmehles  und  kommen
auch  oft  im  Rapskuchen  und  in  der  Kleie  vor.
Sie  zeichnen  sich  makroskopisch  durch  die  roten  bis  braunschwarzen,  glänzenden,
schildförmigen  Fruchtschalen  aus,  welche  zu  dreien,  um  den  Samen  gefügt,  die  3-kantigen
Früchtchen  bilden.  Ihre  Härte  verdanken  dieselben  den
radial  gestellten,  in  der  Tangentialansicht  sternförmigen
Palissaden.  Dieselben
stehen  (Fig.  176)  bei  dem
ampferblättrigen  Knöterich ­
  säulenförmig  um  ein
weites  Lumen.  Bei  dem
Windenknöterich  sind  sie
käulenförmig  entwickelt

i  »  ,  Querschnitt.
1  Eni^ Clltschale -  11  Samenschale,
auf  a  Farbstoff,  b  Warzen

'■****■  —
Tangentialansichten  zu  den  entsprechenden  Nummern
des  Querschnittes.

auf  a  *arc
i  der  Epidermis,  1'  Tangential-2
  uitt  durch  die  Epidermiszellen,
^d  3  färb-  und  gerbstoffhaltiges
Parenchym,  6  Kleberzellen,
7  Stärkezellen.
Fig.  176.  Windenknöterich.  (Vergr.  200.)  Nach  C.  Böhmer.
! uul  auf  der  Schalenoberfläche  von  zahlreichen  Warzen  bedeckt.  Die  Stärkezellen
führen  dicht  aneinander  gepreßte  und  daher  polyedrische,  mit  zentraler  Hohl  g
versehene  Stärkekörnchen.
        <pb n="417" />
        394

Futtermittel.

Gänsefuß,  Chenopodium  album  L.
Der  Samen  des  Gänsefußes,  auch  Ackermelde  genannt  —  im  Gegensatz
zu  den  eigentlichen  Melden,  den  Atriplex-Arten  —  kommt  sehr  häufig  in  den  Kleien
und  Ölsamen-Rückständen  vor;  derselbe  enthält  bei  12,22  °/ 0  Wasser,  15,29%
Protein,  6,51  %  Fett,  20,31  %  Rohiaser  reichlich  feinkörnige  Stärke,  weshalb  er  in
Zeiten  der  Not  wohl  zur  Brothereitung  verwendet  wird.
Für  die  mikroskopische  Erkennung  dieses  Unkrautsamens  sind  besonders
wichtig  die  zur  Samenschale  gehörenden  Schichten  1,  2  und  3  (Fig.  177),  von  denen  die
der  Oberhaut  aus  ziemlich  niedrigen,  rotbraun  gefärbten  Zellen  bestehen,  deren  Lumina

in  der  Flächenansicht  die  feingrubige  Punktierung
dünnwandige,  4-  bis  6-seitige,
ebenfalls  mit  dunkelrotbraunem
Farbstoff  angefüllte  Zellen.  Die
schwach  bräunlichgrau  gefärbte
Zelllage  der  inneren  Samenschale
zeichnet  sich  durch  feinnetzige
Streifung  der  Membran  aus.

hervorrufen.  Darunter  liegen

Querschnitt
(mit  Lauge  gequollen).

A  Schichten,  1,  2  u.  3  zur  Samenschale,  4  zum  Keimnährgewebe ­
  gehörig.  B  Schichten  des  Perigonhäutchens  mit
Gefäßbündelrest  a.
Fig.  177.  Gänsefuß.  Nach  C.  Böhmer

Ackerspörgel,  Spergula  arvensis  L.
Die  Bestandteile  des  Samens  vcn  Ackerspörgel  kommen  nicht  selten  als  Verunreinigung ­
  in  den  Mehlen,  Kraftfuttermitteln,  besonders  dem  Leinkuchen  und  -mehl  vor.
Der  Ackerspörgel  verrät ­
  sich  leicht  in  einem  Mehl
oder  Futtermittel,  welches
mit  Säure  und  Alkali  behandelt ­
  sein  muß,  durch  seine
sternförmig  fest  ineinandergefügten
  Oberhautzellen,
denen  einzelne  keulenförmige
Gebilde  aufgesetzt  sind.  Zuweilen ­
  sind  diese  Trichome
ahgefallen  und  erscheinen
dann  in  ihrer  eigentümlichen
Form  frei  in  dem  Präparat.

(Vergr.  115.)

(Vergr.  330.)

Samenhülle  mit  keulenförmigem  Gebilde  der  Epidermis.
Eig.  178.  Ackerspörgel.  Nach  Benecke.
        <pb n="418" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Unkrautsamen  und  Yertälschungsmittel.

395

Steinnuß,  Phytelephas  macrocarpa  Ji.  und  F.
Die  Abfälle  hei  der  Bereitung  der  Knöpfe  aus  Steinnuß  (Phytelephas
macrocarpa  R.  und  P.)  werden  sowohl  für  sieh  allein  in  den  Handel  gebracht,  als
auch  besonders  zur  Verfälschung  von  Kleien  und  Futtermehlen  verwendet.  Ihr
Futterwert  ist  gleich  Null.
Äußerst  kennzeichnend  für  die  Steinnuii  sind  die  außergewöhnlich  stark
verdickten  Zellen  des  den  weitaus  größten  Teil  des  Samens  einnehmenden  Endosperms;
diese  Zellen  sind  farblos,  gestreckt  und  gleichmäßig  verdickt;  die  Membranen  sind  von
eigentümlichen,  am  Grunde  knopfartig  erweiterten  Poren  durchsetzt  (Fig.  179).
Die  Samenschale,  die  jedoch  im  Vergleich  zu  der  großen  Masse  des  Endosperms

,  Füg.  179.
oteinnuß,  Querschnitt.  Nach  J.  Möller.
“  die  Samenschale,  E,  das  Endosperm  aus  unkemein ­
  verdickten,  porösen  Zellen  mit  wenig
Inhalt.

nur  einen  geringen  Bruchteil  der  Steinnuß ­
  ausmacht,  besteht  nur  aus  sklerotisch ­
  verdickten  Elementen  von  verschiedener ­
  Form  und  Größe;  besonders
kennzeichnend  sind  die  ungleich  verdickten ­
  Faserzellen  (Fig.  180).

Fig.  180.
Steinnuß.  Zellen  der  Samenschale.
(Yergr.  160.)  Nach  J.  Möller,
sp  eine  kleine  Spiroi'de  aus  den  die  Samen
umspinnenden  Gefäßhündeln,

Sägemehl.

Als  eine  Verfälschung  gröbster  Art,  die  hier  und  da  in  den  Kraftfuttermitteln
beobachtet  wird,  muß  der  Zusatz  von  Sägemehl  bezeichnet  werden.  Der  Nachweis
derartiger  Holzbestandteile  bietet  keine  Schwierigkeit;  dieselben  können  selbst  schon
bloßem  Auge  oder  besser  mit  der  Lupe  an  den  gelben  Pünktchen  erkannt
werden,  wenn  man  etwas  der  gepulverten  Substanz  in  einen  Tropfen  Kalilauge  legt.
Untersucht  man  diese  Objekte  mittels  des  Mikroskopes,  so  läßt  sich  mit  Sicherheit
anssagen,  ob  sie  in  der  Tat  Holzbestandteile  sind,  sogar  ob  sie  einem  Laub-  oder
■Nadelholz  angehören.

.  181,  S.  396,  bringt  die  Elemente  des  Nadelholzes  zur  Anschauung,  wie
im  mikroskopischen  Präparat  beobachtet  werden.
Der  Holzkörper  besteht  zum  größten  Teil  aus  Tracheiden  und  Markstrahlenzellen, ­
  während  Parenchyragewebe  seltener  angetroffen  wird.

Fig
dieselben
        <pb n="419" />
        396

Futtermittel.

Die  Tracheiden,  lange,  spindelförmige,  ansehnlich  verdickte,  an  den  Enden
geschlossene  Zellen,  sind  bei  den  Nadelhölzern  dadurch  gekennzeichnet,  daß  sie  an
zwei  gegenüberliegenden  Seiten  eine,  selten  zwei  Reihen  großer  behöfter  Tüpfel
tragen.  Da  die  Nadelhölzer  zum  weitaus  überwiegenden  Teil  aus  Traeheiden  be-Fig.

  181.  Elemente  des  Nadelholzes.  (Vergr.  160.)  Nach  J.  Möller,
t  Traeheiden,  p  Holzparenchym,  m  (oben)  Markstrahlen  der  Föhre,  m  (unten)  Markstrahlen  der  Fichte.

stehen,  von  denen  man  stets  Bruchstücke  mit  den  äußerst  kennzeichnenden  Tüpfeln
antreffen  wird,  so  ist  der  Nachweis  von  Nadelholz  ein  verhältnismäßig  leichter.
Die  Markstrahlen  sind  daran  erkenntlich,  daß  sich  die  großen  Traeheiden
im  rechten  Winkel  kreuzen,  die  Fragmente  daher  ein  gegittertes  Relief  zeigen.

Fig.  182.  Elemente  des  Lauhholzes.  (Vergr.  160.)  Nach  J.  Möller.
K  Kristallzellen,  p  Holzparenchym,  m  Markstrahlenzellen,  1  Llbrlform-  oder  Holzfasern,  g  Gefäße.

Der  Bau  ihrer  Zellen  und  die  Anordnung  in  den  Markstrahlen  sind  für  bestimmte
Gruppen  der  Nadelhölzer  oft  verschieden,  so  daß  man  nach  ihnen  die  Holzart  bestimmen ­
  kann.  So  z.  B.  erkennt  man  die  Föhrenarten  (Pinus)  an  den  zackig  verdickten ­
  und  fensterartig  getüpfelten  Markstrahlenzellen;  die  Fichte  (Picea)  an  den
        <pb n="420" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Moostorf.  Kaffeesamenschale.

397

Tracheiden,  welche  die  sonst  aus  Parenchym  bestehende  Markstrahlenfläche  oben
und  unten  abschließen.  Die  Markstrahlenzellen  der  Tanne  (Ahies)  bestehen  dagegen
nur  aus  Parenchymgewebe.
Dieselben  Bestandteile  wie  heim  Nadelholz  finden  sich  auch  im  Laubholze
(Big.  182);  dazu  kommt  aber  noch  ein  weiteres  Formelement,  welches  gerade  die
Hauptmasse  ausmacht,  nämlich  die  Holzfaser  ira  engeren  Sinne  oder  das  Libriform.
Die  Erkennung  der  Holzfaserzellen,  welche  als  sehr  lange,  stark  verdickte
Fasern  erscheinen,  deren  Wand  von  spärlichen,  schief  gestellten  Spalten  durchsetzt
ist,  bildet  kein  kennzeichnendes  Merkmal,  da  viele  andere  Pflanzen  ganz  ähnliche
Elemente  besitzen.
Wie  für  Nadelholz,  so  sind  auch  zur  Erkennung  der  Laubhölzer  die  Tracheiden
die  entscheidenden  Elemente.  Dieselben  sind  dicht  besetzt  mit  kleinen  behöften
Tüpfeln  mit  rundlichen,  elliptischen,  oft  auch  polygonalen  Konturen.
Die  Zellen  der  Markstrahlen  und  das  Parenchym  sind  in  bezug  auf  ihre
Menge,  Gestaltung  und  Verteilung  für  manche  Laubhölzer  wohl  kennzeichnend.
Im  allgemeinen  kann  man  indes  behaupten,  daß  mit  dem  Alter  der  Bäume
die  Zellen  in  ihren  Formen  so  sehr  wechseln,  daß  eine  sichere  Unterscheidung  der
Laubholz-Arten  viel  schwieriger  als  bei  den  Nadelhölzern  ist,

Moostorf,  Sphagnum-Torf.

Der  trockne  Moostorf  (Torfmull)  wird  vielfach  zur  Aufsaugung  von  Melasse

■g.  Mg.  183.  Flg.  184.
(Ve  °* len  eines  Sphagnum  -Mooses,  Flg.)  83  ganzes  Blättchen.
r Sr.  1 :  50.)  Fig.  184  ein  Teil  des  Blättchens,  stärker  vergrößert.
(Vergr.  1:200.)  Nach  A.  Börner.

Fig.  185.
Stengel  eines  Sphagnum-Mooses.
  BeiaslnddleAnsatzsteilen
  der  Blättchen  sichtbar.
(Vergr.  1;50.)  NachA.Bömer.

Man  erkennt  den  Moostorf  (Sphagnum-Torf)  in  Melassefuttermitteln  sehr  leicht
dem  zierlichen  Bau  der  Blättchen  (Fig.  188  und  184).  Die  eigenartige  Struktur
ln gt,  daß  das  Sphagnum-Moos  große  Mengen  von  Flüssigkeiten  aufsaugen  kann.

Kaffeesamenschale.

Die  Fruchtschalen  des  Kaffees  (Coffea  arabica  L.),  welche  etwa  14,00°/ 0
asser &amp;gt;  8,65  °/ 0  Protein,  0,45%  Koffein,  1,60%  Fett,  4,80  %  Gerbsäure,  31,10  %
        <pb n="421" />
        398

Futtermittel.

Rohfaser  und  7,80  °/ 0  Asche  enthalten,  werden  im  gemahlenen  Zustande  vielfach  zur
Verfälschung  der  Futtermittel,  besonders  der  Mahlabgänge  der  Getreidearten  benutzt.
Das  pergamentartige  Endokarp  der  Samen,  die  sog.  Pergamenthülle  (Fig.  186
und  187),  besteht  aus  einem  zähen  und  festen,  im  trocknen  Zustande  aber  ziemlich
spröden  Gewebe  aus  sehr  vielgestaltigen  (vergl.  Fig.  187),  dickwandigen  Sklerenchymelementen,
  die  in  verschiedenen  Richtungen  in  der  Wand  geschichtet  liegen.
Sowohl  in  der  Flächenansicht  wie  auch  in  der  Form  der  einzelnen  Sklerenchymelemente
  sieht  dieselbe  der  Erdnußhülse  (S.  343)  sehr  ähnlich.

Fig.  186.
Kaffeeschale.  Flächenansicht  des  Kndokarps  (Pergamenthülle). ­
  (Vergr.  1:100.)  Nach  A.  Börner.

Fig.  167.
Kaffeeschale.  Einzelne  Sklerenchymelemente
  des  Kndokarps
{Pergamenthülle).  (Vergr.  1:200.)
Nach  A.  Börner.

V.  Die  Pilze  der  Futtermittel.
Die  Futtermittel  enthalten  stets  die  vegetativen  und  Dauer-Formen  zahlreicher
Pilze.  Teils  sind  diese  für  Pflanzen  pathogene  Arten,  teils  Saprophyten,  die  schon  auf
den  Rohstoffen  vorhanden  waren  oder  bei  der  Herstellung  von  Futtermitteln  aus  diesen
in  sie  hineingelangten.  In  selteneren  Fällen  kommen  auch  tierpathogene  Pilze  vor.
Von  den  parasitär  auf  den  Pflanzen  lebenden  Pilzen  kommen  in  Futtermitteln ­
  am  häufigsten  folgende  Arten  vor:
1.  Pilze  in  Futtermitteln,  die  von  den  Getreidearten  und  Futtergräsern
stammen.
A.  Die  Brandpilze,  Ustilagineae.  Aus  dieser  Familie  sind  besonders  zu  nennen:
Der  Stein-  oder  Stinkbrand  des  Weizens,  Tilletia  Caries  und  T.  laevis,
der  Flugbrand  des  Weizens,  Ustilago  Tritici,  der  Gerste,  U.  Jensenii  und  U.  nuda,
des  Hafers,  U.  Avenae,  der  Beulenbrand  des  Maises,  U.  Maydis,  der  Roggenstengelbrand, ­
  Urooystis  occulta,  und  von  den  auf  Futtergräsern  schmarotzenden
        <pb n="422" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

399

Arten  U.  longissima  auf  Glyzeria-Arten  und  U.  echinata  auf  Phalaris  arundinacea.
Die  braun  bis  schwärzlich  gefärbten  Chlamydosporen  der  Getreidehrandpilze  entstehen ­
  bei  den  meisten  Arten  in  den  Blüten,  die  je  nach  Art  des  Pilzes  ganz  oder
his  auf  die  Spelzen  oder  die  Samenhülle  zerstört  und  in  eine  braune  Masse  verwandelt ­
  werden.  Die  Tilletia-Arten  entwickeln  ihre  Sporen  in  den  Samen  und  zerstören
diese  bis  auf  die  Samenhülle.  Von  Urocystis  oeculta  werden  Halme,  Blätter  und
Blattscheiden  des  Roggens  befallen.  Ustilago  Maydis  bildet  auf  Blättern,  Blattscheiden ­
  und  in  den  Blütenständen  Brandbeulen,  die  mit  den  Brandsporen  erfüllt
sind.  Ustilago  longissima  und  ü.  echinata  erzeugen  auf  den  Blättern  der  von  ihnen
befallenen  Gräser  braune  Längsstreifen,  in  denen  die  Sporen  liegen.
Die  wichtigste  der  Brandpilzarten  ist  Tilletia  Caries,  die  im  Fruchtknoten  des
Weizens,  Dinkels  und  Spelzes  schmarotzt,  die  Samenhaut  aber  nicht  zerstört,  so  daß
die  mit  den  Brandsporen  erfüllten  Körner  bei  der  Ernte  im  Getreide  bleiben  und
erst  heim  Dreschen  oder  Mahlen  zerstört  werden  und  ihren  Inhalt  auf  Korn  und  Mehl
entleeren.  Dem  Mehle  von  solchem  Weizen  ist  daher  nicht  selten  die  Brandmasse  beigemengt, ­
  wodurch  es  eine  unreine  Farbe  und  einen  widerlichen  Geruch  nach  Heringslake ­
  annimmt.  Geringe  Beimengungen  können  jedoch  unbemerkt  bleiben  und  erst

Fig.  188.  Brandsporen.  (1:300.)
a  V0D  Tilletia  Caries,  b  von  T.  laevis,  o  von  Ustilago  Jensenii,  d  von  U.  Maydis,  e  Sporenknäuel  von
Urocystis  ocoulta,  in  denen  nur  die  dunkleren  Sporen  keimfähig  sind.

in  Gebäck,  das  davon  bläulich  wird,  Verdacht  erwecken.  Weniger  häufig  in  Mehl
und  Kleie  sind  die  Sporen  der  anderen  auf  den  Getreidearten  schmarotzenden  Brandpilze,
da  ihre  nach  der  Zerstörung  der  Blütenspelzen  frei  liegenden  Sporen  meist  von
Wind  und  Regen  vor  der  Ernte  zerstreut  werden.
Der  mikroskopische  Nachweis  von  Brandsporen  im  Mehl  oder  in  Futtermitteln
ist  ebenso  einfach  wie  sicher.  Die  Sporen  sind  kugelige  Zellen  mit  derber  Membran,
Welche  glatt  oder,  wie  beim  Steinbrand,  netzig  verdickt,  braun,  selten  farblos  sind,
^it  Stärkekörnern  können  die  Sporen  nicht  verwechselt  werden,  wenn  man  dem
Üßjekt  etwas  Jodlösung  zusetzt.  Durch  Aufschließen  der  Kleien  mit  verdünnter
Natronlauge  werden  die  Brandsporen  noch  leichter  sichtbar.
Die  Sporen  der  verschiedenen  Ustilagineen  unterscheiden  sich  nach  Größe,
Zeichnung  und  Farbe  der  Sporen  (Fig.  188).  Die  Sporen  von  Tilletia  Caries  sind
^golrund,  blaßbraun,  durchscheinend,  mit  stark  ausgehildeten  netzförmigen  Verkokungen ­
  und  haben  einen  Durchmesser  von  17  Die  Sporen  der  ebenfalls  auf
Weizen  schmarotzenden  Tilletia  laevis  besitzen  eine  glatte  Membran.
Die  Sporen  der  Flugbrandarten  sind  dunkelbraun  und  glatt,  bei  Ustilago  nuda
° Val ,  bei  den  anderen  Arten  kugelrund,  mit  einem  Durchmesser  von  5—8  u.  Die
l' jri  U.  Maydis  sind  rund,  dunkelbraun,  feinstachelig  und  9—12  u  dick.  Bei
r ° c ystis  occulta  sind  mehrere  Sporen  zu  Knäueln  von  rund  24  ji  Dicke  vereinigt,
v °n  denen  aber  nur  einzelne  größere  keimfähig  sind.
        <pb n="423" />
        400

Futtermittel.

B.  Die  Rostpilze,  Uredincae.  Die  zu  den  Uredineen  gehörenden  Parasiten  befallen ­
  die  verschiedensten  vegetativen  Teile  der  Getreidearten  und  Futtergräser.  Es
entstehen  auf  ihnen  im  Sommer  zunächst  gelb-  bis  rostrote  kleine  Flecken  oder
Streifen,  die  entweder  regellos  über  die  befallenen  Organe  verteilt  oder  reihenweise
angeordnet  sind.  Später  verschwinden  diese  Rostflecken  und  statt  ihrer  treten  solche
von  schwärzlicher  Färbung  auf.  Die  verschiedene  Färbung  wird  durch  zwei  Arten
von  Sporen  bewirkt,  die  sich  an  dem  an  den  Roststellen  in  der  Pflanze  schmarotzenden
Pilzmycel  bilden  (Fig.  189).  Die  zuerst  entstehenden  Sporen,  die  Sommer-  oder
Uredosporen,  sind  gelb  oder  rötlich,  die  später  entstehenden  Winter-  oder  Teleutosporen
  dunkelbraun  gefärbt.  Die  Uredosporen  der  verschiedenen  Getreide-  bezw.
Gras-Rostarten  unterscheiden  sich  in  Gestalt  und  Färbung  nicht  wesentlich.  Sie
sind  sämtlich  einzellig,  rund  oder  länglich,  mit  feinstacheliger ­
  Haut,  langgestielt.  Die  Gestalt  der
Teleutosporen  dagegen  ist  ziemlich  verschieden  und

Fig.  189.  Durchschnitt  durch  ein  Rosthäufchen
von  Pucoinla  graminis  mit  üredo-  und
einigen  Teleutosporen.  (200-faoh.)  NachFrank.
e  Epldermlszellen  des  Halmes,  p  zwischen  den
Zellen  vegetierendes  Pilzmycel.

Fig,  190.  TeleutosporenvonPuccinia
graminis  (a),  P.  dispersa  (b),
P.  coronifera  (,c).  (320-fach.)
Nach  Frank.

gibt  ein  gutes  Unterscheidungsmerkmal  ah.  Auch  die  Form  und  Anordnung  der
Rostpolster  auf  der  Pflanze  kann  als  solches  gut  verwendet  werden.  Die  Rostarten
der  Gramineen  (Fig.  190)  zeigen  in  dieser  Beziehung  folgendes  Verhalten:

Sporenlagor  oft  in  längeren
Streifen;  dunkelbraun

Sporen  zweizeilig,  verkehrt  eiförmig, ­
  stark  gewölbt,  langgestielt. ­


Pucoinia  graminis,  Schwarzrost

Puccinia  glumarum,  Gelbrost

Puccinia  dispersa,  Braunrost
des  Roggens
Puccinia  triticina,  Braunrost
des  Weizens
Puccinia  simplex,  Zwergrost
Puccinia  coronifera

Uredolager  in  langen
Strichen;  zitronengelb

Uredolager  ordnungslos  über
die  ganze  Blattfläche  zerstreut; ­
  dunkelbraun
Uredolager  ordnungslos  zerstreut; ­
  hellbraun
Uredolager  ordnungslos  zerstreut; ­
  hellbraun

Sporen  zweizeilig,  am  Gipfel
abgeflaoht  oder  unregelmäßig
kegelförmig  ansgezogen,
kurzgestielt.
Sporen  zweizeilig,  lang  keulenförmig ­
  und  unsymmetrisch,
kurzgestielt.
Sporen  meist  einzellig,  kurzgestielt. ­

Sporen  zweizeilig,  obere  Zelle
mit  zackigen  Fortsätzen  versehen, ­
  kurzgestielt.
        <pb n="424" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

401

Die  hier  genannten  Rostarten  zerfallen  in  zahlreiche  spezialisierte,  d.  h.  bestimmten ­
  Gramineenarten  angepaßte  Formen,  die  äußerliche  Unterschiede  nicht  aufweisen. ­
  Puccinia  Simplex  lebt  nur  auf  Gerste,  P.  dispersa  und  triticina  nur  auf
Roggen  hezw.  Weizen.  Die  Teleutosporen  der  Rostpilze  kommen  zuweilen  auch
in  Mehlen  und  Kleien  vor  und  lassen  sich  darin  mikroskopisch  ohne  weitere  Präparation
sehr  leicht  erkennen.

C.  Der  Meltaupilz,  Erisyphe  graminis  I).  C.  Dieser  zu  den  Perisporieen  gehörende ­
  Pilz  bildet  auf  den  Blättern  der  Gramineen,  manchmal  auch  auf  den  Spelzen  weiße
mehlartige  Überzüge,  die  aus  dem  Mycel  des
Pilzes  bestehen,  das  nur  durch  Haustorien
mit  der  Nährpflanze  in  Verbindung  steht.
Von  dem  Mycel  erheben  sich  kurze,  senkrechte ­
  Hyphen,  an  deren  Spitze  eine  oder
mehrere  ovale,  einzellige  Konidien  ahgeschnürt
  werden.  Später  erscheinen
runde,  bräunliche,  allseitig  geschlossene
Perithecien,  die  an  der  Außenfläche
sogenannte  Stützfäden  tragen.  Sie  enthalten ­
  mehrere  Schläuche  mit  4—8  ovalen
Sporen  (Mg.  191).
Auch  die  Meltaupilze  der  verschiedenen ­
  Gramineen  sind  wie  die  Rost-Püze
  vermutlich  spezialisierte  Formen.
D.  Der  Mutterkornpilz,  Claviceps  purpurea  Tul.  Das  Mutterkorn,  das  seiner
Porm  nach  für  ein  verändertes  Roggenkorn  gehalten  werden  könnte,  ist  das  Dauer-Elg,

  191.  Meltaupilz.  Erisyphe  graminis.
A  Mycel  mit  Konidienträgern  auf  einem  Weizenblatt.
  (60-fach).  B  Aufgedrücktes  Perithecium  mit
unreifen  Schläuchen.  (100-fach).  Nach  Frank.

4  .  #  Fig.  192.  Mutterkorn.  Sklerotium  und  dessen  weitere  Entwickelung.
p ru  ?  re ifes  Mutterkorn  (natürl.  Größe),  B  ein  mit  Fruchtlagern  cl  bedecktes  Mutterkorn  c,  C  ein
H 0c v  iu  der  Längsschnittfläche,  cp  die  eingesenkten  Perithecien  (stärker  vergrößert),  D  ein
p  r ^ er  vergrößertes  Perithecium,  hy  Pilzgewebe,  cp  Mündung  eines  Peritheciums,  sh  Asken,
*  abgerissener  Askus  mit  den  unten  hervortretenden  Sporen  sp  (stärker  vergrößert).

ycelium  oder  Sklerotium  des  zu  den  Pyrenorayceten  gehörenden  Pilzes  Claviceps
r l ,Ure a.  Es  entsteht  in  der  Weise,  daß  die  Askussporen  des  Pilzes  zur  Blütezeit  des
°Sgens  den  jungen  Fruchtknoten  infizieren  und  ihn  allmählich  ganz  durch  wuchern.  Er
Landwirtschaftliche  Stoffe,  8.  Auflage.  26
        <pb n="425" />
        402

Futtermittel.

nimmt  eine  mehr  längliche  Gestalt  an  und  es  entsteht  so  ein  weißlicher,  ziemlich
großer,  auf  der  Oberfläche  Sporen  abschnürender  Mycelkörper,  der  einen  süßen  Saft,  den
sog.  Honigtau,  abscheidet.  Das  fertige  Mutterkorn  ist  ein  harter,  an  der  Oberfläche
schwarzvioletter,  keulenförmiger  Körper,  der  aus  einer  weißen,  markartigen,  pseudoparenchymatischen
  Masse  verflochtener  Pilzhyphen  besteht.  Auf  diesem  Sklerotium
bilden  sich  im  Frühjahre  Fruchtkörper  mit  Perithecien,  deren  Äskussporen  abermals
die  Roggenbltite  infizieren  (Fig.  192,  S.  401).
Das  Mutterkorn  kommt  auch  auf  Weizen  und  Gerste,  aber  seltener  als  auf
Roggen  vor;  ferner  findet  man  es  auf  zahlreichen  Gräsern.  Auch  hier  handelt  es
sich  zum  Teil  um  spezialisierte  Formen.
Der  Nachweis  des  Mutterkorns  in  Mahlerzeugnissen  kann  entweder  durch
chemische  Reaktionen  oder  durch  mikroskopische  Untersuchung  oder  Kombinierung
beider  geführt  werden.  Der  chemische  Nachweis  beruht  auf  der  Ausziehung  des
violetten  Farbstoffes  der  Rindenhyphen  (vergl.  S.  271  u.  272).
Ein  sicheres  Urteil  ist  nur  durch  den  mikroskopischen  Nachweis  zu  erlangen. ­
  C.  Böhmer  empfiehlt,  zunächst  die  zu  untersuchenden  Stoffe  durch  Äther

Fig.  193.
A  Mutterkorn  im  Querschnitt,  a  Rinde  mit
Farbstoff,  b  Inneres,  c  Fetttropfen.
B  Parenchym  aus  dem  Gewebe  eines  Getreidekeimes. ­
  Nach  C.  Böhmer.

WM
i'ig.  194.
Mutterkorn.  Inneres  Gewebe;  ß  im  Querschnitt,  C
Längsschnitt,  durch  Äther  entfettet.

zu  entfetten,  dann  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  längere  Zeit  durchzurühren  und
dieses  einige  Male  mittels  eines  Meßzylinders  zu  dekantieren.  Den  Rückstand  läßt  man
auf  einem  Porzellanteller  abtropfen  und  sucht  nun  unter  der  Lupe  alle  rötlichen,
rotbraunen  oder  grauen  Teilchen  heraus.  Man  kann  auch  etwa  5  g  Kleie  in  einer
Porzellanschale  allmählich  mit  1 / 2  1  Wasser  anrühren,  nach  Zusatz  von  ein  wenig
verdünnter  Salzsäure  unter  Erneuerung  des  Wassers  eine  Stunde  lang  kochen  und
im  Meßzylinder  dekantieren.  Die  Mutterkornteile  der  Rindenpartie  erscheinen  unter
dem  Mikroskop  meist  rosenrot,  in  Kalilauge  violett;  die  Teile  des  inneren  Scheingewebes ­
  sind  farblos.  Von  dem  Gewebe  der  Getreidekeime  unterscheidet  sich  das
des  Mutterkornes  durch  die  unregelmäßige  Anordnung  seiner  polyedrischen  Zellen.
E.  Sclnviirzepilzc.  Mit  diesem  Sammelnamen  bezeichnet  man  verschiedene  Pilzarten, ­
  die  teils  als  Parasiten  auf  dem  Getreide  leben,  teils  nur  tote  Pflanzenteile
oder  durch  andere  Einflüsse  (besonders  durch  Frost,  Dürre  u.  a.)  schon  geschwächte
Pflanzen  befallen.  Ihr  Luftmycel  und  ihre  Konidien  sind  dunkelbraun  gefärbt,  so
daß  von  ihnen  stark  befallene  Pflanzen  bräunlich  oder  schwärzlich  aussehen.  Die
wichtigsten  Vertreter  dieser  Gruppe  sind  folgende:
a)  Cladosporium  herbarum  Pers.,  die  Konidienform  der  Mycosphaerella
Tulasnei.  Der  Pilz  befällt  parasitär  nur  geschwächte  Pflanzen,  ist  aber  besonders
häufig  auf  Getreide,  das  während  der  Ernte  oder  auch  nach  der  Reife  noch  auf  dem
        <pb n="426" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

403

Fig.  195.  Cladosporium  herharum
und  Alternaria.  Aus  der  Spaltöffnung
eines  Weizenblattes  tretende  Konidienträger, ­
  die  bei  c  Cladosporium-,  bei  d
Alternaria-Sporen  abschnüren.  Bei  e  und
links  oben  reife  Sporen  beider.  (195-fach).
Nach  Frank.

Halm  stark  beregnet  ist.  Er  überzieht  alle  Pflanzenteile  und  erzeugt  so  die  sogen.
„Schwärze“  des  Getreides.  Sein  Mycel  wuchert  auf  der  Epidermis,  aber  auch
innerhalb  der  Gewebe.  Das  Luftmycel  ist  schwarzbraun,  ebenso  sind  es  die  ovalen
ein-  bis  vierzelligen  Konidien,  die  an  der
Spitze  der  aufrechten,  braunen  Trägerhyphen
in  Reihen  abgeschnürt  werden  (Fig.  195).
b)  Alternaria  Nees.  Die  Sporen  der
neben  Cladosporium  fast  immer  vorhandenen
Arten  dieser  Gattung  sind  keulig,  flaschenförmig, ­
  mauerartig  geteilt,  durch  schmale
Zwischenstücke  zu  Ketten  verbunden.  Als
Parasit  ist  die  auf  Getreide  vorkommende  Art
nicht  beobachtet.  Uber  die  Zugehörigkeit  zu
einer  Askusform  ist  bisher  nichts  bekannt
(Pig.  195).
c)  HelminthosporiumÜMfc.  Von  dieser
Gattung  unterscheidet  man  auf  Getreide  zurzeit
drei  genauer  bekannte  Arten:  H.  gramineum,
H.  teres  und  H.  avenae,  von  denen  letztere  auf
Hafer,  die  beiden  anderen  Arten  auf  Gerste
schmarotzen.  Auch  auf  Weizen  und  manchen
Gramineen  findet  man  die  eigenartigen  Sporen
dieser  Pilze.  Von  den  auf  Gerste  und  Hafer  beobachteten  Arten  ist  H.  gramineum
ein  gefährlicher  Parasit,  der  nach  Art  der  Brandpilze  die  ganze  Pflanze  durchwuchert ­
  und  sie  oft  im  Wachstum  hemmt.  Auf  den  Blättern  solcher  Pflanzen  entstehen ­
  lange,  schmale,  braune  Streifen,  die  später  einreißen,  so  daß  die  Blätter
zerschlitzt  sind.  H.  teres  und  H.  avenae  sind  wie  die  Eostpilze  nur  Blattpilze
Un d  anscheinend  wie
Cladosporium  herharum
Schwärzeparasiten.  Sie
erzeugen  braune  Flecken
den  Blättern.  Auf
en  braunen  Blattflecken
wdet  man  bei  allen  drei
rten  die  braunen,  aufrechten, ­
  sympodial  ver-Zeigten
  Konidienträger,
'' e * c l |e  die  nur  schwach
S e  ärbten,  wurmförmigen
^onidien  von  12—22  ;i
icke  und  15—160  fi
iu 'ge  tragen,  die  meist  aus  2—6,  manchmal  aber  auch  aus
e  en.  Die  Konidien  sind  bei  allen  Arten  gleich  (Fig.  196).
e  miuthosporium  gehört  zu  der  Schlauchform  Pleospora.
j,  Hie  Sporen  und  die  Konidienträger  dieser  Schwärzepilze  findet  man  auch  in
t  un d  Kleie  zuweilen,  da  auch  die  Getreidekörner  von  dem  Mycel  dieser  Pilze
snT  a,,f  (ler  Oberfläche,  teils  im  Gewebe  durchwuchert  werden.  Der  sogen,  schwarz-^
  Zlge  H°ggen  und  Weizen,  die  „braun“-  und  blauspitzige  Gerste  verdanken  ihre
enartige  Färbung  dem  braunen  Mycel  und  den  Sporen  der  Pilze  oder  braunen
26*

Fig.  196.  Helminthosporium  teres.  Sporen  und  Konidienträger.
(200-fach).  Nach  Ravn.

10—12  Zellen  be-Die
  Konidienform
        <pb n="427" />
        404

Futtermittel.

Gummistoffen,  die  sich  in  den  von  dem  Pilz  durch  wucherten  Gewehsteilen  bilden.
Die  Scheinfrüchte  der  Gerste  sind  meist  auf  der  Innenseite  der  Spelzen  infiziert ­
  durch  diese  Pilze,  die  während  der  Vegetationszeit  auf  den  noch  frei
liegenden  Fruchtknoten  gelangt  sind.  Der  sogen.  Oer-rag  (Taumelroggen)  Schwedens
und  Ussuriens  zeigt  vorwiegend  Schwärzepilze.
F.  Getreideblattpilze.  Unter  diesem  Namen  faßt  man  eine  ganze  Reihe  verschiedenartiger, ­
  meist  unvollständig  bekannter  Pilze  zusammen,  die  auf  den  Blättern

C  D

Fig.  197.  A  Septoria  glumarum.  Eine  Pyknide  unter  der  Blattoberhaut  mit  der  Mündung  an  der
Spaltöffnung,  links  aufgerissen  mit  heraustretenden  Sporen  a,  195-fach;  bei  b  einige  Sporen  320-fach;
bei  c  Sporen  der  Septoria  graminis,  320-fach.  B  Ascochyta  graminicola.  Eine  Pyknide  unter  der
Blattoberhaut.  Bei  a  heraustretende  Sporen,  195-fach;  bei  b  einige  Sporen  320-fach.  C  Phoma  Hennebergii.
  Eine  Pyknide  unter  der  Blattoberhaut.  Bei  a  heraustretende  Sporen,  195-fach;  bei  b  Sporen
320-fach.  D  Sphaerella  exitialis.  Ein  Perithecium  unter  der  Blattoberhaut.  Bei  a  aus  dem  aufgedrückten ­
  Perithecium  austretende  Asci,  195-fach;  bei  b  ein  Askus  mit  8  Sporen;  bei  c  einige  Sporen
320-fach.  Nach  Frank.  %
der  Getreidearten,  vorwiegend  des  Weizens,  schmarotzen.  Von  ihnen  seien  folgende
kurz  erwähnt:
        <pb n="428" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

405

a)  Septoria  Fries.  Mehrere  Arten  dieser  Gattung  erzeugen  auf  den  Blättern
ihre  unter  der  Epidermis  liegenden  bräunlichen  Pykniden,  die  lange,  stabförmige,
meist  mehrfach  septierte  Sporen  enthalten.
h)  Ascoohyta  graminicola  Sacc.  erzeugt  bräunliche  Pykniden  mit  farblosen,
elliptischen,  zweizeiligen  Sporen.
c)  Phoma  Hennebergii  Kühn  erzeugt  auf  Blättern  und  Spelzen  des  Weizens
schwärzliche  Pykniden  mit  farblosen,  elliptischen,  einzelligen  Sporen.
d)  Sphaerella  exitialis  Morini  erzeugt  auf  Blättern  braune  Perithecien  mit
mehreren  Asci,  die  8  eiförmige,  farblose,  zweizeilige  Sporen  enthalten.
(J.  Der  in  den  Samen  der  lolium-Arten  enthaltene  Pilz.  Die  Samen  von
Lolium  temulentum  und  L.  remotum  enthalten  stets,  die  von  L.  perenne,  L.  italicum,
L.  arvense  und  L.  Linicolura  zuweilen  zwischen  dem  Nucellarrest  und  der  Aleuron-Fig.

  198.  Querschnitt  durch  die  inneren  Schichten  der  Loliumfrucht.
as  äußere,  is  innere  Samenschale,  my  Myceischicht,  hy  hyaline  Schicht,  al  Aleuronschicht.
(400-fach).  Nach  Banausek.

Schicht,  soweit  das  Endosperm  reicht,  eine  aus
tangential  zum  Querschnitt  verlaufenden  Hyphen  bestehende ­
  Pilzschicht.  Dieser  Pilz,  dessen  Züchtung  noch
nicht  gelungen  ist  und  dessen  Fruktifikation  man  nicht
kennt,  wächst  während  der  Entwickelung  der  Pflanze
Wie  die  Brandpilze  mit  ihr  empor  und  entwickelt  sich
dann  im  Fruchtknoten  zu  der  im  Samen  sichtbaren
Schicht.  Das  in  den  Samen  von  Lolium  temulentum  enthaltene ­
  Mycel  kann  unter  Umständen  zum  Nachweise
dieses  Unkrautsamens  in  Mahlerzeugnissen  dienen,
Weshalb  es  hier  angeführt  sei.  In  Roggenkörnern,
deren  Mehl  die  sogen.  Taumelkrankheit  erzeugte,  hat
r ülieux  ebenfalls  das  Mycel  eines  Pilzes,  Phialea
temulenta,  beobachtet.

2.  Pilze  an  den  Rüben.
A.  Blattpilze,  a)  Peronospora  SchachtiiFuckel
'der  falsche  Meltau).  Auf  der  Unterseite  der  Blätter  entstehen ­
  weißliche  Schimmelrasen,  die  aus  den  Konidientr
 ägern  des  Pilzes  bestehen,  der  im  Innern  des  Blattgewebes
  zwischen  den  Zellen  schmarotzt  (Fig.  199).
b)  Uromyces  Betae  Tul.  (Rübenrost).  Auf  den
"lüttem  der  Rüben  erscheinen  zuweilen  rostrote  und
dunkelbraune  Häufchen,  die  aus  den  Sporenlagern  dieses
üzes  bestehen.  Die  gelben  Uredosporen  ähneln  denen

Fig.  199.  Oberhaut  eines  Rübenblattes ­
  mit  aus  einer  Spaltöffnung ­
  wachsenden  Konidienträgern ­
  von  Peronospora
Schachtii.  (440-fach).
Nach  Frank.
        <pb n="429" />
        406

Futtermittel.

der  Getreideroste,  dagegen  sind  die  braunen  Teleutosporen  einzellig,  rundlich  bis
oval  (Fig.  200).

c)  Cercospora  betieola  Sacc.  (Blattfleckenkrankheit). ­
  Auf  den  erwachsenen  Blättern  der  Rübe
entstehen  rundliche,  graue  Flecken  mit  rötlichem  Rande
von  1—2  mm  Durchmesser,  auf  denen  man  die  Konidienträger ­
  des  Pilzes  mit  schwanzähnlichen,  vielzelligen
Konidien  findet,  der  zwischen  den  Zellen  des  Blattes
wächst  (Fig.  201).
d)  Sporidesmium  putrefaciens  Fackel  (Blattbräune). ­
  An  den  älteren  Blättern  treten  große,  gelbe
Stellen  auf,  die  unter  Bräunung  vertrocknen.  Auf  den  toten  Teilen  findet  man
stellenweise  schwärzliche  Überzüge,  die  aus  den  Konidienträgern  mit  vielzelligen
Keulensporen  des  in  der  Oberhaut  lebenden  Pilzes  bestehen  (Fig.  202).

Fig.  200.  üredo-  und  Teleutosporen ­
  von  UromycesBetae.
(440-fach).  Nach  Frank.

Fig.  201.  Blatt  mit  Konidienträgern  und
Konidien  von  Cercospora  betieola.
(440-fach).  Nach  Frank.

Fig.  202.  Blattoberhaut  mit  den  Konidienträgern ­
  von  Sporidesmium  putrefaciens
und  Konidien.  Links  zweizeilige  elliptische
Cladosporium-Sporen.  (440-fach).
Nach  Frank.

B.  Pilze  der  Rübemvurzel.  a)  Pilze  der  Trockenfäule.  In  trocknen
Sommern  sterben  die  jüngsten  Herzblätter  zuweilen  plötzlich  unter  Schwarzwerden
ab.  Gleichzeitig  entstehen  an  dem  oberen  Ende  der  Rüben  an  einer  oder  beiden
Backen  mißfarbige  Stellen,  unter  denen  das  Fleisch  etwas  grau  ist.  Allmählich
werden  sie  braun  und  mürbe  und  vergrößern  sich;  auch  bei  den  eingemieteten  Rüben
geht  der  Absterbevorgang  weiter.  In  dem  kranken  Gewebe  findet  man  die  Hyphen
von  Pilzen  (Fig.  203),  deren  Fruktifikationsorgane  sowohl  auf  der  Oberfläche
der  kranken  Stellen  als  auch  auf  den  toten  Blattstielen  entstehen.  Häufig  findet
man  Pykniden  von  Phoma  Betae  Frank  als  kleine  schwarze  Pünktchen  (Fig.  204),
zuweilen  auch  die  weißlichen  Polster  von  Fusarium  betieola  Frank  (Fig.  205).
b)  Die  Rübenschwanzfäule.  Das  Schwanzende  des  Rübenkörpers  wird
im  Sommer  zuweilen  schwärzlich  oder  bläulich-grau,  welkt  und  schrumpft  ein.  Das
Innere  ist  tot,  dunkler  gefärbt  und  speckig.  Die  Urheber  dieser  Erkrankung  sind
        <pb n="430" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

407

vermutlich  Bakterien,  die  man  in  großen  Mengen  in  den  Zellen  und  auch  in  dem
gesunden  Teil  der  Eiihe  in  den  Gefäßen  findet.

Fig.  203.  Schnitt  durch  eine  trockenf'aule  Rübe,  in  deren  Zellen  das  Myoel  von  Phoma  Betae  wuchert.
In  den  kranken  Zellen  ist  der  Protoplast  gebräunt  und  zusammen  gezogen.  Nach  Frank.

Fig.  204.  Pykniden  von  Phoma  Betae.
Nach  Frank,

Flg,  205.  Konidienträger  mit  Konidien
von  Fusarium  beticola,  aus  einem
kranken  Rilbenstück  hervorwachsend.
(440-fach).  Nach  Frank.

3.  Pilze  an  den  Kartoffeln.
A.  Der  Kartoffelpilz,  Phytophtora  iufestans.  Dieser  zu  den  Peronosporeen
gehörende  Pilz  erzeugt  im  Sommer  an  den  Blättern  große,  braune,  später  trocken
Werdende  Stellen,  an  deren  Rand  die  Konidienträger  des  Pilzes  als  weißlicher  Anflug
bei  feuchtem  Wetter  sichtbar  sind,  die  aus  dem  in  dem  Blatte  schmarotzenden  undatierten ­
  Mycel  sympodial  verzweigt  oder  unverzweigt  aufsteigen.  An  den  Spitzen
ber  Verzweigungen  entsteht  eine  ovale  Konidie,  die  leicht  ahfällt  (Pig.  206,  S.  408).
Der  Kartoffelpilz  befällt  nicht  nur  das  Kraut,  sondern  auch  die  Knollen  und
ls t  ein  häufiger

Oberflä’i  rr . eger  &amp;lt; * er  Kartoffelfänle.  Die  von  ihm  befallenen  Knollen  zeigen  an  der
das  Zell  6  &amp;lt;  ln ^ esuil b en c,  mißfarhige  Stellen,  an  denen  das  Fleisch  stark  gebräunt,
itycei  d t,C "p' J °  We ^ c ^  un&amp;lt; ^  sß blaff  ist.  Zwischen  den  Zellen  wuchert  das  querwandlose
es  ilzes.  Die  Stärkekörner  werden  nicht  verändert  (Fig.  207,  S.  408).
        <pb n="431" />
        408

Futtermittel.

Fig.  206.  Phytophtora  infestans.
A  Durchschnitt  durch  ein  krankes  Kartoffelblatt;  m  Mycel  des  Pilzes  mit  einem  durch  eine  Spaltöffnung ­
  herausgewachsenen  Ast  s;  uund  o  Epidermis  der  Unter-  und  Oberseite  des  Blattes.  (170-fach).
B  ein  Stückchen  Epidermis  mit  den  Spaltöffnungen  s  s,  durch  welche  Fruchthyphen  gewachsen  sind.
(200-fach).  C  ein  Zweig  der  Fruchthyphe  mit  einer  Spore.  (300-fach).  D  eine  reife  Konidie.  (500-fach).
E  eine  reife  Konidie  in  der  Form  eines  Sporanglums  keimend,  die  jungen  Schwärmsporen  ausschlüpfend. ­
  (400-fach).  F  zwei  entwickelte  Schwärmsporen.  G  eine  aus  einer  Schwärmspore  entstandene ­
  ruhende  Spore  mit  Keimschlauch  keimend.  (400-fach).

Fig.  207.  Phytophtora-Fäule  der  Kartoffel.
Zwischen  den  Zellen  die  Hyphen  des  Pilzes.  Stärkekörner  unverändert.  (195-fach).  Nach  Frank.
        <pb n="432" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

409

Ein  anderer  Erreger  der  Kartoffelfäule  ist  nach  Frank  ein  von  ihm  als
Ehizoctonia  solani  beschriebener  Pilz,  der  auf  der  Schale  gesunder  Knollen  eine  gutartige ­
  Pockenhildung  verursacht,  zuweilen  aber  auch  in  das  Zellgewebe  hineinwächst  und
sowohl  in,  als  zwischen  den  Zellen  wuchert  (Fig.  208).
Unter  seiner  Einwirkung  schrumpfen  die  Stärkekörner
ein  und  verschwinden  schließlich  ganz.  Die  Kartoffel
wird  wässerig-weich  und  nimmt  das  Aussehen  einer  gekochten ­
  Eübe  an.  Ein  dritter  Fäulniserreger  ist  der
für  gewöhnlich  nur  sekundär  auf  faulen  Kartoffeln  auf-Naoh

  Frank.

Fig.  209.  Fusarium  solani.
Konidienträger  mit  Konidien.
(320-fach).  Nach  Frank.

tretende  Hyphomycet  Fusarium  Solani  Mart.,  der  aber  zuweilen  auch  gesunde  Ka^
toffeln  zum  Faulen  bringt.  Sein  septiertes  Mycel  wachst  zwischen  und  faulenden
zerstört  die  Zellhäute,  aber  nicht  die  Stärkekbrner.  Auf  der  Oberfla
Knollen  entstehen  weißliche  Schimmelrasen, ­
  die  aus  den  aufrechten,  büschelartig
verzweigten  Konidienträgern  bestehen,  an
deren  Spitze  sich  spindelförmige,  mehr
oder  weniger  gekrümmte,  mehrzellige
Konidien  abschnüren  (Fig.  209).
Außer  diesen  höheren  Pilzen  treten
auch  Bakterien  als  die  Erreger  der
Kartoffelfäule  auf.  Teils  befallen  diese
Kilze  gesunde  Knollen,  teils  auch  nur
schon  kranke  oder  tote.  In  ersterem
Kalle  wird  meist  die  Interzellularmasse
gelöst,  so  daß  sich  die  Zellen  trennen;
dagegen  werden  die  Zellhaut  und  die
Stärkekbrner  nicht  verändert  und  die
Bakterien  befinden  sich  nur  zwischen,  7 P ikaft  tritt
Ilich l  in  den  Zellen.  Gleichzeitig  wird  der  Protoplast  ge^et  und  d  ^  yon
aus &amp;gt;  so  daß  die  Kartoffel  zu  einem  feuchten  Brei  zerfallt  (Fig.  -  )•  di
solchen  Bakterien  befallene  Knollen  als  Saatgut  benutzt  werden,  so  wandern

Fig.  210.  Bakterienfäule  der  Kartoffel.
Zwischen  den  anseinandergelösten  Zellen  die
Bakterien.  Stärkekörner  unverändert.
(320-facli).  Nach  Frank.
        <pb n="433" />
        410

Futtermittel.

Pilze  zuweilen  auch  auf  die  Basis  der  Stauden  über  und  zersetzen  diese  zu  einer
schmierigen,  schwärzlichen  Masse.  Solche  „schwarzheinigen“  Stauden  gehen  ein.
Genauer  beschrieben  ist  von  solchen  Bakterien  besonders  Bacillus  phytophtorus
Appel.
Die  Fäulnis  abgestorbener  Knollen  wird  nach  Wehmer  stets  durch  zwei
sporenbildende  Stäbchenarten  eingeleitet,  von  denen  das  eine,  Amylobacter  navicula,
Zellulose,  das  andere,  Bacillus  II,  Pektinstoffe  löst.
Amylobacter  navicula  zeichnet  sich  durch  die  Spindelform  seiner  Zellen
(7  —  9  x  1,5  —  3  fi)  und  den  Gehalt  an  Granulöse  aus.  Bacillus  II  bildet  lange,
schlanke  Stäbchen  (3  —  14  x  0,7  —  1  fi,  im  Mittel  7x1  fi),  die  nicht  selten  in  Verbänden ­
  von  20—30  fi  Länge  angeordnet  sind.
In  späteren  Fäulnisstufen  findet  man  noch  andere  Stäbchen-  und  Kugelbakterien. ­


Fig.  211.  Bakterien  der  Kartoffelfäule.  A  Amylokacter  navicula,  zum  Teil  mit  Endosporen.
B  u.  C  Bacillus  If.  B  Sporangien.  C  Stäbchen  und  Zellfäden.  Nach  Wehmer.
C.  Der  Schorf  der  Kartoffeln.  Auf  der  Schale  der  sonst  ganz  gesunden
Kartoffelknollen  entstehen  kleinere  oder  größere  Flecken  von  rauher,  runzliger  Beschaffenheit, ­
  die  manchmal  eingesunken,  manchmal  etwas  erhöht,  manchmal  auch  in
der  Ebene  der  Schale  liegen.  Es  ist  ziemlich  sicher,  daß  auch  der  Schorf  durch
Lebewesen  erzeugt  wird,  doch  ist  über  ihre  Natur  noch  nichts  bekannt.
D.  Die  Elseufleckigkeit  der  Kartoffeln.  In  dem  sonst  ganz  gesunden  Fleisch
der  Knollen  zeigen  sich  rostrote  Flecken  und  Linien.  Diese  Erscheinung,  die  leicht
mit  Fäule  verwechselt  wird,  hat  damit  nichts  zu  tun.  Über  die  Ursache  der  Fleckenbildung ­
  weiß  man  nichts;  Pilze  sind  daran  nicht  beteiligt.  Da  die  eisenfleckigen
Kartoffeln  so  haltbar  wie  normale  sind,  auch  als  Saatgut  ohne  Nachteile  verwendet
werden  können,  so  handelt  es  sich  nur  um  einen  Schönheitsfehler,  der  auf  ihren
Wert  als  Futtermittel  oder  Saatgut  keinen  Einfluß  hat.
4.  Pilze  an  den  Leguminosen.
A.  Die  Rostpiize.  Auf  den  Blättern  verschiedener  Leguminosen  entstehen  rostrote, ­
  später  schwarzbraune  Flecken,  die  aus  den  Konidienträgern  verschiedener
Arten  der  Gattung  Uromyces  bestehen.  Die  Uredosporen  ähneln  denen  der  Gattung
Puccinia,  die  Teleutosporen  dagegen  sind  einzellig,  rundlich,  gestielt.  Nach  „dem
Bau  der  Sporenhaut  der  Teleutosporen  kann  man  die  einzelnen  Arten  bis  zu  einem
gewissen  Grade  unterscheiden  (Fig.  212,  S.  411).
        <pb n="434" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

411

B.  Die  Meltaupilze.  Auf  den  Blättern  verschiedener  Leguminosen  entsteht  im
Spätsommer  ein  weißer  Überzug,  der  aus  dem  Mycel  und  den  Sporenträgern  von
Erisyphe  Martii  Lev.  besteht.  Später  zeigen  sich  zahlreiche  schwarze  Punkte  in  dem
weißen  Mycel:  die  Perithecien  des  Pilzes.  Die  Formen  dieses  Pilzes  entsprechen  im
ganzen  denen  von  Erisyphe  graminis.  Die  Waldwicke,  Lathyrus  silvestris,  weniger

Fig.  212.  Die  Teleutosporen  der  Legnminosenroste.
a  Kleerost  (üromyces  apiculatns),  b  Luzernerost  (D.  strlatus),  c  Wickenrost  (U.  Viciae  Fabae),  d  Bohnenrost ­
  (U.  appendiculatus),  e  Erbsenrost  (U.  Pisi),  f  Lupinenrost  (ü.  Anthyllldls).  (440-fach).  Nach  Frank,

andere  Leguminosen,  wird  auch  sehr  stark  von  dem  falschen  Meltau,  Peronospora
Viciae  de  By.,  befallen,  deren  Konidienträger  denen  von  P.  Betae  gleichen.
C.  Die  Blattfleckenpilze  des  Klees.  Auf  den  Blättern  verschiedener  Kleearten
entstehen  zahlreiche  kleine,  schwarze  Flecken,  die  durch  die  Konidienträger  eines
Pilzes,  Polythrincium
Trifolii  Kze.,  gebildet
Werden.  Polythrincium  ist
vermutlich  die  Konidienform
(Eig.  213)  eines  Pyrenomyceten
  Phyllachora  Trifolii
-Eucfcel,  dessen  Perithecien  auf
den  vertrockneten  Blättern
entstehen.
Auf  den  Blättern  des
Pot-  und  Weißklees  werden
etwas  größere,  gelbe,  dann
trockne,  braune  Flecken  durch
einen  Askomyceten,  Pseudo-Peziza
  Trifolii  Bernh.,
erzeugt,  dessen  Apothecien
in  der  Mitte  dieser  Flecken  entstehen  (Fig.  214).
D.  Die  Fleckeukraukheit  der  Bohne  und  Erbse.  Auf  den  Hülsen  der  Bohne
ünd  Erbse  entstehen  durch  Pilzinfektion  braune,  eingesunkene  Flecken.  Das  Pilzm
 ycel  geht  zuweilen  auch  auf  die  Samen  über,  deren  Schale  dann  mißfarbige,  braune,
ei ngesunkene  Flecken  zeigt.  Solche  Samen  sind  sonst  ganz  normal  ausgebildet  und
keimen  auch,  doch  gehen  die  Pflanzen  meist  an  der  Infektion  zugrunde.  Der  an
den  Bohnen  auftretende  Pilz  ist  Gloeosporium  oder  Colletotrichum
Pindemuthianum  Sacc.,  der  an  den  Erbsen:  Ascochyta  Pisi  Tib.  An  den
''raunen  Infektionsstellen  zeigen  sich  bei  beiden  Krankheiten  dunkle  Punkte,  die
äus  den  Sporenlagern  bezw.  den  Pykniden  der  Pilze  bestehen  (Fig.  216,  S.  412).  An
Erbsensamen  ist  die  Infektion  durch  den  Pilz  nicht  immer  ohne  weiteres  mit
Sicherheit  zu  erkennen.  Legt  man  aber  verdächtige  Samen  zwischen  feuchtes
k  üeßpapier,  so  bricht  durch  die  Schale  mit  Ascochyta  infizierter  Samen  nach
Wenigen  Tagen  das  Mycel  und  es  entstehen  an  ihm  die  kennzeichnenden  Pykniden.

Fig.  213.  Konidienträgerbüschel
von  Polythrincium  Trifolii ­
  mit  Konidien.  (320-fach).
Nach  Frank.

Fig.  214.  Apothecium  von
Pseudopeziza  Trifolii  auf
einem  Kleeblatt.  (20-fach).  Daneben ­
  ein  Sporenschlauch  mit
Sporen.  (320-fach).
Nach  Frank.
        <pb n="435" />
        412

Futtermittel.

Fig.  216.
Sporenlager  von  Colletotrichum
Lindemuthlanum  auf  einem
Bohnenfleck.  (65-fach).  Darüber  zwei
Sporen.  (260-fach).  Nach  Frank.

Fig.  216.
Pyknide  von  Ascoohyta  Pisi.
(200-fach).  Daneben  Sporen.
(600-fach).  Darunter  zwei  Erbsen
mit  Infektionsherden.
Nach  Frank,

5.  Pilze  an  den  Cruciferen.
A.  Plasmodiophora  Brassicae  Wor.  (Kohlhernie,  Kropf).  An  den  Wurzeln
aller  Abkömmlinge  von  Brassica  Eapa,  B.  Napus  und  anderen  Cruciferen  entstehen
zuweilen  eigenartige  Auswüchse,  Geschwülste  und  Verästelungen  von  manchmal

riesigem  Umfange.  Sie  werden  durch  vermehrte  Zellteilung  und  Vergrößerung  der
Zellen  veranlaßt,  die  durch  den  Reiz  des  im  Zellinnern  lebenden  genannten  Schleimpilzes ­
  hervorgerufen  werden,  dessen  Plasmodien  schließlich  ganz  in  kleine,  kugelrunde ­
  Sporen  zerfallen.
        <pb n="436" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

413

B.  Peronospora  parasitiea  de  JBy.;  Cystopus  candidns  Lev.  Diese  zu  den
Peronosporeen  gehörenden  Pilze  treten  häufig  an  Cruciferen  auf.  Peronospora
parasitiea  erzeugt  weißliche  Flecken  an  der  Unterseite  der  Blätter,  Cystopus
candidus  rundliche  oder  länglich  erhabene,  gelblichweiße ­
  Schwielen  an  Blättern,  Stengeln  und  Blutenständen, ­
  wobei  letztere  meist  sich  krümmen  und  sehr
verdicken.  Die  weißlichen
Flecken  bestehen  bei  beiden
Arten  aus  den  Konidienträgern, ­
  von  denen  die  der
Peronospora  ganz  denen
der  Peronospora  Viciae
gleichen,  während  die  von
Cystopus  unverzweigt  sind
und  an  der  Spitze  Ketten
von  Konidien  abschnüren
(Fig.  218).  Die  Überwinterung ­
  der  Pilze  erfolgt ­
  durch  Oosporen,  die
im  Innern  der  Pflanzenteile  gebildet  werden.
C.  Sporidesmium  exitiosum  Kühn  (Schwärze  des  Eapses).  Auf  den  grünen
Teilen  des  Rapses,  besonders  auf  den  Schoten,  entstehen  kleine,  schwarzbraune
Flecken,  auf  denen  man  die  Konidienträger  des  im  Innern  des  Gewebes  schmarotzenden
Pilzes  findet  (Fig.  219).  Bei  frühzeitigem  Befall  leidet  der  Raps  sehr  von  diesem
Parasiten.  Auch  in  Rapskuchen  findet  man  zuweilen  die  Sporen  des  Pilzes.

Fig.  218.
Sporenlager  von  Cystopus
candidus.  (260-fach).
Nach  Frank.

Fig.  219.
Eapsblatt  mit  Konidienträgern ­
  und  Konidien  von
Sp  ori  desmium  exitiosum.
(260-fach).  Nach  Frank.

Die  Beurteilung  von  Futtermitteln,  die  von  parasitären  Pilzen  befallen  sind.
Es  wird  vielfach  behauptet,  daß  von  parasitären  Pilzen  befallene  Pflanzen
Vergiftungen  hervorrufen,  die  sich  besonders  auf  die  großen  Nervenzentren  erstrecken.
In  erster  Linie  werden  die  Brandpilze,  von  ihnen  wieder  Tilletia  Caries  und
Ustilago  Maydis  als  besonders  giftig  bezeichnet.  Auch  die  Eostpilze  der  Gramineen
(besonders  die  Uredosporen  von  Puccinia  graminis  und  Puccinia  arundinacea  auf  Schilf)
und  die  der  Papilionaceen  sollen  giftig  wirken.  Ebenso  wird  dies  von  Sporidesmium
exitiosum,  dem  Eapsverderber,  Polythrinoium  Trifolii,  dem  Kleeschwärzepilz,  Epichloe
typhina,  dem  Erstickungsschimmel  der  Gräser,  den  Erisypheen,  Cladosporium
berbarum  u.  a.  behauptet.  Demgegenüber  muß  aber  hervorgehoben  werden,  daß
zwingende  Beweise  für  die  Giftigkeit  dieser  Pilze  oder  der  von  ihnen  befallenen  Pflanzen
nicht  erbracht  sind.  Einwandfreie  Fütterungsversuche  liegen  überhaupt  erst  für  einige
Brandpilze,  Eostpilze  und  Cladosporium  herbarum  vor,  und  diese  haben  sämtlich  ergehen, ­
  daß  auch  viel  größere  Mengen  der  betr.  Pilze,  als  in  der  Praxis  je  aufgenommen ­
  werden,  keine  Krankheitserscheinungen  hervorrufen.  Nur  bei  kleineren
Tieren  wirken  die  Sporen  von  Tilletia  Caries  zuweilen  tödlich  und  zeigen  auch  die
von  ihnen  oft  behauptete  Einwirkung  auf  den  schwangeren  Uterus.  Man  darf  aber
trotz  dieser  negativ  ausgefallenen  Versuche  nicht  vergessen,  daß  stark  von  Pilzen
befallene  Pflanzen  infolge  des  schnellen  Absterbens  ihrer  Organe  auch  andere  saprophyte
Organismen  oft  in  großer  Menge,  zuweilen  auch  mikroskopisch  kleine  Tiere  enthalten,
die  auf  gesunden  Pflanzen  fehlen  und  über  deren  Einwirkung  auf  den  Tierkörper  oder
deren  Stoffwechselerzeugnisse  wir  nichts  wissen.  Auch  ist  mit  der  Möglichkeit  zu
rechnen,  daß  die  Ernährung  von  Parasiten  befallener  Pflanzenteile  gestört  ist  und
daß  vielleicht  schädliche  Stoffwechselerzeugnisse  entstehen.  Man.  wird  daher  ein
        <pb n="437" />
        414

Futtermittel.

stärker  von  parasitären  Pilzen  befallenes  Futtermittel  stets  als  minderwertig  bezeichnen ­
  und  bei  seiner  Yerfütterung  zur  Vorsicht  mahnen  müssen.  Durch  eine
Probefütterung  mit  kleinen  Mengen  wird  sich  leicht  ein  Urteil  Uber  die  Bekömmlichkeit ­
  eines  befallenen  Futtermittels  erzielen  lassen.  Von  der  Yerfütterung
von  Leguminosen,  die  von  Uromyces-Arten  befallen  sind,  und  von  mit  Puccinia
arundinacea  besetztem  Schilf  muß  vorläufig  ganz  abgeraten  werden.  Zweifellos  in
hohem  Grade  giftig  ist  von  den  angeführten  Pilzen,  -wie  bekannt,  das  Sklerotium
von  Claviceps  purpurea  (Mutterkorn).  Es  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  die  ziemlich
kleinen  Sklerotien  der  auf  Futtergräsern  lebenden  Claviceps-Arten,  die  leicht  übersehen ­
  werden,  Vergiftungen  durch  andere  Pilze  vorgetäuscht  haben.
6.  Die  in  Futtermitteln  vorkommenden  saprophytischen  Pilze.
A.  Eumyceten.  Von  diesen  kommen  einige  Arten  der  Mucoreen,  der
Perisporiaceen,  ferner  raoniliaartige  und  andere  Sproüpilze  in  Betracht.

Fig.  220.  A  Mycel  und  Spor  angienträger  mit  Sporangien  von  Mucor  mucedo.  (Sch  wach  vergrößert).
Nach  Knys  Wandt,  aus  Reinkes  Lehrbuch.  B  Querschnitt  durch  ein  Sporangium.

Die  zu  den  Zygomyceten  gehörenden  Mucoreen  bilden  ein  kräftiges,  weißes,
scheidewandfreies  Mycel,  aus  dem  sich  aufrecht  starke,  zuweilen  unverzweigte,
zuweilen  auch  monopodial  oder  sympodial  verzweigte  Träger  erheben,  an  deren
Spitze  ein  kugeliges  Sporangium  entsteht.  Die  Wand  der  Sporangien,  die  zahlreiche
runde  Sporen  enthalten,  berstet  oder  zerfließt  bei  der  Reifung.  Außer  dieser  ungeschlechtlichen ­
  kommt  noch  eine  geschlechtliche  Fruktifikation  durch  Zygosporen
vor.  Die  wichtigsten  Vertreter  der  Mucoreen  sind  folgende:
a)  Mucor  mucedo  L.,  eine  sehr  verbreitete  Art,  mit  unverzweigten  Sporangienträgern
  und  großen,  schwarzen  Sporangien.
b)  Mucor  racemosus  Fresenius  ist  seltener  und  hat  verzweigte  Sporangienträger
mit  kugeligen,  30—40  cm  dicken,  bräunlichen  Sporangien.
c)  Phycomyces  nitens  Agardh,  eine  besonders  auf  Ölkuchen  häufige  Art,  mit
10—30  cm  hohen  Sporangienträgern  und  bis  zu  1  mm  dicken,  schwarzen  Sporangien
mit  gelblichen  Sporen.
        <pb n="438" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

415

d)  Ehizopus  nigricans  Ehrenberg,  eine  überall  gemeine  Art,  deren  Mycelfäden
lange,  stolonenartige  Seitenzweige  treiben,  die  im  Bogen  durch  die  Luft  wachsen,
mit  ihren  Enden  die  Unterlage  berühren  und  hier  eigenartige ­
  Haftorgane  in  Form  rosettenartig  angeordneter
verzweigter  Hyphen  treiben  (Fig.  221).
Von  den  zu  den  Askomyceten  gehörenden
Perisporiaceen  kommen  vorwiegend  in  Betracht  die
Gattungen  Eurotium  (Aspergillus)  und  Penicillium.
Das  Mycel  dieser  Pilze  ist  wesentlich  feiner  als  das  der
Mucoreen  und  in  zahlreiche  Zellen  geteilt.  Beiden
Gattungen  gemeinsam  ist  der  Bau  der  Konidienträger.
Sie  sind  unverzweigt,  ein-  oder  mehrzellig  und  tragen
an  dem  oberen  Ende  einfache  oder  verzweigte  kleine,  Fig ,  2 si.  Ein  stolo  von
flaschenförmige  Gebilde  (Sterigmen),  an  deren  Ende  RMzopus  nigricans  mit
basipetal  Konidienketten  abgeschnürt  werden.  Bei  den  SägerT^faoh^iSz^p’f'
hier  in  Betracht  kommenden  Aspergilleen  sind  die
Träger  meist  einzellig  und  am  Ende  blasenförmig  angeschwollen,  bei  den  Penicillien
sind  sie  mehrzellig  und  bilden  im  oberen  Teile  kurze  Zweige.  Am  Ende  des  Hauptfadens
wie  der  Seitenäste  entstehen  Sterigmen.  Für  einige  Arten  ist  auch  die  Schlauchform ­
  bekannt,  die  entweder  direkt  zur  Ausbildung  gelangt  oder  erst  in  einen  sklerotiumartigen
  Ruhezustand  übergeht,  aus  dem  später  die  Schlauchbildung  erfolgt.  Die
Schlauchformen  der  Aspergilleen  werden  meist  als  die  Gattung  Eurotium,  die  schlauchlosen ­
  als  Aspergillus  zusammengefaßt.
Die  wichtigsten  Arten  sind:
a)  Eurotium  herbariorum  de  By.  (Asp.  glaucus)  und  E.  repens,  die
häufigsten,  wolü  identischen,  Arten  der  Aspergilleen.  Die  Konidien  (Fig.  222)

Fig.  222.  Kolbenschimmel  (Eurotium  herbariorum  oder  Aspergillus  glaucus).
B  ^ y 1 ce ^ ium  ramm  mit  einem  Konidienträger  c  und  einem  jungen  Perithecium  F.  (190-fach).
Kolbenförmiges  Ende  des  Konidienträgers  mit  einigen  Sterigmen,  die  Sporenabschniirung  zeigend.
q  (250-fach).
Un d  B  Entwickelung  der  Perithecien;  E  ein  Askus  mit  Sporen  aus  einem  Perithecium.  (600-fach).
        <pb n="439" />
        416

Futtermittel.

sind  in  Masse  blaugrün  gefärbt,  im  einzelnen  farblos,  durchsichtig,  rund  und  mit
feinen  Höckern  besetzt.
Den  Anfang  der  geschlechtlichen  Fortpflanzung  stellen  korkzieherartig  gewundene
Äste,  die  Askogone,  deren  Windungen  bald  infolge  näheren  Zusammenwachsens  eine  hohle
Schraube  bilden,  dar  (Pig.  222  f,  S.  415).  Diese  Äste  heißen  Askogone.  An  der  untersten
Windung  dieser  Organe  entsteht  das  Pollinodium,  welches,  an  dem  Askogon  emporwachsend,
mit  seiner  Spitze  der  obersten  Windung  sich  dicht  anlegt.  Nachdem  durch  Verschmelzung
der  beiden  Geschlechtszellen  eine  Befruchtung  eingetreten  ist,  umhüllt  sich  das  Askogon
mit  einer  Schicht  polygonaler  Zellen.  Bald  darauf  treten  in  dem  schraubenförmigen  Gebilde
des  Askogons  zahlreiche  keulige  Ausstülpungen  auf,  welche  sich  verzweigen  und  dicke,
kurzkeulige  Asci  mit  8  Sporen  entwickeln  (Fig.  222  E,  S.  415).
Bei  der  Reife  lösen  sich  die  Schlauchmembrane  und  nun  liegen  die  Sporen  in  Gestalt
bikonvexer  Linsen  und  an  der  Kante  mit  einer  Ringfurche  versehen  frei  in  dem  brüchigen,
äußerlich  von  einer  schwefelgelben,  harzartigen  Masse  bedeckten  Perithecium.
Diese  Askosporen  erzeugen  bei  ihrer  Keimung  ein  Mycelium,  das  zunächst  Konidien
und  weiterhin  wieder  Perithecien  entwickelt.
Dem  Eurotium  herbariorum  sehr  nahe  verwandt  ist  eine  als  Eurotium
medium  Meifsner  beschriebene  Schimmel-Art,  die  sich  durch  die  Erzeugung  eines
tiefroten  Farbstoffes  auszeichnet  und  neben  Eurotium  herbariorum  häufig  in
schimmeligen  Ölkuchen  auftritt.
ß)  Aspergillus  flavus  de  By.  unterscheidet  sich  von  den  genannten  Arten
durch  die  gelbe  Farbe  der  Sporenmassen.  Von  dieser  Art  kennt  man  nur  Sklerotien.

A  ein  Konidienträger  f  aus  einer  Mycelhyphe  m  entspringend; ­
  B  das  pinselförmig  verzweigte  Ende  der  Fig.  224.  Mllchschimrael  (Oldlum  lactls
Fruchthyphe  mit  den  Sporenketten  auf  den  Zweigenden,  Fresenius).  Myoel  mit  Konidienketten  C.
(430-fach).  Nach  Zopf.  (890-faoh).  Nach  de  Bary.
Sie  kommt  etwas  seltener  auf  Futtermitteln  vor  und  entwickelt  sich  besonders  bei
höheren  Temperaturen.
Von  der  Gattung  Penicillium  ist  nur  eine  Art,  P.  glaucum  Link,  hiervon
Interesse.  Es  ist  dies  der  gewöhnliche  grüne  Schimmel,  die  häufigste  Art.  Ihre
Konidien  sind  in  Menge  blaugrün.  Außer  der  Konidienfruktifikation  (Fig.  223)
bildet  P.  glaucum  noch  Sklerotien,  aus  denen  später  in  ähnlicher  Weise  wie  bei
Eurotium  die  Schlauchfruktifikation  entsteht.
        <pb n="440" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Puttermittel.

417

Ein  zuweilen  in  Futtermitteln  auftretender  Pilz  ist  der  bekannte  Milchschimmel, ­
  Oidium  lactis.  Er  bildet  gabelig  verästelte,  durchsichtige  Hyphen,  die  sich
in  ihrem  oberen  Teil  durch  häufige  Querwandhildung  in  Konidien  auflösen  (Fig.  224).

Nach  A.  Spieckermann.
dieses  sind  die  einzigen  bekannten  Yermehrungsorgane.  Uber  die  systematische
Stellung  des  Pilzes  ist  Sicheres  nicht  bekannt.
In  den  Ölkuchen  und  daraus  hergestellten  Mehlen  findet  man  oft  auch  monihaartige
  Pilze,  die  außer  Fadenmycel  auch  Sproßmycel  bilden  und  eine  außer-Landwirtschaftliche
  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="441" />
        418

Futtermittel.

ordentliche  Mannigfaltigkeit  der  Wuchsformen  zeigen.  Ihre  Kolonien  sind  kreideweiß. ­
  Die  Mycelfäden  dieser  Monilia-Pilzo  teilen  sich  wie  die  von  Oidium  lactis  in
gestreckte  Oidien  auf,  aus  denen  in  diesem  Falle  aber  wieder  kleine,  kugelrunde
torulaartige  Zellen  sprossen,  die  meist  infolge  ihres  Fettgehaltes  stark  lichtbrechend
sind.  Diese  Torulakonidien  entwickeln  auf  geeigneten  Nährböden  anfangs  meist  ein
Sproßmycel  elliptischer  Zellen,  an  dem  erst  etwas  später  wieder  Mycelfäden  auftreten.
  Ebenso  wie  die  in  Oidien  aufgeteilten  Fäden  treiben  auch  die  elliptischen,
hefenartigen  Zellen  schließlich  die  kugelrunden,  torulaartigen  Zellen  (Fig.  225,  S.  417).
Ferner  kommen  in  Futtermitteln  Sproßpilze  verschiedener  Art,  und  zwar
echte  Saccharomyceten,  Mycoderma-  und  Torula-Arten  vor.
Die  Schimmelpilze  pflegen  erst  bei  einem  Wassergehalt  der  Futtermittel
von  14—15  °/ 0  aufzutreten.  Das  Schimmeln  wird  meistens  durch  Eurotium  repens
eingeleitet,  dem  bald  unter  Umständen  Eurotium  rubrum  folgt.  Bei  einer  Feuchtigkeit
von  etwa  20  °/ 0  erscheint  eine  Anzahl  weißer  Pilze,  die  sowohl  Sproßmycel  als
Fadenmycel  bilden;  bei  25°/ 0  Feuchtigkeit  beschließt  meistens  Penicillium  glaucum
die  ScMmmelung;  bei  einer  solchen  von  30  °/ 0  gewinnen  die  Schizomyceten  die
Oberhand  in  den  Futtermitteln.  Die  Schimmelpilze  verzehren  in  den  Futter-  und
Nahrungsmitteln  in  erster  Linie  Kohlenhydrate,  dann  aber  auch  Fett,  so  daß
stark  verschimmelte  Futter-  und  Nahrungsmittel  nur  mehr  wenig  Kohlenhydrate
und  wenig  Fett  (bei  den  lange  und  schlecht  aufbewahrten  Ölkuchen)  enthalten  und
dabei  an  Protein  sich  relativ  d.  h.  prozentig  anreichern.
B.  Schizomyceten.  Alle  Futtermittel  enthalten  Bakterien  der  verschiedensten
Art.  Eine  Unterscheidung  nach  dem  mikroskopischen  Bilde  wie  bei  höheren  Pilzen
ist  hier  ausgeschlossen,  da  der  Wechsel  der  Formen  zu  geringfügig  ist.  Eine  sichere
Erkenntnis  der  verschiedenen  Arten  ist  nur  durch  morphologische  und  physiologische
Untersuchungen  an  den  rein  gezüchteten  Pilzen  möglich  und  solche  Untersuchungen
werden,  wenn  sie  ihren  Zweck  erreichen  sollen,  einem  geschulten  Bakteriologen
überlassen  werden  müssen.
Von  den  saprophytischen  Bakterienarten  der  Futtermittel  seien  als  die
wichtigsten  folgende  Arten  erwähnt:
a)  Kohlenhydrate  vergärende  Bakterien.
Hierher  gehören  zunächst  die  Milchsäure-Bakterien,  von  denen  sowohl
Kokken-  wie  Stäbchenbakterien  auftreten.  Teils  vergären  sie  die  Zuckerarten  ohne
Gasentwickelung,  teils  unter  Entwickelung  von  Wasserstoff  und  Kohlensäure.  Zu  der
ersten  Gruppe  gehören  diejenigen  Arten,  die  die  regelrechte  Säuerung  beim  Einsäuern ­
  des  Grünfutters,  des  Sauerkrautes,  der  Sauerteiggärung  durchführen,  und
die  sich  durch  die  Fähigkeit,  besonders  große  Mengen  Säure  zu  bilden,  auszeichnen.
Sie  sind  die  Milchsäure-Bakterien  par  excellence  und  sind  dem  Bacterium  lactis
acidi  Leirhmnnn,  der  Hauptsäuerungs-Bakterie  der  Milch,  verwandt.  Zu  der  zweiten
Gruppe  gehören  die  Verwandten  des  Bacterium  lactis  aerogenes  und  Bacterium  coli.
Sie  erzeugen  außer  Milchsäure  aus  Zuckern  meist  noch  andere  Säuren,  insbesondere
Bernstein-  und  Essigsäure,  ferner  Wasserstoff  und  Kohlensäure,  und  sind  gegen
höhere  Säuregrade  meist  empfindlicher  als  die  Arten  der  ersten  Gruppe.
Die  Milchsäure-Bakterien  wachsen  sowohl  bei  Luftzutritt  wie  -abschluß,  besser
unter  letzterer  Bedingung.
Eine  andere  Gruppe  von  Säuerungs-Bakterien  sind  die  Buttersäure-Bakt
  e  r  i  e  n,  die  teils  Laktate  teils  Kohlenhydrate  zu  Buttersäure  vergären.  Bei  den  Gär-  oder
Sauerfuttermitteln  ist  diese  Art  der  Gärung  nicht  erwünscht.  Bei  Anwesenheit  einer
genügenden  Menge  Milchsäure-Bakterien  tritt  die  Buttersäure-Gärung  nicht  ein,  da  die
        <pb n="442" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Die  Pilze  der  Futtermittel.

419

Milchsäure  auf  ihre  Erreger  stark  entwickelungshemmend  wirkt.  Die  Buttersäure-Bakterien
  sind  sämtlich  ziemlich  große  Stäbchenbakterien,  die  teils  aerob,  teils  streng
anaerob  leben  und  Endosporen  erzeugen.
In  dritter  Linie  wären  zu  erwähnen  die  Essig-Bakterien,  die  Äthylalkohol
zu  Essigsäure  vergären,  bei  richtiger  Leitung  der  Futtergärung  aber  kaum  eine
Rolle  spielen.
b)  Protein  zersetzende  Bakterien.
Die  Protein  zersetzenden  Bakterien  sind  teils  Aerobier  teils  Anaerobier.  Zu
ersteren  gehören  die  überall  auftretenden  Stäbchenbakterien  aus  der  Gruppe  des
Bacillus  mesentericus  („Kartoffelbazillen“)  und  des  Bacillus  subtilis  (Heubazillen),
die  sämtlich  außerordentlich  widerstandsfähige  Endosporen  bilden;  ferner  die  Bakterien
der  Gruppe  des  Bacterium  (Proteus)  vulgare.  Von  den  anaeroben  Proteinzersetzern
ist  in  erster  Linie  Bacillus  putrificus  zu  nennen,  der  wichtigste  Fäulnispilz,  der  in
den  Futtermitteln  stets  vorhanden  ist.  Br  ist  eine  Stäbchenbakterie,  die  ihre  ovalen
Endosporen  an  einem  Ende  der  Zelle  erzeugt,  so  daß  trommelschlägelartige  Gebilde
entstehen.
Von  pathogenen  Pilzen,  die  durch  Futtermittel  übertragen  werden  können,
ist  besonders  Bacillus  anthracis,  der  Erreger  des  Milzbrandes,  und  Bacillus
Chauvoei,  der  Erreger  des  Eauschbrandes,  zu  erwähnen,  deren  Dauerformen  sich
im  Boden  und  auf  manchen  Weiden  erhalten.  Ferner  kommt  auf  Getreideteilen  häufig
der  Erreger  der  sog.  Strahlenkrankheit,  der  Hyphomycet  (Actinomyces  bovis)  vor.

Der  Nachweis  der  saprophytischen  Pilze.
Der  Nachweis  der  saprophytischen  Pilze  in  Futtermitteln  kann  in  manchen
Fällen  durch  mikroskopische  Untersuchung,  meist  aber  nur  in  Verbindung  mit  dem
Kulturverfahren  erfolgen.  In  stark  verschimmelten  Futtermitteln  findet  man  die
Pilzhyphen  schon  bei  mikroskopischer  Durchmusterung,  unter  Umständen  auch  die
kennzeichnenden  Konidienträger.  Mehlige  Stoffe  (Kleie,  Mehle,  Ölkuchenmehle)
schließt  man  vorteilhaft  mit  etwas  verdünnter  Natronlauge  im  Becherglase  auf
dem  Wasserbade  auf  und  behandelt  sie  dann  noch  einige  Male  mit  heißem  Wasser.  In
Futtermitteln,  in  denen  eine  starke  Vermehrung  der  Bakterien  stattgefunden  hat,  kann
man  durch  Anlegen  eines  gefärbten  Präparates  von  einer  Emulsion  in  Wasser  zuweilen
schon  zu  einem  Urteil  gelangen,  zumal  wenn  man  dabei  die  Zellform  der  Bakterien,
das  Aussehen,  die  Krümelung,  die  Reaktion  usw.  des  Futtermittels  beachtet  (vergl.
auch  S.  253).
Im  allgemeinen  zeigen  mehlige  Futtermittel,  in  denen  eine  starke  Bakterien-Vermehrung
  stattgefunden  hat,  eine  etwas  krümelige  Struktur,  da  sie  infolge  der
starken  Durchfeuchtung  zusammengebacken  waren.  Häufig  auch  haben  sie  ihre
natürliche  Farbe  eingebüßt  und  einen  stechenden  oder  dumpfen  Geruch  angenommen.
Alkalische  Reaktion  spricht  in  allen  Fällen  für  tiefgreifende  Zersetzungen,  saure
dagegen  nicht  immer.
Mehlige  Futtermittel,  die  verschimmelt  sind,  haben  oft  auch  die  leichte  \  erschiebbarkeit
  der  Teilchen  verloren,.  sie  „fallen“  nicht.  Der  Geruch  ist  zuweilen,
zumal  wenn  man  die  Probe  einige  Tage  im  verschlossenen  Glase  stehen  läßt,  dumpfig.
Ist  ein  verschimmeltes  Futtermittel  nicht  vorher  absichtlich  getrocknet,  so  findet
man  stets  einen  höheren  Feuchtigkeitsgehalt.  Bei  mehr  als  14°/ 0  Feuchtigkeit
ist  bei  mehligen  Futtermitteln  und  Kuchen  stets  Verdacht  auf  Verschimmelung  vorhanden. ­
  Bei  Melassen  liegt  diese  Grenze  höher.  Manchmal  auch  ist  in  verschimmelten ­
  Ölkuchen  und  -mehlen  mit  flüssigem  Fett  letzteres  so  zersetzt,  daß  der
Atherauszug  bei  Zimmertemperatur  kristallinisch  erstarrt  (vergl.  vorstehend  S.  418).
27*
        <pb n="443" />
        420

Futtermittel.

In  allen  zweifelhaften  Fällen  —  und  diese  bilden  in  der  Praxis  die  Mehrzahl  —
wird  man  mit  der  mikroskopischen  Untersuchung  auch  das  Kulturverfahren  verbinden, ­
  indem  man  bestimmte  Mengen  des  Futtermittels  mit  einer  Nährgelatine
vermischt  und  zu  Guß-Platten  verarbeitet.  Zum  Nachweis  der  Schimmel  benutzt
man  vorteilhaft  eine  10  %-ige  Lösung  von  Gelatine  in  Bierwürze,  die  nicht
neutralisiert  wird,  zum  Nachweis  der  Bakterien  eine  solche  in  Fleischabkochung,
die  mit  Sodalösung  genau  neutralisiert  werden  muß.  Aus  der  Zahl  und  der  Art
der  auf  den  Platten  wachsenden  Pilzkolonien  läßt  sich  dann  bei  einiger  Übung  ein
Schluß  auf  etwaige  Veränderungen  des  Futtermittels  ziehen.  Das  Kulturverfahren
allein  genügt  für  die  mykologische  Kontrolle  der  Futtermittel  nicht,  denn  es  kann
Vorkommen,  daß  manche  der  vorhandenen  Pilze  inzwischen  Von  seihst  oder  durch
besondere  Behandlung  abgestorben  sind,  die  sich  dann  mikroskopisch  aber  immerhin
noch  nachweisen  lassen.
Das  von  Emmerling  S.  253  vorgeschlagene  Verfahren  zur  Prüfung  der
Schiramelbildung  in  Futtermitteln  darf  nur  mit  Vorsicht  angewendet  werden.  Es
beruht  darauf,  die  in  einem  Futtermittel  enthaltenen  Pilze  durch  Zusatz  einer  entsprechenden ­
  Menge  sterilisierten  Wassers  zur  Entwickelung  zu  bringen.  Der  Verlauf
dieser  Prüfung  ist  wesentlich  bedingt  durch  die  Menge  des  Wassers,  die  gründliche
Mischung  desselben  mit  dem  Futtermittel  und  die  Temperatur.  Enthält  die  Mischung
über  30  °/ 0  Wasser,  so  entwickeln  sich,  wie  schon  S.  418  gesagt,  sofort  Bakterien,
die  die  Schimmel  unterdrücken.  Bei  Temperaturen,  die  wesentlich  über  Zimmertemperatur ­
  liegen,  wachsen  nur  die  höheren  Wärme-Graden  angepaßten  Pilze,
während  gerade  die  häufigeren  Arten,  wie  Eurotium  repens  und  Penicillium  glauoum,
dabei  zurücktreten.  Tote  Pilze  werden  durch  dieses  Verfahren  natürlich  nicht
erkannt.  Auch  ist  es  für  Melassen  wegen  ihres  Zucker-  und  Salzreichtums  nicht
verwendbar.  Im  allgemeinen  ist  das  Plattenkultur-Verfahren  vorzuziehen.
Die  Beurteilung  der  saprophytischen  Pilze  in  Futtermitteln.
Weder  die  saprophytischen  höheren  Pilze  noch  die  Bakterien  der  Futtermittel
sind  an  sich  für  den  Organismus  schädlich,  wie  Fütterungsversuche  und  die  alltägliche ­
  Praxis  beweisen.  Erst  die  durch  den  Lebensvorgang  entstehenden
Stoffwechselerzeugnisse  oder  die  von  ihnen  ausgeschiedenen  Toxine  können
dem  Organismus  gefährlich  werden.  Das  Vorkommen  von  Schimmeln  und  Bakterien
in  den  Futtermitteln  bietet  also  an  sich  keinen  Grund  zur  Beanstandung.  Diese
kann  erst  dann  erfolgen,  wenn  nachgewiesen  wird,  daß  die  Pilze  in  dem  betr.
Futtermittel  sich  vermehrt  und  wesentliche  Stoffumsetzungen  hervorgebracht ­
  haben.  Dieser  Nachweis  ist  nicht  immer  mit  Sicherheit  zu  führen.  Eine
hohe  Keimzahl  allein  ist  nicht  ausschlaggebend.  Die  Oberfläche  von
Pflanzen  ist  stets  von  Pilzen  bewohnt,  deren  Zahl  je  nach  den  Verhältnissen
größer  oder  geringer  ist.  Auch  die  Oberfläche  der  Samen  beherbergt  stets  je  nach
ihrer  Gestalt,  Struktur,  nach  den  Witterungsverhältnissen  während  der  Wachstums- ­
  und  Erntezeit,  nach  Art  der  Aufbewahrung,  Reinigung,  Verarbeitung  usw.
wechselnde,  manchmal  eine  geringe,  manchmal  eine  ungeheure  Zahl  von  Pilzen,  ohne
daß  deshalb  die  inneren  Gewebsstoffe  irgendwie  verändert  sind.  Bei  der  Verarbeitung ­
  der  Eohstoffe  gelangen  diese  Pilze  zum  großen  Teil  in  die  erzeugten
Futtermittel,  ohne  daß  diese  dadurch  eine  Verminderung  an  Güte  erfahren,  wenn
dafür  gesorgt  wird,  daß  eine  weitere  Vermehrung  nicht  stattfindet.  So  kommt
es,  daß  völlig  einwandfreie  Futtermittel  bald  eine  nach  wenigen  Hunderten,  bald
eine  nach  vielen  Tausenden  und  Millionen  zählende  Keimmenge  in  1  g  aufweisen.
Man  muß  also  bei  der  Verwertung  der  Keimzahl  sehr  vorsichtig  verfahren.  Bei
        <pb n="444" />
        Mikroskopische  Untersuchung.  Tierische  Schmarotzer.

421

der  Untersuchung  von  Futtermitteln,  die  einer  Zersetzung  durch  Bakterien  verdächtig ­
  sind,  mittels  des  Plattenkultur-Verfahrens,  versuche  man  festzustellen,  ob  eine
einzelne  Art  ganz  überwiegt;  im  allgemeinen  findet  man,  falls  keine  Vermehrung
der  Pilze  in  dem  Futtermittel  stattgefunden  hat,  eine  ganze  Reihe  von  Arten.
Der  sichere  Nachweis,  daß  ein  Futtermittel  verschimmelt  ist,  ist  als  erbracht
anzusehen,  wenn  es  gelingt,  mehrfach  Mycel  oder  Konidienträger  aufzufinden.
Jedes  Futtermittel,  in  dem  Bakterien  und  Schimmel  sich  vermehrt  haben,
ist  vom  Verfüttern  auszuschließen  oder  doch  nur  mit  großer  Vorsicht  zu  verwerten. ­
  Ausgenommen  sind  hier  selbstverständlich  die  natürlichen  Sauerfuttermittel. ­
  Wenn  auch  vermutlich  weder  verschimmelte  noch  von  Bakterien  zersetzte
Futtermittel  so  oft  giftig  wirken,  wie  gewöhnlich  angenommen  wird,  so  ist  doch  die
Möglichkeit  dazu  stets  vorhanden,  zumal  weder  die  chemische  noch  die  biologische
Untersuchung  darüber  sicheren  Aufschluß  geben.
VI.  Einige  tierische  Schmarotzer  der  Futtermittel.
Von  niederen  Tieren  sind  einige  Nematoden  erwähnenswert.  In  Weizenkörnern ­
  kommt  Tylenchus  scandeus  Schneid,  vor,  der  von  dem  Samenkorn  an  die
junge  Pflanze  wandert,  zwischen  den
Scheiden  bis  zur  Ähre  emporsteigt
und  sich  im  Fruchtknoten  ansiedelt,
der  dadurch  zu  einem  sogen.  Radenoder ­
  Gichtkorn  sich  entwickelt,  das
nur  die  halbe  Größe  des  gesunden  hat
und  in  seinem  Innern  statt  der  Stärke
zahllose  0,8—1,0  mm  lange  Nematoden ­
  enthält.  Eine  andere  Nematode
ist  Tylenchus  devastatrix  Kühn,
die  vom  Boden  in  den  Stengel  von
Roggen,  Hafer,  Klee,  Buchweizen
wandert  und  hier  die  bekannten  Mißbildungen ­
  erzeugt,  indem  heim  Buchweizen ­
  eine  Verkrümmung  und  Verdickung ­
  des  Stengels,  bei  den  anderen
Pflanzen  eine  überreichliche  Bestockung ­
  stattfindet,  deren  Triebe  aber
a Ue  niedrig  bleiben  und  eingehen.  Eine
dritte  Nematodenart  ist  Heterodera
kchachtii  A.  Schmidt,  die  bekannte
Rühennematode,  die  an  den  Saugwurzeln ­
  der  Runkel-  und  Zuckerrübe
schmarotzt  und  oft  die  Ausbildung  der  Rübe  verhindert.  Die  Nematoden  wandern
aus  dem  Erdboden,  in  dem  sie  überwintern,  im  Larvenzustande  unter  die  Oberhaut
der  Wurzeln,  Hier  differenzieren  sie  sich  allmählich  in  die  beiden  Geschlechter,
von  denen  die  Männchen  flaschenförmig,  die  Weibchen  bimförmig  aussehen.  Nach
er  Befruchtung  schwellen  letztere  zu  zitronenförmigen  Kapseln  an,  die  die  Wurzelaut
  durchbrechen,  so  daß  die  Wurzeln  dann  wie  mit  Perlen  besetzt  aussehen.  Die
eibchen  enthalten  zahlreiche  Eier,  aus  denen  die  geschlechtslosen  Larven  schlüpfen.
Auch  eine  Form  der  Kartoffelfäule  wird  durch  Nematoden  verursacht.
11  der  Schale  solcher  Kartoffeln  befinden  sich  eingesunkene,  mißfarbige  Flecken,

Fig.  226.  Nematodenfäule  der  Kartoffel
tt  tote  Teile,  ee  herausgefallene  Nematodeneier;  die
das  Nematodennest  umgehenden  Zellen  p  p  haben  die
Stärke  fast  ganz  verloren,  aber  Protoplasma  und  Kern
vergrößert.  (110-faoh.)  Nach  Frank.
        <pb n="445" />
        422

Futtermittel,

unter  denen  das  Fleisch  gebräunt  ist.  Die  befallenen  Zellen  enthalten  meist  noch
die  Stärke,  sind  aber  tot.  In  dem  nicht  gebräunten  nächsten  Umkreise  der
Nematodennester  verlieren  die  Zellen  häufig  die  Stärke  und  zeigen  dafür  eine  starke
Vermehrung  des  Protoplasmas  und  eine  Vergrößerung  des  Zellkerns  (Fig.  226,  S.  421).
1.  Häufiger  in  Futtermitteln  sind  einige  Milhenarten,  von  denen  zuweilen  behauptet ­
  wird,  daß  sie  Darmerkrankungen  hei  Tieren  erzeugen.  Hierzu  gehört  die
Heumilhe,  Acarus  foenarius  (Fig.  227).  Diese  Milben  finden  sich  ausgewachsen
und  als  Larven  vornehmlich  in  altem,  lange  und  feucht  gelagertem  und  meist  auch
durch  Schimmelpilze  verdorbenem  Heu.  Für  das  bloße  Auge  kaum  sichtbar,  zeigt
die  Milbe  hei  76-facher  Vergrößerung  einen  weißlichen,  weichhäutigen,  mit  gefiederten
Borsten  bedeckten  ovalen  Rumpf,  einen  sehr  beweglichen,  schnabelartig  schief  nach
abwärts  gerichteten  Kopf  und  8  in  2  Vorder-  und  2  Hinterpaare  getrennte,  bräunliche,
stark  mit  Borsten  besetzte  Beine,  welche  ein  kegelförmiges,  langes  Endglied  mit

Fig.  227.  Heumilbe.
(Yergr.  75.)

Fig.  228.  Mehlmilbe.

Haftscheihe  und  Krallen  tragen.  Da  ein  mit  dieser  Milbe  stark  verunreinigtes  Heu
stets  außerordentlich  mit  Pilzen  und  Bakterien  durchsetzt  ist,  so  ist  es  fraglich,  ob
der  Milbe  an.  sich  die  beobachtete  schädliche  Wirkung  zugeschrieben  werden  darf.
Jedenfalls  steht  fest,  daß  die  Milbe  auch  in  gutem,  frischem  Heu  kaum  jemals  fehlt.
Die  der  Heumilhe  sehr  nahe  verwandte  Mehl-  oder  Käsemilbe,  Acarus  siro
(Fig.  228),  welche  sich  oft  in  altem,  schlecht  aufbewahrtem  Mehl,  in  feuchter  Kleie
und  Schrot  ansiedelt,  steht  wie  jene  nur  im  Verdacht,  Magen-  und  Darmkatarrhe
bei  Tieren  veranlaßt  zu  haben;  indes  sind  direkte  Beweise  für  ihre  Schädlichkeit ­
  nicht  erbracht.  Selbstverständlich  ist  die  Verwendung  einer  mit  Milben  stark
behafteten  Kleie  usw.  für  Fütterungszwecke  nicht  ratsam,  da  ein  so  beschaffener
Futterstoff  das  Merkmal  der  Verdorbenheit  trägt  und  eine  Brutstelle  aller  möglichen
Schimmelpilze  und  Fäulnisbakterien  bildet.
2.  Von  Käfern  werden  einige  Arten  dem  lagernden  Korn  und  seinen  Mahlerzeugnissen ­
  gefährlich.  Hierher  gehört  zunächst  der  schwarze  Kornwurm,
Calandra  granaria  (Fig.  229).
        <pb n="446" />
        Mikroskopische  Untersuchung,  Tierische  Schmarotzer.

423

Der  schwarze  Kornwurm  tritt  im  Korn  und  Mehl  vorwiegend  bei  Aufbewahrung
auf  feuchten,  dumpfigen  Lagerräumen  auf.  Er  ist  ein  kaum  4  mm  langer,  einfarbig ­
  brauner,  mit  punktiertem  Halsschild  und  gestreift  punktierten  Flügeldecken
versehener  Käfer.  Das  Weibchen  bohrt  mit  seinem  Rüssel  ein  Loch  in  die  Körner
und  legt  in  jedes  derselben  nur  ein  Ei,  aus  dem  eine  weißliche  nackte,  beinlose
Larve  mit  braunem  Kopfe  auskriecht,  welche  den  Inhalt  des  Kornes  ausfrißt  und
sich  in  der  leeren  Hülse  verpuppt.

Puppe.  Käfer.  Larve  und  Käfer  an  Gerstenkörnern ­
  (kaum  vergrößert).
Flg.  229.  Schwarzer  Kornwurra.

Man  will  bemerkt  haben,  daß  das  mit  dem  Kornwurm  und  seinen  Larven
stark  verunreinigte  Getreide  nach  dem  Verfüttern  besonders  bei  Pferden  Brustkrankheiten, ­
  heftige  Entzündung  und  Schwellung  der  Bronchialschleimhäute  hervorgerufen ­
  hat  und  sogar  den  Tod  von  Tieren  zur  Folge  gehabt  haben  soll.  Die
schädlichen  Folgen  solchen  Getreides  sollen  fast  ganz  aufgehoben  werden,  wenn  man
dasselbe  vor  dem  Verfüttern  darrt,  tüchtig  mit  Wasser  wäscht  und  nun  im  feuchten
Zustande  verfüttert.
Zur  Verhütung  einer  starken  Vermehrung  genügt  es  in  den  meisten  Fällen,
das  auf  dem  Speicher  lagernde  Getreide  durch  häufiges  Umschaufeln  tüchtig  zu
durchlüften,  nach  halbjährlicher  völliger  Entleerung  der  Lagerplätze  diese  von  alten
Getreideresten  gründlich  zu  säubern  und  die  Wände  hin  und  wieder  mit  Chlorkalklösung ­
  zu  tünchen.  Ein  gutes  Mittel  zur  Vertilgung  dieser  wie  anderer  Insekten  der
Kornvorräte  ist  der  Schwefelkohlenstoff,  von  dem  man  nur  geringe  Mengen  in  den
gut  verschlossenen  Lagerraum  zu  bringen  braucht.
3.  In  Mehl  und  Kleie  tritt  häufig  der  Mehlkäfer,  Tenebrio  molitor  L.,  auf.
Er  ist  ein  14  mm  langer,  5  mm  dicker,  pechbrauner  Käfer  mit  flachgewölbten

Flg.  230.  Mehlkäfer  (Tenebrio  molitor).  Käfer,  Larve  und  Puppe.  Nach  1  asohenherg.
Flügeldecken.  Die  Larve,  der  sogen.  Mehlwurm,  ist  drehrund,  gelb,  so  gut  wie
nackt.  Die  Puppe  ist  weich,  im  Hinterleibe  schlank,  seitlich  an  jedem  Gliede  in
ein  braun  gezähntes  Rändchen  ausgezogen  (Fig.  230).  Käfer  sowohl  wie  Larve
leben  in  Kleie  und  Mehl.
4.  Die  reifen  Samen  der  Erbsen  und  Bohnen  zeigen  zuweilen  2—2*/ 2  mm  weite
Löcher,  die  von  Larven  mehrerer  Käfer,  nämlich  dem  Erbsenkäfer,  Bruchus
Pisi  L.,  und  dem  Bohnenkäfer,  Br.  rufimanus  Schönb.,  hervorgerufen  werden.
Leide  Käfer  sind  4—5  mm  lange  schwarze,  hell  gefleckte,  grau  behaarte  Rüsselkäfer
(Eig.  231),  die  ihre  Eier  im  Sommer  an  junge  Hülsen  legen.  Die  Larven  fressen
        <pb n="447" />
        424

Futtermittel.

sich  in  eine  Samenanlage  hinein  und  richten  die  beschriebenen  Verheerungen  an.
In  der  Fraßhöhle  entwickelt  sich  dann  der  Käfer,  der  im  Frühling  oder  bei  warmem
Wetter  auch  schon  im  Winter  auskriecht.  Der
Wert  solcher  angefressenen  Samen  als  Futtermittel ­
  und  Saatgut  ist  verringert.  Außer
Schwefelkohlenstoff  wird  als  Bekämpfungsmittel
Erwärmen  der  Samen  auf  50—60°  empfohlen.
5.  YonSchmetterlingen  wird  denKornvorräten
  die  Kornmotte  (der  weiße  Kornwurm), ­
  Tinea  granella,  oft  gefährlich.  Die
Yorderflitgel  dieses  Schmetterlings  sind  silberweiß, ­
  dunkelbraun  bis  schwarz  veränderlich
gezeichnet.  Die  weißgrauen  Hinterflügel  sind
schmal  und  spitz.  Körperlänge  5,2  mm,  Flügelspannung ­
  15  mm.  Die  Raupe  ist  sechzehnfüßig,
  beinfarben,  mit  hellbraunem  Kopf  und
Die  Puppe  ist  sehr  beweglich,  endet  hinten
Dörnchen.  Sie  ist  etwa  5  mm  lang.  Der
im  Juni  in  der  Dunkelheit  meist  in  geschlossenen  Räumen.
Das  Weibchen  legt  ein  bis  zwei  Eier  an  jedes  Getreidekorn,
nötigenfalls  auch  an  trockne  Früchte.  Die  Raupen  spinnen
die  Körner  aneinander.  Sie  leben  unter  dem  Schutze  der  von
ihnen  gezogenen  Seidenfäden  und  fressen  an  mehreren  Körnern,
ohne  eins  ganz  aufzuzehren.  Sind  sie  erwachsen,  so  spinnen
sie  sich  in  hinreichend  zernagten  Körnern  oder  in  Ritzen
einen  roggenkorngroßen  Kokon,  in  dem  sie  bis  zum  Frühjahr
Fig  232  Kornmotte  bleiben.  Im  März  oder  Mai  verpuppen  sie  sich.  Die  Puppe
(Tinea  granella).  ruht  etwa  3  Wochen.  Fleißiges  ümschaufeln  des  Getreides
Motte  (vergrößert)  und  g oramer  und  Behandlung  mit  Schwefelkohlenstoff  sind  die
Raupe  mit  Nest.  Nach
Taschenherg.  besten  Gegenmittel,

Fig.  231.  Erlösen-  und  Bohnenkäfer.
Samen  der  Ackerbobne  und  Erbse  mit
Löchern  von  Samenkäfern,  Bruchus,  gefressen. ­
  An  der  unteren  Erbse  ist  das
Loch  noch  verschlossen  und  der  Käfer  noch
darin.  Daneben  der  Käfer  (vergrößert).
Nach  Frank.

Nackenschild  und  mißt  7—10  mm.
kolbig  und  trägt  am  Ende  einige
Schmetterling  fliegt

VII.  Allgemeine  Grundsätze  für  den  Handel  mit  käuflichen  Futtermitteln. 1 )
1.  Bei  jedem  Verkauf  von  Futtermitteln  ist  seitens  des  Verkäufers  unaufgefordert
Garantie  zu  leisten;
a)  für  die  der  Natur  der  Futtermittel  entsprechende  Bezeichnung,  für  Unverdorbenheit
uud  Unverfälschtheit  (Reinheit  von  fremden,  minderwertigen,  indifferenten  oder  gesundheitsschädlichen, ­
  der  Natur  und  Bezeichnung  des  Futtermittels  nicht  entsprechenden  Bestandteilen); ­

b)  für  den  Mindestgehalt  an  den  wertbestimmenden  Nährstoffen  (siehe  Absatz  3).
2.  Die  Garantie  ist  schriftlich  zu  leisten  durch  Verzeichnung  des  Garantiegehaltes
in  der  Offerte,  dem  Schlußschein  oder  der  Faktura  oder  bei  kleineren  Bezügen  (unter
200  Ztr.)  durch  besondere  schriftliche  Mitteilungen  an  den  Bezieher.  Dabei  müssen  angegeben ­
  werden:  Name  und  Art  des  Futtermittels,  garantierte  Gehaltszahlen,  Herkunft
(letztere,  wenn  die  Herkunft  bezeichnend  ist  für  bestimmte  Qualitäten);  ferner  ob  und  in
welcher  Höhe  eine  etwaige  Entschädigung  nach  dem  Grundsätze  des  Ausgleichs  oder  des
Spielraums  berechnet  werden  soll.
Im  Kleinverkehr  ist  anzustrebon,  daß  bei  den  in  Säcken  verkauften  Futtermitteln  die
geleistete  Garantie  äußerlich  an  einer  ein  für  allemal  bestimmten  Stelle  durch  Plomben,
')  Nach  den  Beschlüssen  der  Deutschen  Landwirtschafts-Gesellschaft  (Futtermittel-Abteilung)
  bezw.  nach  den  Vereinbarungen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  B.
        <pb n="448" />
        Grundsätze  für  den  Handel  mit  Futtermitteln.

425

Zettel  oder  Aufschrift  kenntlich  gemacht  wird.  Zu  diesem  Zweck  haben  die  den  Säcken
aufzuklebenden  Zettel  (oder  Aufschriften)  zu  enthalten;  Namen  des  Händlers  und  dessen
Marke,  Gewicht  des  Sackes,  Benennung  des  Futterstoffes,  Gehaltsgarantie  (in  solchen  die  Nährstoffe ­
  vollständig  bezeichnenden,  nicht  in  Buchstaben  abgekürzten  Benennungen,  also  Protein,
Fett  usw.),  Angabe  des  eventuellen  Spielraums  oder  Ausgleichs,  in  rotem  Querüberdruck;
die  Versuchs-Station,  unter  deren  Kontrolle  die  betr.  Firma  sich  eventuell  gestellt  hat,
und  die  Bedingungen,  unter  welchen  die  Ermittelung  des  Gehaltes  an  den  garantierten
Nährstoffen  von  der  betr.  Versuchs-Station  ausgefiihrt  wird.
3.  Die  Garantie  für  die  wesentlichen,  den  Wert  bestimmenden  Nährstoffe  bezieht
sich  in  allen  Fällen  auf  Protein  und  Fett,  auf  den  Gehalt  von  Kohlenhydraten  nur  dann,
wenn  die  Garantie  für  Kohlenhydrate  ausdrücklich  vereinbart  wird.
Die  Garantie  für  Protein  und  Fett  ist  getrennt  für  jeden  dieser  Nährstoffe  anzugeben. ­

Die  Garantiezahlen  bezeichnen  den  Mindestgehalt  der  in  dem  betreffenden  Futtermittel ­
  garantierten  Nährstoffe.  Grenzzahlen  zur  Bezeichnung  der  Garantiezahlen  (z,  B.
18—20°/ 0  Protein)  sind  unzulässig.
Für  die  an  den  garantierten  Werten  fehlenden  Gehalte  ist  der  Verkäufer  verpflichtet,
Entschädigung  zu  leisten.
Die  Entschädigung  kann  berechnet  werden  entweder:  1.  nach  dem  Grundsatz  des
Ausgleiches  oder  2,  nach  dem  Grundsatz  des  Analysenspielraums  (Latitüde).
ad  1.  Ausgleich.
Unter  Ausgleich  ist  zu  verstehen  die  Deckung  eines  etwaigen  Mindergehaltes  au
einem  der  garantierten  Nährstoffe  dem  Geldwerte  nach  durch  einen  gleichzeitig  vorhandenen
Uberschuß  eines  anderen  garantierten  Nährstoffes.  Als  Grenzen  sind  maßgebend:
Deckung  eines  Mindergehaltes  an  Fett  bis  1  %  in  Futtermitteln  mit  einem  garantierten ­
  Fettgehalt  bis  zu  10  °/ 0 ,  bis  zu  2  °/ 0  bei  höheren  Gehaltsgarantien;
Deckung  eines  Mindergehaltes  an  Protein  bis  zu  10  ü / 0  des  garantierten  Proteingehaltes, ­
  im  Höohstbetrage  bis  3  °/ 0  Protein;
Deckung  eines  Mindorgehaltes  an  Kohlenhydraten  bezw.  stickstofffreien  Extraktstoffeu
bis  zu  5  °/ n  Kohlenhydrate,
Bei  einzelnen  Futtermitteln  bleibt  es  besonderen  schriftlichen  Vereinbarungen  zwischen
Verkäufer  und  Käufer  bezw.  zwischen  Verkäufer  und  landwirtschaftlichen  oder  genossenschaftlichen ­
  Vereinigungen  Vorbehalten,  mit  Rücksicht  auf  größere  oder  geringere  Schwankungen ­
  des  Gehaltes  die  angegebenen  Ausgleichsgrenzen  zu  erweitern  oder  zu  verengern.
ad  2.  Analysenspielraum.
Ein  Analysenspielraum  soll  nur  bewilligt  werden,  wenn  ein  solcher  zwischen  dem
Käufer  und  Verkäufer  vereinbart  worden  ist,  wozu  indessen  der  Vermerk;  „vorbehaltlich
des  Spielraums“  (Latitüde)  genügen  soll.  Dieser  besagt:  „daß  von  dem  in  den  Futtermitteln ­
  enthaltenen  Bohprotein  bis  zu  einem  Mindergehalt  von  l 1  / 3  °/ (l ,  bei  Fett  bis  zu
Va  °/o  noch  keine  Entschädigung  gewährt  werden  soll.  Übersteigt  jedoch  der  Fehlbetrag
°/ 0  bei  Eohprotein  oder  &amp;gt;/ a °/ 0  bei  Fett,  so  wird  der  volle  Fehlbetrag  in  Anrechnung
gebracht“.

Wenn  die  Entschädigung  unter  Berücksichtigung  des  Analysenspielraums  stattfiudet,
a  t  der  Ausgleich  weg,  und  umgekehrt
Für  die  Berechnung  der  Entschädigung  wird  das  Geldwertsverhältnis  von  1  Teil
°bprotein  zu  1  Teil  Rohfett  gleichgesetzt.
Der  Wert  von  1  Teil  Kohlenhydraten  bezw.  stickstofffreien  Extraktstoffen  wird  auf  dem
^ege  der  Differenzrechnung  auf  Grund  der  von  dem  Verbände  der  landwirtschaftlichen
crsuchs-Stationon  auszuführenden  Berechnungen  festgestcllt  (vergl.  folgenden  Abschnitt).
Für  die  Berechnung  des  Wertes  bezw.  der  Entschädigung  der  mit  garantierten  Gern ­
  ten  in  den  Handel  kommenden  Futtermittel  kommen  nur  diejenigen  Nährstoffe  in  Bera
 cht,  auf  welche  sich  die  Garantie  erstreckt.
.....  ■  ^ er ^ ei1  Futtermittel  nach  „Prozenten  der  einzelnen  Nährstoffe“  gehandelt,  so
a  jeder  Spielraum  und  jeder  Ausgleich  fort.
        <pb n="449" />
        426

Futtermittel.

5.  Nachweislich  der  Bezeichnung  des  Futtermittels  nicht  entsprechende,  verdorbene,
ungesunde  oder  mit  minderwertigen  Stoffen  untermengte  Ware  ist  vom  Verkäufer  auf  Verlangen ­
  ohne  weiteres  unter  Ersatz  der  dem  Käufer  erwachsenen  Unkosten  zurückzunehmen.
6.  Die  Festsetzung  des  Gehaltes  der  Futtermittel  erfolgt  durch  die  zwischen  Verkäufer ­
  und  Käufer  vereinbarten  Versuchs-Stationen.  Die  zum  Zwecke  der  Untersuchung  an
die  Versuchs-Stationen  zu  sendenden  Proben  sind  nach  Maßgabe  der  folgenden  Bestimmungen
zu  entnehmen:
Probenahmebestimmungen.
7.  Die  Probenahme  hat  von  dem  Empfänger 1 )  oder  dessen  Beauftragten  an  der  Bahnbezw.
  Wasserstation  oder  innerhalb  dreier  Tage  nacli  dem  Eintreffen  am  Empfangsort  entweder ­
  im  Beisein  eines  Vertreters  des  Lieferers  oder  unter  Mitwirkung  einer  unparteiischen,
mit  diesen  Bedingungen  vorher  bekannt  zu  machenden  Persönlichkeit  nach  folgendem  Verfahren ­
  zu  geschehen:
a)  Bei  Ölkuchen  sind  von  verschiedenen  Stellen  mindestens  12  ganze  Kuchen  zu
entnehmen;  diese  sind  durch  den  vollkommen  gereinigten  Ölkuoheubrecher  oder  auf  sonst
geeignete  Weise  in  etwa  walnußgroße  Stücke  zu  zerschlagen,  und  ist  aus  dieser  zerkleinerten ­
  Masse  nach  ihrer  gründlichen  Mischung  ein  Muster  von  2  kg  zu  entnehmen.
Eine  weitergehende  Zerkleinerung  der  Probe  ist  zu  vermeiden.
b)  Bei  Körnern,  Mehlen,  Kleien  und  dergl.  sind  mittels  eines  geeigneten  Probeziehers, ­
  welcher  in  der  Längsrichtung  der  liegenden  Säcke  einzuführen  ist,  oder,  falls  ein
solcher  nicht  vorhanden  ist,  mittels  eines  Löffels  oder  einer  kleinen  Schaufel  (nicht  mit
der  Hand)  aus  15%  der  Säcke  oder  mehr,  mindestens  aber  aus  5  Säcken  (bei  weniger  als
5  Säcken  aus  jedem  Sack)  Probe  zu  ziehen,  und  zwar  aus  verschiedenen  Schichten  (nicht
lediglich  aus  der  Mitte).
Sollten  diese  Einzelproben  2  kg  wesentlich  überschreiten,  so  sind  dieselben  auf
einem  reinen,  horizontal  ausgebreiteten  Papierbogen  sorgfältig  zu  mischen,  die  Mischung
in  eine  etwa  2—3  cm  dicke  Schicht  auszubreiten  und  ein  entsprechender  Ausschnitt  im
Gewicht  von  2  kg  aus  der  ausgebreiteten  Masse  zur  Probe  heranzuziehen.  Hierbei  ist
besonders  darauf  zu  achten,  daß  auch  die  feineren  Teile,  welche,  wie  z.  B.  Sand,  nach  der
Durchmischung  sich  weniger  in  den  obersten  Schichten  der  ausgebreiteten  Probe,  dagegen
mehr  in  der  untersten,  direkt  das  Papier  berührenden  vorfinden,  nicht  zurückgelassen
werden.  In  der  Probe  vorkommende  Klumpen  und  Zusammenballungen  sind  nicht  zu
zerdrücken.
Nasse  oder  beschädigte  Säcke  sind  von  dieser  Probenahme  auszuschließen,  aus  denselben ­
  ist  vielmehr  eine  gesonderte  Probenahme  zu  bewerkstelligen.  Es  ist  auch  zulässig,
die  vorgeschriebene  Anzahl  Säcke  zu  stürzen,  auf  einer  reinen  Unterlage  den  Inhalt  zu
mischen,  die  Mischung  in  eine  etwa  1  Fuß  hohe  Schicht  zu  formen  und  daraus  au  verschiedenen, ­
  mindestens  20  Stellen  (nicht  vom  Bande)  mittels  einer  Schaufel  in  der  oben
beschriebenen  Weise  Probe  zu  ziehen.
In  wichtigen  Differenzfällen  ist  diese  Art  der  Probenahme  besonders  zu  empfehlen.
Liegt  die  Ware  in  losen  Haufen,  so  ist  sie  ebenfalls  zunächst  in  eine  etwa  1  Fuß
hohe  Schicht  zu  formen  und  daraus,  wie  oben  angegeben,  Probe  zu  ziehen.
c)  Es  sind  von  den  gezogenen  Mustern  3  Teilproben,  jede  von  mindestens  500  g
zu  bilden.  Diese  sind  in  trocknen,  reinen  und  nicht  porösen  Gefäßen  (möglichst  Blechoder ­
  Glasgefäßen)  zu  verpacken,  luftdicht  zu  verschließen,  gemeinschaftlich  zu  versiegeln
und  mit  Inhaltsangabe  zu  versehen.
d)  Es  ist  die  vorstehende  Probeuahmeanweisuug  nebst  Attestformular  vom  Verkäufer
mit  der  Ware  zu  liefern,  in  welchem  Verkäufer  Marke,  Sackzahl,  Gewicht  und  Gehalts-')

  In  einigen  Fällen  läßt  der  Lieferer  im  Einverständnis  mit  dem  Empfänger  jetzt
auch  beim  Abgang  der  Waren  zuverlässige  Proben  durch  einen  vereidigten  Probenehmer
ziehen.  Dieses  Verfahren  dürfte  sich  auch  hier  in  ähnlicher  Weise  wie  bei  den
künstlichen  Düngemitteln  empfehlen,  weil  die  Differenzen  vielfach  in  der  unrichtigen
Probenahme  ihren  Grund  haben  und  die  Empfänger  häufig  nicht  in  der  Lage  sind,  richtige
Proben  zu  entnehmen.
        <pb n="450" />
        Geldwertsberechnung  der  Futtermittel.

427

garantie  anzugeben  bat.  Das  Formular  ist  bei  der  Probenahme  auszufertigen  und  von
dem  Probezieher  sowie  Zeugen  gemeinschaftlich  zu  unterschreiben.  In  Streitfällen  werden
nur  solche  Prober  als  gültige  angesehen,  bei  welchen  die  Ausfertigung  eines  solchen
Attestes  erfolgte.
Vereinbarungen  für  die  Beurteilung  der  Futtermittel. 1 )
1.  Die  qualitative  Prüfung  aller  Futtermittel  auf  Sand  bezw.  mineralische  Beimengungen ­
  ist  obligatorisch  zu  machen  und,  sobald  die  Vorprüfung  die  Anwesenheit  von
mehr  als  normalen  Mengen  ergibt,  die  quantitative  Bestimmung  durch  Veraschen  und
Ausziehen  mit  Salzsäure  auszuführen,  und  von  dem  Ergebnis  dem  Einsender  Mitteilung
zu  machen,  w'enn  der  Gehalt  1  °/ 0  oder  mehr  beträgt.
2.  Der  ständige  Ausschuß  für  Futtermittel  schlägt  vor,  daß  bei  jeder  Kleienuntersuchung ­
  angegeben  werde,  ob  anscheinend  unverletzte  Unkrautsamen  vorhanden  sind
oder  nicht.  Bei  dem  Vorhandensein  solcher  ist  darauf  aufmerksam  zu  machen,  daß  ein  derartiger ­
  Befund  auf  Zusatz  bezw.  Verfälschung  mittels  Kornausputz  hinweist.
Es  bleibt  dabei  überlassen,  die  Zahl  (nötigenfalls  die  Arten)  der  anscheinend  unverletzten ­
  Unkrautsamen  zu  bestimmen  und,  auf  1  Kilo  berechnet,  anzugeben.
3.  Ergibt  die  mikroskopische  Untersuchung  einer  Kleie,  daß  Brandpilzsporen  mehr
als  vereinzelt  Vorkommen,  so  ist  der  Einsender  darauf  und  auf  die  event.  Schädlichkeit
derselben  aufmerksam  zu  machen.

VIII.  Geldwertsberechnung  der  Futtermittel  und  Minderwertsberechnung ­
  bei  Mindergehalt.

Der  Puttergeldwert  der  Futtermittel  ist  vorwiegend  durch  den  Gehalt  der  drei  Nährstoffgruppen ­
  :  Protein,  Fett  und  stickstofffreie  Extraktstoffe  (oder  Kohlenhydrate)  bedingt.  Zwar
besitzen  die  Futtermittel  je  nach  dem  Gehalt  an  Stickstoff,  Phosphorsäure  und  Kali  gleichzeitig ­
  einen  Düngergeldwert,  indes  kann  dieser  außer  acht  gelassen  werden,  weil  sich
derselbe  in  den  einzelnen  Wirtschaften  außerordentlich  verschieden  gestaltet.
Für  die  Frage  des  Puttergeldwertes  können  nur  Futtermittel  von  gleichartiger  Beschaffenheit ­
  und  Konstitution,  besonders  was  den  Grad  der  Verdaulichkeit  anbelangt,  in
Betracht  gezogen  werden.

Diese  gleichartige  Beschaffenheit  trifft  im  großen  und  ganzen  nur  für  die  gewerblichen
  Abfälle,  die  sogen.  Kraftfuttermittel  zu;  denn  in  ihnen  sind  die  Nährstoffe  in
wesentlich  gleichem  Grade  der  Verdaulichkeit  enthalten.  Auch  wird  durchweg  nur  für
fiese  als  die  gangbarsten  Handelswaren  eine  Futtergeldwertsberechnung  verlangt;  für  die
in  den  Wirtschaften  selbst  erzeugten  Futtermittel  (Eauhfutter,  Wurzelgewächse  usw.)
läßt  sich  bei  den  großen  Schwankungen  der  Brzeuguugskosten  kein  allgemein  gültiger
I  uttergeldwert  aufstellen.

Der  Puttergeldwert  der  Handels-  oder  Kraftfuttermittel  ist  selbstverständlich  von
den  jeweiligen  Marktpreisen  bedingt;  aber  das  nicht  allein,  sondern  auch  das  Wertsverhältnis ­
  zwischen  Protein,  Fett  und  stickstofffreien  Extraktstoffen  schwankt  je  nach  den
Marktpreisen.  Denn  offenbar  werden  diese  3  Nährstoffe  nicht  gleichhoch  bezahlt,  da  an  sich
die  protein-  und  fettreichen  Handelsfuttermittel  schon  nach  ihrem  spärlicheren  Vorkommen
und  ihrer  größeren  Bedeutung  für  die  Ernährung  höher  im  Preise  stehen,  als  die  an
stickstofffreien  Extraktstoffen  reichen  Futtermittel;  es  ist  daher  einleuchtend,  daß  das  Protein
u «d  Fett  gegenüber  den  stickstofffreien  Extraktstoffen  einen  um  so  höheren  Wert  besitzt,  je
höher  der  Marktpreis  der  protein-  und  fettreichen  Futtermittel  gegenüber  den  an  stickstofffreien ­
  Extraktstoffen  reichen  ist,  und  umgekehrt.  Man  ist  in  der  letzten  Zeit  übereingekommen, ­
  den  Geldwert  von  Protein  und  Fett  als  gleich  anzunehmen  und  zwischen
Brotein  ;  Fett:  stickstofffreien  Extraktstoffeu  ein  Werts  Verhältnis  von  2:2:1  zugrunde  zu
iegeu. 2 )

')  Nach  den  Beschlüssen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  K.
)  Vergl,  0.  Kellner,  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  60,  236.
        <pb n="451" />
        428

Futtermittel.

Um  auf  Grund  dieses  Wertsyerhältnisses  den  Puttergeldwert  von  Futtermitteln  zu
berechnen  und  die  Frage  zu  beantworten,  welches  der  angebotenen  Futtermittel  das  preiswürdigste
  ist,  multipliziert  man  den  Protein-  und  Fettgehalt  mit  2,  den  an  stickstofffreien
Extraktstoffen  mit  1,  addiert  die  einzelnen  Futterwerteinheiten  und  dividiert  mit  der  Gesamtsumme ­
  dieser  in  den  verlangten  Preis,  um  den  Preis  der  Futterwerteinheit  zu  finden.

Ist  z.  B.  die  Wahl  zwischen  Kaps-  und  Erdnußkuchen  mit  folgendem  Garantie-Gehalt
  und  Preise:

Wasser

Protein

Fett

Stickstofffreie
Extraktstoffe

Rohfaser

Asche

Preis  für
100  kg

°/o

°/o

Ol
Io

°/o

°/o

°/o

M.

Rapskuchen  .

.  11,2

31,1

9,9

29,2

11,2

7,4

9,50

Erdnußkuohen

11,2

45,5

7,5

25,6

5,6

4,6

15,30

so  ergibt  sich:
Rapskuchen
Protein  31,1  x  2  =  62,2
Fett  9,9  x  2  =  19,8
Stickstofffreie  Extraktstoffe  29,2  x  1  =  29,2
Im  ganzen  Futterwerteinheiten  111,2.
Erdnußkuchen
Protein  45,6  x  2  =  91,0
Fett  7,5  x  2  =  15,0
Stickstofffreie  Extraktstoffe  25,6  xl  =  25,6
Im  ganzen  Putterwerteinheiten  131,6.
Demnach  kostet  1  Putterwerteinheit:
9  50  15  10
Eapskuchen  =  =  8,5  Pf.,  Erdnußkuchen  =  -  ‘  —  11,6  Pf.;
iiijü  lol.b
es  sind  also  die  Kapskuchen  nicht  unerheblich  preiswürdiger  als  Erdnußkuohen.
Hier  ist  dieser  Vergleich  unbedingt  zulässig,  weil  beide  Futtermittel  von  ähnlicher
Konstitution  und  Nährwirkung  sind.  Weniger  zulässig  ist  bei  der  verschiedenen  Konstitution
ein  Vergleich  zwischen  den  Ölkuchen  und  Kleien;  auch  legt  die  eine  Wirtschaft  nur  Wert
auf  Ankauf  von  Protein  und  Fett,  eine  andere  nur  Wert  auf  Ankauf  von  stickstofffreien
Extraktstoffen;  im  ersteren  Falle  sind  daher  die  stickstofffreien  Extraktstoffe,  in  letzterem
Protein  und  Fett  eine  wertlose  Beigabe.  Indes  bilden  derartige  Fälle  Ausnahmen  und  lassen
sich  die  3  Nährstoffe  in  den  Haudelsfuttermitteln  einmal  nicht  trennen.  Wer  nur  Protein
und  Fett  zu  kaufen  wünscht,  der  wird  von  selbst  seine  Wahl  zwischen  den  an  diesen  Bestandteilen ­
  reichen  Futtermitteln  treffen,  und  wer  nur  stickstofffreie  Extraktstoffe  zu  erhalten
wünscht,  der  wird  selbstverständlich  unter  den  hieran  reichen  Futtermitteln  wählen.
Es  behält  darum  ein  mittleres  Werts  Verhältnis  zwischen  den  3  Nährstoffen  seine
volle  Bedeutung,  wenngleich  zugegeben  werden  muß,  daß  die  Ermittelung  desselben  aus
den  Preisen  und  der  Zusammensetzung  der  gangbarsten  Handelsfuttermittel  bis  jetzt  noch
mit  manchen  Mängeln  behaftet  ist;  denn  abgesehen  davon,  daß  es  schwer  hält,  wirkliche
mittlere  Marktpreise  zu  erlangen,  muß  auch  unter  den  Futtermitteln  eine  nahezu  gleiche  Anzahl ­
  von  je  an  Protein,  an  Fett  und  an  stickstofffreien  Bxtraktstoffen  reichen  Futtermitteln
zur  Berechnung  herangezogen  werden,  um  ein  brauchbares  wahrscheinliches  Wertsverhältnis
von  Protein  :  Fett:  stickstofffreien  Extraktstoffen  zu  erhalten.

Nehmen  wir  aber  das  obige  Wertsverhältnis  als  das  wahrscheinlich  richtigste  an,
so  ist  im  Palle  einer  Minderlieferung  die  Berechnung  der  Größe  der  Rückvergütung  oder
Preisermäßigung  eine  einfache;  sind  z,  B.  für  einen  Erdnnßkuchen  bei  einem  vereinbarten
Preise  von  15,1.0  M,  für  100  kg:

Protein

Fett

Stickstofffreie
Extraktstoffe

°/o

°/o

°;  o

Garantiert  .  .  .

.  .  45.5

7,5

25,6

Geliefert  .  .  .

.  .  42,7

6,8

29,0
        <pb n="452" />
        Geldwertsberechnung  der  Futtermittel.

429

so  berechnet  sich  wie  oben:
Nach  der  Garantie:
Protein  45,5  x2  =  91,0
Fett  7,5  x  2  =  15,0
Stickstofffreie  Extraktstoffe  ....  25,6  x  1  —  25,6
Im  ganzen  Futterwerteinheiten  131,6
Nach  der  Lieferung:
Protein  42,7  x2  =  85,4
Fett  6,8  x  2  =  13,6
Stickstofffreie  Extraktstoffe  ....  29,0  xl  =  29,0

Im  ganzen  Futterwerteinheiten  128,0
es  fehlen  daher  an  der  Garantie  3,6  Futterwerteinheiten;  da  nach  der  Garantie  eine  Futterwerteinheit ­
  jÜy||  =  11,6  Pf.  kostet,  so  beträgt  der  Mindergeldwert  der  gelieferten  Ware
11,6  x  3,6  =  42  Pf.  für  100  kg.
Seit  einigen  Jahren  pflegt  bei  den  Ölkuchen  nur  die  Summe  yon  Protein  -)-  Fett
garantiert  zu  werden;  dieses  ist  leider  ein  Mißbrauch  geworden  und  sollte  in  Zukunft
nicht  mehr  zugelassen  werden.
Wenn  sich,  wie  häufig,  die  Lieferer  eine  „Gehaltsschwankung“  ausbedungen
haben,  so  ist  diese  zu  berücksichtigen.
Lautet  z.  B.  die  Garantie  für  Erdnußkuchen  auf  65  °/ 0  Protein  -f-Fett  bei  einem  ausbedungenen ­
  Gehaltsspielraum  von  2  %  (d.  h.  für  100  dieser  Nährstoffe),  so  braucht  keine
Rückvergütung  einzutreten,  wenn  53,9  %  Protein  -)-  Fett  in  der  gelieferten  Ware  gefunden
worden  sind;  hat  die  Untersuchung  aber  nur  63,4  °/ 0  Protein  -|-  Fett  ergeben,  so  muß  für
den  vollen  Mindergehalt  Rückvergütung  geleistet  werden.
Richtiger  aber  ist,  bei  Kaufabschlüssen  für  jeden  einzelnen  Nährstoff  eine  feste
Garantie  zu  verlangen  und  ein  Wertsverhältnis  zwischen  den  3  Nährstoffen  zu  vereinbaren,
®it  der  Maßgabe,  daß  bis  zu  einer  gewissen  Grenze  der  Fehlbetrag  an  den  Werteinheiten
des  einen  Bestandteiles  durch  einen  Mehrbetrag  an  den  Werteinheiten  des  anderen  Bestandteiles ­
  wie  oben  ausgeglichen  werden  darf  (vergl.  S.  425).
        <pb n="453" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien

Auf  die  Unterscheidungsmerkmale  der  einzelnen  landwirtschaftlichen  Sämereien
und  der  Unkrautsamen  kann  hier  nicht  eingegangen  werden;  hierüber  vergl.  man
Fr.  Nobbe,  Handbuch  der  Samenkunde.  Berlin  1876.  Wiegandt,  Hempel  undParey;
C.  0.  Harz,  Landwirtschaftliche  Samenkunde.  Berlin  1885.  Paul  Parey;
L.  Wittmack,  Gras-  und  Kleesamen.  Berlin.  Paul  Parey;  F.  G.  Stehler  und
C.  Schröter,  Die  besten  Futterpflanzen.  Bern.  K.  J.  Wyß;  0.  Burchard,  Die
Unkrautsamen  der  Klee-  und  Grassaaten  mit  besonderer  Berücksichtigung  ihrer
Herkunft.  Berlin  1900.  Paul  Parey.
Aber  selbst  genauere  Abbildungen  lassen  besonders  den  Anfänger  in  solchen
Untersuchungen  für  eine  Diagnostik  der  einzelnen  Samenarten  im  Stich.  Es  empfiehlt
sich  daher  für  die  Samenkontrollstationen,  eine  Sammlung  echter  Sämereien
und  der  verschiedenen  Unkrautsaraen  selbst  vorrätig  zu  halten.
Vorschriften  für  die  technische  Untersuchung  der  Sämereien  nach  den
Vereinbarungen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen  im  Deutschen  Reiche.
1.  Einzufordernde  Sameninenge.  Die  für  eine  vollständige  Untersuchung  erforderliche ­
  Samenmenge  beträgt  mindestens;
50  g  von  Anis,  Bastardklee,  Birke,  Dill,  Fenchel,  Grassamen  aller  Art,  Hornklee,  Kerbel,
Kresse,  Möhre,  Mohn,  Petersilie,  Reseda,  Spörgel,  Tabak,  Weißklee;
100  g  von  Ahorn,  Buchweizen,  Dotter,  Eibisch,  Erle,  Esche,  Esparsette,  Gelbklee,  Gurke,
Hanf,  Hirse,  Hornbaum,  Inkarnatklee,  Karde,  Kohlarten,  Lattich,  Lein,  Linse,
Luzerne,  Maulbeere,  Nadelhölzer,  Raps,  Rapünzchen,  Rettich,  Rotklee,  Rübsen,  Senf,
Serradella,  Sorgho,  Spinat,  Ulme,  Waid,  Wicke,  Wiesenknopf  (Poterium),  Wundklee,
Zichorie,  Zwiebel;
250  g  von  Bohne,  Eiche,  Erbse,  Gerste,  Hafer,  Kürbis,  Lupine,  Mais,  Obstkernen,  Platterbse,
Roggen,  Rotbuche,  Runkel-und  Zuckerrübe,  Sonnenblume,  Sojabohne,  Spelz,  Weizen;
1 1 / 6  1  zur  Bestimmung  des  Volumgewichts  von  Getreide  usw.
Es  wird  hierbei  vorausgesetzt,  daß  der  Einsender  eine  gleichgroße,  identische,
durch  den  Zeugen  versiegelte  Probe  für  eine  etwaige  Schiedsprüfung  zurückbehalte
und  ordnungsmäßig  (in  einem  trocknen,  ungeheizten,  frostfreien  Raume)  aufbewahre.
Die  Versuchs-Stationen  erklären  sich  jedoch  bereit,  die  sachgemäße  Teilung  eines
richtig  gezogenen  Gesamtmusters  von  dem  Doppelten  der  obigen  Gewichtsmengen
ihrerseits  auszuführen  und  die  nicht  in  Untersuchung  zu  nehmende  Hälfte  ordnungsmäßig ­
  aufzubewahren.
2.  Probeziehung.  Zur  Entnahme  einer  zutreffenden  Durchschnittsprobe  aus
einer  entsprechenden  Anzahl  der  Säcke  wird  dem  Einsender  empfohlen:
        <pb n="454" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien.

431

a)  für  kleinere,  den  Kleesamen  ähnlich  gekörnelte  Samengattungen  der  Nohhesehe
„Kleeprobenstecher“  j 1 )
b)  für  größere  Samen  (Getreide,  Lein,  größere  Doldengewächse  usw.)  derNobbesche
Kornprobenstecher;  x )
c)  für  Rübenknäule,  bespelzte  Gräser  usw.  die  Entnahme  zahlreicher  (mindestens  10)
kleiner  Proben  von  verschiedenen  zweckmäßig  gewählten  Stellen  des  auf  eine
saubere  Unterlage  ausgebreiteten,  gut  durchgearbeiteten  Haufens.
Zur  Sicherung  der  Entschädigungsansprüche  sollten  die  vor  Zeugen  entnommenen ­
  Proben  in  trocknen  und  festen  Behältern  (Musterbeuteln,  Büchsen  oder
doppelten  Papierkapseln)  eingesendet  werden;  Rübensamen  (Beta)  und  andere  auf
ihren  Wassergehalt  zu  prüfende  Proben  stets  in  luftdicht  verschlossenen  Gläsern
oder  Blechbüchsen.
3.  Engere  Mittelprobe.  Die  Größe  der  zur  Untersuchung  auf  die  fremden
Bestandteile  im  Laboratorium  herzustellenden  „engeren  Mittelprobe“  soll
mindestens  betragen:
1  g  von  Rispengräsern  (Poa)  uud  Straußgräsern  (Agrostis);
2  g  von  Drahtschmele,  Fuchsschwanzgras,  Goldhafer,  rotem  Schwingel,  Schafschwingel;
3—4  g  von  Anis,  Bastardklee, 2 )  Dill,  Honiggras,  Ruchgras,-  Spörgel,  Timothee, 2 )  Weißklee; 2 )
5  g  von  Fenchel,  Kammgras,  Knaulgras,  Kümmel,  Möhre,  Rapünzchen;
10  g  von  Gelhklee, 2 )  Inkarnatklee, 2 )  Kohlarten,  Luzerne, 2 )  Raps,  Raigräsern,  Rotklee, 2 )
Rübsen,  Serradella, 2 )  Wiesenschwingel,  Wundklee; 2 )
20  g  von  Ahorn,  Esche,  Esparsette,  Hirse,  Kiefer,  Lärche,  Lein, 2 )  Linse,  Ulme;
30  g  von  Buchweizen,  Fichte,  Hornbaum  (Carpinus),  Tanne,  Wicke;
50  g  von  Runkel-  und  Zuckerrübenknäulen,  Zerealien;
100  g  von  Bohne,  Buchelu,  Eicheln,  Erbse,  Lupine,  Mais.
Bei  ungewöhnlich  hoher  Verunreinigung  sind  zwei  Mittelproben  zu  ziehen,
deren  Durchschnittsergebnis  maßgebend  ist.
Vorstehende  Ziffern  stellen  das  Minimum  der  Mittelprobe  dar.  Bei  großkörnigen
  Proben  wird  darüber  hinaus  zu  gehen  sein.
Zur  Herstellung  der  „engeren  Mittelprobe“  empfiehlt  sich  die  „Fließprobe“,
&amp;lt;1-  i-  das  langsam  gleichmäßige  Ausschütten  aus  einer  Flasche  mit  Ausguß  unter
gleichmäßiger  periodischer  Aussonderung  kleiner  Mengen.
4.  Echtheit.  Die  Echtheit  der  Gattung  und  Art  der  meisten  Kultursamen
ist  von  der  Kontrollstation  unschwer  festzustellen,  da  bei  deren  Vorstand  die
nötigen  Kenntnisse  und  außerdem  der  Besitz  einer  größeren  Mustersammlung  vorauszusetzen ­
  sind.  Für  die  Echtheit  von  Varietäten  ist  nötigenfalls  auf  die  Topfoder
  Feldprobe  zurückzugreifen,  wofür  der  Käufer  in  diesem  Falle  vom  Lieferer
e ine  Garantie  zu  fordern  hat.
Die  Nachuntersuchung  von  „Grasgemischen“  ist  von  der  Kontroll-Station
abzulehnen  und  dahin  zu  streben,  daß  das  Angebot  solcher  Mischungen  aus  den
1  reislisten  des  Samenhandels  verschwinde.
5.  Reinheit.  Als  „fremde  Bestandteile“  einer  Samenprobe  sind  nicht  allein
kpreu,  Sand  und  fremde  Samen  —  selbst  solche  von  gleichem  oder  höherem  Marktwert ­
  —  auszuscheiden,  sondern  auch  äußerlich  verletzte  echte  Samen,  sofern  sie
unzweifelhaft  als  zur  Ke  imung  unfähig  erkannt  werden  können.  In
Weifelsfällen  hat  die  Keimkraftprüfung  zu  entscheiden.
')  Zu  beziehen  durch  den  Klempner  Matthes  in  Tharand.
“0  Auf  Cuscuta  ist  die  ganze  eingeforderte  Menge  auszulesen,  und  zwar  nicht
p°,  ^ as  Abgesiebte,  sondern  auch  die  auf  dem  Siebe  zurückbleibenden  Samen.  Ist  eine
ro  e  stark  seidehaltig,  so  genügt  die  Auslese  einer  Mittelprobe  von  25  bezw.  50  g.
        <pb n="455" />
        432

Die  Untersuchung  der  Sämereien.

Die  Gewichtsmenge  der  einzelnen  verschiedenartigen  Fremdkörper  einer  Probe
—  auch  taube,  sowie  durch  Drusch,  Ritzmaschine  oder  sonstwie  verletzte  Körner  —
sollten,  sofern  sie  in  beachtenswerter  Menge  auftreten,  für  sich  bestimmt
und  im  Untersuchungsbericht  angegeben  werden.  Namentlich  ist  dies  angezeigt  für
fremde  Samen,  welche  gleichwertig  oder  gar  wertvoller  sind  als  die  zu  liefernde
Art  oder  Varietät.
6.  Absolutes  Gewicht.  Das  absolute  Gewicht  der  Samen  einer  Probe  wird
entweder  durch  sorgfältige  Abzählung  und  Wägung  von  2  x  1000  Körnern  von
durchschnittlicher  Beschaffenheit  (nach  Größe,  Farbe,  Ausbildung)  ermittelt
oder  noch  besser  durch  Auszählung  einer  größeren  gereinigten  Mittelprobe.
7.  Volunigewicht.  Die  Bestimmung  des  Volumgewichtes  geschieht  durch
mindestens  dreimalige  Wägung  einer  und  derselben  Mittelprobe  mittels  des  neueren
1  Liter-Apparates  der  Kaiserlichen  Normal-Eichungs-Kommission.  Eine  vorgängige
Reinigung  der  Probe  ist  nur  dann  auszuführen,  wenn  es  sich  um  die  Wertbestimmung
einer  Sorte  als  solcher  handelt.
8.  Mehligkeit.  Die  Prüfung  von  Weizen  und  Gerste  auf  Mehligkeit  bezw.
Körnigkeit  (Glasigkeit)  geschieht  mittels  des  Farinotoras  von  Printz  in  Karlsruhe.
2  x  100  Körner  sind  zu  durchschneiden  und  in  5  Mehligkeitsstufen  zu  sortieren,
woraus  der  prozentige  Mehligkeitsgehalt  der  Probe  berechnet  wird.
9.  Keimkraft,  a)  Zahl  der  anzukeimenden  Samen.  Zur  Ermittelung
der  Keimkraft  sind  anzusetzen:  im  allgemeinen  4  X100  Körner,  von  Buchein,
Eicheln  u.  a.  großen  Samen  4  x  50  Körner.  (Betreffs  feinerer  Grassamen  und  Beta
siehe  jedoch  weiter  unten.)
Die  Abzählung  der  für  den  Keimversuch  bestimmten  Samen  soll  aus  einer
gereinigten  Mittelprobe  mit  größter  Sorgfalt  in  der  Weise  geschehen,  daß  unter
den  je  100  bezw.  50  Körnern  die  Zahl  der  großen,  mittleren  und  kleinen,  der
hellen  und  dunklen  Körner  (bei  Nadelhölzern  usw.),  sowie  solcher  verschiedenen
Reifegrades  in  annähernd  demselben  Verhältnis  in  der  Keimprobe  vertreten  sind,
wie  in  der  eingegangenen  Gesamtprobe.
Überschreitet  die  Abweichung  der  Einzelversuche  untereinander  bei  hochkeimenden ­
  Proben  10  °/ 0 ,  bei  solchen,  deren  Keimfähigkeit  50  °/ 0  nahe  liegt,  15  °/ 0 ,
so  ist  die  Keimkraftprüfung  zu  wiederholen.
b)  Vorquellung.  Eine  fünfstündige  Vorquellung  in  reinem  Wasser  wird
für  große  Samen  (Erbsen,  Beta  usw.)  empfohlen.  Dieser  Zeitraum  ist  in  die  Keirakraftprüfungsdauer
  einzurechnen.
c)  Keimhett.  Die  Art  des  Keimbettes  ist  von  geringerer  Bedeutung,  als
daß  die  angesetzten  Körner  den  wirklichen  Durchschnittscharakter  der  Probe  darstellen, ­
  vorausgesetzt,  daß  Wärme,  Feuchtigkeit  und  Luftzutritt  gut  geregelt  werden.
In  erster  Linie  wird  ein  starkes,  zuvor  sterilisiertes  Fließpapier  empfohlen  (z.  B.
von  Max  Dreverhoff,  Dresden,  Kat.-No.  251),  ferner  Sand;  auch  sterilisierte  Tonapparate ­
  sind  zulässig.
Eine  zu  große  Feuchtigkeit  des  Keimbettes  ist  unter  allen  Umständen  zu
vermeiden.  Das  Fließpapier  und  der  Sand  werden  mit  60  °/ 0  der  wasserhaltenden
Kraft  des  Materials  befeuchtet  und  in  diesem  mäßigen  Feuchtigkeitszustande  tunlichst
erhalten.  Erneuerung  des  Keimbettes  während  der  Prüfung  nach  Bedarf.  Chemische
Behandlung  der  Samen  ist  unstatthaft.
d)  Temperatur  des  Keimbettes.  Die  Keimkraftprüfungen  sollen  (womöglich
im  Thermostaten)  bei  beständig  20°  ausgeführt  werden.  Bei  Agrostis,  Aira,  Ainus,
Alopecurus,  Anthoxanthum,  Baldingera,  Beta,  Betula,  Dactylis,  -  Bauens,  Glyceria,
        <pb n="456" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien.

433

Holcus,  Morus,  Nicotiana,  Pinus  Strobus,  Poa,  Trisetum,  Zea  ist  dagegen  eine  täglich
sechsstündige  Erhöhung  der  Keimbettwärme  auf  30°  erforderlich.
e)  Beleuchtung  des  Keimbettes.  Die  Keimkraftprüfungen  werden  unter
Ausschluß  künstlicher  Belichtung  ausgeführt.
f)  Zeitdauer  des  Keimversuches.  Der  Abschluß  des  Keimversuches  wird
festgesetzt:
nach  vollen  10  Tagen  für  Bohnen,  Buchweizen,  Dotter,  Erbsen,  Kleearten,  Kohlarten,  Kresse,
Kürbis,  Lein,  Linsen,  Lupinen,  Mais,  Mohn,  Ölrettich,  Platterbse,
Raps,  Rettich,  Rübsen,  Senf,  Sojabohne,  Sonnenblume,  Spinat,
Spörgel,  Timothee,  Wicke,  Zerealien,  Zichorie;
„  „  14  „  „  Beta,  Dill,  Esparsette,  Fenchel,  Glanzgras,  Gurke,  Hanf,  Hornklee, ­
  Kerbel,  Möhre,  Raigräser  (Lolium  und  Arrhenatherum),
Reseda,  Serradella,  Sorgho,  Tabak,  Wiesenkuopf  (Poterium);
„  „  21  „  „  Eibisch,  Gräser  (ausgen.  Rispen-  und  Raigräser  sowie  Timothee),
Kümmel,  Maulbeere;
„  „  28  „  „  Ahorn,  Anis,  Birken,  Eichen,  Erlen,  Hornbaum  (Carpinus),  Nadelhölzer ­
  (ausgen.  Pinus  sylvestris  und  P.  Strobus),  Rispengräser,
Rotbuchen;
„  „  42  „  „  Obstkerne,  Pinus  sylvestris  und  P.  Strobus.
Nach  dem  Abschluß  des  Keimversuches  mit  Nadelhölzern  ist  zur  Feststellung
des  Zustandes  der  nicht  gekeimten  Samen  die  Schnittprobe  auszuführen  und  im
Untersuchungsbericht  anzugeben,  wie  viele  der  nicht  gekeimten  Samen  taub,  faul
und  noch  scheinbar  frisch  befunden  worden  sind.
Im  allgemeinen  ist  nur  die  wirklich  gefundene  prozentige  Keimkraft
für  den  „Gebrauchswert“  (das  Erzeugnis  aus  Reinheit  und  Keimkraft)  in  Ansatz  zu
bringen.  Papilionazeen-Samen,  welche  beim  Abschluß  des  Keimversuches  zwar  noch
nicht  gekeimt,  aber  gesund  gequollen  sind,  gelten  als  gekeimt.  Die  Prozentzahl
der  beim  Abschluß  des  Keimversuches  noch  scheinbar  frisch  (Nadelhölzer,  Beta)
bezw.  noch  ungequollen  oder  „hartschalig“  (Papilionazeen)  befundenen  Samen  ist
jedoch  nebenbei  im  Untersuchungsberichte  aufzuführen,  mit  dem  Bemerken,  daß
ein  im  Einzelfall  unbestimmbarer  Bruchteil  derselben  voraussichtlich  noch
naohkeimen  dürfte.
Grassamen,  welche  ihre  Stammachse  früher  als  die  Würzelchen  hervorstrecken,
sowie  kleeartige  und  andere  Samen,  welche  infolge  von  inneren  Verletzungen
(Drusch-  und  Ritzbruch)  im  Keimbett  zerfallen,  werden  noch  behufs  weiterer
Beobachtung  im  Keimbett  belassen.  Entwickeln  sie  bis  zum  Abschluß  des  Versuches
e ine  oder  mehrere  gesunde  Nebenwurzeln,  so  werden  sie  als  gekeimt  gerechnet.
Zur  richtigen  Beurteilung  der  Bruchkörner  werden  irgendwie  zweifelhafte
Samen  überhaupt  nicht  vor  dem  Ablauf  von  72  Stunden  (Bonn  1900)  bezw.  vor  dem
vollendeten  Abwurf  der  Samenhülle  dem  Keimbett  entzogen.
Da  übergroße  Nässe  den  Zerfall  geschädigter  Samen  beschleunigt,  so  ist  die
^  or schrift  in  Punkt  9  c  hier  besonders  zu  beachten.
g)  Keimungs-Energie.  Für  die  Bestimmung  der  „Keimungs-Energie“
einer  Samenprobe  wird  eine  Zeitdauer  festgesetzt  von:
^  -Tagen  bei  Dotter,  Erbsen,  Kleearten,  Kohlarten,  Kresse,  Lein,  Linsen,  Mais,  Mohn,
Ölrettich,  Raps,  Rettich,  Rübsen,  Senf,  Sojabohne,  Spörgel,  Wicken,  Zerealien
(ausgen.  Hafer),  Zichorie;
&amp;gt;i  „  Bohnen,  Buchweizen,  Hafer,  Kürbis,  Lupinen,  Sonnenblume,  Spinat;
0  n  „  Beta,  Dill,  Eibisch,  Esparsette,  Gnrken,  Platterbsen,  Raigräsern  (Lolium  und
Arrhenatherum),  Serradella,  Tabak,  Timotheegras,  Wiesenknopf  (Poterium),
Wiesenschwiugel;
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  28
        <pb n="457" />
        434

Die  Untersuchung  der  Sämereien.

6  Tagen  bei  Fenchel,  Goldhafer,  Hanf,  Hornklee,  Kerbel,  Möhre,  Reseda,  Sorgho,  Straußgräsern ­
  ;
7  „  Anis,  Eiche,  Fichte,  Puchssohwanzgras,  Glanzgräs,  Kammgras,  Knaulgras,
Kümmel,  Maulbeere,  Ruchgras,  rotem  und  Schafschwiugel,  Schmielen;
10  „  Ahorn,  Birke,  Buche,  Erle,  Hornhaum,  Lärche,  Rispengras,  Tanne;
14  „  „  Pinus  sylvestris  und  P.  Strobus.
10.  Wertbestimmung  von  Grassnmen.  Bei  Prüfungen  der  feineren  bezw.
schwierigeren  Grassamen  Aira,  Agrostis,  Alopecurus,  Anthoxanthum,  Arrlienatherum,
Dactylis,  Festuca  ovina  und  rubra,  Holeus,  Poa  usw.  wird  folgendes  Verfahren
eingeschlagen:
Man  zieht  eine  Mittelprobe  von  der  oben  (§  3)  vorgeschriebenen  Größe  und
liest  die  „fremden  Bestandteile“  (Steinchen,  fremde  Samen  usw.)  heraus.
Von  den  so  gereinigten  Scheinfrüchten  werden  zwei  kleine  Mittelproben,
jede  für  sich,  hergestellt,  so  groß,  daß  jede  mindestens  300—400  volle  Körner
enthält.  Boi  Dactylis,  Festuca  ovina,  Alopecurus  genügen  für  diesen  Zweck  (ungefähr) ­
  0,4  g,  bei  Arrhenatherum  1,0  g,  bei  Poa  0,1  und  bei  Agrostis  0,06  g.
Kleine  Abänderungen  dieser  Gewichtsmengen  werden  bedingt  durch  den  annähernd
abzuschätzenden  größeren  oder  geringeren  Gehalt  an  tauben  Scheinfrüchten.  -
Beide  Mittelproben  werden  genau  gewogen  und  ohne  „Vorquellung“  ins  Keirabett  gebracht. ­
  —  Das  Ergebnis  der  Keimkraftprüfung  wird  auf  1  g  der  rohen  Probe  berechnet.
Bei  Schiedsprüfungen  werden  nach  Verlauf  einiger  Tage  —  jedenfalls  bis  zu
dem  die  Keimungs-Energie  anzeigenden  Zeitpunkt  —  die  im  feuchten  Zustande
leichter  erkennbaren  leeren  oder  solche  Scheinfrüchte,  die  statt  des  Kornes  Antheren
oder  Insektenlarven  enthalten,  herausgelesen  (zweckmäßig  mittels  eines  Diaphanoskops).
Scheinfrüchte,  welche  eine  —  wenn  auch  mangelhaft  entwickelte  —  Karyopse  enthalten, ­
  verbleiben,  der  Zahl  nach  genau  bestimmt,  im  Keimbett.  Im  allgemeinen
wird  bei  beständig  20°,  die  in  §  9  d  genannten  Gattungen  aber,  wie  dort  angegeben,
bei  einer  zwischen  20  und  30°  wechselnden  Temperatur  geprüft  und  das  Ergebnis
auf  1  g  der  rohenProbe,  sowie  prozentig  auf  die  ein  Korn  enthaltenden  („vollen“)  Scheinfrüchte ­
  berechnet.  —  Die  herausgelesenen  tauben  Scheinfrüchte  werden  bei  Zimmertemperatur ­
  wieder  getrocknet  und  ihr  Lufttrockengewicht  dem  „Fremden“  zugerechnet.
11.  Wertbestiminmig  von  Beta.  Bei  der  Prüfung  von  Eunkel-  und  Zuckerrübenknäulen ­
  wird  durch  die  Beziehung  der  von  einer  bestimmten  Anzahl  Durchschnittsknäulen ­
  von  bekanntem  Gewicht  gewonnenen  Keimpflänzchen  auf  die  in  den
Knäulen  enthaltenen  (durch  die  nachträgliche  Schnitt  probe  zu  ermittelnden)
Samen  die  wirkliche  Keimkraft  zuverlässig  bestimmt.  Bei  Schiedsanalysen  ist
daher  diese  Bestimmung  der  Samenzahl  durch  nachträgliche  Schnittprobe  stets
durchzufUhren.  Für  gewöhnlich  wird  folgendes  abgekürzte  Verfahren  für  Beta  als
zulässig  erklärt.
Es  wird  zunächst  das  Durchschnittsgewicht  der  Knäule  aus  einer  korrekt
gezogenen,  von  fremden  Bestandteilen  und  nötigenfalls  von  anhaftenden  Hochblättern
(durch  Reiben)  befreiten  Mittelprobe,  welche  mindestens  2000  Knäule  enthält  —
noch  sicherer  aus  der  ganzen  eingegangenen  (gereinigten)  Probe  ■—  durch  Wägung
und  Zählung  bestimmt.  Hierauf  werden  3  x  100  Durchschnittsknäule  (unter  denen
große,  mittlere  und  kleine  in  annähernd  gleichem  Verhältnis  enthalten  sind,  wie  in
der  Gesamtprobe),  jede  100  für  sich,  von  der  gereinigten  Mittel-  oder  Gesamtprobe
abgezählt  und  gewogen.  Weicht  das  Gewicht  der  einen  oder  anderen  100  Knäule
von  dem  Durchschnittsgewicht  um  10  oder  mehr  Prozente  ab,  so  werden  erstere
durch  Auswechselung  einzelner  Körner  in  eine  nähere  Übereinstimmung  mit  dem
Durchschnittsgewicht  gebracht.  Letzteres  sowie  das  Gewicht  der  je  100  Knäule
ist  in  dem  üntersuchungsberichte  anzugeben.
        <pb n="458" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien.

435

Die  3  x  100  Körner  werden  alsdann  5  Stunden  vorgequellt,  hierauf  zur
Keimung  bei  einer  wechselnden  Temperatur  von  20°  (täglich  18  Stunden)  und  30°
(6  Stunden  täglich)  angesetzt.  Am  3.,  5.  (Keimungs-Energie!),  8.,  11.  Tage  werden
die  jeweils  gekeimten  Knäule  in  ein  gemeinsames  zweites  Keimhett  übertragen.
Am  14.  Tage  wird  der  Versuch  mit  der  Feststellung  der  ungekeimten  KnäulCj
sowie  der  von  Jen  gekeimten  gewonnenen,  auf  100  Knäule  und  auf  1  g  der  rohen
Probe  zu  berechnenden  Anzahl  Keimpflanzen  abgeschlossen.
Die  Wasserbestimmung  in  Zucker-  und  Eunkelrübenknäulen  erfolgt  durch
Trocknen  einer  Mittelprobe  von  10—15  g  bei  95—100°  (nicht  höher)  bis  zur
Gewichtsbeständigkeit.
12.  Latitüde.  Der  wahrscheinliche  mittlere  Fehler  einer  Untersuchung  ist
theoretisch  am  kleinsten  bei  hochkeimenden  bezw.  sehr  reinen  Proben  und  nimmt
zu,  wenn  die  Reinheit  bezw.  Keimkraft  bis  50  °/ 0  herabsinkt.  Dem  Gutachten  des
Verbandes  (Hauptversammlung  zu  München,  16.  September  1899)  zufolge  sind  bei
Verwendung  von  je  400  Körnern  zur  Keimkraftprüfung  folgende  Latitüden  zulässig.
a)  Keimkraft-Latitüde;  5  °/ 0  bei  Samen  (aller  Gattungen),  welche  bei  der
Untersuchung  zu  90  und  mehr  Prozent,  dagegen  8  °/ 0  bei  Samen,  welche  zu
50—90  °/ 0  keimen.
b)  Eeinheits-Latitüde:  2  °/ 0  bei  Samen  mit  einer  festgestellten  Reinheit  von
90  und  mehr  Prozenten  und  3%  bei  Samen  mit  einer  Reinheit  unter  90°/ 0 .
c)  Gebrauchs  werts-Latitüde:  6  °/ 0  bei  Samen,  deren  Gebrauchswert  (aus
Reinheit  und  Keimkraft)  90  und  mehr  Prozente  beträgt,  dagegen  9  °/ 0  bei  einem
gefundenen  Gebrauchswert  unter  90  °/ 0 .
Für  Runkel-  und  Zuckerrüben  gelten  vorstehende  Spielräume  nur,  wenn  die
Keimkraft  der  in  den  Knäulen  enthaltenen  Samen  durch  die  nachträgliche  Schnittprobe ­
  bestimmt  wird.
13.  Rechtsgültige  Aufstellung  des  Untersuchuugsberichtes.  Ein  Untersuchungsbericht, ­
  welcher  die  Grundlage  für  Entschädigungsansprüche  bilden  soll,  muß  Angaben ­
  enthalten  über:
a)  die  Ausführung  der  Untersuchung  nach  Maßgabe  der  technischen  Verbandsvorschriften; ­

b)  die  erforderliche  und  tatsächliche  Größe,  den  botanischen  Namen  und  die  Bezeichnung ­
  der  Probe  seitens  des  Einsenders;
c )  Abgangszeit  der  Probe  vom  Orte  des  Einsenders;
4)  Eingang  derselben  in  der  Versuchs-Station;
e )  ob  in  unversehrtem  Behälter  (Musterkapsel,  Glas,  Beutel,  Papierdoppelhülle);
i.)  ob  mit  unverletztem  Siegel;
g)  ob  mit  ordnungsmäßigem  Probeziehungsattest;
h)  Abgangszeit  des  Untersuchungsberichtes.
14.  Schiedsprüfuugen.  Etwaige  Differenzproben  sind  versiegelt  an  den
"Ritzenden  des  Samenprüfungs-Ausschusses  zu  senden,  welcher  je  3  identische
■feilproben  an  zwei  oder  drei  verschiedene  Verbands-Stationen,  ohne  nähere  Angaben
über  deren  Ursprung,  zur  Schiedsuntersuchung  zu  übermitteln  hat.
Die  Entscheidung  Uber  den  Ausfall  der  Schiedsuntersuchung  steht  dem  Verands-Ausschuß ­
  für  Samenprüfungen  zu,  dem  die  Ergebnisse  ohne  Nennung  der
•eteiligten  Stationen  vorgelegt  werden.
Art  der  Ausführung  der  Vorschriften  für  die  Untersuchung.
i  ® u tnahme  der  Mittelprobe,  Probeziehung.  Zur  Entnahme  der  Mittel-Probe
  werden  empfohlen:

28*
        <pb n="459" />
        436

Die  Untersuchung  der  Sämereien.

a)  für  Klee-  und  ähnliche  Samen  der  N  oh  he  sehe 1 )
v.  Weinzierlsche 2 )  „Kleesamenstecher“  (Fig.  234);
h)  für  Zerealien  usw.  der  „Kornprobenstecher“ 1 )  (Fig.  235).
a)  Der  Kleeprobensteoher  von  Nobbe  (Fig.  233)  besteht  aus
einem  Blechkästchen  und  einer  6  mm  weiten,  langgespitzten,  mit  einem
Einschnitt  a  versehenen  Röhre.  Die  Röhre  wird  —  der  Einschnitt  nach
unten  —  unmittelbar  in  den  geschlossenen  Sack  eingeführt,  was  ohne
bleibende  Verletzung  des  grobmaschigen  Gewebes  tunlich,  alsdann  mit
einer  halben  Achsendrehung  der  Einschnitt  nach  oben  gebracht  und  durch
leises  Rütteln  des  Kästchens,  unter  gleichzeitiger  Horizontalbewegung,
eine  Menge  von  40—50  ccm  Samen  entnommen.  Man  sammelt  so  in
3  Höhenschichten  des  Sackes  Muster  von  zusammen ­
  der  zur  Untersuchung  erforderlichen
Menge.  Ist  die  Zahl  der  Säcke  größer,  so  wird
je  der  2.,  3.,  5.  oder  10.  Sack  in  Untersuchung
gezogen.
Der  Kleesamenstecher  von  v.  Weinzierl ­
  (Fig.  234)  besteht  aus  einem  in  eine
Stahlspitze  auslaufenden  20  cm  langen  Rohre,
welches  in  einer  Entfernung  von  3  cm  von
der  Spitze  einen  3,2  cm  langen  Ausschnitt  (a)
zur  Aufnahme  der  Kleekörner  hat.
b)  DerKornprobenstecher  vonNobbe
(Fig.  236)  wird  geschlossen  in  den  geöffneten
Sack  eingeführt,  durch  Drehung  des  Griffes  geöffnet ­
  und  nach  kurzem  Rütteln  wiederum  geschlossen ­
  herausgehoben;  die  Probenahme  4—5-mal
an  verschiedenen  Punkten  des  Sackquerschnittes
wiederholt,  gibt  die  zur  Prüfung  erforderliche
Menge.
Für  die  mit  Grannen  _  ,
versehenen  Gräser,  für  Futterund
  Zuckerrübensamen  muß
vorläufig  in  folgender  Weise
verfahren  werden: 8 )
Der  Samen  wird  auf
eine  gesäuberte  Fläche  der
Tenne  oder  des  Lagerbodens
ausgebreitet,  mit  der  Schaufel
tüchtig  durcheinandergearbeitet; ­
  darauf  werden  aus
den  mittleren  Höhenschichten ­
  des  Haufens  an
mindestens  drei  Punkten
desselben  kleinere  Proben
entnommen  und  zusammengegeben. ­


(Fig.  233)  oder  der

Fig.  288.
Nobbes  Kleeprobensteoher.


Fig.  284.
v.  Weinzierls
Kleesamenstecher.


Fig.  235.
Nobbes  Kornprobenstecher. ­


*)  Der  Kleeprobenstecher  ist  für  75  Pf.,  der  Kornprobenstecher  für  8  Mk.  das  Stück
von  dem  Klempner  Matthes  in  Tharandt  zu  beziehen.
2 )  Zu  beziehen  von  Lenoir  &amp;amp;  Förster  in  Wien  IV,.  Waaggasse  5,  für  6,40  Mk.
s )  Nobbes  Handbuch  der  Samenkunde,  1.  Aufl.  S.  423.
        <pb n="460" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien.

437

2.  Herstellung  einer  engeren  Mittelprobe.  Zur  Herstellung  der  „engeren
Mittelprobe“  aus  der  eingesandten  Menge  empfiehlt  Fr.  Nobbe  den  von  ihm
angewendeten,  mit  Glanzpapier  ausgeklebten  viereckigen  Pappkasten, 1 )  in  welchen
die  Probe  gebracht  und  horizontal  geschüttelt  wird,  bis  eine  gleichmäßige  Verteilung ­
  nach  Maßgabe  der  spezifischen  Gewichte  anzunehmen  ist;  alsdann  werden
4—5  Partien  in  4—5  Inseln  oder  auch  in  Kreuzform  an  verschiedenen  Stellen
isoliert  und  ihr  Inhalt  im  Gesamtbeträge  der  zur  Untersuchung  erforderlichen  Menge
mittels  Hornspatels  aufgenomraen.  Man  kann  sich  zur  Herstellung  der  engeren
Mittelprobe  auch  der  Fließprobe  (S.  431)  bedienen  oder  aber  besonders  für  Grasund
  Rübensamen  sehr  zweckmäßig  auch  in  folgender  Weise  verfahren;  Die  ganze
Probe  wird  auf  glattem,  reinem  Papier  mit  einem  Hornlöffel  gut  gemischt,  gleichmäßig ­
  in  dünner,  überall  gleichhoher  Schicht  ausgebreitet  und  nun  werden  aus
derselben  mit  einem  Hornlöffel  an  geometrisch  bestimmten  Stellen  kleinere  Pröbchen
genommen;  dabei  ist  darauf  zu  achten,  daß  auch  die  auf  dem  Boden  liegenden
Körner  mitgenommen  werden.
Über  die  Menge  der  zur  Untersuchung  zu  verwendenden  „engeren  Mittelprohe“
  vergl.  S.  431.
3.  Bestimmung  der  Echtheit  des  Samens.  Die  Echtheit  der  Gattung  und  Art
der  meisten  Kultursamen  ist,  wie  schon  S.  431  gesagt,  von  der  Kontrollstation
unschwer  festzustellen,  da  deren  Vorstand  die  nötigen  Kenntnisse  und  außerdem
eine  Mustersammlung  besitzen  muß.  Selbst  Lolium  italicum  und  perenne,  Festuca
pratensis  und  Lolium  perenne,  die  hauptsächlichsten  Poa-Arten  (P.  pratensis,
trivialis,  nemoralis,  annua)  lassen  sich  allenfalls  unterscheiden,  doch  ist  in  dem
Gutachten  Vorsicht  zu  empfehlen.  Manche  Samenarten:  Trifolium  medium  und
pratense,  Medicago  sativa  und  media,  Brassica-Ärten  sind  wohl  in  einzelnen  scharf
ausgeprägten  Körnern,  zum  Teil  mit  Hilfe  des  Mikroskopes  zu  unterscheiden,
nicht  aber  in  Massen.  Eine  Garantie  für  die  Echtheit  von  Varietäten  von  Brassica,
Raphanus,  Trifolium  (z.  B.  das  Cowgrass,  Trifolium  pratense  perenne),  von  Zerealien,
  Hülsenfrüchten  usw.  hat  die  Kontrollstation  abzulehnen  und  auf  die  Entscheidung ­
  durch  die  sonst  unzulässige  Feldprobe  zu  verweisen,  wofür  der  Käufer
111  diesen  Beziehungen  vom  Händler  Garantie  zu  fordern  hat.
Das  Gesetz  steht  solcher  Forderung  zur  Seite.
Die  Untersuchung  von  „Grasgemischen“  ist  von  der  Kontrollstation  abzulehnen
and  dahin  zu  streben,  daß  das  Angebot  solcher  Mischungen  in  den  Preislisten  der
Samenhändler  verschwinde  (vergl.  S.  431).
Die  sogenannten  „Grasgemische“  sind  meistens  ohne  Grundsatz  zusammengestellte
Gemengsel  fragwürdiger  und  jedenfalls  ungeprüfter  Samen;  ihre  Verwendung  ist
entschieden  zu  widerraten.  Ein  (an  sich  empfehlenswerter)  Mischbestand  auf  Wiesen
ist  durch  Einkauf  und  Prüfung  der  einzelnen  zu  verwendenden  Samenarten  herz
 ustellen.
Eine  sehr  häufig  an  die  Samenkontrollstationen  herantretende  Frage  ist  die,
0:1  ein  Rotklee  deutsche  bezw.  einheimische  oder  amerikanische  Saat  ist.
_  der  amerikanische  Rotklee  bei  uns  leicht  auswintert  oder  doch  im  all-»emeinen,
  besonders  aber  im  zweiten  Jahr  geringere  Erträge  liefert,  so  ist  diese
la ge  keine  müßige.
Wenn  der  Kleesamen  nicht  gesiebt  ist,  so  kann  man  den  amerikanischen  Eote
 e  an  seinen  eigenartigen  Unkrautsamen:  Plantago  Rugelii,  Plantago  aristata,
___^° sia  artemisiaefolia,  Panicum  capillare,  Euphorbia  Preslii,  Verbena  urticaefolia,
')  Nobbes  Handbuch  der  Samenkunde,  1.  Aufl.  S.  425.
        <pb n="461" />
        438

Die  Untersuchung  der  Sämereien,

Hedeoma  pulegioides,  Paspalum  ciliatiiolium,  Lepidium  virginicum,  Phacelia  tanacetifolia
  usw.  erkennen.
Ist  der  Kotklee  gesiebt,  so  ist  die  Beurteilung  der  Frage  unsicher.  Da  das
Eotkleesamenkorn  selbst  keine  Unterscheidungsmerkmale  bietet,  so  bleibt  in  solchen
Fällen  nichts  anderes  übrig,  als  die  Feldprobe  entscheiden  zu  lassen.  Die
amerikanische  Rotklee-Pflanze  ist  dicht  behaart  und  hat  senkrecht  abstehende
Haare;  die  einheimische  Rotklee-Pflanze  hat  dagegen  nur  spärliche  und  flach  anliegende ­
  Haare.  Nach  H.  Roß 1 )  soll  es  möglich  sein,  schon  7—12  Tage  nach  der
Aussaat  die  amerikanische  Abart  des  Rotklees  zu  erkennen.
4.  Ermittelung  der  Reinheit.  Zur  Ermittelung  der  Reinheit  eines  Samens
wird  die  vorgeschriebene  Menge  der  engeren  Mittelprobe  (vergl.  S.  431)  auf  Glanzpapier ­
  ausgebreitet  und  nötigenfalls  unter  Zuhilfenahme  einer  'Lupe  mittels  einer
Pinzette  Korn  für  Korn  ausgelesen. 2 )  Der  ausgelesene  reine  Samen  wie  die  fremden
Bestandteile  werden  beide  zurückgewogen.
Als  „fremde  Bestandteile“  sind  alle  die  Dinge  zu  betrachten,  welche  nicht
der  echte  Same  sind;  fremde  Samen,  selbst  von  gleichem  oder  höherem  Marktwert,
sind  auszuscheiden;  ebenso  der  „Bruch“,  d.  i.  Samen,  deren  Keim  zweifellos  zerstört ­
  ist.  Dagegen  sind  alle  echten  Samen  als  solche  in  Rechnung  zu  setzen,  selbst
halbwüchsige,  unreife  oder  sonst  anscheinend  untaugliche.
Motive:  Die  Beimengung  einer  wertvolleren  Samenart  unter  eine  Verkaufs  wäre  pflegt
nicht  mit  dem  besten  Materiale  der  Art  ausgeführt  zu  werden,  läuft  jedenfalls  dem  Kaufzweck ­
  zuwider.  Die  Qualität  der  an  sich  echten  Samen  wird  durch  den  Keimversuch,
nötigenfalls  durch  die  Volumen-  und  Gewichtsbestimmung  genugsam  festgestellt.
Zur  Ermittelung  der  Reinheit  kann  man  sich  der  „Spreufege“  von
Fr.  Nobbe  bedienen.  Grassamen,  welche  viele  taube  Scheinfrüchte  und  Spelzen
enthalten,  befreit  man  am  besten  zunächst  durch  vorsichtiges  Ausblasen  von  diesen,
wobei  man  diese  Bestandteile  auf  einer  geeigneten  Unterlage  auffängt.
5.  Ermittelung  der  Keimfähigkeit.  Für  die  Ermittelung  der  Keimfähigkeit ­
  sind  eine  gaijze  Anzahl  „Keimapparate“  im  Gebrauch.  Der  ursprünglich ­
  von  Fr.  Nobbe  empfohlene  aus  Ton  bewährte  sich  nach  manchen  Erfahrungen ­
  nicht,  weil  es  sehr  schwer  hält,  denselben  von  den  während  der
Keimung  der  Samen  sich  bildenden  Fäulnis-  und  Schimmel-Erzeugnissen,  welche
die  Keimfähigkeit  nachfolgender  Samen  beeinträchtigen,  zu  reinigen.  Ich  unterlasse
es  daher,  diesen  Apparat  hier  zu  beschreiben.  In  der  Praxis  wird  die  Keimfähigkeit
durchweg  zwischen  feuchten  Flanelllappen  ermittelt.  Eine  sehr  einfache  Vorrichtung
ist  auch:
a)  Ein  Keimbett  aus  Fließpapier.  Eine  Doppellage  weißen  Fließpapiers  von
etwa  23  cm  Länge  und  15  cm  Breite  wird  in  der  nachstehenden  Form  (Fig.  236)  viereckig
gefalzt,  in  dem  mittleren  Quadratraum  die  Samenkörner  verteilt,  das  Papier  darüber
zusammengeschlagen  und  befeuchtet.  Hierauf  wird  das  Päckchen  auf  eine  angefeuchtete
Doppellage  Fließpapier  in  einer  großen  Glas-  oder  Porzellanschale  (nötigenfalls  Suppenteller)
gelegt,  mit  einer  ebensolchen  Lage  bedeckt  und  bei  Zimmerwärme  aufgestellt.  Die  Regelung
der  Feuchtigkeit  erfordert  eine  1-  bis  mehrmalige  tägliche  Schau.  Ein  öfteres  Regeln  der
Feuchtigkeit  wird  unnötig,  wenn  man  die  von  Th.  Dietrich  angegebenen  viereckigen
Glasschalen  mit  ebenem  Rande,  die  mit  einer  Glasplatte  bedeckt  werden,  benutzt.
] )  Landw.  Versuchs-Stationen  1902,  56,  457.
3 )  v.  Weinzierl  hat  zur  Erleichterung  des  Auslesens,  besonders  zur  Erkennung
von  tauben  Früchten  bei  einigen  Grassamen  einen  Spiegelkasten  eingerichtet,  auf  den
ich  hier  verweisen  will.  Derselbe  kann  von  der  Firma  Lenoir  &amp;amp;  Förster  in  Wien  IV,
Waaggasse  6,  bezogen  werden.
        <pb n="462" />
        439

Die  Untersuchung  der  Sämereien.

b)  Keimapparat  vom  Verfasser.  Verfasser  hat  einen  dem  v.  Liebenbergschen
 1 )  ähnlichen  Keimapparat 2 )  eingerichtet,  welcher  sich  durchweg  gut  bewährt ­
  hat.
Derselbe  besteht  aus  einem  einfachen  20  cm  breiten,  23  cm  langen  und  4  cm  hohen
viereckigen  Kasten  von  Zinkblech  (Fig.  237),  welcher  in  der  Mitte  durch  einen  Zinkblechstreifen, ­
  der  aber  nicht  bis  auf  den  Boden  reicht,  in  2  Abteilungen  geteilt  ist.  In  jede
Abteilung  sind  2  Glasscheiben  g  von  etwa  4  cm  Breite  eingepaßt  und  wird  der  Apparat
wie  folgt  gehandhaht:
1.  Man  schneidet  aus  einer  3-fachen  Lage  gewöhnlichen  Filtrierpapiers  Streifen
von  9'/a  cm  Breite  und  17  cm  Länge,  legt  dieselben  der  Länge  nach  so  auf  die  Glasscheiben ­
  g,  daß  nach  dem  Falzen  des  Papiers  an  beiden  Seiten  gleichlange  Streifen
herunterhängen,  und  legt  die  so  hergerichteten  Glasscheiben  wieder  in  den  Apparat.
2.  Alsdann  füllt  man  den  Blechkasten  zu  a / 3  mit  Wasser;  die  in  das  Wasser
tauchenden  Papierstreifen  ziehen  das  Wasser  an  und  halten  auch  den  auf  der  Oberseite
der  Glasscheiben  befindlichen  Teil  des  Filtrierpapiers  fortwährend  feucht.

Fig.  236.  Keimbett  aus  Fließpapier.

Fig.  237.  Keimapparat  (vom  Verf.).

3.  Wenn  dieser  Teil  des  Filtrierpapiers  hinreichend  durchfeuchtet  ist,  preßt  man
dasselbe  fest  an  das  Glas  an,  zählt  2-mal  200  Korn  des  zu  untersuchenden  Samens  ab  und
verteilt  die  einen  200  Korn  gleichmäßig  auf  die  2  Papierscheiben  der  einen  Hälfte,  die
anderen  200  Korn  auf  die  2  Papierscheihen  der  anderen  Hälfte  des  Apparates.  In  jedem
Apparate  können  so  bei  kleineren  Sämereien  jedesmal  2  Proben  von  je  200  Korn  zur
Bestimmung  der  Keimfähigkeit  angosetzt  werden;  bei  größeren  Sämereien  (Lupinen,
Mais  usw.)  verteilt  man  die  200  Korn  auf  die  4  Papierscheiben  und  nimmt  für  die  Doppel-Probe
  einen  zweiten  Apparat.
4.  Nach  Bedecken  des  Apparates  mit  dem  Zinkdeckel  stellt  man  ihn  an  einen  Ort,
der  eine  annähernd  beständige  Temperatur  von  etwa  20°  besitzt.
c)  Keimapparat  von  Stainer.  In  Brauereien  ist  zur  Feststellung  der
Keimfähigkeit  der  Gerste  auch  der  Keimapparat  von  Stainer 8 )  (Fig.  238—240  in
'io  der  natürlichen  Grolle)  eingeführt.
’)  Wollnys  Forschungen  auf  dem  Gebiete  d.  Agrik.-Physik  1879,  2,  379.
■)  Derselbe  wird  von  dem  Klempner  G.  Merckel,  Münster  i.  W.,  Alter  Steinweg,
? u  3&amp;gt;00  Mk.  für  das  Stück  (nebst  Gebrauchsanweisung),  oder  auch  von  Fr.  Hugershoff
111  Leipzig  geliefert.
3 )  Thausing  Wiener  landw.  Ztg.  1877,  No.  10.  —  Allgemeine  Zeitschr.  für  Bier-Hauerei
  usw.  1877
        <pb n="463" />
        440

Die  Untersuchung  der  Sämereien.

Derselbe  stellt  von  außen  einen  40  cm  hohen  hölzernen  Kasten  dar,  an  dessen
Vorderseite  eine  f'estsohließende  Tür  angebracht  ist.  Im  Innern  befinden  sich  auf  5  etwa
6  cm  voneinander  entfernt  liegenden  Etagen  aus  durchbrochenem  Eisenblech  10  Keimplatten,
welche  aus  einem  Gemenge  von  Chamottemehl,  Sägespäneu  und  feinem  Kohlenstaub  hergestellt ­
  und  sehr  porös  sind.  Jede  der  Keimplatten  (Fig.  240  in  */ 4  der  natürlichen  Größe
und  Fig.  238  und  239)  ist  15  cm  lang,  6  cm  breit  und  1  cm  dick.  Auf  der  Oberseite  besitzen ­
  sie  in  5  Reihen  100  ovale  Vertiefungen  (Keimzellen)  zur  Aufnahme  von  je  einem
Korn.  Zur  Aufnahme  der  Keimplatten  dienen  blecherne  Schalen  (b  b),  in  welche  je  ein
Filzplättohen  (c  c)  von  derselben  Größe  wie  die  Keimplatte  gelegt  wird.
Um  die  Samen,  unabhängig  von  der  Lufttemperatur,  bei  einer  beliebig  hohen
Temperatur  keimen  lassen  zu  können,  hat  Stainer  bei  seinem  Apparate  eine  kleine  Heiz-Fig.

  240.
Keimapparat  von  Stainer.

Fig.  341.
Keimapparat  von  Goldewe  und
S  chö  nj  ahn.

Vorrichtung  angebracht,  die  es  ermöglicht,  die  Temperatur  innerhalb  des  Apparates  nach
Wunsch  zu  regeln.
Es  sind  nämlich  außer  der  äußeren  Wand  innen  noch  2  Wandungen  aus  dünnem
Blech  vorhanden,  die  zwischen  sich  einen  Raum  d  frei  lassen,  der  mit  dem  Gefäß  e  (Fig.  238)
kommuniziert.  Der  Raum  d,  ebenso  das  Gefäß  e,  ersteres  bei  f  (Fig,  239),  werden  nötigenfalls ­
  mit  Wasser  von  beliebig  hoher  Temperatur  gefüllt.  Dieses  Wasser  kann  vermittels
des  Petroleumlämpcbens  g  warm  erhalten  und  bei  k  abfließen  gelassen  werden.  Um  die
Ausstrahlung  der  Wärme  zu  vermindern,  ist  der  Raum  bei  h  (Fig.  238)  mit  Asche  ausgefüllt; ­
  durch  die  beiden  Luftkanäle  i  i  strömt  frische  Luft  in  den  Apparat;  1  ist  ein  Dunstschlauch,
  der  die  Wasserdämpfe  abführt.  Durch  diese  Einrichtung  wird  eine  stete  Lufterneuerung
  im  Apparate  herbeigeführt;  m  ist  ein  kleines  Tropfsohälchen.
Die  Temperatur  innerhalb  des  Apparates  wird  mittels  dos  Thermometers  n  (Fig.  239)j
dessen  Quecksilberkugel  in  das  Innere  des  Apparates  reicht,  beobachtet.
        <pb n="464" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien.

441

Für  Brauereien  genügt  ein  Apparat,  der  billiger  zu  stehen  kommt.  Will  man  den
Apparat  in  Benutzung  nehmen,  so  taucht  man  die  Keimplatten  in  Wasser,  welches  sie
rasch  aufsaugen,  bringt  in  jede  Zelle  ein  Gerstenkorn  und  gießt  in  die  Blechschaleu  etwas
Wasser.  Jede  Gerstenprobe  wird  2  Keimplatten  beanspruchen,  so  daß  man  auf  einmal  5
Gerstensorten  auf  ihre  Keimkraft  prüfen  kann.  Will  man  bei  der  eben  herrschenden  Lufttemperatur ­
  keimen  lassen,  so  hat  man  weiter  nichts  zu  tun,  als  von  Zeit  zu  Zeit  nachzusehen, ­
  ob  die  Filterunterlagen  gut  mit  Wasser  durchtränkt  sind,  und,  wenn  nötig,
Wasser  nachzugießen.  Die  Keimplatten  werden  öfter  durch  Auskochen  gereinigt.
Stainer  verfertigt  noch  einen  kleinen  und  billigen  Apparat, 1 )  bestehend  aus  einer
runden,  porösen  Keimplatte  mit  100  Vertiefungen  zur  Aufnahme  der  Gerstenkörner,  die
auf  eine  mit  feuchtem  Sand  gefüllte  Schale  gelegt  und  mit  einem  Glassturz  überdeckt
wird.  Der  Sand  wird  während  der  Keimprobe  mäßig  feucht  gehalten.
d)  Keimapparat  von  Goldewe  und  Schönjahn  in  Braunschweig.
Dieser  in  Fig.  241  abgebildete  Apparat  findet  ebenfalls  in  Bierbrauereien  mit  gutem
Erfolg  Anwendung.
Auf  der  Einschnürung  eines  Glasgefäßes  a  liegt  die  mit  100  kleinen,  nach  unten
sich  verjüngenden  Öffnungen  versehene  Keimplatte  b,  die  nur  aus  glasiertem  Steingut  angefertigt ­
  ist.  Will  man  den  Apparat  in  Benutzung  nehmen,  so  füllt  mau  das  Gefäß  a
beinahe  ganz  mit  Wasser;  dann  steckt  man  in  jede  Öffnung  der  Keimplatte  ein  Gerstenkorn ­
  mit  dem  Keimende  nach  unten,  bedeckt  die  Körner  oben  mit  einer  dünnen  Sandschicht,
befeuchtet  diese  mit  reinem  Wasser  und  deckt  den  mit  einem  Thermometer  versehenen
Filzdeckel  o  darauf.  Das  Keimen  verläuft  in  dem  Apparat  rasch  und  gleichmäßig.
Wenn  man  mit  manchen  Keimapparaten  nicht  zufrieden  ist,  so  liegt  das  meist  in
der  falschen  Handhabung  derselben.  Die  zu  verwendende  Gerste  soll  man  vorher  gut
waschen,  um  sie  von  Staub  und  Schimmelsporen  zu  befreien.  Man  soll  die  Keimplatten
vor  jedem  Versuche  gut  reinigen  und  sie  während  des  Keimversuches  niemals  sehr  naß
halten,  weil  die  Gerstenkörner  sonst  faulen;  man  muß  ferner  den  Keimapparat  an  einen
mäßig  kühlen  Ort  mit  reiner  Luft  stellen  (Malztenne),  sonst  schimmelt  die  Gerste  leicht.
Auch  muß  man  die  porösen  Kcimplatten  öfter  durch  Auskochen  reinigen.  Die  Keimplatten
dürfen  nicht  unbedeckt  dem  Staube  ausgesetzt  stehen  bleiben,  sondern  sind  bedeckt  zu
halten.  2)

Den  Verlauf  der  Keimung  in  einem  solchen  Keimapparate  kontrolliert  man
anfangs  täglich,  später  alle  2  Tage;  man  nimmt  jedesmal  die  gekeimten  Samen
mittels  einer  Pinzette  heraus  bezw.  weg  und  vermerkt  die  Anzahl.
Beim  Abschluß,  d.  h.  nach  Ablauf  der  oben  für  die  einzelnen  Saatwaren
vorgeschriebenen  Zeit,  wird  die  Summe  gezogen  und  zugleich  nötigenfalls  nach
^chnittprobe  vermerkt,  wie  viele  der  nicht  gekeimten  Samen  noch  „hart“  (bei  Kleesamen
  usw.)  oder  „frisch“,  „grün“  (bei  Kiefernsamen  usw.)  geblieben  sind.
Bei  Beurteilung  der  Keimfähigkeit  ist  auch  als  wesentlich  die  „Keimungsenergie“
  zu  berücksichtigen.  Bei  gleichem  Endergebnis  der  absoluten  Größe  der
Keimfähigkeit  ist  ein  Samen  um  so  besser,  je  schneller  er  keimt.  Wenn  z.  B.  2  gegebene ­
  Kleesamenproben  folgende  Ergebnisse  an  Keimpflanzen  geliefert  haben:
ln  1  2  3  4  5  6  7  89  10  Tagen  Summe
a)  —  5  16  20  10  14  8  6  7  2  =90%,
b)  20  60  4  2  —  1  —  —  1  —  =  88  „
würde  die  letztere,  welche  in  3  Tagen  bereits  84  von  den  überhaupt  88  °/ 0
Aeimen  geliefert  hat,  weitaus  den  Vorzug  verdienen  vor  der  ersteren,  welche  in
&amp;lt;  ein  gleichen  Zeitraum  erst  20  °/ 0  zur  Keimung  brachte.

] )  Die  Stainerschen  Keimapparate  sind  von  J.  Stainer  (Firma  J.  Staiuer  &amp;amp;  Hoffa
 nn,  Samenhandlung  in  Wiener-Neustadt,  Niederösterreich)  zum  Preise  von  40  bezw.  30
u  en  der  große  und  zu  3  Gulden  für  den  kleinen  Apparat  zu  beziehen.
')  Aubry  empfiehlt  einige  weitere  Keimkästen  (Zeitschr.  f.  d.  gesamte  Brauwesen

1885,
        <pb n="465" />
        442

Die  Untersuchung  der  Sämereien.

Die  Ermittelung  der  Keimfähigkeit  der  Eunkel-  und  Zuckerrübensamen ­
  erheischt  ein  abweichendes  Verfahren  (vergl.  S.  434).
Für  die  Reinheit  und  Keimfähigkeit  usw.  der  wichtigsten  Samenarten ­
  können  nach  Fr.Nobbe 1 )  folgende  erfahrungsmäßige  Durchschnittszahlen  gelten:

Samenart:

g  B  1  kg  (rein)  ent-»S
  hält  i.  M.  Körner
3  i

o  Keimkraft  der
°  reinen  Samen

Fremde  ßestand-°
  teile  höchstens

S  Wirtschaftliche
3  Keimkraftdauer

Samenart:

g  o  1  kg  (rein)  enthält
  i.  M,  Körner
B  V

Keimkraft  der
reinen  Samen

Fremde  ßestand-°
  teile  höchstens

gl  Wirtschaftliche
3  Keimkraftdauer

Schmetterlingsblütler:



Rotklee  (deutsch)  .

560

85—95

1,6

2—3

Eiesenschwingel  .

625

30—40

5

2—3

„  ^amerikan.).

640

90—95

1,5

2—3

Hartl.  Schwingel  .

1700

60—80

6

2—3

Wuudklee  ....

385

75-85

1,5

2—3

Roter  „

1420

60—80

5

2—3

Weißklee  ....

1550

80—90

2

2—3

Mannagras  .  .  .

1015

70-80

5

0-0.1

Schwedischer  Klee  .

1420

80—90

2

2—3

Miliz-Schwaden  .  ,

2625

20—30

10

0—1

Inkarnatklee  .  .  .

285

80-90

1.5

2-3

Wollig.  Honiggras.

2400

40—50

10

3-4

Hornklee  ....

1085

70—85

3

2—3

Wiesen  -  Rispengras

5759

70—80

5

2—3

Gelbklee  ....

610

85—95

1,5

2-3

Hain-  „

6100

60-80

5

2—3

Luzerne  ....

465

85—95

1,5

2—3

Gemeines  „

7571

60—80

5

2-3

Sandluzerne  .  .  .

415

80—90

1,5

2—3

Zerealien;

Bokharaklee  .  .  .

520

70—80

1,5

2—3

Saat-Roggen  .  .  .

32

95—100

i

2—3

Lupine

6—7

95—100

0,5

2  3

„  Weizen  .  .  .

24

95—100

i

2—3

Esparsette  ....

50

70—90

0,5

2—3

„  Gerste  .  .  .

22

90—100

i

2-3

Serradella  ....

290

80-90

1.5

2-3

„  Hafer  .  .  .

27

90—100

i

2—3

Pferdebohne  ,  .  .

1

95-100

0,5

4—5

„  Mais  ....

3

90  100

i

3-4

Erbse

3—5,

95—100

0,5

5-6

AnderweiteKul-Saatwicke

  ....

13

95—100

1

3-4

Sojabohne  ....

.3-6

90-100

0,5

1—2

turgewächs  e:
Ölraps

175

95—100

0,5

2-3

Gräser;

Eübenraps  .  .  .

330

95—100

0,5

2—3

Englisches  Eaigras

500

85—95

2,5

2—3

Rübsen

445

95—100

0,5

2—3

Italienisches  „

590

85-90

2,5

2—3

Wasserrühe  .  .  .

358

90—100

0,5

2—3

Französisches  ,.

400

70—85

5

2—3

Senf  (schwarzer)  .

557

90-100

1

3-4

Timotheegras.  .  .

2060

90—96

2

3-4

Leindotter  .  .  .

1086

95-100

1

2-3

Fioringras  ....

18970

80—90

12

2—3

Saatlein  ....

220

90—100

1

2—3

Drahtschmele.  .  .

2850

40—60

10

2-3

Hanf

47

90—100

1

2-3

Goldhafer  ....

3720

70—80

15

2—3

Gemein.Buchweizen

42

80—90

2,6

2-3

Wiesenfuchsschw.  .

2050

70—80

10

2-3

Tatarischer  „

53

60—80

5

2-3

Ruchgras  ....

1837

50-60

15

2—3

Bihernell  (Poter.)  .

80

60—80

10

2—3

Weiche  Trespe  .  .

230

70—80

15

2-3

Runkelrübe  (Beta)  .

40

80—90 3 )

1,5

3-4

Kammgras....

2346

70-80

10

2-3

Zichorie  ....

727

85-95

1,5

2—3

Knaulgras  ....

1186

80—90

5

2—3

Ackerspörgel.  .  .

1370

95—100

1

6-8

Rasenschmele.  .  .

10400

60—70

10

2—3

Riesenspörgel  .  .

950

85—100

1

6-8

Wiesenschwingel  .

655

80—90

3

2  -3

Möhre

725

75—85

5

2—3

Schafschwingel  .  .

1620

80—90

5

2-3

Zuckerhirse  .  .  .

44

70—80

0,5

2—3

')  Vergl.  Mentzel  und  v.  Lengerkes  Landw.  Kalender.
2 )  Schwankend  nach  Maßgabe  der  Ausreifung.  Trockenheit  und  Aufbewahrung;  Getreide ­
  bei  trockner  Lieferung  oft  6—8  Jahre.
3 )  Auf  100  Knäule  170—200;  auf  1  kg  60000—90000.
        <pb n="466" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien.

443

Als  „Gebrauchswert“  einer  Samenart  gilt  die  aus  Reinheit  und  Keimkraft ­
  berechnete  Prozentzahl.  Der  Rechnungsansatz  wird  auf  das  nach  dem  Auslesen ­
  verbliebene  Gewicht  der  Probe  gegründet,  indem  angenommen  wird,  daß  die
durch  letztere  bedingten  Verluste  (Verstäuben,  Wasserverdunstung,  zufällige  Verluste) ­
  dem  Durchschnittscharakter  der  Probe  entsprechen.
Ausführung:
Also  angenommen,  man  habe  25  g  Rotklee  abgewogen  und  darin  24,565  g
reinen  Samen  und  0,411  g  Verunreinigung  gefunden,  so  beträgt  die  Summe  der
zuriickgewogenen  Samenbestandteile  24,565  +  0,411  =  24,976,  also  die  Verunreinigung ­
  (x)  in  Prozenten:  24,976  :  0,411  =  100  :  x  (=  1,64  °/ 0 ).
Also  Verunreinigung  =  1,64  °/ 0 ,  reiner  Samen  =  98,36  °/ 0 .
Hat  der  reine  ausgelesene  Samen  eine  Keimfähigkeit  von  88,55  °/ 0  ergeben,
„  .  .  ,  n  ,  ,  98,36  x  88.55  n .
so  ist  der  Gebrauchswert  =  -  1Q( j  =  87,10  °/ 0 .
Diese  Art  der  Berechnung  des  Gebrauchswertes  ist  nicht  ganz  genau,  da
zwei  in  verschiedenartiger  Weise  gewonnene  Zahlen  (Zählprozente  der  Keimfähigkeit ­
  und  Gewichtsprozente  der  Reinheit)  hierzu  verwendet  werden;  es  wäre
besser,  wenn  das  bei  der  Enquete  der  Deutschen  Landwirtschafts-Gesellschaft  beobachtete ­
  Verfahren,  wobei  die  zur  Keimprüfung  verwendeten  Samen  gewogen,  nicht
gezählt  worden  sind,  durchgängig  Anwendung  fände,  zumal  es  für  Rüben-  und  Grassamen ­
  bereits  vorgeschrieben  ist.
H.  Rodewald 1 )  hat  gezeigt,  wie  man  die  mittleren  und  wahrscheinlichen  Fehler
bei  den  Bestimmungen  der  Reinheit,  Keimfähigkeit  und  des  daraus  sich  ergebenden  Gebrauchswertes ­
  nach  den  Regeln  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  finden  kann  und  inwieweit
die  theoretisch  berechneten  Fehler  mit  der  praktischen  Ausführung  übereinstimmen.  Ich
kann  hier  auf  diese  Arbeit  nur  verweisen.

0.  Sonstige  Bestimmungen,  a)  Absolutes  Gewicht  und  W  assergehalt.
Das  absolute  Gewicht  der  Samenkörner  ist  von  der  größten  Wichtigkeit,  weil  mit
der  Höhe  des  Gewichtes  außer  den  Keimen  auch  die  Menge  der  vorhandenen  Reservenährstoffe ­
  anwächst.

Da  das  natürliche  Gewicht  der  Samen  (so  bei  Getreide,  Runkeln,  Gräsern  usw.)
nicht  selten  durch  Anfeuchten  mit  Wasser  kurz  vor  dem  Verkauf  künstlich
erhöht  zu  werden  pflegt,  so  empfiehlt  sich  im  Verdachtsfalle  eine  gleichzeitige  Bestimmung ­
  des  Wassers  und  sei  bemerkt,  daß  die  Samen  für  gewöhnlich  im  natür-  •
liehen  Zustande  11—15  °/ 0  Wasser  enthalten.
b)  Spezifisches  Gewicht.  Dasselbe  wird,  wenn  überhaupt,  mittels  des
mit  Thermometer  versehenen  Pyknometers  oder  auch  mit  dem  Schuhmannschen
Dyknometer  (S.  117)  und  unter  Anwendung  von  Solaröl  bestimmt.
In  letzterem  Falle  findet  man  das  spezifische  Gewicht  direkt  durch  Division  des
absoluten  Gewichtes  mit  der  Anzahl  der  verdrängten  ccm.  Bei  Anwendung  des  Pyknometers ­
  und  von  Solaröl  multipliziert  man  das  gegen  letzteres  gefundene  spezifische  Gericht ­
  der  Körner  mit  dem  spezifischen  Gewicht  des  Solaröles.  Ist  z.  B.  das  spezifische
Gewicht  von  Weizenkörnern  in  dem  Solaröl  bei  16°  =  1,523  gefunden,  beträgt  das  des
Öles  gegen  Wasser  hei  dieser  Temperatur  =  0,915,  so  ist  das  spezifische  Gewicht  der
Weizenkörner  gegen  Wasser  von  15°  =  1,523  x  0,916  =  1,3915.
c)  Bestimmung  des  Volumengewichtes.  Zur  Bestimmung  des  Volumengewichtes, ­
  besonders  von  Getreide,  pflegt  jetzt  allgemein  der  von  der  Kaiserlichen
Normal-Eichungs-Kommission  geprüfte  „Getreideprober“ 2 )  von  nachstehender

*)  Landw.  Versuchs-Stationen  1889,  30,  105,  115  uud  IB90,  P+ eng w  Nachfolger),
2 )  Derselbe  kann  von  der  Firma  Sommer  &amp;amp;  Bunge  (Berth.  Pensky
Berlin  SW.,  Wilhelmstr.  122,  bezogen  werden.
        <pb n="467" />
        444

Die  Untersuchung  der  Sämereien.

Einrichtung  (Fig.  242)  angewendet  zu  werden,  der  in  einem  tragbaren  Behälter
geliefert  und  wie  folgt  gehandhabt  wird:
Man  hebt  zuerst  den  Yorlaufkörper  D  und  das  Füllrohr  B,  darauf  das  Maß  A  aus
dem  Behälter.  Der  Inhalt  des  Maßes  A  wird  durch  Umkehren  über  die  hohle  Hand  entleert, ­
  Das  leere  Maß  A  mit  dem  Yorlaufkörper  D  muß  an  der  Wage  mit  der  leeren  Gewichtsskala ­
  übereinstimmen.
Zum  Gebrauch  wird  das  Maß  A  auf  den  Tisch  gestellt,  das  Messer  C  in  den  Schlitz
S  S  (Fig.  243)  gesteckt,  der  Yorlaufkörper  D  auf  das  Messer  gelegt  und  das  Füllrohr  B,
mit  seinen  4  Ausschnitten  auf  die  Vorsprünge  des  Maßes  A  passend,  fest  aufgesteckt.
Die  Füllung  mit  Getreide  erfolgt  nun  unter  Vermeidung  aller  Störungen,  namentlich ­
  nicht  zu  langsam,  und  nachdem  das  Füllrohr  voll  ist,  wird  es  mit  einem  geraden
Gegenstand  abgestrichen.  Bei  dem  folgenden  Herausziehen  des  Messers  soll  jede  Er-Flg.

  242.  Fig.  243.
Getreideprober.
schütterung  vermieden  werden.  Das  Messer  wird  nun  durch  den  Schlitz  S  S  geführt,  wobei  die
am  Schlüsse  zwischen  Gefäßwand  und  Messer  etwa  eingeklemmten  Körner  zu  durchschneiden
sind;  das  überschießende  Getreide  wird  ausgesohüttet,  das  Püllrohr  abgenommen,  die  etwa
noch  eingeklemmt  Vorgefundenen  Körner  beseitigt  und  dann  das  Messer  entfernt.
Zur  Wägung  hängt  man  die  Gewichtsschale  E,  mit  einem  oder  mehreren  der
Scheibengewichte  belastet,  mit  ihrer  Öse  an  die  Wage;  das  gefüllte  Maß  wird  an  den
anderen  Wagenarm  gehängt.  Spielt  die  Wage  noch  nicht  ein,  so  wird  durch  Zulegen  von
kleinen  Plattengewichten  auf  die  eine  oder  andere  Seite  der  Gewichtsunterschied  ausgeglichen. ­

Bei  der  Verpackung  werden  der  Wagenbalken  und  die  Plattengewiohte  in  das  Gewichtskästchen ­
  gelegt,  letzteres  wird  in  das  Maß  geschoben,  das  Maß  wird  dann  in  die
Kapsel  versenkt,  das  Füllrohr  mit  der  engeren  Seite  nach  unten  über  das  Gewiehtskästchen
  in  das  Maß  geschoben,  die  Gewichtsschale  mit  den  Scheibengewichten  wird  aufrecht ­
  in  das  Rohr  versenkt,  der  zum  Schutze  beigegehene  durchbohrte  Holzkörper  über  den
Stiel  geschoben  und  der  Yorlaufkörper  oben  aufgelegt.
        <pb n="468" />
        Die  Untersuchung  der  Sämereien.

445

7.  Gehaltsspielraum  (Latitüde).  Der  zulässige  Gehaltsspielraum  ist  in  No.  12
der  anfangs  mitgeteilten  Vereinbarungen  des  Verbandes  landw.  Versuchs-Stationen
angegeben.  Die  Art  einer  Entschädigungsberechnung  ergibt  sich  aus  folgendem
Beispiel:  Ist  bei  einem  Samen  im  Gebrauchswert  ein  Gehaltsspielraum  von  5  °/ 0
als  zulässig  erachtet  worden,  d.  h.  werden  z.  B.  von  83,5  °/ 0  garantiertem  Gebrauchswert ­
  nur  79,32  °/ 0  (also  4,18  °/ 0  weniger)  gefunden,  so  muß  sich  der  Käufer,  ohne
Schadenersatz  beanspruchen  zu  können,  zufrieden  geben.  Fehlt  mehr,  also  etwa
6  °/ 0 ,  oder  wenn  statt  83,5  °/ 0  nur  77,5  °/ 0  vorhanden  sind,  so  muß  Vergütung  eintreten
  und  in  diesem  Falle  nach  vielfachen  Kontraktsbestimmungen  für  den  ganzen
Fehlbetrag.
Ist  der  vereinbarte  Preis  =  50  M.  für  1  Ztr.  gewesen,  so  kostet  nach  der
60
Garantie  eine  Einheit  Gebrauchswert  ^  „  =  0,597  II.,  also  sind  vom  Preise  abzuziehen ­
  0,597  x  6  =  3,58  M.;  oder  wenn  die  zugestandenen  4,18  °/ 0  Latitüde  auch
in  größeren  Differenzfällen  gelten,  kann  0,597  (6,00  —  4,18)  =  1,09  M.  vom  vereinbarten ­
  Preise  abgezogen  werden.
Was  die  Untersuchung  auf  Seide  (Cuscuta,  Kleeseide  oder  Flachsseide)  anbelangt, ­
  so  bestimmen  hierfür  die  technischen  Vorschriften  des  Verbandes  landw.
Versuchs-Stationen  i.  D.  E.,  daß  die  ganze  eingeforderte  Menge,  also  50  g  für
Bastardklee,  Weißklee  usw.,  100  g  für  Rotklee,  Luzerne  usw.  auszulesen  ist,  und
zwar  nicht  nur  das  Aussiebsei,  sondern  auch  der  Rückstand.  Hinsichtlich  des
Gehaltes  an  Seide  lauteten  frühere  Bestimmungen  dahin,  daß  ein  Gehalt  an
Cuscuta  bis  zu  10  Körnern  für  1  kg  in  einer  als  „seidefrei“  verkauften  Ware  einen
Abzug  von  5  °/ 0 ,  ein  Gehalt  von  11—30  Körnern  einen  Abzug  von  10  °/ 0  des  Kaufpreises ­
  bedingen,  und  mehr  als  30  Körner  für  1  kg  den  Käufer  berechtigen  soll,
die  Ware  zur  Disposition  zu  stellen.
Die  Kontrollverträge  der  landw.  Kreisvereine  im  Königreich  Sachsen  bestimmen, ­
  daß  bei  Vorhandensein  von  einem  Seidesamen  in  100  g  einer  als  seidefrei
garantierten  Saatware  diese  Ware  zurückgegeben  werden  kann,  sobald  die  Untersuchung ­
  einer  zweiten  Probe  den  ersten  Befund  bestätigt.  Seidekapseln  werden,
da  sie  oft  taube,  unausgebildete  Samen  enthalten,  meist  als  ungefährlich  bezeichnet.
Doch  hat  Kinzel  nachgewiesen,  daß  auch  die  unreifen  Samen  der  Kapseln  oft
regelrecht  keimen.  Im  Untersuchungsbericht  sind  jedenfalls  die  Seidekapseln  immer
besonders  aufzuführen.  Im  übrigen  sei  auf  einen,  die  Seidefrage  eingehend  erörternden ­
  Aufsatz  von  Hiltner 1 )  hingewiesen.
')  Prakt.  Blätter  f.  Pflanzenbau  u.  Pflanzenschutz  1903,  1,  50,  68.
        <pb n="469" />
        Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse

I.  Vollmilch.
Vorbemerkungen.
Unter  „Milch“  im  landläufigen  Sinne  des  Wortes  versteht  man  nach  W.  Fleisclimann
  die  in  den  Brustdrüsen  der  weiblichen  Haussäugetiere  nach  einem  Geburtsakte ­
  längere  Zeit  über  zur  Ausscheidung  kommende,  durch  regelmäßiges,  ununterbrochenes ­
  und  vollständiges  Ausmelken  gewonnene,  allbekannte  und
seit  den  ältesten  Zeiten  als  Nahrungsmittel  hochgeschätzte  Flüssigkeit.
Die  wesentlichsten  Bestandteile  der  Milch  aller  Säuger  sind:  Wasser,  Stickstoff-Substanz
  (Kasein,  Albumin,  Molkenprotein),  Fett,  Milchzucker,  Salze,  neben  spurenweise ­
  oder  in  untergeordneter  Menge  vorkommenden  Stoffen  wie  Zitronensäure,
Lecithin  usw.
Für  die  Milchuntersuchung  und  -beurteilung  ist  zu  berücksichtigen,  daß  der
Gehalt  an  vorstehenden  Bestandteilen,  die  Zusammensetzung  der  Milch,  sehr  verschieden ­
  sein  kann  und  für  die  Kuhmilch,  welche  als  Handelsware  vorwiegend
in  Betracht  kommt  und  unter  der  Bezeichnung  „Milch“  schlechthin  allgemein  verstanden ­
  wird,  abhängig  ist:
1.  Von  der  Rasse:  Niederungsyieh  gibt  z.  B.  eine  reichlichere  Menge,  Gebirgsvieh
dagegen  eine  an  Trockensubstanz  und  Fett  reichere  Milch.  Auch  ist  die  Individualität
der  einzelnen  Tiere  von  großem  Einfluß.
2.  Von  der  Art  des  Melkens;  Bei  „gebrochenem“  Melken  ist  die  zuerst  ermolkene
Milch  wesentlich  fettärmer  als  die  zuletzt  ermolkene;  nur  das  gesamte  durchgemischte
Gemelke  aus  allen  Zitzen  bildet  die  Milch  des  Handels.
3.  Von  der  Melkzeit:  Bei  3-maligem  Melken  ist  die  Morgenmilch  fettarmer  als  die
Mittag-  und  Abendmilch;  letztere  hat  häufig  einen  um  1,0°/ 0 ,  zuweilen  auch  um  1,5%
höheren  Fettgehalt.  Bei  2-maligem  Melken  hat  bald  die  Morgen-,  bald  die  Abendmilch
einen  höheren  Fettgehalt,  je  nachdem  mehr  oder  weniger  als  12  Stunden  zwischen  den
beiden  Melkzeiten  verstrichen  sind;  die  Unterschiede  betragen  im  allgemeinen  bei  Stallfütterung
  im  Winter  nicht  mehr  wie  0,6  %,  im  Sommer  bei  Weidegang  oder  Grünfütterung
können  sie  bis  zu  1  %  steigen.
4.  Von  der  Art  und  Menge  des  Futters;  Wasserreiche  Futtermittel  wie  Rüben,
Schlempe,  Pülpe  bedingen  eine  wässerigere  Milch;  proteinreiche  Futtermittel  liefern  im
allgemeinen  eine  gehaltreichere,  fettreiche  Futtermittel  mit  leicht  verdaulichem  Fett  eine
fettreichere  Milch  (Soxhlet).
Plötzlicher  Futterwechsel  ruft  ebenso  wie  Witterungs-  und  Temperaturwechsel ­
  bei  Weidegang  vielfach  eine  Veränderung  in  der  Zusammensetzung  der  Milch
hervor,  welche  8—14  Tage  anhalten  kann.
5.  Vom  Wohlbefinden  der  Tiere:  Starke  Bewegung  wie  Arbeit  beeinträchtigt
den  Fettgehalt  der  Milch;  auch  die  sexuelle  Erregung  (das  Rindern)  ist  von  Einfluß  auf
die  Zusammensetzung  der  Milch.  Vor  allen  Dingen  nimmt  die  Milch  bei  Krankheiten
wie  Maul-  und  Klauenseuche,  Rinderpest,  Lungenseuche  usw.  eine  abnorme  Beschaffenheit  an.
Hierzu  gesellen  sich  noch:
6.  Eine  Reihe  Milohfehler,  die
a)  teils  auf  eine  Abnormität  in  der  Milchabsonderung  zurückzuführen  sind,
wie  die  blutige  Milch  auf  eine  Erkrankung  des  Euters  oder  der  Nieren,  die  salzige
        <pb n="470" />
        Vollmilch,

447

oder  räße  Milch  auf  eine  Vermehrung  des  Kochsalzes  unter  Zurncktreten  von  Phosphaten
und  des  Milchzuckers;
b)  teils  durch  Bakterien  einige  Zeit  nach  dem  Melken  verursacht  werden,  so  z.  B.
die  blaue  Milch  durch  Bacillus  cyanogenus  Hüppe,  die  rote  Milch  durch  Bacillus
prodigiosus,  Sarcina  rosea  Menge  usw.,  die  fadenziehende  oder  schleimige  Milch  durch
verschiedene  Bakterien  wie  die  Micrococcus-Arten  von  /-Mülheim  und  Hüppe,  Microc.
Preudenreichii,  ferner  Aotinobaoter  polymorphus,  Bacillus  lactis  pituitosi  Löffler,  Bacillus
lactis  viscosus  usw.,  die  bittere  Milch  durch  Bacillus  lactis  amari  Weigmann  und  verschiedene ­
  andere  Mikroorganismen;  ferner  gehören  hierher  die  käsige,  seifige,  gärende
und  faulige  Milch,  Fehler,  die  ebenfalls  auf  das  Auftreten  von  Bakterien  zuriiekzuführen  sind.
Abgesehen  von  Milchfehlern  und  von  der  Milch  kranker  Kühe  kann  die  Zusammensetzung ­
  derselben  aus  den  erstgenannten  Gründen  in  Einzelfällen  in
ziemlich  weiten  Grenzen  schwanken,  nämlich  nach  705  neueren  Einzeluntersuchungen:

Gehalt

Spez.  Gew.

Wasser
OL

Niedrigster  .  .

.  .  1,0264

80,32

Höchster  ,  .  .

.  .  1,0368

90,22

Mittlerer  .  .  .

.  .  1.0313

87,27

Kasein

Albumin

Fett

Milchzucker

Salze

°/o

°/o

»/«

°/o

°/o

t,91

0,23

1,48

3,23

0,50

4,65

1,61-6.47



6,68

1,45

2,88

0,51

3,68

4,94

0,72

Unter  normalen  Verhältnissen  schwankt  der  Gehalt  an  Wasser  nur  von  etwa
85,8—89,5  °/ 0 ,  der  an  Kasein  +  Albumin  von  3,0—4,0  °/ 0 ,  der  an  Fett  von  2,5  bis
4,5  °/ 0 ,  an  Milchzucker  von  3,5—5,5  °/ 0 ,  an  Salzen  von  0,6—0,9  °/ 0 ,  das  spezifische
Gewicht  bei  15°  von  1,029—1,033.  Weiterhin  ist  zu  beachten,  daß  unter  normalen
Verhältnissen  beträgt:
Mittel  Schwankungen

°/o  °/o
1.  Fettgehalt  der  Milchtrockensubstanz  ....  28,5  25,0—33,0
2.  Fettfreie  Trockensubstanz  9,0  8,0—10,0
3.  Spezifisches  Gewicht  bei  15°
a)  des  Milchserums  —  1,026—1,030
b)  der  Milchtrockensubstanz  1,33
c)  „  fettfreien  Milchtrockensubstanz  ...  1,60
Die  Milch  wird  häufig  verfälscht  und  zwar:
1.  durch  Zusatz  von  Wasser,

2.  durch  größeren  oder  geringeren  Fettentzug  (Entrahmung)  oder  Zusatz  von
entrahmter  zu  Vollmilch,
3.  durch  gleichzeitige  Entrahmung  und  Wasserzusatz.
Ferner  ist  noch  zu  achten  auf:

4.  den  Zusatz  von  Frischhaltungsmitteln  (Natriumkarbonat  und'-bikarbonat,
Borsäure  [Borax],  Salizylsäure,  Benzoesäure,  Formaldehyd),
6.  zu  hohen  Gehalt  an  Schmutz  (Kotteilchen  usw.).
Zum  Nachweis  der  Verfälschungen  unter  1,  2  und  3  sind  folgende  Bestimmungen ­
  und  Berechnungen:

a )  unbedingt  notwendig:
1-  des  spezifischen  Gewichtes  bei  15°  (s),
des  Fettgehaltes  (f),
3.  der  Trockensubstanz  (t),
4-  des  spezifischen  Gewichtes  der
Trockensubstanz  (m)  bezw.  des  Fettgehaltes ­
  der  Trockensubstanz,
der  fettfreien  Trockensubstanz;

b)  wünschenswert:
1.  des  spezifischen  Gewichtes  des
Serums,
2.  der  Mineralstoffe,
3.  der  qualitative  Nachweis  von
Salpetersäure.
        <pb n="471" />
        448

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Unter  Umständen  ist  auch  die  Feststellung  des  Säuregrades  der  Milch  von
Belang.
Für  eine  vollständige  Untersuchung  der  Milch  ist  ferner  noch  erforderlich:
die  Bestimmung  des  Milchzuckers  und  der  Stickstoffsubstanzen  (hezw.  die  Trennung
der  letzteren).
Untersuchungsverfahren.
Die  Richtigkeit  der  Beurteilung  einer  Milch  hängt  in  erster  Linie  von  der
richtigen  Probenahme  ah.  Da  sich  die  Milch  hei  ruhigem  Stehen  unter  Abscheidung
  des  Rahmes  entmischt,  so  ist  die  Milch  hei  der  Entnahme  von  Proben  für
die  Untersuchung  vorher  durch  Umrühren  oder  besser  durch  mehrmaliges  Umgießen ­
  von  dem  einen  Gefäß  in  ein  anderes  sorgfältig  zu  mischen  und  die  entnommene ­
  Probe  von  etwa  1 / 2 —11  tunlichst  schnell  der  Untersuchungsstelle  einzusenden.
Auch  beim  Ahwägen  der  Milch  für  die  einzelnen  Bestimmungen
ist  dieselbe  jedesmal  unmittelbar  vorher  gründlich  durchzumischen.
Frischhaltung  der  Milchproben  für  die  Untersuchung.  In  der  heißen
Jahreszeit  und  auch  sonst,  wenn  die  Untersuchung  der  Milchproben  nicht  alsbald  nach  der
Entnahme  erfolgen  kann,  empfiehlt  es  sich,  die  Milchprobon  für  die  Untersuchung  haltbar
zu  machen,  um  namentlich  der  vorzeitigen  Gerinnung  vorzubeugen.  Hierzu  werden
empfohlen  von  Allen 1 )  ein  Zusatz  von  1  g  Kaliumbichromat  und  von  H.  D.  Richmond
und  Be  van 2  3 )  ein  solcher  von  1  ccm  oder  20  Tropfen  4O°/ 0 -igem  Pormaldehyd  (Pormalin)
auf  1  1  Milch.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.
Das  spezifische  Gewicht  der  Milch  darf  zwar  erst  einige  Stunden
nach  dem  Melken, 8 )  muß  aber  im  übrigen  möglichst  bald  nach  dem  Eintreffen ­
  im  Laboratorium  und  zwar  möglichst  bei  15°  oder  doch  bei
Wärmegraden  von  10—20°  bestimmt  werden;  in  letzterem  Falle  ist
dasselbe  auf  15°  umzurechnen.
Chr.  Müller  hat  eine  Tabelle  angefertigt,  aus  der  man  die  Uber  oder  unter
15°  ermittelten  Zahlen  auf  das  wirkliche  spezifische  Gewicht  bei  15°  durch  Ablesen
erfahren  kann  (vergl.  Tabelle  XI  No.  1  und  2  am  Schluß).
Um  in  geronnener  Milch  das  spezifische  Gewicht  zu  bestimmen,  setzt
M.  Weibull 4 )  einem  bestimmten  Volumen  der  geronnenen  Milch  (v ra )  ein  abgemessenes
Volumen  Ammoniak  (v a )  (meistens  1 / 10  der  Milch)  von  bestimmtem  spezifischem  Gewicht ­
  (s a )  zu,  mischt  durch,  ermittelt  das  Volumen  der  Mischung  (V)  sowie  deren
spezifisches  Gewicht  (S)  und  berechnet  das  spezifische  Gewicht  der  geronnenen
Milch  (s m )  nach  der  Gleichung:
V.  S  —  Va  .  Sa

Das  Verfahren  wird  als  zuverlässig  bezeichnet.
L.  de  Koningh 5  * )  empfiehlt,  zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  von
geronnener  Milch  95  ccm  Milch  5  Minuten  lang  mit  5  ccm  Natronlauge  vom
■)  Milch-Ztg.  1892,  21,  659.
2 )  Ebenda  1895,  24,  107.
3 )  Die  frisch  ermolkene  Milch  erfährt  nämlich,  sei  es  infolge  Quellens  des  Kaseins,
sei  es  infolge  allmählichen  Erstarrens  des  Fettes  oder  Entweichens  von  Luftbläschen,  eine
geringe  Verdichtung.
4 )  Chem.-Ztg.  1893,  17,  1670;  Milch-Ztg.  1894,  23,  247.
s )  Analyst  1899,  24,  142;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
1899,  2,  862.
        <pb n="472" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.

449

spezifischen  Gewicht  1,030  schwach  zu  schütteln;  genügt  die  Natronlauge  nicht,  so
werden  weitere  5  ccm  hinzugesetzt.  Weicht  das  nunmehr  bestimmte  spezifische
Gewicht  der  Milch  (s)  erheblich  von  1,030  =  30  Laktodensimeter-Graden  ab,  so  wird
das  wirkliche  spezifische  Gewicht  der  Milch  (S  =  Laktodensimetergrade)  aus  dem
gefundenen  berechnet  nach  den  Formeln:
bei  Anwendung  von  5  ccm  Lauge  10  ccm  Lauge
a  —1,5  _  s  —  3,0
ö  0,95  D  0,90  ’
Über  die  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  des  Milchserums
vergl.  weiter  unten.
Zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  können  dienen;  a)  das
Pyknometer,  b)  die  Westphalsche  oder  eine  ähnliche,  auf  demselben  Grundsatz
beruhende  Wage,  e)  hinreichend  genaue  Laktodensimeter,  d.  h.  Aräometer,  die
das  spezifische  Gewicht  noch  auf  4  Dezimalen  genau
anzeigen  und  welche  ebenso  wie  die  Westphalsche
Wage  mittels  des  Pyknometers  auf  ihre  Richtigkeit
geprüft  sind.
a)  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes ­
  mit  dem  Pyknometer.  Für  die  Bestimmung ­
  des  spezifischen  Gewichtes  der  Milch  kann
ein  Pyknometer  von  nebenstehender  Form  (Fig.  244)
und  etwa  30—50  ccm  Inhalt  verwendet  werden.
Zuerst  bestimmt  man  den  genauen  Rauminhalt
desselben,  indem  man  zuvor  das  Gewicht  des  trocknen
Pyknometers  feststellt,  alsdann  vollständig  mit  destilliertem ­
  Wasser  von  15°  füllt,  den  Glasstopfen  fest  einpreßt,
  das  überschüssige  Wasser  durch  die  feine  Kapillarröhre ­
  des  eingeschliffenen  Glasstopfens  austreten  läßt
und,  nachdem  man  möglichst  schnell  das  Kölbchen
durch  Abputzen  mittels  Fließpapiers  von  anhaftender
Feuchtigkeit  gereinigt  hat,  wieder  wägt.
Nach  Füllung  des  Kölbchens  mit  der  gut  gemischten  Milch,  die  vorher  auf  15  0
gebracht  sein  muß,  erhält  man  durch  abermaliges  Wägen  das  Gewicht  der  gleichen
Fuummenge  Milch,  worauf  man  durch  einfache  Division  des  Gewichtes  der  Milch
durch  das  des  Wassers  das  spezifische  Gewicht  der  Milch  erfährt.
Statt  dieses  Pyknometers  (Fig.  244)  kann  man  sich  auch  der  für  die  Weinuutersuchung
  (vergl.  weiter  unten)  vorgeschriehenen  Pyknometer  bedienen;  indes
lst  hei  der  pyknometrischen  Bestimmung  zu  berücksichtigen,  daß  sich  die  Milch  beim
Abkühlen  auf  15°  leicht  entmischt  und  daß  sie  daher  vor  Einfüllen  in  das  Pyknometer
*°rgfältigst  gemischt  werden  muß.  Auch  findet  dasselbe  hier  vorwiegend  nur  deshalb
ufnahme,  weil  darnach  die  anderen  Verfahren  bezw.  Apparate  auf  ihre  Richtigkeit
geprüft  werden  sollen.
h)  Mit  der  Westphalsehen  Wage  (Fig.  245).  Dieselbe  besteht:
1.  Aus  dem  Stativ  mit  Leitungsrohr  L  und  mit  rundem  Fuß  F,  welchem  letzteren
um  horizontalen  Einstellen  der  Wage  eine  Schraube  eingesetzt  ist.  Das  Leitungs-0
  L  ist  hohl  und  kann  der  Wagebalken  durch  die  Schraube  P  hoch  und  niedrig  eingestellt ­
  werden.
Ve  u  ^  Aus  C *' em  au ^  c * er  Achse  H  ruhenden  Wagebalken  mit  den  auf  der  rechten  Seite
rsehenen  Zahlen  1—10  neben  den  Einschnitten,  in  welche  die  Reiter  gehängt  werden.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  29

Fig.  244.  Pyknometer.
        <pb n="473" />
        450

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Auf  der  anderen  Seite  befindet  sich  in  derselben  Horizontalen  eine  Spitze  bei  J,  die  als
Nullpunkt  für  die  Einstellung  des  Balkens  beim  AVagen  dient.
3.  Aus  dem  an  einem  Platindrabt  m  n  hängenden  Schwimmer  oder  Senkkörper,
welcher  ein  kleines  Thermometer  von  ungefähr  90  mm  Länge  und  9  mm  Durchmesser
bildet  und  eine  Marke  für  die  Normaltemperatur  15°  trägt.
4.  Aus  mehreren  verschieden  schweren  Gewichten  in  Form  von  Reitern,  von  denen
die  3  größten  A,  A[  und  A 2  gleich  sind  dem  Gewicht  des  vom  Senkkörper  verdrängten
destillierten  Wassers  bei  15°,  die  anderen  kleineren  um  das  10-fache  jedesmal  geringer
als  das  nächst  vorhergehende  größere,  also  B  =  0,1  von  A,  C  =  0,01  von  A  usw.  Das
Gewicht  A 2  ist  mit  einer  Öse  versehen  und  wird  nur  bei  Flüssigkeiten  mit  höherem
spezifischem  Gewicht  als  1,0  gebraucht;  wenn  man  es  in  den  Haken  hängt  (wie  bei  Fig.  245),
so  hat  man  das  spezifische  Gewicht  =  1,0.  Die  anderen  Gewichtsstücke  haben  eine  Schärfe,
um  mit  dieser  auf  den  tiefsten  Punkt  der  Kerben  gehängt  werden  zu  können;  ferner  an
den  Enden  Haken,  damit  sie  sich  bei  wiederkehrenden  Dezimalen  (z.  B.  0,8877)  aneinander
hängen  lassen.  Fig.  246  gibt  die  spezifischen  Gewichte  bei  verschiedener  Lage  der  Reiter
an.  Es  kann  noch  durch  einen  vierten  Reiter,  dessen  Gewicht  0,001  von  A  beträgt,  die
vierte  Dezimalstelle  ermittelt  werden.

5.  Aus  einem  Zylinder  von  80  ccm  Inhalt.
Zur  Benutzung  der  Wage  wird  der  Wagebalken  in  das  Stativ  gelegt,  die
Thermometerspindel  in  den  Haken  des  Balkens  hineingehängt  und  durch  die  Schraube  des
Fußes  die  Wage  genau  horizontal  eingestellt.
Man  senkt  darauf  die  Spindel  in  die  auf  16°  temperierte  Flüssigkeit  soweit  ein,
daß  bei  horizontaler  Lage  des  Wagebalkens  die  über  der  Spindel  befindliche  Öse  nebst  dem
unten  umgeschlungenen  Platindrabt  eben  noch  in  die  Flüssigkeit  eintaucht.  Der  Punkt,
bis  zu  welchem  der  Platindraht  eintanchen  soll,  ist  nötigenfalls  durch  vorheriges  Binstellen
in  destilliertes  Wasser  von  15°  so  zu  ermitteln,  daß  durch  Einhängen  des  Gewichtes  A 2
(Fig.  245)  genau  Gleichgewicht  hergestellt  wird.  Die  Einstellung  wird  durch  die
Schraube  P  bewirkt.
Hängt  die  Spindel  so  bis  zur  richtigen  Tiefe  in  einer  Flüssigkeit,  welche  leichter
als  Wasser  ist,  so  setzt  man  in  die  Einschnitte  des  Wagebalkens  auf  der  rechten  Seite  so
viel  von  den  Gewichten  A,  B  usw.  auf.  bis  der  Wagebalken  wieder  in  die  horizontale
Lage  gebracht  ist,  d.  h.  auf  den  Nullpunkt  J  einspielt;  der  größte  Reiter  bedeutet  hierbei
die  erste  Dezimalstelle,  der  zweitgrößte  die  zweite  Stelle,  der  kleinste  die  vierte
Dezimalstelle.
Bei  Flüssigkeiten,  die  schwerer  sind  als  Wasser,  wird  der  mit  einer  Öse  versehene
große  Beiter  A 2  in  den  vorderen  Haken  des  Wagebalkens  eingehängt.
        <pb n="474" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

451

29*

Um  die  Richtigkeit  der  Gewichtsstücke  A 2 ,  Aj  und  A  zu  prüfen,  stellt  man  (wie  in
Fig.  246)  durch  Einhängen  yon  A 2  für  destilliertes  Wasser  von  15°  Gleichgewicht  her
und  versucht  in  derselben  Weise,  ob  das  Gleichgewicht  durch  Vertauschen  von  A 2  mit  A :
und  A  bestehen  bleibt.
Um  die  Richtigkeit  der  Teilung  zu  prüfen,  hängt  man  weiter  A!  auf  9,  A  auf  1
oder  A  auf  7,  A,  auf  3  oder  beide  auf  5  usw.;  in  allen  Fällen  durch  Kombination  beider
Reiter  zu  10  muß  bei  richtiger  Einteilung  das  Gleichgewicht  bestehen  bleiben.
In  ähnlicher  Weise  prüft  man  die  Richtigkeit  der  Gewichtsstücke ­
  B  und  C,  nämlich  ob  B  =  1  / 10  A  und  C  =  '/, 0  B
ist.  Man  hängt  A  auf  9  und  B  auf  10,  wodurch  Gleichgewicht ­
  hergestellt  werden  muß,  wenn  vorher  durch  A  auf  10
Gleichgewicht  war;  dasselbe  muß  bei  Richtigkeit  der  Gewichtsstücke ­
  (der  Reiter)  der  Fall  sein,  wenn  man  A  und  B  auf  9
und  C  auf  10  hängt  usw.
c)  Mit  der  Milch.wage  oder  dem  Laktodensimeter. ­
 1 )
Die  Quevennesche  (Big.  247),  von  Ohr.  Müller  verbesserte ­
  Milchwage  oder  das  Laktodensimeter  ist  nichts  anderes
als  ein  Aräometer,  an  dessen  Spindel  sich  nur  die  2.  und
•L  Dezimalstelle  hinter  den  hinzu  zu  denkenden  Zahlen  1,0  befinden, ­
  so  daß  die  Zahl  29  ein  spezifisches  Gewicht  von  1,029,
die  Zahl  30  ein  solches  von  1.030  bedeutet  usw.  Diese  Zahlen
heißen  auch  Laktodensimetergrade  oder  einfach  Grade.
Tabelle  XI  No.  1  und  2  am  Schluß  gibt  die  von
Fhr.  Müller  berechneten  Korrektionszahlen  an,  welche  sich  ergeben, ­
  wenn  die  bei  anderen  als  15°  abgelesenen  Grade  auf
solche  von  15°  umgerechnet  werden  müssen,  und  zwar  für  Vollmilch ­
  und  für  abgerahmte  Milch.
H.  D.  Richmond 2 )  hat  eine  Milohwage  hersteilen  lassen,
welche  die  Verwendung  derartiger  Korrektionstabellen  überflüssig
macht,  bei  der  man  vielmehr  aus  einem  an  ihr  befindlichen
Ihenuometer  die  erforderliche  Korrektur  abliest.
.  Auf  der  Spindel  der  Laktodensimeter  finden  sich  (wie  auch
in  der  Fig.  247)  häufig  Angaben  über  die  Beurteilung  der  Milch
l°b  rein,  gewässert  oder  entrahmt).  Diese  Angaben  sind  für  die
sachverständige  Beurteilung  nicht  maßgebend,  da  das  spezifische
ewicht  der  Milch  allein  hierfür  nicht  geeignet  ist  und  unter
mständen  direkt  zu  Täuschungen  führen  kann,
H.  Do  da 3 )  hat  durch  Joh.  G  reiner  in  München
f  r&amp;amp;ometer  für  geringe  Milchmengen  herstellen  lassen,
61  denen  die  Milch  in  Eeagensgläser  von  22  cm  Länge
ünd  2,3  cm  Weite  gefüllt  wird,  die  durch  ein  System  von
ardanischen  Ringen  in  genau  lotrechter  Stellung  gehalten
01  den.  Diese  Aräometer  eignen  sich  namentlich  zur  Bestimmung  des  spezifischen
ewic htes  von  Milchserum.

normal.

Fig.  247.
Que  vennesehe  Milchwage.


2.  Bestimmung  des  Fettes.
Für  die  Bestimmung  des  wichtigsten  Bestandteiles  der  Milch,  des  Fettes,  sind
(Hne  ganze  Anzahl  von  Verfahren  in  Vorschlag  gebracht,  von  denen  die  einen  aut
v  T )  Genaue  Laktodensimeter  mit  den  vierten  Dezimalen  werden  nach  den  Angaben
* r -  Soxhlets  von  der  Firma  Joh.  Greiner  in  München,  Neuhauserstr.  49,  angetertigt.
2 )  Analyst  1898,23,2;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-u.  Genußmittel  1898,1,
3 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  22.
        <pb n="475" />
        452

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

einer  Absonderung  und  Wägung  (gewichtsanalytische  Verfahren),  die  anderen  auf
Volumenmessung  (Zentrifugal-Verfahren,  Marchand-Tollens-Verfahren)  des  Fettes
oder  auf  der  Ermittelung  des  spezifischen  Gewichtes  (Soxhlets  aräometrisches  Verfahren) ­
  oder  der  Refraktion  (Wollnys  Verfahren)  der  ätherischen  Fettlösung,
wiederum  andere  auf  der  Durchsichtigkeit  der  in  bestimmter  Weise  verdünnten
Mich  (optische  Prüfungsverfahren)  beruhen.  Von  diesen  Verfahren  sind  die  letzteren
ausnahmslos  zu  verwerfen.  In  allen  Fällen  anwendbar  und  sicher  sind  die
gewichtsanalytischen  Verfahren,  von  denen  neuerdings  das  von  Eöse-Gottlieb  am
meisten  empfohlen  wird.
a)  Gewichtsanalytische  Verfahren.
a)  Das  Sand-  (Gips-),  Bimstein-  usw.  Verfahren.
20—25  g  Milch  werden  im  Hoffmeisterschen  Glasschälchen  mit  etwa
10  g  ausgeglühtem  Sand  (und  1  g  gebranntem  Gips) 1 )  oder  mit  entsprechenden ­
  Mengen  ausgeglühten  Bimsteinpulvers,  Asbestes  oder
Glaspulvers  unter  öfterem  Umrühren  mit  einem  dünnen,  beiderseits
zugeschmolzenen  Glasröhrchen  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne  eingedampft, ­
  Schale  nebst  Inhalt  in  einem  bedeckten  Mörser  sorgfältig  zerrieben ­
  und  dasPul  verineinePapier  hülse  gehr  acht,  welche  imSoxhletschen,
kontinuierlich  wirkenden  Extraktionsapparat  mit  Äther  gegen  5  Stunden
ausgezogen  wird.  Das  vorher  gewogene  Kölbchen,  welches  das  gesamte
Fett  der  angewendeten  Milch  enthält,  wird  nach  Verdunstung  des
Äthers  1  Stunde  lang  im  Dampftrockenschrank  getrocknet  und  darauf
gewogen.  Die  Gewichtszunahme  gibt  die  Fettmenge  an.
Statt  die  Milch  im  Hoffmeisterschen  Glasschälchen  einzudampfen  und  diese
mit  zu  zerreiben,  kann  man  dieselbe  auch  in  Nickel-,  Zinn-  oder  gut  glasierten
Porzellanschalen  eintrocknen;  man  muß  dann  aber  mehr  und  so  viel  von  den  genannten ­
  Trockenmitteln  nehmen,  daß  sie  die  zugewogene  Milch  vollständig  einschließen, ­
  ferner  fleißigst  rühren,  damit  sich  keine  Milchbestandteile  fest  an  die
Schalenwandung  ansetzen;  im  übrigen  wird  wie  vorhin  verfahren  und  Schale  wie
Mörser  mit  dem  Äther,  der  zur  Ausziehung  dient,  ausgewaschen,  indem  der  Äther
in  die  offene,  im  Soxhletschen  Extraktionsrühr  befindliche  Papierhülse  gegossen  wird.
ß)  Das  Adamssche  Verfahren  mit  Papier  als  Aufsaugemittel. 2 )
5—10  g  Milch  werden  aus  einer  kleinen  gewogenen  und  später  zurückzuwiegenden ­
  Spritzflasche  mit  Milch  auf  einen  horizontal  ausgespannten,  660—570  mm
langen,  65  mm  breiten,  vorher  mit  Äther  von  ätherlöslichen  Stoffen  befreiten 3 )
und  getrockneten  Papierstreifen 4 )  sorgfältig  aufgespritzt.  Nachdem  letzterer  luftx
 )  Die  Eintrocknung  mit  gebranntem  Gips  allein  empfiehlt  sich  nicht,  weil  derselbe
für  sich  etwas  an  Äther  abgibt;  denn  die  Ausziehung  der  mit  gebranntem  Gips  eingetrockneten ­
  Milch  gibt  nach  Fleischmann  und  Sohmöger  stets  etwas  mehr  Fett,  als
die  Ausziehung  der  mit  Sand  eingetrookneten  Milch.
2 )  Analyst  1885,  10,  46;  vergl.  die  Besprechung  der  Fehlerquellen  dieses  Verfahrens
von  M.  Siegfeld  (Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  259).
Siegfeld  macht  in  dieser  Arbeit  darauf  aufmerksam,  daß  auch  neue  Korkstopfen  nicht
unbeträchtliche  Mengen  ätherlöslicher  Stoffe  enthalten.
3 )  Die  Firma  Schleicher  und  Schüll  in  Düren  liefert  für  den  Zweck  besonders
entfettete  Papierstreifen,  in  denen  aber  M.  Siegfeld  neuerdings  (Zeitschr.  f.  Untersuchung
d.  Nahrunge-  u.  Genußmittel  1903,  6,  259)  noch  4,5—20  mg  ätherlösliche  Stoffe  fand.  Es
empfiehlt  sich  daher,  auch  diese  Streifen  vor  dem  Gebrauch  nochmals  zu  entfetten.
4 )  Nach  dem  ersten  Vorschläge  wurde  der  entfettete  und  getrocknete  Papierstreifen ­
  vorher  zu  einer  Eolle  von  35  mm  Durchmesser  aufgerollt,  mit  Platindraht  zu-
        <pb n="476" />
        453

Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

trocken  geworden  ist,  rollt  man  ihn  leicht  zusammen,  umwickelt  ihn  mit  einem
feinen  Platindraht,  trocknet  ihn  auf  einem  Uhrglase  hei  100 0  und  erschöpft  ihn  im
Soxhletschen  Apparat,  wie  üblich,  mit  Äther.
Bei  sog.  homogenisierter  Milch  liefert  das  Adams  sehe  Verfahren  nach  Buttenberg
zu  niedrige  Ergebnisse. 1 )
y)  Das  Verfahren  von  Th.  Dietrich 2 )  mit  Watte  als  Aufsaugemittel.
Eiltrierpapier  wird  in  etwa  27  cm  lange  und  8  cm  breite  Streifen  geschnitten,
über  einen  soliden  Holzzylinder  von  28  mm  Durchmesser  fest  gewickelt  und  solcherweise
eine  5—6  cm  hohe,  unten  geschlossene  Papierhülse  hergestellt.  In  gleicher  Weise  wird
eine  Hülse  von  schneeweißer  Verbandwatte 3 )  angefertigt  und  in  die  Papierhülse
hineingepaßt,  was  dadurch  erreicht  wird,  daß  man  entsprechend  lange  und  breite  Streifen
Watte  sehr  fest  um  einen  Zylinder  von  20  mm  Durchmesser  aufwickelt,  unten  zu  einem
Zipfel  zusammendreht  und  in  die  Papierhülse  hineinschiebt.  Durch  mehrmaliges  Aufstoßen
des  Holzzylinders  wird  die  am  Boden  befindliche  Watte  zusammengepreßt,  alsdann  wird
der  Zylinder  herausgezogen  und  der  innere  Hohlraum  lose  mit  Watte  angefällt.  Von  der
gut  durchgemischten  Milch  werden  in  einem  mit  Gummistopfon  verschlossenen  Wägeröhrchen ­
  15—20  g  abgewogen,  hieraus  in  die  Wattehülse  gegossen,  das  entleerte  Eöhrchen
zurückgewogen  und  die  mit  Milch  beschickte  Hülse  in  einem  kleinen  Glasschälchen  mit
flachem  Boden  bei  60—80°  getrocknet.  Die  Watte  saugt  diese  Milchmenge  vollständig
auf/)  bietet  eine  große  Verdunstungsfläohe  und  gestattet  somit  eine  rasche  Verdunstung
des  Wassers  und  eine  rasche  und  vollkommene  Ausziehung  des  Fettes.
Die  Watte  enthält  etwa  0,017  °/ 0 ,  das  Papier  0,4  °/ 0  in  Äther  lösliche  Bestandteile;
da  das  verwendete  Papier  nur  etwa  1,5  g,  die  Watte  2,0—2,2  g  wiegt,  so  beträgt  deren
F  ettgehalt  zusammen  etwa  0,0094  g;  der  Fehler  würde  daher  bei  Anwendung  von  18  g
Milch  etwa  0,05  °/ 0  Fett  betragen,  eine  Größe,  die  hei  Magermilch-Untersuchungen  schon
als  beträchtlich  zu  bezeichnen  ist.  Es  empfiehlt  sich  daher,  auch  bei  diesem  Verfahren
nur  Aufsaugungsmittel  anzuwenden,  die  von  ätherlöslichen  Stoffen  vollkommen  befreit  sind.
H.  Timpe“)  saugt  die  Milch  durch  einen  mit  Asbest  gefüllten  Gooch-Tiegel  auf  und
verbindet  mit  der  Bestimmung  des  Fettes  gleichzeitig  die  der  Trockensubstanz  und  der  Asche.
4)  Das  Verfahren  von  Eöse-Gottlieb  (Ausschiittelungsverfahren).
Das  Verfahren  von  B,  Eöse 6 )  wird  in  der  Verbesserung  von  E.  Gottlieb 7 )
neuerdings  von  M.  Weibull 8 ).  M.  Kühn 9 ),  M.  Siegfeld 10 ),  K.  Farnsteiner 11 ),
■ T -  Zink 12 )  und  M.  P  opp 13 )  sehr  empfohlen  und  den  übrigen  gewichtsanalytischen
v  erfahren  als  mindestens  gleichwertig,  teilweise  sogar  als  diesen  überlegen  bezeichnet.
Die  Ausführung  geschieht  nach  dem  Vorschläge  von  K.  Farnsteiner 11 )  in
Egender  Weise:

sammengehalten,  dann  mit  Milch  getränkt,  indem  man  5—10  ccm  Milch  in  ein  Becbergläschen
  gab  wo»  den  Papierstreifen  hineiutauchte  und  das  Bechergläschen,  nachdem  der
Fapierstreifen  mit  Milch  durchtränkt  und  aus  dem  Gläschen,  entfernt  war,  zurückwog.
')  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  964.
2 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1889,  413.  _
3 )  Zu  beziehen  von  M.  Küstermanns  Nachfolger  in  Freiburg  a  d.  U.
4 )  Sollte  etwas  Milch  durchsickern,  was  aber  nur  bei  nicht  sorgfältiger  Herstellung
(er  Hülse  geschieht,  so  muß  sie  wieder  in  die  Hülse  gebracht  werden.
5 )  Zeitschr.  f.  offen«.  Chem.  1899,  5,  413;  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.
Genußmittel  1900,  3,  340.
°)  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1889,  100.
7 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  40,  1.
s )  Milch-Ztg.  1898,  27,  406.
9 )  Ebenda  1898,  27,  772.
10 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahruugs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  2o9.
11 )  Ebenda  1904,  7,  105.
12 )  Ebenda  1904,  7,  106.
13 )  Ebenda  1904,  7,  6.
        <pb n="477" />
        454

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

80

10  ccm  Milch  werden  gewogen  (1),  in  die  nachstehend  (Fig.  248)  ahgehildete
Meßröhre  (2)  gebracht  und  darauf  der  Reihe  nach  mit  2  ccm  10  °/ 0 -igem  Ammoniak  (3),
10  ccm  absolutem  Alkohol,  26  ccm  Äther  und  25  com  niedrigsiedendem  Petroläther ­
  (4)  versetzt.  Nach  jedem  dieser  Zusätze  wird  die  Mischung  kräftig  geschüttelt. ­
  Der  Zusatz  des  Petroläthers  erfolgt  am  besten  erst  nach  einigen  Minuten,
wenn  sich  die  ätherische  und  wässerige  Schicht  vollständig  getrennt  haben.  Nachdem ­
  die  Röhre  nunmehr  mindestens  2  Stunden  (5)  ruhig  gestanden  hat,  wird  das
Volumen  der  Ätherschicht,  deren  Grenzflächen  bei  genauer  Einhaltung  der  angegebenen ­
  Mengenverhältnisse  stets  in  die  graduierten  Teile  der  Röhre  fallen,  abgelesen. ­
  26  oder  40  ccm  (6)  der  ätherischen  Lösung  werden  darauf  mit  einer
Pipette  entnommen  (7),  in  ein  gewogenes  Kölbchen  gebracht,  der
,  Äther  verdunstet,  das  zurückbleibende  Fett  1  Stunde  bei  100°
|&amp;gt;g  getrocknet  und  nach  dem  vollständigen  Erstarren  gewogen.  Aus
der  Menge  des  gefundenen  Fettes,  der  angewendeten  Ätherlösung
und  dem  Gesamt-Volumen  der  Ätherlösung  berechnet  man  die  in
der  angewendeten  Milchmenge  vorhandene  Fettmenge,  die  man  auf
Gewichts-Prozente  umrechnet  (8).
Anmerkungen  zu  vorstehendem  Verfahren:  1.  Da  nach
K.  Farnsteiner  eine  für  10  ccm  Wasser  geeichte  Pipette  nicht
genau  10  ccm  Milch  ausfließen  läßt  —  die  bei  zahlreichen  Versuchen
ausfließende  Milohmenge  betrug  0,02—0,14  g  weniger,  als  sich  durch
Multiplikation  mit  dem  spezifischen  Gewichte  ergab  —  so  ist  das  Abmessen ­
  weniger  genau.  Doch  dürfte  es  bei  Milch,  welche  noch  nicht
sauer  ist,  meist  genügen,  10  ccm  abzumessen  und  für  die  Berechnung
auf  Gewichts-Prozente  ein  mittleres  spezifisches  Gewicht  von  1,03  anzunehmen. ­
  K.  Farnsteiner  bedient  sich  zum  Abwägen  der  Milch
besonders  zu  diesem  Zwecke  angefertigter  Eeagensgläser  mit  Fuß,
welche  in  6  und  10  com  geteilt  sind  und  mit  einer  aufgeschliffenen
Glasplatte  bedeckt  werden  können.  Bei  Rahm  ist  das  Abwägen
unerläßlich;  man  wägt  von  diesem  nur  5  com  ab,  ersetzt  das  fehlende
Volumen  durch  6  ccm  Wasser.  Die  Wägegläschen  spült  man  mit  den
erforderlichen  Reagenzien  der  Reihe  nach  aus.
2.  Statt  dieser  von  K.  Farnsteiner  empfohlenen  Meßröhre
(welche  nebst  Pipetten  von  Dr.  Sauer  und  Dr.  Göckel  in  Berlin
bezogen  werden  kann)  kann  man  sich  auch  eines  in  1 / 10  ccm  geteilten
Meßzylinders  mit  Stopfen  bedienen.
3.  10%-iges  Ammoniak  hat  ein  spezifisches  Gewicht  von  0,96.  Während  K.  Farnsteiner ­
  bei  saurer  Milch  die  Anwendung  von  stärkerem  Ammoniak  empfiehlt,  kann  man
nach  M.  Popp  aber  jedes  beliebige  5—25°/ 0 -ige  Ammoniak  (spezifisches  Gewicht  0,98—0,91)
verwenden  und  genügt  1  com  auch  deso°/ 0 -igen  Ammoniaks  beiButtermilch  mit  70,4  Säuregraden.
4.  Während  Gottlieb  einen  bis  zu  80°  siedenden  Petroläther  vorschrieb,  empfiehlt
M.  Popp  solchen,  der  bei  60°  und  M.  Siegfeld  solchen,  der  bei  50°  vollkommen  flüchtig  ist.
5.  Nach  Gottlieb  sollte  die  Mischung  mindestens  6  Stunden  stehen;  nach  M.  Popp
genügt  schon  Vs-stündiges  Stehen  der  Mischung.  Die  Ätherlösung  ist  zwar  dann  nicht
ganz  klar,  dies  kommt  aber  auch  bei  6-stündigem  Stehen  vor;  nach  24-stündigem  Stehen
ist  sie  vollkommen  klar;  er  empfiehlt  1-stündiges  Stehenlassen.  Nach  K.  Farnsteiner
kann  die  Mischung  auch  über  Nacht  stehen.  Nach  Kühn  enthält  das  gefundene  Fett  etwa
0,01  %  „Niohtfett“.
6.  A.  Hesse 1 )  empfiehlt  die  ganze  Ätherlösung  abzuhebern,  die  gleiche  Menge  Äther
nachzugeben  und  abermals  abzuhebern.  Er  fand  so  bei  fettreicher  Milch  und  bei  Rahm
auf  diese  Weise  etwas  höhere  Werte.

Fig.  248.
Apparat  zur  Fettbestimmung ­
  nach
Eöse-Gottlieb.

')  Molkerei-Ztg.  Hildesheim  1902,  16,  49;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1902,  5,  863.
        <pb n="478" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

455

7.  Gottlieb  hat  das  Überdrücken  der  Fettlösung  mit  einer  Eöhrenanordnung  wie
bei  Spritzflaschen  unter  Anwendung  eines  kleinen  Gummiballons  empfohlen;  ebenso  empfiehlt
M.  Popp  abhebern  der  Ätherlösung.  Gottlieb  und  Popp  empfehlen  1,6  ccm  Fettlösung
in  dem  Zylinder  zurückzulassen,  alsdann  entspreche  der  gefundene  Fettgehalt  direkt
10  g  Milch.
8.  Beispiel:  Angenommen,  es  seien  10,3  g  Milch  angewendet,  das  Volumen  der
ätherischen  Fettlösung  habe  52,5  ccm  betragen,  von  diesem  seien  40  ccm  abpipettiert  und
in  diesen  seien  0,2540  g  Fett  gefunden.  Dann  enthielt  die  Milch
0,2540  x  52,5  X  100
40x10,3  ’  /„  fett.
«)  Sonstige  Verfahren.
W.  Schmid 1 )  gibt  zur  schnellen  Bestimmung  des  Fettes  in  der  Milch  in  ein
in  '/ 10  ccm  eingeteiltes  Eeagensglas  von  etwa  50  ccm  Inhalt  —  St.  Boudzynski 2 )  hat
für  den  Zweck  ein  kalibriertes  Eöhrohen  mit  2  kugeligen  Erweiterungen  empfohlen  —
10  com  Milch  oder  5  ccm  Eahm,  setzt  10  ccm  Salzsäure  zu,  kocht  unter  Umschwenken,
bis  die  Eiweißstoffe  sich  wieder  gelöst  haben  und  die  Flüssigkeit  dunkelbraun  geworden
ist,  kühlt  auf  etwa  40°  ab  und  fügt  30  com  Äther  zu.  Es  wird  tüchtig  durchgeschüttelt,
15—20  Minuten  bei  Zimmertemperatur  oder  besser  im  Wasserbado  bei  40°  stehen  gelassen,
das  Volumen  der  Ätherlösung  genau  gemessen  und  hiervon  werden  nach  vollständigem  klarem
Absetzen  10  bezw.  20  ccm,  die  keine  Wassertröpfchen  zeigen  dürfen,  abpipettiert.  Man
gibt  letztere  in  einen  gewogenen  Porzellantiegel,  läßt  im  Wasserbade  verdunsten,  trocknet
kurze  Zeit  im  Luftbade  bei  100°  und  wägt.

Anmerkung:  Kommt  die  Milch,  wie  nicht  selten  im  Sommer,  in  geronnenem,
saurem  Zustande  ins  Laboratorium,  so  hält  es  schwer,  durch  Schütteln  allein  ein  vollständig
homogenes  Gemisch  wieder  herzustellen.  Man  setzt  alsdann  am  zweckmäßigsten  einige
Iropfen  Ammoniak  oder  auch,  aber  weniger  empfehlenswert,  4O 0 / o -ige  Kalilauge  bis
z u  eben  eintretender  alkalischer  Eeaktion  hinzu  und  schüttelt  anhaltend  durch.  Genügen
einige  Tropfen  nicht,  so  mißt  man  eine  bestimmte  Menge  von  letzterer  ab  und  korrigiert
hiernach  die  gefundene  Fettmenge.  —  Vergl.  oben  S.  448  über  die  Bestimmung  des  spez.
Gewichtes  in  geronnener  Milch.

Zum  Eintrocknen  empfiehlt  sich  nach  M.  Kühn 3 )  in  letzterem  Falle  ein  Gemisch
v on  Sand,  Gips  und  1—3  g  saurem  schwefelsaurem  Kalium,  welches  letztere  eine  Verseifung
des  Fettes  durch  freies  Alkali  verhindert.  Man  kann  letzteres  zu  dem  Zweck  vor  dem
Eintrocknen  auch  durch  Essigsäure  neutralisieren.
Es  empfiehlt  sich,  für  Fett-  sowohl  wie  für  Trockensubstanz  in  geronnener ­
  Milch  Doppel-Bestimmungen  auszuführen.
Mitunter  gehen  bei  geronnener  saurer  Milch  nicht  unerhebliche  Mengen  „Milchsäure“ ­
  mit  in  die  ätherische  Lösung  über;  G.  Sohmöger  empfiehlt  alsdann,  den  Ätherauszug ­
  mit  heißem  Wasser  durchzuschütteln,  nach  dem  Erkalten  durch  ein  feuchtes  Filter
zu  filtrieren  und  das  Fett  durch  Alkohol  und  Äther  in  das  Kölbchen  zurückzubringen.
Manetti  und  Musso 4 )  fanden,  daß  der  Ätherauszug  der  Milch  (besonders  dei  sauren
Milch)  mitunter  dunkelrote  Tröpfchen  einschließt,  die  in  Äther  und  Wasser  löslich,  dagegen
*u  Schwefelkohlenstoff  unlöslich  sind;  H.  Eitthausen,  welcher  diese  dunkolroten  Tröpfchen
obenfalls  beobachtete,  ist  der  Ansicht,  daß  sie  in  ihren  Eigenschaften  mehr  dem  Dextrin
als  dem  Milchzucker  ähnlich  sind.

b)  Das  aräometrische  Fettbestimmungsverfahren  von  Fr.  Soxhlet.
_ r  ivT-iinVt  mit  Kalilauge  und  einer  bestimmten
Schüttelt  man  eine  bestimmte  Menge  Mil  e ’  f  „  bildet  sich  eine
Menge  Äther,  so  nimmt  der  Äther  alles  Fett  aus  der  Milch  auf,  es  bildet  sich
4 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1888,  27,  464.
2 )  Landw.  Jahrb.  d.  Schweiz  1889;  Chem.-Ztg.  1890,  14,  Eep.  20.
3 )  Milch-Ztg.  1889,  18,  561.
i )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1877,  16,  397.
        <pb n="479" />
        456

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Ätherfettlösung,  deren  spezifisches  Gewicht  im  Verhältnis  zu  der  aufgenoramenen
Menge  Fett  steht. 1 )  Hat  man  dieses  Verhältnis  empirisch  festgestellt,  so  läßt  sich
im  gegebenen  Falle  aus  dem  spezifischen  Gewicht  der  Ätherfettlösung  auf  deren
Gehalt  an  Fett  schließen.
Zur  Ausführung  des  Verfahrens  sind  erforderlich;
1.  Der  Apparat  für  die  Ausführung  der  Dichtebestimmung  mit  den  heigegebenen
drei  Pipetten  zum  Abmessen  yon  Milch,  Kalilauge  und  Äther  sowie  mehrere  Sohüttelfiaschen.
2.  Kalilauge  vom  spezifischen  Gewicht  1,26—1,27.
3.  Wasserhaltiger  (wassergesättigter)  Äther.
4.  Gewöhnlicher  Äther.
5.  Bin  Gefäß  von  mindestens  4  1  Inhalt  mit  Wasser,  welches  man  auf  die  Temperatur
von  17—18°  zu  bringen  hat.  Für  die  gleichzeitige  Ausführung  mehrerer  Versuche  muß
das  Gefäß  entsprechend  größer  sein.  Bei  warmer  Zimmertemperatur  nimmt  man  17°,  bei
kühler  18°  als  Anfangstemperatur.

Ausführung  des  Verfahrens: ­
  Von  der  gründlich
gemischten  Milch,  welche  mau
auf  17,5°  (17—18°)  ahgektihlt
bezw.  erwärmt  hat,  mißt  man
200  ccm  ab,  indem  man  die
große  Pipette  bis  zur  Marke
vollsaugt;  man  läßt  den  Inhalt
derselben  in  eine  der  Schüttelflasohen
  von  300  com  Inhalt
auslaufen  und  entleert  sie
schließlich  durch  Binblasen.

Auf  gleiche  Weise  mißt
mau  10  ccm  Kalilauge  mit  der
kleinen  Pipette  ab,  fügt  diese
der  Milch  zu,  schüttelt  gut
durch  und  setzt  nun  60  ccm
wasserhaltigen  Äther  zu,  wellig. ­

  249.  Handsohleuder  nach  Fr.  Soxhlet.

eben  man  in  der  hierfür  bestimmten  Pipette  abgemessen  hat.  Der  Äther  soll  beim  Einmessen ­
  eine  Temperatur  von  16,5—18,5°  haben  (17,5°  normal).  Nachdem  die  Flasche  gut
mittels  eines  Korkes  oder  Gummistöpsels  verschlossen  wurde,  schüttelt  man  dieselbe
1 / a  Minute  heftig  durch,  setzt  sie  in  das  Gefäß  mit  Wasser  von  17—18°  und  schüttelt
1 / i  Stunde  lang  von  x / 2  zu  1 / 2  Minute  die  Flasche  ganz  leicht  durch,  indem  man  jedesmal
3—4  Stöße  in  senkrechter  Richtung  macht.  Nach  weiterem  1 / 4 -stündigem  ruhigem  Stehen
hat  sich  im  oberen  verjüngten  Teile  der  Flasche  eine  klare  Schicht  angesammelt.  Die
Ansammlung  und  Klärung  dieser  Schicht  wird  beschleunigt,  wenn  man  in  der  letzten  Zeit
dem  Inhalt  der  Flasche  eine  schwach  drehende  Bewegung  verleiht.  Zur  schnelleren  Abscheidung ­
  der  Ätherfettlösung  hat  Soxhlet  die  vorstehende  Handschleuder  (Big.  249)
eingerichtet,  welche  von  Joh.  Greiner  in  München  geliefert  wird.
Eng  ström  empfiehlt  zur  schnelleren  Abscheidung  der  Ätherfettlösung  einen  Zusatz
von  20—30  Tropfen  Essigsäure,  tüchtiges  Durchsohütteln  erst  der  geronnenen,  dann  der
mit  60  ccm  Äther  versetzten  Milch,  darauf  erst  Zusatz  von  13—15  ccm  Kalilauge.  G.
Schmöger  setzt  10  g  Kaliumsulfatlösung  zu  und  berechnet  den  Fettgehalt  nach  einem
eigenen  Verfahren.  Es  ist  gleichgültig,  ob  sich  die  ganze  Pettlösung  an  der  Oberfläche
angesammelt  hat  oder  nur  ein  Teil,  wenn  dieser  nur  genügend  groß  ist,  um  die  Senkspindel ­
  zum  Schwimmen  zu  bringen.  Die  Lösung  muß  vollkommen  klar  sein.  Bei  sehr
fettreicher  Milch  (4'/ 2 —5  °/ 0 )  dauert  die  Abscheidung  länger  als  die  angegebene  Zeit,

x )  Natürlich  unter  der  Voraussetzung,  daß  das  Milchfett  stets  annähernd  dasselbe
spezifische  Gewicht  besitzt,  was  angenommen  werden  kann.
        <pb n="480" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

457

manchmal,  aber  ausnahmsweise,  1—2  Stunden.  In  solchen  Fällen,  wie  überhaupt,  wenn
man  ein  genügend  großes  Wassergefäß  hat,  ist  es  zweckmäßig,  die  wohlverschlossenen
Flaschen  horizontal  zu  legen.
Der  nachstehende  Apparat  zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts  der  Ätherfettlösung ­
  (Big.  2601  ist  wie  folgt  angeordnet:
Das  Stativ  trägt  mittels  verstellbarer  Muffe  einen  Halter  für  das  Kühlrohr  A,  an
dessen  Ablaufröhren  sich  kurze  Kautschukschläuohe  befinden.  Der  Träger  des  Kühlrohres
ist  um  die  wagerechte  Achse  drehbar,  so  daß  das  genannte  Bohr  in  horizontale  Lage  gebracht ­
  werden  kann.  Zentrisch  in  dem  Kühlrohr  befestigt  ist  ein  Glasrohr  B,  welches  um
2  mm  weiter  ist,  als  der  Schwimmkörper  des
Aräometers,  zu  dessen  Aufnahme  es  bestimmt
ist.  Um  ein  Verschließen  des  unteren  Teiles
durch  das  Aräometer  oder  ein  Pestklemmen
desselben  zu  verhindern,  sind  an  dem  unteren
Ende  drei  nach  innen  gerichtete  Spitzen  angebracht. ­
  Das  obere  offene  Ende  ist  mittels
eines  Korkes  zu  verschließen.
Das  Aräometer  C  trägt  auf  der  Skala
der  Bohre  die  Grade  66—43.  welche  den
spezifischen  Gewichten  0,766—0,743  bei  17,6°
entsprechen.
Im  Schwimmkörper  des  Aräometers
befindet  sich  ein  in  1 / B  Grade  nach  Celsius  geteiltes ­
  Thermometer,  welches  noch  1 /, 0 °  abzulesen ­
  gestattet.  An  die  verengte  Verlängerung ­
  des  B-ohres  B,  welches  aus  dem
unteren  Ende  des  Kühlrohres  A  hervorragt,
ls t  unten  mittels  eines  kurzen  Kautschukschlauches ­
  ein  knieförmig  gebogenes  Glasrohr ­
  D  befestigt,  welches  durch  die  eine
Bohrung  eines  konischen  Korkstöpsels  B  geht;
durch  die  andere  Bohrung  des  letzteren  geht
gleichfalls  ein  Knierohr  F  mit  kürzerem,
senkrechtem  Schenkel.  Der  Kautschukschlauch
kann  durch  einen  Quetschhahn  zugeklemmt
Werden.  Das  Stativ  trägt  gleichzeitig  die
drei  Meßröhren  für  Milch,  Lauge  und  Äther.
Behufs  Gebrauches  taucht  man  den
Eautschukschlauch  b  des  unteren  seitlichen
AWaufrohres  am  Kühler  in  das  Gefäß  mit
Wasser  von  17,5°,  saugt  am  oberen  Schlauch  b,
's  der  Zwischenraum  des  Kühlers  sich  mit
asser  gefüllt  hat,  und  verschließt,  indem  man
’cnle  Schlauchenden  durch  ein  Glasröhrchen  vereinigt.  Man  entfernt  nun  den  Stöpsel  der
öchüttelflasohe,  steckt  an  dessen  Stelle  den  Kork  E  in  die  Mündung  und  schiebt  das  lang-8c
 henklig e  Knierohr  soweit  herunter,  daß  das  Ende  bis  nahe  an  die  untere  Grenze  der
Vtherfettschicht  eintaucht,  wie  es  durch  die  Zeichnung  veranschaulicht  ist.  Nachdem  man
'-fen  kleinen  Gummiblasebalg  an  das  kurze  Knierohr  P  gesteckt  und  den  Kork  in  der
ttohre  B  gelüftet  hat,  öffnet  man  den  Quetschhahn  und  drückt  möglichst  sanft  die
Kautachukbeutel  G;  die  klare  Ätherfettlösung  steigt  in  das  Aräometerrohr  und  hebt  das
.  ra °nieter;  wenn  letzteres  schwimmt,  schließt  man  den  Quetschhahn  und  befestigt  den  Kork
Aräometerrohr,  um  eine  Verdunstung  des  Äthers  zu  vermeiden.  Man  wartet  1—2  Minuten,
Temperaturausgleichung  stattgefunden  hat,  und  liest  den  Stand  der  Skala  ab.  nicht  ohne
orher  die  Spindel  in  die  Mitte  der  Flüssigkeit  gebracht  zu  haben,  was  durch  Neigen  des
nxerohrs  am  beweglichen  Halter  und  durch  Drehen  an  der  Schraube  des  Stativfußes  sehr

Fig.  260.  Soxhlets  Apparat  zur  aräometrisehen
Fettb  estimmung.
        <pb n="481" />
        458

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

leicht  gelingt.  Da  das  spezifische  Gewicht  durch  höhere  Temperatur  verringert,  durch
niedrigere  erhöht  wird,  so  muß  die  Temperatur  bei  der  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes ­
  der  Ätherfettlösung  berücksichtigt  werden.  Man  liest  deshalb  kurz  vor  oder  nach
der  Aräometer-Ablesung  die  Temperatur  der  Flüssigkeit  an  dem  Thermometer  im  Schwimmkörper ­
  auf  1 / ]0 °  ab.  War  die  Temperatur  genau  17,5°,  so  ist  die  Angabe  des  Aräometers
ohne  weiteres  richtig,  im  anderen  Falle  hat  man  das  abgelesene  spezifische  Gewicht  auf
die  Temperatur  von  17,5°  zu  reduzieren;  man  zählt  für  jeden  Grad,  den  das  Thermometer
mehr  zeigt  als  17,6°,  einen  Grad  zum  abgelesenen  Aräometerstand  hinzu  und  zieht  für
jeden  Grad,  den  es  weniger  zeigt  als  17,5°,  einen  Grad  von  demselben  ab.  Aus  dem  für
17,5°  gefundenen  spezifischen  Gewicht  ergibt  sich  direkt  der  Fettgehalt  in  Gewichtsprozenten ­
  aus  der  Tabelle  XII  a  No.  1  im  Anhang.
Um  nach  Beendigung  einer  Untersuchung  den  Apparat  für  die  folgende  Bestimmung
instand  zu  setzen,  lichtet  man  den  Kork  der  Schtittelflasche  und  läßt  die  Fettlösung  in
dieselbe  zurückfließen.  Hierauf  gießt  man  das  Aräometerrohr  B  voll  mit  gewöhnlichem
Äther  und  läßt  auch  diesen  abfließen.  Treibt  man  mittels  des  Blasebalgs  einen  kräftigen
Luftstrom  durch  den  ganzen  Apparat,  so  erhält  man  denselben  rasch  rein  und  trocken.
Ursprünglich  war  dieses  aräometrische  Fettbestimmungsverfahren,  das  nach  zahlreichen ­
  vergleichenden  Untersuchungen  mit  den  gewichtsanalytischen  gut  übereinstimmende
Ergebnisse  liefert,  nur  für  ganze  oder  Vollmilch  brauchbar;  bei  Magermilch  oder  abgerahmter ­
  Milch  von  etwa  1  °/ 0  Fettgehalt  bildet  sich  beim  Schütteln  mit  der  vorgeschriebenen ­
  Menge  Kalilauge  und  Äther  eine  dicke,  gallertartige  Masse,  so  daß  sich
nach  tagelangem  Stehen  keine  Spur  einer  Ätherfettschicht  absetzt.  Um  auch  für  diese
Fälle  das  Verfahren  anwenden  zu  können,  bedient  sich  Fr.  Soxhlet  einer  geringen
Menge  Seifenlösung.
Von  einer  Seifenlösung,  am  besten  stearinsaurem  Kalium  —  dasselbe  wird  bereitet,
indem  man  16  g  von  der  Masse  einer  Stearinkerze  mit  25  ccm  Alkohol  und  10  ccm  der
für  die  Ausführung  der  Bestimmung  vorrätigen  Kalilauge  von  1,27  spezifischem  Gewicht
einige  Minuten  im  Wasserbade  erhitzt,  bis  alles  klar  gelöst  ist,  und  auf  100  com  auffüllt
—  setzt  man  der  in  der  Schüttelflasche  eingemessenen  Milch  0,4—0,5  ccm  =  20—25  Tropfen
zu,  schüttelt  gut  durch  und  verfährt  sonst  genau,  wie  für  ganze  Milch  vorgeschrieben  ist.
Es  ist  natürlich  bei  Magermilch  ein  besonderes  Aräometer  für  niedrigere  spezifische
Gewichte  erforderlich.  Die  Korrekturen  für  Temperatur  über  oder  unter  17,5°  sind  die
gleichen  wie  bei  der  ganzen  Milch.
Für  die  Ablesungen  des  prozentigen  Fettgehaltes  aus  dem  spezifischen  Gewicht
ist  ebenfalls  eine  besondere  Tabelle  entworfen.  (Siehe  Anhang  unter  Hilfstabellen  No.  XII  a
No.  2.)
Anmerkungen:  Von  einigen  Seiten,  so  von  J.  Skaiweit')  und  J.  Klein 2 )  ist
behauptet,  daß  das  Soxhletsche  Verfahren  der  Revision  bedürftig  sei,  weil  das  gewichtsanalytische ­
  Verfahren  (nach  Adams)  mehr  ergeben  habe.  Nach  Soeldners  Untersuchungen 3 )
indes  sind  diese  Differenzen  nicht  vorhanden.  Sollte  trotzdem  die  Behauptung  Kleins
richtig  sein,  so  würde  damit  das  Soxhletsche  Verfahren  nicht  hinfällig,  sondern  nur  die
Tabellen  einer  Abänderung  bedürftig  sein.  J.  Klein  findet  auch,  daß  transportierte  Milch
nach  Soxhlets  Verfahren  stets  etwas  mehr  Fett  liefert,  als  die  Milch  vor  dem  Versand.
Wird  ferner  die  Ätherfettlösung  erst  nach  einigen  Tagen  abgespindelt,  so  pflegt  —  wahrscheinlich ­
  infolge  von  Seifenbildung  —  ebenfalls  etwas  mehr  Fett  gefunden  zu  werden.
Cronander 4 )  hat  das  Soxhletsche  Verfahren  dahin  abgeändert,  daß  er  nicht  das  spezifische
Gewicht  der  Ätherfettlösung  bestimmt,  sondern  nach  Abheben  und  Verdunsten  des  Äthers
das  rückständige  Fett  in  einer  graduierten  Röhre  mißt.  —  H.  Timpe 5 )  will  durch  Verdünnen ­
  von  50  com  Milch  mit  60  ccm  Wasser  einige  Vorteile  erzielen.
')  Repert.  f.  analyt.  Chemie  1887,  383.
2 )  Milch-Ztg.  1888,  17,  813  und  904.
3 )  Ebenda  1888,  17,  802  und  865.
4 )  Vergl.  Swen  Müller  in  Milch-Ztg.  1886,  15,  161.
6 )  Chem.-Zeitung  1894,  18,  392.
        <pb n="482" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

459

c)  Die  Zentrifugalverfahren.
Seit  etwa  einem  Jahrzehnt  sind  die  Verfahren,  nach  welchen  das  Fett  der
Milch  durch  Zentrifugieren  quantitativ  abgeschieden  wird,  in  einer  Weise  ausgehildet,
daß  sie  z.  T.  den  gewichtsanalytischen  und  dem  aräometrischen  Verfahren  kaum
nachstehen.  Da  die  Dichtigkeit  der  Ergebnisse  bei  diesen  Verfahren  aber  stets  von
der  richtigen  Kalibrierung  der  Meßröhrchen  abhängt,  so  dürfte  es  sich  empfehlen,
diese  entweder  im  Laboratorium  nachzuprüfen  oder  nur  amtlich  geeichte  Röhrchen
zu  verwenden.

Der  erste  Apparat  dieser  Art  war:
cc)  Der  Laktokrit.  Das  Verfahren  gründet  sich  darauf,  das  Kasein  durch
reichlichen  Überschuss  von  Säuren  zu  lösen  und  das  hierdurch  frei  gewordene  Fett
durch  Zentrifugalkraft  auszuschleudern.  Die  Höhe  der  Fettschicht  wird  direkt  abgelesen. ­
  Die  Konstruktion  des  Laktokrits  ist  insofern  dem  Lavalschen
Separator  angepaßt,  als  derselbe  nach  Herausnahme  des  Rotationskörpers  in
die  Umhüllung  des  Separators  eingesetzt  wird.  Da  das  Laktokrit-Verfahren
durch  die  neueren  Zentrifugal  verfahren  Ubertroffen  und  daher  z.  Z.  wohl
kaum  noch  angewendet  wird,  sehen  wir  hier  von  der  Beschreibung  dieses  Verfahrens ­
  ab.

Von  den  neueren  Zentrifugalverfahren,  bei  denen  die  Zentrifugen  teils  mit
der  Hand,  teils  durch  Maschinenkraft  angetrieben  werden,  sei  hier  zunächst  aufgeführt:
ß)  Das  Zentrifugal  verfahren  von  Willi.  Thörner. 1 )  —  Die  benutzte
Zentrifuge  ist  eine  Abänderung  der  Viktoria-Zentrifuge  von  Waston,  Laidlow  &amp;amp;  Co.
ln  Glasgow;  Thörner  hat  dieselbe  für  die  verschiedenartigsten  Laboratoriumszwecke, ­
  außer  für  Bestimmung  des  Fettes  in  der  Milch  zur  Bestimmung  des  Wasserund
  Fettgehaltes  der  Butter,  zur  Trennung  der  Stärkearten  in  Mehlgemischen,  zur
Abscheidung  leichter  Schwebestoffe  in  Sputum,  Harn,  Wein,  Bier  und  Wasser  usw.
eingerichtet.

Die  Benutzung  derselben  für  die  Bestimmung  des  Fettes  in  der  Milch  und
den  Milcherzeugnissen  geschieht  in  folgender  Weise;
Je  10  ccm  der  gut  durchmischten  Milch  werden  in  den  unteren  Teil  des  Zentrifugierröhrchens ­
  (Fig.  251)  gebracht  und  hierauf  aus  einer  Bürette  1,5  ccm  einer  alkoholischen
Kalilösung,  welche  160  g  Kalihydrat  im  Liter  .enthält,  oder  1  ccm  einer  wässerigen  Ka  ilosung,
  welche  500  g  Kalihydrat  im  Liter  enthält,  hinzugefügt.  Jetzt  setzt  man  den
Gummistopfen  mit  noch  offenem  Quetschhahn  auf  und  vermischt  die  beiden  1  Bissigkeiten
in uig  durch  sanftes  Aufschlagen  des  möglichst  geneigt  gehaltenen  Röhrchens  ant  die  innere
Kläche  der  linken  Hand.  Hierauf  hängt  man  das  Röhrchen  mittels  des  oberen,  zu  diesem
Zweck  etwas  weiter  hergestellten  Ansatzes  in  eine  entsprechend  große  Öffnung  eines
kochenden  Wasser-  oder  Dampfbades  und  schließt  nach  etwa  10—:15  bekunden  den
Quetschhahn.  Das  Aufsetzen  des  Gummistopfens  und  das  naohherige  Schließen  des  Quetsch-'ahnes
  geschieht  nur  beim  Versieden  mit  alkoholischer  Kalilösung  und  ist  notwendig,  weil
sonst  leicht  ein  Überkochen  der  Flüssigkeit  stattfindet.  Nach  etwa  2  3  Minuten  entfernt
®au  das  Röhrchen  aus  dem  Wasserbade.  Die  Flüssigkeit  hat  jetzt  infolge  der  Einwirkung
der  Alkalilösung  eine  mehr  oder  weniger  braune  Farbe  angenommen.  Man  schüttelt  nochmals,
  wie  oben  angegeben  durch  und  läßt  dann  aus  einem  Tropftrichter  Eisessig  bis  auf
e^a  1  ccm  unter  dem  verjüngten  Teil  des  Röhrchens  zufließen.  Hierauf  wird,  wenn  noch
Kasestoffflöckchen  ungelöst  erscheinen,  nochmals  durchgeschüttelt  und  dann  mit  dem  Zusatz
uer  Säure  fortgefahren,  bis  das  Plüssigkeitsgemisch  etwa  den  Teilstrich  0—1  erreicht.
Jetzt  wird  wiederum  der  Gummistopfeu  aufgesetzt,  der  Quetschhahn  geschlossen  und  das
')  Chem.-Ztg.  1892,  16,  1101.  Die  Zentrifuge  wird  angefertigt  von  Dirks  &amp;amp;  Möllmann ­
  iu  Osnabrück.
        <pb n="483" />
        460

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Eöhrchen  in  das  kochende  Wasserbad  gehängt.  Nach  einigen  Minuten  nimmt  man  das
Eöhrchen  aus  dem  Dampfbade,  entfernt  den  Gummistopfen  mit  der  Vorsicht,  zunächst  den
Quetsohhahn  zu  öffnen,  und  zentrifugiert  2  Minuten  mit  einer  Geschwindigkeit  von  etwa
2000  Umdrehungen  bei  Anwendung  des  größeren,  oder  3000  Umdrehungen  bei  Verwendung ­
  des  kleineren  Zentrifugentellers;  das  Milchfett  hat  sich  jetzt  quantitativ  und
scharf  begrenzt  auf  der  Flüssigkeit,  die  vollständig  durchscheinend  geworden  ist
und  keinen  Bodensatz  oder  dergleichen  enthalten  darf,  abgeschieden.  Man  setzt
nun  stets  den  Gummistopfen  mit  geschlossenem  Quetschhahn  oder  auch  einem  einfachen ­
  Vollstopfen  fest  auf  und  bringt  es,  um  die  znm  Ablesen  notwendige  Temperatur
von  100°  zu  erreichen,  noch  etwa  5  Minuten  in  das  Dampfbad
zurück.  Schließlich  hebt  man  das  Zentrifugierröhrchen,  indem
man  das  obere  Ende  des  Gummischlauches  erfaßt,  so  weit  aus
dem  Wasserbade  empor,  bis  die  untere  Erweiterung  die  Einsetzöffnung ­
  wieder  schließt,  und  liest  die  Höhe  der  Fettschicht  an
der  Einteilung  des  Eöhrchens  genau  ab,  wobei  jeder  Teilstrich ­
  Vio  %  Eett  entspricht.  Um  die  Genauigkeit  der  Ablesung
der  ausgesohiedenen  Fettschicht  noch  wesentlich  zu  erhöhen,  ist
eine  einfache  Ablesungsvorrichtung  vorgesehen,  welche  darin
besteht,  daß  das  Eöhrchen  mit  dem  unteren  Teil  in  eine  ausgepolsterte ­
  erwärmte  Holzröhre  gesteckt  und  die  Höhe  der
Fettschicht  mit  einer  an  der  Holzröhre  befestigten  Lupe  abgelesen ­
  wird.
y)  Die  Acid-Butyrometrie 1 )  von  N.  Gerber.
Dieses  Verfahren,  welches  auf  der  Lösung  des  Nichtfettes
der  Milch  durch  starke  Schwefelsäure  unter  Zusatz  von
Amylalkohol  beruht,  hat  in  den  letzten  Jahren  in  Deutschland ­
  wegen  der  Einfachheit  und  Schnelligkeit  der  Ausführung ­
  die  ausgedehnteste  Anwendung  gefunden.  Die
nachfolgenden  Ausführungen  sind  nach  der  Gebrauchsanweisung ­
  vom  Juli  1904  ergänzt.  Man  verfährt  in
folgender  Weise:
10  ccm  (1)  technisch  reine  Schwefelsäure  (2)  bringt
man  mittels  einer  Pipette  (3)  in  das  schräg  gehaltene
„Butyrometer“  (Fig.,  252)  (4),  wobei  man  die  Säure  so
einfließen  läßt,  daß  der  Butyrometerhals  möglichst  wenig
von  der  Säure  befeuchtet  wird.  Darauf  mißt  man  11  ccm
Milch  von  15°  ab,  läßt  dieselbe  aus  der  Pipette  an  der
Bauchung  des  Butyrometers  entlang  langsam  auf  die  Säure
fließen,  so  daß  sich  beide  möglichst  wenig  vermischen,
alsdann  gibt  man  1  ccm  Amylalkohol  (6)  hinzu.  Diese
Reihenfolge  ist  genau  inne  zu  halten  (6).
Nachdem  sämtliche  Butyrometer  in  dieser  Weise  beschickt  sind,  verschließt
man  jedes  einzelne  mit  einem  trocknen  und  rissefreien  Gummipfropfen  und  schüttelt
rasch  (7)  und  kräftig,  bis  sich  die  Milch  unter  Erwärmung  und  Dunkelbraunfärbung
zu  einer  gleichmäßigen  Flüssigkeit  ohne  Flocken  gelöst  hat  (8).  Ist  dies  geschehen,
so  wiegt  man  die  Butyrometer  noch  einige  Male  hin  und  her  und  stellt  sie
vor  dem  Zentrifugieren  kurze  Zeit  —  höchstens  15  Minuten  (9)  —  in  ein  'Wasserbad ­
  von  60—70°.  Alsdann  bringt  man  die  Butyrometer  (10)  mit  den  Stopfen  nach
*)  Sämtliche  Apparate  und  Eeagenzien  werden  von  der  Finna  Fr.  Hugershoff  in
Leipzig  (Karolinenstr.  13)  für  2,  4,  8,  16,  24  und  32  gleichzeitige  Fettbestimmungen  geliefert. ­


Fig,  281.
Röhrchen  für  Thörners
Zentrifuge.
        <pb n="484" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

461

außen  in  die  Metallhillsen  der  Zentrifuge,  wobei  des  Gleichgewichts  wegen  stets
2  Butyrometer  einander  gegenüberliegen  müssen.  Darauf  schraubt  man  den  Deckel
der  Zentrifuge  fest  zu,  setzt  die  Zentrifuge  in  Bewegung  (11)  und  hält  sie  5  Minuten
lang  bei  einer  Umdrehungszahl  (12)  von  etwa  700—800  in  der  Minute  in  Bewegung.
Nach  dieser  Zeit  hat  sich  das  Fett  in  einer  schön  lichtbrechenden  Schicht  in  dem
Butyrometer  abgeschieden  (13).  Man  legt  darauf  die  Butyrometer  noch  einige
Minuten  in  ein  Wasserbad  von  60—70°  (möglichst  65°,  da  auf  diese  Temperatur
die  Butyrometer  justiert  sind)  und  zwar  so,  daß  möglichst
auch  die  ganze  Fettschicht  in  der  Skala  von  warmem  Wasser
umgeben  ist  (14).  Darauf  werden  die  Butyrometer  nacheinander ­
  aus  dem  Wasserbade  herausgenommen  und  nun  rasch
abgelesen,  indem  man  das  Butyrometer  gegen  das  Licht  hält,
den  Pfropfen  etwas  hereindrückt,  bis  die  untere  scharfe  Grenze
der  Fettschicht  dadurch  genau  mit  einem  Hauptteilstrich
zusammenfällt  und  nun  rasch  die  Höhe  der  Fettschicht  in  1 / 10
Teilstrichen  oder  Graden  abliest.  Bei  Vollmilch  gilt  der
niedrigste,  bei  fettarmer  Magermilch,  Buttermilch  oder  Käsemilch ­
  dagegen  der  mittlere  Punkt  des  oberen  Meniskus  als
4er  richtige  Ablesungspunkt.  Die  abgelesene  Anzahl

Teilstriche  oder  Grade

x  -

geben  die  Fettprozente  an  (also

B.  abgelesene  Grade  36x 1 / 10 =B,5  Gewichtsprozent
Fett).  Die  Ablesung  kann  mit  Sicherheit  auf  1 / 2 °  =  0,05  Gewichtsprozent ­
  geschehen,  also  =  3,35  Gewichtsprozent
Fett;  1 l g  und  1 / 1  Grad  lassen  sich,  besonders  mittels  einer
Lupe,  noch  abschätzen.
Man  liest  stets  zweimal  ab,  wobei  zu  beachten  ist,  daß
4er  untere  Einstellungspunkt  mit  dem  Pfropfen  auch  wirklich
festgehalten  wird.  Stimmen  zwei  Ablesungen  nicht  untereinander, ­
  so  setzt  man  das  Butyrometer  noch  einmal  kurze
■^eit  ins  Wasserbad  und  liest  nochmals  ab.
Sind  den  Milchproben  zur  Frischhaltung  zu  große
Mengen  von  Kaliumbichromat  oder  Formaldehyd  zugesetzt, ­
  so  werden  nach  M.  Siegfeld 1 )  die  Fettbestimmungen
ungenau.
A.  W.  Kaniß 3 )  hat  den  Nachweis  von  nitrathaltigem
Nasser  mit  der  Fettbestimmung  nach  Gerber  verbunden,
indem,  er  einen  geringen  Zusatz  von  Formaldehyd  macht;  vergl.
unten  No.  14  b  „Nachweis  von  Salpetersäure  in  der  Milch“.
Anmerkungen  zu  vorstehendem  Verfahren:  1.  Alle  Reagenzien  und  die
1  c li  sollen  eine  Temperatur  von  möglichst  nahe  16°  haben.
2.  Die  Schwefelsäure  soll  bei  15°  ein  spezifisches  Gewicht  von  1,820—1,825,
n  sprechend  90—91  °/ 0  reiner  Schwefelsäure  oder  1650—1660  g  H 2 S0 4  im  Liter  haben,
mse  Säure  paßt  für  die  gehaltreichsten  Milchsorten;  nach  31.  Siegfeld  (Zeitschr.  f.  Unterq
  c  lun g  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  (i,  259)  genügt  eine  Säure  von  1,810  spezifischem
wwiclit;  bei  stärkerer  Säure  tritt  leicht  Pfropfenbildimg  ein.
v  3 -  Für  Massenuntersuolumgen  werden  automatische  Abmeßvorriohtungen  von
SC  ue 4ener  Einrichtung  empfohlen.
)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  397.
)  Molkerei-Ztg.  Berlin  1901,  11,  374.

Fig.  253.
Normal  -  Butyrometer
nach  Gerber.
        <pb n="485" />
        462

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

4.  Außer  dem  Normal-Rund-Butyrometer,  dessen  Form  die  Fig.  252  zeigt,  werden
ferner  noch  geliefert;  a)  „Präzisions-Butyrometer“,  bei  denen  die  Hauptstriche  um  das
ganze  Rohr  herumgezogen  sind  und  das  Lumen  des  oberen  Skalenstückes  um  mehr  als  das
Doppelte  verengt  ist.  und  zwar  ohne  Schwächung  des  Rohres.  Hierdurch  wird  genauere
Ablesung  des  Fettgehaltes  (bis  auf  0,025  °/ 0 )  ermöglicht.  Diese  Butyrometer  eignen  sich
namentlich  für  die  Untersuchung  von  fettarmeren  Milchen  (Magermilch,  Buttermilch,  Käsemilch). ­
  —  b)  „Plan-  hezw.  Konvex-Butyrometer“  mit  breiter  Skala  und  runder  Lichtung.
Diese  Butyrometer  sollen  eine  größere  Genauigkeit,  Schnelligkeit  und  Sicherheit  unter
möglichster  Schonung  der  Augen  auch  bei  fettarmen  Milchen  ermöglichen  und  werden  von
Gerber  z.  Z.  als  die  besten  empfohlen.
6.  Der  Amylalkohol  soll  bei  15°  ein  spezifisches  Gewicht  von  nahezu  0,815  oder
95—96°  Tralles  haben.  Siedepunkt  128—130°.  Der  Amylalkohol  ist  nur  dann  brauchbar,
wenn  1  ccm  desselben  im  Butyrometer  mit  10  ccm  Schwefelsäure  und  11  ccm  Wasser
geschüttelt,  hierauf  2—3  Minuten  geschleudert  und  24  Stunden  stehen  gelassen,  keine
ölige  Abscheidung  gibt;  anderenfalls  wird  durch  Verwendung  desselben  zu  viel  Fett  gefunden.
M.  Siegfeld 1 )  empfiehlt  zur  Beurteilung  der  Brauchbarkeit  eines  neuen  Amylalkohols  vergleichende ­
  Fettbestimmungen  unter  Verwendung  eines  bewährten  Amylalkohols  auszuführen.
6.  H.  Droop-Richmond  und  P.  R.  O’Shaughnessy 2 )  fanden  unter  Umständen
bis  0,5  °/ 0  zu  hohe  Ergebnisse  und  dabei  dunkel  gefärbte  Fette,  wenn  sie  Schwefelsäure
und  Amylalkohol  zuerst  mischten  und  dann  erst  die  Milch  hinzu  gaben.
7.  Schüttelt  man  nicht  rasch,  so  kann  es  verkommen,  daß  dadurch  die  Fettschicht ­
  lichtbraun  bis  violett  gefärbt  wird  und  sich  ein  dünnes  Scheibchen  unter  der  Fettschicht ­
  bildet,  wodurch  die  genaue  Ablesung  erschwert  wird.
8.  Um  eine  größere  Anzahl  Proben  gleichzeitig  für  das  Ausschleudern  vorzubereiten
und  sofort  noch  warm  zentrifugieren  zu  können,  bedient  man  sich  besonderer  Schtittelgestelle,
  mit  denen  man,  je  nach  ihrer  Größe,  4—32  Butyrometer  auf  einmal  schütteln  kann.
9.  Bei  längerem  Erhitzen  zeigen  sich  leicht  dunkele  Ausscheidungen  unter  der
Fettschicht.
10.  Vor  dem  Einlegen  in  die  Zentrifuge  müssen  die  Butyrometer  so  hoch  gefüllt,
d.  h.  die  Gummistopfen  so  weit  hineingeschraubt  werden,  daß  der  Flüssigkeitsspiegel  in
der  Nähe  des  Nullpunktes  steht.
11.  Für  die  Butyrometrie  sind  folgende  Zentrifugen-Konstruktionen  hergestellt ­
  worden:  a)  „Ideal“  (Universal)  mit  beweglichen  Hülsen  und  zusammenlegbarem
Schleuderschirm  und  Riemenzug;  für  2  oder  4  Proben;  besonders  für  die  Reise  geeignet.  —
b)  „Simplex“,  Kreiselzentrifuge  mit  Schnurantrieb;  einfachste  Konstruktion,  leicht  auseinandernehmbar; ­
  für  4,  8  oder  16  Proben.  —  c)  „Original-Rapid“  mit  Rapid-Antrieb
(Riemenzug).  Die  Umdrehungsgeschwindigkeit  kann  während  des  Laufes  noch  gesteigert
werden;  für  4,  8,  16  oder  24  Proben.  —  d)  „Excelsior“  mit  Federantrieb;  für  8,  16  oder
24  Proben.  —  e)  „Turbine“  für  Dampf-  und  Wasserbetrieb;  für  16,  24  oder  32  Proben.  —
f)  „Blitz“  mit  Kurbelantrieb;  für  8,  16,  24  oder  32  Proben.  —  g)  „Electro“  für  elektrischen ­
  Antrieb  (110  bozw.  220  Volt  Spannung  und  l l / 2  Ampere  Stärke);  für  8,  16,  24
und  32  Proben.  —  h)  „Triumph“  mit  Heizvorrichtung  und  Kurbelantrieb;  für  24  und  32
Proben.
12.  Die  Umdrehungsgeschwindigkeit  kann  mit  einem  auf  dem  Deckel  anbringbaren
Tourenzähler  —  die  neueste  Konstruktion  ist  das  „Bifluid-Tachometer“  —  gemessen  werden.
Geschwindigkeiten  von  über  1200  Umdrehungen  sind  zwecklos  und  bei  den  32-er  Zentrifugen
bedenklich,  d.  h.  unter  Umständen  gefährlich.
13.  Sollte  das  Fett,  etwa  infolge  zu  geringer  Umdrehungsgeschwindigkeit  oder  Dauer,
nicht  scharf  abgeschieden  sein,  so  werden  die  Butyrometer  abermals  einige  Minuten  erwärmt ­
  und  abermals  zentrifugiert.
14.  Hierzu  geeignete  Wasserbäder  können  von  dem  Fabrikanten  bezogen  werden.

‘)  Zeitsohr.  f.  angew.  Chem.  1903,  16,  1217.
2 )  Analyst  1899,  24,  146.
        <pb n="486" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Bettes.

463

d)  Die  refraktometrische  Fettbestimmung  mittels  des  Milch-Refraktometers
nach  Wollny.
E.  Wollny  benutzt  die  Refraktion  einer  konzentrierten  Ätberfettlösung  von
17,5°  zur  Bestimmung  des  Fettgehaltes.  Die  Ausführung  der  Fett-Bestimmung
geschieht  nach  Naumann 1 )  in  folgender  Weise:
30  ccm  der  gut  durchgemischten,  möglichst  17,5°  warmen  Milch  (1)  werden
in  das  Wollnysche  Fläschchen  (Fig.  253)  von  etwa  30  ccm  Inhalt,  welches  bei
30  ccm  eine  Marke  trägt,  gegeben  (2),  mit  3  ccm  kupferoxydhaltiger  Lauge  (3)
versetzt  und  in  einem  Schüttelwerke  (4)  10  Minuten  lang  geschüttelt.  In  die  darauf
wieder  in  das  Wasserbad  von  17,5°  gebrachten  Fläschchen  gibt  man  mittels  einer
automatischen  Pipette  (Fig.  254)  6  ccm  mit  Wasser  gesättigten  Äther  (5)  von  17,6  °,
worauf  man  das  Fläschchen  sofort ­
  wieder  verschließt  und
abermals  mindestens  15  Minuten
im  Schüttelwerke  schüttelt.  Zur
Abscheidung  einer  klaren  Ätherfettschicht ­
  werden  die  Fläschchen
nunmehr  in  einer  Zentrifuge  (6)
geschleudert.  Die  ausgeschleuderten ­
  Proben  kommen  dann
nochmals  etwa  3  Minuten  in  das
Wasserbad  von  17,5°  und  sind
damit  für  die  refraktometrische
Untersuchung  fertig  vorbereitet.
Das  Wollnysche  Milchfett-Refraktometer ­
  (7)  wird
mittels  eines  Pulfrichschen
Apparates  zur  Erzeugung  eines
beständig  temperierten  Wasserstromes ­
  oder  einer  ähnlich
wirkenden  Vorrichtung  auf  17,5  0
*U)  gebracht,  auf  seine  genaue
Justierung  (9)  geprüft  und  gereinigt ­
  (10).  Nachdem  es  wieder
geschlossen  ist,  entnimmt  man  mittels  eines  Glasröhrchens  (11)  aus  dem  schräggehaltenen ­
  Wollny  sehen  Fläschchen  einen  Teil  der  klaren  Ätherfettlösung  und
hnngt  diese  so  schnell  wie  möglich  durch  die  an  dem  Refraktometer  befindliche
Paltöffnung  zwischen  die  Prismenflächen.  Hierauf  beobachtet  man  den  Stand  der
chattengrenze  (12)  im  Fernrohr,  wobei  man  sich  zur  genauen  Ablesung  des  Standes
er  vorhandenen  Mikrometerschraube  bedient,  indem  man  diese  auf  einen  ganzen
kalenteil  einstellt.  Darauf  werden  die  Prismenflächen  wieder  gereinigt  (10)  und
ann  nunmehr  mit  der  Untersuchung  weiterer  Proben  begonnen  werden.
Aus  den  abgelesenen  —  und  sofern  die  Temperatur  nicht  genau  17,5°  betrug,
J!  diese  Temperatur  umgereohneten  (13)  —  Refraktometerzahlen  ermittelt  man  mit
1  o  der  Tabelle  No.  Xllb  (am  Schlüsse)  den  prozentigen  Fettgehalt  der  Milch  (14).
e i n  Anmerkungen  zu  vorstehendem  Verfahren:  1.  Naumann  gibt  auch  eine
Milc) 5  leU ^ e  Urschrift  für  Molkereien  und  Landwirte  zur  sachgemäßen  Probenahme  von
1  während  eines  längeren  Zeitraumes  zwecks  Bezahlung  derselben  nach  dem  Fettgehalt.
')  Milch-Ztg.  1900,  29,  50.

Fig.  258.
Wollnysches
Fläschchen.

Automatische  Pipette  für  die  Abmessung ­
  des  Äthers.
        <pb n="487" />
        464

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Auf  diese  Ausführungen  kann  an  dieser  Stelle  nur  verwiesen  werden.  Bemerkt  sei  hier
nur,  daß  die  zu  dem  genannten  Zwecke  von  Naumann  vorgeschlagenen  Apparate;
a)  „Stößer“  zum  Durchmischen  der  Milch,  b)  numerierte  Blechzylinder  zur  Milohprobenahme,
  o)  Kästen  zur  Aufnahme  der  Blechzylinder  und  dl  Selbstfüllpipette,  zur  Einfüllung
der  Proben  in  die  Wollnysehen  Fläschchen  von  den  Firmen  Harnisch  &amp;amp;  Körner  in
Halle  a.  S.  (Große  Brauhausstr.  16)  und  Franz  Hugershoff  in  Leipzig  (Karolinenstr.  13)
bezogen  worden  können.
Wenn  mehrere  Binzeiproben  innerhalb  eines  längeren  Zeitraumes  entnommen  und
zu  einer  Durchschnittsprobe  vereinigt  werden  sollen,  empfiehlt  Naumann  die  Verwendung
einer  Haltbarmachungsflüssigkeit,  welche  in  der  Weise  hergestellt  wird,  daß  zu  70  g
umkristallisiertem  und  gereinigtem  Kaliumbichromat  312,5  ccm  konzentriertes  Ammoniak
und  1000  ccm  Wasser  gegeben  werden.  Von  dieser  Haltbarmaohungsflüssigkeit  werden  in
jedes  Wollnysche  Fläschchen  12  Tropfen  gegeben;  nach  dem  Einfällen  einer  jeden  Teilprobe ­
  wird  das  Fläschchen  gehörig  durchgeschüttelt.  H.  Tiemanu 1 )  hält  eine  Haltbarmachung ­
  nicht  für  erforderlich;  S.  Hals  und  H.  Gregg 2 )  dagegen  fanden  ohne  Anwendung
des  Frischhaltungsmittels  etwas  zu  niedrige  Ergebnisse.
2.  War  die  Milchprobe  (gemäß  der  vorstehenden  Vorschrift)  haltbar  gemacht,  so  ist
vor  dem  Zusatze  der  Lauge  zunächst  mit  12  Tropfen  konzentrierter  Essigsäure  anzusäuern
und  das  gut  verschlossene  Wollnysche  Fläschchen  1—2  Minuten  in  dem  Schüttelwerke
(vergl.  No.  4)  zu  schütteln.
3.  Die  kupferoxydhaltige  Lauge  wird  in  folgender  Weise  hergestellt;  800  g  Kalihydrat ­
  (in  Stangen)  werden  in  wenig  Wasser  gelöst,  nach  dem  Erkalten  mit  600  g  Glyzerin
gemischt  und  dazu  200  g  gepulvertes  Kupferoxydhydrat  (zu  beziehen  von  Th.  Schuchardt
in  Görlitz)  gegeben.  Diese  Mischung  wird  auf  3  Liter  aufgeffillt.  Nach  3—4  Tagen  ist
die  Lauge,  nachdem  sie  in  der  Zwischenzeit  gehörig  durchgemischt  ist  und  nicht  mehr
schäumt,  für  den  Gebrauch  fertig.  Durch  den  Zusatz  von  Kupferoxydhydrat  soll  bewirkt
werden,  daß  im  Eefraktometer  die  Grenze  zwischen  dem  hellen  und  dem  dunklen  Teile
schärfer  hervortritt.
4.  Das  für  diese  Zwecke  besonders  eingerichtete  Schüttelwerk  kann  durch  Wasser,
Dampf  oder  Elektrizität  betrieben  werden;  es  kann  von  den  unter  1  genannten  Firmen
bezogen  werden.
5.  Viermaliges  Schütteln  des  Äthers  mit  jedesmal  erneuten  Mengen  von  Wasser
gibt  einen  für  die  Untersuchung  brauchbaren  Äther.
6.  Es  kann  hierzu  unter  anderen  die  Gerbersche  Zentrifuge  verwendet  werden.
Die  Fläschchen  werden  in  die  Zentrifuge  so  eingelegt,  daß  die  Stopfen  dem  Mittelpunkte
am  nächsten  zu  liegen  kommen.  Dauer  und  Umdrehungsgeschwindigkeit  können  dieselben
sein,  wie  man  sie  bei  der  Gerb  ersehen  Acidbutyrometrie  anwendet.
7.  Das  Wollnysche  Milchfett-Eefraktometer  gleicht  äußerlich  vollkommen
dem  Wolluyscheu  Butter-Kefraktometer  und  sei  bezüglich  seiner  allgemeinen  Einrichtung
auf  dieses  verwiesen.  Es  wird  ebenfalls  von  der  Firma  Karl  Zeiß  in  Jena  hergestellt.
Vom  Butter-Eefraktometer  unterscheidet  es  sich  im  wesentlichen  nur  durch  seine  abweichende ­
  Skala,  ein  abweichendes  Thermometer  und  den  neben  der  das  Thermometer
haltenden  Hülse  mündenden,  nach  außen  hin  etwas  erweiterten  Kanal,  durch  den  die  zu
prüfende  Ätherfottlösung  zwischen  die  beiden  Prismenflächen  gebracht  wird.
Die  Skala  des  Milchfett-Kefraktometers  ist  so  eingerichtet,  daß  der  Breohungsindex
für  den  Skalenteil  0  gleich  ist  dem  Brechungsindex  (1,3332)  für  destilliertes  Wasser  bei
17,6°  und  der  Brechungsindex  für  den  Skalenteil  100  genau  übereiustimmt  mit  dem
Brechungsindex  (1,4220)  für  den  Skalenteil  0  des  Butter-Kefraktometers.  Die  angegebenen
Brechungsindices  gelten  nur  für  Natriumlicht.  Die  Messung  kann  aber  auch  bei  Tagesoder ­
  Lampenlicht  vorgenommen  werden.  Die  Prismen  sind  so  eingerichtet,  daß  bei  Tagesoder ­
  Lampenlicht  die  Grenzlinie  für  eine  Ätherfettlösung  nach  Wollny-Naumann  bei
einer  Milch  mit  mittlerem  Fettgehalt  farblos  erscheint.  Für  Ätherfettlösung  von  höherem

i)  Milch-Ztg.  1896,  24,  716.
3 )  Ebenda  1902,  31,  433.
        <pb n="488" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

465

oder  geringerem  Fettgehalt  besitzt  die  Grenzlinie  einen  blauen  hezw.  einen  roten  Saum.
Erscheint  der  Farbstreifen  hier  und  bei  anderen  Flüssigkeiten  für  eine  genaue  Ortsbestimmung ­
  der  Grenzlinie  zu  breit,  so  ist  eine  Natriumflamme  zu  verwenden.
Das  Thermometer  (Fig.  256)  ist  so  eingerichtet,  daß  darauf  die  Temperatur  17,6°
mit  0  bezeichnet  ist  und  ferner  darauf  die  Anzahl  Zehntel  Skalenteile  verzeichnet  sind,
welche  der  im  Fernrohre  abgelesenen  Eefraktometerzahl  bei  höherer  Temperatur  hinzuzuzählen ­
  hezw.  bei  niedrigerer  Temperatur  davon  abzuziehen  sind,  um  die  der  Temperatur  von
genau  17,5°  entsprechende  Eefraktion  zu  erhalten.  Wäre  z,  B.  in  dem  Fernrohr  die
Eefraktometerzahl  o2,0  abgelesen  und  zeigte  das  Thermometer  den  in  der  Fig.  255  angegebenen ­
  Stand,  so  wäre  die  Eefraktometerzahl  bei  17,5°  52,0  -j-  0,8  =  52,8.
8.  Beträgt  die  Beobachtungstemperatur  nicht  genau  17,5°,  so  ist  die  Eefraktometerzahl ­
  in  der  unter  No.  7  Absatz  3  angegebenen  Weise  zu  korrigieren.
9.  Die  Eefraktometer-Skala  ist  richtig  justiert,  wenn  destilliertes  Wasser  in  dem
mit  größter  Sorgfalt  gereinigten  Eefraktometer  bei  17,5°  die  Eefraktion  0  (den  Nullpunkt
der  Skala)  anzeigt.  Um  sich  selbst  von  Zeit  zu  Zeit  von  der  richtigen
Justierung  des  Eefraktometers  zu  überzeugen,  gibt  man  mittels  eines
Glasröhrchens  etwas  destilliertes  Wasser  von  17,5 0  durch  die  Spaltöffnung ­
  auf  die  vorher  angehauchten  Prismenflächen.  Nach  richtiger  Einstellung ­
  des  Beobachtungsspiegels  beobachtet  man  durch  das  Fernrohr,
ob  die  Sohattengrenze  im  Eefraktometer  bei  Beleuchtung  mit  Natriumlicht
auf  den  Skalenteil  0  einsteht.
Man  öffnet  dann  die  beiden  Prismen  durch  Drehen  des  Keilverschlusses, ­
  reinigt  sie  mittels  eines  weichen  Tuches,  schließt  die  Prismen
'wieder  und  gibt  dann  mit  einem  neuen  Eöhrchen  eine  genügende  Äthermenge ­
  durch  die  Spaltöffnung  auf  die  Prismenflächen.  Der  hierzu  verwendete ­
  Äther  ist  der  wassergesättigte  Äther,  den  man  nach  No.  5  erhalten ­
  und  mit  dem  man  auch  die  zu  untersuchenden  Proben  angesetzt
hat.  Während  man  durch  das  Fernrohr  die  Brechung  des  Lichtes
beobachtet,  regelt  man  den  Stand  des  Schattens  mittels  der  Mikrometerschraube ­
  in  der  Weise,  daß  er  genau  mit  einem  ganzen  Skalenteile  abschließt, ­
  d.  h.  zwischen  Skalenteil  und  Schattengrenze  darf  sich  kein  heller
Zwischenraum  befinden,  sondern  beide  müssen  sich  gerade  decken.  Man
stellt  also  auf  die  Grenzlinie  des  dunklen  Teiles  ein,  ohne  sich  durch  die
zuweilen  vor  ihr  auftretenden  feinen  Linien  beirren  zu  lassen.  Zu  den
a hgelesenen  Zahlen  addiert  man  die  Zehntel,  welche  sich  auf  der  Trommel
her  Mikrometerschraube  befinden  und  durch  einen  Zeiger  angegeben  werden,
mt  auf  diese  Weise  der  Skalenteil  20,6  erreicht,  so  ist  das  Eefraktometer ­
  richtig  justiert.  Diese  Yorversuche  nehmen  vielleicht  eine  Zeit  von
1  2  Minuten  in  Anspruch  und  sind  der  Sicherheit  halber  nie  zu  unterlassen.
10.  Die  Eeinigung  der  Prismen  von  den  Ätherfettlösungen  geschieht  am  besten
urch  ein  weiches  Tuch,  worauf  man  durch  ein  zweites  weiches  Flanelltuch  die  letzten
h  ettspuren  entfernt.
11.  Naumann  empfiehlt  beiderseits  abgeschmolzene  Glasröhrchen  (aus  hartem  Glase)
v . on  15  cm  Länge  und  3  mm  lichter  Weite.  Selbstverständlich  ist  für  jede  Ätherfettlösung
eiu  an( leres  Glasröhrchen  zu  verwenden.
.  h2.  Die  Schattengrenze  muß  tief  dunkelblau  und  scharf  abgrenzend  gegen  die
‘ ell °  linke  Fläche  sein.  Eiu  fehlerhaftes  Arbeiten,  so  z.  B.  Aufnahme  von  der  trüben
p Ussc heidung,  welche  sich  unterhalb  der  klaren  Ätherfettschicht  in  den  fertig  vorbereiteten
^  .  en  vorfindet  und  Aufbringen  derselben  auf  die  Prismenflächen,  oder  nicht  sorgfältiges
nicbf- lgeU  der  Priamenflächen,  bewirkt  ein  dunkles,  verschwommenes  Bild,  welches  natürlich
ein!.  zur .Ablesung  geeignet  ist  und  zu  falschen  Ergebnissen  führt.  Die  Untersuchung
y  r  flohen  Probe  ist  sofort  zu  wiederholen;  sie  gibt  nach  Abstellung  des  Fehlers  ein
zu  nÜ*  ild , lm d  somit  eine  richtige  Zahl.  Ein  längeres  Offenstehenlassen  der  nochmals

Fig.  265.
Thermometer
zum  Milch-Refraktometer.

Nach  Wollny.

_  -am.  -OU
untersuchenden  Probe  muß  dabei  tunlichst  verm
13.  Vergl.  No,  7  Absatz  3.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

30
        <pb n="489" />
        466

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

14.  Die  aus  der  yon  Naumann  abgeänderten  Wollnyschen  Tabelle  ermittelten
Fettprozente  stimmen  mit  denen  der  alten  Soxhletschen  Tabelle  genau  überein.
S.  Hals  und  H.  G-regg 1 )  erhielten  nach  der  ursprünglichen  Wollnyschen
Vorschrift*)  im  großen  und  ganzen  recht  genaue  Ergebnisse;  bei  Vollmilch  fanden
sie  (gegenüber  dem  Adamsschen  Verfahren)  etwas  zu  niedrige  Werte,  bei  Magermilch ­
  bezw.  überhaupt  fettarmer  Milch  stimmten  die  Ergebnisse  fast  vollständig,
genau  überein.  Die  Naumann  sehe  Vorschrift  gibt  nach  diesen  Autoren  hei  Vollmilch ­
  befriedigende,  im  allgemeinen  etwas  höhere  (bis  +  0,09  °/ 0 )  Werte,  bei
Magermilch  bezw.  fettarmen  Milchen  überhaupt  sind  dagegen  die  Werte  ungenau
(bis  0,13  °/ 0  zu  hoch).  Durch  die  Schwankungen  in  dem  Lichtbrechungsvermögen
des  Butterfettes  selbst  (39,2—43,0  Refraktometer-Grade  bei  45°)  können  nach
Hals  und  Gregg  Unterschiede  bis  0,12  °/ 0  hervorgerufen  werden.  Ebenso  können
in  3—5  Wochen  alten,  haltbar  gemachten  Proben  die  Ergebnisse  nach  Wollny  bis
0,14  °/ 0  und  nach  Naumann  bis  zu  0,15  °/ 0  zu  niedrig  ausfallen.
Während  Hals  und  Gregg  die  refraktometrische  Fettbestimmung  als  zwar
hinreichend  genau  für  praktische  Zwecke,  aber  für  Massenuntersuchungen  für  umständlicher ­
  halten  als  die  hutyrometrische  (Gerber  usw.),  ist  nach  Naumann
und  Tie  mann 8 )  das  Verfahren  bei  Massenuntersuchungen  für  wissenschaftliche  und
praktische  Zwecke  vorzüglich  geeignet.
e)  Verfahren  zur  annähernden  Bestimmung  des  Fettes.
Aus  der  großen  Zahl  der  Verfahren,  welche  gestatten,  den  Fettgehalt  verhältnismäßig ­
  einfach,  aber  meist  nur  annähernd  zu  bestimmen,  seien  folgende  hervorgehoben;
a)  Das  Laktobutyrometer  von  Marohand  (verbessert  von  Salleron,
sowie  von  Tollens  und  Schmidt). 4 )  Das  Laktobutyrometer  (Fig.  256)  besteht  aus
einer  engen  Glasröhre,  welche  von  0—30  com  in  je  10  ccm  geteilt  ist.  Der  Teil  der
Röhre  zwischen  20  und  30  ist  wiederum  in  ‘/io  ccm  geteilt.  Man  füllt  in  dieselbe  nach
tüchtigem  Mischen  der  zu  untersuchenden  Milch  bis  zum  Teilstrich  10  (also  10  ccm,
in  der  Figur  bis  L)  Milch,  dann  entweder  einige  Tropfen  (2—3)  Natronlauge  (Marchand)
oder  3—5  Tropfen  Essigsäure  (Tollens  und  Schmidt)  und  bis  zum  20.  Teilstrich  (oder
E)  10  com  Äther.  Jetzt  wird  gehörig  und  so  lange  geschüttelt,  bis  das  Ganze  eine  gleichmäßige ­
  Masse  bildet  und  der  Äther  nach  einigem  Stehen  sich  nicht  mehr  von  der  Milch
trennt.  Nach  gehörigem  Schütteln  mit  Äther  werden  10  ccm  Alkohol  (90—92°  Tr.)  bis
zum  Teilstrich  30  (oder  A)  zugesetzt  und  abermals  geschüttelt.  Durch  den  Zusatz  von
Alkohol  wird  das  Fett  wiederum  aus  der  ätherischen  Lösung  ausgeschieden  und  sammelt
sich,  wenn  jetzt  die  Glasröhre  in  den  mit  Wasser  von  40°  gefüllten  Blechzylinder  gesetzt
wird,  in  kurzer  Zeit  als  flüssige,  ätherhaltige  Ölschioht  über  der  Flüssigkeitsmasse  an.
Letztere  besteht  aus  einer  klaren  Flüssigkeit  und  ausgesohiedenem,  geronnenem  Kasein,
!)  Milch-Ztg.  1902,  81,  433.
2 )  Die  ursprüngliche  Wollnysche  Vorschrift  ist  nach  Hals  und  Gregg  folgende:
20  ccm  Milch  mit  1  Tropfen  Konservierungsflüssigkeit  (238  g  Kupferchlorid  in  1  Liter)
werden  mit  3  Tropfen  Eisessig  versetzt,  auf  17,5°  gebracht  und  2—3  Minuten  im  Sohüttelapparate
  geschüttelt.  Darauf  wird  1  ccm  kupferoxydhaltige  Lauge  (500  com  Kalilauge
[aus  gleichen  Gewichtsteilen  Wasser  und  gereinigtem  Kalihydrat],  250  com  Wasser,  250  ccm
Glyzerin  und  100  g  Kupferkarbonat)  zugesetzt,  die  Flüssigkeit  wieder  auf  17,5°  gebracht,
mit  4  com  wassergesättigtem  Äther  (17,5°)  versetzt,  16  Minuten  geschüttelt  und  darauf
zentrifugiert.
Die  Tiemannsohe  Vorschrift  (Milch-Ztg.  1896,  24,  178),  nach  welcher  an  der  milchwirtschaftlichen ­
  Versuchsstation  Kiel  gearbeitet  wurde,  weicht  von  dieser  Vorschrift  etwas  ab.
3 )  Bericht  der  Versuchsstation  und  Lehranstalt  für  Molkereiwesen  zu  Wrescheu
1902/03,  S.  2.
4 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1878,  36,  361.
        <pb n="490" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Fettes.

467

das  sich  unten  am  Boden  ansammelt.  Aus  der  Höhe  der  Öl-  (hezw.  Fett-)  Schicht,  die  man
in  ‘/io  ocm  an  4er  kalibrierten  Glasröhre  einfach  abliest,  ermißt  man  den  Fettgehalt.
B.  Tollens  und  Fr.  Schmidt  haben  eine  Tabelle  entworfen,  welche  die  den  abgeschiedenen
und  abgelesenen  ’/ 10  ccm  Ätherfettlösnng  entsprechenden  Fettprozente  (in  100  ccm  Milch)
direkt  angibt.  Diese  Tabelle  befindet  sich  am  Schluß  unter  Hilfstabellen  No.  XII  c.
ß)  Sonstige  Verfahren,  welche  auf  der  Behandlung  der  Milch  mit
Chemikalien  beruhen  und  bei  denen  die  abgeschiedene  Fettschicht  gemessen
wird.  Von  diesen  seien  folgende  erwähnt:
Das  Alkali-Cremometer  von  Quesneville 1 )  beruht  auf  der  Aufrahmung  der
Milch  unter  Zusatz  von  Alkalilauge  und  Erwärmen;  Short 2 )  erwärmt  die  Milch  mit  Alkali,
bis  alles  Fett  verseift  ist,  scheidet  dann  die  Fettsäuren  durch  Schwefelsäure  ab  und  mißt
diese  abgeschiedene  Schicht  Fettsäuren.
G.  E.  Patrik 3 )  kocht  die  Milch  in  einer  engen  Eöhre  mit  einem  Gemisch  von
9  Volumen  reiner  90  %-iger  Essigsäure,  6  Volumen  Schwefelsäure  von  1,83  spezifischem

Gewicht,  2  Volumen  Salzsäure  von  1,19  spezifischem  Gewicht  und  so  viel  Glaubersalz,
in  dem  Säuregemisch  lösen  will.  Alle  Bestandteile  der  Milch  losen  sich  bis‘  auf  dw
dieses  schwimmt  auf  der  Flüssigkeit  und  wird  dessen  Menge  an  einer  an  der  Hasrii
 hre  angebrachten  Skala  abgelesen.  .  m  lrQ i i x._:. r f
Nahm*)  scheidet  ebenfalls  in  einer  Glasröhre,  die  im  oberen  engeren  ^ al
l8t .  aus  20  ccm  Milch  durch  Zusatz  einer  Flüssigkeit  (wesentlich  AlkalilaugeJi  und  unter
Erhitzen  in  einem  Wasserbade  das  Fett  ab  und  liest  die  Menge  an  dem  kalibrierten  Teil
der  Glasröhre  ab.  Letztere  ist  für  den  Zweck  unten  mit  einem  Gummiboden  versehen,
Reicher  gestattet,  durch  Pressen  den  unteren  Meniskus  der  Fettschicht  auf  Null  emzustellen.
E -  Eouard 5 )  hat  das  Nahmsche  Verfahren  etwas  abgeandert;  er  schüttelt  20  ccm  Milch
ö  Milch-Ztg.  1885,  14,  289.
2 )  Vergl.  0.  Eeitmair  in  Zeitsohr.  f.  angew.  Chemie  1889,  288.
3 )  Chem.-Ztg.  1891,  15,  Eep.  83.
4 )  Milch-Ztg.  1894,  23,  555;  1895,  24,  220;  1897,  26,  793;  1899,  .8,  6.
q.  /)  Annal.  chim.  analyt.  1903,  8,  208;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d  Nahrungs-  u
Genußmi tte i  1904,  7,  107;  vergl.  auch  E.  L6z6,  E6p ;  Pharm.  1901,  57,  1;  Zeitschr.  t.
11  crsuchuug  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  895.

30*
        <pb n="491" />
        468

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

in  einem  besonderen  kalibrierten  Prüfer  mit  10  com  einer  ammoniakalischen,  alkoholischen,
Amylalkohol  enthaltenden  Kalilauge,  erwärmt  zeitweise  im  Wasserbade  und  liest  die  Höhe
der  Fettschicht  in  der  kalibrierten  Röhre  ab.
L.  Findet')  erwärmt  die  Milch  mit  konzentrierter  Eesorzinlösung,  worin  sich  die
Eiweißstoffe  lösen,  und  bedient  sich  zur  Abmessung  der  Fettschicht  kalibrierter  Röhrchen,
welche  den  Gerberschen  Acidbutyrometern  ähnlich  sind.
y)  Das  Cremometer  von  Chevallier.  Dasselbe  gibt  zwar  nur  einen  sehr  rohen
Ausdruck  für  den  Rahm-  und  den  diesem  entsprechenden  Fettgehalt.  Da  es  aber  noch
vielfach  bei  der  Marktkontrolle  angewendet  zu  werden  pflegt  und  dem  Nichtchemiker  auf
einfache  Weise  wenigstens  darüber  Aufschluß  geben  kann,  ob  eine  Milch  in  grober  Weise
gewässert  oder  entrahmt  ist,  so  möge  dasselbe  hier  auch  beschrieben  werden.  Es  ist  ein
Zylinder  (Fig.  267,  S.  467)  von  etwa  25  cm  Höhe  und  4  cm  Durchmesser,  welcher,  in
10  Teile  geteilt,  bis  zum  Nullpunkte  100  ccm  Milch  faßt.  Der  Raum  von  0—50  enthält
weitere  Teilstriche,  von  denen  jeder  1  ccm  bedeutet.  Man  füllt  diesen  Zylinder  bis  zum
Nullpunkt  mit  der  gut  gemischten  Milch  und  läßt  dieselbe  bei  Kellertemperatur  24  Stunden
stehen,  worauf  man  nachsieht,  wie  viel  Raumteile  Rahm  sich  oben  gebildet  haben.
Gute  Vollmilch  soll  eine  Rahmschicht  von  10—14%  bilden;  halb  abgerahmte  Milch  soll
6—8  °/ 0  haben.
Von  Wichtigkeit  ist  es  ferner*  die  im  Cremometer  zurückbleibende  abgerahmte  Milch
auf  ihr  spezifisches  Gewicht  zu  untersuchen,  um  durch  Vergleichung  desselben  mit  dem  der
ursprünglichen  Milch  unter  Berücksichtigung  der  gewonnenen  Rahmschicht  einen  gewissen
Anhaltspunkt  dafür  zu  erhalten,  ob  die  Milch  ursprünglich  rein  oder  mit  Wasser  oder  abgerahmter ­
  Milch  versetzt  war.  Die  reiner  Vollmilch  entsprechende  abgerahmte  Milch  muß
ein  um  0,002—0,0035  höheres  spezifisches  Gewicht  oder  2—3'7a  Laktodensimetergrade  mehr
zeigen,  als  die  ursprüngliche  Milch.  Hat  die  abgerahmte  Milch  nicht  um  so  viel  höhere
Grade  und  liegt  der  Rahmgehalt  der  ursprünglichen  Milch  zwischen  8—10  °/ 0 ,  so  kann  der
Milch  vorher  bereits  halb  abgerahmte  Milch  zugesetzt  sein.  Zeigt  die  abgerahmte  Milch  aber
ein  nur  um  0,0015—0,002  höheres  spezifisches  Gewicht  oder  1,5—2,0°  mehr  als  die
ursprüngliche  Milch,  und  liegt  der  Rahmgehalt  unter  6  oder  zwischen  ß-8 u /o,  so  ist  ein
Zusatz  von  ganz  abgerahmter  Milch  anzunehmen.  Ist  das  spezifische  Gewicht  der  abgerahmten ­
  Milch  fast  gleich  (1°  Differenz)  der  ursprünglichen  Milch  und  bildet  sich  nur
eine  geringe  Rahmschicht,  so  ist  letztere  nicht  nur  teilweise  abgerahmt  gewesen,  sondern
hat  auch  einen  Zusatz  von  Wasser  erfahren.
Eine  ähnliche  Messung  der  Höhe  der  Rahmschicht  wie  beim  Cremometer  erfolgt
auch  bei  dem  Bergschen  Laktoskop, 2 )  bei  dem  aber  die  Abscheidung  des  Rahms  mittels
Zentrifugalkraft  erfolgt.
4)  Optische  Milchprtifungsapparate.  Es  sind  in  früherer  Zeit  eine  Reihe  von
Vorschlägen  gemacht  worden,  um  auf  optischem  Wege,  d.  h.  durch  Untersuchung  der
Lichtdurchlässigkeit  usw.  der  Milch,  einen  Anhalt  über  die  Beschaffenheit  der  Milch  zu
erhalten.  Man  kann  nach  diesen  Verfahren  nur  sehr  grobe  Verfälschungen  der  Milch  erkennen; ­
  sobald  es  sich  aber  nur  um  einigermaßen  genaue  Untersuchungen  handelt,  lassen
sie  vollständig  im  Stiche.  Diese  Verfahren  können  daher  nur  für  Kleinkonsumenten,  für
Bäckereien  oder  auch  für  Haushaltungen,  wo  mau  sich  in  schnellster  und  einfachster  Weise
über  eine  annähernde  Beschaffenheit  der  Milch  Rechenschaft  geben  will,  in  Betracht
kommen.  Die  verschiedenen  vorgesohlagenen  Verfahren  gründen  sich  darauf,  daß  die  Milch
um  so  undurchsichtiger  ist,  je  mehr  Fettkügelchen  sie  enthält,  dagegen  um  so  durchsichtiger, ­
  je  mehr  diese  durch  Abrahmen  entfernt,  bezw.  je  mehr  sie  durch  Zusatz  von
Wasser  verteilt  sind.  Auf  diesem  Grundsatz  beruht  z.  B.  das  Fesersche  Laktoskop.
Dasselbe  besteht  aus  einem  zylindrischen  Gefäß,  in  dessen  verjüngten  Boden  ein
x )  Journ.  Pharm.  Chim.  1900,  [6],  11,  368;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1900,  3,  644.
2 )  Vergl.  Milch-Ztg.  1899,  28,  183  u.  1902,  31,  825.
        <pb n="492" />
        Vollmilch.  Bestimmung  der  Trockensubstanz  bezw.  des  Wassers.

469

Milchglaskonus  eingeschmolzen  ist.  Man  mißt  4  ccm  Milch  ab,  gießt  dieselben  in  den
Zylinder  und  setzt  unter  fortwährendem  Schütteln  so  viel  Wasser  zu,  bis  die  auf  dem
Milchglaskonus  angebrachten  5  schwarzen  Striche  eben  zu  erkennen  sind.  Die  in  gleicher
Höhe  mit  der  Flüssigkeitssäule  befindliche  Zahl  am  Instrument  entspricht  direkt  den  vorhandenen ­
  Fettprozenten.  Sind  die  Striche  bei  einem  Wasserzusatz  bis  2'/a  deutlich  zu  erkennen, ­
  so  ist  die  Milch  verdächtig  und  der  chemischen  Prüfung  zu  unterwerfen.  —  Auf
demselben  Grundsatz  beruht  auch  der  neuerdings  aufgetauchte  Magermilchprüfer  von
Alexander  Bernstein. 1 )
Die  sonstigen  optischen  Milchprüfungsapparate,  das  Laktoskop  von  Donnö,  Vogel,
Trommer-Vogel,  Seidlitz,  Reischauer,  der  optische  Milchprüfer  von  Gehr.
Mittelstraß  in  Magdeburg,  der  Milchspiegel  vonHeusner  usw.  seien  hier  nur  erwähnt.
3,  Bestimmung  der  Trockensubstanz  bezw.  des  Wassers.
Der  Gehalt  an  Trockensubstanz  bezw.  Wasser  wird  ermittelt,  indem  man
10—12  g  der  gut  durcbgemiscbten  Milch  in  einer  mit  etwa  15  g  gewaschenem,  ausgeglühtem ­
  Seesande  oder  einer  entsprechenden  Menge  ausgeglühtem  Bimssteinpulver
beschickten,  vorher  gewogenen  Platinschale  unter  häufigem  Umrühren  im  JVasserhade
  bis  zur  Trockne  verdampft  und  im  Lufttrockenschrank  bei  105°  bis  zur  Beständigkeit ­
  des  Gewichtes  trocknet.  Statt  der  Platinschale  mit  Sand  oder  Bimssteinpulver ­
  kann  man  sich  auch  der  flachen  Soxhl  et  sehen  Nickelschalen  (ohne  Zusatz
eines  Trockenraittels)  und  statt  des  Lufttrockenschrankes  des  Soxhietsehen  Trockenschrankes ­
  mit  Glyzerinfüllung  bedienen.  Jedoch  empfiehlt  es  sich  hierbei,  nur
6—10  g  Milch  zu  verwenden.
Nach  H.  Lührig 2 )  erhält  man  durch  Trocknen  bei  105°  im  Soxhletschen
Trockonschranke  im  Mittel  etwa  0,12—0,15  °/ 0  Trockensubstanz  weniger  als  nach
3—4-stündigem  Trocknen  im  Wassertrockenschranke.
Es  ist  bei  der  größten  Sorgfalt  nicht  zu  vermeiden,  daß  die  eingetrocknete  Milch,
besonders  wenn  sie  sauer  ist,  eine  gelbe  oder  braune  Farbe  annimmt,  jedenfalls  ein  Zeichen,
daß  eine  gewisse  Zersetzung  stattgefunden  hat.  Um  diesen  Fehler  zu  vermeiden,  stellt
man  wohl  die  auf  dem  Wasserbade  nahezu  eingetrocknete  Milch  auf  eine  Schale  mit  erwärmtem ­
  Sand  und  bringt  beides  unter  den  Rezipienten  einer  Luftpumpe.
Über  die  Berechnung  des  Trockensubstanzgehaltes  aus  dem  spezifischen
Gewicht  und  dem  Fettgehalte  vergl.  weiter  unten  unter  No.  16.
Nach  A.  Reinsch  und  H.  Lührig 8 )  liefert  diese  Berechnung  der  Trockensubstanz ­
  zuverlässigere  Ergebnisse  als  die  direkte  Bestimmung,  da  die  Trockensubstanz
von  Tag  zu  Tag  eine  beträchtliche  Abnahme  erfährt.  Nur  die  unmittelbar  nach  der
Gewinnung  der  Milch  bestimmten  Trockensuhstanzgehalte  stimmen  gut  mit  den  berechneten ­
  tiberein.  Bis  zum  Zeitpunkt  des  Gerinnens  der  Milch  können  diese
Differenzen  0,22—1,04°/ 0  betragen.  Auch  Vieth  hat  bereits  früher  auf  diese  Abnahme ­
  des  Trockensubstanzgehaltes  hingewiesen.  Er  fand  nach  48  Stunden  in  hei
10—Ißo  aufbewahrter  Milch  eine  Abnahme  von  0,30  °/ 0  und  in  hei  19—21°  aufhewahrter
  eine  solche  von  0,78  °/ 0 .
')  Milch-Ztg.  1903,  32,  37;  vergl.  auch  daselbst  434  und  Molkerei-Ztg.  Berlin  1903,
13,  505;  Zeitachr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  400  u.  401.  —
Der  Apparat  wird  hergestellt  von  der  Firma  Göran  Lantesson  vorm.  Th.  Oehlenschläger
  &amp;amp;  Co.,  Berlin,  Jägerstr.  63.
2 )  Milch-Ztg.  1900,  29,  76.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  521,
        <pb n="493" />
        470

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

4.  Bestimmung  des  Stickstoffs  und  der  Stickstoffverbindnngen.
a)  Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffs.  15—20  g  Milch  werden  direkt  in  einem
Kolben  mit  20  ccm  Schwefelsäure  nach  Kjeldahls  Verfahren  versetzt,  erst  im
Wasserbade  oder  über  kleiner  Flamme  erhitzt  und,  wenn  das  Wasser  verdunstet  ist,
weiter  nach  Kjeldahl  (S.  138)  verbrannt.  Oder  man  trocknet  die  Milch  unter  Zusatz
von  etwas  Gips  im  Kolben  ein  und  setzt  dann  die  Schwefelsäure  hinzu.
Für  die  Berechnung  des  Gesamt-Stickstoffs  auf  Stickstoff-Substanz
empfiehlt  es  sich,  nicht  den  sonst  üblichen  Faktor  6,25  zu  wählen,  sondern,  da  das
Kasein  nur  15,7—16,8  °/ 0  und  nicht  16  °/ 0  Stickstoff  enthält,  nach  dem  Vorschläge
von  J.  Munk  hei  Frauenmilch  den  Faktor  6,34  und  bei  Kuhmilch  den  Faktor  6,37.
b)  Bestimmung  der  Gesamt-Eiweifsstoffe  der  Milch  nach  Ritthausen.  25  ccm
Milch  werden  mit  400  ccm  Wasser  verdünnt,  mit  10  ccm  Fehlingscher  Kupferlösung ­
  (34,63  g  Kupfersulfat  in  500  ccm)  und  weiter  mit  6,5—7,6  ccm  einer
Lösung  von  Kalilauge  oder  Natronlauge  versetzt,  welche  14,2  g  Kalihydrat  oder
10,2  g  Natronhydrat  in  1  1  enthält.  —  10  ccm  der  letzteren  entsprechen  allerdings
10  ccm  der  Kupferlösung,  d.  h.  fällen  diese  eben  aus,  indes  genügt  ein  Zusatz  von
6,5—7,5  ccm  Kali-  oder  Natronlauge,  weil  die  Milch  Triphosphat  und  freies  Alkali
enthält.  —  Die  Flüssigkeit  muß  nach  dem  Absetzen  des  Niederschlages  noch  ganz
schwach  sauer  oder  neutral,  keinesfalls  aber  darf  sie  alkalisch  reagieren;  beim  geringsten
Überschuß  von  Alkali  bleibt  die  Flüssigkeit  trübe.  Die  letztere  wird,  wenn  sie  klar
geworden  ist,  durch  ein  getrocknetes  und  gewogenes  Filter  filtriert,  der  Niederschlag
einigemal  mit  Wasser  dekantiert,  dann  aufs  Filter  gebracht,  mit  Wasser  ausgewaschen, ­
  mit  Alkohol  und  Äther  entfettet,  nach  dem  Trocknen  gewogen  und  verascht ­
  oder  der  Niederschlag  wird  samt  dem  Filter 1 )  nach  Kjeldahl  verbrannt.
Aus  dem  gefundenen  Stickstoff  (d.  h.  Gesamt-Stickstoff  —  Filter-Stickstoff)  berechnet
man  die  Stickstoffsubstanz  durch  Multiplikation  mit  6,34  bezw.  6,37.
Den  Gehalt  an  stickstoffhaltigen  Nichteiweißstoffen  erfährt  man  durch  Eindampfen ­
  des  Filtrats  in  Hoff  meist  ersehen  Glasschälchen  und  Verbrennen  des  samt
Schälchen  zerstoßenen  Rückstandes  nach  Kjeldahl.
J.  Munk  schlägt  zum  Fällen  der  Eiweißstoffe  Gerbsäure  vor.
B.  Bestimmung  des  Milchzuckers.
a)  Gewichtsanalytisch  nach  A.  Scheibe. 2 )  &amp;gt;,25  ccm  Milch,  verdünnt  mit
400  ccm  Wasser,  werden  mit  10  ccm  der  als  Bestandteil  der  Fehlingschen  Lösung
vorrätig  gehaltenen  Kupfersulfatlösung  (69,28  g  im  Liter),  dann  mit  3,5—4,0  ccm
N.-Natronlauge,  darauf  mit  20  ccm  einer  kaltgesättigten  Lösung  von  Fluornatrium 2 )
versetzt,  nach  halbstündigem  Stehen  zu  500  ccm  aufgefüllt  und  100  ccm  des
Filtrats  mit  50  ccm  Fehlingscher  Lösung  in  einer  tiefen  Porzellanschale  6  Minuten
lang  im  Sieden  erhalten.  Das  ausgeschiedene  Kupferoxydul  wird  in  einem  Ashestfilterrohre
  gesammelt,  im  Wasserstoffstrome  reduziert  und  die  entsprechende  Milchzuckermenge ­
  aus  der  von  Soxhlet  angegebenen  Tabelle  (vergl.  Tabelle  VIII  am
Schlüsse)  berechnet.“

*)  Das  Filter  darf  alsdann  nicht  getrocknet  werden.
2 )  Nach  A.  Scheibe  (Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1901,  40,  1)  ist  für  eine  genaue
gewichtsanalytische  Milchzucker-Bestimmung  die  Entfernung  der  gelösten  Kalksalze  erforderlich, ­
  da  durch  die  Gegenwart  dieser  0,07—0,11  %  Milchzucker  weniger  gefunden
wurden,  als  nach  ihrer  Ausfüllung  durch  Fluornatrium.  Eine  Berücksichtigung  des  Volumens
des  Niederschlages  der  Eiweißkörper  und  des  Fettes  ist  nicht  erforderlich,  da  bei  der
20-fachen  Verdünnung  dadurch  nur  Fehler  von  —f-  0,01  bis  -(-0,02  %  bedingt  werden.
        <pb n="494" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Milchzuckers  und  der  Mineralstoffe.  471
Man  kann  das  Kupferoxydul  auch  ebenso  zweckmäßig  durch  einen  Goochschen
Porzellantiegel  abfiltrieren  und  das  Kupferoxydul  durch  Multiplikation  mit  0,888  auf
Kupfer  umrechnen  und  dann  der  Soxhletschen  Tabelle  sich  bedienen.
Die  Bestimmung  des  Milchzuckers  kann  natürlich  auch  volumetrisch  nach
Soxhlet 1 )  mit  Fehlingscher  oder  Sachssescher  Lösung  erfolgen.
b)  Polarimetrisch  nach  A.  Scheibe. 2 )  „75  ccm  Milch  werden  mit  7,5  ccm
einer  20  Gew.-°/ 0 -igen  Schwefelsäure  und  7,5  ccm  einer  Quecksilberlösung  versetzt,  die
wie  folgt  bereitet  wird:  40  g  Jodkalium  werden  in  200  ccm  Wasser  gelöst,  mit
55  g  Quecksilberjodid  geschüttelt,  zu  500  ccm  aufgeffillt  und  von  ungelöst  gebliebenem ­
  Quecksilberjodid  abfiltriert.  Nach  dem  Auffüllen  der  mit  den  Klärflüssigkeiten
  versetzten  Milch  zu  100  ccm  wird  das  Filtrat  im  400  mm-Eohre  hei
17,5°  polarisiert.  Bei  Benutzung  des  Halbschatten-Apparates  mit  doppelter  Quarzkeil-Kompensation
  von  Schmidt  und  Hänsch  ist  1  Saccharimeter-Grad  auf  0,16428  g 8 )
Milchzucker  in  100  com  Lösung  urazurechnon.  Bei  Polarisationsapparaten  mit
Kreisteilung  und  Natriumlicht  ist  bei  20°  zu  polarisieren  und  1°  im  400  mm-Kohr
=  0,4759  g 8 )  Milchzucker  in  100  ccm  zu  setzen.“
Zur  Beseitigung  des  durch  das  Volumen  des  Niederschlages  hervorgerufenen
Fehlers  ist  nach  A.  Scheibe  bei  Vollmilch  (mit  2,8—4,7  °/ 0  Fettgehalt)  der  gefundene ­
  Milchzuokergehalt  mit  0,94  und  bei  Magermilch  mit  0,97  zu  multiplizieren.
Bei  Kahm  und  Kolostrnmmiloh  ist  das  Volumen  des  Niederschlages  jedesmal  zu
ermitteln.  Hierfür  hat  A.  Scheibe  ein  besonderes  Verfahren  angegeben,  auf  das  hier
verwiesen  sei.
Wenn  in  der  vorstehenden  Weise  verfahren  wird,  gehen  nach  A.  Scheibe
die  gewichtsanalytische  und  die  polarimetrische  Bestimmung  vollkommen  übereinstimmende ­
  Werte.  Die  entgegengesetzten  Angaben  von  Schmoeger, 4 )  Bechamp, 6 )
v.  Raumer  und  Spaeth 0 )  sind  nach  Scheibe  irrig.
Bei  der  polarimetrischen  Milchzucker-Bestimmung  ist,  wie  A.  Scheibe  und
Svoboda 7 )  gefunden  haben,  die  Anwendung  von  Bleiessig  zur  Ausfüllung  und
Klärung  unzulässig  und  die  fehlerhaften  Befunde  früherer  Untersuchungen  sind
teils  auf  die  Anwendung  von  Bleiessig  und  die  Vernachlässigung  des  Volumens  des
Niederschlages  bei  der  polarimetrischen  Bestimmung,  teils  auf  die  unrichtige  Ausführung ­
  des  gewichtsanalytischen  Verfahrens  zurückzuftthren.  Für  das  Vorhandensein ­
  des  die  Unterschiede  angeblich  herbeiführenden  dextrinartigen  Kohlenhydrates
liegen  keine  Beweise  vor.
6.  Bestimmung  der  Mineralstoffe.
20—30  g  Milch  werden  nach  Fleischmann  unter  Zusatz  von  einigen  Tropfen
Essigsäure  in  einer  Platinschale  auf  dem  Wasserbade  völlig  eingetrocknet  und  dann
über  freier  Flamme  langsam  verkohlt.  Nachdem  man  den  verkohlten  Eückstand
mit  Wasser  ausgezogen  hat,  brennt  man  den  Eückstand  vollständig  weiß,  bringt
die  Schale  auf  das  Wasserbad,  setzt  den  wässerigen  Auszug  nach  und  nach  zu,  verdampft, ­
  glüht  gelinde  und  wägt  nach  dem  Erkalten.
Q  Journ.  f.  prakt.  Cbem.  [2],  21,  227  u.  300.
2 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1901,  40,  1.
3 )  Nach  Landolt,  Das  optische  Drehungsvormögen  usw.  1898,  445.
4 )  Bericht  über  die  Tätigkeit  des  Milohw.  Instit.  Proskau  1883/4,  22.
6 )  Chem.-Ztg.  1891,  15,  1126,  1319.
°)  Zeitschr.  f.  angew.  Chem.  1896,  70.
')  Zeitschr.  d.  Vereins  f.  Rübenzucker-Industrie  1896,  46,  Heft  481.
        <pb n="495" />
        472

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse,

7.  Bestimmung  des  Säuregehaltes.
a)  Bestimmung  der  Gesamtsäure,  a)  Verfahren  von  Soxhlet  und  Henkel.
50  ccm  Milch  werden  nach  Soxhlet  und  Henkel  mit  2  ccm  einer  2°/ 0 -igen  Lösung
von  Phenolphthalein  in  Alkohol  versetzt  und  darauf  mit  1 / 4  N.-Natronlauge  titriert,
bis  eine  eben  bemerkbare  Rötlichfärbung  eintritt.  Die  verbrauchte  Anzahl  ccm  Natronlauge ­
  ergibt  die  Säuregrade.  Dieses  Verfahren  muss  genau  innegehalten  werden,
um  vergleichbare  Ergebnisse  zu  erhalten;  besonders  darf  nicht  mit  Wasser  verdünnt
werden.
Frische  Kuhmilch  zeigt  2—4  Säuregrade;  Milch,  welche  beim  Kochen  gerinnt, ­
  5,5—6,5,  und  Milch  kurz  vor  der  freiwilligen  Gerinnung  in  der  Kälte  15
bis  16  Säuregrade.
ß)  Verfahren  von  W.  Thörner  und  Pfeiffer. 1 )  10  ccm  Milch  werden
in  einem  bei  30  ccm  Inhalt  mit  einer  Marke  versehenen  Schüttelfläschchen  mit
20  ccm  destilliertem  (d.  h.  säurefreiem)  Wasser,  sowie  mit  5  Tropfen  einer
5  °/ 0 -igen  alkoholischen  Phenolphthaleinlösung  versetzt  und  darauf  aus  einer  in  1 / 10  ccm
eingeteilten  Bürette  mit  1 / 10  N-Alkalilauge  titriert,  bis  eben  Rotfärbung  eintritt.
Die  Anzahl  der  so  zur  Sättigung  der  Säure  verbrauchten  ccm  1 / 10  N-Alkalilauge
umgereohnet  auf  100  ccm  Milch,  also  multipliziert  mit  10,  drücken  die  Säuregrade ­
  aus.  Haben  10  ccm  Milch  zur  Neutralisation  1,5  ccm  1 / 10  Normalalkali  verbraucht, ­
  so  hat  die  Milch  15  Säuregrade.
Frische  Kuhmilch  direkt  nach  dem  Melken  hat  10—18  Säuregrade,  nach
weiteren  6  Stunden  (bei  Aufbewahrung  in  kühlen  Räumen)  14—25,  nach  weiteren
48  Stunden  30—100  Säuregrade.  Eine  Milch,  welche  nach  diesem  Verfahren
23  Säuregrade  und  mehr  aufweist,  gerinnt  beim  Kochen.
Das  Verfahren  von  Thörner-Pfeiffer  wird  dem  Soxhlet-Henkelschen
vielfach  vorgezogen;  durch  Multiplikation  der  verbrauchten  ccm  1 / 10  N.-Alkali  lauge
mit  0,009  erhält  man  die  entsprechende  Menge  Milchsäure.
b)  Bestimmung  der  Milchsäure.  Hierfür  hat  H.  Weigmann 2 )  ein  Verfahren  angegeben, ­
  auf  das  hier  nur  verwiesen  werden  kann.
c)  Bestimmung  der  Zitronensäure.  Nach  v.  Soxhlet  und  Henkel 3 )  enthält  die
Kuhmilch  und  nach  A.  Scheibe 1 )  enthalten  auch  Ziegenmilch  und  Frauenmilch  als  regelmäßigen ­
  Bestandteil  Zitronensäure.  Nach  dem  verbesserten  Bestimmungsverfahren  von
A.  Scheibe,  auf  das  hier  nur  verwiesen  werden  kann,  wurden  in  Kuhmilch  1,7—2,0  g,
in  Ziegenmilch  1,0—1,5  g  und  in  Frauenmilch  0,54  g  Zitronensäure  im  Liter  gefunden.
d)  Verfahren  von  Soxhlet  und  Plaut  zur  Bestimmung  des  Inkubationsstadiums.
Soxhlet  nennt  die  Zeitdauer,  welche  vom  Melken  bis  zum  Eintritt  der  Zunahme  des
Säuregrades  verstreicht,  Inkubationsstadium.  Dasselbe  dauert  bei  kuhwarmer  Milch
3—8  Stunden,  bei  10°  dagegen  62—75  Stunden,  und  zwar  um  so  länger,  je  reinlicher
die  Milch  gemolken  war.  Nach  A.  Kirsten")  rührt  das  anfängliche  Gleichbleiben  des
Säuregrades  daher,  daß  gleichzeitig  soviel  freie  Kohlensäure  entweicht,  als  Milchsäure
neugebildet  wird;  er  erklärt  daher  das  Inkubationsstadium  als  denjenigen  Zeitraum,  in
welchem  durch  die  Tätigkeit  der  Milchsäurebakterien  nur  soviel  Milchsäure  gebildet  wird,
wie  der  beim  Stehen  der  Milch  entweichenden  Kohlensäure  hinsichtlich  der  Säurewirkung
entspricht.
')  Chem.-Zeitung  1891,  15,  1108,  desgl.  1892,  1(1,  1496  und  1596.
2 )  Jahresbericht  der  Versuchs-Station  für  Molkereiwesen  in  Kiel  1899/1900,  3--4;
Zeitschr.  f.  Untersuchung  d,  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  170.
3 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1891,  39,  143.
*)  Ebenda  1891,  39,  153.
6 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  97.
        <pb n="496" />
        Vollmilch,  Bestimmung  des  Säuregehaltes  und  der  Haltbarkeit  der  Milch.  473
Das  von  Plaut  ausgearbeitete  Verfahren  ist  folgendes;
Man  bestimmt  zunächst  von  der  zu  untersuchenden  Milch  den  Säuregrad  in  gekochtem
und  in  ungekochtem  Zustande.  Die  Ausführung  dieser  Bestimmung  geschieht  folgendermaßen ­
  :  In  zwei  Kölbchen  von  100  com  Inhalt  werden  je  25  ccm  der  frisch  angekommeueu,
gut  umgeschüttelten  Milch  gebracht  und  dann  das  eine  über  dem  Bunsen-Brenner  unter
fortwährendem  Drehen  so  lange  mittels  Papierhalters  gehalten,  bis  einmaliges  Aufkochen
erfolgt  (etwa  1  Minute),  worauf  das  Kölbchen  in  kaltes  Wasser  gesetzt  wird.  Dann  gibt
man  zum  anderen  Kölbchen  1  ccm  2  °/ 0 -ige  alkoholische  Phenolphthaleinlösung,  titriert  mit
Barytlösung  (1  ccm  =  6  mg  S0 3 )  bis  die  Bosafärbung  deutlich  eingetreten  ist.  Nach  dem
Abkühlen  des  ersten  Kölbchens  wird  dieses  in  derselben  Weise  titriert.
Ist  diese  Säurebestimmung  in  der  frisch  angekommenen  Milch  erfolgt,  so  setzt  mau
120  ccm  derselben  in  Wasser  von  40°,  um  sie  auf  37°  zu  bringen,  und  daun  mit  Wattepfropf ­
  bedeckt  in  den  Brutofen  von  37°.  Nach  gewissen  Zeiträumen  nimmt  man  mit  der
Pipette  2  x  25  ccm  heraus  und  titriert  wieder  in  der  gekochten  und  ungekochten  Milch,
was  man  nötigenfalls  mehrmals  wiederholt.
Plaut  hat  nach  vielfachen  derartigen  Untersuchungen  folgende  Regeln  für  die
Beurteilung  gefunden:
Frische,  reinlich  gemolkene  Milch  hält  sich  mindestens  5  Stunden  lang  unverändert ­
  im  Brutofen.  Frische,  unreinlich  gemolkene  Milch  zeigt  nach  4  Stunden  noch
keine,  nach  6  Stunden  schon  eine  beginnende  Zunahme  der  Säuerung.  Mittelrein  lieh
gemolkene  Milch,  die  sich  noch  in  den  ersten  zwei  Dritteln  des  Inkubationszeitraumes
befindet,  zeigt  nach  2  Stunden  gewöhnlich  eine  Abnahme  der  Säuerung  in  der  ungekochten
Probe  und  vollständige  Säurebeständigkeit  in  der  gekochten  Probe.  Nach  3'/ 2  Stunden  beginnt
das  Steigen  der  Säurekurve.
Jede  Milch,  welche  sich  im  letzten  Drittel  der  Inkubation  befindet,  zeigt  nach
2  Stunden  (gekochte  und  ungekochte  Probe)  in  bezug  auf  Säuremenge  keine  oder  eine
geringe  Erhöhung  gegenüber  der  Anfangstitrierung;  nach  3  Stunden  eine  starke  Zunahme  in
beiden  Proben.  Jede  Milch,  die  das  Inkubationsstadium  überschritten  hat,  zeigt
schon  nach  der  ersten  Stunde  deutliche  Säurezunahme  in  beiden  Proben,  auch  bei  Zimmertemperatur. ­

Die  vorstehenden  Verfahren  der  Prüfung  der  Marktmilch  auf  ihre  Haltbarkeit  bezw.
ihren  ökonomischen  Wert  kann  sich  selbstverständlich  nur  auf  rohe  Milch  oder  gewöhnliche
Marktmilch  erstrecken.  Marktmilch,  welche  vorher  gekocht  oder  auch  pasteurisiert  worden
war,  wird  sich  anders  verhalten  und  namentlich  stets  eine  Zunahme  des  Säuerungsgrades,
eine  Ausscheidung  von  Käse  (durch  ein  von  Bakterien  erzeugtes  labähnliches  Ferment)
oder  eine  Peptonisierung  der  Milch  oder  beide  Erscheinungen  aufweisen
e)  Prüfung  der  Milch  durch  Alkohol-Zusatz.  Nach  G.  Walch')  kann  man  sich
durch  allmählich  gesteigerten  Alkohol-Zusatz  in  folgender  Weise  ein  Urteil  über  die  Frische
der  Milch  verschaffen;  Mau  setzt  zu  10  ccm  Milch  nach  und  nach  2,5—5,0—7,5  und  10  ccm
6ts%-igen  Alkohol.  Hierbei  bleibt  eine  frische  Milch  mit  höchstens  20  Pfeifferschen
Säuregraden  unverändert,  wenn  man  10  ccm  Alkohol  zusetzt.  Eine  Milch  mit  über
35  Säuregraden  gerinnt  schon  bei  Zusatz  von  2,5  ccm,  eine  solche  mit  30—35  Säuregraden
gerinnt  bei  Zusatz  von  5,0  ccm,  eine  solche  mit  25—30  Säuregraden  bei  Zusatz  von  7,5  ccm
und  eine  solche  mit  20—25  Säuregraden  bei  Zusatz  von  10  ccm  Alkohol.
8.  Die  Bestimmung  der  Haltbarkeit  der  Milch.
a)  Gärprobe  nach  Walther  und  Gerber.  Die  so  benannte  Untersuchung  hat
den  Zweck,  die  Milch  auf  ihre  Haltbarkeit  zu  prüfen,  d.  h.  die  Zeit  zu  bestimmen,  welche
verfließt,  um  dieselbe  zum  Gerinnen  zu  bringen.  Man  hat  gefunden,  daß  frische,  gute
Milch  bei  einer  Temperatur  von  45°  erst  nach  12  Stunden  gerinnt.  Eine  von  Natur  aus
kranke  Milch  oder  solche,  welche  bei  ungenügender  Reinigung  der  Milchgefäße  Fäuluisstoffe
  wie  Spaltpilze  in  größerer  Menge  beigemischt  enthält,  gerinnt  schon  nach  viel
kürzerer  Zeit.
J )  Pharm.  Ztg.  1899,  44,  906;  Zeitschr.  f.  Untersuchung-  d.  Nahrungs-  n.  Genußmittel ­
  1900,  3,  343.
        <pb n="497" />
        474

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Das  für  diese  Untersuchung  vorgesohlagene,  von  Dietzsch  veränderte  Verfahren
ist  folgendes;
Ein  kleiner  viereckiger  Glaskasten  mit  Blechboden  von  der  Größe  eines  hohen
Zigarrenkistohens  wird  mit  Wasser  von  46°  gefüllt.  Auf  dem  Rande  des  Kastens  liegen
durchlöcherte  Blechstreifen,  deren  Öffnungen  so  groß  sind,  daß  dieselben  Reagensgläser
von  2Vä  cm  Durchmesser  fassen.  Die  15  cm  hohen,  zuvor  durch  Erhitzen  auf  150—160°
sterilisierten  und  mit  sterilisiertem  Wattepfropfen  verstopften  Reagensgläsohen  werden
etwa  3 / 4  mit  der  zu  untersuchenden  Milch  gefüllt,  mit  dem  Wattepfropfen  schnell  geschlossen
und  in  das  auf  45°  erwärmte  Wasser  gesenkt.  Durch  eine  kleine  Flamme  hält  man  das
Wasser  des  Kastens  12  Stunden  lang  auf  45°;  durch  zeitweiliges  Naohschauen  sieht  man,
welche  Veränderung  mit  der  Milch  vor  sich  geht.
Ist  dieselbe  nach  12  Stunden  nicht  geronnen,  so  kann  man  von  einer  gesunden
Beschaffenheit  und  Haltbarkeit  der  Milch  überzeugt  sein.  Findet  indes  schon  nach
9  Stunden  ein  Gerinnen  statt,  so  ist  dieselbe  als  verdächtig  zu  bezeichnen  und  verlangt
eine  wiederholte  Revision.
Eine  Milch,  welche  schon  nach  6  Stunden  eine  Veränderung  erlitten  hat,  einen
unangenehmen  Geruch  zeigt,  geronnen  oder  flockig  geworden  ist,  Kohlensäurebläschen
entwickelt  usw.,  ist  zu  beanstanden,  von  der  Käserei  auszuschließen  und  verlangt  eine
aufmerksame  Forschung  nach  der  Ursache  des  vorzeitigen  Verderbens.
Es  ist  einleuchtend,  daß  die  Garprobe  nur  bei  einer  frischen  oder  höchstens  wenige
Stunden  alten  Milch  von  Wert  sein  kann;  denn  wenn  im  Hochsommer  eine  am  Abend
gemolkene  Milch  am  folgenden  Morgen  dieser  Probe  unterworfen  wird,  so  ist  so  viel  Zeit
verflossen,  dass  die  nicht  von  der  Milch  fernzuhaltenden  Pilze  sich  in  so  großer  Menge
vermehrt  haben,  daß  die  Säuerung  und  das  Gerinnen  schon  sehr  früh  eintreten  müssen.
Auch  kann  eine  einmalige  Probe  nicht  stichhaltig  sein  für  die  Beurteilung  der  Haltbarkeit
der  Milch;  nur  durch  3—4  Tage  hintereinander  angestellte  Garproben  der  Milch  eines
Viehstapels  lassen  sich  Urteile  über  Tauglichkeit  oder  Untauglichkeit  derselben  für  Molkereioder ­
  Genußzwecke  gewinnen.
b)  Kaseinprobe  nach  Schaffer.  Nach  Schaffer  wird  dieselbe  folgendermaßen
ausgeführt  :  100  ccm  Milch  werden  in  mit  Marke  versehene  Milchgläser  gegeben,  welche  in
ein  Wasserbad  von  35°  eintauchen.  Ferner  löst  man  eine  Hansensche  Labtablette  (kleinste
Nummer)  in  Wasser  von  25—30°  und  füllt  auf  */ 2  1  auf.  Von  dieser  Lablösung  werden
2  ccm  jenen  auf  35°  erwärmten  100  ccm  Milch  zugegeben,  durch  Schütteln  und  Umrühren
gemischt  und  die  Gläser  wieder  in  das  Wasserbad  gesenkt.  Darauf  wird  durch  häufiges
Nachschauen  beobachtet,  wann  ein  vollständiges  Gerinnen  eintritt.
Normale  frische  Milch  gerinnt  in  kaum  weniger  als  10  und  kaum  mehr  als  20  Minuten
vollständig  und  gleichmäßig.  Dauert  die  Gerinnung  sehr  lange  oder  tritt  sie  gar  nicht  ein,
ist  ferner  das  Gerinnsel  ungleichmäßig  klumpig  oder  feinflockig  und  die  Molke  milchig,
so  ist  die  Milch  zum  Käsen  nicht  brauchbar.  Kolostrum-  (Biestmilch)  und  saure  Milch
sollen  schon  nach  7—8  Minuten,  dagegen  räße  oder  salzige  Milch  nur  teilweise  oder  gar
nicht  gerinnen  (dicken).  Milch  von  fieberkranken  Tieren  gerinnt  nur  langsam  und  solche
von  Tieren  mit  Euterentzündung  soll  flockig  gerinnen.
Die  Meinungen  über  die  Brauchbarkeit  dieses  Verfahrens  zur  Auffindung  von  Milchfehlern ­
  sind  sehr  verschieden  und  werden  namentlich  die  oben  angeführten  Angaben  über
das  Verhalten  verschiedenartig  kranker  Milch  als  nicht  immer  zutreffend  angezweifelt.
c)  Labgärprobe  nach  Diethelm.  Ein  drittes  ähnliches  Verfahren  ist  die  Labgärprobe ­
  von  Diethelm.  Dieselbe  ist  in  ihrer  Ausführung  eine  Abänderung  der  gewöhnlichen ­
  Gärprobe,  indem  der  Milch  in  den  Probegläschen  einfach  2  ccm  frische  Labflüssigkeit
(wie  sie  zur  Kaseinprobe  verwendet  wird)  zugesetzt  werden.  Die  Milch  gerinnt  dann
schon  nach  kurzer  Zeit.  Nach  12-stündigem  Stehen  werden  die  Käschen  auf  ihre  Form
und  Lochung  untersucht.  Die  zylindrischen  Käschen  erscheinen  entweder  gerade  oder
spiralig  gewunden  oder  gebläht  oder  zerrissen,  blasig  und  rissig.  Schneidet  man  sie  auseinander, ­
  so  sind  sie  entweder  gleichmäßig  dicht  oder  haben  ganz  kleine  wenige  Löcher
oder  sind  großlochig,  blasig  oder  rissig.  Manchmal  haben  sich  gar  keine  Käschen  gebildet,
sondern  die  Kaseinmasse  liegt  als  zerrissene,  flockige  Masse  am  Boden.  Auch  die  Molke
        <pb n="498" />
        Vollmilch.  Bestimmung  des  Schmutzgehaltes  der  Milch.

475

kann  eine  abnorme  Farbe  haben  und  von  Blasen  durchsetzt  sein.  Gesunde,  gute  Milch
soll  ein  glattes  geschmeidiges  Kaschen,  frei  von  Lochung,  liefern.  Fehlerhafte  „triebige“
Milch  soll  dagegen  Käse  geben,  welche  hart,  lederartig  sind,  „rissige“  Lochung  besitzen
und  bisweilen  stark  aufgetrieben  sind.  Biestmilch  gibt  ein  unappetitliches,  stark  gefärbtes
Käschen.
Die  Meinungen,  welches  von  den  3  Verfahren  das  sicherste  ist,  sind  sehr  geteilt,
doch  wird  allgemein  der  Garprobe  der  Vorzug  gegeben  und  fast  sämtliche  Analytiker
stimmen  darin  überein,  daß  nicht  alle  Fehler  durch  ein  Verfahren  ausfindig  gemacht  werden
können  und  daß  man  öfters  Täuschungen  ausgesetzt  ist.  Es  wird  daher  empfohlen,  neben  der
Garprobe,  wenn  möglich,  auch  die  beiden  anderen  Proben  auszuführen.  Die  Erfahrungen
über  sämtliche  Verfahren  sind  noch  nicht  ausreichend.
9.  Bestimmung  des  Schmutzgehaltes  der  Milch.
Für  das  Renk  sehe 1 )  Verfahren  hat  A.  Stutzer 2 )  einen  Apparat  angegeben,
der  aus  einer  Milchflasche,  einem  auf  ihren  Hals  passenden  Gummischlauch  von
wenigen  Zentimeter  Länge,  einem  Quetschhahn  und  einem  ebenfalls  in  den  Gummischlauch ­
  passenden  starken  Eeagensglase  besteht.  Man  befeuchtet  zunächst  den
kleinen  Gummischlauch,  stülpt  ihn  über  das  Eeagensrohr,  setzt  den  Quetschhahn
auf,  schiebt  das  Ganze  über  die  mit  etwa  1  1  Milch  gefüllte  Flasche  und  kehrt
letztere  um.  Die  Flasche  bleibt  unter  Öffnen  des  Quetschhahnes  etwa  1—2  Stunden
umgekehrt  stehen,  bis  sich  der  ärgste  Schmutz  im  tiefsten  Teile  des  Eeagensglases
angesammelt  hat,  dann  schraubt-  man  den  Quetschhahn  zu,  stürzt  die  Flasche  wieder
in  die  gewöhnliche  Lage,  nimmt  den  Gummischlauch 8 )  mit  dem  mit  Schmutz  gefüllten
Eeagensglase  fort,  gießt  den  Inhalt  des  letzteren  in  ein  Becherglas  oder  besser
in  ein  hohes  zylindrisches  Gefäß,  übergießt  mit  Wasser  und  dekantiert  nach  dem
Ahsetzen  bis  auf  einen  kleineren  Rest,  ohne  den  Niederschlag  aufzurühren.  Die
Dekantation  wiederholt  man  so  oft,  bis  das  überstehende  Wasser  hell  und  klar  ist.
Dann  gibt  man  den  Niederschlag  auf  ein  getrocknetes  und  gewogenes  Filter,  zieht
den  Rückstand  mit  Alkohol  und  Äther  aus  und  trocknet  bis  zum  gleichbleibenden
Gewicht.
A.  Beythien  und  P.  Bohrisch 4 )  verfuhren  ebenso  wie  A.  Stutzer,
sammelten  aber  nach  2-sttindigem  Stehen  den  Schmutz  nicht  auf  einem  gewogenen
Filter,  sondern  brachten  ihn,  nach  schließlichem  Dekantieren  mit  Alkohol  und  Äther,
direkt  mit  etwas  Alkohol  in  einen  gewogenen  Porzellantiegel.
N.  Gerber  verfährt  ähnlich  wie  Stutzer,  verwendet  aber  besondere,  unten
verjüngte  und  mit  einer  Skala  versehene  Eöhrchen  zur  Aufnahme  des  Schmutzes
und  bestimmt  das  Volumen  der  sich  absetzenden  Schmutzschicht.
W.  Bersch 8 )  läßt  die  mit  etwa  der  Hälfte  Wasser  verdünnte  und  mit  Formalin
versetzte  Milch  24  Stunden  in  einem  Becherglase  stehen,  hebert  die  Flüssigkeit  ab,
setzt  Wasser  hinzu  und  wiederholt  dies  etwa  8—10-mal.
E.  Eichloff 0 )  fand,  daß  bei  dem  Stutzerschen  Verfahren  durch  dreistündiges
Stehenlassen  der  Milch  der  vorhandene  Schmutz  sich  nicht  vollständig  absetzt,  daß
')  München,  medio.  Wochenschrift  1891,  No.  6  und  7.
2 )  A.  Stutzer,  Die  Milch  als  Kindernahrung  usw.  Bonn  1896,  Verlag  von  Strauß.
8 )  Der  Gummiverschluß  wird  zweckmäßig  gleich  nach  der  Abtrennung  gereinigt,
damit  sich  nicht  Milchteile  fest  an  denselben  ausetzen,  die  sich  später  nur  schwer  entfernen ­
  lassen.
4 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  319.
5 )  Zeitschr.  f.  landw.  Versuohawesen  in  Österreich  1898,  1,  245;  Zeitschr.  f.  Untersuchung ­
  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  6B3.
8 )  Zeitschr.  f.  Untersuchuug  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  678.
        <pb n="499" />
        476

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

dazu  vielmehr  his  zu  3  Tage  erforderlich  seien.  Er  schlägt  daher,  ebenso  wie
W.  Thörner  und  A.  Schlicht,  vor,  den  Schmutz  durch  Zentrifugalkraft  aus  der
Milch  auszusondern,  und  verfährt  folgendermaßen:
300  g  Milch  werden  in  etwa  8  starkrvandige  Reagensgläser  gebracht  und  in
einer  geeigneten  Zentrifuge  5  Minuten  lang  bei  einer  Tourenzahl  von  2000  in  der
Minute  geschleudert.  Alsdann  hat  sich  sämtlicher  Schmutz  zu  Boden  gesetzt.  Die
auf  der  Oberfläche  befindliche  Eahmschicht  wird  mit  Hilfe  der  Spritzflasehe  herausgespritzt ­
  und  darauf,  ohne  den  Schmutz  aufzurühren,  mittels  eines  am  kürzeren
Ende  umgehogenen  Hebers  die  Milch  bis  auf  einen  kleinen  Eest  —  bis  auf  etwa
1  cm  Entfernung  vom  Boden  —  entfernt.  Darauf  bringt  man  sämtliche  Milchreste
mit  dem  darin  aufgerührten  Schmutze  quantitativ  in  eines  der  Eeagensgläser  und
zentrifugiert  und  hebert  in  derselben  Weise  wie  vorher  ab.  Darauf  filtriert  man
den  Schmutz  durch  ein  gewogenes  Allihnsches  Eöhrchen  mit  Asbestfilter,  wäscht
nach,  bis  das  Waschwasser  vollkommen  klar  ist,  trocknet  das  Eöhrchen  hei  105°
und  wägt.
W.  Thörner  und  A.  Schlicht 1 )  verwenden  besondere  Meßröhrchen,  welche
nur  50  ccm  Milch  fassen  und  die  im  unteren  verjüngten  Teile  eine  Skala  haben,  an
der  das  Volumen  des  Schmutzes  abgelesen  wird.
Renk  fand  nach  seinem  Verfahren  im  Durchschnitt  etwa  9,0—10,3  mg  Schmutz
im  Liter.  A.  Beythien  und  P.  Bohrisch  fanden  für  Dresden  nach  dem  von
ihnen  abgeänderten  Stutzer  sehen  Verfahren  in  40  Proben  Wintermilch  (Stallfütterung) ­
  2,7-—24,6  mg,  im  Mittel  6,3  mg  und  in  39  Proben  Sommermilch  (Weidegang) ­
  0—6,5  mg,  im  Mittel  2,6  mg  Schmutz;  0.  Bach 2  3 )  fand  in  der  Milch  von
Mainz  bei  70  Proben  3—42  mg,  die  im  Mittel  gefundene  Menge  war  etwa  10  mg.
Nach  H.  Lührig  und  F.  Wiedmann, 8 )  die  sich  des  Stutzerschen  Verfahrens
bedienten  und  2  Stunden  absitzen  ließen,  werden  vom  Kuhkot  etwa  10  °/ 0  als
Trockensubstanz  wiedergefunden.
10.  Bakteriologische  Untersuchung  der  Milch.
Bezüglich  der  bakteriologischen  Untersuchung  der  Milch  muß  auf  die  Literatur
verwiesen  werden.  Vergl.  auch  unter  Trinkwasser.
11.  Unterscheidung  von  erhitzter  und  nicht  erhitzter  (roher)  Milch.
Infolge  des  in  neuerer  Zeit  beim  Auftreten  von  ansteckenden  Krankheiten
vielfach  vorgeschriebenen  Erhitzens  der  Milch  hat  man  zahlreiche  Verfahren 4 )  zum
Nachweise  von  auf  etwa  70°  und  höher  erhitzter  Milch  bezw.  zur  Unterscheidung
von  erhitzter  und  nicht  erhitzter  („roher“)  Milch  vorgeschlagen,  die  in  folgende
beiden  Hauptgruppen  zerfallen:
а)  Verfahren,  die  auf  dem  Nachweise  des  Albumins  in  dem  vom  Kasein  befreiten
Serum  der  Milch  beruhen.  Nach  M.  Rubner 5  б )  setzt  man  zu  der  Milch  so  lange
Kochsalz  unter  häufigem  Umschütteln  hinzu,  bis  sich  ungelöstes  Kochsalz  am  Boden
')  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  343  u.  1903,  6,  552.
2 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  819.  0.  Bach
bestimmte  den  Milohsohmutz  in  einem  von  ihm  selbst  konstruierten,  an  den  Stutzerschen
sich  anlehnenden  Apparate.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  204.
4 )  Eine  kritische  Übersicht  über  die  vorgeschlagenen  Verfahren  lieferte  M.  Siegfeld
(Zeitschr.  f.  angew.  Chem.  1903,  16,  764),  der  wir  hier  z.  T.  folgen.
б )  Hyg.  Rundschau  1895,  5,  1021.
        <pb n="500" />
        Vollmilch.  Unterscheidung  von  erhitzter  und  nicht  erhitzter  (roher)  Milch.  477

des  Gefäßes  ansammelt,  dann  erwärmt  man  auf  30—40°,  filtriert  und  erhitzt  das
licht-gelbliche  Filtrat  zum  Kochen.  Vorher  gekochte  Milch  gibt  keine  oder  nur
eine  geringe  Abscheidung  von  Albumin;  tritt  letztere  ein,  so  liegt  ungekochte  Milch
oder  ein  Gemenge  von  gekochter  und  ungekochter  Milch  vor.
Ebenso  zweckmäßig  ist  es  nach  Kirchner,  die  Milch  auf  natürliche  Weise
gerinnen  zu  lassen  und  das  Filtrat  (Serum)  zur  Prüfung  zu  verwenden.  Ferner
empfehlen  für  die  Ausfällung  des  Kaseins  v.  Soxhlet  verdünnte  Säuren,  de  Jager
und  Fab  er  Magnesiumsulfat.
b)  Verfahren,  welche  auf  der  Wirkung  der  oxydierenden  Fermente  der  nicht
erhitzten  (rohen)  Milch  beruhen.  Bei  dem  einen  Teile  dieser  Verfahren  läßt  man  die
Fermente  unmittelbar  auf  gewisse,  leicht  oxydabele  Chromogene  wirken,  hei  dem
anderen  Teile  findet  ein  Zusatz  von  Wasserstoffsuperoxyd  statt  und  wird  der  aus
diesem  durch  die  Fermente  der  Milch  entwickelte  Sauerstoff  naohgewiesen.
Als  die  zuverlässigsten 1 )  von  den  vorgeschlagenen  Verfahren  gelten:
a)  Die  Paraphenylendiamin-Reaktion.  V.  Storch 2 )  hat  eine  ganze
Anzahl  von  Verbindungen  (darunter  Jodkalium  und  Stärke,  Guajakol,  Hydrochinon,
a-Naphtol,  Paraphenylendiamin,  Dimethylparaphenylendiamin,  Pyrogallussäure)  gefunden, ­
  die  durch  die  oxydierenden  Fermente  der  Milch  bei  Gegenwart  von  Wasserstoffsuperoxyd ­
  gefärbt  werden.
Für  das  beste  Reagens  hält  V.  Storch  das  Paraphenylendiamin, 8 )  dessen
Brauchbarkeit  auch  von  anderer  Seite  vielfache  Bestätigung  gefunden  hat.  Man
verwendet  eine  2  °/ 0 -ige  Lösung  von  Paraphenylendiamin,  das  man  sich  nach
M.  Siegfeld 4 )  durch  Sublimation  zwischen  zwei  Uhrgläsern  leicht  in  weißen  vollkommen ­
  reinen  Kristallen  herstellen  kann.  Man  löst  es  in  heißem  Wasser  und
bewahrt  die  nötigenfalls  filtrierte  Lösung  in  braunen  Fläschchen  an  einem  kühlen
Orte  auf;  sie  bleibt  so  etwa  2  Monate  haltbar.  V.  Storch  verwendet  ferner  eine
0,2°/ 0 -ige  mit  1  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  auf  1  Liter  angesäuerte  Wasserstoffsuperoxydlösung, ­
  die  in  brauner  Flasche  lange  Zeit  haltbar  ist.  Nach  M.  Siegfeld ­
  tritt  die  Reaktion  noch  rascher  und  stärker  mit  der  l,5°/ 0 -igen  offizineilen
Wasserstoffsuperoxydlösung  ein.  Man  verfährt  nach  V.  Storch,  wie  folgt:
Etwa  10  ccm  Milch  (Rahm  oder  Molke)  werden  in  einem  Reagensglase  mit
1  Tropfen  Wasserstoffsuperoxydlösung  und  2  Tropfen  Paraphenylendiaminlösung
geschüttelt.  Wird  die  Milch  sofort  stark  indigoblau  (bei  Milch  und  Rahm)  oder
violett  bis  rotbraun  (bei  Molke)  gefärbt,  so  ist  sie  nicht  bis  78°  bezw.  überhaupt  nicht
erwärmt  gewesen.  Wird  die  Milch  (Rahm)  sofort  oder  binnen  1 / 2  Minute  hellblaugrau
  gefärbt,  so  ist  sie  auf  79—80°  erwärmt  worden;  behält  sie  dagegen  ihre  weiße
Farbe  oder  nimmt  sie  nur  einen  äußerst  schwachen  violett-roten  Farbenton  an,  so
ist  sie  über  80°  erwärmt  worden.  Saure  Milch  ist  vor  der  Prüfung  mit  Kalkwasser ­
  zu  neutralisieren.  Nach  M.  Siegfeld  tritt  die  Reaktion  schon  bei  einem
Gehalt  von  5  °/ 0  roher  Milch  sofort  ein.  Die  Farbe  verblaßt  frühestens  erst  nach
*)  Die  früher  empfohlene  Guajaktinktur  hat  sich  nach  vielfachen  Versuchen  als
unzuverlässig  erwiesen,  da  es  nicht  immer  gelingt,  eine  wirksame  Guajaklösung  herzustellen.
2 )  40-de  Beretning  fra  den  Kgl.  Veterinär-  og  Landbohöjskoles  Laboratorium  for
iaudökonomiske  Forsög,  Kiobenhavn  1898;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-u.  Genußuuttel
  1899,  2,  239  242.
_  3 )  Noch  geeigneter  ist  zwar  nach  M.  Siegfeld  (Zeitsohr.  f.  angew.  Chem.  1903,  16,
64)  das  Dimethyl-Paraphenylendiamin;  dasselbe  ist  aber  in  der  Form  des  salzsauren
alzes  fünfmal  und  in  Form  der  freien  Base  zwanzigmal  teurer  als  Paraphenylendiamin;
aus  diesem  Grunde  sah  auch  V.  Storch  von  dessen  Verwendung  ab.
4 )  Milch-Ztg.  1901,  30,  723  u.  Zeitschr.  f.  angew.  Chem.  1903,  16,  764.
        <pb n="501" />
        478

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

mehreren  Stunden.  Erst  nach  stundenlangem  Stehen  auftretende  Verfärbungen
sind  unberücksichtigt  zu  lassen,  da  sie  auch  hei  gekochter  Milch  eintreten  können.
Bei  Gegenwart  von  größeren  Mengen  Formaldehyd  ist  die  Reaktion  nachE.  Eichholz 1 )
nicht  anwendbar.  Enthält  eine  Milch  reduzierende  Stoffe  (Ehodansalze,  Ferrosalze),
welche  den  Sauerstoff  des  Wasserstoffsuperoxyd  zur  Oxydation  verwenden,  so  tritt
nach  F.  Wirthle' 2 )  die  Reaktion  nicht  ein,  wohl  aber,  wenn  man  mehr  Wasserstoffsuperoxyd ­
  hinzusetzt.
W.  Rullmann 3 )  empfiehlt,  die  Reaktion  als  Schicht-Reaktion  auszuführen
und  hält  diese  für  die  schärfste  und  einfachste.  Milch,  welche  1  Stunde  auf  68—69  0
erhitzt  ist,  gibt  noch  eine  Reaktion,  solche,  welche  1 /. 2  Stunde  auf  72°  erhitzt  ist,
aber  innerhalb  10  Minuten  nicht  mehr.
ß)  Die  Reaktion  mit  Jodkalium-Stärkekleister.  Du  Eoi  und  Köhler 4 )
haben  diese  bereits  von  V.  Storch  geprüfte,  aber  weniger  geeignet  befundene
Reaktion  in  folgender  Ausführung  empfohlen:  Man  schüttelt  eine  größere  Menge
Milch  (etwa  100  ccm)  mit  1  °/ 0 5 )  (ursprünglich  waren  2  °/ 0  empfohlen)  einer  1  °/ 0 -igen
Wasserstoffsuperoxydlösung.  Von  der  so  behandelten  Milch  gibt  man  3  ccm  zu
3  ccm  Jodkaliumstärkelösung  —  hergestellt  durch  Auflösen  von  2—3  g  Jodkaliura  in
wenig  Wasser  und  Zugeben  dieser  Lösung  zu  100  ccm  einer  2—3  °/ 0 -igen  wässerigen
Stärkelösung  —  in  ein  Reagensglas  und  schüttelt  kräftig  um.  Bei  Gegenwart  von
nur  10°/ 0  roher  Milch  tritt  sofort  eine  starke  Blaufärbung  ein;  nach  du  Eoi  und
Köhler  lassen  sich  durch  das  Reagens  noch  2°/ 0  rohe  Milch  in  gekochter  Milch
nachweisen,  die  Reaktion  tritt  dann  aber  erst  langsamer  ein.  Erhitzte  Milch  bleibt
rein  weiß.  Wie  Vollmilch  verhalten  sich  auch  Rahm,  Magermilch  und  Molken.
Bei  saurer  Milch  muß  die  Hauptmenge  der  Säure  vorher  neutralisiert  werden.  Ein
Gehalt  der  Milchproben  an  Kaliumbichromat  oder  Formaldehyd  beeinträchtigt  die
Brauchbarkeit  der  Reaktion  nicht.
Nach  M.  Siegfeld,  der  das  Verfahren  für  recht  brauchbar  hält,  ist  die
offizinelle  Jodzinkstärkelösung  der  Jodkaliumstärkelösung  vorzuziehen,  da  erstere
haltbarer  ist  und  auch  reinere  Farbentöne  gibt.
12.  Nachweis  von  Frischhaltungsmitteln. 6 )
а)  Natriumkarbonat.  Zum  sichereren  Nachweis  von  Natriumkarbonat,  von
welchem  bis  zu  1  g  wasserfreies  Salz  auf  1  Liter  zugesetzt  wird,  um  die  Säuerung
der  Milch  zu  verdecken,  werden  nach  A.  Hilger  50  ccm  Milch  mit  der  5-fachen
Wassermenge  verdünnt,  erhitzt,  mit  wenig  Alkohol  zum  Gerinnen  gebracht  und
filtriert.  Das  auf  die  Hälfte  eingeengte  Filtrat  läßt  an  der  alkalischen  Reaktion  die
Gegenwart  von  Alkalikarbonat  deutlich  erkennen.
Nach  Soxhlet  und  Scheibe  bestimmt  man  in  der  Milchasche  quantitativ  die
Kohlensäure,  wobei  zu  berücksichtigen  ist.  daß  die  Asche  der  natürlichen  Milch  nicht
mehr  als  2  °/ 0  Kohlensäure  enthält.
4 )  Molkerei-Ztg.  Berlin  1900,  10,  271.
2 )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  432,
3 )  Zeitachr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  81.
4 )  Milch-Ztg.  1902,  31,  17  und  113.
б )  Vergl.  M.  Siegfeld,  Zeitsohr.  f.  angew.  Chem.  1903,  16,  764.
9 )  Da  die  Prüfung  vieler  Milchproben  auf  die  verschiedenen  Frischhaltungsmittel
sehr  zeitraubend  ist,  hat  M.  Wynter  Blyth  (Analyst  1901,  26,  148;  Zeitschr.  f.  Untersuchung ­
  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  172)  ein  Verfahren  ausgearbeitet,  nach
welchem  zunächst  untersucht  wird,  ob  überhaupt  Frischhaltungsmittel  vorhanden  sind.  Auf
dieses  Verfahren,  bei  welchem  die  Milohproben  auf  gleichen  Alkalitätsgrad  und  gleichen
Bakteriengehalt  gebracht  werden,  wie  eine  Kontrollmilch,  kann  hier  nur  verwiesen  werden.
        <pb n="502" />
        Vollmilch.  Nachweis  von  Frischhaltungsmitteln.

479

Nach  P.  Süß 1 )  kann  man  noch  0,05  °/ 0  Natriummono-  und  -hikarbonat  in  der
Milch  deutlich  nachweisen,  wenn  man  zu  100  ccm  Milch  5—10  ccm  Alizarinlösung
  hinzugibt.  Die  Milch  nimmt  alsdann  eine  sehr  deutliche  Rosafärhung  an,
während  karbonatfreie  Milch  gelblich  wird.  Die  Alizarinlösung  wird  durch  Auflösen
von  2  g  Alizarin  in  1  1  90  °/ 0 -igem  Alkohol  unter  gelindem  Erwärmen  erhalten.
b)  Salizylsäure,  Nach  Ch.  Girard 2 )  werden  100  ccm  der  zu  prüfenden
Milch  und  100  ccm  Wasser  von  60°  mit  8  Tropfen  Essigsäure  und  8  Tropfen
salpetersaurem  Quecksilberoxyd  gefällt,  geschüttelt  und  filtriert.  Das  Filtrat  wird
mit  60  ccm  Äther  ausgesohüttelt,  welcher  die  Salizylsäure  aufnimmt.  Nach  dem
Verdunsten  des  Äthers  wird  dieselbe  in  Wasser  aufgenommen  und  kann  durch  die
bekannte  Reaktion  (mit  einem  Tropfen  einer  1  °/ 0 -igen  Eisenchloridlösung  an  der
violetten  Färbung)  nachgewiesen  werden.
Nach  G.  Breustedt 3 )  verdünnt  man  26  ccm  Milch  mit  25  ccm  Wasser  und
scheidet  nach  dem  Ritt  haus  en  sehen  Verfahren  das  Kasein  mit  dem  Fett  ab,  indem
man  10  ccm  Fehlingsche  Kupfersulfatlösung  und  etwa  2,5  ccm  N-Kalilauge  so
vorsichtig  hinzugibt,  daß  die  Flüssigkeit  noch  deutlich  sauer  reagiert.  Man  erwärmt
kurze  Zeit  im  Wasserhade  und  saugt  das  abgeschiedene  Kaseinkupfer  mit  dem  Fette
ab.  Das  völlig  klare  Filtrat  wird  mit  einigen  Tropfen  verdünnter  Salzsäure  versetzt
und  mit  Äther  ausgeschüttelt.  In  dem  Ätherauszuge  weist  man  nach  dem  Verdunsten ­
  des  Äthers  die  Salizylsäure  mit  1  °/ 0 -iger  Eisenchloridlösung  nach.  In
demselben  Rückstände  findet  sich  auch  die  etwa  vorhandene  Benzoesäure.
Nach  P.  Süß 4 )  kann  man  die  Salizylsäure  auch  durch  Ausziehen  des  nach
Soxhlets  Verfahren  zum  Nachweise  von  Nitraten  mit  Chlorcalcium  hergestellten
Serums  mit  Äther  nachweisen.  Über  die  quantitative  Bestimmung  vergl.  die  Arbeit
von  W.  Fresenius  und  L.  Grünhut. 5 )
c)  Benzoesäure.  Nach  E.  Meißl 6 )  werden  250—600  ccm  Milch  mit  einigen
Tropfen  Kalk-  oder  Barytwasser  alkalisch  gemacht,  auf  ein  Viertel  eingedunstet
und  unter  Zusatz  von  etwas  Gipspulver  zur  Trockne  verdampft;  die  trockne  feingepulverte ­
  Masse  wird  mit  etwas  verdünnter  Schwefelsäure  befeuchtet  und  3—4-mal
mit  50°/ 0 -igem  Alkohol  kalt  ausgeschtittelt.  Die  vereinigten  sauren  alkoholischen
Auszüge  werden  mit  Barytwasser  neutralisiert  und  auf  ein  kleines  Volumen  eingeengt. ­
  Dieser  Rückstand  wird  abermals  mit  verdünnter  Schwefelsäure  angesäuert
und  mit  kleinen  Mengen  Äther  ausgeschtittelt.  Der  Äther  hinterläßt  beim  freiwilligen ­
  Verdunsten  fast  reine  Benzoesäure,  die  man  in  wenig  warmem  Wasser  löst
und  durch  Zusatz  von  einem  Tropfen  Natriumazetat-  und  neutraler  Eisenchloridlösung
als  einen  rötlichen  Niederschlag  von  benzoesaurera  Eisen  erkennt.  Selbstverständlich
findet  sich  auf  diese  Weise  auch  etwa  vorhandene  Salizylsäure  in  der  zu  prüfenden
Lösung.
Nach  G.  Breustedt 3 )  kann  man  die  Benzoesäure  gleichzeitig  mit  der  Salizylsäure ­
  bestimmen  (vergl.  unter  b).  Zu  ihrer  Erkennung  löst  man  den  Rückstand
des  Ätherauszuges  bezw.  einen  Teil  des  aus  einer  größeren  Milchmenge  erhaltenen
Ätherextraktes  in  1—2  ccm  Wasser,  gibt  1  Tropfen  10  °/ 0 -ige  Eisenchloridlösung
hinzu  und  kocht  nötigenfalls  einige  Minuten;  bei  Gegenwart  von  Benzoesäure  bilden
sich  braune  Flocken  von  benzoesaurem  Eisen.  Ferner  kann  man  auch  den  Äther-*)
  Pharm.  Zentralhalle  1900,  41,  465.
2 )  Zeitschr.  f.  analyt,  Chem.  1883,  22,  277.
3 )  Arch.  d.  Pharmacie  1899.  237,  170.
D  Pharm.  Zentralhalle  1900,  41,  437.
“)  Zeitsohr.  f.  analyt.  Chem.  1899,  38,  292.
)  Ebenda  1882,  21,  531.
        <pb n="503" />
        480

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse

riickstand  mit  2  Tropfen  50  °/ 0 -iger  Ameisensäure  mischen,  mit  Kalkmilch  tibersättigen, ­
  eintrocknen  und  den  Rückstand  in  einem  einseitig  geschlossenen  Rohre
vorsichtig  erhitzen.  Bei  Gegenwart  von  Benzoesäure  macht  sich  ein  deutlicher
Geruch  nach  Bittermandelöl  bemerkbar,  auch  wenn  Salizylsäure  zugegen  ist.
d)  Borsäure.  Der  qualitative  Nachweis  der  Borsäure  geschieht  nach
E.  Meißl 1  2 )  wie  folgt:  100  ccm  Milch  werden  mit  Kalkmilch  oder  Soda  alkalisch
gemacht,  eingedampft  und  verascht.  Die  Asche  wird  in  möglichst  wenig  konzentrierter
Salzsäure  gelöst,  die  Lösung  von  der  Kohle  abfiltriert  und  das  wieder  alkalisch
gemachte  Filtrat  zur  Trockne  eingedampft;  hierauf  befeuchtet  man  den  Rückstand
'  mit  stark  verdünnter  Salzsäure,  durchtränkt  den  Kristallbrei  mit  Kurkumatinktur
und  trocknet  auf  dem  Wasserbade  ein.  Bei  Gegenwart  der  geringsten  Spur  Borsäure
erscheint  der  Rückstand  deutlich  Zinnober-  bis  kirschrot.  (Eine  etwa  durch  konzentrierte ­
  Salzsäure  entstehende  kirschrote  Färbung  des  Kurkumafarbstoffes  verschwindet ­
  auf  Wasserzusatz  sofort.)  Die  mit  Kurkuma  geprüfte  Asche  kann  noch
zur  Flammenreaktion  benutzt  werden,  indem  man  mit  Methylalkohol  versetzt,  in  einem
Kölbchen  mit  doppelt  durchbohrtem  Pfropfen  mit  Zu-  und  Ableitungsrohr  Wasserstoff ­
  durchleitet  und  diesen  anzündet.
Ebenso  zweckmäßig  dürfte  es  sein,  die  mit  Soda  hergestellte  Asche  in  möglichst
wenig  Salzsäure  zu  lösen,  mit  der  filtrierten  salzsauren  Lösung  einen  Streifen  Kurkumapapier ­
  zu  befeuchten  und  diesen  auf  einem  Uhrglase  zu  trocknen.  Färbt  sich  hierbei
die  benetzt  gewesene  Stelle  des  Kurkumapapieres  deutlich  rot  und  geht  diese  Farbe
beim  Befeuchten  des  Papieres  mit  Ammoniak  oder  Natriumkarbonat  in  Blauschwarz
Uber,  so  ist  Borsäure  in  der  Milch  vorhanden.
Nach  E.  H.  Jenkins 3 )  kann  der  Nachweis  sogar  in  der  Weise  erfolgen,  daß
man  10  ccm  Milch  mit  7  Tropfen  Salzsäure  versetzt,  einen  Streifen  empfindlichen
Kurkumapapieres  mit  der  filtrierten  Flüssigkeit  befeuchtet  und  auf  einem  Uhrglase
auf  dem  Wasserbade  trocknet.
Die  quantitative  Bestimmung  der  Borsäure  geschieht  am  einfachsten
nach  dem  Verfahren  von  Jörgensen. 8 )  Dieses  Verfahren  beruht  auf  der
zuerst  von  J.  Klein  beobachteten  Erscheinung,  daß  eine  gegen  Phenolphthalein
neutralisierte  wässerige  Borsäurelösung  nach  dem  Zusatz  einer  hinreichenden  Menge
von  neutralem  Glyzerin  oder  besser  Mannit 4  * )  wieder  saure  Reaktion  annimmt  und
daß  nun  durch  abermalige  Titration  mit  Alkalilauge  der  Gehalt  an  Borsäure
bestimmt  werden  kann,  wenn  gleichzeitig  der  Wirkungswert  der  Lauge  durch
Titration  einer  Borsäurelösung  von  bekanntem  Gehalt  unter  möglichst  gleichen
Mengen-  und  Konzentrationsverhältnissen  festgestellt  worden  ist.  Man  verfährt
wie  folgt:  100—200  ccm  Milch  werden  bis  zur  stark  alkalischen  Reaktion  (gegen
Lakmus)  mit  konzentrierter  Natronlauge  versetzt,  in  einer  Platinschale  zur  Trockne
verdampft,  darauf  verascht  und  die  Asche  mit  Schwefelsäure  aufgenommen.  Die
erhaltene  Lösung  wird  in  einen  200  ccm-Kolben  gebracht,  zur  Austreibung  der  etwa
noch  in  Lösung  befindlichen  Kohlensäure  kurze  Zeit  gelinde  erwärmt  und  nach  dem
Abkühlen  unter  Verwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator  mit  kohlensäurefreier
1 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1882,  21,  531.
2 )  Bericht  der  Landw.  Versuchs-Station  Connecticut  1901,106;  Zeitschr.  f.  Untersuchung
d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  866.
3 )  Zeitsohr.  f.  angew.  Chem.  1897,  5.  —  Vergl.  hierzu  A.  Beythien  und  H.  Hempel,
Über  die  Genauigkeit  des  Jörgensensohen  Verfahrens  zur  Bestimmung  der  Borsäure  in
Fleisohdauerwaren  (Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1899,  2.  842).
4 )  Vergl.  K.  Windisch,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel
1905,  9,  641.
        <pb n="504" />
        Vollmilch.  Nachweis  von  Frisohhaltungsmitteln.

481

Natronlauge  genau  neutralisiert.  Die  Lösung  wird  mit  kohlensäurefreiem  Wasser
auf  200  ccm  aufgefüllt  und  nach  dem  Mischen  filtriert.  Zu  50  ccm  des  Filtrates
setzt  man  nun  25  ccm  neutrales  Glyzerin  oder  nach  K.  Windiseh 1 )  besser  1—2  g
reinen  gepulverten  Mannit  und  titriert,  ohne  auf  einen  etwa  entstehenden  Niederschlag ­
  (von  Phosphaten)  Rücksicht  zu  nehmen,  mit  1 / 10  N-Natronlauge  bis  zur
schwachen  Rotfärbung.  Zur  scharfen  Erkennung  des  Farbenumschlages  leistet  nach
A.  Beythien  und  H.  Hempel  ein  Zusatz  von  neutralem  Äthylalkohol  gute  Dienste.
Zur  Feststellung  des  Wirkungswertes  der  1 / 10  N-Natronlauge  gegen  Borsäure
stellt  man  eine  Lösung  von  2  g  chemisch  reiner  kristallisierter  Borsäure  in  1  1
kohlensäurefreiem  Wasser  her  und  versetzt  50  ccm  dieser  Lösung  (=0,1  g  Borsäure
H 3 B0 8 )  unter  Zugabe  von  Phenolphthalein  als  Indikator  vorsichtig  mit  der  1 I  io
N-Natronlauge  bis  zur  schwachen  Rotfärbung;  darauf  gibt  man  25  ccm  neutrales
Glyzerin  oder  1—2  g  Mannit  hinzu  und  titriert  nun  wiederum  mit  1 / 10  N-Natronlauge
bis  zur  schwachen  Eotfärbung.  Angenommen,
es  seien  bei  dieser  Titration  15,80  ccm
1 / 10  N-Natronlauge  verbraucht,  so  entspricht
1  ccm  0,00633  g  HgBOg  oder  0,00343  g  B 2 0 8 .
Honig  und  Spitz 3 )  haben  das  Verfahren ­
  von  Jörgensen  etwas  abgeändert.
Dieses  abgeänderten  Verfahrens  hat  sich
auch  E.  Polenske 3 )  bei  der  Bestimmung
der  Borsäure  in  Trockenpökelfleisch  bedient;
es  dürfte  auch  bei  Milch  brauchbar  sein.
Zum  Nachweise  und  zur  quantitativen
Bestimmung  sehr  kleiner  Borsäuremengen ­
  empfiehlt  sich  das  kolorimetrische
Verfahren  von  A.  Hebebrand. 4 )  50  ccm
mit  Natriumkarbonat  schwach  alkalisch  gemachte ­
  Milch  werden  in  einer  Platinschale
vollständig  verascht.  Die  Asche  wird  mit
5  ccm  schwach  (mit  0,5  ccm  Salzsäure)  -ungesäuertem ­
  Wasser  behandelt,  die  Lösung  in  ein  Reagenzglas  oder  besser  in
das  für  diese  Zwecke  hergestellte  Röhrchen 5 )  (Fig.  258)  gegeben  und  die  Platinschale
  mit  15  ccm  Alkohol  nachgespült.  Hierauf  gibt  man  zu  der  Lösung  15  ccm
Salzsäure  (spez.  Gewicht  1,19),  kühlt  gehörig  ab  und  gibt  darauf  genau  0,2  ccm  einer
°,1  %-igen  wässerigen  Eurkuminlösung 6 )  hinzu.  Nach  dem  Umschütteln  und  etwa
halbstündigem  Stehenlassen  im  Dunkeln  vergleicht  man  die  eingetretene  Färbung
mit  einer  Farbenskala,  welche  man  sich  unter  Anwendung  bestimmter  Mengen  (etwa
—1,2  ccm)  einer  1  %-igen  Borsäurelösung  unter  genauer  Einhaltung  der  vorstehenden ­
  Arbeitsweise  hergestellt  hat.  Ist  keine  Borsäure  vorhanden,  so  färbt  sich
die  Flüssigkeit  grünlich-gelb;  bei  Gegenwart  von  Borsäure  dagegen  erscheint  sie
schwach  bräunlich  (0,1  mg)  bis  schön  rosenrot  (10  mg);  am  deutlichsten  sind  die

J )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  9,  641.
2 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chem.  1896,  549.
■')  Arb.  a.  d.  Kaiser!.  Gesundheitsamte  1900,  17,  561.
4 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  55,  721  u.  1044.
'0  Die  Röhrchen  werden  hergestellt  von  der  Firma  Dr.  Siebert  &amp;amp;  Kühn  in  Kassel.
Die  Kurkuminlösungen  geben  reinere  Farbentöne  als  die  gewöhnlichen  Kurkumatinkturen. ­


Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

31
        <pb n="505" />
        482

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Unterschiede  der  Farbentöne  bei  Gegenwart  von  1—5  mg  Borsäure.  Zur  Vergleichung ­
  der  Farbentöne  empfiehlt  es  sich,  die  Reagenzröhrchen  schräg  gegen  eine
weiße  Unterlage  zu  halten,  was  bei  den  hierfür  besonders  hergestellten  Röhrchen
(Fig.  258)  besonders  erleichtert  wird,  in  deren  unterstem  Teile  sich  die  aus  dem
Gemisch  etwa  abgeschiedenen  Salze  (Chlornatrium  usw.)  ansammeln  und  so  die
Vergleichung  der  Farbentöne  erleichtern.  A.  Hebebrand  fand  nach  diesem  Verfahren ­
  auch  in  käuflichem  Salinensalz  0,6—3,0  mg  Borsäure  in  100  g.
A.  Partheil  und  J.  Rose 1 )  bestimmen  die  Borsäure  durch  Ausziehen  der
horsäurehaltigen  salzsauren  Lösung  mittels  Äthers  in  dem  von  ihnen  hergestellten
Perforator.  Die  Lösung  muß  frei  von  Schwefelsäure,  Salpetersäure,  Phosphorsäure  und
Eisen  sein.  Bezüglich  der  Ausführung  dieses  Verfahrens  sei  auf  die  Quelle  verwiesen.
e)  Fluorwasserstoffsäure.  Der  Nachweis  kann  in  sinngemäßer  Abänderung
der  Vorschrift  der  „Anweisung  für  die  chemische  Untersuchung  von  Fleisch  und
Fetten“  (Anlage  d  zum  Gesetz  vom  3.  Juni  1900)  erfolgen;  man  verfährt  wie  folgt;
100—200  ccm  Milch  werden  in  einer  Platinschale  mit  einer  hinreichenden  Menge
Kalkmilch  alkalisch  gemacht.  Alsdann  trocknet  man  ein,  verascht  und  gibt  den
Rückstand  nach  dem  Zerreiben  in  einen  Platintiegel,  befeuchtet  das  Pulver  mit  etwa
drei  Tropfen  Wasser  und  fügt  1  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure  hinzu.  Sofort
nach  dem  Zusatze  der  Schwefelsäure  wird  der  behufs  Erhitzens  auf  eine  Asbestplatte
gestellte  Platintiegel  mit  einem  großen  Uhrglase  bedeckt,  das  auf  der  Unterseite  in
bekannter  Weise  mit  Wachs  überzogen  und  beschrieben  ist.  Um  das  Schmelzen  des
Wachses  zu  verhüten,  wird  in  das  Uhrglas  ein  Stückchen  Eis  gelegt.  Der  Nachweis
von  Fluorwasserstoff  ist  als  erbracht  anzusehen,  sobald  das  Glas  sich  an  den  beschriebenen ­
  Stellen  angeätzt  zeigt.
f)  Formaldehyd.  Für  den  Nachweis  von  Formaldehyd  sind  eine  große  Anzahl
von  Verfahren  vorgeschlagen,  die  z.  T.  noch  wenig  auf  ihre  Zuverlässigkeit  geprüft
sind,  z.  T.  auch  allgemeine  Reaktionen  auf  Aldehyde  (Ketone  usw.)  sind  und  daher
nicht  als  kennzeichnende  Reaktion  auf  Formaldehyd  angesehen  werden  können.
Immerhin  kann  man  sich  dieser  einfachen  Reaktionen  bedienen,  um  nachzuweisen,
ob  überhaupt  Aldehyde  vorhanden  sind;  erst  beim  positiven  Ausfall  dieser  Reaktionen
wird  man  sich  des  unter  B  a  aufgeführten  umständlicheren  Verfahrens  bedienen,
welehes  kennzeichnend  für  den  Formaldehyd  ist.
K.  Farnsteiner 2 )  empfiehlt,  zunächst  in  der  Milch  selbst  die  Hehnersche
Reaktion  mit  Schwefelsäure  (By)  anzustellen  und  bei  positivem  Ausfall  derselben
von  100  ccm  Milch  in  einem  geräumigen  (500—1000  ccm-)  Kolben  —  da  die  Milch
stark  schäumt  —  mit  vorgelegtem  Kühler  etwa  20—30  ccm  abzudestillieren.
Etwa  die  Hälfte  des  Destillates  verwendet  man  zur  Anstellung  der  allgemeinen
Aldehydreaktionen  (A)  und  der  einen  oder  anderen  der  unter  B  ß—  ö  aufgeführten
Reaktionen.  Wenn  diese  positiv  ausfallen,  verwendet  man  die  zweite  Hälfte  des
Destillates  zur  Anstellung  der  Hexamethylentetramin-Reaktion  (B  a),  die  als  die
zuverlässigste  Formaldehyd-Reaktion  angesehen  wird.
A.  Allgemeine  Aldehyd-Reaktionen,  a)  Nach  R.  T.  Thomson 3 )  versetzt ­
  man  die  zu  prüfende  Lösung  mit  5  Tropfen  ammoniakalischer  Silbernitratlösung ­
  (1  g  Silhernitrat  wird  in  30  ccm  Wasser  gelöst  und  mit  verdünntem
Ammoniak  versetzt,  bis  der  anfänglich  entstehende  Niederschlag  sich  wieder  gelöst
hat  und  dann  mit  Wasser  auf  50  ccm  verdünnt)  und  läßt  einige  Stunden  im  Dunkeln
] )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  1172;  1902,  5,  1049.
2 )  Forschungsberichte  über  Lebensmittel  1896,  3,  363.
3 )  Chem.  News  1895,  71,  247.
        <pb n="506" />
        Vollmilch.  Nachweis  yon  Frischhaltungsmitteln.

483

stehen.  Bei  Gegenwart  von  Aldehyden  entsteht  eine  schwarze  Trübung  oder  ein
Niederschlag  von  metallischem  Silber  oder  ein  Silberspiegel.  Je  nach  dom  Gehalte
an  Aldehyd  tritt  die  Reaktion  oft  erst  nach  12  Stunden  ein.  Eine  leichte  Braunfärbung ­
  ist  nicht  als  positive  Reaktion  anzusehen.
Nach  K.  Farnsteiner 1 )  tritt  die  Reaktion  mit  Destillaten  aus  bereits  gesäuerter ­
  formaldehydfreier  Milch  stets  ein.  Das  Reagens  ist  daher  für  die
Prüfung  der  Milch  auf  Formaldehyd  nicht  geeignet.
ß)  Durch  schweflige  Säure  entfärbte  Fuchsin-Lösung  (Rosanilinbisulfit-Lösung,
  Schiffsches  Reagens)  wird  beim  Vermischen  mit  einer  aldehydhaltigen ­
  Flüssigkeit  gerötet.  Die  Reaktion  muß  nach  0.  H  ebner 2 )  und  A.  Jo  rissen 8 )
auf  Zusatz  einiger  Tropfen  verdünnter  Schwefliger  Säure  bestehen  bleiben;  andernfalls
rührt  sie  nicht  von  Aldehyden  her.
Nach  K.  Farnsteiner 1 )  stellt  man  das  Reagens  wie  folgt  her:  5  ccm  einer
10  °/ 0 -igen  Lösung  von  Natrium  sulfurosum  siccum  werden  mit  10,2  ccm  1 / 2  N-Salzsäure
  versetzt  und  darauf  mit  100  ccm  0,1  °/ 0 -iger  Fuchsinlösung  vermischt.  Nach
etwa  4  Stunden  ist  die  Entfärbung  vollendet.
Setzt  man  zu  10  ccm  der  zu  prüfenden  Flüssigkeit  5  Tropfen  des  Reagenzes,
so  tritt  eine  Rotfärbung  ein,  die  auf  Zusatz  von  wenig  Salzsäure  in  eine  Violettfärbung ­
  und  bei  stärkerem  Salzsäure-Zusatz  in  eine  rein  blaue  bis  blaugrüne  Färbung
übergeht.  Destillate  von  reiner,  bereits  gesäuerter  Milch  geben  zwar  häufig  Rotfärbungen, ­
  die  aber  auf  Zusatz  von  wenig  Salzsäure  wieder  verschwinden.
B.  Formaldehyd-Reaktionen.  «)  Hexamethylentetramin-Reaktion
nach  Romijn. 4 )  Etwa  10  ccm  des  Destillates  werden  mit  Ammoniak  im  Überschüsse ­
  versetzt  und  in  einer  flachen  Glasschale  eingedampft.  Bei  Gegenwart  von
Fomaldehyd  hinterbleiben  kennzeichnende  Kristalle  von  Hexamethylentetramin.
Diese  Verbindung  gibt  mit  Quecksilberchlorid,  Phosphormolybdänsäure,  Käliumquecksilberjodid
  und  zahlreichen  anderen  Substanzen  eigenartig  kristallisierende
Hoppelverbindungen  usw.,  die  man  unter  dem  Mikroskop  beobachtet.
Der  Rückstand  wird  in  einigen  Tropfen  Wasser  gelöst,  je  ein  Tropfen  auf
einen  Objektträger  gebracht  und  mit  den  beiden  folgenden  Reagentien  geprüpft: r ')
1.  mit  Quecksilberchlorid  im  Überschüsse.  Es  entsteht  hierbei  sofort  ein
regulärer  kristallinischer  Niederschlag;  bald  sieht  man  drei-  und  mehrstrahlige  Sterne,
später  Oktaeder.  Letztere  entstehen  in  großer  Menge  bei  einer  Konzentration  von
1  : 10000,  aber  auch  noch  sehr  deutlich  bei  1  :  100000;
2.  mit  Kaliumquecksilberjodid  und  ein  wenig  verdünnter  Salzsäure.  Es  bilden
sich  hexagonale,  sechsseitige,  hellgelb  gefärbte  Sterne;  bei  einer  Konzentration  von
1  :  10000  noch  sehr  deutlich.
Die  Gegenwart  von  Formaldehyd  darf  als  erwiesen  nur  betrachtet  werden,
wenn  der  erhaltene  kristallinische  Rückstand  die  beiden  vorstehend  beschriebenen
Reaktionen  zeigt.

')  Forschungsberichte  über  Lebensmittel  1896,  3,  363.
2 )  Analyst  1896,  21,  94.
3 )  Journ.  de  Pharm,  de  Liege.  1897,  4,  257;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-"■
  Genußmittel  1898,  1,  356.
4 )  Pbarm.-Ztg.  1895,  40,  407.
6 )  Nach  der  amtlichen  Anweisung  für  die  chemische  Untersuchung  von  Fleisch  und
etteu  in  Anlage  d  der  Ausführuugsbestimmungen  D  zum  Gesetz,  betr.  die  Schlachtvieh  und
.  „® lsc hbeschau  vom  3.  Juni  1900;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel

1902

5,  885.

31*
        <pb n="507" />
        484

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

ß)  Phlorogluzin-Reaktion  nach  Weber  und  Tollens: 1 )  Werden  Lösungen
von  Formaldehyd  (bezw.  Methylen)  mit  einigen  Tropfen  1  °/ 0 -iger  Phlorogluzinlösung
und  dem  gleichen  Raumteile  konzentrierter  Salzsäure  (1,19  spez.  Gewicht)  längere
Zeit  erwärmt,  so  tritt  eine  weißliche  Trübung  und  dann  Ausscheidung  gelh-roter
Flocken  ein.
y)  Reaktion  mit  Schwefelsäure  nach  0.  Hehner. 2 )  Unter  die  mit  dem
gleichen  Volumen  Wasser  verdünnte  Milch  —  nicht  Destillat  der  Milch  —  schichtet
man  in  einem  Reagenzglase  90—94  °/ 0 -ige  Schwefelsäure.  Bei  Gegenwart  von
Formaldehyd  entsteht  in  der  Berührungszone  ein  violetter  Ring.  Bei  Abwesenheit
von  Formaldehyd  entsteht  in  der  Berührungszone  eine  lichtgrüne  Färbung  und
nach  mehreren  Stunden  ein  rötlich-brauner  Ring  unterhalb  der  Bertihrungszone,
  der  hei  einiger  Übung  von  dem  bei  der  Formaldehyd-Reaktion  entstehenden
leicht  unterschieden  werden  kann.
K.  Parnsteiner 3  * )  bestätigt  im  allgemeinen  die  Angaben  von  0.  Hehner;  nach  ihm
bildet  sich  aber  unter  oder  an  Stelle  des  lichtgrünen  Ringes  der  tief  rotviolette  Ring,
dagegen  bei  Anwesenheit  von  Formaldehyd  ein  blauvioletter  Ring  zwischen  der  Oberfläche
der  Säure  und  dem  schwimmenden  ungelösten  Kasein.
d)  Reaktion  mit  Phenylhydrazinhydrochlorid  und  Nitroprussidnatrium
  nach  E.  Rimini. 1 )  Nach  C.  Arnold  und  C.  Mentzel 5 )  empfiehlt  sich
folgende  Arbeitsweise:
Man  löst  in  3—5  ccm  der  zu  untersuchenden  kalten  Flüssigkeit  ein  erbsengroßes ­
  Stückchen  Phenylhydrazinhydrochlorid,  setzt  2—4  Tropfen  (nicht  mehr)  einer
5—10  °/ 0 -igen  Nitroprussidnatriumlösung  und  hierauf  tropfenweise  eine  10-  15  %-ige
Alkalihydroxydlösung  (8—12  Tropfen)  hinzu,  worauf  sofort  eine  je  nach  der  Menge
des  Formaldehyds,  blaue  bis  blaugraue,  längere  Zeit  beständige  Färbung  entsteht.
Milch  (rohe  und  gekochte),  welche  im  Liter  0,015  g  Formaldehyd  enthält,  gibt  noch
deutliche  Grünfärbung,  während  reine  Milch  nur  gelblich  gefärbt  wird.  Bei  0.05  g
Formaldehyd  im  Liter  entsteht  schon  eine  schöne  Blaufärbung.
13.  Nachweis  fremder  Farbstoffe.
Um  die  bläuliche  Färbung  gewässerter  oder  teilweise  entrahmter  Milch  zu
verdecken,  werden  hier  und  da  gelbe  Farbstoffe  der  Milch  zugesetzt.  Da  die
natürliche  Gelbfärbung  der  Milch  durch  die  Farbe  des  Fettes  bedingt  ist,  während
bei  einer  künstlichen  die  ganze  Milchflüssigkeit  gelb  gefärbt  ist,  so  kann  man
eine  künstlich  gefärbte  Milch  von  einer  natürlichen  schon  in  der  Regel  durch  Beobachtung ­
  ihres  Verhaltens  beim  Aufrahmen  in  einem  Glase  unterscheiden.  Bei
natürlicher  Milch  ist  nur  die  Rahmschicht  gelblich  und  die  unterstehende  Magermilch
bläulich;  bei  künstlich  gefärbter  dagegen  ist  infolge  der  Färbung  der  ganzen
Flüssigkeit  auch  die  Magermilch  nach  dem  Aufrahmen  gelblich.  Bezüglich  des
Nachweises  der  künstlichen  Färbung  und  der  Erkennung  der  Farbstoffe  sei  auf  die

J )  Bericht  d.  Deutsch,  ehern.  Gesellschaft  1897,  30,  2510;  vergl.  auch  daselbst  1899,
32,  2841,  über  die  quantitative  Bestimmung  von  Formaldehyd  bezw.  Methylen.
2 )  Analyst  1896,  21,  94;  Vierteljahreaschr.  f.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1896,  11,  276.
3 )  Porschungsberichte  über  Lebensmittel  1896,  3,  363.
J )  Annal.  di  Parmacol.  1898,  97;  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1898,  1,  858,  E.  Rimini  hat  außer  10  verschiedenen  Aldehyden  noch  Aceton,
Aoetophenon,  Benzophenon,  Kampfer,  Methylalkohol  und  Ameisensäure  geprüft  und  gefunden,
daß  die  Reaktion  mit  diesen  nicht  eintritt;  er  hält  sie  daher  für  kennzeichnend  für  Formaldehyd.
5 )  Chem.-Ztg.  1902,  26,  246.
        <pb n="508" />
        Vollmilch.  Nachweis  von  Salpetersäure  in  der  Milch.

485

Arbeiten  von  A.  E.  Leach,  H.  C.  Lytgoe,  A.  Leys  und  M.  W.  Blyth  usw.
verwiesen. 1 )
14.  Nachweis  von  Salpetersäure  in  der  Milch.
Da  die  Milch  im  natürlichen  Zustande  —  selbst,  wie  Schrodt  gefunden  hat,
nach  5-tägigem  Füttern  mit  Futterrüben  und  Kalisalpeter  —  keine  Salpetersäure
oder  salpetrige  Säure,  Brunnenwasser  dagegen  stets  mehr  oder  weniger  Salpetersäure
enthält,  so  kann  die  Prüfung  auf  Gehalt  an  letzterer  unter  Umständen  ein  Mittel
zur  Entscheidung  der  Frage  mit  abgeben,  ob  eine  Milch  gewässert  ist  oder  nicht.
Angeblich  soll  man  auch  in  manchen  Gegenden  den  sog.  Eübengeschmack  der  Milch
dadurch  zu  beseitigen  suchen,  daß  man  ihr  Salpeter  zusetzt.  Offenbar  handelt  es  sich
hierbei  um  weit  größere  Mengen  (20  g  auf  100  l) 2 )  als  durch  Wässerung  in  die  Milch
gelangen  werden.  Ferner  ist  zu  berücksichtigen,  daß  Spuren  von  Salpetersäure  von  dem
an  den  Milchgefäßen  etwa  anhängenden  Wasser  herrühren  können,  mit  dem  die  Gefäße
ausgespült  wurden.  Auf  weitere,  aber  wohl  praktisch  kaum  in  Frage  kommende  Möglichkeiten, ­
  durch  welche  Nitrate  in  die  Milch  gelangen  können,  haben  N.  Gerber  und
P.  Wieske 3 )  hingewiesen.  Selbstverständlich  kann  man  überhaupt  nicht  allein  auf  Grund
einer.Nitrat-Reaktion  eine  Milch  als  gewässert  bezeichnen;  es  muß  vielmehr  stets  die  ganze
Zusammensetzung  der  Milch  in  Rücksicht  gezogen  werden.
a)  Nachweis  mittels  Diphenylamin-Schwefelsäure.  Dem  ursprünglichen  Verfahren ­
  von  Fr.  Soxhlet 4 )  hat  Möslinger 5 )  auf  Grund  eingehender  Versuche
folgende  Form  gegeben:
1.  100  ccm  Milch  werden  unter  Zusatz  von  1,5  ccm  20°/ 0 -iger  Chlorcalcium  -
lösung  aufgekocht  und  filtriert.
2.  20  mg  Diphenylamin  werden  in  20  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  (1  Volumen ­
  Schwefelsäure  -[-  3  Volumen  Wasser)  gelöst  und  diese  Lösung  zu  100  ccm  mit
reiner  konzentrierter  Schwefelsäure  aufgefüllt.
3.  2  ccm  der  Diphenylaminlösung  (2)  werden  in  ein  kleines  weißes  Porzellanschälchen ­
  gebracht.  Alsdann  läßt  man  vom  Filtrat  (1)  1 / 2  ccm  tropfenweise  in  die
Mitte  der  Lösung  fallen  und  das  Ganze,  ohne  zu  mischen,  2—3  Minuten  ruhig  stehen.
Erst  dann  bewege  man  die  Schale  anfangs  langsam  hin  und  her,  lasse  wieder  einige
2eit  stehen  u.  s.  f.,  bis  die  bei  Vorhandensein  von  Salpetersäure  zunächst  auftretenden,
mehr  oder  weniger  intensiv  blauen  Streifen  sich  verbreitert  haben  und  schließlich  die
ganze  Flüssigkeit  gleichmäßig  mehr  oder  weniger  stark  blau  gefärbt  erscheinen  lassen.
Auf  diese  Weise  lassen  sich  nach  Möslinger  noch  eben  2  mg,  ganz  deutlich
aber  noch  3—4  mg  Salpetersäure  in  1  1  Milch  nachweisen.
Wenn  kleinere  Mengen  Salpetersäure  vorhanden  sind,  werden  450  ccm  Milch
mit  6—7  ccm  (jgj.  20  °/ 0 -igen  Chlorcalciumlösung  aufgekocht,  das  Filtrat,  (etwa
300  ccm)  mit  2  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  versetzt  und  hiervon  etwa  120
bis  150  ccm  abdestilliert.  Das  Destillat  wird  mit  Natronlauge  schwach  alkalisch
gemacht,  über  der  Flamme  in  der  Platinschale  auf  etwa  5  ccm  eingedampft  und
. lese  Lösung,  wie  oben  das  Milchfiltrat  selbst,  in  der  beschriebenen  Weise  geprüft.
')  Vergl.  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  651;  1899,
’  j  ;  1900,  3,  646;  1901,  4,  611  und  1903,  0,  228  und  A.  B.  Leach,  Food  inspeotion
n&amp;lt;1  amdysis.  Newyork  1904.  8.  134.
2 )  Milch-Ztg.  1881,  10,  645,  765,  807.
3 )  Molkerei-Ztg.  Berlin  1902,  12,  61;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u,
^nußmittel  1902,  5,  867.
.  )  Das  nach  Behandlung  mit  Chlorcalcium  erhaltene  Filtrat  wird  mit  einigen  Tropfen
mü  i  ■^° DZentr ^ er * :en  Schwefelsäure,  welche  2%  Diphenylamin  enthält,  versetzt  und  diese
c  !ge  Flüssigkeit  auf  konzentrierte  Schwefelsäure  geschichtet.
)  Bericht  üb.  d.  7.  Versammlung  bayer.  Chemiker  in  Speier  1888.  Berlin  1889.  S.  88.
        <pb n="509" />
        486

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Durch.  Anwendung  von  mehr  Milch  und  durch  stärkere  Konzentration  des
Destillats  lassen  sich  die  geringsten  Mengen  Salpetersäure  nachweisen;  indes  hat
ein  derartiger  Nachweis,  wie  schon  oben  hervorgehoben  wurde,  keine  praktische
Bedeutung.  Eine  weitere  Verschärfung  der  Diphenylamin-Eeaktion  auf  Grund  der
Ciminoschen  Probe  hat  E.  Hefelmann 1 )  beschrieben.
Das  von  Szilasi  vorgescfalagene  Verfahren,  die  Milch  direkt  zu  verwenden,  einige
Tropfen  derselben  auf  1  ccm  einer  2  %-igen  Diphenylamin-Schwefelsäurelösung  zu  schichten
und  ruhig  stehen  zu  lassen,  ist  nach  Möslinger  trügerisch  und  zu  verwerfen.
b)  Nachweis  mittels  Formaldehyd-Schwefelsäure.  E.  Fritzmann 2  3 )  beobachtete
bei'  gewässerten  Milchproben,  die  mit  Formaldehyd  haltbar  gemacht  waren,  bei
der  Ausführung  der  Ger  her  sehen  acidbutyrometrischen  Fettbestimmung  eine
Violettfärbung  anstatt  der  sonst  auftretenden  Braunfärbung.  Er  benutzt  daher
umgekehrt  eine  Formaldehyd  enthaltende  Schwefelsäure  vom  spez.  Gewicht  1,82,
die  er  in  demselben  Verhältnis,  wie  bei  den  acidbutyrometrischen  Verfahren  mit
Milch  vermischt,  dazu,  um  Nitrate  in  der  Milch  nachzuweisen,  indem  bei  Gegenwart
von  Nitraten  eine  violette  bis  tief  bl  au  violette  Färbung  auftritt.  Kleine  Mengen  von
Nitraten  entgehen  der  Beobachtung,  wenn  man  zu  viel  Formaldehyd  anwendet.
M.  Siegfeld 8 )  hat  vorgeschlagen,  die  Eeaktion  als  Eing-Eeaktion  auszuführen
und  die  auf  10  ccm  mit  einem  Tropfen  verdünnten  Formalins  versetzte  Milch  über
konzentrierte  Schwefelsäure  zu  schichten.  Die  Eeaktion  ist  bei  dieser  Ausführung
ungefähr  ebenso  scharf  wie  die  Diphenylamin-Eeaktion;  bei  Ungeübten  können  aber
durch  unvorsichtiges  Übereinanderschichten  leicht  Täuschungen  dadurch  entstehen,
daß  auch  bei  nitratfreier  Milch  rot  violette  Farbentöne  auftreten.
N.  Gerber  und  P.  Wieske 4  * )  schlagen  vor,  den  Formaldehyd  mit  der  konzentrierten ­
  Schwefelsäure  zu  mischen  und  dieses  Eeagens  mit  der  gleichen  Menge
Milch  zu  vermischen.
15.  Untersuchung  des  Milchserums.
Für  den  Nachweis  der  Wässerung  ist  neben  anderem  die  Untersuchung  des
Milchserums  oder  der  Molken,  d.  h.  der  beim  Gerinnen  der  Milch  von  Kasein  und
Fett  sich  abscheidenden  grünlich-gelben  Flüssigkeit  von  Bedeutung.  Da  der  Gehalt
der  Milch  an  Milchzucker  und  Mineralstoffen,  den  wesentlichsten  Bestandteilen  des
Serums,  ein  verhältnismäßig  sehr  gleichbleibender  ist,  schwankt  die  Zusammensetzung
des  Serums  viel  weniger  als  das  der  ganzen  Milch.
a)  Gewinnung  und  Untersuchung  des  Serums.  Zur  Gewinnung  des  Serums
gibt  man  von  der  zur  Untersuchung  eingelieferten  Milch  nach  gehöriger  Durchmischung ­
  derselben  etwa  100—200  ccm  in  einen  Erlen  in  eyer-Kolben,  wägt  und
erwärmt  denselben  —  falls  nicht  von  selbst  beim  Erwärmen  Gerinnung  eintritt,
was  man  an  einer  besonderen  kleineren  Probe  im  Eeagenzglase  feststellen  kann  —
unter  Zusatz  einiger  Tropfen  20  °/ 0 -iger  Essigsäure  unter  losem  Bedecken  des
Kolbens  kurze  Zeit  auf  etwa  40°,  bis  die  Milch  geronnen  ist.  Nach  dem  Erkalten
stellt  man  das  ursprüngliche  Gewicht  durch  Zusatz  von  Wasser  wieder  her,  mischt
gut  durch  und  trennt  durch  ein  Faltenfilter  —  nötigenfalls  unter  Eückgabe  des
ersten  Filtrates  auf  das  Filter  —  das  Serum  von  dem  Koagulum.
’)  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chem.  1901,  7,  200;  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1902,  5,  171.
2 )  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chem.  1897,  B.  23:  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.
Genußmittel  1898,  1,  337.
3 )  Molkerei-Ztg.  Hildesheim  1902,  16,  161;  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1902,  5,  867.
4 )  Molkerei-Ztg.  Berlin  1902,12,  61;  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1902,  5,  867.
        <pb n="510" />
        Vollmilch.  Untersuchung  des  Milchserums.

487

P.  Eadulesku')  verwendet  auf  100  ccm  Milch  2  ccm  einer  20  °/ 0 -igen  Essigsäure
und  erwärmt  die  Mischung,  ohne  umzurühren,  in  einem  bedeckten  Becherglase  —  oder
besser  in  einer  geschlossenen  Flasche  —  6  bis  10  Minuten  im  Wasserbade 2 )  von  75—85°,  wobei
der  Inhalt  des  Becherglases  bezw.  der  Glasflasche  nach  6  Minuten  auf  65—65°  steigt.
Sambuo  koaguliert  mit  einer  alkoholischen  Weinsäurelösung  von  annähernd  dem
mittleren  spezifischen  Gewicht  der  Milch.
Es  empfiehlt  sich  nicht,  wie  dies  früher  vorgeschlagen  worden  ist,  das  Serum
durch  freiwillige  Säuerung  der  Milch  zu  gewinnen,  da  bei  dieser  Säuerung  und  auch
nach  Eintritt  der  Gerinnung  infolge  der  Bildung  der  Milchsäure  aus  dem  Milchzucker
eine  ständige  Abnahme  des  Trockensubstanzgehaltes  und  auch  des  spezifischen  Gewichtes ­
  des  Serums  eintritt;  das  letztere  nimmt  bei  Zimmertemperatur  von  Tag  zu
Tag  um  etwa  0,0002—0,0007  ab.  Wir  fanden  bei  3  Milchproben  zwischen  dem
sofort  mit  Essigsäure  hergestellten  Serum  und  dem  durch  freiwillige  Gärung  gewonnenen ­
  Unterschiede  von  0,0006—  0,0013.
Ä.  Reinsch  und  H.  Lührig 8 )  dagegen  beobachteten  bei  im  Brutschrank
geronnener  Milch  nach  Eintritt  dieses  Gerinnens  auffallenderweise  nur  Abnahmen
von  0,00002—0,00037  in  den  nächsten  24  Stunden,  obwohl  sie  im  Gegensatz  hierzu
eine  beträchtliche  Abnahme  des  Trockensubstanzgehalts  beobachteten,  vergl.  S.  469.
Das  spezifische  Gewicht  des  Serums  reiner  Milch  ist  ziemlich  konstant; ­
  Dietzsch  findet  es  zu  1,027—1,029;  Klingen  zu  1,026—1,0317,  im
Mittel  zu  1,028;  P.  Vieth 4 )  zu  1,028—1,0302;  v.  Raumer  und  Spaeth 5 )  zu  1,026
bis  1,033.  Einem  spezifischen  Gewicht  der  natürlichen  Milch  von  1,033  und  höher
entspricht  nach  Vieth  ein  spezifisches  Gewicht  der  Molken  von  1,029,  dem  von
Milch  =-  1,032—1,033  ein  solches  der  Molken  von  1,0285—1,029;  bei  weniger  gehaltreicher ­
  Milch  mag  das  spezifische  Gewicht  der  Molken  wohl  auf  1,028—1,027  sinken,
aber  sicher  nicht  darunter.  Letztere  Angabe  wird  von  P.  Radulesku  und  von
Samhuc 0 )  bestätigt.  P.  Vieth  findet  ferner,  daß  das  spezifische  Gewicht  der
Molken  für  je  1°  Temperaturerhöhung  um  0,00032  oder  um  0,32°  des  Laktodensimeters ­
  abnimmt.
P.  Radulesku  empfiehlt,  im  Serum  neben  dem  spezifischen  Gewicht  auch  stets
Trockensubstanz  und  Fett  zu  ermitteln.  Das  Serum  oder  die  Molke  von  normaler
Kuhmilch  enthält  6,30—7,50%  Trockensubstanz  und  0,22—0,28%  Fett;  durch  Zusatz ­
  von  10%  Wasser  zur  Milch  wird  der  Gehalt  an  Trockensubstanz  um  0,3  bis
0;5  %,  der  an  Fett  um  0,02  %,  das  spezifische  Gewicht  um  0,0005—0,0010  erniedrigt.
A.  Villiers  und  W.  Bertault, 7 )  Fr.  Utz, 8 )  A.  Lam, 0 )  M.  Rippen, 10 )
H.  Matthes  und  F.  Müller 11 )  haben  vorgeschlagen,  die  Refraktion  des  Milchserums
z u  bestimmen.
] )  Mitteilungen  aus  dem  Pharm.  Institut  und  Laboratorium  f.  angew.  Chemie  in
Erlangen  von  A.  Hi  lg  er  1890,  3,  93.
2 )  Dasselbe  soll  nicht  bis  zum  Sieden  erhitzt  werden,  weil  sonst  außer  Kasein  auch
Albumin  feinflockig  gerinnt  und  ein  trübes  Filtrat  erhalten  wird.
3 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs  u.  Genußmittel  1900,  8,  521.
4 )  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Viehhaltung.  Heft  15.  S.  332.
6 )  Milch-Ztg.  1896,  25,  185.
8 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1888,  27,  94.
7 )  Monit.  scientifique  1898,  [4]  12.  I,  270;  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-11
  ■  Genußmittel  1898,  1,  651.
8 )  Milch-Ztg.  1902,  31,  49.
9 )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  280.
10 )  Milch-Ztg.  1903,  32,  610.
U )  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chem.  1903,  10,  173.
        <pb n="511" />
        488

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

M.  Ripper  fand  für  das  Serum  normaler  Milch  —  abgeschieden  durch  Erwärmen ­
  mit  Essigsäure  —  bei  15°  die  Refraktion  1,3430—1,3442,  Fr.  Utz  für
durch  freiwillige  Säuerung  gewonnenes  Serum  1,3431—  1,3442  bei  15°  (die  Refraktion
von  Leitungswasser  war  1,3328  bei  15°).  H.  Matthes  und  F.  Müller 1 )  fanden
als  untere  Grenze  40  Skalenteile  des  Eintauch-Refraktometers.  Die  Angabe  von
M.  Ripper,  daß  man  an  der  Refraktion  des  Serums  die  Milch  kranker  Kühe
erkennen  könne,  fand  Fr.  Ertel, 3 )  wie  von  vornherein  wohl  anzunehmen  war,  nicht
bestätigt.
b)  Gewinnung  und  Untersuchung  des  albuminfreien  Serums.  E.  Reich”)
hat  vorgeschlagen,  das  albuminfreie  Serum  zu  untersuchen.  Er  stellt  dasselbe
wie  folgt  dar:
100  ccm  Milch  werden  mit  0,4  ccm  Eisessig  in  einer  Flasche  von  200  ccm  Inhalt
gehörig  durchgeschüttelt,  6—0  Minuten  auf  60—65°  erwärmt,  abgekühlt,  durch  ein  trocknes
Filter  filtriert  und  das  Filtrat  durch  5—6  Minuten  langes  Erwärmen  im  kochenden
Wasserbade  vom  Albumin  befreit.  Darauf  wird  schnell  abgeknhlt  und  das  vom  Albumin
durch  Filtration  befreite  Serum  zur  Untersuchung  verwendet.  Dasselbe  ist  in  der  Regel
vollkommen  klar.  Nach  hiesigen  Untersuchungen  wird  durch  die  Abscheidung  des  Albumins
nach  Reich  das  spez.  Gewicht  des  Serums  um  0,0008—0.0017  erniedrigt;  dieser  Unterschied
wird  aber  z.  T.  dadurch  wieder  ausgeglichen,  daß  Reich  Eisessig  (spez.  Gewicht  1,0587)
bei  der  Herstellung  des  Serums  verwendet,  wodurch  das  spez.  Gewicht  um  etwa  0,0006
erhöht  wird.  Die  beim  Reichschen  Verfahren  abgeschiedene  Albuminmenge  (N  x  6,25)
beträgt  rund  0,4  g.

16.  Beziehungen  zwischen  spezifischem  Gewicht,  Trockensubstanz  und  Fett.

Von  den  vielen  Formeln,  nach  denen  bei  den  vorhandenen  Beziehungen  zwischen
spezifischem  Gewicht,.  Trockensubstanz  und  Fett  aus  zweien  dieser  Werte  der  dritte,
insbesondere  aus  spezifischem  Gewicht  und  Fettgehalt  der  Trockensubstanzgehalt
berechnet  werden  kann,  seien  hier  nur  die  zuletzt  von  W.  Fleischraann 4 )  angegebenen ­
  Formeln  mitgeteilt,  welche  unter  der  Annahme  des  spezifischen  Gewichts
des  Milchfettes  =  0,93  bei  15°  und  der  fettfreien  Trockensubstanz  =  1,5847  berechnet ­
  worden  sind.

Ist  t  =  Trockeusubstanzgehalt,  f  =  Fettgehalt  und  s  —-  spezifisches  Gewicht  der  Milch,
so  wird;
266,5
266,5-f  1,2  f—t  ’

1  o  t  i  o  cck  100  s  —  100
t  =  1,2  f-|-2,66o  Oders:

f=  0,833  t  -2,22  —  oder  8  =  ■

s  222-ff  —0,833  t
Hat  z.  B.  eine  Milch  ergeben:
Spezifisches  Gewicht  (s)  =  1,0315,  Fett  (f)  =  3,60°/ 0  und  Trockensubstanz  ft)—
12,30  °/ 0 ,  so  ist;
t=l,2x  3,50  +  2,665  X  —  -  —  =  12,33  °/ 0

und

1,0316
f  =  0,833  x  12,30  —  2.22  x  100  —~  100  =  3,47  »/„.
1,0315

Die  Formeln  können  daher  zur  Berechnung  eines  Bestandteiles  aus  den  beiden  anderen
oder  als  Kontrolle  dazu  dienen,  ob  man  richtig  gearbeitet  hat;  doch  ist  hierbei  zu  berück-■&amp;gt;)

  Zeitschr.  f,  öffentl.  Chem.  1903,  10,  173.
3 )  Milch-Ztg.  1904,  33,  81.
3 )  Ebenda  1892,  21,  274.
*)  Journ.  f.  Landwirtschaft  1885,  33,  251.
        <pb n="512" />
        Vollmilch.  Berechnung  des  spezifischen  Gewichtes  der  Trockensubstanz  usw.  489

sichtigen,  daß  nach  A.  Rein  sch  und  H.  Lührig  (vergl.  oben  S.  469)  nur  bei  unmittelbar
nach  dem  Melken  erfolgender  Trockensubstanz-Bestimmung  der  bestimmte  und  berechnete
Trockensubstanz-Gehalt,  eine  gute  Übereinstimmung  zeigen.
H.  Schrott-Fiechtl 1 )  hat  bei  J.  Greiner  in  München  ein  Laktodensimeter  herstellen
lassen,  bei  dem  man  den  zu  jedem  spezifischen  Gewichte  gehörigen  Wert  2,665  —
der  Pleischmannsohen  Formel  direkt  ablesen  kann.

B.  Ackermann 2 )  hat  einen  Apparat  in  Form  zweier  konzentrisch  verbundenen
Blechscheiben  eingerichtet,  mittels  dessen  man  auf  einfache  Weise  den  zu  einem  bestimmten
spezifischen  Gewichte  und  Fettgehalte  gehörigen,  nach  der  Pleischmannschen  Formel
berechneten  Trockensubstanzgehalt  ablesen  kann.  Der  Apparat  ist  von  der  Firma
Dr.  Bender  und  Dr.  Hobein  in  München  zu  beziehen.

N.  Leornard 8 )  hat  verschiedene  Formeln  für  die  Beziehungen  zwischen  spezifischem
Gewicht,  Fett  und  fettfreier  Trockensubstanz  ermittelt,  auf  die  hier  verwiesen  sei.

17.  Berechnung  des  spezifischen  Gewichtes  der  Trockensubstanz,  des  Gehaltes  an
fettfreier  Trockensubstanz  und  des  prozentigen  Fettgehaltes  der  Trockensubstanz.
Diese  drei  Werte  sind  für  die  Beurteilung  der  Reinheit  einer  Milch  von  Bedeutung. ­
  Man  ermittelt  sie  in  folgender  Weise:
a)  Das  spezifische  Gewicht  der  Milchtrockensubstanz  (m)  wird  aus
dem  spezifischen  Gewichte  (s)  und  dem  Trockensubstanzgehalte  (t)  der  Milch  berechnet ­
  nach  der  Formel:
_  t  s
t  s  —  1ÖÖ  s  -j-100'
b)  Der  Gehalt  an  fettfreier  Trockensubstanz  (r)  wird  durch  Subtraktion
des  Fettgehaltes  (f)  vom  Trockensuhstanzgehalt  (t)  erhalten:  r  =  t  —  f.
S.  M.  Babcock 4 )  hat  für  diese  Berechnungen  sowie  für  die  der  Trockensubstanz ­
  (t)  noch  einfachere  Formeln  aufgestellt  und  kommt  zu  dem  Schluß,  daß  die
Prozente  an  fettfreier  Trockensubstanz  in  der  Milch  für  je  1  Laktodensimetergrad
um  rund  0,26  (bei  gleichem  Fettgehalt)  und  für  je  1 / 10 °/o  Fett  um  0,02  (hei
gleichem  Laktodensimetergrad)  zunehmen.  Dieses  Verhältnis  findet,  wenn  L  =
Laktodensimetergrade,  f  =  Fett  bedeutet,  seinen  Ausdruck  in  folgenden  Formeln:

r  =  4 / 4 L  +  0,2f,
t  =  V*L  +  l,2t

Diese  einfachen  Formeln  sollen  nur  0,04°/ 0  von  den  nach  Fleischmanns
Formeln  berechneten  abweichende  Werte  geben.
c)  Den  prozentigen  Fettgehalt  der  Milchtrockensubstanz  (ft)  ermittelt ­
  man  aus  dem  Gehalt  der  Milch  an  Fett  (f)  und  Trockensubstanz  (t)  nach
der  Formel:

9  Milch-Ztg.  1901,  30,  180.
“)  Vergl.  Steinmann,  Ann.  chim.  analyt.  1898,  3,  253;  Zeitachr.  f.  Untersuchung
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  236.
s )  Analyst  1900,  25,  67  u.  1901,  26,  318;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu
 -  Genußmittel  1901,  4,  76  u.  1902,  5,  865.
1  4 )  Tweith  annual  report  of  the  Agrio.  Experim.  Stat.  of  the  University  of  Wisconsin
        <pb n="513" />
        490

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Milch.
1.  Nachweis  von  Milchf  älschungeu.
Wenn  sich  auch  für  die  Schwankungen  der  Menge  der  einzelnen  Bestandteile  der
Milch  und  für  die  Schwankungen  des  spezifischen  Gewichtes  Grenzen,  die  für  die  verschiedenen ­
  Gegenden  Deutschlands  in  gleichem  Maße  Geltung  beanspruchen  dürften,  nicht
aufstellen  lassen,  und  wenn  es  daher  als  unerläßlich  bezeichnet  werden  muß,  sich  für
jeden  Bezirk,  in  dem  eine  Kontrolle  ausgeübt  werden  soll,  durch  ausgedehnte  Untersuchungen ­
  und  Beobachtungen  sichere  Anhaltspunkte  für  sein  Urteil  zu  verschaffen,  so  darf
man  bei  den  für  Deutschland  geltenden  Verhältnissen  für  Marktmilch  und  für  weitaus
die  Mehrzahl  der  Fälle  wohl  annehmen,  es  schwanke  hei  unverfälschter  Milch

das  spezifische  Gewicht  hei  15°  von  1,029—  1,033
der  Gehalt  an  Fett  2,50  —  4,50  °/ 0
„  „  „  Trockensubstanz  „  10,50  —14,20  „
„  „  „  fettfreier  Trockensubstanz  .  .  .  „  8,00  —10,00  „

und  es  sinke  der  Gehalt  der  Trockensubstanz  an  Fett  nicht  unter  20  u / 0 ,  bezw.  es  erhebe
sich  das  spezifische  Gewicht  der  Trockensubstanz  nicht  über  1,4.  Bei  täglich  dreimaligem
Melken  kann  der  Fettgehalt  der  Morgenmiloh  aus  den  angegebenen  Grenzen  nach  unten
sehr  wohl  heraustreten,  ohne  daß  Fälschung  vorliegt.
Für  die  Erkennung  der  oben  angeführten  Arten  der  Milchfälsohung
dienen  folgende  Anhaltspunkte:
1.  Durch  die  Wässerung  der  Milch  wird  a)  das  spezifische  Gewicht  der  Milch  und
des  Serums  erniedrigt,  b)  der  Gehalt  der  Milch  an  sämtlichen  Bestandteilen  gleichmäßig
erniedrigt,  einschließlich  des  Gehaltes  an  fettfreier  Trockensubstanz.  Dagegen  c)  bleibt
der  Fettgehalt  der  Milchtrockensubstanz  bezw.  deren  spezifisches  Gewicht  normal.
Eine  Milch  ist,  falls  es  sich  nicht  um  die  Milch  einer  einzelnen  Kuh  handelt,  als
gewässert  zu  bezeichnen,  wenn  das  spezifische  Gewicht  der  Milch  unter  1,028,  das  des
Serums  unter  1,026  und  der  Gehalt  an  fettfreier  Trockensubstanz  unter  8°/ 0  erheblich
herabsinkt.
Fällt  hierbei  der  Fettgehalt  der  Milchtrockensuhstanz  nicht  unter  20  °/ 0 ,  bezw.
steigt  das  spezifische  Gewicht  derselben  nicht  über  1,4,  so  ist  nur  eine  Wässerung  anzunehmen. ­

2.  Durch  die  Entrahmung  der  Milch  oder  das  Vermischen  von  Milch  mit  entrahmter
Milch  wird
a)  das  spezifische  Gewicht  der  Milch  erhöht,  während  das  des  Serums  dasselbe  bleibt;
b)  auch  Trockensubstanz-  und  Fettgehalt  werden  erniedrigt,  jedoch  letzterer  verhältnismäßig ­
  mehr  als  ersterer;  der  Gehalt  an  fettfreier  Trockensubstanz  wird  jedoch  durch
Entrahmung  nicht  verändert;
c)  der  Fettgehalt  der  Milchtrockensubstanz  fällt  bezw.  ihr  spezifisches  Gewicht  steigt.
Eine  Milch  ist,  falls  es  sich  nicht  um  die  Milch  einer  einzelnen  Kuh  handelt,  im
allgemeinen  als  entrahmt  oder  als  mit  entrahmter  Milch  vermischt  zu  bezeichnen,  wenn
bei  erhöhtem  spezifischem  Gewicht  der  Milch  und  normalem  spezifischem  Gewichte  des
Serums  der  Fettgehalt  der  Milchtrockensuhstanz  unter  20°/ 0  erheblich  sinkt  bezw.  ihr
spezifisches  Gewicht  über  1,4  erheblich  steigt. 1 )
3.  Wässerung  und  Entrahmung  gleichzeitig  liegen  vor,  wenn  bei  unter
Umständen  normalem  spezifischen  Gewicht  der  Milch  das  des  Serums  erheblich  unter
1,026  sinkt  und  bei  erniedrigtem  Gehalt  an  sämtlichen  Milchbestandteilen  der  Fettgehalt
der  Milchtrockensuhstanz  erheblich  unter  20°/ 0  sinkt  bezw.  deren  spezifisches  Gewicht
erheblich  über  1,4  steigt.
Durch  die  vorstehenden  Anhaltspunkte  können  nur  verhältnismäßig  grobe  Verfälschungen ­
  der  Milch  nachgewiesen  werden,  auch  ist  es  unmöglich,  auch  nur  annähernd
*)  Bei  dem  Schluß  auf  Entrahmung  ist  jedoch  große  Vorsicht  erforderlich,  da  verschiedene ­
  Umstände,  so  Brunst,  Futterwechsel,  Witterung  usw.,  gerade  auf  den  Fettgehalt
von  großem  Einfluß  sind.
        <pb n="514" />
        Vollmilch.  Stallprobe.

491

den  Grad  derselben  festzustellen.  Entfernen  sich  daher  die  gefundenen  Zahlen  nur  wenig
von  den  oben  angeführten  nach  oben  wie  nach  unten,  oder  soll  der  Grad  der  Verfälschung
annähernd  festgestellt  werden,  so  ist  unbedingt  erforderlich;
2.  Die  Stallprobe.
Die  Stallprobe  ist  nur  möglich,  wenn  sicher  festgestellt  werden  kann,  aus  welchem
Stalle  bezw.  von  welchen  Kühen  eines  Stalles  die  fragliche  Milch  stammt  und  sie  hat  nur  dann
einen  Zweck,  wenn  ganz  genau  bekannt  ist,  von  welcher  Melkzeit 1  2 )  die  Milch  herrührt.
Sie  besteht  darin,  daß  man  zu  derselben  Melkzeit,  zu  der  die  verdächtige  Milch  gemolken
sein  soll,  am  besten  von  derselben  Person,  welche  gewöhnlich  melkt,  das  Melken  besorgen
läßt,  eine  Durchschnittsprobe  von  der  ganzen  ennolkenen  Milchmenge  nimmt,  diese  untersucht, ­
  die  nunmehr  erhaltenen  Ergebnisse  mit  den  früheren  vergleicht  und  sorgfältig  erwägt,
ob  die  Vergleichung  den  bestehenden  Verdacht  bestätigt  oder  nicht.
Bei  der  Stallprobe,  die  durch  den  Sachverständigen  selbst  oder  eine  hinreichend
unterrichtete  Person  (Polizeibeamten)  erfolgen  muß,  ist  auf  folgende  Punkte  besonders  und
zwar  stets  Rücksicht  zu  nehmen;
1.  Die  Stallprobe  ist  bei  derjenigen  Melkzeit  bezw.  denjenigen  Melkzeiten  vorzunehmen, ­
  welcher  bezw.  welchen  die  fragliche  Probe  entstammte.
2.  Die  Stallprobe  ist  am  besten  schon  24  Stunden  später,  auf  keinen  Fall
später  als  3  Tage  nach  der  Melkzeit  der  fraglichen  Milch  vorzunehmen.
3.  Die  Probe  muß  sich  auf  alle  Kühe,  aber  auch  nur  auf  diejenigen  erstrecken,
welchen  die  fragliche  Milch  entstammte.
4.  Es  ist  dafür  zu  sorgen,  daß  sämtliche  Kühe  vollständig  ausgemolken  werden  und
ist  dies  von  demjenigen,  welcher  die  Stallprobe  vornimmt,  zu  kontrollieren.
5.  Von  der  gut  durchmischten,  abgekühlten  Milch  sämtlicher  in  Frage  kommenden
Kühe  ist  eine  Durchschnittsprobe  von  ’/a—1  1  in  einer  reinen,  trocknen,  vollständig  gefüllten ­
  Flasche  versiegelt,  möglichst  schnell  der  Kontrollstelle  einzusenden,  wobei  es  sich
empfiehlt,  im  Sommer  dieselbe  mit  Bis  zu  kühlen.
6.  Es  ist  möglichst  genau  zu  erforschen  und  anzugeben;
a)  die  Anzahl  der  vorhandenen  milchenden  Kühe,  von  denen  die  Milch  entstammt,
b)  Ernährungs-  und  Gesundheitszustand,  sowie  Zeit  der  Laktation  der  Kühe,
c)  ob  und  welche  Veränderungen  in  der  Haltung  der  Kühe  zwischen  der  Zeit,
welcher  die  fragliche  Probe  entstammte,  bezw.  kurz  vorher  und  der  Zeit  der  Stallprobe
stattgefunden  haben,  insbesondere  auch,  ob  und  gegebenenfalls  wieviel  Tiere  in  der  in  Frage
kommenden  Zeit  rinderig  gewesen  sind,
d)  ob  in  dieser  Zeit  ein  Witterungsumsohlag  stattgefunden  hat.
Es  empfiehlt  sich,  für  die  Stallprobe  gedruckte  Vorschriften  vorrätig  zu  halten,  auf
denen  die  unter  1—6  angegebenen  Punkte  angeführt  sind,  auf  denen  die  unter  6  bezeichneten
  Angaben  zu  machen  und  die  gleichzeitig  mit  der  entnommenen  Milchprobe  der
Kontrollstelle  einzusenden  sind.
Wird  die  Stallprobe  unter  genauer  Einhaltung  vorstehender  Vorschriften  genommen
ünd  ist  eine  wesentliche  Veränderung  in  den  unter  6  b—d  aufgeführten  Punkten  nicht  eingetreten, ­
  so  werden  sich  die  Ergebnisse  der  beiden  Analysen,  falls  eine  Fälschung  nicht
v orliegt,  gewöhnlich  für  das  spezifische  Gewicht  der  Misohmiloh  um  nicht  mehr  als  2  Einheiten ­
  der  dritten  Dezimale,  für  den  Gehalt  an  Fett  um  nicht  mehr  als  0,3  %  und  für
den  an  Trockensubstanz  um  nicht  mehr  als  1  °/ 0  unterscheiden.  Größere  Unterschiede  sind
üur  ausnahmsweise  bei  der  Milch  einzelner  Kühe  beobachtet  worden.®)  Sind  dagegen  hiu-1
 )  Stammt  die  Milch  von  einer  einzelnen  Kuh,  so  ist  die  Stallprobe  mehrmals ­
  an  verschiedenen  Tagen  zu  wiederholen,  weil  nicht  nur  das  einzelne,  sondern  auch
das  Tagesgemelk  einer  einzelnen  Kuh  von  einem  Tage  zum  anderen  so  schwanken  kann,
(  aß  sich  auf  Grund  einer  Stallprobe  ein  sicheres  Gutachten  über  eine  beanstandete  Milch
ul °ht  abgeben  läßt.
2 )  Von  anderer  Seite  gegen  die  Zuverlässigkeit  der  Stallprobe  gemachte  Einwendungen ­
  sind  von  Mader  (Milch-Ztg.  1894,  23,  167)  als  auf  unrichtigen  analytischen
6  un den  beruhend  zurückgewiesen.
        <pb n="515" />
        492

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

sichtlich  der  Punkte  6  h—d  wesentliche  Veränderungen,  welche  die  Zusammensetzung  der
bei  der  Stallprobe  gewonnenen  Milch  im  günstigen  Sinne  beeinflussen  könnten,  seit  dem
Tage  eingetreten,  an  dem  die  fragliche  Milch  gewonnen  wurde,  so  wird  unter  den  meisten
Fällen  durch  die  Stallprobe  ein  bestimmtes  Ergebnis  für  die  Beurteilung  der  Milch  nicht
erhalten  werden  können.
Fr.  J.  Herz 1 )  berechnete  bei  einer  großen  Zahl  von  Stallprobeu  (60),  die  er  an  aufeinanderfolgenden ­
  Tagen  aus  einem  Stalle  von  7  milchenden  Kühen  entnahm,  aus  den  1,
2,  3—20  Tage  vorher  genommenen  Proben  Wasserzusätze  bis  zu  4  %  und  eine  Abnahme
des  Fettgehaltes  der  Trockensubstanz,  die  im  ganzen  zwischen  27,17  und  32,78  °/ 0  schwankte,
gegen  den  Tag  zuvor  bis  zu  2,64  °/ 0 .
Da  geringe  Fälschungen  dem  Fälscher  nicht  den  beabsichtigten  Gewinn  bringen  und
bei  den  Schwankungen  auch  von  vorschriftsmäßig  vorgenommeuen  Stallproben  für  die  Beurteilung ­
  einer  Milch  große  Vorsicht  geboten  ist,  so  empfiehlt  es  sich,  wenn  es  sich  um
die  Milch  mehrerer  Kühe  handelt,  erst  dann  eine  Milch  als  gewässert  zu  beanstanden,  wenn
der  berechnete  Wasserzusatz  wenigstens  10%  beträgt,  oder  erst  dann  eine  Milch  als  teilweise ­
  entrahmt  bezw.  mit  Magermilch  vermischt  zu  bezeichnen,  wenn  der  Fettgehalt  der
Trockensubstanz  in  der  fraglichen  Probe  um  wenigstens  5%  geringer  ist  als  in  der  bei
der  Stallprobe  entnommenen  Probe.

3.  Berechnung  der  zugesetzteu  Wassermenge  und  der  entzogenen  Fettnienge.

a)  Wenn  nur  Wasser  zugesetzt  ist.  Für  die  annähernde  Berechnung  der  einer
Milch  zugesetzten  Wassermenge  muß  neben  der  Untersuchung  dieser  Milch  auch  die
einer  mindestens  innerhalb  der  drei  nächsten  Tage  entnommenen  Stallproben-Milch  vorliegen. ­
  Bedeuten
bei  der  Stallproben-Milch  L,  die  Laktodensimetergrade,  tj  den  Trockensubstanzgehalt,
fj  den  Fettgehalt  und  r,  den  Gehalt  an  fettfreier  Trockeusubztanz,
  und
bei  der  fraglichen  Milch  L ä ,  t 2 ,  f 2  und  r 2  die  den  Werten  L,,  t 1;  f,  und  r,  entsprechenden
Werte,
so  kann  man  die  auf  100  Teile  reiner  Milch  zugesetzte  Wassermenge  (W)  nach  einer  der
II.  w  =  100  (V-y
IV  W  =  100  ( r i  ~  r a)
Ls

folgenden  vier  Formeln  berechnen:
100  (L]  —  L 2 )

I.  W  -

III.  W  =

L 2
100  (f,  -

f 2 )

fü

Ist  z.  B.  gefunden  worden:
bei  der  Stallproben-Milch  .  .  .  L!  =  31,8  t,  =  12,33  f,  =  3,47  rj  =  8,89,
..  „  fraglichen  Milch  ,  .  .  L 2  =  28,5  t 2  =  11,09  f 2  =  3,09  r 2  =  8,00,

so  ergeben  sich  nach  den  vorstehenden  4  Gleichungen  auf  100  Teile  reine  Milch  folgende
Mengen  zugesetzten  Wassers  (W):

I,  II.  III.  IV.
W  =  11,58%  11,18%  12,30%  11,12%.
Man  kann  daher  in  diesem  Falle  die  Milch  als  mit  etwa  11—12  %  Wasser  versetzt
bezeichnen.  Da  die  fettfreie  Trockensubstanz  im  allgemeinen  der  konstanteste  Bestandteil
der  Milch  ist,  so  sind  die  nach  der  Formel  IV  ermittelten  Werte  am  zuverlässigsten.
Wenn  eine  Stallproben-Milch  nicht  vorliegt,  so  wird  man  daher  bei  einer  gewässerten
Milch  den  Wasserzusatz  am  besten  nach  der  Formel  IV  berechnen,  indem  man  den  durchschnittlichen ­
  Gehalt  an  fettfreier  Trockensubstanz  tür  die  betr.  Gegend,  also  z.  B.  8,50  %,
zugrunde  legt.  In  derartigen  Fällen  ist  natürlich  das  berechnete  Ergebnis  nur  ein  sehr
unsicheres.

: )  Über  den  Wert  der  Stallprobe.  Mitteilungen  des  milchw.  Vereins  im  Allgäu
1895,  5,  37.
        <pb n="516" />
        Vollmilch.  Berechnung  der  zugesetzten  Wassermenge  und  der  entzogenen  Pettmenge.  493

Die  obige  Formel  IV  ist  auch  von  J.  Herz 1 )  für  die  Berechnung  des  Wasserzusatzes
als  am  besten  geeignet  bezeichnet  worden.
Die  in  100  Teilen  gewässerter  Milch  enthaltene  zugesetzte  Wassermenge  (W)  berechnet ­
  er  nach  der  Formel:
W  =  100  (D  ~  D  )  v  v
r i
H.  D.  Eichmond 2 )  hat  vorgesohlagen,  statt  der  fettfreien  Trockensubstanz  die
Summe  der  Laktodensimetergrade  und  des  Fettgehaltes  für  die  Berechnung  des  Wassergehaltes ­
  zugrunde  zu  legen.
b)  Wenn  die  Milch  nur  entrahmt  ist,  so  berechnet  J.  Herz 1 )  die  von  100  Teilen
reiner  Milch  durch  Entrahmung  weggenommene  Fettmenge  {&amp;lt;p)  nach  der  Formel:

&amp;lt;P  =  fi  —  fa  -+

fr  ft-*3
100

Es  ist  indes  zu  berücksichtigen,  daß  bei  den  beträchtlichen  Schwankungen  des  Fettgehaltes ­
  der  Milch  diese  Berechnungen  weit  unzuverlässiger  sind,  als  die  der  zugesetzten
Wassermenge.  Annähernd  erhält  man  die  entzogene  Fettmenge  einfach  aus  der  Differenz
der  in  der  Stallprobe  und  der  fraglichen  Milch  enthaltenen  Pettmengen.
c)  Wenn  die  Milch  teilweise  entrahmt  und  mit  Wasser  versetzt  ist.
Schwieriger  wird  die  Kechnung,  wenn  die  Milch  teilweise  entrahmt  und  gleichzeitig
mit  Wasser  versetzt  ist.  In  diesem  Palle  kann  man  sich  folgender  2  Formeln  von
Recknagel  bedienen:
I.  W  =  2,8  (Sj  —  s 2 )  -|—  3  ft  —  i 2 ),
100  ft  —  fr)-f,W
9  100  —  W  —  f a  ’
worin:
W  =  Wasserzusatz,
s 1  =  Laktodensimetergrade  der  Stallprobe,
s ä  =  Laktodensimetergrade  der  fraglichen  Milch,
f,  =  Fettgehalt  der  Stallprobe,
f 2  =  Fettgehalt  der  fraglichen  Milch,
&amp;lt;p  =  Größe  der  Entrahmung,  ausgedrückt  in  °/ 0  entzogenen  Fettes.
Ist  z.  B.  so  wird;

Fall

Si

f.

f.

W  =
Proz,  zuges.

&amp;lt;P  =
Proz.  entzoI ­



31,8

28,5

3,47

3,09

Wasser
10,4

genes  Fett
0,02

II

34,0

32,5

4,04

2,86

1,00

III

31,2

24,6

4,19

3,27

20,9

0,05

IV

29,6

31,8

4,20

2,10

0,14

2,18

Bei  Milch  I  und  III  liegt  daher  ein  Wasserzusatz,  bei  Milch  IV  eine  Entrahmung,
“ei  Milch  II  eine  kombinierte  Fälschung:  Wasserzusatz  und  Entrahmung  vor.
Die  von  J.  Herz  für  diesen  Zweck  aufgestellte  Formel  lautet:

&amp;lt;P  =  f i  —

100  —

mf,  —  100  f s

t f -

mfj  —100  f 2
m

^orin  bedeutet:

100

T  —  das  von  100  Teilen  reiner  Milch  durch  Entrahmung  weggenommene  Fett,
i  =  Fettgehalt  der  Stallprobe,

J)  Chem.-Ztg.  1893,  17,  836.
isqo  Analyst  1898,  28,  169;  Zeitschr.  f.  Untersuchun
ly 99,  2,  239.

d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
        <pb n="517" />
        494

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

f 2  =  Fettgehalt  der  verdächtigen  Milch,
m  =  100  —  w  =  die  in  100  Teilen  gewässerter  Milch  enthaltene  Menge  ursprünglicher,
ungewässerter  Milch  (vergl.  die  Formel  V  unter  3  a  S.  493).
Andere  Formeln  für  diesen  Zweck  haben  L.  und  Ch.  Riquier, 1 )  ferner  Y.  Genin 2 )
entworfen,  auf  die  hier  verwiesen  sei.
4.  Die  Marktkontrolle.
Soll  eine  wirksame  Kontrolle  des  Verkehrs  mit  Milch  ausgeübt  werden,  so  ist  eine
überaus  große  Anzahl  von  Proben  zu  kontrollieren.  Da  die  chemische  Untersuchung  hierfür
zu  weitläufig  und  zu  kostspielig  ist,  so  ist  eine  häufige  Vorprüfung  einer  großen  Zahl
von  Milchproben  durch  geeignete  Organe  der  Marktpolizei  unbedingt  erforderlich.  Diese
senden  alsdann  nur  Proben  verdächtiger  Milch  möglichst  schnell  der  Kontrollstelle  ein.
Es  empfiehlt  sich,  hierbei  so  gut  wie  möglich  bereits  festzustellen,  von  welcher  Melkzeit
und  wieviel  Kühen  die  fragliche  Milch  entstammt  usw.
Die  geeignetsten  Apparate  für  die  Kontrolle  der  Milch  seitens  der  Organe  der
Marktpolizei  sind  hinreichend  feine  Laktodensimeter  (vergl.  S.  451)  und  im  allgemeinen
dürften  Milchproben,  deren  spezifisches  Gewicht  unter  1,029  oder  über  1,033(29—33  Laktodensimetergrade) ­
  liegt,  als  verdächtig  der  Kontrollstelle  einzusenden  sein.
Da  aber  durch  diese  Art  der  Kontrolle  geschickte  Fälschungen  (Wässerung  und
Entrahmung  gleichzeitig)  nicht  erkannt  und  daher  der  Wert  der  Kontrolle  überhaupt
zweifelhaft  wird,  so  dürfte  trotz  ihrer  geringen  Brauchbarkeit  die  Verwendung  optischer
Milchprüfungsapparate,  von  denen  Fesers  Laktoskop  das  geeignetste  ist,  zurzeit  nicht
vollständig  zu  umgehen  sein.  Unter  Umständen  dürften  indes  geeignete  Organe  der
Marktpolizei  bei  einiger  Übung  auf  gröbere  kombinierte  Fälschungen  auch  ohne  optische
Milchprüfungsapparate  allein  nach  dem  Aussehen  der  Milch  aufmerksam  werden  und  so
diese  Proben  zur  eingehenden  chemischen  Untersuchung  auswählen  können.
Im  übrigen  ist  bei  der  Beurteilung  der  Milch  noch  folgendes  zu  berücksichtigen:
Handelsmiloh  darf  keinerlei  fremde  Zusätze  erhalten,  noch  nicht  so  sauer  sein,  daß
sie  beim  Aufkochen  gerinnt,  darf  bei  längerem,  ruhigem  Stehen  weder  Schmutz  noch
Gerinnsel  absetzen,  darf  pathogene  Bakterien  nicht  enthalten,  darf  keinen  außergewöhnlichen ­
  Geruch  oder  Geschmack,  auch  kein  außergewöhnliches  Aussehen  besitzen  und
darf  vor  dem  Verkaufe  weder  aufgekocht  noch  pasteurisiert  worden  sein.  Letztere  Anforderung ­
  fällt  für  die  Zeiten  weg,  in  denen  Viehseuchen  (Maul-  und  Klauenseuche)  herrschen,
und  in  denen  Pasteurisierung  oder  Sterilisierung  der  Milch  vor  dem  Verkaufe  gesetzlich
geboten  ist.
5.  Allgemeine  Maßregeln  für  den  Milchhandel.
Für  die  Kontrolle  der  Handelsmilch  sind  sowohl  im  Interesse  des  reellen  Milchlieferers ­
  wie  des  Abnehmers  die  strengsten  Maßregeln  angebracht.  Schwierig  aber
ist  hierbei  die  Frage,  welche  zulässigen  Grenzzahlen  für  den  Gehalt  einer  reinen  Milch
aufgestellt  werden  sollen?  Denn  der  Gehalt  natürlicher  und  reiner  Milch  besonders  au
Fett  ist  außerordentlich  verschieden  je  nach  der  Viehrasse,  der  Individualität  der  einzelnen
Tiere,  der  Fütterung,  Pflege  usw.  und  kann  unter  Umständen  durch  besondere  Verhältnisse,
wie  plötzlichen  Putter-  und  Witterungswechsel,  Brunst,  Krankheiten  der  Tiere  usw.  außerordentlich ­
  beeinflußt  werden.
Das  König!.  Preußische  Ministerium  hat  in  einem  Eunderlaß  vom  27.  Mai  1899, 3 )
durch  welchen  die  Verfügung  vom  Jahre  1884  außer  Kraft  gesetzt  worden  ist,  darauf  hingewiesen, ­
  daß  eine  einheitliche  Eegelung  des  Verkehrs  mit  Milch  für  das  gesamte  Staats1 ­

 )  Compt.  rend.  1901,  132,  992  u.  1903,  136,  122;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  173  u.  1904,  7,  686.
2 )  Compt.  rend.  1901,  133,  743;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1903,  6,  230.
3 )  Veröffentlichungen  des  Kaiserl.  Gesundheitsamtes  1899,  905;  Zeitschr,  f.  Untersuchung ­
  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  68.
        <pb n="518" />
        Vollmilch.  Allgemeine  Maßregeln  für  den  Milchhandel.

495

gebiet  noch  nicht  zulässig  erscheine.  Da,  wo  ein  Bedürfnis  für  die  Regelung  des  Verkehrs
vorliegt,  soll  derselbe  unter  Berücksichtigung  der  örtlichen  Verhältnisse  nach  den  folgenden
Grundsätzen  geregelt  werden:
Der  Handel  mit  frischer,  abgekochter,  sterilisierter  oder  saurer  Milch  und  Buttermilch
ist  der  Ortspolizeibehörde  anzumelden.  Frische  Kuhmilch  darf  als  Voll-,  Halb-  und  Magermilch ­
  in  den  Verkehr  gelangen,  doch  ist  Halbmiloh  wegen  der  Schwankungen  ihrer  Eigenschaften ­
  allmählich  tunlichst  vom  Verkehr  auszuschließen.  Als  Vollmilch  gilt  eine  in
keiner  Weise  veränderte  Milch  mit  mindestens  1,028  spezifischem  Gewicht  und  2,7  °/ #  Fett,
als  Halbmilch  eine  durch  Mischen  von  voller  mit  entrahmter  oder  durch  teilweises  Entrahmen ­
  hergestellte  Milch  von  desgleichen  1,030  und  1,5  °/ 0 ,  als  Magermilch  eine  durch
Abnehmen  des  durch  längeres  Stehen  ausgeschiedenen  Kahms  oder  mittels  Zentrifugen
entrahmte  Vollmilch  von  desgleichen  1,032  und  0,15  °/ 0 .  Die  Gewichtsangaben  beziehen
sich  auf  15°.  Die  Untersuchung  einer  Probe  erfolgt  zunächst  im  Aufnahmegefäße  der
Milohwage  grobsinnlich  auf  Farbe,  Geruch  und  Geschmack.  Ergeben  sich  dabei  Abweichungen ­
  von  der  Norm,  so  ist  die  Milch  aus  dem  Verkehr  zu  ziehen  und  chemisch  und
bakteriologisch  zu  untersuchen.  Auf  die  grobsinnliche  Prüfung  erfolgt  die  Feststellung
des  spezifischen  Gewichts,  in  zweifelhaften  Fällen  auch  die  chemische  Untersuchung,
Der  Fettgehalt  der  Sahne  soll  den  örtlichen  Verhältnissen  entsprechen;  es  kann  ein
Mindestfettgehalt  nicht  über  10  °/ 0  vorgeschrieben  werden.  Abgekochte  und  sterilisierte
Milch  ist  nur  unter  dieser  Bezeichnung  in  den  Verkehr  zu  bringen.  Als  abgekocht  gilt
bis  auf  100°  erhitzte  oder  mindestens  15  Minuten  90°  auagesetzte,  als  sterilisiert  sofort
nach  dem  Melken  von  Schmutzteilen  befreite  und  spätestens  12  Stunden  nach  dem  Melken
in  als  wirksam  anerkannten  Apparaten  ordnungsmäßig  behandelte  und  während  des  Erhitzens
  mit  luftdichtem  Verschluß  versehene  Milch,  welche  bis  zu  ihrer  Abgabe  an  den
Konsumenten  unversehrt  bleiben  muß.  Vom  Verkehr  auszuschließen  ist  a)  wenige  Tage
vor  und  bis  zum  sechsten  Tage  nach  dom  Abkalben  abgemolkene  Milch,  b)  Milch  von
Kühen,  welche  an  Milzbrand,  Lungenseuche,  Kauschbrand,  Tollwut,  Pocken,  Krankheiten
wie  Gelbsucht,  Ruhr,  Euterentzündungen,  Blutvergiftung,  namentlich  Pyämie,  Septikämie,
fauliger  Gebärmutterentzündung  oder  anderen  fieberhaften  Erkrankungen  leiden,  bei  denen
die  Nachgeburt  nicht  abgegangeu  ist  oder  bei  denen  krankhafter  Ausfluß  aus  den  Geschlechtsteilen ­
  besteht,  o)  Milch  von  Kühen,  die  mit  giftigen  Arzneimitteln,  welche  in  die
Milch  übergehen,  behandelt  werden,  d)  Milch  von  Kühen,  welche  an  Eutertuberkulose  oder
ai1  mit  starker  Abmagerung  oder  Durchfällen  verbundener  Tuberkulose  leiden,  e)  Milch
mit  fremdartigen  Stoffen,  wie  Eis,  insbesondere  mit  chemischen  Frischhaltungsmitteln,
fl  blaue,  rote  oder  gelbe,  mit  Schimmelpilzen  besetzte,  bittere,  faulige,  schleimige  oder
sonstwie  verdorbene,  Blutreste  oder  Blutgerinnsel  enthaltende  Milch.  Milch  maul-  und
Wauenseuchekranker  oder  tuberkulöser  Kühe,  soweit  sie  nicht  unter  d  fällt,  darf  nur  abgekocht ­
  oder  sterilisiert  in  Verkehr  gebracht  werden.  Saure  und  Buttermilch  darf  nicht
ails  Milch  der  unter  a  bis  f  bezeiohneten  Herkunft  bereitet  und  nur  unter  richtiger  Be-Ze
 ichuung  in  den  Verkehr  gebracht  werden.
Gewinnungs-  und  Verkaufsstätten  für  Kindermilch  sind  gesundheitspolizeilich
besonders  sorgfältig  zu  überwachen  nach  Betrieb,  Reinhaltung  der  Räume  und  Gefäße,
'j.em  Gesundheitszustände,  der  Fütterung  und  Haltung  der  Kühe  in  Städten  durch  Tierärzte,
u  den  Ställen,  welche  geräumig,  hell,  luftig  sein,  mit  undurchlässigen  Fußböden  und
ri Ppen,  Wasserspülung  und  guten  Abflußvorrichtungen  versehen  sein  sollen,  dürfen  nur
y s  8 °fohe  in  unauslöschlicher  Weise  zu  bezeichnende  Kindermilchkühe  aufgestellt  werden,
.b  ^orbieten  ist  die  Fütterung  mit  Molkerei-Rückständen.  Die  Kühe  sind  vor  ihrer  Eine
  uug,  sowie  alle  drei  Monate  tierärztlich  zu  untersuchen.  An  den  vorstehenden  Krankj_
 ei  on,  sowie  an  Verdauungsstörungen,  Leoksucht,  Durchfall  erkrankte  oder  der  Tuber-St*
  i°| Se  ver( * äo btige  Kühe  sind  bis  zur  Entscheidung  des  beamteten  Tierarztes  aus  dem
nut-  6  ZU  entfernei1 ;  9ire  Milch  darf  nicht  als  Vorzugsmilch  verwertet  werden.  Die  Bevou
  Bett-  oder  sonst  gebrauchtem  Stroh  und  Abfallstoffen  als  Streumaterial  ist  zu
baft  1 ? a£ ’ en '  Beim  Betriebe  hat  die  grösste  Sauberkeit  zu  herrschen;  mit  Ausschlägen  besolche
 6  p 0C * er  an  anst eckenden  Krankheiten  leidende  Personen  dürfen  nicht  melken.  Für
e  Geschäfte  von  auswärts  bezogene  Milch  darf  in  den  Fördergefäßen  nicht  wärmer
        <pb n="519" />
        496

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

als  10°  sein  und  bei  der  Abgabe  an  die  Konsumenten  keinen  höheren  Säuregehalt  als
2—4°  nach  Soxhlet  haben.
Gefäße  aus  Kupfer,  Messing,  Zink,  gebranntem  Ton  mit  schlechter  oder  schadhafter
Glasur,  Eisen  mit  bleihaltigem,  rissigem  oder  brüchigem  Email  oder  verrostete  Gefäße
eignen  sich  nicht  zur  Aufnahme  von  Milch.  Kindermilch  soll  in  ungefärbten  Glasgefäßen
in  den  Verkehr  kommen.  Gefäße  von  mindestens  2  1  Inhalt  müssen  mit  der  Hand  gereinigt ­
  werden  können.  Gefäße  zum  Ausmessen  sollen  ebenfalls  aus  einwandfreiem
Material  bestehen  und  mit  einer  Handhabe  versehen  sein.  Lappen,  Papier  usw.  sind  als
Verschluß-  und  Dichtungsmittel  nicht  zu  benutzen,  Stroh  ist  zu  vermeiden,  jedenfalls  nur  rein
und  einmal  zu  verwenden;  Gummiringe  als  Dichtungsmaterial  müssen  bleifrei  sein.  Holzgefäße ­
  sind  allmählich  außer  Gebrauch  zu  setzen.  Kaltes  Wasser  und  Sodalösung  sind
bei  der  Reinigung  der  Gefäße  nicht  zu  verwenden.  Zapfhähne  an  Milohgefäßen  und
Milchwagen  sollen  aus  einwandfreiem  Material  bestehen  oder  gut  verzinnt  sein.  Versand- ­
  und  Standgefäße  sind  mit  deutlichen,  unabnehmbaren,  dem  Inhalt  entsprechenden
Bezeichnungen  zu  versehen.  Die  Verwendung  von  Milchgefäßen  zu  anderen  Zwecken  ist
zu  untersagen.  Beim  Melken  und  bei  der  Milchbeförderung  ist  die  größte  Sauberkeit
geboten.  Die  zur  Aufbewahrung  von  Verkaufsmilch  dienenden  Räume  sollen  sauber  gehalten, ­
  täglich  gelüftet  und  kühl  gehalten,  als  Schlaf-  oder  Krankenzimmer  nicht  benutzt
werden  und  auch  mit  solchen  nicht  in  offener  Verbindung  stehen.  Inwieweit  Erkrankungen,
namentlich  an  ansteckenden  Krankheiten,  in  der  Haushaltung  des  Milohgewinners  oder
Verkäufers  gesundheitspolizeiliche  Maßregeln  erfordern,  unterliegt  je  nach  dem  Einzelfalle
der  Entscheidung  des  beamteten  Arztes.
Die  Stallprobe,  welche  eintritt,  wenn  behauptet  wird,  daß  die  beanstandete  Milch
dieselbe  Beschaffenheit  habe,  wie  sie  am  Gewinnungsort  entnommen  sei,  ist  binnen  drei
Tagen  zur  gleichen  Zeit,  zu  welcher  die  beanstandete  Milch  gewonnen  wurde,  in  Gegenwart ­
  des  beanstandenden  Beamten  vorzunehmen.  Es  kann  sich  dabei  immer  nur  um  Vollmilch ­
  handeln.  Der  Entlastungsheweia  der  Stallprobe  kann  als  mißlungen  gelten,  wenn
1.  zu  einem  die  Milch  verschlechternden  Pütterungsverfahren  übergegangen  ist,  2.  zwischen
der  Beschaffenheit  der  beanstandeten  und  der  aus  dem  Stalle  genommenen  Probe  Unterschiede ­
  in  der  Art  sich  ergeben,  daß  das  spezifische  Gewicht  um  2  Grade  abweicht,  und
3.  der  Fettgehalt  der  Stallprobe  um  mehr  als  0,3  °/ 0 ,  ihre  Trockensubstanz  um  mehr  als
1  °/ 0  höher  befunden  wird.
Einen  in  mancher  Hinsicht  von  dem  vorstehenden  preußischen  Ministerialerlaß
  abweichenden  Standpunkt  nimmt  die  Verordnung  des  Ministeriums  des  Innern
für  das  Königreich  Sachsen  vom  28.  Juni  1899 1 )  ein,  welche  die  nachfolgenden
Bestimmungen  enthält:
Die  örtlichen  Vorschriften  über  den  Verkehr  mit  Milch  sollen  nach  folgenden  Gesichtspunkten ­
  einer  Nachprüfung  unterzogen  werden;  Als  Vollmilch  ist  Milch  zu  bezeichnen,
welcher  nichts  zugesetzt  und  weggenommen  ist,  als  abgerahmte  Milch  solche,  der  nur  Rahm
ohne  Anwendung  künstlicher  Mittel,  als  Zontrifugenmilch  solche,  der  nur  Piahm  durch
maschinelle  Kraft  entzogen  ist.  Die  Zulässigkeit  des  Handels  mit  Vollmilch  darf  nicht
davon  abhängig  gemacht  werden,  daß  dieselbe  einen  bestimmten  Fettgehalt  oder  ein
bestimmtes  spezifisches  Gewicht  hat,  doch  kann  vorgeschrieben  werden,  daß  Vollmilch,
wenn  sie  nicht  einen  bestimmten  Fettgehalt  oder  spezifisches  Gewicht  hat,  nur  unter
Deklaration  verkauft  werden  darf.  Der  Fettgehalt  ist  tunlichst  so  zu  normiren,  daß  die
benachbarte  Landwirtschaft  bei  sachgemäßem  Betriebe  ihn  auch  regelmäßig  zu  erzielen
imstande  ist;  auch  soll  dem  Produzenten  die  Möglichkeit  geboten  werden,  durch  die
Stallprobe  nachzuweison,  daß  in  seinem  Stalle  der  geforderte  Fettgehalt  nicht  erzielt
werden  kann.  Milch,  welcher  nichts  hinzugesetzt  oder  genommen  ist,  darf  nicht  bloß  deshalb ­
  als  gefälscht  bezeichnet,  beschlagnahmt  oder  eingezogen  werden,  weil  sie  einen  bestimmten ­
  Fettgehalt  oder  spezifisches  Gewicht  nicht  hat  oder  nicht  vorschriftsmäßig
deklariert  ist.  Die  Einziehung  der  zum  Verkauf  gestellten  Milch  und  die  öffentliche
Veröffentlichungen  des  Kaiserl.  Gesundheitsamtes  1900,  6;  Zeitschr.  f.  Untersuchung ­
  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  373.
        <pb n="520" />
        Kahm,  Magermilch,  Buttermilch,  Molken.

497

Bekanntgabe  derjenigen,  welche  gegen  die  regulativmäßigen  Vorschriften  gefehlt  haben,
bleiben  auf  solche  Fälle  beschränkt,  in  denen  dies  nach  allgemeinen  gesetzlichen  Bestimmungen ­
  zulässig  ist.  Ohne  gleichzeitige  Gewährung  von  Entschädigungen  dürfen
Proben  von  Verkaufsmilch  nicht  entnommen  werden.  Vor  der  Probenahme  soll  die  Milch
gründlich  umgerfihrt  werden.  Zur  Feststellung  einer  Verfälschung  oder  Strafbarkeit  wegen
Nichtbeachtung  der  polizeilichen  Bestimmungen  bedarf  es  einer  Untersuchung  durch  Sachverständige. ­
  Die  Aufsicht  über  den  Milchhandel  ist  tunlichst  durch  Einführung  des
Deklarationszwanges  auszuüben.  Wenn  frische  Vollmilch  als  „Kindermilch“  verkauft  werden
soll,  kann  verlangt  werden,  daß  sie  nachweislich  von  Kühen  stammt,  deren  Haltung,
Fütterung  und  Gesundheitszustand  von  einem  beamteten  Tierarzte  dauernd  überwacht  wird
und  zu  Bedenken  keinen  Anlaß  gibt.  Eine  Kontrolle  des  Stalles  bezw.  der  Milcherzeugung
kann  jederzeit,  auch  ohne  Antrag  des  Verkäufers,  erfolgen,  jedoch  lediglich  durch  die
örtlich  zuständige  Behörde  unter  Zuziehung  eines  Sachverständigen.  Der  Erlaß  von  Vorschriften ­
  über  die  Pflicht  der  Anzeige  des  Milchgewerbebetriebes,  über  die  Beaufsichtigung
der  Verkaufsräume  und  der  Verkaufsgefäße,  über  Ausschluß  erkrankter  Personen  vom
Mil  oliverkauf,  über  den  Ausschluß  des  Verkaufs  schmutziger,  fehlerhafter,  verdorbener  oder
von  kranken  Tieren  stammender  Milch  ist  zulässig,  indes  innerhalb  solcher  Grenzen,  daß
der  Milchhandel  dadurch  nicht  unnötig  erschwert  wird;  besonders  darf  der  Verkauf  von
Milch  aus  verseuchten  Gehöften,  sofern  derselbe  nach  den  seuchengesetzlichen  Vorschriften
statthaft  ist,  nicht  bloß  deshalb,  weil  das  Gehöft  verseucht  ist,  untersagt  werden.

II.  Rahm,  Magermilch,  Buttermilch,  Molken.
1.  Der  Eahm.  Die  Milch  läßt  sich  durch  Aufrahmung  oder  Zentrifugieren
in  einen  mehr  oder  weniger  fettreichen  Teil,  den  Rahm,  und  in  einen  anderen,
fettarmen  Teil,  die  Magermilch,  trennen.  Je  nach  Art  der  Entrahmung  schwankt
der  prozentige  Fettgehalt  des  Rahms  zwischen  weiten  Grenzen.  Weniger  fettreicher ­
  Eahm  wird  gewöhnlich  als  „Kaffeerahm“  oder  „Kaffeesahne“  und  fettreicherer ­
  als  „Schlagrahm“  oder  „Schlagsahne“  verkauft.
Ein  Fettgehalt  von  10  %  dürfte  als  der  Niedrigstgehalt  für  Rahm  anzusehen
sein.  Wie  die  Milch,  so  darf  auch  der  Rahm  heim  Verkaufe  noch  nicht  so  stark
Sesäuert  sein,  daß  er  heim  Aufkochen  gerinnt.
Der  Wert  des  Rahmes  wird  einzig  durch  dessen  Fettgehalt  bedingt  und  kann
’ Wle  folgt  berechnet  werden:
Ist  a  der  ortsübliche  Marktpreis  eines  Liters  Milch  in  Pfennigen  und  F  der
Prozentige  Fettgehalt  des  Rahms,  so  erhält  man  annähernd  den  Wert  eines
■^Ters  Rahm  (x)  aus  der  Gleichung:
x  —  J  Pfennige.
Kostet  z.  B.  das  Liter  Milch  17  Pf.  und  wäre  F  =  10,  so  erhielte  man  x  —  50  Pf.
2.  Die  Magermilch  enthält  nach  den  älteren  Aufrahmungsverfahren  ge-"
  °hnlich  nicht  über  0,5  %,  nach  dem  Zentrifugalverfahren  durchweg  0,1—0,3%  Fett,
d  ft  .K uc h  die  Magermilch  des  Handels  darf  noch  nicht  so  weit  gesäuert  sein,
.  s * e  das  Aufkochen  nicht  mehr  verträgt,  ohne  zu  gerinnen.  Verfälscht  wird
16  zuw eüen  durch  Zusatz  von  Wasser.
Mao-  ^ Ur  ^ en  Nachweis  des  Wasserzusatzes  genügt,  wenn  man  sicher  ist,  daß  eine
wi  ? erm ^°h  vorliegt,  in  den  meisten  Fällen  die  Bestimmung  des  spezifischen  Gesell ­
  Dasselbe  beträgt  für  reine  Magermilch  bei  15°  im  Mittel  1,0345  und
Ma Wan ^ t  gewöhnlich  zwischen  1,032  und  1,0365;  die  fettfreie  Trockensubstanz  der
germiich  stellt  sich  im  Mittel  auf  etwa  9  %  und  schwankt  für  die  meisten  Fälle
^wirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  32
        <pb n="521" />
        498

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

zwischen  etwa  8  und  10°/ 0 .  Für  den  sicheren  Nachweis  einer  Wässerung  dienen
die  hei  Vollmilch  (S.  490  u.  492)  angeführten  Untersuchungen  hezw.  Berechnungen.
3.  Die  Buttermilch.  Ungewässerte,  bei  regelrechtem  Buttern  gewonnene
Buttermilch  hat  ein  spezifisches  Gewicht  von  1,032  —  1,035  bei  15°  und  einen
Fettgehalt  von  0,3  —  0,8  °/ 0 .
4.  Die  Molken.  Der  Wert  der  Molken  hängt  wesentlich  von  deren  Gewinnungsart ­
  ab;  ein  Wert  von  allgemeiner  Gültigkeit  läßt  sich  nicht  angeben;  er
ist  im  wesentlichen  durch  den  Milchzucker  (4,5—5,5  °/ 0 )  bedingt;  denn  bei  etwa
93,94  °/ 0  Wasser  enthalten  sie  nur  wenig  Stickstoffsubstanz  (0,5—1,0  °/ 0 ),  wenig  Fett
(0—0,5  °/ 0 )  und  0,4—0,6  °/ 0  Mineralstoffe.  Das  spezifische  Gewicht  schwankt  gleich
dem  des  Milchserums  im  allgemeinen  von  1,027—1,029.
Untersuchungsverfahren.
Die  chemischen  Untersuchungsverfahren  für  Eahm,  Magermilch,  Buttermilch
und  Molken  sind  im  allgemeinen  dieselben  wie  die  für  Milch,  doch  sind  unter
Umständen  geringere  (z.  B.  bei  Fettbestimmung  im  Rahm)  oder  größere  (z.  B.  bei
Magermilch)  Substanzmengen  zu  verwenden,  als  sie  bei  den  einzelnen  Verfahren
schon  angegeben  sind.  Ferner  ist  zu  beachten,  daß  die  Fl  eis  chm  an  n  sehe  Formel
auf  diese  Milcherzeugnisse  nicht  anwendbar  ist.  Im  einzelnen  ist  noch  folgendes
zu  bemerken:
a)  Fettbestimmung  im  Rahm.  Bei  dem  Gottlieb-Röseschen  Verfahren
empfiehlt  es  sich,  die  Anmerkungen  No.  1  und  6  (vergl.  S.  454)  besonders  zu  beachten. ­

Beim  acidbutyrometrischen  Verfahren  empfehlen  N.  Gerber  und
M.  M.  Craandijk 1 )  in  den  dem  Apparate  beigegebenen  Becherchen  5  g  Eahm  abzuwägen ­
  und  in  besonders  angegebener  Weise  das  Becherchen  in  die  Butyrometer
einzufügen.  Da  die  Ergebnisse  bei  diesem  Verfahren  stets  zu  hoch  ausfallen,
empfehlen  Gerber  und  Craandijk  von  dem  abgelesenen  Fettgehalte  0,50°/ 0  abzuziehen. ­
  Zutreffendere  Ergebnisse  werden  nach  M.  Kämnitz 2 )  erhalten,  wenn
man  in  Rücksicht  zieht,  daß  die  Butyrometer  auf  Grund  der  Annahme  eines  mittleren
spezifischen  Gewichtes  der  Milch  von  1,03  kalibriert  sind,  der  Eahm  aber  ein
niedrigeres  spezifisches  Gewicht,  z.  B.  bei  30°/ 0  Fett  ein  solches  von  1,000  hat.
Man  wägt  etwa  50  g  Rahm  in  einem  200  ccm-Kolben  ab,  füllt  mit  Wasser  bis  zur
Marke  auf  und  bestimmt  das  spezifische  Gewicht  (s)  dieses  verdünnten  Rahmes,  sowie
seinen  Fettgehalt  (b)  in  der  bei  Milch  üblichen  Weise;  alsdann  berechnet  sich  der
Fettgehalt  des  Rahmes  (f)  nach  der  Gleichung:
f  _  2  b  .  1.03
8
b)  F’ettbestimmung  in  der  Magermilch.  Für  die  Fettbestimmung  nach
dem  acidbutyrometrischen  Verfahren  gibt  die  neueste  Gebrauchsanweisung
(Juli  1904)  folgende  Vorschrift:  Sobald  die  Magermilch  in  der  Säure  gelöst  ist,
müssen  die  Butyrometer,  ehe  sie  in  die  Zentrifuge  oder  das  Wasserbad  gelegt
werden,  2—3  Minuten  anfangs  schwach,  nachher  mäßig  stark  geschüttelt  werden;
hierdurch  wird  die  Ausschleuderung  des  Fettes  bedeutend  erleichtert.  Um  sicher
zu  sein,  daß  alles  Fett  abgeschieden  ist,  empfiehlt  es  sich,  die  Proben  zwei-  bis
dreimal  je  2—3  Minuten  mit  mindestens  700  Touren  in  der  Minute  zu  schleudern
und  vor  jeder  Schleuderung  einige  Minuten  im  Wasserbade  von  60—70°  zu  er-*)

  Milch-Ztg.  1898,  27,  273.
2 )  Ebenda  1898,  27,  694.
        <pb n="522" />
        Milchdauerwaren.

499

wärmen.  Bei  geheizten  Zentrifugen  genügt  ein  einmaliges,  6—8  Minuten  langes
Zentrifugieren  mit  800—1000  Touren  in  der  Minute.  Für  die  Fettbestimmung  in
Magermilch,  Buttermilch  und  Molken  empfehlen  sich  in  erster  Linie  die  sog.
Präzisions-Butyrometer  mit  ihren  im  oberen  Teile  verengten  Lumen,  da  sie  eine
bequemere  und  schärfere  Ablesung  gestatten.
Zu  erwähnen  ist  noch,  daß  bei  Milch,  die  im  erwärmten  Zustande  einer  starken
mechanischen  Behandlung  (z.  B.  Weiterbeförderung  mittels  Ejektors)  unterworfen  worden
ist,  und  ebenso  bei  homogenisierter  Milch  (vergl.  unten)  infolge  der  Zerteilung  der  Milchfettkügelchen ­
  in  feinste  Teile  die  Petthestimmungen  nach  den  Extraktions-Verfahren
namentlich  bei  Magermilch  zu  niedrige.  Ergebnisse  liefern  sollen.  Auf  das  Gottlieb-Rösesohe
  sowie  das  acidbutyrometrische  Verfahren  soll  diese  Behandlung  ohne  Einfluß  sein. 1 )

III.  Milchdauerwaren.
Hierher  gehören:
1.  pasteurisierte,  sterilisierte  und  homogenisierte  Milch,
2.  mit  oder  ohne  Zuckerzusatz  eingedickte  Milch,  Magermilch,  Rahm  oder
Molken,  die  entweder  sterilisiert  oder  nicht  sterilisiert  sind,
3.  Milchtafeln  und  Milchpulver.
Über  Verfälschungen  dieser  Erzeugnisse  ist  bis  jetzt  sehr  wenig  bekannt
geworden.  Sicher  weiß  man  nur,  daß  man  es  versuchte,  eingedickte  Magermilch
als  eingedickte  Milch  zu  verkaufen  oder  statt  ganzer  schwach  entrahmte  Milch  zu
verwenden.  Pasteurisierte  und  sterilisierte  Milch  darf  nicht  braungelb  gefärbt  sein
und  an  der  Oberfläche  keine  Butterklumpen  oder  Fettaugen  zeigen.  Milchtafeln  und
Milchpulver  müssen  frei  von  ranzigem  Geruch  und  von  Frischhaltungsmitteln  (ausgenommen ­
  Zucker)  sein.
Bei  der  Beurteilung  dieser  Stoffe  wird  man  sich  auf  eine  chemische  Untersuchung ­
  nicht  beschränken  dürfen,  sondern  wird  auch  häufig  noch  eine  mikroskopische
u ud  bakteriologische  Prüfung,  sowie  eine  Prüfung  auf  Haltbarkeit  und  Frischhaltungsmittel
  vornehmen  müssen.
Der  Gang  der  Untersuchung  ist  im  allgemeinen  derselbe  wie  bei  der  Milch,
doch  ist  im  besonderen  über  die  Untersuchungsverfahren  und  die  Anhaltspunkte
für  die  Beurteilung  noch  folgendes  hervorzuheben;

1.  Pasteurisierte,  sterilisierte  und  homogenisierte  Milch.
Die  chemische  Zusammensetzung  der  pasteurisierten  und  sterilisierten  Milch
ls _t  natürlich  dieselbe  wie  die  der  verwendeten  frischen  Milch;  auch  gelten  für
dieselbe  die  gleichen  Hegeln  zum  Nachweise  von  Fälschungen.  Besondere  Vorsicht ­
  ist  bei  der  pasteurisierten  und  sterilisierten  Milch  darauf  zu  verwenden,
*  äß  etwa  ausgeschiedene  größere  Fetttröpfchen  oder  -klümpchen  vor  der  Abwägung
.® r  Probe  möglichst  gut  verteilt  werden.  Unter  Umständen  kann  durch  schwaches
cwärmen  diese  Verteilung  sehr  befördert  werden.
Weiterhin  aber  ist  bei  pasteurisierter  und  sterilisierter  Milch  durch  eine
a kteriologische  Untersuchung  festzustellen,  wie  weit  dieselbe  keimfrei  ist,  und
Namentlich  ist  auf  das  Vorhandensein  von  Frischhaltungsmitteln  ein  besonderes
ll Senmerk  zu  richten.
,  Pie  homogenisierte  Milch  wird  nach  dem  Verfahren  von  Gaulin  in  der
o,-A Se  kergestellt,  daß  die  auf  85°  vorgewärmte  Milch  unter  einem  Druck  von
Atmosphären  durch  sehr  feine  Kanäle  zwischen  zwei  federnden,  fest  aufeinander-’)
  Ve rgl,  Milch-Ztg,  1903,  32,  337,  481  u,  577.

32*
        <pb n="523" />
        500

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

gepreßten  Achat-  und  Metallflächen  hindurchgepreßt  wird.  Hierdurch  werden  die
Milchfettkügelchen  in  feinste  Tröpfchen  zerteilt  und  eine  derartige  Milch  rahmt
im  sterilisierten  Zustande  seihst  hei  längerem  Aufbewahren  nicht  auf,  sondern  zeigt
eine  vollkommen  gleichmäßige  —  homogene  —  Beschaffenheit.
Nach  P.  Buttenherg 1 )  erhält  man  hei  homogenisierter  Milch  nach  den
Extraktionsverfahren  (Adams  usw.)  zu  niedrige  Fettgehalte,  während  nach  dem
Gottlieb-Röseschen  sowie  dem  acidhutyrometrischen  Verfahren  richtige  Ergebnisse
erhalten  werden.
2.  Eingedickte  Milch,  Milchtafeln  und  -pulver.
Das  Eindicken  der  Milch  und  die  Herstellung  von  Milchpulver  erfolgt  meist
durch  mehr  oder  minder  starkes  Einkoehen  derselben  in  Yakuumapparaten.
Die  Milchpulver  enthalten  meist  nur  noch  4—6  °/ 0  Wasser;  ihre  sonstige
Zusammensetzung  entspricht  der  Zusammensetzung  der  Trockensubstanz  der  verwendeten ­
  Milch  oder  Magermilch.
Bei  der  Untersuchung  von  eingedickter  Milch  kommt  es  vor  allem  auf
eine  gleichmäßige  Durchmischung  der  Probe  für  die  einzelnen  Bestimmungen
an,  die  im  allgemeinen  in  derselben  Weise  erfolgen  wie  hei  Milch,  nur  sind  natürlich
entsprechend  geringere  Suhstanzmengen  in  Arbeit  zu  nehmen.  Auch  kann  man  in
der  Weise  verfahren,  daß  man  die  Proben  vor  der  Untersuchung  in  der  Wassermenge ­
  löst,  die  zur  Lösung  für  den  Gebrauch  vorgeschriehen  ist,  und,  wenn  es  an
solchen  Vorschriften  fehlt,  in  so  viel  Wasser,  daß  die  Lösung  ein  spezifisches  Gewicht ­
  von  etwa  1,032  erreicht.
Um  annähernd  zu  ermitteln,  wie  weit  die  Eindickung  hei  eingedickter  Mich
ohne  Zuckerzusatz  getrieben  worden  war,  dividiert  man  mit  der  gefundenen  Trockensubstanz ­
  in  die  Zahl  1250.  Der  Quotient  a  besagt  dann,  daß  die  ursprüngliche
Milch  annähernd  im  Verhältnis  von  100:  a  eingedickt  worden  ist.
Bei  eingedickter  Milch  nimmt  man,  um  eine  gleichmäßige  Mischung  zu  erzielen, ­
  aus  der  Büchse  eine  etwas  größere  Menge  heraus  und  treibt  sie  durch  ein
Drahtsieb.
1.  Bestimmung  des  W T assers  hezw.  der  Trockensubstanz.  Zur  Bestimmung ­
  des  Wassergehaltes  hezw.  der  Trockensubstanz  werden  1,0—2,0  g  der
gesiebten  Probe  mit  etwa  5  ccm  Wasser  vermengt,  in  einer  flachen  Schale  auf
dem  Wasserbade  eingedampft  und  so  lange  bei  105°  getrocknet,  bis  Gewichtsbeständigkeit ­
  eingetreten  ist.  Bei  Anwendung  einer  größeren  Menge  Substanz  muß
dieselbe  mit  Sand  eingetrocknet  werden  und  kann  dann  die  Trockensubstanz  zugleich ­
  zur  Fettbestimmung  benutzt  werden.  Am  sichersten  trocknet  man  auch  hier
den  Rückstand  vollständig  bei  100°  im  Vakuum  aus.  Im  übrigen  vergl.  oben
S.  469  unter  Vollmilch.
2.  Bestimmung  des  Fettes.  Sie  geschieht  im  allgemeinen  nach  dem  oben
unter  Vollmilch  S.  452  u.  ff.  angegebenen  Verfahren;  doch  sind  von  dem  Präparate  stets
entsprechende  geringere  Substanzmengen  in  Anwendung  zu  bringen.  Im  einzelnen
ist  noch  folgendes  zu  bemerken:  Für  die  gewichtsanalytischen  Fettbestimmungen
können  als  Aufsaugungsmittel  nach  E.  Bieter 2 )  nur  Gips  und  Papier  empfohlen
werden.  Bei  mit  oder  ohne  Rohrzucker-Zusatz  eingedickter  Milch  ist  das  aräometrische
Verfahren  nicht  brauchbar;  ebensowenig  ist  bei  mit  Rohrzucker  eingedickter  Milch
das  gewöhnliche  Baboocksche  Verfahren,  das  von  Liebermann  und  Szekely
sowie  das  von  Schmid  und  Bondzynski  brauchbar.
*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  964.
2 )  Schweizer.  Wochenschr.  Chem.  u.  Pharm.  1903,  41,  39.
        <pb n="524" />
        Milchdauerwaren.

501

Beim  Gerber  sehen  acidbutyrometrischen  Verfahren  verdünnt  man  die  genau
abgewogene  Substanz  mit  9  Teilen  Wasser  und  verfährt  im  übrigen  wie  gewöhnlich; ­
  nur  muß  man  sich  stets  durch  mehrmaliges  Erwärmen  auf  70°  und
mehrmaliges  Zentrifugieren  von  der  vollständigen  Ausscheidung  des  Fettes  überzeugen. ­
  Die  Ergebnisse  sind  natürlich,  der  Verdünnung  entsprechend,  mit  10  zu
multiplizieren.  Auch  empfiehlt  es  sich  hierbei,  das  spezifische  Gewicht  der  verdünnten ­
  Milch  zu  bestimmen  und  das  oben  (S.  498)  für  die  Bestimmung  des  Fettgehaltes ­
  im  Kahm  Gesagte  bei  der  Berechnung  des  Fettgehaltes  zu  berücksichtigen.
Die  Bestimmung  des  Fettes  kann  auch  gleichzeitig  mit  der  der  Stickstoff-Substanz
  in  der  nachstehend  unter  3.  angegebenen  Weise  erfolgen.
3.  Bestimmung  der  Proteinstoffe.  Die  Proteinstoffe  können  bei  den
pulverförmigen  Milcherzeugnissen  entweder  nach  Kjeldahl  (S.  138)  als  Gesamt-Stickstoff-Substanzen
  oder  bei  kondensierter  Milch  ebenso  zweckmäßig  nach  Ritthausen
  (S.  470)  bestimmt  werden.  Nach  letzterem  Verfahren  veerden  2  g  der
gesiebten  Probe  mit  etwa  400  ccm  Wasser  verdünnt  und  genau  wie  natürliche  Milch
S.  470  weiter  behandelt.  Da  mit  den  Proteinstoffen  zugleich  auch  alles  Fett  ausgefällt ­
  wird,  so  kann  der  Niederschlag  zugleich  zur  Fettbestimmung  benutzt  werden.
Man  nimmt  alsdann  das  vorher  getrocknete  und  gewogene  Filter  samt  Niederschlag
mittels  eines  Platinspatels  aus  dem  Trichter,  wickelt  dasselbe  in  eine  Papierrolle
und  bringt  es  in  den  Soxhletschen  Extraktionsapparat,  indem  man  den  Trichter
sowie  den  Platinspatel  mit  Äther  abspült.  Der  entfettete  Niederschlag  wird  sodann
über  Schwefelsäure  so  lange  getrocknet,  bis  er  hellblau  und  erdig  aussehend  geworden ­
  ist,  worauf  man  ihn  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  im  Luftbade  weiter
trocknet  und  wägt;  die  Masse  wird  zuerst  vorsichtig,  dann  stärker  geglüht,  die
Asche  gewogen  und  in  Abzug  gebracht.
4.  Bestimmung  des  Zuckers.  Den  Milchzuckergehalt  der  ohne  Rohrzuckerzusatz ­
  eingedickten  Milch  wie  der  Milchpulver  bestimmt  man,  nachdem  man  sich
durch  die  mikroskopische  Untersuchung  von  der  Reinheit  derselben  überzeugt  hat,
meistens  aus  der  Differenz  der  Summe  der  übrigen  festen  Bestandteile  und  der
Trockensubstanz.  In  der  mit  Eohrzuckerzusatz  eingedickten  Milch  läßt  sich  die
Menge  des  zugesetzten  Rohrzuckers  annähernd  berechnen,  wenn  man  annimmt,  daß
d®* 1  ursprüngliche  Gehalt  der  Milch  an  Milchzucker  60°/ 0  des  Gehaltes  derselben
an  Fett  +  Stickstoffsubstanz  +  Asche  beträgt.
Die  direkte  Bestimmung  des  Milchzucker-Gehaltes  kann  in  derselben  Weise  wie
^®i  Milch  —  natürlich  unter  Berücksichtigung  der  in  jedem  Falle  anzuwendenden
Substanzmengen  —  nach  den  Verfahren  von  Scheibe  (vergl.  S.  470)  ausgeführt
worden,  doch  sind  diese  Bestimmungen  bei  gleichzeitigem  Vorhandensein  von
uccharose  stets  etwas  ungenau.
Zum  qualitativen  Nachweis,  ob  eine  eingedickte  Milch  oder  ein  Milch-Pulver
  mit  Eohrzuckerzusatz  hergestellt  ist,  kann  nach  Cayaux, 1 )  C.  E.  Carlj?
 n2 )  und  Utz 8 )  die  Sei  iw  an  off  sehe  Reaktion  mit  Eesorcin  und  Salzsäure
dienen.
Die  nnonf-l-fo-fTTrn  BAC  +  iTTirmiTin’  rlßCJ  S  Q  A  All  fl  T  fi  A  O 1  All  Ü  1  f.OO  1T1  Ol  n  fTOfll  pV+hP

Pharm,  Zentralhalle  1898,  39,  303;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Geuußmittel
  1899,  2,  238.
n ,  H  .  2 )  Pharm.  Zentralhalle  1903,  44.  133;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  NaMnmga-  u.  Ge-Uttnttel
  1904,  7,  304.
8 )  Milch-Ztg.  1903,  32,  632.
        <pb n="525" />
        502

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Bundesrates  vom  18.  Juni  1903  4 )  nach  Anlage  E  der  Ausführungshestimmungen
in  folgender  Weise  erfolgen:
„100  g  der  Milchprobe  werden  abgewogen,  mit  Wasser  zu  einer  leicht
flüssigen  Masse  verrührt  und  in  einen  Meßkolhen  von  600  ccm  Raumgehalt  gespült. ­
  Die  Flüssigkeit  wird  darauf  mit  etwa  20  ccm  Bleiessig  versetzt,  mit  Wasser
zu  500  ccm  aufgefüllt,  durchgeschüttelt  und  filtriert.
Vom  Filtrat  werden  75  ccm  in  einen  Kolben  von  100  ccm  Raumgehalt  gebracht ­
  und,  wenn  erforderlich,  mit  etwas  Tonerdebrei  versetzt.  Darauf  wird  mit
Wasser  zur  Marke  aufgefüllt,  filtriert  und  nach  Anlage  C  polarisiert. 2 )
Ferner  werden  75  ccm  desselben  Filtrats  mit  5  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen
Gewicht  1,19  versetzt,  nach  Vorschrift  der  Anlage  B  invertiert, 3 )  zu  100  ccm
aufgefüllt  und  filtriert,  worauf  wiederum  die  Polarisation  für  20°  bestimmt  wird.
Hiernach  berechnet  sich  der  Gehalt  Z  der  eingedickten  Milch  an  Rohrzucker  aus
der  Gleichung: 4 )
Z  =  1,25  (1,016  ,  P  —  J),
worin  P  die  vor  der  Inversion,  J  die  nach  der  Inversion  gefundene  Polarisation
bedeutet.“
„Beispiel:  Die  Polarisation  P  sei-)-28,10,  die  Polarisation  J  werde  zu  —  0.30  ermittelt. ­
  Setzt  man  diese  beiden  Zahlenwerte  für  P  und  J  in  die  eben  angegebene  Formel
ein,  so  erhält  man:
Z  =  1,25  (1,016.28,10  +  0.30)  =  36,06.
Demnach  ist  der  Gehalt  der  eingedickten  Milch  an  Rohrzucker  zu  36,1  vom  Hundert
anzunehmen.“
L.  Grünhut  und  S.  H.  R.  Rüber 5 )  haben  sich  eingehend  mit  der  Bestimmung
des  Rohrzuckers  in  der  eingedickten  Milch  beschäftigt  und  halten  die  Ausführungsbestimmungen ­
  zum  Zuokersteuergesetz  (vom  28.  Oktober  1897!)  für  empfehlenswert,  wenn
a)  die  eingedickte  Milch  zur  Beseitigung  des  schädlichen  Einflusses  der  Multirotation
des  Milchzuckers  mit  siedendem  Wasser  übergossen  und  die  Lösung  dann  erkalten  gelassen ­
  wird;
b)  bei  der  Polarisation  vor  und  nach  der  Inversion  genau  die  Temperatur  von  20°
eingehalten  wird;
c)  zur  Berechnung  die  Clerget-Herzfeldsche  Formel  Z  =  ■,..1^!^  ^  =■  an-'
  &amp;amp;  &amp;amp;  131,84  —  0,05  J
gewendet  wird;
4 )  Zentralbl.  f.  das  Deutsche  Reich  1903,  284;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1903,  6,  1082.  vergl.  auch  weiter  unten  unter  „Rohrzuckerfabrikation“.
2 )  Nach  der  Anlage  C  der  Ausführungsbestimmungen  vom  18.  Juni  1903  darf  für
die  Bestimmung  der  Polarisation  für  Zwecke  der  Steuerverwaltung  nur  ein  Halbschattensacoharimeter
  benutzt  werden.  Für  dieses  entspricht  bei  Beobachtung  im  200  mm-Rohre
ein  Grad  Drehung  einem  Gehalte  von  0,26  g  Zucker  in  100  ccm  Flüssigkeit  hei  der  Normaltemperatur ­
  von  20°;  das  Normalgewicht  beträgt  also  26  g  in  100  ccm.
3 )  Nach  der  Anlage  B  der  Ausführungsbestimmungen  vom  18.  Juni  1903  wird  die
zu  invertierende  Zuckerlösung  (75  ccm)  in  einem  100  ccm-Kölbchen  mit  5  ccm  Salzsäure
(1,19)  versetzt  und  im  Wasserbade  auf  67—70°  erwärmt.  Auf  dieser  Temperatur  wird  der
Kolbeninbalt  noch  5  Minuten  unter  häufigem  Umsohütteln  gehalten;  da  das  Anwärmen
2 1  2  3  4 / 2 —5  Minuten  dauern  kann,  wird  die  Arbeit  7 1 / 2 —10  Minuten  in  Anspruch  nehmen;  in
jedem  Falle  soll  sie  in  10  Minuten  beendet  sein.
4 )  Tiber  die  Herleitung  dieser  Formel  vergl.  die  Ausführungsbestimmungen  vom
28.  Oktober  1897.  (Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1899,  38,  Anhang  S.  1.)  In  der  Formel  ist
die  erforderliche  Korrektur  für  das  Volumen  des  Niederschlages  bereits  berücksichtigt.
5 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1900,  39,  19.
        <pb n="526" />
        Käse.

503

d)  als  Klärmittel  nur  Bleiessig  verwendet  wird;
e)  zur  Korrektur  des  durch  das  Volumen  des  Niederschlages  bedingten  Kehlers  das
Seheiblersehe  Verfahren  der  doppelten  Verdünnung  angewendet  wird,  anstatt  des  allgemeinen ­
  Korrektions-Paktors  0,962  in  der  Bundesratsvorschrift.  Bringt  man  dieselbe
Substanzmenge  mit  denselben  Eeagentienmengen  das  eine  Mal  auf  das  Volumen  V  und
das  andere  Mal  auf  das  Volumen  2  V,  so  verhalten  sich  die  Polarisationen  der  beiden
Filtrate  P v  und  P 2V  zueinander  wie  (V  —  x):(2V—  x),  worin  x  das  Volumen  des
Niederschlages  bedeutet;  es  ist  dann  (V  —  x):  (2  V  —  x)  =  P v  :  P av -  Hieraus  kann  x  berechnet ­
  und  die  dementsprechende  Korrektur  für  das  Volumen  des  Niederschlages  angebracht ­
  werden.
Das  Inversionsverfahren  von  A.  W.  Stokes  und  E.  Bodmer, 1 )  bestehend  in  7—10
Minuten  langem  Kochen  der  Lösung  mit  2  °/ 0 -iger  Zitronensäure,  führt  zwar  ebenfalls  eine
vollständige  Inversion  der  Saccharose  ohne  eine  Veränderung  des  Milchzuckers  herbei,
allein  die  Einwirkung  der  Zitronensäure  auf  die  Polarisation  ist,  wie  Grünhut  und
Eiiber' 2  3 )  bemerken,  noch  nicht  hinreichend  bekannt  und  für  die  von  Stokes  und  Bodmer
vorgeschlagenen  Bestimmungen  des  Zuckers  vor  und  nach  der  Inversion  nach  dem  Eeduktionsverfahren
  fehlen  noch  die  erforderlichen,  für  die  verschiedenen  Mengenverhältnisse  beider
Zuckerarten  besonders  zu  ermittelnden  Tabellen.  S.  H.  E.  Eiiber  und  C.  N.  Eiiber :! )
bedienen  sich  einer  besonderen  Korrektur  bei  dem  Eeduktionsverfahren  und  haben  auf
diese  Weise  ebenfalls  hinreichend  genaue  Ergebnisse  erhalten.
5.  Bestimmung  der  Asche.  2—5  g  der  gut  durchgemischten  Probe  werden
in  einer  Platinschale  auf  dem  Wasserbade  eingetrocknet  und  wie  hei  Vollmilch  S.  471
verascht.
6.  Bei  der  Untersuchung  von  eingedickter  Milch  ist  außerdem  noch  Rücksicht ­
  zu  nehmen  auf  einen  etwaigen  Gehalt  an  Frischhaltungsmitteln,  welche
wie  hei  Milch  nachgewiesen  werden,  und  ferner  bei  eingedickter  Milch  sowohl  als
auch  hei  Milchpulvern  auf  etwa  vorhandene  Schwermetalle,  welche  von  den  Aufhewahrungsgefäßen
  oder  dergl.  in  dieselbe  gelangt  sein  können.
7.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung.  Verfälschungen  sind  bis  jetzt  hei
eingedickter  Milch  nur  insofern  vorgekommen,  als  sie  aus  teilweise  oder  ganz  entrahmter
Milch  hergestellt  und  unter  Verschweigung  dieses  Umstandes  als  kondensierte  Milch
schlechthin  oder  gar  kondensierte  Vollmilch  in  den  Handel  gebracht  worden  ist.
Diese  Ungehörigkeit  läßt  sich  aber  leicht  durch  eine  Bestimmung  des  Fettes
und  der  Stickstoff-Substanz  feststellen.  Da  in  der  natürlichen  Kuhmilch  im  allgemeinen ­
  auf  100  Teile  Stickstoff-Substanz  100—110  Teile  Fett  kommen,  so  muß
dieses  Verhältnis  auch  in  der  kondensierten  Milch  vorhanden  sein,  wenn  sie  unter
(| er  einfachen  Bezeichnung  „kondensierte  Milch“  oder  gar  „kondensierte  natürliche
Kuhmilch“  in  den  Handel  gebracht  wird.  Ist  dagegen  weniger  Fett  als  Stickstoff-Substanz
  vorhanden,  so  ist  der  Verdacht,  daß  abgerahmte  Milch  verwendet  worden
lst &amp;gt;  um  so  größer,  je  erheblicher  diese  Differenz  ist.
IV.  Käse.
Unter  „Käse“  versteht  man  die  aus  der  Milch  abgeschiedene  und  in  eine  hestimmte
  Form  gebrachte  Masse  der  Stickstoff-Substanz,  entweder  des  Kaseins
(Parakaseins  oder  eigentlichen  Kaseins)  oder  des  Albumins,  die  je  nach  der  verwendeten
Milch  bezw.  je  nach  dem  verwendeten  Milcherzeugnis  wechselnde  Mengen  Fett  neben
Mineralstoffen  und  geringen  Mengen  Milchzucker  einschließt.
1 )  Analyst  1885,  10,  62  und  Chem.  News  1885,  51,  193;  Chem.  Centralbl.  1885,  522.
2 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem,  1900,  39,  19.
3 )  Ebenda  1901,  40,  97.
        <pb n="527" />
        504

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Wenn  die  Abscheidung  der  Stickstoff-Substanz  durch  Zusatz  von  Lab  oder
durch  eine  absichtlich  herbeigeführte  Säuerung  der  Milch  geschieht,  so  besteht  die
abgeschiedene  Stickstoff-Substanz  aus  Kasein,  und  man  unterscheidet  zwischen  Labund
  Sauermilch-Käsen,  welche  wiederum  in  Hart-  und  Weichkäse  unterschieden
werden.  Erfolgt  die  Abscheidung  durch  Kochen  der  von  dem  Kasein  befreiten
Milch  nach  vorherigem  Zusatz  von  saurer  Molke,  so  besteht  die  Käsemasse  aus
dem  Albumin  der  Milch.  Diese  Käse  heißen  Zigerkäse,  wozu  auch  die  durch
Eindicken  der  gesamten  Molken  gewonnenen  käseähnlichen  Erzeugnisse:  derMysost
in  Schweden  und  Norwegen  und  der  in  Österreich  sowie  der  Schweiz  bereitete
Schottensick  gehören.
Außer  Kuhmilch  dient  auch  Schafmilch  zur  Bereitung  von  Käse,  so  bei  dem
bekannten  Eoquefort-Käse;  der  Arenauten-Käse  besteht  aus  Ziegen-  und  Schafmilch; ­
  ebenso  wird  Ziegenmilch  für  sich  allein,  Eenntiermilch  in  Schweden  und
Lappland,  Büffelmilch  in  Italien  zur  Bereitung  von  Ziegen-,  Eenntier-  bezw.
Büffelkäse  verwendet.
Man  teilt  die  Käse  je  nach  dem  Fettgehalt  ein  in  Uberfette  oder  Eahmkäse,
vollfette,  fette,  halbfette  und  magere;  man  kann  mit  J.  Herz 1 )  annehmen,  daß
auf  je  1  Teil  Fett  entfallen  an  fettfreier  Trockenmasse:

bei  üb  er  fetten
Käsen
weniger  als
0,67  Tie.,

vollfetten
Käsen
0,67—1,25  Tie.,

fetten  halbfetten
Käsen  Käsen

1,25—2,0  Tie.,  2,0—3,0  Tie.,

mageren
Käsen
mehr  als

3  Teile.

Die  fettfreie  Trockensubstanz  besteht  vorwiegend  aus  Stickstoff-Substanz
neben  geringen  Mengen  von  Mineralstoffen,  Milchzucker  und  organischen  Säuren.
Die  frische  Käsemasse  macht  meist  eine  durch  Bakterien  und  sonstige  Pilze
hervorgerufene  Eeifung  durch,  durch  deren  Art  und  Dauer  die  Eigenschaften
der  zahlreichen  Käsearten  bedingt  sind.  Auch  das  eingeschlossene  Fett  und  der
Milchzucker  erleiden  hierbei  eine  Umsetzung.
Die  bei  dieser  Eeifung  gebildeten  Bestandteile  sind  im  wesentlichen  folgende:
Kasein,  Kaseo-Glutin,  Albumosen  (Kaseosen),  Peptone,  Amidosäuren  (Leucin,
Tyrosin,  Phenylamidopropionsäure),  Ammoniak,  Milchsäure,  flüchtige  Fettsäuren
(Buttersäure  u.  a.).

Käsefehler.

Beim  Eeifen  und  Lagern  des  Käses  treten  nicht  selten  eine  Eeihe  von  sog.
Käsefehlern  oder  -krankheiten  auf,  nämlich: 2 )
1.  Das  Blähen  des  Käses  ist  einer  der  am  häufigsten  Vorkommen  den  Käsefehler;  es
macht  sich  im  Innern  des  Käses  an  der  Bohrung,  im  Äusseren  an  der  Form  des  Käses
und  auch  meist  am  Geschmack  desselben  bemerkbar.  Es  ist  die  Folge  des  Vorhandenseins
einer  zu  großen  Zahl  gasproduzierender  Mikroorganismen,  wobei  in  den  meisten  Fällen
der  Milchzucker  das  Material  liefert. 3 )
2.  Die  sogenannten  Gläsler  sind  Käse  ohne  Lochung.  Sie  sind  im  Geschmack  usw.
meist  normal  und  haben  nur  den  einen  im  Handel  ins  Gewicht  fallenden  Fehler,  daß  sie
eben  ohne  Lochung  sind.

*)  Deutsche  Landw.  Presse  1896,  869,
2 )  Nach  den  „Vereinbarungen  zur  einheitlichen  Untersuchung  und  Beurteilung  von
Nahrungs-  und  Genußmitteln  sowie  Gebrauchsgegenständen  für  das  Deutsche  Reich“
Heft  I,  S.  75.  Berlin  1897.
3 )  Eine  Zusammenstellung  der  eine  starke  Gärung  in  der  Milch  und  demnach  eine
Blähung  im  Käse  leicht  verursachenden  Bakterien  und  Pilze  findet  sich  in;  L.  Adametz;
„Über  die  Ursachen  und  Erreger  der  abnormalen  Reifungsvorgänge  beim  Käse“  S.  54—55.
        <pb n="528" />
        Käse.

505

3.  Das  Blauwerden  der  Käse.  Es  tritt  am  häufigsten  auf  bei  mageren  Backsteinkäsen ­
  und  ist  ebenfalls  die  Folge  der  Tätigkeit  einer  in  der  Milch  enthaltenen  Bakterie  oder
zuweilen  auch  die  Folge  der  Gegenwart  von  Bisenrost  im  Käse.  Im  ersteren  Falle  greift  der
Fehler  im  Käse  allmählich  immer  weiter  um  sich  und  wird  auch  von  einem  Käse  auf  den  andern
übertragen.  Das  Auftreten  kleiner  ultramarinblauer  Punkte  im  Edamer  Käse,  welches  in
neuerer  Zeit  in  Holland  häufig  aufgetreten  ist  und  von  Hugo  deVries  näher  beschrieben
wurde,  wird  verursacht  durch  eine.Bakterie,  welche  Beijerinck  in  solchen  Käsen  gefunden
und  als  Bacillus  cyaneofuseus  bezeichnet  hat. 1 )
4.  Das  Rotwerden  der  Käse  (Bankrotwerden  bei  den  Backsteinkäsen)  und  ähnliche ­
  Färbungen  sind  nicht  minder  Erscheinungen,  welche  durch  das  Wachstum  bestimmter
Pilze  (Bakterien-  oder  Schimmelpilze)  hervorgerufen  werden.  So  werden  rote  Flecken  auf
Weichkäsen  und  auch,  wiewohl  seltener,  auf  Hartkäsen  durch  zwei  von  Adametz  aufgefundene ­
  „Bote  Käsemikrokokkeu“  erzeugt,  ebenso  die  rote  Färbung  der  Rinde,  der  äußeren
Schichten  und  selbst  des  Innern  durch  eine  von  Schaffer  aufgefundene  und  von  Dem  me
näher  beschriebene  Torula-Art,  Sa’ccharomyces  ruber.  Milch,  welche  mit  dieser  Torula
infiziert  ist,  erregt  bei  Kindern  Erbrechen  und  Darmkatarrh.  Adametz  fand  ferner  auf
einem  Emmenthaler  Käse  mit  rotbrauner  Rinde  einen  Schimmelpilz,  der  diese  Farbe  erzeugt, ­
  und  auf  Weichkäsen  mit  runden,  orangegelben  bis  ziegelroten  Flecken  eine  Oidium-Art
  (Oidium  aurantiacum).  Der  letztgenannte  Pilz  wirkt  aber  auch  bei  der  regelrechten
Reifung  der  Weichkäse,  insbesondere  des  Briekäses,  mit.
5.  Das  Sch  warzwerden  der  Käse  wird  ebenfalls  durch  das  Wachstum  bestimmter
Pilze  verursacht.  Als  Ursache  dieses  Fehlers  wurde  von  Hüppe  eine  Schimmelhefe  (braune
oder  schwarze  Schimmelhefe),  von  Adametz  ein  Hyphenpilz,  Cladosporium  herbarum  Link,
gefunden.  Adametz  hält  ferner  zwei  von  Wichmaun  im  Quellwasser  gefundene  braunschwarze ­
  Schimmelpilze,  sowie  einen  von  ihm  ebenfalls  aus  Quellwasser  isolierten  schwarzen
Rippenschimrael,  sowie  die  von  Marpmann  aus  Milch  gezüchtete  schwarze  Hefe,  Saccharomyces ­
  niger,  eine  Torula-Art,  und  ferner  noch  das  Dematium  pullulans  für  gelegentliche
Ursachen  der  Schwarzfärbung  der  Käse.  Nach  C.  Besana-)  kann  auch  durch  Bildung  von
^chwefeleisen  im  Käse  infolge  Verwendung  von  eisenhaltigem  Wasser,  von  eisenhaltigen
Defäßen  und  infolge  von  Zersetzung  des  Kaseins  ein  Schwarzwerden  des  Käses  bedingt
werden.

6.  Bei  überreifen  Hart-  und  Weichkäsen,  besonders  bei  wasserreichen,  überreifen,
lageren  Baoksteinkäsen  zeigt  sich  häufig  eine  starke  Mißfärbung  der  Käsemasse
mit  Abtönung  ins  Gelbliche  oder  Grauliche.  Es  darf  wohl  angenommen  werden,  daß  auch
hier  nur  das  Überhandnehmen  einer  bestimmten  Pilz-  oder  Bakterienart  die  Schuld  trägt.
7.  Das  Bitterwerden  der  Käse  ist  eine  Erscheinung,  welche  bei  normalem
■^eifungsVorgang  zu  gewisser  Zeit  regelmäßig  eintritt,  aber  auch  bei  reifem  Käse  sic  i
z ®igt  und  als  ein  Fehler  angesehen  wird.  Daß  es  sich  hierbei  um  ein  durch  die  Tätigkeit ­
  gewisser  peptonisierenden  Bakterien  gebildetes  peptonartiges  Erzeugnis  handelt,  ist
wohl  zweifellos.  Aus  bitterem  Käse  direkt  gezüchtet  ist  bis  jetzt  nur  ein  Pilz,  dem  diese
■Eigenschaft  bestimmt  zugeschrieben  werden  muß,  das  ist  der  von  E.  von  Freudenreich
rem  gezüchtete  Micrococcus  casei  amari.

8.  Weitere  Reifungsfehler  sind  das  Weißschmierigsein  der  Käse,  wenn
Käsekeller  zu  kalt  und  feucht  ist;  das  Schimmeligwerden,  wenn  infolge  trockner  Luft
lm  Keller  die  Rinde  der  Käse  spaltet  und  Schimmelpilze  Gelegenheit  haben,  sich  in  den
Palten  festzusetzen  usw.  ,  .  .  .  T ,  „..  •
Das  sogenannte  Laufendwerden  der  Weichkäse  besteht  in  einer  Verflüssigung
t  er  reifen  und  überreifen  Teile  durch  Einwirkung  der  Warme.  .  .  „
,  Krankheitserreger  sind  bis  jetzt  im  Käse  nicht  nachgewieseu,  weil  sie  in  demselben
kaum  geeignete  Lebensbedingungen  finden.  Namentlich  für  Typhus-  und  Cholerabakterien
lst  nachgewiesen,  daß  sie  sich  nur  ganz  kurze  Zeit  im  Käse  lebensfähig  erhalten  können.  Die
nach  Genuß  von  Knetkäse  in  Norwegen  nicht  selten  auftretenden  Darmerkrankungen

*)  Botan.  Ztg.  1891,  49  ff.,  No.  43  u.  7.
•)  Chem.-Ztg.  1897,  21,  265.
        <pb n="529" />
        506

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

werden  nach  Holst  durch  eine  der  Koli-Gruppe  angehörende  Bakterienart  hervorgerufen. ­

Mehrfach  ist  auch  über  ein  Käsegift  berichtet.  Die  Natur  wie  Entstehungsweise
desselben  sind  aber  bis  jetzt  noch  nicht  aufgeklärt.
Verfälschungen  und  Verunreinigungen  des  Käses.
Die  am  häufigsten  vorkommende  Verfälschung  der  Käse  besteht  in  der  Unterschiebung
von  Mager-  oder  Halbfettkäsen  für  Fettkäse,  ferner  darin,  daß  das  der  Milch  entzogene
Fett  durch  Margarine  oder  andere  Fette  ersetzt  und  die  so  bereiteten  Margarine-  oder
Kunstkäse  als  echte  Käse  verkauft  werden.  Indes  hat  die  Margarinekäse-Fabrikation  bis
jetzt  in  Deutschland  keine  nennenswerte  Verbreitung  gefunden.
Zu  einigen  Käsesorten  macht  man  absichtlich  stärkemehlhaltige  Zusätze  (z.  B.  bei
Kartoffelkäse),  in  anderen  Fällen  mag  diese  Beimengung  unter  Verschweigung  dieses  Umstandes. ­
  ebenso  wie  die  von  mineralischen  Zusätzen  (Gips,  Kreide  usw.),  zur  Verfälschung
verwendet  werden.
Der  Käse  pflegt  ebenso  wie  Butter  künstlich  gefärbt  zu  werden,  jedoch  werden
durchweg  nur  unschädliche  Farben  verwendet.
Als  zufällige  Beimengungen  sind  anzusehen:  geringe  Mengen  von  Blei,  Kupfer
und  Eisen,  herrührend  aus  den  Herstellungsgefässen  oder  der  Verpackung.
Die  chemische  Untersuchung  des  Käses.*)
Probenahme  und  Vorbereitung  der  Käseproben.
„Der  zur  Untersuchung  gelangende  Teil  darf  nicht  nur  der  Rindenschicht  oder  dem
inneren  Teile  entstammen,  sondern  muß  einer  Durchschnittsprobe  entsprechen.  Bei  großen
Proben  entnimmt  man  mit  Hilfe  eines  Käsestechers  senkrecht  zur  Oberfläche  ein  zylindrisches
Stück,  bei  kugelförmigen  Käsen  einen  Kugelausschnitt.  Kleine  Käse  nimmt  man  ganz  in
Arbeit.  Die  zu  entnehmende  Menge  soll  mindestens  300  g  betragen.
Die  Versendung  der  Käseprobe  muss  entweder  in  gut  gereinigten,  schimmelfreien
und  verschließbaren  Gefäßen  von  Porzellan,  glasiertem  Tone,  Steingut  oder  Glas  oder  in
Pergamentpapier  eingehüllt  geschehen.
Harte  Käse  zerkleinert  man  vor  der  Untersuchung  auf  einem  Reibeisen;  weiche
Käse  werden  mittels  einer  Reibkeule  in  einer  Reibschale  zu  einer  gleichmäßigen  Masse
verarbeitet.“
Gesichtspunkte  für  die  chemische  Untersuchung.
Die  Auswahl  der  bei  der  Käseuntersuchung  auszuführenden  Bestimmungen
richtet  sich  nach  der  Fragestellung  und  diese  kann  sich  erstrecken:
a)  auf  Feststellung  der  Art  des  Käses,  ob  aus  Vollmilch,  halbfetter  oder  magerer
Milch  hergestellt,  durch  eine  Fettbestimmung  oder  besser  durch  eine  Fett-,  Stickstoff-  und
Trockensubstanz-  (Wasser-)  Bestimmung  und  Feststellung  des  Fettgehaltes  der  Trockensubstanz ­
  und  des  Verhältnisses  von  Fett  zu  Stickstoff-Substanz;
b)  auf  Prüfung  des  Fettes  auf  Reinheit  zur  Beantwortung  der  Frage,  ob  Milchfettkäse ­
  oder  Margarinekäse  vorliegt;
c)  auf  Ermittelung  eines  etwaigen  Gehaltes  an  Stärkemehl,  Gips,  Kreide  und  an
Metallen  (Kupfer,  Blei,  Zink);
d)  auf  den  Nachweis  des  Reifegrades  durch  Bestimmung  der  löslichen  Biweißstoffe,
bezw.  des  löslichen  Stickstoffes  überhaupt.
1.  Bestimmung  des  Wassers.  Etwa  3—5  g  der  möglichst  fein  zerriebenen
oder  zu  einem  gleichmäßigen  Brei  verrührten  Käsemasse  werden  in  einer  tarierten,
B  Soweit  die  Untersuchungsverfahren  der  auf  Grund  des  §  12  des  Reichsgesetzes
vom  15.  Juni  1897  vom  Bundesrate  am  22.  März  1898  erlassenen  „Anweisung  zur  chemischen
Untersuchung  von  Fetten  und  Käsen“  (Zentralbl.  f.  d.  Deutsche  Reich  1898,  26,  201)  entnommen ­
  sind,  haben  wir  sie  durch  „Anführungszeichen“  kenntlich  gemacht.
        <pb n="530" />
        Käse.

507

mit  20—30  g  ausgeglühtem  Sand  und  einem  Glasstäbchen  beschickten  Platinschale
mit  dem  Sande  innig  vermischt  und,  wenn  möglich,  unter  zeitweiligem  Umrühren
bei  100—105°  oder  noch  besser  im  Vakuum  bei  100°  bis  zum  gleichbleibenden
Gewicht  getrocknet.
K.  Windisch 1 )  empfiehlt,  nur  1—2  g  Käse  und  auf  je  1  g  Käse  10  g  Sand  zu
verwenden,  im  Wasserdampf-Trockenschranke  zunächst  10  Minuten  zu  trocknen,  dann  nochmals ­
  zu  verreiben,  wiederum  2  Stunden  zu  trocknen,  zu  wägen  und  dann  zur  Kontrolle
nochmals  1 / 2  Stunde  zu  trocknen.
Das  von  Alex.  Müller’ 2 )  vorgeschlagene  Verfahren  zur  gleichzeitigen  Bestimmung ­
  von  Fett  und  Wasser  dürfte  für  praktische  Zwecke  wohl  zu  umständlich
sein;  es  mag  daher  hier  nur  darauf  verwiesen  werden.
2.  Bestimmung  des  Bettes.  Zur  Bestimmung  des  Fettes  dienen  folgende  Verfahren ­
  :
a)  Ausziehen  des  getrockneten  Käses  mit  Äther.  Man  bringt  etwa
3—5  g  Käsemasse  in  einen  Mörser,  auf  dessen  Boden  sich  eine  entsprechende
Menge  geglühter  Sand  befindet,  und  erwärmt  den  Mörser  einige  Stunden  im  Wasserdampf-Trockenschranke. ­
  Darauf  zerreibt  man  die  Masse  mit  Sand,  füllt  diese
Mischung  in  eine  fettfreie  Papierhülse,  spült  die  Schale  mit  Äther  aus  und  zieht
die  Mischung  4  Stunden  im  Fettextraktionsapparat  mit  Äther  aus.  Darauf  wird
der  Inhalt  der  Papierhülse  nochmals  fein  zerrieben  und  abermals  etwa  2  Stunden
ausgezogen.  Nach  dem  Abdestillieren  des  Äthers  wird  der  Rückstand  1  Stunde  im
Dampftrockenschranke  getrocknet  und  darauf  gewogen.
Aus  Magerkäse  wird  nach  M.  Siegfeld 3 )  aber  trotz  zweimaligen  Ausziehens  nicht
die  gesamte  Fettmenge  gewonnen.
Bei  überreifen  Käsen  und  solchen,  welche  Zusätze  (Kräuter  usw.)  erfahren  haben,
empfiehlt  A.  Devarda 4 )  das  Rohfett  durch  Auflösen  in  kaltem  Äther  zu  reinigen,  wobei
Nichtfette,  die  in  warmem  Äther  löslich  waren.  Zurückbleiben.
h)  Ausschütteln  der  mit  Salzsäure  gekochten  Käsemasse  mit
Äther.  Stefan  Bondzynski 5 )  hat  das  Verfahren  zur  Fettbestimmung  in  der
ÄfiIch  von  W.  Sohmid  und  Stan.  Bondzynski  (vergl,  S.  455)  auch  zur  Bestimmung ­
  des  Fettes  im  Käse  angewendet  und  sich  dabei  des  kalibrierten  Röhrchens
den  beiden  kugelförmigen  Erweiterungen  bedient.  A.  Kirsten 6 )  empfiehlt
dieses  Verfahren.
E.  Ratzlaff 7 )  schlägt  neuerdings  folgende  Abänderung  des  Verfahrens  von
St.  Bondzynski  vor:  3—5  g  Käse  werden  in  einem  Kölbchen  von  etwa  30  ccm
lühalt  abgewogen  und  mit  10  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,125  bis
ZUr  vollständigen  Lösung  unter  Umschwenken  über  einer  kleinen  Flamme  erhitzt
’üid  dann  noch  8—10  Minuten  im  schwachen  Sieden  erhalten,  wobei  sich  die
Flüssigkeit  braunrot  färbt.  Nach  der  Abkühlung  wird  sie  in  ein  Gottliebsches
Rohr  (vergl.  S.  454)  gegossen  und  das  Kölbchen  2—3-mal  mit  im  ganzen  25  ccm
Äther  nachgespült.  Darauf  werden  noch  25  ccm  Petroläther  hinzugegeben  und  im
übrigen  wie  bei  der  Fettbestimmung  in  der  Milch  nach  Gottlieb-Röse  verfahren.
1  ■  ^iegfeld 8 )  empfiehlt  dieses  Verfahren.
5  Arb.  d.  Kaiserl.  Gesundh.-Amt.  1898,  14,  506,
-)  Landw.  Jahrbücher  1872,  1,  68;  vergl.  „Vereinbarungen“  Heft  I,  S.  77.
8 )  Milch-Ztg.  1904,  33,  289.
4 )  Zeitschr.  f.  analyt,  Chem.  1897,  36,  751.
Ebenda  1894,  33,  186.
Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  742.
’)  Milch-Ztg.  1903,  32,  65.
8 )  Ebenda  1904,  33,  289.
        <pb n="531" />
        508

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

K.  Windisch  gibt  ebenfalls  diesem  Verfahren  den  Vorzug;  er  empfiehlt
aber,  zur  Aufschließung  ein  Erlenmeyer-Kölbchen  zu  verwenden  und  die  angewendeten ­
  Äthermengen  zu  wägen.  Er  verfährt  folgendermaßen;
3—5  g  Fettkäse  oder  10  g  (oder  mehr)  Magerkäse  werden  in  einem  Erlenmeyer-Kölbchen
  von  etwa  250  ccm  Inhalt  mit  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht ­
  1,125  (auf  3  g  Käse  10  com,  auf  10  g  20  ccm)  auf  dem  Drahtnetze  erhitzt.
Sobald  die  Auflösung  erfolgt  ist,  gibt  man  nach  dem  Erkalten  Wasser  (auf  10  ccm
Salzsäure  20—30  ccm,  auf  20  ccm  40  ccm  Wasser)  hinzu,  tariert  das  Ganze
(einschl.  des  zu  verwendenden  Korkstopfens)  auf  einer  Wage,  die  noch  0,01  g  anzeigt, ­
  gibt  darauf  80—120  g  mit  Wasser  gesättigten  Äther  hinzu,  verschließt  das
Kölbchen  mit  dem  Korkstopfen  und  wägt  wieder;  das  Gemenge  wird  nun  2—3
Minuten  kräftig  geschüttelt.  Nachdem  es  darauf  1 / 2 —1  Stunde  gestanden  und  die
ätherische  Schicht  sich  klar  abgesetzt  hat,  gießt  man  einen  Teil  derselben  in  ein
tariertes  Kölbchen,  verschließt  das  erste  Kölbchen  wieder  mit  dem  Korkstopfen  und
wägt  es  zurück.  Die  abgegossene  ätherische  Fettlösung  wird  bei  niedriger  Temperatur
verdunstet  und  das  Fett  nach  dem  Trocknen  (1  Stunde)  im  Wasserdampf-Trockenschranke ­
  gewogen.
Die  Berechnung  des  prozentigen  Fettgehaltes  erfolgt  nach  der  Gleichung:
_  100  b.  d
X  a  (c  —  d)  ’
in  welcher  bedeutet:
a  das  Gewicht  der  angewendeten  Käsemenge,
b  „  „  des  zugesetzten  wassergesättigten  Äthers,
c  „  „  der  abgegossenen  Ätherfettlösung,
d  „  „  des  in  c  enthaltenen  Fettes,
x  den  prozentigen  Fettgehalt  des  Käses.
c)  Acidbutyrometrisch.es  Verfahren  von  Gerber. 1 )  Unter  gewissen
Umständen  wird  man  sich  zur  Fettbestimmung  in  Käsen  auch  dieses  Verfahrens  bedienen ­
  können.  Da  dasselbe  indes  mitunter,  z.  B.  bei  harten  Magerkäsen,  nur
schwierig  ausführbar  ist,  außerdem  den  Apparaten  Gebrauchsanweisungen  beigegeben
werden,  so  soll  hier  von  einer  Beschreibung  des  Verfahrens  abgesehen  werden.
3.  Bestimmung  des  Stickstoffs.  1.  Zur  Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffs ­
  werden  1—2  g  Käsemasse  in  der  oben  S.  137—139  beschriebenen  Weise
nach  Kjeldahl  verbrannt.
Soll  der  Stickstoff  auf  Stickstoff-Substanz  bezw.  Kasein  umgerechnet  werden,  so
dürfte  sich  bei  Käsen,  welche  nur  eine  schwache  Reifung  durohgemacht  haben,  die  Anwendung ­
  des  Kasein-Paktors  6,37  (yergl.  S.  470)  empfehlen;  dagegen  dürfte  bei  stark
gereiften  Käsen  schon  der  Faktor  6,25  reichlich  hoch  sein.  Jedenfalls  empfiehlt  es  sich,
im  Untersuchungsbericht  den  verwendeten  Faktor  stets  anzugeben.
2.  Für  die  Trennung  und  Bestimmung  der  durch  die  Reifung  gebildeten ­
  löslichen  Stickstoff-Verbindungen  haben  L.  L.  van  Slyke  und
E.  B.  Hart 2 )  Verfahren  ausgearbeitet,  auf  die  hier  nur  verwiesen  werden  kann.
Vergl.  ferner  auch  S.  208  u.  ff.

*)  Vergl.  Milch-Ztg.  1898,  27,  449;  1903,  32,  65  u.  147;  1904,  38,  353,  433  u.  500;
Referate  in  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  242;  1904,  7,
409  u.  410;  1906,  9,  569—570.
2 )  Amer.  Chem.  Journ.  1903,  29,  150;  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.
Genußmittel  1906,  9,  168.
        <pb n="532" />
        Käse.

509

4.  Bestimmung  des  Milchzuckers.  Der  Milchzucker  wird  meistens  aus  der
Differenz  der  Summe  von  (Wasser  -j-  Kasein  Fett  +  Salze)  von  100  angenommen.
"Wenn  derselbe  direkt  bestimmt  werden  soll,  so  muß  die  Käsemasse  zuerst  entfettet
werden;  man  zieht  deshalb  eine  bestimmte  Menge  (etwa  5  g)  besonders  mit  Äther
aus  oder  verwendet  einen  aliquoten  Teil  (etwa  die  Hälfte)  der  bei  der  Fettbestimmung
erhaltenen  entfetteten  Masse,  zieht  diese  mit  Wasser  aus,  bringt  auf  ein  bestimmtes
Volumen  und  bestimmt  in  einem  aliquoten  Teil  des  wässerigen  Auszuges  den  Milchzucker ­
  wie  bei  Vollmilch  (S.  470).
5.  Bestimmung  der  freien  Säure  (Milchsäure).  „10  g  Käsemasse  werden
mehrmals  mit  Wasser  ausgekocht,  die  Auszüge  vereinigt,  filtriert  und  auf  200  ccm
aufgefüllt.  In  100  ccm  der  Flüssigkeit  titriert  man  nach  Zusatz  einiger  Tropfen
einer  alkoholischen  Phenolphthaleinlösung  die  freie  Säure  mit  1 / 10  Normal-Alkalilauge.
Die  Säure  des  Käses  ist  auf  Milchsäure  zu  berechnen;  1  ccm  1 j 10  Normal-Alkalilauge
entspricht  0,009  g  Milchsäure.“
ß.  Bestimmung  der  Mineralstoft'e.  1.  Die  Bestimmung  der  Gesamt-Mineralstoffe
  geschieht  wie  üblich  durch  vorsichtiges  Veraschen  von  etwa  5—10  g
Käse  nach  S.  471.
Um  das  namentlich  bei  fettreichen  Käsen  beim  Veraschen  eintretende  Spritzen  zu
vermeiden,  empfiehlt  A.  Kirsten 1 )  ein  am  Bande  umgebogenes  aschenfreies  Filter  in  die
Platinschale  über  den  Käse  zu  legen.
2.  Den  Gehalt  an  Kochsalz  bestimmt  man  in  der  wässerigen  Lösung  der
Asche  oder  einem  aliquoten  Teil  derselben  durch  Titration  des  Chlors  mit  1 / l0
N.-Silberlösung,  indem  man  die  Asche  in  Wasser  löst,  die  Lösung  auf  ein  bestimmtes
Volumen  bringt  und  hiervon  einen  aliquoten  Teil  nimmt.
3.  Einen  etwaigen  Zusatz  von  „Käsereifen“,  welche  neben  Kochsalz  vorwiegend ­
  aus  Natriumkarbonat  bezw.  Natriumbikarbonat  bestehen,  wird  man,  wenn
nennenswerte  Mengen  davon  zugesetzt  sind,  in  der  Weise  nachzuweisen  suchen,
daß  man  neben  dem  Chlorgehalte  auch  den  Natrongehalt  bestimmt  und  ermittelt,
oh  ein  wesentlicher  Überschuß  an  Natron  vorhanden  ist.
7.  Untersuchung  des  Käsefettes  auf  Reinheit.
A,  Abscheidung  des  Fettes  aus  dem  Käse.  Soll  das  Käsefett  auf  Reinheit,
d-  h.  daraufhin  untersucht  werden,  ob  es  reines  Milchfett  oder  ein  Gemisch  von
diesem  mit  Fremdfetten  ist,  oder  endlich,  oh  es  fast  ganz  aus  Fremdfetten  besteht,
fo  muß  man  eine  größere  Menge  desselben  aus  dem  Käse  darstellen.  Hierzu  sind
in  dem  letzten  Jahrzehnt  eine  große  Anzahl  von  Verfahren  vorgeschlagen  worden.
K.  Windisch 2 )  hat  dieselben  in  einer  eingehenden  Arbeit  kritisch  auf  ihre  Brauchbarkeit ­
  geprüft  und  kommt  darin  zu  dem  Ergebnisse,  daß,  falls  es  sich  um  das
Studium  der  Veränderungen  des  Fettes  beim  Reifen  des  Käses  handelt,  man  das
Cesamtfett  nach  dem  Säure-Verfahren  (vergl.  c  S.  510  und  oben  S.  507)  abscheiden
hnd  zur  Untersuchung  verwenden  muß.
Zur  Untersuchung  des  Käsefettes  auf  Reinheit  dagegen  darf  man
^hr  die  neutralen  Käsefette  verwenden,  da  diese  im  reifen  und  überreifen  Käse
1111  wesentlichen  die  gleiche  Zusammensetzung 8 )  haben,  wie  im  frischen  Käse.
Zur  Gewinnung  des  Neutralfettes  kann  man  dieses  unmittelbar  nach  den
erfahren  a  und  b  abscheiden  oder  aber  zunächst  die  sauren  Fette  nach  den  Verl
 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  761.
tt  +  ^  Arb.  d-  Kaiser!.  Gesundh.-Amt.  1900,  17,  281—440;  Autoreferat  in  Zeitsohr.  f.
Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  1146—1150.
,! )  Nur  in  vollständig  verdorbenen  und  ungenießbaren  Käsen  trifft  dies  nicht  zu.
        <pb n="533" />
        510

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

fahren  c  und  d  ahscheiden  und  diese  alsdann  neutralisieren.  Die  brauchbarsten
Verfahren  sind  folgende:
a)  Verfahren  von  A.  Devarda. 1 )  50—100  g  des  von  der  Rinde  befreiten
Käses  werden  in  kleine  Stücke  geschnitten  —  wohl  besser  auf  einer  Reibe  zerrieben ­
  —  oder  mit  wenig  Wasser  in  einer  Reihschale  verrieben  und  in  einer
Wolfbauerschen  Scheideflasche 3 )  mit  50—80  ccm  Wasser,  100—150  ccm  Äther
und  mit  2  Tropfen  Phenolphthalein-Lösung  versetzt.  Das  Ganze  wird  fleißig  geschüttelt ­
  und  so  lange  mit  verdünnter  Kalilauge  versetzt,  bis  die  wässerige  Flüssigkeit
deutlich  rot  gefärbt  bleibt.  Darauf  wird  das  Ganze  noch  einige  Male  gehörig  geschüttelt. ­
  Die  nach  kurzer  Zeit  sich  abscheidende  Ätherfettschicht  wird  abgezogen,
nötigenfalls  filtriert  und  der  Äther  abdestilliert.  Das  so  gewonnene  Fett  wird  bei
100°  getrocknet  und,  wenn  notwendig,  nochmals  filtriert.
b)  Verfahren  von  A.  Kirsten. 8 )  50—100  g  der  zerriebenen,  zerdrückten
oder  sonstwie  zerkleinerten  Käsemasse  werden  (bei  wasserarmen  Hartkäsen  unter
Zusatz  von  etwas  Wasser)  in  einer  großen  Reibschale  mit  Äther  zu  einem  dünnen
Brei  zerrieben.  Gleichzeitig  wird  zur  Neutralisation  der  freien  Säure  so  viel  stark
verdünnte  Kalilauge  zugegeben,  bis  eine  deutlich  alkalische  Reaktion 4 )  nachweisbar
ist.  Der  Brei  wird  in  Soxhletsche  Schüttelflaschen  gefüllt  und  in  diesen  durch
kräftiges  Umschütteln  mit  mehrmals  erneuerten  Äthermengen  versetzt,  die  mindestens
4 / 2  Stunde  mit  der  Käsemasse  in  Berührung  bleiben.  Zur  besseren  Abscheidung
der  Ätherfettlösung  kann  man  die  Flaschen  in  der  Soxhl  et  sehen  Handschleuder
(vergl.  S.  456)  zentrifugieren.  Trübe  Fettlösungen  werden  filtriert,  der  Äther  abdestilliert ­
  und  das  Fett  unter  schwachem  Durchleiten  von  trocknem  Wasserstoff
bei  100°  getrocknet.
c)  Verfahren  von  K.  Windisch. 5 )  60—100  g  zerkleinerte  Käsemasse
werden  in  einer  Reibschale  mit  der  l 4 / 2 —2-fachen  Menge  Salzsäure  vom  spezifischen
Gewicht  1,125  zerrieben,  die  Mischung  in  ein  Becherglas  übergeführt  und  im
kochendem  Wasserbade  erhitzt,  bis  das  Fett  sich  als  klare  ölige  Schicht  an  der
Oberfläche  der  braunen  bis  violetten  Flüssigkeit  abgeschieden  hat.  Darauf  stellt
man  das  Becherglas  in  eiskaltes  Wasser,  bis  das  Fett  erstarrt  ist,  hebt  die  Fettscheibe ­
  heraus,  spült  sie  mit  kaltem  Wasser  gut  ah,  bringt  sie  in  eine  Porzellanschale,
  gibt  zur  Entfernung  etwa  in  dem  Fette  enthaltener  kleiner  Mengen  Salzsäure ­
  Wasser  hinzu,  erwärmt  bis  zum  Schmelzen  des  Fettes  und  rührt  Wasser
und  Fett  mit  einem  Glasstabe  leicht  durcheinander.  Man  läßt  das  Fett  wieder  erstarren, ­
  hebt  die  Fettscheibe  ab,  trocknet  sie  mit  Filtrierpapier  sorgfältig  ab,
schmilzt  sie  und  filtriert  das  getrocknete  Fett  durch  ein  trocknes  Filter.
Auf  diese  Weise  erhält  man  das  Neutralfett  einschl.  der  im  Käse  vorhandenen
freien  und  der  darin  in  Form  von  Seifen  vorhandenen  Fettsäuren.  Um  das  für
die  Prüfung  auf  Reinheit  allein  zu  untersuchende  Neutralfett  zu  erhalten,  löst
man  das  erhaltene  Fett  in  Alkohol  und  Äther,  setzt  einige  Tropfen  alkoholischer
Phenolphthaleinlösung  hinzu  und  versetzt  die  Lösung  unter  starkem  Umschütteln
4 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1897,  36,  751.
2 )  Diese  Flasche  hat  in  der  Mitte  eine  starke  Einschnürung  und  besteht  somit  gleichsam ­
  aus  zwei  verbundenen  Kugeln.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1898,  1,  742.
4 )  In  der  Vorschrift  ist  nicht  angegeben,  wie  dieselbe  nachgewiesen  werden  soll;  da
die  Beschreibung  des  Verfahrens  sich  in  der  Arbeit  von  A.  Kirsten  unmittelbar  an  das
Devardasche  Verfahren  anschließt,  so  darf  wohl  angenommen  werden,  daß  auch  hier
2  Tropfen  Phenolphthaleinlösung  zugesetzt  werden  sollen.
5 )  Arb.  d.  Kaiserl.  Gesundh.-Amt.  1898,  14,  554  und  1900,  17,  281.
        <pb n="534" />
        Käse.

511

oder  Rühren  so  lange  mit  wässeriger  Kalilauge,  bis  alle  Fettsäuren  neutralisiert
sind,  wobei  meist  2  Schichten  entstehen,  da  die  zuzusetzende  Kalilaugemenge  durchweg ­
  sehr  beträchtlich  ist.  Alkohol  und  Äther  dunstet  man  darauf  auf  dem  Wasserbade ­
  bei  möglichst  niedriger  Temperatur  ab,  kühlt  dann  stark,  hebt  den  erstarrten
Neutralfettkuchen  ab,  trocknet  ihn  mit  Filtrierpapier,  schmilzt  das  Fett  bei  niedriger
Temperatur  und  filtriert  es  durch  ein  trocknes  Filter.
d)  Abscheidung  durch  Erwärmen.  „200—300  g  zerkleinerte  Käsemasse
werden  im  Trockenschranke  auf  80—90°  erwärmt.  Nach  einiger  Zeit  schmilzt  das
Käsefett  ab;  es  wird  abgegossen  und  durch  ein  trocknes  Filter  filtriert.“  Für
die  Untersuchung  auf  Reinheit  muß  aus  dem  so  erhaltenen  Fette  zunächst  nach
der  unter  c  angegebenen  Weise  das  Neutralfett  dargestellt  werden.
Bei  diesem  Verfahren,  welches  nur  bei  fetten  und  überfetten  Käsen  gute  Ergebnisse
liefert,  erhält  man  nur  einen  Teil  des  Gesamtfettes;  auch  eignet  es  sich  im  allgemeinen
besser  für  Hartkäse  als  für  Weichkäse.
B.  Untersuchung  des  Käsefettes.  „Das  Käsefett  wird  nach  denselben  Grundsätzen ­
  wie  Butterfett  untersucht.  Handelt  es  sich  um  Margarinekäse,  so  ist  noch
folgende  Prüfung  des  Käsefettes  auszuführen:
Schätzung  des  Sesamölgehalts  des  Käsefettes.
1  ccm  Käsefett  wird  mit  9  ccm  Baumwollsamenöl,  das,  nach  dem  unten  S.  557
beschriebenen  Verfahren  geprüft,  mit  Furfurol  und  Salzsäure  keine  Rotfärbung
gibt,  vermischt.  Man  prüft  die  Mischung  nach  dem  unten  S.  556  angegebenen
Verfahren  auf  Sesamöl.  Hat  das  Käsefett  den  vorgeschriehenen  Gehalt  an  Sesamöl
von  der  vorgeschriebenen  Beschaffenheit,  so  muß  die  Sesamölreaktion  noch  deutlich
eintreten.“
8.  Nachweis  von  sonstigen  Beimengungen.
a)  Fremde  Farbstoffe.  Beim  Käse  pflegen  dieselben  Farbstoffe  wie  bei
Kutter  —  nur  werden  sie  beim  Käse  in  alkalischer  Lösung,  bei  Butter  dagegen
in  Öllösung  zugesetzt  —  angewendet  zu  werden;  auch  kann  der  Nachweis  in
ähnlicher  Weise  erfolgen  wie  bei  Butter  (vergl.  weiter  unten  S.  662).
b)  Kupfer,  Blei,  Zink  usw.,  die  unter  Umständen  aus  den  Herstellungs-Sefäßen
  oder  durch  die  Verpackung  in  den  Käse  geraten  können,  lassen  sich  durch
Einäschern  unter  Zusatz  von  Soda  und  Salpeter,  Lösen  der  Asche  in  Salpetersäure
0( ler  Salzsäure,  Fällen  mit  Schwefelwasserstoff  usw.  nachweisen.
Zum  Nachweis  und  zur  Bestimmung  von  Kupfer  und  Zink  kann  man  die
Käsemasse  auch  mit  Vorteil  durch  Erhitzen  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  und
Salpetersäure  zerstören  und  in  der  so  gewonnenen  Lösung  diese  Metalle  in  üblicher
w eise  bestimmen  (vergl.  S,  203).
c)  Fremde  mineralische  Zusätze  (Gips,  Kreide  usw.),  welche  früher  als
Verfälschungsmittel  des  Käses  hier  und  da  Verwendung  gefunden  haben  sollen,  ernennt ­
  man  durch  Untersuchung  der  Asche,  die  bei  reinem  Käse  neben  Kochsalz
Vorwiegend  nur  phosphorsauren  Kalk  enthält.
Ebenso  wird  man  zum  Nachweise  der  sog.  Käsereifen  (vergl.  oben  S.  509)
, lfte  ausführliche  Aschen-Untersuchung  ausführen  und  dabei  insbesondere  das  Verhältnis ­
  von  Chlor  zum  Natrium  in  Rücksicht  ziehen  müssen.
d)  Mehl  bezw.  Kartoffelbrei.  Zu  ihrem  qualitativen  Nachweis  wird  die
Zer riebene  Käsemasse  entfettet,  dann  mit  Wasser  ausgezogen  und  der  Rückstand
unter  Zusatz  von  Jodlösung  unter  dem  Mikroskop  untersucht.
        <pb n="535" />
        512

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Die  quantitative  Bestimmung  der  Stärke  erfolgt  im  entfetteten  Rückstände
nach  den  oben  (S.  239)  angeführten  Verfahren.  Besonders  dürfte  sich  für  die
Bestimmung  des  Stärkegehaltes  im  Käse  das  Mayrhofersche  Verfahren  (S.  241)
eignen,  hei  dem  eine  vorherige  Entfettung  der  Käsemasse  nicht  erforderlich  ist.
e)  Käsegift.  C.  Vaughan 1 )  hat  aus  Käsen,  deren  Genuß  die  Erkrankung  von
300  Personen  zur  Folge  gehabt  hatte,  durch  Ausziehen  mit  Alkohol  und  Verdampfen  des
letzteren  bei  niedriger  Temperatur  nadelförmige  Kristalle  dargestellt,  welche  auf  der
Zungenspitze  eine  scharfe,  brennende  Empfindung,  Trockenheit  und  Konstriktion  im
Schlunde,  sowie  Diarrhoe  hervorriefen.  Er  stellte  einen  wässerigen  Auszug  aus  dem  Käse
her,  versetzte  mit  Natronlauge  im  Überschuß,  schüttelte  mit  Äther  durch,  ließ  diesen  in  der
Kälte  verdunsten,  löste  den  Rückstand  in  Wasser  und  schüttelte  abermals  mit  Äther  durch;
beim  Verdunsten  dieses  Ätherauszuges  im  Vakuum  hinterblieben  dieselben  nadelförmigen
Kristalle,  welche  die  obigen  Wirkungen  hervorriefen.  Wurde  der  wässerige  Auszug  verdunstet, ­
  so  wirkte  der  Rückstand  nicht  giftig;  mithin  scheint  das  Gift  bei  oder  unter
100°  flüchtig  zu  sein.  Diese  Kristalle  gaben  keine  Alkaloidreaktion.
L.  Dokkum 2 )  und  Lepierre 3 )  wollen  dagegen  in  giftigen  Käsen  ptomainähnliche ­
  Körper  nachgewiesen  haben,  welche  wie  die  Ptomaine  Alkaloidreaktion  zeigten.
9.  Bakteriologisch-mikroskopische  Untersuchung  (Nachweis  von  Käsefehlern).
Die  Käsekrankheiten  (Käsefehlerl  lassen  sich,  sofern  sie  nicht  durch  äußerliche
Färbung  sich  kundgeben,  nur  durch  den  Nachweis  des  Erregers  mittels  bakteriologischmikroskopischer ­
  Untersuchung  erkennen  und,  feststellen;  bezüglich  letzterer  muß  auf  die
bakteriologischen  und  milchwirtschaftlichen  Sonderwerke  verwiesen  werden.
Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  des  Käses.
1.  Nachweis  von  fremden  Fetten  (Margarinekäse).  Hierfür  sind  im
allgemeinen  die  für  die  Beurteilung  des  Butterfettes  in  Frage  kommenden  Gesichtspunkte ­
  maßgebend.  Die  Untersuchungen  sind  stets  an  den  Neutralfetten
des  Käses  (vergl.  oben  S.  509)  anzustellen.  Diese  haben  bei  reinen  Käsen  im
reifen  Zustande  nach  K.  Windisch 4 )  annähernd  dieselbe  Zusammensetzung  (Reichert-Meißlsche
  Zahl,  Verseifungszahl,  Eefraktometerzahl,  Jodzahl)  wie  das  Fett  des
frischen  Käses,  bezw.  der  zur  Herstellung  des  Käses  verwendeten  Milch. 5 )  Die
sauren  Käsefette  (vergl.  oben  S.  507  u.  510)  dagegen  zeigen  bei  reifen  Käsen  eine
beträchtliche  Erniedrigung  der  Reichert-Meißlschen  Zahl,  Verseifungszahl  und
Refraktometerzahl  und  eine  starke  Erhöhung  der  Jodzahl  gegenüber  dem  Fette  der
betreffenden  frischen  Käse.
Da  bei  vorschriftsmäßig  hergestellten  Margarinekäsen  in  Deutschland  usw.
das  verwendete  Fett  5  °/ 0  Sesamöl  enthalten  muß,  so  kann  auch  der  Nachweis
des  Sesamöles  durch  die  Furfurol-Reaktion  (vergl.  unten  S.  556)  zur  Erkennung
von  Margarinekäsen  dienen.  »
2.  Rahm-,  Fett-,  Halbfett-  und  Magerkäse.  Zur  Entscheidung  der
Frage,  ob  zur  Herstellung  eines  Käses  Rahm  bezw.  Gemische  von  Rahm  und  Vollmilch ­
  oder  Vollmilch  oder  Magermilch  bezw.  Gemische  von  Vollmilch  und  Magermilch ­
  gedient  haben,  ist  das  Verhältnis  von  Stickstoff-Substanz  zum  Fett  maßgebend.

U  Zeitschr.  f.  physiol.  Chemie  1886,  10,  146  und  Ghem.  Centralbl.  1886,  70  und  405.
2 )  Nederl.  Tijdschr.  Pharm.  1894,  6,  213;  Chem.  Centralbl.  1894,  II,  485.
3 )  Milch-Ztg.  1894,  23,  591.
4 )  Arb.  d.  Kaiserl.  Gesundh.-Amt.  1900,  17,  281.
5 )  Nur  bei  völlig  verdorbenen  und  ungenießbaren  Käsen  trifft  dies  nicht  mehr  zu.
        <pb n="536" />
        Labpräparate.

513

Da  im  Vollmilchkäse  (Fettkäse)  der  Fettgehalt  etwas  höher  oder  gleichhoch  zu  sein  pflegt
wie  der  Gehalt  an  Stickstoff-Suhstanz,  so  ist  Halbfett-  oder  Magerkäse  als  vorliegend
anzusehen,  wenn  im  fraglichen  Käse  der  Gehalt  an  Fett  geringer  ist  als  der  an
Stickstoff-Suhstanz.  In  Rahmkäsen  muß  der  Fettgehalt  beträchtlich  höher  sein  als
der  Gehalt  an  Stickstoff-Suhstanz.
3.  Als  verfälscht  sind  Käse  anzusehen,  welche  Zusätze  von  stärkemehlhaltigen
Stoffen  (Kartoffelbrei  und  dergl.)  erhalten  haben,  ohne  daß  dies  deutlich  bezeichnet
ist  oder  aus  der  Art  des  Käses  hervorgeht.  An  anorganischen  Zusätzen  darf  der
Käse  nur  Kochsalz  erhalten;  etwaige  Zusätze  von  Gips,  Kreide  usw.,  die  allerdings
wohl  zu  den  Seltenheiten  gehören  dürften,  sind  natürlich  als  Fälschungen  zu  bezeichnen. ­

4.  Die  mit  den  Krankheiten  (Fehlern)  behafteten  Käse,  wie  Mauer
(S.  505,  No.  3),  roter  (No.  4),  mißfarbener  (No.  5)  und  bitterer  (No.  7)  Käse,  sind
als  minderwertig  bezw.  verdorben  zu  bezeichnen.
5.  Bei  der  Beurteilung  des  Reifungsgrades  der  Käse  ist  zu  beachten,
daß  bei  den  verschiedenen  Käsesorten  im  genußfähigen  Zustande  und  auch  bei  den
einzelnen  Sorten  in  verschiedenem  Reifungsgrade  innerhalb  weiter  Grenzen  schwankende
Mengen  löslicher  Stickstoff-Verbindungen  vorhanden  sind,  so  daß  diese  im  allgemeinen
keinen  zuverlässigen  Maßstab  für  die  Beurteilung  des  Käses  abgeben.

V.  Untersuchung  der  Labpräparate.
Die  Wirkung  der  Labpräparate  ist  abhängig  von  der  Temperatur,  der  Labmenge
und  der  Beschaffenheit  der  Milch.
Das  ursprünglich  von  Fr.  Soxhlet  ausgearbeitete,  dann  von  W.  Fleischmann  )
veränderte  Verfahren  zur  Untersuchung  der  Labpräparate  auf  ihren  Wirkungswert  hat  außer
durch  eine  Reihe  anderer  Forscher  von  A.  Devarda-)  eine  weitere  Ergänzung  und  Verbesserung
erfahren,  die  vorwiegend  darin  beruhen,  daß  letzterer  für  diese  Untersuchung  nicht  nur
stets  eine  normale  Mischmilch,  sondern  auch  die  Anwendung  eines  Kontrolllabs  verlangt,
dessen  Wirkungswert  ein-  für  allemal  unter  Berücksichtigung  gewisser  Vorsichtsmaßregeln
testgestellt  wurde.  Hierdurch  soll  die  erforderliche  Unabhängigkeit  von  der  stets
schwankenden  Beschaffenheit  der  Milch  erreicht  werden.
A.  Devarda  verfährt  wie  folgt;
200  ccm  frische  normale  Kuhmilch  werden  in  einen  etwa  300  ccm  fassenden  Waskolben
  gebracht  und  zunächst  auf  35°  vorgewärmt,  hierauf  mit  2  ccm  der  Lablösung  versetzt
  und  sogleich  unter  gleichzeitigem  sanftem  Schütteln  des  Kolbens  die  Zeit  notiert,
w °zu  man  sich  einer  genauen  Sekundenuhr  (am  besten  mit  arretierbarem  Sekundenzeiger)
? u  bedienen  hat.  Man  senkt  nun  ein  Thermometer  in  die  Milch  ein  und  stellt  den  Kolben
ln  ein  auf  etwa  36»  erwärmtes  Wasserbad,  worauf  man  fortwährend  durch  langsames
Ba nftes  Neigen  des  Kolbens  die  Art  des  Abrinnens  der  Milch  an  der  Glaswand  beobachtet
Und  fortan  fest  im  Auge  behält.  Die  Milch  wird  nach  einigen  Minuten  dickflüssig  und
an  der  Glaswand  käsig  und  fadenziehend  abrinnen.  Da  diese  Erscheinung  immer  plötzlich
eintritt,  so  ist  dieselbe  mit  der  Uhr  in  der  Hand  und  möglichst  scharf  festzustellen.
Wahrend  der  ganzen  Einwirkungszeit  muß  die  Milch  genau  die  Temperatur  von  35°  haben.
tyi ..  Betreffs  der  Stärke  in  welcher  die  Lablösungen  bei  dem  Versuche  anzuwenden  sind,
m °8en  folgende  Regeln  gelten:
0An  a)  Bei  Labflüssigkeiten  verdünnt  man  10  ccm  Labflüssigkeit  mit  Wasser  auf
ccm.
k)  Bei  Labpulvern  werden  genau  abgewogene  1,25  g  des  Pulvers  mit  Wasser  auf
uu  ccm  gelöst.
')  W.  Fleischmann,  Das  Molkereiwesen,  1875,  S.  757.
')  Landw.  Versuchs-Stationen  1896,  47,  401.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3,  Auflage.  33
        <pb n="537" />
        514

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Die  allgemeine  Formel  zur  Berechnung  des  Wirkuugswertes  geht  unter  Benutzung
der  Lösungen  von  den  vorgeschriebenen  Konzentrationen  über  in:
iur  die  Labflussigkeit  w  =  7—
t
,  T  K  1  640000
und  tur  Labpulver  w  =  -
t
1.  Eigenschaften,  Titerstellung  und  Anwendung  des  Kontrolllabs.  Als
Kontrolllab  wählt  man  zweckmäßig  ein  gutes  Labpulverpräparat  des  Handels  von  mittlerer
Stärke.  Dasselbe  soll  homogen  und  vollkommen  trocken  sein,  nur  geringe  Mengen  von
Mineralstoffen  enthalten  und  sich  in  Wasser  klar  auflösen.  In  einem  gut  verschlossenen
Glase  im  Dunkeln  aufbewahrt,  darf  dasselbe  auch  nach  ein  bis  zwei  Jahren  weder  eine
Änderung  in  der  Zusammensetzung,  noch  in  seiner  Stärke  zeigen.  Sehr  zu  empfehlen  ist
es,  immer  ein  Kontrolllab  von  annähernd  gleicher  Stärke  zu  wählen.  Devarda  benutzte
zu  diesem  Zwecke  stets  ein  Labpulver  von  der  Stärke  100000  (Gerinnungszeit  etwa
6  Minuten),  welches  aus  einem  viel  stärkeren  Labpräparate  durch  Verdünnen  mit  gepulvertem ­
  Zucker  (Raffinade)  hergestellt  wurde.  Die  Lablösungen  müssen  unbedingt
jedesmal  frisch  bereitet  werden.
2.  Für  die  Bestimmung  des  Wirkungswertes  des  Kontrolllabs  (Titer)  ist
eine  normale  Milch  unbedingt  notwendig,  und  zwar  eine  „Mischmilch“,  die  einem  Stalle
mit  größerem  Yiehstande  entnommen  wird,  wobei  noch  zu  berücksichtigen  ist,  daß  die
Milch  nur  von  gesunden  Kühen,  welche  rationell  gefüttert  und  in  den  verschiedenen  Stufen
der  Laktation  sich  befinden,  verwendet  werden  darf.  Die  Milch  solcher  Kühe,  welche
kurze  Zeit  vor  oder  nach  dem  Abkalben  stehen,  ist  dabei  auszuschließen.  Von  der  mit
aller  Sorgfalt  und  Reinlichkeit  gemolkenen  und  gesammelten  Mischmilch  wird  nun  ein
Durchschnittsmnster  von  etwa  1  1  entnommen  und  sofort  auf  16°  abgekühlt.  Erst  nachdem
dieselbe  durch  wiederholtes  Dmgießen  von  der  Kohlensäure  befreit  und  gleichmäßig  gemengt
ist,  wird  diese  Milch  zur  Labprüfung  verwendet.
Eine  wenn  auch  nur  wenige  Stunden  alte  Milch  ist  für  die  Prüfung  des
Kontrolllabs  zu  verwerfen.
Als  endgültigen  Wirkungswert  eines  Kontrolllabs  nimmt  man  das  Mittel  von
wenigstens  12  Bestimmungen  an,  welche  mit  Frühmilch  zu  verschiedener  Zeit,  jedoch
unter  den  gleichen  Bedingungen  ausgeführt  wurden.
Ist  der  richtige  Wirkungswert  des  Kontrolllabs  einmal  festgestellt  (Titer  des
Kontrolllabs),  so  wird  dasselbe  jedesmal  benutzt,  wenn  es  sich  um  die  Bestimmung  des
Wirkungswertes  eines  unbekannten  Labpräparates  handelt,  und  zwar  ebensowohl  bei  Anwendung ­
  einer  normalen  als  anormalen  Milch.
3.  Bestimmung  des  Wirkungswertes  der  Labpräparate  des  Handels
unter  Anwendung  des  Kontrolllabs.  Sowohl  von  dem  Versuchslab  als  auch  von  dem
Kontrolllab  werden  jedesmal  frische  Lösungen,  und  zwar  von  den  früher  angegebenen
Stärken  bereitet  und  unter  Anwendung  einer  und  derselben  Milch  die  entsprechenden
Gerinnungszeiten  bestimmt.  Die  mit  dem  Versuchs-  und  dem  Kontrolllab  vorgenommenen
Bestimmungen  sind  immer  unter  den  ganz  gleichen  Bedingungen  auszuführen,  wie  es  bei
der  ursprünglichen  Titerstellung  des  Kontrolllabs  geschah.
Bezüglich  der  für  solche  Bestimmungen  zu  benutzenden  Milch  ist  folgendes  zu
bemerken:  Ist  die  verfügbare  Milch  eine  bestimmt  reine  und  zugleich  frisch  gemolkene
und  die  Stärke  der  beiden  Lablösungen  nicht  zu  weit  voneinander  verschieden,  dann  sind
die  mit  den  beiden  Lablösungen  gefundenen  Gerinnungszeiten  wirklich  proportional  und
vergleichbar.  In  allen  anderen  Fällen,  welche  in  der  Praxis  am  meisten  Vorkommen,
nämlich  wenn  über  die  Reinheit  und  Frische  der  Milch  nicht  die  volle  Sicherheit  herrscht,
ist  die  Versuchsmilch  vorher  bei  75—80°  durch  1 / 2 —  3 / 4  Stunden  zu  sterilisieren,  weil  nur
dann  die  mit  den  beiden  Lablösungen  erhaltenen  Ergebnisse  vergleichbar  sind.  ,
Wenn  mit  einer  beliebigen  Milch  unter  Berücksichtigung  der  obigen  Bedingungen
sowohl  der  Wirkungswert  des  Versuchslabs  als  auch  des  Kontrolllabs  festgestellt  wurde,
dann  geschieht  das  Richtigstellen  des  ersteren  nach  folgender  einfachen  Proportion:
        <pb n="538" />
        Labpräparate.

515

W,  Wj  seien  die  für  Normalmilch  geltenden  Wirkungswerte  des  Kontroll-  bezw.
Versuchslabs  und  t,  t t  die  mit  einer  anormalen  Milch  für  das  Kontroll-  bezw.  Versuchslab
gefundenen  Gerinnungszeiten,  so  ist:
für  Labpulver  W x  —•  W  ——
L
und  für  Labfltissigkeiten  W 1  =  W=^-.
8
Hat  man  die  Labstärke  einer  Labessenz  (bezw.  eines  Lahpulvers)  ermittelt  und  will
wissen,  wieviel  davon  zur  Dicklegung  einer  bestimmten  Menge  Milch  (etwa  500  1)  erforderlich ­
  ist,  so  verfährt  man  wie  folgt:
Ist  die  Labstärke  bei  35°  in  40  Minuten  zu  11268  gefunden,  so  ist  11268  :1  =  500:  x
(x  =  0,044  1),  d.  h.  man  gebraucht  zur  Dicklegung  von  600  1  Milch  von  dieser  Labessenz
44  ccm.
Will  mau  in  20  Minuten  dioklegen,  so  muß  man  die  doppelte  Menge  Lab  auwenden.
Wird  das  Dicklegen  bei  anderen  Temperaturen  als  bei  35°  bewirkt,  so  muß  die  Labstärke
hierfür  besonders  bestimmt  werden.
Die  Kosten  des  Dicklegens  von  etwa  1000  1  Milch  bei  35°  in  40  Minuten  bei
einem  Preise  der  Labflüssigkeit  von  2  M.  für  1  1  erfährt  man,  wenn  die  Labstärke  wie
oben  11268  ist,  nach  der  Gleichung:
11268  :1000  =  200  :  y  (y  =  17,7  Pf.),
4-  h.  die  Dicklegung  von  1000  1  Milch  bei  35°  in  40  Minuten  kostet  17,7  Pf.
L.  Lindet 1 )  hat  neuerdings  ein  Verfahren  zur  Schätzung  der  Menge  des  durch
hab  koagulierbaren  Kaseins  bei  der  Käsebereitung  vorgeschlagen,  auf  das  hier
nur  verwiesen  werden  kann.
Ar  i,  ^  Assoc.  Chim.  Sucr.  et  Distill.  1902,  19,  1061;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.
ft ahrungs-  und  Geuußmittel  1903,  6,  234.
        <pb n="539" />
        Speisefette  und  -öle

Für  Speisezwecke  finden  sowohl  Fette  und  öle  des  Tierreiches  wie  des
Pflanzenreiches  Verwendung.
Sie  bestehen  aus  den  Triglyzeriden  der  Fettsäuren;  von  letzteren  herrschen
Palmitinsäure,  Stearinsäure,  Ölsäure,  Linolsäure  (Leinölsäure)  am  meisten  vor.
Während  man  his  vor  kurzem  annahm,  daß  die  Triglyzeride  vorwiegend  als  einfache, ­
  d.  h.  als  Tripalmitin,  Tristearin,  Triolein  usw.  vorhanden  seien,  haben
neuere  Untersuchungen  zu  dem  Ergebnis  geführt,  daß  in  den  natürlichen  Fetten
auch  gemischte  Triglyzeride  verschiedener  Zusammensetzung  Vorkommen,  z.  B.
Palmitodistearin  im  Einds-  und  Hammeltalg,  Heptadekyldistearin  im  Schweinefett,
Oleodiheptadekylin  im  Olivenöl,  Oleopalmitostearin  im  Kakaofett  usw.
Mono-  und  Diglyzeride  sind  bisher  in  den  frischen  natürlichen  Fetten  nicht
mit  Bestimmtheit  nachgewiesen  worden;  sie  kommen  aber  wahrscheinlich  in
ranzigen  Fetten  und  Ölen  vor.  Außer  dem  Glyzerin  enthalten  alle  natürlichen
Fette  imd  öle  noch  geringe  Mengen  von  aromatischen  Alkoholen  (Cholesterin,
Phytosterin).
Die  tierischen  Fette  bestehen  aus  Triglyzeriden,  in  denen  Palmitin-,
Stearin-  und  Ölsäure  vorherrschen;  neben  diesen  kommen  in  verschiedenen  Fetten
geringe  Mengen  Linolsäure  und  im  Butterfett  noch  erhebliche  Mengen  von
Glyzeriden  niederer  Fettsäuren  (Buttersäure,  Kapron-,  Kapryl-,  Kaprinsäure)  vor.
Sämtliche  tierischen  Fette  (einschl.  des  Butterfettes)  enthalten  ferner
geringe  Mengen  (0,1—0,5  °/ 0 ) :l )  Cholesterin  und  kein  Phytosterin.
Die  pflanzlichen  Fette  bestehen  vorwiegend  aus  Triglyzeriden,  in  denen
Ölsäure,  Linolsäure  und  Linolensäure  neben  Palmitin-  und  Stearinsäure  vorherrschend
sind;  neben  diesen  finden  sich  in  den  verschiedenen  Fetten  und  Ölen  noch  besondere
Fettsäuren,  z.  B.  Kapron-,  Kapryl-,  Kaprinsäure  und  Laurinsäure  im  Kokosfett,
Arachin-  und  Lignocerinsäure  im  Erdnußöl,  Eapin-  und  Erucasäure  im  Eüböl.
Alle  pflanzlichen  Fette  enthalten  ferner  mehr  oder  minder  geringe
Mengen  (0,2—1,2  °/ 0 ) *  2 )  Phytosterin.
Bei  dieser  großen  Ähnlichkeit  jn  der  Zusammensetzung  der  Fette  des  Tierund
  Pflanzenreiches  ist  es  im  allgemeinen  nicht  möglich,  geringe  Mengen  eines
Fettes  in  einem  Fettgemische  nachzuweisen,  geschweige  denn  seine  Menge  genau
zu  bestimmen.  Nur  lassen  sich  auf  Grund  des  Phytosteringehaltes  selbst  geringe
Mengen  der  meisten  Pflanzenfette  in  Tierfetten  bestimmt  nachweisen  und  einzelne
*)  Einschließlich  geringer  Mengen  von  Farbstoffen  usw.  Im  Lebertran  fand
A.  Bömer  0,8  °/ 0  und  im  Eieröl  sogar  4,5  °/ 0  Cholesterin.
2 )  Diese  Zahlen  beziehen  sich  auf  den  Gesamtgehalt  an  unverseifbaren  Bestandteilen; ­
  letztere  enthalten  aber  bei  manchen  Ölen  nicht  unwesentliche  Mengen  von  Farbstoffen
und  sonstigen  z,  TI.  nicht  kristallisierenden  Verbindungen.
        <pb n="540" />
        Allgemeine  Verfahren  der  Fettuntersuchung.  527
Farben-Eeaktionen  lassen  geringe  Mengen  gewisser  Öle  in  Gemischen  bestimmt
erkennen.
Eine  große  Zahl  der  Verfahren  der  Fettuntersuchung  sind  sog.  quantitative ­
  Reaktionen,  d.  h.  quantitative  Bestimmungen  oder  Messungen  bestimmter
physikalischer  oder  chemischer  Eigenschaften  der  Fette,  aus  denen  ein  Schluß
auf  die  qualitativen  Eigenschaften  der  betreffenden  Fette  gezogen  werden  kann.
Es  ist  bis  jetzt  nicht  möglich,  die  Menge  eines  Fettes  in  einem  Fettgemische
mit  hinreichender  Genauigkeit  quantitativ  zu  bestimmen,  sofern  nicht  die  Bestandteile ­
  des  betreffenden  Gemisches  selbst  vorliegen,  denn  außer  der  großen  Ähnlichkeit
vieler  Fette  verschiedenen  Ursprungs  treten  auch  bei  den  Fetten  einer  und  derselben
Tier-  oder  Pflanzenart  sehr  beträchtliche  Schwankungen  in  der  Zusammensetzung
und  den  dadurch  bedingten  Eigenschaften  auf.
Da  eine  große  Anzahl  von  Verfahren  zur  Unterscheidung  der  verschiedensten
Fette  angewendet  wird  und  sich  daher  vielfach  wiederholt,  so  mögen  diese  allgemeinen ­
  Verfahren  der  Fettuntersuchung  hier  zunächst  im  Zusammenhänge  aufgeführt ­
  werden.
Allgemeine  Verfahren  der  Fettuntersuchung. 1 )
Für  sämtliche  im  nachfolgenden  beschriebenen  Verfahren  verwendet ­
  man  das  gereinigte,  wasserfreie,  klare  Fett.  Feste  Fette  werden
vorher  bei  möglichst  niedriger  Temperatur  geschmolzen  und  ebenso  wie
die  flüssigen  Fette,  sofern  diese  nicht  vollkommen  klar  sind  bezw.
heim  schwachen  Erwärmen  klar  werden,  durch  Filtrierpapier  filtriert.
Die  Verfahren  der  Untersuchung  zerfallen  in  physikalische  und  chemische.
A.  Physikalische  Untersuchungsverfahren,
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.
Die  spezifischen  Gewichte  der  Fette  und  öle  zeigen  durchweg  nur  sehr
geringe  Unterschiede  und  können  nur  in  den  seltensten  Fällen  zur  Unterscheidung
oder  Feststellung  der  Reinheit  eines  Fettes  dienen.
Bei  flüssigen  Fetten  geschieht  die  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes
mittels  des  Pyknometers  bei  15°  (vergl.  unter  Milch  S.  449).
Bei  festen  Fetten  bestimmt  man  das  spezifische  Gewicht  zweckmäßig  bei
100°  nach  dem  Verfahren  von  E.  Königs  oder  Wolkenhaar.
E.  Königs  füllt  zu  dem  Zweck  ein  weites  Eeagensrohr  mit  dem  klaren  Fett,
hängt  das  Rohr  bis  fast  zur  Mündung  in  ein  Wasserbad,  erhitzt  dieses  zum  Kochen
und  bestimmt  das  spezifische  Gewicht  mit  Hilfe  eines  eigens  konstruierten  Aräometers, ­
 2 )  welches  mit  einer  Skala  von  0,845—0,870  versehen  ist.
D  Soweit  die  Untersuchungsverfahren  der  auf  Grund  des  §12  des  Reichsgesetzes
hetr.  den  Verkehr  mit  Butter,  Käse,  Schmalz  und  deren  Ersatzmitteln  vom
15.  Juni  1897  vom  Bundesrate  erlassenen  „Anweisung  zur  chemischen  Untersuchung  von
Fetten  und  Käsen“  vom  1.  April  1898  (Zentrbl.  f.  d.  Deutsche  Reich  1898,  26,  201)  entnommen ­
  sind,  haben  wir  sie  durch  „Anführungszeichen“  mit  dem  Zusatz  „Margarine-Gesetz,“
  und  soweit  sie  der  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D  vom  30.  Mai  1902
zum  Reichsgesetz  betr.  die  Schlachtvieh-  und  Fleischbeschau  vom  3.  Juni  1900
(Beilage  zu  No.  22  [1902]  des  Zentrbl.  f.  d.  Deutsche  Reich)  entnommen  sind,  haben  wir
sie  durch  „Anführungszeichen“  mit  dom  Zusatz  „Fleischbeschau-Gesetz“  kenntlich  gemacht.
2 )  Die  Senkspindel  usw.  sind  zu  beziehen  von  C.  Gerhardt  in  Bonn.
        <pb n="541" />
        518

Speisefette  und  -öle.

Wolken  haar 1 )  hat  für  den  Zweck  die  Westphalsche  Wage  ahändern
lassen.
E.  Wollny 2 )  hat  ein  zwar  genaues  aber  umständliches  Verfahren  zur  Bestimmung ­
  des  spezifischen  Gewichtes  fester  Fette  hei  0  und  15°  beschrieben,  jedoch
sei  bei  der  geringen  Bedeutung  dieser  Bestimmung  für  die  Beurteilung  der  Fette
auf  die  Quelle  verwiesen.
Im  allgemeinen  liegt  bei  15—18°  das  spezifische  Gewicht  der  festen  Fette
zwischen  0.900—0,950,  das  der  fetten  öle  zwischen  0,910—0,930,  das  der  Mineralöle
zwischen  0,85—0,92,  das  der  Harzöle  zwischen  0,96—1,00.
2.  Bestimmung  des  Schmelz-  und  Erstarrungspunktes.
Über  die  Bedeutung  der  Bestimmung  des  Schmelz-  und  Erstarrungspunktes
für  den  Nachweis  von  Verfälschungen  gilt  im  allgemeinen  dasselbe  wie  für  die
Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.  Auch  sind  die  Ergebnisse  der  Schmelzpunkt-Bestimmung ­
  in  beträchtlichem  Maße  abhängig  von  dem  angewendeten  Verfahren. ­

Bei  flüssigen  Fetten  bestimmte  man  früher  vielfach  den  Schmelz-  und  Erstarrungspunkt ­
  der  Fettsäuren,  die  im  allgemeinen  auch  bei  festen  Fetten
kennzeichnender  sind,  als  die  der  Fette  selbst.  Die  Fettsäuren  können  nach  dem
weiter  unten  (S.  528)  beschriebenen  Hehnerschen  Verfahren  dargestellt  werden.
a)  „Zur  Bestimmung  des  Schmelzpunktes  wird  das  geschmolzene  (Butter-)
Fett  in  ein  an  beiden  Enden  offenes  dünnwandiges  Glasröhrchen  von  1 /. 2 —1  mm
Weite  von  U-Porm  aufgesaugt,  so  daß  die  Fettschicht  in  beiden  Schenkeln  gleich
hoch  steht.  Das  Glasröhrchen  wird  2  Stunden  auf  Eis  liegen  gelassen,  um  das
Fett  völlig  zum  Erstarren  zu  bringen.  Erst  dann  ist  das  Glasröhrchen  mit  einem
geeigneten  Thermometer  in  der  Weise  durch  einen  dünnen  Kautschuks.chlauch  zu
verbinden,  daß  das  in  dem  Glasröhrchen  befindliche  Fett  sich  in  gleicher  Höhe  wie
die  Queoksilberkugel  des  Thermometers  befindet.  Das  Thermometer  wird  darauf
in  ein  etwa  3  cm  weites  Probierröhrchen,  in  welchem  sich  die  zur  Erwärmung
dienende  Flüssigkeit  (Glyzerin)  befindet,  hineingebracht  und  die  Flüssigkeit  erwärmt.
Das  Erwärmen  muß,  um  jedes  Überhitzen  zu  vermeiden,  sehr  allmählich  geschehen.
Der  Augenblick,  da  das  Fettsäulchen  vollkommen  klar  und  durchsichtig  geworden,
ist  als  Schmelzpunkt  festzuhalten.“  (Margarine-Gesetz.)
b)  „Zur  Ermittelung  des  Erstarrungspunktes  bringt  man  eine  2—3  cm
hohe  Schicht  des  geschmolzenen  (Butter-)  Fettes  in  ein  dünnes  Probierröhrchen  oder
Kölbchen  und  hängt  in  dasselbe  mittels  eines  Korkes  ein  Thermometer  so  ein,  daß
die  Kugel  desselben  ganz  von  dem  flüssigen  Fette  bedeckt  ist.  Man  hängt  alsdann
das  Probierröhrchen  oder  Kölbchen  in  ein  mit  warmem  Wasser  von  40—50°  gefülltes ­
  Becherglas  und  läßt  allmählich  erkalten.  Die  Quecksilbersäule  sinkt  nach
und  nach  und  bleibt  bei  einer  bestimmten  Temperatur  eine  Zeitlang  stehen,  um
dann  weiter  zu  sinken.  Das  Fett  erstarrt  während  des  Konstantbleibens;  die  dabei
herrschende  Temperatur  ist  der  Erstarrungspunkt.
Mitunter  findet  man  bis  zum  Anfänge  des  Erstarrens  ein  Sinken  der  Quecksilbersäule ­
  und  alsdann  während  des  vollständigen  Erstarrens  wieder  ein  Steigen.
Man  betrachtet  in  diesem  Falle  die  höchste  Temperatur,  auf  welche  das  Quecksilber ­
  während  des  Erstarrens  wieder  steigt,  als  den  Erstarrungspunkt.“  (Margarine-Gesetz.)


*)  Repertorium  f.  analyt.  Chemie  1885,  II,  236.
2 )  Milchztg.  1888,  17,  549.
        <pb n="542" />
        Bestimmung  des  Schmelz-  und  Erstarrungspunktes.

519

c)  Für  die  zolltechnische  Bestimmung  des  Erstarrungspunktes  des  Talges,
der  schraalzartigen  Fette  —  ausgenommen  Schweine-  und  Gänseschmalz  —,  des
Stearins  (harter  Stearin-  und  Palmitinsäure-Gemische)  und  ähnlicher  Kerzenstoffe
dient  in  Deutschland  das  Verfahren  von  Finkener, 1 )  der  sich  des  nebenstehenden
Apparates  bedient,  dessen  Einrichtung  ohne  weiteres  verständlich  ist.  •
„Man  bringt  150  g  der  Durchschnittsprobe  des  zu  untersuchenden  Fettes  in
einer  unbedeckten  Porzellanschale  auf  einem  siedenden  Wasserbade  zum  Schmelzen,
läßt  sie  nach  dem  Eintritt  der  Schmelzung  mindestens  10  Minuten  oder  so  lange
auf  dem  siedenden  Wasserbade  stehen,  bis  das  geschmolzene  Fett  eine  vollständig
klare  Flüssigkeit  darstellt,  und  füllt  alsdann  aus  der  außen  abgetrockneten  Schale
Fett  in  das  Kölbchen  des  Apparates  (Fig.  259)  bis  zur  Marke.  Das  Kölbchen  stellt
man,  nachdem  der  Schliff,  wenn  nötig,  abgeputzt  und  das
Thermometer  eingesetzt  ist,  sofort  in  den  Kasten,  klappt  den
Deckel  desselben  zu  und  fängt,  wenn  das  Thermometer  auf
50°  gesunken  ist,  an,  den  Stand  desselben  mit  Zwischenräumen
von  2  Minuten  abzulesen  und  aufzuschreiben.
Bei  harten  Fetten  fängt  das  Thermometer  nach  einiger
Zeit  an,  langsamer  zu  fallen,  bleibt  mehrere  Minuten  stehen,
steigt  wieder,  erreicht  einen  höchsten  Stand  und  sinkt  abermals. ­
  Dieser  höchste  Stand  ist  der  Erstarrungspunkt.
Bei  weichen  Fetten  fängt  das  Thermometer  nach
einiger  Zeit  an,  langsamer  zu  fallen,  bleibt  mehrere  Minuten
auf  einem  sich  nicht  ändernden  Stand  stehen  und  sinkt  dann,
ohne  den  vorigen  dauernden  Stand  wieder  zu  erreichen.  Der
beobachtete  höchste,  sich  auf  einige  Zeit  nicht  ändernde  Stand
gibt  den  Erstarrungspunkt  an.
In  zweifelhaften  Fällen  ist  die  Bestimmung  des  Erstarrungspunktes ­
  in  der  Weise  zu  wiederholen,  daß  das  Fett
direkt  im  Kolben,  nachdem  man  das  Thermometer  herausgenommen ­
  hat,  durch  Einstellen  in  das  Heißwasserbad  abermals
geschmolzen  und  demnächst  nochmals  auf  seinen  Erstarrungspunkt ­
  geprüft  wird.
Eine  genaue  Regelung  der  Temperatur  des  Zimmers,
m  welchem  die  Untersuchung  vorgenommen  wird,  ist,  wenn
dieselbe  von  einer  gewöhnlichen  Zimmertemperatur  nicht  sehr
erforderlich.  Das  Äbkühlen  des  mit  einer  Temperatur  von
gebrachten  Fettes  auf  50°  dauert  etwa  8 / 4  Stunde.“

Fig.  259.
Vorrichtung  zur
Bestimmung  des  Erstarrungspunktes ­
  von
Talg.

stark  abweicht,  nicht
100°  in  den  Kolben

In  Frankreich,  England  und  Amerika  bestimmt  man  den  Erstarrungspunkt  der
Fettsäuren  („Titertest“)  nach  dem  Verfahren  von  Dalican. 2  *  * )  Nach  diesem  werden  100  g
des  Fettes  verseift  und  die  Fettsäuren  durch  Erwärmen  mit  verdünnter  Schwefelsäure  abgeschieden, ­
  mit  Wasser  wiederholt  ausgekocht,  nach  dem  Erstarren  mit  Filtrierpapier  oberflächlich ­
  abgetrocknet,  geschmolzen  und  durch  ein  trocknes  Faltenlilter  in  eine  Porzellanschale
  filtriert.  In  dieser  läßt  man  sie  erstarren  und  darauf  über  Nacht  im  Exsikkator
stehen.  Die  Fettsäuren  werden  dann  im  Luftbade  vorsichtig  geschmolzen  und  ein  16  cm
langes  und  3 1 / ä  om  weites  Eeagensrohr  etwa  bis  zu  2 / a  damit  gefällt.  Das  Rohr  wird  in
dem  Halse  einer  etwa  2  1  fassenden  Flasche  befestigt  und  ein  in  1 / 5 -Grade  geteiltes  Thermo-1

 )  Zentralbl.  f.  d.  Deutsche  Reich  1896,  54  n.  1900,  610;  auch  v.  Buchka,
Nahrungsinittelgesetzgebung,  1901,  71.
")  Vergl.  Benedikt-Ulzer,  Analyse  der  Fette  und  Wachsarten.  Berlin,  J.  Springer.
4-  Aufl.  1903,  126.
        <pb n="543" />
        520

Speisefette  und  -öle.

meter  so  angebracht,  daß  der  Qnecksilberkörper  sich  ungefähr  in  der  Mitte  der  geschmolzenen
Fettmasse  befindet.  Sobald  am  Boden  des  Gefäßes  das  Fett  zu  erstarren  beginnt,  wird  mit
dem  Thermometer  gleichmäßig  nach  rechts  und  nach  links  gerührt,  wobei  die  Pettmasse
durch  ausgeschiedene  Pettkristalle  undurchsichtig  wird.  Das  Thermometer  muß  während
dieser  Zeit  genau  beobachtet  und  die  Temperatur  in  kurzen  Zwischenräumen  aufgesohrieben
werden.  Sie  sinkt  erst  etwas,  steigt  dann  ziemlich  rasch  bis  zu  einem  Höchstpunkte,  hält
sich  auf  demselben  einige  Zeit  und  fällt  dann  wieder.  Der  so  erreichte  Höchstpunkt  ist
der  Erstarrungspunkt.
In  Österreich  bestimmt  man  den  Erstarrungspunkt  nach  dem  dem  Dalicansehen
ähnlichen  Verfahren  von  Wolfbauer, 1 )  bei  dem  aber  die  Fettsäuren  zwei  Stunden  bei
100°  getrocknet  werden.
Die  nach  Pinken  er  ermittelten  Erstarrungspunkte  sind  nach  Lewko  witsch  etwas
höher  als  die  nach  Dalican  bestimmten  und  die  nach  Wolfbauer  sich  ergebenden  liegen
noch  0,2—0,3°  höher  als  die  nach  Pinkener.
8.  Bestimmung  des  Brechungsindex  (Refraktometergrades).
Wenn  auch  die  Hoffnungen,  welche  man  auf  die  Ermittelung  des  Brechungsvermögens ­
  zur  Unterscheidung  der  Fette  gesetzt  hatte,  wegen  der  wechselnden
Zusammensetzung  der  einzelnen  Fette  und  der  geschickten  Fälschungen  unserer  Zeit
nicht  ganz  in  Erfüllung  gegangen  sind,  so  haben  doch  die  Refraktometer  zur  Bestimmung ­
  dieses  Brechungsvermögens  in  einigen  Fällen  eine  Bedeutung  gewonnen
und  darf  die  Bestimmung  des  Brechungsindex  bezw.  des  „Refraktometergrades“  als
das  einfachste  und  brauchbarste  Verfahren  zur  Vorprüfung  der  Fette  bezeichnet
werden.
Als  Refraktometer 2 )  für  allgemeine  Untersuchungen  sind  in  Gebrauch  das  von
Abbe,  Pulfrich,  Jean  und  Amagat,  während  das  unter  Mitwirkung  von
R.  Wollny  von  der  Firma  C.  Zeiß  in  Jena  hergerichtete  Butterrefraktometer
zwar  in  erster  Linie  zur  Prüfung  des  Kuhbutterfettes  auf  Reinheit  bestimmt  war,
aber  auch  bei  der  Prüfung  der  übrigen  Fette  wertvolle  Dienste  leistet  und  fast
allgemeine  Anwendung  findet.  Wir  beschränken  uns  daher  hier  lediglich  auf  die
Aufnahme  der  Beschreibung  dieses  Refraktometers  und  seiner  Anwendung  nach  der
amtlichen  „Anweisung  zur  chemischen  Untersuchung  von  Fetten  und  Käsen“ 3 )  vom
1.  April  1898  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter,  Käse,  Schmalz  und  deren
Ersatzmitteln  vom  15.  Juni  1897.  Die  nachfolgende  Anweisung  bezieht  sich  zunächst
auf  die  Untersuchung  des  Butterfettes.
*)  Vergl.  Benedikt-Ulzer,  Analyse  der  Fette  und  Wachsarten.  Berlin,  J.  Springer.
4.  Aufl.  1903,  126.
2 )  Die  Refraktometer  beruhen  alle  auf  demselben  Grundsatz;  Wenn  a  —  Einfallswinkel, ­
  ß  =  Brechungswinkel  bedeutet,  so  versteht  man  unter  Brechungsverhältnis,
Breohungsindex  oder  Brechungsexponent  n  den  Quotienten  aus  dem  Sinus  des  Einfallswinkels ­
  und  dem  Sinus  des  Brechungswinkels,  also  n  =
Wenn  das  Licht  aus  Luft  in  eine  bestimmte  Flüssigkeit  übergeht,  so  ist  dieses  Verhältnis ­
  immer  konstant;  wie  groß  auch  der  Einfallswinkel  (c)  sein  mag,  es  ändert  sich
nur  mit  der  Natur  der  Flüssigkeit  und  bildet  eine  kennzeichnende  Eigenschaft  derselben.
Geht  das  Licht  in  ein  stärker  brechendes  Medium  über,  so  entspricht  jedem  Einfallswinkel ­
  auch  ein  Brechungswinkel;  im  umgekehrten  Palle  vermag  bei  einem  bestimmten
Einfallswinkel  der  Lichtstrahl  nicht  mehr  in  das  dünnere  Medium  überzutreten,  sondern
wird  in  das  stärker  brechende  Medium  durch  Reflexion  zurückgeworfen,  d.  h.  bei  einem
bestimmten  Winkel  vermag  das  Licht  nicht  mehr  auszutreten,  es  tritt  Totalreflexion  ein.
3 )  Zentralbl.  f.  d.  Deutsche  Reich  1898,  26,  201;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs- ­
  und  Genußmittel  1898,  1.  439.
        <pb n="544" />
        Bestimmung  des  Brechungsindex  (Eefraktometergrades).

521

Bestimmung  des  Brechungsvermögens  mit  dem  Butterrefraktometer 1 )  der  Firma  Carl  Zeiß,
optische  Werkstätte  ln  Jena.
„Die  wesentlichen  Teile  des  Butterrefraktometers  (vergl.  Fig.  260,  S.  622)  sind  zwei  Glasprismen, ­
  die  in  den  zwei  Metallgehäusen  A  und  B  enthalten  sind.  Je  eine  Fläche  der  beiden
Glasprismen  liegt  frei.  Das  Gehäuse  B  ist  um  die  Achse  C  drehbar,  so  daß  die  beiden  freien
Glasflächen  der  Prismen  aufeinandergelegt  und  voneinander  entfernt  werden  können.  Die
beiden  Metallgehäuse  sind  hohl;  läßt  man  warmes  Wasser  hindurchfließen,  so  werden  die
Glasprismen  erwärmt.  An  das  Gehäuse  A  ist  eine  Metallhtilse  für  ein  Thermometer  M  angesetzt. ­
  dessen  Quecksilbergefäß  bis  in  das  Gehäuse  A  reicht.  K  ist  ein  Fernrohr,  in  dem
eine  von  0—100  eingeteilte  Skala  angebracht  ist;  J  ist  ein  Quecksilberspiegel,  mit  Hilfe
dessen  die  Prismen  und  die  Skala  beleuchtet  werden.

Zur  Erzeugung  des  für  die  Butterprüfung  erforderlichen  warmen  Wassers  kann  die
in  Fig.  261  (S.  622)  gezeichnete  Heizvorrichtung  dienen.  Der  einfache  Heizkessel  ist  mit  einem
gewöhnlichen  Thermometer  T x  und  einem  sogenannten  Thermoregulator  S x  mit  Gasbrenner  B x
versehen.  Der  Bohrstutzen  A x  steht  durch  einen  Gummischlauch  mit  einem  1 / 2 —1  m  höher
stehenden  Gefäße  C x  mit  kaltem  Wasser  (z.  B.  einer  Glasflasche)  in  Verbindung,  der  Gummischlauch ­
  trägt  einen  Schraubenquetschhahn  E x .  Vor  Anheizung  des  Kessels  läßt  man  ihn
durch  Öffnen  des  Quetschhahns  E,  voll  Wasser  fließen,  schließt  dann  den  Quetschhalm,  verbindet ­
  das  Sohlauehstfick  G,  mit  der  Gasleitung  und  entzündet  die  Flamme  bei  B x .  Durch
Drehen  an  der  Schraube  P x  regelt  man  den  Gaszufluß  zu  dem  Brenner  B x  ein  für  allemal
in  der  Weise,  daß  die  Temperatur  des  Wassers  in  dem  Kessel  40—45°  beträgt.  An  Stelle
der  hier  beschriebenen  Heizvorrichtung  können  auch  andere  Einrichtungen  verwendet
werden,  welche  eine  möglichst  gleichbleibende  Temperatur  des  Heizwassers  gewährleisten.
Palls  eine  Gasleitung  nicht  zur  Verfügung  steht,  behilft  man  sich  in  der  Weise,  daß  man
das  hochstehende  Gefäß  C x  mit  Wasser  von  etwa  46°  füllt,  dasselbe  durch  einen  Schlauch
unmittelbar  mit  dem  Sohlauchstücke  D  des  Kefraktometers  verbindet  und  das  warme  Wasser
durch  das  Prismengehäuse  fließen  läßt.  Wenn  die  Temperatur  des  Wassers  in  dem  hochstehenden ­
  Gefäße  Q,  bis  auf  40°  gesunken  ist,  muß  es  wieder  auf  die  Temperatur  von  45°
gebracht  werden.

Dem  Kefraktometer  werden  zwei  Thermometer  beigegeben;  das  eine  ist  ein  gewöhnliches, ­
  die  Wärmegrade  anzeigendes  Thermometer,  das  andere  hat  eine  besondere,  eigens
für  die  Prüfung  von  Butter  bezw.  Schweineschmalz  eingerichtete  Einteilung.  An  Stelle  der
Wärmegrade  sind  auf  letzterem  diejenigen  höchsten  Kefraktometerzahlen  aufgezeichnet,
welche  normales  Butterfett  bezw.  Schweineschmalz  erfahrungsgemäß  bei  den  betreffenden
Temperaturen  zeigen.  Da  die  Befraktometerzahlen  der  Fette  bei  steigender  Temperatur
kleiner  werden,  so  nehmen  die  Gradzahlen  des  besonderen  Thermometers,  im  Gegensätze
zu  den  gewöhnlichen  Thermometern,  von  oben  nach  unten  zu.
a)  Aufstellung  des  Kefraktometers  und  Verbindung  mit  der  Heizvorrichtung. ­
  Man  hebt  das  Instrument  aus  dem  zugehörigen  Kasten  heraus,  wobei  man
nicht  das  Fernrohr  K,  sondern  die  Fußplatte  anfaßt,  und  stellt  es  so  auf,  daß  man  bequem
in  das  Fernrohr  hineinschauen  kann.  Zur  Beleuchtung  dient  das  durch  das  Fenster  einfallende ­
  Tageslicht  oder  das  Licht  einer  Lampe.

Man  verbindet  das  an  dem  Prismeugchäuse  B  des  ^fraktometers  (Fig.  260Ungebrachte
SchlauchsttickD  mit  dom  Kohrstutzen  D.  des  Heizkessels;  glemhze'trg  schrebt  man  über  das
™  der  Metallhülse  des  Kefraktometers  angebrachte  Schlauchstuck  E  einen  'Qu™hlauch
den  man  zu  einem  tiefer  stehenden  leeren  Gefäß  oder  einem  Wasserablaufbecken  leitet
Man  öffnet  hierauf  den  Schraubenquetschhahn  E,  und  laßt  aus  dem  Gefeße  C  F  g.  261)
Wasser  in  den  Heizkessel  fließen.  Dadurch  wird  warmes  Wasser  durch  den  Rohrstutzen  D x
(Fig.  261)  und  mittels  des  Gummischlauchs  durch  das  Schlauchstuck  D  (Fig.  )
Prismengehäuse  B,  von  hier  aus  durch  den  in  der  ;  ^
dem  Prismengehäuse  A  gedrängt  und  fließt  durch  die  Metallhulse  des  Thermometers  M,

_  1 )  Neuerdings  (vergl,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1906.
15)  wird  an  dem  Butterrefraktometer  eine  Mikrometersohraube  (Fig.  260  G)  angebracht,
16  ein  genaueres  Ablesen  der  Kefraktometerzahlen  gestattet.
        <pb n="545" />
        522

Speisefette  und  -öle.

den  Stutzen  E  und  den  daran  angebrachten  Schlauch  ab.  Die  beiden  Glasprismen  und
das  Quecksilbergetäß  des  Thermometers  werden  durch  das  -warme  Wasser  erwärmt.
Durch  geeignete  Stellung  des  Quetschhahns  regelt  man  den  Wasserzufluß  zu  dem
Heizkessel  so,  daß  das  aus  E  austretende  Wasser  nur  in  schwachem  Strahle  ausfließt  und
daß  bei  Verwendung  des  gewöhnlichen  Thermometers  dieses  möglichst  nahe  eine  Temperatur
von  40°  anzeigt.

b)  Aufbringen  des  geschmolzenen
(Butter-)  Eettes  auf  die  Prismenfläohe
und  Ablesung  der  Refraktometerzahl.
Man  öffnet  das  Prismengehäuse  des  Refraktometers, ­
  indem  man  den  Stift  P  (Eig.  260)
etwa  eine  halbe  Umdrehung  nach  rechts  dreht,
bis  Anschlag  erfolgt;  dann  läßt  sich  die  eine
Hälfte  des  Gehäuses  (B)  zur  Seite  legen.  Die

Fig.  260.
Butterrefraktometer  von  Carl  Zeiß.

Fig.  261.
Heizvorrichtung.

Stütze  H  hält  B  in  der  in  Eigur  260  dargestellten  Lage  fest.  Man  richtet  das
Instrument  mit  der  linken  Hand  so  weit  auf,  daß  die  freiliegende  Eläche  des  Glasprismas  B
annähernd  horizontal  liegt,  bringt  mit  Hilfe  eines  kleinen  Glasstabs  drei  Tropfen  des
filtrierten  Butterfettes  auf  die  Prismenfläche,  verteilt  das  geschmolzene  Fett  mit  dem  Glasstäbchen ­
  so,  daß  die  ganze  Glasfläche  davon  benetzt  ist,  und  schließt  dann  das  Prismengehäuse ­
  wieder.  Man  drückt  zu  dem  Zwecke  den  Teil  B  an  A  an  und  führt  den  Stift  E
durch  Drehung  nach  links  wieder  in  seine  anfängliche  Lage  zurück;  dadurch  wird  der
Teil  B  am  Zurückfallen  verhindert  und  zugleich  ein  dichtes  Aufeinanderliegen  der  beiden
Prismenflächen  bewirkt.  Das  Instrument  stellt  man  dann  wieder  auf  seine  Bodenplatte
        <pb n="546" />
        Bestimmung  des  Brechungsindex  (Eefraktometergrades).

523

und  gibt  dem  Spiegel  eine  solche  Stellung,  daß  die  Grenzlinie  zwischen  dem  hellen  und
dunklen  Teile  des  Gesichtsfeldes  deutlich  zu  sehen  ist,  wobei  nötigenfalls  der  ganze  Apparat
etwas  verschoben  oder  gedreht  werden  muß.  Ferner  stellt  man  den  oberen  ausziehbaren
Teil  des  Fernrohrs  so  ein,  daß  man  die  Skala  scharf  sieht.
Nach  dem  Aufbringen  des  geschmolzenen  (Butter-)  Fettes  auf  die  Prismenfläche
wartet  man  etwa  3  Minuten  und  liest  dann  in  dem  Fernrohr  ab,  an  welchem  Teilstriche
der  Skala  die  Grenzlinie  zwischen  dem  hellen  und  dunklen  Teile  des  Gesichtsfeldes  liegt;
liegt  sie  zwischen  zwei  Teilstrichen,  so  werden  die  Bruchteile  durch  Abschätzen  ermittelt. x )
Sofort  hinterher  liest  man  das  Thermometer  ab.
1.  Bei  Verwendung  des  gewöhnlichen  Thermometers  sind  die  abgelesenen  Refraktouieterzahlen
  in  der  Weise  auf  die  Normaltemperatur  von  40°  umzurechnen,  daß  für  jeden
Temperaturgrad,  den  das  Thermometer  über  40°  zeigt,  0,65  Teilstriche  zu  der  abgelesenen
Refraktometerzahl  zuzuzählen  sind,  während  für  jeden  Temperaturgrad,  den  das  Thermometer
unter  40°  zeigt,  0,66  Teilstriche  von  der  abgelesenen  Refraktometerzahl  abzuziehen  sind,
2.  Bei  Verwendung  des  Thermometers  mit  besondererEinteilung  zieht  man  die
a n  dem  Thermometer  abgelesenen  Grade  von  der  in  dem  Fernrohr  abgelesenen  Refraktometerzahl ­
  ab  und  gibt  den  Unterschied  mit  dem  zugehörigen  Vorzeichen  an.  Wurde  z.  B.
lm  Fernrohre  die  Eefraktometerzahl  44,5,  am  Thermometer  aber  46,7°  abgelesen,  so  ist
die  Refraktometerdifferenz  des  Fettes  44,5  —  46,7  =  —  2,2. 2 )
Die  Refraktometerprobe  kann  nur  als  Vorprüfung  herangezogen  werden;  sie  hat  für
sich  allein  keinen  ausschlaggebenden  Wert.
c)  Reinigung  des  Refraktometers.  Nach  jedem  Versuche  müssen  die  Oberflächen ­
  der  Prismen  und  deren  Metallfassungen  sorgfältig  von  dem  Fette  gereinigt  werden.
Ries  geschieht  durch  Äbreiben  mit  weicher  Leinwand  oder  weichem  Piltrierpapier,  wenn
nötig,  unter  Benutzung  von  etwas  Äther.
d)  Prüfung  der  Refraktometerskala  auf  richtige  Einstellung.  Vor  dem
erstmaligen  Gebrauch  und  späterhin  von.  Zeit  zu  Zeit  ist  das  Refraktometer  daraufhin  zu
prüfen,  ob  nicht  eine  Verschiebung  der  Skala  stattgefunden  hat.  Hierzu  bedient  man  sich
der  dom  Apparate  beigegebenen  Normalfiüssigkeit. 3 )  Man  schraubt  das  zu  dem  Refraktometer ­
  gehörige  gewöhnliche  Thermometer  auf,  läßt  Wasser  von  Zimmertemperatur  durch
das  Prismengehäuse  fließen  (man  heizt  also  in  diesem  Falle  die  Heizvorrichtung  nicht  an),
bestimmt  iu  der  vorher  beschriebenen  Weise  die  Refraktometerzahl  der  Normalflüssigkeit  und
lest  gleichzeitig  den  Stand  des  Thermometers  ab.  Wenn  die  Skala  richtig  eingestellt  ist,  muß
( ie  Normalflüssigkeit  bei  verschiedenen  Temperaturen  folgende  Refraktometerzahlen  zeigen:

Bei  einer

Bei  einer

Bei  einer

Temperatur

Skalenteile

Temperatur

Skalenteile

Temperatur

Skalenteile

von

von

von

25°

71,2

19°

74,9

13°

78,6

24°

71,8

18°

75,5

12°

79,2

2&amp;lt;«

72,4

17°

76,1

ii°

79,8

22°

73.0

16°

76,7

10«

80,4

21«

73,6

15  0

77,3

9«

81,0

20«

74,3

140

77,9

8°

81,6

U  Vergl.  Anmerkung  1  S.  521.
2 )  Da  die  Refraktometerzahlen  der  Butter  aus  verschiedenen  Jahreszeiten  gewisse
mehr  oder  minder  gleichbleibende  Verschiedenheiten  zeigen,  hat  E.  Baier  (Zeitsohr.  f.
Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  1145)  ein  neues  Spezialthermometer ­
  von  der  Firma  Carl  Zeiß  in  Jena  herstellen  lassen,  welches  für  „Winterbutter“
(November  bis  Mai)  und  „Sommerbutter“  (Juni  bis  Oktober)  verschiedene  Einteilungen
besitzt.  Vergl.  unten  S.  561.
3 )  Dieselbe  ist  von  der  Firma  Carl  Zeiß  in  Jena  zu  beziehen.
        <pb n="547" />
        524

Speisefette  und  -öle.

Weicht  die  Eefraktometerzahl  hei  der  Versuchstemperatur  von  der  in  der  Tabelle
angegebenen  Zahl  ab,  so  ist  die  Skala  hei  der  seitlichen  kleinen  Öffnung  G  (Fig.  260)  mit
Hilfe  des  dem  Instrumente  beigegebenen  Urschlüssels  wieder  richtig  einzustellen.“
Bezüglich  der  Untersuchung  von  Schweinefett  sowie  der  übrigen  Speisefette ­
  und  öle  enthält  die  amtliche  „Anweisung“  noch  folgende  Bestimmungen;
a)  Bezüglich  des  Schweinefettes:  „Will  man  sich  hei  der  Bestimmung  des
Brechungsvermögens  eines  besonders  eingerichteten  Thermometers  bedienen,  so  muß
es  ein  solches  sein,  das  auch  für  das  Schweineschmalz  bestimmt  ist  und  eine  dementsprechende
Einteilung  besitzt.“
h)  Bezüglich  der  übrigen  festen  Speisefette:  „Bei  der  Bestimmung  der  Eefraktometerzahl ­
  muß  man  sich  des  gewöhnlichen  Thermometers  bedienen.“
c)  Bezüglich  der  Öle:  „Bei  der  Bestimmung  der  Eefraktometerzahl  muß  man  sich
des  gewöhnlichen  Thermometers  bedienen.  Die  Ablesung  ist  hier  häufig  erschwert  und
ungenau,  da  infolge  des  verschiedenen  Zerstreuungsvermögens  der  Öle  und  des  dadurch
hervorgerufenen  Auftretens  breiter  farbiger  Bänder  der  beleuchtete  und  unbeleuchtete  Teil
des  Gesichtsfeldes  nicht  durch  eine  scharfe  Linie  voneinander  getrennt  sind.  In  diesem
Palle  beleuchtet  man  die  Prismen  nicht  mit  dem  gemischten  Tages-  oder  Lampenlichte,
sondern  mit  einheitlichem  Lichte,  z.  B.  dem  einer  Natriumflamme.
Als  Normaltemperatur  für  die  Bestimmung  des  Brechungsvermögens  der  Öle  gilt  die
Temperatur  von  25°.  Man  stellt  bei  der  Untersuchung  der  Öle  den  Thermoregulator  des
Heizkessels  so  ein,  daß  das  Thermometer  des  Eefraktometers  möglichst  nahe  eine  Temperatur
von  25°  anzeigt.  Die  Umrechnung  der  bei  abweichenden  Temperaturen  abgelesenen  Eefraktometerzahlen
  auf  die  Normaltemperatur  von  25°  erfolgt  nach  denselben  Grundsätzen  wie  hei
dem  Butterfette.“
Es  empfiehlt  sich,  die  Spezialthermometer  von  Zeit  zu  Zeit  durch  Vergleich
mit  einem  Normalthermometer  auf  ihre  Richtigkeit  zu  prüfen.  Der  Nullpunkt
des  Spezialthermometers  für  Butter  muß  der  Eefraktometerzahl  44,2  und  der  des
Spezialthermometers  für  Schweinefett  der  Eefraktometerzahl  50,7  bei  40°  entsprechen.
Dem  neuen  Spezialthermometer 1 )  für  Winter-  und  Sommerhutter  liegen  die
Refraktometerzahlen  43  hei  Winterhutter  (November—Mai)  und  45  hei  Sommerbutter
(Juni—Oktober)  als  Nullpunkte  zugrunde.
K.  Farnsteiner 2 )  hat  neuerdings  mit  Recht  empfohlen,  die  Spezialthermometer
  überhaupt  fallen  zu  lassen  und  stets  die  Normalthermometer  zu  verwenden,
auf  denen  aber,  ähnlich  wie  beim  Zeißschen  Milchfettrefraktometer  (vergl.  S.  465),
neben  der  Temperatur  auf  der  anderen  Seite  eine  Korrektionsskala  angebracht  ist,
mittels  welcher  die  beobachteten  Eefraktometerzahlen  auf  die  Normaltemperaturen
25  und  40°  reduziert  werden  können.
Der  Skalenteil  0  des  Zeißschen  Butterrefraktometers  (=100°  des  Zeißschen
Milohfettrefraktometers,  vergl.  oben  S.  464)  entspricht  dem  Brechungsindex  n D  =■•  1,4220
und  der  Skalenteil  100  dem  Brechungsindex  n D  =  1,4895.
Der  Vergleich  zwischen  Refraktometergraden  und  Brechungsindex  wird  durch
die  nachfolgende  Tabelle 8 )  ermöglicht:

Vergl.  B.  Baier,  Erfahrungen  über  die  refraktometrische  Prüfung  von  Butter
und  über  ein  neues  Spezialthermometer  zum,  Butter-Eefraktometer  (Zeitschr.  f.  Untersuchung
d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  1145).
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,,8,  407.  Der  Korrektionsskala ­
  dieses  Thermometers,  welches  von  der  Firma  Carl  Zeiß  in  Jena  geliefert  wird,  liegt
der  Wert  0,55  für  1°  Temperaturdifferenz  zugrunde.
3 )  Vergl.  G,  Baumert,  Das  Butter-Eefraktometer  (Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  9,  134.
        <pb n="548" />
        Bestimmung  der  Polarisation.

525

Skalenteil  ...  0  10  20  30  40  50  60  70  80  90  100
Brechungsindex
  (n D )  .  1,4220  1,4300  1,4377  1,4452  1,4624  1,4593  1,4659  1,4723  1,4783  1,4840  1,4895
+.  8,0  7,7  7,5  7,2  6,9  6,6  6,4  6,0  5,7  5,5
Über  die  Höhe  der  Refraktometerzahlen  vergl,  die  tabellarische  Übersicht ­
  S.  542—545.  Bei  der  Würdigung  der  Refraktometerzahlen  ist  ferner  noch
zu  berücksichtigen,  dass  dieselben  mit  dem  Alter  der  Fette  und  Öle  (bezw.  infolge
von  Oxydation  überhaupt)  nicht  unwesentlich  zunehmen.

4.  Bestimmung  der  Polarisation.
Das  polarimetrische  Verhalten  der  Fette  und  Öle  ist  im  allgemeinen  nur  von
geringer  Bedeutung.  Die  meisten  Pflanzenöle  drehen  (wahrscheinlich  infolge  ihres
Gehaltes  an  Phytosterin)  schwach  links,  Sesamöl  dagegen  zeigt  (infolge  seines
Sesamingehaltes)  eine  stärkere  Rechtsdrehung;  Olivenöl  zeigt  ebenfalls  geringe  Rechtsdrehung. ­

Stärkere  Rechtsdrehung  dagegen  zeigen  Rizinusöl,  Krotonöl  und  Harzöl,
pie  polarimetrische  Untersuchung  kann  daher  namentlich  zum  Nachweis  von  Harzöl
ln  anderen  Ölen,  z.  B.  Leinöl,  verwendet  werden.
Von  Bishop,  Peter,  Croliley  und  Le  Sueur  u.  a. 1 )  wurden,  auf  Kreisgrade
  im  200  mm-Rohr  umgerechnet, 2 )  folgende  Polarisationen  erhalten:

Olivenöl  .
Süßmandelöl
Eüböl  .  .
Erdnußöl.
Nußöl  .  .
Mohnöl  .
Leinöl
Sesamöl  .
Rizinusöl
Krotonöl  .  .
Harzöl

\  -0,13°  (Bishop),
'  ^  schwach  rechts  (andere).
—  0,15°  (Bishop).
f  —0,35  bis  —0,46°  (Bishop),
'  )  —0,08  bis  —0,17°  (Croßley  u.  Sueur).
]  -0,09°  (Bishop),
'  |  —0,12  bis  +0,40°  (Croßley  u.  Sueur).
.  —0,07°  (Bishop).
/  +  0°  (Bishop),
'  \  +  0  bis  +0,07°  (Croßley  u.  Sueur).
(  —0,07°  (Bishop),
'  |  +0,1°  (Croßley  u.  Sueur).
(  +0,67  bis  +1,95°  (Bishop),
’  \  +  1,03  bis  +  1,42°  (Sprinkmeyer  u.  Wagner).
+  12,82°  (Peter).
+  9,32°  (Peter).
+  60  bis  +80°  (Valenta).

,  „  ,  .  + . AT1  vlinnen  die  öle,  soweit  sie  hinreichend
Zur  Bestimmung  der  I  olansation  +  w  müssen  sorgfältig  filtriert
klar  und  hell  sind,  direkt  verwendet  werdem  er ™ ock ner  Tierkohle  entfärbt  werden.
und  zu  dunkle  mit  geringen  Mengen  *  sowie  feste  Fette  werden
öle,  welche  hierbei  nicht  hinreichend  klar  nnü  i
mit  Petroläther  verdünnt,  bezw.  darin  gelöst.

■)  Nach  Benedikt-Dlcer,  A..1,»  te
Springer,  4.  Aufl.  1903,  506,  und  J.  Lewkowitsch  Chemische  lechnologie  ^
der  Öle,  Fette  und  Wachse,  Braunschweig,  Fnedr.  t  icweg  _  -  s&amp;lt;icchar i me ter
=)  Die  Umrechnungen  sind  unter  Zugrundelegung  des  Faktors.  1  Sacchan
nach  Laurent  =  0,2167  Kreisgrade  erfolgt.
        <pb n="549" />
        526

Speisefette  und  -öle.

B.  Chemische  Untersuchungsverfahren.
1.  Bestimmung  der  freien  Fettsäuren  (des  Säuregrades)  und  des  Neutralfettes.
a)  Bestimmung  der  freien  Fettsäuren  (des  Säuregrades).  „5—10  g
(Butter-)  Fett  werden  in  30—40  ccm  einer  säurefreien  Mischung  gleicher  ßaumteile
Alkohol  und  Äther  gelöst  und  unter  Verwendung  von  Phenolphthalein  (in  1  °/ 0 -iger
alkoholischer  Lösung)  als  Indikator  mit  X i  10  Normal-Alkalilauge  titriert.  Die  freien
Fettsäuren  werden  in  Säuregraden  ausgedrückt.  Unter  Säuregrad  eines  Fettes
versteht  man  die  Anzahl  Kubikzentimeter  Nor  mal-Alkali,  die  zur  Sättigung  von
100  g  Fett  erforderlich  sind.“  (Margarine-Gesetz.)
Palls  sich  während  der  Titration  ein  Teil  des  Fettes  unlöslich  ausscheidet,  so  setzt
man  neue  Mengen  des  Lösungsgemisches  hinzu  und  führt  darauf  die  Titration  zu  Ende.
Vielfach  berechnet  man  den  Gehalt  an  freien  Fettsäuren  auch  auf  Ölsäure.  1  ccm
1 / 10  Normal-Alkalilauge  entspricht  0,0282  g  Ölsäure.
Enthält  ein  Öl  noch  von  der  Reinigung  her  etwa  freie  Mineralsäureu,  so  lassen
sich  dieselben  bestimmen,  indem  man  das  Öl  mit  Wasser  ausschüttelt,  die  wässerige  Schicht
von  dem  Öl  trennt  und  titriert.
h)  Bestimmung  des  Neutralfettes.  Man  neutralisiert,  wie  vorhin  angegeben, ­
  in  der  alkoholischen  Lösung  von  1—2  g  Fett  durch  Titration  die  freien
Fettsäuren,  verdünnt  mit  dem  gleichen  Volumen  Wasser  und  schüttelt  wiederholt
mit  Petroläther  aus.  Der  nach  dem  Abdestillieren  des  Petroläthers  verbleibende
Rückstand  wird  als  Neutralfett  gewogen.
2.  Bestimmung  der  Verseifungszahl  (der  Köttstorferschen  Zahl).
Die  Verseifungszahl  gibt  an,  wieviel  Milligramm  Kaliumhydroxyd
zur  Verseifung  von  1  g  Fett  erforderlich  sind.
„Man  wägt  1—2  g  (Butter-)  Fett  in  einem  Kölbchen  aus  Jenaer  Glas  von
150  ccm  Inhalt  ab,  setzt  25  ccm  einer  annähernd  1 / 2  normalen  alkoholischen  Kalilauge ­
  hinzu,  verschließt  das  Kölbchen  mit  einem  durchbohrten  Korke,  durch  dessen
Öffnung  ein  76  cm  langes  Kühlrohr  aus  Kaliglas  führt.  Man  erhitzt  die  Mischung
auf  dem  kochenden  Wasserbade  15  Minuten  lang  zum  schwachen  Sieden.  Um  die
Verseifung  zu  vervollständigen,  ist  der  Kolbeninhalt  durch  öfteres  Uraschwenken,
jedoch  unter  Vermeidung  des  Verspritzens  an  den  Kühlrohrverschluß,  zu  mischen.
Das  Ende  der  Verseifung  ist  daran  zu  erkennen,  daß  der  Kolbeninhalt  eine  gleichmäßige, ­
  vollkommen  klare  Flüssigkeit  darstellt,  in  der  keine  Fetttröpfchen  mehr
sichtbar  sind.  Man  versetzt  die  vom  Wasserbade  genommene  Lösung  mit  einigen
Tropfen  alkoholischer  Phenolphthaleinlösung  und  titriert  die  noch  heiße  Seifenlösung ­
  sofort  mit  1 / 2  Normalsalzsäure  zurück.  Die  Grenze  der  Neutralisation  ist
sehr  scharf;  die  Flüssigkeit  wird  beim  Übergang  in  die  saure  Reaktion  rein  gelb
gefärbt.
Bei  jeder  Versuchsreihe  sind  mehrere  blinde  Versuche  in  gleicher  Weise,  aber
ohne  Anwendung  von  Fett  auszuführen,  um  den  Wirkungswert  der  alkoholischen
Kalilauge  gegenüber  der  1 / 2  normalen  Salzsäure  festzustellen.
Aus  den  Versuchsergebnissen  berechnet  man,  wieviel  Milligramm  Kaliumhydroxyd ­
  erforderlich  sind,  um  genau  1  g  des  Butterfettes  zu  verseifen.  Dies  ist
die  Verseifungszahl  oder  Köttstorfersche  Zahl  des  (Butter-)  Fettes.“  (Margarine-Gesetz.)

Beispiel;  Angenommen,  es  seien  angewendet  1,7955  g  Butterfett,  die  zur  Verseifung
zugesetzten  25,0  ccm  Kalilauge  entsprächen  23,5  ccm  Salzsäure,  1  ccm  Salzsäure  neutralisiere
genau  28,1  mg  Kaliumhydroxyd  und  es  seien  8,9  com  Salzsäure  zur  Neutralisation  des
nach  der  Verseifung  noch  vorhandenen  freien  Kaliumhydroxyds  erforderlich  gewesen.
        <pb n="550" />
        Bestimmung  der  Reichert-Meißlschen  Zahl.

527

Alsdann  sind  23,5  —  8,9  =  14,6  ccm  Salzsäure  entsprechende  Mengen  Kaliumhydroxyd  zur
Verseifung  des  angewendeten  Fettes  erforderlich  gewesen  und  es  berechnet  sich  daher  die
Verseifungszahl  (V)  nach  der  Gleichung;

14,6x28,1
1,7955

228,5.

Zur  Erlangung  genauer  Verseifungszahlen  ist  ein  sehr  sorgfältiges  Abmessen  der
Kalilauge  und  Salzsäure  unbedingtes  Erfordernis.
Bei  dunklen  und  ranzigen  Fetten,  welche  letzteren  bei  der  Verseifung  eine  dunkelbraune ­
  Farbe  annehmen,  kann  mau  die  Lösung  vor  der  Titration  zweckmäßig  mit  etwa
50  ccm  neutralisiertem  Alkohol  verdünnen  oder  nach  de  Negri  und  Fabris  als  Indikator
Alkaliblau  6B  (der  Höchster  Farbwerke)  anweuden. 1 )

Zur  Herstellung  der  alkoholischen  Kalilauge  werden  nach  einem  Vorschläge
von  Henriques  30  g  gepulvertes  reinstes  Kaliumhydroxyd  mit  1  1  reinstem
95  °/ 0 -igem  Alkohol  am  Eückflußkühler  bis  zur  Lösung  gekocht  und  die  Lösung
nach  24-stündigem  Stehen  filtriert.
Von  anderer  Seite  ist  vorgeschlagen  worden,  40  g  Kaliumhydroxyd  in  1  1
Alkohol  zu  lösen;  in  diesem  Falle  können  etwas  größere  Fettmengen  (2—2,5  g)
angewendet  werden.

3.  Bestimmung  der  Keichert-Meißlschen  Zahl.
Die  Reiche  rt-Meißls-che  Zahl  gibt  diejenige  Anzahl  ccm  l / 10  Normallauge
  an,  welche  zur  Neutralisation  der  aus  5  g  geschmolzenem  und
filtriertem  Fett  unter  bestimmten,  unten  beschriebenen  Bedingungen
ahdestillierten  flüchtigen,  wasserlöslichen  Fettsäuren  erforderlich  sind.
Bei  der  Bestimmung  der  Reichert-Meißlschen  Zahl  verwendete  man  früher
alkoholische  Laugen  zur  Verseifung.  Da  diese  Verfahren  mit  mancherlei  Fehlerquellen ­
  behaftet  sind,  wird  von  ihrer  Aufführung  hier  abgesehen,  zumal  das  Verseifungsverfahren ­
  nach  Leffraann  und  Beam 2 )  mit  Glyzerin-Natronlauge  zuverlässigere ­
  Ergebnisse  liefert  und  in  der  Ausführung  einfacher  ist.  Dieses  Verfahren
ist  daher  vor  allen  anderen  zur  Bestimmung  der  Reichert-Meißlschen  Zahl  zu
empfehlen.  Man  verfährt  (nach  der  amtlichen  „Anweisung“  zum  Margarine-Gesetz)
folgendermaßen:
„  Zu  genau  5  g  Butterfett  gibt  man  in  einem  Kölbchen  von  etwa
300  ccm  Inhalt  20  g  Glyzerin  und  2  ccm  Natronlauge  (erhalten  durch  Auflösen
von  100  Gewichtsteilen  Natriumhydroxyd  in  100  Gewichtsteilen  W  asser,  Absetzenlassen ­
  des  Ungelösten  und  Abgießen  der  klaren  Flüssigkeit).  Die  Mischung  wird
unter  beständigem  ümschwenken  über  einer  kleinen  Flamme  erhitzt  ;  sie  gerät  alsbald ­
  ins  Sieden,  das  mit  starkem  Schäumen  verbunden  ist.  Wenn  das  Ai  asser
verdampft  ist  (in  der  Regel  nach  5—8  Minuten),  wird  die  Mischung  vollkommen
klar;  dies  ist  das  Zeichen,  daß  die  Verseifung  des  Fettes  vollendet  ist.  Man  erhitzt
noch  kurze  Zeit  und  spült  die  an  den  Wänden  des  Kolbens  haftenden  Teilchen
durch  wiederholtes  Umschwenken  des  Kolbeninhaltes  ah.  Dann  läßt  man  die
flüssige  Seife  auf  etwa  80—90°  abkühlen  und  wägt  90  g  Wasser  von  etwa
8 °—90°  hinzu. 8 )  Meist  entsteht  sofort  eine  klare  Seifenlösung,  anderenfalls  bringt
*)  Vergl.  Benedikt-Ulzer,  Analyse  der  Fette  und  Wachsarten.  Berlin,  Julius
Springer.  4.  Aufl,  1903,  173.
2 )  Analyst  1891,  10,  153;  vergl.  auch  W.  Karsch,  Chem.-Ztg.  1896,  20,  607.
3 )  Ebenso  zweckmäßig  und  wesentlich  einfacher  ist  es,  90  ccm  kaltes,  fiisch  ausgekochtes
  Wasser  zuzusetzen.  Man  hüte  sich  aber,  das  Wasser  in  den  Kolben  zu  geben,
ehe  der  Inhalt  hinreichend  abgekühlt  ist,  da  anderenfalls  die  Flüssigkeit  unter  Umständen
mit  großer  Heftigkeit  aus  dem  Kolben  herausgeschleudert  wird.
        <pb n="551" />
        528

Speisefette  und  -öle.

inan  die  abgeschiedenen  Seifenteile  durch  Erwärmen  auf  dem  Wasserhade  in  Lösung.
Man  versetzt  die  Seifenlösung  —  nach  Zugabe  einiger  erbsengroßen  Bimssteinstücken
  —  mit  50  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  (25  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure ­
  im  Liter  enthaltend)  und  verfährt  weiter  wie  bei  der  Verseifung  mit  alkoholischem ­
  Kali.“
„Der  auf  ein  doppeltes  Drahtnetz  gesetzte  Kolben  wird  darauf  sofort  mittels
eines  schwanenhalsförmig  gebogenen  Glasrohrs  (von  20  cm  Höhe  und  6  mm  lichter
Weite),  welches  an  beiden  Enden  stark  abgeschrägt  ist,  mit  einem  Kühler  (Länge
des  vom  Wasser  umspülten  Teiles  nicht  unter  50  cm)  verbunden  und  sodann  werden
genau  110  ccm  Flüssigkeit  abdestilliert  (Destillationsdauer  nicht  Uber  1 / 2  Stunde).
Das  Destillat  mischt  man  durch  Schütteln,  filtriert  durch  ein  trocknes  Filter  und
mißt  100  ccm  ab.  Diese  werden  nach  Zusatz  von  3  bis  4  Tropfen  Phenolphthaleinlösung ­
  mit  1 / 10  Normal-Alkalilauge  titriert.  Der  Verbrauch  wird  durch  Hinzuzählen
des  zehnten  Teiles  auf  die  Gesamtmenge  des  Destillats  berechnet.  Bei  jeder  Versuchsreihe ­
  führt  man  einen  blinden  Versuch  aus.“  —  Hierbei  werden  die  gleichen
Mengen  der  Eeagentien  wie  beim  Hauptversuch  verwendet  und  auch  im  übrigen
wird  wie  bei  diesem  verfahren.  —  „Die  bei  dem  blinden  Versuche  verbrauchten
Kubikzentimeter  1 / 10  Normal-Alkalilauge  werden  von  den  bei  dem  Hauptversuche
verbrauchten  abgezogen.  Die  so  erhaltene  Zahl  ist  die  Eeichert-Meißlsche  Zahl.
Die  alkoholische  Kalilauge  genügt  den  Anforderungen,  wenn  bei  dem  blinden  Versuche ­
  nicht  mehr  als  0,4  ccm  1 / 10  Normal-Alkalilauge  zur  Sättigung  von  110  ccm
Destillat  verbraucht  werden.“
Beispiel:  Angenommen,  man  habe  bei  genau  5  g  angewendetem  Butterfett  zur
Titration  26,0  ccm  1 / 10  Normal-Alkali  lauge  verbraucht  und  der  blinde  Versuch  habe  0,2  ccm
1 j 10  Normal-Alkalilauge  ergeben,  so  erhält  man  die  Beichert-Meißlsohe  Zahl  (E)  nach  der
einfachen  Gleichung
K  =  26,0  -)-  —  0,2  —  28,4.
4.  Bestimmung  der  wasserunlöslichen  und  -löslichen  Fettsäuren,  sowie
ihrer  mittleren  Molekulargewichte;  Trennung  der  flüssigen  und  festen  Fettsäuren.
a)  Bestimmung  der  (wasser-)  unlöslichen  Fettsäuren  (der  Hehnerschen
  Zahl).  Die  Hehnersche  Zahl  gibt  die  Ausbeute  an  in  Wässer  unlöslichen ­
  Fettsäuren  einschl.  des  „Unverseifbaren“  an,  welche  100  Teile
Fett  liefern.
Wenngleich  dieser  Zahl  eine  praktische  Bedeutung  zum  Nachweise  von  Verfälschungen ­
  heute  nicht  mehr  zukommt,  so  ist  doch,  abgesehen  von  der  quantitativen
Bestimmung,  die  Art  der  Ausführung  dieses  Verfahrens  für  manche  Fettuntersuchungen
(Bestimmung  des  Schmelz-  und  Erstarrungspunktes,  des  Molekulargewichtes,  der
Jodzahl  usw.  der  Fettsäuren)  vielfach  empfehlenswert.  Aus  diesem  Grunde  soll  das
Verfahren  hier  nach  der  amtlichen  Anweisung  zum  Margarine-Gesetz  beschrieben
werden;
„3—4  g  Fett  werden  in  einer  Porzellanschale  von  etwa  ,10  cm  Durchmesser
mit  1—2  g  Ätznatron  und  50  ccm  Alkohol  versetzt  und  unter  öfterem  Umrühren
auf  dem  Wasserbade  erwärmt,  bis  das  Fett  vollständig  verseift  ist.  Die  Seifenlösung ­
  wird  bis  zur  Sirupdicke  verdampft,  der  Eückstand  in  100—150  ccm  Wasser
gelöst-  und  mit  Salzsäure  oder  Schwefelsäure  angesäuert.  Man  erhitzt,  bis  sich  die
Fettsäuren  als  klares  Öl  an  der  Oberfläche  gesammelt  haben,  und  filtriert  durch  ein
vorher  bei  100°  getrocknetes  und  gewogenes  Filter  aus  sehr  dichtem  Papiere.  Um
ein  trübes  Durchlaufen  der  Flüssigkeit  zu  vermeiden,  füllt  man  das  Filter  zunächst
        <pb n="552" />
        Bestimmung  der  wasserunlöslichen  und  -löslichen  Fettsäuren  usw.

529

zur  Hälfte  mit  heißem  Wasser  an  und  gießt  erst  dann  die  Flüssigkeit  mit  den  Fettsäuren ­
  darauf.  Man  wäscht  mit  siedendem  Wasser  bis  zu  2  1  Waschwasser  aus,
wobei  man  stets  dafür  sorgt,  daß  das  Wasser  nicht  vollständig  abläuft.
Nachdem  die  Fettsäuren  erstarrt  sind,  werden  sie  samt  dem  Filter  in  ein
Wägegläschen  gebracht  und  bei  100°  bis  zum  beständigen  Gewichte  getrocknet  oder
in  Äther  gelöst,  in  einem  tarierten  Kölbchen  nach  dem  Abdestillieren  des  Äthers
getrocknet  und  gewogen.  Aus  dem  Ergebnisse  berechnet  man,  wieviel  Gewichtsteile ­
  unlösliche  Fettsäuren  in  100  Gewichtsteilen  Fett  enthalten  sind,  und  erhält  so
die  Hehnersche  Zahl.“
Zur  Verseifung  kann  man  natürlich  auch  Ätzkali  statt  des  Ätznatrons  verwenden.
Wenn  weitere  Untersuchungen  mit  den  Fettsäuren  angestellt  werden  sollen,  so  wendet
man  entsprechend  größere  Substanzmengen  an;  ferner  ist  es,  um  eine  Veränderung  der
Fettsäuren  zu  verhüten,  unter  Umständen  z.  B.  für  Jodzahl-Bestimmungen  erforderlich,
die  ausgewaschenen  Fettsäuren  in  Äther  zu  lösen,  den  Äther  im  Kohlensäurestrome  auf
dem  Wasserbade  zu  verdunsten  und  den  Rückstand  auch  im  Kohlensäurestrome  bis  zur
Gewichtsbeständigkeit  zu  trocknen.
Zur  Bestimmung  der  sog.  Neutralisationszahl  der  Fettsäuren,  worunter  die
Milligramm  Kaliumhydroxyd  verstanden  werden,  die  zur  Neutralisation  vou  1  g  der  Fettsäuren ­
  erforderlich  sind,  löst  man  3—5  g  Fettsäuren  in  60—100  ccm  neutralisiertem  Alkohol
und  titriert  unter  Verwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator  mit  1 / 10  Normal-Alkalilauge.
Die  Neutralisationszahlen  der  Fettsäuren  müssen,  sofern  wasserlösliche  Fettsäuren
m  nennenswerter  Menge  nicht  vorhanden  sind,  theoretisch  etwas  höher  liegen,  als  die  Verseifungszahlen ­
  der  Fette  selbst.
Aus  den  Neutralisationszahlen  (N)  kann  man  das  mittlere  Molekulargewicht  (M)
der  Fettsäuren  unter  Berücksichtigung  des  Molekulargewichts  des  Kaliumhydroxyds  (66,14)
und  der  Fettmengen,  auf  welche  sich  die  Neutralisationszahl  bezieht  (1  g  =  1000  mg),  berechnen ­
  nach  der  Formel:
M  :  56,14  =  1000  ;  N  oder  M  =  ? 6 *~.
N
Nach  Tortelli  und  Pergami 1 )  erhält  man  bei  den  Fettsäuren  —  mit  Ausnahme
der  Stearinsäure  —  etwas  höhere  Werte,  wenn  man  die  Verseifungszahl  (vergl.  S.  526)
bestimmt,  als  wenn  man  nur  die  Neutralisationszahl  bestimmt,  und  zwar  sollen  diese  Unterschiede ­
  infolge  Bildung  innerer  Anhydride  oder  Laktone  um  so  größer  sein,  je  älter  die
hettsäuren  sind.  Dementsprechend  sind  dann  auch  natürlich  die  mittleren  Molekulargewichte ­
  um  so  kleiner,  wenn  man  sie  aus  der  Verseifungszahl  berechnet,  als  wenn  man
® le  uns  der  Neutralisationszahl  ableitet.  J.  Lewkowitsch 2 )  ist  auf  Grund  seiner  Versuche
der  Ansicht,  daß  diese  Angaben  von  Tortelli  und  Pergami  zwar  in  vielen  Fällen  zutreffend ­
  sind,  aber  z.  Zt.  noch  nicht  als  allgemein  gültige  Regel  angenommen  werden
können.
b)  Bestimmung  des  Molekulargewichts  der  flüchtigen  wasserüslichen
  und  der  nichtflüchtigen  wasserunlöslichen  Fettsäuren.  Hierfür
kaoen  R.  He  nriques 8 ),  K.  Farnsteiner 4 ),  A.  Juckenack 6 )  und  neuerdings
*)  Chem.  Revue  d.  Fett-  u.  Harz-Industrie  1902,  9,  182.
■tj  )  J-  Lewkowitsch,  Chemische  Technologie  u.  Analyse  der  Öle,  Fette  u.  Wachse,
raunsohweig,  p r .  Vieweg  &amp;amp;  Sohn,  1905,  1,  369,
,  w  Chem.  Revue  d.  Fett-  u.  Harz-Industrie  1898,  5,  169;  Zeitschr.  f.  Untersuchung
■  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  386.
j  , T  Ö  Chem.  Revue  d.  Fett-  u.  Harz-Industrie  1898,  5,  195;  Zeitschr.  f.  Untersuchung
•  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  386.
d  tv  i  Cllem -  Levue  d.  Fett-  u.  Harz-Industrie  1899,  6,  112;  Zeitschr.  f.  Untersuchung
•  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  8,  112.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  34
        <pb n="553" />
        530

Speisefette  und  -öle.

A.  Juckenack  und  E.  Pasternack 1 )  Verfahren  beschrieben,  auf  die  hier  nur
verwiesen  werden  kann.
c)  Trennung  der  flüssigen  von  den  festen  Fettsäuren.  Hierzu  eignet
sich  nach  J.  Lewkowitsch  am  besten  das  Verfahren  von  Tortelli  und  Ruggeri, 2 )
welches  in  folgender  Weise  ausgeführt  wird:
20  g  der  Probe  werden  mit  15  ccm  einer  50  °/ 0 -igen  Kalilauge  und  45  ccm
95  °/ 0 -igen  Alkohols  verseift.  Der  Überschuß  der  Kalilauge  wird  mit  Essigsäure
unter  Anwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator  neutralisiert.  Alsdann  werden
300  ccm  einer  7  °/ 0 -igen  Bleiacetatlösung  zum  Sieden  erhitzt  und  die  Seifenlösung
in  einem  dünnen  Strahl  unter  fortwährendem  Umschwenken  hineingegossen.  Der
Kolben  wird  in  kaltes  Wasser  eingesenkt  und  darin  unter  fortwährendem  Schütteln
etwa  10  Minuten  lang  gehalten.  Wenn  die  Uberstehende  Flüssigkeit  klar  geworden
ist,  wird  sie  abgegossen  und  die  Bleiseife  dreimal  mit  200  ccm  warmem,  nicht
siedendem  Wasser  gewaschen.  Man  läßt  die  Seife  abktihlen  und  nimmt  etwa  anhängende ­
  Wassertröpfchen  mittels  eines  Filtrierpapierröllchens  ab.  Alsdann  werden
220  ccm  Äther  in  den  Kolben  gegossen,  die  Masse  wird  gut  durchgeschüttelt  und
der  Kolben  20  Minuten  lang  auf  dem  Wasserbade  erwärmt,  bis  der  Äther  schwach
siedet.  Während  dieser  Zeit  schwenkt  man  den  Kolben  öfters  um,  um  alle
Seifenteilchen  von  den  Wänden  und  dem  Boden  des  Kolbens  abzulösen.  Der
Kolben  wird  nun  in  kaltes  Wasser  von  8—10°  eingesenkt  und  darin  zwei  Stunden
lang  stehen  gelassen.  Hierauf  filtriert  man  die  Flüssigkeit  durch  ein  Faltenfilter
in  einen  Kolben  von  200  ccm  Inhalt  mit  engem  Halse.  Der  Kolben  wird  vollständig ­
  mit  Äther  aufgefüllt,  gut  verkorkt  und  unter  dem  Wasserleitungshahne
12  Stunden  lang  stehen  gelassen.  Meist  scheidet  sich  dabei  noch  ein  Niederschlag  aus.
Die  ätherische  Lösung  wird  alsdann  durch  ein  Filter  in  einen  Scheidetrichter
filtriert  und  die  Seife  mit  150  ccm  einer  20  °/ 0 -igen  Salzsäure  zersetzt.  Man  zieht
das  ausgefallene  Bleichlorid  und  die  saure  wässerige  Lösung  ab  und  schüttelt  den
Äther  nochmals  mit  100  ccm  Salzsäure.  Die  ätherische  Lösung  wird  nun  mit
160  ccm  Wasser  gewaschen  und  schließlich  durch  ein  Faltenfilter  in  einen  Kolben
von  etwa  300  ccm  Inhalt  filtriert.  Der  Äther  wird  soweit  abdestilliert,  daß  die
Flüssigkeit  etwa  40—50  ccm  ausmacht.  Diese  Lösung  gießt  man  in  einen  anderen
Kolben  von  etwa  100  ccm  Inhalt,  welcher  mit  einem  doppelt  durchbohrten  Kork
versehen  ist,  und  senkt  den  Kolben  bis  zum  Halse  in  ein  Wasserbad  ein.  Alsdann
wird  ein  Strom  trockner  Kohlensäure  oder  trocknen  Wasserstoffs  durch  die
ätherische  Lösung  hindurchgeleitet  und  das  Wasserbad  erhitzt,  bis  der  Äther
völlig  verjagt  ist.
Nach  Lewkowitsch 3 )  sind  die  Jodzahlen  der  nach  vorstehendem  Verfahren  dargestellten ­
  flüssigen  Fettsäuren  die  höchsten;  dies  spricht  dafür,  daß  die  flüssigen  Fettsäuren
am  vollständigsten  von  den  festen  Fettsäuren  befreit  sind.
Zur  quantitativen  Trennung  und  Bestimmung  der  festen  und  flüssigen
Fettsäuren  mittels  der  verschiedenen  Löslichkeit  der  Bleiseifen  sind  zuerst  vonVarrentrap
  und  später  von  Muter  und  de  Koningh, 1 )  sowie  von  F.  Wallenstein  und  H.
Fink 6 )  und  anderen  verschiedene  Arbeitsweisen  vorgeschlagen,  von  denen  J.  Lewkowitsch 3 )

*)  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  193.
2 )  L’Orosi  1900,  April;  vergl.  J.  Lewkowitsch,  Chemische  Technologie  und
Analyse  der  Öle,  Fette  und  Wachse,  Braunschweig,  Fr.  Vieweg  &amp;amp;  Sohn  1905,  1,  384.
s )  J.  Lewkowitsch,  Chem.  Technologie  u.  Analyse  usw.  1905,  1,  379  ff.
4 )  Analyst  1889,  14,  61.
6 )  Chem.-Ztg.  1894,  18,  1189.
        <pb n="554" />
        Bestimmung  der  Jodzahl.

531

das  von  ihm  etwas  abgeändorte  Verfahren  von  Muter  und  de  Koningh  bezw.  von  Laue 1 )
als  das  beste  empfiehlt.  Da  die  quantitative  Trennung  bislang  für  die  Praxis  nur  wenig
verwertbare  Werte  geliefert  hat,  und  außerdem  der  Gehalt  an  flüssigen  Fettsäuren  aus  ihrer
Jodzahl  und  der  Jodzahl  der  gesamten  Fettsäuren  mit  hinreichender  Genauigkeit  berechnet
werden  kann,  so  sei  auf  diese  Vorschriften  hier  nur  verwiesen.
K.  Farnsteiner 2 )  hat  ein  auf  der  Löslichkeit  der  Bleiseifen  der  flüssigen  Fettsäuren ­
  in  kaltem  Benzol  beruhendes  Trennungsverfahren  ausgearbeitet,  auf  das  hier  ebenfalls ­
  nur  verwiesen  werden  kann.

5.  Bestimmung  der  Jodzahl.

Die  Jodzahl  gibt  an,  wieviel  Prozent  Jod  ein  Fett  oder  eine  Fettsäure ­
  aufzunehmen  vermag.
Das  Verfahren  beruht  auf  der  Addition  von  Jod  durch  die  ungesättigten  Fettsäuren, ­
  und  zwar  addieren  die
Fettsäuren  der  .  Stearinsäure-  Ölsäure-  Linolsäure-  Linolensäure-Reihe
an  Jod...  0  2  4  6  Atome,
a)  Verfahren  von  v.  Hühl.  Nach  der  amtlichen  „Anweisung“  zum  Margarine-Gesetz
  verfährt  man  wie  folgt:

Erforderliche  Lösungen;  „1.  Es  werden  einerseits  25  g  Jod,  andererseits
30  g  Quecksilberchlorid  in  je  500  ccm  fuselfreiem  Alkohol  von  95  Volumprozent
gelöst,  letztere  Lösung,  wenn  nötig,  filtriert  und  beide  Lösungen  getrennt  aufbewahrt.
Die  Mischung  beider  Lösungen  erfolgt  zu  gleichen  Teilen  und  soll  mindestens
48  Stunden  vor  dem  Gebrauche  stattfinden.
2.  Natriumthiosulfatlösung.  Sie  enthält  im  Liter  etwa  26  g  des  Salzes.
Das  bequemste  Verfahren  zur  Titerstellung  ist  das  Volhardsche;  3,87  g 8 )  wiederholt
umkrystallisiertes  und  nach  Volhards  Angaben  geschmolzenes  Kaliurnbichromat  löst
man  zum  Liter  auf.  Man  gibt  15  ccm  einer  10-prozentigen  Jodkaliumlösung  in  ein
dünnwandiges  Kölbchen 4 )  mit  eingeriebenem  Glasstopfen  von  etwa  250  ccm  Inhalt,
säuert  die  Lösung  mit  5  ccm  konzentrierter  Salzsäure  an  und  verdünnt  sie  mit
100  ccm  Wasser.  Unter  tüchtigem  Umschütteln  bringt  man  hierauf  20  ccm  der
Kaliumbichromatlösung  zu.  Jeder  Kubikzentimeter  derselben  macht  genau  0,01  g
Jod  frei.  Man  läßt  nun  unter  Umschütteln  von  der  Natriumthiosulfatlösung  zufließen,
wodurch  die  anfangs  stark  braune  Lösung  immer  heller  wird,  setzt,  wenn  sie  nur
noch  weingelb  ist,  etwas  Stärkelösung  hinzu  und  läßt  unter  jeweiligem  kräftigen
Schütteln  noch  so  viel  Natriumthiosulfatlösung  vorsichtig  zufließen,  bis  der  letzte
Tropfen  die  Blaufärbung  der  Jodstärke  eben  zum  Verschwinden  bringt.  Die  Kaliumdchromatlösung
  läßt  sich  lange  unverändert  aufbewahren  und  ist  stets  zur  Kontrolle
des  Titers  der  Natriumthiosulfatlösung  vorrätig,  welcher  besonders  im  Sommer  öfters
ne u  festzustellen  ist.

Berechnung,  Da  »  ccm  her
wird  die  gleiche  Menge  Jod  von  der  vertraue  w f e viel  Jod  1  ccm  Natriumthiothiosulfatlösung
  gebunden.  Daraus  berechne  ‘  U  ffi  ienten  f ür  Jod,  bringt  man
sulfatlösung  entspricht.  Die  erhaltene  Zahl,  den  Koemzie
hei  allen  folgenden  Versuchen  in  Rechnung.

')  Journ.  Amer.  Chem.  Soc.  1893,  1»,  l 10 -  Genußmittel  1898,  1,  390.
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  ^  6  ZaW  3)8666 .
“)  Unter  Zugrundelegung  von  0  —  1  Greiner  in  München  zu  beziehen.
4 )  Nach  R.  Sendtners  Angaben  von  Jom  "  „  ,  und  in f 0 lge  des  geringen  Umermöglichen ­
  infolge  ihres  geringen  Gewichtes  (W
langes  das  genaue  Abwägen  auf  jeder  analytmci  “

34*
        <pb n="555" />
        532

Speisefette  und  -öle.

3.  Chloroform,  am  besten  eigens  gereinigt.
4.  10-prozentige  Jodkaliumlösung.
5.  Stärkelösung:  Man  erhitzt  eine  Messerspitze  voll  „löslicher  Stärke“ 1 )  in
etwas  destilliertem  Wasser;  einige  Tropfen  der  unfiltrierten  Lösung  genügen  für
jeden  Versuch.“
Ausführung  der  Bestimmung;  „Man  bringt  0,8—1  g  geschmolzenes  (Butter-)
Fett  in  ein  Kölbchen  der  unter  No.  2  beschriebenen  Art,  löst  das  Fett  in  15  ccm
Chloroform  und  läßt  30  ccm  Jodlösung  (No.  1)  zufließen,  wobei  man  die  Pipette
bei  jedem  Versuch  in  genau  gleicher  Weise  entleert.  Sollte  die  Flüssigkeit  nach
dem  Umschwenken  nicht  völlig  klar  sein,  so  wird  noch  etwas  Chloroform  hinzugefügt.
Tritt  binnen  kurzer  Zeit  fast  vollständige  Entfärbung  der  Flüssigkeit  ein,  so  muß
man  noch  Jodlösung  zugeben.  Die  Jodmenge  muß  so  groß  sein,  daß  noch  nach  l 1 / a
bis  2  Stunden  die  Flüssigkeit  stark  braun  gefärbt  erscheint.  Nach  dieser  Zeit  ist
die  Reaktion  beendet.  Die  Versuche  sind  bei  Temperaturen  von  15—18°  anzustellen,
die  Einwirkung  direkten  Sonnenlichts  ist  zu  vermeiden.
Man  versetzt  dann  die  Mischung  mit  15  ccm  Jodkaliumlösung  (No.  4),  schwenkt
um  und  fügt  100  ccm  Wasser  hinzu.  Scheidet  sich  hierbei  ein  roter  Niederschlag
aus,  so  war  die  zugesetzte  Menge  Jodkalium  ungenügend,  doch  kann  man  diesen
Fehler  durch  nachträglichen  Zusatz  von  Jodkalium  verbessern.  Man  läßt  nun  unter
oftmaligem  Schütteln  so  lange  Natriumthiosulfatlösung  zufließen,  bis  die  wässerige
Flüssigkeit  und  die  Chloroformschicht  nur  mehr  schwach  gefärbt  sind.  Jetzt  wird
etwas  Stärkelösung  zugegeben  und  zu  Ende  titriert.  Mit  jeder  Versuchsreihe  ist
ein  sog.  blinder  Versuch,  d.  h.  ein  solcher  ohne  Anwendung  eines  Fettes,  zur  Prüfung
der  Reinheit  der  Reagentien  (namentlich  auch  des  Chloroforms)  und  zur  Feststellung
des  Titers  der  Jodlösung  zu  verbinden.
Bei  der  Berechnung  der  Jodzahl  ist  der  für  den  blinden  Versuch  nötige  Verbrauch ­
  in  Abzug  zu  bringen.  Man  berechnet  aus  den  Versuchsergebnissen,  wieviel
Gramm  Jod  von  100  g  (Butter-)  Fett  aufgenommen  worden  sind,  und  erhält  so  die
Bübische  Jodzahl  des  (Butter-)  Fettes.
Da  sich  bei  der  Bestimmung  der  Jodzahl  die  geringsten  Versuchsfelder  in
besonders  hohem  Maße  multiplizieren,  so  ist  peinlich  genaues  Arbeiten  erforderlich.
Zum  Abmessen  der  Lösungen  sind  genau  eingeteilte  Pipetten  und  Büretten,  und
zwar  für  jede  Lösung  stets  das  gleiche  Meßinstrument  zu  verwenden.“
Bei  der  Untersuchung  von  ölen  treten  folgende  Abänderungen  ein:
„Von  nicht  trocknenden  ölen  verwendet  man  0,3—0,4  g  und  bemißt  die
Zeitdauer  der  Einwirkung  auf  2  Stunden.  Von  trocknenden  Ölen  verwendet  man
0,15—0,18  g  und  läßt  die  Jodlösung  18  Stunden  darauf  einwirken.  In  letzterem
Falle  ist  sowohl  zu  Beginn  als  auch  am  Ende  der  Versuchsreihe  ein  blinder  Versuch ­
  auszuftthren  und  für  die  Berechnung  des  Wirkungswertes  der  Jodlösung  das
Mittel  dieser  beiden  Versuche  zugrunde  zu  legen.“
b)  Abgeändertes  Verfahren  von  J.  J.  A.  Wijs. 2 )  Dieses  Verfahren  beruht  auf
der  Anwendung  einer  Lösung  von  Jodmonochlorid  in  Eisessig.  Es  hat,  wie
x )  Nach  Zulkowsky  (Zeitschr.  analyt.  Chem.  1882,  21,  578)  werden  60  g  zerriebene
Stärke  in  1  kg  Glyzerin  eingerührt  und  unter  fortwährendem  Umrühren  allmählich  bis
auf  190°  erhitzt  und  bei  dieser  Temperatur  einige  Zeit  erhalten;  Kartoffelstärke  wird  durch
x / 2 -ständiges  Erhitzen,  Weizen-  und  Reisstärke  werden  erst  nach  längerer  Zeit  durch  Erhitzen ­
  auf  180—190°  vollständig  umgewandelt  und  sehr  leicht  löslich  in  Wasser.
2 )  Ber.  Deutsch,  chem.  Gesellsoh.  1898,  31,  750;  Chem.  Revue  u.  d.  Fett-  u.  Harz-Industrie
  1899,  0,  6;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  497,
1150  u.  1193.
        <pb n="556" />
        Bestimmung  der  Jodzahl.

533

die  Nachprüfungen  von  verschiedenen  Seiten  bestätigt  haben,  vor  dein  v.  Hüblschen
Verfahren  den  Vorzug,  daß  die  Lösung  in  ihrer  Wirksamkeit  viel  beständiger  und
die  Reaktion  schneller  beendigt  ist.  Das  Verfahren  liefert  dieselben  Jodzahlen 1
wie  das  von  Hüb  Ische.
Erforderliche  Lösungen:
1.  Jodmonochlorid-Lösung.  Man  bereitet  sie  nach  einem  der  beiden  folgenden
Verfahren;  a)  Man  löst  13  g  Jod  in  1  Liter  höchst  konzentriertem  Eisessig  (Acidum
aceticum  glaciale  99  %  Merck;  dieselbe  darf  Kaliumbichromatlösung  mit  Schwefelsäure ­
  absolut  nicht  reduzieren),  bestimmt  in  25  ccm  dieser  Lösung  genau  den  Titer
und  leitet  darauf  in  die  Lösung  langsam  einen  durch  Waschen  von  Salzsäure  befreiten ­
  Chlorstrom,  bis  der  Titer  verdoppelt  ist.  Nach  einiger  Übung  läßt  sich
dieser  Punkt  an  dem  Farbenumschlag  genau  treffen.  —  b)  Bequemer  ist  die  Herstellung ­
  aus  käuflichem  Jodtrichlorid  und  Jod.  Man  löst  9  g  Jodtrichlorid  (schnell
abzuwägen!)  in  1  Liter  Eisessig  von  obigen  Eigenschaften,  pipettiert  davon  5  ccm  ab,
gibt  einige  ccm  10  °/ 0 -iger  Jodkaliumlösung  sowie  etwas  Wasser  hinzu  und  bestimmt
den  Titer  mit  1 / 10  N.-Thiosulfatlösung,  dann  löst  man  in  der  Jodtrichloridlösung
soviel  fein  zerriebenes  Jod,  daß  der  Titer,  auf  gleiche  Weise  bestimmt,  ein  klein
wenig  mehr  als  D/^-mal  so  groß  wird.  Wenn  man  will,  kann  man  die  Lösung
noch  mit  etwas  Eisessig  verdünnen  und,  wenn  sie  nicht  völlig  klar  ist,  filtriert
man  sie.  Lewkowitsch,' 2 )  der  das  Wijssche  Verfahren  sehr  empfiehlt,  schlägt
vor,  9,4  g  Jodtrichlorid  und  7,2  g  Jod  auf  dem  Wasserbade  in  Eisessig  zu  lösen
und  dabei  darauf  zu  achten,  daß  während  der  Behandlung  auf  dem  Wasserbade  der
Eisessig  kein  Wasser  anzieht.
2.  Tetrachlorkohlenstoff;  er  soll  mit  einer  Kaliumbichromat-Lösung  und
konzentrierter  Schwefelsäure  geschüttelt,  diese  auch  nach  längerem  Stehen  nicht
verfärben.  Der  Tetrachlorkohlenstoff  ist  dem  Chloroform  vorzuziehen,  weil  letzteres
nach  Wijs  immer  etwas  Alkohol  enthält.
3.  Stärkelösung,  Jodkaliumlösung  (10°/ 0 -ig)  und  Thiosulfatlösung
werden  in  derselben  Weise  verwendet  wie  bei  dem  v.  Hüblschen  Verfahren.
Ausführung  der  Bestimmung.  Diese  erfolgt  mit  den  vorstehend  angegebenen ­
  Lösungen  in  derselben  Weise  wie  beim  v.  Hüblschen  Verfahren  (Angewendete ­
  Substanzmengen:  0,8—1,0  g  bei  festen  Fetten,  0,3—0,4  g  bei  nichttrocknenden
nnd  0,15—0,18  g  bei  trocknenden  ölen)  nur  mit  folgenden  Abweichungen:
a )  Es  genügen  10  ccm  10°/ o -ige  Jodkaliumlösung;
b )  der  Jodüberschuß  soll  etwa  70°/ o  betragen,  d.  h.  von  100  Teilen  zugesetzten
Halogens  sollen  nur  etwa  30°/ o  zur  Addition  verbraucht  werden;
c )  die  Einwirkungsdauer  soll  für  feste  Fette  und  öle  mit  niedriger  Jodzahl
wenigstens  15  Minuten,  für  öle  mit  höherer  Jodzahl  länger  und  für  Leinöl
eine  Stunde  betragen.  J.  Lewko  witsch  empfiehlt  als  Einwirkungsdauer  bei
Fetten  und  Ölen  mit  einer  unter  100  liegenden  Jodzahl  1 j 2  Stunde,  bei  halbtrocknenden ­
  ölen  1 L—1  Stunde  und  bei  trocknenden  Ölen  1  bis  höchstens
2  Stunden;

etw  .  ..  mlt  hohen  Jodzahlen  findet  mau  nach  dem  Wijs  sehen  Verfahren  zwar
weiM  •  lere  Werte;  diese  sind  aber,  wie  Wijs  nachgewiesen  hat,  zweifellos  die  richtigeren,
m-  , 61  ^ em  v -  Hüblschen  Verfahren  in  diesen  Fällen  eine  richtige  Titerstellung  unmöglich ­
  ist.
Chemische  Technologie  u.  Analyse  der  Öle,  Fette  u.  Wachse,
Vieweg  &amp;amp;  Sohn  1906,  1,  274.

t&amp;gt;  f  J-  Lewkowitsch,
-“raunschweig,  Fr.
        <pb n="557" />
        534

Speisefette  und  -öle.

d)  da  der  Titer  der  Jodlösung  sich  nur  wenig  ändert  —  J.  Lewkowitsch  fand
ihn  nach  5  Monaten  noch  unverändert  —  so  genügt  auch  hei  trocknenden
ölen  die  einmalige  Einstellung  derselben  durch  einen  blinden  Versuch.
J.  Hanus 1 )  hat  an  Stelle  der  Jodmonochloridlösung  die  Anwendung  einer  Jodmonobroinidlösung
  in  Eisessig  empfohlen,  die  vor  der  ersteren  den  Vorzug  haben  soll,
daß  sie  leichter  hergestellt  werden  kann,  und  daß  eine  Einwirkungsdauer  von  16  Minuten
auch  bei  trocknenden  Ölen  genügt.
C.  Phytosterin-Probe  und  Phytosterinacetat-Probe  nach  A.  Bömer,
A.  Bömer 2 )  fand  in  allen  von  ihm  untersuchten  tierischen  Fetten  (Schweinefett, ­
  Rindsfett,  Hammelfett,  Butterfett,  Lebertran,  Eieröl)  Cholesterin  (Schmelzp.
148,4—150,8°  korrig.)  und  in  allen  pflanzlichen  Fetten  und  ölen  (Olivenöl,
Palmbutter,  Palmkernfett,  Baumwollsamenöl,  Erdnußöl,  Sesamöl,  Eüböl,  Rapsöl,
Hanföl,  Mohnöl,  Leinöl,  Rizinusöl)  Phytosterine 8 )  (Schmelzpunkte  138,0—143,8°
korrig.)  und  gründet  hierauf  seine  beiden  Verfahren 4 )  zur  Unterscheidung
von  Tier-  und  Pflanzenfetten  und  zum  Nachweise  von  Pflanzenfetten
in  Tierfetten,  die  Phytosterin-Probe  und  die  Phytosterinacetat-Probe.
Von  diesen  ist  die  Phydosterinacetat-Probe  weit  empfindlicher  und  für  den  mit
kristallograpbischen  Untersuchungen  weniger  Vertrauten  auch  im  allgemeinen
leichter  ausführbar,  als  die  Phytosterin-Probe;  dagegen  führt  die  letztere,  wenn  es
sich  nur  um  den  Nachweis  handelt,  ob  Pflanzenfette  bezw.  größere  Beimischungen
von  Pflanzenfetten  zu  Tierfetten  vorliegen,  weit  schneller  und  mit  geringeren
Substanzmengen  zum  Ziele.
Zur  Prüfung  der  Fette  mittels  der  Phytosterin-Probe  und  Phytosterinacetat-Probe
  ist  zunächst  die  Abscheidung  des  sog.  unverseifbaren  Anteils  (des  „Roh-Cholesterins
  bezw.  -Phytosterins“)  erforderlich,  welche  nach  A.  Bömer 5 )  in  folgender
Weise  erfolgt:
а)  Abscheidung  des  Roh-Cholesterins  bezw.  -Phytosterins. 6 )  100  g  Fett
werden  in  einem  Erlenmeyer-Kolben  von  etwa  1—1 1 / 2  1  Inhalt  auf  dem  Wasser-4
 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrunga-  u.  Genußmittel  1901,  4,  913.
2 )  Ebenda  1898,  1,  81.
s )  Während  es  sich  bei  den  Cholesterinen  aus  Tierfetten  anscheinend  um  eine  einheitliche ­
  Verbindung  handelt,  zeigen  die  aus  den  verschiedenen  Pflanzenfetten  dargestellten
Phytosterine  selbst,  wie  auch  ihre  Ester,  so  große  Unterschiede  in  den  Schmelzpunkten,
daß  es  sich  bei  ihnen  offenbar  nicht  um  eine  einheitliche  Verbindung,  sondern  entweder  um
verschiedene  isomorphe  Körper  oder  wenigstens  um  Gemische  zweier  oder  mehrerer  Körper
in  verschiedenen  Verhältnissen  handelt.  Das  Phytosterin  aus  Maisöl,  dem  A.  H.  Gill
und  Ch.  G.  Tufts  (Journ.  Amer.  ehern.  Soc.  1903,  25,  251  u.  254;  Zeitsohr.  f.  Untersuchung
d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  47  u.  48)  den  Namen  Sitosterin  gegeben  haben,
ist  hierin  von  den  übrigen  Phytosterinen  nicht  verschieden.
4 )  E.  Salkowski  (Zeitschr.  analyt.  Chom,  1887,  20,  557)  hat  zuerst  die  Verschiedenheit ­
  der  in  tierischen  und  Pflanzenfetten  vorkommenden  Alkohole  (Cholesterine)  zum
Nachweise  von  Pflanzenfetten  in  tierischen  Fetten,  insbesondere  von  Baumwollsamenöl,  Rüböl
und  Leinöl  im  Lebertran  verwendet.  Er  will  im  Butterfett  neben  Cholesterin  auch  Phytosterin ­
  gefunden  haben  und  nimmt  ferner  an,  daß  das  Phytosterin  nur  in  Samenölen  und
nicht  in  den  aus  dem  Fruchtfleisch  gewonnenen  Ölen  (Palmbutter,  Olivenöl)  vorkomme.
5 )  Für  die  Abscheidung  des  „unverseifbaren  Anteils“  der  Fette  und  Öle  nach
A.  Bömer  ist  ein  Arbeiten  mit  verhältnismäßig  großen  Äthermengen  erforderlich;  es  sind
daher  vorwiegend  aus  diesem  Grunde  eine  Reihe  von  anderen  Vorschlägen  gemacht  worden,
die  ebenfalls  Verwendung  finden  können,  von  denen  aber  keines,  was  Schnelligkeit  der
Ausführung  betrifft,  das  nachstehend  beschriebene  Verfahren  erreicht.
б )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898,  1,  21.
        <pb n="558" />
        Phytosterin-Probe  und  Phytosterinaoetafr-Probe.

535

bade  geschmolzen  und  mit  200  ccm  alkoholischer  Kalilauge  (200  g  Kalihydrat  +11
Alkohol  von  70°  Tr.) 1 )  auf  dem  kochenden  Wasserbade  am  Eückflußkühler  (als
solcher  kann  ein  etwa  3 / 4  m  langes,  hinreichend  weites,  mit  angefeuchtetem
Filtrierpapier  umlegtes  Glasrohr  dienen)  verseift,  wobei  man  anfangs  häufig  und
kräftig  umschüttelt,  bis  der  Kolbeninhalt  beim  Schütteln  klar  geworden  ist,  und
dann  noch  1 / 2 —1  Stunde  unter  zeitweiligem  Umschütteln  die  Seife  auf  dem  Wasserbade ­
  erwärmt.  Darauf  gibt  man  die  noch  warme  Seifenlösung  in  einen  Schütteltrichter ­
  von  etwa  2  1  Inhalt,  in  den  man  vorher  300  ccm  Wasser  gegeben  hat,
und  spült  die  im  Kolben  verbliebenen  Seifenreste  mit  weiteren  300  ccm  W T asser
in  den  Schütteltrichter.
Nachdem  die  Seifenlösung  hinreichend  abgekühlt  ist,  setzt  man  800  ccm
Äther  hinzu  und  schüttelt  den  Inhalt  etwa  x /,—1  Minute  kräftig  durch.  In  einigen
Minuten  setzt  sich  die  Ätherlösung  vollständig  klar  ab.  Man  trennt  sie  in  der
üblichen  Weise  von  der  Seife,  filtriert  sie,  um  etwa  vorhandene  geringe  Mengen  der
Seifenlösung  zu  entfernen,  in  einen  geräumigen  Erlenmeyer-Kolben  und  destilliert
den  Äther  nach  Zusatz  von  1—2  Bimstein  Stückchen  ab.  Die  Seifenlösung  schüttelt
man  noch  2-  oder  3-mal  in  derselben  Weise  mit  400  ccm  Äther  aus,  gibt  die  Ätherlösung ­
  jedesmal  zu  dem  Destillationsrückstande  der  vorhergehenden  Ausschüttelung
und  destilliert  die  Auszüge  in  derselben  Weise  ab.  Nach  dem  Abdestillieren  des
Äthers 2 )  bleiben  in  dem  Kolben  in  der  Kegel  geringe  Mengen  Alkohol  zurück.  Man
entfernt  dieselben  durch  Eintauchen  des  Kolbens  in  das  kochende  Wasserbad  unter  Einblasen ­
  von  Luft  und  verseift  den  vorwiegend  aus  Cholesterin  (bezw.  Phytosterin)  und  der
durch  den  Äther  gelösten  Seife  bestehenden  Rückstand  zur  Entfernung  etwa  noch
vorhandener  geringer  Mengen  unverseiften  Fettes  nochmals  mit  10  ccm  obiger
Kalilauge  etwa  5—10  Minuten  im  Wasserbade  am  Eückflußkühler  (wie  oben  angegeben). ­
  Den  Inhalt  des  Kolbens  führt  man  alsdann  sofort  in  einen  kleinen
Scheidetrichter  Uber,  spült  mit  20—30  ccm  Wasser  nach  und  schüttelt  nach  dem
Erkalten  zweimal  mit  100  ccm  Äther  aus.  Nachdem  sich  in  einigen  Minuten  die
Ätherlösung  klar  abgesetzt  hat, 3 )  läßt  man  die  unterstehende  wässerig-alkoholische
Schicht  abfließen  und  wäscht  die  Ätherlösung  3-mal  mit  etwa  10  ccm  Wasser.
Kach  dem  Ablaufen  des  letzten  Waschwassers  filtriert  man  den  Äther  zur  Entfernung ­
  etwa  vorhandener  Wassertröpfchen  in  ein  Erlenmeyer-Kölbchen  und
destilliert  den  Äther  langsam  ab.
Beim  Trocknen  im  Wasserdampftrockenschranke  erhält  man  einen  meist  festen,
hei  tierischen  Fetten  schön  strahlig  kristallinen  Rückstand,  welcher  das  Cholesterin
bezw.  Phytosterin  enthält.
Die  vorstehenden  Mengenverhältnisse  müssen  genau  innegehalten
werden,  weil  anderenfalls  die  Ausschüttelungen  unter  Umständen
Schwierigkeiten  bieten,
*)  Da  sich  die  alkoholische  Kalilauge  bei  längerem  Stehen  meist  etwas  verändert
(Braunfärbung),  kann  man  auch  eine  wässerige  Kalilauge  (200  g  Kalihydrat  mit  Wasser
zu  300  ccm  gelöst)  vorrätig  halten  und  statt  der  200  ccm  alkoholischer  Kalilauge  60  ccm
der  wässerigen  Lauge  und  140  ccm  96°/ 0 -igen  Alkohol  zur  Verseifung  verwenden.
2 )  Um  den  Äther  wieder  zu  weiteren  Ausschüttelungen  verwenden  zu  können,  muß
®an  ihn  durch  mehrmaliges  Ausschütteln  mit  Wasser  von  seinem  Alkoholgehalte  möglichst
befreien.
8 )  Sollte  sich  die  Flüssigkeit  statt  in  2  in  3  Schichten  teilen,  so  setzt  man  noch
geringe  Mengen  (10—20  ccm)  Wasser  hinzu  und  schüttelt  nochmals  um.
        <pb n="559" />
        536

Speisefette  und  -öle.

Will  man  nur  50  g  oder  weniger  Fett  anwenden,  so  müssen  die  anzuwendenden ­
  Mengen  Kalilauge,  Wasser  und  Äther  bei  der  ersten  Verseifung  entsprechend ­
  erniedrigt  werden.
b)  Phytosterin-Probe  (Untersuchung  der  Kristallformen). 1 )  Sie  beruht  auf
der  Unterscheidung  des  Cholesterins  und  des  Phytosterins  hezw.  ihrer
Gemische  durch  die  Kristallform.  Man  löst  das  nach  a  erhaltene  Eoh-Cholesterin
  hezw.  -Phytosterin  je  nach  seiner  Menge  in  5—20  ccm  absolutem
Alkohol,  gibt  die  Lösung  in  ein  entsprechend  großes  Kristallisationsschälchen  und
läßt  unter  anfänglichem  Bedecken  mit  einem  Uhrglase  die  Lösung  erkalten  und  verdunsten. ­
  Nach  einiger  Zeit  —  je  nach  der  Menge  des  verwendeten  Alkohols,  unter
Umständen  auch  erst  nach  2—3  Stunden  —  beginnt  die  Kristallisation.
Diese  weist  meistens  schon  nach  ihrem  makroskopischen  Bilde  bei  Cholesterin  und
Phytosterin  große  Verschiedenheiten  auf.  Beim  Cholesterin  aus  Tierfetten  beginnt  die
Kristallisation  mit  der  Bildung  einer  dünnen  glänzenden  Krystalldecke  auf  der  Oberfläche
der  Flüssigkeit;  bei  stärkeren  Konzentrationen  durchsetzen  große  dünne,  kaum  sichtbare
Tafeln  die  ganze  Flüssigkeit.  Die  Kristalle  zeigen  aus  der  Flüssigkeit  gebracht  und  von
der  Mutterlauge  getrennt,  einen  starken  Seidenglanz.  Beim  Phytosterin  zeigt  sich  bei
der  Kristallisation  ein  anderes  Bild.  Aus  verdünnten  Lösungen  scheiden  sich,  meistens  vom
Bande  beginnend,  bis  zu  1  cm  lange,  verhältnismäßig  dicke  Nadeln  aus.  Aus  konzentrierten
und  verhältnismäßig  stark  durch  sonstige  unverseifbare  Stoffe  verunreinigten  Lösungen
scheiden  sich  gleichmäßig  in  der  ganzen  Flüssigkeit  sehr  feine  Nüdelchen  ab.
Zur  mikroskopischen  Untersuchung  der  Kristalle  entnimmt  man  am
besten  mittels  eines  kleinen  Platinspatels  einige  Kristalle  aus  der  Lösung 2 )  und
bringt  sie  gleichzeitig  mit  etwas  Mutterlauge  auf  ein  Objektglas,  bedeckt  mit  einem
Deckgläschen  und  untersucht  die  Kristalle  im  gewöhnlichen,  aber  stark  kondensierten
Tageslichte  und  wenn  möglich  auch  im  polarisiertem  Lichte.  Unter  Umständen
empfiehlt  es  sich,  die  ersten  Kristallisationen  wieder  in  Alkohol  zu  lösen  und  sie
nochmals  umzukristallisieren.
Die  Unterschiede  in  den  Kristallformen  sind  folgende:
a)  Cholesterinkristalle.  Diese  stellen  dünne  Tafeln  mit  rhombischem
Umriß  (Fig.  262  a)  dar,  die  wahrscheinlich  dem  triklinen  Kristallsystem  angehören
und  bei  denen  die  sog.  Auslöschungsrichtungen  —-  bei  der  also  die  Kristalle
unter  dem  Polarisationsmikroskope  bei  gekreuzten  Nikols  dunkel  erscheinen  —,
wie  in  den  Figuren  durch  die  Pfeile  angedeutet  ist,  fast  diagonal  verlaufen.  Neben
diesen  rhombischen  Tafeln  treten  auch  häufig  die  Formen  Fig.  262  b,  c  und,  allerdings ­
  seltener,  auch  die  Form  d  auf.
ß)  Phytosterinkristalle.  Diese  bestehen  meist  aus  dünnen  verhältnismäßig ­
  breiten  Nadeln  mit  zweiseitiger  Zuspitzung  (Fig.  263  a);  manchmal  fehlt
aber  auch  die  Zuspitzung  (Fig.  263  c)  und  vereinzelt  sind  die  Kristalle  an  den  Enden
auch  abgeschrägt,  indem  die  eine  der  beiden  zuspitzenden  Flächen  fehlt  (Fig.  263  b).
Je  öfter  die  Phytosterinkristalle  umkristallisiert  und  je  reiner  sie  somit  werden,
desto  größer  werden  sie  meist  und  desto  mannigfaltiger  wird  auch  ihre  Form.  In
■der  Kegel  haben  bei  den  späteren  Kristallisationen  die  Phytosterinkristalle  die
D  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  n.  Genußmittel  1898,  1,  21  u.  632.
2 )  Von  anderer  Seite  ist  empfohlen  worden,  einige  Tropfen  der  alkoholischen  Lösung
.auf  dem  Objektglase  direkt  verdunsten  zu  lassen  und  diese  mikroskopisch  zu  untersuchen.
Unter  den  meisten  Verhältnissen  ist  aber  eine  Untersuchung  größerer  Kristalle  wünschenswert ­
  und  es  empfiehlt  sich  nicht,  sich  an  gewisse  oberflächliche  Erscheinungen  der  Kristalle
zu  halten,  sondern  die  Natur  der  Kristalle  (Winkel,  Auslüschungsrichtuug  usw.)  genau
zu  studieren.
        <pb n="560" />
        Phytosterin-Probe  und  Phytosterinaoetat-Probe.

537

X

X

Form  breiter  sechsseitiger  Tafeln  (Fig.  263  d),  doch  beobachtet  man  auch  die
Kristallformen  g  und  h  in  Fig.  263.  Die  verschiedenen  Formen  treten  auch  bei
ein  und  derselben  Kristallisation  vielfach  nebeneinander  auf.  Die  Kristallformen
e  und  f  dagegen  werden  nur  selten  angetroffen.
Die  „Auslösungsrichtungen“

liegen  parallel  der  Längsrichtung
der  Kristalle  und  senkrecht  dazu.
Cholesterin-  und  Phytosterinkristalle ­
  unterscheiden  sich  auch
durch  die  Größe  ihrer  Winkel;
doch  sei  in  dieser  Hinsicht  auf
die  Quelle  verwiesen.
y)  Mischungen  von
Cholesterin  und  Phytosterin. ­
  Diese  kristallisieren
nicht  in  nebeneinander  auftretenden ­
  Formen  von  Cholesterin ­
  und  Phytosterin,  sondern,
wenn  beide  Körper  in  ungefähr
gleichen  Mengen  vorhanden  sind
oder  das  Phytosterin  vorherrscht, ­
  in  den  gleichen  oder
doch  (bis  auf  die  Differenz  in

Fig.  262,
Kristallformen  des  Cholesterins.
Nach  A.  Börner.

XI

&amp;amp;
Fig.  263.
Kristallformen  des  Phytosterins.
Nach  A.  Börner.

"“u  fürs  aiu  nie  i  m  i  iui  ui/,  j  j.
den  Winkeln)  so  gut  wie  gleichen  Formen,  wie  die  reinen  Phytosterine.  Wenn
dagegen  Cholesterin  in  der  Mischung  bedeutend  vorherrschend  ist,  so  ist  die
Kristallform  des  Gemisches  weder  die  des  Phytosterins  noch  Cholesterins,  sondern
es  entstehen  große  Mengen  äußerst  feiner,  kurzer  Kristallnädelchen  (Fig.  264  a),

Oy  t&amp;gt;
Fig.  264.
Kristallformen  von  Mischungen  des  Cholesterins  mit  Phytosterin.
Nach  A.  Börner.

Fig.  266.
Kristallformen  von  Mischungen
d.  Cholesterins  mit  Phytosterin.
(Stärker  vergrößert  als  Fig.
264a.)  Nach  A.  Börner.

die  sich  bei  genauerer  Untersuchung  als  dreiseM^  Sachen  erkennen  lassen
(Fig.  265)  und  die  für  derartige  Gemische  ®" n “J. dünnter  Lösung  erhält  man  zu-Bei
  sehr  langsamem  Kristallisieren  Ta f e i n .  die  am  Bande  fast  ausweilen ­
  ans  dieser  Mischung  auch  große  (  ,  X  264  b)  oder  auf  denen
-»•**  “  *-  'T, n  "SÄT
zahlreiche  Nädelchen  in  paralleler  Stellung  Gig.  &amp;gt;  &amp;amp;  f  l  Teil
Mischkristalle  beobachtet  man  selbst  noch  in  Gemischen,  m  denen
        <pb n="561" />
        538

Speisefette  und  -öle.

Phytosterin  10—20  Teile  Cholesterin  kommen.  Ist  dagegen  der  Phytosteringehalt
der  Mischung  noch  geringer,  z.  B.  1  Teil  Phytosterin  auf  50  Teile  Cholesterin,  so
lassen  sich  die  Kristalle  von  denen  des  reinen  Cholesterins  makro-  und  mikroskopisch
nicht  unterscheiden.
c)  Phytosterinacetat-Probe.  Sie  beruht  auf  dem  etwa  10—20°  betragenden
Unterschiede  der  Schmelzpunkte  der  Acetylester  des  Cholesterins  einerseits ­
  und  der  Phytosterine  andererseits  und  der  Eigenschaft  dieser  Ester
in  Gemischen  nicht  zusammen,  sondern  getrennt  zu  kristallisieren.  Da
die  Acetylester  der  Phytosterine  schwerer  in  Alkohol  löslich  sind,  als  der  des  Cholesterins,
so  reichern  sich  heim  fraktionierten  Umkristallisieren  die  ersten  Krystallisationen
immer  mehr  mit  den  Phytosterinestern  an,  die  man  durch  ihre  höheren  Schmelzpunkte ­
  (125,6—137,0°  korrig.)  von  dem  Cholesterinester  (Schmelzp.  114,3—114,8°
korrig.)  unterscheidet  hezw.  in  Gemischen  neben  diesen  nachweist.
Man  verbindet  am  besten  die  Phytosterinacetat-Probe  mit  der  Phytosterin-Probe
  und  verfährt  nach  A.  Börner 1 )  in  folgender  Weise:
Das  aus  50  oder  besser  aus  100  g  Fett  in  der  oben  (S.  534)  beschriebenen
Weise  gewonnene  Bob-Cholesterin  bezw.  -Phytosterin  löst  man  in  möglichst  wenig
absolutem  Alkohol  (1),  führt  es  unter  Nachspülen  mit  geringen  Mengen  Alkohol
in  ein  kleines  Kristallisationsschälchen  (2)  über  und  läßt  kristallisieren.
Die  sich  zuerst  aussoheidenden  Kristalle  prüft  man  mittels  der  „Phytosterin-Probe“
  (S.  536)  mikroskopisch  auf  ihre  Kristallform,  ob  Cholesterin  oder  Phytosterin
bezw.  Mischkristalle  vorliegen  (3).  Nachdem  dies  geschehen  ist,  verdunstet  man  den
Alkohol  wieder  vollständig  auf  dem  Wasserbade,  setzt  darauf  2—3  ccm  Essigsäureanhydrid ­
  (4)  hinzu,  erhitzt,  unter  Bedeckung  des  Schälchens  mit  einem  Uhrglase  (5),
auf  dem  Drahtnetze  etwa  1 / 4  Minute  zum  Sieden  und  verdunstet  nach  Entfernung
des  Uhrglases  den  Überschuß  des  Essigsäureanhydrides  auf  dem  Wasserbade  (6).
Darauf  erhitzt  man  den  Inhalt  des  Schälchens  unter  Bedeckung  mit  einem  Uhrglase
mit  so  viel  absolutem  Alkohol  wie  zur  Lösung  des  Esters  erforderlich  ist  (7)  und

*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  1070.  Von  dieser
Vorschrift  weicht  die  der  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D  zum  „Fleischbeschau-Gesetz“
  für  die  Untersuchung  des  Schweineschmalzes  auf  Pflanzenfette  etwas  ab;  sie  lautet:
„100  g  Fett  werden  in  einem  Kolben  von  1  1  Inhalt  auf  dem  Wasserbade  geschmolzen
und  mit  200  ccm  alkoholischer  Kalilauge,  welche  in  1  1  Alkohol  von  70  Volumprozenten
200  g  Kaliumhydroxyd  enthält,  auf  dem  kochenden  Wasserbad  am  Eückflußkühler  verseift.
Nach  beendeter  Verseifung,  die  etwa  1 / 2  Stunde  Zeit  erfordert,  wird  die  Seifenlösung  mit
600  ccm  Wasser  versetzt  und  nach  dem  Erkalten  in  einem  Schütteltrichter  viermal  mit
Äther  ausgeschüttelt.  Zur  ersten  Ausschüttelung  verwendet  man  800  ccm,  zu  den  folgenden
je  400  ccm  Äther.  Aus  diesen  Auszügen  wird  der  Äther  abdestilliert  und  der  Eückstand
nochmals  mit  10  ccm  obiger  Kalilauge  5—10  Minuten  im  Wasserbade  erhitzt,  die  Lösung
mit  20  ccm  Wasser  versetzt  und  nach  dem  Erkalten  zweimal  mit  je  100  ccm  Äther  ausgeschüttelt. ­
  Die  ätherische  Lösung  wird  viermal  mit  je  10  ccm  Wasser  gewaschen,
danach  durch  ein  trocknes  Filter  filtriert  und  der  Äther  abdestilliert.  Der  Eückstand
wird  in  ein  Glasschälchen  gebracht  und  darin  bei  100°  getrocknet.  Darauf  setzt  man
2—3  com  Essigsäureanhydrid  hinzu,  erhitzt,  unter  Bedeckung  des  Schälchens  mit  einem
Uhrglas,  auf  dem  Drahtnetz  etwa  J / 2  Minute  lang  zum  Sieden  und  verdunstet  den  Überschuß ­
  des  Essigsäureanhydrids  auf  dem  Wasserbade.  Der  Eückstand  wird  vier-  bis  fünfmal
aus  geringen  Mengen,  etwa  1  bis  1,5  ccm  absolutem  Alkohol  umkristallisiert  und  Vun  der
dritten  Kristallisation  ab  jedesmal  der  Schmelzpunkt  bestimmt.  Schmilzt  das  letzte  Kristallisationsprodukt ­
  erst  bei  117  0  (korrigierter  Schmelzpunkt)  oder  höher,  so  ist  der  Nachweis ­
  von  Pflanzenöl  als  erwiesen  zu  betrachten.“
        <pb n="562" />
        Phytosterin-Probe  und  Phytosterinacetat-Probe.  53g
überläßt  die  klare  Lösung  anfangs  —  bis  zum  Erkalten  auf  Zimmertemperatur  —
unter  Bedeckung  mit  einem  Ulirglase  der  Kristallisation.
Nachdem  die  Hälfte  bis  zwei  Drittel  der  Flüssigkeit  verdunstet  und  der
größte  Teil  des  Esters  auskristallisiert  ist,  filtriert  man  die  Kristalle  durch  ein
kleines  Filter  ab  und  bringt  den  in  der  Schale  noch  befindlichen  Eest  mit  Hilfe
eines  kleinen  Spatels  und  durch  zweimaliges  Aufgießen  von  2—3  ccm  95  °/ 0 -igem
Alkohol  gleichfalls  auf  das  Filter.  Den  Inhalt  des  Filters  (8)  bringt  man  wieder
in  das  Kristallisationsschälchen  zurück,  löst  denselben  je  nach  seiner  Menge  in
2—-10  ccm  absolutem  Alkohol  und  läßt  wiederum  kristallisieren  (9).  Nachdem  der
größte  Teil  des  Esters  auskristallisiert  ist,  filtriert  man  abermals  ab  (10)  und
kristallisiert  -weiter  in  derselben  Weise  so  lange  um,  wie  die  Menge  des  Esters  ausreicht ­
  (11).  Von  der  dritten  Kristallisation  an  bestimmt  man  den  Schmelzpunkt  (12)
des  Esters  und  wiederholt  diese  Bestimmung  bei  jeder  folgenden  Kristallisation  (13).
Ist  bei  den  in  dieser  Weise  ausgeführten  Schmelzpunktbestimmungen
  bei  der  letzten  Kristallisation  der  Ester  bei  116°  (Korrigierter
Schmelzpunkt)  noch  nicht  vollständig  geschmolzen,  so  ist  ein  Zusatz
von  Pflanzenfett  anzunehmen,  schmilzt  der  Ester  aber  erst  bei  117°
(Korrigierter  Schmelzpunkt)  oder  noch  höher,  so  kann  ein  Gehalt  an
Pflanzenfett  mit  Bestimmtheit  als  erwiesen  angesehen  werden  (14).
Erläuterungen  zu  vorstehendem  Verfahren:
1-  Man  kommt  etwas  schneller  zum  Ziele,  wenn  man  aus  der  nach  der  zweiten  Verseifung ­
  erhaltenen  ätherischen  Lösung  den  Äther  bis  auf  einen  kleinen  Rest  abdestilliert,
diesen  sofort  in  das  Kristallisationsschälchen  überführt,  hierin  den  Eest  des  Äthers
abdunstet,  den  Rückstand  im  Wasserdampf-Trockenschranke  trocknet  und  dann  in
Alkohol  löst.
2.  Wir  haben  zu  den  Versuchen  stets  dünnwandige  Glasschälchen  mit  flachem  Boden
(von  Fr.  Hugershoff  in  Leipzig  bezogen)  verwendet  und  zwar  zu  den  ersten
Kristallisationen  in  der  Regel  Schälchen  von  6  cm,  zu  den  späteren  dagegen  solche
von  4  cm  oberem  Durchmesser.
3-  Es  empfiehlt  sich  stets  die  „Phytosterin-Probe“,  d.  h.  die  Bestimmung  der  Kristallform ­
  der  Alkohole  vor  der  Veresterung,  mit  der  Phytosterinacetat-Probe  zu
verbinden,  um  auch  gleichzeitig  ein  Urteil  darüber  zu  gewinnen,  ob  größere  oder  geringere ­
  Mengen  von  Pflanzenfett  vorhanden  sind.  Selbstredend  ist  es  nicht  notwendig,
die  Gesamtmenge  des  Roh  Cholesterins  zur  Phytosterin-Probe  in  Alkohol  zu  lösen
und  kristallisieren  zu  lassen;  man  kann  auch  sofort  einen  Teil  der  ätherischen  Lösung
oder  einen  Teil  des  festen  Rohcholesterins  bezw.  -phytosterins  abtrennen.  Immerhin
dürfte  sich  aber  das  oben  vorgeschlagene  Verfahren  als  am  besten  erweisen,  da  einerseits ­
  die  Kristalle  größer  und  daher  für  die  mikroskopische  Beobachtung  geeigneter
ausfallen  werden  und  andererseits  auch  auf  diese  Weise  der  Substanzverlust  am  geringsten ­
  sein  wird,
4-  Wir  verwendeten  stets  „Acidum  aceticum  purissimum  anhydricum“  von  E.  Merck  in
Darmstadt.  Die  angegebene  Menge  von  2—3  com  genügt,  wenn  es  sich  um  Tierfette
oder  Gemische  dieser  mit  wenigen  Prozenten  Pflanzenfett  handelt,  für  die  bei  diesen
vorkommenden  geringen  Cholesterinmengen.  Enthält  das  Fett  größere  Mengen  von
Pflanzenfetten  oder  ist  es  ein  reines  Pflanzenfett,  und  ist  die  Menge  des  Rohcholesterins
bezw.  -phytosterins  infolgedessen  größer,  so  empfiehlt  es  sich  entsprechend  mehr
Essigsäureanhydrid  zu  verwenden.
o.  Es  empfiehlt  sich  das  Schälchen  beim  Erhitzen  mit  dem  Essigsäureanhydrid  bedeckt
zu  halten,  einerseits,  weil  man  dadurch  eine  Belästigung  durch  die  unangenehm  auf
die  Augen  wirkenden  Dämpfe  des  Essigsäureanhydrides  vermeidet,  andererseits  aber
hauptsächlich  deswegen,  weil  auf  diese  Weise  durch  das  an  den  Wänden  der  Schale
und  an  dem  Uhrglase  sich  wieder  verdichtende  Essigsäureanhydrid  etwaige  Teile  des
Rohcholesterins,  welche  sich  vorher  beim  Verdunsten  der  Lösung  an  den  Wänden
        <pb n="563" />
        540

Speisefette  und  -öle.

des  Schälchens  angesetzt  haben,  wieder  sicher  in  die  Flüssigkeit  zurückgebracht  und
verestert  werden.
6.  Der  Verdunstungsrüokstand  stellt  bei  Wasserbadwärme  in  der  Eegel  eine  hellbraune
klare  harzige  Masse  dar,  die  beim  Erkalten  meist  trübe  und  fest  wird.
7.  Die  erforderliche  Menge  richtet  sich  ganz  nach  der  Menge  des  vorhandenen  Eohcholesterins
  bezw.  des  Esters.  Es  dürften  im  allgemeinen  wegen  der  Schwerlöslichkeit ­
  des  Esters  (100  ccm  absol.  Alkohol  vermögen  bei  17,5°  nur  0,60  g  Cholesterinester
und  0,47  g  Phytosterinester  in  Lösung  zu  halten!)  bei  reinen  tierischen  Fetten  und
solchen  mit  nur  wenig  Pflanzenfett,  aus  denen  man  etwa  0,1—  0,3  g  Eohcholesterin
erhält,  10—25  ccm  absol.  Alkohol  erforderlich  sein.  Bringt  mau  beim  Erhitzen  mit
diesen  Alkoholmengen  den  Ester  nicht  in  Lösung,  so  nimmt  man  eben  mehr  Alkohol.
Es  empfiehlt  sich,  die  erste  Kristallisation,  bei  der  es  vorwiegend  darauf  ankommt, ­
  die  Ester  von  den  nicht  kristallisierenden  Verunreinigungen  zu  trennen,  recht
langsam  etwa  in  1—2  Stunden  erfolgen  zu  lassen.  Erfolgt  die  Kristallisation  sofort
nach  dem  Erkalten,  so  empfiehlt  es  sich,  nach  Zusatz  von  etwas  Alkohol  die  Kristalle
nochmals  durch  Erwärmen  in  Lösung  zu  bringen.
8.  Es  empfiehlt  sich,  das  noch  feuchte  Filter  auf  einem  Tonteller  noch  möglichst  von  der
Flüssigkeit  zu  befreien.
9.  Bei  dieser  und  den  weiteren  Kristallisationen  kann  mau  die  Menge  des  zur  Lösung
der  Kristalle  dienenden  Alkohols  ohne  Nachteil  so  knapp  bemessen,  daß  die  größte
Menge  der  Kristalle  schon  nach  1 / 4 — 1 / 2  Stunde  auskristallisiert  ist;  nur  empfiehlt  es
sich  auch  hier,  bis  zum  Erkalten  der  Lösung  auf  Zimmertemperatur  das  Schälchen  mit
einem  Uhrglase  bedeckt  zu  halten,  damit  die  Erkaltung  und  Verdunstung  im  Anfänge
nicht  zu  schnell  erfolgt.
10.  Man  muß  natürlich  beim  Abfiltrieren  der  weiteren  Kristallisationen  immer  möglichst
kleine  Filterchen  nehmen  oder  aber  man  kann,  —  was  meist  noch  zweckmäßiger  erscheint ­
  —  etwa  von  der  dritten  Kristallisation  an  den  feuchten  Kristallbrei  mit  der
Mutterlauge,  anstatt  ihn  durch  ein  in  einem  Trichter  befindliches  Filter  zu  filtrieren,
mittels  eines  kleinen  Spatels  auf  die  Mitte  eines  Stückchens  möglichst  glatten  Filtrisrpapieres
  auf  einen  Tonteller  bringen  und  die  Mutterlauge  von  diesem  einsaugen
lassen.  Nachdem  dies  geschehen  ist,  deckt  man  die  Kristalle  behufs  vollständiger
Befreiung  von  der  noch  anhaftenden  Mutterlauge  mit  einigen  Tropfen  95  °/ 0 -igen
Alkohols.
11.  Dies  hat  man  naturgemäß  zum  Teil  selbst  in  der  Hand.  Läßt  man  bei  den  einzelnen
Kristallisationen  sehr  viel  auskristallisieren,  so  reicht  natürlich  die  Substanz  zu
öfteren  Kristallisationen  aus;  läßt  man  dagegen  nur  wenig  auskristallisieren,  so  erreicht ­
  man  dadurch  eine  verhältnismäßig  stärkere  Anreicherung  der  Kristalle  mit  etwa
vorhandenem  Phytosterinester.
12.  Es  empfiehlt  sich,  die  Schmelzpunktbestimmungen  mit  einem  verkürzten  Normalthermometer ­
  für  die  Temperaturen  100—150°  nach  Graebe-Anschütz  auszuführen,
und  dasselbe  bis  mindestens  zu  dem  Teilstriche  116°  bezw.  dem  zu  erwartenden
Schmelzpunkte  in  die  Heizflüssigkeit  eintauchen  zu  lassen.  In  diesem  Falle  ist  eine
Korrektur  des  Schmelzpunktes  nicht  erforderlich.  Benutzt  man  dagegen  ein  längeres
Thermometer,  so  genügt  es,  den  Schmelzpunkt  für  den  aus  der  Heizflüssigkeit  hervorragenden ­
  Quecksilberfaden  zu  korrigieren  nach  der  Gleichung:
S  =  T  +  n  (T  —  t).  0,000154
worin  bedeutet:
S  den  korrigierten  Schmelzpunkt,
T  den  beobachteten  Schmelzpunkt,
n  die  Länge  des  aus  der  Heizflüssigkeit  hervorragenden  Quecksilberfadens  in
Temperaturgraden,
t  die  mittlere  Temperatur  der  die  hervorragende  Quecksilbersäule  umgebenden  Luft,
gemessen  mittels  eines  zweiten  Thermometers,  welches  man  an  der  Mitte  des
hervorragenden  Quecksilberfadens  anbringt.
        <pb n="564" />
        Phytosterin-Probe  und  Phytosterinacetat-Probe.

541

13.  Es  erscheint  im  Interesse  der  Substanzersparung  nicht  erforderlich,  bei  jeder  Kristallisation ­
  Doppelbestimmungen  des  Schmelzpunktes  auszuführen,  da  sich  die  Schmelzpunkte ­
  einer  jeden  Kristallisation  jedesmal  durch  die  Schmelzpunkte  der  folgenden
Kristallisation,  die  gleich  oder  höher  sein  müssen,  kontrollieren  lassen.
14.  Die  Sohmelzpunktangaben  116  (korr.)  bezw.  117°  (korr.)  beziehen  sich  auf  die  vollständige ­
  Schmelzung  der  Ester,  während  der  Beginn  des  Schmelzens  (das  Durchsichtigwerden) ­
  durchweg  etwa  0,6°  tiefer  liegt.  Wenn  A.  Börner  bei  reinen  Essigsäure-Cholesterinestern ­
  den  Punkt  des  vollständigen  Schmelzens  auch  nicht  über  114,6°
(korr.)  gefunden  hat,  so  hält  er  es  doch  für  angebracht,  erst  von  116°  an  auf  einen
Zusatz  von  Pflanzenfett  zu  schließen,  da  die  Bestimmung  der  Schmelzpunkte  je  nach
der  Ausführung  derselben  von  verschiedenen  Beobachtern  vielfach  bei  einer  und  derselben ­
  Substanz  nicht  unerhebliche  Abweichungen  aufweist.  Ferner  hat  er  vorläufig
die  Grenze  —  117°  (korr.)  —,  von  der  an  mit  Bestimmtheit  auf  einen  Zusatz
von  Pflanzenfett  zu  schließen  ist,  absichtlich  so  weit  hinaufgesohoben,  obgleich  sie
voraussichtlich  schon  bei  116°  (korr.)  liegen  dürfte,  bis  ein  noch  größeres  Untersuchungsmaterial ­
  vorliegt.
Die  Phytosterinacetat-Probe  eignet  sich  zum  Nachweise  aller
Pfanzenfette  in  allen  Tierfetten. 1 )  Sie  ist  bis  jetzt  im  Prinzip  nur  eine
qualitative  Prüfung,  wenngleich  bei  geringen  Zusätzen,  wenn  die  Art  der
Pflanzenfette  bekannt  ist,  bei  längerer  Übung  und  beim  Vergleich  mit  Mischungen
von  bekanntem  Gehalt  eine  annähernde  Schätzung  der  zugesetzten  Menge  Pflanzenfett ­
  nicht  ausgeschlossen  ist.
l )  Bei  Wollfett  ist  das  Verfahren  noch  nicht  angewendet  worden  und  muß  vorlaufig
  dahingestellt  bleiben,  ob  dasselbe  bei  diesem  wegen  seines  hohen  Cholesteringehaltes
und  wegen  des  Gehaltes  an  Isooholesterin  den  Nachweis  von  Pflanzenfett  bezw.  geringer
Mengen  desselben  ermöglicht.
        <pb n="565" />
        542

Speisefette  und  -öle.

Uhersichtstabelle.

543

Übersichtstabelle  analytischer  Kon-I.
  Pflanzliche

Bezeichnung

Spezifisches  Gewicht
des  Fettes

Des  Fettes

Der
Fettsäuren

6

der
Fette  und  Öle.

bei  15°

bei  100°
(Wasser  von
15°  =  1)

Schmelzpunkt ­

Grad

Erstarrungspunkt ­

Grad

N  +3
”3  '“ä
1  “
rC  Q.
O  ^
Ul
Grad

Cß
5rj 1ä
.  Ö  ^
p
3  E  B
S  *
+3
GO
Grad

i

A.  Feste  Fette.
Palmfett  (-butter).  .  .  .

0.921—0,947

0,857—0,860

27—43

31—39

47—50

39—46

2

Palmkernfett

0,952—0,955

0,867—0,873

23—28

20—24

21—29

20—26

3

Kokosfett  (-butter)  .  .  .

0,925—0,926

0,863-0,874

20—28

14—23

24—27

16—23

4

Kakaofett  (-butter)  .  .  .

0,945—0,976

0,857—0,858

28-36

20—27

48-53

46—51

5

Mowrafett  (Bassia  longifolia)


0,918

25—42

17-36

40—45

38—40

6

Sheafett  (Bassia  Parkii)

0.963—0,955

0,859

23—28

17—18

40—57

38-52

7

Stillingiafett  (-talg)  .  .

0,916—0,921

0,860

35—53

24—38

39—57

34-56

8

Japantalg  (von  Rhus-Arten)  .

0,970—0,993

0,873—0,875

50—56

46—53

66-62

53—57

9

B.  Nichttrocknende
Öle.' 2 )
Olivenöl

0,914—0,920

0,862—0,864

flüssig

—  6  bis  +10

19—33

17—25

10

Mandelöl

0,914—0,920

—

11

—  10  bis  —22

13—14

5—12

11

Haselnußöl

0,915—0,924

—

h

—  10  bis  —  20

17—25

9—20

12

Erdnußöl

0,911-0,926

0,864—0,867

—  7  bis  +  3

27—36

22—32

13

Rüböl  (Rapsöl)

0,911—0,918

0,863

»

0  bis  —10

16-22

12-19

14

Ravisonöl

0,918-0,922

—

11

0  bis  —  8

—

—

15

Sesamöl

0.921—0,924

0,871

—  4  bis  —  6

21—32

18-29

16

Baumwollsamenöl  .  .  .

0,920-0,930

0,867—0,874

—  1  bis  -f-  4

34-  -43

31—40

17

Baumwollsamenstearin  .

0,919-0,923

—

26—40

16—33

27—3&amp;lt;

21—35

18

Maisöl

0,921—0,927

0,871—0,876

flüssig

—10  bis  —15

16—23

13—16

19

Bucheokernöl

0,920—0,923

—

11

—  17  bis  —18

23—24

17

20

Sojabohnenöl

0,924—0,927

—

11

8—15

27—29

23—25

21

Leindotteröl

0.920—0,933

—

ii

—  17  bis  —19

18-20

13-14

22

C.  Trocknende  Öle.
Sonnenblumenöl  .  .  .  .

0,924—0,936

0,919  (bei  90°)

»

—16  bis  —  19

17—24

17-18

21

Mohnöl

0.924—0.937

0,873

ii

—  17  bis  —19

20-21

16—17

24

Hanföl

0,925—0,931

—

—  28

17—19

14—16

2c

Walnußöl  .  .  -

0,925—0,928

0,870

—15  bis  —  28

—  28

15—2(

16—20

2t

Holzöl  (Elaeococca).  .  .

0,933—0,943

—

—

unter  —17

30-41

31—37

2 r

Leinöl

0,930—0,941

0,881

—16  bis  —  2C

—  20  bis  —  2 r

11—24

13-21

1 )  Die  Zahlen  der  Tabelle  der  2.  Auflage  sind  ergänzt  nach  Benedikt-Ulzer,  Analyse
Chemische  Technologie  und  Analyse  der  Öle,  Fette  und  Wachse,  Braunschweig  1905,  Fr.  Yieweg
2 )  Einen  Teil  dieser  Öle  bezeichnet  man  auch  wohl  als  halbtrocknende  öle,
3 )  Anscheinend  nicht  korrigierter  Schmelzpunkt.

stauten  von  Fetten  und  Ölen. 1 )
Fette  und  Öle.

Refraktometerzah  1
(Zeißsches  Butter-Refraktometer)


Verse
z

ifungsahl

KOH
1  g
ett)

Reichert-Meißlsche

Zahl
(für  6  g  Fett)

Jodzahl

Unverseifbarer

Anteil
der  Fette
0/

Schmelzpunkt
des
Phytosterins
bezw.
Cholesterins
(korrig.)

d
£5

bei  25°

bei  40°

(mg
für
F

des
Fettes

der
flüssigen
Fettsäuren

—

36,5

196

-203

0,3—1,0

50--52



94,6

wenig

139,1

i

36,5

241--255



3,4-6,8

10--18



—

0,23

140,1

2

33,5—35,5

246--268



6,0—8,5

8--10



32—54

—

—

3

46,0—47,8

192--202



0,2-1,6

33--42



—

—

—

4

—

—

188--192



1,7

50--64



2,34

_

5

'—

49,0

179--192



—

62--67



—

3,50

|

6

38  (bei  50°)

199--204



0,7

19--53



97,0

—

—

7

207--238



—

4--15



—

1,10—1,63

—

8

62 &amp;gt;0—62,8
64,0—04,8

63,0-56,4

185-188-



-195

0,3—1,5

79-93-



-102

93—104
102

0,46—1,40

138,0—138,5

9
10

RfS  ö  nn  ~

—

187--197



1,0

83--90



91—98

0,50

—

11

67,5

57,5

186--197



0—1,6

83--105



106—129

0,38—0,94

140,3—141,2

12

OÖ,ü

58,5—59,2

168--179



0-0,9

94--106



121—126

0,50—1.00

140,6—143,7

13

G,6

—

174--179



—

101--122



124

1,45—1,66

—

14

D ’^~-69,0
67  ß  n*  ,

58,2—60,6

187--195



0,1-1,2

103--115



129—140

0,95—1,32

140,1—140,4

15

69,4

68,4-61,0

191--198



0,5—1,0

101--117



|l42—152

)0,73—1,64\

139,1—139,31

16

—

194--195



—

89--104



l  0,27  )

17

*1,5

—

188--203



0,3-0,7

111--131



136—144

1,35—2,86

138,0—138,3 3 )

18

—

191--196



—

104--120



—

—

—

19

—

190--193



—

121--124



131

0,22

—

20

—

188

—

133--142



165

—  '

—

21

72,2
72,0—-74,5

63,4
65,2

188-189-



-198

0,5
0—0,6

120-131-



-158

164
150

0,31
0,43-0,50

139,6

22
23

—

190--193



—

140--166



—

1.08

140,6

24

64,8—68,0

186--197



—

132--152



167

—

25

8l &amp;gt;°-87,5

72,5—74,5

179-188-



-195

0—0,9

150-170-



-202

146
190—210

0,42—1,10
0,64—2,30

140,1

26
27

Sohn  .  W ac hsarten,  4.  Au:
’  S0wie  nach  Einzelarbeiten.

Berlin,  Julius  Springer,  1903,

und  J.  Lewkowitsch,
        <pb n="566" />
        544

Speisefette  und  -öle.

II.  Tierische

Bezeichnung

Spezifisches  Gewicht

Des  Fettes

Der
Fettsäuren

d
£

der
Fette  und  Öle

bei  15 0

bei  100°
(Wasser  von
15°=  1)

Schmelzpunkt ­

Grad

Erstarrungspunkt ­

Grad

i  4*
1  |
O
CQ
Grad

1
CO
fcß
3  S
S  g
■s
s
w
Grad

1

Kuhbutterfett

0,926—0,946

0,863—0,870

28—35

19—26

38-45

33-38

2

Margarinefett 1  2 )

0,925—0,930

0,859

32—35

20—22

42

39,8

3

Rindsfett

0,943—0,953

0,860-0,861

42—50

27—38

41—47

39-47

4

Hammelfett

0,937—0,961

0,858—0,860

43—55

31-41

41—57

39—62

5

Oleomargarine

0,924-0,930

0,859-0,860

34

—

42-46

40-43

6

Schweinefett

0,931—0,938

0,869—0,864

34—48

26—32

35—47

34—42

7

Kunstspeisefett 1 )  ....

—

—

—

—

—

—

8

Schmalzöl

0,916

0,863

—

—

—

—

9

Pferdefett

0,916—0,933

0,861

15—54

20—48

36—44

30—38

10

Knochenfett

0,914-0,926

—

21—22

15—17

30-45

36-43

11

Gänsefett

0,916-0,930

—

25—40

18—34

35—41

31—40

12

Eieröl

0,914

0,881

22—25

8—10

36-39

—

13

Dorschlebertran

0,920—0,941

0,874

flüssig

0  bis  —  10

21—25

13—24

14

Robbentran

0,916-0,930

0,873

—  2  bis  —  3

22—23

16-20

15

Walfisch  trän

0,917-0,931

0,872

11

—

14-27

20—27

16

Delphintran

0,927

—

5  bis  —  3

—

—

17

IWollschweiß-troh.  .  .

0,941—0,945

—

31-43

30-30,2

41,8

40

18

/  fett  \  gereinigt  .

0,973

0,902
(bei  98,5°)

38-40

III.  Sonstige  Fette,

Bienenwachs

0,969—0,975

0,813—0,827

63—70

60-63

—

Fichtenharz

1,070

—

90—100

—

Harzöl

0,960—1,000

—

—

—

Mineralöle

0,850-0,932

—

—

0  bis  —  10

—

Paraffin

0,869—0,943

0,750—0,800

50-60

38-82

—

Ceresin

0,918-0,922

61—68

J )  Dieses  Fett  enthält  fast  stets  Pflanzenfette.  Die  höchsten  Yerseifungszahlen  und  Reichert-2
 )  Bei  der  Milch  einzelner  Kühe  sind  noch  niedrigere  Zahlen  beobachtet  worden.
®)  Schmelzpunkt  des  Acetates.
4 )  Bei  japanischem  und  chinesischem  Schweinefett  wurden  Jodzahlen  des  Fettes  bis  101,7
bis  57,3.

Fette  und  Öle.

Übersichtstabelle.

545

B-efraktometerzahl
(Zeißsches  Butter-Refraktometer)


bei  25o

bei  40°

68,5
76,0
72,7
65-70

Verseifungszahl ­

(mg  KOH
für  1  g
Fett)

Reichert-I
Meißlsche
Zahl
(fürögFett)]

Jodzahl

des
Fettes

39,4—46,C

219-233

17 3 )—34

26—38

48,6—60,1

192—220 4 )

0,1—6,5 1

48—77

45,0—50,0

193—200

0,1—1,0

35-48

47,5-48,7

192-198

0,1-1,2

33-46

—

192—200

0,1-1,0

44—66

48,5-51,5

195—200

1,1

46—77 1 )

53

195—200

0,1-1,6

70—88

41,0

193

—

67—88

61,0—60,0

183—200

0,2-2,1

71-90

—

181—195

—

46-63

50,0—51,5

184—198

0—2,0

59-81

—

184—191

0,4—0,7

69—82

71

171—206

—

123-181

64,0

178—196

0,1-0,2

127-161

56,0

188—224

0,7—12,5

106—140

■—

197—203

11,2

100—127

■—

78—109

7—10

20—21

98—127

12,3

11-15

der
flüssigen
Fettsäuren ­


89—92
92,7
89—116  J )j
117—133
94-95,8)
124—125

167.6
144.7

Unverseifbarer

Anteil
der  Fette

0,31-0,51
0,25—0,31
0,12—0,17
0,16
0,18-0,19
0,10—0,28

Schmelzpunkt
des
Cholesterins
bezw.
Phytosterins
(korrig.)

0,5-1,8
4,50
0,54—7,83
0,38—1,40
0,65—3,72
38,7—44,0

148,4—150,3
1136,0—142,2^
\  (128-131) 3 )  /
149.2—  150,0
160,0
149.3—  160,0
148,9—150,7
(123-127) 3 )

150,5
150,5

° ,e  oa«  Wachse.

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18

^ 6 iß  Ischen

42,9-45,6
(berechnet)

88—107

0,3—0,5

4—14

—

52,4—55,6

“—'

178—182

—

122—137

—

_

_

—

—

—

—

98,7

—

—

—

—

100

—

—

2-3

—

100

0—0,6

100

—

a hleu  sind  durch  einen  Gehalt  an  Kokosfett  bedingt.

Und  Solchc  der  flüssigen  Fettsäuren  bis  138,7  beobachtet;  die  Refraktometerzahlen  bei  40°  gingen
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  35
        <pb n="567" />
        546

Speisefette  und  -öle.

Untersuchung  und  Beurteilung  der  verschiedenen
Speisefette  und  -öle.
Um  unnötige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  haben  wir  die  wichtigsten  analytischen ­
  Konstanten  der  hauptsächlichsten  Speisefette  und  -öle,  sowie  der  zu  ihrer
Verfälschung  dienenden  Fette  und  Öle  in  den  Tabellen  (S.  542—545)  zusammengestellt. ­
  Hinsichtlich  der  Beurteilung  der  Speisefette  und  -öle  auf  Grund  dieser
ihrer  Konstanten  ist  zu  berücksichtigen,  daß  in  die  Tabellen,  soweit  wie  möglich,
alle  bei  den  betr.  Fetten  und  ölen  beobachteten  Zahlen  Aufnahme  gefunden  haben,
und  daß  vielleicht  bei  der  Ermittelung  mancher  dieser  Zahlen  nicht  hinreichend  zuverlässig ­
  reine  oder  alte  und  ranzige  Fette  und  öle  Vorgelegen  haben.
Die  in  der  Kegel  beobachtete  Höhe  dieser  Konstanten  wird,  soweit  dies
erforderlich  ist,  bei  den  einzelnen  Speisefetten  und  -ölen  noch  besonders  angegeben
werden.
I.  Butter  und  Butterschmalz.
Butter  ist  das  erstarrte,  aus  der  Milch  abgeschiedene  Fett,  welches  noch
eine  gewisse  Menge  süßer  oder  saurer  Magermilch  in  gleichmäßiger  und  feinster  Verteilung ­
  eingeschlossen  enthält.
Der  Hauptbestandteil  der  Butter  ist  das  der  Kuhmilch  entstammende  Fett.
Das  Butterfett  unterscheidet  sich  wesentlich  dadurch  von  anderen  tierischen
Fetten,  daß  es  neben  den  Glyzeriden  der  höheren  Fettsäuren  (öl-,  Palmitin-  und
Stearinsäure)  auch  eine  größere  Menge  von  Glyzeriden  der  niederen,  flüchtigen  Fettsäuren ­
  (Buttersäure,  Kapron-,  Kapryl-  und  Kaprinsäure  usw.)  enthält.
Die  mittlere  Zusammensetzung  der  Butter  ist  nach  zahlreichen  Untersuchungen
folgende:
Wasser  Fett  Kasein  Milchzucker  Milchsäure  Salze
13,45  °/„  83,70  °/ 0  0,76  °/ 0  0,50  »/„  0,12  «/„  1,59  °/ 0 .
Je  nach  der  Bereitungsweise  unterscheidet  man  Butter  aus  süßem  und  solche
aus  saurem  Rahm,  je  nach  Jahreszeit  und  Fütterungsweise  Winterbutter  und
Sommerbutter  (Grasbutter),  je  nach  der  Güte  Tafelbutter,  Bauern-  oder  Landbutter,
Faktoreibutter  usw.
Um  eine  größere  Haltbarkeit  des  Butterfettes  zu  erzielen,  wird  die  Butter
häufig  durch  Schmelzen  von  Wasser,  Kasein,  Milchzucker  und  Salzen  befreit;  die
Butter  wird,  wie  man  zu  sagen  pflegt,  ausgelassen.  Das  durch  Schmelzen  der
Butter  von  den  Milchbestandteilen  getrennte  klare  Fett  bildet  erkaltet  das  Butterschmalz, ­
  die  Schmalz-  oder  Schmelzbutter,  in  Suddeutschland  Rindsschmalz,  auch
einfach  Schmalz  genannt.
Der  Zusatz  von  Kochsalz  zur  Butter,  den  man  in  Suddeutschland  nicht
kennt,  ist  in  Mittel-  und  Norddeutschland  fast  allgemein  üblich  und,  sofern  er  sich
in  mäßigen  Grenzen  hält,  nicht  zu  rügen.
Um  der  Butter,  welche  im  Winter  bei  Trockenfütterung  nahezu  weiß  ist,
im  Sommer  bei  Grünfütterung  dagegen  eine  mehr  oder  minder  gelbe  Farbe  hat,  das
ganze  Jahr  hindurch  eine  gleichmäßige  Farbe  zu  geben,  wird  die  Winterbutter
vielfach  gefärbt.
Neuerdings  wird,  namentlich  in  Amerika 1 ),  ranzige  und  sonstwie  verdorbene
Butter  durch  Auslassen,  Behandeln  mit  Luft,  erneutes  Emulgieren  mit  Milch  und
darauffolgende  Verbutterung  wieder  aufgefrischt  (Renovated-  oder  Prozeßbutter).
1 )  Vergl.  Oh.  A.  Crampton,  Die  Zusammensetzung  von  „Prozeß-  oder  Renovated-Butter“.
  —  Journ.  Americ.  Chem.  Soc.  1903,  25,  358;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  43.
        <pb n="568" />
        Butter  und  Butterschmalz.

547

35*

Durch  fehlerhafte  Darstellung  oder  Aufbewahrung  kann  die  Butter  leicht
verderben.  Mangelhaftes  Auskneten  der  Butter,  d.  h.  ungenügende  Entfernung  der
Buttermilch,  läßt  sie  rasch  in  Zersetzung  übergehen,  die  sich  meist  in  der  Zunahme ­
  des  Gehaltes  an  freien  Fettsäuren  äußert.  Ferner  bewirkt  Aufbewahrung
in  unreinen  Gefäßen,  Zutritt  von  Luft  und  Licht  das  schnelle  Eanzigwerden
und  das  Talgigwerden  der  Butter.  Durch  die  Tätigkeit  von  Mikroorganismen
entstehen  Fehler  im  Geschmack,  Geruch  und  Aussehen  der  Butter  (verschimmelte
und  rote  Butter  usw.).
Die  hauptsächlichsten  Verfälschungen  der  Butter  sind:
1.  Absichtliche  Erhöhung  des  Wasser-  oder  Salzgehaltes  der  Butter.
2.  Ersatz  des  Butterfettes  durch  andere,  minderwertige  Fette  tierischen  oder  pflanzlichen ­
  Ursprungs.
3.  Zusätze  von  Frischhaltungsraitteln,  wie  Borsäure,  Salizylsäure,  Formalin  usw.
4.  Verkauf  von  wieder  aufgefrischter  Butter  als  frische  Butter.
Ein  Zusatz  von  gewichtsvermehrenden  Mineralbestandteilen  oder  von  Mehl,  geriebenen
Kartoffeln,  Quark  und  dergl.  dürfte  im  allgemeinen  nur  selten  verkommen;  dasselbe  gilt
von  der  Verwendung  giftiger  Farben  zum  Färben  der  Butter.
Für  das  Butterschmalz  kommt  als  Verfälschung  fast  ausschließlich  der  Zusatz
von  fremden  Fetten  in  Betracht.

Probenahme.*)
Für  die  Untersuchung  und  richtige  Beurteilung  der  Butter  ist  zunächst  die
richtige  Probenahme  von  großem  Belang.  Hierfür  ist  zu  beachten:
1.  Die  Entnahme  der  Proben  hat  an  verschiedenen  Stellen  des  Buttervorrates  zu
erfolgen,  und  zwar  von  der  Oberfläche,  vom  Boden  und  aus  der  Mitte.  Zweckmäßig  bedient
man  sich  dabei  eines  Stechbohrers  aus  Stahl  (etwa  56  cm  lang),  wie  solche  z.  B.  in  Hamburg
gebräuchlich  sind.  Die  Menge  der  Probe  soll  nicht  unter  250  g  betragen.
2.  Die  einzelnen  entnommenen  Proben  sind  mit  den  Handelsbezeichnungen  (z.  B.
Dauerbutter,  Tafelbutter  usw.)  zu  versehen.
3.  Aufzubewahren  bezw.  zu  versenden  ist  die  Probe  in  sorgfältig  gereinigten  Gefäßen ­
  von  Porzellan,  glasiertem  Ton,  Steingut  (Salbentöpfe  der  Apotheker)  oder  von  dunkel
gefärbtem  Glas,  welche  sofort  möglichst  luft-  und  lichtdicht  zu  verschließen  sind.  Die
Versendung  geschehe  ohne  Verzug.  Insbesondere  für  die  Beurteilung  eines  Fettes  auf
Grund  des  Säuregrades  ist  jede  Verzögerung,  ungeeignete  Aufbewahrung  sowie  Unreinlichkeit
zu  vermeiden.

3.
4.
5.
6.

Die  chemische  Untersuchung  kann  sich  ertrecken  auf:
1.  die  Bestimmung  der  allgemeinen  Bestandteile  (W  asser,  Fett,  Kasein,  Mi  c
zucker,  Salze  usw.)  der  Butter.
2  den  Nachweis  von  Frischhaltungsmitteln,
„  „  der  Verdorbenheit,
,,  „  wieder  auf  gefrischter  Butter,
„  „  fremder  Fette  im  Butterfett,
„  „  fremder  Farbstoffe.
Bei  den  unter  1—4  aufgeführten  Untersuchungen  verwendet  man  die  natürliche ­
  nicht  ausgelassene  Butter,  bei  den  beiden  letzten  dagegen  das  ausgelassene,
klar  filtrierte  Butterfett. 2 )
Im  wesentlichen  nach  der  amtlichen  „Anweisung“  von  1.  April  1898  zum  Gesetz
hetr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897.
2 )  Wo,  wie  in  Sttddeutschland,  das  bereits  ausgelassene  Fett  (Butterschmalz)  als
Speisefett  Verwendung  findet,  muß  natürlich  die  Prüfung  aut  Verdorbenheit  in  diesem
vorgenommeu  werden;  ebenso  bestimmt  man  auch  den  Säuregrad  in  der  Regel  nur  im
ansgelassenen  Butterfette.
        <pb n="569" />
        548

Speisefette  und  -öle.

Die  G-esamtprobe  ist,  wenn  nötig  unter  vorsichtigem  gelindem  Erwärmen,
vor  dem  Beginn  der  Untersuchung  zu  einer  gleichmäßigen  Masse  zu  durchmischen.
A.  Untersuchung  der  natürlichen  —  nicht  ausgelassenen  Butter.
Zu  diesen  Untersuchungen  verwendet  man  die,  wie  vorstehend
angegeben,  zu  einer  gleichmäßigen  Masse  verarbeitete  —  nicht  ausgelassene ­
  —  Butter.
1.  Bestimmung  des  Wassers.  5  g  der  gleichmäßig  durchmischten  Butter
werden  in  einer  mit  grob  gepulvertem,  ausgeglühtem  Bimsstein  beschickten,  tarierten,
flachen  Nickel-  oder  Platinschale  abgewogen.  Die  Schale  wird  in  einen  Soxhletschen
Trockenschrank  mit  Glyzerinfüllung  oder  einen  Vakuumtrockenapparat  gestellt.  Nach
einer  halben  Stunde  wird  die  im  Trockenschrank  erfolgte  Gewichtsabnahme  festgestellt; ­
  fernere  Gewichtskontrollen  erfolgen  nach  je  weiteren  10  Minuten,  bis  keine
Gewichtsabnahme  mehr  zu  bemerken  ist;  zu  langes  Trocknen  ist  zu  vermeiden,  da
alsdann  durch  Oxydation  des  Fettes  wieder  Gewichtszunahme  eintritt.
2.  Bestimmung  des  „wasserfreien  Nichtfettes“.  (Kasein,  Milchzucker  und
Mineralbestandteile.)  5  bis  10  g  Butter  werden  in  einem  flachen  Wägeglase  unter
häufigem  Umschütteln  im  Trockenschranke  bei  100°  vom  größten  Teile  des  Wassers
befreit;  nach  dem  Erkalten  wird  das  Fett  mit  absolutem  Alkohol  und  Äther  gelöst,
der  Rückstand  durch  ein  gewogenes  Filter  von  bekanntem  geringem  Aschengehalte
filtriert  und  mit  Äther  hinreichend  nachgevraschen.
Das  getrocknete  Filter  wird  in  dem  benutzten  Wägeglase  gewogen  und  ergibt
die  Menge  des  wasserfreien  Nichtfettes  (Kasein  +  Milchzucker  -(-  Mineralbestandteile
-)-  etwa  vorhandenes  sonstiges  Nichtfett).
Zur  Bestimmung  der  Mineralbestandteile  wird  das  Filter  samt  Inhalt
und  der  etwa  im  Wägegläschen  verbliebene  Rückstand  in  einer  Platinschale  mit
kleiner  Flamme  verkohlt.  Die  Kohle  wird  mit  W T asser  angefeuchtet,  zerrieben  und
mit  heißem  Wasser  wiederholt  ausgewaschen;  den  wässerigen  Auszug  filtriert  man
durch  ein  kleines  Filter  von  bekanntem  geringem  Aschengehalte.  Nachdem  die
Kohle  ausgelaugt  ist,  gibt  man  das  Filterchen  in  die  Platinschale  zur  Kohle,
trocknet  beide  und  verascht  sie.  Alsdann  gibt  man  die  filtrierte  Lösung  in  die
Platinschale  zurück,  verdampft  sie  nach  Zusatz  von  etwas  Ammoniumkarbonat  zur
Trockne,  glüht  ganz  schwach,  läßt  im  Exsikkator  erkalten  und  wägt.
Zieht  man  den  auf  diese  Weise  ermittelten  Gehalt  an  Mineralbestandteilen
von  der  Gesamtmenge  des  „wasserfreien  Nichtfettes“  ab,  so  erhält  man  die  Menge
des  „organischen  Nichtfettes“,  das  im  wesentlichen  aus  Kasein  und  Milchzucker
besteht.
„Die  Bestimmung  des  Chlors  erfolgt  entweder  gewichtsanalytisch  oder
maßanalytisch  in  dem  wässerigen  Auszuge  der  Asche,  bezw.  bei  hohem  Koohsalzgehalte
  der  Asche  in  einem  abgemessenen  Teile  des  auf  ein  bestimmtes  Volumen
gebrachten  Aschenauszugs  nach  folgenden  Verfahren:
a)  Gewichtsanalytisch.  Der  wässerige  Auszug  der  Asche  oder  ein  abgemessener ­
  Teil  desselben  wird  mit  Salpetersäure  angesäuert  und  das  Chlor  mit
Silbernitratlösung  gefällt.  Der  Niederschlag  vom  Chlorsilber  wird  auf  einem  Filter
von  bekanntem  geringem  Aschengehalte  gesammelt  und  bei  100°  getrocknet.  Dann
wird  das  Filter  in  einem  gewogenen  Porzellantiegel  verbrannt.  Nach  dem  Erkalten
befeuchtet  man  den  Rückstand  mit  einigen  Tropfen  Salpetersäure  und  Salzsäure,
verjagt  die  Säuren  durch  vorsichtiges  Erhitzen,  steigert  dann  die  Hitze  bis  zum
        <pb n="570" />
        Butter  und  Butterschmalz.

549

Schmelzen  des  Chlorsilbers  und  wägt  nach  dem  Erkalten.  Jedem  Gramm  Chlorsilber
entsprechen  0,247  g  Chlor  oder  0,408  g  Chlornatrium.
b)  Maßanalytisch.  Man  versetzt  den  wässerigen  Aschenauszug  bezw.  einen
abgemessenen  Teil  desselben  mit  1—2  Tropfen  einer  kalt  gesättigten  Lösung  von
neutralem,  gelbem  Kaliumchromat  und  titriert  ihn  unter  fortwährendem  sanften  Umschwenken ­
  oder  Umrühren  mit  1 / 10  Normal-Silbernitratlösung;  der  Endpunkt  der
Titration  ist  erreicht,  wenn  eine  nicht  mehr  verschwindende  Eotfärbung  auftritt.
Jedem  Kubikzentimeter  1 /lO  Normal-Silbernitratlösung  entsprechen  0,003545  g  Chlor
oder  0,00585  g  Chlornatrium.“
Zur  Bestimmung  des  Kaseins  wird  aus  etwa  5—10  g  Butter  durch  Behandlung ­
  mit  Alkohol  und  Äther  und  darauffolgendes  Filtrieren  durch  ein  schwedisches
Filter  die  Hauptmenge  des  Fettes  entfernt.  Im  Filter  nebst  Inhalt  bestimmt  man
nach  Kjeldahl  den  Stickstoff  und  berechnet  aus  diesem  durch  Multiplikation  mit
6,37  den  Kaseingehalt  der  Butter.  Zieht  man  von  dem  gefundenen  Gehalte  an
„wasserfreiem  Nichtfett“  die  getrennt  bestimmten  Mengen  Kasein-f-  Mineralbestandteile
ab,  so  bleibt  in  der  Kegel  ein  kleiner  Rest,  zu  dessen  Bestandteilen  die  geringen
in  der  Butter  vorhandenen  Mengen  Milchzucker  gehören.
3.  Bestimmung  des  Fettes.  Der  Fettgehalt  der  Butter  kann  bestimmt  werden:
1.  Indirekt,  indem  man  den  Gehalt  an  Wasser  +  „wasserfreiem  Nichtfett“
von  100  abzieht.
2.  Dir  eckt  nach  einem  der  ersten  3  folgenden  Verfahren:
a)  Durch  Eindampfen  eines  aliquoten  Teiles  der  bei  der  Bestimmung  des
„wasserfreien  Nichtfettes“  (Kasein  +  Milchzucker  +  Salze)  erhaltenen,  auf  ein  bestimmtes ­
  Volumen  aufgefüllten  Fettlösung.
b)  5  g  Butter  werden  in  einer  Porzellanschale  geschmolzen  und  mit  20  g  Gips
gemischt,  dann  6  Stunden  lang  bei  etwa  100°  getrocknet  und  das  nach  dem  Erkalten
erhaltene  trockne  Pulver  mit  absolutem  Äther  im  Extraktionsapparate  bis  zur  Erschöpfung ­
  ausgezogen.
c)  Nach  Eöse-Gottlieb.  A.  Hesse 1 )  hat  die  Anwendung  dieses  Verfahrens
(vergl.  S.  453)  für  die  Bestimmung  des  Fettes  in  der  Butter  vorgesohlagen.  Er
verfährt  folgendermaßen:  1,5—2,0  g  der  gut  durchgemischten  Butter  werden  in  einer
ungefähr  3  cm  langen  halbzylindrischen,  durch  Aufspalten  einer  dünnwandigen
Glasröhre  erhaltenen  Wägeform  abgewogen  und  in  den  Gottliebschen  Schüttelzylinder ­
  geschoben.  Durch  Zufügen  von  8  ccm  heißem  Wasser  —  so  daß  man  also
ungefähr  10  ccm  Flüssigkeit  erhält  —  bringt  man  die  Butter,  nötigenfalls  durch
Einstellen  des  Zylinders  in  warmes  Wasser,  zum  Schmelzen,  mischt  mit  1  ccm
Ammoniak  und  darauf  mit  10  ccm  Alkohol  gut  durch,  bis  sich  die  Eiweißstoffe
aufgelöst  haben,  und  schüttelt  dann,  wenn  sich  die  Mischung  abgekühlt  hat,  mit
-o  ccm  Äther  und  darauf  mit  25  ccm  Petroläther  durch.  Sobald  die  Fettlösung
lar  geworden  ist,  hebert  man  sie  in  ein  Kölbchen  ab,  fügt  nochmals  50  ccm  Äther
inzu,  hebert  wieder,  ohne  durchgeschüttelt  zu  haben,  ab,  schüttelt  darauf  mit
ccm  einer  Mischung  von  gleichen  Teilen  Äther  und  Petroläther  durch  und  fügt
lese  Lösung  nach  vollständigem  Absetzen  und  Klarwerden  zu  den  ersten  beiden  Abe
  erungen  im  Fettkölbchen;  darauf  verdunstet  man  den  Äther,  trocknet  und  wägt
uas  zurückbleibende  Fett.
,  “)  N.  Gerber  hat  auch  ein  acidbutyrometrisches  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Fett-11
  Wassergehaltes  der  Butter  ausgearbeitet.  Nach  H.  Lübrig  und  F.  Wiedmann 3 )
9  Zoitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  673.
„  „  9  Bericht  des  ehern.  Untersuchungsamtes  Chemnitz  1903;  Zeitschr.  f.  Untersuchung
■  JNahrungs-  und  Genußmittel  1904,  8,  247.
        <pb n="571" />
        550

Speisefette  und  -öle.

können  diese  Verfahren  wohl  zur  Vorprobe  dienen,  dagegen  sind  sie  als  genaue  Verfahren
nicht  anzusehen.  Es  sei  daher  hier  nur  darauf  verwiesen.
4.  Nachweis  von  Getreidemehl,  Kartoffelbrei  usw.  Vereinzelt  hat  man  Butter
mit  Mehl.  Kartoffelbrei  oder  zerriebenem  Käsequark  verfälscht.
Diese  Zusätze  ergeben  sich  leicht  durch  Auflösen  der  Butter  in  Alkohol-Äther,
  wobei  sie  ungelöst  Zurückbleiben  und  durch  Sammeln  auf  einem  gewogenen
und  getrockneten  Filter  der  Menge  nach  bestimmt  werden  können.  Man  überzeugt
sich  ferner  durch  eine  mikroskopische  Untersuchung  von  der  Art  des  Rückstandes
und  ermittelt  den  Stärkegehalt,  bezw.  den  des  Stickstoffs  (bei  Käsequarkzusatz)  in
üblicher  Weise  quantitativ.
5.  Nachweis  und  Bestimmung  von  Frischhaltungsmitteln.  In  diesem  Abschnitte ­
  sind  die  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Frisohhaltungsmittel  meist  nach
der  „Anweisung“  vom  1.  April  1898  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.
vom  15.  Juni  1897  und  der  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D  vom
30.  Mai  1902  zum  „Fleischbeschau-Gesetz“  vom  3.  Juni  1900  aufgenommen  worden,
obgleich  manche  dieser  Frischhaltungsmittel  bei  Butter  noch  nicht  beobachtet  sind
und  auch  wohl  nicht  verwendet  werden  können.
a)  Nachweis  der  Borsäure  und  ihrer  Salze.  „10  g  Butter  werden  mit  alkoholischem ­
  Kali  in  einer  Platinschale  verseift,  die  Seifenlösung  eingedampft  und  verascht. ­
  Die  Asche  wird  mit  Salzsäure  übersättigt.  In  die  salzsaure  Lösung  taucht
man  einen  Streifen  gelbes  Kurkumapapier  und  trocknet  das  Papier  auf  einem
Uhrglase  bei  100°.  Bei  Gegenwart  von  Borsäure  zeigt  die  eingetauchte  Stelle  des
Kurkumapapieres  eine  rote  Färbung,  die  durch  Aufträgen  eines  Tropfens  verdünnter
Natriumkarbonatlösung  in  Blau  übergeht.“  („Anweisung“  vom  1.  April  1898  zum
Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897.)
Nach  der  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D  vom  30.  Mai  1902  zum
„Fleischbeschau-Gesetz“  vom  3.  Juni  1900  nimmt  man  auf  10  g  Fett  20  ccm
alkoholische  Kalilauge  (13  g  Kaliumhydroxyd  in  100  ccm  Alkohol  von  70  Volumprozent). ­
  Auch  kann  nach  diesen  Ausführungsbestimmungen  bei  der  Untersuchung
von  Margarine  das  beim  Schmelzen  des  Fettes  sich  absetzende  Wasser  direkt
auf  Borsäure  geprüft  werden.  Dasselbe  Verfahren  dürfte  sich  auch  hei  der  Untersuchung ­
  von  Butter  auf  Borsäure  empfehlen.
Ferner  wird  nach  diesen  Ausführungsbestimmungen  der  von  der  Prüfung  mit
Kurkuma  übrig  bleibende  Teil  der  salzsauren  Lösung  alkalisch  gemacht,  eingedampft,
der  Rückstand  mit  Salzsäure  schwach  ungesäuert,  die  Flüssigkeit  in  eine  Woulffsche
Flasche  gebracht,  mit  Methylalkohol  versetzt,  Wasserstoff  durchgeleitet  und  letzterer
angezündet;  bei  Gegenwart  von  Borsäure  brennt  er  mit  grüngesäumter  Flamme.
Zur  quantitativen  Bestimmung  der  Borsäure  verascht  man  10—20  g  Butter
in  der  oben  angegebenen  Weise  und  verfährt  im  übrigen  nach  dem  S.  480  beschriebenen
Verfahren  von  Jörgensen.  Ferner  sei  hier  auch  auf  das  von  A.  Beythien 1 )  angegebene
einfache  Verfahren  zur  annähernden  Bestimmung  der  Borsäure  in  Margarine  verwiesen.
b)  Nachweis  der  Salizylsäure  und  ihrer  Salze.  „Man  mischt  in  einem  Probierröhrchen ­
  4  ccm  Alkokol  von  20  Volumprozent  mit  2—3  Tropfen  einer  verdünnten
Eisenchloridlösung,  fügt  2  ccm  Butterfett  hinzu  und  mischt  die  Flüssigkeit,  indem
man  das  mit  dem  Daumen  verschlossene  Probierröhrchen  40—50-mal  umschüttelt.
Bei  Gegenwart  von  Salizylsäure  färbt  sich  die  untere  Schicht  violett.“  („Anweisung“ ­
  vom  1.  April  1898  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom
15.  Juni  1897.)

1 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  764.
        <pb n="572" />
        Butter  und  Butterschmalz.

551

Da  ein  beträchtlicher  Teil  der  Salizylsäure  in  dem  Wasser  der  Butter  gelöst
sein  wird  und  wohl  auch  sein  muß,  wenn  sie  wirklich  frischhaltend  wirken  soll,
so  dürfte  es  sich  empfehlen,  zu  der  Prüfung  auf  Salizylsäure  nicht  das  Butterfett,
sondern  die  Butter  selbst  zu  verwenden,  diese  in  dem  Probierröhrchen  bis  zum
eben  beginnenden  Schmelzen  zu  erwärmen  und  darauf  die  alkoholische  Eisenchloridlösung ­
  hinzuzugeben.
c)  Nachweis  von  Formaldehyd  und  Hexamethylentetramin.  An  Stelle  des  in
der  amtlichen  „Anweisung“  vom  1.  April  1898  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit
Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  angegebenen  Verfahren  empfiehlt  sich  für  den
Nachweis  des  Formaldehyds  die  Anwendung  der  Vorschrift  der  Anlage  d  zu  den
Ausführungsbestimmungen  D  vom  30.  Mai  1902  zum  Fleischbeschaugesetz  vom  3.  Juni
1900,  welche  in  sinngemäßer  Abänderung  für  Butter  wie  folgt  auszuführen  ist:
„50  g  Fett  werden  in  einem  Kolben  von  etwa  500  ccm  Inhalt  mit  50  ccm
Wasser  versetzt  und  erwärmt.  Nachdem  das  Fett  geschmolzen  ist,  destilliert  man
unter  Einleiten  von  Wasserdampf  25  ccm  Flüssigkeit  ah. 1 )
10  ccm  des  Destillats  werden  mit  1  ccm  einer  durch  schweflige  Säure  entfärbten ­
  Fuohsinlösung  vermischt.  Die  Anwesenheit  von  Formaldehyd  bewirkt  Eotfärbung.
  Tritt  letztere  nicht  ein,  so  bedarf  es  einer  weiteren  Prüfung  nicht.  Im
anderen  Falle  wird  der  Rest  des  Destillats  mit  Ammoniakflüssigkeit  im  Überschüsse
versetzt  und  eingedampft.  Bei  Gegenwart  von  Formaldehyd  hinterbleiben  charakteristische ­
  Kristalle  von  Hexamethylentetramin.  Diese  werden  in  ein  paar  Tropfen
Wasser  gelöst,  von  der  Lösung  je  ein  Tropfen  auf  einen  Objektträger  gebracht
und  mit  den  beiden  folgenden  Reagentien  geprüft:
1.  Mit  Quecksilberchlorid  im  Überschüsse.  Es  entsteht  hierbei  sofort  ein  regulärer
kristallinischer  Niederschlag;  bald  sieht  man  drei-  und  mehrstrahlige  Sterne,
später  Oktaeder.  Letztere  entstehen  in  großer  Menge  bei  einer  Konzentration 2 )
von  1:10000,  aber  auch  noch  sehr  deutlich  bei  1:100000.
2.  Mit  Kaliumquecksilberjodid  und  ein  wenig  verdünnter  Salzsäure.  Es  bilden
sich  hexagonale,  sechsseitige,  hellgelbgefärbte  Sterne;  bei  einer  Konzentration 2 )
von  1:10000  noch  sehr  deutlich.
Die  Gegenwart  von  Formaldehyd  darf  als  erwiesen  nur  betrachtet  werden,
wenn  der  erhaltene  kristallinische  Rückstand  die  beiden  vorstehend  beschriebenen
Reaktionen  zeigt.“
Durch  dieses  Verfahren  wird,  sofern  man  bei  der  Destillation  mit  Phosphorsäure ­
  angesäuert  hat,  nicht  nachgewiesen,  ob  Formaldehyd  als  solcher  oder  etwa
das  als  Frischhaltungsmittel  unter  dem  Namen  „Carin“  neuerdings  in  den  Handel
kommende  Hexamethylentetramin-Präparat 8 )  zugesetzt  ist,  welches  letztere
unter  der  Einwirkung  von  Säuren  sehr  leicht  in  Ammoniak  und  Formaldehyd
zerfällt.
d)  Nachweis  von  Alkali-  und  Erdalkali-Hydroxyden  und  -Karbonaten.  Die  Bestimmung ­
  wird  nach  der  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D  vom  30.  Mai  1902
_*)  Bei  Gegenwart  von  Hexamethylentetramin  dürfte  sich  die  Anwendung  von
®°/o'iger  Phoaphorsäurelösung  bei  der  Destillation  empfehlen.
')  Diese  Konzentrationsangaben  beziehen  sich  auf  den  Nachweis  von  Formaldehyd
in  Fleisch  bei  Anwendung  von  30  g  Substanz  und  40  ccm  Destillat;  sie  dürften  aber  auch
hier  bei  Butter  nicht  ohne  Interesse  sein  und  einen  Anhaltspunkt  über  die  etwa  vorhandenen
Mengen  geben.
3 )  Vergl.  die  preußische  Allgemeine  Ministerialverfügung  betr.  die  Verwendung  von
Hexamethylentetramin  als  Fleischkonservierungsmittel.  —  Veröifentl.  d.  Kaiser!.  Gesundheitsamtes ­
  1905,  29,  93;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  9,  251.
        <pb n="573" />
        552

Speisefette  und  -öle.

zum  „Fleischbeschau-Gesetz“  vom  3.  Juni  1900  ausgeführt,  jedoch  mit  der  Abänderung, ­
  daß  hei  Butter  und  Margarine  nicht  das  geschmolzene  Fett,  sondern  die
natürliche  Butter  bezw.  Margarine  verwendet  wird.  Die  Vorschrift  lautet;
a)  „30  g  geschmolzenes  Fett  werden  mit  der  gleichen  Menge  Wasser  in
einem  mit  Eückflußkühler  versehenen  Kolben  von  etwa  500  ccm  Inhalt  vermischt.
In  das  Gemisch  wird  1 / 2  Stunde  lang  strömender  Wasserdampf  eingeleitet.  Nach
dem  Erkalten  wird  der  wässerige  Auszug  filtriert.
b)  Das  zurüokbleibende  Fett  wird  darauf  nach  Zusatz  von  5  ccm  konzentrierter
Salzsäure  in  gleicher  Weise,  wie  unter  a  angegeben,  behandelt.
Alsdann  ist  das  klare  Filtrat  von  a  auf  25  ccm  einzudampfen  und  nach  dem
Erkalten  mit  verdünnter  Salzsäure  anzusäuern.  Bei  Gegenwart  von  Alkaliseife
scheidet  sich  Fettsäure  aus,  die  mit  Äther  auszuziehen  und  nach  dem  Verdunsten
desselben  als  solche  zu  kennzeichnen  ist.  Entsteht  jedoch  beim  Ansäuern  eine  in
Äther  schwer  lösliche  oder  gelhlichweiße  Abscheidung,  so  ist  diese  gegebenenfalls
nach  der  folgenden  Ziffer  4 1 )  unter  b  auf  Schwefel  weiter  zu  prüfen.
Das  klare  Filtrat  von  h  ward  durch  Zusatz  von  Ämmoniakflüssigkeit  und
Ammoniumkarbonatlösung  auf  alkalische  Erden  geprüft.“
e)  Nachweis  von  schwefliger  Säure  und  deren  Salzen  und  von  unterschwefligsauren
Salzen.  Die  Bestimmung  wird  nach  der  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D
vom  30.  Mai  1902  zum  „Fleischbeschau-Gesetz“  vom  3.  Juni  1900  ausgeführt,
jedoch  mit  der  Abänderung,  daß  bei  Butter  und  Margarine  nicht  das  geschmolzene
Fett,  sondern  die  natürliche  Butter  bezw.  Margarine  verwendet  wird.  Die  Vorschrift ­
  lautet:
a)  „Zur  Bestimmung  der  schwefligen  Säure  und  der  schwefligsauren  Salze
werden  50  g  geschmolzenes  Fett  in  einem  Destillierkolben  von  500  ccm  Inhalt
mit  60  ccm  Wasser  vermischt.  Der  Kolben  wird  darauf  mit  einem  dreimal  durchbohrten ­
  Stopfen  verschlossen,  durch  welchen  drei  Glasröhren  in  das  Innere  des
Kolbens  führen.  Von  diesen  reichen  zwei  Köhren  bis  auf  den  Boden  des  Kolbens,
die  dritte  nur  bis  in  den  Hals.  Die  letztere  Röhre  führt  zu  einem  Liebigschen
Kühler;  an  diesen  schließt  sich  luftdicht  mittels  durchbohrten  Stopfens  eine  kugelig
aufgeblasene  Ü-Eöhre  (sog.  Peligotsche  Röhre).
Man  leitet  durch  die  eine  der  bis  auf  den  Boden  des  Kolbens  führenden
Glasröhren  Kohlensäure,  bis  alle  Luft  aus  dem  Apparate  verdrängt  ist,  bringt
dann  in  die  Peligotsche  Röhre  50  ccm  Jodlösung  (erhalten  durch  Auflösen  von
ß  g  reinem  Jod  und  7,5  g  Kaliumjodid  in  Wasser  zu  1  1),  lüftet  den  Stopfen  des
Destillationskolbens  und  läßt,  ohne  das  Einströmen  der  Kohlensäure  zu  unterbrechen,
10  ccm  einer  wässerigen  25°/ 0 -igen  Lösung  von  Phosphorsäure  hinzufließen.  Alsdann
leitet  man  durch  die  dritte  Glasröhre  Wasserdampf  ein  und  destilliert  unter  stetigem
Durchleiten  von  Kohlensäure  50  ccm 2 )  über.“
Darauf  verfährt  man  weiter  wie  folgt;
„Man  bringt  nunmehr  die  Jodlösung,  die  noch  braun  gefärbt  sein  muß,  in
ein  Becherglas,  spült  die  Peligotsche  Röhre  gut  mit  Wasser  aus,  setzt  etwas
Salzsäure  zu,  erhitzt  das  Ganze  kurze  Zeit  und  fällt  die  durch  Oxydation  der
schwefligen  Säure  entstandene  Schwefelsäure  mit  Baryumchloridlösung  (1  Teil
kristallisiertes  Baryumchlorid  in  10  Teilen  destilliertem  Wasser  gelöst).  Im  vorliegenden ­
  Falle  ist  eine  Wägung  des  so  erhaltenen  Baryumsulfats  nicht  unbedingt
i)  Hier  nach  der  folgenden  Ziffer  e.
-)  Beabsichtigt  man  eine  quantitative  Bestimmung  der  vorhandenen  schwefligen
Säure,  so  dürfte  es  sich  empfehlen,  größere  Mengen  abzudestillieren.
        <pb n="574" />
        Butter  und  Butterschmalz.

553

erforderlich.  Liegt  jedoch  ein  besonderer  Anlaß  vor,  den  Niederschlag  zur  Wägung
zu  bringen,  so  läßt  man  ihn  ahsitzen  und  prüft  durch  Zusatz  eines  Tropfens
Baryumchloridlösung  zu  der  über  dem  Niederschlage  stehenden  klaren  Flüssigkeit,
oh  die  Schwefelsäure  vollständig  ausgefällt  ist.  Hierauf  kocht  man  das  Ganze
nochmals  auf,  läßt  dasselbe  6  Stunden  in  der  Wärme  stehen,  gießt  die  klare
Flüssigkeit  durch  ein  Filter  von  bekanntem  Aschengehalte,  wäscht  den  im  Becherglase ­
  zurückhleibenden  Niederschlag  wiederholt  mit  heißem  Wasser  aus,  indem  man
jedesmal  ahsitzen  läßt  und  die  klare  Flüssigkeit  durch  das  Filter  gießt,  bringt
zuletzt  den  Niederschlag  auf  das  Filter  und  wäscht  so  lange  mit  heißem  Wasser,
bis  das  Filtrat  mit  Silbernitrat  keine  Trübung  mehr  erzeugt.  Filter  und  Niederschlag ­
  werden  getrocknet,  in  einem  gewogenen  Platintiegel  verascht  und  geglüht;
hierauf  befeuchtet  man  den  Tiegelinhalt  mit  wenig  Schwefelsäure,  raucht  letztere
ab,  glüht  schwach,  läßt  im  Exsikkator  erkalten  und  wägt.
Lieferte  die  Prüfung  ein  positives  Ergebnis,  so  ist  als  erwiesen  anzusehen,
daß  entweder  schweflige  Säure,  schwefligsaure  oder  unterschwefligsaure  Salze  angewendet ­
  sind.  Liegt  ein  Anlaß  vor,  festzustellen,  ob  die  schweflige  Säure  unterschwofligsauren
  Salzen  entstammt,  so  ist  in  folgender  Weise  zu  verfahren:
b)  50  g  geschmolzenes  Fett  werden  mit  der  gleichen  Menge  Wasser  in
einem  mit  Eückflußkühler  versehenen  Kolben  von  etwa  500  ccm  Inhalt  vermischt.
In  das  Gemisch  wird  eine  halbe  Stunde  lang  strömender  Wasserdampf  eingeleitet,
der  wässerige  Auszug  nach  dem  Erkalten  filtriert  und  das  Filtrat  mit  Salzsäure
versetzt.  Entsteht  hierbei  eine  in  Äther  schwer  lösliche  Abscheidung,  so  wird
diese  auf  Schwefel  untersucht.“
Zu  dem  Zwecke  wird  der  abfiltrierte  und  gewaschene  Niederschlag  folgendermaßen ­
  weiter  behandelt:

„Der  erhaltene  Niederschlag  wird  abfiltriert  und  so  lange  ausgewaschen,  bis
im  Waschwasser  weder  schweflige  Säure  noch  Schwefelsäure  nachweisbar  sind.
Alsdann  löst  man  den  Niederschlag  in  25  ccm  5  °/ 0 -iger  Natronlauge,  fügt  50  ccm
gesättigtes  Bromwasser  hinzu  und  erhitzt  bis  zum  Sieden.  Nunmehr  wird  mit  Salzsäure ­
  angesäuert  und  filtriert.  Das  vollkommen  klare  Filtrat  gibt  bei  Gegenwart
von  unterschwefligsauren  Salzen  im  Fleische  auf  Zusatz  von  Baryumchloridlösung
sofort  eine  Fällung  von  Baryumsulfat.“

fl  Nachweis  der  Fluorwasserstoffsäure  und  ihrer  Salze.  Die  Bestimmung  wird
nach  der  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D  vom  30.  Mai  1902  zum  „I  leischheschau-Gesetz“
  vom  3.  Juni  1900  ausgeführt,  jedoch  mit  der  Abänderung,  daß  bei
Butter  und  Margarine  nicht  das  geschmolzene  Fett,  sondern  die  natüi  liehe  Butter
bezw.  Margarine  verwendet  wird.  Die  Vorschrift  lautet:
.  „30  g  geschmolzenes  Fett  werden  mit  der  gleichen  Menge  Wasser  in  einem
mit  Rückflußkühler  versehenen  Kolben  von  etwa  500  ccm  Inhalt  vermischt.  In
Jas  Gemisch  wird  eine  halbe  Stunde  lang  strömender  Wasserdampf  eingeleitet,  der
wässerige  Auszug  nach  dem  Erkalten  filtriert  und  das  Filtrat  ohne  Rücksicht  auf
eine  etwa  vorhandene  Trübung  mit  Kalkmilch  bis  zur  stark  alkalischen  Reaktion
versetzt.  Nach  dem  Absetzen  und  Abfiltrieren  wird  der  Rückstand  getrocknet,
zerrieben,  in  einen  Platintiegel  gegeben  und  darauf  mit  etwa  3  Tropfen  Al  asser
un J  1  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  versetzt.
Sofort  nach  dem  Zusatze  der  Schwefelsäure  wird  der  behufs  Erhitzern  auf
eine  Asbestplatte  gestellte  Platintiegel  mit  einem  großen  I  hrglase  bedeckt,  das  auf
Jer  I  nterseite  in  bekannter  Weise  mit  Wachs  überzogen  und  beschrieben  ist.  Um
Jas  Schmelzen  des  AVachses  zu  verhüten,  wird  in  das  Uhrglas  ein  Stückchen  Eis
gelegt.
        <pb n="575" />
        554

Speisefette  und  -öle.

Der  Nachweis  von  Fluorwasserstoff  ist  als  erbracht  anzusehen,  sobald  das
Glas  sich  an  den  beschriebenen  Stellen  angeätzt  zeigt.“
Ebenso  wie  beim  Nachweise  der  Borsäure  dürfte  sich  auch  hier  zur  Prüfung  auf
Fluorwasserstoffsäure  die  Verwendung  des  sich  beim  Schmelzen  der  Butter  bezw.  Margarine
absetzenden  AVassers  empfehlen.
Über  ein  Verfahren  zum  Nachweise  von  Fluorwasserstoffsäure  bei  gleichzeitiger
Anwesenheit  von  Borsäure  berichten  0.  und  Ch.  W.  Hehner, 1 )  auf  das  hier  nur  verwiesen ­
  werden  kann.
g)  Nachweis  von  chlorsauren  Salzen.  Zum  Nachweise  etwa  vorhandener  chlorsaurer ­
  Salze  in  Butter  und  Margarine  würde  man  das  beim  Schmelzen  sich  absetzende ­
  Wasser  nach  dem  in  Anlage  d  der  Ausführungsbestimmungen  D  vom  30.  Mai
1902  zum  „Fleischbeschau-Gesetz“  vom  3.  Juni  1900  für  den  Nachweis  von  chlorsauren ­
  Salzen  in  Fleisch  angegebene  Verfahren  verwenden  und  dabei  in  folgender
Weise  verfahren  können;
Das  filtrierte  Abschmelzwasser  wird  mit  Silbernitrat  versetzt.  „50  ccm  der
von  dem  durch  Silbernitrat  entstandenen  Niederschlag  abfiltrierten  klaren  Flüssigkeit
werden  mit  2  ccm  einer  10  °/ 0 -igen  Lösung  von  schwefligsaurem  Natrium  und  2  ccm
konzentrierter  Salpetersäure  versetzt  und  hierauf  bis  zum  Kochen  erhitzt.  Ein
hierbei  entstehender  Niederschlag,  der  sich  auf  erneuten  Zusatz  von  kochendem
Wasser  nicht  löst  und  aus  Chlorsilber  besteht,  zeigt  die  Gegenwart  chlorsaurer
Salze  an.“
6.  Untersuchung  der  Butter  auf  Verdorbenheit  (Ranzigkeit).  Über  die
Ursachen  des  Eanzigwerdens  der  Butter  liegt  eine  neuere  eingehende  Arbeit
von  Orla  Jensen 2 )  vor,  in  welcher  er  zu  dem  Ergebnisse  kommt,  daß  das
Eanzigwerden  der  Butter  durch  die  gemeinsame  Wirkung  aerober  Bakterien  und
Schimmelpilze  verursacht  wird,  und  zwar  findet  die  Spaltung  des  Fettes  und
die  Bildung  flüchtiger  Säuren  anfangs  durch  die  Bakterien  Bacillus  fluorescens
liquefaciens  und  Bacillus  prodigiosus,  später  durch  die  beiden  Schimmelpilze  Oidium
lactis  und  Cladosporium  butyri  statt.  Beim  Eanzigwerden  erfahren  die  nichtflüchtigen
  Fettsäuren  eine  starke  Zunahme  und  gleichzeitig  bilden  sich  auch  Buttersäureester ­
  und  unter  Umständen  aldehydartige  Verbindungen.
Beim  sog.  Talgigwerden,  welches  durch  die  Einwirkung  des  Lichtes  verursacht ­
  wird,  nimmt  das  Butterfett  eine  weiße  Farbe  an,  die  Jodzahl  erfährt  eine
starke  Abnahme  und  es  bilden  sich  nur  geringe  Mengen  hauptsächlich  flüchtiger
freier  Fettsäuren;  Buttersäureester  bilden  sich  dabei  nicht.
Das  sog.  Butterschmalz  ist  nicht  in  dem  Maße  dem  Verderben  ausgesetzt,
wie  dies  bei  der  Butter  infolge  ihres  Gehaltes  an  sonstigen  Milchbestandteilen  der
Fall  ist.
Der  Gehalt  an  freien  Fettsäuren  (Säuregrad),  welcher  zwar  im  allgemeinen
mit  der  Ranzigkeit  zunimmt,  kann  trotzdem  nicht  als  ein  Beweis  für  die  Einzigkeit
angesehen  werden,  da  es  einerseits  Butter  mit  hohem  Gehalt  an  freien  Säuren  gibt,
die  trotzdem  nicht  ranzig  ist,  und  andererseits  auch  Ranzigkeit  ohne  abnorm  hohen
Gehalt  an  freien  Fettsäuren  beobachtet  wird.
Als  das  brauchbarste  Verfahren  zum  Nachweise  der  Verdorbenheit
von  Butter  ist  z.  Zt.  noch  die  Geschmacks-  und  Geruchsprobe  an-1
 )  Analyst  1902,  27.  173;  Zeitscbr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
1903,  6,  379.
2 )  Centralbl.  Bakteriol.  II.  Abt.  1902,  8,  11  ff.;  Zeitscbr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1903,  6,  376.
        <pb n="576" />
        Butter  und  Butterschmalz.

555

Zusehen.  Doch  ist  hierbei  besondere  Vorsicht  zu  empfehlen,  da  der  Geschmack
gerade  hinsichtlich  der  Beurteilung  der  Butter  sehr  verschieden  ist.  Auch  ist  zu
berücksichtigen,  daß  eine  Butter,  welche  zum  direkten  Genuß  nicht  mehr  brauchbar
ist,  trotzdem  noch  zu  Kochzwecken  Verwendung  finden  kann.  In  zweifelhaften
Fällen  dürfte  es  sich  empfehlen,  die  Geschmacksprohe  auch  durch  einen  erfahrenen
Butterhändler  ausführen  zu  lassen.
Im  übrigen  ist  noch  folgendes  zu  erwähnen:
a)  Schimmelige  Butter  wird  durch  die  mikroskopische  Untersuchung  erkannt. ­
  Am  besten  eignet  sich  hierzu  der  nach  dem  Schmelzen  und  Filtrieren
bleibende  Rückstand.  Zu  beachten  ist,  ob  das  Schimmelwachstum  bloß  an  der
Oberfläche  vorkommt,  oder  ob  schon  das  Innere  der  Butter  davon  ergriffen  ist.  —
Rote  Butter,  wie  solche  wiederholt  beobachtet  wurde,  wäre  auf  die  Gegenwart
von  Rosahefe  zu  prüfen.  —  Auch  grüne,  Algen  enthaltende  Butter  wurde  schon
beobachtet.  Im  übrigen  sei  bezüglich  der  bakteriologischen  Untersuchung  und
namentlich  auch  hinsichtlich  der  Erkennung  der  Ursachen  von  sog.  Butterfehlern
auf  die  einschlägige  bakteriologische  Literatur  und  insbesondere  auch  auf  die  obige
Arbeit  von  0.  Jensen  verwiesen.
b)  Für  die  bakteriologisch-hygienische  Prüfung  der  Butter  (Nachweis ­
  von  Krankheitskeimen  und  Butterfehlern,  soweit  sie  Bakterien  ihre  Entstehung
verdanken)  sind  die  in  den  bakteriologischen  Lehrbüchern  angegebenen  Verfahren
maßgebend.  Auch  muß  diese  Prüfung  durch  einen  Bakteriologen  von  Fach  ausgeführt
  werden.
c)  Die  Bestimmung  des  Säuregrades.  Für  gewöhnlich  begnügt  man
sich  damit,  den  Säuregrad  des  ausgeschmolzenen  Butterfettes  zu  bestimmen.  Hierbei ­
  ist  zu  beachten,  daß  die  Butter  nur  wenig  über  ihren  Schmelzpunkt  und  nicht
z u  lange  erwärmt  werden  darf.  Mit  dem  filtrierten  Fett  verfährt  man  nach  S.  526.
Da  unter  Umständen  ein  Teil  der  freien  Säuren  im  Wasser  der  Butter
gelöst  sein  kann,  so  ist  es  mitunter  wünschenswert,  den  Gehalt  der  natürlichen
Butter  an  Säuren  zu  bestimmen.  Man  versetzt  zu  dem  Zweck  etwa  5  g  der  gut
durchgemischten  Butter  mit  25  ccm  Alkohol,  fügt  25  ccm  Äther  hinzu  und  titriert
die  Emulsion  unter  Zusatz  von  Phenolphthalein  als  Indikator.
Der  Gehalt  an  Säuren  pflegt  in  Säuregraden  (vergl.  S.  526)  ausgedrückt
zu  Werden.
t  )  7.  Erkennung  von  wiederaufgefrischter  Butter.  Die  wiederaufgefrischte
(Renovated-  oder  Prozeß-)  Butter  unterscheidet  sich  von  frischer  Butter  dadurch,
daß  das  in  ihr  enthaltene  Fett  in  mehr  oder  weniger  kristallinischem  Zustande
vorhanden  und  das  Wasser  sehr  innig  mit  dem  Fett  verbunden  ist.  Infolgedessen
zeigt  die  wiederaufgefrischte  Butter  beim  Schmelzen  und  Erhitzen  nicht  die
Eigenschaften  der  frischen  Butter,  sondern  •—  natürlich  von  der  Zusammensetzung
des  Fettes  selbst  abgesehen  —  die  der  Margarine.  Bei  der  sog.  Schmelz  probe
bleibt  sie  trübe.  Nach  Ch.  A.  Crampton, 1 )  der  über  diese  in  Amerika  schon
v  eitverbreitete  Renovated-  oder  Prozeßbutter  eingehender  berichtet,  können  zur  Erennung
  dieser  Butter  dienen:  a)  das  Verhalten  des  Fettes  gegen  polarisiertes
ioht  nach  Bro  wn-Taylor-Richards,  b)  das  Verhalten  der  Butter  beim  Er-„

  o  io/«  on  H58-  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-*)
  Journ.  Ämenc.  Chem.  Soc.  1903,  -5,  .  Probe  verg i.  auch  die  Arbeit
u.  Genußmittel  1904,  7,  43.  -  Bezüglich  der  Wate  1  f  Chemists  1903,
von  G.  F.  Patrick  in  Procedinga  20.  Annual  Convent  ot  th  &amp;gt;  Aguc.  m
Washington  1904;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Aahrung
        <pb n="577" />
        556

Speisefette  und  -öle.

hitzen  im  offenen  Gefäß  und  c)  das  Verhalten  der  Butter  heim  Behandeln  mit  Milch
(Waterhouse-Prohe).  Letztere  Probe  hält  Crampton  für  die  zuverlässigste.
Da  die  wiederaufgefrisehte  Butter  zurzeit  in  Europa  noch  keine  große  Rolle
spielt,  sei  auch  auf  die  Untersuchungsverfahren  zu  ihrer  Erkennung  hier  nur
verwiesen.
B.  Untersuchung  des  Butterfettes.
„Zur  Gewinnung  des  Butterfettes  wird  die  Butter  bei  50—60°  geschmolzen
und  das  flüssige  Fett  nach  einigem  Stehen  durch  ein  trockenes  Filter  filtriert.“
Das  Ausschmelzen  und  Filtrieren  ist  möglichst  zu  beschleunigen  und  jede  übermäßig
hohe  und  lange  Erhitzung  zu  vermeiden.
Das  so  gewonnene  Butterfett  dient  zur  Untersuchung  auf  fremde  Fette
sowie  auf  fremde  Farbstoffe.  Vor  der  Entnahme  der  Proben  zu  den  verschiedenen
Bestimmungen  ist  das  Butterfett  jedesmal  wieder  bei  möglichst  niedriger  Temperatur
zu  schmelzen  und  gut  durchzumischen.
1.  Untersuchung  des  Butterfettes  auf  fremde  Fette. 1 )
Zur  Untersuchung  des  Butterfettes  auf  fremde  Fette  ist  eine  große  Zahl  von
Untersuchungsverfahren  vorgeschlagen  worden.  Trotzdem  wird  es  bis  jetzt  nicht
immer  möglich  sein,  gewisse  Verfälschungen,  wenn  sie  geschickt  ausgeführt  sind
und  sich  in  mäßigen  Grenzen  halten,  mit  voller  Bestimmtheit  nachzuweisen.
a)  Da  das  Butterfett  sich  von  allen  anderen  Speisefetten  und  ölen
durch  seinen  hohen  Gehalt  an  flüchtigen  niederen  Fettsäuren,  insbesondere  Buttersäure, ­
  unterscheidet,  so  sind  die  Verfahren,  welche  diesen  Gehalt  am  besten  zum
Ausdruck  bringen,  als  zur  Erkennung  jeglicher  Fremdfette  im  Butterfette,  bezw.
zur  Begründung  eines  Verdachts  auf  solche  am  allgemeinsten  geeignet  anzusehen;
es  sind  dies:
a)  Die  Bestimmung  der  Eeichert-Meißlschen  Zahl,  vergl.  S.  527.
ß)  Die  Bestimmung  der  Verseifungszahl,  vergl.  S.  526.
Diese  beiden  Verfahren  ergänzen  sich  und  sind  daher  stets  nebeneinander
auszuführen.  Ihre  Brauchbarkeit  erleidet  aber  dadurch  eine  Einbuße,  daß  die  nach
ihnen  für  reines  Kuhbutterfett  gefundenen  Werte  in  ziemlich  weiten  Grenzen
schwanken  können  (Vergl.  unter  „Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Butter“
S.  566.)
b)  Zum  Nachweise  von  Pflanzenfetten  und  ölen  aller  Art  dient  die
Phytosterinacetat-Probe  nach  A.  Börner,  vergl.  S.  538.
Da  zur  Herstellung  von  Margarine  in  Deutschland  ein  Zusatz  von  Sesamöl
zum  Margarinefett  gesetzlich  vorgeschrieben  ist  (vergl.  unter  c)  und  außerdem  auch
sonst  durchweg  Pflanzenfette  und  -öle  dazu  verwendet  werden,  so  kann  die
Phytosterinacetat-Probe  auch  zur  Erkennung  der  meisten  Margarinesorten  in  Butter
dienen.
c)  Prüfung  auf  Sesam  öl.  Da  durch  die  Ausführungsbestimmungen  des
Bundesrates  vom  4.  Juli  1897  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom
15.  Juni  1897  zur  Erleichterung  der  Erkennung  von  Margarine  in  Butter  vorgeschricben
  ist,  daß  bei  der  Herstellung  von  Margarine  den  dazu  verwendeten
*)  Für  die  polizeiliche  Prüfung  auf  Grund  des  §  8  des  Gesetzes  betr.  den  Verkehr
mit  Butter  vom  15.  Juni  1897  ist  vom  Reichskanzler  unter  dem  27.  August  1897  eine
Verordnung  zur  Ausführung  der  refraktometrischen  Untersuchung  für  Polizeibeamte  erlassen,
auf  die  hier  nur  verwiesen  sei,  zumal  sie  sich  teilweise  mit  der  amtlichen  „Anweisung“
vom  1.  April  1898  deckt.
        <pb n="578" />
        Butter  und  Butterschmalz.

557

Fetten  beim  Vermischen  vor  der  weiteren  Fabrikation  so  viel  Sesamöl  von  bestimmten ­
  Eigenschaften  (vergl.  unten  S.  571)  zugesetzt  werden  muß,  daß  in
100  Gewichtsteilen  der  angewendeten  Fette  und  öle  mindestens  10  Gewichtsteile
Sesamöl  enthalten  sind,  so  kann  die  Prüfung  auf  Sesamöl  auch  zur  Erkennung  von
vorschriftsmäßig  hergestellter  deutscher  Margarine  im  Butterfett  dienen;  dieselbe
wird  nach  der  amtlichen  Anweisung  vom  1.  April  1898  zum  oben  genannten  Gesetz
in  folgender  Weise  ausgeführt:
a)  „Wenn  keine  Farbstoffe  vorhanden  sind,  die  sich  mit  Salzsäure
rot  färben, 1 )  so  werden  6  ccm  geschmolzenes  Butterfett  mit  0,1  ccm  einer  alkoholischen
Furfurollösung  (1  Raumteil  farbloses  Furfurol  in  100  Raumteilen  absoluten  Alkohols
gelöst)  und  mit  10  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,19  mindestens
1 / 2  Minute  lang  kräftig  geschüttelt.  Wenn  die  am  Boden  sich  abscheidende  Salzsäure ­
  eine  nicht  alsbald  verschwindende  deutliche  Rotfärbung  zeigt,  so  ist  die
Gegenwart  von  Sesamöl  nachgewiesen.
ß)  Wenn  Farbstoffe  vorhanden  sind,  die  durch  Salzsäure  rot  gefärbt
werden,  so  schüttelt  man  10  ccm  geschmolzenes  Butterfett  in  einem  kleinen
zylindrischen  Scheidetrichter  mit  10  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,125
etwa  1 j 2  Minute  lang.  Die  unten  sich  ansammelnde  rotgefärbte  Salzsäureschicht
läßt  man  abfließen,  fügt  zu  dem  in  dem  Scheidetriohter  enthaltenen  geschmolzenen
Fette  nochmals  10  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,125  und  schüttelt
wiederum  x / 2  Minute  lang.  Ist  die  sich  absoheidende  Salzsäure  noch  rot  gefärbt,
so  läßt  man  sie  abfließen  und  wiederholt  die  Behandlung  des  geschmolzenen  Fettes
mit  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,125,  bis  letztere  nicht  mehr  rot  gefärbt
wird.  Man  läßt  alsdann  die  Salzsäure  abfließen  und  prüft  5  com  des  so  behandelten
geschmolzenen  Butterfettes  nach  dem  unter  a  beschriebenen  Verfahren  auf  Sesamöi.
diesen  Versuchen  verwende  man  keine  höhere  Temperatur,  als  zur  Erhaltung
des  Fettes  in  geschmolzenem  Zustande  notwendig  ist.“
Über  die  Soltsiensche  Zinnchlorür-Reaktion  auf  Sesamöl  vergl.  unten
S.  586.

d)  Zum  Nachweise  von  Baumwollsamenöl  dient  die  Halphensche
Reaktion,  vergl.  unten  S.  587.
e)  Nachweis  von  Kokosfett.  Nachdem  die  Verfälschung  der  Butter  mit
Kokosfett  in  den  letzten  Jahren  einen  größeren  Umfang  angenommen  hat,  sind  eine
Reihe  von  Verfahren  zum  Nachweise  dieses  Fettes  im  Butterfett  veröffentlicht
worden.  Diese  Verfahren  beruhen  durchweg  auf  der  Tatsache,  daß  das  Kokosfett
eine  weit  geringere  Menge  flüchtiger  und  in  Wasser  löslicher  Fettsäuren  (Buttersäure), ­
  dagegen  eine  größere  Menge  flüchtiger  und  in  Wasser  unlöslicher  Fettsäuren ­
  (Kapron-,  Kapryl-  und  Kaprinsäure)  enthält,  als  das  Butterfett.
Wir  beschränken  uns  darauf,  hier  das  Verfahren  von  E.  Polenske  )
zn  beschreiben,  und  verweisen  hinsichtlich  der  zahlreichen  übrigen  \  erfahren,  von
denen  das  von  A.  Müntz  und  H.  Coudon 8 )  beschriebene  dem  Polenskeschen
ö  Zum  Nachweise  dieser  Farbstoffe  werden  2-3  g  Butterfett  in  6  ccm  Äther  gelöst
und  die  Lösung  in  einem  Probierröhrchen  mit  5  ccm  konzentrierter  Salzsäure  vom  spezifischen
Gewicht  1,125  kräftig  geschüttelt.  Bei  Gegenwart  gewisser  Azofarbstoffe  färbt  sich  die
unten  sich  absetzende  Salzsäureschicht  deutlich  rot.  *
a )  Arb.  a.  d.  Kaiser!.  Gesundh.-Amte  1904,  20,  545;  auch  Zeitschr.  f.  Untersuchung
d.  Nahrungs-  u.  Qenußmittel  1904,  7,  273.  ,
3 )  Revue  General  du  Lait  1904,  3,  362;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genußmittel  1905,  9,  41.
        <pb n="579" />
        558

Speisefette  und  -öle.

Verfahren  sehr  ähnlich  und  nur  in  dem  Ausdrucke  der  Untersuchungsergebnisse
wesentlich  abweichend  ist,  auf  die  umfangreiche  Literatur. 1 )
Nachweis  und  Bestimmung  von  Kokosfett  in  Butter  mittels  der
Polenskeschen  „Neuen  Butterzahl“.
Die  Ausführung  des  Verfahrens  unterscheidet  sich  in  keiner  Weise  von
der  Bestimmung  der  Beichert-MeißIschen  Zahl;  es  ist  nur  eine  weitere  Ausnutzung ­
  derselben.  Um  übereinstimmende  Zahlen  zu  erhalten,  ist  es  jedoch  geboten, ­
  nicht  allein  die  Vorschrift  zur
Ausführung  des  Verfahrens  genau  zu
befolgen,  sondern  auch  ganz  besonders
darauf  zu  achten,  daß  sich  die  Größenund
  Form  Verhältnisse  des  Destillationsapparates ­
  so  genau  als  möglich  denen
der  nebenstehenden  Abbildung  (Fig.
266)  anpassen. 2 )
5  g  Butterfett  werden  in  üblicher
Weise  nach  Leffmann-Beam  (vergl.
S.  527)  in  einem  300  ccm-Kolben  von
Jenaer  Glas  verseift.  Die  wässerige
Seifenlösung  muß  farblos  oder  nur
schwach  gelblich 3 )  gefärbt  sein;  sie
wird  auf  etwa  50°  erwärmt,  alsdann
mit  50  ccm  verdünnter  Schwefelsäure ­
  (25  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure ­
  auf  1  1)  und  darauf  mit  einer
Messerspitze  voll  groben  Bimssteinpulvers ­
 4 )  versetzt  und  nach  sofortigem
Verschluß  des  Kolbens  der  Destillation
unterworfen.  Es  ist  zweckmäßig,  die
Flamme  schon  vorher  so  zu  regeln,
daß  die  110  ccm  Destillat  in  19—21
Minuten  übergehen.  Die  Kühlung  ist
während,  der  Destillation  so  einzuriohten,
  daß  das  Destillat  keineswegs ­
  warm,  aber  auch  nicht  zu
kalt,  sondern  mit  der  unter  gewöhnlichen ­
  Verhältnissen  sich  ergebenden
Temperatur  von  etwa  20—23  0  abtropft.
Sobald  110  ccm  Destillat  übergegangen  sind,  wird  zunächst  die  Flamme  entfernt ­
  und  darauf  die  Vorlage  sofort  durch  einen  Meßzylinder  von  25  ccm  Inhalt  ersetzt.
J )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  752;  1902.  5,
221,  222;  1904,  7,  193.
2 )  Nach  A.  Hesse  (Milchwirtsch.  Centralhl.  1906,1,13)  sind  die  Größe  des  Destillationskolbens, ­
  die  Destillatiousdauer  und  die  Größe  des  zugesetzten  Bimssteins  von  der  größten,
die  übrigen  Verhältnisse  dagegen  von  geringer  Bedeutung  für  das  Ergebnis.
3 )  Stark  ranzige  oder  talgige  Fette,  hei  denen  die  Seifenlösung  braun  gefärbt  ist,
sind  von  der  Prüfung  auszuschließen.
4 )  Durch  die  Verwendung  von  grobem  Bimssteinpulver  wird  ein  gleichmäßigeres
Sieden  erreicht  als  durch  die  sonst  gebräuchlichen  Bimssteinstüoke,  mit  welchen  letzteren
man  nach  A.  Hesse  (Milchwirtsch.  Centralbl.  1905,  1,  13)  abweichende  Ergebnisse  erhält.
        <pb n="580" />
        Butter  und  Butterschmalz.

559

Ohne  vorher  das  Destillat  zu  mischen,  setzt  man  den  Kolben  10  Minuten  lang
so  tief  in  Wasser  von  15°,  daß  sich  die  110-Marke  etwa  3  cm  unter  der  Oberfläche
des  Kühlwassers  befindet.  Nach  Verlauf  von  5  Minuten  bewegt  man  den  Kolbenhals ­
  im  Wasser  mehrmals  nur  so  stark,  daß  die  auf  der  Oberfläche  des  Destillates
schwimmenden  Säuren  an  die  Wandungen  des  Halses  gelangen.  Nach  10  Minuten
stellt  man  den  Aggregatzustand  der  auf  dem  Destillat  schwimmenden  Säuren  fest.
Bei  reinem  Butterfett  bestehen  diese  Säuren  aus  einer  festen  oder  halbweichen, ­
  trüben,  formlosen  Masse,  während  sie  bei  Gegenwart  von  10°/ 0
und  mehr  Kokosfett  in  dem  Butterfett  aus  klaren  Oltropfen  bestehen. 1 )
Nunmehr  wird  das  Destillat  in  dem  mit  Glasstopfen  verschlossenen  Kolben
durch  vier-  bis  fünfmaliges  Umkehren  desselben  unter  Vermeidung  starken
Schutteins  gemischt  und  filtriert.  Im  Filtrat  wird  die  Reichert-Meißlsche  Zahl
bestimmt.  Das  zu  verwendende  Filter  von  8  cm  Durchmesser  muß  fest  und  glatt
an  den  Trichterwandungen  anliegen.
Nachdem  das  Destillat  ganz  abfiltriert  ist,  wird  das  Filter  sofort  dreimal  mit
je  15  ccm  Wasser,  wodurch  es  jedesmal  bis  zum  Bande  gefüllt  wird,  gewaschen.
Dieses  Waschwasser  wird  vorher  zum  dreimaligen  Nachspülen  des  Kühlrohres,  des
Meßzylinders  und  des  110  ccm-Kolbens  benutzt.  Wenn  das  letzte  Waschwasser,
von  dem  die  zuletzt  abfiltrierenden  10  ccm  durch  1  Tropfen  1 / 10  Normal-Barytlauge
neutralisiert  werden  müssen,  abgetropft  ist,  wird  dieselbe  Behandlung  in  gleicher
Weise  dreimal  mit  je  15  ccm  neutralem,  90°/ 0 -igem  Alkohol  wiederholt.  Die  in
dem  vereinigten  alkoholischen  Filtrate  gelösten  Fettsäuren  werden  alsdann  unter
Zusatz  von  drei  Tropfen  Phenolplithaleinlösung  mit  1 / 10  Normal-Barytlauge  bis  zur
deutlich  eintretenden  Eötung  titriert.
Die  Zahl  der  zur  Neutralisation  verbrauchten  ccm  1 j 10  N.-Barytlauge
  stellt  die  der  vorher  gefundenen  Eeichert-Meißlschen  Zahl  entsprechende ­
  Polenskesche  „Neue  Butterzahl“  dar.
Nach  diesem  Verfahren  fand  Polenske:
Reichert-Meißlsche  Zahl  „Neue  Butter-Zahl“
bei  31  verschiedenen  Butterproben  23,3—30,1  1&amp;gt;5—  3,0
ji  4  Kokosfettproben  ....  6,8—  7,7  16,8  17,8.
Durch  einen  Zusatz  von  Kokosfett  wird  die  Eeichert-Meißlsche  Zahl  der
Butter  herabgesetzt  und  die  „Neue  Butter-Zahl“  erhöht.  Butterproben  mit  niedriger
Beichert-Mei  111  scher  Zahl  haben  auch  eine  niedrigere  „Neue  Butter-Zahl"  und
das  Ansteigen  der  Eeichert-Meißlschen  Zahl  und  der  Neuen  Butter-Zahl  verläuft
1,1  ziemlicher  Regelmäßigkeit,  so  daß  bei  reinen  Butterfetten  zu  jeder  Reichert-Mei
  1(1  sehen  Zahl  eine  nur  wenig  schwankende  „Neue  Butter-Zahl“  gehört.  Diese
Beobachtung  ist  die  erste  Grundlage,  auf  die  sich  dies  Verfahren  stützt.
Einer  Erhöhung  der  Eeichert-Meißlschen  Zahl  um  1,0  entspricht  bis  zu
der  Zahl  27  eine  Erhöhung  der  Polenskeschen  Neuen  Butter-Zahl  um  0,1,
während  den  Erhöhungen  der  Eeichert-Meißlschen  Zahl  auf  28,  29  und  30
solche  der  „Neuen  Butter-Zahl“  um  0,2,  0,3  und  0,5  entsprechen.
Bei  den  untersuchten  34  Butterproben  fand  Polenske  folgende  Beziehungen
zwischen  Eeichert-Meißlscher  Zahl  und  „Neuer  Butter-Zahl“,  denen  die  von  ihm
f br  den  qualitativen  Nachweis  von  Kokosfett  in  der  Butter  vorgesohlagene  oberste
Grenze  (die  um  0,5  höher  ist  als  die  gefundenen  Werte)  beigefügt  ist.
l )  Diese  Erscheinung  beruht  darauf,  daß  die  Kaprylsäure,  die  im  Kokosfett  in
größerer  Menge  als  in  der  Butter  vorhanden  ist,  erst  hei  12°  erstarrt.
        <pb n="581" />
        560

Speisefette  und  -öle.

Reichert-Meiß  Ische
Zahlen  (R.-M.-Z.)

Den  R.-M.-Zahlen
entsprechende  Polenskesche
N  eue  Butter-Zahlen  (P.-Z.)

Höchstzulässige
Polenskesche  Neue
Butterzahl  (P.-Z.)

20-21

1,3-1,4

1,9

21—22

1,4-1,5

2,0

22—23

1,5—1,6

2,1

23—24

1,6-1,7

2,2

24—25

1.7-1,8

2.3

25—20

1,8—1,9

2,4

26—27

1.9—2,0

2,5

27—28

2,0-2,2

2,7

28—29

2,2-2,5

3,0

29-30

2,5—3,0

3,5

Die  quantitative  Bestimmung  des  Kokosfettes  beruht  auf  dem  Befunde,
daß  durch  einen  Zusatz  von  10  °/ 0  Kokosfett  zur  Butter  die  P.-Zahlen  derselben
um  0,8—1,2,  im  Mittel  um  1,0  erhöht  werden.  Man  hat  zunächst  die  gefundenen
R.-M.-Zahlen  mit  der  gleichhohen  R.-M.-Zahl  der  Tabelle  zu  vergleichen  und  dann
zu  ermitteln,  ob  die  gefundene  P.-Zahl  ebenso  hoch  oder  höher  ist,  als  sie  nach
der  Tabelle  in  reinen  Butterfetten  sein  soll.  Ist  sie  größer,  dann  entspricht  jede
Erhöhung  der  P.-Zahl  um  0,1  einem  Zusatz  von  1  °/ 0  Kokosfett.  Um  aber  eine
unrichtige  Beurteilung  der  Butter  zu  verhüten,  soll  eine  Erhöhung  der  P.-Zahl  um
weniger  als  0,5  noch  nicht  als  das  Vorhandensein  von  Kokosfett  beweisend  angesehen ­
  werden.  Ist  aber  die  Differenz,  die  sich  aus  beiden  P.-Zahlen  ergibt,  größer
als  +  0,5,  dann  ist  sie  ihrem  ganzen  Betrage  nach  gemäß  Spalte  2  der  Tabelle  auf
Kokosfett  zu  berechnen.
Beispiele:
1.  Gefunden;  R.-M.-Zahl  24,5,  P.-Zahl  3,2.  Der  R.-M.-Zahl  24,6  entspricht  nach  der  Tabelle
die  P.-Zahl  1,75.  Hieraus  ergeben  sich;  3,2  —  1,75  =  -)-  1,45  x  10  =  14,5  °/ 0  Kokosfett.
2.  Gefunden:  R.-M.-Zahl  24,5,  P.-Zahl  1,8.  Hieraus  ergehen  sich;  1,8  —1,75  =  -(-0,06
X  10  =  0,5  =  0  °/ 0  Kokosfett.
A.  Hesse 1 )  und  M.  Siegfeld 2 )  haben  eine  Anzahl  reiner  Butterprohen  nach  dem
vorstehenden  Verfahren  untersucht  und  die  Angaben  von  Polenske  im  allgemeinen  bestätigt ­
  gefunden;  doch  waren  bei  ihren  Untersuchungen  die  Beziehungen  zwischen  der
R.-M.-Zahl  und  der  P.-Zahl  nicht  so  regelmäßig,  wie  sie  in  der  obigen  Tabelle  angegeben
sind,  und  müssen  die  höchstzulässigen  P.-Zahlen  vielleicht  noch  etwas  erhöht  werden.
M.  Siegfeld  warnt  daher,  ehe  ein  größeres  Untersuchungsmaterial  vorliegt,  vor  einer
Beanstandung  allein  auf  Grund  einer  zu  hohen  P.-Zahl,  sofern  die  Verfälschung  nicht
eine  sehr  grobe  ist.
A.  Juckenack  und  R.  Pasternaok 3 )  bestimmen  zum  Nachweise  von  Kokosfett
in  Butter  das  Molekulargewicht  der  flüchtigen  löslichen  Fettsäuren,  für  welches  sie  bei
Butterfett  (3  Proben)  95,1—98,3  und  bei  Kokosfett  (3  Proben)  132,8—145,1  fanden;
M.  Siegfeld 2 )  fand  für  Butterfett  die  Werte  97,2—104,3.
f)  Für  den  Nachweis  von  fremden  tierischen  Fetten  (Talg,  Oleomargarin,
Schweinefett)  in  Butter  sind  besondere  zuverlässige  Verfahren  bis  jetzt  nicht  bekannt
J )  Milchwirtsoli.  Centralbl.  1905,  1,  13.
2 )  Ebenda  1905,  1,  165.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  193.
        <pb n="582" />
        Butter  und  Butterschmalz.

561

geworden.  Unter  Umständen  wird  der  Nachweis  durch  das  Verhalten  der  Fette
unter  dem  Polarisationsmikroskope  ermöglicht,  wo  geschmolzen  gewesene  tierische
Fette  kristallinisch  erscheinen.  J.  Lewkowitsch 1 )  hält  für  den  Nachweis  tierischer
Fremdfette  die  Bestimmung  des  spez.  Gewichtes  für  wertvoll.
g)  Die  Bestimmung  der  Eefraktometer-Zahl  (des  Brechungsindex)  mit
dem  Zeiß  sehen  Butter-Refraktometer  ist  namentlich  wegen  ihrer  leichten  und
schnellen  Ausführbarkeit  vielfach  zur  Vorprüfung  bei  der  Marktkontrolle  empfohlen
worden.  Neuere  Untersuchungen  haben  aber  gezeigt,  daß  die  Refraktometer-Zahl  der
reinen  Butter  selbst  innerhalb  verhältnismäßig  weiter  Grenzen  schwankt;  auch
lassen  sich  Fälschungen  mit  Kokosfett  durch  diese  Zahl  nicht  nachweisen,  insbesondere
dann  nicht,  wenn  neben  Kokosfett  auch  Margarine,  Schweinefett  oder  ähnliche
Fette  zugesetzt  sind.  Es  hat  daher  die  Bestimmung  der  Refraktometer-Zahl  bei
den  geschickten  Verfälschungen  der  Neuzeit  sehr  an  Bedeutung  verloren.
Über  die  Ausführung  der  Bestimmung  vergl.  oben  S.  521.
Als  obere  Grenzen  der  Refraktometer-Zahlen  bei  reinem  Butterfett  sind  nach
R.  Wollny  anzusehen:

Temp.

Refr.-Zahl

Temp.

Refr.-Zahl

Temp.

Refr.-Zahl

Temp.

Refr.-Zahl

45»

41,5

40»

44,2

35»

47,0

30»

49,8

44»

42,0

39»

44,8

34«

47,5

29«

60,3

43»

42,6

38»

45,3

33»

48,1

28»

50,8

42»

43,1

37»

45,9

32»

48,6

27»

51,4

41»

43,7

36«

46,4

31»

49,2

26»

51.9

40»

44,2

35»

47,0

30»

49,8

25»

52,5

Diese  Grenzzahlen  liegen  auch  dem  Spezialthermometer  für  Butterfett  von  Wollny
zugrunde;  über  seine  Verwendung  vergl.  oben  S.  524.
E.  Bai  er' 2 )  hat  auf  Grund  eines  großen  statistischen  Materials  gezeigt,  daß  diese
Grenzzahlen  nicht  ganz  zutreffend  sind,  daß  sie  vielmehr  für  Winterbutter  zu  erniedrigen
und  für  Sommerbutter  etwas  zu  erhöhen  sind.  Er  hat  daher  von  der  Firma  Carl  Zeiß
in  Jena  ein  Spezialthermometer  für  Butterfett  mit  zwei  Grenzzahlen  herstellen  lassen,
v °n  denen  die  niedrigere  für  Winterbutter,  die  höhere  dagegen  für  Sommerbutter  gilt.
Üic  diesen  Grenzzahlen  zugrunde  liegenden  oberen  Grenzen  sind  folgende:

Obere  Grenze  für  bei  25»  bei  35»  bei  40»
Winterbutter  (November  bis  Mai)  .  .  .  51,2  45,7  43,
Sommerbutter  (Juni  bis  Oktober)  ....  53,2  47,7  45,
Bei  der  Vorprobe  des  Butterfettes  mittels  des  Refraktometers  pflegt  man  alle  jene
Butterproben,  welche  bei  Anwendung  der  Spezialtbermometer  eine  positive  (+)  Differenz
ergeben,  als  verdächtig  für  die  exakte  chemische  Untersuchung  auszuscheiden..  Indes  ist
es  ratsam,  auch  bei  geringen  negativen  (—)  Differenzen  nicht  ohne  weiteres  die  1  nitung
uach  Reichert-Meißl  fallen  zu  lassen,  wie  überhaupt  die  chemischen  (a  und  b|
und  physikalischen  (dl  Verfahren  in  allen  irgendwie  zweifelhaften  Fällen
gleichzeitig  anzuwenden.
Wir  haben  schon  oben  darauf  hingewiesen,  daß  hierbei  grobe  Verfälschungen  (z.  B.
die  mit  Kokosfett  bezw.  mit  Gemischen  von  Kokosfett  mit  anderen  Fremdfetten)  übersehen
Werden  können.

2 )  J.  Lewko  witsch,  Chemische  Technologie  und  Analyse  der  üle,  Fette  und
Wachse;  Braunschweig,  Fr.  Vieweg  u.  Sohn  190o,  i,  ■
2 i  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußnuttel  1902,  5,  1145.  ^
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="583" />
        562

Speisefette  und  -öle.

b)  Sonstige  Untersuohungsverfahren.  Außer  den  vorgenannten  sind  noch
eine  große  Anzahl  von  Untersuchungsverfahren  in  der  Literatur  beschrieben  worden.  Wir
müssen  darauf  verzichten,  diese  hier  sämtlich  anfzuführen,  da  sie  teils  noch  wenig  erprobt
sind,  teils  nur  grobe  Verfälschungen  erkennen  lassen,  die  auch  durch  die  oben  aufgeführten
Untersuchungsverfahren  entdeckt  werden  können.
Ein  auch  im  Haushalte  leicht  anwendbares  Verfahren,  um  Margarine  bezw.  überhaupt ­
  künstlich  emulgiertes  Fett  und  daher  auch  die  sog.  „wiederaufgefrischte  Butter“
von  natürlicher  Butter  zu  unterscheiden,  das  auch  bei  der  Untersuchung  im  Laboratorium
als  Anhaltspunkt  mit  dienen  kann,  beruht  auf  dem  Verhalten  der  Butter  beim  Ausschmelzen. ­
  Natürliche  Butter  liefert  beim  Auslassen  ein  klares,  durchsichtiges  überstehendes ­
  Fett,  während  dieses  bei  Margarine  bezw.  überhaupt  bei  künstlich  emulgierten
Fetten  —  daher  auch  bei  der  sog.  „wiederaufgefrischten“  Butter  —  trübe  ist  und  bleibt.
C.  Bischoff  hat  für  diese  Prüfung  eine  besondere  Schmelzvorriohtung  anfertigen  lassen.
Es  empfiehlt  sich  daher  für  die  Untersuchung  des  Butterfettes  auf
Reinheit  folgender  Untersuchungsgang;
Man  bestimmt  von  dem  zu  untersuchenden  Butterfette  zunächst  die  Eeichert-Me
  iß  Ische  Zahl  und  die  Verseifungszahl  und  prüft  dasselbe  außerdem  auch  noch
mittels  der  Furfurol-Eeaktion  auf  Sesamöl  und  mittels  der  Halphenschen  Reaktion
auf  Baumwollsamenöl.  Je  nach  dem  Ausfall  dieser  Prüfungen  sind  alsdann  folgende
3  Fälle  zu  unterscheiden:
a)  Liegt  die  Reichert-MeißIsche  Zahl  unter  einer  gewissen  Grenze,  die
man  je  nach  der  Herkunft  der  Butter,  der  Jahreszeit  und  der  Sorgfalt,  die  hei  der
Untersuchung  geboten  ist,  auf  22,  24  oder  26  annehmen  kann,  oder  fällt  —  auch
bei  höherer  Eeichert-Meißlscher  Zahl  —  eine  der  vorgenannten  beiden  Farben-Eeaktionen
  positiv  aus,  so  unterwirft  man  50—100  g  des  Fettes  der  Phytosterinacetat-Probe. ­

b)  Zeigt  sich  bei  verhältnismäßig  niedriger  Eeichert-Meißlscher  Zahl
zwischen  dieser  und  Verseifungszahl  gleichzeitig  ein  für  reines  Kuhbutterfett
abnormes  Verhältnis  (vergl.  S.  569),  so  führt  man  ebenfalls  die  Phytosterinacetat-Probe
und  auch  die  Bestimmung  der  Polenskeschen  „Neuen  Butterzahl“  (S.  558)  aus.
c)  Gibt  die  Untersuchung  nach  2  und  3  keinen  Anhaltspunkt  für  die  Anwesenheit ­
  von  Pflanzenfetten,  so  liegt  noch  die  Möglichkeit  einer  Verfälschung  mit
tierischen  Fremdfetten  vor,  und  es  kann  dann,  falls  nicht  auffallend  niedrige
Reichert-Meißlsche  Zahlen  gefunden  werden,  nur  durch  weitere  Ermittelungen
Uber  die  Herkunft  der  Butter  (nötigenfalls  durch  die  Stallprobe)  und  unter  Umständen
durch  die  Untersuchung  im  Polarisationsmikroskope  ein  Urteil  über  die  Reinheit
des  Butterfettes  erlangt  werden.
2,  Untersuchung  des  Butterfettes  auf  fremde  Farbstoffe.
Nach  der  amtlichen  Anweisung  vom  1.  April  1898  zum  Gesetze  betr.  den
Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  verfährt  man  in  folgender  Weise:
„Die  Gegenwart  fremder  Farbstoffe  erkennt  man  durch  Schütteln  des  geschmolzenen ­
  Butterfettes  mit  absolutem  Alkohol  oder  mit  Petroleumäther  vom
spezifischen  Gewicht  0,638.  Nicht  künstlich  gefärbtes  Butterfett  erteilt  diesen
Lösungsmitteln  keine  oder  nur  eine  schwach  gelbliche  Färbung,  während  sie  sich
bei  gefärbtem  Butterfette  deutlich  gelb  färben.
Zum  Nachweise  gewisser  Teerfarbstoffe  werden  2—3  g  Butterfett  in  5  ccm
Äther  gelöst  und  die  Lösung  in  einem  Probierröhrchen  mit  5  ccm  konzentrierter
Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,125  kräftig  geschüttelt.  Bei  Gegenwart
gewisser  Azofarbstoffe  färbt  sich  die  unten  sich  absetzende  Salzsäureschicht
deutlich  rot.“
        <pb n="584" />
        Butter  und  Butterschmalz.

563

a)  Wenn  heim  Auslassen  der  Butter  die  sich  ahsetzende  wässerige
Schicht  eine  gelhe  Farbe  haben  sollte,  so  führt  man  mit  der  klar  filtrierten,  wässerigen
Schicht  folgende  Reaktionen  aus:  .
u)  Bewirkt  ein  Zusatz  von  Ammoniak  oder  Alkalien  eine  Bräunung  bezw.  braunrote
Färbung  der  Flüssigkeit,  so  ist  die  Butter  mit  Kurkuma  gefärbt.
ß)  Wird  die  Flüssigkeit  auf  Zusatz  von  konzentrierter  Schwefelsäure  blau
und  scheiden  sich  auf  Zusatz  von  Wasser  schmutziggrüne  Flocken  aus,  so  deutet  das  auf
Orleans  hin;  geht  dagegen  die  blaue  Färbung  bald  in  Lila  oder  ins  Yiolettbraune  über
und  bewirkt  in  einer  anderen  Probe  Zitronensäure  eine  grasgrüne  Färbung,  so  ist  auf
Saflor  zu  schließen.
y)  Entsteht  auf  Zusatz  von  Salzsäure  ein  kristallinischer  Niederschlag  unter  gleichzeitiger ­
  Entfärbung  der  Flüssigkeit,  so  war  Yiktoriagelb  (Dinitrokresolkalium,  Safransurrogat) ­
  zugesetzt;  dasselbe  geht  durch  Schütteln  der  wässerigen  Flüssigkeit  mit  Benzol
in  letzteres  über  und  färbt  dasselbe  gelb.  Tritt  beim  Bilden  des  gelben  Niederschlages
keine  Entfärbung  der  Flüssigkeit  ein,  so  ist  Martiusgelb  vorhanden;  Zusatz  von  Ätznatron ­
  zu  einer  anderen  Probe  bewirkt  dann  einen  rotbraunen  Niederschlag.
d)  Bildet  sich  auf  Zusatz  von  Bisenchlorid  ein  flockiger  Niederschlag  mit  schwärzlichbrauner ­
  Farbe,  so  sollen  Ringelblumen,  entsteht  eine  braunschwarze  Färbung,  so  soll
Saflor,  entsteht  eine  dunkelbraunrote  Färbung,  so  soll  Safran  verwendet  sein.
b)  In  der  Regel  wendet  man  aber  die  Butterfarben  in  Öllösung  an  und  diese
Farben  gehen  durchweg  nicht  in  das  Abschmelzwasser  über;  man  muß  daher  das
Butterfett  auf  fremde  Farbstoffe  prüfen.
A.  R.  Leeds 1 )  verfährt,  zu  dem  Zweck  wie  folgt:
Von  Butter  und  Kunstbutter  werden  100  g  in  300  ccm  reinem  Petroläther  (vom
spezifischen  Gewicht  0,638)  gelöst,  die  Lösung  wird  mittels  eines  Scheidetrichters  von  Wasser
und  Salzen  getrennt  und  im  Scheidetrichter  wiederholt  mit  Wasser,  im  ganzen  mit  100  ccm
gewaschen.  Sodann  läßt  man  die  Fettlösung  im  Winter  in  der  Kälte,  im  Sommer  in  eiskaltem ­
  Wasser  15—20  Stunden  stehen,  wobei  viel  Stearin  auskristallisiert.  Die  hiervon
abdekantierte  klare  Lösung  wird  mit  50  ccm  1 / 10  N.-Kalilauge  geschüttelt,  wobei  die
Farbstoffe  dem  Petroläther  entzogen  werden.  Die  wässerige  Farbstofflösung  trennt  man
von  der  Fettlösung  und  säuert  sehr  sorgfältig  mit  verdünnter  Salzsäure  an,  bis  die  Lösung
gegen  Lackmuspapier  eben  sauer  reagiert.  Hierbei  wird  der  Farbstoff  (zugleich  mit  sehr
Wenig  Fettsäure)  abgeschieden.  Man  filtriert  ihn  durch  ein  tariertes  Filter  und  wäscht
mit  kaltem  Wasser.  Zu  beachten  ist,  daß  die  Lösung  der  Fette  in  Petroläther  stets
eine  hellgelbe  Farbe  hat,  die  von  den  Fetten  und  Ölen  selbst  herrührt.
Zur  Erkennung  der  einzelnen  Farbstoffe  versetzt  man  je  2  3  Tropfen  ihrer
alkoholischen  Lösung  mit  je  2—3  Tropfen  konzentrierter  Schwefelsäure,  konzentrierter
Salpetersäure,  Schwefelsäure  -f  Salpetersäure  und  konzentrierter  Salzsäure.  Hierbei  treten
folgende  Reaktionen  ein;
(Siehe  Tabelle  auf  Seite  564.)
Stebbins 2 )  schmilzt  50  g  des  filtrierten  Fettes  in  einem  engen  Becherglase  auf
dem  Wasserbade,  rührt  5—10  g  fein  gepulverte  Walkerde  (weißen  Bolus)  ein  und  läßt
Dach  3  Minuten  langem  Durchrühren  auf  dem  Wasserbade  absitzen.  Man  gießt  möglichst
I* el  Fett  ab,  gibt  20  ccm  Benzol  zu,  rührt  durch,  läßt  absitzen,  gießt  das  Benzol  auf  ein
ilter  ab  und  wiederholt  das  Auswaschen  mit  Benzol,  bis  alles  Fett  entfernt  ist.  Das
Filter  wird  mit  Benzol  gewaschen  und  die  Filtrate  vereinigt.  In  denselben  ist  das  Karotin
enthalten,  auf  welches  nach  der  Tabelle  auf  S.  564  geprüft  wird.  Die  Walkerde  wird  auf
nem  Wasserbade  von  Benzol  befreit,  3-mal  mit  etwa  20  ccm  94  °/ 0 -igem  Alkohol  ausgekocht,
nie  Auszüge  in  einer  tarierten  Schale  verdampft,  der  Rückstand  bei  100°  getrocknet  und
gewogen,  bezw.  nach  den  S  664  angegebenen  Reaktionen  auf  die  Natur  des  Farbstoffes
e-fVTVrfift-  ö  ö

i)  Analyst  1887,  12,  150;  Chem.-Ztg.  1887,  11,  Rep.  188.
)  Journ.  Americ.  Chem.  Soc.  1887,  9,  41  und  Analyst  1887,  12,  150.
36*
        <pb n="585" />
        564

Speisefette  und  -öle.

♦

Der  Farbstoff  wird  beim  Zusatz  von

Farbstoff

konz.
Schwefelsäure

konz.
Salpetersäure

Schwefelsäure
-f-  Salpetersäure ­


konz.  Salzsäure

Anatto

indigoblau,  geht
in  Violett  über

blau,  wird  beim
Stehen  farblos

blau,  wird
beim  Stehen
farblos

keine  Veränderung, ­
  nur  leicht
schmutzig-gelb  oder
braun

Anatto  -feutfärbte

Butter

blau,  wird  grün
und  allmählich
violett

blau,  durch  Grün
und  gebleicht

entfärbt

keine  Veränderung, ­
  nur  leicht
schmutzig-gelb

Kurkuma 1 )

rein  violett

violett

violett

violett;  beim  Verdampfen ­
  der  HCl
kehrt  die  ursprüngliche ­
  Farbe  wieder

Kurkuma  -fentfärbte
  Butter

violettbis  purpurn

violett  bis
rötlich-violett

violett  bis
rötlich-violett

sehr  schön  violett

Safran

violett  bis  kobaltblau, ­
  wird  rötlichbraun ­


hellblau,  wird
bellrötlioh-braun

hellblau,  wird
bellrötlichbraun ­


gelb,  wird
schmutzig-gelb

Safran  -)-entfärbte
  Butter

dunkelblau,  wird
schnell  rötlichbraun


blau,  durch  Grün
in  Braun

blau,  wird
schnell  purpurn

gelb,  wird
schmutzig-gelb

Mohrrübe

umbrabraun

entfärbt

gibt  N0. 2 -
Dämpfe  und
Geruch  nach
verbranntem
Zucker

nicht  entfärbt

Mohrrübe  -jentfärbte
  Butter

rötlich-braun  bis
purpurn,  ähnlich
Kurkuma

gelb  und  entfärbt ­


gelb  und  entfärbt ­


leicht  braun

Ringelblume

dnnkelviolettgrün,
  bleibend

blau,  geht  augenblicklich ­
  in
Scbmutziggelbgrün
  über

grün

grün  bis  gelblichgrün ­


Saflorgelb

hellbraun

teilweise  entfärbt

entfärbt

keine  Veränderung

Anilingelb

gelb

gelb

gelb

gelb

Martiusgelb

blaßgelb

gelb,  rötliche
Fällung

gelb

gelbe  Fällung,
verpufft  beim  Behandeln ­
  mit  NH 3
und  Glühen

Viktoriagelb

teilweise  entfärbt

teilweise  entfärbt

teilweise
entfärbt

die  Farbe  kehrt
wieder  beim  Neutralisieren ­
  mit  NH 3

*)  Kurkuma  wird  durch  Ammoniak  rötlich-braun  und  beim  Vertreiben  des  Ammoniaks
kehrt  die  ursprüngliche  Farbe  zurück.
        <pb n="586" />
        Butter  und  Butterschmalz.

565

C.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  von  Butter  und  Butterschmalz.

1.  Zusammensetzung  der  Butter.  (Gehalt  an  Wasser,  Fett  usw.)  Hierüber  hat  der
Reichskanzler  folgende  Bekanntmachung  vom  1.  März  1902 x )  für  Deutschland  erlassen:
„Auf  Grund  des  §  11  des  Gesetzes  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom
15.  Juni  1897  (Eeichs-Gesetzbl.  S.  475)  hat  der  Bundesrat  beschlossen:
Butter,  welche  in  100  Gewichtsteilen  weniger  als  80  Gewichtsteile  Fett  oder
im  ungesalzenen  Zustande  mehr  als  18  Gewichtsteile,  im  gesalzenen  Zustande  mehr
als  16  Gewichtsteile  Wasser  enthält,  darf  vom  1.  Juli  1902  ab  gewerbsmäßig  nicht
verkauft  und  feilgehalten  werden.“
Über  den  zulässigen  Kochsalzgehalt  sind  bindende  Bestimmungen  in  Deutschland
nicht  getroffen;  nach  den  „Vereinbarungen“  soll  der  Gehalt  an  Kochsalz  2  °/ 0  nicht  übersteigen.
Mineralische  Beimengungen  außer  Kochsalz  und  solche  von  Getreidemehl,  Kartoffelbrei, ­
  Käsequark  oder  dergl.  sind  natürlich  als  Verfälschungen  zu  beanstanden.
2.  Zusätze  von  chemischen  Frischhaltungsmitteln  außer  Kochsalz  sind  zu  beanstanden. ­
  Diese  Zusätze  sind  zwar  bei  der  Butter  nicht  wie  bei  den  unter  das
Fleischbeschau-Gesetz  vom  3.  Juni  1900  fallenden  übrigen  Speisefetten  (Margarine,
Schweinefett  usw.)  gesetzlich  ausdrücklich  verboten  (vergl.  S.  571).  Allein  da  ihre
Verwendung  durch  das  genannte  Gesetz  vorwiegend  wegen  ihrer  Gesundheitsschädlichkeit ­
  verboten  ist,  so  dürften  sie  aus  diesem  Grunde  auch  in  der  Butter  zu
beanstanden  sein.
3.  Als  verdorben  zu  beanstanden  ist  talgige  Butter,  ranzige,  grübelnde,  verschimmelte, ­
  ölige,  bittere,  wie  überhaupt  Butter,  welche  ekelerregendes  Aussehen,
ekelerregenden  Geschmack  oder  Geruch  besitzt.
Der  Säuregrad  feiner  Tafelbutter  hält  sich  unter  5°  und  soll  8°  nicht  überschreiten.
Damit  soll  jedoch  nicht  gesagt  sein,  daß  Butter  mit  höherem  Gehalt  au  freien  Fettsäuren
■verdorben  ist,  denn  solche  läßt  sich  sehr  wohl  zum  Kochen  verwenden.  Auf  Grund  des
Säuregrades  allein  kann  eine  Butter  bezw.  ein  Butterschmalz  nicht  als  verdorben  erklärt
werden,  solange  nicht  eine  schädliche  physiologische  Wirkung  der  freien  Fettsäuren  in
nicht  ranzigem  Butterfett  nachgewieseu  ist,
4.  Die  künstliche  Färbung  der  Butter  ist,  auch  wenn  sie  mit  unschädlichen
Farbstoffen  geschieht,  wohl  als  Unsitte  zu  rügen,  indessen  wird  man,  da  sie  seit  langer
Zeit  gebräuchlich  ist,  kaum  dagegen  einschreiten  können.  Gleichwohl  kann  es  Fälle
geben,  wo  auch  die  künstliche  Färbung  mit  unschädlichen  Farbstoffen  als  Fälschung
aufzufassen  sein  wird,  nämlich  da,  wo  beispielsweise  garantiert  frische  Grasbutter
durch  alte,  künstlich  gefärbte  Winterbutter  ersetzt  wurde;  freilich  wird  hier  die
Feststellung  der  künstlichen  Färbung  allein  für  den  Sachverständigen  nicht  maßgebend ­
  sein,  vielmehr  werden  auch  noch  andere  Prüfungsverfahren  (Säuregrad)
herangezogen  werden  müssen.
Färbung  mit  schädlichen  Farbstoffen  ist  selbstverständlich  unzulässig.
5.  Zusatz  fremder  Fette  zu  Butter  und  Butterschmalz.  Der  Zusatz  von
fremden  Fetten  zu  Butter  und  Butterschmalz  ist  als  Verfälschung  zu  beanstanden.
Der  §  3  des  Gesetzes  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  bestimmt ­
  ferner  ausdrücklich;
„Die  Vermischung  von  Butter  oder  Butterschmalz  mit  Margarine  oder  anderen
Speisefetten  zum  Zwecke  des  Handels  mit  diesen  Mischungen  ist  verboten.“  Die
Herstellung  von  Mischungen  von  Butter  und  Margarine  und  der  Handel  mit  diesen
Mischungen  sind  also  auch  bei  richtiger  Deklaration  nicht  zulässig.
Der  wissentliche  Verkauf  und  das  wissentliche  Feilhalten  von  durch  Zusatz
fremder  Fette  verfälschter  Butter  oder  von  Margarine  anstatt  Butter  sind  nach
°  ^  des  Nahrungsmittelgesetzes  vom  14.  Mai  1879  strafbar.
1 )  Deutscher  Reichsanzeiger  No.  54  vom  4.  März  1902.
        <pb n="587" />
        566

Speisefette  und  -öle.

Während  an  der  Tatsache,  daß  Beimischungen  von  fremden  Fetten  zum  Butterfett ­
  als  Verfälschungen  anzusehen  sind,  von  keiner  Seite  gezweifelt  wird,  bietet
die  Frage,  wann  ein  Zusatz  von  fremden  Fetten  zur  Butter  als  erwiesen
anzusehen  ist,  unter  Umständen  große  Schwierigkeiten.
Diese  Schwierigkeiten  sind  nicht  so  sehr  dadurch  bedingt,  daß  den  Untersuchungs-Verfahren
  selbst  Mängel  bezüglich  der  zu  erreichenden  Genauigkeit  anhaften,  sondern  es
liegt  das  zeitweise  vollständige  Versagen  eines  Teiles  dieser  Verfahren  an  den  großen
Schwankungen  in  der  Zusammensetzung  der  Butter  selbst.  Infolge  im  allgemeinen
abnormer,  aber  auch  zeitweise  unter  bestimmten  Verhältnissen  mit  einer  gewissen  Eegelmäßigkeit
  auftretender  Umstände  gleicht  das  reine  Kuhbutterfett  in  seiner  Zusammensetzung
einem  Gemische  von  normalem  Kuhbutterfett  mit  Kindstalg.
Man  hat  hie  und  da  angenommen,  in  derartigen  Fällen  durch  die  gleichzeitige  Bestimmung ­
  mehrerer  analytischen  Konstanten  (spezifisches  Gewicht,  Eefraktometerzahl,
Eeiohert-Meißlsche  Zahl,  Verseifungszahl,  Hehnersohe  Zahl,  Jodzahl,  Molekulargewicht ­
  der  nichtfiüchtigen  Fettsäuren  usw.)  ein  zuverlässigeres  Urteil  über  die  Eeinheit
eines  Butterfettes  erhalten  zu  können,  als  wenn  man  nur  die  Eeiohert-Meißlsche  Zahl
und  die  Verseifungszahl  bestimmt.  Diese  Ansicht  ist  im  allgemeinen  nicht  zutreffend.
Die  nach  den  vorgenannten  Verfahren  erhaltenen  Werte  sind  durchweg  von  denselben  Bestandteilen ­
  abhängig,  nämlich  von  dem  mehr  oder  minder  hohen  Gehalte  des  Butterfettes  an
Glyzeriden  der  niederen  Fettsäuren  einerseits  und  den  im  umgekehrten  Verhältnisse  dazu
stehenden  mehr  Oder  minder  hohen  Gehalte  an  Glyzeriden  der  höheren  Fettsäuren  andererseits.
Es  besagen  uns  daher  —  wenn  wir  von  einer  Verfälschung  mit  Kokosfett  absehen  —
auffallend  niedrige  Werte  für  das  spezifische  Gewicht,  die  Eeichert-MeißIsche  Zahl
und  die  Verseifungszahl  hinsichtlich  der  Eeinheit  des  betreffenden  Butterfettes  nach  unseren
heutigen  Erfahrungen  nichts  mehr  und  nichts  weniger  als  auffallend  hohe  Werte  für  die
Eefraktometerzahl.  die  Hehnersohe  Zahl,  die  Jodzahl  und  das  Molekulargewicht  der  nichtflüchtigen
  Fettsäuren.
Sehr  gut  werden  diese  Beziehungen  veranschaulicht  durch  die  umfangreichen  Untersuchungen ­
  von  Th.  E.  Thorpe, 1 )  der  367  zuverlässig  reine,  unter  den  verschiedensten  Verhältnissen ­
  in  England  gewonnene  Butterfettproben  untersuchte.  Thorpe  hat  aus  den
gefundenen  Einzelwerten  in  der  Weise  Mittelzahlen  berechnet,  daß  er  bei  den  Butterfettproben ­
  mit  den  Eeichert-Meißlschen  Zahlen  22,0—22,9,  23,0—23,9  ....  je  die  Mittelwerte ­
  für  die  übrigen  Konstanten  berechnete  und  diese  nach  steigenden  Eeichert-Meißlschen
  Zahlen  22,5,  23,5  ....  ordnete.  Auf  diese  Weise  wurden  folgende  Mittelwerte ­
  erhalten:

Eeichert-Wollny-

  Zahl

Zahl
der
Proben

Spez.
Gewicht
,  .  37,8°
be w

Verseifungs ­
 ­


Verseifungs ­
 ­


Eefraktometerzahl ­

bei  45°

Lösliche
Fettsäuren
(berechnet
als  Buttersäure) ­

°/o

Unlösliche ­

Fett&amp;gt;
säuren
%

Mittleres
Molekulargewicht ­
  der
unlöslichen
Fettsäuren

22,5

7

0,9101

256,4

219,6

42,0

4,3

90,1

266,9

23,5

17

0,9104

263,4

221,4

41,5

4,6

89,7

265,5

24,5

15

0,9108

251,3

223,2

41,5

4,7

89,4

265,0

25,5

27

0,9110

251,1

223,4

41,3

4,8

89,3

264,2

26,5

37

0,9113

248,9

225,4

41,0

4,9

88,9

261,9

27,5

51

0.9114

247,4

226,8

40,6

5,2

88,7

261,7

28,5

78

0,9118

245,7

228.3

40,1

6,4

88,4

260,9

29,5

66

0,9120

244,0

229,9

40,1

6,6

88,3

259,6

30,5

41

0,9123

242,4

231,4

39,9

-  5,8

87,9

260,1

31,3

18

0,9125

241,5

232,3

39,7

5,7

87,9

258,0

32,6

10

0,9130

241,2

232,6

39,4

6,0

87,7

257.8

!)  Journ.  ehern.  Soo.  London  1904,  85,  248—259;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  581.  Eingehend  hat  über  diese  Arbeit  M.  Siegfeld
        <pb n="588" />
        Butter  und  Butterschmalz.

567

Die  Beziehungen  zwischen  der  Jodzahl  und  dem  mittleren  Molekulargewicht  der
nichtflüohtigen  Fettsäuren  einerseits  und  der  Reichert-Meißlschen  Zahl  treten  sehr  gut
in  den  nachfolgenden,  von  M.  Siegfeld  für  die  Milch  einer  großen  Molkerei  (Milch  von
über  1000  Kühen  aus  über  100  Wirtschaften)  zutage:
Reich  ert-Meißlsche  Zahl  24,2  25,0  26,1  27,4  28,6  29,6  30,8
Jodzahl  (nach  Wijs)  41,6  44,6  34,2  33,6  31,6  30,7  30,7
Molekulargewicht  der  nichtflüchtigen  Fettsäuren  268,7  265,3  262,7  262,2  259,6  260,7  266,5.
Reines  Butterfett  hat  im  allgemeinen  eine  Reiohert-Meißlsche  Zahl  von  26—32
und  eine  Yerseifungszahl  von  222—232.  Doch  ist  eine  Unterschreitung  dieser  Zahlen  kein
Beweis  für  eine  Verfälschung  des  Butterfettes  mit  fremden  Fetten,  denn  unter  den  verschiedensten ­
  durch  Jahreszeit,  Laktationsstadium,  Fütterung,  Individualität  verursachten
Bedingungen  können  nicht  nur  bei  der  Milch  einzelner  Kühe,  sondern  auch  hei  größeren
Herden  weit  niedrigere  Reichert-Meißlsohe  Zahlen  auftreten.  R.  Sendtner 1 )  fand
z.  B.  für  Mischbutter  von  133  Kühen  bei  Fütterung  von  Maisstärkefabrik-Abfällen
Reiohert-Meißlsche  Zahlen  bis  herab  zu  17,6,  Köttstorfersche  Zahlen  bis  herab  zu
207,1  bei  45,7  Jodzahl  und  Refraktometerzahl  46,8  bei  40°.  van  Rijn  beobachtete  bei
einer  Herde  von  6  Kühen  eine  Reichert-Meißlsche  Zahl  von  17.  Für  das  Milohfett
einzelner  Kühe  wurden  sogar  Zahlen  wie  13,4  (A.  Meyer 2 ))  und  15,6  (A.  J.  Swaving 3 ))
gefunden.
Reichert-Meißlsche  Zahlen  unter  24  treten  sogar  in  gewissen  Bezirken
Norddeutschlands  und  in  einem  Teile  von  Holland  in  den  Herhstmonaten  mit  einer
gewissen  Regelmäßigkeit  auf.
Ferner  ist  in  analytischer  Hinsicht  noch  zu  berücksichtigen,  daß  sich  die  Reichert-Meißlsche
  Zahl  beim  Aufbewahren  der  Butter  verändern  kann;  nach
N.  J.  Swaving 1 )  nimmt  sie  bei  nicht  ausgelassener  Butter  mehr  oder  minder  ab,  und  zwar
lm  offenen  Gefäße  mehr  als  im  verschlossenen  und  hei  Lichtabschluß  mehr  als  bei  Lichtzutritt; ­
  bei  ausgelassenem  Butterfett  dagegen  findet  sowohl  im  verschlossenen  wie  im
offenen  Gefäß  eine  schwache  Zunahme  der  Reichert-Meißlschen  Zahl  statt,  und  zwar
im  verschlossenen  Gefäße  eine  etwas  stärkere  als  im  offenen;  ein  Unterschied  in  der  Einwirkung ­
  des  Lichtes  ist  hierbei  nicht  zu  erkennen.
Es  ist  daher  nicht  möglich,  allgemein  gültige,  praktisch  brauchbare
untere  Grenzzahlen  für  die  Reichert-Meißlsche  Zahl  und  die  Köttstorfersche ­
  Zahl  oder  obere  Grenzzahlen  für  die  Refraktometerzahl,
die  Jodzahl,  das  Molekulargewicht  der  niohtflüchtigen  Fettsäuren  usw.
uufzustellen.  Trotzdem  bleiben  aber  die  Bestimmungen  der  Reichert-Meißlschen
Zahl  und  der  Verseifungszahl  die  geeignetsten  Verfahren,  um  die  einer  Fälschung
verdächtigen  Butterfette  von  den  unverdächtigen  zu  trennen.  Um  aber  einen
Zusatz  fremder  Fette  in  verdächtigen  Butterfetten  bestimmt  nachzuweisen,
sind  noch  andere  Verfahren  anzuwenden,  von  denen  z.  Z.  folgende  als  die  zuverlässigsten ­
  anzusehen  sind:
1-  In  Fällen,  in  denen  sich  die  Herkunft  der  Butter  aus  einer  bestimmten
Wirtschaft  oder  auch  einer  bestimmten  Molkerei  —  sofern  diese  nicht  etwa  auch

„  i  ma  vofpriert  Diesem  Referate  sind  auch  die  von
im  Milchwirtsch.  Centralbl.  190o,  1,  ll,b _ r ®„  ter  man  die  durch  ein  Äquivalent  Kalium-Siegfeld
  aus  dem  Verseifungsäquivalent  berechneten  Verseifungszahlen  der
hydroxyd  (56,1  Teile)  verseifbare  Fettmenge  versteht  -  berechneten
Tabelle  entnommen.  ,  1ßqPi  9  339
!)  Forschuugsberichte  über  Lebensmittel  1  ,  ■&amp;gt;
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1888,  25,  2  u f  ß ’  4  577
■)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,
4 )  Ebenda  1898,  1,  759.
        <pb n="589" />
        568

Speisefette  und  -öle.

CMCOrtliOCOD-COas

fremde  Butter  zukauft  —  sicher  nachweisen  läßt,  empfiehlt  sich,  wie  hei  der  Milchuntersuchung, ­
  die  Stallprobe,  bei  der,  wie  bei  der  Milch,  alle  näheren  Umstände
(Futterwechsel,  Witterungswechsel  usw.)  zu  berücksichtigen  sind,  die  auf  das  Butterfett ­
  von  Einfluß  sein  können.

2.  Ein  Zusatz  von  Pflanzenfetten  und  -ölen  und  solche  enthaltenden
Fettzubereitungen  (Margarine,  Kunstspeisefett  usw.)  läßt  sich  mittels  der
Phytosterinacetat-Probe  bestimmt  nachweisen. 1 )
Fällt  diese  Probe  positiv  aus,  d.  h.  beträgt  der  korrigierte  Schmelzpunkt ­
  der  letzten  Kristallisation  117°  oder  darüber,  so  sind  dem
Butterfette  bestimmt  Pflanzenfette  oder  solche  enthaltende  Fettzubereitungen. ­
  zugesetzt  worden.  Liegt  der  korrigierte  Schmelzpunkt
zwischen  116  und  117°,  so  ist  ein  solcher  Zusatz  anzunehmen,  und  zwar  um  so
eher,  wenn  das  Butterfett  gleichzeitig  eine  niedrige  Reichert-Meißlsche  Zahl
neben  niedriger  oder  hoher  Verseifungszahl  aufweist  und  die  Reaktionen  auf
Baumwollsamenöl  oder  Sesaraöl  positiv  ausgefallen  sind.
Beispiele:  A.  Börner 2 )  fand  für  reine  und  von  ihm  selbst  gemischte
Butterfette,  sowie  für  solche  des  Handels  folgende  Werte:

J

:(

10,
11
12.
13,

Reichert-Furfurol-




Korrigierte  Schmelzpunkte  der  Acetate

Keines  Butterfett  ....

Zahl
.  27,8

auf
Sesamöl
0

3.  Knst.
114,3

4.  Knst.
114,3

5.  Krist.
114,1

6.  Krist.
114,9

7.  Krist

Dasselbe  Butterfett  mit  f  1  0

Io  ■

—

positiv

116,6

116,3

116,9

117,4

—

Zusatz  von  Sesamöl  \  3

1

—

positiv

117,3

119,1

120,4

121,2

—

Dasselbe  (  a)  deutsoher

f  10 # /*

.  25,1 8 )

positiv

116,1

116,3

116,4

117,1

117,3

Butterfett  mit  Mar ^ arine

&amp;lt;-20  „

.  22,4 3 )

positiv

115,6

117,6

118,6

119,1

120,3

Zusatz  von  b )  holländ.

(10  „

.  25,1 3 )

0

116,0

116,5

117,1

117.6

117,9

1  Margarine

120  „

.  22,4 3 )

0

117,7

118,8

119,7

121,6

123,7

Verfälschte  [holländische

.  18,5

0

119,5

121,0

122,5

126,0

127,4

Butter  des  &amp;gt;  deutsche  ■

.  18-19

0

116,3

116,9

117,3

117,7

119,5

.  25,0

schwach

116,8

117,6

117,9

117,9

120,2

.  19,6

stark

122,1

122,8

123,4

—

—

,,  .  (No.  4  u.  5  zugesetzte

—

stark

128,0

129,2

130,2

131,1

—

maxgaime  ^  ^  g  u .7

.  —

0

128,9

128,9

129,1

130,5

—

3.  Da  die  vorschriftsmäßig  hergestellte  deutsche  —  auch  die  österreichische
und  belgische  —  Margarine  einen  Zusatz  von  Sesamöl  enthalten  muß,  so
kann  der  Nachweis  des  Sesamöles  im  Butterfett  mittels  der  Furfurol-Reaktion

(vergl.  S.  556)  auch  zum  Nachweise  von  solcher  Margarine  dienen,  falls  die  Reaktion
eine  deutliche  und  nicht  nur  spurenweise  auftretende  ist.
Bei  den  vorliegenden  Versuchen  über  den  Übergang  des  die  Purfurol-Reaktion  und
auch  die  Zinnohlorür-Keaktion  (vergl.  S.  586)  verursachenden  Körpers  aus  dem  Putter  in
das  Milchfett  ist  von  der  Mehrzahl  der  Versuchsansteller  ein  solcher  Übergang  nicht  beobachtet ­
  worden,  dagegen  ist  von  einigen  Versuchsanstellern  [Backhaus, 4 )  Utz B )]  eine

*)  Von  Baumwollsamenöl,  Sesamöl,  Erdnußöl,  Rüböl,  Maisöl  usw.  lassen  sich  1—2  °/ 0
in  der  Butter  nachweisen;  dagegen  sind  hei  Anwendung  von  60—100  g  Butterfett  von
Kokosfett,  das  weit  geringere  Mengen  Phytosterin  enthält  als  jene  Öle,  nur  etwa  5—10  °/ 0
nachweisbar.
ä )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1902,  5,  1018.
3 )  Diese  Zahlen  sind  nicht  bestimmt,  sondern  aus  der  E.-M.-Zahl  der  Butter  und  der
für  die  Margarineproben  angenommenen  E.-M.-Zahl  (1,0)  berechnet.
4 )  Bericht  des  Landw.  Instituts  Königsberg  1900,  5.  110.
6 )  Chem.-Ztg.  1902,  26,  730.
        <pb n="590" />
        Margarine.  569

sehr  schwache  Furfurol-  und  Zinnchlorür-Eeaktion  in  dem  Butterfett  von  mit  Sesamölemulsion ­
  bezw.  Sesamkuchen  gefütterten  Kühen  beobachtet  worden.
Auch  ist  durch  Versuche  sicher  erwiesen,  daß  der  die  Halphensohe  Reaktion
auf  Baumwollsamenöl  verursachende  Körper  bei  der  Fütterung  von  Baumwollsamenmehl
in  größerer  Menge  unverändert  in  das  Butterfett  übergeht. 1 )
4.  Da  das  Kokosfett  —  ähnlich  verhält  sich  auch  das  Palmkernfett  —  im
Verhältnis  zum  Butterfett  eine  niedrige  Reichert-Meißlsche  Zahl  (6,0—8,5),  aber
eine  höhere  Verseifungszahl  (246—268)  hat,  so  erweckt  eine  erhöhte  Verseifungszahl ­
  neben  einer  niedrigen  Reichert-MeißIschen  Zahl  hei  einem  Butterfette  den
Verdacht  eines  Zusatzes  von  Kokosfett.
Zum  Nachweise  von  Kokosfett  im  Butterfett  kann  außer  der  Phytosterinacetat-Probe
  die  Bestimmung  der  Polenskeschen  „Neuen  Butterzahl“  (vergl.  S.  558)
dienen;  doch  ist  von  H.  Lührig 2 )  auch  hei  Fütterung  mit  Kokoskuchen  eine  erhöhte ­
  „Neue  Butterzahl“  beobachtet  worden.
5.  Ein  Zusatz  von  tierischen  Fremdfetten  (Talg,  Oleomargarin,  Schweinefett) ­
  zum  Butterfett,  welcher  neuerdings  in  größerem  Maßstabe  namentlich  in
holländischen  „Butterfabriken“  geübt  wird,  ist  nicht  immer  mit  der  wünschenswerten
Sicherheit  nachzuweisen.  Einen  Anhalt  gibt  hier  das  Verhalten  der  Butter  unter
dem  Polarisationsmikroskope  bei  gekreuzten  Nikol  sehen  Prismen,  wo  die  reine,
frische  Butter  isotrop,  d.  h.  gleichmäßig  dunkel  erscheint,  während  einmal  geschmolzen ­
  gewesene  Fette  (Talg,  Oleomargarin,  Schweinefett  usw.  und  auch  Kokosfett) ­
  mehr  oder  minder  deutliche  Polarisationserscheinungen  zeigen.  Besondere  Vorsicht ­
  ist  jedoch  für  diese  Prüfung  bei  älteren  Butterfetten  geboten,  da  in  diesen
allmählich  neue  Kristallisationsbildungen  eintreten;  diese  können  indes  bei  einiger
Übung  unschwer  von  den  meist  durch  die  ganze  Masse  verteilten  Kristallen  zugesetzter ­
  Fette  unterschieden  werden.  Die  sog.  wiederaufgefrischte  (Prozeß-)
Hutter  zeigt  natürlich,  da  ihr  Fett  ja  schon  geschmolzen  war,  ebenfalls  Kristallbildungen ­
  unter  dem  Polarisationsmikroskope.  Einen  gewissen  Anhaltspunkt  für
die  Erkennung  zugesetzter  tierischer  Fremdfette  bietet,  wenn  Pfanzenfette  und  -öle
ni cht  nachweisbar  sind,  die  sog.  Schmelzprobe  (vergl.  S.  562),
II.  Margarine.
1.  Herstellung  und  Zusammensetzung.  Margarine  im  Sinne  des  Gesetzes  betr.
den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  sind  diejenigen  der  Milchbutter
0( ler  dem  Butterschmalz  ähnlichen  Zubereitungen,  deren  Fettgehalt  nicht  ausschließlich
( ler  Milch  entstammt.
a)  Während  man  zur  Herstellung  der  Margarine  ursprünglich  nur  das
Oleomargarin,  d.  h.  den  von  einem  Teile  des  Stearins  befreiten  Rindstalg
verwendete,  ist  man  allmählich  dazu  übergegangen,  zu  ihrer  Herstellung  ein  Gemisch ­
  von  verschiedenen  tierischen  und  pflanzlichen  Fetten  und  ölen  zu  verarbeiten,
Wodurch  man  im  allgemeinen  einen  weniger  „talgigen“  Geschmack  der  Margarine
erreicht.
Als.  Fettmasse  finden  vorwiegend  folgende  Fette  Verwendung:
°0  Premier  jus,  das  ist  gereinigter  Talg;
ß)  Oie  omargarin;
inno  ü  Vergl.  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  914  u.
19 °3,  6,  97.
2 )  Ebenda  1905,  9,  734.
        <pb n="591" />
        570

Speisefette  und  -öle.

J

y)  Neutral  lard,  das  ist  Neutralschmalz,  gereinigtes  Schweineschmalz,  gewonnen ­
  aus  dem  Netz-  und  Gekrösefett  des  Schweines;
d)  Baumwollsamenöl  (Kottonöl)  oder  der  feste  Anteil  desselben,  das  Baumwollsamenstearin
  (Kottonstearin);
s)  Sesamöl;
£)  Erdnußöl  (Arachisöl).
Seltener  finden  auch  andere  Fette:  Maisöl,  Palmkernfett,  Palmfett,  Kokosfett,
Preßtalg  (das  bei  der  Herstellung  des  Oleomargarins  ahgepreßte  Stearin)  und  dergl.
Verwendung.
Im  allgemeinen  hat  jede  Margarine-Fabrik  ihre  besonderen  Vorschriften  für  die
Herstellung  ihrer  Marken,  die  meist  streng  geheim  gehalten  werden.  In  Deutschland ­
  sind  jedoch  für  die  Herstellung  einige  besondere  Vorschriften  erlassen.  Hierüber ­
  vergl.  unter  2.
b)  Die  Zusammensetzung  der  Margarine  (Gehalt  an  Wasser,  Fett,
Salzen  usw.)  ist  im  allgemeinen  dieselbe  wie  die  der  Kuhbutter,  jedoch  ist  in  der
Regel  der  Wassergehalt  in  Margarine  etwas  geringer  als  in  der  Butter;  außerdem
ist  die  Margarine  stets  gesalzen.  Ferner  unterscheidet  sich  das  Fett  der  Margarine
von  dem  Butterfett  unter  anderem  wesentlich  dadurch,  daß  demselben  der  hohe
Gehalt  des  Butterfettes  an  löslichen,  flüchtigen  Fettsäuren  fehlt.
c)  Die  Veränderungen,  welche  die  Margarine  und  Schmelzmargarine  durch
mangelhafte  Zubereitung,  Aufbewahrung  und  dergl.  erleiden  kann,  sind  denen  der
Butter  und  des  Butterschmalzes  ähnlich.
2.  Gesetzliche  Vorschriften  über  die  Herstellung  nsw.  der  Margarine.  —
Verfälschungen  der  Margarine,  a)  In  Deutschland  sind  für  die  Herstellung  von
Margarine  folgende  gesetzliche  Vorschriften  maßgebend:
«)  Das  „Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter,  Käse,  Schmalz  und
deren  Ersatzmitteln“  vom  15.  Juni  1897  bestimmt  Uber  die  Herstellung  von
Margarine  folgendes:
1.  „Die  Vermischung  von  Butter  oder  Butterschmalz  mit  Margarine  oder  anderen  Speisefetten ­
  zum  Zwecke  des  Handels  mit  diesen  Mischungen  ist  verboten.
Unter  diese  Bestimmung  fällt  auch  die  Verwendung  von  Milch  oder  Eahm  bei
der  gewerbsmäßigen  Herstellung  von  Margarine,  sofern  mehr  als  100  Gewichtsteile
Milch  oder  eine  dementsprechende  Menge  Rahm  auf  100  Gewichtsteile  der  nicht  der
Milch  entstammenden  Fette  in  Anwendung  kommen.“  (§  3  des  Gesetzes.)
2.  Die  §§  2,  4  und  5  des  Gesetzes  machen  nähere  Vorschriften  über  die  Verpackung,
die  Herstellungs-  und  Verkaufsräume  usw.,  die  hier  übergangen  werden  mögen.
3.  „Margarine  und  Margarinekäse,  welche  zu  Handelszwecken  bestimmt  sind,  müssen
einen  die  allgemeine  Erkennbarkeit  der  Ware  mittels  chemischer  Untersuchungen  erleichternden, ­
  Beschaffenheit  und  Farbe  nicht  schädigenden  Zusatz  enthalten.
Die  näheren  Bestimmungen  werden  vom  Bundesrat  erlassen  und  im  Reichsgesetzblatte
  veröffentlicht.“  (§  6.)
Der  Bundesrat  hat  hierzu  unter  dem  4.  Juli  1897  folgende  Ausführungsbestimmungen ­
  erlassen:  1
1.  „Um  die  Erkennbarkeit  von  Margarine  und  Margarinekäse,  welche  zu  Handelszwecken
bestimmt  sind,  zu  erleichtern  (§  6  des  Gesetzes  betr.  den  Verkehr  mit  Butter,  Käse,
Schmalz  und  deren  Ersatzmittel  vom  15.  Juni  1897),  ist  den  bei  der  Fabrikation  zur
Verwendung  kommenden  Fetten  und  Ölen  Sesamöl  zuzusetzen.  In  100  Gewichtsteileu
  der  angewandten  Fette  und  Öle  muß  die  Zusatzmenge  bei  Margarine  mindestens
10  Gewichtsteile,  bei  Margarinekäse  mindestens  5  Gewichtsteile  Sesamöl  betragen.
Der  Zusatz  von  Sesamöl  hat  bei  dem  Vermischen  der  Fette  vor  der  weiteren
Fabrikation  zu  erfolgen.“
        <pb n="592" />
        Margarine.

571

2.  „Das  nach  No.  1  zuzusetzende  Sesamöl  muß  folgende  Reaktion  zeigen:
Wird  ein  Gemisch  von  0,5  Eaumteilen  Sesamöl  und  99,5  Eaumteilen  Baumwollsamenöl
  oder  Erdnußöl  mit  100  Eaumteilen  rauchender  Salzsäure  vom  spezifischen
Gewicht  1,19  und  einigen  Tropfen  einer  2  °/ 0 -igen  alkoholischen  Lösung  von  Furfurol
-geschüttelt,  so  muß  die  unter  der  Ölschicht  sich  absetzende  Salzsäure  eine  deutliche
Eotfärbung  annehmen.
Das  zu  dieser  Reaktion  dienende  Furfurol  muß  farblos  sein.“

ß)  Nach.  §  4  des  Gesetzes  hetr.  die  Schlachtvieh-  und  Fleischbeschau
vom  3.  Juni  1900  fallen  auch  die  „aus  warmblütigen  Tieren  hergestellten  Fette  .  .
unter  den  Begriff  „Fleisch“  im  Sinne  dieses  Gesetzes.  Nach  dem  §  1  der  Ausführungshestimmungen
  D  vom  8.  Juni  1900  sind  als  „Fleisch“  insbesondere  anzusehen: ­
  „  Fette,  unverarbeitet  oder  zubereitet,  insbesondere  Talg,  Unschlitt,
Speck,  Liesen  .  .  .,  Gekröse  und  Netzfett,  Schmalz,  Oleomargarin  (Premier  jus,
Margarin)  und  solche  Stoffe  enthaltende  Fettgemische,  jedoch  nicht  Butter  und  geschmolzene ­
  Butter  (Butterschmalz)  “
Der  §  21  des  Gesetzes  bestimmt:
Bei  der  gewerbsmäßigen  Zubereitung  von  Fleisch  dürfen  Stoffe  oder  Arten  des
Verfahrens,  welche  der  Ware  eine  gesundheitsschädliche  Beschaffenheit  zu  verleihen
vermögen,  nicht  angewendet  werden.  Es  ist  verboten,  derartig  zubereitetes  Fleisch
aus  dem  Ausland  einzuführen,  feilzuhalten,  zu  verkaufen  oder  sonst  in  Verkehr  zu
bringen.
Der  Bundesrat  bestimmt  die  Stoffe  und  die  Arten  des  Verfahrens,  auf  welche
diese  Vorschriften  Anwendung  finden.
Der  Bundesrat  ordnet  an,  inwieweit  die  Vorschriften  des  Abs.  1  auch  auf  bestimmte ­
  Stoffe  und  Arten  des  Verfahrens  Anwendung  finden,  welche  eine  gesundheitsschädliche ­
  oder  minderwertige  Beschaffenheit  der  Ware  zu  verdecken  geeignet  sind.
Auf  Grund  dieses  §  21  hat  der  Bundesrat  nach  der  „Bekanntmachung
hetr.  gesundheitsschädliche  und  täuschende  Zusätze  zu  Fleisch  und  dessen  Zubereitungen“ ­
  vom  18.  Februar  1902  nachstehende  Bestimmungen  beschlossen; 1 )

„Die  Vorschriften  des  §  21  Abs.  1  des  Gesetzes  finden  auf  die  folgenden  Stoffe,
sowie  auf  die  solche  Stoffe  enthaltenden  Zubereitungen  Anwendung:
Borsäure  und  deren  Salze,
Formaldehyd,
Alkali-  und  Erdalkali-Hydroxyde  und  -Karbonate,
Schweflige  Säure  und  deren  Salze  sowie  unterschwefligsaure  Salze,
Fluorwasserstoff  und  dessen  Salze,
Salizylsäure  und  deren  Verbindungen,
Chlorsäure  Salze.
Dasselbe  gilt  für  Farbstoffe  jeder  Art,  jedoch  unbeschadet  ihrer  Verwendung ­
  zur  Gelbfärbung  der  Margarine  und  zum  Färben  der  Wursthüllen,
sofern  diese  Verwendung  nicht  anderen  Vorschriften  zuwiderläuft.“
Auf  Grund  des  §  16  des  Gesetzes  gelten  diese  Bestimmungen  auch  für  das
w  das  Zollinland  eingehende  „Fleisch“,  also  auch  für  Oleomargarin,  Margarine  usw.
d ch  dem  §  20  der  Ausführungsbestimmungen  D  vom  3.  Juni  1900  sind  zubereitete
ette  (also  auch  Margarine)  hei  der  Auslandsfleischbeschau  zurückzuweisen:
T  wenn  sie  nicht  den  für  den  Inlandsverkehr  bestehenden  Vorschriften  entsprechend
2  ezeichuet  sind  („Margarine“,  „Kunstspeisefett“);
wenn  das  Fett  ranzig,  sauer,  mit  Fäulnis-Geruch  oder  -Geschmack  behaftet  oder
innerlich  mit  Schimmelpilzen  oder  Bakterienkolonien  durchsetzt  oder  sonst  verdorben
befunden  wird  •

’j  über  die  technische  Begründung  dieses  Bundesratsbeschlusses  vergl.  Zeitschr.
Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  19CL,  *&amp;gt;,
        <pb n="593" />
        572

Speisefette  und  -öle.

3.  wenn  das  Fett  in  einem  Packstück  äußerlich  derartig  mit  Schimmelpilzen  oder  Bakterienkolonien ­
  besetzt  ist,  daß  der  Inhalt  des  ganzen  Packstücks  als  verdorben  anzusehen  ist;
4.  wenn  eine  Probe  einen  der  gemäß  §  21  des  Gesetzes  verbotenen  Stoffe  (Borsäure  usw.)
enthält;
5.  wenn  eine  Probe  als  verfälscht  oder  nachgemacht  befunden  wird;
6.  wenn  eine  Probe  Margarine  den  Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  15.  Juni  1897
(vergl.  oben  S.  570)  nicht  entspricht.
b)  Abgesehen  von  den  vorstehenden  gesetzlichen  Bestimmungen  sind  hinsichtlich
der  Verfälschungen  der  Margarine  dieselben  Gesichtspunkte  maßgebend  wie
für  Butter;  sie  unterscheiden  sich  im  wesentlichen  aber  dadurch  von  denen  der
Butter,  daß  bei  der  Margarine  die  hauptsächlichste  Butterfälschung,  nämlich  der
Zusatz  fremder  minderwertiger  Fette,  kaum  in  Betracht  kommt,  sofern  dieselben  nur
zum  menschlichen  Genüsse  geeignet  sind.  Es  würde  dagegen  aber  eine  Verfälschung
von  Margarine  vorliegen,  wenn  zu  ihrer  Herstellung  verdorbenes  Fett  oder  solches
von  krepierten  oder  in  Agonie  getöteten  oder  mit  Infektions-  oder  toxischen  Krankheiten ­
  behafteten  Tieren  verwendet  wird.
3.  Die  Untersuchungsverfahren.  Die  Untersuchungsverfahren  für  Margarine
sind  im  allgemeinen  dieselben  wie  für  Butter;  sie  sind  durch  die  amtliche  „Anweisung“ ­
  vom  1.  April  1898  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom
15.  Juni  1897,  sowie  durch  die  Anlage  d  zu  den  Ausführungshestimmungen  D  zum
Fleischbeschau-Gesetz  vom  3.  Juni  1900  vorgeschriehen  (vergl.  oben  S.  548—564).
Außerdem  ist  noch  folgende  Prüfung  auszuführen:
Schätzung  des  Sesamölgehaltes  der  Margarine.  „0,5  ccm  des  geschmolzenen, ­
  klar  filtrierten  Margarinefettes  werden  mit  9,5  ccm  Baumwollsamenöl,
  das,  nach  dem  oben  S.  667  beschriebenen  Verfahren  geprüft,  mit  Furfurol
und  Salzsäure  keine  Rotfärbung  gibt,  vermischt.  Man  prüft  die  Mischung  nach
dem  oben  S.  567  angegebenen  Verfahren  auf  Sesamöl.  Hat  die  Margarine  den
vorgeschriebenen  Gehalt  an  Sesamöl  von  der  vorgeschriebenen  Beschaffenheit,  so
muß  die  Sesamöl-Eeaktion  noch  deutlich  eintreten.“
Zu  erwähnen  ist  noch,  daß  A.  Kirschner 1 )  neuerdings  ein  Verfahren  zur
Bestimmung  des  Butterfettes  neben  Kokosfett  in  Margarine  veröffenlicht
hat,  das,  wenn  es  sich  bewähren  sollte,  wichtig  ist  hinsichtlich  der  Beantwortung
der  Frage,  ob  eine  kokosfetthaltige  Margarine  den  Bestimmungen  des  §  3  des
Gesetzes  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  entspricht.
4.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Margarine.  Die  Anhaltspunkte  für
die  Beurteilung  der  Butter  gelten  —  mit  Ausnahme  derer  für  den  Nachweis  fremder
Fette  in  der  Butter  —  im  allgemeinen  sinngemäß  auch  für  die  Margarine.  Im
besonderen  ist  noch  folgendes  zu  bemerken:
1.  Der  Beschluß  des  Bundesrates  bezügl.  des  höchsten  zulässigen  Wassergehaltes ­
  (S.  565)  und  des  mindesten  Fettgehaltes  gilt  nicht  für  Margarine.  Doch  wird
man  hinsichtlich  der  Beurteilung  des  zulässigen  Wassergehaltes  usw.  sich  im  allgemeinen ­
  auch  bei  der  Margarine  auf  denselben  Standpunkt  stellen  dürfen,
2.  Die  Margarine  muß  den  oben  (S.  570—672)  aufgeführten  gesetzlichen  Bestimmungen ­
  entsprechen,  nämlich:
a)  Betreffend  den  höchstzulässigen  Gehalt  an  Butterfett  (S.  570).  In  dieser
Hinsicht  ist  folgendes  zu  bemerken: 2 )
J )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1905,  9,  65.
2 )  Vergl.  E.  Sendtner,  Zur  Untersuchung  der  Margarine.  —  Forschungsberichte
über  Lebensmittel  usw.  1895,  2,  116.
        <pb n="594" />
        Schweinefett.

573

Mit  der  Bestimmung,  daß  ein  Zusatz  von  so  viel  Butter  gestattet  ist,  als  bei  der
Herstellung  der  Margarine  von  der  Verwendung  von  100  Gewichtsteilen  Milch  oder  einer
dementsprechenden  Menge  Eahm  auf  100  Gewichtsteile  der  nicht  der  Milch  entstammenden
Fette  in  die  Margarine  gelangen,  kann  keine  scharfe  Grenze  für  den  Butterfettgehalt
gezogen  sein,  da  der  Fettgehalt  natürlicher  Milch  in  verhältnismäßig  weiten  Grenzen
schwankt.
Einem  Gehalte  von  3—6°/ 0  Butterfett,  welche  letztere  Menge  durch  Verwendung
einer  sehr  fettreichen  Milch  unter  Umständen  in  die  Margarine  gelangen  kann  und  die
daher  als  gesetzlich  zulässig  angesehen  werden  muß,  würden  Reichert-MeißIsche  Zahlen
von  etwa  1,5—2,5  entsprechen,  während  das  Margarinefett  meistens  Beichert-Meißlsche
Zahlen  von  0,7—1,0  hat.
Es  können  jedoch  bei  Margarine  noch  höhere  Eeichert-Meißlsche  Zahlen  Vorkommen, ­
  ohne  daß  der  Butterfettgehalt  die  erlaubte  Grenze  überschreitet,  ja  sogar  ohne
daß  überhaupt  Butterfett  im  Margarinefett  vorhanden  ist,  nämlich  wenn  sie  Palmkernfett
und  Kokosfett,  welche  die  verhältnismäßig  hohen  Eeichert-Meißlschen  Zahlen  3,5—7
hezw.  6—8,5  haben,  enthält.
Zur  Erkennung  eines  Gehaltes  an  diesen  Fetten  können  ihre  sehr  niedrigen  Jodzahlen ­
  und  hohen  Verseifungszahlen  dienen.
Vielleicht  dürften  für  diesen  Nachweis  das  Verfahren  von  A.  Kirschner  (vergl.
oben  S.  572)  und  die  Bestimmung  der  Polenskescheu  „Neuen  Butterzahl“  (vergl.  S.  658),
sofern  letzteres  Verfahren  für  den  vorgenannten  Nachweis  noch  besonders  ausgearbeitet
wird,  bessere  Dienste  leisten.
b)  Betreffend  den  Mindestgehalt  an  Sesamöl  (vergl.  S.  572).
c)  Betreffend  die  verbotenen  Frischhaltungsmittel  (vergl.  S.  571).  Hierzu
ist  zu  bemerken,  daß  die  Verwendung  der  in  dem  Beschlüsse  des  Bundesrates  nicht
besonders  aufgeführten  Mittel  hierdurch  nicht  etwa  stillschweigend  erlaubt  ist;
vielmehr  bleibt  hinsichtlich  der  Beurteilung  etwa  sonst  vorhandener  Frischhaltungsmittel ­
  das  Nahrungsmittelgesetz  vom  14.  Mai  1879  immer  noch  maßgebend.  Uber
die  Verwendung  von  Hexamethylentetramin  vergl.  oben  S.  551,  Anmerkung  3.
d)  Die  Gelbfärbung  der  Margarine  ist  durch  den  Beschluß  des  Bundesrates
(Bekanntmachung  vom  18.  Februar  1902)  ausdrücklich  erlaubt  (S.  571).
e)  Auf  die  geltenden  gesetzlichen  Bestimmungen  über  Herstellungsräume,
Lagerräume,  Verpackung,  äußerliche  Kenntlichmachung  usw.  kann  hier  nur  verwiesen ­
  werden.
f)  Durch  die  Ausführungsbestimmungen  D  zum  Fleischbeschau-Gesetz  vom
?•  Juni  1900  sind  besondere  Bestimmungen  für  die  Beurteilung  der  in  das  Zollx
 nland  eingehenden  Margarine  festgelegt;  vergl.  oben  S.  571.
3.  Die  Verwendung  von  verdorbenen  Fetten  und  sonstigen  zur
menschlichen  Ernährung  ungeeigneten  Fetten  ist  natürlich  zu  beanstanden.  Diese
■^ r t  von  Verfälschungen  kann  im  allgemeinen  nicht  durch  chemische  Untersuchungen,
sondern  nur  durch  eine  Kontrolle  der  Margarinefabriken  selbst  verhütet  werden.

III.  Schweinefett.
Das  Schweinefett,  auch  Schweine-1.
  Herstellung  und  Zusaramensetzu  g.  t  ^  Butter  das  am  meisten
schmalz,  Schmalz,  Schmer  usw.  genannt,  •  ,  qvio-lv/eriden  der  Palmitin-,
geschätzte  Speisefett.  Es  besteht  vorzugsweise  au.  minder  linolsäurehaltige
Stearin-  und  Ölsäure,  daneben  finden  sich  auc  me  a  ,  ^  ds  gemischte
Triglyzeride.  H.  Kreis  und  A.  Hafner»)  haben  an  Schweinefett  _  das^  g  ^  ^
Triglyzerid  Heptadekyldistearin  C 8 H 5  (C 17 H 33 0. 2 )  (  18  ss  2)2
l )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  041.
        <pb n="595" />
        574

Speisefette  und  -öle.

hält  an  unverseifbaren  Bestandteilen  im  wesentlichen  nur  Cholesterin  und  kein
Phytosterin.
Das  Schweinefett  wird  gewöhnlich  aus  dem  Eingeweidefett  gewonnen;  bei
unserem  einheimischen  sog.  Metzgerfett,  welches  in  den  Schlächtereien  meist  über
freiem  Feuer  ausgeschmolzen  wird,  findet  vorwiegend  das  Nierenfett  (Blumen,
Flohmen,  Flaumen,  Schmer,  Liesen)  sowie  das  Darmfett  (Gekrösefett)  Verwendung,
seltener  das  Riickenfett  (Speck)  oder  gar  das  Fett  von  anderen  Körperteilen  des
Schweines.
Der  größte  Teil  des  aus  dem  Auslande  eingeftthrten  Schweinefettes  kommt
aus  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika,  woselbst  nicht,  wie  bei  uns,  von  den
einzelnen  Metzgern,  sondern  in  großen  Schlächtereien  und  „Packhäusern“  vielfach
das  ganze  Fett  des  Schweines  auf  Schmalz  verarbeitet  wird.
Von  Amerika  eingeführt  wird  namentlich  das  Dampfschmalz  oder  Rohschmalz ­
  (steam  lard),  welches  in  eisernen  Kesseln  unter  Druck  durch  unmittelbare
Einwirkung  von  Dampf  auf  das  Fett  gewonnen  wird,  ferner  das  Neutralschmalz
(neutral  lard).
Die  Raffination  des  Schmalzes  besteht  in  einem  teilweisen  Auspressen  des
„Schmalzöles“  bei  niedriger  Temperatur  aus  dem  für  Speisezwecke  zu  flüssigem
Rohschmalz.
2.  Verfälschungen  des  Schweinefettes  und  gesetzliche  Bestimmungen,  a)  Die
hauptsächlich  in  Betracht  kommenden  Verfälschungen  des  Schweinefettes  sind:
1.  Zusatz  von  Pflanzenfetten,  vornehmlich  Baumwollsamenöl  und  -Stearin
(Kottonstearin),  ferner  Erdnußöl,  Sesamöl,  Palmkernfett,  Kokosfett  usw.
2.  Zusatz  von  Preßtalg,  Rindstaig  oder  Hammeltalg  zur  Erhöhung  der
Konsistenz.
3.  Gleichzeitiger  Zusatz  von  Talg  und  Pflanzenfetten.
4.  Beimischung  von  größeren  Wassermengen.
5.  Zusatz  von  verbotenen  Frischhaltungsmitteln.
6.  Verkauf  von  verdorbenen  Fetten.
7.  Der  Zusatz  von  gewichtsvermehrenden  fremden  Stoffen  außer  Fetten  und
Wasser  dürfte  wohl  kaum  in  großem  Maßstab  Vorkommen.
b)  Die  beim  Schweinefett  in  Frage  kommenden  besonderen  gesetzlichen  Bestimmungen ­
  sind  folgende:
1.  Das  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter,  Käse,  Schmalz  und
deren  Ersatzmitteln  vom  15.  Juni  1897.  Nach  dem  §  1  dieses  Gesetzes  sind
alle  dem  Schweineschmalz  ähnlichen  Zubereitungen,  deren  Fettgehalt  nicht  ausschließlich ­
  aus  Schweinefett  besteht,  als  Kunstspeisefett  zu  bezeichnen.  Ausgenommen ­
  hiervon  sind  unverfälschte  Fette  bestimmter  Tier-  und  Pflanzenarten,
welche  unter  den  ihrem  Ursprung  entsprechenden  Bezeichnungen  in  den  Verkehr
gebracht  werden.
2.  Das  Gesetz  betr.  die  Schlachtvieh-  und  Fleischbeschau  vom
3.  Juni  1900.  Schweinefett  und  Kunstspeisefett  fallen  unter  den  Begriff  „Fleisch“
dieses  Gesetzes  (vergl.  S.  571).  Es  gelten  daher  für  beide  a)  das  Verbot  des  Zusatzes
der  oben  (S.  571)  aufgeführten  Frischhaltungsmittel  und  der  künstlichen
Färbung  und  ß)  die  Äusführungsbestimmungen  D  zu  diesem  Gesetze  hinsichtlich
der  Behandlung  des  in  das  Zollinland  eingehenden  Schweinefettes  und  Kunstspeisefettes ­
  (vergl.  oben  S.  571).
3.  Untersuchungsrerfahren.  a)  Die  Probenahme  und  Untersuchung
hinsichtlich  der  allgemeinen  Zusammensetzung  des  Schweineschmalzes  —
        <pb n="596" />
        Schweinefett.

575

d.  h.  die  Bestimmung  des  etwaigen  Gehaltes  an  Wasser,  Fett,  Stickstoffsubstanz
und  Mineralstoffen  —  sowie  die  Bestimmung  der  freien  Fettsäuren  geschieht  im
allgemeinen  wie  bei  der  Butter  (vergl.  S.  548  u.  554).
Im  besonderen  sind  darüber  durch  die  amtliche  Anweisung  vom  1.  April
1898  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  noch
folgende  Vorschriften  erlassen:
1.  Bestimmung  des  Wassers.  „Die  Bestimmung  des  Wassers  ist  nur  dann  erforderlich,
wenn  beim  Schmelzen  der  Schmalzprobe  sich  dessen  Gegenwart  zu  erkennen  gibt.
Sie  erfolgt  dann  in  der  gleichen  Weise  wie  bei  Butter.“
2.  Bestimmung  der  Mineralbestandteile.  „10  g  Schmalz  werden  geschmolzen
und  durch  ein  getrocknetes  dichtes  Filter  von  bekanntem  geringen  Aschengehalt
filtriert.  Man  entfernt  die  größte  Menge  des  Fettes  von  dem  Filter  durch  Waschen
mit  entwässertem  Äther,  verascht  alsdann  das  Filter  und  wägt  die  Asche.“
3.  Bestimmung  des  Fettes.  „Man  erhält  den  Fettgehalt  des  Schmalzes,  indem  man
die  Werte  für  den  Gehalt  an  Wasser  und  Mineralbestandteilen  von  100  ahzieht.“
Selbstverständlich  müssen  auch  etwa  vorhandene  größere  Mengen  fremder  organischer
Beimengungen  bei  der  Berechnung  des  Fettgehaltes  in  Abzug  gebracht  werden.
b)  Der  Nachweis  der  Frischhaltungsmittel  erfolgt  nach  der  Anlage  d
der  Ausführungsbestimmungen  D  zum  Fleischbeschau-Gesetz  vom  3.  Juni  1900
(vergl.  oben  S.  550—554).
c)  Der  Nachweis  fremder  Farbstoffe  in  schweinefetthaltigen  Fettzubereitungen ­
  erfolgt  nach  S.  562.
d)  Nachweis  von  fremden  Fetten,  Zu  diesen  Untersuchungen  darf
nur  das  durch  Schmelzen  bei  50—60°  und  Filtration  gewonnene  vollkommen ­
  klare  Fett  verwendet  werden.  '
a)  Der  Zusatz  aller  Pflanzenfette  und  -öle  erfolgt  am  besten  und  zuverlässigsten ­
  durch  die  Phytosterin-  bezw.  Phytosterinacetat-Probe.  Über
die  Ausführung  dieser  Proben  vergl.  S.  534—541.
Man  verwendet  am  besten  50—100  g  Fett;  bei  zu  vermutendem  höheren  Gehalt
an  Pflanzenfetten  reichen  auch  unter  Umständen  geringere  Mengen  hin;  für  die  Phytosterin-Probe
  allein  genügen  meist  10—20  g  Fett.
ß)  Als  Vorprobe  für  den  Nachweis  einer  Reihe  von  Pflanzenfetten  kann  die
Bestimmung  der  Refraktometerzahl  (vergl.  S.  521)  dienen;  diese  liegt  bei  reinen
Schweinefetten  in  der  Regel  zwischen  48,5  und  51,5  bei  40°.  Wollny  hat  für  die
refraktometrische  Untersuchung  des  Schweinefettes  ein  Spezialthermometer  anfertigen ­
  lassen;  die  Einrichtung  desselben  ist  eine  ähnliche  wie  die  des  Spezialthermometers
  für  die  Butteruntersuchung  (vergl.  S.  524).
y)  Für  den  Nachweis  von  Pflanzenölen  hat  beim  Schweinefett  die
^Jelmanssche  Reaktion 1 )  mit  Phosphormolybdänsäure  eine  gewisse  Bedeutung.
Sie  wird  nach  der  amtlichen  Anweisung  vom  1.  April  1898  zum  Gesetz  betr.  den
Verkehr  mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  wie  folgt  ausgeführt;
„1  g  des  geschmolzenen,  klar  filtrierten  Schmalzes  löst  man  in  einem  dickwandigen, ­
  mit  Stöpsel  verschließbaren  Probierröhrchen  in  5  ccm  Chloroform,  setzt
2  ccm  einer  frisch  bereiteten  Lösung  von  Phosphormolybdänsäure  oder  phosphorn
 *olybdänsaurem  Natrium  und  einige  Tropfen  Salpetersäure  zu  und  schüttelt  so
kräftig  wie  möglich.  Bei  Abwesenheit  von  fetten  ölen  bleibt  das  Gemisch  gelb,
bei  deren  Anwesenheit  jedoch  tritt  eine  Reduktion  ein:  die  Mischung  nimmt  eine
grünliche,  bei  bedeutenden  Zusätzen  eine  smaragdgrüne  Färbung  an.  Durch  Vergleich ­
  mit  reinem  Schmalz  läßt  sich  der  Unterschied  zwischen  Gelb  und  Grün  leichter
Ö  Pharm.-Ztg.  1891,  36,  798  u.  1892,  37,  7.
        <pb n="597" />
        576

Speisefette  und  -öle.

beobachten.  Läßt  man  einige  Minuten  stehen,  so  scheidet  sich  die  Flüssigkeit  in
2  Schichten;  die  untere  (Chloroform)  erscheint  wasserhell,  während  die  obere  grün
gefärbt  ist.  Man  vermeide  niedere  Temperaturen,  damit  sich  das  Fett  nicht  in
festem  Zustand  wieder  abscheidet.  Macht  man  die  saure  Mischung  mit  Ammoniak
alkalisch,  so  geht  die  grüne  Farbe  in  Blau  über,  dessen  Intensität  der  vorherigen
Grünfärbung  entspricht.  Ein  nur  schwach  blauer  Schimmer  ist  unberücksichtigt
zu  lassen.“
d)  Kokosfett  und  Palmkernfett  enthaltendes  Schweinefett  erkennt  man
an  der  erhöhten  Verseifungszahl  (vergl.  S.  526)  und  auch  an  der  entsprechend
erhöhten  Eeichert-Meißlschen  Zahl  (vergl.  S.  527).
s)  Baumwollsamenöl  (Kottonöl)  und  -Stearin  enthaltendes  Schweinefett
gibt  die  Halphensche  Reaktion  auf  Baumwollsamenöl  (vergl.  S.  587).
£)  Sesam  öl  enthaltendes  Schweinefett  gibt  die  Baudouinsche  und  Soltsiensche
  Reaktion  (vergl.  S.  586).
tj)  Erdnußöl  enthaltendes  Schweinefett  erkennt  man  an  einem  Gehalt  an
Arachinsäure  und  Lignocerinsäure  (vergl.  S.  584).
#)  Der  Nachweis  von  Rinds-  und  Hammeltalg  bietet  große  Schwierigkeiten. ­
  Die  Bestimmung  der  Jodzahl  gibt  zwar  unter  Umständen  einen  gewissen
Anhalt  für  das  Vorhandensein  von  Talg  in  Schweinefett;  indes  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß  einerseits  eine  Erniedrigung  der  Jodzahl  auch  durch  einen  Zusatz
von  Kokosfett  bedingt  sein  kann  und  andererseits  bei  gleichzeitigem  Zusatz  von
Baumwollsamenöl  die  durch  den  Talgzusatz  bedingte  Erniedrigung  der  Jodzahl
wieder  ausgeglichen  wird.  Auch  ist  zu  berücksichtigen,  daß  ein  Gehalt  des
Schweinefettes  an  freien  Fettsäuren  eine  Erniedrigung  der  Jodzahl  bedingt.
H.  W.  Wiley 1 )  hat  zuerst  vorgeschlagen,  die  Kristallform  des  „Stearins“
zur  Erkennung  von  Talg  im  Schweinefett  zu  verwenden.  Dieses  Verfahren
hat  durch  die  neuesten  Untersuchungen  von  H.  Kreis  und  A.  Hafner, 2 )  nach
denen  dieses  „Stearin“  beim  Schweinefett  aus  Heptadekyldistearin,  beim  Eindsund
  Hammeltalg  dagegen  aus  Palmitodistearin  besteht,  eine  wissenschaftliche  Grundlage ­
  erhalten,  indes  bietet  die  Ausführung  bis  jetzt  noch  Schwierigkeiten.
A.  Goske 8 )  hat  folgende  Ausführungsweise  vorgeschlagen:
1  g  Schweineschmalz  —  nicht  mehr  —  wird  in  10  ccm  Äther  in  einem  Eeagensglase
  gelöst,  letzteres  mit  Baumwollepfropfen  verschlossen  und  die  Lösung  bei  12—13°
Zimmertemperatur  der  Kristallisation  überlassen.  Sobald  sich  Kristalle  gebildet  haben,
wird  die  klare  Lösung  vorsichtig  ahgegossen,  etwas  farbloses  Arachis-  oder  Kottonöl  zugegeben ­
  und  die  ausgelesenen  Kristalle  bei  300-faoher  Vergrößerung  unter  dem  Mikroskop
betrachtet.
Das  „Stearin“  aus  etwa  zugesetztem  Talg  kristallisiert  in  kleinen,  büschelförmig
angeordneten  Nadeln,  die  von  einem  Zentrum  ausgehen  und  harte  Kristalldrusen  bilden.
„Schmalzstearin“  dagegen  bildet  zarte,  lose  zusammenhängende  Büschel,  die  sich  aus
schräg  abgesohnittenen  Tafeln  mit  einem  stumpfen  Winkel  von  115°  zusammensetzen  und
oft  bis  1 / 1  mm  breit  sind.
Das  Verfahren  ist  aber  unsicher  und  kann  zu  Täuschungen  führen.  Goske  selbst
führt  an,  daß  das  gewöhnliche  Schweineschmalz  sich  anders  verhält  als  Dampfschmalz.
P,  Soltsien, 1 )  0.  A.  Neufeld 5 )  und  0,  Hehner 6 )  sprechen  ebenfalls  gegen  die  Brauchbarkeit ­
  des  Verfahrens.

J )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem,  1891,  30,  510.
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  641.
3 )  Chem.-Ztg.  1892,  16,  1660,  1597  u.  1895,  19,  1043.
&amp;gt;)  Pharm.-Ztg.  1893,  88,  634.
5 )  Archiv  f.  Hygiene  1893,  17,  452.
°)  Chem.-Ztg.  1894,  18,  367.
        <pb n="598" />
        Schweinefett.

577

Über  weitere  in  dieser  Richtung  gemachte  Vorschläge,  insbesondere  auch  über
die  Bestimmung  der  Menge  des  ausgeschiedenen  „Stearins“  vergl.  J.  Lewkowitsch,
„Chemische  Technologie  und  Analyse  der  öle,  Fette  und  Wachse“,  Braunschweig,
Pr.  Vieweg  &amp;amp;  Sohn,  19Q5,  2,  380—384.
Es  empfiehlt  sich  daher  für  die  Untersuchung  des  Schweinefettes
auf  Reinheit  folgender  Untersuchungsgang:
Man  bestimmt  von  dem  zu  untersuchenden  Schweinefett  Refraktometerzahl
und  Verseifungszahl,  nötigenfalls  auch  die  Jodzahl,  führt  ferner  auch  die
Halphensche  Reaktion  auf  Baumwollsamenöl  (S.  587),  die  Baudouinsche  oder
Soltsiensche  Reaktion  auf  Sesamöl  (S.  586)  und  die  Welmanssche  Reaktion  auf
Pflanzenöle  (S.  575)  aus.  Ist  alsdann
a)  die  Refraktometerzahl  verhältnismäßig  hoch  und  tritt  eine  der  Farbenreaktionen ­
  positiv  auf,  oder  ist  die  Refraktometerzahl  niedrig  und  die  Verseifungszahl
hoch,  oder  endlich  treten  bei  normalen  Refraktometer-  und  Verseifungszahlen  eine
oder  mehrere  der  Farbenreaktionen  positiv  ein,  so  prüft  man  mittels  der  Phytosterinund
  Phytosterinacetat-Probe  auf  einen  Zusatz  von  Pflanzenfetten  aller  Art;
b)  die  Verseifungszahl  normal,  sind  dagegen  die  Refraktometerzahl  und  die
Jodzahl  sehr  niedrig,  so  führt  man  nötigenfalls  die  Kristallisationsprobe  auf  „Talgstearin“ ­
  aus.

4.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  von  Schweinefett.
a)  Reines  Schweinefett  enthält  nur  Spuren  von  Wasser,  Asche  usw.  Größere
Mengen  von  Wasser,  ferner  Zusätze  mineralischer  Natur  und  organische  Füllmittel
außer  Fett  sind  gleichfalls  als  Verfälschungen  zu  beanstanden.
b)  Schweinefette,  welche  die  Frischhaltungsmittel  Borsäure,  Formaldehyd
  usw.  (vergl.  oben  S.  571)  enthalten,  sind  auf  Grund  der  Bestimmungen  des
undesrates  vom  18.  Februar  1902  zum  „Fleischbeschau-Gesetz“  vom  3.  Juni  1900
z u  beanstanden.
c)  Der  Zusatz  fremder  Fette  zum  Schweinefett  ist  als  Verfälschung  zu
eanstanden.  Alle  dem  Schweineschmalz  ähnlichen  Zubereitungen,  deren  Fett  nicht
ausschließlich  aus  Schweinefett  besteht,  müssen  nach  dem  Gesetz  betr.  den  Verkehr
unt  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  als  „Kunstspeisefette“  bezeichnet  werden.
Ausgenommen  hiervon  sind  unverfälschte  Fette  bestimmter  Tier-  und  Pflanzenarten,
le  unter  einer  ihrem  Ursprung  entsprechenden  Bezeichnung  in  den  Verkehr
gebracht  werden.
Bezüglich  des  Nachweises  fremder  Fette  ist  folgendes  zu  bemerken:
«)  Ein  Zusatz  von  Pflanzenfetten  ist  als  bestimmt  erwiesen  anzusehen,
g 6nn  die  Phytosterinacetat-Probe  positiv  ausfällt,  d.  h.  wenn  der  korrigierte
uhmelzpunkt  der  letzten  Kristallisation  117°  oder  darüber  beträgt.
t  ,,  Beispiele:  A.  Börner 1 )  fand  für  reine  und  mit  Pflanzenfetten  versetzte  Schweinel8tte
  f °lgende  Werte:

Korrigierter  Schmelzpunkt
der  Acetate
dritte  Kristallisation  .  •
Vierte  „  .  .
Fünfte

Dasselbe  Fett  mit  Zusatz  von

Reines
Schweinefett

Baumwollsamenöl

Erdnußöl

'i°/„

2°/o'

.  114,3°

117,3°

122,0°

118.7°

121,0°

.  114,3°

117,3»

123,8»

120,5»

122,0°

.  114,6°

118,4»

124,4»

121,0°

123,5°

hung  d.  Nahrungs-  u.

Genußmittel  1901,

4,  1070.

37
        <pb n="599" />
        578

Speisefette  und  -öle.

A.  Juckenack  und  R.  Pasternack 1 )  fanden  für  mit  Kokosfett  verfälschte
Schweinefette,  sowie  für  weiße  Kunstspeisefette  des  Handels  folgende  Werte:

Eeichert-Meißlsche
  Zahl

M  I
2.  1  Schweinefette.  .  ,
3.  I  I
4  1  (
g  |  Kunstspeisefette  .  |

2,53
2,55
4,65
0,93
1,60

Ver-Refraktion



seifungs-(Schweinefett-





Skala)

204,65

—  2,1

205,79

-2,6

219,55

—  5,4

197,40

+  3,3

199,60

+  4,1

Phytosteriuaoetat-Probe

loazam  (] colT io.  Schmelzp.  der
6.  Kristallisation)
55,60  119,5°
62,52  118,8°
42,18  119,4°
81,36  127,0«
84,09  123,0°

Früher  hat  man  den  Nachweis  von  Verfälschungen  des  Schweinefettes  vorwiegend
durch  die  Bestimmung  der  Jodzahl  und  der  Refraktometerzahl  sowie  verschiedene  Farbenreaktionen ­
  zu  erbringen  gesucht.  Die  Untersuchungen  der  letzten  Jahre  haben  gezeigt,
daß  im  Handel  reine  Schweinefette  mit  weit  höheren  Jodzahlen  verkommen,  als  man
früher  angenommen  hat.  —  W.  D.  Riohardson' 2 )  fand  für  das  Bauchschmalz  (Leaf  lard)
des  im  Südwesten  der  Union  gehaltenen  sog.  Eichelmastschweines  vom  Markte  in  St.  Louis
sogar  die  Jodzahlen  78,8  bis  82,0  und  für  das  Rückenschmalz  dieser  Tiere  die  Jodzahlen
81,5  bis  84,7  —;  andererseits  kann  die  Jodzahl  eines  mit  Baumwollsamenöl  verfälschten
Schweinefettes  ja  auch  leicht  durch  Zusatz  von  Talg,  Preßtalg,  Kokosfett  wieder  herabgedrückt ­
  werden.  Zwar  kann  unter  diesen  Umständen  die  Jodzahl  der  flüssigen  Fettsäuren ­
  unter  Umständen  einen  besseren  Anhaltspunkt  gewähren,  als  die  Jodzahl  des  Fettes
selbst,  allein  auch  sie  schwankt  in  beträchtlich  weiten  Grenzen  (92—115,5) s )  und  dazu
kommt  noch,  daß  ihre  Bestimmung  mit  verhältnismäßig  großen  Schwierigkeiten  verknüpft  ist.
Auch  die  verschiedenen  Farbenreaktioneu  auf  das  neben  Kokosfett  vorwiegend
zur  Verfälschung  dienende  Baumwollsamenöl  (Bechi,  Halphen  usw.)  haben  nur
einen  bedingten  Wert;  einmal,  weil  der  diese  Reaktionen  verursachende  Körper  durch  die
Fütterung  der  Tiere  mit  Baumwollsamenmehl  in  das  Körperfett  übergehen  kann,  so  daß
also  auch  reine  Schweinefette  die  betr.  Reaktionen  zeigen  können;  sodann,  weil  durch
entsprechende  Behandlung  des  Baumwollsamenöles  diesem  die  Reaktionsfähigkeit  auf  die
betr.  Reagenzien  genommen  werden  kann.  Andererseits  sind  namentlich  die  Bechische
und  Welmanssche  Reaktion  noch  in  der  Richtung  unsicher,  als  sie  auch  durch  nachträglich ­
  in  das  Fett  hineingekommene  Stoffe  (Zwiebeln  usw.)  verursacht  werden  können.
Aus  allen  diesen  Gründen  kommt  den  hier  in  Frage  kommenden  Reaktionen  auf
Baumwollsamenöl  (Bechi,  Halphen,  Gantter,  Wolmaus)  keine  entscheidende  Bedeutung ­
  zu.  Sie  sind  dagegen  sehr  geeignete  Vorproben  und  in  dieser  Hinsicht  hat
auch  die  Welmanssche  Reaktion  bei  Schweinefett  einige  Bedeutung.  Auch  haben
die  Farbenreaktionen  in  der  Richtung  eine  gewisse  Bedeutung,  als  sie  bei  positivem  Ausfall
der  Phytosterinacetat-Probe  einen  Anhalt  dafür  geben,  welches  Planzenöl  zugesetzt  ist.
ß)  Ein  Zusatz  von  Kokosfett  oder  von  Palmkernfett  —  welches  sich
ähnlich  verhält  —  wird  erwiesen 4 )  durch  eine  erhöhte  Verseifungszahl  (etwa
Uber  200);  gleichzeitig  werden  Jodzahl  und  Eefraktometerzahl,  sofern  neben  dem
Kokosfett  nicht  gleichzeitig  noch  ein  Pflanzenöl  (Baumwollsamenöl  usw.)  vorhanden  ist,
wesentlich  erniedrigt.

J )  Zeitschr,  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  193.  Die  Kunstspeisefette ­
  gaben  positive  Halphen  sehe  Reaktion.
2 )  Journ,  Americ.  ehern.  Soc.  1904,  26,  372;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsu.
  Genaßmittel  1905,  9,  45.
3 )  Vergl.  J.  Lewkowitsch,  Chemische  Technologie  und  Analyse  der  Öle,  Fette
und  Wachse.  Braunschweig,  Pr.  Vieweg  &amp;amp;  Sohn,  1905,  2,  369.
4 )  F.  Morrsohöck  hat  kürzlich  ein  weiteres  Verfahren  zum  Nachweise  von  Kokosfett ­
  in  Schweinefett  veröffentlicht.  —•  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1904,  7,  586.
        <pb n="600" />
        Rindsfett  und  Hammelfett.

579

y)  Bezüglich  des  Nachweises  von  Talg  im  Schweinefett  ist  folgendes  zu
bemerken:  Als  unterste  Grenze  ist  für  Schweinefett  nach  C.  A.  Neufeld  die  Jodzahl ­
  46  anzunehmen.  Schweinefette,  welche  eine  unter  diesen  Wert  fallende  Jodzahl
besitzen,  sind,  sofern  Kokosfett  und  Palmkernfett  sowie  größere  Mengen  freier
Fettsäuren  nicht  vorhanden  sind,  in  der  Regel  als  mit  Talg  verfälscht  anzusehen.
Rindstalg  hat  nämlich  die  Jodzahlen  36,6—40,0  und  Rindspreßtalg  bis  zu  17—20  herab.
Bezüglich  der  Verwendbarkeit  der  Kristallisation  des  „Talgstearins“  aus
ätherischer  Lösung  sei  auf  das  oben  (S.  576)  Gesagte  verwiesen.
d)  Stark  ranzige  und  sonstwie  ungenießbare  Schweinefette  sind  als  verdorben
zu  beanstanden.
e)  Durch  die  Ausführungsbestimmungen  D  zum  Fleischbeschau-Gesetz  vom
3-  Juni  1900  sind  besondere  Bestimmungen  für  die  Beurteilung  des  in  das  Zollmland
  eingehenden  Schweinefettes  und  Kunstspeisefettes  festgelegt  (vergl.
S.  571).
f)  Das  Färben  Schweinefett  enthaltender  Fettgemische  ist  auf  Grund  der
§§  4  und  21  des  Fleischbeschau-Gesetzes  vom  3.  Juni  1900  und  des  Bundesratsbeschlusses ­
  vom  18.  Februar  1902  verboten  (vergl.  S.  671).  —  Beim  Schweinefett ­
  selbst  und  beim  sog.  weißen  Kunstspeisefett  kommt  natürlich  ein  Färben  kaum
in  Frage.
g)  Der  Zusatz  von  Frischhaltungsmitteln  wie  Borsäure,  Formaldehyd  usw.
(vergl.  oben  S.  671)  zu  Schweinefett  enthaltenden  Fettgemischen  (Kunstspeisefetten)
ls t  auf  Grund  der  vorstehend  unter  f  aufgeführten  Paragraphen  des  Fleischbeschau-Gesetzes
  verboten.

IV.  Rindsfett  und  Hammelfett.

a)  Herstellung  und  Zusammensetzung.  1.  Rindsfett  (Rinderfett,
Rindstalg,  Rindertalg)  findet  teils  als  solches  im  Haushalte  für  Kochzwecke  Verwendung ­
  (Nierenfett),  der  größte  Teil  des  Rindstalgs  aber  wird  noch  besonders
raffiniert;  hierfür  wird  das  Eingeweidefett  (Bandelfett),  Herzfett,  Lungenfett,  Stichfett ­
  (d.  i.  Fett  der  Halsteile),  Taschenfett  (Fett  der  Genitalgegend)  und  Netzfett
verarbeitet.  Durch  Ausschmelzen  bei  60  bis  65°  und  Abgioßen  von  den  Vorreinigungen ­
  wird  der  Talg  raffiniert  (premier  jus).  Sodann  läßt  man  das  Fett
be i  etwa  30°  kristallisieren  und  preßt  bei  dieser  Temperatur  aus.  Der  Rückstand
(Preßtalg)  dient  zur  Kerzenfabrikation  und  zur  Herstellung  von  Kunstspeisefetten,
Während  das  abgepreßte  Fett  (Oleomargarin)  vorzugsweise  zur  Herstellung  von
Margarine  verwendet  wird.

2.  Hammelfett  (Hammeltalg).  Das  Fett  Jenfhauptsächfich
findet  als  Speisefett  weniger  Verwendung  als  das  Rindsfett,
z n  technischen  Zwecken.

•  ,i  v.1.  ;n  ihrer  chemischen  Zusammensetzung
Rindsfett  und  Hammelfett  sind  si'  niolrt  möglich  ist;  sie  bestehen
so  sehr  ähnlich,  daß  ein  Nachweis  des  einen  un  “  und  ölsäure .  W .  Hansen*)
vorwiegend  aus  Triglyzeriden  der  Stearin-,  ...  Talgsorten  verschiedene,  gesowie
  H.  Kreis  und  A.  Hafner 2 )  fanden  m  beiden  -
mischte  Triglyzeride.  ,  Hammelfettes.  Die  TJntersuchungsb)
  Untersuchung  des  Rinds-  u  f ..  u .. tter  Butterfett  und  Schweinefett,
verfahren  sind  im  allgemeinen  dieselben  wie  &amp;gt;
die  in  sinngemäßer  Weise  anzuwenden  sind.

2  £ rchiy  f -  Hygiene  1902,  42,  1.
)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  641.

37*
        <pb n="601" />
        580

Speisefette  und  -öle.

Zolltechnische  Unterscheidung  des  Talges,  der  schmalzartigen
Fette 1 )  und  des  Stearins.  Hierzu  dient  in  erster  Linie  die  von  den  Zollämtern
vorzunehmende  Feststellung  des  Erstarrungspunktes  nach  dem  Finkenerschen
Verfahren  (vergl.  oben  S.  519).  Liegt  der  ermittelte  Erstarrungspunkt  unter  30,
so  sind  sie  als  schmalzartige  Fette,  liegt  er  zwischen  30  und  45,  so  sind  sie  als
Talge,  und  liegt  er  über  45°,  so  sind  sie  als  Kerzenstoffe  zu  behandeln.
■  „Bestehen  über  die  Richtigkeit  der  Ermittelungen  nach  dem  Verfahren  der  Prüfung
des  Fettes  in  bezug  auf  den  Erstarrungspunkt  Zweifel  oder  Meinungsverschiedenheiten,
so  ist  durch  einen  Chemiker  die  Jodzahl  des  Fettes  zu  bestimmen.“
Zu  dem  Zwecke  bringt  man  etwa  0,35—0,45  g  des  fraglichen  Fettes  (genau  gewogen)
in  eine  500—700  ccm  fassende,  mit  gut  eingesohlitfenem  Stopfen  versehene  Flasche,  löst
in  20  ccm  Chloroform  und  setzt  20  ccm  Hüblsche  Jodlösung,  die  30—36  ccm  1 / 10  Normal-Natriumthiosulfatlösung
  entsprechen  müssen,  hinzu.  Man  verschließt  die  Flasche  gut,  läßt
sie  2  Stunden  unter  öfterem  Umschwenken  bei  16—20°  stehen  und  titriert  dann,  nachdem
man  noch  20  ccm  Jodkaliumlösung  (1  :  10)  und  200  ccm  Wasser  hinzugesetzt  hat,  den
Jodüberschuß  mit  1 / 10  Normal-Natriumthiosulfatlösung  zurück.  —  Die  Jodlösung  ist
unmittelbar  vor  dem  Gebrauch  unter  Zusatz  von  Chloroform,  Jodkaliumlösung  und  Wasser
in  den  oben  angegebenen  Mengenverhältnissen  zu  kontrollieren.  Ist  sie  schwächer,  als
oben  vorgeschrieben  ist,  so  hat  man  entsprechend  mehr  zu  nehmen.
Liegt  die  ermittelte  Jodzahl  zwischen  30  und  42,  so  ist  das  Fett  als  Talg  anzuspreohen,
  bei  Abweichungen  von  diesen  Zahlen  aber  nach  Maßgabe  des  gefundenen  Erstarrungspunktes ­
  entweder  als  Kerzenstoff  oder  als  schmalzartiges  Fett  zu  behandeln.
Die  schmalzartigen  Fette  zeigen  höhere  Jodzahlen  als  42,  die  Kerzenstoffe  dagegen
niedrigere  als  30.
Wenn  die  vorbezeichneten  Untersuchungsverfahren  sich  nicht  so  weit  ergänzen,  daß
eine  endgültige  Entscheidung  getroffen  werden  kann,  oder  wenn  es  sich  um  die  Unterscheidung ­
  des  Stearins  von  dem  sog.  Preßtalge  handelt,  d.  i.  den  im  wesentlichen  aus
Neutralfetten  bestehenden,  durch  das  Auspressen  von  tierischen  Fetten  bei  niederer  oder
höherer  Temperatur  gewonnenen  Preßrückständen  von  nicht  sohmalzartiger  Konsistenz,
welche  nicht  mehr  als  5°/ 0  freie  Fettsäure  enthalten  und  in  der  Regel  einen  Erstarrungspunkt ­
  über  50°  zeigen,  so  hat  der  mit  der  Sache  befaßte  Chemiker  eine  Untersuchung
der  Durchschnittsprobe  auf  ihren  Gehalt  an  Fettsäure  im  Wege  des  Titrierverfahrens  vorzunehmen. ­
  Wird  bei  der  Titration  in  der  Warenprobe  ein  Gehalt  von  mehr  als  30,  in
Proben  von  Preßtalg  ein  Gehalt  von  mehr  als  5  °/ #  freier  Fettsäure  ermittelt,  so  ist  die
betreffende  Ware  als  Kerzenstoff  anzusehen.“
c)  Gesetzliche  Bestimmungen  betr.  Talg,  Oleomargarin,  Preßtalg
usw.  und  sonstige  Beurteilung.  1.  Talg,  Oleomargarin,  Preßtalg  usw.  und
solche  Fette  enthaltende  Gemische  fallen  unter  die  Bestimmungen  des  Gesetzes  betr.
die  Schlachtvieh-  und  Fleischbeschau  vom  3.  Juni  1900.  Es  ist  daher  auf  Grund
des  Beschlusses  des  Bundesrates  vom  18.  Februar  1902  verboten:
a)  denselben  die  oben  S.  571  aufgeführten  Frischhaltungsmittel  (Borsäure,
Formaldehyd  usw.)  zuzusetzen,
ß)  dieselben  zu  färben;  hiervon  ist  jedoch  ausgenommen  die  Gelbfärbung
der  Margarine.
2.  Durch  die  Ausführungsbestimmungen  D  zum  genannten  Gesetze  sind  besondere
Bestimmungen  für  die  Beurteilung  der  in  das  Zollinland  eingehenden  Talgfette ­
  festgelegt  (vergl.  S.  571).
3.  Werden  Talge,  Oleomargarin  und  diese  enthaltende  Fettgemische  in  einer
der  Milchbutter  oder  dem  Butterschmalz  ähnlichen  Zubereitung  in  den  Handel
gebracht,  so  dürfen  sie  gelb  gefärbt  werden;  sie  müssen  aber  dann  den  vorgeschriebenen ­
  Gehalt  an  Sesamöl  haben  (vergl.  S.  570).
J )  Ausgenommen  sind  hiervon  die  Schmalze  von  Schweinen  und  Gänsen.
        <pb n="602" />
        Gänsefett.  —  Pflanzliche  Speisefette  und  -öle.

581

4.  Im  übrigen  sind  hinsichtlich  der  Vermischung  des  Talges,  Oleomargarins  usw.
mit  minderwertigen  Fetten,  Wasser  und  dergl.,  des  Verkaufs  von  verdorbenen
Fetten  usw.  die  Beurteilungsgrundsätze  für  Schweinefett  in  sinngemäßer  Anwendung
zutreffend.
V.  Gänsefett.
a)  Das  Eingeweide-  und  Brustfett  der  Gänse  wird  in  vielen  Haushaltungen
wegen  seines  angenehmen  Geschmackes  als  Speisefett  verwendet  und  ist  auch  vielfach
im  Handel  verbreitet.  Es  ist  durchscheinend,  weiß  bis  blaßgelb  und  von  körniger
Konsistenz.  Wegen  seines  niedrigen  Schmelzpunktes  erhält  es  für  seine  Verwendung
als  Streichfett  im  Haushalte  vielfach  einen  Zusatz  von  Schweinefett.
b)  Die  Untersuchungsverfahren  des  Gänsefettes  sind  dieselben  wie  für
Schweinefett.  Ein  Nachweis  geringer  Zusätze  von  Schweinefett  zum  Gänsefett  ist
nach  den  bis  jetzt  bekannten  Untersuchungsverfahren  nicht  zu  erbringen.
c)  Das  Gänsefett  fällt  unter  die  Bestimmungen  des  Gesetzes  betr.  die
Schlachtvieh-  und  Fleischbeschau  vom  3.  Juni;  es  ist  daher  der  Zusatz  der
Frischhaltungsmittel  (Borsäure,  Formaldehyd  usw.,  vergl.  S.  571)  und  ein
solcher  von  Farbstoffen  —  sofern  sie  beim  Gänsefett  überhaupt  Anwendung
finden  sollten  —  verboten.
d)  Im  übrigen  sind  hinsichlich  der  Beurteilung  des  Gänsefettes  die  für
Schweinefett  maßgebenden  Grundsätze  in  sinngemäßer  Weise  zugrunde  zu  legen.
Außerdem  ist  ein  Zusatz  von  Schweinefett  zum  Gänsefett,  sofern  er  nicht  hinreichend
deklariert  wird,  als  eine  Verfälschung  des  Gänsefettes  anzusehen.

VI.  Pflanzliche  Speisefette  und  -öle.
Unter  den  pflanzlichen  ölen  kommt  vorwiegend  Olivenöl  als  das  am  meisten
geschätzte  Speiseöl  hier  in  Betracht;  ferner  aber  finden  als  Speiseöl  auch  Erdnußöl,
'  esam8 l,  Baumwollsamenöl,  Mohnöl,  Rüb-  (Raps-)  öl,  Bucheckernöl  und
o  ere  vielfache  Verwendung.  Von  festen  pflanzlichen  Fetten  dient  vorwiegend  das
°kosfett  zur  menschlichen  Ernährung.
dci  Probenentnahme  und  Vorbereitung  der  Öle  zur  Untersuchung.  „Aus
gut  durchmischten  Öl  vorrate  sind  mindestens  100  g  Öl  zu  entnehmen;  die  Öl-...
  en  s ind  in  reinen,  trockenen  Glasflaschen,  die  mit  Kork  oder  eingeriehenen  Glaspseln
  verschließbar  sind,  aufzuhewahren  und  zu  versenden.  Falls  die  Öle  ungelöste
si  ,  ail, fl e ^ 6  enthalten,  sind  sie  zu  erwärmen  und,  wenn  sie  dann  nicht  vollkommen  klar
&amp;gt;  durch  ein  trockenes  Filter  zu  filtrieren.“  (Amtliche  Anweisung  vom  1.  April  1898.)
na  l  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung.  1.  Die  Identifizierung  einzelner  der
ß  , s .  ®nd  beschriebenen  Fette  und  Öle,  soweit  sie  nicht  durch  besonders  kennzeichnende
Ionen  und  Eigenschaften  ausgezeichnet  sind,  sowie  der  Nachweis  von  Verfälschungen

sind  nicht

.  ..  ,-.„v  Bezüglich  der  Farbenreaktionen
immer  mit  vollkommener  Sicherheit  mog  &amp;gt;—  d  an  ” esehe n  werden  können  wenn
sei  nochmals  hervorgehoben,  daß  sm  nur  als  mSg  ^  aus geprägter,  jeden  Zweifel  aussie
  unter  strengster  Einhaltung  aller  Yorsc  Z M en  (Konstanten)  der  verschiedenen
schließender  Deutlichkeit  auftreten.  Die  «“ zel  .  ersehen,  in  die  auch  noch  einzelne
Fette  und  Öle  sind  aus  der  Tabelle  (S.  o42  oi  möglicherweise  bei  der  Be-Wer
  nicht  besprochene  Fette  Aufnahme  gefunden  haben,
nrteilung  eines  Fettes  in  Betracht  kommen  0I ’’\  A le  V0D  denen  das  Olivenöl  am  meis  en
2.  Gegen  die  Verwendung  dieser  Fet  e  u  .’, tg  e i nzu wenden,  falls  dieselben
geschätzt  wird,  für  die  menschliche  Ernährung  •  Verfälschung  anzusehen,  wenn
das  bezeichnet  werden,  was  sie  sind.  Es  ist  a  ei  a j B  solches  verkauft  wird,  mi
z -  B.  ein  Sesamöl  usw.,  welches  als  rein  oder  einfach
Baumwollsamenöl  versetzt  ist  oder  dergl.
        <pb n="603" />
        582

Speisefette  und  -öle.

Selbstverständlich  sind  alle  für  den  menschlichen  Genuß  dienenden  Öle,  auch  wenn
sie  nur  als  Speiseöle  bezeichnet  sind,  als  verfälscht  zu  erklären,  wenn  sie  Zusätze  von
Harzöl  oder  Mineral-  (Paraffin-)  Ölen  erfahren  haben.
3.  Bei  frisch  gepreßten  Speiseölen  ist  der  durchschnittliche  Gehalt  an  freien  Fettsäuren ­
  im  allgemeinen  etwas  höher  als  bei  den  tierischen  Fetten.  Den  niedrigsten  Säuregrad ­
  hat  in  der  Regel  das  Baumwollsamenöl,  da  es  meist  mit  Alkali  entsäuert  und  gereinigt
wird.  Der  Säuregehalt  kann  höchstens  für  die  Gütebeurteilung  der  Speiseöle  von  Wert
sein,  nicht  aber,  sofern  er  sich  in  mäßigen  Grenzen  bewegt,  für  die  Frage  des  Verdorbenseins. ­

1.  Olivenöl.
a)  Bestandteile,  Gewinnung  und  Verfälschungen.  Das  Olivenöl  (Baumöl)  wird
aus  dem  Fruchtfleische  des  Ölbaumes  (Olea  europaea  L.)  durch  Auspressen  (Speiseöle) ­
  und  darauffolgendes  Ausziehen  gewonnen.  Die  feinsten  Sorten  heißen  Jungfernöl,
Provenceröl  und  Aixeröl.
Das  Olivenöl  enthält  sehr  wechselnde  Mengen  (2—25  °/ 0 )  fester  Fettsäuren,
die  neben  geringen  Mengen  Arachinsäure  aus  Palmitinsäure  bestehen.  An  flüssigen
Fettsäuren  sind  vorwiegend  Ölsäure,  daneben  aber  auch  mehr  oder  minder  geringe
Mengen  Linolsäure  vorhanden.  Holde  und  Stange 1 )  fanden  im  Olivenöl  das
gemischte  Glyzerid  Oleodimargarin.  Der  unverseifbare  Anteil  des  Olivenöles  enthält
ebenso  wie  alle  anderen  Pflanzenfette  Phytosterin,  doch  ist  seine  Menge  nur  gering.
Olivenöl  trübt  sich  im  allgemeinen  bei  etwa  2—4°  und  scheidet  bei  etwa  —  6°  ein
festes  Produckt  („Stearin“)  aus.
Das  Olivenöl  ist  vielfachen  Verfälschungen  mit  anderen  Pflanzenölen  ausgesetzt; ­
  so  dienen  namentlich  Sesamöl,  Erdnußöl,  Baumwollsamenöl,  Rüböl,  ferner
auch,  aber  seltener,  trocknende  öle  wie  Mohnöl,  Leinöl  zur  Verfälschung  des  Olivenöles ­
  und  namentlich  des  sogenannten  „Baumöles“  des  Handels;  vereinzelt  ist  ein
Zusatz  von  Mineralöl  beobachtet  worden.  Ebenfalls  vereinzelt  ist  im  Handel  als
„Malagaöl“  ein  mit  Grünspan  gefärbtes  Olivenöl  beobachtet  worden.
b)  Untersuchungsverfahren  und  Beurteilung.  1.  Von  allen  Untersuchungsverfahren ­
  ist  die  Bestimmung  der  Jodzahl  das  genaueste  und  zuverlässigste  zur
Erkennung  der  hier  in  Betracht  kommenden  Verfälschungsmittel.
Die  Jodzahl  des  reinen  Olivenöls  schwankt  im  allgemeinen  zwischen  79,5  und
85,0.  Da  die  zur  Verfälschung  dienenden  öle  mehr  oder  minder  erheblich  höhere
Jodzahlen  haben,  so  zeigen  verfälschte  Olivenöle  auch  eine  mehr  oder  minder  erhöhte
Jodzahl.  Es  kommen  aber  auch  unzweifelhaft  echte  Olivenöle  mit  Jodzahlen  bis
88  vor  und  ausnahmsweise  sind  zwei  reine  öle  mit  den  Jodzahlen  92,8  und  98,67
gefunden  worden.
In  zweifelhaften  Fällen  kann  die  Bestimmung  der  Jodzahl  der  flüssigen  Fettsäuren ­
  gute  Dienste  leisten,  die  bei  reinen  Olivenölen  zwischen  92,8—104,2  schwankend
gefunden  wurden,  während  sie  bei  Erdnußöl  105—129,  bei  Sosamöl  129—140  und  bei
Baumwollsamenöl  142—152  beträgt.
2.  Die  Art  des  zur  Verfälschung  eines  fraglichen  Olivenöles  verwendeten
Öles  wird  aus  den  für  die  einzelnen  in  Frage  kommenden  öle  kennzeichnenden
(meist  Farben-)  Reaktionen  erkannt.
a)  Sesamöl.  Mit  Sesamöl  versetztes  Olivenöl  gibt  die  Baudouinsche
Furfurolreaktion  (S.  586)  und  die  Soltsiensche  Zinnchlorürreaktion  (S.  586).
Hierzu  ist  jedoch  zu  bemerken,  daß  auch  manche  reinen  Olivenöle  bei  der
Baudouinschen  Reaktion  schwache  Färbungen  geben.  In  solchen  Fällen  empfiehlt  sich

J )  Ber.  Deutsch,  chem.  Gesellsch.  1901,  34,  2406.
        <pb n="604" />
        Pflanzliche  Speisefette  und  -öle.

583

nach  Milliau  die  Verwendung  der  bei  106°  getrockneten  (nicht  mit  Wasser  gewaschenen)
Fettsäuren  und  nach  Tortelli  und  Ruggeri 1 )  die  der  flüssigen  Fettsäuren.
Id)  Erdnußöl  (Arachisöl).  Der  Nachweis  dieses  Öles  wird  durch  den  Nachweis ­
  bezw,  —  da  Spuren  von  Arachinsäure  auch  in  Olivenöl  verkommen  sollen  —
die  quantitative  Bestimmung  der  Arachinsäure  und  Lignocerinsäure  (S.  584)  geführt.
c)  Baumwollsamenöl  (Cottonöl).  Dieses  Öl  wird  mittels  der  Halphenschen
Reaktion  (S.  587)  nachgewiesen.  Da  es  indes  möglich  ist,  durch  geeignete  Behandlung ­
  den  diese  Reaktion  des  Baumwollsamenöles  verursachenden  Körper  zu  entfernen, ­
  so  kann  man  sich  in  Fällen,  wo  dies  anzunehmen  ist,  zum  Nachweise  des
Baumwollsamenöles  der  Salpetersäure-Reaktion  (S.  587)  bedienen.
d)  Rühöl.  Größere  Mengen  dieses  Öles  lassen  sich  unter  Umständen  an  der
Erniedrigung  der  Verseifungszahl  erkennen.
e)  Mohnöl,  Hanföl,  Leinöl  und  sonstige  trocknende  öle  erkennt  man  durch
die  beträchtliche  Erhöhung  der  Jodzahl  hei  Abwesenheit  der  unter  a—d  genannten ­
  öle.
f)  Mineralöl.  Man  findet  seine  Menge  durch  Bestimmung  des  Unverseifbaren
  des  Öles,  wobei  zu  berücksichtigen  ist,  daß  reine  Olivenöle  selbst  etwa  0,5
bis  1,5  °/ 0  Unverseifbares  enthalten.  Man  verfährt  zur  Bestimmung  des  Unverseifbaren
  wie  folgt:
10  g  öl  werden  mit  5  g  Kalihydrat  und  50  ccm  Alkohol  verseift,  die  alkoholische ­
  Lösung  mit  dem  gleichen  Volumen  Wasser  verdünnt  und  mit  Petroleumäther, ­
  welcher  keine  Uber  80°  siedende  Bestandteile  enthält,  ausgeschüttelt.  Der
mit  Wasser  gewaschene  Petroleumäther  wird  verdunstet,  der  Rückstand  gewogen
und  zweckmäßig  nochmals  in  gleicher  Weise  behandelt.
Oder  die  verseifte  Masse  wird  vom  Alkohol  befreit,  in  einer  Porzellanschale
nach  Zusatz  von  Sand  vollständig  eingetrocknet,  der  trockne  Rückstand  in  eine
Papierkapsel  gebracht  und  im  Soxhletschen  Extraktionsapparat  mit  obigem  Petroleumäther ­
  erschöpft.
3.  Außerdem  kann  unter  Umständen  auch  die  Bestimmung  des  spezifischen
Gewichtes,  des  Schmelz-  und  Erstarrungspunktes  der  Fettsäuren,  sowie
des  Brechungsexponenten  durch  das  Refraktometer  zur  Erkennung  von  gröberen
Verfälschungen  dienen.  Letztere  Probe  ist  namentlich  als  Vorprobe  bei  Massennntersuchungen
  mit  Vorteil  verwendbar.
4.  Kupfer  wird  in  grüngefärbten  ölen  durch  Verbrennen  einer  größeren
Menge  derselben  in  einem  Porzellantiegel  und  Untersuchung  des  Rückstandes  in
bekannter  Weise  nachgewiesen.
Man  kann  nach  H.  Fresenius  und  A.  Schattenfroh 2 )  das  Kupfer  im  Olivenöl
auch  in  der  Weise  quantitativ  bestimmen,  daß  man  eine  abgewogene  Menge  Öl  in  der
3-fachen  Menge  Äther  löst,  in  einem  Scheidetrichter  mit  verdünnter  Salpetersäure  kräftig
durchschüttelt,  die  saure  Lösung  abfließen  läßt  und  3-mal,  das  1.  Mal  mit  Säure,  das  2.
"id  3.  Mal  mit  Wasser  behufs  Auswaschens  nachschüttelt,  die  abgezogenen  Flüssigkeiten
z yr  Trockne  verdampft,  glüht,  den  Rückstand  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufnimmt,  in
Riese  Lösung  Schwefelwasserstoff  leitet  und  das  ausgeschiedene  Schwefelkupfer  nach  dem
iltrieren,  Auswaschen  und  Glühen  als  Kupferoxyd  wägt.
Kupferhaltige  Öle  sind  als  verfälscht  zu  beanstanden.
2.  Erdnußöl  (Arachisöl).
Erdnußöl  ist  das  Öl  der  Samen  der  Erdnuß  (Arachis  hypogaea  L.).  Es  ist  vor  allen
anderen  Speisefetten  und  ölen  durch  seinen  Gehalt  an  Arachinsäure  und  Lignocerinö
  Chem.-Ztg.  1898,  22,  600.
2 )  Zeitsohr.  f.  analyt.  Chemie  1895,  34,  381.
        <pb n="605" />
        584

Speisefette  und  -öle.

säure  ausgezeichnet,  die  sich  in  ihm  in  Mengen  von  etwa  5  °/ 0  finden,  während
Arachinsäure  in  anderen  Ölen  (Olivenöl,  Eüböl)  nur  spurenweise 1 )  Vorkommen  soll.
Der  Nachweis  und  die  Bestimmung  der  Arachinsäure  (und  Lignocerinsäure)
geschieht  nach  dem  von  Tortelli  und  Euggeri *  2  3 )  abgeänderten  Verfahren  von
A.  Eenard 8 )  in  folgender  Weise:
20  g  öl  werden  in  einem  Kolben  von  etwa  250  ccm  Inhalt  mit  50  ccm
alkoholischer  Kalilauge  (120  g  Kalihydrat  +  1000  ccm  Alkohol  von  90°)  unter
Aufsatz  eines  als  Eückflußkühlcr  dienenden  70  cm  langen,  gebogenen  Glasrohres
auf  dem  siedenden  Wasserbade  verseift;  darauf  setzt  man  3  Tropfen  Phenolphthalein
hinzu  und  neutralisiert  mit  10  °/ 0 -iger  Essigsäure.  Diese  Seifenlösung  gießt  man
in  dünnem  Strahle  in  eine  in  einem  weithalsigen  Erlenmeyer-Kolben  befindliche
siedendheiße  Lösung  von  200  ccm  10  °/ 0 -iger  Bleiacetatlösung  und  100  ccm  Wasser,
wobei  man  die  Flüssigkeit  fortwährend  gut  schüttelt.  Darauf  kühlt  man  den
Erlenmeyer-Kolben  unter  häufigem  Umschütteln  unter  der  Wasserleitung  10  Minuten
lang  ab,  wobei  sich  die  Bleiseife  an  den  Wandungen  und  auf  dem  Boden  des
Kolbens  festsetzt  und  die  Flüssigkeit  klar  wird;  letztere  gießt  man  ab  und
wäscht  die  Bleiseifen  noch  3-mal  nacheinander  mit  je  etwa  200  ccm  heißem  Wasser
(70—80°)  und  kühlt  jedesmal  wieder  ab.  Die  wenigen  noch  der  Bleiseife  anhaftenden
Wassertropfen  tupft  man  mit  Filtrierpapier  ab  und  gibt  darauf  zu  der  Seife  220  ccm
frisch  destillierten  Äther,  mit  welchem  man  unter  Umschütteln  den  größten  Teil
der  Bleiseifen  von  den  Wandungen  entfernt.  Darauf  erwärmt  man  20  Minuten
lang  unter  häufigem  Umschütteln  am  EUckflußktthler  und  kühlt  den  Kolben
etwa  x / 2  Stunde  lang  unter  der  Wasserleitung  ab.  Man  dekantiert  die  Ätherlösung ­
  vorsichtig  ab,  wiederholt  die  Erwärmung  des  Eückstandes  im  Kolben  mit
100  ccm  Äther  und  kühlt  abermals  in  obiger  Weise  ab.  Darauf  dekantiert  man
die  Ätherlösung  durch  dasselbe  Filter,  bringt  schließlich  den  ganzen  Eückstand
auf  das  Filter  und  wäscht  mit  Äther  so  lange  aus,  bis  das  Filtrat  keinen  Eückstand ­
  mehr  hinterläßt.  Alsdann  durchbohrt  man  das  auf  einen  Scheidetrichter
gesetzte  Filter  und  spült  seinen  ganzen  Inhalt  mit  etwa  220  ccm  Äther  in  den
Scheidetrichter.  Darauf  setzt  man  150  ccm  20°/ 0 -ige  Salzsäure  hinzu,  schüttelt
stark  durch,  läßt  absitzen  und  die  Salzsäure  mit  dem  ausgeschiedenen  Bleichlorid
abfließen;  die  ätherische  Fettsäurenlösung  schüttelt  man  noch  zweimal  mit  je
150  ccm  WAsser,  filtriert  sie  durch  ein  kleines  Filter  in  einen  Erlenmeyer-Kolben,
wäscht  Kolben  und  Filter  mit  kleinen  Mengen  Äther  nach  und  destilliert  alsdann
den  Äther  ab.
Der  Eückstand,  der  aus  den  gesättigten  Fettsäuren  des  Öles  besteht,  wird
unter  Zusatz  eines  Tropfens  verdünnter  Salzsäure  mit  100  ccm  90  °/ 0 -igem  Alkohol
unter  Verwendung  eines  Glasrohres  als  Eückflußkühler  auf  dem  Wasserbade  bis
ungefähr  60°  erwärmt,  bis  völlige  Lösung  eingetreten  ist.  Beim  Abkühlen  auf
Zimmertemperatur  scheiden  sich  alsdann  bei  Gegenwart  von  Arachisöl  zunächst
sehr  feine  Nadeln  von  Lignocerinsäure  und  darauf  perlrautterglänzende  Blättchen
von  Arachinsäure  ab. 4  * )  Nach  etwa  3-stündigem  Stehen  bei  15—20°  sammelt
man  den  Niederschlag  auf  einem  Filter,  wobei  man  die  durchfiltrierte  Flüssigkeit

4 )  L.  Archbutt  (Journ.  Soc.  chem.  Indust.  1898,  17,  1009)  fand  in  reinem  Eapsöl
bis  zu  1,4  °/ 0  und  in  Senföl  1,8  °/ 0  Arachinsäure.
2 )  Chem.-Ztg.  1898,  22,  600.
3 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1873,  12,  231.
4 )  Bei  Gegenwart  von  Baumwollsamenöl  scheiden  sich  auch  die  festen  Fettsäuren
dieses  Öles  mit  ab.
        <pb n="606" />
        Pflanzliche  Speisefette  und  -öle.

585

dazu  verwendet,  um  den  gesamten  Niederschlag  auf  das  Filter  zu  bringen.  Filter
mit  Niederschlag  wäscht  man  dreimal  mit  je  10  ccm  90%-igem  und  dann
mehrmals  mit  70°/ o -igem  Alkohol  aus.  Den  Rückstand  löst  man  mit  siedendem
ahsol.  Alkohol  vom  Filter  in  einen  Erlenmeyer-Kolben,  destilliert  den  Alkohol  ah
und  löst  den  Rückstand  wiederum  in  100  ccm  90  °/ 0 -igem  Alkohol;  darauf  verfährt
man  nochmals  in  genau  derselben  Weise  wie  vorher.  Schließlich  löst  man  die
Fettsäuren  wiederum  in  absol.  Alkohol,  verdunstet  den  Alkohol,  trocknet  den
Rückstand  1  Stunde  lang  bei  100°  und  wägt  ihn.  Hierauf  wird  der  Schmelzpunkt
der  Fettsäuren  im  Kapillarrohr  bestimmt,  der  in  der  Regel  bei  74—75,5°  gefunden ­
  wird.
Behufs  Berechnung  des  Gehaltes  an  Erdnußöl  in  einem  Ölgemische  ist
zu  berücksichtigen,  daß  die  Erdnußöle  4,30—5,40  °/ 0 ,  im  Mittel  etwa  4,80  °/ 0  des
wie  vorstehend  gewonnenen  Fettsäurengemisches  (Arachinsäure  +  Lignocerinsäure)
enthalten  und  daß  die  Löslichkeit  des  letzteren  in  90  °/ 0 -igem  Alkohol  —  in  70  °/ 0 -igem
Alkohol  ist  es  unlöslich  —  folgende  ist:
Menge  des  Fettsäuren-Gemisches  100  ccm  90  »/„-igen  Alkohols  lösen  bei
von  74—75,5°  '  150  17,5°  20°
a)  bis  0,11  g  0,033  g  0.040  g  0,045  g.
b)  0,17—0,47  g  0,050  „  0,060  „  0,070  „
c)  0,50—2,70  „  0,070  „  0,080  „  0,090  „
Man  erhält  daher  den  Gehalt  der  angewendeten  20  g  des  betr.  Öles  an
Erdnußöl,  indem  man  zu  der  gefundenen  Fettsäurenmenge  die  Korrektur  für  die  in
dem  verwendeten  90°/ 0 -igen  Alkohol  in  Lösung  gebliebene  Fettsäurenmenge  hinzuaddiert ­
  und  durch  0,048  dividiert.
Die  Ergebnisse  dieser  Berechnung  des  Gehaltes  an  Erdnußöl  sind  nur  annähernde.
°sollen  indeß  nach  Tortelli  und  Euggeri  in  Olivenöl  noch  bestimmbar  sein.  Man  kann
. 16  Empfindlichkeit  des  Verfahrens  erhöhen,  wenn  man  bei  geringen  Ausscheidungen  nur
Jedesmal  50  ccm  90°/ 0 -igen  Alkohol  zur  Kristallisation  verwendet  oder  größere  Mengen
betr.  Öles  in  Arbeit  nimmt.
Um  zu  entscheiden,  ob  man  tatsächlich  Arachinsäure  oder  Lignocerinsäure  vor  sich
at i  bestimmt  man  den  Schmelzpunkt  der  Fettsäuren;  dieser  beträgt  bei:
Palmitinsäure  Stearinsäure  Arachinsäure  Lignocerinsäure
62,6°  70,0—71,5°  77»  80,5°.
Die  Jodzahl  des  Erdnußöles  ist  bis  jetzt  zwischen  83,3—105,0  gefunden
worden,  sie  liegt  in  der  Regel  zwischen  85  und  102.
Zu  berücksichtigen  ist  noch,  daß  in  Fabriken,  die  Erdnußöl  und  Sesamöl  mit  denselben ­
  Maschinen  und  Preßtüchern  herstellen,  bei  Erdnußölen  häufiger  die  sehr  empfindliche
. i * u ^ ou insche  Reaktion  auf  Sesamöl  (S.  586)  auftritt,  während  die  Soltsiensche  Zinn-®
  orürreaktiou  (S.  586)  in  solchen  Fällen,  wenn  es  sich  um  bei  ordnuugmäßigen  Betrieben
&amp;amp;ewonnene  Öle  handelt,  nicht  einzutreten  pflegt. 1 )

3.  Sesamöl.
aoc.r.nm  orientale  und  S.  indicum.  Es  enthalt
Sesamöl  ist  das  öl  der  Samen  von  Se  Q  zwe -  wo y  gekennzeichnete
außer  Phytosterin  in  dem  Unverseifbaren  (  .,o  ,^Jo  kristallisierende)  bei  123°
Körper,  von  denen  der  eine,  das  Ses  ’  .  hohe  Rechtsdrehung  des  Öles
schmelzende  Nadeln  bildet  und  die  verhältmsma  g  Kreis 2 )  für  einen
(vergl.  S.  5251  verursacht,  während  der  zweite,  ein  öl,  das  H.

1 )  Vergl.  A.  J.  J.  Wijs  in  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
^02,  5,  1150  u.  G.  Fendler  ebenda  1903,  6,  411.
2 )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  1030.
        <pb n="607" />
        586

Speisefette  und  -öle.

phenolartigen  Körper  hält,  dem  er  den  Namen  Sesamol  gibt,  die  Ursache  der
Rotfärbung  mit  Furfurol  ist.
Das  Sesamöl  ist  gekennzeichnet  durch  die  beiden  folgenden  Farbenreaktionen,
von  denen  die  erstere  die  empfindlichere 1 )  ist.
a)  Reaktion  mit  Furfurol  und  Salzsäure  nach  Baudouin  in  der  Verbesserung ­
  von  V.  Yillavechia  und  G.  Fabris: *  2  3 )  Man  verfährt  nach  letzteren
nach  einem  der  beiden  folgenden  Verfahren, 8 )  zu  denen  man  eine  farblose  Lösung
von  2  g  Furfurol  in  100  ccm  Alkohol  verwendet:
«)  In  einem  Prohierglase  oder  besser  in  einem  kleinen  Meßzylinder  oder
zylindrischen  Scheidetrichter  gibt  man  zu  0,1  ccm  Furfurollösung  10  ccm  Öl,  dann
10  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,19,  schüttelt  das  Ganze  1 / 2  Minute
lang  und  überläßt  die  Mischung  sich  selbst.  Bei  Gegenwart  von  Sesamöl  ist  die
am  Boden  sich  abscheidende  Salzsäure  deutlich  karmoisinrot;  im  anderen  Falle
bleibt  sie,  farblos  oder  nimmt  höchstens  eine  schmutziggelbe  Farbe  an.
ß)  Oder  man  verwendet  nur  1  ccm  konzentrierter  Salzsäure  und  setzt  nach
dem  Schütteln  10  ccm  Chloroform  hinzu,  alsdann  ist  bei  Gegenwart  von  Sesamöl
die  sich  an  der  Oberfläche  abscheidende  Salzsäure  karmoisinrot  gefärbt.
b)  Reaktion  mit  Zinnchlorür  (Bettendorfs  Reagens)  nach  Soltsien 4 ):
Zu  2—3  Volumteilen  des  zu  untersuchenden  Öles  (oder  geschmolzenen  Fettes)  wird
1  Volumen  mit  Salzsäure  versetzter  Zinnchlorürlösung  (Bettendorfs  Reagens)
gesetzt  und  das  öl  so  lange  kräftig  damit  geschüttelt,  bis  eine  Emulsion  entstanden
ist;  darauf  setzt  man  das  Reagensglas  in  ein  heißes  Wasserbad.  Die  sich  dann
schnell  absetzende  Zinnchlorürlösung  hat  bei  Gegenwart  von  Sesamöl  eine  hellhimbeerrote
  bis  dunkelweinrote  Färbung.  Bei  einem  sehr  geringen  Gehalte  an
Sesamöl  kann  nach  wiederholtem  Schütteln  die  anfängliche  Färbung  wieder  verblassen. ­

Zur  Herstellung  von  Bettendorfs  Reagens  werden  5  Teile  kristall.  Zinnchlorür
mit  1  Teil  Salzsäure  zu  einem  Brei  ungerührt  und  letzterer  vollständig  mit  trocknem
Chlorwasserstoff  gesättigt.  Die  so  erhaltene  Lösung  wird  nach  dem  Absetzen  durch  Asbest
filtriert.  Man  bewahrt  sie  am  besten  iu  kleinen,  mit  Glasstopfen  verschlossenen,  möglichst
gefüllten  Flaschen  auf.
Die  Jodzahl  des  Sesamöles  ist  bis  jetzt  zwischen  103—116,8  gefunden;  sie
liegt  in  der  Regel  zwischen  105—115.
i.  Baumwollsamenöl  (Kottonöl).
Baumwollsamenöl  ist  das  öl  der  Samen  verschiedener  Arten  der  Baumwollstaude
(Gossypium).
Da  das  öl  verhältnismäßig  leicht  „Stearin“  abscheidet  und  fest  wird,  so
entfernt  man  vielfach  einen  Teil  des  Stearins  durch  „Demargarinisieren“  und  erhält
so  das  Baumwollstearin  (Kottonstearin)  sowie  das  sog.  „Winteröl“  im  Gegensatz  zu
dem  nicht  demargarinisierten  sog.  „Sommeröl“.  Das  Baumwollsamenöl  ist  das
billigste  der  zur  menschlichen  Ernährung  dienenden  öle  und  dient  daher  vielfach
zur  Verfälschung  der  sonstigen  Öle  und  Fette.  In  großen  Mengen  wird  es  zur
Herstellung  von  Margarine  und  Kunstspeisefett  verwendet  und  in  neuerer  Zeit
*)  Vergl.  oben  S.  585  über  die  Furfurolreaktion  bei  Erdnußölen.
2 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chem.  1893,  505.
3 )  Vergl.  auch  die  Vorschrift  in  der  Verordnung  des  Bundesrats  vom  27.  August
1897  und  der  amtlichen  „Anweisung“  vom  1.  April  1898  zum  Gesetz  betr.  den  Verkehr
mit  Butter  usw.  vom  15.  Juni  1897  (oben  S.  556  u.  571).
4 )  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chemie  1897,  3,  63.
        <pb n="608" />
        Pflanzliche  Speisefette  und  -öle.

587

kommt  es  auch  unter  der  Bezeichnung  „Salatöl,  Tafelöl,  Butterbl  usw.“  als
Speiseöl  in  den  Handel.
Das  öl  ist  gekennzeichnet  durch  die  Halphensche  Reaktion,  welche  nach
der  Anlage  d  zu  den  Ausführungshestimmungen  D  zum  Fleischbeschau-Gesetz  vom
3.  Juni  1900  wie  folgt  ausgeführt  wird:
„5  ccm  Fett  werden  mit  der  gleichen  Eaummenge  Amylalkohol  und  5  ccm
einer  1  °/ 0 -igen  Lösung  von  Schwefel  in  Schwefelkohlenstoff  in  einem  weiten,  mit
Korkverschluß  und  weitem  Steigrohre  versehenen  Eeagensglas  etwa  1 j i  Stunde
lang  im  siedenden  Wasserhad  erhitzt.  Tritt  eine  Färbung  nicht  ein,  so  setzt  man
nochmals  5  ccm  der  Schwefellösung  zu  und  erhitzt  von  neuem  1 j i  Stunde  lang.“
Bei  Gegenwart  von  Baumwollsamenöl  tritt  eine  deutliche  Entfärbung  der  Flüssigkeit ­
  ein.
Zu  beachten  ist,  daß  der  die  Halphensche  Eeaktion  verursachende  Körper  durch
Erhitzen  und  sonstige  Behandlung  des  Baumwollsamenöles  mehr  oder  minder  vollständig
zerstört  werden  kann, 1 )  und  daß  ferner  in  Butter,  Schweinefett  und  Kinderfett  hei  Fütterung
der  Tiere  mit  Baumwollsamenmehl  die  Halphensche  Reaktion  eintreten  kann,  ohne  daß
den  Fetten  Baumwollsamenöl  beigemisoht  ist.
Nach  J.  Lewkowitsch 2 )  geben  die  Mehrzahl  der  Baumwollsamenöle,  auch  wenn
in  ihnen  durch  Erhitzen  der  die  Halphensche  Reaktion  gebende  Körper  zerstört  ist,
eine  positive  Reaktion  mit  Salpetersäure  (Haucheoornesche  Reaktion).  Dieselbe
wird  nach  Lewkowitsch  am  besten  in  folgender  Weise  ausgeführt:
Einige  ccm  Öl  werden  mit  dem  gleichen  Volumen  Salpetersäure  vom
spezifischen  Gewicht  1,375  durchgeschüttelt  und  darauf  einige  Zeit  —.-.bis
24  Stunden  —  stehen  gelassen.  Die  meisten  Baumwollsamenöle  nehmen
dabei  eine  kaffeebraune  Färbung  an.
Da  das  Baumwollsamenöl  bei  der  Raffination  mit  Alkalien  behandelt  wird,
so  ist  der  Säuregehalt  der  Handelsöle  meist  sehr  gering.
Die  Jodzahl  des  Baumwollsamenöles  beträgt  im  allgemeinen  105—117,  die
des  Baumwollsamenstearins  89—104;  die  Jodzahl  der  flüssigen  Fettsäuren  '■  ist  in
frischen  Ölen  meist  146—152.

5.  llüböl  (Rapsöl,  Kolzaöl).
Als  Ettböl  (Rapsöl,  Kolzaöl)  kommt  das  Öl  der  Samen  verschiedener  Varietäten
von  Brassica  campestris  in  den  Handel.  Diese  öle  sind  gekennzeichnet  durch  eine
verhältnismäßig  niedrige  Verseifungszahl  (168—179),  die  durch  den  Gehalt  des
Öles  an  Erucasäure  bezw.  Erucin  bedingt  ist.  Ferner  soll  das  Rapsöl  nach
fr-  Archbutt 3 )  auch  Arachinsäure  —  er  fand  1,4  °/ 0  enthalten.
Die  Jodzahl  des  EUböles  beträgt  94—106.
Die  Verfälschungen  des  Rüböles  bestehen  vorwiegend  in  Zusätzen  von  trocknenden
ölen  (Leinöl,  Mohnöl),  die  man  durch  die  erhöhte  Jodzahl  erkennt,  von  Harzöl,  das  durch
seine  starke  Rechtsdrehung  (vergl.  S.  525),  und  von  Paraffinöl,  das  durch  die  Bestimmung
des  Unverseifbaren  (vergl.  S.  583)  erkannt  wird.
(i.  Sonstige  Pflanzenöle.
Außer  den  vorgenannten  kommen  noch  eine  Anzahl  weiterer  Pflanzenöle  für
Speisezwecke  zur  Verwendung,  von  denen  hier  noch  genannt  werden  mögen;
ö  Vergl.  K.  Fischer  u.  H.  Peyau,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Baumwollsamenöles
und  der  Halphenschen  Reaktion.  —  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
  1905,  9,  81.
2 )  J.  Lewkowitsch,  Chemische  Technologie  und  Analyse  der  Öle,  Fette  und  Wachse.
Braunschweig,  Pr.  Vieweg  &amp;amp;  Sohn,  1905,  2,  107.
3 )  Journ.  Soc.  chem.  Industry  1898,  17,  1009.
        <pb n="609" />
        588

Speisefette  und  -öle.

a)  Bueheckernöl  ans  den  Samen  der  Rotbuche  (Fagus  silvatica  L.),
b)  Walnußöl  aus  den  Samen  der  Walnuß  (Juglans  regia  L.),
c)  Mohnöl  aus  den  Samen  des  Mohns  (Papaver  somniferum  L.),
d)  Leinöl  aus  den  Samen  des  Leins  (Linum  usitatissimum  L.),
e)  Maisöl  aus  den  Samenkeimen  des  Maises  (Zea  mays  L.).
Über  die  physikalischen  und  chemischen  Konstanten  dieser  öle  vergl.  die
Tabelle  S.  542—545.  Die  ersten  vier  dieser  öle  gehören  zu  den  trocknenden  ölen;
sie  sind  gekennzeichnet  durch  eine  hohe  Jodzahl.
7.  Kokosfett  (Kokosmißbutter).
Von  den  festen  Fetten  des  Pflanzenreiches  findet  seit  einigen  Jahren  das  gereinigte ­
  Kokosfett  —  das  Fett  der  Fruchtkerne  von  Cocos  nucifera  L.  —  unter
den  verschiedensten  Bezeichnungen  (Palmin,  Laktine,  Vegetaline,  Cesarine  usw.)
eine  ausgedehntere  Verwendung.  Es  ist  von  den  anderen  Pflanzenfetten  durch
seinen  höheren  Gehalt  an  niederen  Fettsäuren  (Kapron-,  Kapryl-  und  Kaprinsäure)
und  die  dadurch  bedingte  hohe  Verseifungszahl  (246—268)  und  Reichert-Meißlsche
Zahl  (6—8,5)  gekennzeichnet.  Seine  Jodzahl  ist  sehr  niedrig  (8—10).
In  seinen  Eigenschaften  und  Konstanten  dem  Kokosfett  sehr  ähnlich  ist  das
Palm  kernfett  —  das  Fett  der  Samen  von  Eiais  guineensis  Jacq.  —,  während  das
Palmöl  (Palmbutter)  aus  dem  Fruchtfleische  dieses  Baumes  gewannen  wird.
Über  die  physikalischen  und  chemischen  Konstanten  dieser  Fette  vergl.  die
Tabellen  S.  542—545.
        <pb n="610" />
        Bienenhonig

Bienenhonig  oder  einfach  Honig  ist  der  von  den  Arbeitsbienen  aus  den
verschiedensten  Blüten  aufgesaugte  und  iti  dem  Honigmagen  verarbeitete  znckerreiche
Saft,  welcher  wieder  in  den  Waben  (Wachszellen)  zum  Zwecke  der  Ernährung  der
jungen  Brut  abgeschieden  wird.
Frisch  ausgelassener  Honig  ist  klar  und  dickflüssig,  trübt  sich  aber  allmählich
und  erstarrt  je  nach  seiner  Zusammensetzung  früher  oder  später  zu  einer  mehr
oder  weniger  kristallinischen  Masse.
Für  die  Farbe  und  den  Geruch  des  Honigs  sind  beinahe  ausschließlich  die
Hinten  maßgebend,  von  welchen  die  Bienen  den  Honig  sammeln;  außerdem  ist  die
Art  der  Gewinnung  von  einigem  Einfluß  auf  die  Farbe  und  Beschaffenheit  des  Honigs. 1 )
Der  Koniferenhonig  ist  dunkler,  weniger  süß,  hat  bisweilen  einen  eigenartigen ­
  Geruch  und  Geschmack.  Er  erstarrt  schwieriger  wegen  seines  Gehaltes
an  Dextrinen.
Die  überseeischen  sog.  Havannahonige  sind  in  der  Regel  sehr  unrein,
haben  eine  schmutziggelbe  bis  braune  Farbe  sowie  meistens  einen  sehwachen,  weniger
angenehmen  Geruch  und  Geschmack.
In  manchen  Gegenden  Deutschlands  werden  auch  ganze  Waben  in  den  Handel
gebracht,  die  teilweise  guten  Honig  enthalten,  zuweilen  aber  auch  Korbstöcken
entstammen,  deren  Inhalt  teils  aus  Honig,  Bienenbrut  oder  gar  abgestorbener  Brut
besteht.

Die  chemische  Zusammensetzung  des  Honigs  erhellt  aus  folgenden  Zahlen;

Gehalt

Sh
&amp;lt;d
CD
co
fl
£
°/o

II
|  »««WS  s l  2  3  *

--®  Glukose

■D
co
B
M
P
M
°/o

X
0  g
HH  N
0/
Io

OQ
CS
-ca
c3
OQ
0/
Io

o  Dextrine
usw.

o  Pollen
°  u.  Wachs

fl
&amp;lt;D  &amp;lt;D
ca  Sh
*53  .B
3  *«n
&amp;lt;1
01
Io

CD
•S
CO
&amp;lt;
01
Io

Sh
O  o
rfl  Sh
P4  fl
&amp;lt;o  :cö
O  OQ
rfl
Ph
0/
Io

Niedrigster

(8,30)

0,03

(22,23)

(27,36)

63,91

0,10

1,20

Spur

0,03

0,02

0,006

Höchster

(33,59)

2,42

(44,71)

(49,25)

79,12

(12,91) a )

8,50

2,81

0,21

0,68

0,088

Mittlerer

18,96

1,08

(36,20)

(37,11)

73,31

2,63

2,89

0,71

0,11

0,24

0,028

Außerdem  enthält  der  Honig  durchweg  geringe  Mengen  Äpfelsäure, 8 )
Farbstoffe  und  Pollenkürner  meistens  von  verschiedenen  Pflanzen.  Auch
kann  er  aus  den  Blüten  giftiger  Pflanzen,  wie  Rhododendron  und  Azaleaarten,
giftige  Bestandteile  aufnehmen.
l )  Yergl  T  Kellen  Zeitschr.  f.  Untersuchungd.Nahrungs-u.  Genußmittel  1899,  2,162.
__  2 )  Dieser  hohe  Gehalt  an  Saccharose  fand  sich  in  Honig  von  Bienenstöcken,  die  in
der  Nähe  einer  Rübenzuckerfabrik  aufgestellt  waren.
3 )  Vergl.  A  Hilger  und  Wolff,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  GenuBmittel
  1904,  8,  110.
        <pb n="611" />
        590

Bienenhonig.

9  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  110.

Normaler  Honig  zeigt  im  Polarisationsapparat  stets  eine  Linksdrehung,
jedoch  sind  Konilerenhonig  sowie  Könige  von  trocknen  Jahrgängen  infolge
des  Honigtaues,  ferner  solche  mit  hohem  Saccharosegehalt  häufig  rechtsdrehend. ­

Die  Tannenhonige  enthalten  nach  Hilger  und  Wolff 1 )  verschiedene
Dextrin  arten,  welche,  im  allgemeinen  die  Eigenschaften  der  Achroodextrine  teilen;
die  Honigdextrine  haben  je  nach  dem  Koniferenhonig  ein  verschiedenes  spezifisches
Drehungsvermögen,  reduzieren  Fehlingsche  und  Ostsche  Lösung  sowie  Soldainis
Reagens  nur  schwach  nach  einigem  Kochen,  Barfoeds  Reagens  dagegen  überhaupt
nicht;  sie  bilden  keine  Osazone;  einige  werden  von  Gärungsorganismen  angegriffen,
andere  nicht.  Hilger  und  Wolff  erhielten  für  die  Dextrine  aus  4  verschiedenen
Tannenhonigen  folgende  Werte:

Herkunft  und  Jahrgang
des  Koniferenhonigs

Spez.  Drehung  cc [D]

Verhältnis  der
Drehungswinkel

l  g  Dextrin  liefert  hei  der
Inversion  Glykose

No.

des
Honigs

des
Dextrins

einer  io°/ 0 -igen
Lösung  vor
und  nach  der
Inversion

nach  der
Polarisation

nach  dem
Reduktionswert ­


1

Baden,  Kinzigtal  (1902)  .

+  16,87°

+  157,00°

1:0,2945

0,8716  g

0,8720  g

2

Baden,  Murgtal  (1903)  .  .

+  7,90°

+  131,28°

1:0,3330

0,8297  „

0,9080  „

3

Oberelsaß  (1903)

+  12,07»

+  125,59°

1:0.3000

0,7144  „

0,8362  „

4

Wasserburg  am  Bodensee ­
  (1903)

+  8,50°

+119,90»

1  :0,3047

0,6920  „

0,8249  „

Die  Verfälschungen  des  Honigs  bestehen  in  Zusätzen  von  Wasser,  Rohrzucker, ­
  Melasse,  Invertzucker  (Fruchtzucker),  Kunsthonig  (Honigzuoker),  Stärkezuoker
  und  Stärkesirup.  Auch  wird  das  Vorkommen  von  Zuckerhonig  in  künstlichen
Waben  aus  Ceresin  in  der  Literatur  erwähnt.
Bei  hoher  Temperatur  schimmelt  wasserhaltiger  Honig  und  geht  häufig  in
alkoholische,  später  in  saure  Gärung  über.
Bei  längerem  Stehen  scheidet  sich  der  Honig  oft  in  einen  unteren  kristallinischen,
hauptsächlich  aus  Glukose  bestehenden  Absatz  und  einen  oberen  flüssigen  Anteil,
der  hauptsächlich  die  Fruktose  enthält.  Dieser  Umstand  verdient  bei  der  Probenahme ­
  sowie  für  die  Untersuchung  besonders  beachtet  zu  werden.  Der  Honig
muß  stets  gehörig  durchgerührt  und  gemischt  werden,  ehe  man  zur  Probenahme
schreitet.  Die  Mischproben  von  etwa  100  g  sind  in  Gläser  mit  weiter  Öffnung  zu
füllen  und  darin  mit  Kork-  oder  Glasstöpsel  verschlossen  aufzubewahren.
1,  Wasser.  6  g  Honig  werden  mit  25  g  ausgeglühtem  Quarzsand  in  einer
flachen  Platin-  oder  Glasschale  abgewogen,  mit  10  ccm  Wasser  vermischt  und  im
Wasserbade  eingetrocknet.  Das  Austrocknen  geschieht  am  besten  im  Vakuum  bei
100°  (vergl.  auch  unter  Obstkraut  weiter  unten).
Der  Trockenrfickstand  bezw.  Wassergehalt  kann  auch  bestimmt  werden,  indem  man
das  spezifische  Gewicht  einer  etwa  10°/ 0 -igen  unfiltrierten  Honiglösung  bei  15°  bestimmt
und  hieraus  den  Gehalt  an  Trockensubstanz  nach  der  Halenke-Möslingersohen  Tabelle
feststellt.
2.  Spezifisches  Gewicht.  Eine  bestimmte  Menge  Honig  (etwa  30  g)  wird
nach  W.  Lenz  genau  mit  dem  doppelten  Gewicht  Wasser  gelöst,  die  Lösung,
wenn  nötig,  filtriert  und  von  dem  klaren  Filtrat  das  spezifische  Gewicht  bei  15°
        <pb n="612" />
        Bienenhonig.

591

mit  dem  Pyknometer  oder  der  Westphalsehen  Wage  usw.  bestimmt  (vergl.  weiter
unten  unter  Beurteilung).
3.  Polarisation.  10  g  Honig  werden  zu  100  ccm  in  destilliertem  Wasser
gelöst.  Diese  Lösung  wird  mittels  Tonerdehydrats  oder  nach  Soxhlet  durcli
Kieselguhr  und  Holzschliff  oder  auch,  wenn  nötig,  durch  Zusatz  von  3  com  Bleiacetat- ­
  und  2  ccm  gesättigter  Natriumsulfatlösung  geklärt,  filtriert  und  unter  Berücksichtigung ­
  der  Temperatur  polarisiert  (vergl.  S.  233).
R.  Frühling 1 )  empfiehlt,  die  kalt  bereiteten  Honiglösungen,  da  sie  besonders
hei  auskristallisierter  Glukose  Birotation  zeigen,  mit  1  oder  2  Tropfen  Ammoniak
zu  versetzen,  mit  Tonerdebrei  —  nicht  Bleiacetat  —  zu  klären,  zur  Marke  aufzufüllen, ­
  zu  mischen,  zu  filtrieren  und  zu  polarisieren.
W.  Lenz-)  glaubte  s.  Z.,  daß  eine  wie  vorstehend  unter  2  bereitete  Lösung  von
Honig  im  Verhältnis  wie  1  2  im  Wildschen  Polaristrobometer  mindestens  6°  30'  nach
links  drehen  müsse.  Dieses  trifft  aber  nicht  immer  zu,  da  es,  wie  schon  gesagt,  auch  mehr
oder  weniger  stark  reohtsdrehende  Könige  gibt.  Außerdem  zeigt  der  Kunst-  oder  Zuokerhonig ­
  auch  Linksdrehung.  Das  optische  Verhalten  der  Honiglösungen  gibt  daher  allein
keinen  Anhaltspunkt  mehr  für  die  Reinheit  eines  Honigs.
4.  Invertzucker  und  Saccharose.  10  g  Honig  werden  mit  200  ccm  heißem
Wasser  gelöst,  mit  etwa  2  ccm  offizineller  Eisenacetatlösung  (von  1,086—1,089
spezifischem  Gewicht,  170,5  g  basisches  Ferriacetat  in  1  1  enthaltend)  geklärt,  auf
1000  ccm  gebracht  und  das  Filtrat  zum  Titrieren  mit  Fehlingscher  Lösung
verwendet.

Oder  man  versetzt  25  ccm  dieser  Lösung  (d.  h.  eine  nicht  mehr  als  0,245  g
Invertzucker  enthaltende  Menge  Lösung)  mit  25  ccm  Kupferlösung  und  25  ccm
Seignettesalzlösung,  verdünnt  auf  100  ccm,  unterhält  letztere  2  Minuten  im  Sieden,
filtriert  und  bestimmt  das  reduzierte  Kupferoxydul  als  Kupfer  hezw.  Kupferoxyd
(vergl.  Tabelle  IV  am  Schluß).
Ferner  löst  man  10  g  in  100  ccm  heißem  Wasser,  fügt  nach  dem  Erkalten
50  ccm  Hefen-Invertinlösung  (vergl.  Lösung  21a  unter  „Darstellung  der  Lösungen“)
hinzu,  läßt  2  Stunden  bei  50—55°  stehen,  bringt  die  invertierte  Lösung  auf  1000  ccm
nnd  bestimmt  in  25  ccm  wie  vorhin  den  Zucker.
Die  Differenz  zwischen  der  ersten  und  letzten  Invertzuckerbestimraung,
multipliziert  mit  0,96,  gibt  die  Menge  Saccharose.
5.  Glukose  und  Fruktose.  Zur  Bestimmung  der  Glukose  und  Fruktose  im
H °nig  benutzt  man  die  S.  230  und  folgende  angegebenen  Verfahren.
Es  sei  jedoch  bemerkt,  daß  das  titrimetrische  Verfahren  nach  Sachsse-Soxhlet  und
das  polarimetrische  von  Neubauer  bei  Honig  keine  übereinstimmenden  Ergebnisse  liefern,
V'ie  dieses  in  sonstigen  Gemischen  von  Glukose  und  Fruktose  z.  B.  beim  Traubenmost
der  Fall  ist.  Vielleicht  hat  dies  darin  seinen  Grund,  daß  im  Honig  neben  Glukose  und
1  uktose  noch  eine  dritte  Zuckerart  vorhanden  ist,  welche  sich  in  ihrem  Reduktions-  und
rehungsvermögen  anders  verhält  als  Glukose  und  Fruktose.
0.  Bestimmung  der  Honigdextrine.  W.  Mader 3 )  verfährt  zur  annähernden
Quantitativen  Bestimmung  wie  folgt;
15  g  Honig  werden  genau  abgewogen,  in  Wasser  bei  17,5°  gelöst  und  zu  100  ccm
au fgefüllt.
a)  Von  dieser  Lösung  werden  20  ccm  =  3,0  g  Honig  auf  250  ccm  aufgefüllt  und
ccm  hiervon  nach  Meißl  (S.  230)  der  Invertzucker  bestimmt.
H  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chemie  1898,  4,  410.
2 )  Chem.-Ztg.  1884,  8,  613.
3 )  Archiv  f.  Hygiene  1890,  10,  399.

m  26
        <pb n="613" />
        592

Bienenhonig.

*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  110.

b)  Weitere  20  ccm  ersterer  Lösung  werden  mit  195  com  Wasser  verdünnt  und  mit
5  ccm  Salzsäure  von  1,12  spezifischem  Gewicht  bei  nur  60°  30  Minuten  lang  erhitzt.  Nach
der  Inversion  wird  mit  konzentrierter  Natriumkarbonatlösung  neutralisiert  und  auf  260  ccm
aufgefüllt,  filtriert  und  in  25  ccm  oder,  wenn  der  Saecharosegehalt  ein  außergewöhnlich
hoher  ist,  bloß  in  20  oom-|-ö  ccm  Wasser  mit  60  ccm  Fehlingsoher  Lösung  unter  genauem ­
  Einhalten  von  2  Minuten  Kochdauer  die  Reduktion  vorgenommen.
Die  Differenz  zwischen  den  in  der  invertierten  und  nichtinvertierten  Lösung  gefundenen ­
  Prozenten  mit  0,95  multipliziert  ergibt  den  Gehalt  an  Saccharose.
c)  Das  von  der  Gesamtinvertzuckerbestimmung  (nach  b)  herrührende  Filtrat  wird
jedoch,  bevor  es  durch  das  öftere  Auswaschen  des  Kupferoxyduls  allzusehr  verdünnt  ist,
zu  einer  abermaligen  Inversion  benutzt.  Nach  der  Neutralisation  der  alkalischen  Kupferlösung ­
  mit  Salzsäure  werden  noch  5  °/ 0  konzentrierter  Salzsäure  überschüssig  zugesetzt  und
2  Stunden  im  kochenden  Wasserbade  erhitzt.  Sodann  wird  mit  Natriumkarbonatlösung
neutralisiert  (wobei  sofort  erkenntlich  ist,  ob  sich  reduzierender  Zucker  gebildet  hat),  zu
260  ccm  aufgeftillt  und  50  oder  100  ccm  dieser  Lösung  mit  60  ccm  Pehlingscher  Lösung
zur  Zuokerbestimmung  verwendet.
Die  aus  den  zuletzt  erhaltenen  Kupfermengen  berechneten  Zuckermengen  entsprechen
hei  reinem  Honig  dem  Houigdoxtrin  (Gallisin).  Da  jedoch  selbst  bei  wenig  überschüssiger  Säure
beim  Stehenlassen  (etwa  über  Nacht)  das  Gallisin  zerstört  wird,  so  muß  sofort  nach  der  Inversion
die  Bestimmung  ausgeführt  werden.  So  schlägt  denn  auch  Mader  vor,  das  Filtrat  von
der  Saccharosebestimmung  mit  10  °/ 0  konzentrierter  Salzsäure  2  Stunden  im  kochenden
Wasserbade  zu  erhitzen,  wobei  das  Gallisin  so  weit  zerstört  werden  dürfte,  daß  bei  Gegenwart ­
  von  Stärkesirupdextrinen  gute  Ergebnisse  erhalten  werden  könnten.
d)  Zur  Gewinnung  der  in  Tannenhonigen  vorkommenden  Dextrine  haben
A.  Hilger  und  P.  Wolff 1 )  folgendes  zweckmäßige  Verfahren  angegeben:  100  g  Honig
werden  verflüssigt  und  mit  200  ccm  Methylalkohol  angeriehen;  die  nach  24-stündigem
Stehen  sich  bildenden  flockigen  Ausscheidungen,  die  aus  phosphorsaurem  und  äpfelsaurem
Kalk  (bezw.  Magnesia)  sowie  aus  Stickstoffverbindungen  bestehen,  werden  abfiltriert  und  zum
Filtrat  700  ccm  Äthylalkohol  von  96  Volumprozent  unter  Umschütteln  allmählich  zugesetzt.
Die  sich  bildenden  weißen  Flocken  setzen  sich  bald  an  der  Gefäßwandung  fest  und  muß
die  Flüssigkeit  nach  kurzem  Stehen  abgegossen  werden,  weil  sonst  ein  Teil  des  Dextrins
wieder  gelöst  wird.  Die  an  der  Gefäßwandung  festhaftende  Ausscheidung  wird  in  15  ccm
Wasser  gelöst,  mit  15  ccm  Methylalkohol  vermischt,  filtriert  und  in  eine  Mischung  von
200  com  Methyalkohol  und  800  ccm  Äthylalkohol  geschüttet;  es  scheiden  sich  rein  weiße
Flocken  aus,  die  sich  alsbald  absetzen,  aber  keine  klebrige  Masse  bilden.  Diese  Abscheidung
wird,  nachdem  die  Flüssigkeit  abgegossen  ist,  nochmals  in  vorstehender  Weise  gelöst  und
gereinigt,  um  so  reines  Honigdextrin  zu  erhalten.  Dasselbe  wird  abfiltriert  und  mit
absolutem  Alkohol  gewaschen  und  im  Vakuum  über  Phosphorpentoxyd  getrocknet.
7.  Stickstoff.  Etwa  5  g  Honig  werden  nach  Kjeldahl  (S.  138)  verbrannt.
8.  Säure.  Der  Naturhonig  enthält  stets  geringe  Mengen  Säure  (Ameisensäure, ­
  ferner  Milch-  und  Äpfelsäure);  man  verwendet  5—10  g  Honig  in  100  ccm
Wasser  und  titriert  in  üblicher  Weise  mit  1 / 10  Normal-Alkalilauge  unter  Anwendung ­
  von  Phenolphthalein  als  Indikator.  1  ccm  Normalalkali  =  0,046  g
Ameisensäure.
9.  Pollen  und  Wachs.  Etwa  20  g  Honig  werden  in  Wasser  gelöst,  durch
ein  vorher  getrocknetes  und  gewogenes  Filter  filtriert,  hinreichend  ausgewaschen,
der  auf  dem  Filter  verbliebene  Rückstand  getrocknet  und  gewogen.  Letzterer  kann
dann  zur  mikroskopischen  Untersuchung  Verwendung  finden.
10.  Asche.  10—20  g  Honig  werden  verkohlt,  die  Kohle  mit  Wasser  ausgezogen ­
  und  letztere  nach  S.  195  verbrannt.  Die  Asche  wird  mit  Salpetersäure
aufgenommen  und  in  der  Lösung  die  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdän-Verfahren
(S.  160)  bestimmt.
        <pb n="614" />
        Bienenhonig.

593

11.  Nachweis  von  Verfälschungen,  insbesondere  von  Stärkesirup  und  -zucker.
Der  Nachweis  der  Verfälschungen  des  Honigs  mit  Stärkezucker  und  Stärkesirup  ist
sehr  unsicher,  da  in  den  Königen  Dextrine  nachgewiesen  sind,  welche  mit  denen
des  Stärkezuckers  und  Sirups  gleiche  Eigenschaften  besitzen.
Am  wenigsten  bewährt  hat  sich
a)  das  dialytische  Verfahren  von  0.  Haenle, 1 )  wonach  Honig-Dextrine
aller  Art  leicht  dialysierbar  sein  sollen,  die  Dextrine  des  Stärkesirups  oder  -zuckers
aber  nicht.  Viele  Nachprüfungen  haben  die  Angaben  Haenles  bis  jetzt  nicht  bestätigt.
b)  Das  Gärverfahren.  Die  ursprünglich  zum  Vergären  des  Honigs  von
N.  Sieben  (1.  c.)  empfohlene  Preßhefe  hat  sich  ebenfalls  nicht  bewährt,  weil  sie
auch  die  Dextrine  des  Stärkezuckers  und  -sirups  vergärt.  Auch  Bierhefe  vergärt
letztere  z.  T.,  reingezüchtete  Weinhefe  (Saccharomyces  ellipsoideus)  dagegen  kaum.
Für  die  Ausführung  des  Gärverfahrens  soll  man  daher  nur  letztere  verwenden.
25  g  Honig  werden  in  einem  300  ccm-Kolben  mit  200  ccm  einer  Nährsalzlösung ­
 2 )  gelöst,  letztere  durch  1 / 4 -stündiges  Kochen  in  einem  Kolben  mit  Watteverschluß ­
  sterilisiert  und  nach  dem  Erkalten  mit  5  ccm  einer  dünnflüssigen,  gärkräftigen, ­
  reingezüchteten  Weinhefe 8 )  versetzt.
Die  Flüssigkeit  wird  bei  einer  Temperatur  von  20—25°  gehalten,  bis  die
Gärung  —,  meistens  nach  24  bis  48  Stunden  —  beendet  ist,  alsdann  abgekühlt,  mit
Wasser  auf  250  ccm  gebracht,  mit  Tonerdehydrat  oder  nötigenfalls  mit  Bleiessig
und  Natriumsulfatlösung  geklärt  und  filtriert.  Man  polarisiert  die  Lösung  entweder
direkt  oder  dampft  200  ccm  auf  60  ccm  ein  und  polarisiert  diese  im  200  mm-Rohr
hei  20°.  Zeigt  der  Vergärungsrückstand  eine  erhebliche  Eechtsdrehung,  so  ist  er
durch  Alkoholfällung  auf  Dextrine  zu  prüfen  (vergl.  unter  d).
c)  Das  Verfahren  von  E.  Beckmann, 4 )  welches  darauf  beruht,  daß  die
Dextrine  des  Stärkezuckers  und  -sirups,  besonders  deren  Barytverbindung,  durch
Methylalkohol  leicht  gefällt  werden,  die  Dextrine  der  Naturhonige  dagegen  nicht.
Das  Verfahren  wird  wie  folgt  ausgeführt;
Man  bringt  in  ein  Eeagensglas  5  ccm  klare  oder  geklärte  Honiglösung
(vergl.  unter  No.  3,  S.  591),  welche  in  100  ccm  20  g  —  bei  auftretenden  geringeren
Fällungen  50  g  —  Honig  enthält,  versetzt  dieselben  mit  3  ccm  einer  Barytlösung,
'"'eiche  2  g  Ba(OH) 2 8 )  enthält,  und  fügt  zu  der  noch  klaren  Mischung  auf  einmal,
Uln  ein  Ansetzen  des  Niederschlages  an  die  Wände  zu  vermeiden,  17  ccm  Methyl-*)

  0.  Haenle,  Chemie  des  Honigs.
2 )  Die  Nährlösung  enthält:
Jl as ser  1500  ccm
Weinsäure  4,00  g
Amnaoniumnitrat  4,00  „
Anunoniumphosphat  0,60  „
Ammoniumsulfat  0,25

Kaliumkarhonat  .
Kaliumsilikat  .  .
Magnesiumkarbonat
Eisensulfat  .  .  .
Zinksulfat  .  .  .

0,60  g
0,07  „
0,40  „
0,07  „
0,07

Auch  kann  ebenso  einfach  eine  zuckerfreie  Hefenabkochung  als  Nährlösung  verwendet ­
  werden.
3 )  Dieselbe  kann  unter  anderem  durch  Dr.  Möslinger  in  Neustadt  a.  d.  Hardt  be-2
 °gen  werden.
4 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1896,  85,  263;  ferner  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nah-Un
 gs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  1065.
f  .  ")  Die  Barytlösung  kann  nach  J.  Wagner  (vergl.  Th.  Paul,  Untersuchungen  über
8 - ab;tlon _i er t e  Fällung.  Habilitationsschrift.  Leipzig  1894,  S.  4)  zweckmäßig  mit  Bernstein-^
  eingestellt  werden,  von  der  man  vorher  1  Teil  in  4  Teile  siedende  Salpetersäure  von
spezifischem  Gewicht  eina-etraeen,  1 L  Stunde  gekocht,  aus  Wasser  umkristallisiert
bei  60o  getrocknet  hat.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  38
        <pb n="615" />
        594

Bienenhonig.

1 )  Zeitsohr.  f.  analyt.  Chemie  1895,  84,  1.

alkohol,  welcher  nicht  frei  von  Azeton  zu  sein  braucht.  Bei  reinem  Honig  bleibt
die  Mischung  nach  dem  Umschtitteln  klar  oder  zeigt  nur  eine  schwache  flockige
Abscheidung,  bei  Gegenwart  einer  auch  nur  geringen  Menge  von  Stärkedextrin,
Stärkesirup  oder  festem  Stärkezucker  entsteht  eine  sehr  deutliche  Fällung.
Für  die  quantitative  Bestimmung  wird  der  Niederschlag  nach  kräftigem  einmaligem ­
  Umschütteln  sofort  und  schnell  durch  Asbest  in  einem  tarierten,  bei  55—60°
getrockneten  Goochschen  Tiegel  abgesaugt,  nacheinander  mit  10  ccm  Methylalkohol ­
  und  10  ccm  Äther  —  die  hierdurch  im  Filtrat  entstehenden  Trübungen
rühren  von  Honigdextrinen  her  -—  nachgewaschen,  bei  65—60°  getrocknet  und
gewogen.
Dextrinhaltiger  Koniferenhonig  hat  in  Mischungen  mit  Stärkedextrin,  -sirup
oder  -zucker  keinen  Einfluß  auf  die  Fällung.  Tannenhonig  gab  für  5  ccm  einer
20  °/ 0 -igen  Lösung  nur  0,0248  g,  Umbelliferenhonig  in  gleicher  Weise  nur  0,0230  g,
Äpfelhonig  desgl.  nur  0,0072  g  Barytfällung,  während  die  Mischung  mit  genannten
Stärkezuckorfabrikaten  entsprechend  dem  Dextringehalt  bedeutend  höhere  Fällungen
lieferte.  Nach  Untersuchungen  von  Beckmann  und  Burkhardt  gaben  verschiedene
Dextrine  in  20°/ o -iger  Lösung  folgende  Barytfällungen:
Dextrin  aus  Tannenhonig  Stärkezuoker  Stärkesirup  Handelsdextrine
8,18  »/„  29,3  ®/ 0  41,3  »/ 0  78,4-104,9  «/ 0 .
Nach  diesem  Verfahren  lassen  sich  noch  nachweisen  Zusätze  von:
Stärkedextrin  Stärkesirup  Stärkezucker  (festem)
5-10  °/o  10—20°/ 0  30-40  °/ 0 .
Ähnlich  verhalten  sich  die  Dextrine  gegen  eine  Lösung  von  Bleiessig  in
Methylalkohol;  auch  hierdurch  werden  die  Dextrine  des  Stärkesirups  bezw.
-zuckers  in  weit  größerer  Menge  gefällt  als  das  Honigdextrin.
Qualitativ  lassen  sich  Stärkesirup  und  Handelsdextrin  im  Honig  auch
noch  daran  erkennen,  daß  sowohl  der  Honig  selbst,  als  besonders  die  Fällung  mit
Methylalkohol  10  g  Honig  mit  Wasser  auf  10  ccm  gebracht  und  mit  125  com
Methylalkohol  gefällt  —  nach  Reinigen  mit  Alkohol  und  Lösen  in  Wasser  mit
hellgelber  Jod-Jodkaliumlösung  infolge  ihres  Gehaltes  an  Erythro-  und  Amylodextrin ­
  eine  rotbraune  (bei  Stärkesirup)  oder  eine,rote  bis  violette  Färbung
(bei  Handelsdextrinen)  zeigen.
d)  Verfahren  von  Verf.  und  W.  Karsoh. 1 )  Da  fester  Stärkezucker
wesentlich  geringere  Mengen  von  durch  Baryt  und  Methylalkohol  fällbaren  Dextrinen
enthält,  so  ist  dessen  Nachweis  nach  vorstehendem  Verfahren  nur  bei  Zusatz
größerer  Mengen  zum  Honig  möglich.  Wenn  aber  Stärkezucker  verwendet
wurde,  so  kann  das  Verfahren  von  Verf.  und  W.  Karsch  gute  Dienste  leisten.
Es  gründet  sich  darauf,  daß  durch  Äthylalkohol  die  rechtsdrehenden  Dextrine
sowohl  der  Naturhonige  wie  der  mit  Stärkezucker  usw.  versetzten  Honige  gefällt
werden,  dagegen  nicht  die  in  den  Stärkezuckerpräparaten  vorhandene  Glukose,
bei  deren  Verbleiben  im  Honig  der  mit  Stärkezucker  versetzte  Honig  seine  Rechtsdrehung ­
  beibehalten  wird,  während  bei  Naturhonigen  nach  Entfernung  der  rechtsdrehenden ­
  Dextrine  Linksdrehung  eintritt.
40  g  Honig  werden  in  einem  Meßzylinder  mit  Wasser  auf  40  ccm  auf  gefüllt.
Von  der  homogenen  Lösung  werden  20  ccm  in  einen  250  ccm-Kolben  gebracht,
unter  langsamem  Zutröpfeln  und  beständigem  Umschwenken  mit  absolutem
Alkohol  bis  zur  Marke  aufgefüllt  und  unter  zeitweiligem  ümsohütteln  2—3  Tage
stehen  gelassen.
        <pb n="616" />
        Bienenhonig.

595

Nach,  dieser  Zeit  haben  sich  alle  Dextrine  abgeschieden.  Nacli  dem  Umschütteln ­
  wird  filtriert,  von  dem  Filtrat  werden  100  ccm  vom  Alkohol  befreit  —
aber  nicht  ganz  zur  Trockne  verdampft  —,  der  noch  flüssige  Rückstand  unter
Zusatz  von  Bleiessig  und  Natriumsulfat  mit  Wasser  auf  20  ccm  gebracht  und  die
filtrierte  Lösung  hiervon  polarisiert.
Rechtsdrehende  Naturhonige  zeigen  alsdann  Linksdrehung,  mit  Stärkezucker
bezw.  -sirup  bis  zu  25  °/ 0  versetzte  Honige  dagegen  Rechtsdrehung.
Letztere  könnte  allerdings  auch  von  zugesetztem  Rohrzucker  herrühren,  der
ebenfalls  nicht  durch  Alkohol  vollständig  gefällt  wird.  Davon  aber,  ob  der  Honig
eine  große  Menge  (von  10—18  °/ 0 )  Saccharose  enthält,  kann  man  sich  durch  eine
quantitative  Bestimmung  der  Saccharose  nach  No.  4  (S.  591)  überzeugen.
Auch  wird  die  obige  alkoholische  Lösung  nach  dem  Verdampfen  des  Alkohols
uud  nach  Inversion  der  wässerigen  Lösung,  wenn  die  Rechtsdrehung  von  Saccharose
herrührt,  Linksdrehung  zeigen.
Melasse  im  Honig  kann  nach  E.  Beckmann  an  der  starken  weißen  bis
'weißgelblichen  Fällung  erkannt  werden,  welche  in  25%-igen  Honiglösungen  durch
Zusatz  von  Bleiessig  und  Methylalkohol  entsteht.  Die  Versuche  hierüber  sind  noch
nicht  abgeschlossen.

Mehlzusatz.  Derselbe  macht  den  Honig  schleimig  und  weißstreifig.
Je  nach  dem  zu  vermutenden  Gehalt  werden  10—20  g  Honig  mit  70  °/ 0 -igem
Alkohol  behandelt,  filtriert,  mit  70°/ o -igem  Alkohol  und  zuletzt  mit  kaltem  Wasser
gewaschen  und  der  unlösliche  Rückstand  nach  einem  der  S.  239  beschriebenen
Verfahren  auf  Stärke  untersucht.  Auch  wird  der  unlösliche  Rückstand  mikroskopisch
auf  Stärke  geprüft.

W.  Bräusich ­
  mittels
würde  sich
empfehlen.

Leim  und  Tragant.  Diese  Zusätze  sind  sehr  selten  und  können  durch
Fällen  der  wässerigen  Lösung  mit  Tanninlösung  nachgewiesen  werden,  womit
reiner,  durch  vorheriges  Kochen  mit  Bolus  geklärter  Honig  nur  eine  schwache
Trübung  und  später  geringe  Flocken  gibt.
e)  Sonstige  Verfahren  zum  Nachweise  von  Naturhonig.
tigam 1 )  behauptet,  daß  alle  Naturhonige  Eiweiß  enthalten,  welches
Salpetersäure  und  gesättigter  Kochsalzlösung  abscheiden  läßt.  Auch
zu  dessen  Nachweis  die  Biuretreaktion  (vergl.  S.  212  unter  3  b)
Tanger' 2 )  schlägt  für  den  Zweck  einerseits  die  Prüfung  auf  Fermente,  andererseits
die  Serum  di  agn  ose  vor.  Man  soll  aus  den  Honiglösungen  durch  Alkohol  die
Fermente  (Diastase,  Invertase)  fällen,  von  Zucker  befreien  und  dann  auf  eine
Saccharoselösung  von  bekanntem  Polarisationswert  einwirken  lassen,  Berner  g  aubt
derselbe  durch  Verfütterung  von  den  Eiweißkörpern  der  einzelnen  Pflanzenbluten
an  immunisierte  Tiere  (Kaninchen)  Blutsera  erhalten  zu  können,  welche  mit,  den
Tösungen  der  zugehörigen  Blütenhonige  Niederschläge  geben.  Diese  Vorschläge
bedürfen  noch  der  weiteren  Ausbildung  und  Nachprüfung;  sie  würden  aber  günstigen
Falles  nur  gestatten,  Naturhonig  von  Kunsthonig  zu  unterscheiden,  nicht  aber  \  eralschungen
  mit  letzterem  oder  Stärkesirup  festzustellen.
Auch  würden  sich  diese  Bestandteile  des  Naturhonigs  leicht  künstlich  zusetzen
lassen.

Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung.
Dicht  der  mikroskopischen  Prüfung  gefundene  Pollenkörner,  Wachspartikelchen  sind
1  z u  beanstanden,  eie  bilden  jedoch  auch  kein  Merkmal  für  die  Echtheit  des  Honigs,
2  Vergl.  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  622.
)  Ebenda  1902,  5,  1204.

38*
        <pb n="617" />
        596

Bienenhonig.

da  sie  auch  im  Kunsthonig  nachgewiesen  wurden.  Der  Gehalt  an  verschiedenerlei  Pollenkörnern ­
  macht  die  Annahme  von  Naturhonig  wahrscheinlicher,  aber  auch  nicht  sicher.
2.  Das  spezifische  Gewicht  der  Lösung  1:  2  soll  nicht  unter  1,11  betragen,  entsprechend ­
  einem  Wassergehalt  von  25  %.  .
3.  Der  Aschengehalt  beträgt  hei  normalen  Königen  nicht  mehr  als  0&amp;gt;3  °/o)  doch  kann
derselbe  bei  Königen,  die  von  den  Bienen  aus  dem  Honigtau  gesammelt  werden,  bis  zu
0,8  °/ 0  steigen.  NachHilger  undWolff  enthalten  linksdrehende  Waldhonige  0,  3-0,4%,
rechtsdrehende  0,6—1,28  °/ 0  Asche.
4.  Die  Könige  sind  mehr  oder  weniger  stark  linksdrehend,  doch  gibt  es  auch  rechtsdrehende ­
  Könige,  und  zwar  besonders  Koniferen-  und  Honigtauhonige.  Da  sich  in  Königen
unter  Umständen  ein  kristallinischer  Absatz  bildet,  der  vorwiegend  aus  Glukose  besteht
und  daher  reohtsdrehend  ist,  so  muß  hierauf  Bedacht  genommen  werden.
Es  zeigt  sich  ferner  hier  und  da  die  Erscheinung,  daß  ein  Honig  wegen  eines  geringen ­
  Gehaltes  an  rechtsdrehenden  Dextrinen  schwach  links  dreht  und  daß  erst  nach  der
Vergärung  die  Bechtsdrehung  in  den  Vordergrund  tritt.
Kleine  Mengen  von  Saccharose  setzen  ebenfalls  nur  die  Linksdrehung  des  Honigs
herab,  größere  bewirken  Rechtsdrehung.  Solche  Könige  zeigen  nach  der  Inversion  entweder ­
  eine  Zunahme  der  Linksdrehung  oder  eine  Umwandlung  der  Bechtsdrehung  in
Linksdrehung.  Erhebliche  Mengen  von  Dextrinen  machen  den  Honig  rechtsdrehend.  Diese
Rechtsdrehung  verschwindet  nicht  nach  der  Inversion.
5.  Der  Gehalt  des  Honigs  an  Saccharose  soll  im  allgemeinen  einige  Prozent  nicht
überschreiten,  jedoch  kommt  in  Königen,  die  in  der  Nähe  von  Rohrzuckerfabriken  oder
-lagern  von  Bienen  erzeugt  sind,  mitunter  eine  abnorm  große  Menge  Saccharose  —  es
sind  bis  zu  18  %  beobachtet  worden  —  vor.  Dieser  Umstand  ist  daher  bei  der  Beurteilung
zu  berücksichtigen.
6.  Enthält  der  Honig  weniger  als  1,6  % 1 )  lösliche  Niohtzuckerstoffe  (berechnet  aus
der  Differenz  von  löslicher  Trockensubstanz  und  Gesamtzuoker),  so  ist  auf  Zusatz  von
künstlichem  Invertzucker,  Rohrzucker  und  Glukosezucker  zu  schließen.
7.  Beträgt  die  Bechtsdrehung  der  10  %-igen  vergorenen  Honiglösung  mehr  wie
-(-3°  Kreisgrade  bei  Anwendung  des  200  mm-Rohres  und  gibt  sie  die  qualitativen  Dextrinreaktionen ­
  nach  Beckmann,  so  ist  der  Honig  als  mit  Stärkezucker  oder  Stärkesirup  versetzt
zu  bezeichnen.  Dasselbe  ist  der  Fall,  wenn  die  nach  dem  Vergären  quantitativ  ermittelte
Dextrinmenge  mehr  wie  10  %  beträgt.
8.  5  ccm  einer  20  %-igen  Honiglösung  dürfen  nach  dem  Beckmannschen  Verfahren,
das  übrigens  noch  näher  zu  prüfen  ist,  mit  2  %-iger  Barytlösung  und  Methylalkohol  versetzt ­
  (vergl.  11  c,  S.  693),  keine  0,1  g  übersteigende  Pallung  geben.
9.  Honiglösung  darf,  mit  Alkohol  nach  der  Vorschrift  11  d  (S.  594)  gefällt,  keine
Bechtsdrehung  zeigen,  wenn  darin  nicht  größere  Mengen  Saccharose  nachgewiesen  sind.

*)  R.  Racine  fand  (Zeitsohr.  f.  öffentl.  Chemie  1902,  8,  281)  in  39  Honigsorteu
3,92—16,32  %  und  in  einer  Probe  nur  2,32  %  lösliche  Nichtzuckerstoffe  (Extraktrest),  also
wesentlich  höhere  Werte  als  die  angenommene  Mindestgrenze  von  1,5  %.  Der  Gehalt  an
Nichtzuoker  geht  nach  Hilger  und  Wolff  (1.  c.)  bei  linksdrehenden  Waldhonigen  bis
9,47%,  bei  rechtsdrehenden  bis  21,2  %  hinauf.
        <pb n="618" />
        Rohstoffe
und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

I.  Wasser.
Für  die  Zuckerfabrikation  ist  ebenso  wie  für  die  sonstigen  landwirtschaftlichen
Nebengewerbe  ein  gutes,  reines  Wasser  von  großem  Belang.
a)  Bin  an  organischen,  fauligen  und  fäulnisfähigen  Stoffen  reiches  Wasser  kann
schon  im  Diffuseur  Zersetzungen  bewirken,  b)  Ein  gefärbtes  Wasser  erschwert  die
Klärung  der  Zuckerlösung,  c)  Ein  an  Salzen
reiches  Wasser  vermindert  die  Zuckerausbeute;
so  hindert  1  Teil  Nitrate  die  6-faohe  Menge
Zucker  an  der  Kristallisation;  dann  folgen
Sulfate  und  Alkalikarbonate.  Ein  Wasser  mit
0,48  g  Gips  (Schwefelsäure  auf  Gips  umgerechnet) ­
  und  0,3  g  Chlomatrium  (Chlor  auf
Chlornatrium  umgerechnet)  für  1  1  übte  nach
Pfeiffer  zwar  keinen  Einfluß  auf  das  Aussehen ­
  der  Säfte  und  des  Dicksaftes  aus,  bewirkte ­
  aber,  daß  letztere  hei  2-  bis  3-stündigem
Kochen  im  Vakuum  eine  starke  Braunfärbung
annahmen,  während  ein  Wasser  mit  0,107  g
Gi ps  und  0,05  g  Kochsalz  im  Liter  eine  solche
Wirkung  nicht  äußerte.
Die  Diffusionsschnitzel  besitzen  indes  ein
ausgesprochenes  Absorptionsvermögen  für  Kalk-®alze,
  so  daß  bei  vorhandenen  größeren
Mengen  Calciumsulfat  und  -bikarbonat  nur  ein
Peil  derselben  in  die  Säfte  übergeht.  Auch
scheidet  sich  beim  Kochen  der  Füllmassen  im
Vakuum  ein  Teil  der  Mineralstoffe  (zuerst
Kieselsäure,  Eisenoxyd  und  Tonerde,  zuletzt
.  Meiumsalze)  ab,  aber  diejenigen  Salze,  welche
J n  der  Zuckerlösung  gelöst  bleiben,  erhöhen
heu  Gehalt  des  auskristallisiereuden  Zuckers  au  Salzen  und  beeinträchtigen  die  Ausbeute
insofern,  als  bei  der  Wertsberechnung  des  Zuckers  für  die  Raffinierung  von  der  Polarisation
i®  6-fache  Menge  des  Salzgehaltes  abgezogen  wird.
II.  Zuckerrübe.
Die  vollständige  Untersuchung  der  Zuckerrübe  (Bestimmung  des  Wassers,
Proteins  usw.)  erfolgt  wie  bei  Wurzelgewächsen  überhaupt  nach  S.  266.  Für
technische  Zwecke  gelten  besondere  Untersuchungsverfahren.
1-  Bestimmung  des  Zuckers  in  der  Bttbe. 1 )  Die  Zuckerrüben  werden  jetzt
meistens  nach  dem  Gehalt  an  Zucker  bezahlt;  aber  auch  dort,  wo  dieses  nicht  ge-*)
  Vergl.  u.  a.  R.  Frühling,  Anleitung  zur  Untersuchung  der  f.  d.  Zuckeriudustrie
etracht  kommenden  Rohmaterialien  usw.  Braunschweig  1903.

■mmm
Fig.  267.
Rübenmühle  von  Luclcow.

ln
        <pb n="619" />
        598

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfahrikation.

schiebt,  ist  es  von  Wichtigkeit,  den  Gehalt  der  Rühen  an  Zucker  zu  erfahren,  um
den  Gang  der  Fabrikation  beurteilen  zu  können.  Aus  dem  Grunde  sind  jetzt
allgemein  Untersuchungsverfahren  eingeführt,  welche  den  Zuckergehalt  direkt  zu
ermitteln  gestatten.  Für  alle  vorgeschlagenen  Verfahren  dieser  Art  kommt  es  zunächst
darauf  an,  ein  gutes  Durchschnittsmuster  der  Zuckerrüben  in  der  erforderlichen
Reinheit  und  Feinheit  herzustellen.
Man  sucht  eine  nicht  zu  geringe  Anzahl  Rühen  aus,  welche  in  Form  und
Größe  und  nach  ihren  sonstigen  Eigenschaften  einen  guten  Durchschnitt  der  Gesamtrühen ­
  bilden,  befreit  sie  von  Köpfen,  Schwänzen,  sowie  durch  Waschen  oder  Abbürsten
von  Schmutz  und  zerkleinert  sie  zu  einem  tunlichst  feinen  Brei.  Soll  der  Schmutzgehalt ­
  quantitativ  bestimmt  werden,  so  werden  die  Rühen  vor  und  nach  dem  Waschen
gewogen.
Abgewelkte  und  trockne  Rüben  nehmen  beim  Naßputzen  bis  zu  2  °/ 0  ihres
Gewichtes  Wasser  auf.  Durchkältete  oder  gefrorene  Rüben  muß  man  vorher  in
einem  mäßig  warmen  Raume  Zimmertemperatur  annehraen  bezw.  auftauen  lassen.
Die  so  vorbereiteten  Rüben  oder  die  Hälfte  oder  ein  Viertel  der  einzelnen
Rüben  müssen  dann  weiter  zu  einem  unfühlbaren,  geschliffenen  Brei  zerkleinert ­
  werden  —  in  den  Zuckerfabriken  selbst  kann  man  hierzu  auch  die  Schnitzel
verwenden  —.
Zur  Herstellung  des  Breies  können  dienen  die  Rübenmühle  von  Luckow,
oder  die  Pellet-Lomontsche  Reibe  mit  Keilscher  Scheibe,  oder  die  für  Handund
  Dampfbetrieb  eingerichtete  Rüben-  und  Schnitzelsohleifmaschine  von  Kiehle. 1 )
Die  erste  hat  folgende  Einrichtung  (Fig.  267,  S.  597):
P  =  die  aus  hartem  Gußstahl  gefertigte  Schleifscheibe  (sog.  Fräserl,  unten  durch  die
Rübenvorlage  R  zum  Teil  verdeckt.
S  =  Sammelkasten  für  den  geschliffenen  Brei,
k  =  der  direkte  obere  Antrieb  mit  dem  Kugelausrücker  a.
K  =  der  Antrieb  mittels  Vorgelege  und  dem  hierzu  gehörigen  Ausrücker  mit  Bremse  A.
H  =  Handantrieb.
Wo  derartige  Vorrichtungen  fehlen,  kann  man  sich  auch  mit  einer  Fleischhackmaschine ­
  oder  mit  gewöhnlichen  Handreiben  oder  sog.  Gewürzreiben  behelfen,
jedoch  ist  zu  berücksichtigen,  daß  die  Auslaugung  nach  einem  der  folgenden  Verfahren
um  so  schneller  und  vollständiger  vor  sich  geht,  je  feiner  der  hergestellte  Brei  ist.
Zur  Auslaugung  des  Zuckers  bedient  man  sich  der  kalten  oder  warmen
Digestion  mit  Alkohol  oder  mit  Wasser.
a)  Alkoholverfahren.  «)  Kalte  Digestion  nach  Stammet.  Für  die  Ausführung ­
  der  Untersuchung  wird  in  einer  passend  geformten  Neusilherschale  die
doppelte  oder  3-fache  Menge  der  für  die  einzelnen  Polarisationsapparate  gültigen
Normalgewichte  für  200  oder  300  ccm  Flüssigkeit  abgewogen,  nämlich  bei  doppeltem
Normalgewicht:
für  Saccharimeter  von  Normalgewiehte
Soleil-Yentzke-Scheibler  mit  Zuckerskala  .  26,048  x  2  =  52,096  g  (rund  52,1  g)
Soleil-Duboscq  mit  Zuokerskala  16,350  x  2  =  32,700  „
Wild  mit  Zuckerskala  10,000  x  2  —-  20,000  „
Mitscherlich,  Wild  und  Laurent  mit  Kreisgradteilung ­
  .  16,000 *  2 )x  2  =  30,000  „.
x )  Bei  den  zur  Samenzucht  dienenden  Rüben  (Mutterrüben)  darf  den  zu  untersuchenden
Rüben  zur  Ermittelung  des  Zuckergehaltes  nur  ein  geringer  Anteil  entnommen  werden,
damit  das  demnächstige  Wachstum  nicht  geschädigt  wird;  man  benutzt  hierfür  zweckmäßig ­
  die  von  der  Firma  Keil  &amp;amp;  Dolle  in  Quedlinburg  patentierte  Sameurüben-Bohrmaschine.
2 )  Ist  1 / 5  des  Normalgewichtes.
        <pb n="620" />
        Bestimmung  des  Zuckers  in  der  Zuckerrübe.

599

Die  abgewogene  Menge  geschliffenen  Eübenbreies  spült  man  mittels  einer
Spritzflasche  mit  Alkohol  von  90  °/ 0  in  einen  mit  eingeriebenem  Glasstöpsel  versehenen ­
  Meßkolben  von  200  ccm  (oder  besser  von  201,2  ccm  für  das  erste  Saccharimeter), ­
 1 )  fügt  zu  dem  Inhalt  des  Kolbens  4  ccm  Bleiessig  hinzu,  schwenkt  um,  füllt
bis  zur  Marke  mit  Alkohol  auf  und  mischt  das  mit  Glasstopfen  versehene  Kölbchen
durch  kräftiges  Schütteln  tüchtig  durch.  Schon  nach  wenigen  Minuten  kann  filtriert
—  wobei  der  Trichter  zur  Vermeidung  von  Verlusten  durch  Verdunstung  bedeckt
wird  —  und  das  klare  Filtrat  im  200  mm-Eohr  polarisiert  werden.
Hat  man  die  Korrektion  für  das  Volumen  des  Markes  nicht  gleich  an  dem
Meßkolben  durch  eine  entsprechende  Größe  angebracht,  sondern  genau  auf  200  ccm
aufgefüllt,  so  muß  man  die  abgelesene  Anzahl  Grade  um  das  Volumen  des  Markes
vermindern,  also  bei  Anwendung  von  52,1  g  Eübenbrei  mit  1,2  ccm  Mark  mit
0,994  multiplizieren.  Wenn  z.  B.  abgelesen  sind  14,7°,  so  beträgt  der  Zuckergehalt
der  Rübe
14,7  x  0,994  =  14,61  °/ 0 .

Hat  man  nicht  die  für  die  einzelnen  Apparate  gültigen  Normalgewichte,  sondern
andere  Gewichtsmengen  oder  ein  Saccharimeter  mit  Kreisgradteilung  angewendet,
so  ist  zu  berücksichtigen,  daß  nach  S.  233  bei  17,1
entspricht;
im  Polarisationsapparat  von
Mitscherlich,  Laurent,  Wild  mit  Kreisgradteilung
Soleil-Ventzke-Scheibler  \

Schmidt  und  Hänsoh

/

mit  Zuckerskala

koleil-Dubosoq  0,16350  „

0  im  200  mm-Eohr

1°  Drehung

g  Saccharose  in

g  Glukose  in

100  ccm  Lösung

100  ccm  Lösung

0,7500  g

0,9434  g

0,26048  „

0,3268  „

0,16350  „

0,2051  „

Hat  man  z.  B.  60  g  Eübenbrei  in  200  ccm  Alkohol  angewendet  und  im  Mitscherlichscheu
  (Halbschatten-)  Apparat  im  200  mm-Kohr  5°  38'  =  5,63°  abgelesen,  so  berechnet  sich
der  Zuckergehalt  in  der  Rübe  zu

5,63  x  0.75  x  100
30

14,07  und  14,07  x0,993 2 )  =  13,97  °/ 0 .

Bei  den  Apparaten  von  Ventzke-Soleil-Scheibler  und  von  Soleil-Duboscq
  wird  einfaches  weißes  helles  Lampenlicht  in  5—10  cm  Entfernung  vom
Rohr  angewendet,  bei  dem  Wildschen  Polaristrobometer  und  den  Halbschattena
 Pparaten  dagegen  homogenes,  gelbes  Licht,  welches  durch  Einbringen  von  Ghlorüatrium
  in  die  nichtleuchtende  Flamme  eines  Bunsenschen  Gasbrenners  erzeugt  wird.
Die  Farbenapparate  vrerden  aber  durch  die  Halbschattenapparate
immer  mehr  verdrängt.
Als  Durchschnittstemperatur  der  Lösungen  gilt  17,5°,  d.  h.  die  Zuckerlösungen ­
  mit  den  Normalgewichten  für  100  ccm  drehen  bei  17,5°  der  Lösung  um
dOOo  der  Zuckerskala;  weicht  die  Temperatur  der  letzteren  hiervon  erheblich  ab,
So  ist  nötigenfalls  eine  entsprechende  Korrektion  anzubringen.

9  Das  Mark  von  52,1  g  “rei  mmmi.  nämlich
mir  auf  200  ccm  auffüllt,  so  hat  man  in  Wirklichkeit  nur
.  ,  -x.  198,0  —  q  994  multiplizieren,
keit  muß  daher  die  Polansationsgrade  mit  ,
,  ,  „..  „  zn  i  n üben  =  1,4  ccm  beträgt;  daher  in  200  ccm
2 )  Korrektion  für  Mark,  welches  für  60  g  g
unr  198,6  ccm  zuckerhaltiger  Alkohol,  also  Koirektui  goo  ,
        <pb n="621" />
        600  Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Um  den  Inhalt  der  Beobachtungsröhren  genau  auf  eine  bestimmte  Temperatur ­
  zu  bringen  und  darauf  zu  erhalten,  verwendet  man  vielfach  Beobachtung®-rohren
  mit  Messingmantel  und  WasserumSpülung.
Für  die  Umrechnung  der  Drehungsbeträge  der  verschiedenen  Polarisationsapparate ­
  können  folgende  Werte  dienen  (vergl.  E.  Frühling  1903,  54):
1°  Ventzke  =  1,5932°  Laurent,

1°

„  =  0,3469°

Wild  (Kreisgrade),

1°

Laurent  =  0,2167°

51

11

1°

„  =  0,6277°

Ventzke,

1°

Wild  (Kreisgrad)  =

4,6147°

Laurent,

1°

11  11

2,8827°

V  entzke,

1°

11  11

7,5281°

Wild  (Zuckerskala),

1°

„  (Zuckerskala)  =

0'l328°

Wild  (Kreisgrade).

ß)  Das  warme  Extraktions-Verfahren  nach  Scheibier-Sickel.  Hiernach ­
  wägt  man  30—40  g  der  mittels  einer  Hackmaschine  usw.  fein  zerteilten  Schnitzel
auf  einem  Tarierblech  ab  und  bringt  sie  verlustlos  in  einen  Heberextraktionsapparat
(siehe  Fettbestimmung  S.  222  u.  223),  dessen  Boden  bezw.  dessen  Heberrohröffnung  am
Boden  man  mit  einer  Scheibe  von  dünnem,  losem  Filz  bedeckt  hat;  in  das  zum
Apparat  gehörige  Meßkölbchen,  welches  in  dem  verengten  Teile  des  Halses  die
Marke  100  ccm  trägt  und  besonders  für  diese  Zwecke  angefertigt  wird,  gibt  man
75  ccm  absoluten  Alkohol,  spült  mit  einem  kleinen  Teil  hiervon  die  auf  dem  Tarierblech ­
  hängenden  Eübenbreireste  in  das  Extraktionsrohr,  gießt  noch  so  viel  Alkohol
nach,  bis  das  Niveau  der  Flüssigkeit  sich  nahezu  in  gleicher  Höhe  mit  der  oberen
Heberkrüramung  befindet,  darauf  verbindet  man  das  Meßkölbchen  mit  dem  Extraktionsapparat ­
  und  Kühler,  erhitzt  den  Alkohol  entweder  mit  kleiner  Flamme  oder  besser
im  kochenden  Wasserbade  und  zieht  1—2  Stunden  aus,  bis  aller  Zucker  gelöst  ist.
Nach  dem  Erkalten  des  Kolbeninhaltes  am  Apparat  entfernt  man  das  Kölbchen,
■setzt  die  nötige  Menge  Bleiessig  zu,  füllt  bis  zur  Marke  mit  absolutem  Alkohol  auf,
durchschüttelt,  filtriert  unter  Bedecken  des  Trichters  mit  einem  Uhrglase  durch  ein
trocknes  Filter  und  polarisiert  wie  üblich  im  200  mm-Eohr.  Die  gefundenen  Drehungsgrade, ­
  multipliziert  mit  0,26048  (beim  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat)  oder
0,1635  (bei  Soleil-Duboscq)  oder  0,75  (beim  Halbschattenapparate  mit  Kreisgradteilung ­
  usw.),  geben  die  Menge  Zucker  in  der  angewendeten  Menge  Eübenbrei.
Angenommen,  es  sind  angewendet  40,50  g  Rübenbrei,  das  alkoholische  Filtrat
polarisierte  19,2°  im  S.-V.-Sch.,  so  sind  darin  19,2  x  0,26048  =  5,00  g  Zucker  enthalten ­
  oder  in  100  g  Rüben  ——  =  12,34  g  Zucker.
y)  Warme  Alkohol-Behandlung  nach  Tollens-Rapp-Degener.  Ein
Vielfaches  der  Normalgewichte  für  die  einzelnen  Apparate  (nach  S.  598),  also  z.  B.
26,048x  2  =  52,096  g  oder  rund  52,1  g  (für  den  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat)
  von  dem  mittels  der  „Schnitzelmühle“  zerkleinerten  Rübenbrei  wird  in  einen
200  ccm-Kolben,  dessen  Marke  möglichst  tief  unten  liegt,  verlustlos  eingefüllt  und
mit  Alkohol  übergossen,  bis  der  Kolben  zu  etwa  4 / 5  gefüllt  ist.  Der  Kolben  wird
mit  einem  gut  passenden  Korkpfropfen  verschlossen,  welcher  ein  weites,  als  Rückflußkühler
  dienendes  Glasrohr  trägt,  dann  in  einem  Wasserhade  16—20  Minuten
lang  im  ruhigen  Sieden  des  Alkohols  gehalten.  Hiernach  nimmt  man  den  Kolben
heraus,  spült  Kork  und  Rohr  mit  90-grädigem  Alkohol  ab  und  füllt,  ohne  abzukühlen, ­
  mit  Alkohol  bis  etwa  1  cm  hoch  über  die  Marke.  Durch  abermaliges
nur  etwa  2  Minuten  anhaltendes  Einstellen  des  Kolbens  in  das  heiße  Wasser ­
        <pb n="622" />
        Bestimmung  des  Zuckers  in  der  Zuckerrübe.

601

bad  —  bis  Blasen  im  Alkohol  aufzusteigen  beginnen  —  läßt  man  den  Inhalt
sich  mischen,  nimmt  sodann  heraus,  läßt  etwa  1 / 2 — s / 4  Stunde  an  der  Luft  erkalten,
bringt  durch  Einstellen  in  kaltes  Wasser  auf  Zimmertemperatur,  setzt  10—15
Tropfen  Bleiessig  zu,  füllt  das  gesunkene  Volumen  mit  Alkohol  wieder  bis  zur
Marke  auf,  mischt  durch  Umschütteln,  filtriert  und  polarisiert  im  200  mm-Rohr,  wie
bei  a  und  b.
b)  Wasserverfahren,  a)  Die  kalte  Wasserbehandlung  nach  Pellet  sowie
nachKrüger.  Von  dem  wie  bei  der  Alkoholbrei-Behandlung  nach  S.  598  hergestellten
feingeschliffenen  Rübenbrei  werden  die  Normalgewichte,  also  26,048  g  für  Ventzke-Soleil
  usw.  (S.  598),  oder  ein  Vielfaches  (jedoch  nicht  mehr  als  30  g  für  200  ccm)
abgewogen  und  mit  Hilfe  eines  recht  weiten,  langen  Neusilbertrichters  in  einen
200  ccm-Kolben  gefüllt.  Der  abzuwiegende  Rübenbrei  muß  recht  innig  gemischt
und  von  kleinen  Wurzeln,  Fasern  usw.  befreit  sein,  was  man  entweder  durch
Auslesen  mit  der  Pinzette  oder  dadurch  erreicht,  daß  man  den  Brei  durch  ein
grobes  Sieb  mit  4—6  mm  Maschenweite  drückt.
Nachdem  der  Rübenbrei  unter  Nachspülen  mit  Wasser  in  den  Kolben  gebracht ­
  ist,  setzt  man  4—5  ccm  Bleiessig  (in  der  Regel  6  ccm  auf  je  26,048  g)
zu,  entfernt  den  Schaum  durch  1—3  ccm  Äther,  füllt  bis  zur  Marke  mit  Wasser
auf,  schüttelt  kräftig  durch,  filtriert  und  polarisiert  nach  Zusatz  von  1—2  Tropfen
Essigsäure  womöglich  im  400  mm-Rohr.
Wird  im  200  mm-Rohr  polarisiert,  so  sind,  weil  man  das  Normalgewicht  nicht
auf  100,  sondern  auf  200  ccm  gefüllt  hat,  die  Drehungsgrade  mit  2  zu  multiplizieren.
Für  das  Mark  werden  hier  1,35  ccm  für  26,048  g  Rübenbrei  gerechnet,  weshalb
die  Drehungsgrade  bezw.  der  Zuckergehalt  mit  0,9933  zu  multiplizieren  sind.
Man  kann  diese  Rechnung  auch  dadurch  umgehen,  daß  man  den  Brei  statt
in  ein  200  ccm-Kölbchen  in  ein  solches  füllt,  dessen  Marke  201,35  ccm  anzeigt.
Krüger 1 )  wendet  die  kalte  Wasserbehandlung  noch  in  anderer  Weise  an;  er
setzt  voraus,  daß  der  Saftgehalt  der  Zuckerrübe  durchschnittlich  95  °/ 0  beträgt;
demnach  sind  in  dem  Normalgewicht  26,048  x  0,95  =  24,745  g  Saft,  die  bei  Annahme ­
  eines  durchschnittlichen  spezifischen  Gewichtes  von  1,07  ein  Volumen  von
24.745
=  23,12  ccm  einnehmen.  Werden  diese  mit  76,88  ccm  Wasser  versetzt,  so
erhält  man  100  ccm  Flüssigkeit,  deren  Polarisation  den  Zuckergehalt  der  Breimenge
von  26,048  g  ohne  weiteres  anzeigt.  Auf  76,88  g  Wasser  kommen  daher  26,048  g
Brei,  oder  auf  2,951  Teile  Wasser  1  Teil  Brei  oder  rund  wie  3  :  1.  Man  verwendet
ein  gewisses,  in  einer  besonders  eingerichteten  Pipette  abgemessenes  Volumen
Wasser  und  wägt  dazu  den  3.  Teil  des  Wassergewichtes  an  Rübenbrei  ab;  faßt
z -  B.  die  Pipette  78,2  ccm,  so  sind  26,067  g  Brei  abzuwägen,  faßt  sie  77,5  ccm,
so  25,833  g  usw.  Zu  jeder  Pipette  gehört  je  nach  dem  Inhalt  ein  bestimmtes
Normalgewicht.  Der  Brei  wird  in  Nickelgefäßen  (von  sämtlich  gleichem  Gewicht)
abgewogen,  mit  der  3-fachen  Menge  Wasser  versetzt,  der  Inhalt  gemischt,  nach
~0  Minuten  filtriert  und  im  200  mm-Rohr  polarisiert.  Die  abgelesene  Zahl  ergibt
direkt  den  Zuckergehalt  des  untersuchten  Breies.
Das  Verfahren  Krügers  ist  zwar  nicht  ganz  genau,  aber  für  praktische
Zwecke  ausreichend  und  besonders  bei  Massenuntersuchungen  empfehlenswert.
ß)  Die  heiße  Wasserbehandlung  nach  Pellet.  Wenn  man  die  Rüben
nicht  zu  einem  feinen  Brei  hat  schleifen  können,  sondern  gröberen  Rübenbrei  anwendet, ­
  so  kann  man  auch  hier  wie  bei  der  Alkoholbrei-Polarisation  mit  heißem
1 )  Deutsche  Zuckerindustrie  1896,  2464.
        <pb n="623" />
        602

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Wasser  behandeln.  Die  Normalmenge  Brei  wird  in  den  Kolben  gegeben,  mit
4—5  ccm  Bleiessig  versetzt,  der  Kolben  bis  zu  4 / 5  mit  Wasser  aulgefiillt  und
1 / 2 —1  Stunde  bei  76—80°  im  Wasserbade  erwärmt;  darauf  kühlt  man  ab,  entfernt
den  Schaum  durch  Äther,  füllt  bis  zur  Marke  auf,  filtriert  und  polarisiert  nach
Zusatz  von  1—2  Tropfen  Essigsäure,  wie  üblich.
Alle  diese  Verfahren,  Alkohol-  wie  Wasser-,  kalte  wie  warme  Behandlung,
liefern  gute  und  übereinstimmende  Ergebnisse,  wenn  die  angegebenen  Vorschriftsmaßregeln ­
  beachtet  werden.  Jedoch  ist  die  warme  Alkoholextraktion  am  genauesten ­
  und  für  wissenschaftliche  Untersuchungen  am  meisten  zu  empfehlen.  Für
Massenbestimmungen  wendet  man  die  von  Müller  verbesserte  PelletscheDurchflußröhre
  an,  welche  eine  ununterbrochene  Polarisation  gestattet.  Die  Eöhre  hat
an  beiden  Enden  dicht  vor  den  Deckgläsern  zwei  B,ohrstutzen,  durch  welche  man
mittels  Hebevorrichtung  die  Zuckerlösungen  ununterbrochen  ein-  und  austreten
lassen  kann.
2.  Untersuchung  des  Saftes.  Dieses  ältere,  jetzt  kaum  mehr  angewendete  Verfahren ­
  der  Untersuchung  der  Zuckerrüben  für  technische  Zwecke  besteht  darin,  daß
man  die  von  Wurzelfasern,  Eübenköpfen  und  anhaftender  Erde  usw.  befreiten  Eüben 1 )
entweder  zu  feinem  Brei  zerreibt  oder  mit  einer  kleinen  Scknitzelmaschine  zu
Schnitzeln  zerschneidet,  Brei  oder  Schnitzel  zwischen  geeigneten  dichten  Preßtüchern
mittels  einer  Spindel-  oder  hydraulischen  Presse  gehörig  auspreßt,  den  in  eine
Flasche  gefüllten  Saft  durch  Evakuieren  mittels  der  Wasserstrahlpumpe  von  Luft
befreit  und  den  Saft  zu  folgenden  Bestimmungen  benutzt:
a)  Spezifisches  Gewicht.  Dieses  kann  mit  dem  Pyknometer  oder  noch  bequemer
mit  der  Westphalschen  Wage  ermittelt  werden  (vergl.  unter  Milch.  S.  449;.  Unter  Umständen
wägt  man  die  zur  Polarisation  abgemessenen  100  oder  60  ccm  des  Saftes  und  erfährt  auf
diese  Weise  gleichzeitig  das  spezifische  Gewicht.  Auch  kann  man  hierfür  gute  Aräometer
verwenden;  für  Zuokerlösungen  insbesondere  hat  Balling  eigene  Aräometer  angefertigt,
welche  nicht  das  spezifische  Gewicht,  sondern  direkt  die  Zuckerprozente  augeben  und  daher
„Saccharometer“  genannt  werden;  hätte  man  z.  B.  eine  reine  Zuckerlösung  von  1,07441
spezifischem  Gewicht,  so  würde  die  Skala  des  Saccharometers  an  dem  Punkt,  bis  zü  welchem
dasselbe  in  jene  Lösung  einsinkt,  die  Zahl  18,0  tragen,  die  Lösung  also  in  100  Gewichtsteilen ­
  =  18,0  Teile  Zucker  enthalten.
Später  hat  Brix  die  Saccharometerskala  von  Balling  aufs  neue  berechnet  und
revidiert;  indes  haben  sich  nur  geringe  Differenzen  herausgestellt,  welche  für  die  Praxis
keine  Bedeutung  haben.  Saccharometergrade  (oder  Zuokerprozente)  nach  Balling  und
Brix  sind  daher  im  wesentlichen  gleich,  indes  werden  die  nach  dem  spezifischen  Gewichte
abgelesenen  Zuokerprozente  bei  Eübensäften  allgemein  als  „Grade  Brix“  aufgeführt.
Über  die  den  einzelnen  spezifischen  Gewichten  entsprechenden  Grade  Brix  und  Beaumö
vergl.  am  Schluß  Tabelle  XIII  und  XIV.
Selbstverständlich  bedeuten  die  für  ZuckerrübensafLLösung  gefundenen  Grade  Brix
nicht  reinen  Zucker,  sondern  schließen  auch  die  „Nichtzuckerstoffe“  mit  ein;  sie  geben
daher  einen  mehr  oder  weniger  genauen  Ausdruck  für  „gesamte  feste  Stoffe“  des  Saftes.
Um  die  wirkliche  Zuckermenge  des  Saftes  zu  linden,  wird  ein  weiterer  Teil  des  Saftes:
b)  zur  Bestimmung  der  Saccharose  durch  Polarisation  verwendet.
100  ccm  des  Eübensaftes  werden  in  einem  Kölbchen,  in  dessen  Halse  sich  eine  Marke
für  100  ccm  und  eine  solche  für  110  com  befindet,  genau  bis  zur  zweiten  Marke  —  nötigenfalls
unter  Anwendung  von  etwas  Äther  zur  Beseitigung  ,  des  Schaumes  —  mit  10  ccm  Bleiessig
(die  Bereitung  siehe  am  Schluß  unter  Lösungen)  versetst,  tüchtig  durchgemischt  und  10

*)  Hat  man  eine  größere  Anzahl  Rüben,  so  nimmt  man  entweder  nur  die  Hälfte
oder  ein  Viertel  der  der  Länge  nach  geteilten  Rübe.
        <pb n="624" />
        Untersuchung  des  Saftes  der  Zuckerrübe.

603

bis  15  Minuten  ruhig  hingestellt.  Statt  100  ccm  Saft  kann  man  auch  60  ccm  und  5  ccm
Bleiessig  nehmen. 1 )
Der  geklärte  Saft  wird  durch  ein  trocknes  Faltenfilter  filtriert  und  alsbald  polarisiert;
um  die  durch  Zusatz  von  Bleiessig  bewirkte  Verdünnung  auszugleiohen,  polarisiert  man
im  220  mm-Rohr,  oder  wenn  man  in  einem  200  mm-Bohr  polarisiert,  erhöht  man  die
Zahl  um  1 / 10 .
In  den  Zuckerfabriken  wird  für  gewöhnlich  der  Polarisationsapparat  von  Soleil-Yentzke-Scheibler
  angewendet,  bei  welchem  1  Grad  Drehung  im  200  mm-Eohr  0,26048  g
Saccharose  in  100  ccm  der  polarisierten  Flüssigkeit  entspricht.
Hat  man  daher  für  einen  Zuckersaft  im  200  mm-Eohr  52,8°  Drehung  gefunden,  so
berechnet  sich  der  Zuckergehalt  in  100  Eaumteilen  Saft  wie  folgt:
(52,8  -|-  5,28)  x  0,26048  =  16,13  g  Zucker  in  100  ccm  Saft.
Um  hieraus  den  Zuckergehalt  in  Gewichtsprozenten  des  Saftes  zu  finden,  muß  man
diese  Zahl  noch  durch  das  spezifische  Gewicht  des  Saftes  dividieren;  ist  das  letztere  zu

1,07397  (entsprechend

17,9°  Brix)  gefunden,

so  sind:

15,13
1,07397

=  14,08  Gewichtsprozente

Zucker  im  Saft.

Für  den  Fabrikbetrieb  hat  man  besondere  Hilfstabellen  berechnet,  aus  denen  unter
gleichzeitiger  Hinzuziehung  der  bezüglichen  spezifischen  Gewichte  der  Zuckergehalt  ohne
weiteres  in  Gewichtsprozenten  ersehen  werden  kann;  die  Schmitzschen  Tabellen  tragen
dabei  auch  der  (allerdings  geringen)  Veränderlichkeit  der  spezifischen  Drehung  Rechnung.
Für  die  anderen  Polarisationsapparate  gelten  die  S.  599  angegebenen  Drehungswerte.
Anmerkung.  Da  der  durch  Bleiessig  entstehende  Niederschlag  einen  nicht  unbedeutenden ­
  Eaum  einnimmt,  so  wird  die  im  Meßkölbchen  bis  zur  Marke  verdünnte  Zuckerlösung
ein  etwas  geringeres  Volumen  als  100  bezw.  50  ccm  besitzen;  sie  ist  daher  zu  konzentriert
und  fällt  bei  Zuckerrübensäften  der  abgelesene  Zuckergehalt  um  etwa  0,15—0,17  °/ 0 ,  bei
Füllmassen,  bei  dem  sog.  2.  und  3.  Produkt  um  0,25  °/ 0 ,  bei  Melassen  um  0,63  °/ 0  zu
hoch  aus.  Um  diese  Zahlen  muß  daher  das  Ergebnis  der  Untersuchungen  vermindert  werden,
um  ganz  richtige  Zahlen  zu  erhalten.
Statt  Bleiessig  wird  auch  nach  Scheiblers  Vorgänge  wohl  Tonerdehydrat 2 )  als
Klärmittel  angewendet;  dasselbe  eignet  sich  aber  mehr  zur  Beseitigung  von  Trübungen
als  zum  Entfernen  von  Farbstoffen.

Wird  eine  zuckerhaltige  Flüssigkeit  durch  Bleiessig  allein  nicht  hell  und  klar,  so
wendet  man  auch  wohl  gleichzeitig  Knochenkohle  an;  hierbei  ist  jedoch  zu  berücksichtigen, ­
  daß  letztere  je  nach  ihrer  Beschaffenheit  eine  verschiedene  Menge  Zucker  absorbiert.
Man  muß  daher  in  jedem  Falle  das  Absorptionsvermögen  der  Knochenkohle  gegen  reine
Saccharoselösungen  feststellen  und  darnach  eine  Korrektion  anbringen;  3—6  g  getrocknete
Knochenkohle  absorbieren  z.  B.  aus  Zuckerlösungen  mit  den  Normalgewichten  Zucker
(S.  598)  zwischen  0,3—0,5  °/ 0  Zucker  und  sind  daher  die  Ergebnisse  um  diese  Zahlen  zu
erhöhen.

o)  Bestimmung  der  Nichtzuokerstoffe  (Wasser)  und  des  Eeinheitsfiuotienteu.
  Unter  „Eeinheitsquotientcn“  versteht  man  die  Zahl,  welche  augibt.  wieviel ­
  Prozente  Zucker  in  100  Gewichtsteilen  Trockensubstanz  des  Saftes  enthalten  sind.
Fin  Rübensaft  ist  um  so  besser,  je  größer  dieser  Quotient  ist,  und  umgekehrt.
Für  gewöhnlich  betrachtet  man  die  Angabe  der  Brixschen  Spindel  oder  die  nach
dem  spezifischen  Gewicht  abgelesenen  Saccharometergrade  als  Angabe  der  Trockensubstanz

*)  Sollten  die  Rübensäfte  auf  diese  Weise  nicht  klar  werden,  so  mißt  man  mit  der
Pipette  100  oder  50  ccm  ab  und  versetzt  diese  in  einem  Kölbchen  mit  der  doppelten
Menge  Bleiessig;  die  gefundenen  Grade  müssen  dann  um  1 / 5  statt  um  1 / 10  erhöht  werden.
■)  Dasselbe  wird  durch  Fällen  von  Aluminiumsulfat  oder  Alaun  mit  Ammoniak  und
üswaschen  des  Niederschlages  bis  zum  Verschwinden  der  alkalischen  Reaktion  gewonnen.
        <pb n="625" />
        604

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation,

des  Saftes  und  berechnet,  wenn  wie  oben  für  einen  Zuckersaft  18,0°  Brix  und  14,08°/ 0
Zucker  gefunden  sind,  den  Eeinheitsquotienten  nach  der  Gleichung:

x  :  100  =  14,08  :18,0  oder  x  =

100x14,08
18,0

=  78,2  0

Io-Dieses

  ist  aber  nur  der  scheinbare  Reinheitsquotient;  um  den  wirklichen  Reinheitsquotienten ­
  zu  finden,  muß  man  den  Gehalt  des  Rübensaftes  an  Wasser  bezw.  an
Trockensubstanz  direkt  ermitteln.

Man  bringt  zu  dem  Zweck  in  trockne  flache  Porzellanschälchen  etwa  20  g  abgesiebten ­
  geglühten  Quarzsand  und  ein  entsprechend  kleines  Glasstäbchen,  wägt,  gibt  10  bis
20  ccm  Rttbensaft  hinzu,  wägt  wieder  und  stellt  das  Ganze  nach  innigem  Vermischen  des
Saftes  mit  dem  Sand  in  einen  Trockenschrank;  läßt  sich  der  Zuckersaft  nicht  gleich  mit
dem  Sand  innig  vermengen,  so  stellt  man  das  Schälchen  15—30  Minuten  in  den  Trockenschrank, ­
  bis  der  Saft  flüssiger  geworden  ist,  verreibt  alsdann  die  Masse  miteinander  und
trocknet  bei  105—110°  bis  zur  Beständigkeit  des  Gewichtes.

Die  Differenz  zwischen  der  Summe  (Wasser  -f-  Zucker)  von  100  gibt  die  Menge
Niehtzucker;  ist  also  z.  B.  der  Wassergehalt  zu  82,42  °/ 0  gefunden,  so  ist
Wasser  82,42  °/ 0 ,
Zucker  14,08  „
also  Niehtzucker  .  .  3,50

oder  der  wirkliche  Eeinheitsquotient

14,08  x  100
17,58

80,09  o/o.

Durch  Multiplikation  des  gefundenen  Zuckergehaltes  mit  den  Reinheitsquotienten ­
  (scheinbarem  oder  wirklichem)  und  durch  Division  mit  100  erhält  man  die
14  08  x  78  2
Stammersohe  Wertzahl  (scheinbare  oder  wirkliche),  also  — 2 —iöö—'  =  11,01
(scheinbare  Wertzahl)  und  14,08 =  p  1,88  (wirkliche  Wertzahl).

3.  Bestimmung  des  Wassers.  Die  Bestimmung  des  Wassers  wird  gewöhnlich
mit  dem  Rübenbrei  ausgeführt.  Etwa  10  g  des  Breies  werden  in  einen  flachen
Tiegel  (von  Kupfer  oder  Nickel  oder  Porzellan  von  etwa  5—6  cm  oberem  Durchmesser ­
  und  3  cm  Höhe)  abgewogen,  darin  tunlichst  locker  geschichtet,  anfänglich
bei  50—60°,  zuletzt  bei  105—110°  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  getrocknet.  Hat
man  „geschliffenen“  Brei,  so  verreibt  man  denselben  zweckmäßig  mit  in  dem  Tiegel
vorher  ausgetrockneten  Quarzsande.
Soll  für  eine  ausführliche  Untersuchung  der  Zuckerrübe  eine  größere  Menge
lufttrockner  Rübenmasse  gewonnen  werden,  so  verfährt  man  wie  bei  „Futterrüben“
nach  S.  266.

4.  Bestimmung  des  Mark-  bezw.  Saftgehaltes,  a)  Durch  Auswaschen  des
Rübenbreies.  Etwa  20  g  des  möglichst  feinen  und  von  gröberen  Stücken  gänzlich
freien  Breies  werden  auf  einem  Tarierblech  von  Neusilber  abgewogen,  in  ein  Becherglas ­
  gebracht,  mit  etwa  400  ccm  Wasser  übergossen  und  damit  unter  Umrühren
20—25  Minuten  in  Berührung  gelassen.  Darauf  saugt  man  die  überstehende
Flüssigkeit  mittels  der  Wasserstrahlpumpe  ab,  indem  man  in  das  Becherglas  ein
trichterförmig  ausgezogenes  Glasrohr  taucht,  dessen  trichterförmiger  Ansatz  (von
1,5  cm  Weite)  mit  einem  enganschließenden  Pfropfen  von  feinem  Pilz  (Klavierfilz)
versehen  ist.  Sobald  der  Rückstand  im  Becherglase  hinreichend  trocken  erscheint,
gießt  man  neues  Wasser  auf  den  Rückstand  und  wiederholt  diese  Behandlung  so
oft,  wie  noch  lösliche  Stoffe  an  das  Wasser  abgegeben  werden  (vergl.  auch  S.  219,
Fig.  33).
        <pb n="626" />
        Dünnsaft,  Dicksaft,  Sirupe,  Melassen,  Füllmassen,  Rohzucker  usw.

605

Schließlich  bringt  man  den  Rückstand  auf  ein  vorher  getrocknetes  und  gewogenes ­
  Filter,  spült  die  an  dem  Filzfilter  hängenden  Reste  vollständig  aufs  Filter,
wäscht  noch  einige  Zeit  mit  heißem  Wasser  aus,  zuletzt  2—3-mal  mit  Alkohol,
darauf  mit  Äther,  trocknet  den  Filterrückstand  anfangs  bei  mäßiger  Temperatur,
später  vollständig  hei  100—110°,  wägt  und  verascht.  Die  Asche  (abzüglich  der
Filterasche)  wird  von  dem  Gesamttrockenrückstand  abgezogen  und  der  Rest  als
aschefreies  Mark  in  Rechnung  gebracht.
Angenommen,  es  sind  20,0  g  Rübenbrei  angewendet,  welche  0,889  g  Trockenrückstand ­
  mit  0,012  g  Asche  ergeben  haben,  so  beträgt  der  Markgehalt  0,877  g  oder
4,38  °/ 0 ;  es  sind  dann  100—  4,38  =  95,62  °/ 0  Saft  in  der  Rübe.
b)  Durch  Berechnung.  Man  kann  auch  den  Trockensubstanzgehalt  der
Rübe  und  den  des  Saftes  bestimmen  und  so  den  Saftgehalt  der  Rübe  nach  der  Gleichung:

Saftgehalt  x  =

100  (100  —  a)
100  —b

berechnen,  worin  a  den  Trockensubstanzgehalt  der  ganzen  Rübe,  b  den  des  Saftes
bedeutet.
Dieses  Verfahren  ist  aber  umständlicher  und  weniger  genau,  weil  sich  der
zuckerreiche  Rübensaft  nur  sehr  schwierig  austrocknen  läßt.

III.  Dünnsaft,  Dicksaft,  Sirupe,  Melassen,  Füllmassen,  Rohzucker,
Absüfswasser  und  Abfalllauge. x )
1.  Bestimmung  des  Zuckers.  Der  Dünnsaft  pflegt  genau  wie  vorstehend
der  Rübensaft  untersucht  zu  werden.  Bei  Dicksaft,  Sirupen,  Melassen,  Füllmassen
und  Rohzucker  wird  entweder  das  Normalgewicht  (vergl.  S.  598)  abgewogen  oder
sie  werden  stärker  verdünnt  und  der  Gehalt  wie  üblich  berechnet.
Angenommen",  es  seien  12,121  g  Füllmasse  in  50  ccm  Wasser  gelöst  und
das  Filtrat  polarisiere  im  200  mm-Rohr  im  Ventzke-Soleil-Scheiblersehen
Apparat  75,6°,  so  entsprechen  diese  =  75,6  x  0,13024  =  9,846  g  Zucker  oder  in
Prozenten:  12,121  ;  9,846  =  100  :  x  (x  =  81,2  °/ 0 ).  Bei  Verdünnung  auf  100  ccm
statt  auf  50  ccm  wäre  statt  mit  0,13024  mit  0,26048  zu  multiplizieren,  dann  aber
auch  nur  die  halbe  Drehung  gefunden  worden.
Sind  weiter  z.  B.  25,5  g  Melasse  mit  heißem  Wasser  gelöst,  nach  dem
Erkalten  mit  Bleiessig  geklärt,  auf  250  ccm  aufgefüllt  und  hat  das  Filtrat  in
dem  genannten  Apparat  18,1°  polarisiert,  so  enthält  die  Lösung  in  50  ccm  =
25  5
18,1  x  0,13024  =  2,3573  g  Zucker,  oder  da  50  ccm  der  Lösung  =  —=  5,1  g
Melasse  entsprechen,  so  enthält  dieselbe  in  Prozenten:
5,1  ;  2,3573  =  100  :  x  (x  =  46,2  °/ 0  Zucker).
Wenn  man  wie  sonst  auf  100  ccm  zurückführt,  so  sind  die  Drehungsgrade  mit
0,26048  zu  multiplizieren;  100  ccm  der  Lösung  enthalten  aber  25,5  x  |  =  10,2  g
Melasse,  so  daß  bei  Berechnung  auf  Prozente  dasselbe  Ergebnis  herauskommt.
Die  Absüßwässer  (von  den  Filtern,  Diffuseuren,  Osmoseapparaten  usw.)
müssen  bei  dem  geringen  Zuckergehalt  für  Zwecke  der  Polarisation  erst  unter  Zusatz ­
  von  einigen  Tropfen  Natriumkarbonatlösung  oder  Kalkmilch  auf  dem  Wasser-.
  0  Vergl.  R.  Frühling,  Anleitung  zur  Untersuchung  der  für  die  Zuckerindustrie
in  Betracht  kommenden  Rohmaterialien  usw.  Braunschweig  1903.
        <pb n="627" />
        606

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

bade  eingedickt  werden.  Angenommen,  es  seien  500  ccm  des  Absüßwassers  auf
50  ccm  eingedampft,  in  ein  100  ccm-Kölbchen  gespült,  mit  einigen  Tropfen  Bleiessig ­
  geklärt,  auf  100  ccm  auf  gefüllt  und  das  Filtrat  habe  im  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat
  2,6°  polarisiert,  so  enthalten  die  100  ccm  =  2,6  x  0,26048
=  0,68  g  Zucker,  also  das  Absüßwasser  in  Prozenten:
500  :  0,68  =  100  :  x  (=  0,14  %  Zucker).
Die  Abfalllauge  von  der  Reinigung  des  Kalksaccharates  wird  in  folgender
Weise  auf  Zucker  untersucht:  50  ccm  derselben  werden  erst  mit  Essigsäure  neutralisiert, ­
  der  Uberschuß  an  letzterer  tropfenweise  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat ­
  versetzt,  bis  ein  bleibender  Niederschlag  von  Calciumkarbonat  entsteht,
darauf  in  ein  100  ccm-Kölbchen  gespült,  mit  Bleiessig  geklärt  und  zur  Marke  aufgefüllt.
  Angenommen,  das  Filtrat  habe  im  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat
5,6°  polarisiert  und  die  gleichzeitige  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  der  Lauge
habe  1,0426  ergeben,  so  ist:  5,6  x  0,26048  =  1,4587  g  in  100  ccm  halbverdünnter
Lauge,  also  in  der  ursprünglichen  Lauge  1,4559  X  2  =  2,9174  Volumprozent
Zucker
2  9174
oder  =  Gewichtsprozent.
Bei  Benutzung  der  anderen  Polarisationsapparate  werden  die  diesen  Drehungsgraden ­
  entsprechenden  Werte  (S.  599)  bei  der  Berechnung  zugrunde  gelegt.
2.  Bestimmung  der  Saccharose  neben  Invertzucker  usw.  a)  Durch  Polarisation. ­
  Die  Drehungsgrade  entsprechen  bei  den  Zwischenprodukten,  besonders
bei  den  Nachprodukten  aus  der  Melasseverarbeitung  nicht  immer  wirklicher  Saccharose; ­
  denn  dieselben  enthalten  vielfach  nicht  unerhebliche  Mengen  Verbindungen
von  anderem  und  wie  bei  Invertzucker  von  entgegengesetztem  Drehungsvermögen.
Wenngleich  in  der  Praxis  der  Zuckerfabrikation  der  Gehalt  einfach  nach  den
Drehungsgraden  bemessen  wird,  so  mag  hier  doch  erwähnt  werden,  wie  bei  einem
Gehalt  an  Invertzucker  und  sonstigen  invertierbaren  Stoffen  der  wahre  Saccharosegehalt ­
  durch  Polarisation  gefunden  werden  kann.
Man  polarisiert  nämlich  vor  und  nach  der  Inversion  bei  einer  bestimmten
Temperatur  (T)  und  setzt  die  durch  die  Inversion  bewirkte  Drehungsverminderung
(S)  in  die  Clergetsche,  später  von  Tuchschmid  verbesserte  Formel,  nämlich:
R  (gesuchter  Saccharosegehalt)  =  142  (jg  —^5  x~T)'
Es'  wird  das  halbe  Normalgewicht  des  Zuckerproduktes  abgewogen,  also
13,024  g  in  100  ccm  für  den  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat,  und  diese
Lösung  nach  der  Klärung  wie  üblich  polarisiert.
Dieselbe  Menge  Substanz  übergießt  man  in  einem  100  ccm-Kölbchen  mit
75  ccm  Wasser,  fügt  5,0  ccm  konzentrierte  reine  Salzsäure  von  1,18  spezifischem
Gewicht  hinzu,  erwärmt  7 1 / a  Minuten 1 )  in  einem  Wasserbade  von  67—70°,  kühlt
etwas  ab,  übersättigt  schwach  mit  einer  Lösung  von  kohlensaurem  Natrium,  säuert
mit  Essigsäure  wieder  an,  kühlt  vollständig  auf  die  Anfangstemperatur  ab,  füllt,

*)  Nach  der  ursprünglichen  Vorschrift  soll  man  in  50  com  Wasser  lösen  und  15  bis
20  Minuten  erwärmen.  Dammüller,  Strohmer  und  Cech  weisen  aber  darauf  hin,  daß
auf  diese  Weise  Invertzucker  zerstört  werde.
        <pb n="628" />
        Dünnsaft,  Dicksaft,  Sirupe,  Melassen,  Füllmassen,  Rohzucker  usw.

607

ohne  mit  Bleiessig  zu  klären, 1 )  mit  Wasser  bis  zur  Marke  auf,  mischt,  filtriert
und  polarisiert.
Angenommen,  ein  Nachprodukt  habe,  auf  Normalgewicht  berechnet,  im  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat
  vor  der  Inversion  +  93,4°  polarisiert,  nach  der
Inversion—15,0°,  so  ist  letztere  Drehung  wegen  der  Verdünnung  von  50  ccm
auf  100  ccm  nochmals  mit  2  zu  multiplizieren,  also  beträgt  die  ganze  Drehungsverminderung ­
  93,4  +  15  x  2  =  123,4°;  ist  die  Temperatur  der  Lösung  20°  gewesen,
so  ist  nach  obiger  Formel  der  wahre  Saccharosegehalt:

R  =

100  x  128,4

12340

oder  da

100

142,66  —  (20  X  0,5)  132,66
100

93,0  o/o

142,66  —  (20  x  0,5)  132,66

=  ■  .. p =  0,7538  ist,  so  kann  man  auch  die  gesamte

Drehungsverminderung  mit  0,7538  (also  123,4  x  0,7538  =  93,0)  multiplizieren.

Die  Konstante  142,66  setzt  die  Anwendung  des  halben  Normalgewichtes  (13,024  g)
bei  der  Beobachtung  voraus.  Hat  man  eine  andere  Zuckermenge  in  der  invertierten  und
polarisierten  Lösung,  so  ändert  sich  die  Konstante  und  ist  z.  B,:

für  g  Zucker
in  100  ccm
1,0  ==  141,85
2.5  =  141,95
5,0  =  142,12
7.5  =  142,28

für  g  Zucker
in  100  ccm
10,0  =  142,46
12,5  =  142,63
15,0  =  142,75
20,0  =  143,13.

(Vergl.  die  zolltechnischen  Vorschriften  weiter  unten.)
h)  Durch  Gewichtsanalyse.  Bei  geringen  Mengen  Invertzucker  in  den
Fabrikationserzeugnissen  bestimmt  man  den  Invertzucker  gewichtsanalytisch,  wobei
man  jedoch,  wenn  ein  Überschuß  von  Kupferlösung 2 )  auf  ein  Gemenge  von  viel
Saccharose  und  wenig  Invertzucker  einwirkt,  besondere  Korrektionen  anbringen  muß.
Man  verfährt  dann  nach  A.  Herzfeld  z.  B.  für  Rübenzucker,  welcher
weniger  als  1  °/ 0  Invertzucker  enthält,  wie  folgt:
25  g  der  Probe  werden  mit  Bleiessig  zu  100  ccm  gelöst,  60  ccm  des  Filtrats
zur  Entfernung  des  Bleies  mit  kohlensaurem  oder  schwefelsaurem  Natrium  versetzt
und  zu  75  ccm  aufgefüllt;  hiervon  werden  50  ccm  (=  10  g  Substanz)  mit  60  ccm
Fehlingscher  Lösung  erhitzt,  das  Kochen  2  Minuten  lang  unterhalten  und  das
ausgeschiedene  Kupferoxydul  als  Kupfer  gewogen.  Folgende  Tabelle  gibt  die  dem
gefundenen  Kupfer  entsprechende  Menge  Invertzucker  direkt  in  Prozenten:

Milligramm  Kupfer

Prozent  Invertzucker

50

0,060

100

0,300

150

0,562

200

0,847

250

1,127.

E.  Meißl  hat  nach  seinem  Verfahren  S.  230  in  derselben  Weise  solche
vorrektionswerte  für  Gemische  von  90—99  °/ 0  Saccharose  und  10—1  °/ 0  Invertzucker
uufgostellt  und  z.  B.  folgende  Beziehungen  gefunden:

l )  Zeigt  sich  die  Flüssigkeit  gefärbt,  so  wird  sie  nach  der  Behandlung  mit  Salzsäure
-0^1,0  g  Blutkohle  geschüttelt  und  schließlich  durch  ein  doppeltes  trocknes  Filter

2 )  Wenn  man  dagegen  einen  Überschuß  von  Kupferlösung  vermeidet  also  genau
»ach  dem  Soxhletschen  Titrier-Verfahren  S.  227  verfährt,  so  wird  nach  E.  Meißls  Versuchen ­
  durch  die  Saccharose  keine  Fehlingsche  Lösung  verbraucht.
        <pb n="629" />
        608

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Reine  Invertzuokerlösungen


1  °/ 0  Invertzucker,
99  °/ 0  Saccharose

5  °/ 0  Invertzucker,
96  °/ 0  Saccharose

10  °/ 0  Invertzucker.
90  °/ 0  Saccharose

Kupfer
mg

InverL
zuoker
mg

Kupfer
mg

Invertzucker ­

mg

Kupfer
mg

Invertzucker ­

mg

Kupfer
mg

Invertzucker ­

mg

96,0

50

131,5

50

103,2

50

98,0

50

142,9

76

182,0

75

153,6

75

146,0

75

188,9

100

230,0

100

203,3

100

192,7

100

233,2

125

227,5

125

249,0

125

238,2

125

276,8

150

323,6

150

293,4

150

284,0

150

318,9

175

370,8

175

337,0

175

327,8

175

360,3

200

417,3

200

379,3

200

371,1

200

400,1

225

—

—

420,1

225

409,2

225

428,2

245

—

—

439.7

245

436,1

246

B.  Wein  hat  für  die  jedem  einzelnen  Gewicht  Kupfer  entsprechende  Menge  Invertzucker ­
  größere  Tabellen  berechnet,  auf  welche  verwiesen  sei. 1 )
Da  1  Teil  Invertzucker  (bei  17,5°)  die  optische  Wirkung  von  0,34  Teilen  Saccharose
aufhebt,  so  pflegt  man  den  gefundenen  Gehalt  an  Invertzucker  nach  Meißls  Vorschläge
auch  mit  0,34  zu  multiplizieren  und  diese  Zahl  zu  dem  Drehungswert  zu  addieren,  um
den  wahren  Gehalt  an  Saccharose  zu  finden.
Angenommen,  ein  Nachproduckt  habe  88,7°  Drehung  ergeben,  der  Invertzucker  sei
zu  0,59°/ 0  gefunden;  demnach  wären  durch  die  linksdrehende  Wirkung  des  letzteren
0,59  x  0,34  =  0,20  °/ 0  Saccharose  verdeckt,  also  der  wirkliche  Gehalt  an  Saccharose
=  88,7  +  0,2  =  88,9  °/ 0 .
Dieses  Verfahren  gilt  aber  nur  für  den  festen  Kolonialzucker  als  zulässig,  nicht  aber
für  die  Zuckerabläufe  aller  Art,  da  in  diesen  der  Invertzucker  häufig  inaktiv  ist.
Um  einen  Zuckerablauf  darauf  zu  untersuchen,  ob  er  weniger  als  2  °/ 0  Invertzucker
enthält,  verfährt  man  nach  der  zolltechnischen  Vorschrift  wie  folgt;
In  einer  vorher  tarierten  Porzellanschale  werden  genau  10  g  des  Zuckers  oder  des
vorher  durch  Erwärmen  dünnflüssig  gemachten  Ablaufs  abgewogen,  in  etwa  50  ccm  warmem
Wasser  gelöst,  in  der  Schale  oder  in  einem  Erlenmeyer-Kolben  von  200  ccm  Inhalt  —
bei  starker  Trübung  der  Zuokerlösung  nach  der  Filtration  —  mit  50  ccm  Fehlingscher
Lösung  (25  com  der  Kupferlösung  und  25  ccm  der  Seignettesalzlösung)  versetzt,  zum  Kochen
erhitzt  und  2  Minuten  im  Sieden  erhalten.  Nach  Absetzen  des  Niederschlages  hält  man
den  Kolben  gegen  das  Licht  und  beobachtet,  ob  die  Flüssigkeit  noch  blau  ist.  Erscheint
dieselbe  noch  blau,  so  sind  weniger  als  2  °/ 0  Invertzucker  vorhanden.
Ist  die  Flüssigkeit  nicht  mehr  blau,  so  löst  man  abermals  10  g  Zucker  oder  Zuckerablauf ­
  in  100  ccm  Wasser,-)  pipettiert  hiervon  2,  4,  6,  8  ccm  (also  0,2,  0,4,  0,6  und  0,8  g
Zucker  entsprechend)  in  ein  Reagensgläschen,  mischt  jede  Probe  mit  5  ccm  Fehlingscher
Lösung  und  erhitzt  dieselben  der  Reihe  nach  zum  Kochen.  Bleibt  die  Flüssigkeit  bei  Anwendung ­
  von  4  ccm  der  Zuckerlösung  noch  blau,  ist  sie  aber  bei  6  ccm  derselben  entfärbt,  so
darf  man  zur  quantitativen  Bestimmung  des  Invertzuckers  auf  50  ccm  Fehlingsche
Lösung  nur  4  g  des  Zuckers  oder  des  Zuckerablaufea  verwenden,  dagegen  6  g  desselben,
wenn  die  5  ccm  Fehlingsche  Lösung  durch  6  ccm  obiger  Zuckerlösung  noch  blau  erscheinen, ­
  durch  8  ccm  derselben  aber  entfärbt  werden.
3.  Bestimmung  der  Rafflnose.  In  ähnlicher  Weise  wie  der  Invertzucker  wird
auch  nach  E.  Creydt 8 )  die  Raffinose  (C 18 H g2 0 16  +  5H 2 0),  welche  sich  hei  der  *  2  3
Ü  E.  Wein,  Tabellen  zur  quantitativen  Bestimmung  der  Zuckerarten.  Stuttgart  1885.
2 )  Dieselben  werden,  wenn  nötig,  mit  etwas  Bleiessig,  aber  unter  Vermeidung  eines
größeren  Überschusses  geklärt.
3 )  Zeitschr.  d.  deutschen  Vereins  f.  Rübenzuckerindustrie  1888,  972.
        <pb n="630" />
        Dünnsaft,  Dicksaft,  Sirupe,  Melassen,  Füllmassen,  Rohzucker  usw.

609

Entzuckerung  von  Melasse  durch  Strontian  bildet  und  1,57-mal  so  stark  nach  rechts
dreht  als  Saccharose,  durch  Polarisation  vor  und  nach  der  Inversion  bestimmt.
A.  Herzfeld  und  Dammüller 1 )  haben  diesem  Verfahren  folgende  genaue
Form  gegeben;
Das  halbe  Normalgewicht  (nämlich  13,024  g  für  den  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat)
  von  raffinosehaltigen  Zuckerprodukten  wird  im  100  ccm-Kolben
in  75  ccm  Wasser  gelöst  und  mit  5  ccm  Salzsäure  (von  38,8  °/ 0  Gehalt  an  HCl)
7 1 / 2 —10  Minuten  auf  67—70°  erwärmt.  Nach  dem  Abkühlen,  Auffüllen  zur  Marke
und  Klären  mit  durch  Salzsäure  ausgewaschener  Knochen-  oder  Blutkohle  wird
die  Beobachtung  bei  20  0  ausgeführt.  Zur  Berechnung  des  Ergebnisses  dienen  folgende
2  Formeln:
„  .  0,5182  P  —  J  ,  /T&amp;gt;  P  —Z
Z  (Saccharose)  =  —Ö839Ö  un&amp;lt; ^  ^  (^ a ™ose)  =  Ysö2~’
in  welchen  P  =  direkte  Polarisation,
J  =  Polarisation  nach  der  Inversion  für  das  ganze  Normalgewicht  mit
Umkehrung  des  Vorzeichens  bedeutet. 2 )  Vergl.  auch  weiter  unten  unter  „Aintl.
Vorschriften“.
Hat  man  bei  einer  anderen  (t)  Temperatur  als  20°  polarisiert,  so  berechnet
sich  die  Größe  für  die  Temperatur  20°  nach  der  Formel:
J 20  =  J t  +  0,0038  S  (20  -  t),
worin  S  die  Drehungsverminderung  in  der  Clergetsehen  Formel  bedeutet.
Diese  Formeln,  sowie  Tabellen  und  Anweisungen  zur  Anwendung  sind  in  den  Ausführungsbestimmungen ­
  zum  Zuckersteuergesetz  vom  18.  Juni  1903  enthalten  (vergl.  weiter
unten).
B.  Tollens 3 )  hält  folgende  Formel:
_  0,5182  P  —  J
~  0,8448
für  richtiger.
Th.  Breyer 4 )  hat  vorstehendes  Verfahren  auch  für  andere  Temperaturen  als  20°
eingerichtet.
Wenn  in  den  auf  Raffinose  zu  untersuchenden  Erzeugnissen  2  °/ 0  Invertzucker  und
Ulehr  vorhanden  sind,  liefert  das  Verfahren  keine  genauen  Ergebnisse  mehr.  Um  auch  in
diesen  Fällen  die  Untersuchung  zu  ermöglichen,  bestimmt  J.  Wortmann 5 )  zuerst  den
Invertzucker  durch  Fehlingsche  Lösung,  setzt  die  von  diesem  herröhrende  Linksdrehung
in  die  Rechnungen  ein  und  berechnet  den  Gehalt  nach  umfangreichen  Formeln,  auf  welche
ich  nur  verweisen  kann.
*)  Zeitschr.  d.  deutschen  Vereins  f.  Rühenzuckerindustrie  1889,  722  u.  742:  desgl.
40,  265.
2 )  Da  die  Polarisation  nach  der  Inversion  stets  negativ  (—)  ist,  so  ist  der  Betrag
ner  Linksdrehung,  da  —  (—  J)  =  -j-  J  ist,  stets  zu  addieren  und  lautet  die  Formel  in  Wirklichkeit ­
  •  Z  =  x  P  -f-  J)
0,8390  “  '
Polarisiert  ein  Nachprodukt  z.  B.  vor  der  Inversion  =  -f-  94,5,  nach  der  Inversion
'  43,8°,  so  berechnet  sich  der  Gehalt  an  Saccharose  nach  der  Formel  zu  90,6  °/ 0 ,  da
„  (0,5182  x  94,5)  +  (2  x  13,8)  _  76,0218  _
Z  0,8390  0^390“  - 9U ’ 6  lst
3 )  Centralbl.  f.  Agrikultur-Chemie  1890,  19,  131.
9  Chem.-Ztg.  1889,  18,  559.
6 )  Zeitschr.  d.  Vereins  f.  Rühenzuckerindustrie  d.  Deutschen  Reiches  39,  767.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  39
        <pb n="631" />
        610

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

J.  W.  Gunning 1 )  behandelt  die  raffinosehaltigen  Zuckererzeugnisse  zuerst  mit
Methylalkohol,  worin  die  Raffinose  löslich  ist,  und  untersucht  die  raffinosereiohe  Lösung
nach  Entfernung  des  Methylalkohols  yor  und  nach  der  Inversion.
R.  Creydt *  2 )  schlägt  auch  vor,  die  Raffinose  durch  Überführung  in  Schleimsäure
mittels  Salpetersäure  zu  bestimmen,  hat  aber  bis  jetzt  noch  kein  bestimmtes  Verhältnis
zwischen  Raffinose  und  Schleimsäure  angegeben.
4.  Bestimmung  des  Wassers.  In  ein  flaches  Porzellanschälchen  bringt  man
20—25  g  ausgeglühten  Quarzsand,  sowie  ein  kleines  Glasstähchen  und  wägt  das
Ganze;  darauf  gibt  man  die  betreffenden  Zuckererzeugnisse  (bei  Füllmassen  und
Melassen  4—5  g,  hei  Dicksäften  8—10  g,  bei  Dünnsäften  usw.  entsprechend  mehr)
und  wägt  abermals;  die  Dünnsäfte  lassen  sich  gleich  mit  dem  Sande  mittels  des
Glasstähchens  vermischen;  hei  Melasse  usw.  stellt  man  das  Schälchen  15—30  Minuten
bezw.  so  lange  in  den  auf  100°  erwärmten  Trockenschrank,  bis  sich  die  Masse
verflüssigt  hat  und  breiartig  mit  dem  Sande  vermischen  läßt.  Dann  trocknet  man
im  Trockenschrank  4—6  Stunden  bei  105—110°,  wägt  nach  dem  Erkalten  und  wiederholt ­
  das  Trocknen  1 / 2 —1  Stunde,  bis  Beständigkeit  des  Gewichtes  eingetreten  ist.
Für  sehr  genaue  Bestimmungen  empfiehlt  sich  bei  derartigen  Säften  ein  Austroeknen
  bei  100°  im  Vakuum.
5.  Bestimmung  der  Asche.  Zur  Bestimmung  der  Asche  in  zuckerhaltigen
Flüssigkeiten  muß  man  eine  abgewogene  Menge  erst  eindunsten,  dann  verkohlen,
die  Kohle  mit  Wasser  ausziehen  und  schließlich  unter  Zuhilfenahme  von  Sauerstoff
verbrennen  (vergl.  S.  195).
Oder  man  verfährt  zur  Beschleunigung  auch  nach  Scheiblers  Vorschläge  in
der  Weise,  daß  man  die  zuckerhaltige  Flüssigkeit  (etwa  3  g  Trockensubstanz  entsprechend) ­
  in  eine  flache  Platinschale  gibt,  zur  Trockne  bringt,  dann  mit  reiner
konzentrierter  Schwefelsäure  vollständig  durchfeuchtet,  nach  einigen  Minuten  über
einer  möglichst  großen  Flamme  erhitzt  und  schließlich  im  Gasmuffelofen  völlig
weiß  brennt.
Da  der  mit  Schwefelsäure  vermischte  Zuckerrückstand  aufbläht  und  sogar
beim  Erhitzen  die  kohlige  Masse  über  die  Schalewandung  übersteigt,  so  empfiehlt
es  sich,  die  Schale  mit  einem  äußerst  sauberen  Dreifuß  auf  Glanzpapier  zu  stellen,
um  die  übergestiegenen  Kohlenteilchen  wieder  in  die  Schale  zurückfüllen  zu  können.
Von  der  bei  Anwendung  von  Schwefelsäure  erhaltenen  Asche  werden  10  °/ 0
abgezogen.  Zur  Bestimmung  der  einzelnen  Aschenbestandteile  verfährt  man  nach
S.  200.
6.  Bestimmung  der  Farbe.  Zur  Bestimmung  der  Farbe  der  verschiedenen
zuckerhaltigen  Fabrikationserzeugnisse  und  auch  zur  Bestimmung  der  Entfärbungskraft
der  Knochenkohle  dient  allgemein  das  Stammersche  Farbenmaß,  welches  nach
Stamm  ers  Beschreibung  (Fig.  268,  S.  611)  besteht:
1.  Aus  der  weiten  Saftröhre'I,  unten  durch  eine  Glasscheibe  geschlossen,  oben  offen
und  seitlich  mit  einer  Erweiterung  zum  Ein-  und  Ausgießen  der  Flüssigkeiten,  Die  Saftröhre ­
  ist  an  dem  Stativ  mittels  zweier  Schrauben  befestigt  und  kann  erforderlichenfalls
(behufs  Reinigung  usw.)  leicht  abgenommen  werden.
2.  Aus  der  Maßröhre  III,  unten  mit  einer  Glasscheibe  verschlossen  und  innerhalb
der  Saftröhre  1  beweglich.
3.  Aus  der  Farbenglasröhre  II,  mit  III  fest  verbunden,  unten  offen,  oben  mit  dem
Farbenglas  bedeckt;  sie  ist  mit  ihrem  unteren  Ende  mittels  zweier  Ringe  mit  Schrauben

*)  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1889,  28,  45.
2 )  Ebenda  1894,  33,  255.  Vergl.  hierzu  J.  Herzfeld  ebendort  S.  256  und  Zeitschr.
f.  Rübenzuokerindustrie  40,  265.
        <pb n="632" />
        Dünnsaft,  Dicksaft,  Sirupe,  Melassen,  Füllmassen,  Rohzucker  usw.  611

fest,  aber  leicht  lösbar  mit  der  Gleitplatte  verbunden,  welche  gemeinschaftlich  mit  anderen
Führungen  die  senkrechte  Verschiebung  der  verbundenen  Röhren  II  und  III  sichern.  Der
Grad  dieser  Verschiebung  wird  an  der  Rückseite  des  Stativs  mittels  Indikators  an  einer
Millimeterskala  abgolesen,  deren  Bruchteile  noch  geschätzt  werden  können.

Das  Farhenglas  besteht  aus
zwei  verbundenen  Glasscheiben;
die  so  hervorgebrachte  Färbung  ist
als  Normalfarbe  mit  100  bezeichnet.
Außerdem  sind  dem  Instrumente
zwei  einfache  Farbengläser  beigegehen, ­
  die  an  Stelle  des  Normalglases ­
  benutzt  werden  können;
man  erhält  so  die  halbe,  anderthalbfache ­
  oder  doppelte  Normalfarhe
zur  Benutzung  bei  sehr  hellen  oder
sehr  dunklen  Flüssigkeiten.  Außerdem ­
  befindet  sich  an  dem  Instrumente ­
  ein  matter,  weißer
Spiegel,  der  das  gleichmäßig  zerstreute ­
  Licht  in  passendem  Winkel
Von  unten  in  die  Böhren  wirft,
und  über  den  Röhren  eine  Augenkapsel ­
  V.  Letztere  enthält  eine
optische  Vorrichtung,  infolge  derer
die  beiden  gleich  oder  ungleich
gefärbten  Sehfelder  als  unmittelbar
uneinanderstehende  Halbkreise  (wie
heim  Polarisationsinstrumente)  erscheinen ­
  ;  die  Einstellung  wird
dadurch  wesentlich  erleichtert  und
genauer  gemacht.  Bei  der  einfacheren ­
  Form  des  Instrumentes
ist  nur  eine  Kapsel  ohne  optischen
Apparat  vorhanden;  die  zu  vergleichenden ­
  Farben  stellen  sich
dann  als  zwei  nebeneinander
liegende  Kreise  dar.
Man  stellt  das  Instrument
80  gegen  das  Licht  und  gibt  dem
Spiegel  eine  solche  Neigung,  daß
beim  Hineinsehen  durch  die  Augenkapsel
  und  nach  Entfernung  des
Parbenglases  die  Sehfelder  beider
Böhren  hell  erscheinen.  Nun  legt
Ulan  das  Farbenglas  mit  seiner
Passung  auf  die  Röhre  II  und  füllt  Fig-  268.  Stammers  Farbenmaß.
die  Flüssigkeit,  deren  Farbe  gemessen
  werden  soll  und  die  vollkommen  klar  (also  hei  wahrnehmbarer  Trübung  durch  doppeltes
Pütrierpapier  filtriert)  sein  muß.  in  die  Saftröhre  I,  welche  ebenso  wie  die  Maßröhe  III  mit  ihrer
Glasscheibe  und  Schraubenkapsel  vollkommen  dicht  verschlossen  wird.  (Die  Verschlußschraube ­
  bestreicht  man  zweckmäßig  mit  etwas  Talg.  Nun  verschiebt  man  die  verbundenen
Maß-  und  Farbenröhren  II  und  III  so  weit,  bis  die  Farbe  der  zwischen  den  beiden  Deckgläschen ­
  der  beiden  Röhren  I  und  II  befindlichen  Flüssigkeitsschicht  derjenigen  des
Parbengläschens  entspricht,  indem  beide  von  oben  bei  dem  Lichte  betrachtet  werden,
welches  von  dem  Spiegel  aufwärts  durch  die  Röhre  reflektiert  wird.  Der  Nullpunkt  der
        <pb n="633" />
        612

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Skala  entspricht  der  unmittelbaren  Berührung  der  Deckgläschen  der  Saft-  und  der  Maßröhre;
eine  solche  kann  aber  infolge  des  Vorhandenseins  einer  Verschlußkapsel  bei  III  nicht
stattflnden,  aus  diesem  Grunde  läßt  sich  das  Maßrohr  nicht  gänzlich  bis  zum  Nullpunkt
der  Skala  herabsohiebeu.  Auch  ist  bei  Verschluß  der  Röhren  ein  etwa  einzulegender
Gummiring  nur  zwischen  Glas  und  Kapsel,  nicht  zwischen  Glas  und  Rohr  einzulegen  oder
so  dünn  zu  nehmen,  daß  seine  Dicke  vernachlässigt  werden  kann.
Der  Stand  der  Maßröhre  oder  die  Höhe  der  Flüssigkeitsschicht  wird  dann  an  der
Skala  der  Rückseite  des  Instrumentes  abgelesen.  Man  tut  wohl,  einigemal  einzustellen
und  aus  den  Beobachtungen  das  Mittel  zu  nehmen.
Da  die  Farbe  der  Flüssigkeit  im  umgekehrten  Verhältnis  zu  der  Dicke  der  Schicht
steht,  welche  erforderlich  ist,  um  eine  bestimmte  Farbe  hervorzubringen,  und  diese  letztere
hier  durch  100  ausgedrückt  wird,  so  erhält  man  die  Farbe  der  Flüssigkeit,  indem  man  die
abgelesene  Millimeterzahl  in  100  dividiert.  Um  diese  Rechnung  entbehrlich  zu  machen,  hat
Stammer  nachstehend«  Tabelle  berechnet,  welche  die  den  Ablesungen  entsprechenden
Farbenzahlen  direokt  angibt:

mm

Farbe

mm

Farbe

mm

Farbe

mm

Farbe

mm

Farbe

mm

Farbe

mm

Farbe

mm

Farbe

i

100,00

15

6,67

29

3,54

43

2,33

57

1,75

71

1,41

85

1,18

98

1,02

2

50,00

16

6,25

30

3,33

44

2,27

58

1,72

72

1,39

86

1,16

99

1,01

3

33,33

17

5,88

31

3.23

45

2,22

59

1,69

73

1,37

87

1,15

100

1,00

4

25,00

18

0.00

32

3,13

46

2,17

60

1,67

74

1,35

88

1,14

110

0,90

5

20,00

19

5,26

33

3,03

47

2,13

61

1,64

75

1,33

89

1,12

120

0,83

6

16,67

20

5,00

34

2,94

48

2,08

62

1,61

76

1,32

90

1,11

130

0,77

7

14.29

21

4,76

35

2,86

49

2,04

63

1,59

77

1,30

91

1,10

140

0.71

8

12,50

22

4,55

36

2,78

50

2,00

64

1,56

78

1,28

92

1,09

150

0,67

9

11,11

23

4,36

37

2,70

51

1,96

65

1,54

79

1,27

93

1,08

160

0,63

10

10,00

24

4,17

38

2,63

52

1,92

66

1,52

80

1,25

94

1,06

170

0,59

11

9,09

25

4,00

39

2,56

53

1,89

67

1,49

81

1,24

95

1,05

180

0,56

12

8,33

26

3,85

40

2,50

54

1,85

68

1,47

82

1,22

96

1,04

190

0,53

13

7,69

27

3,70

41

2,44

55

1,82

69

1,45

83

1,20

97

1,03

200

0,60

14

7,14

28

3,67

42

2,38

66

1,79

70

1,43

84

1,19

Die  Reinigung  des  Instrumentes  ist  leicht  zu  bewerkstelligen.  Sollen  mehrere  Beobachtungen ­
  nacheinander  ausgeführt  werden,  so  genügt  nach  dem  Ausgießen  der  untersuchten ­
  Lösung  das  Ausspülen  der  Röhre  mit  der  neu  zu  beobachtenden  Flüssigkeit.  Im
anderen  Falle  löst  man  die  Schraube  der  Ringe,  welche  die  Farbenröhre  mit  der  Schiebevorrichtung ­
  verbinden,  nimmt  die  Röhren  II  und  III  heraus  und  reinigt  die  Saft-  und
Maßröhre  in  gewöhnlicher  Weise.
Zur  Ausführung  der  Untersuchung  löst  man  von  einem  Zucker  (bezw.  von
einem  zuckerhaltigen  Saft),  dessen  Gehalt  an  reinem  Zucker  durch  Polarisation  bestimmt ­
  ist,  etwa  20  g  oder  mehr  zu  100  ccm  Flüssigkeit  und  ermittelt  auf  die  beschriebene ­
  Weise  deren  Farbe;  die  berechnete  oder  in  der  Tabelle  gefundene  Zahl
bezieht  man  auf  100  Gewichtsteile  reinen  Zuckers.  Angenommen,  20  g  Rohzucker
von  90,5  °/ 0 ,  zu  100  ccm  aufgelöst,  haben  16,0  mm  Höhe  bedurft,  um  Farhengleichheit
  im  Apparat  zu  bewirken,  so  ist  die  Farbe  =  =  6,25.
Da  die  angewendeten  20  g  Rohzucker  nach  der  Gleichung:
100  ;  90,5  =  20,0  :x(=  18,1  g)
18,1  g  reinen  Zucker  enthalten,  so  beträgt  die  Farhenzahl  auf  100  Gewichtsteile
reinen  Zucker  bezogen:
18,1  ;  6,25  =  100  :  x
x  =  34,5,
welche  Zahl  die  Farbe  des  untersuchten  Rohzuckers  für  100  Teile  darin  enthaltenen
reinen  Zuckers  ausdrückt.
        <pb n="634" />
        Melassekalk,  Kalksacobarat  und  Strontiansaccharat.

613

7.  Bestimmung’  der  Reinheit  hezw.  des  Rendements  oder  der  Ausbeute.
Wenn  man  Wasser,  Zucker  und  Asche  in  den  zuckerhaltigen  Fabrikationserzeugnissen
addiert  und  die  Summe  von  100  ahzieht,  erhält  man  aus  der  Differenz  die
„organischen  Nichtzuckerstoffe“.
Die  Reinheit  oder  der  Quotient  wird  gefunden,  indem  man  den  Zuckergehalt ­
  auf  100  Teile  wirkliche  Trockensubstanz  bezieht  (vergl.  S.  603).
Unter  Ausbeute,  Rendement  oder  Raffinationswert  (bei  Rohzucker)
versteht  man  die  Zahl,  welche  angibt,  wieviel  an  kristallisiertem  Zucker  bei  dem
Raffinationsprozeß  aus  einem  Rohzucker  zu  gewinnen  bezw.  „auszubringen“  ist.
Hierbei  nimmt  man  an,  daß  durch  1  Gewichtsteil  der  in  dem  Rohzucker  enthaltenen ­
  löslichen  Salze  (also  ausschl.  Sand  usw.)  5  Gewichtsteile  Saccharose  am
Kristallisieren  verhindert  und  der  Melasse  zugeführt  werden.
Man  löst  zur  Bestimmung  der  löslichen  Salze  20—30  g  Rohzucker  in  Wasser,
filtriert,  bringt  das  Filtrat  auf  etwa  200  ccm,  verdampft  die  Hälfte  desselben  in
einer  flachen  Platinschale  zur  Trockne  und  verascht,  wie  unter  5,  S.  610  beschrieben ­
  ist.
Angenommen,  ein  Rohzucker  enthält  95  °/ 0  Zucker  und  1,26  °/ 0  lösliche  Salze,
so  verhindern  letztere  1,26  x5  =  6,30°/ 0  Zucker  am  Kristallisieren,  also  beträgt
das  „Rendement“  des  betreffenden  Zuckers  95,0  —  6,30  =  88,7.
Auch  der  Invertzucker  gilt  als  melassebildend,  d.  h.  er  vermindert  die  Ausbeute; ­
  man  pflegt  daher  im  Ausfuhrhandel  den  gefundenen  Gehalt  an  Invertzucker
mit  5  zu  multiplizieren  und  von  dem  Polarisationsbetrage  abzuziehen.
Dieses  ist  aber  nicht  genau;  Stammen  schlägt  daher  vor,  Wasser  und  Zucker
von  100  abzuziehen  und  den  „Nichtzucker“  (aus  der  Differenz)  mit  dem  Melassenverhältnis ­
  zu  multiplizieren,  wie  es  die  Untersuchungen  der  Melassen  in  der  betreffenden ­
  Fabrik  ergeben  haben.  Ist  z.  B.  das  Melassenverhältnis  der  betreffenden
Fabrik  zu  1,6  gefunden  und  hat  ein  Rohzucker  2,0  °/ 0  Wasser,  95,0  °/ 0  Zucker  und
demgemäß  3  °/ 0  Nichtzucker  ergeben,  so  ist  die  theoretische  Ausbeute  =  95  —  (1,6
^  3,0)  =  90,2  °/ 0 .  Vermehrt  man  das  Melassenverhältnis  um  1,  also  zu  2,6,  so  erhält ­
  man  annähernd  die  wirkliche  Ausbeute,  nämlich  95  —  (2,6  x  3,0)  =  87,2  °/ 0 .
C,  Schoibler  hat  statt  dieser  mehr  oder  weniger  willkürlichen  Verfahren
ein  analytisches  Verfahren  vorgeschlagen,  wonach  die  Ausbeutezahl  mit  Genauigkeit ­
  direkt  gefunden  werden  soll.  Ich  verweise  dieserhalb  auf  Frühling  und
^ühulzs  „Anleitung  usw.“

IV.  Melassekalk,  Kalksaccharat  und  Strontiansaccharat.

Unter  Melassekalk  versteht  man  das  ungereinigte  Rohsaccharat,  unter  Kalksaccharat ­
  und  Strontiansaccharat  die  gereinigten  Erzeugnisse.  Die  Untersuchungsw
 eise  derselben  ist  die  gleiche.

,  roTvichtes  Wo  eine  Bestimmung  des  spezi-1.
  Bestimmung  des  spezifischen  G  jt  dem  Pyknometer  ausgeführt  (S.  449).
fischen  Gewichtes  notwendig  ist,  wird Zuckerkalkmilch  bezw.  Strontian-2.
  Bestimmung  des  Zuckers,  i  f  7„ P kerkalkl  werden  unter  Zerreiben
saccharat  (oder  auch  das  halbe  Normalgewi  .  Essigsäure  versetzt,  der
mit  etwas  Wasser  ..rdnnnt,  Ws  «r  saure«
geringe  Uberschuß  an  Säure  durch  einige  ^n  mer^  " era ul  in  ein  100  ccmabgestumpft,
  bis  eine  bleibende  Trübung  ents  •  ■  filtriert  und  polarisiert.
Kölbchen,  klärt  mit  Bleiessig,  füllt  bis  zur  Marke  ■auf  .für  welche
Falls  das  Filtrat  noch  gelblich  gefärbt  ist,  fügt  man  Knochenkohle  hinzu,
die  festzustellende  Korrektion  anzubringen  ist  (verg  .
        <pb n="635" />
        614

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Stamm  er  setzt  zu  der  Zuckerkalkmilch  Phenolphthalein  als  Indikator  und
neutralisiert  ganz  genau  mit  Essigsäure;  die  neutralen  Lösungen  sind  für  die  Halbschattenapparate ­
  meistens  direkt  verwendbar,  für  die  anderen  Apparate  wird  Bleiessig ­
  in  geringer  Menge  zugefügt.
8.  Bestimmung  des  Kalkes  und  Strontians.  2—10  g  Saccharat  werden  unter
Zerreiben  mit  heißem  Wasser  (etwa  150  ccm)  versetzt  und  unter  Anwendung  von
Rosolsäure  oder  Phenolphthalein  als  Indikator  mit  Normal-Salpetersäure  oder  Normal-Salzsäure
  bis  zur  neutralen  Reaktion  titriert;  1  ccm  Normalsäure  entspricht  0,028  g
Kalk  oder  0,05175  g  Strontian.
Bei  Strontiansaccharat  pflegt  man  indes  die  Berechnung  auf  das  kristallisierte ­
  Strontiumhydroxyd  (Sr(OH) 2  +  8H 2 0)  zu  beziehen,  von  welchem  0,13275
=  1  ccm  Normalsäure  entsprechen;  man  pflegt  aus  dem  Grunde  wohl  750  ccm
Normalsäure  auf  1000  ccm  zu  verdünnen,  von  welcher  verdünnten  Säure  1  ccm
=  0,09934  g  oder  rund  0,1  g  kristallisiertes  Strontiumhydroxyd  entspricht.
4.  Bestimmung  der  Reinheit.  Unter  Reinheit  des  Zucker-  bezw.  Strontiankalkes
  ist  der  Zuckergehalt  auf  100  Teile  der  nach  Abscheidung  des  Kalkes  verbleibenden ­
  Trockensubstanz  zu  verstehen.
Zur  Ermittelung  der  Reinheit  muß  zunächst  der  Kalk  abgeschieden  werden.
Stammer  empfiehlt  für  den  Zweck  Zusatz  von  verdünnter  reiner  Phosphorsäurelösung ­
  unter  gewissen  Vorsichtsmaßregeln  bis  zur  neutralen  Reaktion  —  erkennbar
daran,  daß  die  frühere  gelbe  Farbe  in  eine  schmutzig-graue  übergeht  —,  Filtration
der  Flüssigkeit  durch  ein  Faltenfilter,  Polarisation  und  Wasserbestimmung  im  Filtrat.
Meistens  aber  wird  der  Kalk  durch  Einleiten  von  Kohlensäure  in  einen  Kolben,
in  welchem  sich  das  Saccharat  (etwa  200—300  g)  befindet,  und  durch  längeres
Erhitzen  der  mit  Kohlensäure  gesättigten  Flüssigkeit  im  Wasserbade  abgeschieden;
das  Filtrat  vom  abgeschiedenen  Calciumkarbonat  (dem  saturierten  Saft)  untersucht
man  dann  in  der  vorstehend  beschriebenen  Weise  auf  seinen  Gehalt  an  Wasser,  Zucker
und  Asche;  die  Differenz  der  Summe  dieser  von  100  wird  als  „organischer  Nichtzucker“ ­
  bezeichnet.
Bei  der  Asche  des  Filtrats  unterscheidet  man  zwischen  Kalkasche  und  Alkaliasche. ­
  Nachdem  man  einen  Teil  des  Filtrats  eingetrocknet  hat,  verbrennt  man  bei
dunkler  Rotglut,  zieht  die  Kohle  mit  Wasser  aus,  verbrennt  die  Kohle  nach  dem
Trocknen  vollständig,  zieht  den  Rückstand  nochmals  mit  Wasser  aus,  trocknet  denselben, ­
  glüht  und  bringt  ihn  als  Kalkasche  in  Rechnung.  Die  beiden  wässerigen
Filtrate  werden  gereinigt,  in  einer  Platinschale  auf  einem  Wasserbade  zur  Trockne
verdampft,  schwach  geglüht  und  als  „Alkalisalze“  gewogen.
Die  Zusammenstellung  der  für  den  saturierten  Saft  gefundenen  Ergebnisse  ist
etwa  folgende:

—

lu  100  Tellen  Saft  In  100  Teilen  Trockensubstanz  Auf  100  Teile  Zucker

°/o

°/o

kommen  °/ 0

Wasser  ....

.  .  73,20

—

Zucker  ....

.  .  22,80

85,10  (Reinheitsquotient)

—

Alkaliasche  .  .  .

.  .  1,11

4,14

4,87

Kalkasche  .  .  .

.  .  0,52

1,94

2,28

Organ.  Nichtzucker

.  .  2,37

8,82

10,39

V.  Scheideschlamm,

Prelsschlamm.

Diese  enthalten  stets  noch  mehr  oder  weniger  Zucker,  sowohl  frei  in  Lösung,
als  auch  in  Verbindung  mit  Kalk.
        <pb n="636" />
        Soheideschlamm,  Preßsohlamm,  Ausgelaugte  Schnitzel,  Preßlinge  usw.  ß!5

Für  den  Fabrikbetrieb  wird  meistens  von  einer  guten  Mittelprobe  das  Normalgewicht ­
  (also  26,048  g  für  den  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat,  S.  598)  abgewogen, ­
  mit  Wasser  angertihrt,  in  ein  100  ccm-Kölbchen  gespült,  so  lange  mit
konzentrierter  Essigsäure  versetzt,  bis  das  Schäumen  unter  Kohlensäureentwickelung
beginnt  und  aller  vorhandener  Zuckerkalk  zersetzt  ist,  dann  mit  Bleiessig  geklärt,
auf  100  ccm  aufgefüllt  und  das  Filtrat  im  200  mm-Rohr  polarisiert.
Oder  man  bestimmt  in  einer  Probe  des  Schlammes  nach  Scheibler  das  Wasser,
in  einer  anderen  Probe  zersetzt  man  den  Zuckerkalk  durch  trocknes  Kohlensäuregas, ­
  indem  man  etwa  50  g  Schlamm  in  einen  geräumigen,  etwa  1  1-Kolben
füllt,  dazu  eine  durch  Wägung  ermittelte  bestimmte  Wassermenge  setzt,  in  den
Kolben  über  die  Flüssigkeit  unter  fortwährendem  Umschütteln  trockne  Kohlensäure
leitet,  bis  aller  Zuckerkalk  zerlegt  ist.  Man  filtriert  alsdann  durch  ein  trocknes
Filter,  setzt  zum  Filtrat  1 / 10  Volumen  Bleiessig  (also  zu  50  ccm  =  5  ccm,  zu  100  ccm
=  10  ccm  Bleiessig)  und  polarisiert.  Enthält  der  Schlamm  z.  B.  45,0  °/ 0  Wasser
(also  50  g  =  22,5  g  Wasser)  und  sind  232,2  g  Wasser  zur  Verdünnung  zugesetzt,
also  im  ganzen  254,7  g  Wasser  vorhanden,  hat  ferner  die  Polarisation  2,8°  im  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat,
  also  unter  Berücksichtigung  des  Bleiessigzusatzes
2,8  -)-  0,28  =  3,08°  ergeben,  so  enthalten  100  ccm  der  Lösung  3,08  x  0,26048
=  0,8022  g  Zucker,  also  die  254,7  ccm  Flüssigkeit  =  ’ 254 &amp;gt; 7  x^),8022  =  2,04  g  Zucker,
oder  da  50  g  Schlamm  angewendet  sind,  2,04x2  =  4,08°/ 0  Zucker  in  100  g
Schlamm.
Weniger  genau,  aber  schneller  ist  folgendes  Verfahren:
Man  wägt  60  g  gut  gemischten  Schlamm  ab,  fügt  15—16  g  salpetersaures
Ammon  hinzu,  spült  beides  verlustlos  in  eine  Eeibschale  mit  Ausguß,  verrührt
zu  einem  gleichmäßigen  Brei,  spült  letzteren  in  einen  200  ccm-Kolben,  setzt  10  bis
15  ccm  Bleiessig,  einige  Tropfen  Äther  zur  Entfernung  des  Schaumes  hinzu,  füllt
Ws  zur  Marke  auf  und  polarisiert  das  Filtrat  wie  üblich  im  200  mm-Rohr.  Der
Zuckerkalk  setzt  sich  mit  dem  salpetersauren  Ammon  zu  salpetersaurem  Calcium,
Zucker  und  Ammoniak  um,  während  das  kohlensaure  Calcium  als  Bodensatz  unverändert ­
  bleibt.

VI.  Ausgelaugte  Schnitzel,  Prefslinge  usw.

Die  ausgelaugten  Schnitzel,  Preßlinge  usw.  können  im  allgemeinen  wie  die
ursprünglichen  Schnitzel  bezw.  Rübenbrei  untersucht  werden,  nur  werden  bei  den
geringen  Mengen  vorhandenen  Zuckers  entsprechend  größere  Mengen  für  den  Alkohol-Auszug
  angewendet.

Stammer  verfährt  in  folgender  einfachen  W f  f :  ^“^ÜUrieft  uni
geschliffenen  Breies  wird  mit  wenig  Bleiessig  ve ^f^'^^risiert  Durch
das  Filtrat,  welches  hinreichend  klar  ist,  im  -  n  Ventzke-Scheibler-Multiplikation
  der  Polarisationsgrade  mit  0,13  (nn  &amp;gt;.o  ei  -  „..rinne  Volumen
Apparat)  erhält  man  die  Zuckerprozente  des  Schnitzelsaftes.
des  zugesetzten  Bleiessigs  kann  meistens  vernachlässig  wer  en,
man  die  abgelesene  Gradzahl  um  1 /i 0  usw.

Um  die  Zuckerprozento  des  Schnitze  ^  während  die  Verzuführen,
  multipliziert  man  die  Prozentzah  1  Verhältnisses  von  ausgelaugten
lustberechnung  auf  Rüben  eine  Berücksichtigung  der  Schnitzel  verlangt.
Schnitzeln  zu  Rüben  und  des  Saft-  und  Wassergehaltes  der  Schnitze
        <pb n="637" />
        616

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Beides  kann  in  jeder  Fabrik  leicht  festgestellt  werden.  Meistens  ist  der  Gehalt  des
Schnitzelsaftes  mit  0,75  zu  multiplizieren,  um  den  Verlust  auf  Rüben  zu  finden.
Bezüglich  der  Untersuchung  der  ausgelaugten  Schnitzel  auf  Futterwert
vergl.  S.  256.
VII.  Schlempekohle  und  Abfalllauge  (als  Düngemittel  usw.).
a)  Schlempekohle.
Die  bei  der  Verarbeitung  von  Melasse  verbleibende  Schlempe  liefert  die  sog.
Sohlempekohle,  indem  die  Schlempe  eingetrocknet  und  der  krümelige  Rückstand  bis
zur  völligen  Verkohlung  erhitzt  wird.
Die  Schlempekohle  zieht  rasch  Wasser  an,  worauf  bei  der  Probenahme  und
Aufbewahrung  Rücksicht  zu  nehmen  ist.  Dieselbe  dient  zur  Darstellung  von
Kaliumsalzen;  ihr  Handelswert  ist  daher  vorwiegend  durch  den  Gehalt  an  Kali
bezw.  an  kohlensaurem  Kalium  bedingt.
Da  die  Schlempekohle  neben  dem  kohlensauren  Kalium  noch  kohlensaures
Natrium  enthält,  so  kann  man  den  Gehalt  an  ersterem  nicht  aus  dem  Gehalt  an
Kohlensäure  berechnen,  ebensowenig  aus  dem  Gehalt  an  Kalium  allein,  weil  dieses
auch  ferner  an  Chlor,  Schwefelsäure  usw.  gebunden  ist.  Es  muß  daher  für  die  meisten
Zwecke  eine  vollständige  Untersuchung  der  Schlempekohle  ausgeführt  werden,
1.  Wasser.  10  g  werden  bei  105—110°  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  getrocknet. ­

2.  Kohlensäure  (vergl.  unter  Mergel,  S.  102).
3.  Die  in  Wasser  unlöslichen  Stoffe.  20  g  werden  mit  etwa  200  ccm
Wasser  Ubergossen,  einige  Zeit  auf  dem  Wasserbade  erwärmt,  durch  ein  vorher
getrocknetes  und  gewogenes  Filter  in  einen  Liter-Kolben  filtriert  und  der  kohlige,
auf  das  Filter  gebrachte  Rückstand  hinreichend  mit  heißem  Wasser  ausgewaschen.
Der  Filterinhalt  wird  bei  105—110°  getrocknet  und  als  unlöslicher  Rückstand
gewogen.
4.  Untersuchung  der  wässerigen  Lösung.  Das  Filtrat  wird  nach  dem
Abkühlen  auf  1000  ccm  aufgefüllt  und  dient  zur  Bestimmung:
a)  des  Chlors:
50  ccm  werden  entweder  genau  mit  chlorfreier  Salpetersäure  neutralisiert  und
mit  1 / 10  N-Silberlösung  titriert,  oder  mit  Salpetersäure  im  Uberschuß  versetzt,
dann  kochend  mit  Silberlösung  gefällt  und  das  Chlorsilber  gewogen;
b)  der  Schwefelsäure:
200  ccm  des  Filtrats  werden  nach  dem  Ansäuern  mit  Salzsäure  in  üblicher
Weise  mit  Chlorbaryum  gefällt;
.  c)  der  Phosphorsäure:
300  ccm  des  Filtrats  dienen  nach  Übersättigung  mit  Salpetersäure  zur  Fällung
der  Phosphorsäure  mit  molybdänsaurem  Ammon  (vergl.  S.  150);
d)  des  Kalis  und  Natrons:
50  ccm  des  Filtrats  werden  mit  Salzsäure  übersättigt,  mit  etwas  Eisenchlorid
und  dann  kochend  mit  Chlorbaryum  versetzt;  das  Filtrat  dient  zur  Bestimmung
von  Kali  und  Natron 1 )  nach  S.  29  bezw.  157.
Bei  der  Umrechnung  auf  Salze  werden  Chlor,  Schwefelsäure  und  Phosphorsäure ­
  als  an  Kalium  gebunden  angenommen  und  der  Rest  auf  kohlensaures  Kalium
umgerechnet;  z.  B.:
J )  Man  kann  auch  von  der  Bestimmung  der  Gesamtalkalien  bezw.  des  Natrons  absehen
  und  letzteres  aus  dem  Rest  ungebunden  bleibender  Kohlensäure  berechnen.
        <pb n="638" />
        Sohlempekolile,  Abfalllauge,  Hilfsstoffe.  617

Gehalt  der  Schlempekohle:  Daraus  berechnet  sich:
Wasser  3,66  °/ 0  Wasser  3,66  °/ 0 .
Kohlensäure  18,44  „  Ohlorkalium  19,48  „
Chlor  9,26  „  Kaliumsulfat  6,04  „
Schwefelsäure  ......  2,31  „  Kaliumphosphat  0,35  ,,
Phosphorsäure  0,12  „  Kaliumkarhonat  38,49  „
Kali  41,53  „  Natriumkarbonat  14,95  „
Natron  8,74  „
Unlöslicher  Küokstand  .  .  .  17,93  „  Unlöslicher  Kückstand  .  .  .  17,93  „

b)  Abfalllauge.
Die  Untersuchung  der  Ahfalllauge  auf  Düngewert  beschränkt  sich  meistens
auf  die  Bestimmung  des  Stickstoffs  und  Kalis.
1.  Stickstoff.  25  ccm  der  Lauge  werden  unter  Zusatz  von  etwas  gebranntem
Gips  in  Hoffmeister  sehen  Glasschälchen  zur  Trockne  verdampft,  samt  Glasschälchen ­
  verrieben  und  unter  Anwendung  von  10  ccm  Phenolschwefelsäure  und
10  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  nach  Kj  eldahl  verbrannt  (S.  138).  Oder  es  kann
letzteres  Gemisch  direkt  zu  der  Lauge  gesetzt  und  wie  hei  Milch  S.  470  verfahren  werden.
2.  Kali.  50  ccm  Lauge  werden  in  einer  Platinschale  eingetrocknet,  verascht,
die  Asche  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,  in  einen  250  ccm-Kolben
filtriert  und  in  50  ccm  des  bis  zur  Marke  aufgefüllten,  durchgemischten  Filtrats
das  Kali  bestimmt,  indem  man  das  Filtrat  erst  kochend  mit  Chlorbaryum  versetzt
und  wie  bei  Kalisalzen  nach  S.  29  weiter  behandelt.
VIII.  Hilfsstoffe,
a)  Knochenkohle.
1.  Wasser.  15—20  g  Knochenkohle  werden  in  einem  Trockenkölbchen  mit
gut  schließendem,  eingeschliffenem  Glasstöpsel  abgewogen,  nach  Öffnen  des  Stöpsels
3—4  Stunden  im  Trockenschranke  bei  140—150°  erwärmt  und  nach  vorsichtigem
»Schließen  und  Erkalten  gewogen.  Man  trocknet  abermals  x / 2 —1  Stunde,  bis  das
Gewicht  gleichbleibend  ist.
2.  Schwefelsäure  und  Schwefel.  Etwa  20  g  Knochenkohle  werden  in
einem  Becherglase  mit  Wasser  durchfeuchtet  und  unter  Bedecken  mit  einem  Uhrglase ­
  mit  100  ccm  reiner  Salzsäure  versetzt;  nachdem  die  Kohlensäure-Entwickelung ­
  vorüber  ist,  wird  10—15  Minuten  gekocht,  der  Gesamtinhalt  in  ein
250  ccm-Kölbchen  gespült,  nach  dem  Erkalten  bis  zur  Marke  aufgefüllt,  gemischt,
durch  ein  trocknes  Filter  filtriert  und  in  einem  aliquoten  Teil  des  Filtrats  (100
oder  200  ccm)  die  Schwefelsäure  durch  Fällen  mit  Chlorbaryum  bestimmt;  das
gefällte  schwefelsaure  Baryum  muß  nach  dem  Filtrieren  ein  oder  mehrere  Male  mit
s alzsäurehaltigem  Wasser  ausgekocht  werden.
Zur  Bestimmung  des  Schwefels  werden  20  g  Knochenkohle  mit  Wasser
'  urchfeuchtet,  mit  50  ccm  rauchender  (schwefelsäurefreier)  Salpetersäure  übergossen,
/2  Stunde  im  Wasserbade  erwärmt,  darauf  mit  50  ccm  Salzsäure  versetzt,  aufgekocht,
  in  ein  250  ccm-Kölbchen  gespült  und  weiter  wie  vorhin  verfahren.
Von  der  Gesamtmenge  Schwefelsäure  wird  die  zuerst  gefundene,  fertig  geendete ­
  abgezogen  und  aus  dem  Best  durch  Multiplikation  mit  0,4  der  Gehalt  an
Schwefel  berechnet.
Schwefelsäure  wie  Schwefel  werden  als  an  Calcium  gebunden  aufgeführt.
3.  Kohlenstoff,  Sand  und  Ton.  10  g  der  fein  geriebenen  Knochenkohle
Werden  in  einer  tiefen  Porzellansohale  unter  Bedecken  mit  einem  Uhrglase  mit
        <pb n="639" />
        618

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

etwas  Wasser  und  50  ccm  Salzsäure  versetzt,  10  Minuten  gekocht,  der  Rückstand ­
  auf  einem  vorher  getrockneten  und  gewogenen  Filter  gesammelt,  mit  heißem
Wasser  his  zum  Verschwinden  der  sauren  Reaktion  ausgewaschen,  darauf  bis
zur  Beständigkeit  des  Gewichtes  hei  120°  getrocknet  und  gewogen.  Nach  dem
Wägen  gibt  man  das  Filter  nebst  Inhalt  verlustlos  in  einen  vorher  gewogenen
Platintiegel  und  erhitzt  letzteren  so  lange,  bis  aller  Kohlenstoff  verbrannt  ist.  Die
Gewichtszunahme  minus  Filterasche  gibt  Ton  +  Sand  und  diese,  vom  ersten  Gesamtrückstande
  abgezogen,  die  Menge  Kohlenstoff.
Anmerkung.  Eine  gut  gebrannte  oder  wieder  belebte  Knochenkohle  darf  verdünnte
Natron-  oder  Kalilauge  beim  Kochen  nicht  braun  färben.
4.  Entfärbungskraft.  Die  Entfärbungskraft  der  Knochenkohle  wird  im  kleinen
mit  Hilfe  des  Stammerschen  Farbenmaßes  (S.  610)  wie  folgt  bestimmt:
Man  stellt  zunächst  den  Zuckergehalt  der  Durchschnittsmuster  des  unfiltrierten
und  des  durch  Knochenkohle  filtrierten  Saftes  mittels  Polarisation  fest,  bestimmt
die  Farbe  beider  Säfte,  auf  100  Teile  Zucker  bezogen,  und  findet  aus  der  Differenz
dieser  beiden  Zahlen  die  durch  die  Kohle  entfernte  Farhenmenge.  Es  wird  dieselbe
in  Prozenten  der  ursprünglichen  Farbe  angegeben.
Man  kann  auch  mit  Umgehung  der  Zuckerbestimmung  die  erhaltenen  Farbenzahlen ­
  direkt  miteinander  vergleichen,  wenn  man  beide  Säfte  auf  gleiches  Saccharometergewicht ­
  bringt.
Beispiel:  Die  Polarisation  eines  unfiltrierten  Dünnsaftes  ergab  10,2  °/ 0  Zucker  und
die  Bestimmung  der  Farbe  bei  einer  Ablesung  von  15  Graden  der  Skala:  =  6,7.
Auf  100  Teile  Zucker  berechnet,  enthält  mithin  der  Saft  nach  dem  Ansatz:
10,2  :  100  =  6,7  :  x  (=  66,7  Farbe).
Der  durch  Knochenkohle  filtrierte  Dünnsaft  ergab  10,4  °/ 0  Zucker,  abgelesene  Grade
am  Farbenmaß  =  45,0,  mithin  =  2,2  und  auf  100  Zucker  bezogen:
45,0
10,4  :100  =  2,2  :  x  (=  21,2  Farbe).
Die  Differenz  zwischen  diesen  beiden  die  Stärke  (Intensität)  der  Farben  bezeichnenden
Zahlen  65,7  —  21,2  =  44,5  entspricht  der  durch  die  Knochenkohle  weggenommenen  (absorbierten) ­
  Parbenmenge,  mithin  sind:
65,7  ;  44,5  =  100:  x  (=  67,7  °/ 0 )
des  im  unfiltrierten  Dünnsafte  enthaltenen  Farbstoffs  vermittels  der  Filtration  durch  die
Knochenkohle  entfernt.
Ausführung  eines  Versuches  im  Laboratorium:
Man  löst  zunächst  eine  beliebige  Menge  einer  Melasse,  etwa  200—250  g  zu  1000  ccm
und  bestimmt  die  Farbe  der  Lösung.  Die  zu  prüfende  Kohle  wird,  wenn  tunlich,  in
frisch  ausgeglühtem  Zustande,  anderenfalls  bei  140°  getrocknet,  zu  der  Bestimmung  verwendet; ­
  es  muß  dabei  die  Körnung  derselben  bei  den  verschiedenen  Kohlen,  deren  Entfärbungskraft
  bestimmt  und  verglichen  werden  soll,  eine  möglichst  gleiche  sein.
Man  übergießt  in  einer  Porzellanschale  100  g  der  zu  prüfenden  Kohle  mit  400  ccm
obiger  Melasselösung  und  bestimmt  durch  Wägung  das  Gesamtgewicht  der  gefüllten
Schale.  Der  Inhalt  wird  hierauf  zum  Sieden  erhitzt  und  5  Minuten  lang  im  Kochen
erhalten.  Nach  vollständigem  Erkalten  wird,  um  die  Konzentration  der  Lösung  wieder
auf  die  vorherige  Stärke  zu  bringen,  die  Schale  abermals  auf  die  Wage  gebracht  und
das  beim  Kochen  verdampfte  Wasser  genau  ersetzt.  Nachdem  der  Inhalt  gut  gemischt
und  filtriert  ist,  bestimmt  man  die  Farbe  abermals.  Die  Differenz  beider  Parbenzahlen
entspricht  der  durch  die  Kohle  bewirkten  Entfärbung  und  wird  auf  100  der  ursprünglichen
Farbe  berechnet.
Beispiel:  200  g  einer  Melasse  auf  1  1  verdünnt,  gaben  eine  Lösung  von  24,2  Farbe.
        <pb n="640" />
        Rohrzucker  (Rübenzucker).

619

Nach  der  Behandlung  der  Lösung  mit  Knochenkohle  in  vorstehend  beschriebener
Weise  wurde  die  Karbe  zu  3,5  bestimmt.  Die  Entfärbung  betrug  mithin;  24,2  —  3,5  =  20,7
und  auf  100  der  ursprünglichen  Farbe  berechnet:
24,2  ;  20,7  =  100:  x  (=  85,5  °/ 0 ).
5.  Über  die  Bestimmung  der  Kohlensäure  vergl.  unter  Mergel  (S.  102),  über
die  Bestimmung  der  Phosphorsäure  unter  Düngemittel  (S.  149).
6.  Zuckergehalt  in  der  Knochenkohle.  Soll  die  in  der  Fabrikation  verwendete ­
  Knochenkohle  auf  Zuckergehalt  untersucht  werden,  so  bestimmt  man
in  einer  Probe  das  Wasser;  eine  andere  Probe  (etwa  100  g)  zieht  man  nach  dem
Zerstoßen  mit  Alkohol  aus  und  polarisiert  den  Alkoholauszug,  wie  üblich  (vergl.
S.  599).
b)  Saturationsgas.
1.  Bestimmung  der  Kohlensäure.  Um  das  im  Saturationsprozeß  verwendete
Kohlensäuregas  auf  Gehalt  an  Kohlensäure  zu  untersuchen,  setzt  man  an  den  an
der  Leitung  zwischen  der  Pumpe  und  den  Saturationsgefäßen  angebrachten  Probehahn ­
  einen  Gummischlauch,  verbindet  diesen  mit  einer  geeigneten  Gas-Meßröhre,
läßt  das  Gas  einige  Minuten  durch  dieselbe  streichen,  bis  alle  Luft  verdrängt  und
die  Röhre  ganz  mit  dem  Gase  angefüllt  ist,  läßt  die  Kohlensäure  durch  Kalilauge
absorbieren  und  berechnet  aus  dem  ursprünglichen  und  zurückbleibenden  Volumen
die  Reinheit  des  Gases.
Weil  diese  Untersuchung  nur  selten  vorgenommen  zu  werden  pflegt,  kann  hier
von  einer  eingehenden  Beschreibung  abgesehen  werden.
2.  Prüfung  auf  schwellige  Säure.  Auf  eine  Beimengung  von  schwefliger  Säure
prüft  man  in  der  Weise,  daß  man  das  Gas  aus  dem  Probehahn  durch  eine  mit
btärkekleister  versetzte  Lösung  von  Jod  in  Jodkalium  oder  durch  eine  verdünnte
Lösung  von  chlorsaurem  Kalium  und  Indigo  strömen  läßt.  Bei  Anwesenheit  von
schwefliger  Säure  w r erden  beide  Lösungen  allmählich  entfärbt.
3.  Prüfung  auf  Schwefelwasserstoff.  Der  Schwefelwasserstoff  gibt  sich  schon
am  Geruch  beim  Ausströmen  aus  dem  Probehalm  zu  erkennen;  nötigenfalls  prüft
®an  durch  einen  mit  Bleiessig  getränkten  Papierstreifen,  den  man  von  dem  Gas
umströmen  läßt  und  der  bei  Gegenwart  von  Schwefelwasserstoff  gebräunt  bezw.
geschwärzt  wird.
Bei  Gegenwart  von  schwefliger  Säure  kann  kein  Schwefelwasserstoff  vorhanden
sein,  weil  diese  Gase  sich  gegenseitig  zersetzen.
IX.  Rohrzucker  (Rübenzucker).
Der  fertige  Konsumzucker  wird  im  allgemeinen  wie  der  Rohzucker  usw.
untersucht.
1.  Wasser.  10  g  des  feinen  Zuckerpulvers  werden  in  einem  Trockenkölbchen
(oder  einem  Tiegel  von  Kupferblech  mit  übergreifendem  Deckel)  bis  zur  Beständigst ­
  des  Gewichtes  (meistens  genügen  2—3  Stunden)  bei  105—110°  getrocknet.
,  __  2.  Zucker.  Das  für  die  einzelnen  Polarisationsapparate  geltende  Normalgewicht
■  '  50 8,  also  für  den  Soleil-Yentzke-Scheibler-Apparat  26,048  g  für  100  ccm
usw.)  ward  in  Wasser  gelöst,  wenn  nötig,  mit  Bleiessig,  Tonerdehydrat  oder  Knochenohle
  (für  letztere  ist  die  S.  603  erwähnte  Korrektion  anzubringen)  geklärt  und  wie
dblich  polarisiert.
^  Um  die  durch  etwaige  Ungenauigkeit  der  Skala  bedingten  Fehler  auszugleichen,
uit  Scheibler  die  sogenannte  Hundertpolarisation  vorgeschlagen.  Hierbei
tvird  nach  dem  Ergebnis  der  ersten  Polarisation  mit  dem  Normalgewicht  berechnet,
        <pb n="641" />
        620

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

wieviel  der  angewendeten  Zuckerprobe  eine  Drehung  =  100  °/ 0  ergeben  würde.
Falls  die  Skala  ungenau  ist,  gibt  diese  Menge  einen  von  100  °/ 0  abweichenden
Gehalt  und  berechnet  man  aus  diesem  Ergebnis  die  genaue  Zahl  in  folgender  Weise:
Angenommen,  der  Zucker  habe  95,2°  bezw.  °/ 0  ergeben,  so  sind  nach  der
Gleichung:
95,2  :  100  =  13,024  :  x  (=  13,681  g)
13,681  g  für  50  ccm  erforderlich,  um  für  eine  richtige  Skala  100°  Polarisation  zu
geben.  Findet  man  statt  dessen  nur  99,8°  Drehung,  so  ist  der  wirkliche  Zuckergehalt ­
  nach  der  Gleichung:
13,681  :  13,024  =  99,8  :  x  (=  95,0),
d.  h.  statt  95,2  °/ 0  nur  95,0  °/ 0 .
Sind  statt  99,8°  Drehung  bei  der  2.  Polarisation  100,3°  gefunden,  so  ist
13,681  :13,024  =  100,3  :  x  (=  95,48)
der  wahre  Zuckergehalt  95,48  °/ 0 .
Scheibler  hat  eine  besondere  Tabelle  berechnet,  aus  welcher  man  für  jeden
Polarisationswert  direkt  ablesen  kann,  wieviel  Gramm  Zucker  statt  des  Normalgewichtes ­
  13,024  für  50  ccm  abzuwägen  sind,  um  bei  einer  richtigen  Skala  100°
Polarisation  zu  erhalten.  Die  obige  Korrektion  wird  durch  die  von  Schmidt  und
Haensch  in  Berlin  hergestellte  Keilkompensation  für  Farben-  wie  Halbschattenapparate ­
  erspart.
3.  Invertzucker.  Man  ist  übereingekommen,  einen  Zucker  für  frei  von  Invertzucker ­
  zu  erklären,  wenn  10  g  desselben,  mit  100  ccm  heißem  Wasser  gelöst  und
mit  5  ccm  Fehlingscher  Lösung  gekocht,  keine  Reduktion  ergeben.  Tritt  Reduktion
ein,  so  bestimmt  man  den  Invertzucker  nach  S.  606  und  bringt  für  die  Polarisation
nach  S.  607  eine  entsprechende  Korrektion  an.
4.  Kafllnose.  Die  Bestimmung  der  Raffinose  im  Zucker  hat  eine  besondere
Wichtigkeit  erlangt,  weil  die  Steuerbehörde  ihr  Augenmerk  darauf  gerichtet  hat.
Die  Raffinose  besitzt  nämlich  ein  stärkeres  Rechtsdrehungsvermögen  als  Saccharose;
es  kann  darnach  ein  zur  Ausfuhr  gelangender  Zucker  höher  polarisieren,  d.  h.
zuckerreicher  erscheinen,  als  er  in  Wirklichkeit  ist;  derselbe  würde  alsdann  eine
höhere  Summe  bei  der  Ausfuhr  an  Steuer-Bonifikation  erhalten,  als  er  nach  seinem
wirklichen  Gehalt  an  Saccharose  beanspruchen  kann.  Über  die  Bestimmung  der
Raffinose  vergl.  S.  608.
5.  Asche,  3  g  Zucker  werden  in  einer  flachen  Platinschale  mit  reiner
konzentrierter  Schwefelsäure  angefeuchtet  und  nach  S.  610  eingeäschert.
6.  Verunreinigungen.  Bei  den  Konsum-Zuckersorten  (Brot-,  Würfel-,  Pileund
  Farinzucker)  pflegen  Verunreinigungen  oder  absichtliche  Beimengungen  zu  den
größten  Seltenheiten  zu  gehören.  Nur  ein  Zusatz  von  Ultramarin  zur  Verdeckung
der  gelhen  Farbe  des  Zuckers  wird  öfters  beobachtet.
Etwaige  Zusätze  von  Gips,  Schwerspat,  Kreide,  Mehl,  Ultramarin  usw.
geben  sich  durch  ihre  Unlöslichkeit  in  Wasser  zu  erkennen  —  ein  guter  Konsumzucker ­
  muß  sich  leicht,  klar  und  vollständig  in  Wasser  lösen  —.
Durch  eine  Bestimmung  der  Asche  findet  man  die  Menge  der  beigemengten
mineralischen  Zusätze;  durch  Auflösen  einer  größeren  Menge  Zucker  in  Wasser,
Filtrieren  durch  ein  vorher  getrocknetes  und  gewogenes  Filter,  Trocknen  und
Wägen,  sowie  durch  eine  mikroskopische  Untersuchung  dieses  Rückstandes  erfährt
man  die  Menge  und  Art  von  etwa  vorhandenen  organischen  Beimengungen.
Um  die  weniger  reinen  Zuckererzeugnisse,  Raffinerie-Sirupe  usw.,  auf  Zusatz
von  Stärkesirup,  Stärkezucker  und  Dextrin  zu  prüfen,  macht  man  einen
        <pb n="642" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

621

Gärversuch  (vergl.  S.  593  und  unter  „Stärkezucker“  usw.  weiter  unten),  hei  welchem
diese  zum  Teil  als  stark  rechtsdrehende  Substanzen  Zurückbleiben.
Nach  Casa-Major  löst  ein  mit  Stärkezucker  gesättigter  Methylalkohol  aus
einem  fraglichen  Gemisch  nur  den  Rohrzucker,  nicht  aber  den  Stärkezucker.
Zur  Unterscheidung  von  Rübenzucker  und  Zuckerrohrzucker  wird
angeführt,  daß  indigschwefelsaures  Kalium  (Indigkarmin)  beim  Erwärmen  mit  konzentrierten ­
  Lösungen  von  Rübenzucker  bei  einer  Temperatur,  bei  welcher  dieser
noch  nicht  die  zum  Erstarren  nötige  Konsistenz  hat,  infolge  geringer  vorhandenen
Spuren  von  salpetersauren  Salzen  entfärbt  wird,  dagegen  bei  Zuckerrohrzucker  nicht.

X.  Ausführungs-Bestimmungen  (vom  18.  Juni  1903)  zum  Zuckersteuergesetz
(vom  6.  Januar  1903).*)
Zu  §  2  des  Gesetzes.
§  1.  Die  bei  der  Zuokererzeugung  ursprünglich  gewonnenen  Abläufe  (Sirup,  Melasse)
und  ihre  weiteren  Bearbeitungen  unterliegen,  sofern  ihr  Quotient,  d.  h.  der  auf  Hundertteile ­
  berechnete  Zuckergehalt  in  der  Trockenmasse  70  oder  mehr  beträgt,  der  Zuckersteuer
zum  Satze  von  10  M.  für  100  kg  Reingewicht.
§  2.  Zur  Ermittelung  des  Quotienten  der  Zuckerahläufe,  welche  weniger  als  2  vom
Hundert  Invertzucker  enthalten,  sind,  sofern  nicht  die  Berechnung  des  Quotienten  nach  dem
chemisch  ermittelten  reinen  Zuckergehalte  beantragt  ist,  die  von  der  obersten  Landesfluanzbehörde
  bezeichneten  Amtsstellen  berechtigt.  Diese  sind  dem  Reichskanzler  behufs
Veröffentlichung  im  Centralblatte  für  das  Deutsche  Reich  mitzuteilen.
Die  Untersuchung  auf  Invertzuckergehalt  kann  mit  Genehmigung  der  Direktiveehörde
  auch  von  den  Zuckersteuerstellen  (§  34)  ausgeführt  werden.
Das  Verfahren  für  diese  Untersuchung,  sowie  für  die  Eeststellung  des  Quotienten  der
Weniger  als  2  vom  Hundert  Invertzucker  enthaltenden  Abläufe  ist  in  der  als  Anlage  A
beigefügten  Anleitung  vorgeschrieben.
Führt  die  Prüfung  auf  den  Gehalt  an  Invertzucker  zu  dem  Ergebnisse,  daß  die
weitere  Untersuchung  steueramtlich  nicht  stattfinden  darf,  oder  wird  von  dein  Anmelder
Berechnung  des  Quotienten  nach  dem  chemisch  ermittelten  reinen  Zuckergehalte  des
daufs  beantragt,  so  ist  die  Untersuchung  einem  von  der  Direktivbehörde  auf  die  Wahrnehmung ­
  der  Ansprüche  der  Steuerverwaltung  verpflichteten  Chemiker  zu  übertragen.
In  beiden  Fällen  erfolgt  die  Übersendung  der  Proben  des  Ablaufs  an  den  Chemiker
l *nd  die  Untersuchung  auf  Kosten  des  Anmelders.  Für  das  Verfahren  in  diesen  Fällen  ist
'us  Anleitung  in  Anlage  B  maßgebend.  Dabei  sind  Abläufe  mit  einem  Gehalte  von  2
T ? m  Hundert  Invertzucker  und  darüber  zur  Untersuchung  auf  Rafflnosegehalt  in  der  Regel
uioht  zuzulassen.  Ausnahmsweise  ist  jedoch  bei  solchen  Abläufen  die  Feststellung  des
Quotienten  un ter  Anwendung  der  Raffinoseformel  (Anlage  B  unter  2  a)  dann  statthaft,  wenn
' le  Fabrik  auf  Vermischung  ihrer  Abläufe  mit  Stärkezucker  oder  Stärkesirup  verzichtet
und  durch  die  von  der  obersten  Laudesfinanzbehörde  anzuordnenden  besonderen  Auf-,
 c  lts niaßnahmen  die  Möglichkeit  einer  Beimischung  von  Stärkezuoker  oder  Stärkesirup  zu
en  Abläufen  vor  deren  Abfertigung  aus  der  Fabrik  mit  genügender  Sicherheit  ausgeschlossen
racheint.  Ob  dies  zutrifft  und  aus  welchem  Grunde  (Abs.  4)  die  Untersuchung  durch  den
ismiker  zu  erfolgen  hat,  ist  dem  letzteren  von  der  Amtsstelle  mitzuteilen,
di  tt  Sowo «  *H e  Amtsstellen  als  auch  die  Chemiker  haben  bei  der  Polarisation  der  Abläufe
e  Vorschriften  in  der  Anlage  C  zu  beachten.
Wo  -f  ^  ^  Anstalten,  in  welchen  Zuckerabläufe  einem  Reinigungsverfahren  unter-^
  r  ® n  wer den,  finden  die  in  den  §§  8—41  des  Gesetzes  enthaltenen  Vorschriften,  sowie
c  azu  erlassenen  Ausführungsbestimmungen  sinngemäße  Anwendung.
zus  b-^  ? 6r  zwe ^ e  Teil  „Zuschlag  zur  Zuokersteuer“  und  der  dritte  Teil  „Ausfuhr-0
  US8e “  des  Gesetzes  von  1896  sind  durch  das  Gesetz  von  1903  aufgehoben.
        <pb n="643" />
        622

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Für  Anstalten,  welche  ausschließlich  steuerfreie  Zuckerabläufe  verarbeiten  und  deren
Erzeugnisse  niemals  den  Quotienten  von  70  erreichen,  kann  die  Beaufsichtigung  auf  Grund
einer  Buchführung,  verbunden  mit  öfterer  Ermittelung  des  Quotienten  der  bezogenen  Abläufe ­
  und  der  hergestellten  Erzeugnisse,  angeordnet  werden.  Werden  ausschließlich  Zuckerabläufe ­
  mit  einem  Quotienten  unter  65  verarbeitet,  so  kann  die  Beaufsichtigung  auf  Grund
einer  Buchführung  und  öfterer  Ermittelung  des  Quotienten  der  bezogenen  Abläufe  erfolgen,
auch  wenn  der  Quotient  der  Erzeugnisse  70  oder  mehr  beträgt.
In  Fällen  des  Bedürfnisses  können  von  der  obersten  Landesfinanzbehörde  für  die  in
Abs.  1  und  2  bezeichneten  Anstalten  Erleichterungen  gewährt  werden.  Dem  Reichskanzler
ist  von  den  getroffenen  Maßnahmen  Kenntnis  zu  geben.
§  85.  Diese  Ausführungsbestimmungen  treten  mit  dem  1.  September  1903  in  Kraft.
Anlage  A.
Anleitung  für  die  Steuerstelleu  zur  Untersuchung  der  Zuckerabläufe  auf  Invertzuckergehalt
  und  Feststellung  des  Quotienten  der  weniger  als  2  vom  Hundert
Invertzucker  enthaltenden  Zuckerabläufe.
I.  Allgemeine  Vorschriften.
1.  Bei  Beginn  der  Untersuchung  ist  zunächst  eine  Prüfung  des  Ablaufs  nach  dem
unter  II1  beschriebenen  Verfahren  auf  den  Gehalt  an  Invertzucker  auszuführen.  Sobald
sich  dieser  Gehalt  zu  2  vom  Hundert  oder  mehr  ergibt,  erfolgt  das  weitere  Verfahren  nach
§  2  Abs.  4,  5  der  Ausführungsbestimmungen.
2.  Ergibt  die  nachfolgend  unter  II2  beschriebene  Untersuchung  einen  Quotienten
von  70  oder  mehr,  so  ist  von  der  weiteren  Prüfung  des  Ablaufs  Abstand  zu  nehmen,  falls
nicht  der  Anmelder  eine  Untersuchung  durch  den  Chemiker  beantragt.
3.  Die  bei  der  Untersuchung  der  Abläufe  zu  verwendenden  Gewichte,  Meßgeräte  und
Spindeln  müssen  geeicht  oder  eichamtlich  beglaubigt  sein.
II.  Ausführung  der  Untersuchung.
1.  Untersuchung  der  Zuckerabläufe  auf  Invertzuokergehalt.  In  einer
Messing-  oder  Porzellanschale,  deren  Gewicht  auszugleichen  ist,  werden  genau  10  g  des
nötigenfalls  durch  Anwärmen  dünnflüssig  gemachten  Ablaufs  abgewogen  und  durch  Zusatz
von  etwa  50  ccm  warmem  Wasser  und  Umrühren  mit  einem  Glasstab  in  Lösung  gebracht.
Die  Lösung  bedarf,  auch  wenn  sie  getrübt  erscheinen  sollte,  in  der  Regel  einer  Filtrierung
nicht.  Man  bringt  sie  in  einen  sogenannten  Erlenmeyerschen  Kolben  von  etwa  200  ccm
Raumgehalt  und  fügt  50  ccm  Fehlingscher  Lösung  hinzu.
Die  Fehlingsche  Lösung  erhält  man  durch  Zusammengießen  gleicher  Teile  von
Kupfervitriollösung  (34,6  g  reiner  kristallisierter  Kupfervitriol,  zu  500  ccm  mit  Wasser
gelöst)  und  Seignettesalz-Natronlauge  (173  g  kristallisiertes  Seignettesalz,  zu  400  ccm  mit
Wasser  gelöst,  die  Lösung  vermischt  mit  100  ccm  einer  Natronlauge,  welche  600  g
Natronhydrat  im  Liter  enthält).  Beide  Flüssigkeiten  sind  fertig  von  einer  Chemikalienhandlung ­
  zu  beziehen  und  müssen  getrennt  aufbewahrt  werden;  von  jeder  sind  25  ccm
mittels  besonderer  Pipette  zu  entnehmen  und  der  Lösung  des  Zuckerablaufs  unter  Umschütteln ­
  zuzusetzen.
Die  mit  der  Fehlingsohen  Lösung  versetzte  Flüssigkeit  wird  im  Kochkolben  auf
ein  durch  einen  Dreifuß  getragenes  Drahtnetz  gestellt,  welches  sich  über  einem  Bunsenbrenner ­
  oder  einer  guten  Spirituslampe  befindet,  aufgekocht  und  2  Minuten  im  Sieden  erhalten. ­
  Die  Zeit  des  Siedens  darf  nicht  abgekürzt  werden.
Hierauf  entfernt  man  den  Brenner  oder  die  Lampe,  wartet  einige  Minuten,  bis  ein
in  der  Flüssigkeit  entstandener  Niederschlag  sich  abgesetzt  hat,  hält  den  Kolben  gegen
das  Licht  und  beobachtet,  ob  die  Flüssigkeit  noch  blau  gefärbt  ist.  Ist  noch  Kupfer  in
der  Lösung  vorhanden,  was  durch  die  blaue  Farbe  angezeigt  wird,  so  enthält  die  Lösung
weniger  als  2  vom  Hundert  Invertzucker,  anderenfalls  sind  2  oder  mehr  vom  Hundert
dieses  Zuckers  vorhanden.
        <pb n="644" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

623

Die  Färbung  erkennt  man  deutlicher,  wenn  man  ein  Blatt  weißes  Schreibpapier
hinter  den  Kolben  hält  und  so  beobachtet,  daß  das  Licht  durch  die  Flüssigkeit  hindurch
auf  das  Blatt  Papier  fällt.
Sollte  die  Flüssigkeit  nach  dem  Kochen  gelbgrün  oder  bräunlich  erscheinen,  so  liegt
die  Möglichkeit  vor,  daß  noch  unzersetzte  Kupferlösung  vorhanden  ist  und  deren  blaue
Farbe  nur  durch  die  gelbbraune  Farbe  des  Ablaufs  verdeckt  wird.  In  solchen  Fällen  ist
wie  folgt  zu  verfahren:
Man  fertigt  aus  gutem,  dickem  Filtrierpapier  ein  kleines  Filter,  feuchtet  es  mit  etwas
Wasser  an  und  setzt  es  in  einen  Glastrichter  ein,  wobei  es  am  Rande  des  Trichters  gut
lestgedrüokt  wird.  Der  letztere  wird  auf  ein  Reagensgläsohen  gesetzt.  Hierauf  filtriert
man  etwa  10  ccm  der  Flüssigkeit  durch  das  Filter  und  setzt  dem  Filtrat  ungefähr  die
gleiche  Menge  Essigsäure  und  einen  oder  zwei  Tropfen  einer  wässerigen  Lösung  von  gelbem
Blutlaugensalz  zu.  Entsteht  hierbei  eine  stark  rote  Färbung  des  Filtrats,  so  ist  noch
Kupfer  in  der  Lösung  und  somit  erwiesen,  daß  der  Zuckerablauf  weniger  als  2  vom  Hundert
Invertzucker  enthält.

2.  Bestimmung  des  Quotienten.  Als  Quotient  im  Sinne  der  Vorschrift  im  §  1
der  Ausführungsbestimmungen  gilt  diejenige  Zahl,  welche  durch  Teilung  des  hundertfachen
Betrags  der  Polarisationsgrade  des  Ablaufs  durch  die  Prozente  Brix  berechnet  wird.
a)  Ermittelung  der  Prozente  Brix.  Man  wägt  in  einem  reinen  Becherglase
von  etwa  1 j a  Liter  Raumgehalt  zusammen  mit  einem  hinlänglich  langen  Glasstabe  200  bis
300  g  des  Ablaufs  auf  1  g  genau  ab.  Nachdem  man  das  Glas  von  der  Wage  heruntergenommen ­
  hat,  fügt  man  etwa  160  ccm  heißes  destilliertes  Wasser  hinzu,  rührt  mit  dem
stets  im  Glase  verbleibenden  Stabe  so  lange  vorsichtig  (um  das  Glas  nicht  zu  zerstoßen)
um !  bis  der  Ablauf  im  Wasser  sich  vollständig  gelöst  hat,  stellt  das  Glas  in  kaltes  Wasser
uud  beläßt  es  daselbst,  bis  der  Inhalt  ungefähr  die  Zimmerwärme  angenommen  hat.  Hierauf
trocknet  man  das  Glas  sorgfältig  ab,  stellt  es  wieder  auf  die  Wage,  setzt  auf  die  andere
Schale  zu  den  vorhandenen  weitere  Gewichtsstücke,  welche  dem  Gewichte  des  Ablaufs  entsprechen, ­
  und  läßt  in  das  Glas  so  lange  destilliertes  Wasser  von  Zimmerwärme,  zuletzt
vorsichtig  und  tropfenweise,  einlaufen,  bis  die  Wage  abermals  einspielt.
Nachdem  die  zweite  Wägung  beendet  ist,  rührt  man  die  Flüssigkeit  mit  dem
inzwischen  im  Glase  verbliebenen  Glasstabe  so  lange  gehörig  um,  bis  sich  auch  nicht  die
geringste  Schlierenbildung  mehr  zeigt.  Der  ursprüngliche  Ablauf  ist  dann  auf  die  Hälfte
se mes  Gehalts  an  Zucker  verdünnt.

Zum  Zwecke  der  Spindelung  wird  ein  Teil  der  so  vorbereiteten  Flüssigkeit  in  einen
Glaszylinder  hineingegeben.  Die  Spindelung  selbst  erfolgt  mittels  der  Brixschen  Spindel
nach  den  für  die  Spindelung  von  Branntwein,  Mineralöl,  Wein  usw.  bestehenden  Regeln  (siehe
z -  ß-  Alkoholermittelungsordnung,  Centralblatt  für  das  Deutsche  Reich  1900,  S.  3(7*).
Zu  beachten  ist,  daß  die  Prozente  auf  Fünftelprozente,  die  Wärmegrade  auf  ganze  Grade
abzulesen  sind.

Da  die  abgelesenen  Wärmegrade  nicht  immer  mit  der  Normaltemperatur  (-0  )  uberemstimmen,
  sind  die  abgelesenen  Prozente  nur  scheinbare.  Zu  ihrer  Umrechnung  aut  berichtigte ­
  Prozente  Brix  dient  die  am  Schlüsse  dieser  Anlage  abgedruckte  Tabelle  1.  Sie
euthält  in  der  ersten  mit  „Wärmegrade“  überschriebenen  Zeile  die  Temperaturen  von  10  bis
29°,  in  der  ersten  mit  „Abgelesene  Prozente“  überschriebenen  Spalte  die  scheinbaren  abgelesenen ­
  Prozente.  Die  folgenden  Spalten  geben  die  berichtigten  Prozente.  Man  sucht
die  der  abgelesenen  Temperatur  entsprechende  Spalte  und  geht  in  dieser  bis  zu  derjenigen
^eüe,  an  deren  Anfang,  in  der  ersten  Spalte,  die  abgelesenen  Prozente  stehen.  Die  Zahl,
&amp;lt;«if  die  man  trifft,  gibt  die  berichtigten  Prozente  der  verdünnten  Lösung.  Betragt  z.  R.
l  |e  abgelesene  Temperatur  22°  und  die  abgelesene  Prozentangabe  38,6,  so  findet  man  tur
die  berichtigten  Prozente  38,7.
Die  so  ermittelten  berichtigten  Prozente  sind  mit  2  zu  vervielfältigen,  um  die  berichtigten ­
  Prozente  der  unverdünnten  Lösung  zu  erhalten.
        <pb n="645" />
        624

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfahrikation.

h)  Polarisation.  Bei  der  Polarisation  der  Zuokerabläufe  ist  nach  Anlage  C  zu
verfahren.  Jedoch  geschieht  das  Abwägen  und  Entfärben  in  nachfolgend  angegebener
Weise:

Zur  Untersuchung  wird  nur  das  halbe  Normalgewicht  —  13,0  g  —  des  Zuckerablaufs ­
  verwendet.  Man  wägt  diese  Menge  in  eine  Messing-  oder  Porzellanschale  ab,  fügt
40—50  ccm  lauwarmes  destilliertes  'Wasser  hinzu  und  rührt  mit  einem  Glasstabe  so  lange
um,  bis  der  Ablauf  im  Wasser  sich  vollständig  gelöst  hat.  Hierauf  wird  die  Flüssigkeit
in  einen  Meßkolben  von  100  com  Kaumgehalt  gefüllt  und  der  an  der  Schale  und  dem
Qlasstabe  noch  haftende  Best  mit  etwa  10—20  ccm  Wasser  in  den  Kolben  nachgespült.
Darauf  folgt  die  Klärung.
Man  läßt  zunächst  etwa  5  ccm  Bleiessig  in  den  Kolben  einfließen  und  mischt  durch
vorsichtiges  Umschwenken.  Ist  die  Flüssigkeit,  nachdem  der'  entstehende  Niederschlag  sich
abgesetzt  hat  —  was  meist  in  wenigen  Minuten  geschieht  —,  noch  zu  dunkel,  so  fährt
man  mit  dem  Zusatze  von  Bleiessig  fort,  bis  die  genügende  Helligkeit  erreicht  ist.  Oft
sind  bis  zu  12  ccm  Bleiessig  zur  Klärung  erforderlich.  Dabei  ist  jedoch  zu  beachten,
daß  Bleiessig  zwar  genügend,  aber  in  nicht  zu  großen  Mengen  zugesetzt  werden  darf;
jeder  hinzugesetzte  Tropfen  Bleiessig  muß  noch  einen  Niederschlag  in  der  Flüssigkeit
hervorbringen.
Gelingt  es  nicht,  die  Flüssigkeit  durch  den  Zusatz  von  Bleiessig  so  weit  zu  klären,
daß  die  Polarisation  im  200  mm-Kohr  ausgeführt  werden  kann,  so  ist  zu  versuchen,  ob
dies  im  100  mm-Eohre  möglich  ist.  Gelingt  auch  dies  nicht,  so  muß  eine  neue  Lösung
hergestellt  und  diese  vor  dem  Bleiessigzusatz  mit  etwa  10  ccm  Alaunlösung  versetzt  werden;
diese  Lösungen  geben  mit  Bleiessig  starke  Niederschläge,  welche  klärend  wirken,  und  gestatten ­
  die  Anwendung  großer  Mengen  Bleiessig.
Die  zur  Klärung  hinzugefügten  Flüssigkeiten  dürfen  zusammen  nicht  so  viel  betragen, ­
  daß  die  Lösung  im  Kolben  über  die  begrenzende  Marke  steigt.  Nach  der  Klärung
wird  mit  Wasser  bis  zur  Marke  anfgefüllt  und  gehörig  durchgeschüttelt.
Nachdem  die  Polarisation  ausgeführt  ist,  sind  die  abgelesenen  Polarisationsgrade  mit
2  zu  vervielfältigen,  weil  nur  das  halbe  Normalgewicht  des  Ablaufs  zur  Untersuchung  verwendet ­
  worden  ist.  Hat  man  statt  eines  200  mm-Eohres  nur  ein  100  mm-Eohr  angewendet,
so  sind  die  abgelesenen  Grade  mit  4  zu  vervielfältigen.
Berechnung  des  Quotienten.  Bezeichnet  man  die  ermittelten  berichtigten
Prozente  Brix  der  unverdünnten  Lösung  mit  B  und  die  ermittelten  Polarisationsgrade  mit  P,

so  berechnet  sich  der  Quotient  Q  nach  der  Formel  Q

100  P
B

Bei  der  Angabe  des  Endergebnisses ­

  sind  die  Bruchteile  auf  volle  Zehntel  abzurunden,  und  zwar,  wenn  die  zweite
Stelle  nach  dem  Komma  weniger  als  5  beträgt,  nach  unten,  anderenfalls  nach  oben.
Beispiel  für  die  Feststellung  des  Quotienten.  223  g  eines  Zuckerablaufs
sind  mit  223  g  Wasser  verdünnt  worden.  Die  Brixsche  Spindel  zeigt  35,2  Prozent  bei
21°;  nach  Tabelle  1  ist  die  berichtigte  Prozentangabe  35,3,  diese  mit  2  vervielfältigt,
gibt  70,6.  Die  Polarisation  des  halben  Normalgewiohts  im  200  mm-Eohre  sei  25,2  Grad,
daher  beträgt  die  wirkliche  Polarisation  25,2  x2  =  50,4  Grad.  Der  Quotient  berechnet
sich  hiernach  auf  —^  ^  ’  =  71,39  oder  abgerundet  71,4.

Schlußbestimmung.
über  die  Untersuchung  ist  eine  Befundsbescheinigung  auszustellen,  welche  außer
einer  genauen  Bezeichnung  der  Probe  folgende  Angaben  zu  enthalten  hat:  das  Ergebnis
der  Prüfung  auf  Invertzuckergehalt,  die  abgelesenen  Prozente  Brix  der  verdünnten  Lösung,
die  Temperatur  der  Lösung,  die  berichtigten  Prozente  Brix  nach  der  Vervielfältigung
mit  2,  das  Ergebnis  der  Polarisation  für  das  ganze  Normalgewicht  (also  die  abgelesenen
Polarisationsgrade  vervielfältigt  mit  2  oder  —  bei  Anwendung  eines  100  mm-Rohres  —
mit  4)  und  den  Quotienten.
        <pb n="646" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

625

Tabelle  I
zur  Ermittelung  der  berichtigten  Prozente  Brix  aus  den  abgelesenen  Prozenten  und
Wärmegraden.

Abgelegene ­

Prozente

Wärmegrade:

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21 1 22

23

24

25

26

27

28

20,0
2
4
6
8
21,0
2
4
6
8
22,0
2
4
6
8
23,0
2
4
6
8
24,0
2
4
6
8
25,0
2
4
6
8
26,0
2
4
6
8
27,0
2
4
6
8
28,0
2
4
6
8

Berichtigte  Prozente  Brix  zu  nebenstehenden  abgelegenen  Prozenten  und  obigen  Wärmegraden.
19,5119,5
19,7  19,7

19,9  19,9

20,1
20,3
20,6
20,7
120,9

20,1
20,3
20,5
20,7
20,9
21,1  21,1
21,3121,3
21,5  21,5
21,7)21,7
21,9  21,9
22,122,1
22,3)22,3
22,6122,6

22,7
22,9

22,7
22,9

23.1  23,1
23,3  23,3
23,623,5
23,6
23,8
24,0)24)1
24.2  24,3

24.4
24.6
24.8
25,0 :
25.2
25.4
25.6
26.8
26,0
26.2
26.4
26.6
26,8
27,0
27.2
27.4
27,6
27,8
28,0
28.2

24.6
24.7
24.9
26,1
25.3
25.5
25.7
25.9
26,1
26.3
26.5
26.7
26.9
27.1
27.3
27.5
27.7
27.9
28.1
28.3

19,6  19,6  19,7)19,7)19,8  19,8  19,9  19,9)20,0  20,1)20,1)20,2  20,3  20,3  20,4)20,5)20,5)20,6
19,8)19,8  19,9)19,9  20,0  20,0  20,1  20)l  20,2  20,3)20,3)20,4  20,5  20,5  20,6  20,7  20,7  20,8
—  ~  ‘  20.4  20,6)20,6  20,6  20,7  20,7  20,8)20,9
20,6  20,7!20,7|20,8

20,0  20,0
20,2  20,2
20,4  20,4

20,6
20,8
21,0
21,2
21,4

20,1  20,1  20,2)20,2
20,3  20,3|20,4|20,4
20,6  20,5

20.7
20.9
21,1
21.3
21,6
21.7
21.9
22,1
22.3

20.6
20,8
21,0
21,2
21,4
21,6)21.6
21,8  21)8
22,0  22,0
22.2  22,2
22,4)22,422,5
22,7
22,9
23,1
23,3
23,5
23,6)23,7
23,8
24,0
24,2
24,3  24,4)24,4
24,5  24,6
24.7  24,8
25)0

22,6
22.8
23)0
23,2

22,6
22,8
23,0
23,2

23,4)23,4
23.6
23.7
23,9
24,1

23,8
24,0
24,2

24.9
25.1
25.3
25.5
25.7
25.9
26.1
26.3
26.6
26.7
26,9)
27.1
27.3
27,5
27.7
27.9
28.1
28.3

24,6
24,8j
25,0

25,2  25,2
25,4  25,4

25,6
26,8
26,0
26,2

25,6
25,8
26,0
26,2

26,4)26,4
26,6126,6

26,8
27,0|
27,2

26,8
27,0
27,2

27,4127,4
27,6  27,6
27,8|27,8
28,0

28,0
28,2
28,4

28,2
28,4

20,7

20,6,20,6

20,8

20,921,0
21,1)21,2'
21,3121,4
21,5)21,6
21,7
21,9

21,8
22,0
22,1)22,2
22,3)22,4
22,6

22,5
22,7

22,8

22,9)23,0)
23,1)23,2
23,3)23,4

23,5
23,7
23,9
24,1

23,6
23,8
24,0
24,2

24,3)24,4
"  24,6

24,5
24,7

24,8

24,925,0
25,1)25,2
25,3|25,4

25,5
25,7
25,9
26,1
26,3)26,4
26,5)26,6

25,6
25,8
26,0
26,2

26,7
26,9
27,1

26,8
27,0
27,2

27.3  27,4
27,öj27,6
27,7  27,7
27,9)27,9
28,1
28.3
28,5

28,1
28,3
28,5

20.3
20,5
20,7
20,9
21,1
21.3

20,8
21,0
21,2
21.4)  21,5
21)6  21,7
21.8  21,9
22,0  22,1
22,2)22,3
~~  ‘  22,5
22,7
22,9
23,1
23,3
23.4)  23,5
23,6)23,7
23.8
24,0
24,2

22,4
22,6
22,8
23,0
23,2

23,9
24,1
24,3
24,4 !  24,5
24,6)24,7

24,8

24,9

25,0)25,1

26,2
25,4
25,6
25,8
26,0
26,2
26,4 ! 26,5
26,6(26,7

26,3
25,5
25,7
25,9
26,1
26,3

26,8
27,0)
27,2

26,9
27,1
27,3

27,4)27,5
27,6)27,7
27,9
28,1
28,3

27,8
28,0
28,2
28,4
28,6

28,5
28,7

Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

20,3
20,5
20,7
20,9,
21,1

20,8|20,9  20,9
21,1  21,1

21,0
21,2

21,0
21,2

21,3(21,3)21,4

21,3)21,4)21,6)21,6)21,6

21,5  21,6)21,7  21,7

21,7
21,9

21,8
22,0

21,9

21,9

21,8
22,0

22,1)22,1(22,2
22,1)22,2)22,3  22,3  22,4
22,3(22,4)22,5  22)5  22,6
22,5  22,6  22,7  22,7  22,8
‘  ~  ‘  22,8

22,7
22,9
23,1
23,3

23,0
23.2
23,4
23,5 J  23,6
23,7)23,8

23,9
24,1
24,3
24,5

22,9  22,9  23,0
23,1  23,1  23,2
23,3  23,3  23,4
23,5  23,5)23,6
23,7)23,7  23,8

23,9

24,1
24,3

24,0
24.2
24.4
24.6)  24.7
24,7  24,8  24,9
25,025,1
26.2  25,3
26.4  25,5
25.6)  25,7

23,9
24,1
24,3

24,5  24,5

24,9
25,1
25,3
25,5
25,7

25,9
26,1
26,3

24,0
24,2
24,4
24,6
24,7(24,8,

24,9

25,0)

25,1  25,2

25,3;
25,5

25,4
25,6

25,7  25,8

25,8  25,9  25,9  26,0)

26,0
26,2
26,4)26,5
26,5)26,6  26,7
26,7  26,8  26,9

26,1)26,1  26,2
26,3  26,3  26,4
26,5
26,7

26.9
27.1
27.3
27.5
27,7
27.9
28.1
28.3
28.5

26,6
26,8

26,927,0

27,0  27,1  27,1)27,2

27,2  27,3  27,3

27,4  27,6
27,6127,7
27,8)27,9

27,5
27,7

27,4
27,6
27,8)

27,9)28,0

20.7
20.9
21,1
21.3
21.5
21.7
21.9
22,1
22.3
22)6
22.7
22.9
23,1
23.3
23.5
23)7

20.7
20.9
21,1
21.3
21)5
21.7
21.9
22,1
22.3
22,6
22.7
22.9
23,1
23.3
23.6
23.7

23,9:23,9
24,1  24,1

24,3
24,6

24,3
24,5

24,7)24,7
24,9,24,9

25,1
25,3
26,6
25,7
26,9

25,1
25,3
25,5
25,7
26,9
26,1)26,1
26,3,26,3
26,6  26,6

26,7
26,9
27,1

26,7
26,9

27,327,3
27,5)27,5

27,7
27,9
28,1

27,7
27,9
28,1

28,0)28,1)28,1)28,2  28,3)28,3
28,2128,3)  28,3128,4  28,5128,5
28,4:28,6  28,6128,6:28,7  28,7
28,6 ; 28)7  28,7;28,8)28,9)28,9
28)7)28,8(28,9  28,9)29,0)29,1  29,1

21,0,
21,2

21,1
21,3
21,4(21,6
21,6)21,7
21,821,9:
22,0  22,1)22,1
22,2)22,3  22,3

20,9
21,1
21,3

21,6
21,7
21,9

22,5
22,7

21,0
21,2
21.4
21,6
21,8
22,0
22,2
22.4

22,6
22,8
23,0
23,2

22.4  22,6
22.6  22,7
22.8  22,9)22,9
23,0  23,1)23,1
23,2  23,3  23,3123,4
23.4  23,5  23,6  23,6
23.6  23.7  23,8  23,8
23.8  23,9)24,0)24,0
24.0  24,1  24,2  24,2

24,2
24,4
24,6

24,3
24,6

24,8124,9
25,0(25,1
25,225,3
25,4  26,5

25,6
25,8

24,7)24,8
25,0
26,2
25,4
25,6
25,8

24,4)24,4
24,6

25  7
25(9)26,0)
26,0)26,1)26,2
26.2  26.3

26,426,5
26,626,7

26,8
27,0

26,9

27,1  27,2

27,1  27,2  27,3  27,4

24.6
24.8
25,0
25.2
25.4
25.6
25.8
26,0
26.2
26,4(26,4
26.6
26.8
27,0
27,2
27.4

26,6
26,8
27,0

27,4)27,5  27,6
27,627,7  27,8

27,8
28,0
28,2

27,9
28,1
28,3
28,4)28,5
28,6  28,7
28,8)28,9

29,0
29,2

29,1
29,3

28,0
28,2
28.4
28,6
28,8
29,0
29,2
29.4

27.6
27.8
28,0
28.2
28)4
28.7
28.9
29,1
29,3
29,5

40
        <pb n="647" />
        626

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Abgelegene ­

Prozente

Wärmegrade:

10

11

12  :  13  i  14  15  16  17  18  19  20

21

22

23  1  24  I  25

26

27

28  i  29

29,0
2
4
6
8
30,0
2
4
6
8
31,0
2
4
6
8
32,0
2
4
6
8
33,0
2
4
6
8
34,0
2
4
6
8
35,0
2
4
6
8
36,0
2
4
6
8
37,0
2
4
6
8
38,0
2
4
6
8

28.4
28,6
28,8
29,0
29.2
29.4
29.6
29.8
30,0
30.2
30.4
30.6
30.8
51,0
31.2
31.4
31.6
31.8
32,0
32.2
32.4
32.6
32.8
33,0
33.2
33.4
33.6
33.8

28,5
28,7
28,9

28,7  28,8  28,8
28,9!29,0i29,0
29;i  129,1  29,2  29,2

29.3  29,3
29,5^29,5
29,7  29,7
29,9|29,9
30,1
30.3

28,5  28,6  28,6  28,7  28,7

30,4
30,6

30,1
30,3

29.4
29,6
29,8
30,0
30,2
30.4

29,4

28,9
29,1
29,3
29,5

28,9

28,8
29,0
29,1  29,2
29,3  29,4  29,5
29,5,29,6  29,7

28,9
29,1
29,3

29,6  29,7  29,7  29,8
29,8  29,9  29,9
30,0130,1  30,1
30,2  30,3  30,3

30,4

30,5  30,6  30,6
30,7  30,8  30,8
30,8  30,9  31,0  31,0
31,0)31,1  31,2)31,2

31,2  31,3
31,4  31,6
31,6  31,7

31.8
32,0
32.2
32.4
32.6
32.8
33,0
33.2
33.4
33.6
33.8

31.9
32.1
32.3
32.5
32.7
32.9
33.1
33.3
33.5
33.7
33.9

31.4
31,6
31,8
32,0
32,2
32.4

31,4

30.6
30.7
30,9
31,1
31,3
31,5

30.6
30.7
30,9
31,1

30,0
30,2
30.4
30)6

29,9
30,1
30,3
30,5
30,7

28.9
29.1
29.3
29.5
29.7
29.9
30.1
30.3
30.5
30.7

30.8  30,9
31,031,1
31,2)31,3
31,3  31,4[31,5
31,5  31,6)31,7

30,9  31,0)31,1
31,1  31,2  31,3
31,3)31,4  31,5
31,5  31,6  31,7

31,6  31,7)31,7)31,8)31,9

31,8)31,9(31,9
32,0)32,1)32,1
32,2  32,3  32,3

32,4

32,6  32,6

32,8
33,0
33,2
33,4

32,5
32,7

32,5
32,7

32,8
33,0  33,1
33,2)33,3
33,4}  33,5
33,5  33,6  33,7
33,7  33,8  33,9
33,9  34,0

32,9  32,9
"  '  33,1
33,3
33,5

34,0  34,0  34,1  34,1  34,2

34.2
34.4
34.6
34.8
35,0
35.2
35.4
35.6
35.8
36.0
36)2
36.4  36,4
36.5  36,6

34.2
34.4
34.6
34.8
35,0
35.2
35.4
35.6
35.8
36,0
36.2

34.3
34.5
34.7
34,9
35,1
36.3
35.5
35.7

36,7
36,9
37,1
37,3
37,5

36,8
37,0
37,2
37,4
37,6

34,334,4

34,5
34,7
34,9
35,1
35,3

34,6
34.8

34,9
36,0  35,1
36,2  35,3
35,4  35,5

35,5  35,6  35,7
35.9
36.1
36,3
36,5
36,7
36.9
37.1

33,7
33,9
34,1  34,1
34,3  34,3  34,4
34,5  34,634,6
34,7  34,7)34,8

32,0
32.2
32.4
32.6
32.8
33,0
33.2
33.4
33.6
33.8
34,0
34.2

36,7)35,8
35.9  35,9  36,0
36,1  36,1  36,2
36,336,3  36,4
36,5  36,5  36,6
36,7  36,7 !  36,8
36.9  36,9  37,0

37,1  37,1
37,3)37,3
37,5  37,5
37,737,7

37,7  37,8)37,9^37,9
37,9)38,0138,1)38,1
38,1  38,2  38,3  38,3

37.2
37)4
37,6
37,8

34,935,0
35,1)35,2
35,3  36,4

35.5
35.7
35.9
36.1
36,3
36.5
36.7
36.9
37.1

35,6
35,8
36.0

32.1
32.3
32.6
32.7
32.9
33.1
33.3
33.5
33.7
33.9
34.1
34.3
34.5
34.7
34.9
36.1
36.3
35.5
35.7
35.9
36,1

36,2  36,3
36,4  36,5

36,6

36,7

29,0
29,2
29,4
29,6
29,8

29,1
29,3
29,5
29,7
29,9

29,1
29,3

29,2
29,4
29,5  29,6  29,7
29,7)29,8  29,9

29,3
29,5

30,0  30,1
30,2  30,3
30,4)30,5
30,6130,7
30,8)30,9

29,9)30,0
30,1:30,2
30,3  30,4

31.7
31.9
32.1
32.3
32.5
32.7
32.9
33.1
33.3
33.5

31,8
32,0
32,2

32,4  32,5

31,9
32,1
32,3

30.6
30.7
30.9
31,1
31,3
31,5
31.7
31.9

30.6
30.8
31,0
31,2
31,4
31.6
31.8
32,0

30.1
30.3
30.5
30.7
30,9
31.1
31.3
31.5
31.7

29,3  29,4

29.5
29.7
29.9
30.1
30,3
30.5
30.7
30.9
31.1

29.6
29,8
30,0
30,2
30,4
30.6

29.5
29,7
29,9
30,1
30,3
30.6
30.7

29,6
29,8

29,7
29,9

30,0  30,1
30,2  30,3

30,4

30,5

30,6  30,7
30,8  30,9
30,8  30,9  31,0)31,1
31,0  31,1  31,2  31,3
31,2  31,3  31,4)31,5
31,4  31,5  31,6  31,7
31,6)31,7  31,8)31,9

31,3
31,5
31,7  31,8)31,9

31,9  31,9,32,0  32,1

32,1  32,1)32,2
32,1  32,2)32,3  32,3  32,4
'  32,6
32,8
33,0
33,2

32,3(32,4  32,5  32,6
32,5)32,6)32,7  32,8

32,6)32,7  32,7  32,8  32,9

32,8  32,9  32,9  33,0
33,o!33,1  33,1  33,2
33,2  33,3  33,3  33,4
33,4|33,5|33,6  33,6  33,7
33,8  33.9

33,1
33,3
33,5

33,6  33,7  33,7

33,7  33,8  33,9
33,9  34,0  34,1
34,1)34,2
34,3  34,4
34,5  34)6

34,7
34,9
35,1
35,3
35,5

34,8

33,9
34,1
34,3

34,1

34,0
34,2
34,4  34.

33,0
33)2
33,4
33,6

33,4

32.3
32,5
32,7
32,9
33,1
33.3

32,0  32,1
32,2  32,3

32.4
32.6
32.8
33,0
33,2
33.4
33.6
33.8

32.5
32.7
32.9
33,1
33,3
33.5
33.7
33.9

34,3
34,5
34,7  34,7  34,8  34,9  35,0  35,0

33,5
33,6  33,7
33,8  33,8  33,9  34,0  34)l
34,0  34,0  34,1  34,2  34,3
34,2  34,2  34,3  34,4)34,5
34,3  34,4  34,4  34,5  34,6  34,7
34,5  34,6  34,6  34,7  34,8  34,9

34,5  34,6  34,7  34,8  34,8  34,9

34,9  34,9  35,0

35,0  35,1  35,1  35,2

35,2|35,3  35,3
35,4  35,5  35,5

35,6

35,7  36,8
36,9)36,0
36,1)36,2
36,3)36,4
36,5  36,6

36,8  36,9  36,9
37,0)37,1)37,!
37,2)37,3  37,3
37,3  37,3  37,4  37,5:37,5

37,5  37,5  37,6
37,7  37,7  37,8
37,9  37,9  38,0
38,0  38,1)38,1)38,2
38,2  38,338,338,4
38,4  38,5  38,5  38,6

35,7
35,9

35,7
35.9
36,1  36,1
36,3  36,3
36,5)36,6
36,7)36,7
36.936.9

35.4
35,6
35,8
36,0
36,2
36.4

35.1
36,3
35,5
35,7
35,9
36.1

35.2
35,4
35,6
35,8
36,0
36.2
36,3  36,4
36,5  36,6
36,6  36,7)36,8
36,8)36,9)37,0
37,0  37,1  37,2
37,1)37,1)37,2  37,3  37,4
37,3  37,3  37,4  37,5  37,6
37.6  37,5  37,6  37,7  37,8
37.7  37,7  37,8  37,9  38,0

36,7  36,8
37,0
37,2
37,4
37,6
37,7)37,7  37,8
37,9  37,9  38,0  38,1)38,1  38,2
38,1)38,1  38,2  38,3  38,3  38,4
38,3  38,3  38,4  38,5  38,5  38,6
38,6)38,5)38,6)38,7)38.7  38,8
38,7  38,7  38.8  38,9  38,9  39,0

37,9  37,9  38,0

38,1  38,2
38,3  38,4
38,538,6
38,7'38,8
38,9  39,0  39,1

36,2
36,4
35.6
35.8
36,0
36.2
36.4
36.6
36.8
37,0
37.2
37.4
37.6
37.8
38,0
38.2
38.5
38.7
38.9

35,1
35,3
35,5
36,7

35,6  35,7
35,8135,9
36,9  36,0  36,1

36,1  36,2

35,0
36,2
36,4

35,1
35,3
35,5

36.3
36.6
36.7
36.9
37.1
37.3
37,5
37.7
37.9
38.1

36.4
36.6
36.8
37,0
37.2
37.4
37.6
37.8
38,0
38.2

38,3  38,4

36.3
16.5
36.7
36.9
37.1
37.3
37.5
37.7
37.9
38.1
38.3
38.6

38,5  38,6  38,7
38,7)38,8  38.9
38,9)39,0)39,1
39,139,239,3
39)1  39,2  39)3  39,3  39,4  39,6
        <pb n="648" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

627

40*

Abgelegene ­

Prozente

Wärmegrade:

10  I  11  12  13  14  15  16  I  17  i  18  I  19  20  21  22  I  23  I  24  25  26  I  27  28  29

39,0
2
4
6
8
40,0
2
4
6
8
41,0
2
4
6
8
42,0
2
4
6
8
43,0
2
4
6
8
44,0
2
4
6
8
45.0
2
4
6
8
46,0
2
4
6
8
47,0
2
4
6
8
48,0
2
4
6
8

38.3
38.5
38,7
38,9
39,1
39.3

38.4
38,6
38,8
39,0
39,2
39.4

38,5
38,7

38,5
38,7

39.6  39,6
39.7  39,8  39,9  39,9

38,9  38,9
39,1  39,1
39,3  39,3
39,5  39,5
39,7  39,7

38,6  38,7
38,8  38,9

39,9
40,1

40,0
40,2

40,3  40,4

40,1
40,3

40,1
40,3

40,5  40,6  40,7

40,6  40,5

40.7
40.9
41.1
41.3
41.5
41.7
41.9
42.1
42.3
42.5
42.7

40.8
41,0
41.2
41.4
41.6
41.8
42,0
42.2
42.4
42.6

42,4
42,6
42,8  42,8
42,9  43,0  43,0

40,7
40,9
41,1
41,3

40,9
41,0
41.2
41,4  41,5
41,6  41,7
41,8
42,0
42.2

43.1
43.3
43,5
43,7
43,9
44.1
44.3

43,2

43,2

41.9
42.1
42.3
42,5
42,7
42.9
43.1
43.3

39,0
39.2
39.4
39.6
39.8
40,0
40.2
40.4
40.6
40.8
41,0
41.2
41.4
41.6
41.8
42,0
42.2
42.4

39.1
39.3
39.5
39.7
39.9
40.1
40.3
40.5
40.7
40.9
41.1
41.3
41.6
41.7
41.9
42.1
42.3
42,5

42,6  42,7
42.8  42,9
43(0  “
43,2
43,4  43,5

43,1
43,3

43,4  43,4  43,5  43,6

43,6  43,6
43,843,8
44,0  44,0
44,2
44,4
44,6
44,8

44,2
44,4

44,5  44,6
44,744,8
44,9(45,0  46,0,
45,1  45,2  45,2

45,3
45,5
45,7

45,4
46,6
45,8

46,4
45,6
45,8
45.9  46,0  4ö(0
46,1i46,2  46,2
46,3146,4  46,4
46,5(46,6  46,6

46.7  46,8
46,9  47,0
47,1  j  47,2
47,347,4
47,5  47,6
47.7  47,8
47,948,0

46.8
47,0
47,2
47,4
47,6
47.8
48,0

48,1  48,2  48,2  48,3

43.7
43.9
44.1
44.3
44.5
44.7
44.9
45.1
45.3
45.6
45.7
45.9
46.1
46.3
46.5
46(7
46.9
47.1
47.3
47.5
47.7
47.9
48.1

43  7
43,8  43’9  43;9
44,0  44,1  44,1

38,7  38,8
38,9  39,0
39,1  39,2

39.3
39.5
39.7
39.9
40.1
40.3
40.5
40.7
40.9
41.1
41.3

39,4

39,6  39,7

39,8

40,0  40,1

40,2
40,4
40,6
40.8

41,0  41,1
41,2  41,3
41,4

41,5141,6
41,7  41,8
41,9  42,0

42.1
42.3
42.5
42,7
42,9
43.1
43.3
43.6
43.7

44.2
44.4
44.6
44,8
45,0
45.2
45.4
45.6
45;8
46,0

44,3
44.5
44.6
44,8

44,3
44,5
44,7
44,9

45,0145,1
45,2  45,3
45,4  45,5
45,645,7
45,8  45,9
46,0(46,1

46,2  46,2146,3

46,4

46,4  46,5

46,6  46,6  46,7

46,8
47,0

46,8146,9
47,047,1
47,2  47,2  47,3
47,4(47,4(47,5
47,6147,6  47,7  47,8

42.2
42.4
42.6
42.8
43,0
43.2
43.4
43.6
43.8
44,0
44.2
44.4
44.6
44.8
45,0
46.2
45.4
45.6
45.8
46,0
46.2
46.4
46.6
46.8
47,0
47.2
47.4
47.6

47,8  47,8  47,9

48,0
48,2
48,4

48,0
48,2

48,048,1
48,2(48,3  48,4|48,5j48,5

38,9
39,1
39,3
39,5

39,9

40,3
40,5
40,7
40,9

40,9
41,1
.  41,3
41,5,41,5

41,7
41.9
42.1
42.3
42.6
42.7
42.9
43.1
43.3
43.5
43.7
43.9
44.1
44.3
44.5
44.7
44.9
45.1
45.3
45.5

38.9
39.1
39.3
39.5
39.7
39.9
40.1
40.3
40.5
40.7

41.7
41.9
42.1
42.3
42.5
42.7
42.9
43.1
43.3
43.5
43.7
43.9
44.1
44.3
44.5

39,0(39,1
39,2  39,3

39,1  39,2  39,3

39,4
39,6

39.6
39.7

39,8  39,9

39,3
39,5
39,7
39,9

40,0
40,2
40,4

40.6  40,7
40,840,9
41,041,1
41.2  41,3
41,4(41,5
41.6  41,7
41,8(41,9
42,042,1
42.2  42,3

42,4
42,6
42,8

42,5
42,7
42,9

43,0  43,1

43,2
43,4

43,3
43,5

43,6  43,7
43,8  43,9
44,0  44,1
44,2  44,r

44,4
44,6

44,7  44,8

44
44,7
44,9

44,9145,0  45,1
45,l!46,2  45,3

45.6
45.7
45,9

45,3145,4
45,6(45,6
45.7  46,7(45,8
45,9  45,9  46,0  46,1
46,1  46,1  46,2  46,3
46,3  46,3  46,4  46,5
46,5  46,6  46,6  46,7
46.7  46,7  46,8(46,9
46.9
47,1
47,3
47,5
47,7
47.9

46,9
47,1
47,3
47,5
47,7

47,9
48,1  48,1
48,3  48,3

48,4(48,5

48,6(48,7  48,7

39,4  39,5
39,6  39,7
39,8  39,9
40,0  40,1

39,4
39,6
39,8
40,0
40,2

39.5
39,7
39,9
40,1
40,3
40.5

40,1  40,1  40,2  40,3  40,4
40,3  40,3  40,4  40,5  40,6
40,5  40,5  40,6  40,7  40,8
-  “40.7  40,8  40,9  41,0  41,1
40,9(41,0(41,1  41,2  41,3
41,1  41,2(41,3
41,3  41,4  41,5
41,5  41.6  41,7

39.6
39,8
40,0
40,2
40,4
40.6
40,7  40,7  40,8

39.5
39,7
39,9
40,1
40,3
40.5

41,741,8
41,942,0

41,9
42,1

42,1  42,2  42,3

42,3
42,5

42,4
42,6

42,5

41.4
41.6
41,8
42,0
42,2
42.4
42.6

40,9

41,5
41,7
41,9

40.9
41,1
41,3
41.5
41,7
41.9

42,1  42,1
42,3  42,3

42,5
42,7

42.6
42.7

42,7  42,8  42,9(42,9

42,7  42,8  42,9(43,0  43,1
42,9  43,0  43,1  43,2  '

43,1
43,3
43,5

43,2
43,4

43,3
43,5

43,6  43,7  43,8

43,4

43,6  43,7  43,7  43,8  43,9

43,7  43,8(43,9  44,0

43,9
44,1
44,3
44,5

44,0  44,1

44,2
44,4
44,6

44,3

44,7  44,8
44,9  45,0  45,1(45(2

44,2
44,4
44,5  44,6
44,7  44,8
44,9  45,0

45,1
45,3

45,2
45,4

46,6  45,6
45,7(45,8
45,9  46,0
46,1  46,2
46,3  46,4
46.5  46,6
46,7(46,8

46,9

47,0  47,1
47,247,3
47,4  47,5
47,6  47,7
47,8  47,9

48,0
48,2
48,4
48,6
48,8

48,1
48,3
48,5
48,7
48,9

47,0

47,1  47,2
47,3  47,4
47,547,6
47,7(47,8
47,948,0

45,3  45,4
45,5  45,6
45.7  45,8
45.9  46,0
46.1  46,2
46,346,4
46,5)46,6
46.7  46,8
46.9  47,0
47.1  47,2

47,3
47,5

47,4
47,6

43,3
43,5

43,1
43,3
43,5

41,0
41.2
41.4
41.6
41.8
42,0
42.2
42.4
42.6
42.8
43,0
43.2
43.4
43.6

39.7
39.9
40.1
40.3
40.5
40.7
40.9
41.1
41.3
41.5
41.7
41.9
42.1
42.3
42.5
42.7
42.9
43.1
43.3
43.5
43.7

43,9  43,9(44,0(44,1
44,1  44,1  44,2(44,3
44,3  44,3(44,4!44,5
44,5  44,5

44,7
44,9
46,1
45,3

44,7

44,6(44,7
44,8(44,9
44,9  45,0(45,1
45,1  45,2  46,3
46,3 : 45,4  45,5

45,5(45,5  46,6  46,7
46.7  45,7  45,8  45,9
45,9  45,9  46,0(46,1
46,1(46,1(46,2(46,3
46,3  46,3:46,4  46,5
46,5  46,5  46,6  46,7
46.746.7  46,8  46,9

46,9  46,9
47,1  47,1

47,0
47,2

47,3  47,3  47,4

47,547,5
47,7  47,7

47,6
47,8

47,1
47,3
47,5
47,7
47,9

47,7  47,8  47,947,9  48,0(48,1

47,9(48,0  48,1(48,1
48,1(48,2  48,3(48,3
48,l(48,2(48,3(48.4  48,5(48,5
48,3  48,4  48,5  48,6  48,748,7
48,5  48,6  48,7  48,8  48,9(48,9
48,7  48.8  48,9  49,0  49,1  49,1
48,9  49,0  49,1  49,2  49,3  49,8

48.2  48,3
48.4  48,5
48,648,7
48,8(48,9
49,0  49,1
49.2  49,3
49.4  49,5
        <pb n="649" />
        628

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfahrikation.

Abgelesene ­

Prozente

W  ärmegrade:

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

49,0

48,3

48,4

48,4

48,5

48,6

48,6

48,7

48,8

48,9

48,9

49,0

49,1

49,1

49,2

49,3

49,4

49,6

49,5

49,6

49,7

2

48,6

48,6

48,6

48,7

48,8

48,8

48,9

49,0

49,1

49,1

49,2

49,3

49,3

49,4

49,5

49,6

49,7

49,7

49,8

49,9

4

48,7

48.8

48,8

48,9

49,0

49,0

49,1

49,2

49,3

49,3

49,4

49,5

49,5

49.6

49,7

49,8

49,9

49,9

50,0

60,1

6

48,9

49,0

49,0

49,1

49,2
49,4

49,2

49,3

49,4

49,5

49,5

49,6

49,7

49,7

49,8

49,9

50,0

50,1

60,1

60,2

50,3

8

49,1

49,2

49,2

49,3

49,4

49,6

49,6

49,7

49,7

49,8

49,9

49,9

50,0

50,1

50,2

60,3

50,3

50,4

60,5

50,0

49,3

49,4

49,4

49,5

49,6

49,6

49,7

49,8

49,9

49,9

50,0

50,1

50,2

50,2

50,3

50,4

50,5

50,5

50,6

50,7

Anlage  B.
Anleitung  für  die  Chemiker  zur  Feststellung  des  Quotienten  der  Zuckerabläufe
und  zur  Ermittelung  des  Rafllnosegehnlts.
Allgemeine  Vorschriften.
Die  Vorschriften  unter  I  Ziffer  2  und  3  der  Anlage  A  finden  auch  auf  diese  Feststellung ­
  Anwendung  mit  der  Maßgabe,  daß  auch  nicht  geeichte,  jedoch  eichfähige  Geräte
Verwendung  finden  dürfen,  sofern  sie  einer  genauen  Prüfung  durch  den  untersuchenden
Chemiker  unterzogen  sind;  hierüber  ist  bei  der  Mitteilung  des  Ergebnisses  ein  entsprechender
Vermerk  zu  machen.  Auf  die  Spindeln  und  Gewichte  bezieht  sich  diese  Ausnahme  nicht.
In  allen  Fällen,  in  denen  eine  chemische  Ermittelung  des  Gesamtzuckergehaltes
stattfindet,  ist  bei  der  Berechnung  des  Quotienten  an  die  Stelle  der  Polarisationsgrade  der
Gesamtzuckergehalt,  als  Rohrzucker  berechnet,  zu  setzen.
Nach  den  Ausführungsbestimmungen  soll  die  Feststellung  des  Quotienten  eines
Zuokerablaufs  einem  Chemiker  übertragen  werden,  wenn
a)  bei  der  Abfertigungsstello  oder  dem  Amte,  an  welches  die  Probe  versendet  ist,  zur
Ermittelung  des  Quotienten  geeignete  Beamte  nicht  vorhanden  sind;
b)  der  Zuckerablauf  2  oder  mehr  vom  Hundert  Invertzucker  enthält;
c)  der  Anmelder  die  Berechnung  des  Quotienten  nach  dem  chemisch  ermittelten  reinen
Zuckergehalte  beantragt  hat.
Den  Chemikern  wird  bei  der  Übersendung  der  Proben  von  der  Amtsstelle  jedesmal
mitgeteilt  werden,  aus  welchem  der  angegebenen  Gründe  die  Untersuchung  erfolgen  soll
und  ob  die  Anwendung  der  Raffinoseformel  gemäß  §  2  Absatz  5  der  Ausführungsbestimmungen ­
  zulässig  ist.
In  den  unter  a  und  b  bezeichneten  Fällen  haben  die  Chemiker  zunächst  nach  den
Vorschriften  der  Anlage  A  zu  verfahren,  jedoch  sind  die  Prozente  Brix  durch  Ermittelung
der  Dichte  des  unverdünnten  Ablaufs  bei  20°  mittels  des  Pyknometers  zu  berechnen.  Die
Berechnung  darf  nur  auf  Grund  der  nachstehenden  Tabelle  2  geschehen.  Ergibt  diese
vorläufige  Untersuchung  einen  Quotienten,  der  kleiner  ist  als  70,  und  einen  Invertzuckergehalt ­
  von  2  oder  mehr  vom  Hundert,  so  tritt  die  chemische  Untersuchung  nach  den  Vorschriften ­
  des  nachstehenden  Abschnitts  1  ein.
Die  gleichen  Vorschriften  gelten  im  Falle  unter  c,  sobald  es  sich  nicht  um  Berücksichtigung ­
  des  Raffinosegehalts  handelt.  Ist  dagegen  auch  die  Berücksichtigung  des  Rafflnosegehalts
  vom  Anmelder  verlangt,  so  ist  bei  einem  2  vom  Hundert  nicht  erreichenden  Gehalt
an  Invertzucker  nach  den  Vorschriften  des  nachfolgenden  Abschnitts  2a  zu  verfahren.
Enthält  der  Ablauf  2  oder  mehr  vom  Hundert  Invertzucker  und  ist  bei  der  Übersendung
der  Proben  von  der  Amtsstelle  mitgeteilt,  daß  die  Anwendung  der  Raffinoseformel  zulässig
ist,  so  ist  nach  Abschnitt  2  b  zu  verfahren.  Die  Untersuchung  auf  den  Gehalt  an  Invertzucker ­
  geschieht  in  beiden  Fällen  nach  der  unter  II1  der  Anlage  A  gegebenen  Vorschrift.
(Fortsetzung  siehe  S.  631.)
        <pb n="650" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

629

Tabelle  2
zur  Ermittelung  der  Prozente  Brix  aus  der  Dichte  bei  20°.

Prozente ­

Brix

Zehntel-Prozente:



,0

1  ’ 2

,3

A

)6

&amp;gt; 6

,7

,8

,9

Dichte  bei  20°  für  die  nebenstehenden  ganzen  Prozente  und  obenstehenden

0

0,9982

0,9986

0,9990

Zel
0,9994

mtel-Prozente  Bi
0,9998  I  1,0002

ix.
1,0006

1,0010

1.0013

1,0017

i

1,0021

1,0025

1,0029

1,0033

1,0037

1,0041

1,0045

1,0048

1,0062

1,0056

2

1,0060

1,0064

1,0068

1,0072

1,0076

1,0080

1,0084

1,0088

1,0091

1,0095

3

1,0099

1,0103
1,0143

1,0107

1,0111

1,0115

1,0119

1,0123

1,0127

1,0131

1,0135

4

1,0139

1,0147

1,0151

1,0155

1,0169

1,0163

1,0167

1,0171

1,0175

5

1,0179

1,0183

1,0187

1,0191

1,0195

1,0199

1,0203

1,0207

1,0211

1,0215

6

1,0219

1,0223

1,0227

1,0231

1,0235

1,0239

1,0243

1,0247

1,0251

1,0255

7

1,0259

1,0263

1,0267

1,0271

1,0275

1,0279

1,0283

1,0287

1,0291

1.0296

8

1,0299

1,0303

1,0308

1,0312

1.0316

1,0320

1,0324

1,0328

1,0332

1,0336

9

1,0340

1,0344

1,0349

1,0353

1,0367

1,0361

1,0365

1,0369

1,0373

1,0377

10

1,0381

1,0386

1,0390

1,0394

1,0398

1,0402

1,0406

1,0410

1,0415

1,0419

11

1,0423

1,0427

1,0431

1,0435

1,0440

1,0444

1,0448

1,0452

1,0456

1,0460

12

1,0465

1,0469

1,0473

1,0477

1,0481

1,0486

1,0490

1,0494

1,0498

1,0502

13

1,0507

1,0511

1.0515

1,0619

1,0524

1,0628

1,0632

1,0536

1,0541

1,0545

14

1,0549

1,0553

1,0558

1,0562

1,0566

1,0570

1,0575

1,0579

1,0583

1,0587

16

1,0592

1,0596

1,0600

1,0605

1,0609

1,0613

1,0617

1,0622

1,0626

1,0630

16

1,0636

1,0639

1,0643

1,0648

1,0652

1,0656

1,0661

1,0666

1,0669

1,0674

17

1,0678

1,0682

1,0687

1,0691

1,0695

1,0700

1,0704

1,0708

1,0713

1,0717

18

1,0721
1,0765

1,0726

1,0730

1,0736

1,0739

1,0743

1,0748

1,0752

1,0767

1,0761

19

1,0770

1,0774

1,0779

1,0783

1,0787

1,0792

1,0796

1,0801

1,0805

20  '

1,0810

1,0814

1,0818

1,0823

1,0827

1,0832

1,0836

1,0841

1,0845

1,0850

21

1,0854
1,0899

1,0859

1,0863

1,0868

1,0872

1,0877

1,0881

1,0886

1,0890

1,0895

22

1,0904

1,0908

1,0913

1,0917

1,0922

1,0926

1,0931

1,0935

1,0940

23

1,0944
1,0990

1,0949

1,0953
1,0999

1,0958

1,0962

1,0967

1,0971

1,0976

1,0981

1,0986

24

1,0994

1,1003

1,1008

1,1013

1,1017

1,1022

1,1026

1,1031

25

1,1036

1,1040
1,1086

1,1045

1,1049

1,1054

1,1069

1,1063

1,1068

1,1072

1,1077

26

1,1082

1,1091
1,1138

1,1096

1,1100

1,1105

1,1110

1,1114

1,1119

1,1124

27

1,1128

1,1133

1,1142

1,1147
1,1194

1,1152

1,1166

1,1161

1,1166

1,1170

28

1,1175

1,1180

1,1185

1,1189

1,1199

1,1203

1,1208

1,1213

1,1218

29

1,1222

1,1227

1,1232

1,1237

1,1241

1,1246

1,1251

1,1256

1,1260

1,1265

30

1,1270

1,1275

1,1279

1,1284

1,1289

1,1294

1,1299

1,1303

1,1308

1,1313

31

1,1318

1,1323

1,1327

1,1332

1,1337

1,1342

1,1347

1,1351

1,1356

1,1361

32

1,1366
1,1415

1,1371

1,1376

1,1380

1,1385

1,1390

1,1395

1,1400

1,1406

1,1410

33

1,1419

1,1424

1,1429

1,1434

1,1439

1,1444

1,1449

1,1464

1,1459

34

1,1463

1,1468

1,1473

1,1478

1,1483

1,1488

1,1493

1,1498

1,1503

1,1508

35

1,1513

1,1618

1,1623

1,1528

1.1533

1,1538

1,1542

1,1547

1,1552

1,1557

3B

1,1562

1,1567

1,1572

1,1577

1,1682

1,1587

1,1592

1,1597

1,1602

1,1607

ö  i

1,1612
1,1663

1,1617

1,1622

1,1627

1,1632

1,1637

1,1642

1,1647

1,1663

1,1658

38

1,1668

1,1673

1,1678

1,1683

1,1688

1,1693

1,1698

1,1703

1,1708

39

1,1713

1,1718

1,1724

1,1729

1,1734

1,1739

1,1744

1,1749

1,1754

1,1759

40

1,1764

1,1770  ,

1,1775

1,1780

1,1785

1,1790

1,1795

1,1800

1,1806

1,1811

41

1,1816

1,1821  1

1,1826

1,1831

1,1837

1,1842

1,1847

1,1852

1,1857

1,1863

42

1,1868

1,1873

1,1878

1,1883

1,1888

1,1894

1.1899

1,1904

1,1909

1,1915

43

1,1920

1,1925

1,1931

1,1936

1,1941

1,1946

1,1951  1

1,1957

1,1962

1,1967

44

1,1972

1,1978
1

1,1983

1,1988

1,1994

1,1999

1,2004  j

1,2010

1,2015

1,2020
        <pb n="651" />
        630

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Prozente ­

Brix

Zehntel-Prozente:



,0

,1

,2

.3

,4

,5

,6

,7

,8

,9

45

1,2025

1,2031

1,2036

1,2041

1,2047

1,2052

1,2057

1,2063

1,2068

1,2073

46

1,2079

1,2084

1,2089

1,2095
1,2149

1,2100

1,2105

1,2111

1,2116

1,2122

1,2127

47

1.2132

1,2138

1,2143

1,2154

1,2169

1,2165

1,2170

1,2176

1,2181

48

1,2186

1,2192

1,2197

1,2203

1,2208

1,2214

1,2219

1,2224

1,2230

1,2235

49

1,2241

1,2246

1,2252

1,2257

1,2263

1,2268

1,2274

1,2279

1,2285

1,2290

60

1,2296

1,2301
1,2366

1,2307

1,2312

1,2318

1,2323

1,2329

1,2334

1,2340

1,2345

öl

1,2351

1,2362

1,2367

1,2373

1,2379

1,2384

1,2390

1,2395

1,2401

52

1,2406

1,2412

1,2418

1,2423

1,2429

1,2434

1,2440

1,2446

1,2451

1,2457

53

1,2462

1,2468

1,2474

1,2479
1,2536

1,2486

1,2490

1,2496

1,2502

1,2507

1,2613

54

1,2619

1,2624

1,2530

1,2541

1,2547

1,2563

1,2558

1,2564

1,2670

55

1,2575

1,2581

1,2587

1,2592

1,2598

1,2604

1,2610

1,2616

1,2621

1,2627

56

1,2632

1,2638

1,2644

1,2660

1,2656

1,2661

1,2667

1,2673

1,2678

1,2684

57

1,2690
1,2748

1,2696

1,2701

1,2707

1,2713

1,2719

1,2725

1,2730

1,2736

1,2742

58

1,2754

1,2759

1,2765

1,2771

1,2777

1,2783

1,2788

1,2794

1,2800

59

1,2806

1,2812

1,2818

1,2824

1,2830

1,2835

1,2841

1,2847

1,2853

1,2869

60

1,2865

1,2870

1,2876

1,2882

1,2888

1,2894

1,2900

1.2906

1,2912

1,2918

61

1,2924

1,2929

1,2935

1,2941

1,2947

1,2953

1,2959

1,2966

1,2971

1,2977

62

1,2983

1,2989

1,2995

1,3001

1,3007

1,3013

1,3019

1,3025

1,3031

1,3037

63

1,3043
1,3103

1,3049
1,3109

1,3065
1,3115

1,3061

1,3067

1,3073

1,3079

1,3085

1,3091

1,3097

64

1,3121

1,3127

1,3133

1,3139

1,3145

1,3151

1,3157

65

1,3163

1,3169

1,3175

1,3182

1,3188

1,3194

1,3200

1,3206

1,3212

1,3218

66

1,3224

1,3280

1,3236
1,3298

1,3243

1,3249

1,3265

1,3261

1,3267

1,3273

1,3279

67

1,3286

1,3292

1,3304

1,3310

1,3316

1,3323

1,3329

1,3335

1,3341

68

1,3347
1,3409

1,3363

1,3360
1,3422

1,3366

1,3372

1,3378

1,3384

1,3391

1,3397

1,3403

69

1,3416

1,3428

1,3434

1,3440

1,3447

1,3453

1,3469

1,3465

70

1,3472

1,3478

1,3484

1,3491

1,3497

1,3503

1.3609

1,3516

1,3522

1:3528

71

1,3535

1,3541

1,3647

1.3553

1,3560

1,3566

1,3572

1,3579

1,3585

1,3691

72

1,3698

1,3604

1,3610

1,3617

1,3623

1,3630

1,3636

1,3642

1,3649

1,3655

73

1,3661

1,3668

1,3674

1,3681

1,3687

1,3693

1,3700

1,3706

1,3713

1,3719

74

1,3725

1,3732

1,3738

1,3745

1,3751

1,3757

1,3764

1,3770

1,3777

1,3783

75

1,3790

1,3796

1,3803

1,3809

1,3816

1,3822

1,3829

1,3835

1,3841

1,3848

76

1,3854

1,3861

1,3867

1,3874

1,3880

1,3887

1,3893

1,3900

1,3907

1,3913

77

1,3920

1,3926

1,3933

1,3939

1,3946

1,3952

1,3959

1,3966

1,3972

1,3978

78

1,3985

1,3992

1,3998

1,4005

1,4011

1,4018

1,4025

1,4031

1,4038

1,4044

79

1,4051

1,4058

1,4064

1,4071

1,4077

1,4084

1,4091

1,4097

1,4104

1,4111

80

1,4117
1,4184

1,4124

1,4130

1,4137

1,4144
1,4210

1,4150

1,4157

1,4164

1,4170

1,4177

81

1,4190

1,4197

1,4204

1,4217

1,4224

1,4231

1,4237

1,4244

82

1,4251

1,4257

1,4264

1,4271
1,4338

1,4278

1,4284

1,4291

1,4298

1,4305

1,4311

83

1,4318

1,4325

1,4332

1,4345

1,4352

1,4359

1,4366

1,4372

1,4379

84

1,4386

1,4393

1,4399

1,4406

1,4413

1,4420

1,4427

1,4433

1,4440

1,4447

85

1,4454
1,4622

1,4461

1,4468

1,4474

1,4481

1,4488

1,4495

1,4602

1,4509

1,4516

86

1,4529

1,4536

1,4543

1,4650

1,4557

1,4564

1,4570

1,4677

1,4584

87

1,4691

1,4598

1,4605
1,4674

1,4612

1,4619

1,4626

1,4633

1,4640

1,4646

1,4653

88

1,4660

1,4667

1,4681

1,4688

1,4696

1,4702

1,4709

1,4716

1,4723

89

1,4730

1,4737

1,4744

1,4751

1,4758

1,4765

1,4772

1,4779

1,4786

1,4793

90

1,4800

1,4807

1,4814

1,4821

1,4828

1,4835

1,4842

1,4849

1,4856

1,4863

91

1,4870

1,4877

1,4884

1,4891

1,4898

1,4905

1,4912

1,4919

1,4926

1,4934

92

1,4941

1,4948

1,4955

1,4962

1,4969

1,4976

1,4983

1,4990

1,4997

1,5004

93

1,5012

1,6019

1,6026

1,5033

1,5040

1,6047

1,5064

1,5061

1,5069

1,6076

94

1,5083

1,5090

1,5097

1,5104

1,5112

1,5119

1,6126

1,6133

1,5140

1,5147
        <pb n="652" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz,

631

Pro-Zehntel-





Brix

,0

,1

,2

&amp;gt; 3

,4

,5

,6

,7

,8

,9

95

1,5155

1,6162

1,6169

1,6176

1,6183

1,6191

1,6198

1,5205

1,6212

1,5219

96

1,5227

1,6234

1,5241

1,6248

1,6266

1,6263

1,5270

1,5277

1,6285

1,6292

97

1,6299

1.5306

1,6313

1,6321

1,5328

1,5335

1,5342

1,6350

1,5357

1,5364

98

1,5372

1,6379

1,5386

1,5393

1,5401

1,5408

1,5416

1,6423

1,5430

1,5437

99

1,5446

1,5452

1,6459

1,5467

1,5474

1,5481

1,5489

1,5496

1,5503

1,5611

100

1,5518

—

—

—

—

'

—

—

—

(Fortsetzung  von  S.  628.)
1.  Feststellung  des  Quotienten  ohne  Rücksicht  auf  Eaffinosegehalt.
Die  folgende  Vorschrift  gilt  in  allen  Fällen,  unbeschadet  ob  Stärkezucker  vorhanden
ist  oder  nicht.
Man  wägt  das  halbe  Normalgewicht  (13  g)  vom  Ablauf  ab,  löst  es  in  einem  Meßkolben ­
  von  100  ccm  Eaumgehalt  in  75  ccm  Wasser,  setzt  5  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen
Gewicht  1,19  zu  und  erwärmt  auf  67—70°  im  Wasserbado.  Auf  dieser  Temperatur  wird
der  Kolbeninhalt  noch  5  Minuten  unter  häufigem  Umschütteln  gehalten.  Da  das  Anwärmen
2 1 / a —5  Minuten  dauern  kann,  wird  die  Arbeit  im  ganzen  7 1 /.,—10  Minuten  in  Anspruch
nehmen;  in  jedem  Falle  soll  sie  in  10  Minuten  beendet  sein.  Man  füllt  nach  dem  Erkalten
zur  Marke  auf,  verdünnt  darauf  50  ccm  von  den  100  ccm  zum  Liter,  nimmt  davon  25  ccm
(entsprechend  0,1625  g  des  Ablaufs)  in  einen  Erl  enmeyersehen  Kolben  und  setzt,  um
die  vorhandene  freie  Säure  abzustumpfen,  25  ccm  einer  Lösung  von  kohlensaurem  Natrium
zu,  welche  durch  Lösen  von  1,7  g  wasserfreiem  Salze  zum  Liter  bereitet  ist.  Darauf  versetzt ­
  man  mit  50  ccm  Fehlingsoher  Lösung  (Anlage  AII1),  erhitzt  in  derselben  Weise
wie  bei  einer  Invertzuckerbestimmung  zum  Sieden  und  hält  die  Flüssigkeit  genau  2  Minuten
im  Kochen.  Das  Anwärmen  der  Flüssigkeit  soll  möglichst  rasch  mittels  eines  guten  Dreibrenners ­
  geschehen  und  unter  Benutzung  eines  Drahtnetzes  mit  übergelegter  ausgeschnittener
Asbestpappe  S'/.j—4  Minuten  in  Anspruch  nehmen;  sobald  die  Flüssigkeit  kräftig  siedet,
wird  der  Dreibrenner  mit  einem  Einbrenner  vertauscht.  Nach  dem  Erhitzen  verdünnt  man
die  Flüssigkeit  in  dem  Kolben  mit  der  gleichen  Eaummenge  luftfreien  kalten  Wassers
und  verfährt  im  übrigen  genau  nach  dem  für  Invertzuckerbestimmung  bekannten  Verfahren
der  Gewichtsanalyse  mittels  Reduktion  des  Kupferoxyduls  im  Wasserstoffstrom  oder  Ausfällung ­
  des  Kupfers  aus  der  salpetersaureu  Lösung  des  Kupferoxyduls  auf  elektrolytischem
Wege.  Zur  Berechnung  des  Ergebnisses  aus  der  gefundenen  Kupfermenge  ist  ausschließlich ­
  die  nachfolgende  Tabelle  zu  benutzen,  welche  den  Eohrzuokergehalt  unmittelbar  in
Prozenten  angibt.  Die  Umrechnung  des  Invertzuckers  in  Rohrzucker  ist  demnach  nicht
erforderlich.
(Siehe  Tabelle  3  Seite  632.)
Bei  der  Berechnung  des  Quotienten  sind  im  Endergebnisse  die  Bruchteile  auf  Zehntel
abzurunden,  und  zwar,  wenn  die  zweite  Stelle  nach  dem  Komma  weniger  als  5  beträgt,
nach  unten,  anderfalls  nach  oben.
Beispiel;  25  ccm  des  invertierten  Zuckerablaufs,  enthaltend  0,1626  g  des  Ablaufs,
geben  bei  der  Reduktion  171  mg  Kupfer;  diese  entpsrechen  52,80  Prozent  Zucker.  Angenommen ­
  der  Ablauf  zeige  74,6  Prozent  Brix,  so  ist  sein  Quotient  70,77  oder  abgerundet  70,8.
2.  Feststellung  des  Quotienten  der  Zuckerabläufe  mit  Rücksicht  auf
Eaffinosegehalt.
a)  Besteht  Sicherheit  darüber,  daß  der  Gehalt  an  Invertzucker  2  vom  Hundert  nicht
erreicht,  so  bedarf  es  außer  der  Feststellung  der  Prozente  Brix  nur  der  Bestimmung  der
Polarisation  nach  Anlage  A  und  C  vor  und  nach  der  Inversion,  bezogen  auf  das  ganze
        <pb n="653" />
        632

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Normalgewicht.  Die
Bezeichnen  P  und  J

Inversion  ist  nach  dem  unter  1  beschriebenen  Verfahren  auszuführen,
die  Polarisationsgrade,  so  ist

der  Gehalt  an  Zucker  Z  =

0.5124.  P  —J
0,839  '

Tabelle  3
zur  Berechnung  des  Rohrzuckergehalts  aus  der  gefundenen  Kupfermenge  bei  2  Minuten
Kochdauer  und  0,1625  g  Ablauf.

II  ^

Eohr-Kup-



























zuoker

fer

zucker

fer

zucker

fer

zucker

fer

zuoker

fer

zuoker

fer

zucker

mg

°/o

mg

°/o

mg

°/o

mg

°/o

mg

°/o

mg

%

mg

°/o

79

23,57

106

32,31

133

40,74

160

49,29

187

67,85

214

66,77

241

75,69

80

23,88

107

32,68

134

41,11

161

49,60

188

58,15

215

67,08

242

76,00

81

24,12

108

33,05

135

41,42

162

49,91

189

58,52

216

67,38

243

76,37

82

24,43

109

33,29

136

41,66

163

50,22

190

68,83

217

67,69

244

76,68

83

24,74

110

33,60

137

42,03

164

50,58

191

59,14

218

68,06

245

77,05

84

26,05

111

33,91

138

42,34

165

50,83

192

69,45

219

68,37

246

77,36

85

25,36

112

34,22

139

42,65

166

61,20

193

59,82

220

68,68

247

77,72

86

25,66

113

34,58

140

42,95

167

51,61

194

60,18

221

69,05

248

78,03

87

25,97

114

34,83

141

43,26

168

51,82

195

60,43

222

69.42

249

78,40

88

26,28

116

35,14

142

43,57

169

52,12

196

60,80

223

69,66

250

78,71

89

26,52

116

35,51

143

43,88

170

62,43

197

61,17

224

70,03

251

79,02

90

27,45

117

35,75

144

44,18

171

52,80

198

61,42

225

70,40

252

79,38

91

27,69

118

36,06

145

44,49

172

53,11

199

61,78

226

70,71

253

79,69

92

28,00

119

36,43

146

44,86

173

53,42

200

62,15

227

71.02

264

80,06

93

28.31

120

36,74

147

45,11

174

53,72

201

62,46

228

71,38

265

80,37

94

28,62

121

36,98

148

45,48

175

64,03

202

62,77

229

71,69

256

80,74

96

28,92

122

37,35

149

45,78

176

54,34

203

63,08

230

72,00

257

81,05

96

29,23

123

37,66

150

46,15

177

54,65

204

63,45

231

72,37

258

81,36

97

29,54

124

37,97

151

46,40

178

55,01

205

63,75

232

72,68

259

81,72

98

29,85

125

38,28

152

46,77

179

55,32

206

64,06

233

73,05

260

82,09

99

30,15

126

38,58

153

47,08

180

55,63

207

64,43

234

73,35

261

82,40

100

30,46

127

38,89

154

47,32

181

55,94

208

64,80

235

73,66

262

82,71

101

30,83

128

39,20

155

47,69

182

56,25

209

65,05

236

74,03

263

83,08

102

31,08

129

39,61

166

48,00

183

56,62

210

66,42

237

74,34

264

83,45

103

31,38

130

39,82

157

48,37

184

56,86

211

65,78

238

74,71

265

83,69

104

31,75

131

40,18

158

48,62

185

67,17

212

66,03

239

76,02

266

84,06

105

32,06

132

40,43

159

48,98

186

57,54

213

66,40

240

75,38

Will  man  außerdem  den  Gehalt  an  Eaffinosehydrat  ermitteln,  so  dient  dazu  die
P  —  Z
Formel  E  =  .
l,o72
Beispiel:  Für  einen  Ablauf  von  56,2  Prozent  Brix,  56,6°  direkter  Polarisation  und
—  13,1°  Polarisation  nach  der  Inversion  (bezogen  auf  das  ganze  Normalgewichtl  berechnet
sich  der  Zuckergehalt  auf  Z  =  0^24.56,6^_(—13,1)  _  gQ  pg  0( j er  abgerundet  50,2  Prozent,
der  Gehalt  an  Eaffinosehydrat  auf  R  =  —i  57^~  =

oder  abgerundet  4,1  Prozent,

der  Quotient  auf  Q  =  =  89,32  oder  abgerundet  89,3.
56,2
b)  Bei  einem  Gehalte  von  2  vom  Hundert  Invertzucker  und  darüber  muß  statt  der
direkten  Polarisation  (P)  des  vorigen  Verfahrens  die  Bestimmung  des  Gesamtzuckers  in  dem
invertierten  Ablauf  mittels  Fehlingscher  Lösung  treten.
Nachdem  die  Prozente  Brix  ermittelt  worden  sind,  bestimmt  man  den  Gehalt  des
Ablaufs  an  Zucker  (Z),  indem  man  die  durch  den  invertierten  Ablauf  aus  Fehlingscher
        <pb n="654" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz,

633

i

Lösung  abgeschiedene  Menge  Kupfer  (Cu)  nach  den  Vorschriften  des  Abschnitts  1  und  die
Inversionspolarisation  (J)  —  bezogen  auf  das  ganze  Normalgewicht  —  feststellt.
Der  Berechnung  ist  die  folgende  Formel  zugrunde  zu  legen:
r/  _  582,98  .  Cu  —  J  .  P 2
~  0,9491  .  P,  -f  0,3266  .  P 3 ’
in  welcher  F x  und  F 3  die  Eeduktionsfaktoren  einerseits  des  invertierten  Rohrzuckers,
andererseits  der  invertierten  Raffmose  bedeuten.  Nachstehend  sind  diese  Werte  unter  der
Voraussetzung,  daß  nur  Zucker,  Invertzucker  und  Raffinose  vorhanden  sind,  für  die  hauptsächlich ­
  in  Betracht  kommenden  Kupfermengen  von  0,120—0,230  g  berechnet  und  ist  die
Formel  durch  Einsetzung  der  berechneten  Werte  vereinfacht  worden.
Für  Cu  =  120  mg  ist  Z  =  247,0  .  Cu  —  0,608  .  J
130  mg  Z  =  247,4  .  Cu  —  0,607  .  J
140  mg  Z  =  247,7  .  Cu  —  0,606  .  J
150  mg  Z  =  248,1.  Cu  —  0,605  .  J
160  mg  Z  =  248,4  .  Cu  —  0,604  .  J
170  mg  Z  =  248,7  .  Cu  —  0,604  .  J
180  mg  Z  =  249,2  .  Cu  —  0,604  .  J
190  mg  Z  =  249,7  .  Cu  —  0,604  .  J
200  mg  Z  =  250,0  .  Cu  —  0,604  .  J
210  mg  Z  =  250,4  .  Cu  —  0,605  .  J
220  mg  Z  =  251,2  .  Cu  —  0,606  .  J
230  mg  Z  =  261,7  .  Cu  —  0,607  .  J.
Da  die  Reduktionsfaktoren  sich  nur  sehr  langsam  ändern,  so  genügt  die  vorstehende
Berechnung  von  0,01  zu  0,01  g  Kupfer.  Milligramme  Kupfer  rundet  man  beim  Aufsuchen
des  entsprechenden  Wertes  in  der  Tabelle  auf  Zentigramme  ah,  und  zwar  unterhalb  5  nach
unten,  andernfalls  nach  oben.
Den  Gehalt  an  Raffinosehydrat  findet  man  nach  der  Formel;
R  =  (1,054  .  J  +  0,344  .  Z).  1,178.
Beispiel:  Der  Ablauf  habe  eine  Inversionspolarisation  J  =  -—8,5°  und  eine  Menge
Kupfer  —  nach  der  Inversion  und  bezogen  auf  0,1625  g  Ablauf  —  Cu  =  0,184  g  ergehen,
dann  ist  aus  der  Tabelle  für  Cu  =  180  mg  der  Wert
Z  =  249,2  .  Cu  —  0,604  .  J  oder
Z  =  249,2.0,184  —  0,604  .  (—  8,5)
Z  =  60,98  Prozent  oder  abgerundet  61,0  Prozent.
Daraus  berechnet  sich  nach  obiger  Raffinoseformel  der  Gehalt  au  Raffinosehydrat
H  =  [1,054  .  (—  8,5)  -)-  0,344.51,0].  1,178  =  10,11  Prozent  oder  abgerundet  =  10,1  Prozent.

Sohlußbestimmung.
Über  jede  Untersuchung  ist  eine  Befundsbescheinigung  auszustellen  und  der  Amtsstelle, ­
  welche  die  Probe  eingesendet  hat,  zu  übermitteln.  Die  Bescheinigung  hat  außer  der
genauen  Bezeichnung  der  Probe  sowie  einem  Vermerk  über  die  Art  der  verwendeten  Meßgeräte ­
  zu  enthalten:
1.  in  den  eingangs  unter  a  bezeichneten  Fällen:
«)  wenn  der  Invertzuckergehalt  2  vom  Hundert  nicht  erreicht:
das  Ergebnis  der  Prüfung  auf  Invertzuckergehalt,  die  Prozente  Brix  oder  die
Dichte  bei  20°  und  die  daraus  berechneten  Prozente  Brix,  die  direkte  Polarisation
und  den  berechneten  Quotienten;
ß)  wenn  der  Invertzuckergehalt  2  oder  mehr  vom  Hundert  beträgt:
das  Ergebnis  der  Prüfung  auf  Invertzuckergehalt,  die  Prozente  Brix  oder  die
Dichte  bei  20°  und  die  daraus  berechneten  Prozente  Brix,  die  nach  dem  Verfahren ­
  unter  1  gefundene  Kupfermenge  und  den  sich  daraus  ergebenden  Gesamt-}
  Zuckergehalt,  schließlich  den  berechneten  Quotienten;
“•  in  den  eingangs  unter  b  bezeichneten  Fällen:
wie  zu  Iß-,
        <pb n="655" />
        634

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuokerfabrikation.

3.  in  den  eingangs  unter  c  bezeichnten  Fällen:
«)  wenn  der  Invertzuckergehalt  2  vom  Hundert  nicht  erreicht:
das  Ergebnis  der  Prüfung  auf  Invertzuckergehalt,  die  Prozente  Brix  oder  die
Dichte  bei  20°  und  die  daraus  berechneten  Prozente  Brix,  die  Polarisation  des
Ablaufs  vor  und  nach  der  Inversion  —  bezogen  auf  das  ganze  Normalgewicht  —,
den  nach  dem  Verfahren  unter  2  a  ermittelten  Gehalt  an  Zucker,  gegebenenfalls
den  an  Raffinosehydrat,  schließlich  den  berechneten  Quotienten;
ß)  wenn  der  Invertzuokergehalt  2  oder  mehr  vom  Hundert  beträgt:
das  Ergebnis  der  Prüfung  auf  Invertzuckergehalt,  die  Prozente  Brix  oder  die
Dichte  bei  20°  und  die  daraus  berechneten  Prozente  Brix,  die  gefundene  Kupfermenge, ­
  die  Polarisation  nach  der  Inversion  —  bezogen  auf  das  ganze  Normalgewicht ­
  —,  die  nach  2b  berechnete  Menge  Zucker  und  gegebenenfalls  des  Raffinosehydrats,
  schließlich  den  berechneten  Quotienten.
Anlage  C.
Anleitung  zur  Bestimmung  der  Polarisation.
Zur  Bestimmung  der  Polarisation  für  Zwecke  der  Steuerverwaltung  darf  nur  ein
Halbschattensaccharimeter  benutzt  werden.  Für  dieses  entspricht  bei  Beobachtung  im
200  mm-Rohre  ein  Grad  Drehung  einem  Gehalte  von  0,26  g  Zucker  in  100  ccm  Flüssigkeit ­
  bei  der  Normaltemperatur  von  20°;  eine  Zuckerlösung,  welche  in  100  ccm  26  g  —
das  sogenannte  Normalgewicht  —  Zucker  enthält,  bewirkt  sonach  eine  Drehung  von  100°.
Demgemäß  zeigen,  wenn  man  im  200  mm-Rohre  eine  Lösung  untersucht,  welche  in  100  ccm
26  g  der  Probe  enthält,  die  Grade  der  Skala  die  Prozente  Zucker  an.  Wendet  man  nur
die  Hälfte  des  Normalgewiohts  zur  Untersuchung  an,  so  müssen  die  abgelesenen  Grade
verdoppelt  werden,  um  Prozente  Zucker  zu  erhalten.  Dasselbe  gilt  für  diejenigen  Fälle,
in  denen  die  Untersuchung  einer  das  ganze  Normalgewicht  enthaltenden  Lösung  in  einem
100  mm-Rohre  erfolgt.  Andererseits  machen  Untersuchungen  von  Lösungen  des  doppelten
Normalgewichts  im  200  mm-Rohre,  sowie  von  solchen  des  einfachen  Normalgewichts  im
400  mm-Rohre  die  Halbierung  der  abgelesenen  Grade  erforderlich.
Die  Untersuchungen  sind,  namentlich  bei  Polarisationen  nach  der  Inversion,  möglichst
bei  der  vorangegehenen  Normaltemperatur  vorzunehmen.
Bei  der  Polarisation  ist  wie  folgt  zu  verfahren:
Man  stellt  auf  einer  geeigneten  Wage  zunächst  das  Gewicht  einer  Messingsohale
oder  eines  zur  Aufnahme  des  zu  untersuchenden  Zuckers  dienenden,  zweckmäßig  an  den
beiden  Langseiten  umgebogenen  Kupferblechs  fest  und  wägt  darauf  das  Normalgewicht.
26  g,  des  zu  untersuchenden  Zuckers  ab.  Falls  die  Zuckerprobe  nicht  gleichmäßig  gemischt
ist,  ist  es  notwendig,  sie  vor  dem  Abwägen  unter  Zerdrücken  der  etwa  vorhandenen  Klumpen
gut  durchzurühren.  Die  Wägung  muß  mit  einer  gewissen  Schnelligkeit  geschehen,  weil
sonst,  besonders  in  warmen  Räumen,  die  Probe  Wasser  abgeben  kann,  wodurch  die  Polarisation ­
  erhöht  wird.  Man  löst  die  abgewogene  Zuckermenge  alsdann  in  der  Messingschale
auf  oder  schüttelt  sie  vom  Kupferblech  durch  einen  Trichter  in  einen  Meßkolben  von
100  ccm  Raumgehalt,  spült  anhängende  Zuckerteilchen  mit  etwa  80  ccm  destilliertem
Wasser  von  Zimmerwärme,  welches  man  einer  Spritzflasche  entnimmt,  nach  und  bewegt
die  Flüssigkeit  im  Kolben  unter  leisem  Schütteln  und  Zerdrücken  größerer  Klümpchen
mit  einem  Glasstabe  so  lange,  bis  der  Zucker  sich  vollständig  gelöst  hat.  Am  Glasstabe
haftende  Zuckerlösung  wird  beim  Entfernen  des  Stabes  mit  destilliertem  Wasser  ins  Kölbchen
zurüokgespült  und  dieses  eine  halbe  Stunde  lang  in  Wasser  von  20°  gestellt.  Hierauf  wird
die  Flüssigkeit  im  Kolben  mittels  destillierten  Wassers  genau  bis  zur  Marke  aufgefüllt.
Zu  diesem  Zwecke  hält  man  den  Kolben  in  senkrechter  Stellung  gegen  das  Licht  so  vor
sich,  daß  in  der  Höhe  des  Auges  die  Kreislinie  der  Marke  sich  als  eine  gerade  Linie
darstellt,  und  setzt  tropfenweise  destilliertes  Wasser  zu,  bis  der  untere,  dunkel  erscheinende
Rand  der  gekrümmten  Oberfläche  der  Flüssigkeit  im  Kolbenhalse  in  eine  Linie  mit  dem
als  Marke  dienenden  Ätzstrioh  fällt.  Nach  dem  Auffüllen  ist  der  Kolbenhals  mit  Filtrierpapier ­
  zu  trocknen  und  die  Flüssigkeit  durch  Schütteln  gut,  mindestens  1—2  Minuten  lang,
durohzumischen.
        <pb n="656" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

635

Zuckerlösungen,  welche  nach  der  weiterhin  zu  erwähnenden  Filtrierung  nicht  klar
oder  noch  so  dunkel  gefärbt  sind,  daß  sie  im  Polarisationsapparate  nicht  hinlänglich  durchsichtig ­
  sind,  müssen  vor  dem  Auffüllen  zur  Marke  geklärt  oder,  wenn  erforderlich,  entfärbt ­
  werden.
Die  Klärung  geschieht  in  der  Kegel  durch  Zusatz  von  3—6  ccm  eines  dünnen  Breies
von  Tonerdehydrat  nebst  1—3  com  Bleiessig.  Gelingt  die  Klärung  auf  diese  Weise  nicht,
so  ist  der  Bleiessigzusatz  vorsichtig  zu  vermehren,  jedoch  nur  so  weit,  daß  jeder  neu  hinzugesetzte ­
  Tropfen  Bleiessig  noch  einen  Niederschlag  hervorruft.
Nach  der  Klärung  wird  der  innere  Teil  des  Halses  des  Kölbchens  mit  destilliertem
Wasser  mittels  einer  Spritzflasche  abgespült  und  die  Lösung  in  der  oben  angegebenen  Weise
bis  zur  Marke  aufgefüllt,  Hierauf  wird  die  im  Halse  des  Kölbchens  etwa  noch  anhaftende
Flüssigkeit  mit  Fließpapier  abgetupft,  die  Öffnung  des  Kölbchens  durch  Andrücken  eines
Fingers  geschlossen  und  der  Inhalt  durch  wiederholtes  Umkehren  und  Schütteln  des  Kolbens
gut  durchgemischt.
Bezüglich  der  Klärung  gelten  folgende  allgemeine  Bemerkungen;
1.  Die  Flüssigkeit  braucht  um  so  weniger  entfärbt  zu  sein,  je  größer  die  Lichtstärke  der
Lampe  ist,  welche  zur  Beleuchtung  des  Polarisationsapparats  dient.  Man  bedient  sich
einer  Gltihlichtlampe  (Spiritus  oder  Gas)  oder  einer  Petroleumlampe,  im  Notfall  auch
einer  gewöhnlichen  Gaslampe  oder  einer  elektrischen  Lampe,  welche  zu  dem  vorliegenden ­
  Zwecke  zugerichtet  ist.  Doch  ist  ein  chromsäurehaltiges  Strahlenfilter
zwischen  Lichtquelle  und  Auge  einzuschalten.
2.  Bleiessig  darf  nie  in  allzu  großer  Menge  zugesetzt  werden.  Bei  einiger  Übung  lernt
man  sehr  bald  erkennen,  wann  mit  dem  Bleiessigzusatz  aufgehört  werden  muß.
3.  Die  Wirkung  des  Klärmittels  ist  um  so  besser,  je  kräftiger  die  Flüssigkeit  nach  dem
Auffüllen  zur  Marke  durchgeschüttelt  wird.
Man  schreitet  alsdann  zur  Filtrierung  der  Flüssigkeit  mittels  eines  in  einen  Glastrichter ­
  eingesetzten  Papierfilters.  Der  Trichter  wird  auf  einen  sogenannten  Filtrierzylinder,
welcher  die  Flüssigkeit  aufnimmt,  gesetzt  und,  um  Verdunstung  zu  verhüten,  mit  einer
Glasplatte  oder  einem  Dhrglase  bedeckt.  Trichter  und  Zylinder  müssen  ganz  trocken  sein;
ein  Feuchtigkeitsgehalt  würde  eine  nachträgliche  Verdünnung  der  Zuckerlösung  bewirken.
Zweckmäßig  wird  das  Filter  so  groß  hergestellt,  daß  man  die  100  ccm  Flüssigkeit
auf  einmal  aufgeben  kann;  auch  empfiehlt  es  sich,  falls  das  Papier  nicht  sehr  dick  ist,  ein
doppeltes  Filter  anzuwenden.  Die  ersten  durchlaufenden  Tropfen  werden  weggegossen,
weil  sie  trübe  sind  und  durch  den  Feuchtigkeitsgehalt  des  Filtrierpapiers  beeinflußt  sein
können.  Ist  das  nachfolgende  Filtrat  trübe,  so  muß  es  auf  das  Filter  zurückgegossen
werden,  bis  die  Flüssigkeit  klar  durchläuft.  Es  ist  dringend  notwendig,  diese  Vorsichtsmaßregel ­
  nicht  zu  verabsäumen,  da  nur  mit  ganz  klaren  Flüssigkeiten  sich  sichere  polarimetrische ­
  Beobachtungen  austellen  lassen.
Nachdem  auf  die  beschriebene  Weise  eine  klare  Lösung  erzielt  worden  ist,  wird
das  Rohr,  welches  zur  polarimetrischen  Beobachtung  dienen  soll,  mit  dem  dazu  erforderlichen ­
  Teile  der  im  Filtrierzylinder  aufgefangenen  Flüssigkeit  gefüllt.
In  der  Kegel  ist  ein  200  mm-Rohr  zu  benutzen;  wird  dabei  eine  genügende  Klarheit ­
  des  Bildes  im  Polarisationsapparat  nicht  erreicht,  so  ist  die  Benutzung  eines  100  mm-Rohres
  vorzuziehen.
Die  Beobachtungsrohre  sind  aus  Messing  oder  Glas  gefertigt;  ihr  Verschluß  an  beiden
Enden  wird  durch  runde  Glasplatten,  sogenannte  Deckgläschen,  bewirkt.  Festgehalteu
werden  die  Deckgläschen  entweder  durch  aufzusetzende  Sohraubenkapseln  oder  durch  federnde
Kapseln,  welche  über  das  Bohr  geschoben  und  von  den  Federn  festgehalteu  werden.
Die  Rohre  müssen  gut  gereinigt  und  getrocknet  sein.  Die  Reinigung  geschieht
zweckmäßig  durch  wiederholtes  Ausspülen  mit  Wasser  und  Nachstoßen  eines  trocknen
Pfropfens  aus  Papier  oder  entfetteter  Watte  mittels  eines  Holzstabes.  Die  Deckgläser  müssen
blank  geputzt  sein  und  dürfen  keine  fehlerhaften  Stellen  oder  Schrammen  zeigen.  Beim
Füllen  des  Rohres  ist  seine  Erwärmung  durch  die  Hand  zu  vermeiden.  Man  faßt  deshalb
das  unten  geschlossene  Rohr  am  oberen  Teile  nur  mit  zwei  Fingern  an,  gießt  es  so  voll,
daß  die  Flüssigkeitskuppe  die  obere  Öffnung  überragt,  wartet  kurze  Zeit,  um  etwa  ent ­
        <pb n="657" />
        636

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

standenen  Luftblasen  Zeit  zum  Aufsteigen  zu  lassen  —  was  durch  sanftes  Aufstoßen  des
senkrecht  gehaltenen  Rohres  beschleunigt  wird  —,  und  schiebt  das  Deckgläscheu  von  der
Seite  in  wagerechter  Richtung  über  die  Öffnung  des  Rohres.  Das  Aufschieben  muß  so
schnell  und  sorgfältig  ausgeführt  werden,  daß  unter  dem  Deckgläschen  keine  Luftblase
entstehen  kann.  Ist  das  Überschiehen  das  erstemal  nicht  befriedigend  ausgefallen,  so
muß  es  wiederholt  werden,  nachdem  man  das  Deokgläschen  wieder  geputzt  und  getrocknet
und  die  Kuppe  der  Zuokerlösung  an  der  Mündung  des  Rohres  durch  Hinzufügen  einiger
Tropfen  der  Flüssigkeit  wieder  hergestellt  hat.  Nach  dem  Aufschieben  des  Deckgläschens
wird  das  Rohr  mit  der  Kapsel  verschlossen.  Erfolgt  der  Verschluß  mit  einer  Schraubenkapsel, ­
  so  ist  mit  Sorgfalt  darauf  zu  achten,  daß  diese  nur  so  weit  ungezogen  wird,  daß
das  Deckgläschen  nur  eben  in  fester  Lage  sich  befindet;  ist  das  Deokgläschen  zu  fest  angezogen, ­
  so  kann  es  optisch  aktiv  werden,  und  man  erhält  bei  der  Polarisation  ein  unrichtiges ­
  Ergebnis.  Ist  die  Schraube  zu  stark  angezogen  worden,  so  genügt  es  nicht,  sie
zu  lockern,  sondern  man  muß  auch  längere  Zeit  warten,  bevor  man  die  Polarisation  vornimmt, ­
  da  die  Deckgläschen  das  angenommene  Drehungsvermögen  zuweilen  nur  langsam
wieder  verlieren.  Um  sicher  zu  gehen,  wiederholt  man  alsdann  die  Beobachtung  mehrere
Male  nach  Verlauf  von  je  10  Minuten,  bis  das  Ergebnis  eine  Änderung  nicht  mehr  erleidet.
Nachdem  das  Rohr  gefüllt  ist,  hält  mau  es  gegen  das  Licht  und  überzeugt  sich,
ob  das  Gesichtsfeld  kreisrund  erscheint  und  ob  insbesondere  keine  Teile  des  zur  Milderung
der  Pressung  des  Deckgläsohens  eingelegten  Gummiringes  über  den  inneren  Metallrand
der  Verschlußkapsel  hervorragen.  Zeigen  sich  solche  Gummiteile,  so  ist  ein  anderes  trockenes
Rohr  unter  Verwendung  eines  weiter  ausgeschnittenen  Gummiringes  mit  der  Flüssigkeit
zu  füllen.  Sodann  wird  der  Polarisationsapparat  zur  Beobachtung  bereit  gemacht.  Dieser
soll  in  einem  Raum  aufgestellt  werden,  welcher  möglichst  eine  Wärme  von  20°  zeigt  und
welcher  durch  Verhängen  der  Fenster  und  dergleichen  nach  Möglichkeit  verdunkelt  ist,
damit  das  Auge  bei  der  Beobachtung  durch  seitliche  Lichtstrahlen  nicht  gestört  wird.  Es
ist  darauf  zu  achten,  daß  die  zum  Apparat  gehörige  Lampe  in  gutem  Stande  sei.  Man
stellt  die  Lampe  in  einer  Entfernung  von  15—20  cm  vom  Apparat  auf.  Nach  dem  Anzünden ­
  wartet  man  mindestens  eine  Viertelstunde,  ehe  man  zur  Polarisation  schreitet.
Jede  Veränderung  der  Beschaffenheit  der  Flamme  oder  der  Entfernung  der  Lampe  vom
Apparat,  also  Jedes  Hoch-  oder  Niedrigschrauben  des  Dochtes  oder  der  Flamme,  jedes  Vorwärtsschieben ­
  oder  Drehen  der  Lampe  beeinflußt  das  Ergebnis  der  Beobachtung.
Durch  Verschiebung  des  Fernrohres,  welches  an  dem  vorderen  Ende  des  Apparats
sich  befindet,  stellt  man  diesen  alsdann  so  ein,  daß  die  Linie,  welche  das  Gesichtsfeld  im
Apparat  in  zwei  Teile  teilt,  scharf  zu  erkennen  ist.  Man  drückt  dabei  das  Auge  nicht
an  das  Augenglas  des  Fernrohrs  an,  sondern  hält  es  1—3  cm  davon  ab  und  sorgt  dafür,
daß  der  Körper  während  der  Beobachtung  in  bequemer  Stellung  sich  befindet,  da  jede  unnatürliche ­
  Stellung  zu  einer  störenden  Anstrengung  des  Auges  führt.  Wenn  der  Apparat
richtig  eingestellt  ist,  muß  das  Gesichtsfeld  kreisrund  und  scharf  begrenzt  erscheinen.
Man  beruhige  sich  niemals  mit  einer  unvollkommenen  Erfüllung  dieser  Vorbedingung,
sondern  ändere  die  Stellung  der  Lampe  des  Apparats  oder  des  Fernrohrs  so  lange,  bis  man
das  bezeiohnete  Ziel  erreicht  hat.
Man  überzeugt  sich  zunächst  von  der  Richtigkeit  dos  Apparats,  indem  man  die
Polarisation  einer  Quarzplatte  bestimmt,  deren  Drehungswert  bekannt  ist.  Man  legt  die
Platte  so  in  den  vorderen  Teil  des  Apparats  hinein,  daß  sie  dem  Beobachter  zugekehrt  ist,
schließt  den  Deckel  des  Apparats  und  schreitet  nun  zur  Beobachtung,  indem  man  die
Schraube  unterhalb  des  Fernrohres  hin  und  her  spielen  läßt,  bis  die  beiden  durch  die  Linie
getrennten  Hälften  des  Gesichtsfeldes  gleich  beschattet  erscheinen.
Das  Ergebnis  der  Nullpunktablesung  wird  in  folgender  Weise  festgestellt;  Man
liest  an  der  mit  einem  Nonius  versehenen  Skala  des  Apparats,  welche  man  durch  Verschiebung ­
  eines  Spiegels  scharf  sichtbar  machen  kann,  das  Ergebnis  der  Einstellung  ab.
Auf  dem  festliegenden  Nonius  ist  der  Baum  von  9  Teilen  der  Skala  in  10  gleiche  Teile
geteilt.  Auf  der  Skala  liest  man  die  ganzen  Grade  von  0  bis  zum  letzten  Gradstriche  vor
dem  Nullpunkte  des  Nonius  ab;  die  Teilung  des  Nonius  wird  zur  Ermittelung  der  zuzuzählenden ­
  Zehntel  benutzt;  diese  sind  durch  die  Nummer  desjenigen  Nonienstrichs  ge ­
        <pb n="658" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

637

geben,  welcher  sich  mit  einem  der  Striche  der  Skala  deckt.  Wenn  der  Apparat  richtig
ist,  so  muß  die  gefundene  Drehung  mit  dem  bekannten  Polarisationswerte  der  Quarzplatte
übereinstimmen.  Ist  dies  nicht  der  Fall,  so  muß  die  Abweichung  bei  der  Polarisation  der
Zuckerprobe  in  Anrechnung  gebracht  werden.
Man  begnügt  sich  nicht  mit  einer  Einstellung,  sondern  macht  mindestens  6  Einstellungen ­
  und  berechnet  das  Mittel  der  dabei  gefundenen  Abweichungen.  Geben  einzelne
Ablesungen  eine  Abweichung  von  mehr  als  8 / 10  Teilstrichen  von  dem  Durchschnitte,  so
werden  sie  als  unrichtig  ganz  außer  Betracht  gelassen.  Zwischen  je  zwei  Beobachtungen
gönnt  man  dem  Auge  20—40  Sekunden  Ruhe.
Nachdem  die  Prüfung  des  Apparats  stattgefunden  hat,  wird  das  Rohr  mit  der  Zuckerlösung ­
  in  den  Apparat  gelegt.  Man  wiederholt  jetzt  die  Scharfeinstellung  des  Fernrohrs,
bis  die  Linie,  welche  das  Gesichtsfeld  teilt,  wieder  deutlich  sichtbar  und  ein  scharfes  kreisrundes ­
  Bild  des  Gesichtsfeldes  erzielt  wird.  Bleibt  das  Gesichtsfeld  auch  nach  Veränderung
der  Einstellung  getrübt,  so  muß  die  ganze  Untersuchung  noch  einmal  von  vorn  begonnen
werden.  Hat  man  dagegen  ein  klares  Bild  erzielt,  so  dreht  mau  die  unter  dem  Fernrohre
befindliche  Schraube  wieder  so  lauge,  bis  gleiche  Beschattung  eiugetreten  ist.  Hierauf  liest
man  an  der  Skala  denjenigen  Grad,  welcher  dem  Nullpunkte  des  Nonius  vorangeht,  und
an  letzterem  die  Zehntelgrade  ah.  Wiederum  führt  man  die  einzelnen  Beobachtungen  mit
Zwischenräumen  von  10—40  Sekunden  so  lange  aus,  bis  5  oder  6  derselben  untereinander
um  nicht  mehr  als  3 / 10  Grade  ah  weichen;  als  Endergebnis  der  Polarisation  nimmt  man  den
Durchschnitt  der  so  ermittelten  Werte.  Ergab  die  Prüfung  der  Quarzplatte  nicht  den
richtigen  Wert,  so  muß  man  die  Abweichung  berücksichtigen,  und  zwar  hinzurechnen,
wenn  die  Polarisation  zu  niedrig,  und  abziehen,  wenn  sie  zu  hoch  war.

Anlage  D,
Bestimmungen  über  Steuervergütung  und  Steuerbefreiung.  (Im  Auszuge.)
I.  Zu  §  6  Ziffer  1  des  Gesetzes.
§  1.  Für  die  nachbezeiohneten  Waren,  nämlich:
A.  Schokolade  und  sonstige  kakaohaltige  "Waren,  soweit  für  diese  nicht  die  Vergütung
nach  Maßgabe  der  Ausführungsbestimmungen  zum  Gesetze  vom  22.  April  1892,  betreffend ­
  die  Vergütung  des  Kakaozolls,  beantragt  wird,
B.  Zuckerwerk,  und  zwar;
a)  Karamellen  (Bonbons,  Boltjes)  mit  Ausnahme  der  Gummibonbons,
b)  Dragees  (überzuckerte  Samen  und  Kerne,  auch  unter  Zusatz  von  Mehl),
c)  Raffinadezeltchen  (Zucker  in  Zeltchenform,  auch  mit  Zusatz  von  ätherischen  Ölen
oder  Farbstoffen),
d)  Schaumwaren  (Gemenge  von  Zucker  mit  einem  Bindemittel,  wie  Eiweiß,  auch
nebst  einer  Geschmacks-  oder  Heilmittelzutat),
e)  Dessertbonbons  (Fondants  usw.  aus  Zucker  und  Einlagen  von  Schachtelmus,
Früchten  usw.),
fl  Marzipanmasse  und  Marzipanwaren  (Zucker  mit  zerquetschten  Mandeln),
g)  Kakes  und  ähnliche  Backwaren,
h)  verzuckerte  Süd-  und  einheimische  Früchte,  glasiert  oder  kandiert,  in  Zuckerauflösungen ­
  eingemachte  Früchte,  als:  Schachtelmus  (Marmelade),  Pasten,  Kompott,
Gallerte  (Gelee),
C.  zuckerhaltige  alkoholhaltige  Flüssigkeiten,  als:
a)  versüßte  Trinkbranntweine,
b)  mit  Zucker  eingekochte  alkoholhaltige  Fruchtsäfte  (Fruchtsirupe),
D.  flüssigen  Raffinadezucker,
E.  den  Invertzuckersirup,  welcher  als  Fruchtzucker  oder  Honigsirup  in  den  Handel  gelangt, ­

und
F.  eingedickte  Milch,
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        638  Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

wird,  wenn  zu  ihrer  Herstellung  im  freien  Verkehr  befindlicher  Zucker  verwendet  worden
ist,  bei  der  Ausfuhr  oder  der  Niederlegung  in  öffentlichen  Niederlagen  oder  in  Privatlagern
unter  amtlichem  Mitverschluß  die  Zuckersteuer  für  den  verwendeten  Zucker  vergütet.
Nach  näherer  Bestimmung  der  obersten  Landesfinanzbehörde  kann  auch  für  Waren
der  genannten  Art,  zu  deren  Herstellung  im  freien  Verkehr  befindliche,  nachweislich  versteuerte ­
  Abläufe  verwendet  worden  sind,  die  Steuer  vergütet  werden.
§  2.  Ein  Anspruch  auf  Steuervergütung  steht  nur  demjenigen  zu,  welcher  die  Waren
hergestellt  und  sich  vor  der  Herstellung  der  Steuerbehörde  gegenüber  schriftlich  verpflichtet
hat,  Honig  sowie  steuerfreie  Abläufe  und  Eübensäfte,  ferner,  soweit  dies  nachstehend  nicht
ausdrücklich  gestattet  ist,  Stärkezuoker  und,  abgesehen  von  dem  Palle  des  §  1  Abs.  2,  auch
steuerpflichtige  Abläufe  nicht  zur  Bereitung  von  Waren  derjenigen  Art  zu  verwenden,  für
welche  er  die  Vergütung  in  Anspruch  nimmt.
Die  Aufsicht  darüber,  daß  der  übernommenen  Verpflichtung  entsprochen  wird,  ist
durch  Einsicht  der  Pahrikbücher  und  Überwachung  des  Betriebs  nach  den  von  der  Direktivbehörde
  zu  erlassenden  Vorschriften  auszuüben.
Pabrikinhabern,  welche  der  übernommenen  Verpflichtung  zuwidergehandelt  haben,
ist  die  Vergütung  der  Zuckersteuer  hinfort  zu  versagen.
Die  Vergütung  erfolgt,  soweit  nicht  bezüglich  einzelner  Arten  von  Waren  eine
andere  Berechnung  vorgeschrieben  wird,  für  die  Gesamtmenge  des  nachweisbar  vorhandenen
Zuckers  mit  Einschluß  des  invertierten,  nicht  aber  für  denjenigen  Teil  des  verwendeten
Zuckers,  der  im  Laufe  der  Herstellung  ausgesohieden  oder  verloren  gegangen  ist.
Die  oberste  Landesfinanzbehörde  ist  ermächtigt,  für  einzelne  Betriebe  erforderlichenfalls ­
  weitere  Aufsichtsmaßnahmen  anzuordnen.
§  3,  Die  Vergütungsfähigkeit  der  Waren  ist  dadurch  bedingt,  daß  sie  mindestens
10  vom  Hundert  ihres  Reingewichts  an  Zucker  enthalten.
Bin  Zusatz  von  Stärkezuoker  ist  bei  den  im  §  1  unter  B  a  und  h  genannten  Waren
gestattet.  Zum  Pärben  der  Zuckerwaren  darf  in  jedem  Palle  aus  Stärkezuoker  bereitete
Zuckerfarbe  verwendet  werden.
§  4.  Die  Steuervergütung  kann  nur  beansprucht  werden,  wenn
a)  zuckerhaltige  alkoholhaltige  Flüssigkeiten,  für  welche  auch  Vergütung  der  Branntweinsteuer ­
  in  Anspruch  genommen  wird,  in  der  die  Vergütung  dieser  Abgabe  bedingenden
Mindestmenge  zur  Abfertigung  gestellt  werden,
b)  in  den  übrigen  Fällen  die  in  den  gleichzeitig  zur  Ausfuhr  oder  Niederlegung  angemeldeten ­
  Waren  enthaltene  Zuckermenge  mindestens  100  kg  beträgt.
Die  Direktivbehörde  ist  befugt,  Ausnahmen  hiervon  zuzulassen.
§  5.  Die  zuckerhaltigen  Waren,  für  welche  die  Gewährung  von  Steuervergütung
beansprucht  wird,  sind  einer  von  der  obersten  Landesfinanzbehörde  für  befugt  erklärten
Steuerstelle  anzumelden  und  vorzuführen.  Zur  Anmeldung  sind  Vordrucke  nach  Muster  4
oder,  falls  die  Gestellung  der  zuckerhaltigen  Waren  bei  einer  anderen  Amtsstelle  erfolgen
soll,  nach  Muster  9  zu  benutzen.  Im  letzteren  Palle  ist  die  Anmeldung  in  doppelter  Ausfertigung ­
  einzureichen.
Die  Anmeldung  hat  anzugeben:
1.  Zahl,  Verpackungsart,  Bezeichnung  und  Rohgewicht  der  Packstüoke,
2.  Zahl  und  Art  der  inneren  Umschließungen,
3.  Art  und  Reingewicht  der  zuckerhaltigen  Waren,
4.  den  Zuckergehalt  der  einzelnen  Waren  in  Hundertteilen  ihres  Reingewichts  und
5.  die  Gesamtzuokermenge,  welche  in  den  Waren  enthalten  ist  oder  für  welche  die  Vergütung ­
  beansprucht  wird.
Bezüglich  der  Zulässigkeit  einer  Anmeldung  des  Rohgewichts  der  zuckerhaltigen
Waren  nach  dem  Gesamtbeträge  finden  die  Vorschriften  der  §§  39  und  41  der  Ausführungsbestimmungen ­
  Anwendung.
Statt  des  wirklichen  Zuckergehalts  und  der  wirklich  vorhandenen  Gesamtzuokermenge
kann  der  Mindestgehalt  an  Zucker  und  eine  diesem  entsprechende  Gesamtzuokermenge  angegeben ­
  werden.
        <pb n="660" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

639

§  8.  Die  Untersuchung  der  Waren  und  die  Feststellung  ihres  Zuckergehalts  erfolgt
auf  Grund  von  Proben,  die  von  der  Ahfertigungsstelle  unter  Mitwirkung  eines  Oberbeamten
und  unter  Zuziehung  des  Versenders  zu  entnehmen  sind.  Die  Untersuchung  geschieht  auf
Kosten  des  Versenders  durch  einen  von  der  Direktivbehörde  auf  die  Wahrnehmung  der
Ansprüche  der  Steuerverwaltung  verpflichteten  Chemiker  nach  Maßgabe  der  Anweisung  in
Anlage  B.
Es  bleibt  der  obersten  Landesfinanzbehörde  überlassen,  die  Peststellung  des  Zuckergehalts ­
  solcher  Waren,  bei  denen  er  zufolge  der  gesammelten  Erfahrungen  mit  Sicherheit
durch  die  Polarisation  bestimmt  werden  kann,  einer  zur  Ermittelung  des  Quotienten  der
Zuckerabläufe  berechtigten  Amtsstelle  (vergl.  §  2  der  Ausführungsbestimmungen)  zu
übertragen.
Die  Untersuchung  der  Ware  auf  den  Zuckergehalt  braucht  stets  nur  so  weit  ausgedehnt ­
  zu  werden,,  daß  das  Vorhandensein  eines  der  Anmeldung  entsprechenden  Gehalts
an  Zucker  in  der  Ware  nachgewiesen  wird.
§  9.  Von  jeder  Gattung  von  Waren,  welche  unter  der  nämlichen  Benennung  und  mit
dem  nämlichen  Zuckergehalt  angemeldet  ist,  und  wenn  bezüglich  der  Gleichartigkeit  der
Ware  Zweifel  bestehen,  von  jedem  für  nicht  gleichartig  erachteten  Teile  der  Sendung,  nach
vorgängiger  Feststellung  des  Gewichts  dieses  Teiles,  muß  eine  Probe  von  mindestens  100  g
Gewicht  entnommen,  im  Beisein  des  Versenders  gehörig  verpackt  uud  mit  amtlichem  Siegel
verschlossen  werden,  welchem  der  Versender  sein  eigenes  Siegel  beifügen  kann.
§  10.  Bei  Waren  aus  Fabriken,  deren  Inhaber  sich  schriftlich  verpflichtet  haben,
unter  einer  bestimmten  Benennung  stets  nur  gleichartige  Waren  von  einer  näher  anzugebenden ­
  und  durch  Hinterlegung  von  Mustern  festzustellenden  Beschaffenheit  mit  dem
nämlichen  Zuckerzusatze  zur  Anmeldung  zu  bringen,  ist  nach  näherer  Bestimmung  der
Direktivbehörde  von  regelmäßiger  Untersuchung  der  Ware  durch  einen  Chemiker  abzusehen
und,  falls  sich  bei  der  Revision  keine  Abweichung  der  Ware  von  den  Mustern  ergibt,  der
in  der  Anmeldung  angegebene  Zuckergehalt  als  richtig  anzunehmen.  Die  Steuerstelle  ist
jedoch  verpflichtet,  auch  von  anscheinend  dem  Muster  entsprechenden  Waren  ab  und  zu
Proben  zu  entnehmen  und  auf  Kosten  der  Versender  untersuchen  zu  lassen.
§  11.  Zuckerhaltige  Waren,  für  welche  die  Gewährung  einer  Steuervergütung  beantragt ­
  ist,  dürfen  von  dem  Zeitpunkte  der  Abfertigung  ab  nur  unter  amtlichem  Verschluß
oder  unter  amtlicher  Begleitung  versendet  werden.  Im  übrigen  finden  auf  die  Abfertigung
die  Vorschriften  in  §§  61—67  der  Ausführungsbestimmungen  sinngemäße  Anwendung.
§  15.  Karamellen,  welche  Stärkezucker  enthalten,  sind  nur  vergütungsfähig,  wenn
sie  mindestens  80  Grad  Eechtsdrehung  zeigen.  Die  Vergütung  wird  stets  nur  für  60  vom
Hundert  des  Gewichts  der  Ware  gewährt.  Die  Vergütung  ist  zu  versagen,  wenn  bei  den
von  den  Aufsichtsbeamten  in  der  Fabrik  von  Zeit  zu  Zeit  vorzunehmenden  Untersuchungen
ermittelt  wird,  daß  die  zur  Ausfuhr  gelangenden  stärkezuckerhaltigen  Karamellen  weniger
als  50  vom  Hundert  ihres  Gewichts  an  Rohrzucker  enthalten.
Für  Karamellen,  welche  Stärkezucker  nicht  enthalten,  ist  die  volle  Vergütung  für  die
ermittelte  Zuckermenge  zu  gewähren.
§  16.  Für  Erzeugnisse  der  im  §  1  unter  B  h  uud  C  b  bezeichneten  Art  wird  mit
Rücksicht  auf  den  natürlichen  Zuckergehalt  der  zur  Herstellung  der  Waren  verwendeten
hrüohte  die  Steuervergütung  auf  90  vom  Hundert  der  ermittelten  Zuckermenge  beschränkt.
Für  verzuckerte  oder  in  Zuckerauflösungen  eingemachte  Früchte  gilt  diese  Bestimmung ­
  nur  für  den  Fall,  daß  bei  ihrer  Herstellung  Stärkezuoker  nicht  verwendet  worden
ist.  Wenn  bei  der  Herstellung  auch  Stärkezucker  Verwendung  gefunden  hat,  erfolgt  die
Vergütung  nach  Maßgabe  des  Gehalts  an  Rohrzucker,  welcher  nach  der  in  der  Anlage  E
unter  B  h  Abs.  2  ff.  enthaltenen  Anweisung  gefunden  wird.
Für  den  im  §  1  unter  D  bezeichneten  flüssigen  Raffinadezucker  ist  die  Steuervergütung
nach  einem  Zuckergehalte  von  75  vom  Hundert  festzusetzen,  solange  nicht  ein  geringerer
ermittelt  worden  ist.
II.  Zu  §  6  Ziffer  2  des  Gesetzes.
§  25.  Inländischer  Zucker  und  Zuckerablauf  kann  zur  Viehfütterung  unter  Be-0
  ac htung  der  nachfolgenden  Maßregeln  steuerfrei  verabfolgt  werden:
        <pb n="661" />
        640

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation,

1.  Der  Zucker  oder  Ablauf  ist  unter  amtlicher  Aufsicht  zur  Verwendung  als  Nahrungsund ­
  Genußmittel  für  Menschen  untauglich  zu  machen  (zu  denaturieren).
2.  Die  Denaturierung  ist  durch  Vermischung  mit  Ölkuchen,  Fleischfuttermehl,  Fischfuttermehl, ­
  Fischguano,  Torfmehl,  Schnitzel  staub,  gemahlenen  Schnitzeln  oder  Reisfuttermehl ­
  in  einer  Menge  von  20  vom  Hundert  des  Reingewichts  des  Zuckers  zu  bewirken.
Nötigenfalls  ist  der  Zucker  vor  der  Denaturierung  zu  vermahlen.
3.  Abläufe  gelten  als  denaturiert,  wenn  sie  unter  Zusatz  von  Stoffen  der  genannten  Art
oder  mit  trockenen  Futterstoffen  von  schrot-,  kleie-  oder  mehlförmiger  Zerkleinerung
in  der  Weise  zu  Viehfutter  verarbeitet  werden,  daß  sie  die  flüssige  Form  verlieren  und
ohne  Benutzung  undurchlässiger  Gefäße  versandt  werden  können,  oder  wenn  ihnen
Viehsalz  in  solcher  Menge  zugesetzt  wird,  daß  ihr  Quotient  dadurch  unter  70  sinkt.
4.  Das  Denaturierungsmittel  ist  von  demjenigen,  welcher  die  steuerfreie  Verabfolgung
beantragt,  zu  stellen;  auch  ist  von  diesem  für  die  gehörige  Vermischung  mit  dem
Denaturierungsmittel  nach  Anleitung  der  Steuerbehörde  Sorge  zu  tragen.
5.  Die  Denaturierung  darf  nur  in  einer  Zuckerfabrik  oder  in  einer  öffentlichen  Niederlage
oder  in  einem  Privatlager  unter  amtlichem  Mitverschluß  für  inländischen  Zucker  stattfinden. ­

§  26.  Zur  Herstellung  von  Ultramarin  kann  inländischer  Rohzucker  nach  Denaturierung ­
  durch  Vermischung  von  40  Teilen  Rohzucker  mit  35  Teilen  unterschwefligsaurem
Natrium  (Antichlor)  steuerfrei  ahgelassen  werden.
§  27.  Zur  Herstellung  von  Kupferoxydul  kann  inländischer  Rohzucker  nach  Denaturierung ­
  durch  Vermischung  von  95  Teilen  Rohzucker  mit  5  Teilen  Kupfervitriol  steuerfrei ­
  abgelassen  werden.
§  28.  Zur  Verwendung  bei  der  Herstellung  von  Seifen  kann  inländischer  Zucker
nach  Vermischung  mit  kochender  Seifenmasse  steuerfrei  abgelassen  werden;  die  Vermischung
hat  in  dem  Verhältnisse  von  mindestens  4  kg  Seifenmasse  zu  1  kg  Zucker  zu  erfolgen.
§  29.  In  den  Fällen  der  §§  26—28  findet  die  Bestimmung  im  §  26  zu  4  Anwendung.
Die  oberste  Landesfinanzhehörde  kann  weitere  Aufsichtsmaßuahmen  anordneu,  auch
in  den  Fällen  der  §§  25—28  eine  andere  Art  der  Denaturierung  zulassen.  Von  den  getroffenen ­
  Maßnahmen  ist  dem  Reichskanzler  Kenntnis  zu  geben.
Anlage  E.
Anleitung  zur  Ermittelung  des  Zuckergehalts  von  zuckerhaltigen  Waren.
Nach  §§  2,  3  der  Anlage  D  darf  für  zuckerhaltige  Waren  mit  den  dort  gedachten
Ausnahmen  die  Vergütung  der  Zuckersteuer  nur  gewährt  werden,  wenn  die  Waren  ohne
Mitverwendung  von  Honig,  Abläufen,  Rübensäften  und  Stärkezucker  hergestellt  sind.
Während  die  Nichtverwendung  dieser  Stoffe  im  allgemeinen  durch  die  Überwachung  der
Fabrik  und  die  Einsicht  der  Betriebsbücher  ausreichend  gesichert  erscheint,  ist  die  Nichtverwendung ­
  von  Stärkezucker  auch  durch  die  chemische  Untersuchung  von  Proben  der
Waren  auf  Stärkezuckergehalt  festzustellen,  und  zwar  soll  das  Vorhandensein  von  Stärkezucker ­
  angenommen  werden,  wenn  für  100°  Rechtsdrehung,  welche  sich  aus  der  direkten
Polarisation  berechnet,  die  Linksdrehung  der  zu  untersuchenden  Lösung  nach  der  Inversion
28°  oder  weniger  beträgt.
Der  Zuckergehalt  der  stärkezuckerfreien  zuckerhaltigen  Waren  ist  auf  verschiedene
Weise  festzustellen,  je  nachdem  sie  weniger  als  zwei  vom  Hundert  oder  mindestens  zwei
vom  Hundert  Invertzucker  enthalten.  Infolgedessen  ist  zunächst  die  Untersuchung  auf
Invertzuokergehalt  nach  den  Vorschriften  des  Abschnitts  III  der  Anlage  A  mit  der  Abweichung ­
  vorzunehmen,  daß  die  mit  der  Fehling  sehen  Lösung  zu  kochende  Zuckerlösung
nicht  10  g  der  Probe,  sondern  10°  Polarisation  zu  entsprechen  hat.
Von  zuckerhaltigen  Waren,  welche  weniger  als  zwei  vom  Hundert  Invertzucker  enthalten, ­
  wird  der  Zuckergehalt  nach  dem  Clergetsohen  Verfahren  festgestellt,  wobei  die
Inversion  genau  nach  den  bezüglichen  Vorschriften  unter  1  der  Anlage  B  zu  bewirken,
die  Polarisation  nach  den  Vorschriften  in  der  Anlage  C  auszuführen  ist.
        <pb n="662" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuokersteuergesetz.

641

Zur  Berechnung  des  Zuckergehalts  Z  dient  die  Formel
100  (P  —J)
C  —Vst  '
P  ist  die  Polarisation  vor  der  Inversion,  bezogen  auf  eine  Lösung  des  in  dem  ganzen
Normalgewicht  der  zu  untersuchenden  Ware  enthaltenen  Zuckers  zu  100  ccm  und  bestimmt
im  200  mm-Eohr.
J  bedeutet  die  Polarisation  der  vorstehenden  Lösung  nach  der  Inversion  im
200  mm-Eohr.
Benutzt  man  zur  Inversion  die  nämliche  Lösung,  welche  zur  ersten  Polarisation  gedient ­
  hat,  was  zweckmäßig  ist,  so  genügt  es,  wenn  man  hierzu  50  ccm  der  Lösung  verwendet.
C  ist  ein  Wert,  der  von  der  Menge  des  in  der  zu  invertierenden  Lösung  wirklich
vorhandenen  Zuckers  abhängt.  Diese  Menge  erhält  man  mit  hinreichender  Annäherung
durch  Vervielfältigung  der  abgelesenen  Polarisation  vor  der  Inversion  mit  der  Zahl  Kubikzentimeter ­
  des  zur  Inversion  benutzten  Teiles  der  ursprünglichen  Lösung  und  mit  dem
ganzen  Normalgewicht  in  Gramm  und  durch  Teilung  mit  10000.  Die  so  ermittelte  Menge,
abgerundet  auf  ganze  Gramm,  ergibt  den  Betrag  von  C  aus  der  nachfolgenden  Tabelle:

Für  g  Zucker

ist  C  einzusetzen

Für  g  Zucker

ist  C  einzusetzen

in  100  com

mit

in  100  ccm

mit

1  .  .  .  .

,  .  .  .  141,85

8  .  .  .  .

....  142,32

2  ...  .

,  .  .  .  141,91

9  .  .  .  .

.  .  .  .  142,39

3  .  .  .  .

.  .  .  .  141.98

10  ...  .

....  142,46

4  .  .  .  .

.  .  .  .  142,05

11  ...  .

.  .  .  .  142,52

5  .  .  .  .

.  .  .  .  142,12

12  ...  .

.  .  .  .  142,59

6  ,  .  .  .

.  .  .  142,18

13  ...  .

....  142,66

7  .  .  .  .

.  .  .  .  142,26

t  ist  die  Temperatur  während  der  Polarisation  nach  der  Inversion  im  Polarisationsa
 Pparat  in  Graden  Celsius.
Beispiel;  Es  sei  der  in  dem  halben  Normalgewichte  der  Ware,  13  g,  enthaltene
Zucker  zu  200  com  gelöst;  100  ccm  der  Lösung  entsprechen  also  dem  1 / 4  Normalgewichte.
4*ie  abgelesene  Polarisation  vor  der  Inversion  betrage  bei  Benutzung  des  100  mm-Eohres
+  7  °.  Sie  ist  demnach  mit  4  und,  weil  das  100  mm-Eohr  verwendet  wurde,  nochmals  mit
2  zu  vervielfältigen.  Es  ergibt  sich  P  =  -f-66°.
Von  der  Lösung  seien  50  ccm  zur  Inversion  benutzt.  Die  Polarisation  nach  der  Inversion ­
  betrage  bei  Benutzung  des  200  mm-Eohres  —2,35°  und  somit  für  die  100  ccm  der
obigen  ursprünglichen  Lösung  —4,7°;  da  die  Lösung  dem  1 / 4  Normalgewicht  entspricht,  so
ist  J  =  _  18,81  Ferner  ist  die  Menge  des  Zuckers,  der  in  den  zur  Inversion  verwendeten
50  ccm  enthalten  ist,  =  =  1,82.  Damit  findet  sich  aus  der  Tabelle  für  C  der  Wert
10000
141,91  und  es  wird  nunmehr  die  Formel  zur  Berechnung  des  Zuckergehalts,  falls  die  Temperatur ­
  während  der  Polarisation  nach  der  Inversion  19°  betrug,  Z  =  —14X91  9  5  ~  ~  56,49
oder  abgerundet  66,5  Prozent.
Der  Zuckergehalt  derjenigen  Waren,  welche  2  vom  Hundert  oder  mehr  Invertzucker
enthalten,  ist  nach  dem  unter  1  der  Anlage  B  angegebenen  Verfahren  zu  ermitteln.  Zur
'  ere °hnung  des  Zuckergehalts  dient  die  nachstehende  Tabelle.

(Siehe  Tabelle  4  S.  642.)
TT-  „  .  ,  ,  ,  g.nrker  berechnet  und  demnächst  der  Gesamtgehalt
Hierauf  wird  der  Prozentgehalt  an  Zuck  ,  Bruchteile  als  volle  Zehntelais ­
  Eohrzucker  in  Prozenten  der  Probe  ausgedruck  .  o
Prozente  bleiben  unberücksichtigt.  711 iässio-  die  festen  Proben
Bei  der  Herstellung  der  Lösungen  ist  es  m  der  Regel  nicht  ^lässig,  die  te^,  ^  ^
(Schokolade  uaw.)  mit  Wasser  in  einem  Kölbchen  18  J™ r  d  der  hierdurch  verursachte
unlöslichen  Bestandteile  einen  gewissen  Kaum  einn  j  „sune  erst  nach  der
Fehler  oft  zu  erheblich  sein  würde.  Es  ist  daher  in  der  Kegel  die  Losung  erst  nacn
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="663" />
        642

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Filtrierung  und  dem  Auswaschen  des  Rückstandes,  sowie  nach  Zusatz  der  Klärungsmittel  zu
einer  bestimmten  Raummenge  aufzufüllen  oder  durch  die  doppelte  Polarisation  einer  auf
100  ccm  und  auf  200  ccm  verdünnten  Lösung  die  Raummenge  der  unlöslichen  Anteile  in
Anrechnung  zu  bringen.
Tabelle  4
zur  Berechnung  des  Rohrzuokergehalts  aus  der  gefundenen  Kupfermenge  bei  2  Minuten
Kochdauer.

Cu
mg

Rohrzucker ­

mg

Cu
mg

Rohrzucker ­

mg

Cu
mg

Rohrzucker ­

mg

Cu
mg

Rohrzucker ­

mg

Cu
rag

Rohrzucker ­

mg

Cu
mg

Rohrzucker ­

mg

Cu
mg

Rohrzucker ­

mg

32

16,2

73

35,4

114

65,6

155

76,5

196

97,8

237

119,7

278

142,0

33

16,6

74

36,9

115

56,2

156

77,0

197

98,2

238

120,3

279

142,6

34

17,1

75

36,4

116

66,6

157

77,5

198

98,8

239

120,8

280

143,2

35

17,6

76

36,9

117

57,1

168

78,0

199

99,4

240

121,4

281

143,7

36

18,0

77

37,3

118

57,7

159

78,6

200

99,8

241

121,9

282

144,3

37

18,4

78

37,8

119

58,1

160

79,0

201

100,4

242

122,5

283

144,9

38

18,9

79

38,3

120

58,6

161

79,6

202

101,0

243

123,0

284

146,4

39

19,4

80

38,8

121

59,2

162

80,1

203

101,5

244

123,5

285

146,0

40

19,9

81

39,2

122

59,7

163

80,6

204

102,0

245

124,1

286

146,6

41

20.3

82

39.7

123

60,1

164

81,1

205

102,5

246

124,6

287

147,2

42

20,8

83

40,2

124

60,7

165

81,6

206

103,1

247

126,2

288

147,7

43

21,3

84

40,7

125

61,2

166

82,2

207

103,6

248

126,7

289

148,3

44

21,8

85

41,2

126

61,7

167

82,7

208

104,1

249

126,3

290

148,9

45

22,2

86

41,7

127

62,2

168

83,2

209

104,7

250

126,8

291

149,3

46

22,7

87

42,2

128

62,7

169

83,7

210

105,3

251

127,4

292

149,9

47

23,2

88

42,7

129

63,2

170

84,2

211

105,7

252

127,9

293

150,5

48

23,7

89

43,1

130

63,8

171

84,7

212

106,3

253

128,4

294

151,0

49

24,1

90

43,6

131

64,2

172

85,2

213

106,9

264

129,0

295

161,6

50

•24,6

91

44.1

132

64,7

173

85,8

214

107,4

265

129,5

296

152,2

51

25,1

92

44,6

133

65,3

174

86,3

215

107,9

256

130,1

297

152,8

52

25,6

93

45,0

134

65,7

175

86,8

216

108,5

257

130,6

298

153,3

53

26,0

94

45,5

135

66,2

176

87,3

217

109,0

268

131,2

299

153,9

54

26,6

95

46,0

136

66,8

177

87,8

218

109,5

259

131,7

300

164,5

65

27,0

96

46,5

137

67,3

178

88,4

219

110,0

260

132,2

301

155,0

56

27,4

97

47,0

138

67,7

179

88,8

220

110,6

261

132,8

302

155,6

57

27,8

98

47,5

139

68,3

180

89,4

221

111,2

262

133,4

303

156,2

58

28,3

99

48,0

140

68,8

181

89,9

222

111,6

263

133,9

304

156,7

59

28,8

100

48,6

141

69,3

182

90,4

223

112,2

264

134,4

305

157,3

60

29,3

101

49,0

142

69,8

183

90,9

224

112,8

265

136,0

306

157,9

61

29,7

102

49,5

143

70,3

184

91,4

225

113,2

266

135,6

307

158,5

62

30,2

103

50,1

144

70,8

185

92,0

226

113,8

267

136,0

308

158,9

63

30,7

104

50,5

146

71,4

186

92,4

227

114,4

268

136,6

309

159,5

64

31,2

105

51,0

146

71,8

187

92,9

228

114,9

269

137,2

310

160,1

65

31,6

106

51,6

147

72,3

188

93,5

229

115.4

270

137,7

311

160,6

66

32,1

107

52,1

148

72,9

189

94,1

230

116,0

271

138,2

312

161,2

67

32,6

108

52,5

149

73,3

190

94,5

231

116,5

272

138,8

313

161,8

68

33,1

109

53,1

150

73.9

191

95,1

232

117,0

273

139,4

314

162,4

69

33,5

110

53,7

151

74,4

192

95,6

233

117,6

274

139,8

70

34,0

111

54,1

162

75,0

193

96,1

234

118,1

275

140,4

71

34,5

112

54,6

153

75,4

194

96,6

235

118,7

276

141,0

72

35,0

113

55.1

154

76,0

195

97,2

236

119,2

277

141,6

Für  die  Klärung  können  bestimmte  Vorschriften  nicht  gegeben  werden.  Gute  Dienste
leistet  Tonerdebrei  oder  Bleiessig  mit  darauffolgendem  Zusatz  einer  gleichgroßen  Menge
kalt  gesättigter  Alaunlösung.  Für  die  Inversionspolarisation  erfolgt  die  Klärung  zweckmäßig
durch  mit  Salzsäure  ausgewaschene  Knochenkohle,'  deren  Aufnahmevermögen  für  Zucker
bekannt  ist.
Im  einzelnen  ist  noch  folgendes  hervorzuheben:
        <pb n="664" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

643

A,  Schokolade  und  andere  kakaohaltige  Waren.
Man  feuchtet  das  halbe  Normalgewicht  der  auf  einem  Reibeisen  zerkleinerten  Probe
je  in  einem  100  und  200  ccm-Kölbchen  mit  etwas  Alkohol  an  und  übergießt  das  Gemisch
mit  75  ccm  kaltem  Wasser.  Das  Ganze  bleibt  unter  öfterem  Umschwenken  ungefähr
a U  Stunden  bei  Zimmerwärme  stehen.  Alsdann  füllt  man  genau  zur  Marke  auf,  schüttelt
nochmals  durch  und  filtriert.  Die  klaren  Filtrate  werden  darauf  im  200  mm-Eohre  polarisiert.
Bedeutet  x  die  Eaummenge  der  unlöslichen  Anteile,  a  die  Polarisation  der  Lösung  im
100  ccm-Kölbchen,  b  diejenige  im  200  ccm-Kölbchen,  so  ist

und  die  tatsächliche  Polarisation  des  halben  Normalgewichts  Schokolade  für  100  ccm  Lösung:
(100  -x)a
100  ■
B.  Zuckerwerk.
a )  Karamellen  (Bonbons,  Boltjes)  mit  Ausnahme  der  nicht  yergütungsfähigen
Gummibonbons.
Bei  Karamellen,  welche  vom  Anmelder  als  stärkezuckerhaltig  bezeichnet  worden  sind,
ist  durch  die  Untersuchung  festzustellen,  daß  sie  mindestens  80°  Rechtsdrehung  und
mindestens  50  vom  Hundert  Zucker  nach  der  vorstehend  angegebenen  Clergetschen  Formel
zeigen.  Anderenfalls  sind  sie  als  nicht  vergütungsfähig  zu  bezeichnen.
Karamellen,  welche  als  etärkezuckerfrei  angemeldet  sind,  müssen  zunächst  auf  Stärkezuckergehalt ­
  geprüft  werden.  Ist  kein  Stärkezucker  vorhanden,  so  erfolgt  die  Untersuchung
ähnlich  wie  bei  den  Raffinadezeltchen.
h)  Dragees  (überzuckerte  Samen  und  Kerne,  auch  unter  Zusatz  von  Mehl).
Dragees  werden  ähnlich  wie  Schokolade  ausgezogen.
c)  Raffinadezeltchen  (Zucker  in  Zeltohenform,  auch  mit  Zusatz  von
ätherischen  Ölen  oder  Farbstoffen).
Man  löst  das  Normalgewicht  der  Probe  im  Meßkolben  von  100  ccm  Raumgehalt,  füllt
zur  Marke  auf  und  nimmt  die  Filtrierung  erst  nachträglich  vor.
&amp;lt;6  Schaumwaren  (Gemenge  von  Zucker  mit  einem  Bindemittel,  wie  Eiweiß,
auch  nebst  einer  Geschmacks-  oder  Heilmittelzutat).
Die  durch  Zerreiben  zerkleinerte  Probe  wird  wiederholt  in  der  Wärme  mit  70-prozentigem ­
  Branntwein  ausgezogen.  Die  Auszüge  werden  filtriert;  der  Rückstand  ist  auf  dem
Filter  mit  70-prozentigem  Branntwein  auszuwaschen.  Die  vereinigten  Filtrate  sind  durch
Eindampfen  auf  dem  Wasserbade  völlig  von  Alkohol  zu  befreien;  der  Rückstand  wird  mit
Wasser  in  ein  Kölbchen  von  100  ccm  Eaumgehalt  gespült.  Nach  Zusatz  von  Bleiessig  und
der  doppelten  Menge  kalt  gesättigter  Alaunlösuug  wird  bis  zur  Marke  aufgefüllt  und  filtriert.
e)  Dessertbonbons  (Fondants  usw.  aus  Zucker  und  Einlagen  von
Schachtelmus,  Früchten  usw.).
Die  Probe  wird  in  einem  Meßkolben  von  100  com  Raumgehalt  mit  Wasser  übergossen.
Reibt  wenig  Rückstand,  so  kann  ohne  weiteres  zur  Marke  aufgefüllt  werden,  anderenfalls
muß  die  Polarisation  wie  unter  A  bestimmt  werden.
Ö  Marzipanmasse  und  Marzipan  waren  (Zucker  mit  zerquetschten  Mandeln).
Die  Masse  wird  zweckmäßig  mit  kaltem  Wasser  in  einer  Porzellanschale  zerrieben.
Das  Gemisch  wird  durch  feine  Gaze  oder  durch  einen  Wattebausch  filtriert  und  der  Rtick-41
  +
        <pb n="665" />
        644

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuokerfabrikation.

stand  mit  Wasser  nachgewaschen.  Das  milchig  getrübte  Filtrat  wird  geklärt  und  entsprechend ­
  aufgefüllt.  Marzipan  ist  in  der  Regel  frei  von  Invertzucker.
g)  Kakes  und  ähnliche  Backwaren.
Man  übergießt  das  halbe  Normalgewicht  der  fein  zerriebenen  Probe  in  einem  Kolben
von  ungefähr  50  ccm  Raumgehalt  mit  etwa  30  ccm  kaltem  Wasser  und  läßt  das  Ganze
unter  öfterem  Umschwenken  1  Stunde  stehen.  Nach  dieser  Zeit  filtriert  man  die  überstellende ­
  Flüssigkeit  mit  Hilfe  einer  sehr  schwach  wirkenden  Säugpumpe,  zieht  den  Rückstand ­
  im  Kolben  noch  mehrmals  kürzere  Zeit  mit  kaltem  Wasser  aus,  bringt  schließlich
die  unlöslichen  Bestandteile  mit  auf  das  Filter  und  wäscht  mehrmals  mit  kaltem  Wasser
nach.  Die  vereinigten  klaren  Auszüge  werden  auf  100  ccm  aufgefüllt.  Der  Zuckergehalt
der  Lösung  wird  in  allen  Fällen  nach  dem  für  die  Untersuchung  solcher  zuckerhaltigen
Waren  angegebenen  Verfahren  ermittelt,  welche  2  vom  Hundert  Invertzucker  und  darüber
enthalten.
h)  Verzuckerte  Süd-  und  einheimische  Früchte  glasiert  oder  kandiert;  in
Zuckerauflösungen  eingemachte  Früchte  (Schachtelmus,  Pasten,  Kompott,
Gallerte).
Sind  die  Waren  stärkezuckerfrei,  so  ist  die  Bestimmung  des  Zuckers  nach  dem  unter
1  in  Anlage  B  gegebenen  Verfahren  auszuführen.  Sind  sie  unter  Verwendung  von  Stärkezuoker
  eingemacht,  so  ist  das  weiter  unten  beschriebene  Verfahren  anzuwenden.  Die  Vorbereitung ­
  der  Proben  zur  Untersuchung  hat  in  folgender  Weise  zu  geschehen:
Die  für  die  Untersuchung  entnommenen  Früchte  werden  gewogen  und  in  einen  großen
Trichter,  in  welchem  sich  ein  Porzellansieb  befindet,  geschüttet.  Man  läßt  die  Zuckerlösung
möglichst  gut  abtropfen  und  nimmt  darauf,  falls  bei  Steinobst  die  Steine  vor  dem  Einmachen
nicht  entfernt  worden  waren,  deren  Entfernung  vor.  Die  Steine  werden  möglichst  vom
Fruchtfleisch  befreit,  gewogen  und  ihr  Gewicht  von  dem  Gesamtgewicht  abgezogen.  Die
etwa  an  den  Händen  haften  gebliebenen  Teile  des  Fruchtfleisches  und  der  Zuckerlösung
werden  am  zweckmäßigsten  mit  einem  Messer  entfernt  und  mit  den  Früchten  in  eine  gut
verzinnte  Fleischhackmasohine  oder  eine  andere  geeignete  Vorrichtung  gebracht.  Um  einen
gleichmäßigen  Brei  zu  erzielen,  läßt  man  die  Masse  mehrere  Male  durch  die  Maschine  gehen,
fügt  alsdann  die  Zuckerlösung  hinzu  und  schickt  das  Ganze  noch  4—5-mal  durch  die
Maschine.  Beim  Arbeiten  nach  diesem  Verfahren  kann  nicht  vermieden  werden,  daß  kleine
Mengen  des  Breies  an  den  inneren  Wandungen  der  Gefäße  haften  bleiben;  doch  sind  diese
im  Vergleiche  zum  Gesamtgewichte  so  gering,  daß  sie,  ohne  das  Ergebnis  der  Untersuchung
wesentlich  zu  beeinträchtigen,  vernachlässigt  werden  können.  Will  man  jedoch  auf  diese
Menge  nicht  verzichten,  so  spült  man  die  betreffenden  Gefäße  mit  etwa  100  ccm  lauwarmem
Wasser  aus,  fängt  die  Flüssigkeit  für  sich  auf,  füllt  sie  zu  100  ccm  auf  und  bestimmt
darin  den  Rohrzuckergehalt  auf  dieselbe  Weise  wie  in  der  Hauptmenge.  Die  in  diesen
Resten  ermittelte  Rohrzuckermenge  ist  in  entsprechender  Weise  zu  berücksichtigen.
200  g  des  durch  die  Zerkleinerung  erhaltenen  Breies  werden  auf  einer  empfindlichen
Tarierwage  abgewogen  und  mit  destilliertem  Wasser  auf  1  1  verdünnt.  Man  läßt  die
Mischung  unter  häufigem  Dmschütteln  24  Stunden  an  einem  kühlen  Orte  stehen  und  filtriert
nach  dem  letzten  Absetzen  200  ccm  durch  ein  großes  Paltenfilter.
Handelt  es  sich  um  glasierte  oder  kandierte  Früchte,  so  werden  diese  unter  sinngemäßer ­
  Abänderung  des  Verfahrens  in  gleicher  Weise  für  die  Untersuchung  vorbereitet.
Zur  Ausführung  der  Zuckerbestimmung  werden  bei  stärkezuckerfreien  Früchten  50  ccm
des  nach  obiger  Anleitung  erhaltenen  Filtrates  nach  dem  unter  1  der  Anlage  B  vorgeschriebenen ­
  Verfahren  invertiert  und  nach  der  Abstumpfung  der  Säuren  mit  einer  Natriumkarbonatlösung, ­
  welche  10  g  trockenes  Natriumkarbonat  im  Liter  enthält,  mit  Wasser  zu
I  1  aufgefüllt.  25  ccm  dieser  verdünnten  Lösung  dienen  nach  Zusatz  von  25  ccm  Wasser
und  50  ccm  Fehlingscher  Lösung  zur  Zuckerbestimmung  gemäß  dem  oben  genannten
Verfahren.
        <pb n="666" />
        Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuokersteuergesetz.

645

Bei  stärkezuokerhaltigen  Früchten  werden
a)  zur  Bestimmung  des  reduzierenden  Zuckers  (Invertzucker  -(-  Stärkezucker)  100  com  des
Filtrats  auf  500  ccm  verdünnt;  für  gewöhnlich  reicht  dieser  Grad  der  Verdünnung  für
die  Ausführung  der  Bestimmung  des  reduzierenden  Zuckers  aus.  Will  man  sich  darüber
Sicherheit  verschaffen,  so  kocht  man  als  Yorprohe  2  ccm  Fehlingsche  Lösung
2  Minuten  lang  mit  1  ccm  des  verdünnten  Filtrats;  wird  dabei  nicht  alles  Kupfer
reduziert,  so  ist  die  Verdünnung  hinreichend.  Im  anderen  Falle  müssen  25  ccm  des
verdünnten  oder  5  ccm  des  ursprünglichen  Filtrats  auf  50  ccm  aufgefüllt  werden.  Mit
dieser  Verdünnung  wird  alsdann  in  allen  Fällen  die  Ausführung  der  Bestimmung  des
reduzierenden  Zuckers  möglich  sein;  dazu  verwendet  man  25  ccm  der  verdünnten
Lösung,  setzt  25  ccm  Wasser  und  60  ccm  Pehlingsohe  Lösung  zu  und  verfährt  weiter
nach  1  in  Anlage  B.
b)  Die  Bestimmung  des  Gesamtzuokers  erfolgt  in  der  gleichen  Weise  wie  die  Zuokerbestimmung ­
  in  den  stärkezuckerfreien  Früchten.
Der  Gehalt  der  stärkezuckerhaltigen  Früchte  an  Rohrzucker  ergibt  sich  aus  dem
Unterschiede  der  auf  100  g  Brei  berechneten  Mengen  Rohrzucker  vor  und  nach  der
Inversion.
Ist  die  bei  der  Zerkleinerung  der  Früchte  an  den  inneren  Gefäßwandungen  haften
gebliebene  Menge  des  Breies  besonders  gesammelt  und  der  Zuckergehalt  darin  ermittelt
worden,  so  ist  dieses  Ergebnis  bei  der  Berechnung  entsprechend  zu  berücksichtigen.
Behufs  Untersuchung  von  Schachtelmus,  Pasten,  Kompott,  Gallerte  u.  dergl.  werden
200  g  der  Ware  in  einer  Porzellan-Reibschale  mit  Wasser  zu  einem  gleichmäßigen  Brei
zerrieben  und  mit  Wasser  zu  1  1  aufgefüllt.  Die  Untersuchung  erfolgt  weiter  nach  dem
ihr  stärkezuckerfreie  gezuckerte  Früchte  angegebenen  Verfahren.
C.  Zuckerhaltige  alkoholhaltige  Flüssigkeiten.
Bei  der  Polarisation  braucht  der  Alkohol  nicht  entfernt  zu  werden;  vor  der  Inversion
muß  dies  jedoch  geschehen.

D.  Flüssiger  Raffinadezucker.
Der  flüssige  Raffinadezucker  enthält  in  der  Regel  Invertzucker.  Die  Untersuchung
kann  sich  darauf  beschränken,  festzustellen,  daß  mindestens  ein  Zuckergehalt  von  insgesamt
U5  vom  Hundert  vorhanden  ist.

E.  Invertzuokersirup.
Die  Feststellung  des  Zuckergehalts  erfolgt  nach  dem  unter  1  in  Anlage  B  angegebenen ­
  Verahren.
F.  Eingedickte  Milch.
100  g  der  Milchprobe  werden  abgewogen,  mit  Wasser  zu  einer  leicht  flüssigen  Masse
verrührt  und  in  einen  Meßkolben  von  500  ccm  Raumgehalt  gespült.  Die  Flüssigkeit  wird
darauf  mit  etwa  20  com  Bleiessig  versetzt,  mit  Wasser  zu  500  ccm  aufgefüllt,  durchgeschüttelt
UI| d  filtriert.
Vom  Filtrat  werden  75  ccm  in  einen  Kolben  von  100  ccm  Raumgehalt  gebracht  und,
wenn  erforderlich,  mit  etwas  Tonerdebrei  versetzt.  Darauf  wird  mit  Wasser  zur  Marke
aufgefüllt,  filtriert  und  nach  Anlage  C  polarisiert.
Ferner  werden  75  ccm  desselben  Filtrats  mit  5  ccm  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht ­
  1,19  versetzt,  nach  Vorschrift  der  Anlage  B  invertiert,  zu  100  ccm  aufgefüllt  und
filtriert,  worauf  wiederum  die  Polarisation  für  20°  bestimmt  wird.  Hiernach  berechnet  sich
der  Gehalt  Z  der  eingedickten  Milch  an  Rohrzucker  aus  der  Gleichung
Z  =  1,26  (1,016  .  P  —  J),
worin  P  die  vor  der  Inversion,  J  die  nach  der  Inversion  gefundene  Polarisation  bedeutet.
        <pb n="667" />
        646

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Zuckerfabrikation.

Beispiel:  Die  Polarisation  P  sei  —|—  28,10,  die  Polarisation  J  werde  zu  —0,30  ermittelt. ­
  Setzt  man  diese  beiden  Zahlenwerte  für  P  und  J  in  die  eben  angegebene  Formel,
so  erhält  mau:
Z  =  1,25  (1,016.28,10  +  0,30)  =  36,06.
Demnach  ist  der  Gehalt  der  eingedickten  Milch  an  Rohrzucker  zu  36,1  vom  Hundert  anzunehmen. ­

Schlußbestimmung.
Über  jede  Untersuchung  ist  der  Amtsstelle,  welche  die  Probe  eingesendet  hat,  eine
Befundsbescheinigung  zu  übermitteln,  welche  außer  der  genauen  Bezeichnung  der  Probe
Angaben  über  die  Art  und  das  Ergebnis  der  Ermittelungen  und  den  daraus  berechneten,
in  Hundertteilen  anzugebenden  Zuckergehalt,  sowie  einen  Vermerk  über  die  Art  der  verwendeten ­
  Meßgeräte  zu  enthalten  hat.
        <pb n="668" />
        Rohstoffe
und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation.

I.  Wasser.
Für  die  Stärkefabrikation  ist  ein  gutes  Betriebswasser  um  so  mehr  von  Belang, ­
  als  für  diese  natürliches  Wasser  verwendet  wird,  während  das  Wasser  für
andere  landwirtschaftliche  Nebengewerbe  erhitzt  bezw.  gekocht  wird,  wodurch  manche
schädliche  Bestandteile  entweder  zerstört  (Kleinwesen)  oder  ausgeschieden  werden.  Das
Wasser  für  die  Stärkefabrikation  muß  nach  0.  Saare 1 )  folgende  Eigenschaften  haben:
1.  Es  muß  frei  sein  von  darin  schwebenden  Stoffen,  wie  organischen  Ausscheidungen  und
Pflanzenresten  (Schlammflocken),  Eisenhydroxyd  und  Algen  oder  höheren  Pilzen.  Alle  diese
Stoffe  oder  Organismen  können  mit  der  Stärke  durch  die  Siebe  gehen,  auch  in  den  Schleudern
zum  Teil  in  der  Stärke  verbleiben,  und  treten  dann  in  trocknem  Zustande  in  der  fertigen
Stärke  als  sogenannte  Stippen  auf,  welche  je  nach  der  Menge,  in  der  sie  vorhanden  sind,
die  Beschaffenheit  der  Stärke  herabdrücken  können.
Eisenverbindungen  können  die  Stärke  auch  gelblich  färben.
2.  Es  muß  frei  sein  von  Gärungserregern,  hefenartigen  oder  Spaltpilzen.  Erstere  verhindern ­
  das  Absetzen  der  Stärke  und  tragen  zum  Entstehen  der  sogenannten  fließenden
Stärke  bei.  Die  anderen  Kleinwesen  bilden  in  der  Stärke  organische  Säuren  (Milchsäure,
Buttersäure),  welche  durch  das  sorgfältigste  Waschen  nicht  ganz  wieder  zu  entfernen  sind,
und  welche  in  bester  Ware  nicht  vorhanden  sein  dürfen,  oder  sie  geben  außerdem  der
Stärke  noch  einen  schlechten  Geruch  nach  Buttersäure  oder  einen  dumpfen,  fauligen  Geruch.
Js  tiefer  in  die  warme  Jahreszeit  hinein  die  Fabrikation  dauert,  um  so  gefährlicher  ist
das  Vorhandensein  der  Mikroorganismen.
3.  Das  Wasser  darf  kein  Ammoniak  und  keine  salpetrige  Säure  enthalten,  da  die
Anwesenheit  dieser  Stoffe,  ebenso  wie  eine  zu  erhebliche  Menge  von  leicht  zersetzlicher
organischer  Substanz  (die  im  Liter  mehr  als  10  mg  übermangansaures  Kalium  zur  Oxydation
verbraucht)  auf  Gegenwart  faulender  organischer  Massen  und  Fäulnis  erregender  Bakterien
schließen  läßt.
Über  die  Untersuchung  des  Wassers  vergl.  weiter  unten.
II.  Stärkemehlhaltige  Rohstoffe.
1.  Kartoffeln.  Über  die  chemische  Untersuchung  der  Kartoffeln  vergl.
266,  über  die  chemische  Bestimmung  der  Stärke  S.  238.
Für  technische  Zwecke  wird  der  Stärkemehlgehalt  durchweg  nur  nach  dem
spezifischen  Gewicht  der  Kartoffeln  bestimmt,  weil  der  Gehalt  der  Kartoffeln
an  Trockensubstanz  und  Stärke  im  allgemeinen  mit  dem  spezifischen  Gewicht
derselben  steigt  und  fällt;  dieses  gilt  wenigstens  für  die  Trockensubstanz,  während
dieser  nicht  immer  in  demselben  Verhältnis  eine  bestimmte  Menge  Stärke  entspricht.
0.  Saare,  Die  Fabrikation  der  Kartoffelstärke.  Berlin  1897.  Diesem  Werke
sind  die  nachstehenden  Untersuchungsverfahren  vorwiegend  entnommen.
        <pb n="669" />
        648

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation.

Denn  wie  hei  Zuckerrüben  das  Verhältnis  von  Zucker  zu  „Nichtzucker“,  so  ist  bei
Kartoffeln  je  nach  Boden,  Kultur,  Pflanzweite  und  Düngung  das  Verhältnis  von
Stärke  zu  „Nichtstärke“  ein  verschiedenes,  so  daß  bei  einem  und  demselben
spezifischen  Gewicht  der  Gehalt  an  Stärkemehl  verschieden  sein  kann.
Für  gewöhnlich  wird  aber  das  spezifische  Gewicht  für  die  Praxis  hinreichend
genaue  Anhaltspunkte  liefern  können.
Unter  den  Verfahren  zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  seien  hier
erwähnt:
a)  Das  Stohmannsche  Verfahren.  Dieses  ist  in  den  Laboratorien  vielfach
üblich  und  beruht  darauf,  daß  man  das  Volumen  einer  bestimmten  Gewichtsmenge
Kartoffeln  ermittelt,  woraus  sich
er
nach  der  Formel  s  =  —  das  spezifische ­
  Gewicht  ergibt  (g  =  absolutes ­
  Gewicht  der  Kartoffeln, ­
  v  =  verdrängtes  Volumen
Wasser,  s  =  spezifisches  Gewicht). ­

Der  Stohmannsche  Apparat ­
  besteht  aus  einem  auf
Stellschrauben  ruhenden,  3—5  1
fassenden  Glaszylinder,  auf
welchem  eine  mit  einer  Metallspitze ­
  versehene  Platte  ruht.
Man  läßt  in  den  Zylinder
zuerst  mittels  größerer  Gefäße,
zuletzt  durch  langsames  Zutropfen ­
  aus  einer  Bürette  so
viel  Wasser  fließen,  daß  sich
die  Metallspitze  und  deren  Spiegelbild ­
  genau  berühren;  dieser
Punkt  ist  bei  einiger  Übung
sehr  scharf  zu  treffen,  wenn
dafür  Sorge  getragen  wird,  daß
am  Schlüsse  des  Wasserzufließens
kein  Schwanken  des  Wasserspiegels ­
  statthat.
Alsdann  wägt  man  eine  bestimmte  Menge  (vorher  sorgfältig  gereinigter  und
abgetrockneter)  Kartoffeln  ab  und  gibt  diese  in  den  Zylinder,  indem  man  vor  dem
Einfüllen  mittels  des  Hebers  annähernd  so  viel  ccm  Wasser  ausfließen  läßt,  als  das
Gewicht  der  angewendeten  Kartoffeln  in  g  beträgt,  also  wenn  etwa  986  g  oder  1040  g
Kartoffeln  abgewogen  sein  sollten,  1  1  Wasser,  oder  wenn  das  Gewicht  der  Kartoffeln
1555  g  oder  1463  g  beträgt,  1,5  1  Wasser.
Darauf  bringt  man  die  Kartoffeln  vorsichtig,  ohne  daß  Wasser  verspritzt,
in  den  Zylinder,  wodurch  das  noch  rückständige  Wasser  bis  nahe  an  die  Metallspitze ­
  steigt;  den  noch  fehlenden  Rest  läßt  man  aus  der  graduierten  Bürette  zufließen, ­
  bis  sich  die  Spitze  und  ihr  Spiegelbild  wieder  genau  berühren.  Indem
man  letztere  Menge  von  der  abgelassenen  Menge  Wasser  abzieht,  erfährt  man  die
Menge  des  von  den  Kartoffeln  verdrängten  Wassers.

Fig.  269.  Stohmanns  Apparat  für  Bestimmung  des
spezifischen  Gewichtes  der  Kartoffeln.
        <pb n="670" />
        Stärkemehlhaltige  Rohstoffe.

649

Angenommen,  es  sind  abgewogen  1040  g  Kartoffeln,  aus  dem  Zylinder  beim  Einfüllen ­
  abgelassen  1000  ccm  (=  1  1),  aus  der  Bürette  wieder  zugeflossen  71  ccm,  so  beträgt
die  Menge  des  verdrängten  Wassers  1000  —  71  =  929  ccm,  also  das  spezifische  Gewicht
der  Kartoffeln:

_  g  _  1040
8  —  v  —  939

1,119,

welcher  Zahl  nach  der  Tabelle  XVI  (am  Schluß)  28,0  °/ 0  Trockensubstanz  und  22,2  °/ 0  Stärkemehl ­
  in  den  Kartoffeln  entsprechen.
Anm.  Man  kann  auch  die  ohne  Kartoffeln  in  den  Zylinder  bis  zur  Metallspitze
gehende  Wassermenge  ein  für  allemal  ermitteln  und  dann  jedesmal  diejenige  Menge  Wasser,
welche  nach  Einfüllen  der  Kartoffeln  bis  zur  Spitze  erforderlich  ist,  feststelleu.  Angenommen,
die  erstere  Menge  Wasser  betrage  4026  ccm,  die  letztere  nach  dem  Binfüllen  von  1517  g
Kartoffeln  2668  com,  so  haben  die  1617  g  Kartoffeln  4025  —  2668  =  1357  ccm  Wasser  ver-1517

drängt,  also  spezifisches  Gewicht  derselben  =  1357  =  1,H8,  entsprechend  27,8  °/ 0  Trockensubstanz ­
  und  22,0  °/ 0  Stärke.
Es  ist  bei  Anwendung  dieses  Verfahrens  darauf  zu  achten,  daß  die  gereinigten
Kartoffeln  dieselbe  Temperatur  wie  das  Wasser  besitzen  und  daß  keine  Luftblasen  an  denselben ­
  beim  Untertauchen  unter  Wasser  haften  bleiben;  letztere  können  event.  durch  Hinnnd
  Herbewegen  des  Hebers  entfernt  werden.

b)  Das  Verfahren  von  Fesca  (Hurtzig,  Reimann  u.  a.).  Dieses  beruht  auf
dem  Archimedischen  Grundsatz,  daß  ein  jeder  Körper  beim  Wägen  unter  Wasser  so
viel  von  seinem  Gewicht  verliert,  als  das  Volumen  der  von  ihm  verdrängten  Flüssigkeit ­
  beträgt.  Man  erfährt  also  aus  dem  Gewichtsverlust  einer  bestimmten  Gewichtsmenge ­
  eines  Körpers  unter  Wasser  in  Gramm  sein  Volumen  direkt  in  Kubikzentimeter. ­

Angenommen,  1037  g  Kartoffeln  sollen  unter  Wasser  nur  115  g  wiegen,  so  haben
sie  an  Gewicht  verloren  1037  —  115  =  922  g  =  922  ccm,  welches  ihr  Volumen  ist,  also:

_  g  _  1037
8  —  v  —  922

1,124,

welchem  spezifischen  Gewicht  29,1  °/ 0  Trockensubstanz  und  23,3  °/„  Stärke  entsprechen.
Bei  der  ältesten  Kartoffel  wage  dieser  Art  von  Fesca  bringt  man  auf  die
Wageschale  e  ein  5  kg-  oder  10  kg-Gewicht  und  stellt  durch  die  Kartoffeln  in  der
Uber  Wasser  befindlichen  Wageschale  f  das  Gleichgewicht  her;  man  bringt  alsdann
        <pb n="671" />
        650

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation.

die  Kartoffeln  in  den  unter  Wasser  befindlichen  Korb  g,  der  auch  während  des
Wägens  der  Kartoffeln  unter  Wasser  bleiben  muß.  Da  die  Kartoffeln  jetzt  weniger
wiegen  als  das  ursprüngliche  Gewicht  auf  e,  so  legt  man  auf  f  so  viel  Gegengewichte, ­
  bis  das  Gleichgewicht  wieder  hergestellt  ist.  Letztere  Gewichte  geben  den
Gewichtsverlust  der  Kartoffeln  unter  Wasser  an  oder,  da  Grammgewichte  =  Kubikzentimetern ­
  sind,  ihr  Volumen;  indem  man  die  Gewichte  in  f  von  denen  auf  e  abzieht, ­
  erfährt  man  das  Gewicht  der  Kartoffeln  unter  Wasser  und  berechnet  aus
diesen  Zahlen  wie  oben  das  spezifische  Gewicht.
Die  Wägungen  müssen  in  destilliertem  oder  doch  Eegenwasaer  von  17,5°  ausgeführt ­
  werden;  auch  muß  der  Korb  bei  dem  Wägen  der  Kartoffeln  über  Wasser  und  bei
dem  Wägen  unter  Wasser  gleichtief  in  Wasser  eintauchen.  Dieses  wird  am  einfachsten
dadurch  erreicht,  daß  man  das  Gefäß  a  stets  mit  Wasser  gefüllt  hält;  das  beim  Einbringen
der  Kartoffeln  in  den  untersten  Korb  überschüssig  vorhandene  Wasser  läßt  man  entweder
bei  b  oder  auch  durch  einen  am  Boden  befindlichen  Hahn  ausfließen.  Die  genaue  Einstellung ­
  des  ursprünglichen  Gewichtes  von  5  oder  10  kg  kann  durch  Schnitte  von
Kartoffeln  geschehen,  dagegen  dürfen  naßfaule,  erfrorene,  kranke  oder  verdorbene,  oder
unreife,  verschrumpfte  oder  stark  gekeimte  Kartoffeln  nicht  verwendet  werden;  die  Tabellen
gelten  nur  für  gesunde  Kartoffeln.
Die  vielfach  verwendeten  Kartoffelwagen  von  Hurtzig,  Reimann  u.  a.  beruhen ­
  auf  demselben  Grundsatz.
Den  Faser-  bezw.  Trebergehalt  der  Kartoffeln  kann  man  nach  0.  Saare
in  der  “Weise  bestimmen,  daß  man  3  g  der  lufttrocknen  Substanz  nach  S.  239  aufschließt, ­
  die  Stärke  verzuckert,  den  Rückstand  auf  einem  getrockneten  und  gewogenen ­
  Filter  sammelt,  bei  106°  wägt  und  verascht.  Wenn  man  in  dem  auf
gleiche  Weise  erhaltenen  Rückstand  einer  2.  Probe  den  Gehalt  an  Stickstoff  bestimmt ­
  und  den  Gehalt  an  Protein  (N  x  6,25)  wie  an  Asche  von  dem  Gesamt-Rückstand
  abzieht,  erhält  man  den  Gehalt  an  Fasern  bezw.  Trebern.
2.  Getreidearten.  Als  Getreidearten  zur  Herstellung  von  Stärkemehl  kommen
in  Deutschland  vorwiegend  Weizen,  Reis  und  Mais  in  Betracht,  vereinzelt  auch
Roggen  und  Gerste.  Als  sonstige  Rohstoffe  werden  auch  wohl  Roßkastanien  angewendet, ­
  die  aber  behufs  Entfernung  der  anhaftenden  Gerbsäure  erst  mit  Soda  behandelt ­
  werden  müssen.  Über  die  allgemeine  chemische  Untersuchung  der  Getreidearten ­
  vergl.  S.  208—251  und  die  chemische  Bestimmung  der  Stärke  S.  239  u.  ff.
L.  Gianturco 1 )  hat  vorgeschlagen,  die  Stärke  in  Wasser  zu  verteilen,  die
Flüssigkeit  mit  einer  Alaunlösung  von  bestimmtem  Gehalt  und  dann  mit  überschüssigem ­
  Ammoniak  zu  versetzen.  Das  gefällte  Aluminiumhydroxyd  reißt  die  in
der  Schwebe  befindliche  Stärke  mit  nieder;  der  gesamte  Niederschlag  wird  filtriert,
getrocknet,  gewogen,  geglüht  und  wieder  gewogen.  Durch  Abzug  der  der  zugesetzten ­
  Alaunlösung  entsprechenden  Menge  Aluminiumoxyd  erhält  man  die  Menge
Stärke  +  Asche  derselben  und  nach  dem  Veraschen  auch  die  der  Stärke  anhaftende ­
  Asche.
0.  Saare *  2 )  hat  für  die  Untersuchung  des  zur  Stärkefabrikation  zu  verwendenden
Weizens  die  Bestimmung  des  Klebers  und  der  Treber  mit  der  der  Stärke  zu
verbinden  versucht.  Das  Verfahren  wird  wie  folgt  ausgeftihrt;  50  g  Weizen  werden
bis  zur  Quellreife  eingequellt,  bei  täglicher  Erneuerung  des  Wassers  (im  Sommer  2,
im  Winter  3  Tage)  stehen  gelassen  und  in  einer  Reibschale  gut  zerquetscht.  Der  Brei
wird  durch  ein  Seidengazesieb  (No.  15)  ausgewaschen  und  die  Stärkemilch  in  einem
Zylinder  gesammelt.  Nachdem  sich  die  Stärke  abgesetzt  hat,  wird  das  Wasser  abJ ­
 )  Chem.-Ztg.  1900,  24-,  Repertorium  208.
2 )  Zeitschr.  f.  Spiritusindustrie  1901,  24,  59.
        <pb n="672" />
        Chemische  Hilfsstoffe.  —■  Stärke.

651

gehebert,  die  Stärke  auf  einem  Filter  gesammelt  und,  sowie  es  geht,  vom  Filter  ahgelöst,
hei  50°  getrocknet,  lufttrocken  gewogen  und  dann  gepulvert.  In  diesem  Pulver
wird  die  Menge  der  wasserfreien  Stärke  bestimmt,  wonach  die  Gesamtmenge  der
erhaltenen  wasserfreien  Stärke  berechnet  werden  kann,  ebenso  auch  die  zu  erwartende ­
  Handelsware  mit  15  °/ 0  Wasser.  Durch  Auskneten  unter  Wasser  wird
das  auf  dem  Sieh  zurückgebliebene  Gemisch  von  Trebern  und  Kleber  möglichst  getrennt; ­
  dann  wird  der  Kleber  in  100—200  ccm  etwa  3  °/ 0 -iger  Essigsäure  langsam
gelöst,  durch  das  Sieh  filtriert,  um  die  Reste  Kleber  aufzulösen,  nachgewaschen,
die  Lösung  im  Wasserhade  eingetrocknet  und  lufttrocken  gewogen.  Die  Treber
und  der  Siebrückstand  werden  vereinigt  und  bei  105°  getrocknet.
III.  Chemische  Hilfsstoffe.
Zur  Gewinnung  der  Stärke  aus  Reis  werden  verwendet;  Soda  oder  Natronlauge, ­
  zu  der  von  Mais:  Natronlauge  und  schweflige  Säure  und  weiter  behufs
Abstumpfung  der  Laugen  auch  Salzsäure.  Über  die  Untersuchung  derselben  auf
Gehalt  und  Reinheit  derselben  vergl.  die  Lehrbücher  der  analytischen  Chemie,  besonders
das  bekannte  Werk  von  G.  Lunge,  „Chemisch-technische  Untersuchungsmethoden“,
Berlin,  hei  Julius  Springer;  5.  Aufl.  im  Erscheinen  begriffen.
IV.  Stärke.
1.  Stärkemilch.  0.  Saare  empfiehlt  mehr,  als  dieses  bis  jetzt  zu  geschehen ­
  pflege,  den  Gehalt  der  zu  verarbeitenden  Stärkemilch  zu  beachten,  und
zwar  mittels  einer  Beaume-Spindel  oder  eines  Saccharometers.  Die  zu  untersuchende ­
  Stärkemilch  von  der  vorgeschriehenen  Temperatur  wird,  wie  sonst  Flüssigkeiten, ­
  in  einen  Glaszylinder  gefüllt  und  hierin  schnell  die  Spindel  eingeführt,  jedoch
so,  daß  dieselbe  nicht  wesentlich  unter  den  Punkt,  hei  dem  sie  schwimmt,  beim
Loslassen  hinabsinkt.  Man  liest  in  der  Mitte  des  an  dem  Stengel  der  Spindel
hochgegangenen  Flüssigkeitskegels  ah.  Je  1 0  Be.  entspricht  annähernd  2  g  wasserfreier ­
  Stärke  in  100  ccm  oder  20  g  in  1  1  (vergl.  Tabelle  XIV  am  Schluß).
2.  Feuchte  Stärke.  Mitunter  wird  die  Stärke  nicht  getrocknet,  sondern  im
feuchten  Zustande  in  den  Handel  gebracht.  Für  diese  kommt  vorwiegend  die  Bestimmung ­
  des  Wassers,  der  wasserlöslichen  Stoffe  und  Verunreinigungen  in  Betracht.
a)  Wasser.  Die  feuchte  Stärke  muß,  um  eine  Verkleisterung  zu  vermeiden,
zuerst  hei  niedrigen  Temperaturen  vorgetrocknet  werden.  Zu  dem  Zweck  werden
100—200  g  in  einer  Porzellanschale  auf  dem  Wasserhade  hei  etwa  30°  12  Stunden
lang  schwach  erwärmt,  der  lufttrockne  Rückstand  gewogen  und  ein  Teil  desselben
weiter  bei  120°  völlig  ausgetrocknet.  Über  die  Berechnung  des  ursprünglichen
Wassergehaltes  vergl.  S.  255.
h)  Wasserlösliche  Bestandteile  (Fruchtwasserreste).  50  g  der  nach  a
vorgetrockneten  Stärke  werden  mit  300  ccm  Wasser  von  15°  übergossen  und  unter
öfterem  Umschtitteln  1  Stunde  lang  stehen  gelassen.  Dann  wird  durch  ein  trocknes
Filter  filtriert;  von  dem  Filtrat  werden  200  ccm  auf  dem  Wasserhade  in  einer
gewogenen  flachen  Schale  eingedunstet,  bei  105°  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit
getrocknet  und  gewogen.  Enthielt  die  lufttrockne  Stärke  noch  16,27  °/ 0  Wasser,
also  50  g  8,13  g,  so  waren  in  der  stärkehaltigen  Flüssigkeit  im  ganzen  308,13  g
Wasser,  und  wenn  der  Trockenrückstand  in  200  ccm  x  g  betrug,  so  berechnet  sich
die  Menge  des  Wasserlöslichen  in  50  g  nach  dem  Ansatz  —  Uber  die  Umrechnung ­
  des  Gehaltes  auf  ursprüngliche  feuchte  Stärke  vergl.  S.  256.  Wenn  man
        <pb n="673" />
        652

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation.

das  Volumen  der  Stärke  unberücksichtigt  lassen  will,  kann  man  die  50  g  lufttrockne ­
  Stärke  auch  mit  Wasser  auf  250  oder  500  ccm  auffüllen  und  von  diesem
Filtrat  die  Hälfte  nehmen;  man  braucht  alsdann  den  Wassergehalt  der  lufttrocknen
Stärke  nicht  zu  berücksichtigen;  die  Nichtberücksichtigung  des  Volumens  der  Stärke
bedingt  aber  einen  kleinen  Fehler.
c)  Feste  Verunreinigungen.  50  g  Stärke  werden  mit  200  ccm  Wasser
und  100  ccm  Malzauszug  (200  g  geschrotenes  Malz  in  1  1)  bei  75°  verflüssigt,
dann  auf  70°  abgekühlt,  mit  weiteren  100  ccm  Malzauszug  versetzt  und  1  Stunde
bei  52—56  0  im  Wasserbade  unter  Umrühren  erwärmt.  Nach  Umfüllen  in  ein  großes
Beoherglas  wird  die  Flüssigkeit  aufgekocht,  stark  mit  kochendem  Wasser  verdünnt,
nach  dem  Absetzen  die  klare  Lösung  abgehebert  und  der  Bodensatz  auf  einem  gewogenen ­
  Filter  gesammelt.  Die  Bestimmung  und  Berücksichtigung  der  Asche  und
des  Stickstoffs  (in  einer  2.  Probe)  geschieht,  wie  S.  650  angegeben  ist.
3.  Trockne  (Handels-)  Stärke.  Auch  für  die  Untersuchung  der  fertigen  Stärke
ist,  wie  O.  Saare  hervorhebt,  die  richtige  Probenahme  von  der  größten  Bedeutung.
Man  soll  Einzelproben  aus  10  °/ 0  der  Säcke  bezw.  Behälter  entnehmen,  diese  gehörig
mischen,  von  der  Mischung  Teilprohen  in  ein  trocknes,  dicht  verschließbares  Glasoder ­
  Blechgefäß  —  nicht  Musterdüten,  Säckchen  oder  Pappschachteln  —  füllen,
dicht  verschließen  und  den  nochmals  ira  Laboratorium  gut  durchgemischten  Inhalt
für  die  Untersuchung  verwenden  (vergl.  auch  S.  426).
a)  Wasser.  Um  auch  hier  eine  Verkleisterung  der  trocknen  Stärke  bei
größerem  Wassergehalt  zu  vermeiden,  werden  5—10  g  der  Stärkeprobe  in  einem
Wägegläschen  abgewogen,  in  einem  gewöhnlichen  Trockenschranke  eine  Stunde  bei
50°  vorgetrocknet,  dann  die  Temperatur  in  einer  halben  Stunde  auf  120°  gesteigert ­
  und  4  Stunden  bei  dieser  gehalten.  Besonders  soll  die  Endtemperatur  genau
120°  sein.
0.  Saare  hat  auch  (1.  c.  S.  509)  ein  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Wassergehaltes ­
  der  Kartoffelstärke  angegeben,  welches  darauf  beruht,  daß  die  Kartoffelstärke ­
  verschiedener  Herkunft  stets  ein  spezifisches  Gewicht  von  1,65  hat.  Da  das
Verfahren  aber  nur  für  Kartoffelstärke  berechnet  und  außerdem  nur  für  die  Praxis
ausreichende  Ergebnisse  liefert,  so  sei  hier  nur  darauf  verwiesen.
Auch  das  Verfahren  von  Scheibler,  welches  darauf  beruht,  daß  durch
Mischen  von  1  Teil  Stärkemehl  mit  11,4  °/ 0  Wassergehalt  und  2  Teilen  Alkohol
von  0,8339  spezifischem  Gewicht  beide  Bestandteile  sich  indifferent  verhalten,
während  wasserreichere  Stärke  Wasser  an  den  Alkohol  abgibt  und  dessen  spezifisches
Gewicht  erhöht,  mag  hier  nur  erwähnt  sein.
Der  Wassergehalt  der  Stärke  liegt  durchweg  zwischen  10—15  °/ 0 ;  ein  Wassergehalt
über  18°/ 0  (nach  0.  Saare  20°/ 0 )  muß  jedenfalls  als  hoch  bezw.  als  zu  hoch  für  Primaware ­
  bezeichnet  werden.
b)  Stickstoff.  Derselbe  wird  nach  Kjeldahl  (S.  137)  bestimmt.
Der  Stickstoff-Gehalt  der  Stärke  schwankt  zwischen  0,03—0,70  °/ 0  in  der  Trockensubstanz, ­
  bei  reiner  Stärke  übersteigt  derselbe  indes  nicht  0,16  °/ 0  in  der  Trockensubstanz.
c)  Fett.  Fett  pflegt  in  der  Stärke  nur  in  Spuren  bis  höchstens  0,2  °/ 0  vorhanden ­
  zu  sein  und  kann  im  allgemeinen  vernachlässigt  werden.  Seine  quantitative
Bestimmung  erfolgt  nach  S.  220,  wobei  man  die  abgewogene  Stärkeprohe  zweckmäßig ­
  erst  bei  50°  vortrocknet.
d)  Stärke.  Der  Gehalt  an  Stärke  kann  meistens  aus  der  Differenz  von
100  minus  (Wasser  -f-  Protein  +  Fett  +  Asche)  berechnet  werden.  Für  eine  direkte
quantitative  Bestimmung  verfährt  man  nach  S.  238  u.  ff.
        <pb n="674" />
        Stärke.

653

e)  Zellreste  und  Zellsaftreste.  10  g  Stärke  sollen  nach  Arthur  Meyer
mit  20  g  einer  25  %-igen  Salzsäure  (spezifisches  Gewicht  1,134)  angerührt,  der
entstehende  Kleister  einige  Minuten  bei  40°  erwärmt,  mit  20  ccm  Wasser  verdünnt,
zum  Absitzen  hingestellt  und  die  Zellreste  in  üblicher  Weise  (wie  Rohfaser)
quantitativ  bestimmt  werden.
Reine  Stärke  enthält  nur  Spuren  bis  0,3  °/ 0  Zellreste  (bezw.  Robfaser).
Auf  Zellsaftreste  prüft  A.  Meyer  qualitativ  in  der  Weise,  daß  er  die
Stärke  mit  dem  doppelten  Volumen  Ammoniakflüssigkeit,  die  2  g  Ammoniak  in
100  ccm  Wasser  enthält,  schüttelt.  Die  Flüssigkeit  greift  Stärke  nicht  an,  färbt
sich  aber  um  so  brauner,  je  mehr  Zellsaft  in  der  Stärke  vorhanden  ist.
f)  Säure  (bezw.  Alkali).  Auch  Stärke,  die  nicht  mit  Hilfe  von  schwefliger
Säure  gewonnen  ist,  kann  infolge  einer  während  der  Fabrikation  eingetretenen  Gärung
freie  Säure  —  meistens  Milchsäure  —  enthalten.  0.  Saare  bestimmt  die  Säure
wie  folgt:  25  g  der  Stärkeprobe,  welche  sauer  reagierte,  werden  mit  25—30  com
destilliertem  Wasser  angerührt  und  unter  lebhaftem  Rühren  mit  1 / 10  Normal-Natronlauge ­
  titriert.  Zur  Feststellung  der  Endreaktion  rührt  man  eine  neutral  reagierende
Kontrollprobe  zu  ebenso  dicker  Stärkemilch  an,  bringt  Tropfen  von  beiden  Proben
mit  einem  Glasstabe  auf  mehrfach  gefaltetes  Filtrierpapier  und  saugt  das  Wasser
ab;  dann  setzt  man  aus  einem  Röhrchen  verdünnte  Neutral-Lackmuslösung  auf
die  abgesaugte  Stärkekuppe  und  titriert,  bis  die  Färbung  beider  Proben  übereinstiramt.
  Hierauf  macht  man  eine  zweite  Probe,  bei  der  die  ganze  erforderliche
Menge  Natronlauge  auf  einmal  zugelassen  wird.  Zum  Beispiel  25  g  Stärke  verbrauchten ­
  1,8  ccm  1 / 10  N.-Natronlauge  (1  ccm  =  0,004  g  S0 3 ),  also  100  g
Stärke  =  7,2  ccm  1 / 10  N.-Natronlauge.
Eine  Stärke,  welche  verbraucht
bis  zu  5  ccm  1 / 10  N.-Natronlauge,  ist  =  zart  sauer,
„  „  8  ccm  1 j 10  „  „  =  sauer,
Uber  8  ccm  1 I 10  „  „  =  stark  sauer.
„Zart  sauer“  wird  noch  nicht  beanstandet,  aber  angegeben;  „sauer“,  wenn  die
Färbungen  weinrot  sind,  läßt  auf  organische  Säuren  schließen;  bei  „stark  sauer“  und
ziegelroter  Färbung  sind  Mineralsäuren  anzunehmen.
Die  Anzahl  der  verbrauchten  Kubikzentimeter  1 / 10  N.-Natronlauge,  multipliziert
mit  0,009,  gibt  die  Menge  Milchsäure,  multipliziert  mit  0,004  die  Menge  Schwefelsäure ­
  (S0 3 ),  und  multipliziert  mit  0,0032  die  Menge  schweflige  Säure  (S0 2 )  an.  Umgekehrt ­
  können  Mais-  und  Reisstärke,  die  unter  Zuhilfenahme  von  Soda  bezw.
Natronlauge  gewonnen  werden,  bei  ungenügendem  Auswaschen  alkalisch  reagieren.
Hier  kann  das  freie  Alkali  umgekehrt  in  derselben  Weise  durch  litration  mit
ho  N.-Schwefelsäure  bestimmt  werden.
0.  Saare  fand  den  Säuregehalt  von  Weizenstärke  entsprechend  0  3,4  ccm,  von
Maisstärke  entsprechend  von  2,3—25,5  ccm  1 j 10  N.-Alkali,  während  der  Alkaligehalt  hei
Maisstärke  in  4  Proben  =  37,7—48,1  ccm  1 I 10  N.-Säure  gefunden  wurde.
g)  Asche.  5—10  g  Stärke  werden  wie  üblich  verascht  und  unter  Anwendung  der
a 'if  S.  195  angegebenen  Hilfsmittel  weiß  gebrannt.
Je  reiner  die  Stärke  ist,  desto  weniger  Asche  enthält  sie;  beste  Stärke  pflegt
°,06—0,3  °/ 0  Asche  zu  enthalten;  bei  den  unreineren  Stärken  geht  der  Gehalt  bis  zu  1,0  °/ 0
und  darüber  hinaus.
b)  Äußeres  Aussehen  und  Großkörnigkeit.  Der  Glanz  oder  das
Lüster  der  Stärke  ist  um  so  stärker,  die  Farbe  um  so  weißer  und  die  Beschaffenheit
der  Stärke  um  so  besser,  je  mehr  große  Stärkekörner  als  spiegelnde  Flächen  vorhanden ­
  sind.
        <pb n="675" />
        664

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation.

Partie  und  Glanz  werden  nach  einem  Muster  feinster  Stärke,  z.  B.  dem
Küstriner  Muster  B.K.M.F.  beurteilt.
Die  Großkörnigkeit  wird  durch  Ermittelung  des  mittleren  Durchmessers
der  Stärkekörner  bestimmt.  0.  Saare  verfährt  für  den  Zweck  wie  folgt:  5  g
Stärke  werden  mit  300  ccm  Wasser  auf  geschüttelt  und  wird  hiervon  schnell  mit
einem  spitz  ausgezogenen  Glasrohr  ein  Tropfen  entnommen,  in  eine  Zählkammer
(eine  Hefenzählkammer)  gebracht  und  weiter  der  mittlere  Durchmesser  der  Stärkekörner ­
  in  üblicher  Weise  ermittelt.  0.  Saare  fand  z.  B.  den  mittleren  Durchmesser ­
  verschiedener  Kartoffelstärkesorten  wie  folgt:

Prima-Abfallstärke
  Sekunda-Stärke  Tertia-Stärke
(Prima)
0,0210  mm  0,0169  mm  0,0125  mm.

Stärke  (Superior)

v.  Genthin
0,0355  mm  0,0328  mm

i)  Klebfähigkeit  der  Stärke.  Für  die  Bestimmung  der  Klebfähigkeit  der
Stärke  sind  eine  Reihe  Verfahren  angegeben,  so  von  Wiesner  (vergl.  O.  Saare
1.  c.  513),  von  Brown  und  Neron, 1 )  Dafert *  2  3 )  und  Thomson, 8 )  die  aber  sämtlich
anscheinend  keine  allgemeinere  Verbreitung  gefunden  haben.  In  der  Praxis  geschieht ­
  die  Prüfung  auf  Klebfähigkeit  meistens  in  der  Weise,  daß  man  Stärke
(etwa  50  g)  mit  Wasser  (1  1)  zu  Kleister  kocht  und  diesen  vergleichend  prüft.
Oder  man  rührt,  wie  0.  Saare  angibt,  10  g  Stärke  mit  einer  kleinen,  aber  bestimmten ­
  Menge  kalten  Wassers  an  und  setzt  steigende  gewogene  Mengen  heißen
Wassers  (70,  72,  74  g)  zu,  läßt  6  Stunden  stehen  und  beobachtet,  ob  sich  Wasser
(Grenze  der  Klebrigkeit)  abscheidet.  Gute  Stärke  soll  mindestens  die  8-fache  Menge
Wasser  aufnehmen  können.  Nach  A.  Schreib 4 )  verfährt  man  mit  angeblich  gutem
Erfolge  wie  folgt:  Die  Stärke  wird  erst  mit  Wasser  in  einem  Porzellantiegel  zu
einer  Milch  ungerührt  und  dann  der  Inhalt  direkt  über  einem  gewöhnlichen  Bunsen-Brenner
  unter  stetigem  Umrühren  fertig  gekocht.  Sobald  der  Kleister  durchsichtig
wird  und  gleich  darauf  anfängt  aufzuschäumen,  entfernt  man  ihn  vom  Feuer  und
rührt  noch  einige  Zeit  gut  um.  Das  Kochen  darf  nicht  über  eine  Minute  dauern.
Bei  Anwendung  von  4  g  Stärke'  auf  50  ccm  Wasser  soll  eine  gute  Stärke  einen
nach  dem  Erkalten  festen  Kleister  geben,  der  aus  dem  Schälchen  nicht  mehr  ausfließt.
k)  Verunreinigungen.  Die  Stärke  kann  in  mehrfacher  Weise  verunreinigt
sein,  nämlich  zunächst  auf  natürliche  Weise  infolge  mangelhaften  Betriebes  durch
Kohlenstaub,  Ruß,  Staub,  Holzteilchen,  Fäden  von  Säcken;  auch  Reste  von  Kartoffelschalen ­
  und  Pilzmycel  können  auf  diese  Weise  in  die  Stärke  gelangen.  Infolge
solcher  Beimengungen  bilden  sich  in  der  Stärke  schwarze,  braune  oder  gelbliche
Pünktchen,  sog.  Stippen  (auch  Stiften  genannt),  nach  deren  Anzahl  sich  die  Art
des  Betriebes  beurteilen  läßt.  0.  Saare  bestimmt  die  Stippen  wie  folgt:
Eine  Probe  der  Stärke  wird  auf  Papier  ausgebreitet  und  glatt  gestrichen.
An  einer  beliebigen  Stelle  ward  eine  kleine  Glasplatte  (z.  B.  ein  Objektträger)  aufgelegt, ­
  deren  Flächeninhalt  bekannt  ist,  und  es  werden  die  unter  ihr  oder  einem
bestimmten  Teil  von  ihr  liegenden  Stippen  gezählt.  Die  Probe  wird  mehrmals
durchgemischt  und  wieder  mit  dem  Glase  gezählt.  Die  Stippenzahl  wird  dann  auf

4 )  Liebigs  Ann.  d.  Chemie  199,  165.
2 )  Landw.  Jahrbücher  1896,  25,  259.
3 )  Dinglers  Polytechn.  Journal  261,  88.
4 )  Zeitschr.  f.  augew.  Chemie  1888,  694.
        <pb n="676" />
        Abfälle  der  Stärkefabrikation.  —  Stärkezucker  und  Stärkesirup.

655

1  qdm  Fläche  nmgerechnet.  Zum  Beispiel  wurden  auf  einer  Fläche  von
76.26,5  =  2014  qmm  gezählt  :  12  +  22  +  17  -j-  17  +  18  =  =  =  17,  also  auf
1  qdm  =  5  x  17  =  85  Stippen.
Bei  einer  stippenreicheren  Stärke  wurden  auf  einer  Fläche  von  26,5.26,5  =  702  qmm
pon  4.740
gezählt:  53  +  49  +  53  +  33  +  49  =  -g-  =  47,4,  also  auf  1  qdm  =  —  =  678Stippen.
Die  Art  der  Stippen  stellt  man  in  der  Weise  fest,  daß  man  sie  mittels
einer  angefeuchteten  Nadelspitze  herausnimmt,  auf  einen  Objektträger  bringt  und
mit  einem  Tropfen  Natronlauge  befeuchtet;  hierdurch  wird  die  Stärke  gelöst,  während
der  die  Stippen  verursachende  Körper  ungelöst  bleibt  und  dessen  Art  und  Herkunft
mikroskopisch  festgestellt  werden  kann.  Oder  man  verfährt  mit  einer  größeren
Probe  (25  g)  wie  bei  Mehl  nach  S.  289.
Mineralische  Beimengungen  zufälliger  oder  absichtlicher  Art  (Gips,
Schwerspat,  Calciumkarbonat,  Sand)  ergeben  sich  durch  eine  Bestimmung  und  Untersuchung ­
  der  Asche  oder  auch  z.  B.  für  Sand  nach  S.  252.
Über  die  Feststellung  der  Art  der  Stärke  vergl.  S.  288—323.
V.  Abfälle  der  Stärkefabrikation.
Bei  der  Stärkefabrikation  fallen  noch  ab  die  Schlammstärke  bezw.  der  Stärkeschlamm ­
  aus  den  Naoherzeugnissen  und  dasKeibsel  oder  diePülpe;  erstere  Abfälle ­
  werden  meistens  in  den  Stärkesirupfabriken,  letztere  zur  Fütterung  verwendet
(vergl.  S.  258).
Schlammstärke  bezw.  Stärkeschlamm  wird  im  allgemeinen  wie  Stärkemilch
  oder  feuchte  Stärke  (vorstehend  S.  651)  untersucht,  Eeibsel  undPtilpe  auf
Futterwert  dagegen  nach  S.  258.  Als  besondere  Bestimmung  für  beide  Abfälle
kommt  nur  die  der  auswaschbaren  Stärke  in  Betracht.  Die  Art  der  Ausführung ­
  dieser  Bestimmung  ist  in  beiden  Abfällen  dieselbe;  von  der  Schlammstärke
verwendet  man  etwa  100  g,  von  der  Pülpe  bezw.  dem  Eeibsel  je  nach  dem  Wassergehalt ­
  500  oder  1000  g.  Diese  gibt  man  nach  0.  Saare  unter  ständigem  tüchtigen
Durchrühren  auf  ein  grobes  Haarsieb  oder  in  ein  mit  Drahtgaze  No.  35  bespanntes
Handsieb,  dessen  Boden  in  einen  mit  Wasser  gefüllten  Behälter  (Eimer  oder  Schale)
taucht;  nachdem  man  alles  durchgerieben  hat,  hebt  man  das  Sieb  heraus,  läßt  abtropfen, ­
  taucht  nochmals  unter  Umrühren  ein,  drückt  dann  die  auf  dem  Sieb  bleibende
Masse  aus  und  sammelt  sie.  Die  gewonnene  stärkehaltige  Flüssigkeit  wird  darauf
umgerührt  und  durch  ein  feines,  mit  Seidengaze  bespanntes  Sieb  gegossen,  die  zurückbleibende
  Faser  nachgewaschen  und  mit  dem  ersten  Eückstand  vereinigt.  Der  Gesamtrücktstand
  kann  in  einem  Stück  Seidengaze  No.  15  ausgedrückt,  getrocknet
und  gewogen  werden.  Die  stärkehaltige  durchgelaufene  Flüssigkeit  dagegen  läßt
man  in  dem  Gefäß  absitzen,  gießt  oder  hebert  die  obere  klare  Flüssigkeit  ab,
sammelt  den  Bodensatz  entweder  in  einer  größeren  gewogenen  Schale  (bei  größeren
Mengen)  oder  auf  einem  gewogenen  Filter  (bei  kleinen  Mengen),  trocknet  erst
1  Stunde  bei  50°,  dann  4  Stunden  bei  120°.
Zieht  man  von  der  in  den  Abfällen  nach  S.  239  u.  ff.  bestimmten  Menge  Gesamtstärke ­
  die  auswaschbare  Menge  Stärke  ab,  so  erhält  man  die  noch  gebundene
Stärke.

Stärkezucker  und  Stärkesirup.
1-  Wasser.  Etwa  5  g  werden  in  derselben  Weise  wie  die  Zuckersäfte  (S.  610)
getrocknet.  Oder  man  löst  10  g  Stärkezucker  bezw.  -sirup  mit  Wasser  zu  100  ccm,
        <pb n="677" />
        656

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation.

gibt  hiervon  nach  dem  Mischen  25  ccm  (oder  auch  50  ccm)  in  ein  mit  geglühtem
Seesand  beschicktes  Glasschälchen,  trocknet  erst  bis  zum  Sirup  im  Wasserbade  ein
und  zuletzt  bei  100°  4—5  Stunden  im  Vakuum.
Es  empfiehlt  sich  unter  allen  Umständen,  derartige  zuckerhaltige  Stoffe,
welche  unter  gewöhnlichem  Luftdruck  bei  100°  (selbst  in  Sand  verteilt)  nicht  vollständig ­
  ihr  Wasser  verlieren  und  bei  über  100°  sich  leicht  zersetzen,  im  Vakuum
auszutrocknen.  Vielfach  wird  daher  die  indirekte  Bestimmung  des  Extraktes  aus
dem  spezifischen  Gewicht  der  10°/ 0 -igen  Lösung  und  dem  diesem  entsprechenden
Extraktgehalt  nach  Ballings  Tabelle  (No.  XIII)  oder  Brix  (No.  XIV  Anhang)
vorgezogen.
2.  Glukose  und  Dextrin.  50  ccm  der  vorhin  dargestellten  Lösung  werden
auf  500  ccm  verdünnt  oder  10  g  Stärkezucker  bezw.  -sirup  werden  zu  1000  ccm
Wasser  gelöst  und  in  25  ccm  davon  die  Glukose  nach  Meißl-Allihn  (S.  230)
bestimmt.
Dieses  Verfahren  ist  indes  hier  nicht  genau.  Denn  die  im  Stärkezucker  neben
Glukose  vorhandenen  dextrinartigen  Verbindungen  reduzieren  ebenfalls  Kupferlösung, ­
  und  zwar  um  so  mehr,  je  größer  der  Uberschuß  an  letzterer  ist.  Aus  dem
Grunde  wird  nach  E.  Sieben 1 )  die  Titration  in  diesem  Falle  verhältnismäßig  richtigere
Ergebnisse  liefern  als  die  Gewichtsanalyse.  Aber  auch  so  fallen  die  Ergebnisse  noch
um  1 I S  bis  fast  die  Hälfte  zu  hoch  aus.  E.  Sieben  nimmt  mit  anderen  an,  daß
im  Stärkezucker  auch  Maltose  vorkommt,  und  daß  man  den  wahren  Gehalt  an
Glukose  ziemlich  annähernd  dadurch  findet,  daß  man  denselben  durch  eine  möglichst
neutrale  Lösung  von  Kupferacetat  fällt,  welches  Maltose  und  Dextrin  nicht  reduziert.
Man  fertigt  eine  Lösung  von  tunlichst  neutralem  Kupferacetat  an,  bestimmt ­
  darin  den  Kupfergehalt  durch  Reduktion  mit  überschüssiger  Glukoselösung, ­
  die  freie  Essigsäure  durch  Ubersättigen  mit  titrierter  Natronlauge  und  Zurücktitrieren ­
  mit  Schwefelsäure;  die  Kupferacetatlösung  soll  zweckmäßig  „halbnormal“
sein,  d.  h.  15,86  g  Kupfer  im  Liter  enthalten.
Man  löst  10  g  des  Stärkezuckers  bezw.  -sirups  in  500  ccm  Wasser  und  versetzt ­
  hiervon  zwei  Proben  von  25  u.  50  ccm  in  Medizinflaschen  mit  je  100  ccm
der  Kupferacetatlösung,  verschließt  mit  gut  schließenden  Pfropfen  und  behandelt
2  Tage  bei  45°.  Nach  beendeter  Reduktion  werden  50  oder  75  ccm  der  klaren
Flüssigkeit  abgezogen  und,  wenn  nach  1-tägigem  Stehen  bei  Zimmertemperatur  keine
weitere  Reduktion  erfolgt,  mit  45  ccm  Seignettesalznatronlauge  und  40  ccm  einer
1  °/ 0 -igen  Glukoselösung  versetzt,  gekocht  und  das  abgeschiedene  Kupferoxydul  als
Cu  gewogen.  Die  Differenz  zwischen  der  ursprünglich  angewendeten  und  zuletzt
noch  in  Lösung  befindlichen  Kupfermenge  gibt  die  von  der  Glukose  des  Stärkezuckers ­
  reduzierte  Menge  Kupferoxyd  an.
Zur  Bestimmung  des  Dextrins,  d.  h.  der  neben  Glukose  vorhandenen
invertierbaren  Stoffe,  werden  5  g  Stärkezucker  in  400  ccm  gelöst,  mit  40  ccm
Salzsäure  von  1,125  spezifischem  Gewicht  versetzt,  eine  Stunde  lang  im  Wasserbade ­
  erhitzt,  mit  Natronlauge  neutralisiert,  auf  500  ccm  aufgefüllt  und  in  25  ccm
oder  50  ccm  der  Zucker  nachMeißl  S.  230  oder  durch  Titration  bestimmt.  Indem
man  von  dem  Gesamtzucker  die  gefundene  Glukose  abzieht,  den  Rest  mit  0,9
multipliziert,  erhält  man  die  Menge  „Dextrin“.
Nach  M.  Honig *  2 )  enthält  der  Stärkesirup  neben  Glukose  zwei  Gruppen  von
Dextrinen,  von  denen  die  eine  (Erythro-  und  Achroodextrin)  durch  Alkohol  von

*)  Zeitschr.  d.  Vereins  f.  Rübenzuckerindustrie  d.  Deutschen  Reiches  1884,  837.
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  641.
        <pb n="678" />
        Stärkezucker  und  Stärkesirup.

657

87  Volumprozent  fällbar  ist,  ferner  Baryumverbindungen  liefert,  die  in  verdünntem
Alkohol  (1  Teil  Alkohol  +  3  Teile  Wasser)  unlöslich  sind,  während  die  andere  Gruppe
sich  aus  in  Alkohol  löslichen  Dextrinen  zusammensetzt,  deren  Baryumverbindungen
in  verdünntem  Alkohol  gleichfalls  löslich  sind,  deren  Eeduktionsvermögen  kleiner
ist  als  das  der  Achroodextrine  und  die  wahrscheinlich  aus  der  Glukose  durch
Reversion  entstanden  ist.  Beide  Arten  von  Dextrinen,  besonders  die  letzteren,  sind
schwer  vergärbar.
Die  Trennung  der  durch  Alkohol  fällbaren  Dextrine  nimmt  Honig  in  der  Weise
vor,  daß  er  20  g  Stärkesirup  mit  Wasser  zu  500  ccm  löst,  von  der  durchgemischten
Lösung  100  ccm  =  4  g  Substanz  in  einem  mit  Stöpsel  versehenen  200  ccm-Kolben  mit
50  ccm  kalt  gesättigter  Barythydratlösung  und  darauf  mit  so  viel  Alkohol  von  95
Volumprozent  versetzt,  daß  nach  dem  kräftigen  Schütteln  und  Abkühlen  durch  Einstellen ­
  in  kaltes  Wasser  dieser  genau  bis  zur  Marke  reicht.  Auf  diese  Weise  bleiben
noch  Dextrine  in  Lösung,  die  erst  nach  Inversion  Fe  hl  in  gsche  Lösung  reduzieren.
Die  Menge  derselben  kann  auch,  wie  Honig  zeigt,  indirekt  berechnet  werden.  Die
Glukose  bestimmt  Honig  durch  Titration  einer  1  °/ 0 -igen  Lösung  nach  Soxhlet,
die  nach  Fällen  mit  Barythydrat  in  Lösung  bleibenden  Dextrine  dadurch,  daß  er  150  ccm
des  Filtrats  =  3  g  Substanz  mit  verdünnter  Schwefelsäure  vom  überschüssigen  Baryt
befreit,  15  ccm  Salzsäure  (1,125)  zusetzt,  1  Stunde  im.  kochenden  Wasserbade  erhitzt, ­
  darauf  neutralisiert,  auf  200  ccm  auffüllt  und  wie  üblich  mit  Fehlingscher
Lösung  kocht.  Honig  fand  in  5  Proben  Stärkesirup  30,11—34,40  °/ 0  Glukose  und
21,68—23,00  °/ 0  in  Alkohol  lösliche  Dextrine.
Lindet 1 )  hat  ein  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Glukose  und  des  Dextrins
im  Stärkezucker  bezw.  -sirup  angegeben,  welches  unter  der  Annahme  eines  molekularen ­
  Drehungswinkels  des  Dextrins  [«]„  von+195°  auf  einer  polarimetrischen
Untersuchung  der  wässerigen  Lösung  und  einer  elementaranalytischen  Bestimmung
des  Kohlenstoffs  beruht.  0.  Saare 2 )  bezweifelt  aber  wegen  des  Unbekanntseins
der  Bestandteile  des  Stärkezuckers  bezw.  -sirups  die  Richtigkeit  dieses  Verfahrens,
Weshalb  hierauf  nur  verwiesen  sei.
3.  Bestimmung  der  vergärbaren  Stoffe.  100  g  Stärkezucker  bezw.  -sirup
Werden  in  1  1  Wasser  gelöst,  hiervon  etwa  200  ccm  in  einen  500  ccm-Kolben  (K)
gegeben  und  dazu  eine  genügende  Menge  (20—30  g)  Preßhefe ­
  gesetzt.  Darauf  verschließt  man  den  Kolben  mit  einem
2-fach  durchbohrten  Pfropfen,  durch  dessen  eine  Öffnung  ein
rechtwinkelig  gebogenes  Glasrohr  v  bis  auf  den  Boden  des
Kolbens  geht,  während  die  zweite  Öffnung  zur  Aufnahme  eines
Chlorcalciumrohres  oder  eines  kleinen  Schrott  er  sehen  Trichters
(K  T)  dient.
Der  so  beschickte  Apparat  wird  gewogen,  das  Rohr  v
durch  ein  -mit  Glasstab  verstopftes  Stück  Kautschukschlauch
geschlossen  und  mehrere  Tage  (meistens  4  Tage),  d.  h.  so
lan ge  bei  17,5—20°  hingestellt,  bis  keine  Gewichtsabnahme
®ehr  statthat.  Dann  öffnet  man  den  Verschluß  am  Rohr  v,  legt
ein  mit  Kalihydrat  und  Chlorcalcium  beschicktes  Rohr  vor,  verbindet ­
  das  Aufsatzrohr  T  mit  einem  Aspirator  und  leitet  zur
Entfernung  der  eingeschlossenen  Kohlensäure  einige  Zeit  trockne
nnd  kohlensäurefreie  Luft  durch.
’)  Zeitschr.  f.  Spiritusindustrie  1901,  24,  41.
2 )  Chem.-Ztg.  1902,  26,  384.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.
        <pb n="679" />
        658

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefahrikation.

Darauf  wird  der  Kolken  unter  Wiederherstellung  des  Verschlusses  hei  v  gewogen ­
  und  aus  dem  Gewichtsverlust  an  Kohlensäure  nach  der  Gleichung:
C 6 H 12 0 6  =  2C0 2  +  2C 2 H ö 0
der  Gehalt  an  Glukose  hezw.  vergärharen  Stoffen  berechnet,  indem  man  den  Gewichtsverlust ­
  mit  2,045  oder,  weil  nach  Pasteur  nur  etwa  95  °/ 0  der  Glukose  in
Kohlensäure  und  Alkohol  übergeführt  werden,  richtiger  mit  2,15  multipliziert.  Angenommen, ­
  die  in  200  ccm  Lösung  verwendeten  20  g  Stärkezucker  würden  hei  der
Gärung  5,56  g  an  Gewicht  verloren  haben,  so  würden  diese  5,56  x  2,15  =  11,954  g
Glukose  entsprechen,  also  würden  100  g  Stärkezucker  59,77  °/ 0  Glukose  bezvr.
vergärbaren  Zucker  enthalten.
Oder  man  ermittelt  den  Alkoholgehalt  in  dem  vergorenen  Rückstand,  indem
man  von  den  200  ccm  die  Hälfte  abdestilliert,  von  dem  Destillat  das  spezifische
Gewicht  bestimmt,  die  diesem  entsprechenden  Gewichtsprozente  Alkohol  aus  einer
Alkohol-Tabelle  abliest  und  daraus  durch  Multiplikation  mit  1,956  oder  aus  genanntem ­
  Grunde  richtiger  mit  2,06  den  Gehalt  an  Glukose  berechnet.
Angenommen,  es  seien  in  dem  Destillat  5,82  g  Alkohol  gefunden,  so  haben
die  200  com  =  20  g  Substanz  5,82x  2,06  =  11,989  g  oder  100  g  Stärkezucker
=  59,95  °/ 0  Glukose  bezw.  vergärbare  Stoffe  enthalten.
Man  kann  nach  E.  Sieben  die  Gärungsergebnisse  nur  auf  vergärbare  Stoffe
und  nicht  auf  „Glukose“  zurUckführen,  weil  der  Stärkezucker  neben  Glukose  noch
Maltose  bezw.  dextrinartige  Verbindungen  enthält,  welche  ebenfalls  mit  Hefe  zu
Alkohol  und  Kohlensäure  zerfallen.
M.  Jodlbauer 1 )  empfiehlt  für  die  Gärversuche  bei  Zuckerarten  eine8°/ 0 -ige
Lösung,  nämlich  2  g  Zucker  in  25  ccm  Wasser,  dazu  1  ccm  der  Hayduckschen  Nährlösung ­
  (enthaltend:  0,025  g  Monokaliumphosphat,  0,0085  g  Magnesiumsulfat  und
0,02  g  Asparagin)  und  1  g,  d.  h.  50  °/ 0  des  verwendeten  Zuckers  von  einer  frischen,
gereinigten,  auf  einer  Tonplatte  entwässerten  Bierhefe.  Die  Gärung  wird  in  einem
Wasserbade  vorgenommen,  dessen  Temperatur  mittels  eines  Thermoregulators  auf
38°  gehalten  werden  kann.  Das  Gasableitungsrohr  ist  mit  einem  Kühler  verbunden ­
  und  daran  schließt  sich  ein  U-förmiges  Rohr,  welches  mit  konzentrierter
Schwefelsäure  angefeuchtete  Glasperlen  enthält,  und  weiter  ein  Kaliapparat.  In
letzterem  wird  die  entwickelte  Kohlensäure  aufgefangen  und  direkt  gewogen.
Saccharose  gebraucht  zur  Vergärung  doppelt  soviel  Zeit  als  Glukose.  Zur
Prüfung,  ob  aller  Zucker  vergoren  ist,  soll  die  verdünnte  Gärflüssigkeit  in  einer
Kontrollprobe  mit  1  g  salzsaurem  Phenylhydrazin  und  2  g  essigsaurem  Natrium
auf  dem  Wasserbade  erhitzt  werden;  wenn  noch  nicht  aller  Zucker  vergoren  ist,
so  färbt  sich  die  Flüssigkeit  gelb  und  liefert  einen  gelben  Niederschlag.
Die  letzten  Mengen  Kohlensäure  werden  wie  vorstehend  unter  Erwärmen
und  Durchleiten  von  kohlensäurefreier  Luft  ausgetrieben.
Unter  Einhaltung  dieser  Vorsichtsmaßregel  ist  nach  Jodlbauer  1  Teil
Kohlensäure  =  2,029  Teilen  Saccharose  und  =  2,148  Teilen  Glukose.
Die  unvergärbaren  Stoffe  des  Stärkezuckers  bezw.  -sirups  besitzen  stark  rechtsdrehende ­
  Eigenschaften  und  beruht  hierauf  das  Verfahren,  die  Anwesenheit  dieser
Erzeugnisse  in  zuckerhaltigen  Flüssigkeiten  nachzuweisen.  Versetzt  man  die  stark
konzentrierte  wässerige  Lösung  mit  90  °/ 0 -igem  Alkohol,  so  bleiben  die  am  stärksten

*)  Zeitschr.  d.  Vereins  f.  Rübenzuckerindustrie  38,  308,  und  Zeitschr.  f.  anal.
Chemie  1889,  28,  625.
        <pb n="680" />
        Zuokercouleur.

659

rechtsdrehenden  Stoffe  (darunter  das  sog.  Amylin)  in  der  alkoholischen  Flüssigkeit
gelöst;  verdampft  man  den  größten  Teil  des  Alkohols  und  setzt  das  4—6-fache  Volumen
Äther  zu,  so  werden  sie  gefällt  und  lassen  sich  durch  Lösen  in  Wasser,  Entfärben
mit  gereinigter  Knochenkohle  auf  ihre  rechtsdrehenden  Eigenschaften  untersuchen.
Durch  Fällen  und  Reinigen  mit  Alkohol  läßt  sich  nach  Schmitt  und
Cobenzl  ein  Körper  „Gallisin“  (C 12 H 24 O 10 )  isolieren,  welcher  zum  Unterschiede
von  Dextrin  Fehlingsche  und  Knappsche  Lösung  reduziert,  mit  schwachen  Säuren
in  Glukose  übergeht  und  stark  rechtsdrehende  Eigenschaften  besitzt.
4.  Asche.  5—10  g  Stärkezucker  bezw.  -sirup  werden  eingetrocknet,  dann
verkohlt  und  die  Kohle  mit  Wasser  ausgezogen  usw.  (vergl.  S.  195).
5.  In  Wasser  unlösliche  Stoffe.  20  g  Stärkezucker  oder  -sirup  werden  in
300—500  ccm  Wasser  gelbst,  durch  ein  vorher  getrocknetes  und  gewogenes  Filter
filtriert,  hinreichend  ausgewaschen  und  der  auf  dem  Filter  verbliebene  Rückstand
nach  dem  Trocknen  bei  106°  gewogen.  Derselbe  kann  weiter  gleichzeitig  zur
mikroskopischen  Untersuchung  dienen.
6.  Viskosität.  Der  Stärkesirup  wird  u.  a.  auch  deshalb  gern  zur  Bereitung
von  Fruchtsirupen,  Zuckerwaren  usw.  verwendet,  weil  von  ihm  zur  Erzielung  einer
gleichen  Zäh-  oder  Dickflüssigkeit  weniger  als  von  Rohrzucker  erforderlich  ist.
Um  die  Zähflüssigkeit  eines  Stärkesirups  festzustellen,  kann  man  sich  nach  Verl 1 )
des  Viskosimeters  von  Engler  oder  des  Konsistenzraessers  von  Weiß  bedienen.
Uie  Gebrauchsanweisung  ist  den  Apparaten  beigefügt.
7.  Säure-Gehalt  des  Stärkesirups.  Wenngleich  nach  0.  Saare 2 )  der  Säure-Gehalt
  für  die  Brauchbarkeit  des  Stärkesirups  z.  B.  für  die  Bonbons-Herstellung
nicht  maßgebend  ist,  so  soll  er  doch  erforderlichenfalls  in  der  Weise  bestimmt  werden,
daß  50  g  Sirup  in  50  ccm  Wasser  gelöst  und  mit  1 / 10  N.-Natronlauge  versetzt
werden,  bis  ein  Tropfen  der  Lösung,  auf  hellem,  neutralem  Lackmuspapier  ausgestrichen,
  eben  die  Rotfärbung  verschwinden  läßt,  so  daß  die  Farbe  des  Lackmuspapiers
  unverändert  bleibt.  Andere  Papier-Indikatoren  dürfen  nicht  angewendet
werden.  Der  durch  die  verbrauchten  ccm  1 / 10  N.-Natronlauge  angezeigte  Säure-Gehalt
  wird  auf  Schwefelsäure  (H. 2 S0 4 )  umgerechnet  und  als  solcher  ausgedrückt.
8.  Grädigkeit.  Die  Grädigkeit  eines  Stärkesirups  wird  nach  wie  vor  in
s °g-  alten  Graden  Beaume 8 )  ausgedrUckt;  Sirup  von  44°  Be.  ist  demnach
e in  solcher,  welcher  ein  spezifisches  Gewicht  von  1,44  bei  14°  R.  oder  17,5°  C,
mit  den  zulässigen  Schwankungen  von  1,433—1,447  zeigt.  Das  spezifische  Gewicht
s °ll  direkt  im  Pyknometer  —  ein  bei  der  Marke  abgeschliffenes  50  ccm-Kölbchen
mit  Glasdeckel  —  bestimmt  werden.  Man  bringt  eine  bestimmte  Menge  Sirup  in
das  Pyknometer,  wägt,  entlüftet  alsdann  durch  Erwärmen,  kühlt  ab  und  wägt
Wieder.

Zuckercouleur.
Die  Zuckercouleur  wird  meistens  aus  Stärkezucker,  nur  selten  aus  Rübenzucker
unter  Zusatz  von  etwas  Natriumkarbonat  hergestellt.  Man  unterscheidet:
1.  Spirituosen-  oder  Rumcouleur  (zum  Färben  der  Spirituosen),  welche
in  80  %-igem  Alkohol  vollständig  löslich  sein  oder,  wie  man  sagt,  „stehen“  muß.
9  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  217.
~)  Zeitschr.  f.  Spiritusindustrie  1902,  25,  479.
3 )  Die  Tabelle  XIV  am  Schluß  gibt  neue  Grade  Beaumd  an;  die  alten  Grade  liegen
von  2,0°  anfangend  bis  50°  steigend  um  0—1,0°  niedriger  als  die  neuen  Grade.
42*
        <pb n="681" />
        660

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefabrikation.

2.  Biercouleur  (zum  Färben  von  Bier,  Wein,  Essig  usw.),  welche  noch  etwas
Dextrin  aufweisen  darf,  aber  auch  in  75  °/ 0 -igem  Alkohol  löslich  sein  muß.
Man  unterscheidet  beide  Sorten  durch  Lösen  in  80°/ 0 -igem  Alkohol,  worin
erstere  Couleur  ganz  löslich  ist,  letztere  nicht.  Ist  eine  Zuckercouleur  in  75  °/ 0 -igem
Alkohol  nicht  löslich  oder  gar  zum  Teil  in  Wasser  unlöslich,  so  ist  sie  zu  verwerfen. ­

3.  Die  Asche,  welche  wie  bei  Zucker  (S.  610)  bestimmt  wird,  soll  nicht
mehr  als  0,5  °/ 0  betragen.  Eine  Zuckercouleur,  welche  z.  B.  aus  Melasse  dargestellt
wurde,  enthält  erheblich  mehr  Asche.
4.  Die  Farbe  kann  nach  S.  610  mit  dem  Stammerschen  Farbenmaß  ermittelt ­
  werden.
        <pb n="682" />
        Rohstoffe
und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

A.  Rohstoffe.
I.  Wasser.
Für  das  zur  Spiritusfabrikation  verwendete  Wasser  gilt  im  allgemeinen  dasselbe ­
  wie  für  das  zur  Bierfabrikation  verwendete  Wasser  (vergl.  dort  und  über  die
„Untersuchung  des  Wassers“  die  weiter  unten  folgenden  Abschnitte).

II.  Stärkemehlhaltige  Rohstoffe.
1.  Kartoffeln.  Über  die  chemische  Untersuchung  der  Kartoffel  vergl.  S.  266,
Uber  die  chemische  Bestimmung  der  Stärke  S.  238,  über  die  technische  Bestimmung ­
  der  Stärke  nach  dem  spezifischen  Gewicht  S.  648.
2.  Getreidearten.  Als  solche  kommen  in  Deutschland  vorwiegend  Mais  und
Koggen  in  Betracht.
Über  die  Bestimmung  des  Stärkemehles  in  denselben  vergl.  S.  239  u.  ff.,
ferner  S.  270.

III.  Zuckerhaltige  Rohstoffe.

Als  solche  findet  in  Deutschland  im  großen  wohl  nur  die  Melasse  Verwendung. ­
  Über  ihre  Untersuchung  und  die  der  Zuckerrüben  vergl.  S.  605  und  597.
Die  Melasse  wird  durchweg  nur  durch  Spindelung  mit  dem  Beaumeschen
Aräometer  auf  gärungsfähige  Stoffe  untersucht.  Über  die  Vergleichung  der  Grade
Beaume  mit  Graden  Balling-Brix  siehe  Tabelle  No.  XIV  am  Schluß.  Diese
Art  Bestimmung  ist  aber  sehr  ungenau,  weil  die  Melasse  sehr  dickflüssig  ist  und
äußer  Luftblasen  Verunreinigungen  aller  Art  enthält,  welche  die  Bestimmung  des
spezifischen  Gewichtes  durch  Spindelung  sehr  unsicher  machen;  wenngleich  sich  die
Luftblasen  durch  schwaches  Erwärmen  und  die  Verunreinigungen  durch  geeignete
Uiltrationsmittel  beseitigen  lassen,  so  enthält  die  Melasse  neben  dem  Zucker  doch  so
viel  „Nichtzucker“  gelöst,  daß  die  einfache  Spindelung  den  wirklichen  Zuckergehalt
auch  nicht  einmal  annähernd  angeben  kann.

Aus  dem  Grunde  läßt  hier  auch  die  optische  Untersuchung  oder  das  gewichtsanalytische ­
  Untersuchungsverfahren  im  Stich;  denn  auf  das  Drehungsvermögen  wirken
außer  Saccharose  verschiedene  andere  optisch  wirksamen  Stoffe  der  verschiedensten
Art,  und  durch  Behandlung  der  Melasse  mit  Salzsäure  zur  gewichtsanalytischen
Bestimmung  des  Zuckers  mit  Fehlingscher  Lösung  werden  neben  Saccharose  eine
Reihe  anderer  Stoffe  der  Melasse  in  solche  Ubergeführt,  welche  Fehlingsche  Losung
ebenfalls  reduzieren,  so  daß  der  Gehalt  an  Zucker  nach  diesem  Verfahren  zu  hoch
ausfallen  muß.
        <pb n="683" />
        662  Eohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

Am  besten  bewährt  sich  hier  die  Bestimmung  des  Zuckers  durch  die  Garprobe.
100  g  Melasse  werden,  wenn  sie  alkalisch  reagiert,  erst  mit  Schwefelsäure
bis  zu  schwach  saurer  Reaktion  versetzt,  auf  1000  ccm  mit  Wasser  verdünnt,
hiervon  100  ccm  (von  5—10  °/ 0  Saccharometeranzeige)  zur  Austreibung  der  Kohlensäure ­
  gelinde  erwärmt,  dann  mit  10—20  ccm  einer  frisch  ausgewaschenen,  mit
Wasser  zu  einem  dünnen  Brei  aufgeschlämmten  Brennereihefe  versetzt  und  das
Gemisch  in  das  oben  S.  657  beschriebene  Gärkölbchen  gespült.  Nachdem  das
Kölbchen  beschickt  und  mit  dem  Aufsatz  verschlossen  ist,  wird  das  Ganze  gewogen
und  einige  Zeit,  d.  h.  so  lange  bei  25—30°  stehen  gelassen,  bis  das  jedesmal  nach
dem  Erkalten  gewogene  Kölbchen  nebst  Aufsatz  keine  Gewichtsabnahme  mehr  zeigt.
Alsdann  wird  unter  ganz  gelindem  Erwärmen  und  Umschütteln  ein  trockner  Luftstrom ­
  durchgeleitet,  das  Ganze  nach  dem  Erkalten  nochmals  gewogen  und  aus  dem
Gewichtsverlust  (Kohlensäure)  die  Saccharose  nach  der  Gleichung:
CiÄOn  +  H 2 ü  =  4C0 2  +  4  C 2  H 0 O
berechnet,  d.  h.  1  Teil  Kohlensäure  entspricht  1,943  Teilen  Saccharose,  oder  da
nach  Pasteur  bei  derartigen  Versuchen  nur  95—96°/ 0  des  Zuckers  in  Alkohol
und  Kohlensäure  übergeführt  werden,  so  multipliziert  man  die  gefundene  Menge
Kohlensäure  (d.  h.  den  Gewichtsverlust)  rund  mit  2,  um  die  Menge  Saccharose  zu
finden.
Oder  man  bestimmt  in  der  rückständigen  Flüssigkeit  durch  Destillation  (siehe
weiter  unten)  den  Alkohol  und  berechnet  aus  dieser  Menge  durch  Multiplikation
mit  1,859,  bezw.  unter  Berücksichtigung  des  obigen  Verhältnisses  mit  1,95  die
entsprechende  Menge  Saccharose.
Enthält  die  Melasse,  wie  bisweilen  vorkommt,  freie  flüchtige  Fettsäuren,
welche  ebenso  wie  salpetrige  Säure  die  Gärung  beeinträchtigen,  so  versetzt
man  die  Schlempe  mit  Schwefelsäure  in  geringem  Überschuß  und  destilliert  unter
lebhaftem  Kochen 1 )  mit  vorgelegtem  Kühler  etwa  die  Hälfte  ab;  man  neutralisiert
das  Destillat  alsdann  mit  Kalk  oder  Barytwasser,  fällt  den  Überschuß  an  Kalk
oder  Baryt  durch  Kohlensäure  aus,  kocht,  filtriert,  dampft  das  Filtrat  in  einem
gewogenen  Platinschälchen  zu  Trockne,  wägt  nach  dem  Trocknen  bei  100°,  glüht
über  dem  Gebläse,  wägt  den  Rückstand  und  erfährt  durch  Abziehen  des  letzteren
von  dem  ersten  Rückstand  die  Menge  der  flüchtigen  Säure.
Auf  salpetrige  Säure  prüft  man  in  bekannter  Weise  mit  Jodkaliumstärkekleister ­
  unter  Zutröpfeln  von  verdünnter  Schwefelsäure.
IV.  Malz  und  V.  Hefe.
Über  die  Untersuchung  des  Malzes  (der  Bestimmung  des  Extraktgehaltes,
des  Fermentivvermögens  usw.)  sowie  über  Untersuchung  der  Hefe  vergl.  unter  „Bier
und  seine  Eohstoffe“.
VI.  Untersuchung  der  süfsen  Maische,
a)  Qualitative  Prüfung. *  2 )
1.  Ermittelung  des  Verlaufes  der  Zuckerhildung.  Den  Verlauf  der  Zuckerbildung ­
  in  den  Maischen  verfolgt  man  in  den  Brennereien  mit  Jodlösung  (Auflösung

*)  Sollte  die  Melasse  wegen  ausgesohiedener  Kristalle  (Kaliumsulfat,  Chlorkalium)
stark  stoßen,  so  filtriert  man  die  Kristalle  erst  ab.
2 )  Diese  wie  die  ferneren  Prüfungen  sind  durchweg  dem  bekannten  Handbuch  der
'Spiritusfabrikation  von  M.  Maercker  entnommen.
        <pb n="684" />
        Untersuchung  der  süßen  Maische.

663

von  1  Teil  Jod  und  2  Teilen  Jodkalium  in  so  viel  Wasser,  daß  die  Flüssigkeit
braunrot  erscheint).  Um  das  Reagens  anzuwenden,  muß  man  erst  ein  klares  Filtrat
darstellen,  was  in  den  Brennereien  dadurch  erreicht  wird,  daß  man  die  Maische
durch  einen  langen,  strumpfartigen,  baumwollenen  Beutel  filtriert.
Auch  muß  die  Maische  vor  dem  Zusatz  der  Jodlösung  abgekühlt  sein;  auf
10  Volumen  Maischefiltrat  nimmt  man  1  Volumen  Jodlösung.
Die  verschiedenen  Übergangsstufen  der  Stärke  bis  zur  Maltose  werden  durch
die  Jodlösung  wie  folgt  gefärbt:
Lösliche  Stärke  =  blau,  i  Achroodextrin  \  _
Amylodextrin  =  violett,  |  und  Maltose  /  al  os "
Erythrodextrin  =  rot,
Eine  Blaufärbung  des  Maischfiltrates  bedeutet  also,  daß  der  Maischvorgang
noch  nicht  beendet  oder  total  verunglückt  ist,  eine  Rotfärbung,  daß  derselbe  zwar
begonnen  aber  nicht  normal  verlaufen  ist;  das  Ausbleiben  einer  Reaktion  beweist
dagegen  den  normalen  Verlauf  der  Zuckerbildung.
2.  Prüfung  auf  unaufgeschlossene  Stärke.  Man  füllt  einen  Filtrierbeutel  etwa
zur  Hälfte  mit  der  Maische,  preßt  unter  Zusammendrehen  des  Beutels  kräftig  ab,
füllt  den  abgepreßten  Anteil  mit  Wasser  in  einen  hohen  Zylinder  und  läßt  absitzen.
Die  unaufgeschlossene  Stärke  setzt  sich  zu  Boden  und  kann  nach  Abziehen  der
klaren  Flüssigkeit  vom  Bodensatz,  Anrühren  des  letzteren  mit  Wasser,  Wiederabsitzenlassen
  usw.  durch  Jodlösung  nachgewiesen  werden.
b)  Quantitative  Untersuchung.
1.  Bestimmung  der  iinaufgeschlosseneu  Stärke.  1000  g  Maische  (bezw.  1  1,
dessen  Gewicht  ermittelt  wird)  werden  in  eine  8—10  1  fassende  Flasche  gebracht,
mit  Wasser  fast  voll  gefüllt,  tüchtig  durchgeschüttelt  und  absitzen  gelassen;  nach
etwa  eintägigem  Stehen  wird  die  Flüssigkeit  abgezogen  und  diese  Behandlung  etwa
10-mal  wiederholt,  bis  alle  löslichen  Stoffe  (Maltose  und  Dextrin)  entfernt  sind.
Während  anfangs  24  Stunden  zum  Absetzen  notwendig  sind,  kann  man  später  in
24  Stunden  3-mal  abziehen.  Der  auf  diese  Weise  ausgewaschene  Rückstand  wird
a nf  ein  Filter  gebracht,  hier  weiter  mit  Wasser  und  zuletzt  mit  Alkohol  und  Äther
ausgewaschen.  Bevor  der  Äther  vollständig  verdunstet  ist,  trennt  man  den  Rückstand
v &amp;lt;&amp;gt;m  Filter,  läßt  ihn  nach  dem  Vortrocknen  bei  70—80°  luftrocken  werden  und
wägt  ihn.  Nach  dem  Pulvern  —  dasselbe  muß  sehr  fein  geschehen  —  wägt
man  einen  aliquoten  Teil  des  Rückstandes,  etwa  3  g,  ab  und  bestimmt  darin  die
Stärke  nach  S.  239,  während  in  einem  anderen  Teil  das  Wasser  durch  vollständiges
Austrocknen  bei  105°  bestimmt  wird  (vergl.  S.  254).
2.  Bestimmung  der  Saccharometergrade,  der  Maltose  und  des  Dextrins,  cc)  Ermittelung ­
  der  Saccharometergrade.  Die  vorher  abgekühlte  Maische  wird  erst
durch  einen  trocknen  wollenen  oder  leinenen  Spitzbeutel 1 )  koliert  und  dann  noch
womöglich  durch  ein  doppeltes  trocknes  Faltenfilter  filtriert.  Das  Filtrat  wird
mit  dem  Ballingschen  Saccharometer  untersucht,  indem  man  die  reine  trockne
Spindel  langsam  in  das  erst  auf  die  Normaltemperatur  (durchweg  17,5°  für  die
Aräometer)  gebrachte  Filtrat  senkt.
Das  Ballingsche  Saccharometer  gibt  direkt  den  Extraktgehalt  in  Prozenten  an.
J  Um  einer  Verdunstung  während  des  Filtrierens  vorzubeugen,  hat  Delbrück
einen  besonderen  Apparat  vorgeschlagen,  welcher  aus  4  kupfernen  Zylindern  von  je  10  cm
Durchmesser  und  45  cm  Höhe  besteht.  In  diese  Zylinder  werden  die  Filtrierbeutel  eingehängt ­
  und  während  der  Filtration  mit  kupfernen  Deckeln  verschlossen.
        <pb n="685" />
        664

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikatiou.

Man  kann  auch  das  spezifische  Gewicht  der  Maische  mittels  des  Pyknometers
oder  der  Westphalsohen  Wage  bestimmen  und  einer  Tabelle  die  dem  spezifischen
Gewicht  entsprechenden  Saccharometergrade  entnehmen.  (Vergl.  Tabelle  No.  XIII  von
Balling  und  für  höhere  Zuckerprozente  die  von  Brix  No.  XIV  am.Schluß.)  Die
Grade  Balling  und  Brix  weichen  nur  wenig  voneinander  ab;  diese  geringen  Abweichungen ­
  haben  für  die  Praxis  kaum  eine  Bedeutung.
Wenn  das  klare  Maischefiltrat  nicht  die  Normaltemperatur  hat,  so  muß  man
eine  der  Temperaturabweichung  entsprechende  Korrektion  anbringen.  Hierzu  bedient ­
  man  sich  der  folgenden,  nach  Steinheils  Messungen  von  Pohl  berechneten
Korrektionstabelle.

Korrektion

Saccharometer-



Korrektion

Korrektion

Spez.  Gewichte ­
  hei
15,5°

des  spez.
Gewichts
für  1°

der
1  Saccharometer-Proz. ­

für  l°

Spez.  Gewichte ­
  hei
15,5"

des  spez.
Gewichts
für  1°

Saccharometer-



der
i  Saccharo-I
  meter-Proz.
für  1°

1,00406
1,00818
1,01234
1,01655
1,02080
1,02510
1,02943
1,03380
1,03821
1,04265

0,000066
0,000067
0,000069
0,000071
0,000073
0,000075
0,000078
0,000081
0,000084
0,000087

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10

0,0163
0,0166
0,0170
0,0175
0,0180
0,0186
0,0192
0,0199
0,0207
0,0215

1,04712
1,05161
1.05613
1,06066
1,06621
1,06977
1,07434
1,07891
1,08348
1,08806

0.000091
0^000095
0,000100
0,000106
0,000112
0,000120
0,000130
0,000145
0,000165
0,000188

11
12
13
14
15
16
17
18
19
20

0,0224
0,0235
0,0247
0,0261
0,0277
0,0296
0,0321
0,0357
0,0397
0,0446

Angenommen,  die  Sacoharometeranzeige  ist  zu  20°  bei  30°  C.  gefunden  und  es  soll
dieselbe  für  15,5°  ermittelt  werden.  Die  Temperatnrdiffereuz  ist  30—15,5  =  14,5°,  also:
20°  Saccharometer  =  20  (14,5  x  0,0446)  =  20  -|-  0,647  =  20,65°  korr.  Saccharometer;
ferner  1,08805  spezifisches  Gewicht  =  1,08805  -)-  (14,5  x  0,000188)  =  1,08806  -|-  0,00270
=  1,09078  korr.  spez.  Gewicht.
ß)  Bestimmung  der  Maltose.  10  g  süße  Maische  werden  abgewogen,
mit  Wasser  zu  250  ecm  verdünnt,  hiervon  25  ccm  mit  50  ccm  Fehlingscher
Kupferlösung  4  Minuten  gekpcht  und  nach  S.  230  bezw.  229  weiter  behandelt.
Uber  die  dem  gewogenen  Kupfer  entsprechende  Menge  „Maltose“  vergl.  Tabelle
No.  V  am  Schluß.

Man  kann  die  Maltose  auch  titrimetrisch  nach  Reischauer  (vergl.  S.  238)
bestimmen,  indem  man  von  der  vorstehend  verdünnten  Maische  5  ccm  anwendet
und  in  6  Probierröhrchen  mit  1,  2,  3,  4,  5  und  6  ccm  Fehlingscher  Lösung
versetzt;  es  entsprechen:
Maltose  Maltose
1  ccm  Fehlingsche  Lösung=  7,20  mg  [  4  ccm  Fehlingsche  Lösung  =  29,32  mg
2  „  „  „  =14,46  „  i  5  „  „  „  =  36,82  „
3  „  „  =21,83  „  I  6  „  „  „  =44,36  „

y)  Bestimmung  des  Dextrins.  50  g  süße  Maische  werden  in  einem
größeren  Ausgußzylinder  abgewogen,  auf  250  ccm  verdünnt  und  gemischt.
Hiervon  werden  50  ccm  mit  etwa  160  ccm  Wasser  und  15  ccm  Salzsäure
(von  1,125  spezifischem  Gewicht)  versetzt,  2  Stunden  lang  in  einem  Wasserbade
bei  100°  erwärmt,  die  Säure  mit  Natronlauge  neutralisiert  und  das  Ganze  nach
dem  Erkalten  auf  500  ccm  gebracht.  Hiervon  dienen  25  ccm  zur  Fällung  mit
50  ccm  Fehlingsoher  Lösung  nach  S.  230.
Anm,:  Zur  Erzielung  genauer  Ergebnisse  versetzt  man  die  25  ccm  invertierte  Lösung
behufs  Ausfüllung  von  Phosphaten  usw.  vorher  mit  2—3  ccm  Bleiessig,  filtriert,  beseitigt
        <pb n="686" />
        Untersuchung  der  vergorenen  Maische.

665

das  überschüssige  Blei  durch  Schwefelsäure,  filtriert,  neutralisiert  wieder  mit  Natronlauge
and  fällt  dann  erst  mit  Fehlingsoher  Lösung.
Bei  Berechnung  des  Dextringehaltes  führt  man  die  gefundene  Menge  Maltose
durch  Multiplikation  mit  20 / 19  =  1,053  auf  Glukose  zurück,  zieht  diese  von  der  Gesamtglukose ­
  ah  und  multipliziert  den  Rest  mit  0,9;  sind  also  z.  B.  12%  Maltose  und
18%  Glukose  gefunden,  so  ist  der  Dextringehalt  =  [18  —(12  x  1,053)]  x  0,9  =  4,83%,
also  Gesamtmenge  der  vergärharen  Stoffe  12  +  4,83  =  16,83  %.
Von  100  Teilen  vergärharen  Stoffen  sind  daher  71,3  %  Maltose;  es  ist  dieses  das
Verhältnis  von  Maltose  :  Dextrin  (M  :  D);  im  allgemeinen  enthalten  die  Maischen
70—80%  Maltose  und  20—30  %  Dextrin.
8.  Berechnung  des  Beinheitsquotienten.  Wenn  wie  vorstehend  20,65°  Saccharometeranzeige ­
  =  S,  16,83  %  vergärhare  Stoffe  (Maltose  +  Dextrin)  =  D  gefunden
sind,  so  berechnet  sich  der  Reinheitsquotient  Q  nach  der  Formal:

Q  :

Dx  100

also

16,83  x  100

=  81,50%,

8  ’  “  20,65
oder  auf  Glukosewert  (in  diesem  Falle  D  =  18)  zurückgeführt:
0  =  —  x  =  87  16  °l
**  20,65  ’
Der  Glukosequotient  ist  selbstverständlich  immer  höher,  der  erste  auf  Maltose
+  Dextrin  berechnete  der  wirkliche  Reinheitsquotient.
4.  Berechnung  des  Trebervolnmens,  der  aufgeschlossenen  und  nicht  aufgeschlossenen ­
  Stärke. J )

Wiegt  1  1  Maische  =  1086,4  g,
das  Unlösliche  (Treber)  von  1  1  Maische  =  52,2  „
so  wiegt  das  Lösliche  in  1  1  ...  .  1034,2  g.
Wird  letztere  Zahl  durch  das  spezifische  Gewicht  des  Maischefiltrats,  z.  B.  1,0813,
dividiert,  so  erhält  man  das  Volumen  des  Flüssigen,  also  —  956,4  ccm;  dann
ist  das  Volumen  des  Unlöslichen  (Treber)  =  43,6  ccm.  Wenn  ferner  der  unlösliche
Rückstand  nach  b,  1  S.  663  =  12,77  %  Stärke  ergeben  hat,  das  Maischefiltrat  132,48  g
Maltose  und  26,13  g  Dextrin,  so  enthält:

1

1  Maische  an  unaufgeschlossener  Stärke

12,77  x  62,2
100

=  6,66  g  und

1  1  Maischfiltrat  an  aufgeschlossener  Stärke  =  132,48  x  0,95  +  26,13  =  151,98  g.
Im  letzteren  Falle  muß  die  Maltose  durch  Multiplikation  mit  0,95  auf  den
Stärkewert  zurückgeführt  werden.
Da  1  1  Maische  956,4  ccm  Flüssiges  (Filtrat)  enthält,  so  ergibt  sich  die  aufgeschlossene ­
  Stärke  für  1  1  Maische  zu  — 1 —  =  115,33  g.

Von  der  Gesamtstärke  145,33  +  6,66  =  151,99  g  für  1  1  Maische  sind  daher
!M%xlOO
151,99  =  4,38  %  unaufgeschlossen  geblieben.

VII.  Untersuchung  der  vergorenen  Maische.
Für  die  Untersuchung  der  vergorenen  Maische  ist  noch  mehr  als  für  die  der
süßen  Maische  zu  beachten,  daß  beim  Filtrieren  jede  Konzentrationsveränderung
durch  Verdunstung  vermieden  werden  muß  (vergl.  hierüber  und  über  sonstige  zu  beachtende ­
  Maßregeln  S.  663).
r )  Vergl.  E.  Wein,  Agrik.-chem,  Analyse,  1899,  129.
        <pb n="687" />
        666

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

1.  Prüfung  auf  Diastase.  Da  die  Diastase  der  süßen  Maische,  welche  wirksam ­
  aus  dem  Zuckerbildungsvorgang  hervorgegangen  sein  muß,  während  der  Gärung
eine  Nachwirkung  auf  das  Dextrin  auszuüben  hat,  so  ist  die  Bestimmung  derselben
sehr  wichtig,  besonders  aber  dann,  wenn  eine  mangelhafte  Vergärung  stattgefunden  hat.
M.  Märcker  verfährt  wie  folgt:  100  ccm  klares  Maischefiltrat  werden
mit  10  ccm  dünnem  Stärkekleister  —  erhalten  durch  Verkleistern  von  1  g  Stärke
mit  100  ccm  Wasser  —  versetzt  und  1 / 2  Stunde  auf  60°  erwärmt.  Ist  noch  hinreichend ­
  wirksame  Diastase  vorhanden,  so  darf  die  nach  dieser  Zeit  mit  Jodlösung
(siehe  oben  &amp;amp;  663)  angestellte  Prüfung  keine  Blaufärbung  mehr  geben.
Lintner  schlägt  folgendes  Verfahren  vor;  Einige  Korner  Guajakharz  werden
mit  absolutem  Alkohol  Ubergossen;  auf  1—2  ccm  dieser  stets  frisch  zuzubereitenden
Lösung  setzt  man  einige  Tropfen  käufliches  Wasserstoffsuperoxyd,  indem  man  eine
etwa  entstandene  Trübung  durch  Zusatz  von  Alkohol  aufhebt.  Zu  dieser  Lösung
gibt  man  tropfenweise  klares  und  ungekochtes  Maischefiltrat.  Enthält  letzteres
wirksame  Diastase,  so  tritt  sofort  oder  doch  innerhalb  weniger  Minuten  eine  starke
Blaufärbung  ein;  0,1  g  Diastase  auf  200  ccm  Wasser  gibt  diese  Reaktion  sofort,
andere  Fermente,  wie  Pepsin,  Invertin,  dagegen  geben  sie  nicht.
2.  Bestimmung  der  Maltose.  200  ccm  Maischefiltrat  werden  in  einem  1 j i  1-Kolben
  mit  2—3  ccm  Bleiessig  und  einigen  Kubikzentimetern  einer  verdünnten
Phosphorsäurelösung  versetzt,  auf  250  ccm  aufgefüllt,  gemischt,  filtriert  und  vom
Filtrat  50  ccm  in  einem  1 / 4  1-Kolben  abgemessen;  man  versetzt  diese  erst  zur  Ausfüllung ­
  des  überschüssigen  Bleies  mit  5  °/ 0 -iger  Schwefelsäure  im  geringen  Überschuß, ­
  füllt  auf  250  ccm  auf,  filtriert  und  bestimmt  in  25  ccm  hiervon  =  4  ccm  des
ursprünglichen  Maischefiltrats  nach  vorheriger  Neutralisation  der  Schwefelsäure  mit
Natronlauge  die  Maltose  nach  S.  230.
3.  Bestimmung  des  Dextrins.  200  ccm  Maischefiltrat  werden  mit  10  ccm  Salzsäure ­
  von  1,125  spezifischem  Gewicht  durch  3-stündiges  Erwärmen  im  kochenden
Wasserbade  invertiert  und  dann  wie  bei  süßer  Maische  (S.  664)  weiter  behandelt.
4.  Saccharometrische  Prüfung;  Bestimmung  des  Yergärungsgrades.  Die
Saccharometer-Anzeige  ist  für  die  vergorene  Maische  noch  viel  unzuverlässiger  als
für  die  süße,  weil  in  derselben  das  Verhältnis  von  nichtzuckerartigen  Stoffen  zu
Zucker  ein  noch  größeres  ist,  und  weil  sich  ferner  während  der  Gärung  außer
Alkohol  noch  allerlei  Nebenerzeugnisse  (wie  Milchsäure,  Buttersäure,  Essigsäure,
Glyzerin  usw.)  bilden,  welche  die  Saccharometer-Anzeige  fehlerhaft  beeinflussen.
Um  den  Einfluß  des  Alkohols  aufzuheben,  kann  man  200  g  des  Maischefiltrats
durch  Kochen  im  Wasserbade  von  Alkohol  befreien,  nach  dem  Erkalten  wieder  auf
das  gleiche  Gewicht  bringen  und  das  entgeistete,  auf  17,5°  temperierte  Maischefiltrat ­
  mit  dem  Ballingschen  Saccharometer  bezw.  mit  der  Westphalschen  Wage
oder  dem  Pyknometer  auf  spezifisches  Gewicht  prüfen  und  die  letzterem  entsprechenden ­
  Extraktprozente  in  Tabelle  No.  XIII  am  Schluß  ablesen.
Man  kann  aber  auch  den  fehlerhaften  Einfluß  des  Alkohols  durch  Rechnung
eliminieren,  wenn  man  den  scheinbaren  Vergärungsgrad  (Saccharometergrade
des  alkoholhaltigen  Maischefiltrats)  und  den  Alkoholgehalt  der  Maische  ermittelt.
Wenn  nämlich:
S  =  spez.  Gewicht  der  alkoholfrei  gedachten  Maische,
Sj  =  spez.  Gewicht  der  alkoholhaltigen  Maische,
s  =  spez.  Gewicht  einer  Mischung  von  Alkohol  und  Wasser  von  der  Stärke  des
Alkoholgehaltes  der  Maische  ist,
so  erhält  man  folgende  Gleichung:
,  S  =  S a  +  (1  -  s).
        <pb n="688" />
        Untersuchung  der  vergorenen  Maische.

667

Ist  z.  B.  Sj^  1,006  (oder  1,5°  Sacchar.),  s  =  0,9866  (oder  10  Yol.-Proz.
Alkohol),  so  ist
S  =  1,006  +  (1  —  0,9866)  =  1,0194  oder  4,85°  Saccharometer
(nach  Ballings  Extrakttabelle  No.  XIH  am  Schluß).
Die  folgende  Tabelle  enthält  die  nach  dieser  Formel  berechneten  Werte  der
wirklichen  Vergärung  aus  der  beobachteten  scheinbaren  Vergärung
bei  verschiedenem  Alkoholgehalt  des  Filtrats  der  vergorenen  Maische:

Scheinbare ­
  Vergärung ­


Wirkliche  Vergärung  bei  einem  Alkoholgehalt  der  vergorenen  Maische  von:

7
Vol,-°/ 0

8
Vol.-°/ 0

9
Vol.-°/ 0

10
Vol.- 0 / 0

11
Vol.-°/ 0

12
Vol.-°/ 0

13
Vol.-0/ 0

14
Vol.-°/ 0

0,4

2,85

3,15

3,45

3,75

4,05

4,33

4,60

4,88

0.6

3,06

3,35

3,66

3,95

4,25

4,63

4,80

5,08

0,8

3,26

3,65

3,85

4,16

4,45

4,73

5,00

6,28

1,0

3,45

3,75

4,05

4,35

4,65

4,93

5,20

6,48

1,2

3,66

3,95

4,25

4,55

4,86

5.13

5,40

6.68

1,4

3,85

4,15

4,45

4.75

5,05

5,33

5,60

5,88

1,6

4,05

4,35

4,65

4,96

5,26

6,53

5,80

6,07

1,8

4,25

4,55

4,85

5,15

5,45

5,73

6,00

6,27

2,0

4,45

4,75

5,05

5,36

6,65

5,93

6,20

6,46

2,2

4,66

4,95

5,25

5,55

5,86

6,12

6,39

6,66

2,4

4,85

5,15

5,45

5,75

6,05

6,32

6,58

6,85

2,6

5,05

5,35

5,65

5,95

6.24

6,51

6,78

7,05

2,8

5,25

5,55

5,85

6,15

6,44

6,71

6,98

7,24

3,0

5,45

5,75

6,05

6,34

6,63

6,90

7,17

7,44

3,2

6,65

5,95

6,24

6.64

6,83

7,10

7,37

7,63

3,4

5,85

6,15

6,44

6,73

7,02

7,30

7,56

7,83

3,6

6,05

6,34

6,63

6,93

7,22

7,49

7,76

8,02

3,8

6,24

6,54

6,83

7,12

7,41

7,68

7,95

8,22

4,0

6,44

6,73

7,02

7,32

7,61

7,88

8.15

8,41

4,2

6,63

6,93

7,22

7,51

7,80

8,07

8,34

8,61

4,4

6,83

7.12

7,41

7,71

8,00

8,27

8,64

8,80

4,6

7,02

7,32

7,61

7,90

8,20

8,46

8,73

9,00

4,8

7,22

7,61

7,80

8,10

8,40

8,66

8,93

9,20

5,0

7,41

7,70

8,00

8,30

8.58

8,85

9,12

9,39

Beispiel;  Wenn  die  Saccharometer-Anzeige  der  süßen  Maische  und  Hefe
=  21,50,  die  der  vergorenen  Maische  =  2,27  °,  ferner  die  Alkoholausbeute  9,5  °/ 0
ergeben  hat,  so  ist  die  wirkliche  Vergärung  nach  der  Tabelle  =  5,4  abzulesen,
folglich  beträgt  die  der  Vergärung  anheimgefallene  Zuckermenge  21,5  —  5,4  =  16,1  /„.
Die  einzelnen  Maischen  verhalten  sich  aber  nach  M.  Märcker  sehr  verschieden.
Die  Kartoffelmaische  enthält  verhältnismäßig  viel  nichtzuckerartige  unvergärbare
Stoffe  gegenüber  dem  Zucker;  hier  entspricht  die  Saccharometer-Anzeige  der  vergorenen ­
  Maische  ziemlich  ihrem  Gehalt  an  gärungsfähigen  Kohlenhydraten,  weil  durch
die  vielen  nichtzuckerartigen  Stoffe  die  Saccharometer-Anzeige  ungefähr  um  so  viel
erhöht  wird,  als  sie  durch  den  Alkoholgehalt  erniedrigt  wird.  Bei  Maismaischen
dieses  wieder  anders,  weil  sie  einen  größeren  Reinheitsquotienten,  d.  h.  mehr
Mucker  im  Verhältnis  zum  Nichtzucker  enthalten,  als  Kartoffelmaischen.
5.  Bestimmung  der  Säure.  20  ccm  vergorenes  Maischefiltrat  werden  mit  1 j 10
Normal-Natronlauge  unter  Tüpfeln  auf  Lackmuspapier  titriert.  1  ccm  1 j 10  Normal-Natronlauge
  =  0,009  g  Milchsäure.
Man  pflegt  auch  wohl  die  für  20  ccm  Maischefiltrat  verbrauchte  Anzahl  Kubikzentimeter ­
  Nor  mal-Alkali  als  Säuregrade  auszudrücken.  Die  Säure  der  vergorenen
        <pb n="689" />
        668

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

Maische  rührt  zum  Teil  von  der  zugesetzten  Hefe  her;  mitunter  wird  der  Maische
auch,  um  eine  reinere  Gärung  und  mehr  Ausbeute  zu  erzielen,  Schwefelsäure  als
solche  zugesetzt.  Über  den  Nachweis  dieser  vergl.  S.  259,  No.  4.  Neuerdings  wird
für  den  Zweck  nach  Effronts  Vorschläge  Fluorwasserstoffsäure  (oder  Fluornatrium
hezw.  Fluorammonium,  6,0  g  des  letzteren  für  1  hl  Maische)  als  am  wirksamsten
empfohlen.  Eine  nachteilige  Wirkung  hei  der  Verbitterung  von  dem  geringen  Fluorgehalte ­
  der  Schlempe  wurde  bis  jetzt  nicht  beobachtet.
6.  Bestimmung  des  Alkohols  in  der  vergorenen  Maische.  a)DurchDestillation.
200  com  Maische  oder  Maischefiltrat 1 )  werden  in  einen  Kolben  von  etwa  400  com
Inhalt  gefüllt  und  unter  Verbindung  mit  einem  Kühlgefäß  (vergl.  Fig.  272)  in  ein
100  ccm-Kölbchen  abdestilliert,  bis  ungefähr  100  ccm  Destillat  übergegangen  sind.
Nachdem  das  Destillat  auf  die  Normaltemperatur  15,5°  gebracht  und  auf  genau
100  ccm  aufgofüllt  ist,  ermittelt  man  das  spezifische  Gewicht  desselben  entweder
mittels  des  Pyknometers,  der  Westphalschen  Wage  oder  eines  genauen  Alkohol-Aräometers.
  Die  Spindeln  des  letzteren  müssen  so  klein  sein,  daß  sie  in  100  ccm

noch  bequem  schwimmen;  die  Länge  der  Skala  für  1  °/ 0  soll  mindestens  10  mm  betragen, ­
  auf  jeder  Spindel  sich  nur  etwa  8  °/ 0  befinden  und  jedes  Prozent  in  1 / 5  geteilt ­
  sein.
Über  die  dem  spezifischen  Gewicht  entsprechenden  Alkohol-Prozente  vergl.
Tabellen  No.  XVII  und  XVIII  am  Schluß.  Die  gefundenen  Alkohol-Prozente  müssen
bei  Anwendung  von  200  ccm  durch  2  dividiert  werden.
Verdünnt  man  die  100  ccm  Destillat  auf  200  ccm  und  spindelt  die  letzteren,
oder  ermittelt  man  hiervon  das  spezifische  Gewicht,  so  entsprechen  die  gefundenen
Alkohol-Prozente  direkt  der  ursprünglichen  Maische.
b)  Indirekte  Alkoholbestimmung  aus  der  Differenz  im  spezifischen  Gewicht ­
  der  alkoholhaltigen  und  alkoholfreien  Maischflüssigkeit.
Wenn  man  die  alkoholhaltige  Maische  durch  Kochen  von  Alkohol  befreit  und
letzteren  durch  ein  gleiches  Gewicht  Wasser  ersetzt,  so  wird  das  spezifische  Ge-*)
  Man  verwendet  meistens  das  Maisohefiltrat  und  bringt  für  den  Trebergehalt  eine
entsprechende  Korrektion  an;  letztere  fällt  aber  unsicher  aus,  weshalb  es  sich  empfiehlt,
natürliche  Maische  zu  nehmen.  Das  Überschäumen  kann  man  nach  M.  Märoker  durch
Zusatz  von  einem  Stückchen  Paraffin  vermeiden.
        <pb n="690" />
        Untersuchung  der  Schlempe.

669

wicht  der  Maische  in  demselben  Verhältnis  erhöht  als  dasjenige  eines  Gemisches
von  Alkohol  und  Wasser  (mit  gleichem  Alkoholgehalt).
Man  kann  daher  aus  dem  spezifischen  Gewicht  vor  und  nach  dem  Kochen  der
Maische  auf  deren  Alkoholgehalt  schließen.
Ist  S  •  —  spezifisches  Gewicht  der  Maische  vor  dem  Kochen,
S-l  =  „  „  „  „  nach  dem  Kochen,
1  =  „  „  des  Wassers,
so  verhält  sich:
S x  :  S  =  1:  x  oder  x  =  8  ^  1  oder  x  =  1  —  (Sj—S).
Man  ermittelt  daher  das  spezifische  Gewicht  des  durch  wiederholtes  Schütteln
in  einer  geräumigen  Flasche  von  Kohlensäure  befreiten  und  auf  15,5°  temperierten
Maischefiltrats  (etwa  200  g),  kocht  dieses  auf  die  Hälfte  ein,  läßt  erkalten,  füllt  mit
Wasser  hei  15,5°  wieder  bis  zu  200  g  auf  und  ermittelt  das  spezifische  Gewicht
dieser  entgeisteten  Flüssigkeit.
Ist  S  =  1,008  (vor  dem  Kochen),  S t  =  1,024  (nach  dem  Kochen),  so  ergibt  sich:
1  008  x*  1
x  =  =  0,9844  oder  x  =  1  —  (1,024  -  1,008)  =  0,984.
Eine  alkoholische  wässerige  Flüssigkeit  von  0,9844  enthält  aber  nach  Tabelle
No.  XVII  am  Schluß  =  9,79  Gewichtsprozente  oder  12,13  Volum-Prozente  Alkohol.
So  viel  Alkohol  enthält  also  das  Maischefiltrat;  um  den  der  ursprünglichen
treberhaltigen  Maische  zu  finden,  muß  das  Tr  eh  er-Volumen  berücksichtigt  werden,
kind  (wie  oben  S.  665)  für  1  1  Maische  43,6  ccm  Treber  und  956,4  ccm  Maischefiltrat
gefunden,  so  ist  der  Alkoholgehalt  der  ursprünglichen  Maische  =  9,36
Gewichtsprozent,  Die  sonstigen  Alkoholbestimmungsverfahren  kommen  bei  Maische
Dicht  in  Betracht.

VIII.  Untersuchung  der  Schlempe.
Über  die  Untersuchung  der  Schlempe  vergl.  unter  „Futtermittel"  S.  258.
W  Märcker  hat  in  seinem  Handbuch  der  Spiritusfabrikation  ein  Verfahren  angegeben, ­
  wie  man  je  nach  der  Ausbeute  an  Alkohol  die  Zusammensetzung  der  Schlempe
aus  der  verwendeten  Menge  Rohstoff  berechnen  kann.  Hierbei  geht  er  von  der
Annahme  aus,  daß  mit  Ausnahme  des  Stärkemehles  alle  anderen  Bestandteile  des
Rohstoffes  in  die  Schlempe  übergehen,  und  daß  für  die  sonstigen  aus  der  Stärke
entstehenden  Gärungsnebenerzeugnisse  je  nach  Maßgabe  der  für  1  kg  Stärke  erhaltenen ­
  Alkoholausheute  eine  Korrektion  anzubringen  ist  usw.
Die  Zusammensetzung  der  Kartoffel  kann  bis  auf  den  Gehalt  an  Stärkemehl,
her  jedesmal  zu  ermitteln  ist,  als  ziemlich  unverändert  angesehen  werden.  M.  Mär  oker
Rgt  für  diese  und  die  Gerste  folgende  Durchschnittszusammensetzung  zu  Giunde.

Kartoffeln.
Gerste

Wasser

Nh.-Substanz

Fett

Stärkemehl

Unvergärbar  e
Extraktstoffe

Rohfaser

Asche

°/o

°/o

»/.

0/
10

°/o

°i
Io

°/o

- 1 )

2,2

0,2

X

0,7

0,7

1,1

14,3

10,0

2,3

60,0

3,4

8,5

1,5.

Die  Vergärung  der  Stärke  fällt  verschieden  aus;  man  kann  annehmen,  daß
ln  Maischen,  welche  mit  etwa  20  °/ 0  Saccharometer  angestellt  werden,  von  100  Teilen
( er  m  den  Maischrohstoffen  enthaltenen  Stärke  unvergoren  bleiben:

angenommen

')  D er  Wassergehalt  der  Kartoffeln  wird  je  nach  dem  Stärkemehlgehalt  verschieden

er  ist  also  bei  20,0  °/ 0  Stärke  =  75,1  °/ 0 .
        <pb n="691" />
        670

Kohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

bei  guter  Vergärung  bis  auf  1,0—1,5°  Saccharometer  =  15  °/ 0 ,
„  mittlerer  „  „  „  1,5—2,0°  „  =25%,
„  schlechter  „  „  2,0—4,0°  „  =30%.
Da  aber  ferner  ein  Teil  der  Stärke  während  der  Gärung  in  Nebenerzeugnisse
(Milchsäure,  Essigsäure  usw.)  umgewandelt  wird,  so  empfiehlt  es  sich,  die  unvergoren
gebliebenen  Kohlenhydrate  nach  Maßgabe  der  für  1  kg  Stärkemehl  erhaltenen
Alkoholausbeute  zu  berechnen,  gleichzeitig  aber  eine  Korrektion  für  den  Nährwert
der  Nebenerzeugnisse  aufzunehmen.  ,
Es  gehen  von  100  Teilen  eingemaischter  Stärke  in  die  Schlempe  über:

wenn  für  1  kg  Stärke
gezogen  wurden:

in  der  Schlempe:

60  Literprozente  Alkohol  =  10  Teile  Stärkemehl.

55  „  =  15
60  „  „  =  20

Ferner  kann  man  annehmen,  daß  von  1000  1  Maischraum  gewonnen  werden:
bei  einem  vollkommenen  Destillationsapparat  1100  1,  bei  einem  weniger  vollkommenen ­
  1300  1  Schlempe.
Auf  Grund  dieser  Voraussetzung  gibt  Märcker  folgendes  Beispiel  zur  Berechnung ­
  der  Zusammensetzung  der  Schlempe:
Auf  einen  Maischraum  von  4000  1  seien  3000  kg  Kartoffeln  gemaischt;  dieselben
sollen  einen  Stärkemehlgehalt  von  20  °/ 0  ergeben  haben.  Auf  100  kg  Kartoffeln  seien
4  kg  Gerste  zum  Malz  und  zur  Hefe  verwendet;  von  1  kg  Stärke  habe  man  56  l-°/ 0
gezogen,  es  sind  demnach  15  °/ 0  der  eingemaischten  Stärke  unvergoren  in  die  Schlempe
übergegangen.  Der  Destillierapparat  sei  zwar  nicht  von  der  allerbesten,  aber  immerhin
doch  guter  Konstruktion,  wonach  man  annehmen  würde,  daß  1000  1  Maischraum  1200  I
Schlempe  geben.
Nach  den  oben  mitgeteilten  Zahlen  für  die  Zusammensetzung  von  Kartoffeln  und
Gerste  erhalten  wir  folgende  Übersicht:

Stickstoff-Stärke-





Roh-Mineral-





mehl

Extraktst.

fas  er

Stoffe

3000  kg  Kartoffeln  enthalten.  .  66,0

6,0

600,0

21,0

21,0

33,0  kg,

120  kg  Gerste  enthalten  .  .  .  12,0

2,8

76,1

—

10,2

1,8  „

Im  ganzen  eingemaischt  78,0

8,8

676,1

21,0

31,2

34,8  kg.

Da  alle  Bestandteile  mit  Ausnahme  der

Stärke

in  ihrer

Menge

unverändert

in  die  Schlempe  übergehen  und  nach  obigen  Annahmen  bei  einer  Ausbeute  von  55  l-°/ 0
85  °/ 0  der  Stärke  zerstört  werden,  so  enthalten  4800  1  Schlempe  aus  obigen  4000  1  Maische
folgende  Mengen  von  Nährstoffen:
Stickstoff-Substanz  Fett  Stärke  N-fr.  Extraktstoffe  Rohfaser  Mineralstoffe
78,0  8,8  101,4  21,0  31,2  34,8  kg.
122~4  ’
Die  einfachste  Berechnung  ist  nun  die,  daß,  wenn  die  Schlempe  gleichmäßig  auf
die  Kopfzahl  eines  Kuhstalles  usw.  verteilt  wird,  man  mit  der  Kopfzahl  in  obige  absolute
Nährstoffmengen  dividiert.  Wenn  z.  B.  obige  Schlempemenge  auf  80  Stück  Großvieh
verteilt  wäre,  so  würden  für  das  Haupt  folgende  Nährstoffmengen  in  Form  von  Schlempe
verabreicht  worden  sein:

Stickstoff-Substanz  0,976  kg,
Stickstofffreie  Extraktstoffe  1,530  „
Fett  0,410  „
Eohfaser  0,390  „
Mineralstoffe  0,435  „

Im  ganzen  Trockensubstanz  3,440  kg.
        <pb n="692" />
        Beurteilung  des  Brennereibetriebes.  —  Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.  671

Wenn  man  es  für  bequemer  hält,  die  Nährstoffmengen  für  100  1  zu  berechnen,  so
würde  man,  auf  4800  1  Schlempe  bezogen,  folgende  Zahlen  für  100  1  Schlempe  erhalten:

Stickstoff-Substanz  1,63  kg,
Stickstofffreie  Extraktstoffe  2,65  „
Fett  0,18  „
Eohfaser  0,65  „
Mineralstoffe  0,77  „

Im  ganzen  Trockensubstanz  5,78  kg.

IX.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  des  Brennereibetriebes.
Aus  der  zur  Einmaisohung  gelangenden  Menge  Stärke  wird  in  der  Praxis  selbstverständlich ­
  nicht  die  theoretisch  mögliche  Menge  Alkohol  gewonnen,  weil  der  Betrieb ­
  mit  verschiedenen,  zum  Teil  unvermeidlichen  Verlusten  verbunden  ist.  Die  stetige
Untersuchung  der  Rohstoffe,  Zwischen-  und  Enderzeugnisse  soll  Aufschluß  geben,  wie
hoch  die  Ausbeute  ist,  bezw.  ob  sich  die  Verluste  innerhalb  der  zulässigen  Grenzen  bewegen. ­
  Um  zu  beurteilen,  ob  der  Betrieb  ein  regelmäßiger  war,  gibt  M.  Märcker  (1.  c.)
folgende  Anhaltspunkte;
1.  Die  beim  Dämpfen  nicht  aufgeschlossene  und  daher  der  Einwirkung  der  Diastase
sich  entziehende  Menge  Stärke  beträgt:
bei  gutem  mittlerem  schlechtem  Betriebe
1,5  «/„,  3,0  °/ 0 ,  4,5  °/ 0 .
2.  Von  der  eingemaischten  und  in  gärungsfähige  Substanz  umgewandelten  Stärke
bleiben  unvergoren:
3,9  o/ 0 ,  6,8  °/ 0 ,  H,5  «/„.
3.  In  Nebenerzeugnisse  werden  übergefiihrt  und  durch  Verdunsten  von  Alkohol
gehen  verloren;

9,5  °/ 0 ,
4.  Also  im  ganzen  Verluste
14,9  °/ 0 ,
also  werden  in  Alkohol  übergeführt:
85,1  °/ 0 ,
Man  erhält  für  1  kg  Stärke;
60,5

13,5  o/ 0 ,

16,8  o/ 0 .

23,3  o/ 0 ,

32,8  o/o,

76,7  o/ 0 ,

67,2  o/ 0 .

55,0

48,0  l-°/o  Alkohol,

B.  Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.
Hierher  gehören  alle  alkoholische  Flüssigkeiten  oder  Getränke,  die  durch
Destillation  von  vergorenen  Maischen  oder  Flüssigkeiten  und  durch  Vermischen
des  Destillats  mit  Wasser  teilweise  unter  Zusatz  von  Zucker  (eigentliche  Liköre)
oder  von  Pflanzenauszügen  (bittere  Liköre)  hergestellt  sind.
Die  verschiedenen  Sprit-,  Branntwein-  (Kognak,  Eum,  Arrak)  und  Likor-Sorten
  werden  in  mehr  oder  weniger  gleicher  Weise  untersucht.  Xm  bezüglich
des  Extraktes  bedürfen  die  süßen  und  bitteren  Liköre  einer  besonderen  Prüfung.
Von  den  nachfolgenden  Bestimmungen  werden  spezifisches  Gericht, ­
  Alkohol,  die  Gesamt-  und  nicht  flüchtige  Säure  sowie  die  Basen
lm  ursprünglichen  Spiritus  bezw.  Branntwein,  dagegen  Aldehyd,
iurfurol,  Ester  und  höhere  Alkohole  im  Destillat  bestimmt.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.  Das  spezifische  Gewicht  wird
wie  üblich  mit  dem  Pyknometer  (S.  449)  oder  der  Westphalschen  Wage  (S.  449)
bei  150  bestimmt.
        <pb n="693" />
        672

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

Bei  den  Spritsorten  und  bei  Branntweinen,  die  wesentlich  nur  aus  Alkohol
und  Wasser  bestehen,  erfährt  man  aus  dem  spezifischen  Gewicht  gleichzeitig  annähernd ­
  den  Alkoholgehalt.
2.  Bestimmung  des  Alkohols.  Bei  reinen  alkoholhaltigen  Flüssigkeiten,  welche
nur  aus  Mischungen  von  Wasser  und  Alkohol  bestehen,  wird  der  Gehalt  an
Alkohol  in  Volumprozenten  am  einfachsten
a)  mit  einem  von  der  Normal-Eichungskommission  kontrollierten
Normal-Alkoholometer  bestimmt.

Die  Alkoholometer  sind  Aräometer  (Densimeter),  welche  statt  des  spezifischen
Gewichtes  des  zu  untersuchenden  Weingeistes  den  dazu  gehörigen  Alkoholgehalt  in

Fig.  378.  Fig.  274.  Fig.  275.

Volumprozenten  direkt  anzeigen.  Es  gibt  solche  für  Flüssigkeiten  von  0—60,
50—100  °/ 0  Alkohol  usw.  Für  die  Ausführung  der  Bestimmung  ist  zu  beachten,  daß
Flüssigkeit  und  Instrumente  die  Temperatur  des  Untersuchungsraumes  haben  und
Gefäße  wie  Spindel  äußerst  rein  und  trocken  sind.
Die  Mischung,  deren  scheinbare  Stärke  mit  dem  Alkoholometer  ermittelt  werden
soll,  wird  in  ein  Standgefäß  gefüllt,  dessen  Durchmesser  mindestens  2-mal  so  groß  ist  als
der  größte  Durchmesser  des  zur  Anwendung  kommenden  Instrumentes,  und  dessen  Wände
möglichst  durchsichtig  und  sohlierenfrei  sind.
Das  Standglas  wird  mit  dem  zu  prüfenden  Spiritus  so  weit  angefüllt,  daß  nach  dem
Eintauchen  des  Alkoholometers  der  Plüssigkeitsspiegel  noch  mehrere  Zentimeter  unterhalb
des  Glasrandes  steht.  Nach  Durchrührung  der  Füllung  wird  das  Standglas  auf  einer
Tischplatte  fest  aufgestellt,  hierauf  das  Instrument  langsam  eingesenkt,  und  zwar  so,  daß
eine  Benetzung  der  Spindel  oberhalb  der  Stelle,  bei  welcher  die  definitive  Einstellung  eintritt,
  womöglich  nicht  stattfindet,  oder  daß  wenigstens  jedes  irgend  erhebliche  Auf-  und
        <pb n="694" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

673

Niederschwanken  der  Spindel  um  die  Gleichgewichtslage  vermieden  wird.  Nachdem  sodann ­
  das  Instrument  1 / 2  —  1  Minute,  und  zwar  bei  schwächerem  Spiritus  länger  als  bei
stärkerem,  sich  selbst  überlassen  worden  ist,  wird  die  Alkoholometerskala  in  der  mittels
"vorstehender  Figuren  veranschaulichten  Weise  abgelesen.
Es  wird  diejenige  Linie  aufgesucht,  in  welcher  der  Plüssigkeitsspiegel  die  Einteilungsfläche ­
  der  Spindel  schneidet.  Mit  hinreichender  Genauigkeit  erreicht  man  dies,  wenn
man  das  Auge  bei  aufrechter  Stellung  des  Kopfes  dicht  unterhalb  des  Elüssigkeitsspiegels
so  hält,  daß  mau  die  bei  tieferer  Augenstellung  (siehe  Pig.  273)  länglich-rund  erscheinende
Grundfläche  der  um  die  Spindel  sich  bildenden  Flüssigkeitserhöhung  zu  einer  nahezu  geraden ­
  Linie  sich  zusammendrängen  sieht.  Fig.  274  zeigt  die  Flüssigkeitserhöhung  als
gerade  Linie,  Fig.  273  dieselbe  von  unten  gesehen  als  länglich-runde  Fläche,  Fig.  276
von  oben  gesehen  als  wirkliche  Erhöhung.
Die  Stellung  des  Kopfes  ist  gerade  so  zu  wählen,  daß  diese  Ablesungslinie  in  der
mittels  Pig.  274  erläuterten  Weise  noch  dicht  unter  dem  dem  Auge  zugekehrten  Rande
des  Elüssigkeitsspiegels  sichtbar  bleibt  und  sich  scharf  von  der  Alkoholometerskala  abhebt.
Der  Prozentwert  des  der  Ablesungslinie  zunächst  liegenden  Skalenstriches  kann  bei
gewöhnlichen  Ermittelungen  als  die  Angabe  des  Alkoholometers  gelten.  Bei  genaueren
Ermittelungen  hat  man  den  Zwischenraum  zwischen  der  Ablesungslinie  und  dem  zunächst
darunter  liegenden  Skalenstrich  mit  dem  Skalenintervall  unterhalb  dieses  Striches  zu  vergleichen ­
  und  den  hiernach  in  Prozentteilen  abgesohätzten  Betrag  jenes  Zwischenraumes  zu
dem  Prozentwerte  des  zunächst  unter  der  Ablesungslinie  liegenden  Skalenstriches  hinzuzufügen. ­

Unmittelbar  auf  die  Alkoholometer-Ablesung  folgt  die  Ablesung  des  Thermometers. ­
  Man  erfährt  auf  diese  Weise  die  zu  der  betreffenden  Temperatur  der
Flüssigkeit  gehörige  „scheinbare  Stärke“  an  Alkohol.  Diese  ist  nur  bei  einer
bestimmten  Temperatur  gleich  der  wahren  Stärke,  nämlich  bei  12 4 / 9 °  R.  (=  15,5  0  C.
=  60°p,);  denn  die  geeichten  Alkoholometer  geben  nur  bei  dieser  Normaltemperatur
(12%o  r.)  die
„wahre  Alkoholstärke  in  Volumprozenten“  (Vol.-Proz.  nach  Tralles)
aa &amp;gt;  die  bei  anderen  Temperaturen  gefundenen  scheinbaren  Spiritusstärken  sind,  da
die  Dichtigkeit  einer  Mischung  aus  Alkohol  und  Wasser  bei  steigender  Temperatur
abnimmt,  und  zwar  in  stärkerem  Maße,  als  das  Volumen  des  gläsernen  Alkoholometers ­
  bei  steigender  Temperatur  zunimmt,  bei  Temperaturen  über  +  12 4 / 0 °  R.
größer,  bei  Temperaturen  unter  -f-  12 4 / 9 °R.  kleiner  als  die  wahre  Spiritusstärke.
Man  hat  daher,  wie  gesagt,  außer  dem  Stand  der  Spindel  in  der  alkoholischen
Flüssigkeit  auch  noch  die  Temperatur  derselben  an  dem  am  unteren  Ende  befindlichen ­
  Thermometer  abzulesen,  indem  man  das  Auge  in  gleicher  Höhe  mit  dem  Ende
d er  Quecksilbersäule  hält.
Den  geeichten  Normalalkoholometern  sind  gleichzeitig  Reduktionstabellen  beigeftigt,
  aus  welchen  die  den  einzelnen  Temperaturen  und  Graden  entsprechende
Wa hre  Spiritusstärke  direkt  abgelesen  werden  kann.  Es  sei  daher  auf  diese  Tabellen
Verwiesen.

Sind  die  alkoholischen  Flüssigkeitsmengen  zu  gering,  um  eine  Messung  mit
d em  Alkoholometer  vornehmen  zu  können,  so  muß  man  das  spezifische  Gewicht
mit  dem  Pyknometer  (S.  449)  oder  der  Westphalschen  Wage  (S.  450)  ermitteln
Un d  die  dem  spezifischen  Gewicht  entsprechenden  Alkoholprozente  nach  den  Tabellen
No-  XVII  oder  XVIII  (am  Schluß)  ablesen.
b)  Bestimmung  des  Alkohols  durch  Destillation.  Wenn  die  alkoholhaltigen ­
  Flüssigkeiten  außer  Alkohol  und  Wasser  noch  andere  Stoffe  enthalten,  so
mt  eine  Bestimmung  des  Alkohols  mit  den  Alkoholometern  nicht  möglich^  Es  wird
dann  der  Alkoholgehalt  am  zuverlässigsten  wie  bei  Maische  (S.  668)  durch  Destillation
bestimmt.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  4 ' !
        <pb n="695" />
        674

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

Man  ermittelt  zunächst  das  spezifische  Gewicht  der  alkoholischen  Flüssigkeit
mit  dem  Pyknometer  oder  der  Westphalschen  Wage.  Dann  destilliert  man  von
einem  bestimmten,  hei  der  Normaltemperatur  15,5°  abgemessenen  Volumen  derselben
etwa  *  2 / 3  ab,  läßt  das  Destillat  erkalten,  bringt  es  mit  destilliertem  Wasser  von
der  Normaltemperatur  auf  das  Volumen  der  in  Arbeit  genommenen  Flüssigkeit,  oder
man  verdünnt  letztere  mit  etwas  Wasser  und  destilliert  genau  das  ursprüngliche
Volumen 1 )  (gemessen  bei  der  Normaltemperatur)  ab  und  bestimmt  das  spezifische
Gewicht  des  Destillats.
Flüssigkeiten  mit  einem  Gehalt  an  aromatischen  Stoffen  (ätherischen  ölen
oder  Essenzen)  werden  vorher  mit  Kochsalz  gesättigt,  indem  man  nach  der  amtlichen ­
  Verordnung  des  Bundesrates  vom  8.  Dezember  1891 2 )  in  einer  etwa  300  ccm
fassenden  Bürette  mit  Glasstöpsel  zunächst  30  ccm  Kochsalz  aufschichtet,  100  ccm
der  alkoholischen  Flüssigkeit  hinzugibt,  mit  Wasser  bis  zum  Teilstrich  270  ccm
nachfüllt,  durchsohüttelt  und  so  lange  Kochsalz  zusetzt,  bis  etwas  Kochsalz  ungelöst
bleibt.  Man  klemmt  die  Bürette  in  einen.Halter  und  überläßt  eine  halbe  Stunde
der  Ruhe.  Die  aromatischen  Bestandteile  scheiden  sich  oben  als  ölige  Schicht  ab
und  enthalten  keinen  Alkohol.  Man  nimmt  dann  von  der  unter  der  öligen  Schicht
befindlichen  salzhaltigen  Flüssigkeit  genau  die  Hälfte  (=  50  ccm  ursprünglicher
Flüssigkeit  entsprechend)  und  destilliert  wie  üblich.
Die  Ermittelung  des  Alkoholgehaltes  geschieht  wie  folgt:
Wenn  z,  B.  100  ccm  Branntwein  mit  50  ccm  Wasser  verdünnt,  hiervon  100  ccm
abdestilliert  werden  und  das  spezifische  Gewicht  dieses  Destillats  =  0,9439  ist,  so  entspricht ­
  letzteres  einem  Alkoholgehalt  von  44,86  Volumprozenten;  dieses  ist  das  Verhältnis
des  Volumens  des  in  der  Mischung  enthaltenen  Alkohols  zum  Volumen  der  Mischung.
Um  hieraus  Gewichtsprozente,  d.  h.  das  Verhältnis  des  absoluten  Gewichtes  des  in  der
Mischung  enthaltenen  Alkohols  zu  dem  absoluten  Gewicht  der  Mischung  zu  erhalten,  multipliziert ­
  man  die  Volumprozente  mit  dem  spezifischen  Gewicht  des  absoluten  Alkohols
=  0,7938  und  dividiert  durch  das  spezifische  Gewicht  der  erhaltenen  alkoholischen  Flüssig-44
  86  x  0  7938
keit,  also  in  diesem  Falle:  —’  ■  ’  =  37,72  Gewichtsprozente,  d.  h.  37,72  g  Alkohol
U.iMoy
in  100  g  einer  alkoholischen  Flüssigkeit  von  0,9439  spezifischem  Gewicht.  Die  Alkoholtabellen ­
  sind  durchweg  so  eingerichtet,  daß  neben  den  Volumprozenten  gleich  die  entsprechenden ­
  Gewichtsprozente  eingetragen  sind. 3 )
Um  für  die  ursprüngliche  Flüssigkeit  die  Gewichtsprozente  an  Alkohol  (=  A)  zu
ermitteln  —  und  dieses  sollte  allgemein  für  alkoholische  Flüssigkeit  geschehen  —,  muß
man  von  einer  bestimmten  Gewichtsmenge  derselben  =  g  eine  bestimmte  Gewichtsmenge
=  D  abdestillieren  und  das  spezifische  Gewicht  des  Destillats  bestimmen.  Aus  letzterem
erfährt  man  nach  den  Tabellen  den  Alkoholgehalt  des  Destillats  in  Gewichtsprozenten
=  d,  und  der  Alkoholgehalt  A  in  Gewichtsprozenten  der  ursprünglichen  Flüssigkeit  ist  dann:
*  Bxd
A  =
g
Angenommen,  es  sind  100  ccm  eines  Liqueurs  =  104,39  g  (oder  spezifisches  Gewicht
=  1,0439)  abgewogen,  diese  mit  60  ccm  Wasser  verdünnt  und  davon  100  ccm  von  0,9519
spezifischem  Gewicht  abdestilliert,  d.  h.  100  ccm  dieser  alkoholischen  Flüssigkeit  wiegen
95,19  g.  Dem  spezifischen  Gewicht  0,9519  entsprechen  33,63  Gewichtsprozente  Alkohol,

')  Man  destilliert  100  ccm  bis  auf  2—3  com  ab,  läßt  auf  15,5°  erkalten  und  ergänzt
den  Rest  bis  zur  Marke  100  mit  destilliertem  Wasser  von  16,5.°.
2 )  Vergl.  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  1892,  31,  A.  V.  S.  10  (Anhang).
3 )  Die  Tabelle  von  K.  Windisch  (vergl.  Tabelle  No.  XVIII  im  Anhang)  gibt  neben  den
Volumprozenten  die  Gramm  Alkohol  in  100  ccm  an.
        <pb n="696" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

675

43*

ü-  h.  so  viel  Alkohol  ist  in  100  g  eines  alkoholischen  Wassers  von  0,9619  spezifischem
Gewicht  enthalten;  da  wir  aber  nicht  100  g,  sondern  nur  95,19  g  Destillat  haben,  so  sind
95  19  x  33  63
m  demselben  nur  ————=  31,92  g,  also  in  100  g  der  ursprünglichen  Flüssigkeit
31,92  x  100  96  19  x  33  53
JoJTjg—  oder  allgemein  ’  104  39  ’  ‘  ~  30,37  Gewichtsprozente  Alkohol.  Da  bei  den
reinen  Branntweinen  das  spezifische  Gewicht  oder  das  Gewicht  von  100  ccm  vor  und  nach
der  Destillation  annähernd  gleich  ist,  so  können  hier  in  den  meisten  Fällen  die  in  den
Tabellen  enthaltenen,  dem  spezifischen  Gewicht  des  Destillats  entsprechenden  Gewichtsprozente ­
  Alkohol  als  für  100  g  der  ursprünglichen  Flüssigkeit  gelten;  ist  z.  B.  das  spezifische ­
  Gewicht  des  ursprünglichen  Branntweins  =  0,9545,  das  des  Destillats  =  0,9519,
so  wird:
,  95,19x33,53  00  , n  r ,
A  =  ——  —------—  =  33,42  Gewichtsprozente
oder  33,42  g  Alkohol  in  100  g  des  Branntweins;  die  Zahl  33,42  weicht  von  der  in  den
Tabellen  enthaltenen  33,53  nur  unwesentlich  ab.
Nach  S.  669  kann  man  auch  die  Gewichtsprozente  Alkohol  in  einer  alkoholischen
Flüssigkeit  finden,  wenn  man  das  spezifische  Gewicht  derselben  durch  das  spezifische
Gewicht  der  entgeisteten  und  mit  Wasser  auf  das  ursprünglich  angewendete  Gewicht
wieder  aufgefüllten  Flüssigkeit  dividiert:
Ist  S.,  =  spezifisches  Gewicht  der  ursprünglichen  Flüssigkeit,  z.  B.  1,0439,
S a  =  spezifisches  Gewicht  der  entgeisteten  Flüssigkeit  nach  Herstellung  des
ursprünglich  angewendeten  absoluten  Gewichtes,  z.  B.  1,0967,
80  ist  das  spezifische  Gewicht  des  Weingeistes  in  der  Flüssigkeit:

x  =

S*
s, 2

L0439
1,0967

0,9519;

sucht  man  den  zu  diesem  spezifischen  Gewicht  x  der  alkoholischen  Flüssigkeit  gehörigen
Alkoholgehalt  =  a,  hier  33,53  Gewichtsprozent,  so  ist  der  Alkoholgehalt  A  in  Gewichtsprozenten ­
  der  ursprünglichen  Flüssigkeit:

a  .  33,53
A= s;  0d6r  hl6r  1,0967

:  30,58  Gewichtsprozent,

Q -  h.  man  erhält  auch  die  Gewichtsprozente  Alkohol  in  einer  alkoholischen  Flüssigkeit,
wenn  man  den  zum  spezifischen  Gewicht  des  Weingeistes  gehörigen  Alkoholgehalt  durch
das  spezifische  Gewicht  der  von  Alkohol  befreiten  oder  entgeisteten  Flüssigkeit  dividiert.
Bei  allen  Spirituosen,  welche  wesentlich  nur  aus  Alkohol  und  W  asser  bestehen, ­
  wird  man  den  Alkoholgehalt  am  zweckmäßigsten  nach  dem  einfachen
Destillationsverfahren  und  durch  Ermittelung  des  spezifischen  Gewichts  des  Destillats
bei  der  Normaltemperatur  von  15,5°  bestimmen;  bei  extraktreichen  Spirituosen ­
  dagegen  ermittelt  man  gleichzeitig  das  spezifische  Gewicht  des  entgeisteten
Destillationsruckstandes,  nachdem  man  denselben  bei  der  Normaltemperatur  von
0  mit  W r asser  auf  das  ursprüngliche  Gewicht  (nicht  I  olumen)  gebracht  hat.
Sind  also  100  ccm  eines  Likörs  von  1,0439  spezifischem  Gewicht  abdestilliert,  so  muß
ma n  den  Destillationsrückstand  mit  Wasser  wieder  zu  dem  Gewicht  104,39  g  (nicht
aber  einfach  zu  100  ccm)  auffüllen.
Ermittelt  man  in  letzterem  Falle  auch  noch  das  spezifische  Gewicht  des
Destillats  (hier  100  ccm  hei  Anwendung  von  100  ccm  Likör),  so  hat  man  eine
Kontrolle  der  Alkoholbestimmung  zu  der  indirekten  Bestimmung  (Division  des  ursprünglichen ­
  Gewichtes  durch  das  der  entgeisteten,  auf  gleiches  Gewicht  gebrachten
Flüssigkeit).  Gleichzeitig  dient  das  letztere  zur  Kontrolle  der  direkten  Extraktestimmung ­
  und  der  nach  den  Extrakttabellen  No.  XIII,  XI  oder  XIX  (im  Anan
 ge)  abgelesenen  Werte.
        <pb n="697" />
        676

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

Bei  der  Destillation  der  alkoholischen  Flüssigkeiten  ist  zu  beachten,  oh  sich
flüchtige  Säuren  entwickeln;  in  diesem  Falle  setzt  man,  wenn  das  spezifische
Gewicht  des  Destillats  bestimmt  werden  soll,  vor  dem  Destillieren  etwas  Alkali  zu;
tritt  hierbei  Ammoniak  auf,  so  muß  man  das  Destillat  unter  Zusatz  von  Weinsäure ­
  nochmals  destillieren.  Bei  etwaigem  Schäumen  von  Flüssigkeiten  setzt  man
zweckmäßig  etwas  Tannin,  bei  etwaigem  Stoßen  erbsengroße  Stücke  von  Bimstein
oder  eine  Platinspirale  zu.
Von  den  unter  derartigen  Zusätzen  erhaltenen  Destillationsrückständen  kann
dann  selbstverständlich  das  spezifische  Gewicht  nicht  ermittelt,  sondern  muß  eine
zweite  Probe  von  bestimmtem  Gewicht  genommen  werden,  welche  in  Schalen  auf
dem  Wasserhade  von  Alkohol  befreit  und  nach  dem  Erkalten  mit  Wasser  auf  das
ursprüngliche  Gewicht  aufgefüllt  wird.
c)  Die  sonstigen  Bestimmungsverfahren  des  Alkohols  in  den  Spirituosen, ­
  so-  die  vaporimetrische  von  Geißler,  die  dilatometrische  von
Silhermann,  das  Ehullioskop,  das  Liquometer  von  Museuhus  und  den
Tropfenzähler  von  Duclaux  kann  ich  hier  übergehen,  weil  sie  sehr  erhebliche
Abweichungen  von  dem  Destillationsverfahren  besitzen  oder  doch  nicht  dieselben
sicheren  Ergebnisse  als  letzteres  liefern.
3.  Bestimmung  des  Fuselöles  bezw.  der  höheren  Alkohole.  Zur  Bestimmung
des  Fuselöles  hezw.  der  höheren  Alkohole  in  den  Spirituosen  wird  durchweg  das
Verfahren:
a)  von  Eöse  angewendet,  welches  durch  Stutzer  und  Reitmair  sowie
durch  Eugen  Seil 1 )  abgeändert  worden  ist.
Chloroform  besitzt  die  Eigenschaft,  die  höheren  Glieder  der  Alkohole  der
Methanreihe  leicht  aus  einer  wässerigen  Lösung  aufzunehmen,  während  Äthylalkohol
hei  einer  gewissen  Verdünnung  nur  in  geringer  Menge  gelöst  wird.
Schüttelt  man  einmal  einen  verdünnten  Spiritus  und  das  andere  Mal  verdünnten ­
  Spiritus  von  demselben  spezifischen  Gewicht,  dem  etwas  Amylalkohol  zugesetzt ­
  ist,  mit  gleichen  Mengen  Chloroform  bei  derselben  Temperatur,  so  zeigt
sich  im  2.  Falle  eine  erheblich  größere  Volum  Vermehrung  des  Chloroforms,  als  mit
reinem  verdünnten  Alkohol.
Röse  benutzte  diese  Eigenschaft  des  Chloroforms  dem  Äthylalkohol  und
Amylalkohol  gegenüber,  das  Sättigungsvermögen  des  Chloroforms  für  50  °/ 0 -igen
Spiritus  festzustellen  und  durch  steigende  Zugabe  von  kleinen  Mengen  Amylalkohol
die  Volumzunahme  des  Chloroforms  zu  ermitteln.
Stutzer  und  Reitmair  änderten  das  Verfahren  dahin  ab,  daß  sie  anstatt
des  50  °/ 0 -igen  Alkohols  einen  30  °/ 0 -igen  für  die  Untersuchung  empfahlen,  und
Herzfeld  gab  dem  Schüttelapparat  eine  andere  Form,  die  ein  genaues  Ahlesen
der  Chloroformschicht  gestattet.
Zahlreiche  Untersuchungen  von  genannten  Autoren  und  vom  Kaiserlichen
Gesundheitsamte  wurden  mit  reinem  30  °/ 0 -igen  Alkohol  und  Mischungen  von  Äthylalkohol ­
  und  Amylalkohol  in  den  verschiedenartigsten  Verhältnissen  durchgeführt,
aus  denen  Tabellen  zusamraengestellt  sind,  die  ein  direktes  Ahlesen  des  Amylalkohols ­
  hezw.  des  Fuselöles  aus  der  Volum-Zunahme  der  Chloroformschicht  gestatten.
Zum  Ausschütteln  wird  nach  den  Mitteilungen  von  Eugen  Seil *  2 )  im  Kaiserlichen ­
  Gesundheitsamte  der  nachstehende  Apparat  benutzt:

Vergl.  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1892,  31,  Anhang  2.
2 )  Arbeiten  aus  dem  Kaiser!.  Gesundheitsamte  1888,  4,  109.
        <pb n="698" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

677

Der  unten  Bauchig  aufgeblasene  Teil  faßt  bis  zum  unteren  Teilstrich,  der  die
Zahl  20  trägt,  20  ccm  und  dient  zur  Aufnahme  des  Chloroforms.
Die  Röhre  ist  von  20—26  ccm  durch  kleine  Teilstriche  in  je  0,05  ccm  geteilt. ­
  Der  hirnförmige  obere  Teil  hat  einen  Inhalt  von  etwa  150  ccm  und  kann
am  Halse  mit  einem  Korkpfropfen  verschlossen  werden.
Zur  Untersuchung  eines  Branntweins,  Kognaks  usw.  werden  100  com  desselben ­
  unter  Zusatz  von  einigen  Tropfen  Natronlauge  der  Destillation  unterworfen,
bis  80  ccm  übergegangen  sind.
Es  ist  unter  allen  Umständen  nötig,  auch  farblose
Branntweine  mit  Natronlauge  zu  destillieren,  um  jedwede
Beimengung  von  harzigen  Bestandteilen  und  Farbstoffen,  die
aus  den  Fässern  stammen  können,  zu  entfernen;  ferner  aber
auch,  um  vorhandene  Ester  zu  zersetzen.
Ätherische  Öle,  welche  im  höchsten  Falle  0,04—0,045  °/ 0
betragen  können,  da  diese  Mengen  dem  Branntwein  bereits
ein  milchiges  Aussehen  geben,  haben  keinen  nennenswerten
Einfluß  auf  die  Untersuchung,  besonders  dann  nicht,  wenn  der
untersuchende  Branntwein  mit  Natronlauge  destilliert  wird.
Jenes  unter  Zusatz  von  Natronlauge  erhaltene  Destillat
f ÜHt  man  auf  100  ccm  auf,  mischt  gut  durch  und  bestimmt  den
Alkoholgehalt  durch  das  spezifische  Gewicht.
Der  Alkoholgehalt  wird  bei  fast  allen  Trinkhranntweincn
über  30  °/ 0  betragen.  Es  muß  also  in  fast  allen  Fällen  Wasser
zugesetzt  werden,  um  den  richtigen  Yerdünnungsgrad  zu  erhalten, ­
  und  zwar  um  so  mehr,  je  gehaltreicher  der  zu  untersuchende ­
  Branntwein  ist.
Von  diesem  Destillat  daher,  dessen  Alkoholgehalt  festgestellt ­
  ist,  werden  50  ccm,  entsprechend  50  ccm  Branntwein,
abpipettiert,  mit  so  viel  Wasser  verdünnt,  daß  derselbe  genau
3 ()  Volumprozente  enthält,  oder  richtiger  gesagt,  das  spezifische
Gewicht  0,96564  zeigt.
Den  Zusatz  von  Wasser  zur  Verdünnung  auf  30  Volumprozente ­
  kann  man,  wenn  keine  Verdünnungstabelle  vorhanden
ist &amp;gt;  leicht  berechnen.
Ist  v  der  Alkoholgehalt  des  Destillates  in  Volumprozenten,  und  hat  man  x
Wasser  zuzusetzen,  um  den  Alkoholgehalt  auf  30  Volumprozente  zu  bringen,  so  ist
nach  dem  Zusatz  von  x  Wasser  das  Volumen  gleich  100  +  x  und  zwar  mit  dem
Ursprünglichen  v  ccm-Gehalt  Alkohol.
Es  verhält  sich  also:
(100  +  x):  v  =  100  :  30.
Also  beträgt  der  erforderliche  Wasserzusatz  x  zu  100  ccm  Destillat:
lOOv  —  3000  10  v  —300
x  =  ~  ~  30  —  3
Die  Berechnung  des  erforderlichen  Wasserzusatzes  kann  auch  erfolgen  nach
der  Formel:
100  (p  —  Pj)a

x

P,
        <pb n="699" />
        678

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

worin  p  =  anfänglicher  Gehalt  der  Flüssigkeit  an  Alkohol,  p x  =  gewünschter
Alkoholgehalt  in  Gewichtsprozenten,  a  =  spezifisches  Gewicht  des  ursprünglichen
Weingeistes,  x  wie  oben  ==  die  zu  100  ccm  des  Weingeistes  zuzufttgende  Anzahl
Kubikzentimeter  Wasser  bedeuten.  Man  hat  daher  nach  dieser  Formel  der  Alkoholtahelle
  No.  XVII  am  Schluß  zu  entnehmen,  wie  viel  Gewichtsprozenten  die  gegebenen
und  gesuchten  Volumprozente  entsprechen.
Die  Kontraktion,  die  bei  dem  Mischen  des  Alkohols  mit  Wasser  entsteht,  ist
hierbei  nicht  berücksichtigt.
Notwendig  aber  ist  es,  daß  man  stets  hei  derselben  Temperatur
der  weingeistigen  Flüssigkeit,  nämlich  von  15°,  arbeitet.
Folgende  Tabelle  gibt  direkt  den  Wasserzusatz  zu  100  ccm  Destillat  an,  um
dasselbe  auf  30  Volumprozente  zu  bringen.

Verdünnung  des  Alkohols  auf  30  Vol.-°/ 0  bei  lö°.

Zu  100  ccm
Alkohol
vom  Yol.-°/ 0
Gehalt

sind  .
zuzusetzen
Wasser
ccm

Zu  100  ccm
Alkohol
vom  Yol.-°/o
Gehalt

sind
zuzusetzen
Wasser
ccm

Zu  100  ccm
Alkohol
vom  Vol.-°/o
Gehalt

sind
zuzusetzen
Wasser  '
ccm

Zu  100  ccm
Alkohol
vom  Vol.-°/ 0
Gehalt

sind
zuzusetzen
Wasser
ccm

30

0,0

44

47,1

58

94,9

72

143,2

31

3,3

45

50,6

59

98,3

73

146,7

32

6,6

46

53,9

60

101,8

74

150.2

33

10,0

47

57,3

61

105,2

75

153,6

34

13,4

48

60,7

62

108,6

76

157,1

35

16,7

49

64,1

63

112,1

77

160,6

36

20,1

50

67,5

64

115,6

78

164,1

37

23,4

51

70,9

65

119,9

79

167,6

38

26,8

52

74,3

66

122,4

80

171,1

39

30,2

63

77,7

67

126,9

81

174,6

40

33,5

54

81,2

68

129,4

82

178,1

41

36,9

56

84,6

69

132,8

83

181,6

.  42

40,3

56

88,0

70

136,3

84

185,1

43

43,7

57

91,4

71

139,7

85

188,6

Wie  vorhin  gesagt,  wird  nur  die  Hälfte  des  auf  100  ccm  aufgefüllten
Destillates  zur  Untersuchung  genommen.  Man  pipettiert  also  50  ccm  desselben
in  einen  100  ccm-Kolben  und  gibt  die  Hälfte  des  berechneten  Wassers  oder  die
Hälfte  des  aus  der  Verdünnungstabelle  gefundenen  Wassers  hinzu  und  füllt  nun
den  Kolben  bis  zur  Marke  mit  einem  reinen  30  °/ 0 -igen  Weingeist,  der  durch  Mischen
von  reinem  absoluten  Alkohol  mit  Wasser  hergestellt  ist,  auf.
Durch  nochmalige  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  überzeugt  man
sich,  ob  der  verdünnte  Spiritus  nun  genau  30  Volumprozente  Alkohol  enthält;
sonst  hat  man  denselben  durch  Zugabe  von  einigen  Tropfen  absolutem  Alkohol
oder  Wasser  genau  auf  30  Volumprozente  einzustellen.
Ein  geringer  Unterschied  von  0,1  Volumprozent  Alkohol  mehr  oder  weniger
veranlaßt  schon  Differenzen;  die  äußersten  Schwankungen  müssen  nach  Stutzer
zwischen  29,95—30,05  Volumprozenten  liegen.
Diesem  genau  30  Volumprozente  haltenden  Spiritus  setzt  man  1  ccm  Schwefelsäure ­
  vom  spezifischen  Gewicht  1,286  hinzu,  um  das  Auftreten  eines  sonst  beim
Schütteln  mit  Chloroform  zwischen  diesem  und  dem  Spiritus  entstehenden  Häutchens
zu  verhindern.
Der  vollkommen  trockne  Schüttelapparat  wird  alsdann  durch  eine  lange
Trichterröhre  mit  Chloroform  von  15°  bis  zum  unteren  Teilstrich,  also  bis  20  so
        <pb n="700" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

679

gefüllt,  daß  nach  Eintauchen  des  Apparates  in  Wasser  von  15°  der  Teilstrich  in
der  Mitte  zwischen  dem  oberen  und  unteren  Meniskus  liegt.
Auf  diesen  schüttet  man  den  mit  Schwefelsäure  versetzten  30  °/ 0 -igen  Spiritus,
der  die  Temperatur  von  genau  15 0  haben  muß,  verschließt  mit  einem  Korkpfropfen
(nicht  Kautschuk)  und  läßt  nun  die  gesamte  Flüssigkeit  durch  Umkehrung  des
Apparates  in  die  obere  Birne  laufen.
In  dieser  wird  die  Flüssigkeit  2—3  Minuten  geschüttelt,  alsdann  der  Apparat
in  Wasser  von  15 0  gestellt  und  die  Scheidung  des  Chloroforms  von  der  spirituösen
Flüssigkeit  abgewartet.
Durch  nochmaliges  Zurückfließenlassen  des  Chloroforms  in  die  Birne  und
einiges  Drehen  des  Apparates  um  seine  Achse  lassen  sich  die  letzten  Tröpfchen
des  Chloroforms  in  kurzer  Zeit  sammeln,  so  daß  das  Ablesen  der  Chloroformvermehrung ­
  nach  einer  halben  Stunde  erfolgen  kann.
Man  achte  indes  stets  daranf,  daß  das  Kühlwasser,  in  welches  der  Apparat
eingetaucht  bleibt,  in  seiner  ganzen  Höhe  genau  die  Temperatur  von  15°  behält.
Es  ist  zu  berücksichtigen,  daß  Chloroform  beim  Schütteln  mit  verdünntem
reinem  Weingeist  auch  aus  diesem  einen  gewissen  Prozentsatz  Alkohol  aufnimmt,
also  sein  Volumen  vergrößert.
Die  Volumzunahme  des  Chloroforms  wird  bei  Anwendung  von  30  °/ 0 -igem
reinen  Spiritus  vom  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  zu  1,64  com  angegeben,  während
Stutzer  und  Eeitmair  dieselbe  zu  1,4  fanden.
Jedenfalls  liegt  diese  Differenz  an  dem  verwendeten  Chloroform  und  dem
zur  Verdünnung  genommenen  Spiritus.
Bei  einer  genauen  Prüfung  ist  daher  für  jedes  Chloroform  und  jeden  Apparat
der  Sättigungspunkt  des  auf  30  Volumprozente  gestellten  reinen  Alkohols  festzustellen
und  die  gefundene  Volumvermehrung  (b)  von  der  nach  dem  Ausschütteln  mit  dem
geprüften  Branntwein  (a)  in  Abzug  zu  bringen.
Der  der  Volumvermehrung  des  Chloroforms  entsprechende  Gehalt  an  Amylalkohol ­
  bei  Anwendung  von  50  ccm  30  volumprozentigen  Alkohols  unter  Zusatz  von
1  ccm  Schwefelsäure  (spezifisches  Gewicht  1,286)  bei  15°  ist  folgender:

Volumvermehrung
des  Chloroforms

Gehalt  an  Amylalkohol ­
  in  den  50  ccm

0,01  ccm  Chloroformvermehrung ­
  entspricht

30  °/ 0 -igem  Alkohol

Amylalkohol

0,20  ccm

0,1  ccm

0,0050  ccm

0,35  „

0,2  „

0,0067  „

0,60  „

0,3  „

0,0060  „

0,65  „

0,4  „

0,0062  „

0,80  .,

0,5  „

0,0063  „

0,95  „

0,6  „

0,0063  „

1,10  „

0,7  „

0,0064  „

1,25  „

.  0,8  „

0,0064  ..

1,40  „

0,9  „

0,0064  „  '

1,55  „

1,0  „

0,0066  „

Die  aus  vorstehender

Tabelle  sich  ergebende

Menge  an  Fuselöl  muß.

sich  auf  50  ccm  des  Destillates  und  auch  des  angewendeten  Branntweins  bezieht,
mit  2  multipliziert  werden,  um  den  Volum-Prozentgehalt  des  ursprünglichen  Branntweins ­
  an  FuselöJ  zu  finden.
Zur  Ermittelung  der  Gewichtsprozente  Fuselöl  in  100  Gewichtsteilen  Alkohol  aus
der  Yolumenzunahme  des  Chloroforms  kann  folgende  Tabelle  dienen: 1 !
9  Vergl.  die  steueramtl.  Verordnung  in  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1892,  31,  Anhang,  2.
        <pb n="701" />
        680

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfahrikation.

Volumenzunahme ­
  des
Chloroforms
(a—b)
ccm

Fuselöl
in  100  Gewichts ­
 ­
  absol.
Alkohol
ff

Volumenzunahme ­
  des
Chloroforms
(a—b)
ccm

Fuselöl
in  100  Gewichts ­
 ­
  absol.
Alkohol
ff

Yolumenzunahme
  des
Chloroforms
(a—b)
ccm

Fuselöl
in  100  Gewichts ­
 ­
  absol.
Alkohol
ff

Volumenzunahme ­
  des
Chloroforms
(a-b)
ccm

Fuselöl
in  100  Gewichts ­
 ­
  absol.
Alkohol
ff

0,00

0,00

0,26

0,59

0,51

1,16

0,76

1,73

0,01

0,02

0,27

0,62
0,64

0,52

1,19

0,77

1,76

0,02

0.06

0,28

0,53

1,21

0,78

1,78

0,03

0,07

0,29

0,66

0,54

1,23

0,79

1,80

0,04

0,09

0,30

0,68

0,55

1,25

0,80

1,82

0,05

0,11

0,31

0,71

0,66

1,28

0,81

1,85

0,06

0,14

0,32

0.73

0,57

1,30

0,82

1,87

0,07

0,16

0,33

0,76
0,78

0,58

1,32

0,83

1,89

0,08

0,18

0,34

0,59

1,35

0,84

1,92

0,09

0,20

0,35

0,80

0,60

1,37

0,85

1,94
1,96

0,10

0,23

0,36

0,82

0,61

1,39

0,86

0.11

0,25

0,37

0,85

0,62

1,42
1,44

0,87

1,98

0,12

0,27

0,38

0,87

0,63

0,88

2,00

0,13

0,30

0,39

0,89

0,64

1,46

0,89

2,03

0,14

0,32

0,40

0,91

0,65

1,48

0,90

2,05

0,15

0,34

0,41

0,94

0,66

1,50

0,91

2,07

0,16

0,36

0,42

0,96

0,67

1,63

0.92

2,10

0,17

0,39

0,43

0,98

0,68

1,55

0,93

2,12

0,18

0,41

0,44

1,00

0,69

1,57

0,94

2,14
2,16

0,19

0,43

0,45

1,02

0,70

1,59

0,95

0,20

0,46

0,46

1,05

0,71

1,62

0,96

2,19

0,21

0,48

0,47

1,07

0,72

1,64

0,97

2,21

0,22

0,60

0,48

1,09

0,73

1,66

0,98

2,23

0,23

0,62

0,49

1,12

0,74

1,69

0,99

2,26

0,24
0,25

0,55
0,57

0,50

1,14

0,75

1,71

1,00

2,28

Auf

100  ccm  absoluten  Alkohol  her
Fuselöl
Vol.-°/ 0  Mittel

echnet,  enthalten  z.  B.  Fuselöl; 1 )
Fuselöl
Vol.-»/ 0  Mittel

Kartoffel-Eohspiritus  .

0,12—0,51

—

Tresterbranntwein  .

0,38-2.63  (0,95)

Äpfel-Rohspiritus  .  .

0,07—1,07

(0,527)

Hefenbranntwein  .

0,20—1,08  (0,739)

Kombranntwein  .  .

0,32—0,86

—

Wacholderbranntwein

0,23-0,75

Sonstige  Branntweine

0,05—1,03

—

Kognak

Spur—1,08  (0,339)

Kirschbranntwein  .  .

0,03—2,48

(0,457)

Rum

0,05—0,52  (0,234)

Zwetschenbranntwein

0.04—0,67

(0,313)

Arrak  .

0-0,46

b)  Bestimmung  des  Fuselöls  nach  Marquardt. 2 )  Dieses  Verfahren,
welches  darauf  beruht,  den  Amylalkohol  durch  Chloroform  auszuschütteln,  zu  Valeriansäure
  zu  oxydieren  und  diese  zu  bestimmen,  dürfte  wegen  seiner  Umständlichkeit
kaum  mehr  angewendet  werden,  weshalb  ich  mich  hier  mit  einem  Hinweis  darauf
begnüge.
o)  E.  Beckmann 3 )  hat  ein  neues  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Fuselölgehaltes ­
  alkoholischer  Flüssigkeiten  beschrieben,  das  auf  der  Veresterung  des  Amylalkohols ­
  mittels  salpetriger  Säure,  Trennung  des  Esters  von  der  überschüssigen
salpetrigen  Säure  durch  Natriumbikarbonatlösung,  Zersetzung  des  Esters  mittels

x )  Vergl.  K.  Windisch.  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
1904,  8,  466.
2 )  Berichte  d.  Deutschen  chem.  Gesellschaft  1882,  15,  1370  u.  1661.
3 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  709;  1901,  4,  1069.
        <pb n="702" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

681

konzentrierter  Schwefelsäure  und  Bestimmung  der  salpetrigen  Säure  durch  Titration
mit  Kaliumpermanganatlösung  oder  Überführung  in  Stickoxyd  beruht.
Die  neuerdings  von  E.  Beckmann 1 )  gegebene  abgekürzte  Vorschrift  ist
folgende:
■  Die  zu  untersuchende  alkoholische  Flüssigkeit  wird  mit  Wasser  verdünnt,  bis
der  Gehalt  an  Alkohol  nicht  mehr  als  20  Volumprozent  beträgt.  Von  dieser  Flüssigkeit ­
  werden  50  ccm  in  einem  Scheidetrichter  von  ungefähr  250  ccm  Inhalt  dreimal
nacheinander  mit  je  20  ccm  Tetrachlorkohlenstoff  einige  Sekunden  kräftig  durchgeschüttelt. ­
  Die  einzelnen  Portionen  des  Tetrachlorkohlenstoffs  werden  in  einem
zweiten,  gleichgroßen  Scheidetrichter  vereinigt  und  zweimal  mit  je  20  ccm  Wasser
ebenfalls  kräftig  geschüttelt.
Die  gewaschene  Tetrachlorkohlenstofflösung  bringt  man  in  eine  starkwandige
Stöpselflasche  von  etwa  100  ccm  Inhalt,  fügt  zur  Veresterung  2  g  Kaliumbisulfat
und  1  g  Natriumnitrit  hinzu,  schüttelt  durch  und  läßt  einige  Minuten  stehen.  Zur
Entfernung  der  Alkalisalze  wird  wieder  in  einen  Scheidetriohter  abgegossen  und  der
Rückstand  zweimal  mit  wenig  Tetrachlorkohlenstoff  gewaschen.  Die  überschüssige
salpetrige  Säure  wird  beseitigt  durch  kurzes  Schütteln  mit  etwa  20  ccm  gesättigter,
klarer  Natriumbikarbonatlösung.  Die  Tetrachlorkohlenstofflösung  läßt  man  nun  in
etwa  75  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure  ausfließen,  die  in  einem  anderen  Scheidetrichter ­
  bereit  gehalten  sind.  Nach  kräftigem  Durchschütteln  gießt  man  das  Ganze
langsam  unter  ümschwenken  auf  etwa  150  g  zerstoßenes  Eis.  Das  letztere  wird
verflüssigt  und  man  erhält  eine  Lösung  von  ungefähr  Zimmertemperatur.
Bei  der  Bestimmung  von  salpetriger  Säure  mit  Kaliumpermanganat  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß  das  Ende  der  Reaktion  nicht  scharf  hervortritt,  weil  die  Oxydation
nicht  momentan  erfolgt.  Es  empfiehlt  sich  deshalb,  das  Permanganat  im  Überschuß
zuzusetzen  und  diesen  mit  Eerroammoniumsulfat  zurückzutitrieren.  Da  der  anwesende
Amylalkohol  gegen  einen  Überschuß  von  Kaliumpermanganat  sich  nicht  ganz  indifferent ­
  verhält,  muß  man  beim  Titrieren  möglichst  gleiche  Bedingungen  herstellen
und  bei  unbekannten  Amylalkoholmengen  erst  eine  Annäherungstitrierung  ausführen.
Handelt  es  sich  um  sehr  kleine  Mengen  Amylalkohol,  welche  zu  entsprechend
Stark  verdünnten  Lösungen  führen,  so  kann  der  Überschuß  an  Permanganat  etwa
100  °/ 0  betragen,  während  bei  0,05  g  Amylalkohol  und  darüber  nur  20  °/ 0  Überschuß
zu  verwenden  sind.  Nach  dem  Zusatz  von  Permanganat  läßt  man  zweckmäßig
5  Minuten  vorübergehen,  ehe  zurücktitriert  wird.
Die  Konzentration  der  benutzten  Lösungen  wird  wie  folgt  bemessen:
1  Mol.  =  158,2  Kaliumpermanganat  entspricht  5  Mol.  Eisen  =  279,5  oder
B /a  Mol.  salpetriger  Säure  (HN0 2 )  bezw.  B / 2  Mol.  Amylalkohol  =  5 / 2  C 5 H 1:t OH  =  220,25.
Verwendung  findet  eine  Permanganatlösung,  welche  ungefähr  auf  eine  Eisenlösung ­
  mit  0,002795  g  Eisen  im  Kubikzentimeter  eingestellt  ist;  1  ccm  der  letzteren
ist  0,0022025  g  Amylalkohol  äquivalent.
Da  nach  diesem  abgekürzten  Verfahren  nur  83  °/ 0  des  vorhandenen  Amylalkoholes
  gefunden  werden,  so  sind  die  vorstehend  berechneten  Mengen  Amylalkohol
noch  mit  dem  Faktor  100  :  83  =  1,2048  zu  multiplizieren  oder,  was  auf  dasselbe
hinauskommt,  es  ist  statt  des  Faktors  0,002203  das  1,2048-fache  desselben,  nämlich
der  Faktor  0,002654,  zu  verwenden.
Das  bloße  Ausschütteln  und  Beobachten  der  Steighöhe  nach  dem  Verfahren  a  ist
natürlich  einfacher  als  das  vorstehende.  In  den  Fällen  aber,  wo  die  Ergebnisse  hierbei
anormal  sind  (z.  B,  hei  negativer  Steighöhe),  kann  nach  E.  Beckmann  das  mitgeteilte
Verfahren  die  Zweifel  beheben.
ü  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  10,  143.
        <pb n="703" />
        682

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

d)  Bestimmung  der  höheren  Alkohole  nach  Ch.  Girard, 1 )  Man  versetzt
50  ccm  der  alkoholischen  Flüssigkeit  von  50  °/ 0  Alkohol  mit  1  g  salzsaurem  Metaphenylendiamin
  in  der  Kälte,  um  die  Aldehyde  zu  binden,  läßt  eine  Stunde  stehen,
destilliert  und  verwendet  das  Destillat  zu  der  kolometrischen  Bestimmung  mit  konzentrierter ­
  Schwefelsäure.  Als  Vergleichsflüssigkeit  dient  eine  Lösung  von  0,5  g  Isöhutylalkohol
  in  1  1  50  °/ 0 -igem  Spiritus  (oder  wenn  man  einen  Industriealkohol  prüfen
will,  so  0,5  g  Isohutylalkohol  in  1  1  90°/ 0 -igem  reinem  Alkohol);  hiervon,  wie  von
dem  Destillat,  füllt  man  je  10  ccm  in  ein  Eeagensrohr  (wie  hei  der  Aldehyd-Bestimmung
  vergl.  S.  686)  und  unterschichtet  mit  10  ccm  Schwefelsäure,  indem
man  dieselben  mittels  einer  Pipette  auf  dem  Boden  des  Eeagensrohres  austreten
läßt.  Dann  vermischt  man  plötzlich  und  erwärmt  unter  fortwährendem  Bewegen
des  Gefäßes  etwa  20  Sekunden  in  der  Bunsenflamme.  Durch  Vergleichung  der
Färbung  beider  Flüssigkeiten  ermißt  man  den  ungefähren  Gehalt  der  zu  untersuchenden ­
  Probe,  und  hat  es  in  der  Hand,  entweder  durch  Verdünnung  der  Vergleichslösung ­
  oder  durch  Vermehrung  der  Menge  der  zu  untersuchenden  Probe
annähernd  den  Gehalt  der  letzteren  an  höheren  Alkoholen  zu  ermessen.'
4.  Bestimmung  der  Nebenerzeugnisse  der  Gärung  und  Destillation  in  Branntweinen. ­
  Durch  amtliche  Verordnung  des  Reichskanzlers  vom  17.  Juli  1895  ist  für
die  steueramtliche  Prüfung  eines  Branntweines  auf  Nebenerzeugnisse  der  Gärung
und  Destillation  ein  Verfahren *  2  * )  ausgearheitet,  welches  auf  demselben  Grundsatz
beruht,  wie  die  Bestimmung  des  Fuselöles,  nämlich  auf  der  Volumvermehrung  des
Chloroforms  beim  Ausschütteln  der  auf  einen  bestimmten  Alkoholgehalt  gebrachten
Flüssigkeit.  Man  nimmt  für  letzteren  Zweck  nur  keine  30  Vol.-°/ 0 ,  sondern  eine
24,7  Gew.-°/ 0  Alkohol  enthaltende  Flüssigkeit.  Des  weiteren  sei  auf  die  Verordnung ­
  selbst 2 )  verwiesen.
5.  Die  Denaturierungsmittel  des  Spiritus.  Zur  Denaturierung  des  Spiritus
werden  verwendet  6—10  °/ 0  Holzgeist,  0,5  °/ 0  Terpentinöl,  0,5—1,0  °/ 0  Tieröl
(Pyridinbasen),  10  °/ 0  Schwefeläther,  ein  Gemisch  von  200  °/ 0  Wasser  und  3  °/ 0  Essigsäure ­
  oder  30  °/ 0  Essig  von  6  °/ 0  Gehalt  an  Essigsäure,  oder  40  g  Lavendelöl  oder
60  g  Eosmarinöl  für  1  1,  oder  0,5  °/ 0 -ige  Schellacklösung  in  Terpentinöl  usw.
Die  Essigsäure  läßt  sich  quantitativ  leicht  durch  Destillation  und  Titration
des  Destillats  nachweisen.
Vereinzelt  soll  auch,  um  geringere  Steuersätze  bei  der  Einfuhr  zu  erzielen,
das  spezifische  Gewicht  durch  Zusatz  von  .Chlorcalcium  erhöht  werden.  Zum
Nachweise  wird  ein  Teil  des  Spiritus  verdampft  und  im  Eückstand  durch  Silberlösung ­
  das  Chlor  und  durch  Fällen  mit  Ammoniumoxalat  der  Kalk  bestimmt.
Das  allgemeine  Denaturierungsmittel  besteht  in  2%  Holzgeist  und
1  °/ 0  Pyridinbasengemisch.
Für  die  Prüfung  der  Denaturationsmittel  gelten  durch  bundesrätliche  Verordnung ­
  vom  21.  Juni  1888  folgende  Vorschriften: 8 )
A.  Anleitung  zur  Prüfung  des  Holzgeistes  und  der  Pyridinbasen.
i.  Holzgeist.
a)  Farbe.  Die  Farbe  des  Holzgeistes  soll  nicht  dunkler  sein  als  die  einer  Auflösung
von  2  ccm  '/„„-Normal-Jodlösung  in  1  1  destilliertem  Wasser.
b)  Siedetemperatur,  100  ccm  Holzgeist  werden  in  einen  Metallkolben  gebracht;
auf  den  Kolben  ist  ein  mit  Kugel  versehenes  Siederohr  aufgesetzt,  welches  durch  einen
*)  Ch.  Girard,  Analyse  des  matteres  alimentaires.  Paris  1904,  311.
2 )  Vergl.  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1895,  34,  Amtl.  Verordn.  Anhang,  2.
s )  Vergl.  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1888,  402.
        <pb n="704" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

683

seitlichen  Stutzen  mit  einem  Liebigschon  Kühler  verbunden  ist.  Durch  die  obere  Öffnung
wird  ein  amtlich  beglaubigtes  Thermometer  mit  hundertteiliger  Skala  eingeführt,  dessen
Queoksilbergefäß  bis  unterhalb  des  Stutzens  hinahreicht.  Der  Kolben  wird  so  mäßig  erhitzt, ­
  daß  das  übergegangene  Destillat  aus  dem  Kühler  tropfenweise  abläuft.  Das  Destillat
wird  in  einem  graduierten  Glaszylinder  aufgefangen,  und  es  sollen,  wenn  das  Thermometer
75°  zeigt,  bei  normalem  Barometerstand  mindestens  90  ccm  übergegangen  sein.  Weicht
der  Barometerstand  vom  normalen  ab,  so  sollen  für  je  30  mm  1  0  in  Anrechnung  gebracht
werden,  also  z.  B.  sollen  bei  770  mm  90  ccm  bei  75,3  °,  bei  760  mm  90  ccm  bei  74,7  0
übergegangen  sein.
c)  Mischbarkeit  mit  Wasser.  20  ccm  Holzgeist  sollen  mit  40  ccm  Wasser  eine
klare  oder  doch  nur  schwach  opalisierende  Mischung  geben.
d)  Abscheidung  mit  Natronlauge.  Beim  Durchschütteln  von  20  ccm  Holzgeist
mit  40  ccm  Natronlauge  von  1.3  spezifischem  Gewicht  sollen  nach  '/ 2  Stunde  mindestens
5,0  ccm  des  Holzgeistes  abgeschieden  werden.
e)  Gehalt  an  Aceton.  1  ccm  einer  Mischung  von  10  com  Holzgeist  mit  90  ccm
Wasser  wird  in  einem  engen  Mischzylinder  mit  10  ccm  Doppelt-Normal-Natronlauge  (80  g
Natriumhydroxyd  im  Liter)  durchgeschüttelt.  Darauf  werden  5  ccm  Doppelt-Normaljpdlösuug
(264  g  Jod  im  Liter)  unter  erneutem  Schütteln  hinzugefügt.  Das  sich  ausscheidende  Jodoform ­
  wird  mit  10  ccm  Äther  von  0,722  spezifischem  Gewicht  unter  kräftigem  Schütteln
aufgenommen.  Von  der  nach  kurzer  Kühe  sich  abscheidenden  Ätherschicht  werden  5  ccm
mittels  einer  Pipette  auf  ein  gewogenes  Uhrglas  gebracht  und  auf  demselben  langsam  verdunstet. ­
  Dann  wird  das  Uhrglas  2  Stunden  über  Schwefelsäure  gestellt  und  gewogen.
Die  Gewichtszunahme  soll  nicht  weniger  als  0,07  g  betragen.
f)  Aufnahmefähigkeit  für  Brom.  100  ccm  einer  Lösung  von  Kaliumbromat
und  Kaliumbromid,  welche  nach  der  unten  folgenden  Anweisung  hergestellt  ist,  werden
mit  20  com  einer  in  der  gleichfalls  unten  angegebenen  Weise  verdünnten  Schwefelsäure
versetzt.  Zu  diesem  Gemisch,  das  eine  Bromlösung  von  0,703  g  Brom  darstellt,  wird  aus
einer  in  0,1  com  geteilten  Bürette  tropfenweise  unter  fortwährendem  Umrühren  so  lange
Holzgeist  hinzugesetzt,  bis  dauernde  Entfärbung  eintritt.  Zur  Entfärbung  sollen  nicht
mehr  als  30  ccm  und  nicht  weniger  als  20  ccm  Holzgeist  erforderlich  sein.  Die  Prüfungen
der  Aufnahmefähigkeit  für  Brom  sind  stets  bei  vollem  Tageslicht  auszuführen.
Anweisung  zur  Herstellung  derBromlösung.  a)Bromsalze.  Nach  wenigstens
2-stündigem  Trocknen  bei  100  0  und  Abkühlenlassen  im  Exsikkator  werden  2,447  g  Kaliumbromat ­
  und  8,719  g  Kaliumbromid,  welche  vorher  auf  ihre  Reinheit  geprüft  sind,  abgewogen
und  in  Wasser  gelöst.  Die  Lösung  wird  zu  1  1  aufgefüllt.
ß)  Verdünnte  Schwefelsäure.  1  Volumen  konzentrierter  Schwefelsäure  wird  mit  3
Volumen  Wasser  vermischt.  Das  Gemisch  läßt  man  erkalten.
2.  Pyridinbasen.
a)  Farbe  wie  beim  Holzgeist,
b)  Verhalten  gegen  Kadmiumchlorid.  10  ccm  einer  Lösung  von  1  ccm  Pyridinbasen ­
  in  100  ccm  Wasser  werden  mit  5  ccm  einer  5  °/ 0 -igen  wässrigen  Lösung  von  wasserfreiem, ­
  geschmolzenem  Kadmiumchlorid  versetzt  und  kräftig  geschüttelt;  es  soll  alsbald
eine  deutliche  krystallinisohe  Ausscheidung  eintreten.  Mit  5  ccm  Neßlerschem  Reagens
sollen  10  com  derselben  Pyridinbasenlösung  einen  weißen  Niederschlag  geben.
c)  Siedetemperatur.  Man  verfährt  wie  beim  Holzgeist,  doch  soll  das  Destillat,
erst  wenn  das  Thermometer  auf  140°  gestiegen  ist,  mindestens  90  ccm  betragen.
d)  Mischbarkeit  mit  Wasser  wie  beim  Holzgeist.
e)  Wassergehalt.  Beim  Durchschütteln  von  20  ccm  Basen  und  20  ccm  Natronlauge ­
  von  1,4  spezifischem  Gewicht  sollen  nach  einigem  Stehenlassen  mindestens  18,5  ccm
der  Basen  abgeschieden  werden.
f)  Titration  der  Basen.  1  ccm  Pyridinbasen,  in  10  ccm  Wasser  gelöst,  werden
mit  Normal-Schwefelsäure  versetzt,  bis  ein  Tropfen  der  Mischung  auf  Kongopapier  einen
deutlichen  blauen  Rand  hervorruft,  der  alsbald  wieder  verschwindet.  Es  sollen  nicht  weniger
als  10  ccm  der  Säurelösung  bis  zum  Eintritt  dieser  Reaktion  verbraucht  werden.
Zur  Herstellung  des  Kongopapiers  wird  Filtrierpapier  durch  eine  Lösung  von  1  g
Kongorot  in  1  1  Wasser  gezogen  und  getrocknet.
        <pb n="705" />
        684

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

B.  Anleitung  zur  Untersuchung  von  Tieröl,  Terpentinöl,  Äther  und  Schellack.
1.  Tieröl.
a)  Farbe.  Die  Farbe  des  Tieröls  soll  schwarzbraun  sein.
b)  Siedetemperatur.  Werden  100  ccm  in  der  für  den  Holzgeist  angegebenen
Weise  destilliert,  so  sollen  unter  90°  nicht  mehr  als  5  ccm,  bis  180°  aber  wenigstens
50  ccm  übergehen.
c)  Pyrrolreaktion.  2,5  ccm  einer  1  °/ 0 -igen  alkoholischen  Lösung  des  Tieröls
werden  mit  Alkohol  auf  100  ccm  verdünnt.  Bringt  man  in  10  ccm  dieser  Lösung,  die
0,025  °/ 0  Tieröl  enthält,  einen  mit  konzentrierter  Salzsäure  befeuchteten  Fichtenholzspan,
so  soll  derselbe  nach  wenigen  Minuten  deutliche  Rotfärbung  zeigen.
d)  Verhalten  gegen  Quecksilberchlorid.  6  ccm  der  1  °/ 0 -igen  alkoholischen
Lösung  des  Tieröls  sollen  beim  Versetzen  mit  5  ccm  einer  2°/ 0 -igen  alkoholischen  Lösung  von
Quecksilberchlorid  alsbald  eine  voluminöse  flockige  Fällung  geben.  5  ccm  der  0,025  °/ 0 -igen
alkoholischen  Lösung  von  Tieröl  mit  6  ccm  der  Queoksilberchloridlösung  versetzt,  sollen
alsbald  noch  eine  deutliche  Trübung  zeigen.
2.  Terpentinöl.
a)  Spezifisches  Gewicht.  Das  spezifische  Gewicht  des  Terpentinöls  soll  zwischen
0,855  und  0,866  bei  15  0  liegen.
h)  Siedetemperatur.  Werden  100  ccm  in  der  für  den  Holzgeist  angegebenen
Weise  destilliert,  so  sollen  unter  150°  nicht  mehr  als  5  ccm,  bis  160°'aber  mindestens
90  ccm  übergehen.
c)  Mischbarkeit  mit  Wasser.  20  ccm  Terpentinöl  werden  mit  20  ccm  Wasser
kräftig  geschüttelt.  Wenn  nach  einigem  Stehen  beide  Schichten  sich  getrennt  haben  und
klar  geworden  sind,  so  soll  die  obere  wenigstens  19  ccm  betragen.
3.  Äther.
a)  Spezifisches  Gewicht.  Das  spezifische  Gewicht  des  Äthers  soll  nicht  mehr
als  0,730  betragen.
b)  Mischbarkeit  mit  Wasser.  20  ccm  Äther  werden  mit  20  ccm  Wasser  kräftig
geschüttelt.  Nach  dem  Absetzen  soll  die  Ätherschicht  wenigstens  18  ccm  betragen.
4.  Schellacklösung.
10  g  der  Lösung  sollen  heim  Verdunsten  auf  dem  Wasserbade  und  nach  darauffolgendem ­
  Erhitzen  des  eingedampften  Rückstandes  im  Trockensohranke  während  1 / 2  Stunde
auf  eine  Temperatur  von  100—105°  mindestens  3,3  g  Schellack  hinterlassen.
(&amp;gt;.  Nachweis  vou  Denaturierungsmitteln  im  Spiritus  und  Branntwein.  Zum
Nachweise  des  allgemeinen  Denaturierungsmittels  kann  man  den  Nachweis  des
Methylalkohols  oder  den  des  Pyridins  wählen.
a)  Nachweis  von  Methylalkohol.  Zum  Nachweise  des  Holzgeistes  im
denaturierten  Spiritus  rektifiziert  man  das  Destillat  über  calcinierter  Soda  auf  dem
Wasserbade,  läßt  eine  bestimmte  Menge  dieses  Destillats  mit  dem  gleichen  Gewicht
Chlorcalcium  24  Stunden  stehen,  destilliert  hierauf  und  entzieht  dem  Rückstände
durch  Behandeln  mit  Wasser  den  Holzgeist.
Zur  annähernden  quantitativen  Bestimmung  stellt  man  zunächst  rohes  Methyljodid ­
  dar,  indem  man  1  Teil  roten  Phosphor  mit  5  Teilen  des  zu  untersuchenden
Weingeistes  Ubergießt  und  allmählich  10  Teile  Jod  ein  trägt.  Das  Methyljodid
wird  mit  Anilin  erhitzt,  das  gebildete  Methylanilin  in  Freiheit  gesetzt  und  durch
ein  Gemenge  von  Kupfernitrat,  Kochsalz  und  Sand  in  Anilinviolett  übergeführt.
Letzteres  wird  in  Alkohol  gelöst  und  der  Gehalt  an  Holzgeist  kolorimetrisch  abgeschätzt. ­
  Bei  ursprünglich  reinem  Äthylalkohol  erscheint  die  alkoholische  Lösung
(von  Äthylanilin)  rötlich,  bei  Gegenwart  von  1  °/ 0  Methylalkohol  dagegen  violett  usw.
Das  Verfahren  von  0.  de  Poncy, 1 )  der  die  verschiedene  Löslichkeit  der
Oxalate  —  Methyloxalat  ist  leicht,  Äthyloxalat  ist  schwer  löslich  in  Wasser  —  zur

1 )  Polytechn.  Journ.,  254,  500.
        <pb n="706" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

685

Bestimmung  des  Methylalkohols  benutzt,  und  das  Verfahren  von  Cazeneuve  und
Cotton, 1 )  welche  die  leichtere  Oxydierbarkeit  des  Methylalkohols  durch  verdünnte
Kaliumpermanganatlösung  (1  :  100)  zum  Nachweise  derselben  in  Äthylalkohol  verwenden, ­
  sind  unsicher.
Aus  dem  Grunde  wird  dem  Nachweise  von  Pyridin  der  Vorzug  gegeben.
b)  Nachweis  von  Pyridin.  Da  der  Nachweis  von  Pyridin  durch  Chlorcadmium ­
  (vergl.  vorstehend)  nicht  gelingt,  wenn  der  Geruch  durch  Zusatz  einer
Säure  beseitigt  ist,  so  prüft  man  nach  der  amtlichen  Vorschrift  mit  Lackmuspapier
wie  folgt:
cc)  Das  Lackmuspapier  bleibt  blau;  dann  werden  10  ccm  des  Branntweins
mit  5  ccm  einer  alkoholischen  5°/ 0 -igen  Lösung  von  wasserfreiem  Cadmiumchlorid
versetzt  und  gut  durchgeschüttelt.  Entsteht  sofort  eine  Ausscheidung,  so  liegt
denaturierter  Branntwein  vor;  entsteht  die  Ausscheidung  erst  nach  einiger  Zeit,  so
liegt  ein  Gemisch  von  denaturiertem  und  nichtdenaturiertem  Branntwein  vor.
ß)  Das  Lackmuspapier  wird  gerötet;  dann  werden  10  ccm  Branntwein
mit  1  g  gebrannter  Magnesia  gut  durchgeschtittelt  und  auf  ein  Filter  gegossen.
Das  Filtrat,  welches  blaues  Lackmuspapier  nicht  mehr  röten  darf,  wird  nach  Anleitung ­
  a  untersucht.
Man  kann  ferner  eine  Menge  Spiritus  unter  Zusatz  von  Schwefelsäure  eindampfen
  und  den  Eückstand  mit  Natronlauge  erwärmen;  hierdurch  werden  die
Pyridinbasen  frei  und  geben  sich  durch  den  narkotischen  Geruch  zu  erkennen.
O.  Schweißinger 1  2  *  * )  versetzt  die  Probe  tropfenweise  mit  einer  konzentrierten
alkoholischen  Quecksilberchloridlösung,  wodurch  ein  mit  Pyridin  denaturierter  Alkohol
sofort  einen  dicken,  weißen,  kristallinischen  Niederschlag  gibt.  In  einer  Verdünnung ­
  von  1  Teil  denaturiertem  Spiritus  :  10  Teilen  Wasser  tritt  der  Niederschlag
sofort,  in  einer  Verdünnung  von  1  :20  nach  einigen  Stunden  deutlich  ein.  Zuckerhaltige ­
  alkoholische  Flüssigkeiten  müssen  erst  destilliert  werden;  es  lassen  sich  noch
0,025  °/ 0  Pyridin  nachweisen;  aus  starkem  Alkohol  wird  letzteres  auf  diese  Weise
auch  quantitativ  gefällt  und  kann  dann  durch  Wägen  des  zwischen  Fließpapier  abgetrockneten, ­
  vorher  mit  starkem  Alkohol  ausgewaschenen  Niederschlages  und  Ermittelung ­
  des  Quecksilbergehaltes  darin  annähernd  quantitativ  bestimmt  werden.
In  verdünnteren  alkoholischen  Flüssigkeiten,  wie  Branntwein,  kann  man  nach
Schweißinger  den  Gehalt  an  Pyridin  durch  Titration  mit  1 / 10  Normalsäure  und
unter  Anwendung  von  Methylorange  —  auf  Phenolphthalein  wirkt  Pyridin  nicht
ein 8 )  —  quantitativ  bestimmen;  man  titriert  mit  1 / 10  Normalsäure  so  lange,  bis  die
anfangs  goldgelbe  Farbe  in  eine  weinrote  übergeht;  0,79  g  Pyridin  erfordern  zur
Sättigung  100  ccm  1 / 10  Normalsäure,  also  entspricht  1  ccm  der  letzteren  =  0,0079  g
Pyridin.
c)  Nachweis  von  Terpentinöl,  Tieröl  und  Äther.  Diese  werden  durch
Vermischen  des  denaturierten  Spiritus  mit  Wasser  ausgeschieden  und  können  durch
nachfolgende  Destillation  getrennt  werden.
7.  Nachweis  von  Aldehyd.  Aldehydhaltiger  Sprit  reduziert  beim  Ermärmen
aramoniakalische  Silberlösung  und  scheidet  unter  Dunkelfärbung  reduziertes  Silber  aus.
Aber  auch  andere  Verunreinigungen,  wie  Fuselöl,  reduzieren  bei  längerer
Einwirkung  alkalische  Silberlösung.
1 )  Zeitschr.'  f.  anal.  Chemie  1888,  27,  663.
2 )  Pharm.  Centralhalle  1890,  31,  141.
s )  Durch  gleichzeitige  Anwendung  dieses  Indikators  kann  man  sich  von  der  Abwesenheit ­
  von  Alkalien  überzeugen.
        <pb n="707" />
        686

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation,

Am  besten  verwendet  man  nach  L.  Medicus 1 )  eine  auf  bestimmte  Weise
durch  schweflige  Säure  entfärbte  Fuchsinlösung.  Man  löst  0,5  g  reinstes  Diamant-Fuchsin.
  filtriert  und  mischt  das  Filtrat  mit  einer  Lösung  von  schwefliger  Säure,
welche  5  g  S0 2  in  1 / 2  1  enthält.  Hierdurch  wird  die  Fuchsinlösung,  wenn  das
Fuchsin  rein  war,  nach  Verlauf  einiger  Stunden  wasserhell.  Von  diesem  Reagens
setzt  man  in  einem  Zylinder  1  Volumen  zu  2  Volumen  des  vorher  auf  30  Vol.-°/ 0
Alkohol  verdünnten  Branntweins,  verschließt  den  Zylinder  behufs  Abhaltung  der
Luft  und  beobachtet  während  etwa  2  Minuten.
Durch  Vergleichung  der  Rotfärbung  mit  der  einer  Lösung  von  bekanntem
Gehalt  an  Acetaldehyd-Ammoniak  (1  :  10000)  läßt  sich  annähernd  der  Gehalt  kolorimetrisch
  quantitativ  ermitteln.
Ch.  Girard *  2  3 )  verwendet  zur  Darstellung  der  entfärbten  Fnchsinlösung  1  1
destilliertes  Wasser,  setzt  dazu  100  ccm  einer  Lösung  von  Natriumbisulfit  von
1,3082  spezifischem  Gewicht,  150  ccm  einer  Lösung  von  1  g  Fuchsin  in  1  1  Wasser,
und  schließlich  15  ccm  Schwefelsäure  von  66°.  Mit  diesem  Reagens  wird  im
städtischen  Laboratorium  in  Paris  die  Bestimmung  der  Aldehyde  kolofimetrisch  in
der  Weise  ausgeführt,  daß  eine  Lösung  von  0,050  g  Acetaldehyd  in  1  I  Alkohol
zum  Vergleich  dient.  Man  verwendet  zu  dem  Versuch  mit  eingeschliffenem  Glasstöpsel ­
  versehene  Glaszylinderchen  von  1  cm  Durchmesser  und  etwa  20  ccm  Inhalt,
die  bei  10  ccm  Inhalt  eine  Marke  haben.  Bis  zu  dieser  Marke  wird  einerseits  der
Branntwein,  andererseits  die  Vergleichsflüssigkeit  eingefüllt;  alsdann  werden  hierzu
4  ccm  des  Reagenzes  zugesetzt,  2-mal  durchgeschüttelt  und  dieser  Zusatz  von  5  zu  5
Minuten  unter  jedesmaligem  2-maligem  Umschütteln  wiederholt,  bis  bleibende  Rotfärbung ­
  eintritt.  Man  vergleicht  dann  die  Höhen  in  den  beiden  Zylinderohen  und
findet,  wenn  H  die  Höhe  der  Vergleichsflüssigkeit,  h  die  der  untersuchten  Probe
H
für  die  gleiche  Färbung  ist,  den  Gehalt  nach  der  Gleichung  x  =  0,050  ^  .  Weichen
die  Höhen  sehr  voneinander  ab,  so  verdünnt  man  bei  geringem  Gehalt  des  Branntweins ­
  an  Aldehyd  die  Vergleichsflüssigkeit,  ist  der  Gehalt  hoch,  dann  den  Branntwein.
Ein  weiteres  Reagens  auf  Aldehyd  ist  das  von  K.  Windisch 8 )  empfohlene
reinste  salzsaure  Metaphenylendiamin,  wovon  stets  frisch  zubereitet  eine
10°/ o -ige  Lösung  anzuwenden  ist.  Man  gießt  dieselbe  tropfenweise  zu  dem  in
einer  weißen  Porzellanschale  befindlichen  Spiritus,  in  welchem  die  Lösung  zu  Boden
sinkt;  bei  einem  Gehalt  von  nur  0,0005  °/ 0  Aldehyd  bildet  sich  in  der  Berührungsschicht
  in  2—4  Minuten  eine  gelbrote  bis  schwach  gelb  gefärbte  Zone,  die  nach
länger  als  5  Minuten  auch  bei  reinem  Alkohol  auftritt.
Es  empfiehlt  sich  außerdem,  die  alkoholischen  Flüssigkeiten  nicht  direkt  zu
verwenden,  sondern  von  500  ccm  etwa  100  ccm  abzudestillieren  und  mit  letzteren
die  Reaktion  vorzunehmen.
Nach  weiteren  Vorschlägen 4 )  soll  auch  dieses  Reagens  zur  annähernden
kolorimetrischen  Bestimmung  des  Aldehyds  verwendet  werden  können.
In  ammoniakfreien  Branntweinen  kann  zum  Nachweise  von  Aldehyd  auch
Neßlers  Reagens  dienen,  womit  er  einen  gelbroten  Niederschlag  gibt.
Crismer  empfiehlt,  die  verdünnte  alkoholische  Flüssigkeit  mit  Chloroform
zu  schütteln  und  letzteres  mit  dem  Reagens  zu  prüfen.
4 )  Porsobungsberichte  über  Lebensmittel  etc.  1895,  2,  299.
2 )  Ch.  Girard,  Analyses  des  matieres  alimentaires  1904,  304.
3 )  Zeitschr.  f.  Spiritusindustrie  1886,  519;  vergl.  auch  von  demselben  Verfasser
Dinglers  polytechn.  Journal  278,  373.
4 )  Chem.-Ztg.  1893,  17,  1641.
        <pb n="708" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

687

8.  Prüfung  auf  Furfurol.  10  ccm  Spiritus  oder  Branntwein  bezw.  Destillat
werden  mit  10  Tropfen  Anilinöl  und  2—3  Tropfen  Salzsäure  versetzt;  bei  Gegenwart ­
  von  Furfurol  tritt  mehr  oder  weniger  rosarote  Färbung  auf.  Früher  hat  man
diese  Reaktion  irrtümlicherweise  dem  Amylalkohol  zugeschrieben;  nach  Neßler  und
Barth  zeigen  diese  Reaktion  die  verschiedenen  Alkohole  in  sehr  verschiedenem  Grade.
L.  v.  Udranszky 1 )  empfiehlt  a-Naphtol  zum  Nachweise  von  Furfurol.  Ein
Körnchen  a-Naphtol  wird  in  1  ccm  Wasser  oder  Alkohol  gelöst  oder  suspendiert,
mit  dem  Branntwein  gemischt  und  hierunter  vorsichtig  konzentrierte  Schwefelsäure
geschichtet.  Es  bildet  sich  bei  Gegenwart  von  nur  0,000004  g  Furfurol  ein  violetter
und  darunter  ein  grüner  Farbenring.
Im  städtischen  Laboratorium  von  Paris  verwendet  man  als  Reagens;  10  com
50  °/ 0 -igen  Alkohol,  10  Tropfen  oder  0,5  ccm  chemisch  reines  und  farbloses  Anilinöl
und  2  ccm  reinsten  Eisessig,  ferner  als  Yergleichsflüssigkeit  eine  Lösung  von  0,005  g
Furfurol  in  1  1.  Die  kolorimetrische  Bestimmung  hiermit  wird  in  gleicher  Weise
wie  bei  der  des  Aldehyds  ausgeführt.  Rektifizierte  (sog.  Industrie-)  Alkohole  enthalten ­
  durchweg  kein  Furfurol;  in  den  Branntweinen  dagegen  wurden,  auf  100
Alkohol  berechnet,  gefunden:
Whlsk y  branutwein  Shbowitz  braimtwein  Kognak  Rum
3,0  mg  1,1—7,7  mg  1,5—30,0  mg  1,0  mg  Spur—4,6  mg  1,7—14,5  mg,
9.  Bestimmung  der  freien  Säuren.  Der  Säuregehalt  wird  durch  Titration
mit  1 / 10  Normallauge  bestimmt;  man  verwendet  50  ccm,  verdünnt  (je  nach  dem
Alkoholgehalt),  wenn  nötig,  mit  Wasser  und  benutzt  bei  farblosen  oder  hellen
Spirituosen  und  Likören  Phenolphthalein  als  Indikator;  hei  dunkel  gefärbten
Likören  bedient  man  sich  des  Tüpfelverfahrens  und  wendet  empfindliches  Lackmuspapier ­
  (Azolithmänpapier)  an.
Für  gewöhnlich  wird  der  Gehalt  an  Säuren  durch  Multiplikation  der  verbrauchten ­
  ccm  1 / 10  Normal-Alkali  mit  0,006  auf  Essigsäure  umgerechnet.
Nicht  selten  enthalten  die  Branntweine  geringe  Mengen  von  Kohlensäure.  Man
prüft  qualitativ  mit  Kalkwasser,  erhitzt,  wenn  nötig,  den  Branntwein  am  Bückflußkühler,
um  die  Kohlensäure  zum  Entweichen  zu  bringen,  und  titriert  dann.  Die  verbleibende
organische  Säure  wird  wie  oben  als  Essigsäure  ausgedrüokt.
Nicht  immer  besteht  aber  die  freie  Säure  der  Spirituosen  aus  Essigsäure;
der  Rum  enthält  mitunter  freie  Ameisensäure,  das  Kirschwasser  Blausäure;  als
Ester  kommen  außer  Ameisensäure  ferner  Kaprin-  und  Buttersäure  vor.
Nach  E.  Seil 2 )  und  K.  Windisch 3 )  kann  man  dieselben  wie  folgt  trennen:
Die  alkoholische  Flüssigkeit  wird,  wenn  die  Säuren  frei  vorhanden  sind,  von
Alkohol  befreit  und  direkt  destilliert.
a)  Zeigt  das  Destillat  eine  feste  Ausscheidung,  so  wird  mehrmals  mit  Äther
ausgeschüttelt,  der  Äther  durch  Ausschütteln  mit  wenig  Wasser  von  den  wasserlöslichen ­
  Säuren  befreit  und  bei  gewöhnlicher  Temperatur  in  einem  Schälchen
größtenteils  verdunstet;  die  höheren  Fettsäuren  werden  darauf  mit  Äther  in  ein
Wägegläschen  mit  eingeschliffenem  Stopfen  übergeführt,  der  Äther  verdunstet  und
die  zurückbleibenden  festen  Fettsäuren  als  Kaprinsäure 4 )  gewogen.
’)  Zeitschr.  f.  physiol.  Chemie  1888,  12,  355.
2 )  Arbeiten  aus  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte  1891,  7,  235  und  1892,  8,  293.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  465.
4 )  Das  mittlere  Molekulargewicht  der  höheren  Fettsäuren  kann  in  der  Weise
bestimmt  werden,  daß  man  die  gewogenen  Mengen  derselben  in  Alkohol  löst  und  die  Lösung
        <pb n="709" />
        688

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfahrikation.

b)  Die  Ameisensäure  bestimmt  man  in  der  Weise,  daß  man  das  Destillat
neutralisiert,  die  Hälfte  der  neutralen  Lösung  nach  Porter  und  Ruyssen 1 )  mit
Quecksilberchloridlösung  (50  g  Quecksilberchlorid  und  27,5  g  Natriumacetat  in  1  1)
versetzt  und  6  Stunden  im  Wasserbade  erwärmt.  Das  Quecksilberchlorid  wird
nach  der  Gleichung;
2  Hg  Cl 2  +  HCOOH  =  Hg 2  Cl 2  +  C0 2  +  2  HCl
zu  unlöslichem  Quecksilberchlorür  reduziert  und  kann  für  sich  auf  einem  trocknen
gewogenen  Filter  gesammelt,  getrocknet  und  gewogen  werden.  1  Gewichtsteil
Hg 2 Cl 2  =  0,0976  Gewichtsteilen  Ameisensäure.
c)  Bestimmung  der  Essigsäure  und  der  Buttersäure.  Die  zweite
Hälfte  der  Salzlösung  wird  eingeengt  und  mit  dem  gleichen  Volumen  einer  Lösung,
die  im  Liter  90  g  Kaliumbichromat  und  400  g  konzentrierte  Schwefelsäure  enthält,
10  Minuten  am  Eüokflußkühler  erhitzt.  Dadurch  wird  die  Vorhandene  Ameisensäure
zu  Kohlensäure  oxydiert.  Die  nicht  veränderten  anderen  Säuren  (Essigsäure  und
Buttersäure)  destilliert  man  mit  Wasserdampf  Uber,  wobei  man  Sorge  trägt,  daß  das
Volumen  der  destillierenden  Flüssigkeit  sich  nicht  zu  sehr  vermindert.  Das  Destillat
wird  mit  1 110  Normal-Barytwasser  genau  titriert,  die  Lösung  der  Baryumsalze  eingeengt, ­
  schließlich  in  eine  Platinschale  filtriert,  eingedampft,  bei  100 0  getrocknet
und  gewogen.  Dann  zerreibt  man  die  trocknen  Baryumsalze  zu  einem  feinen  Pulver
und  bestimmt  ihren  Baryumgehalt,  indem  man  einen  abgewogenen  Teil  in  einem
Platintiegel  mit  Schwefelsäure  abraucht  und  das  entstandene  Baryumsulfat  wägt.
Wurden  a  Gramm  des  Baryumsalzgemisches  angewendet  und  daraus  b  Gramm  Baryumsulfat ­
  erhalten,  so  enthält  die  Baryumsalzmischung  d  =  607,63  .  -  —  455,37  °/ 0  essigsaures
  Baryum.
Aus  dem  Verbrauch  der  Essig-  und  Buttersäuremischung  an  1 / 10  N.-Barytwasser ­
  zur  Neutralisation  und  dem  Baryumgehalte  des  aus  dem  Säuregemische  hergestellten ­
  Baryumsalzgemisches  läßt  sich  der  Gehalt  der  angewendeten  Substanzmenge
an  freier  Essigsäure  und  Buttersäure  berechnen.  Bedeutet
c  die  Anzahl  ccm  1 / 10  N.-Barytwasser,  die  zur  Neutralisation  der  Essigsäure
und  Buttersäure  (also  nach  der  Zerstörung  der  Ameisensäure  durch  die  Chromsäuremischung) ­
  erforderlich  war,
d  die  Prozente  essigsaures  Baryum  in  der  Baryumsalzmischung  (vorher  berechnet), ­
  so  enthält  die  angewendete  Substanzmenge:
0,00272.  d.c  „  .
x  =  36761  +  0,0887dg  Essigsäure,
y  =  1  .  18178  .  —-  g  Buttersäure.
Nach  einem  anderen  Vorschläge  soll  man  die  trocknen  Baryumsalze  mit
absolutem  Alkohol  bei  30 0  behandeln;  hierdurch  wird  das  Baryumbutyrat  gelöst, ­
  während  das  Baryumacetat  ungelöst  bleibt.  Aus  den  so  getrennten  Salzen
soll  die  Säure  in  beiden  Fällen  für  sich  nach  Zusatz  von  Schwefelsäure  wieder

mit  1 / 10  N.-Lauge  titriert  (Phenolphthalein  als  Indikator).  Da  diese  Säuren  sämtlich  einbasisch ­
  sind,  kann  man  das  Molekulargewicht  nach  der  Formel  berechnen,
„  10  000.  a
M  —.  b  .
worin  a  die  angewendete  Menge  der  Fettsäuren  und  b  die  verbrauchten  ccm  1 / 10  Normal-Lauge
  bedeuten.
r )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1877,  16,  250.
        <pb n="710" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

689

destilliert  und  titriert  werden.  Das  erstere  Verfahren  ist  aber  wohl  das  richtigere.
K.  Windisch  fand  auf  diese  Weise  folgende  Gehalte:
In  den  öesamtsäuren  I  Ameisensäure  Essigsäure  Buttersäure  Höhere  Fettsäuren  9
von  Kirsch-,  Zwetsohen-,  t
Tresterbranntwein  .  .  1  2,3—3,8  %  72,3—76,9  %  8,4—15,7  %  8,2—17,0  %.
In  100  00m
Rum  0—12,0  mg  4,0—147,0  mg  Spur—11,0  mg  Spur—12,0  mg
Kognak  u.  Arrak  .  .  0—10,6  mg  13,4—116,2  mg  3,3—6,0  mg  5,0—6,0  mg.
d)  Bestimmung  der  Blausäure  im  Kirschwasser.  Dadurch,  daß  die
Kirschen  —  vorwiegend  werden  im  Schwarzwald  die  schwarzen,  wilden  Kirschen
verwendet  —  ferner  Zwetschen  mit  den  Kernen  der  Gärung  und  Destillation  unterworfen ­
  werden,  nimmt  der  Kirschbranntwein  oder  das  Kirschwasser  einen  schwachen
Gehalt  an  Blausäure  an.
Das  beliebte  Kirschwasser  wird  wohl  in  der  Weise  naohgeahmt,  daß  man  zu
entsprechend  verdünntem  Weingeist  und  etwas  Zucker  natürliches  oder  künstliches
Bittermandelöl  oder  Bittermandelwasser  gibt. 2 )
J.  Neßler  und  M.  Barth 3 )  verfahren  zur  quantitativen  Bestimmung  der
Blausäure  wie  folgt;
10  ccm  Kirschwasser  werden  mit  3  Tropfen  einer  0,5  °/ 0 -igen  Kupfersulfatlösung  und
mit  1,6  ccm  einer  frisch  bereiteten  Guajakholztinktur  von  weingelber  Farbe  versetzt  (5  g
Guajakholz  werden  mit  100  com  Weingeist  von  50%  kurze  Zeit  bis  zur  weingelben
Färbung  der  Lösung  ausgezogen).  Man  schichtet  die  Guajaklösung  vorsichtig  über  das
Kirschwasser,  vermischt  dann  plötzlich  durch  einmaliges  Umkehren  des  verschlossenen
Reagensglases  und  vergleicht  die  Stärke  der  Bläuung  sofort  mit  derjenigen  einer  frisch
bereiteten  Yersuchsskala.
Für  die  Skala  bedient  man  sich  an  Stelle  des  Kirsohwassers  einer  Verdünnung  von
Kirschlorbeerwasser  mit  50  %-igem  Weingeist.  Den  Blausäuregehalt  des  Kirschlorbeerwaasers
  stellt  man  titrimetrisch  nach  dem  Liebigschen  Verfahren 4 )  mit  Silberlöaung  fest
und  wählt  die  Verdünnungen  so,  daß  die  Vergleichsflüssigkeiten  im  Liter  2—10  mg  und
nach  Bedarf  mehr  mg  Blausäure  enthalten.  Am  zweckmäßigsten  wählt  man  4  Vergleichsflüssigkeiten, ­
  deren  Blausäuregehalt  um  je  2  mg  in  1  1  auseinanderliegen.
Das  Verfahren  von  Neßler  und  Barth  gibt  aber  nur  die  in  freiem,  nicht
auch  die  in  gebundenem  Zustande 5 )  vorhandene  Blausäure  an.  K.  Windisch
verfährt  zur  quantitativen  Bestimmung  der  freien  und  gebundenen  Blausäure
wie  folgt:
a)  Freie  Blausäure.  Eine  abgemessene  Menge  Branntwein  (300—400  ccm)
wird  in  einem  Halbliterkolben  mit  einer  überschüssigen  Menge  1 / 50  N.-Silbernitrat-9
  Mittleres  Molekulargewicht  der  Fettsäuren  144—174.
2 )  Im  echten  Kirschwasser  bewirkt  eine  Lösung  von  Silbernitrat  wegen  der  sehr
geringen  Menge  an  Blausäure  ein  kaum  bemerkbares  Opalisieren;  außerdem  soll  künstliches ­
  Kirschwasser  nach  kräftigem  Schütteln  mit  Quecksilberoxyd  (Hydrarg.  oxyd.
rubr,  praec.)  seinen  Geruch  nach  Bittermandelöl  nicht  verlieren,  während  in  echtem  Kirschwasser ­
  der  Blausäuregeruoh  auf  diese  Weise  fast  ganz  verschwinden  soll.
3 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1883,  22,  33.
4 )  Ebenda  1863,  2,  173.
5 )  Um  auch  die  gebundene  Blausäure  nach  diesem  Verfahren  zu  bestimmen,  macht
man  5  ccm  des  Branntweins  mit  Alkalilauge  alkalisch,  säuert  nach  3—5  Minuten  mit
Essigsäure  ganz  schwach  an  und  verfährt  alsdann  in  derselben  Weise  weiter,  wie  bei  der
Bestimmung  der  freien  Blausäure.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  S.  Auflage.

44
        <pb n="711" />
        690

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

lösung  versetzt,  zur  Marke  aufgefüllt,  nach  einigem  Stehen  durch  ein  trocknes  Filter
filtriert  und  in  400  com  Filtrat  das  überschüssige  Silhernitrat  mit  Rhodanammonium
unter  Verwendung  von  Eisenalaun  als  Indikator  zurücktitriert.  1  ccm  1 / 60  N.-Silberlösung
  =  5,408  mg  Blausäure  (HCN).
ß)  Gesamte  Blausäure.  300—400  ccm  Branntwein  werden  in  einem  Halhliterkolhen
  mit  Ammoniak  stark  alkalisch  gemacht,  sofort  mit  einer  gemessenen,
überschüssigen  Menge  1 / 50  N.-Silhernitrat  versetzt  und  alsdann  sogleich  mit  Salpetersäure ­
  wieder  angesäuert.  Man  füllt  die  Flüssigkeit  auf  500  ccm  auf,  filtriert  und
bestimmt  das  überschüssige  Silhernitrat  wie  vorher.
Der  Unterschied  zwischen  der  gesamten  und  der  freien  Blausäure  entspricht
der  gebundenen  Blausäure.  Wie  K.  Windisch  nachgewiesen  hat,  ist  die  gebundene ­
  Blausäure  in  den  Steinobstbranntweinen  hauptsächlich  an  Benzaldehyd  gebunden. ­
  Man  erhält  den  Gehalt  an  Benzaldehydcyanhydrin,  indem  man  die  Menge
der  gebundenen  Blausäure  mit  4,92  multipliziert.
Im  Kirsch-,  Zwetschen-  bezw.  Mirabellen-Branntwein  werden  nur  geringe
Mengen  freier  Blausäure  gefunden,  nämlich;
In  100  com  Branntwein:  1  Auf  100  ccm  absoluten  Alkohol  bezogen:
Freie  Gebundene  Benzaldehyd-  Freie  Gebundene  Benzaldehyd-Blausäure
  cyanhydrin  Blausäure  cyanhydriu
0—7,2  mg  0,7—10,6  mg  3,6—52,3  mg.  0—14,1  mg  1,5—23,7  mg  7,5—116,4  mg.
e)  Sollte  auf  freie  Schwefelsäure  Rücksicht  zu  nehmen  sein,  die  in  ganz  vereinzelten ­
  Fällen  dem  Branntwein  zugesetzt  werden  mag,  um  das  Perlen  hervorzubringen
oder  einem  geringeren  Branntwein  ein  besseres  Bukett  zu  erteilen,  so  dampft  man  behufs
Nachweisung  dieses  Zusatzes  150—200  com  des  Branntweins  auf  ein  kleines  Volumen  ein
und  setzt  12  ccm  einer  0,006  °/ 0 -igen  Methylviolettlösuug  zu;  bei  Gegenwart  von  freier
Schwefelsäure  wird  die  Lösung  grün  gefärbt.  Vergl.  unter  „Essig“.
Zur  etwaigen  Prüfung  auf  freie  „Salzsäure“  werden  150—200  ccm  Branntwein
destilliert  und  das  Destillat  mit  Silbernitratlösung  auf  Chlor  geprüft.
10.  Bestimmung  der  Esterarten.  Zur  quantitativen  Bestimmung  der  Ester
versetzt  man  bei  farblosen  Branntweinen  eine  abgemessene  Menge  Branntwein
mit  einer  überschüssigen  Menge  von  1 / 10  N.-Lauge,  kocht  1 /, 3  Stunde  in  einem  Kolben
aus  Jenaer  Glas  am  Rückflußkühler  und  titriert  alsdann  den  Laugenüberschuß  mit
1 / 10  N.-Säure  zurück;  als  Indikator  dient  Phenolphthalein.  Gefärbte  und  extrakthaltige,
  insbesondere  auch  zuckerhaltige  Branntweine  dürfen  nicht  mit  Lauge  gekocht ­
  werden.  Die  Extraktbestandteile,  Zucker  usw.,  verbrauchen  beim  Kochen
beträchtliche  Mengen  von  Lauge,  die  fälschlich  auf  Ester  umgerechnet  würden.
Solche  Branntweine  werden  destilliert,  bis  die  gesamten  Ester  übergegangen  sind,
und  diese  alsdann  im  Destillat  durch  Verseifen  mit  1 / 10  N.-Lauge  bestimmt.
Die  Ester  werden  als  Essigsäureäthylester  (Äthylacetat)  berechnet.  1  ccm  1 / 10  N.-Lauge
  =  0,0088  g  Äthylacetat.
Will  man  die  Säuren  der  Ester  näher  untersuchen,  so  destilliert  man  dieselben
ab,  kocht  das  Destillat  15—30  Minuten  mit  Kalihydratlösung  am  Kühler,  prüft  die
Abkochung  nach  Geruch  auf  die  in  Freiheit  gesetzten  Alkohole  und  destilliert  diese
nötigenfalls  ab.
Den  Rückstand  des  Destillats  versetzt  man  zur  Abscheidung  der  an  Kalium
gebundenen  Fettsäuren  mit  Schwefelsäure  bis  zur  saueren  Reaktion  und  trennt  im
Destillat  die  flüchtigen  Säuren,  wie  vorhin  unter  9  angegeben  ist.
An  Gesamt-Estern  (als  Äthylacetat  berechnet)  in  100  ccm  der  Branntweine
wurden  z.  B,  im  Mittel  mehrerer  Bestimmungen  gefunden:
        <pb n="712" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

691

Beschaffenheit

Whisky

Kirsch-Brannt-



Anerkannt  rein  .  .
Mittlere  Güte  bezw.

mg
167,6

mg
87,3

Verschnittwaren  .

—

94,7

Kunsterzeugnisse  .  .

—

11,4

Alkoholgehalt  Vol.-°/ 0

57,3

43—60

Zwetschen-Branntwein


Trester-  n.
Hefen-Branntwein


Kognak

Rum

mg

mg

mg

mg

114,6

153,3

162,0

270,7

29,3

38,4

66,4

—

28,0

4,7

37,3

48,6

40—47

41—59

45—61

Die  Schwankungen  für  anerkannt  reine  Getränke  an  Gesamt-Estern  betrugen
z.  B.  bei  Tresterbranntwein  zwischen  12,3—272,8  mg,  bei  Kognak  zwischen  13,4
bis  293,9  mg,  bei  ßura  zwischen  43,0—1926,0  mg  für  100  ccm.
An  einzelnen  Estern  ergaben  sich  in  100  ccm  der  Getränke:

Ameisensäure
mg
Kognak  .  .  0—6,0
Bum  .  .  .  0—22,0
Arrak  ...  7,8

Äthylester  der
Essigsäure  Buttersäure

mg
75,9
5,0—1847,0
184,6

mg
6,1
Spur—56,0
4,8

Kaprinsäure
mg
14,1
Spur—27,0
9,4

Die  Naturerzeugnisse  enthalten  hiernach  durchweg  mehr  freie  Säuren  und
Ester  als  die  Kunsterzeugnisse,  das  hat  seinen  Grund  darin,  daß  der  zur  Herstellung
der  letzteren  verwendete  Sprit  verhältnismäßig  arm  hieran  ist  und  sich  nur  im
rektifizierten  Zustande  hierzu  verwenden  läßt.
11.  Bestimmung  der  ätherischen  Öle.  Sind,  wie  bei  Likören,  ätherische  öle
zugesetzt,  so  kann  man  zum  Nachweise  dieser  die  alkoholische  Flüssigkeit  mit  Äther
ausschütteln,  letzteren  bei  gewöhnlicher  Temperatur  langsam  verdunsten  lassen  und
den  Eückstand  auf  Geruch  und  Geschmack  prüfen.  Oder  man  verjagt  bei  schwer
flüchtigen  ätherischen  ölen  bezw.  Stoffen  den  Alkohol  bei  60—70°,  durchschüttelt
den  Eückstand  mit  Petroleumäther,  um  die  ätherischen  öle  zu  isolieren,  und  zieht
weiter  den  Eückstand  von  der  Petroleumätherbehandlung  mit  viel  absolutem  Alkohol
aus,  um  Glyzerin  und  Harze  zu  gewannen.
12.  Bestimmung  der  wohlriechenden  Essenzen.  Eine  auch  nur  annähernde
Bestimmung  derselben  ist  nicht  möglich.  Man  pflegt  die  Flüssigkeit  zu  destillieren,
um  in  dem  Destillat  eine  konzentriertere  Lösung  der  Essenz  zu  erhalten  und  das
Destillat  mit  Bromlösung  bis  zur  Gelbfärbung  zu  titrieren.  Dann  soll  man  eine
Lösung  von  einer  bekannten  Menge  derselben  Essenz  herstellen  und  diese  in  derselben
Weise  mit  der  Bromlösung  titrieren.
13.  Bestimmung  des  Extraktes  und  der  Mineralstoffe.  Bei  den  Spritsorten
und  Branntweinen  ist  der  Extraktgehalt  nur  gering;  man  verdampft  hier  100  ccm
und  mehr  im  Wasser  bade  zur  Trockne,  trocknet  den  Eückstand  wie  bei  Wein
2 1 /«  Stunden  im  Wasserdampftrockenschrank  und  wägt.  Der  gewogene  Eückstand
wird  bis  zum  Weißbrennen  geglüht  und  wieder  gewogen;  der  Eückstand  gibt  die
Menge  Mineralstoffe.
Bei  den  Likören  mit  hohem  Zuckergehalt  muß  man  zur  Extraktbestimmung
eine  entsprechend  geringere  —  höchstens  1—2  g  Trockensubstanz  entsprechende  —■
Menge,  etwa  5  oder  10  oder  20  g  zum  Eintrocknen  und  Verbrennen  verwenden.
Hier  wird  die  direkte  Extraktbestimmung  am  besten  durch  die  Saccharometeranzeige ­
  ersetzt,  d.  h.  man  befreit  eine  bestimmte  Gewichtsmenge  des  Likörs
von  Alkohol,  läßt  auf  die  Normaltemperatur  erkalten,  füllt  mit  Wasser  wieder
auf  das  ursprüngliche  Gewicht  auf,  ermittelt  von  dieser  entgeisteten  Flüssigkeit  das
44*
        <pb n="713" />
        692

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

spezifische  Gewicht  und  liest  die  diesem  entsprechenden  Extraktprozente  nach
Tabelle  No.  XIII  ab.
14.  Bestimmung  des  Zuckers  und  Pflanzenextrakts.  Der  den  Likören  zugesetzte ­
  Zucker  besteht  fast  ausnahmslos  aus  Rohrzucker;  Stärkezucker  wird  schon
aus  dem  Grunde  nicht  gern  verwendet,  weil  das  in  demselben  vorhandene  Dextrin
entweder  unlöslich  in  den  alkoholischen  Flüssigkeiten  ist  oder  doch  leicht  Trübungen
erzeugt.
Sind  ätherische  Pflanzenextrakte,  welche  Zucker  und  etwa  organische  Säuren
enthalten,  zugesetzt,  so  kann  auch  ein  Teil  des  Zuckers  in  Form  von  Glukose
bezw.  Invertzucker  vorhanden  sein.
Zur  Bestimmung  der  Zuckerarten  stellt  man  eine  1  °/ 0 -ige  Lösung  her,  also
wenn  10  °/ 0  Extrakt  vorhanden  sind,  wägt  man  10  g  Likör  ab,  verdünnt  diese  auf
100  ccm  und  fällt  hiervon  zur  Bestimmung  der  Glukose  oder  des  Invertzuckers
25  ccm  mit  Fehlingscher  Lösung  nach  Allihn-Meißl  (S.  230).
Ferner  werden  etwa  9  g  mit  70  ccm  Wasser  und  10  ccm  x / 5  Normal-Salzsäure
(von  1,0035  spezifischem  Gewicht,  enthaltend  0,729  g  HCl)  versetzt,  30  Minuten
im  Wasserbade  erhitzt,  nach  dem  Erkalten  mit  Natronlauge  neutralisiert  und  auf
100  ccm  aufgefüllt.  Hiervon  dienen  ebenfalls  25  ccm  wie  vorhin  zur  Bestimmung
des  Invertzuckers  nach  Allihn-Meißl  (S.  230).
Von  dem  gefundenen  Gehalt  wird  die  fertig  gebildete  Menge  Invertzucker
abgezogen,  der  Rest  mit  0,95  multipliziert  und  so  die  Menge  Saccharose  erhalten.
Enthält  der  Likör  weder  Invertzucker  noch  Glukose  und  Dextrin,  so  kann  die
Saccharose  auch  durch  Polarisation  bestimmt  werden.  Man  wägt  alsdann  für  die
Polarisationsapparate  mit  Zuckerskala  die  Normalgewichtsmengen  (S.  598),  also  z,  B.
für  den  Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat  26,048  g  in  100  ccm  Lösung  ab  und
polarisiert  im  200  mm-Rohr;  die  Drehungsgrade  drücken  direkt  die  Gewichtsprozente ­
  Zucker  in  der  angewendeten  Substanz  aus.  Bei  den  Halbschattenapparaten
mit  Kreisgradteilung  multipliziert  man  die  Drehungsgrade  mit  0,75,  um  die  g  Zucker
in  100  ccm  Likör  zu  erhalten.
Farblose  Liköre  werden  direkt  polarisiert,  gefärbte  dagegen  vorher  mit  etwas
gereinigter  Tierkohle  oder  Tonerdebrei  entfärbt  (vergl.  S.  602  u.  603)  oder  auch  bei
Gegenwart  von  Anilinfarbstoffen  vorher  mit  Äther  ausgeschüttelt.
Über  die  polarimetrische  Bestimmung  der  Saccharose  neben  Invertzucker
nach  dem  Clergetschen  Verfahren  vergl.  S.  606.
Die  etwa  neben  Zucker  vorhandene  Menge  Pflanzenextrakt  ergibt  sich  aus
der  Differenz  zwischen  Gesamtextrakt  —  Saccharose  (+  Invertzucker).
15.  Bestimmung  der  Farbstoffe.  Zu  den  erlaubten  Farbeu  gehören:
für  rot:  Kochenille,  Karmin,  Krapprot  (Saft  von  roten  Rüben  und  Kirschen),
„  gelb:  Safran,  Saflor,  Kurkuma  (Ringelblumen,  Gelbbeeren),
„  blau:  Indigolösung.  Lackmus,  Saftblau,
„  grün:  Mischungen  der  gelben  mit  blauen  Farben,
„  violett:  Mischungen  der  blauen  und  roten  Farben,
„  braun:  Zuckeroouleur  bezw.  Karamel  und  Lakritzensaft.
Am  häufigsten  findet  zum  Färben  der  Branntweine,  um  ihnen  äußerlich  das
Kennzeichen  einer  alten  abgelagerten  Ware  zu  geben,  die  Zuckercouleur  oder
Karamel  Verwendung.
Da  Karamel,  wenn  er  aus  Rohrzucker  hergestellt  ist,  noch  immer  unzerstörte
Saccharose  enthält,  so  kann  man,  wenn  nur  wenig  Extrakt  vorhanden  ist,  eine
größere  Menge  des  Branntweins  usw.  auf  dem  Wasserbade  einengen  und  den  Rückstand
nach  dem  Invertieren  und  Entfärben  mit  Fehlingscher  Lösung  auf  Zucker  prüfen.
        <pb n="714" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

693

Oder  man  versetzt  nach  Amthor  die  alkoholische  Flüssigkeit  mit  Paraldehyd
(auf  10  ccm  der  Flüssigkeit  30—50  ccm  Paraldehyd)  und  mit  so  viel  Alkohol,  daß
die  Flüssigkeiten  sich  mischen;  nach  24  Stunden  hat  sich  das  Karamel  als  bräunliche ­
  Masse  ausgeschieden;  man  löst  den  Niederschlag  in  Wasser,  engt  auf  dem
Wasserhade  ein,  filtriert  und  prüft  das  Filtrat  durch  Zusatz  von  1  g  salzsaurem
Phenylhydrazin  und  2  g  essigsaurem  Natrium  auf  Zucker.  Bei  Gegenwart  desselben
entsteht  ein  gelber  Niederschlag  bezw.  eine  gelbe  bis  rötliche  Färbung.  Der
Niederschlag  löst  sich  in  Ammoniak  und  wird  durch  Salzsäure  wieder  in  Flocken
gefällt.
Wenn  die  braungelbe  Färbung  eines  Branntweines  von  Holzfarbstoff  (Gerbsäure) ­
  durch  längeres  Lagern  in  hölzernen  Fässern  herrührt,  so  erzeugt  Eisenchloridlösung ­
  eine  sehwarzgrünliche  Färbung.
Man  verdampft  unter  Zusatz  von  Sand  zur  Trockne  und  zieht  den  Rückstand ­
  mit  Äther  oder  Amylalkohol  aus.  Eine  rote  Färbung  kann  von  Fuchsin.
Orseille  usw.  herrühren  (vergl.  unter  „Wein“);  eine  gelbe  Färbung  von  Kurkuma,
Safran  oder  Pikrinsäure  usw.  (vergl.  „Butter“  S.  562  u.  ff.).
Für  die  Liköre  werden  meistens  Anilinfarben  zum  Färben  verwendet.
Über  den  Nachweis  derselben  vergl.  unter  „Wein“.
16.  Nachweis  der  Bitterstoffe.  Für  die  Bereitung  der  bitteren  Liköre
werden  mitunter  schädliche  Bitterstoffe  wie  Aloe,  Gummigutti,  Lärchenschwamm,
Sennesblätter,  Rhabarber  usw.  verwendet;  unter  diesen  dürfte  Aloe  die  meiste  Verwendung ­
  finden.  Aloe  gibt  an  Petroleumäther  nichts,  an  Benzol  und  Chloroform
aloetinartige  Körper,  an  Amylalkohol  dagegen  Aloin  ab.
Man  kann  daher  den  bitteren  Likör  zur  Sirupkonsistenz  verdampfen  und
wiederholt  mit  farblosem  Benzin  (von  80 0  Siedepunkt)  ausschütteln;  hierdurch  werden,
falls  sie  vorhanden  sind,  gelöst  Absynthin,  Colchioin  und  Colocynthin.  Man
teilt  den  Benzinauszug  in  2  Teile;  den  einen  versetzt  man  mit  Salpetersäure  von
1,33—1,40  spezifischem  Gewicht,  eine  Violettfärbung  deutet  auf  Colchicin;  zu
dem  anderen  setzt  man  konzentrierte  Schwefelsäure,  welche  bei  Gegenwart  von
Colocynthin  und  Absynthin  rot  bezw.  violett  gefärbt  wird.  Da  Colocynthin
nur  schwer  in  Benzin  löslich  ist,  so  kann  man  den  ursprünglichen  Rückstand  auch
mit  Chloroform  ausschütteln  und  mit  dem  Rückstand  hiervon  die  Prüfung  vornehmen.
Der  Rückstand  vom  Benzinauszuge  wird  nach  dem  Befreien  von  Benzin  mit
Amylalkohol  ausgezogen;  dieser  Auszug  soll  nicht  bitter  schmecken  und  farblos  sein.
Hinterläßt  er  beim  Verdampfen  auf  einem  ührglase  feine,  weiße  kristallinische
Ausscheidungen,  so  läßt  dieses  auf  Pikrotoxin  schließen;  bei  Gegenwart  von  Aloe
bleibt  eine  unkristallinische,  gelbe,  safranartige  Masse  zurück.  Dieselbe  zeigt  den
eigenartigen  Aloegeschmack,  gibt  mit  Brom-Bromkalium,  basischem  Bleiacetat,  salpetersaurem ­
  Quecksilberoxydul  und  Gerbsäure  Niederschläge  ■—  letzterer  Niederschlag  ist
im  Uberschuß  der  Gerbsäure  löslich  —,  reduziert  alkalische  Kupferlösung  und  Goldlösung ­
  beim  Erwärmen;  wird  ein  Teil  des  Rückstandes  mit  konzentrierter  Salpetersäure
gekocht,  letztere  auf  dem  Wasserbade  verdampft,  so  bleibt  eine  Masse,  welche,  mit
Kalilauge  und  Cyankalium  erwärmt,  eine  blutrote  Färbung  annimmt.
Wenn  der  Rückstand  von  der  Amylalkoholausschüttelung  mit  Äther  ausgezogen ­
  wird,  so  können  weiter  in  Lösung  gehen;  Absynthin,  Quassiin,
Menyanthih  und.Gentipikrin,  von  denen  die  ersten  drei  ammoniakalische  Silberlösung, ­
  alkalische  Kupferlösung  reduzieren  sowie  mit  Brom-Bromkalium,  Jod-Jodkalium, ­
  Gerbsäure  usw.  schwache  Trübungen  bezw.  Niederschläge  geben.
Gummigutti  löst  sich  leicht  in  Chloroform;  verdampft  man  letzteres,  so  bleiht
&amp;lt;las  Harz  als  gelbrotes  Pulver  zurück.  Dasselbe  ist  in  Ammoniak  und  Natrium-
        <pb n="715" />
        694

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfahrikation.

karhonatlösung  mit  gelbroter  Farbe  löslich  und  wird  daraus  durch  verdünnte  Säuren
als  blaßgelber  Niederschlag  gefällt.  Das  Gummiguttiharz  ist  ferner  in  kalter,  konzentrierter ­
  Schwefelsäure  mit  roter  Farbe  löslich  und  wird  aus  dieser  Lösung  durch
Wasser  unverändert  wieder  ausgeschieden  (dieses  Verhalten  ist  einigermaßen
kennzeichnend).
Nach  Dragendorff  kann  man  die  verschiedenen  Bitterstoffe  auch  dadurch
trennen,  daß  man  die  Lösungen  entweder  mit  basischem  oder  neutralem  Bleiacetat
fällt  und  die  Fällungen  entweder  im  angesäuerten  oder  ammoniakalischen  Zustande
mit  Petroleumäther  ausschüttelt.  So  werden  die  Bitterstoffe  der  Aloe  und  Gentiana
teilweise  durch  basisches  Bleiacetat  gefällt,  nicht  aber  durch  neutrales  Bleiacetat  usw.
Bezüglich  weiterer  Trennungsverfahren  sei  auf  G.  Dragendorff:  Die  qualitative ­
  und  quantitative  Analyse  von  Pflanzen  und  Pflanzenteilen  bezw.  Ermittelung
von  Giften  verwiesen.
17.  Nachweis  von  Metallen.  Bei  der  Destillation  des  Alkohols  kann  der
Weingeist  bezw.  Branntwein  aus  den  Kühlschlangen  leicht  Kupfer  aufnehmen;  diese
Menge  wird  umso  größer  sein,  je  mehr  Säure  ein  Gärungserzeugnis  enthält;  J.  Neßler
und  M.  Barth  (vergl.  S.  689)  fanden  z.  B.'  in  41  Sorten  Kirschwasser  zwischen
0—9  mg  (in  einem  Falle  sogar  18  rag)  Kupfer  für  1  1.  Die  Naohweisung  und  Bestimmung ­
  erfolgt  nach  bekannten  Verfahren.  J.  Neßler  und  M.  Barth  haben  das
Kupfer  in  den  Kirschwassern  kolorimetrisch  bestimmt,  indem  sie  dieselben  mit  einer
geringen  Menge  einer  sehr  verdünnten  Ferrocyankaliumlösung  versetzten  und  die
Stärke  der  rötlichen  Färbung  mit  der  verglichen,  welche  in  den  gleichen  Flüssigkeitsmengen
  mit  2,  5,  7  und  mehr  mg  Kupfergehalt  für  1  1  entstanden.  Geringere
Mengen  Kupfer  als  2  mg  im  Liter  sind  durch  die  Bläuung  einer  dünnen  alkoholischen
Guajakharzlösung  bei  Vorhandensein  von  Spuren  von  Blausäure  noch  bis  zu  weniger
als  0,6  mg  im  Liter  nachweisbar.
18.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Branntweine.  Bei  der  Beurteilung  der
Echtheit  und  Reinheit  eines  Branntweines  ist  in  erster  Linie  zu  beachten,  daß  zwar  in
vielen  Fällen  die  chemische  Untersuchung  wertvolle  Anhaltspunkte  für  die
Begutachtung  bietet,  daß  aber  in  den  meisten  Fällen  für  die  Entscheidung
der  Frage,  ob  das  Getränk  echt  und  rein  ist,  die  Prüfung  des  Geruches  und
Geschmackes  seitens  wirklich  sachverständiger  Fachleute  eine  sicherere
Grundlage  bietet,  als  die  chemische  Untersuchung.
Im  einzelnen  sei  noch  folgendes  bemerkt:
1.  die  gewöhnlichen  Trinkbranntweine,  wozu  man  die  Branntweine  aus  Roggen
und  anderen  Getreidearten,  aus  Kartoffeln  (auch  Industriespiritus  genannt)  und  aus  Zuckerrübenmelasse ­
  rechnet,  enthalten  zwischen  26—45  Volumprozente  Alkohol  und  nur  Spuren
bis  wenig  Abdampfrückstand.  Mit  der  Einführung  der  Spiritussteuer  sind  diese  Art
Branntweine  immer  mehr  im  Gehalt  heruntergegangen;  wenngleich  dieses  mit  Rücksicht
auf  die  schädliche  Wirkung  des  Branntweingenusses  nur  gewünscht  werden  kann,  so  ist  es
doch  zweckmäßig,  für  dieselben,  solange  sie  noch  eine  Handelsware  bilden,  einen  bestimmten
niedrigsten  Alkoholgehalt  zu  fordern.  Doppelbranutweine  sind  etwas  sorgfältiger  gereinigte
Branntweine  mit  höherem  Alkoholgehalt.  Mit  Unrecht  wird  die  schädliche  Wirkung  der
Trinkbranntweine  vorwiegend  ihrem  Gehalt  an  Fuselöl  zugeschrieben;  die  beliebteren
Kornbranntweine  enthalten  aber  durchweg  mehr  Fuselöl  als  die  gut  rektifizierten  Kartoffelbranntweine. ­
  Immerhin  ist  ein  hoher  Fuselölgehalt  (vergl.  S.  680)  ebenso  wie  ein  hoher
Aldehydgehalt  zu  beanstanden.
Ebenso  sind  Branntweine,  die  zur  Vortäuschung  eines  höheren  Alkoholgehaltes  mit
Mineral  säuren  (Schwefelsäure)  oder  scharf  schmeckenden  Pflanzenstoffen 1 )  (Auszügen ­
  von  Pfeffer,  Paprika,  Paradieskörnern  usw.)  versetzt  sind,  zu  beanstanden.
1 )  Auf  das  Vorhandensein  von  scharf  schmeckenden  Pfianzenstoffen  prüft  man  in
der  Weise,  daß  man  die  Branntweine  in  Schalen  auf  dem  Wasserbade  eindampft  und  den
        <pb n="716" />
        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

695

Der  Gehalt  an  freien  Säuren  und  Estern  pflegt  bei  den  gewöhnlichen  Trinkhranntweinen
  nur  gering  zu  sein.
Die  Beschaffenheit  des  zur  Verdünnung  verwendeten  Wassers  läßt  sich  aus
dem  Gehalt  an  Chloriden  und  Nitraten  ermessen  (vergl.  unter  Wasser);  hei  der  Prüfung
auf  Ammoniak  —  unter  Umständen  aus  dem  Wasser  herrührend  —  ist  zu  berücksichtigen,
daß  die  alkoholischen  Getränke  an  sich  eine  sehr  geringe  Menge  von  Basen  enthalten.
2.  Verwickelter  liegen  die  Verhältnisse  bei  den  „Edelhranntweinen“.  Unter
diesem  Namen  faßt  man  alle  die  Branntweine  zusammen,  die  ausschließlich  für  Genußzwecke ­
  hergestellt  werden  und  in  ungereinigtem  Zustande  in  den  Handel  und  zum  Genuß
gelangen.
Zu  denselben  werden  gerechnet:  Kognak,  Rum,  Arrak,  die  Branntweine  aus  Obst
und  Beerenobst,  insbesondere  Kirsch-  und  Zwetschenbranntweine,  die  Branntweine
aus  Trestern  und  Hefen  von  Weinen  aller  Art.
Bei  den  Edelbranntweinen  ist  zu  unterscheiden,  ob  es  sich  um  einfache  oder  um
verarbeitete  Destillate  handelt,  d.  h.  ob  sie  direkt  genußfähig  sind  oder  für  den  Genuß
noch  einer  besonderen  Verarbeitung  unterliegen.  Im  ersteren  Falle  enthalten  die  Edelbranntweine ­
  nur  Spuren  oder  nur  wenig  Extrakt  und  Mineralstoffe,  die  entweder  bei  der
Destillation  mit  übergerissen  oder  beim  Lagern  aus  der  Paßwandung  aufgenommen  werden.
Ist  der  Alkoholgehalt  sehr  hoch,  was  namentlich  dann  der  Fall  sein  wird,  wenn  das  erste
Destillat,  der  Rauh-  oder  Rohbrand,  nochmals  destilliert  wird,  so  pflegt  man  ihn  durch
Wasserzusatz  auf  Trinkstärke  herabzusetzen;  hiergegen  ist  nichts  einzuwenden,  wenn  aus
dem  gleichzeitig  niedrigen  Preise  ermessen  werden  kann,  daß  man  keine  Originalware
(z.  B.  wie  bei  Rum,  Arrak,  Kirschwasser  usw.)  vor  sich  hat.  Auch  gegen  die  aus  der
Paßwandung  herrührenden  natürlichen  Stoffe  (besonders  Farbstoffe)  ist  nichts  zu  erinnern;
im  Gegenteil  bedingen  diese  Stoffe,  zumal  hei  der  Lagerung  durchweg  noch  andere  vorteilhafte ­
  Veränderungen  (Oxydatiou  und  Bildung  ätherischer  Verbindungen)  im  Branntwein
vor  sich  gehen,  eine  bessere  Beschaffenheit  der  Getränke.  Für  die  Beurteilung  der  künstlichen ­
  Färbung  dieser  Branntweine,  auch  mit  an  sich  unschädlichen  Farbstoffen  (wie
Zuckercouleur)  ist  stets  zu  berücksichtigen,  ob  dadurch  eine  bessere  Beschaffenheit  vorgetäuscht ­
  werden  soll.  *)  Eine  solche  Vortäuschung  liegt  z.  B.  vor,  wenn  der  Branntwein
(besonders  frisch  destillierter)  durch  Wasser  gestreckt  und  gleichzeitig  aufgefärbt  wird,  um
ihm  das  Aussehen  eines  lange  gelagerten  und  vollhaltigen  Originalerzeugnisses  zu  erteilen.
Schädliche  Farbstoffe  zur  Auffärbung  sind  selbstverständlich  unzulässig.
Anders  liegen  die  Verhältnisse  bei  denjenigen  Edelbranntweinen,  deren  Destillate
für  den  Genuß  noch  besondere  Zusätze  erhalten.  Dieses  ist  besonders  bei  dem  Kognak
der  Fall.  Demselben  werden  jetzt  ganz  allgemein  Süßweine  (Samos,  Sherry,  Portwein,
Tokayer),  Zuokersirup,  Tee-,  Rosinenauszüge  u.  dergl.  zugesetzt,  um  ihm  den  scharfen  Geschmack ­
  zu  nehmen  und  früher  genußfähig  zu  machen;  auch  wird  er  meistens  mit  gebranntem ­
  Zucker  gefärbt.  Diese  Zusätze  sollten  indes  wenigstens  eine  gewisse  Grenze
haben.  Der  Verband  öffentlicher  Chemiker' 2 )  hat  darüber  z.  B.  folgendes  vereinbart;
„Kognak  darf  nicht  mehr  als  2  g  Zucker,  als  Invertzucker  bestimmt,  und  nicht
mehr  als  1,5  g  zuckerfreies  Extrakt  in  100  ccm  enthalten.  Der  Zusatz  von  Glyzerin  zum
Kognak  als  Süßungsmittel  ist  nicht  gestattet.  Als  Farbstoff  ist  zulässig,  was  durch  die
natürliche  Paßlagerung  und  durch  Zusatz  von  gebranntem  Zucker  in  den  Kognak  gelangt.“
Unter  „französischem  Kognak“  oder  unter  den  diesem  Begriff  entsprechenden  Bezeichnungen ­
  soll  nur  ein  aus  Frankreich  eingeführter  und  im  Originalzustande  belassener
Kognak  zu  verstehen  sein.  Aus  dem  Grunde  dürfen  Getränke,  die  zwar  aus  Weinen,  aber
nicht  aus  dem  bekannten  französischen  Kognak-Wein,  sondern  minderwertigen  Weinen  ge-Rückstand
  auf  Geschmack  prüft.  Der  Rückstand  darf  nicht  scharf  oder  bitter  schmecken
selbstverständlich  sind  die  bitteren  Liköre  hiervon  ausgenommen  —.  Auf  freie  Mineralsäuren ­
  prüft  man  wie  bei  Essig.
*)  Jamaika-  und  Demarara-Rum  pflegen  gefärbt  zu  werden,  der  Kuba-Rum  bleibt
meistens  ungefärbt.
2 )  Zeitsehr.  f.  öffentl.  Chemie  1901,  7,  393.
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        696

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

Wonnen  sind,  nicht  als  „echte“  oder  gar  „französische  Kognaks“  verkauft  oder  feilgehalten
werden.
Das  Verschneiden  hezw.  Verlängern  von  Kognak  (auch  Rum,  Arrak  und  allen
Edelbranntweinen)  mit  Sprit,  sei  es  mit  oder  ohne  Zusatz  von  künstlichen  Essenzen,  ist
ohne  Angabe  dieser  Behandlung  selbstverständlich  als  Verfälschung  anzusehen.  Auch
dürfen  künstliche  Gemische  von  Sprit  mit  Essenzen  nur  als  Fagon-oder  Kunst-Kognak
(Pagon-  oder  Kunst-Rum  hezw.  -Arrak)  verkauft  und  feilgehalten  werden.  Selbstverständlich ­
  muß  auch  die  Bezeichnung  der  übrigen  Edelhranntweine  den
verwendeten  Rohstoffen  entsprechen.  Wenn  man  den  Kognak  nach  den  vorstehenden ­
  Ausführungen  als  ein  Erzeugnis  der  Weiudestillation  bezeichnen  kann,  versteht
man  unter  Trester-  und  Hefen-Branntwein  die  durch  Vergären  der  Weintrester  (mit
und  ohne  Zusatz  von  Zucker)  und  durch  Destillation  hezw.  die  durch  Destillation  der  Weinhefe ­
  gewonnenen  Erzeugnisse.
Zwetschen-Branntwein  (Slivowitz  oder  Slibowitz)  ist  ein  Erzeugnis  aus  vergorenen ­
  Zwetschen,  Kirsch-Branntwein  ein  solches  aus  vergorenen  Kirschen.
Der  Rum  wird  hauptsächlich  in  Westindien  durch  Destillation  der  vergorenen
Zuckerrohrmelasse  und  Zuckerrohrrüokstände,  der  Arrak  entweder  aus  Reis  (Java)  oder
aus  dem  Saft  der  Blütenkolben  der  Kokospalme  durch  Vergärung  und  Destillation  gewonnen. ­

Zum  Nachweise  der  Echtheit  dieser  Getränke  sind  verschiedene  Vorschläge
gemacht  worden:
a)  Das  Vorhandensein  oder  Fehlen  bestimmter  Bestandteile  betreffend.
Nach  H.  Struve 1 )  soll  z.  B.  ein  Kognak,  der  Cholin  enthält,  ein  Kunsterzeugnis  sein;  da
aber  dem  echten  Kognak  häufig  Süßwein  zugesetzt  wird,  so  ist  diese  Annahme  nicht  richtig. *  2 )
Von  anderer  Seite  ist  behauptet,  daß  das  Fehlen  von  Furfurol  in  einem  Kognak  auf  ein
Kunsterzeugnis  hinweise.  Das  Furfurol  ensteht  in  den  Edelbranntweinen  erst  hei  der
Destillation  durch  Überhitzen  —  vorwiegend  über  freier  Flamme  •—  aus  gewissen  nicht
flüchtigen  Maischehestandteilen  und  findet  sich  hauptsächlich  im  Nachläufe,  ganz  gleichgültig,
aus  welchen  Rohstoffen  die  Maische  hergestellt  wurde.  Es  findet  sich  recht  häufig  im  Kognak
und  anderen  Edelbranntweinen,  aber  es  fehlt  auch  nicht  selten 3 )  darin,  weshalb  daher  auch
diese  Annahme  unhaltbar  ist.
Vom  echten  Rum  ist  behauptet,  daß  das  Vorkommen  von  freier  Ameisensäure
■auf  ein  Kunsterzeugnis  schließen  lasse;  da  aber  nach  vielen  Untersuchungen  echter  Rum
■ebenfalls  freie  Ameisensäure  enthält  und  davon  frei  sein  kann,  so  ist  daher  weder  aus  der
An-  noch  Abwesenheit  freier  Ameisensäure  im  Rum  ein  Schluß  auf  seine  Echt-  oder  Unechtheit ­
  zu  ziehen.
b)  Der  Gehalt  an  Nebenbestandteilen  der  Gärung  und  Destillation,  an
den  sog.  alkoholischen  Verunreinigungen  z.  B.  Säuren,  Säureestern,  höheren
Alkoholen,  Aldehyden  insgesamt,  Furfurol  und  Basen  betreffend.  Die  Basen  und
Furfurol  läßt  man  in  der  Regel  unberücksichtigt,  da  ihre  Menge  meistens  sehr  gering  ist.
Von  diesen  Bestandteilen  bilden  sich  die  Säuren  der  Menge  nach  vorwiegend  hei
der  Gärung  der  Maischen,  und  von  ihrer  Menge  ist  auch  die  der  Ester  abhängig;  aber
nicht  immer  entspricht  eine  große  Menge  Säure  einer  großen  Menge  Ester  und  umgekehrt.
Kranke  und  fehlerhafte  Weine  liefern  durchweg  Destillate  mit  hohem  Gehalt  an  flüchtigen
Säuren.  Auch  die  Ester  bilden  sich  anscheinend  vorwiegend  in  der  Maische  und  ist  das
Verhältnis  zwischen  Säure  und  Estern  hauptsächlich  von  der  Destillation  abhängig.  Der
Acetaldehyd  entsteht  ohne  Zweifel  durch  Oxydation  aus  dem  Äthylalkohol.  Über  die
Entstehungsweise  sonstiger  Aldehyde  und  der  höheren  Alkohole  ist  bis  jetzt  nichts  Näheres
bekannt.  Die  höheren  Alkohole  und  Aldehyde  werden  von  den  Ärzten  für  besonders

!)  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1902,  41,  284.
2 )  Vergl.  auch  M.  Mansfeld,  14.  Jahresbericht  der  Unters.-Anstalt  des  allgem.
österr.  Apoth.-Vereins  für  1901,  S.  4.
3 )  Vergl.  W.  Lenz,  ferner  Th.  Wetzko,  Zeitschr.  f.  öffentl,  Chemie  1899,  5,  258;
1900,  6,  399  und  1901,  7,  11.
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        Spiritus,  Branntweine  und  Liköre.

697

schädlich  gehalten,  während  sie  von  den  Branntwein-Erzeugern  bezw.  -Genießern  als  besonders ­
  eigenartig  und  wertvoll  für  die  einzelnen  Edelbranntweiue  angesehen  werden.
Über  die  Bedeutung  dieser  Verunreinigungen  in  den  Branntweinen  für  die  Beurteilung ­
  äußert  sich  K.  Windisch 1 )  wie  folgt:
„Die  Summe  dieser  alkoholischen  Verunreinigungen,  ausgedrückt  in  Milligramm
und  berechnet  auf  100  ccm  wasserfreien  Alkohols,  wird  der  Verunreinigungskoeffizient
genannt.  F.  Lusson, 2 )  der  die  mit  dem  Altern  der  Edelbranntweine  verknüpften  Veränderungen ­
  in  der  chemischen  Zusammensetzung  untersuchte,  bezeichnete  den  Gehalt  der
gesamten  Verunreinigungen  an  Aldehyden  und  Säuren  (in  Prozenten  ausgedrückt)  als
Oxydationskoeffizient;  nur  die  Aldehyde  und  die  Säuren  sollen  beim  Lagern  der  Branntweine
  eine  Änderung  erleiden,  die  übrigen  Nebenbestandteile  aber  nicht.
Bezüglich  dieser  alkoholischen  Verunreinigungen  wurden  folgende  Grenzzahlen
aufgestellt:
а)  Nach  Ch.  Girard  und  seinen  Mitarbeitern  X.  Bocques,  E.  Möhler,  L.  Cuniasse
und  Saglier 3 )  beträgt  der  Verunreinigungskoeffizient  bei  dem  eigentlichen  Kognak,
d.  h.  dom  in  der  Charente  (im  Bezirk  Cognac)  gewonnenen  reinen  Weinbranntwein  niemals
weniger  als  300  mg,  nach  F.  Lusson  nicht  weniger  als  340  mg.
ß)  Nach  X.  Bocques 1 )  und  anderen  enthalten  die  reinen  Weindestillate  der  Charente
etwa  gleich  viel  höhere  Alkohole  und  Ester.
y)  Der  Oxydationskoeffizient  der  Edelbrauntweine,  d.  h.  der  Gehalt  an  Aldehyden
und  Säuren  in  100  Teilen  der  gesamten  Verunreinigungen,  ist  nach  P.  Lusson 5 )  abhängig
von  dem  Alter  der  Branntweine;  er  beträgt  bei  ganz  jungen  Branntweinen  10,  bei  40  Jahren
alten  bis  36.
d)  C.  Amthor  und  J.  Zink 0 )  fordern  bei  reinen  Kirsch-  und  ZwetschenbrannU
weinen  mindestens  0,01  g  Säure  in  100  ccm  und  eine  Esterzahl  von  8.  Als  Esterzahl
wird  die  Anzahl  Kubikzentimeter  1 / 10  N.-Lauge  bezeichnet,  die  zur  Verseifung  der  Ester
in  100  ccm  Brauntwein  erforderlich  ist;  der  Esterzahl  8  entsprechen  etwa  0,07  g  Essigsäureäthylester ­
  (Äthylacetat,  Bssigäther)  in  100  com  Branntwein.
Mit  welcher  Vorsicht  jedoch  solche  Grenzzahlen  aufzufassen  sind  und  wie  leicht
eine  Verallgemeinerung  derselben  zu  falschen  Schlußfolgerungen  führen  kann,  ergibt  sich
aus  einer  Arbeit  von  H.  Mastbaum, 7 )  der  20  reine  spanische  Weindestillate  mit  folgenden
Ergebnissen  untersuchte:  1.  Der  Verunreinigungskoeflizient  sckwankte  von  148,4—977,2  mg;
bei  5  von  20  Proben  war  er  kleiner  als  300  mg.  2.  Das  Verhältnis  der  Ester  zu  den
höheren  Alkoholen  schwankte  von  9:1  bis  zu  1 / 3 :  1,  also  innerhalb  sehr  weiter  Grenzen.
3.  Der  Oxydationskoeffizient  nach  Lusson  schwankte  ebenfalls  innerhalb  weiter  Grenzen;
er  betrug  6,1—52,9.  Da  alle  Branntweine  nur  ein  oder  zwei  Jahre  alt  w r aren,  läßt  sich
irgend  ein  Zusammenhang  zwischen  dem  Alter  der  Branntweine  und  der  Höhe  des
Oxydationskoeffizienten  nicht  erkennen.
M.  Mansfeld 8 )  schließt  aus  seinen  Versuchen,  daß  die  Bdelbranntweine  meist  mehr
höhere  Alkohle  als  Ester  haben.  G.  Kaliaudjeff")  fand  bei  jungen  Branntweinen  den
Oxydationskoeffizienten  zu  29,9—56,1,  also  viel  höher  als  Lusson.  Vergleicht  man  die
in  der  Literatur  vorliegenden  Untersuchungen  von  Weinbranntweinen,  so  findet  man  einerseits ­
  einige,  die  die  Grenzzahlen  der  französischen  Chemiker  nicht  erreichen,  also  eines
Zusatzes  von  Sprit  verdächtig  wären,  andererseits  zahlreiche  Branntweine,  deren  Gehalt
x )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  465.
2 )  Compt.  rend.  1897,  124,  829.
8 )  Ch.  Girard  und  L.  Cuniasse,  Manuel  pratique  de  l’analyse  des  alcools  et  des
spiritueux.  Paris  1899.  Masson  et  Cie.
4 )  Bull.  soc.  chim,  1888  [2],  50,  167.
б )  Compt.  rend.  1897,  124,  829;  Annal.  chim.  analyt.  1897,  2,  308.
°)  Forschungsberichte  über  Lebensmittel  1897,  4,  362.
7 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Qenußmittel  1903,  6,  97,
8 )  Österr.  Chem.-Ztg.  1898,  1,  166.
9 )  Ebenda,  1901,  4,  57.
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        698

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

an  Verunreinigungen  weit  über  den  Grenzzahlen  liegt;  diese  Branntweine  würden  einen
erheblichen  Zusatz  von  Sprit  vertragen,  ohne  daß  sie  unter  die  Grenzzahlen  kämen.  Auch
das  Verhältnis  der  höheren  Alkohole  zu  den  Estern  schwankt  innerhalb  sehr  weiter  Grenzen.
Es  ist  hiernach  nicht  zulässig,  die  Grenzzahlen,  die  für  die  Weinbranntweine  des  Bezirks
Cognac  gelten,  ohne  weiteres  auf  Weinbranntweine  anderen  Ursprungs  oder  auf  andere
Edelbranntweine  zu  übertragen.“
Auch  ist  es  unzulässig,  so  verschiedenartige  Stoffe,  wie  die  genannten  Verunreinigungen,
zusammenzuzählen  und  aus  der  Summe  derselben  das  Urteil  abzuleiten,
„Immer  wird  man  prüfen  müssen,  woraus  sich  diese  Summe  zusammensetzt,  welche
Faktoren  dabei  vorwiegen,  welche  mehr  zurücktreten.  Namentlich  gilt  dies,  worauf  schon
Franz  Freyer 1 )  hingewiesen  hat,  von  den  Säuren  der  Branntweine.  Deren  Menge
schwankt  ganz  besonders  stark,  und  vielfach  findet  man  bei  Branntweinen  mit  einem  sehr
hohen  Verunreinigungskoeffizienten,  daß  sie  abnorm  hohe  Mengen  von  Säure  enthalten.
Freyer  schlägt  daher  vor,  auf  den  Säuregehalt  Rücksicht  zu  nehmen  und  einen  100  mg
in  100  ccm  absolutem  Alkohol  überschreitenden  Betrag  nicht  dom  Verunreinigungskoeffizienten
zuzuzählen.  Ganz  ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  bei  den  Estern,  die  in  Branntweinen
aus  essigstichigen  Maischen  im  Übermaß  vorhanden  sein  können;  dies  kommt  aber  doch
seltener  vor  als  bei  den  Säuren.
Wenn  hiernach  auch  vor  der  schablonenhaften  Anwendung  der  von  den  französischen
Chemikern  aufgestellten  Grenzzahlen  für  den  Verunreinigungskoeffizienten  gewarnt  werden
muß,  so  kann  andererseits  zugegeben  werden,  daß  es  nicht  selten  möglich  ist,  durch  eine
eingehende  Untersuchung  festzustellen,  daß  ein  Branntwein  wahrscheinlich  kein  reines
Destillat  ist.  Der  Hauptwert  ist  dabei  auf  die  Bestimmung  der  Ester  und  namentlich  der
höheren  Alkohole  zu  legen.  In  der  Hegel  handelt  es  sich  bei  Edelbranntweinen  des
Handels,  die  nicht  aus  reinen  Destillaten  bestehen,  entweder  um  Verschnitte  mit  reinem
Sprit  oder  um  Zusätze  von  künstlichen  Essenzen,  die  nur  selten  reich  an  Estern  sind.
Durch  den  Verschnitt  mit  Feinsprit,  der  nur  Spuren  von  Estern  und  in  der  Hegel  kein
Fuselöl  enthält,  werden  alle  Verunreinigungen  der  Destillate  in  ihrer  Menge  herabgesetzt.
Ähnliches  gilt  auch  von  der  Mehrzahl  der  aus  Feinsprit  und  Essenzen  hergestellten
künstlichen  Bdelbranntwcine.  Von  Ed.  Polenske' 2 )  ist  eine  große  Anzahl  von  Branntwein-Essenzen,
  -Schärfen,  -Verstärkungsmitteln  usw.  untersucht  worden.  Die  dabei  gewonnenen
Zahlen  lehren,  daß  nur  wenige  dieser  Essenzen  reich  an  Estern  sind;  die  meisten  enthalten
sogar  überraschend  wenig  Ester,  besonders  in  Anbetracht  des  Umstandes,  daß  in  der  Regel
auf  100  1  des  fertigen  Branntweins  nicht  mehr  als  höchstens  1  1,  oft  noch  weniger,  Essenz
verwendet  wird.  Allerdings  findet  man  zuweilen  auch  Essenzen  mit  hohem  Estergehalte,
wie  z.  B.  die  von  A.  Scala 3 )  untersuchten  Eumessenzen  mit  7—27  Volumprozent  Estern.
Große  Mengen  höherer  Alkohole  enthalten  fast  nur  die  Essenzen,  die  zur  Herstellung  von
künstlichem  Kornbranntwein  dienen;  wahrscheinlich  enthalten  die  Essenzen  wirkliches
Kornfuselöl,  das  bei  der  Rektifikation  des  Kornbranntweins  gewonnen  wird.
Dementsprechend  sind  die  bisher  untersuchten  Kunst-  oder  Fagon-Edelbranntweine
meist  arm  an  Säuren,  Estern  und  höheren  Alkoholen.“ 1 )
3.  Eine  Sonderstellung  unter  den  Edelbranntweinen  nehmen  nach  K.  Win  di  sch  die
Kirsch-  und  Zwetschenbranntweine,  sowie  die  übrigen  aus  Steinobst  hergestellten
Branntweine  insofern  ein,  als  sie  Blausäure  und  Benzaldehyd  bezw.  die  Verbindung
beider,  Benzaldehydcyanhydrin,  sowie  meist  Benzoesäureäther  enthalten.  Diese  Besonderheit
ist  natürlich  ebenfalls  zur  analytischen  Bewertung  herangezogen  worden.  Aber  auch  hier
ist  die  höchste  Vorsicht  am  Platze.  Diese  Branntweine  enthalten  nur  dann  erhebliche
J )  Zeitschr.  landw.  Versuohswesen  in  Österreich  1902,  5,  1266.
2 )  Arbeiten  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte  1890,  6,  294  u.  518;  1894,  9,  135;  1895,
10,  505;  1897,  13,  301;  1898,  14,  684.
3 )  II  Rhum  e  le  sue  falsificazioni.  Ricerche  di  Alberto  Scala.  Roma  1890.
4 )  Vergl.  B.  Möhler,  Compt.  rend.  1891,  112,  53,  und  M.  Mansfeld,  Zeitschr.
Nahr.-Unters.,  Hyg.  u.  Warenk.  1894,  8,  306;  1896,  9,  318;  1896,  10,  319;  Jahresberichte
der  Unters.-Anstalt  des  allgem.  österr.  Apoth.-Vereins  1897—1900.
        <pb n="720" />
        Essig.

699

Mengen  der  genannten  Bestandteile,  wenn  in  der  gärenden  Maische  die  Steine  der  Erhöhte
zugegen  sind.  Weiter  hat  K.  Win  di  sch  (I.  c.)  festgestellt,  daß  die  Blausäure  in  diesen
Branntweinen  langsam  verschwindet;  es  könnte  also  der  Pall  verkommen,  daß  ein  nur
wenig  Blausäure  enthaltender  Branntwein  schließlich  ganz  blausäurefrei  wird.  Die  Blausäure ­
  in  den  Branntweinen  verdankt  nur  dem  Umstande  ihre  relative  Beständigkeit,  daß
sie  nicht  frei,  sondern  an  Benzaldehyd  gebunden  ist.  Der  Nachweis  und  die  Bestimmung
der  Blausäure  und  des  Benzaldehyds  verlieren  dadurch  jede  Bedeutung,  daß  in  dem  Bittermandelwasser ­
  und  dem  Kirschlorbeerwasser  sowie  in  den  entsprechenden  Ölen  jederzeit  erhältliche ­
  Präparate  zur  Hand  sind,  die  Blausäure  und  Benzaldehyd  enthalten  und  den
Branntweinen  zugesetzt  werden  können.  Die  Gegenwart  von  Blausäure  und  Benzaldehyd
in  einem  Branntwein  ist  daher  keineswegs  ein  Beweis  dafür,  daß  derselbe  aus  Steinobst
hergestellt  ist.

C.  Essig.
Unter  Essig  versteht  man  ein  durch  die  sog.  Essiggärung  aus  alkoholischen
Flüssigkeiten  oder  durch  Verdünnung  von  Essigsprit  mit  Wasser  gewonnenes  Genußund
  Frischhaltungsmittel. x )
Man  unterscheidet  je  nach  dem  verwendeten  Rohstoff  folgende  Essigsorten:
Branntweinessig  (Spritessig,  Essigsprit),  Wein-,  Obst-,  Obstwein-,
Bier-,  Malz-,  Stärkezucker-  und  Honigessig.
Man  begegnet  im  Handel  jetzt  auch  vielfach  der  Essigessenz  (aus  den  Erzeugnissen ­
  der,  trocknen  Destillation  des  Holzes  hergestellt),  sowie  dem  daraus  durch
Verdünnung  gewonnenen  Essig,  der  den  ersteren  Sorten  gegenüber  als  „Kunstessig“
aufzufassen  ist.
Der  Kräuteressig  wird  durch  Ausziehen  von  Kräutern  mit  den  Essigsorten
gewonnen.
Als  Verfälschungen  des  Essigs  kommen  vor:
Wasserzusatz,  Mineralsäuren  (von  organischen  Säuren  auch  Oxalsäure,
Weinsäure),  scharf  schmeckende  Stoffe  pflanzlicher  Natur,  ferner  Vermischen  gesuchter ­
  und  teuerer  Sorten,  wie  Weinessig  mit  Essigsprit  oder  Vertrieb  des  letzteren
als  Weinessig  usw.
Als  zufällige  Beimengungen  sind  zu  nennen:  Giftige  Metalle  (Kupfer,
Klei,  Zink).
Als  krankhafte  Erscheinungen  treten  Pilzbildungen,  das  Kahmigwerden  und
sehr  häufig  in  den  durch  Gärung  gewonnenen  Essigsorten  die  sog.  Essigälchen
(Anguillula  oxophila)  auf.
Für  die  Untersuchung  des  Essigs  ist  etwa  1 / 2  1  erforderlich,  welches
zweckmäßig  in  einer  mit  Korkstöpsel  verschlossenen  Flasche  versandt  und  aufhewahrt
  wird.
Die  Bestandteile  des  Essigs  sollen  in  Gewichtsprozenten  ausgedrückt
  werden,  d.  h.  es  ist  anzugeben,  wie  viel  Gramm  der  einzelnen
Bestandteile  in  100  g  Essig  enthalten  sind.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts.  Wie  üblich  durch  das  Pyknometer
oder  die  Westphalsche  Wage  (vergl.  S.  449).  Die  Bestimmung  des  spezifischen
Gewichts  ist  für  die  Beurteilung  des  Essigs  von  keinem  Belang.
2.  Bestimmung  des  Extrakts  und  der  Mineralstoffe.  Durch  Eindampfen  von
100  ccm  Essig,  Trocknen  bezw.  Glühen  des  Rückstandes  wie  bei  Spiritus  und  Wein.
9  Vergl.  Vereinbarungen  der  vom  Kaiserl.  Gesundheitsamte  einberufenen  Kommission
deutscher  Nahrungsmittelchemiker,  Heft  II.  Berlin  1899,  79.
        <pb n="721" />
        700

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation,

Nur  Obst-,  Bier-  und  Weinessig  enthalten  nennenswerte  Mengen  Extrakt  und
Mineralstoffe;  der  Branntweinessig  ist  fast  frei  davon.
Die  Mineralstoffe  werden  wie  üblich  auf  Phosphorsäure,  Kali  und  Kalk
untersucht.
3.  Bestimmung  des  Essigsäuregehalts.  10  ccm  Essig  werden  mit  der  gleichen
Menge  Wasser  verdünnt  und  unter  Zusatz  von  Phenolphthalein  als  Indikator  mit
Normal-Alkali  (oder  besser  mit  Normal-Ammoniak)  in  üblicher  Weise  titriert.
1  ccm  Normal-Alkali  =  0,060  g  Essigsäure.  Oder  1  Gewichtsteil  Schwefelsäure ­
  =  1,5  Gewichtsteile  Essigsäure.
Zur  Umrechnung  der  auf  solche  Weise  gefundenen  g  Essigsäure  in  100  ccm  auf
Gewichtsprozente  muß  man  das  spezifische  Gewicht  des  Essigs  kennen;  ist  dasselbe ­
  =  s  und  die  Anzahl  der  verbrauchten  Kubikzentimeter  Normal-Alkali  =  n,  so
findet  man  bei  Anwendung  von  10  ccm  Essig  die  Gewichtsprozente  =  p  nach  der  Formel:

oder  man  dividiert  die  für  100  ccm  Essig  gefundene  Menge  Essigsäure  durch  das
spezifische  Gewicht  des  Essigs.
Bei  stark  gefärbten  Essigen  muß  man  die  Titration  nach  dem  Tüpfelverfahren
  mit  Lackmus-  (oder  auch  Kongorot- 1 ))  Papier  ausführen.  Auch  kann
man  nach  R.  Fresenius,  zumal  wenn  gleichzeitig  empyreumatische  Stoffe  und
freie  Mineralsäuren  vorhanden  sind,  abgemessene  Mengen  Essig,  dessen  spezifisches
Gewicht  bekannt  ist,  mit  Kalium-  oder  Natriumkarbonat  oder  Barytwasser  neutralisieren, ­
  im  Wasserbade  unter  Zusatz  von  Phosphorsäure  und  unter  Einleiten  von
Wasserdampf  destillieren,  das  Destillat  in  einer  genügenden  abgemessenen  Menge
Normal-Alkali  auffangen  und  den  Uberschuß  des  letzteren  zurüoktitrieren.
Alex.  Müller  hat  vorgeschlagen,  bei  stark  gefärbten  Essigen  eine  abgewogene
Menge  in  einen  Glaskolben  mit  doppelt  durchbohrtem  Pfropfen  —  durch  dessen  eine
Öffnung  eine  Trichterröhre  bis  auf  den  Boden  und  durch  dessen  andere  Öffnung
ein  knieförmiges,  gebogenes  Ableitungsrohr  zu  einem  vorgelegten  Kühler  führt  —
zu  bringen,  reinste  Chlorammonium-Lösung  zuzugeben,  alsdann  zu  erwärmen,  indem
man  durch  das  Trichterrohr  eine  abgemessene  Menge  Normal-Alkali  einfließen  läßt.
Es  wird  eine  dem  von  der  vorhandenen  Menge  Essigsäure  nicht  gebundenen  Normal-Alkali
  äquivalente  Menge  Ammoniak  frei,  welche  durch  Titration  des  Destillats  bestimmt ­
  werden  kann.
Fernere  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Essigsäure  bestehen  darin,  daß  man
in  einem  Kohlensäure-Bestimmungsapparat  die  Menge  der  von  einer  gewogenen
Menge  Essig  aus  Alkalikarbonaten  ausgetriebenen  Kohlensäure  quantitativ  feststellt ­
  und  hieraus  den  Gehalt  an  Essigsäure  berechnet  (1  g  Kohlensäure  =  2,778  g
Essigsäure).
Oder  man  bringt  eine  abgewogene  Menge  von  Calciumkarbonat  mit  einer  gewogenen ­
  Menge  Essig  zusammen,  erwärmt,  filtriert  und  wägt  den  ungelöst  gebliebenen ­
  Teil  des  Calciumkarbonats  zurück  (1  g  gelöstes  Calciurakarbonat  =  1,200  g
Essigsäure).
Das  Ottosche  Acetometer  ist  eine  kalibrierte  Röhre,  in  welche  man  bis
zu  einem  gewissen  Teilstrich  Lackmuslösung,  sowie  ein  bestimmtes  Volumen  des
zu  prüfenden  Essigs  gibt,  alsdann  unter  öfterem  Umschütteln  so  viel  Normal-Alkali

1 )  Das  Kongorot  wird  von  der  Aktien-Gesellschaft  für  Anilin-Fabrikation  in  Berlin
hergestellt.
        <pb n="722" />
        Essig,

701

zufließen  läßt,  bis  die  rote  Farbe  eben  in  Blau  übergeht.  Dieses  Verfahren  hat
aber  kaum  Vorzüge  vor  der  gewöhnlichen  Titrationsweise.
4.  Bestimmung  von  Alkohol.  Zur  Bestimmung  des  Alkohols,  welcher  durchweg ­
  nur  in  sehr  geringen  Mengen  verkommt,  werden  etwa  400  ccm  Essig  (von
bekanntem,  spezifischem  Gewicht)  nach  genauer  Neutralisation  abdestilliert,  bis  das
Destillat  200  ccm  beträgt;  letzteres  unterwirft  man  nochmals  der  Destillation,
sammelt  100  ccm  Destillat,  bestimmt  hiervon  das  spezifische  Gewicht  und  liest  den
entsprechenden  Alkoholgehalt  aus  der  Tabelle  von  Helmer  (Tabelle  XVII  am  Schluß)
usw.  ah;  die  so  gefundene  Menge  Alkohol  muß  durch  4  dividiert  werden,  um  die
in  400  ccm  vorhandene  Menge  Alkohol  zu  erhalten  usw.
Qualitativ  prüft  man  auf  Alkohol,  indem  man  das  Destillat  mit  einigen
Tropfen  einer  gesättigten  Lösung  von  Jod  in  Jodkalium  (1  Teil  Jodkalium  auf
5—6  Teile  Wasser)  versetzt,  verdünnte  Kalilauge  zufügt,  bis  die  braune  Jodfarbe
fast  verschwunden  ist,  darauf  kurze  Zeit  in  heißes  Wasser  stellt  und  ruhig  erkalten ­
  läßt;  bei  vorhandenem  Alkohol  bildet  sich  ein  gelber  kristallinischer  Absatz
von  Jodoform  bezw.  bei  geringen  Mengen  nur  ein  deutlicher  Jodoform-Geruch.
5.  Prüfung  auf  Aldehyd.  Hierauf  prüft  man  das  Destillat  nach  S.  685.
6.  Prüfung  auf  freie  Mineralsäuren.
a)  Qualitative  Prüfung.  Man  löst  0,1  g  Methylviolett  (und  zwar  B  2
No.  56  von  der  Farbenfabrik  Bayer  &amp;amp;  Co.  in  Elberfeld)  in  1  1  Wasser  und  setzt  zu
20—25  ccm  Essig  4—5  Tropfen  dieser  Lösung  zu.  Bei  Gegenwart  von  freien
Mineralsäuren  entsteht  bei  viel  vorhandener  Mineralsäure  eine  grüne  Farbe,  hei
wenig  vorhandener  Mineralsäure  eine  blaue  Färbung.
Einige,  Tropfen  einer  Lösung  von  Tropäolin  00  erzeugen  sofort  rote
Wolken.  Man  soll  auf  diese  W'eise  noch  0,1—0,05  °/ 0  freie  Mineralsäure  erkennen
können;  nötigenfalls  ist  der  Essig  vorher  zu  konzentrieren.
Oder  man  behandelt  nach  Föhring  den  Essig  mit  einem  Stückchen  hydratischen ­
  Schwefelzinks:  bei  Anwesenheit  von  freien  Mineralsäuren  tritt  Schwefelwasserstoffentwickelung ­
  auf.  Dieses  Verfahren  soll  sich  auch  zur  quantitativen  Bestimmung ­
  eignen.

Wenn  man  50—100  ccm  Essig  unter  Zusatz  von  etwas  Stärke  (0,01  g)  auf  1 / s  eindunstet ­
  und  dann  Jodlösung  zusetzt,  so  tritt  bei  Gegenwart  von  freier  Mineralsäure ­
  (Schwefelsäure)  keine  Blaufärbung  ein,  weil  die  Stärke  in  Zucker  übergeführt
ist;  tritt  dagegen  Blaufärbung  ein,  so  ist  keine  freie  Schwefelsäure  anzunehmen.
A.  Vogel  verwendet  für  den  Zweck  Kaliumjodidstärkelösung, 1 )  welche  sich
durch  geringe  Mengen  freier  Schwefelsäure  nicht  bläut,  wohl  aber  nach  Hinzufügen
von  etwas  Kaliumchlorat  (Bildung  von  HC10).  Man  übergießt  daher  etwas
Kaliumchlorat  mit  dem  zu  prüfenden  Essig,  erwärmt  und  setzt  obige  Kaliumjodidstärkelösung ­
  zu;  bei  Anwesenheit  von  0,2  °/ 0  Schwefelsäure  tritt  Blau-  oder  Violettfärbung ­
  ein.
Wenn  man  ferner  Essig  unter  Zusatz  von  einigen  Körnchen  Zucker  in  einer
weißen  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  so  hinterbleibt
  bei  Gegenwart  von  freier  Schwefelsäure  ein  dunkelbrauner  bis  schwarzer
Heck.  J.  Neßler  wendet  mit  Zuckerlösung  getränkte  Papierstreifen  an,  welche
24  Stunden  in  dem  Essig  hängen  bleiben,  und  welche  bei  Gegenwart  von  freier
Schwefelsäure  gebräunte  Streifen  nach  dem  Trocknen  zeigen.

x )  Zur  Bereitung  derselben  kocht  man  3  g  Kartoffelstärke  mit  250  com  Wasser,
versetzt  mit  1  g  Kaliumjodid  und  0,5  g  Natriumkarbonat,  verdünnt  auf  1 /,,  1,  läßt  absitzen
hebt  vom  Bodensatz  ab  und  verwendet  die  klare  Lösung.
        <pb n="723" />
        702

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

h)  Quantitative  Bestimmung,  cc)  Salzsäure  —  Salpetersäure  kommt
wohl  kaum  vor  —  300  bis  500  ccm  Essig  werden  mit  vorgelegtem  Kühler  destilliert
und  im  Destillat  die  etwa  vorhandene  Salzsäure  mit  Silberlösung  wie  üblich
quantitativ  bestimmt.
ß)  Schwefelsäure  (und  Salzsäure).  Nach  A.  Hilger 1 )  werden  20  ccm  des
fraglichen  Essigs  nach  dem  Tüpfelverfahren  auf  neutralem  Lackrauspapier  mit  Normal-Alkali
  genau  neutralisiert,  die  neutrale  Flüssigkeit  bis  auf  etwa  den  10.  Teil  eingedampft, ­
  mit  einigen  Tropfen  der  obigen  Methylviolettlösung  versetzt,  bis  auf
etwa  3—4  ccm  mit  Wasser  verdünnt  und  heiß  mit  Normal-Schwefelsäure  bis  zum
Farbenübergange,  der  sehr  scharf  eintritt,  zersetzt.  Die  verbrauchte.  Menge  Normal-Schwefelsäure
  wird  vom  verbrauchten  Normal-Alkali  abgezogen  und  der  bleibende  Rest
an  Normal-Alkali  auf  Schwefelsäure  umgerechnet.  Es  kann  auch  in  der  Siedehitze,
am  besten  in  einer  Porzellanschale  gearbeitet  werden.
Das  Verfahren  beruht  darauf,  daß  das  Natriumacetat  bei  60—70°  bezw.  bei
Siedehitze  durch  Schwefelsäure  vollkommen  zersetzt  wird.  1  ccm  Normal-Alkali
=  0,049  g  Schwefelsäure  (H 2  S0 4 ).
B.  Kohnstein *  2  3 )  schüttelt  100  ccm  des  fraglichen  Essigs  mit  frisch  ausgeglühtem ­
  Magnesiumoxyd,  bis  die  Flüssigkeit  nicht  mehr  sauer  reagiert  und  filtriert.
Vom  Filtrat  werden  25-—50  ccm  in  einer  Platinschale  zur  Trockne  verdampft  und
der  Rückstand  bei  nicht  zu  hoher  Temperatur  geglüht.  Essigsaures  Magnesium
geht  hierbei  in  unlösliches  kohlensaures  Magnesium  über,  während  schwefelsaures
und  Chlor-Magnesium  (herrührend  von  freier  Schwefelsäure  und  Salzsäure)  bestehen
und  löslich  bleiben.  Man  löst  daher  in  Wasser,  filtriert  und  bestimmt  im  Filtrat
nach  Entfernung  von  etwa  vorhandenem  Kalk  die  Magnesia  als  Pyrophosphat,
zieht  von  dieser  Menge  die  ürsprünglich  im  Essig  vorhandene  Magnesia  ab  und
berechnet  aus  dem  Rest  die  dieser  Magnesia  entsprechende  Menge  freie  Schwefeloder ­
  Salzsäure.
M.  Vizern 8 )  macht  gegen  dieses  Verfahren  geltend,  daß  das  kohlensaure
Magnesium  in  Wasser  nicht  unlöslich  ist,  und  schlägt  folgendes,  allerdings  sicherere
Verfahren  vor:
In  etwa  50  ccm  des  fraglichen  Essigs  wird  die  Gesamtmenge  Mineralsäure,
also  Schwefelsäure  durch  Fällen  mit  einer  salzsauren  Chlorbayum-Lösung,  Salzsäure ­
  nach  Neutralisieren  mit  Alkali  und  Wiederansäuren  mit  Salpetersäure  durch
Silberlösung  wie  üblich  bestimmt.  Wenn  keine  freien  Säuren  dieser  Art  vorhanden
sind,  so  entstehen  auf  diese  Weise  nur  schwache  Trübungen.  Darauf  werden  50  ccm
Essig  in  einer  Platinschale  zur  Trockne  verdampft,  der  Rückstand  geglüht  und  im
Glührückstande  ebenfalls  wie  oben  die  vorhandene  Menge  Schwefel-  oder  Salzsäure
bestimmt.  Die  Differenz  zwischen  der  ersten  und  letzten  Bestimmung  gibt  die
Menge  freie  Säure,  da  diese  durch  Glühen  des  Rückstandes  verflüchtigt  werden.
Freie  Salpetersäure  kann  nach  S.  145  u.  ff.  durch  Bestimmung  derselben
im  natürlichen  Essig  und  im  eingedampften  und  geglühten  Rückstände  ermittelt
werden.
7.  Fremde,  freie  organische  Säuren.  Freie  Weinsäure 4  * )  wird  wie  bei
„Wein“  bestimmt.
4 )  Archiv  f.  Hygiene,  8,  448.
2 )  Dinglers  polyt.  Journal  1885,  256,  128.
3 )  Chem.-Ztg.  1886,  10,  Repertorium  S.  83.
4 )  In  Weinessig  kann  unter  Umständen  auch  freie  Weinsäure  als  natürlicher  Bestandteil ­
  aus  dem  verwendeten  Weine  herrühren.
        <pb n="724" />
        Essig.

703

Etwa  vorhandene  Oxalsäure  gibt  sich  durch  Zusatz  von  Gipslösung  zu
erkennen  und  kann  durch  Filtrieren,  Glühen  und  Wägen  des  Kalkes  quantitativ
bestimmt  werden.  (1  g  CaO  =  1,286  g  Oxalsäure.)
8.  Scharfe  Pttanzenstoffe.  50  oder  100  ccm  Essig  werden  mit  Alkali  oder
kohlensaurem  Alkali  genau  neutralisiert  und  eingedampft;  der  mit  Wasser  wieder
aufgenommene  Rückstand  darf  nicht  scharf  schmecken  oder  an  Äther  keine  Bestandteile ­
  abgeben,  welche  einen  scharfen  Geschmack  besitzen.  Uber  den  chemischen
Nachweis  von  Bitterstoffen  vergl.  693  und  unter  „Bier“.
9.  Nachweis  von  Metallen.  Zum  Nachweise  von  Metallen  werden  200—500  ccm
verdampft,  der  Rückstand  bei  farblosen,  extraktarmen  Sorten  direkt  mit  salzsäurehaltigem ­
  Wasser  aufgenoramen  und  in  die  (nötigenfalls  filtrierte)  Lösung  Schwefelwasserstoff ­
  geleitet.  Oder  man  äschert  den  Trockenrückstand  unter  Zusatz  von
etwas  Soda  und  Salpeter  ein  und  verfährt  zum  Nachweise  bezw.  zur  quantitativen
Bestimmung  der  Metalle  nach  S.  203.  Auf  Kupfer  kann  auch  bei  farblosen  Essigsorten ­
  wie  bei  Branntwein  (S.  694)  geprüft  werden,
10.  Nachweis  von  Farbstoffen.  Für  die  Färbung  des  Essigs  kommen  dieselben
Farbstoffe  wie  bei  den  Spirituosen  (S.  692)  bezw.  dem  Wein  in  Betracht,  und
werden  die  Farbstoffe  auch  wie  bei  diesen  nachgewiesen.
11.  Nachweis  von  Frischhaltuugsmitteln.  Dem  Einmachessig  werden  mitunter ­
  zur  Erhöhung  der  haltbarmachenden  Wirkung  noch  stärker  wirkende  Frischhaltungsmittel, ­
  vorwiegend  Salizylsäure,  zugesetzt.  Dieselbe  weist  man  nach
Ausschütteln  des  Essigs  mit  Äther  wie  bei  Milch  S.  479  nach.  Behufs  Nachweises
der  Borsäure  wird  der  Essig  alkalisch  gemacht,  eingedampft,  verascht  und  die
Asche  wie  bei  Milch  S.  480  auf  Borsäure  geprüft.  Den  Formaldehyd  kann  man
direkt  im  Essig,  oder  nach  vorheriger  Destillation  wie  bei  Milch  S.  482  nachweisen,
wobei  zu  berücksichtigen  ist,  daß  nach  B.  Farnsteiner 1 )  Essig,  der  keinen  Zusatz
von  Formaldehyd  erhalten  hat,  ebenfalls  eine  schwache  Formaldehydreaktion
gehen  kann.

12.  Unterscheidung  der  einzelnen  Fssigsorteu.  Die  einzelnen  Essigsorten  lassen
sich  nur  im  unvermischten  Zustande  einigermaßen  sicher  unterscheiden.
Branntweinessig  hat  einen  rein  sauren  Geschmack  und  hinterläßt  nur
wenig  Abdampf-  und  Glührückstand  —  letzterer  ist  von  neutraler  oder  schwach
alkalischer  Reaktion  —•.
Wein-,  Bier-  und  Obstessig  liefern  dagegen  mehr  oder  weniger  Abdampfrückstand ­
  (0,50—-1,50  %)  und  eine  alkalisch  reagierende  Asche  mit  mehr  oder
weniger  Kali  und  Phosphorsäure.  Die  Asche  beträgt  selten  weniger  als  0,26  °/ 0 .
Der  Obst-  und  Weinessig  kann  ferner  an  dem  Gehalt  von  Glyzerin,  besonders ­
  aber  an  dem  von  Äpfelsäure  bezw.  Weinstein  erkannt  werden.  Zur
Bestimmung  von  Weinstein  verdampft  man  etwa  1 / 2  1  Essig  auf  100  ccm  ein,  setzt
nach  dem  Erkalten  ein  gleiches  Volumen  Alkokol  zu  und  läßt  eine  Zeitlang  stehen;
der  sich  alsdann  ausscheidende  Weinstein  wird  gesammelt  und  wie  unter  „Wein“
an gegeben  ist,  bestimmt.

Mitunter  enthalten  die  Weinessige  auch  freie  Weinsäure,  welche  wie  bei
»Wein“  bestimmt  werden  kann.  Hierbei  ist  indes  zu  bemerken,  daß  dem  Branntwcinessig
  zuweilen  Weinsäure  zugesetzt  wird.
Die  Obst-  (Äpfel-  und  Birnen-)  Essige  (Cideressig)  lassen  sich  an  ihrem
rehalt  an  freier  Äpfelsäure  erkennen.  Man  dampft  eine  größere  Menge  des
ss!gs  ein  und  fällt  mit  Bleiacetat,  welches  bei  Gegenwart  von  Äpfelsäure  einen

l )  f  orsohungsberiohte  über  Lebensmittel  1896,  3,  54.
        <pb n="725" />
        704

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Spiritusfabrikation.

weißen  voluminösen  Niederschlag  bewirkt.  Man  kann  denselben  abfiltrieren,  durch
Schwefelwasserstoff  zerlegen,  das  Filtrat  von  Schwefelbloi  zur  Trockne  verdampfen,
mit  Wasser  aufnehmen,  titrieren,  um  die  Menge  Äpfelsäure  annähernd  quantitativ
zu  erfahren,  oder  man  erwärmt  das  von  Schwefelwasserstoff  befreite  Filtrat  mit
Calciumkarbonat,  filtriert  und  weist  das  äpfelsaure  Calcium  mikroskopisch  an  seiner
Kristallform  nach.
Bier-,  Malz-  und  Stärkezucker-Essig  enthalten  durchweg  Dextrin,
welches  durch  Vermischen  mit  gleichviel  starkem  Spiritus  ausgeschieden  werden  kann.
0.  Hehner 1 )  will  an  dem  Phosphorsäure-Gehalt  der  Asche  erkennen
können,  ob  Bier-  bezw.  Malzessig  vorliegt.  Zunächst  läßt  sich  annähernd  der  ursprüngliche ­
  Troekengehalt  der  Würze  berechnen,  indem  man  zu  dem  Trockensubstanzgehalt ­
  des  Essigs  die  1,5-fache  Menge  der  gefundenen  Essigsäure  hinzurechnet
—  denn  120  Teile  Essigsäure  entsprechen  annähernd  180  Teile  Glukose  —;  diese  Menge
ist  natürlich  zu  gering,  da  bei  der  Essigbereitung  sowohl  Alkohol  als  Essigsäure
verflüchtigt  wird.  Wenn  man  aber  auf  100  °/ 0  Trockensubstanz  der  ursprünglichen
Malzwürze  0,7—0,8  °/ 0  Phosphorsäure  rechnen  kann,  so  müssen  100  °/ 0  berechnete
Trockensubstanz  des  Essigs  (also  Extraktgehalt  des  Essigs  -f-  die  1,5-fache  Menge
Essigsäure  desselben)  mehr  als  0,7—0,8  °/ 0  oder  mindestens  diese  Menge  Phosphorsäure ­
  enthalten,  was  auch  durch  Untersuchung  von  5  Sorten  echter  Malzessige  bestätigt ­
  wurde.  Essige,  welche  auf  die  vorstehend  berechnete  Menge  Trockensubstanz
weniger  als  0,7  °/ 0  Phosphorsäure  enthalten,  können  nach  Hehner  nicht  mehr  als
reine  Bier-  bezw.  Malzessige  angesehen  werden.
Das  aus  konzentrierter  Essigsäure,  der  Essigessenz,  durch  Vermischen  mit
etwas  Essigäther  und  Aromastoffen  und  durch  Färben  mit  Zuckercouleur,  hergestellte
Erzeugnis  bezw.  der  Holzessig  hat  nur  wenig  Ah  dampf  rückstand  und  Asche,  kann
auch  kleine  Mengen  von  Teerbestandteilen  (Phenolen,  brenzlichen  Stoffen  usw.)
enthalten.
Für  die  Unterscheidung  des  Gärungsessigs  von  dem  aus  Essigsäure
(Essigessenz  bezw.  Holzessig)  hergestellten  Erzeugnis  kann  die  mikroskopische
und  bakteriologische  Untersuchung  mit  herangezogen  werden.
Ferner  werden  für  diese  Unterscheidung  von  F.  Rothenbach *  2 )  folgende
Reaktionen  angegeben:
50  com  des  zu  prüfenden  Essigs  werden  mit  20—30  ccm  reinem,  alkoholfreiem
Chloroform  im  Scheidetrichter  geschüttelt.  Emulsionen  beseitigt  man  durch  Zusatz  von
Wasser  und  starkes  Abkühlen  des  Gemisches.  Die  Chloroformschicht  wird  dann  durch  ein
trocknes  Filter  filtriert  und  stark  abgekühlt;  hierbei  tritt  eine  weißliche  Trübung  des  Chloroforms ­
  auf.  Auf  Zusatz  von  2—3  ccm  Nitriersäure  (hergestellt  durch  Mischen  von  10  Teilen
konzentrierter  Schwefelsäure  und  11  Teilen  rauchender  Salpetersäure  unter  Kühlung),  die
ebenfalls  gekühlt  ist,  bildet  sich  bei  Gegenwart  von  Gärungsossig  zwischen  beiden  Flüssigkeiten ­
  eine  deutliche  duukelrote  Zone.  Nach  vorsichtigem  Schütteln  nimmt  die  Chloroformschicht ­
  eine  deutlich  rote  Färbung  an,  während  die  untere  Schicht  farblos  bleibt.  Die
Färbung  ist  längere  Zeit  beständig.  Mit  Essenzen  hergestellte  Erzeugnisse  geben  keine
gefärbte  Zone.  Bei  dem  Gärungsessig  ist  die  Reaktion  um  so  stärker,  jo  hochprozentiger
der  Essig  ist.
Oder  nach  einer  anderen  Vorschrift:
„In  ein  Reagensglas  wird  mittels  Pipette  1  com  der  zu  prüfenden  Flüssigkeit  gebracht, ­
  die  Flüssigkeit  wird  hierauf  mit  0,1  ccm  1 / 10  N.-Jodlösung  und  0,2  ccm  konzentrierter ­
  Schwefelsäure  versetzt,  dann  umgeschüttelt  und  abgekühlt.“

x )  The  Analyst  1891,  16,  81.
2 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  817.
        <pb n="726" />
        Essig.

705

Die  auftretenden  Erscheinungen  sind:
1.  Konzentrierte  Essigessenz  gibt  eine  blanke  dunkelrote  Färbung.
2.  Mit  Wasser  verdünnte  1  °/ 0 -ige  Essenz  gibt  eine  blanke,  hellgelbe  Färbung.
3.  Keiner  Gärungsessig  gibt  eine  dunkelrote  Färbung;  die  Flüssigkeit  wird  aber  bald
trübe  und  völlig  undurchsichtig;  an  der  Oberfläche  bildet  sich  eine  grünliche  Schicht.
4.  Keiner  mit  Wasser  verdünnter  Gärungsessig  gibt  ebenfalls  eine  dunkelrote  Färbung
und  wird  bald  trübe.
5.  Ein  Gemisch  von  100  ccm  10°/ 0 -igem  Gärungsessig  und  20  ccm  Essigessenz:  blank
gelblichrot.
а.  Destilliert  man  Gärungsessig  und  prüft  dann  das  Destillat  und  den  Rückstand,
so  beobachtet  man  folgende  Erscheinungen:
a)  Das  Destillat  zeigt  eine  hellgelbe  Färbung  und  bleibt  blank;
ß)  der  Rückstand  zeigt  eine  duukelrote  Färbung  und  wird  trübe  und  undurchsichtig. ­

b)  Übergießt  man  neue  Essigspäne  mit  Essigessenz  und  läßt  längere  Zeit  stehen,
so  erhält  man  nach  dem  angegebenen  Verfahren  eine  dunkelrote  Färbung;  die
Flüssigkeit  bleibt  blank.
13.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  des  Essigs.  1.  Speiseessig  soll  im  allgemeinen
3,5—4,0  °/ 0 ,  keinesfalls  unter  3%  Essigsäure  (C 2 H 4 0. 2 )  enthalten.
G.  Popp 1 )  hat  zwar  nachgewiesen,  daß  man  zur  Verbesserung  des  Geschmackes  von
Speisen,  selbst  von  alkalisch  beschaffenen  Speisen  mit  2  °/ 0 -igem  Essig  ebensoweit  kommt,
als  mit  3  °/ 0 -igem  Essig,  daß  ferner  2  °/ 0 -iger  Essig  zur  Haltbarmachung  von  Nahrungsmitteln ­
  dieselben  Dienste  leistet,  als  3  °/ 0 -iger  Essig;  nichtsdestoweniger  soll  nach  G.  Popp
a ü  3  °/ 0  Essigsäure  als  Mindestmenge  im  Essig  —  die  deutschen  Essig-Fabrikanten  fordern
sogar  3,5  °/ 0  —  festgehalten  werden,  weil  ein  Essig  unter  3  °/ 0  Essigsäure  beim  Aufbewahren ­
  durch  Kahmhautbildung  und  das  reichliche  Auftreten  von  Essigälchen  leicht
verdirbt.
2.  Derselbe  soll  klar  und  durchsichtig  sein.  Durch  Essigälchen  getrübter  oder  mit
Pilzwucherungen  bedeckter  Essig  ist  zu  beanstanden.
Speiseessig  darf:
3.  keine  giftigen  Metalle,
4.  keine  scharf  schmeckenden  Stoffe,
5.  keine  Teerbestandteile  (Phenole  oder  brenzliche  Stoffe), 3 )
б.  keine  freien  Mineralsäuren  enthalten.
7.  Essig  muß  frei  von  Frischhaltungsmitteln  sein,  wenn  nicht  die  Bezeichnung  einen
besonderen  Hinweis  auf  solche  enthält.
*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  952.
3 )  Von  einigen  Seiten  (vergl.  E.  Hintz,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.
Genußmittel  1899,  2,  132)  wird  der  Essigessenz.  (Holzessig)  wegen  ihrer  größeren  Haltbarkeit ­
  vor  dem  Gärungsessig  der  Vorzug  gegeben  und  hervorgehoben,  daß  auch  der
kpritessig  ein  Kunsterzeugnis  ist  —  im  Gegensatz  zu  dem  Bier-,  Obst-  und  Weinessig  als
Naturerzeugnissen  —.  Das  kann  aber  kein  Grund  sein,  daß  im  Handel  der  Holzessig  von
dem  Gärungsessig  auch  durch  seine  Bezeichnung  unterschieden  werden  soll,  damit  der
Aaufer  weiß,  welches  Erzeugnis  er  vor  sich  hat.

Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

45
        <pb n="727" />
        Bier  und  seine  Rohstoffe

A.  Rohstoffe.
I.  Wasser.
Ein  Wasser  für  die  Bierbereitung,  wie  für  die  meisten  technischen  Betriebe
zur  Verarbeitung  von  landwirtschaftlichen  Erzeugnissen,  muß  dieselbe  gute  Beschaffenheit ­
  besitzen  wie  Trinkwasser,  vor  allen  Dingen  klar,  hell,  geruchlos
und  rein  sein.
Ein  an  organischen  Stoffen  reiches  Wasser  liefert  ein  weniger  haltbares  Bier
und  befördert  beim  Einweichen  der  Gerste  die  Schimmelbildung;  ein  Wasser,  welches
Ammoniak,  salpetrige  Säure  und  Schwefelwasserstoff  enthält,  muß  von  jeglicher
Verwendung  ausgeschlossen  werden.  Auch  ein  Eisengehalt  von  über  4—5  mg  in  1  1
gilt  als  störend.
Im  übrigen  können  recht  verschiedenartige  Wässer  mit  gleichem  Erfolge  für  die
Bierbrauerei  verwendet  werden.
Ein  hoher  Gehalt  des  Wassers  an  den  Bikarbonaten  von  Kalk  und  Magnesia
soll  beim  Einweichen  der  Gerste  insofern  günstig  sein,  als  er  die  Lösung  von  Proteinstoffen
und  Phosphorsäure  vermindert,  dagegen  insofern  nachteilig,  als  er  den  Weichvorgang  verlangsamt. ­
  Nach  Ullik  hängt  indes  die  Menge  der  gelösten  organischen  Stoffe  beim  Einweichen ­
  der  Gerste  weniger  von  der  Beschaffenheit  des  Wassers  als  von  der  Dauer  der
Einweichung  ab.  Auf  den  Gärvorgang  können  die  Bikarbonate  keinen  Einfluß  ausüben,
weil  sie  beim  Kochen  der  Würze  ausgefällt  werden;  höchstens  können  sie  hierbei  etwas
Phosphorsäure  mit  ausfällen,  aber  es  geschieht  jedenfalls  nicht  in  dem  Maße,  daß  die  Hefe
an  diesem  wichtigen  Nährstoff  Mangel  leiden  könnte.
Ein  mäßiger  Gehalt  an  Calciumsulfat  (Gips),  etwa  200—300  mg  für  1  1,  wird
als  vorteilhaft  angesehen,  indem  er  ein  zu  weit  gehendes  Auslaugen  in  der  Mälzerei  verhindern, ­
  die  Bruchbildung  (Abscheidung  der  Biweißstoffe)  beim  Würzekochen  unterstützen
und  die  Hefe  mit  dem  unentbehrlichen  Kalk  als  Nährstoff  versorgen  soll.  Gipsfreie  bezw.
-arme  Wässer  sucht  man  durch  künstlichen  Zusatz  an  Gips  anzureichern.  Ein  zu  hoher
Gipsgehalt  (über  1000  mg  für  1  1)  gilt  jedoch  als  nachteilig;  ebenso  sind  größere  Mengen
Magnesiumsulfat  schon  wegen  ihrer  abführenden  Wirkung  verwerflich.
Gewisse  Mengen  von  Chlornatrium  (bis  750  mg  in  1  1)  gelten,  besonders  für  die
Herstellung  dunkeier,  voll-  und  süßschmeckender  Biere,  als  günstig;  das  trifft  aber  nur
dann  zu,  wenn  das  Chlornatrium  aus  natürlichen,  nicht  verunreinigten  Bodenschichten  herrührt. ­
  Entstammt  dasselbe  aber  Bodenschichten,  welche  mit  kochsalzreiohen,  menschlichen
oder  tierischen  Abfallstoffen  duroktränkt  sind,  so  ist  der  höhere  Gehalt  an  Chlornatrium
wegen  der  sonstigen,  dasselbe  verunreinigenden  Bestandteile  zu  verwerfen;  mehr  als  1000  mg
Chlornatrium  in  1  1  Wasser  beeinträchtigen  zudem  die  Keimung,  Gärung  wie  Klärung.
Größere,  10—20  mg  in  1  1  übersteigende  Mengen  Kali  deuten  in  der  Hegel 1 )  auf
Verunreinigungen  vorstehender  Art  hin  und  sind  nachteilig;  als  besonders  nachteilig  gelten
xllkalikarbonate  bezw.  -bikarbonate,  weil  sie  die  diastasische  Wirkung  bezw.  Verzuckerung
sowie  die  Bruchbildung  beim  Würzekochen  schwächen  und  der  Würze  einen  rauhen
Hopfengeschmaok  verleihen.
J )  Ausgenommen  sind  natürlich  Verunreinigungen  durch  Zuflüsse  aus  der  Bauindustrie. ­
        <pb n="728" />
        Wasser.  Gerste.

707

45*

Wichtig  für  die  Beurteilung  eines  Brauereiwassers  ist  die  Frage,  wie  sich  die
Mikroorganismen  desselben  zu  Würze  und  Bier  verhalten.  Hansen  gibt  behufs
Prüfung  dieser  Frage  in  20  bezw.  25  Stück  Freudenreich-Kölbchen  je  20  ccm  Würze  oder
Bier,  versetzt  dieselben  nach  dem  Sterilisieren  mit  je  einem  Tropfen  ( 1 / 25  ccm)  des  betreffenden ­
  Wassers  und  lädt  die  Fläschchen  8  Tage  bei  25°  im  Thermostaten  und  8  Tage
bei  gewöhnlicher  Zimmertemperatur  stehen.  Die  Zahl  der  Fläschchen,  in  welchen  die
Nährlösung  angegriffen  erscheint,  wird  mit  5  bezw.  4  multipliziert,  um  das  Ergebnis  in
Prozenten  auszudrücken.
Pr.  Sohwackhöfer  hat  auf  diese  Weise  60  Brauereiwässer  biologisch  sowie  chemisch
untersucht  und  dieselben  je  nach  ihrer  Verwendbarkeit  in  5  Gruppen  eingeteilt,  aus  denen
hier  folgende  Untersuchungen 1 )  mitgeteilt  werden  mögen.
(Siehe  Tabelle  S.  708.)
II.  Gerste.
Zur  Bierbrauerei  ist,  wie  schon  S.  304  erwähnt  ist,  nur  die  bespelzte  Gerste
geeignet  und  wird  dazu  fast  ausschließlich  die  Sommergerste  der  2-zeiligen  Varietät
Hordeum  distichum  und  H.  erectum  verwendet,  unter  welchen  besonders  die  Chevaliergerste ­
  und  deren  Abkömmlinge  (die  Hanna-  und  ungarische  Gerste,  ferner  die  Landgersten; ­
  Franken-,  Saale-,  Eeis-  und  bayerische  Gerste)  als  Braugerste  besonders
geschätzt  werden.  Von  einer  guten  Braugerste  wird  verlangt,  daß  sie  eine  tunlichst
hohe  Extraktausbeute  liefert,  sich  leicht  verarbeiten  läßt  und  bei  sachgemäßer  Behandlung ­
  ein  haltbares  Bier  liefert.  Die  Beurteilung  der  Braugerste  findet  einerseits
Euch  äußeren  Merkmalen,  andererseits  nach  besonderen  Eigenschaften  und  der
chemischen  Zusammensetzung  statt.  Nach  diesen  Eichtungen  kommen  in  Betracht: 2 )
1.  Die  Farbe.  Die  Farbe  der  Braugerste  soll  tunlichst  gleichmäßig  hellweiß
oder  hellgelb  sein.  Eine  gelblich-braune  oder  graue  Farbe  deutet  auf  hohen  Proteingehalt, ­
  eine  braune  und  schwarze  Farbe  der  Spitzen  auf  Pilzwucherungen  bei  stark
beregneten  Gersten  und  infolgedessen  auf  eine  geringe  Keimfähigkeit  hin.
2.  Der  Geruch  soll  frisch,  strohartig,  keinenfalls  dumpf  und  schimmelig  sein.
3.  Die  Korngröße  soll  tunlichst  gleichmäßig  sein;  eine  mittlere  Korngröße,
hei  der  1000  Korn  38—44  g  wiegen,  gilt  als  die  beste;  großkörnige  Gersten  haben
45—60  g 5  kleinkörnige  —  auch  noch  verwendbare  —  Gersten  36—38  g  Tausend-Körner-Gewicht.
  Gersten  mit  noch  niedrigerem  Tausend-Kbrner-Gewicht  gelten  als
unbrauchbar  für  Brauereizwecke,  weil  sie  —  mit  Ausnahme  der  Wintergerste  —
Proteinreich  und  stärkearm  sind.  Großkörnige  Gerste  läßt  sich  nicht  so  leicht  ein-Weichen
  als  mittelkörnige  Gerste.
4.  Das  Hektoliter-Gewicht  schwankt  in  folgenden  Grenzen:
leichte  mittlere  schwere  Gerste
62—63  kg  64—67  kg  68—72  kg.
Ein  hohes  Hektoliter-Gewicht  deutet  durchweg  auf  stärkereiche  und  proteinarme
  Gerste  hin  und  wird  daher  gewünscht.  Indes  kann  auch  eine  eiweißreiche,
^ber  spelzenarme  Gerste  ein  hohes,  eine  stärkereiohe,  aber  bauchige  Gerste,  deren
Körner  sich  nicht  so  dicht  Zusammenlegen  als  flache  Gerste,  ein  niedriges  Hektoliter-Gewicht
  haben.  Uber  die  Bestimmung  des  letzteren  vergl.  S.  443.
Als  ein  dem  Hektoliter-Gewicht  entsprechender  Ausdruck  gilt  auch  der  für
(16  Sp
errigkeit  der  Gerste;  darunter  versteht  man  die  Anzahl  Liter,  welche
1  kg  Gerste  einnehmen.  Man  bestimmt  die  Sperrigkeit  mit  dem  Getreideprüfer
*)  Vergl,  C.  J.  Lintner,  Grundriß  d.  Bierbrauerei.  Berlin  1898,  24  und  25.
2 )  Vergl.  ebenda.  Berlin  1905.
        <pb n="729" />
        Bier,  und  seine  Rohstoffe.

Gruppe

Chemische  Bestandteile,  mg  in  1  1:

Biologische  Untersuchung;

Ungünstig  oder
nicht  verwendbar ­
  wegen
Befundes

Abdampfrückstand

Eisenoxyd

"öS
M

Magnesia

Alkalien

Chlor

Salpetersäure

Schwefelsäure

Kohlensäure

Ammoniak

Salpetrige  Säure

Zur  Oxydation
erforderlicher  Sauerstoff

*
Mikrophyten
in  1  ccm
Wasser
auf  auf
Pepton-  Würze-Gelatine


Zerstö
Proz.
angest
Prol
Würze

rt  in
der
eilten
)en
Bier

L  |

263,8

1,2

135,2

3,9

3,0

Spur

0,0

0,0

109,5

0,0

0,0

0,0

56

0

0

0

—

Vorzüglich  ge--!

429,6

0,0

140,6

47,6

6,8

2.1

0.0

12,6

159,2

0,0

0,0

1,2

165

0

0

0

—

eignet  '

443,4

2,8

128,6

53,4

3,9

22,0

17,4

69,7

84,2

Spur

0,0

1,4

609

0

0

0

‘

TT  I

496,0

0,6

149,8

59,3

45,2

17,0

0,0

71,6

147,8

0,0

0,0

0,6

3260

0

0

0

—

II.  1

540,4

0,0

135,4

74,8

1,7

2.5

0,0

30,8

171,4

0,0

0,0

2,2

785

0

0

0

—

Gut  geeignet  [

430,8

1,0

128,6

52,3

22,0

11,5

0,0

69,2

109,0

0,0

0,1

0,4

6120

0

8

0

—

III.  ,

748,0

2,8

196,0

51,2

83,7

37,1

83,7

88,5

124,0

0,0

1,0

1,8

583

0

0

0

chemischen

Noch  verwend-  j

766,0

2.8

183,6

29,0

84,4

72,3

37,3

68,4

147,0

Spur

1,9

4,0

4134

0

8

0

desgl.

bar  '

232,4

1,5

96,0

8,5

6,2|Spur

0,0

4,8

80,1

0,0

0,0

0,2

7176

0

32

0

biologischen

!V.  ,

778,4

6,6

171,4

71,4

72,7

88,3

4,5

99,6

156,0

2,1

deutlich

2.8

46700

0

70

0

ehern,  u.  biolog.

Nur  im  Notfall

287,3

6,2

96,3

13,7

11,1

10.0

0,0

40,6

68,4

0,0

0,0

1,6

6000

0

•  80

8

biologischen

zu  verwenden  '

390,0

2,5

101,2

28,9

12,0

13,3

32,7

47,2

66,0

0,0

0,0

0,9

8456

0

20

19

desgl.

2724,4

4,6

836,8

117,5

88,0

16.8

18,4

1278,8

164,0

2,1

5,7

2,2

0

0

—

—

chemischen

V -  J

165,2

2,4

69,2

21,0

9,9

2,8

0,0

—

2,0

1,3

2,2

769730

—

100

4

biologischen

Unverwendbar  |
:  i  '■*

771,4

2,8

182,6

76,7

55,1

11,6

0,0

219,4

143,6

23,4

5,1

0,4

121687

100

60

ehern,  u.  biolog.
        <pb n="730" />
        Gerste.

709

von  Friedr.  Lux  in  Ludwigshafen, 1 )  indem  man  an  einer  Wage  mit  eingeteiltem
Glasgefäß  ahliest,  wieviel  Raum  160  g  abgewogene  Gerstenkörner  einnehmen.
Durch  Division  der  für  die  Sperrigkeit  gefundenen  Zahl  in  10000  erhält  man
das  Hektolitergewicht,  umgekehrt  durch  Division  mit  dem  Hektoliter-Gewicht  in
10000  die  Sperrigkeit.
5.  Die  Spelzeubeschaffenheit.  Die  Spelzen  können  die  Beschaffenheit  des
Bieres  dadurch  beeinträchtigen,  daß  aus  ihnen,  besonders  aus  groben  Spelzen,
bitter-  oder  rauhschmeckende  Stoffe  ausgezogen  und  ins  Bier  übergeführt  werden
können;  aus  dem  Grunde  werden  feinspelzige  Gersten  den  grobspelzigen  vorgezogen,
obschon  der  absolute  Gehalt  an  Spelzen  bei  letzteren  nicht  erheblich  höher  ist;  er
beträgt  nach  Fr.  Schönfeld' 3 )  bei  dünnspelzigen  Gersten  6,5—7,5  °/ 0 ,  bei  grobspelzigen ­
  bis  9,5  °/ 0 ,  bei  Wintergersten  bis  11,5  °/ 0  der  Körner.
Ein  genaues  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Spelzen  gibt  es  nicht.  Ein
Verfahren  besteht  (vergl,  E.  Prior, 1 )  S.  57)  darin,  daß  man  eine  gewogene  Anzahl ­
  Körner  während  24  Stunden  in  5  °/ 0 -iger  Schwefelsäure  bei  gewöhnlicher
Temperatur  einweicht,  dann  mit  kaltem  Wasser  auswäscht  und  die  zurückgebliebenen
Spelzen  trocknet  und  wägt.  Nach  einem  anderen  Verfahren  (von  Hooky  und
Klose)  sollen  die  Gerstenkörner  —  in  einer  abgewogenen  Menge  —-  mittels  der
Luftpumpe  luftleer  gemacht  und  dann  mit  Wasser  eingeweicht  werden;  hierdurch
sollen  sich  die  Spelzen  nach  wenigen  Minuten  leicht  von  den  Körnern  ablösen  und
dem  Gewichte  nach  feststellen  lassen.
C.  Keimfähigkeit  und  Keimungsenergie.  Eine  Gerste  ist  um  so  besser,  je
höher  die  Keimfähigkeit  und  Keimungsenergie  ist  bezw.  je  näher  dieselben  zusammenliegen. ­
  Unter  Keimungsenergie  versteht  man  den  Prozentsatz  der  innerhalb ­
  3  Tagen  bei  Zimmertemperatur  gekeimten  Körner,  unter  Keimfähigkeit  die
Gesamtmenge  der  keimfähigen  Körner  nach  10—12  Tagen.  Die  Keimungsenergie
soll  bei  guter  Gerste  mindestens  90  °/ 0 ,  die  Keimfähigkeit  mindestens  95  °/ 0  betragen,
über  die  Bestimmung  derselben  vergl.  S.  438—443.
7.  Beschaffenheit  des  Mehlkörpers  oder  Endosperms  (Schnittprobe).  Man
unterscheidet  mehlige,  halbmehlige,  halb-  und  ganzglasige  (oder  -speckige)  Gerste.
Lei  letzterer  sind  die  Zellen  von  Stärke  und  Plasma  völlig  erfüllt,  bei  mehliger
Gerste  schließen  dieselben  noch  Luft,  ein;  aus  dem  Grunde  läßt  sich  diese  leichter
verarbeiten  und  liefert  mehr  Ausbeute  als  speckige  oder  glasige  Gerste.  Die  Beschaffenheit ­
  des  Mehlkörpers  wird  gewöhnlich  durch  Durchschneiden  der  Körner
mittels  des  Farinotoms  (z.  B.  von  Printz  in  Karlsruhe)  festgestellt,  und  werden
Körner,  die  nur  eine  Spur  einer  weißen  Stelle  (in  der  Mitte  oder  am  Rande)  zeigen,
zu  den  halbmehligen  Körnern  gerechnet.  Man  soll  mindestens  5-mal  je  100  Körner
Durchschneiden.  Da  die  glasigen  Körner  durchsichtig  sind,  so  bedient  man
sich  zur  Feststellung  der  Beschaffenheit  des  Mehlkörpers  auch  des  Diaphanoskops
von  Ashton.
8.  Schimmelige  Beschaffenheit.  Stark  beregnete  oder  feucht  aufbewahrtc
oezw.  havarierte  Gerste  ist  mehr  oder  weniger  stark  verschimmelt.  Über  den
Lachweis  des  Schimmels  vergl.  S.  253  und  419.
9.  Chemische  Zusammensetzung  der  Gerste.  Eine  Gerste  ist  für  Brauereizwecko
  um  so  besser,  je  mehr  Extraktausbeute  sie  liefert;  diese  schwankt  zwischen
8  80  °/ 0  der  Trockensubstanz,  geht  aber  bei  schlechten  Gersten  wohl  unter  68  °/ 0
_  9  Vergl.  Eugen  Prior,  Chemie  und  Physiologie  des  Malzes  und  des  Bieres.
Leipzig  1896.
')  Pr.  Schönfeld,  Die  Herstellung  obergäriger  Biere.  Berlin  1902,  8.
        <pb n="731" />
        710

Bier  und  seine  Rohstoffe.

herunter.  Im  allgemeinen  ist  die  Extraktausbeute  um  so  größer,  je  stärkereichcr
die  Gerste  ist;  aus  dem  Grunde  werden  stärkereiche  und  proteinarme  Gersten  für
Brauereizwecke  vorgezogen.  Nach  Fr.  Schönfeld  enthalten;
edle  Gersten  mittelgute  Gersten  geringwertige  Gersten
Protein  .  .  .  7—10  ®/ 0  10—12  %  12  —  15  °/ 0 -
C.  J.  Lintner  hält  indes  schon  11  °/ 0  Protein  und  mehr  in  der  Regel  für
zu  hoch  in  einer  Brauereigerste.
Uber  die  Bestimmung  des  Proteins  vergl.  S.  208,  der  Stärke  S.  238,  der
Eohfaser  S.  245  usw.  Auch  empfiehlt  sich  für  Brauereigerste  unter  Umständen
die  Bestimmung  des  Gehalts  an  in  kaltem  Wasser  löslichen  Stickstoffverbindungen,
denn  je  mehr  lösliches  Eiweiß  in  der  Gerste  vorhanden  ist,  desto  größer  „scheint“
das  diastasische  Vermögen  des  Malzes  zu  sein,  das  aus  der  Gerste  erzeugt  wird.
III.  Malz.
Für  die  Untersuchung  von  Malz  haben  die  Brauerei-Versuchsstationen  in
Berlin,  Hohenheim,  München,  Nürnberg,  Weihenstephan,  Wien  und  Zürich  nachstehende ­
  Vereinbarungen 1 )  getroffen:
1.  Probenahme.  Die  zur  Untersuchung  dienende  Malzprohe  soll  einer  wirklichen
Durchschnittsprobe  entsprechen.  Unter  Berücksichtigung,  daß  aufgeschüttetes  Malz  in
den  verschiedenen  Teilen  des  Haufens  ungleiche  Zusammensetzung  hat,  ist  die  ganze
Malzpartie  vorher  gründlich  um-  und  überzuschaufeln.  Alsdann  werden  von  verschiedenen ­
  Stellen  möglichst  viele  gleiche  Proben  entnommen,  gut  gemischt  und  aus
dieser  Mischung  die  Untersuchungsprobe  gezogen.  Ein  Probestecher  ist  für  die  Probenahme ­
  sehr  dienlich,  weil  er  gestattet,  aus  verschiedenen  Tiefen  Proben  zu  holen.
Bei  in  Silos  lagerndem  Malze  ist  es  besonders  wichtig,  aus  allen  Tiefen  die  zur
Herstellung  der  Durchschnittsprobe  dienenden  Anteile  zu  erhalten.  Von  in  Säcken
lagerndem  Malze  sind  Stichproben  aus  mehreren  Säcken  und  aus  verschiedenen
Tiefen  des  Sackinhaltes  zur  Probemischung  zu  entnehmen.
2.  Größe  und  Verpackung  der  Probe.  Die  Menge  des  zur  Untersuchung  einzusendenden ­
  Malzes  soll  mindestens  500  g  betragen.  Die  Verpackung  muß  eine
weitere  Veränderung  des  Malzes,  hinsichtlich  des  Wassergehaltes  insbesondere,  ausschließen. ­
  Glasflaschen  (Bierflaschen)  mit  Korkstöpsel  oder  Patentverschluß,  Pulvergläser ­
  mit  eingeriebenem  Stöpsel,  Konservengläser  oder  auch  gut  schließende  Blechgefäße ­
  sind  dazu  geeignet.  Steinkrüge,  Kartons,  Säcke  oder  Holzschachteln  sind
ausgeschlossen. 2 )
3.  Nähere  Angaben.  Es  sollen  zu  einer  jeden  Malzprobe  möglichst  nähere
Angaben  gemacht  werden  über  den  Zweck  der  Einsendung;  ferner:  a)  über  Gerstenprovenienz, ­
  b)  Art  des  Mälzens,  c)  Darrung,  d)  Alter  des  Malzes  vom  Abdarren  an
gerechnet,  e)  Lagerung  (Silo,  Kasten,  Säcke  oder  Haufen).
4.  Untersuchung.
A.  Mechanische  Untersuchung,  a)  Hektolitergewicht.  Dasselbe  ist
mit  dem  neuen  Getreideprober  (der  von  der  deutschen  Normal-Eichungskommission
eingeführten  Getreidewage)  festzustellen,  vorläufig  ohne  Korrektur  (vergl.  S.  444).
h)  Das  Tausend-Körner-Gewicht  ist  mindestens  zweimal  mit  je  500
Körnern  zu  ermitteln.  Das  erhaltene  Gewicht  ist  auf  Malztrockensubstanz  zu  berechnen. ­

x )  Zeitschr.  f.  d.  gesamte  Brauwesen  1903,  26,  523.
3 )  Im  Falle  der  ausnahmsweisen  Untersuchung  einer  in  solcher  Verpackung  eingegangenen ­
  Probe  ist  dies  im  TJntersuchungsbericht  besonders  zu  bemerken.
        <pb n="732" />
        Malz.

711

c)  Größe  der  Körner.  Dieselbe  ist  mittels  der  Vogelschen  Sortiersiebvorrichtung ­
  festzustellen,  welche  zweckmäßig  mit  einem  Schüttelapparat  betrieben
wird  und  aus  drei  Sieben  von  2,8,  2,5  und  2,2  mm  Schlitzweite  besteht.  Es  sind
100  g  Malz  (lufttrocken)  auf  das  Sieb  zu  bringen  und  durch  5  Minuten  in  Schüttelhewegung
  zu  halten.
d)  Beschaffenheit  des  Mehlkörpers,  durch  die  Schnittprobe  mittels  Farinotoms
  (von  Printz,  Heindorf,  Grohbecker)  auszuführen  mit  mindestens  200
Körnern.  Es  wird  in  Prozenten  angegeben  der  Gehalt  an  mürben,  harten,  halbganzglasigen, ­
  weißen,  gelben  und  braunen  Körnern.
e)  Die  Blattkeimentwickelung  ist  mindestens  an  200  Körnern
zustellen.  Es  werden  in  Prozenten  angegeben:

und

fest-1.

  Blattkeime  unter
2.  „  von
3.

1 j a  Kornlänge.
*/.

a / 3

n

4.  Blattkeime  von
5-6.
  ,,  über

! / 4  Kornlänge.
1
1

f)  Die  Prüfung  auf  Reinheit  des  Malzes  erstreckt  sich  auf  verletzte  Körner,
Schimmel,  Unkraut,  sonstige  Verunreinigungen,  sowie  auf  den  Geruch.
B.  Chemische  Untersuchung,  a)  Wasser.  Zur  Bestimmung  des  Wassergehaltes
  im  lufttrocknen  Malze  werden  etwa  5  g  Malz  zerkleinert,  in  einem
Wägegläschen  sofort  gewogen  und  im  gut  ventilierten  Trockenschrank  bei  einer
Temperatur  von  105°  oder  in  einem  Vakuumapparat  getrocknet.  Die  Trockendauer
  darf  vier  Stunden  nicht  überschreiten.  Wägegläschen  mit  eingeriebenem
Stöpsel  sollen  bei  etwa  5—6  ccm  Höhe  einen  Durchmesser  von  3,5  cm  besitzen.
b)  Extraktausbeute.  Dieselbe  kann  bestimmt  werden  im  Feinmehl  oder
im  Grohschrot:
«)  Feinmehl,  d.  i.  ein  Mahlgut,  welches  nach
einmaligem  Durchgang  des  Malzes  durch  die
Mühle  83  °/ 0  Mehl  auf  dem  Vogel  sehen
Sortiersiebe  bei  5  Minuten  langem  Schütteln,
bei  340—360  Touren  in  einer  Minute,  liefert.
Zum  Maischversuch  werden  etwa  51  g
Malz  gemahlen  und  davon  genau  50  g  im
Maischbecher  abgewogen.
Grohschrot  wird  hergesteil  t  auf  der  Seck-Mühle
  hei  Stellung  25°.
Zum  Maischversuch  werden  50  g  Malz
quantitativ  geschrotet.
Extraktgewinnnng:  50  g  Malzmehl  bezw.
Schrot  werden  mit  200  ccm  Wasser  von  45°  eingemaischt ­
  und  bei  dieser  Temperatur  genau  eine
halbe  Stunde  gehalten.  Sodann  wird  die  Temperatur
in  weiteren  25  Minuten  auf  70°  gebracht,  und
zwar  derart,  daß  die  Temperatursteigerung  gleichmäßig
  in  einer  Minute  um  einen  Grad  erfolgt.
Bei  70°  wird  eine  Stunde  verweilt.  Zum  Maischen
bedient  man  sich  zweckmäßig  eines  mechanischen
Rührwerkes.  Zu  schnelles  und  ungleichmäßiges
Bühren  ist  zu  vermeiden.

ß)

Fig.  277.  Apparat  zur  Ermittelung  der
Extraktausbeute  aus  dem  Malz.

Die  Zeit,  wann  die  Maische  70°  erreicht  hat,  wird  notiert  und  dann  von  da
an  bis  zum  Verschwinden  der  Jodreaktion  die  Verzuckerungszeit  gerechnet.  10  Minuten ­
  nach  Erreichung  der  Maischtemperatur  von  70°  wird  die  erste  Prüfung  mit
        <pb n="733" />
        712

Bier  und  seine  Rohstoffe.

1

Jod  vorgenommen  und  dann  weiter  von  5  zu  5  Minuten.  Man  bringt  zu  diesem
Zwecke  mittels  eines  Glasstabes  einen  Tropfen  Maische  auf  eine  Gipslamelle  oder
weiße  Porzellanplatte  und  setzt  Jodlösung  zu.
Die  Jodlösung  wird  bereitet  durch  Auflösen  von  1,276  g  Jod  und  4  g  Jodkalium ­
  in  einem  Liter  Wasser.
Die  Verzuckerung  ist  als  vollendet  anzusehen,  wenn  kein  Farbenumschlag
mehr  bemerkbar  ist.
Die  Verzuckerungszeit  ist  in  Intervallen  von  5  zu  6  Minuten  anzugeben.
Der  Geruch  der  Maische  ist  zu  beachten.
Nach  Beendigung  des  Maischens  wird  der  Becher  aus  dem  Wasserbad  genommen,
die  Maische  mit  200  ccm  kaltem  Wasser  vermischt  und  rasch  auf  etwa  17°  abgekühlt. ­
  Die  gekühlte  Maische  wird  alsdann  auf  der  Wage  durch  Zusatz  von  Wasser
auf  das  Gewicht  von  400  g  gebracht.
Die  gewogene  und  gründlich  durchgerührte  Maische  wird  nunmehr  auf  ein
zur  Aufnahme  der  ganzen  Maische  genügend  großes,  nicht  befeuchtetes  Faltenfilter
gegossen  und  in  eine  trockne  Flasche  bei  bedecktem  Trichter  filtriert.  Sobald
100  ccm  Würze  abgelaufen  sind,  werden  diese  zurückgegossen;  dann  läßt  man  die
Würze  ganz  ablaufen.  Die  Würze  kann  glänzend,  klar,  opalisierend,  schwach  oder
stark  getrübt,  rasch  oder  langsam  ablaufen.  Die  gewonnene  WTirze  dient  zur  Ermittelung ­
  des  Extraktes  und  der  näheren  Extraktbestandteile.
c)  Extraktbestimmung.  Die  Dichte  der  Würze  wird  bei  genau  14°  R.  =
17,5°  C.  mit  enghalsigem  Pyknometer  bestimmt  und  aus  der  B  all  in  gschen  Tabelle
(No.  XIII  im  Anhänge)  der  Extraktgehalt  entnommen.  Der  Wasserwert  der  Pyknometer
ist  von  Zeit  zu  Zeit  festzustellen.  Die  Extraktausbeute  ist  sowohl  auf  das  lufttrockne
Malz  als  auch  unter  Zugrundelegung  des  ad  Ba  S.  711  gefundenen  Wassergehaltes  auf
Malztrockensubstanz  zu  berechnen.  Im  Untersuchungsberichte  werden  beide  Werte,
auf  1 / 10 °/o  abgerundet,  angegeben  mit  dem  Zusatze  im  Peinmehl  bezw.  Grobschrot.
Die  Extraktausbeute  berechnet  sich  unter  Benutzung  der  Ballingschen  Tabelle:
a)  für  lufttrocknes  Malz  nach  der  Gleichung:
P  =  IÖ(ti( w  +  2H )&amp;gt;

b)  für  wasserfreies  Malz;

100  p
Pl  =  _ T’

worin  bedeutet:
e  =  Bxtraktgehalt  der  Würze,  z.  B.  =  9,35  °/ 0 ,
w  =  Wassergehalt  des  Malzes  in  Prozenten,  z.  B.  =  4,35°/ 0 ,
H  =  das  zur  Herstellung  der  Würze  zugesetzte  Wasser  (350  g),
f  =  Malztrockensubstanz,  z.  B.  =  96,65  °/ 0 .
Es  ist  alsdann  Bxtraktausheute  des  natürlichen  Malzes:

q  afs
P  =  t)o|5 (4:35  +  700)  =  72 ’ 68&amp;lt;,/ »’

oder  auf  Trockensubstanz  berechnet:

Pi  =

100  x  72,68
95,66

75,96  %.

Je  rascher  ein  Malz  verzuckert,  desto  besser,  diastasereicher  ist  es;  umgekehrt  ist
aber  ein  schlecht  verzuckerndes  Malz  nicht  immer  ein  unbrauchbares.  Die  meisten  Malze
verzuckern  zwischen  15—45  Minuten.  Das  Optimum  der  Verzuckerungszeit  ist  nach
Lintner  30,  nach  Aubry  45  Minuten,  schlecht  verzuckernde  Malze  brauchen  1  Stunde
und  länger.  Siehe  auch  weiter  unter  Bestimmung  des  Fermentativvermögens  des  Malzes  S,  714.
Gute  Malzsorten  geben  74—82  °/ 0  Extraktausbeute  der  Malztrockensubstanz.
        <pb n="734" />
        Malz.

713

Die  Untersuchung  von  Farbmalz  hat  in  der  Weise  zu  geschehen,  daß  26  g  desselben
mit  25  g  Darrmalz  von  bekanntem  Extraktgehalte  gemaischt  werden.  .
Wenngleich  die  so  erhaltenen  Ergebnisse  nicht  mit  der  in  der  Praxis  im  großen
erzielten  Ausbeute  iibereinstimmen,  so  läßt  das  Verfahren  doch  bei  umsichtiger  Ausführung
nicht  nur  die  Größe  der  Extraktausbeute  und  damit  den  Wert  des  Malzes  erkennen,  sondern
liefert  dem  Brauer  auch  Anhaltspunkte,  wie  er  beim  Einmaischen  zu  verfahren  hat,  ob  er
sehr  langsam  und  vorsichtig  die  Temperatur  der  Maische  erhöhen  muß,  oder  ob  er  rascher
damit  Vorgehen  darf.
d)  Farbe  der  Würze.  Als  Ausgangspunkt  für  die  Farbebestimmung  dient
1 / 10  Normal-Jodlösung  (12,7  g  Jod,  40  g  Jodkalium  im  Liter).
Die  Farbentiefe  wird  ausgedrückt  in  Kubikzentimeter  dieser  Lösung,  welche
erforderlich  sind,  um  100  ccm  Wasser  auf  die  Farbentiefe  obiger  “Würze  zu  bringen.
Eine  Umrechnung  auf  10-gradige  Würze  oder  Extrakt  findet  nicht  statt.
Ein  zweckmäßiger  Ersatz  für  Jodlösung  ist  eine  auf  die  Jodlösung  gestellte
künstliche  Farbstofflösung.
e)  Bestimmung  des  Zucker-  (Maltose-)  Gehaltes  wird  nur  auf  Verlangen
ausgeführt.  Die  Zuckerbestimmung  in  der  Würze  ist  gewichtsanalytisch  auszuführen
mit  der  im  Verhältnis  von  25  ccm  auf  250  ccm  verdünnten  und  gut  gemischten
Würze.  50  ccm  Fehlingsohe  Lösung  werden  in  eine  Porzellankasserolle  (13  cm
lichte  Weite,  etwa  360  ccm  Fassungsraum  mit  Deckel)  gebracht  und  zum  wallenden
Kochen  erhitzt.  In  diesem  Momente  werden  25  ccm  Würze  zufließen  gelassen  und
genau  4  Minuten  lang  gekocht.  Das  ausgesohiedene  Kupferoxydul  wird  rasch  in
einem  ausgeglühten  tarierten  Glasröhrchen  mit  Asbestpfropfen  abgesaugt,  mit  heißem
Wasser,  dann  mit  wenig  Alkohol  und  Äther  ausgewaschen  und  getrocknet.  Der
getrocknete  Niederschlag  wird  unter  Durchstreichen  von  Luft  —  zur  Zerstörung  der
im  Niederschlag  vorhandenen  organischen  Teilchen  —  vorerst  schwach  geglüht  und
erst  dann  ira  Wasserstoffstrom  reduziert.  Das  gewonnene,  durch  Wägen  festgestellte
Kupfer  wird  unter  Zugrundelegung  von  Weins  Tabelle  (No.  VI  am  Schluß)  auf
Maltose  berechnet  und  als  Eohmaltose  im  Extrakt  angegeben.
Letztere  bezieht  sich  auf  100  ccm  der  Würze;  dividiert  man  noch  mit  dem
spezifischen  Gewicht  der  Würze,  so  erhält  man  die  Menge  Maltose,  welche  in  100  g  der
Würze  enthalten  ist.

Also  M  =

4  Xu  x  x

wenn  M  die  Maltose  in  100  g  Würze,  n  die  Verdünnung  der  Würze,  also  hier  25  auf
200  ccm,  d.  h.  n  =  8-faohe  Verdünnung,  x  =  die  dem  Kupfer  entsprechende  Maltosemenge,
S  das  spezifische  Gewicht  der  Würze  ist.
Die  Maltose  soll  nach  den  Beschlüssen  obiger  Vereinbarungen  von  Brauerei-Sachverständigen ­
  nur  gewiohtsanalytisch  und  nicht  titrimetrisch  nach  Reischauer
bestimmt  werden.
Aus  der  Tabelle  von  Balling  No.  XIII  oder  Schultze-Ostermann  No.  XV  (am
Schluß)  ersieht  man,  wieviel  Gramm  Extrakt  in  100  g  Würze  von  bestimmtem  spezifischen
•  Gewicht  enthalten  sind,  und  daraus  läßt  sich  weiter  berechnen,  wieviel  Maltose  im
Extrakt  der  Würze  ist.  Man  berechnet  die  Menge  Maltose  in  100  g  (Würze-)  Extrakt
und  gibt  an;  In  100  g  Würze-Extrakt  sind  m  Gramm  Zucker  (Maltose).
'  Ferner  stellt  man  das  Verhältnis  von  Zucker  zu  Nichtzucker  (Z  :  NZ)  in  der  Würze
lest.  Aus  obigen  Berechnungen  weiß  man  die  Menge  Extrakt  und  die  Menge  Zucker
(Maltose)  in  100  g  Würze.
Nichtzucker  (NZ)  ist  dann  gleich  Extrakt  (e)  —  Zucker  (M).  Die  Formel
M(=  Z):  NZ  =  1:  x
gibt  dann  das  Verhältnis  von  Zucker  zu  Nichtzuoker  an.
        <pb n="735" />
        714

Bier  und  seine  Rohstoffe.

Die  folgenden  Bestimmungen  in  einem  Malz  werden  nur  auf  besonderes  Verlangen ­
  ausgeführt.
f)  Bestimmung  der  Säure.  100  g  feingeschrotetes  Malz  werden  mit  500  ccm
säurefreiem  Alkohol  von  20  Volumprozent  ühergossen  und  unter  öfterem  Umrühren
4  Stunden  lang  (ein  Mehr  schadet  nicht!)  stehen  gelassen.  Darauf  wird  filtriert
und  100  ccm  des  Filtrats  werden  mit  1 / 10  Normal-  (Kali-  oder  Natron-)  Lauge  titriert.
1  ccm  der  Lauge  entspricht  0,009  g  Milchsäure.
Gute  Malze  geben  0,2—0,5  °/„  Säure,  als  Milchsäure  berechnet.
g)  Die  Schnittprobe  wird  in  derselben  Weise  ausgeführt  wie  bei  der
Gerste  (S.  709).
h)  Bestimmung  der  diastatischen  Kraft(des  Fermentativvermögens),
des  Malzes.  Man  bereitet  zu  dem  Zweck  nach  Lintner  eine  Normal-Stärkelösung,
indem  man  reinste  Kartoffelstärke  mit  so  viel  7,5  °/ 0 -iger  Salzsäure  übergießt  und
mischt,  daß  die  Säure  über  der  Stärke  steht;  man  läßt  7  Tage  bei  gewöhnlicher
Temperatur  oder  3  Tage  bei  40 0  stehen;  nach  dieser  Zeit  hat  die  Stärke  die  Fähigkeit, ­
  Kleister  zu  bilden,  verloren.  Die  so  behandelte  Stärke  wird  durch  Dekantation
so  lange  mit  destilliertem  Wasser  ausgewaschen,  bis  blaues  Lackmuspapier  keine
saure  Reaktion  mehr  gibt,  das  Wasser  möglichst  abgesaugt  und  die  Stärke  an  der
Luft  getrocknet.  Dieselbe  löst  sich  jetzt  leicht  und  klar  in  heißem  Wasser;  ein
schwaches  Opalisieren  der  Lösung  tut  ihrer  Verwendbarkeit  keinen  Abbruch.
Man  löst  2  g  dieser  Stärke  in  100  ccm  Wasser  (Normal-Stärkelösung);  ferner
zieht  man  25  g  Malz  (Darrmalz  fein  gemahlen,  Grünmalz  sorgfältig  zerquetscht)
6  Stunden  bei  gewöhnlicher  Temperatur  mit  500  ccm  Wasser  aus  und  filtriert.
Bei  Grünmalz  verdünnt  man  zweckmäßig  das  Filtrat  mit  der  doppelten,  bei  sehr
diastasereichem  Malz  sogar  mit  der  dreifachen  Menge  Wasser.
Man  gibt  je  10  ccm  der  Normal-Stärkelösung  in  10  Eeagierröhrchen,  welche
sich  in  einem  zweckentsprechenden  Halter  (am  besten  Eeischauerschen  Stern)
befinden,  läßt  der  Reihe  nach  0,1,  0,2,  0,3  ...  .  bis  zu  1,0  ccm  Malzlösung  zufließen, ­
  schüttelt  gut  durch  und  läßt  bei  Zimmertemperatur  1  Stunde  lang  die
Diastase  einwirken.  Darauf  gibt  man  in  jedes  Röhrchen  5  ccm  Fehlingsche
Lösung,  schüttelt  wieder  gut  durch,  setzt  den  Halter  mit  den  10  Röhrchen  10  Minuten
in  kochendes  Wasser  und  verfährt  nach  S.  238  weiter.
Die  diastatische  Kraft  oder  das  Fermentativvermögen  eines  Malzauszuges  wird
=  100  gesetzt,  wenn  0,1  ccm  eines  Extraktes  aus  25  g  Malz  mit  500  ccm  Wasser
und  10  ccm  obiger  Stärkelösung  unter  den  vorstehenden  Bedingungen  5  ccm  Fehlingsche ­
  Lösung  reduzieren;  bei  0,2  ccm  ist  das  Fermentativvermögen  dann  =  50,
bei  0,4  =  24,  bei  0,6  =  16,6  usw.;  dasselbe  wird  auf  Malztrockensubstanz  berechnet
und  beträgt  z.  B.  für;
gutes  Grünmalz  bayerisches  Darrmalz  lichtes  Malz
bis  zu  80  °/ 0  15—20  °/ 0  25—30  °/ 0 .  IV.
IV.  Hopfen.
Die  chemische  Untersuchung  des  Hopfens  erstreckt  sich  meist  nur  auf  die
Bestimmung  des  Gehaltes  an  Wasser,  ätherischem  öl,  Gerbsäure,  Hopfenharz,  bezw.
auf  Äther-,  Petroläther-,  Alkohol-  und  Wasserextrakt,  sowie  auf  die  Prüfung  etwaiger
Schwefelung  des  Hopfens.
Das  äußere  Aussehen,  Geruch,  Farbe  und  die  mechanisch-botanische  Untersuchung ­
  des  Hopfens  sind  durchweg  sicherer  für  die  Beurteilung  desselben  als  die
chemische  Untersuchung.
        <pb n="736" />
        Hopfen.

715

1.  Wasser.  Den  Wassergehalt  bestimmt  man  nicht  durch  Trocknen  hei  100°,
sondern  durch  Trocknen  im  Vakuum  Uber  Schwefelsäure.  3—5  g  Hopfen  werden
in  einem  Trockengläschen  abgewogen  und  in  einen  mit  Tubus  und  dichtem  Hahn,
sowie  mit  frischer  konzentrierter  Schwefelsäure  versehenen  Exsikkator  gestellt,  aus
dem  man  mittels  Wasserstrahlpumpe  die  Luft  aussaugt.  Der  nach  eingetretener
Gewichtsbeständigkeit  entstandene  Gewichtsverlust  gibt  die  Wassermenge  an.  Der
Gehalt  an  Wasser  soll  10  bis  höchstens  17  °/ 0  betragen.
2.  Asche.  Der  Trockenrückstand  kann  wie  üblich  zur  Aschenbestimmung
verwendet  werden.  Der  Aschen-Gehalt  schwankt  von  6,5—12,0  °/ 0  in  der  Trockensubstanz. ­

3.  Gerbstoff.  10  g  Hopfen  werden  2  Stunden  mit  Wasser  gekocht,  abfiltriert,
der  Rückstand  mit  Wasser  ausgewaschen  und  das  Filtrat  auf  1  1  verdünnt.  In
20  ccm  wird  die  Gerbsäure  mit  ammoniakalischer  Zinkacetatlösung  im  Überschuß
ausgefällt  und  auf  2 / s  des  Volumens  eingedampft.  Der  Niederschlag  wird  abfiltriert
und  mit  warmem  Wasser  ausgewaschen,  sodann  in  verdünnter  Schwefelsäure  (1:4  [Vol.]
Wasser)  gelöst  und  mit  Kaliumpermanganat  der  Gehalt  an  Gerbsäure  bestimmt.
Zur  quantitativen  Bestimmung  der  Gerbsäure  nach  dem  von  Neubauer  verbesserten
Verfahren  von  Löwenthal  sind  erforderlich;
a)  eine  Lösung  von  Indigokarmin;  30  g  reinstes  teigförmiges  Indigokarinin  werden
in  1  1  Wasser  gelöst,  filtriert  und  das  Filtrat  auf  70°  erwärmt,  um  die  Lösung  haltbarer
zu  machen;
b)  eine  Lösung  von  übermangansaurem  Kalium,  2  g  für  1  1  Wasser;
c)  eine  Lösung  von  chemisch  reinem  Tannin,  0,2  g  in  100  ccm.
Titerstelhmg;  20  ccm  der  Indigokarminlösung  werden  in  einem  Becherglase  mit
10  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  (1  Teil  konzentrierte  Schwefelsäure  und  4  Teile  Wasser)
versetzt  und  mit  Wasser  bis  zu  3 / 4  1  verdünnt.  Man  stellt  das  Becherglas  auf  weißes
Papier  und  läßt  tropfenweise  von  der  Permauganatlüsung  zufließen,  bis  die  blaue  Indigolösung ­
  in  ein  glänzendes  Goldgelb  übergegangen  ist;  die  Färbung  der  Lösung  wird  hierbei
zuerst  nach  und  nach  dunkelgrün,  dann  hellgrün,  bis  schließlich  eine  grüngelbe  Nuance
auftritt,  welche  der  nächste  Tropfen  der  Chamäleonlösung  in  eine  goldgelbe  verwandelt.
Nach  Feststellung  der  Beziehung  zwischen  Indigokarmin  und  Permanganatlösung  eruuttelt
  man  die  zwischen  letzterer  und  der  Tanninlösung  von  obigem  Gehalt.  20  ccm  der
Indigolösung  und  10  ccm  Tanninlösung  werden  unter  Zusatz  von  10  ccm  verdünnter
Schwefelsäure  und  Wasser  zu  a / 4  1  verdünnt  und  darauf  genau  wie  vorhin  titriert.  Von
den  verbrauchten  com  der  Permanganatlösung  zieht  man  die  ah,  welcher  die  Indigolösung
allein  zur  Entfärbung  bedurfte,  und  findet  so  die  Permanganatmenge,  welche  10  ccm  Tanninlösung ­
  =  0,02  g  Tannin  zur  Zerstörung  verlangen.
Zweckmäßig  ist  hierbei,  daß  die  20  ccm  Indigolösung  eine  gleiche  Anzahl  oder
besser  noch  einige  ccm  der  Permauganatlösung  mehr  verlangen  als  die  10  ccm  Tanninlösung.
Der  Hopfen  soll  2—6  °/ 0  Gerbsäure  enthalten.
Ed.  Kokosinski 1 )  hat  folgendes  Verfahren  vorgeschlagen:
10  g  ganzer  Dolden  werden  gekocht  und  das  Volumen  auf  600  ccm  gebracht.  Da
der  Hopfen,  wenn  er  der  Haltbarkeit  wegen  geschwefelt  wurde,  schweflige  Säure  enthält,
so  werden  zum  Wasser,  welches  zur  Bereitung  des  Auszuges  kalt  angesetzt  wird,  einige
Tropfen  Wasserstoffsuperoxyd  zugesetzt,  welches  die  schweflige  Säure  in  Schwefelsäure
'verwandelt,  aber  auf  Jod  keine  Einwirkung  äußert.  Der  wässerige  Auszug  wird  vollständig ­
  filtriert.  Die  zur  Bestimmung  erforderlichen  Reagenzien  sind:  1.  Normal-Sodalösung; ­
  2.  Normal-Schwefelsäure;  3.  1 / 50  Normal-Jodlösung;  4.  4 / 50  Normal-Lösung  von  unterschwefligsaurem ­
  Natrium  (9,920  g  im  Liter);  6.  eine  Lösung  von  reinem  Tannin  (aus
Galläpfeln),  welche  in  100  ccm  0,05  g  Gerbstoff  enthält;  6.  eine  frisch  bereitete  Stärkeosung.
  Man  nimmt  3  Fläschchen,  welche  ungefähr  100  ccm  Inhalt  haben.  In  das  erste
x )  Chem.  Centralbl.  1891,  I,  377.
        <pb n="737" />
        716

Bier  und  -seine  Rohstoffe,

füllt  man  10  com  Wasser,  in  das  zweite  10  ccm  Lösung  der  Galläpfelgerbsäure.,  in  das
dritte  10  ccm  des  Hopfenauszuges.  Hierauf  gibt  man  in  die  drei  Fläschchen  je  4  ccm
der  Normal-Sodalösung  und  unmittelbar  darauf  20  ccm  der  3 /so  Normal-Jodlösung.  Wenn
man  aus  dem  zweiten  und  dritten  Fläschchen  je  einen  Tropfen  auf  die  nämliche  Stelle
eines  Streifens  von  Kleisterpapier  bringt,  muß  eine  stark  violette  Färbung  entstehen.
Wäre  dies  nicht  der  Fall,  so  müßte  man  in  die  drei  Fläschchen  so  lange  gleiche  Mengen
von  Jod  geben,  bis  dieses  im  Überschüsse  vorhanden  ist.  Das  Jod  läßt  man  6  Minuten
lang  einwirken  und  gießt  dann,  um  die  Flüssigkeit  zu  neutralisieren  und  das  überschüssige
Jod  zu  binden,  zuerst  4  ccm  Normal-Schwefelsäure  und  dann  10  ccm  der  4 / 50  normalen  Lösung
von  unterschwefligsaurem  Natrium  in  jedes  Fläschchen.  Unmittelbar  darauf  setzt  man  zu
dem  Inhalte  eines  jeden  Fläschchens  einige  Tropfen  Stärkelösung  und  sodann  aus  einer
Bürette  Jodlösung,  und  zwar  so  viel  zu  jedem  Fläschchen,  bis  Blaufärbung  eintritt.  Die
verbrauchte  Menge  Jodlösung  wird  notiert.  Die  Menge  der  Jodlösung  (E),  welche  auf  diese
Weise  in  das  erste  Fläschchen  mit  destilliertem  Wasser  gegeben  worden  ist,  gibt  an,
wieviel  Jod  durch  die  Soda,  das  Licht,  die  Stärke  und  durch  den  Unterschied  der  ungleichen
Stärke  der  beiden  Lösungen  von  Jod  und  unterschwefligsaurem  Natrium  gebuuden  wird.
Die  zum  zweiten  Fläschchen  gegebene  Menge  der  Jodlösung  (t)  entspricht  demjenigen
Anteile,  welcher  für  das  erste  Fläschchen  erforderlich  war,  und  demjenigen  Anteile,  welcher
durch  0,006  g  Galläpfelgerbsäure  aufgenommen  wird.  Wenn  man  daher  von  der  inzahl  der
zum  zweiten  Fläschchen  zugesetzten  ccm  Jodlösung  diejenige  des  ersten  abzieht,  so  erhält ­
  man  die  Menge  der  Jodlösung,  welche  durch  0,005  g  Galläpfelgerbsäure  absorbiert  wird,
£  JgJ
Demnach  stellt  .  die  Menge  Jodlösung  dar,  welche  von  1  mg  Gerbsäure  gebunden
wird.  Sobald  dieser  Wert  gefunden  ist,  kann  man  berechnen,  wie  viele  mg  Tannin  der  Jodlösung ­
  entsprechen,  welche  zum  dritten  Fläschchen,  welches  den  Hopfenauszug,  enthält,
gegeben  worden  ist.  Man  hat  von  der  Anzahl  der  ccm  Jodlösung  (h),  welche  in  das  dritte
Fläschchen  gebracht  worden  ist,  nur  die  Menge  (E),  welche  für  das  erste  Fläschchen  nötig
war,  zu  subtrahieren,  um  die  Anzahl  ccm  (h  —  E)  der  von  der  Hopfengerbsäure  gebundenen

Jodlösung  zu  erhalten.

■J.
Wird  diese  Differenz  durch  .  dividier!,  so  erhält  man  die  An-5


zahl  mg  Tannin,  welche  in  10  ccm  Hopfenauszug  enthalten  sind.  Bei  diesem  Verfahren
vermeidet  man  die  Fehler,  welche  infolge  der  Bindung  von  Jod  durch  Alkali  oder  durch
Lichtwirkung  entstehen.

Der  Gerbstoffgehalt  des  Hopfens  beträgt  1,0—12,7  °/ 0 ,  im  Mittel  3,8  °/ 0  in  der  Trockensubstanz. ­

4.  Äther-  und  Petrolätherauszug.  Beide  Auszüge  werden  in  der  Weise  bestimmt, ­
  daß  man  5  oder  10  g  des  nach  No.  1  getrockneten  Hopfenpulvers  im
Sox  hl  et  sehen  Apparat  (S.  222)  bis  zur  Erschöpfung  mit  Äther  bezw.  Petroläther
auszieht.

Der  Ätherauszug  soll  die  Menge  des  Gesamt-Harzes,  der  Petrolätherauszug
die  des  Weichharzes  (+  Bitterstoffe),  der  Unterschied  zwischen  beiden  die  Menge
des  Hartharzes  angeben.  Da  aber  Äther  wie  Petroläther  noch  andere  Stoffe  als
Harz  (+  Bitterstoffe),  z.  B.  auch  Hopfenwachs  und  -öl  lösen,  so  können  die  auf  solche
Weise  gewonnenen  Zahlen  nur  einen  annähernden  Ausdruck  für  den  Harzgehalt
angehen.  Es  betragen  für  die  Trockensubstanz:
Ätherextrakt  (Gesamtbarz)  Petrolätherextrakt  (Weichharz)
Schwankungen  Mittel  |  Schwankungen  Mittel
12,6-25,6  o/ 0  17,73  °/ 0 .  |  7,6-22,8  %  14,99  °/ 0 .
5.  Alkoholauszug.  10  g  Hopfen  werden  am  Rückflußkühler  12  Stunden  mit
150  ccm  85  °/ 0 -igem  Alkohol  gekocht,  ahfiltriert  und  nochmals  12  Stunden  mit
86°/ 0 -igem  Alkohol  gekocht.  Die  vereinten  Auszüge  werden  eingedarapft,  hei  100°
getrocknet  und  gewogen;  der  Alkoholauszug  schwankt  zwischen  15—54°/ 0  und  beträgt ­
  im  Mittel  32,7  °/ 0  in  der  Trockensubstanz.
        <pb n="738" />
        Hopfen.

717

0.  Wasseraiiszug.  5  g  Hopfen  werden  mit  50  ccm  Wasser  ausgekocht,  filtriert
und  der  Eückstaud  nach  dem  Trocknen  gewogen.  Uber  die  Berechnung  der  gelösten ­
  Menge  Stoffe  vergl.  S.  225.  Die  Menge  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe  wird
zu  20,5—36,0,  im  Mittel  27,4  °/ 0  für  die  Hopfen-Trockensubstanz  angegeben.
Der  Unterschied  zwischen  Alkohol-  und  Wasserauszug  wird  auch  wohl  als
Harz  bezeichnet;  er  beträgt  nach  den  vorstehend  mitgeteilten  Untersuchungszahlen
rund  5  °/ 0 ,  ist  also  bedeutend  niedriger  als  der  durch  den  Äther-  und  Petrolätherauszug
gefundene  Wert.
7.  Mechanisch-botanische  Untersuchung.  Etwa  100  Hopfendolden  von  10—20  g
Gewicht  werden  nach  dem  Trocknen  über  einem  Haarsieb  mit  0,5  mm  weiten
Löchern  mittels  einer  Pinzette  —  nicht  mit  den  Fingern  —  zerpflückt  und  die
einzelnen  Teile  (Deckblätter,  Fruchtspindel  und  Stiele)  auf  schwarzes  Glanzpapier
abgesiebt;  darauf  sammelt  man  die  einzelnen  Teile  für  sich,  wägt  sie  einzeln,
addiert  die  Gewichte  und  berechnet  danach  den  Prozentsatz  an  den  einzelnen  Bestandteilen. ­
  Nach  Fr.  Haberlandt  schwankt  bei  verschiedenen  untersuchten
Hopfensorten  der  Gehalt  an:
Hopfenmehl  Spindeln  u.  Stengeln  Dolden-  (Deck-)  Blättern  reifen  Früchten
7,92-15,70  °/ 0  8,50-17,54  °/ 0  69,79—78,36  °/ 0  0,02—7,80  °/ 0 .
Es  hält  aber  schwer,  das  klebrige  Hopfenmehl  (Lupulin)  auf  diese  Weise  auch
nur  annähernd  richtig  von  den  anderen  Bestandteilen  zu  trennen.  Aus  dem  Grunde
ist  vorgeschlagen,  den  Hopfen  vor  der  Trennung  der  einzelnen  Bestandteile  mit
Alkohol  oder  Chloroform  auszuziehen,  an  der  Luft  zu  trocknen  und  dann  in  seine
Bestandteile  zu  zerlegen.
8.  Prüfung  auf  Schwefelung.  Zu  dem  Zweck  werden  etwa  10  g  Hopfen  mit
so  viel  destilliertem  Wasser  befeuchtet  und  angerührt,  daß  das  Wasser  noch  über
dem  Hopfen  steht,  und  dann  etwa  1  Stunde  unter  öfterem  Umrühren  stehen  gelassen.
Den  dadurch  gewonnenen  Auszug  gibt  man  in  ein  Kölbchen,  fügt  einige  Stückchen
granuliertes,  absolut  schwefelfreies  Zink,  sowie  einige  Tropfen  einer  20  °/ 0 -igen
reinen  Salzsäure  hinzu,  so  daß  Wasserstoffentwickelung  auftritt,  und  weist  den
durch  etwa  vorhandene  schweflige  Säure  gebildeten  Schwefelwasserstoff  in  geeigneter
Weise  mittels  eines  Papierstreifens  nach,  den  man  mit  einer  alkalischen  Bleizuckerlösung ­
  an  einigen  Stellen  betupft  hat.  Auftretende  Bräunung  oder  Schwärzung
zeigen  das  Vorhandensein  von  Schwefelwasserstoff  an.  Es  ist  zweckmäßig,  nebenher
einen  Kontrollversuch  ohne  Hopfenauszug  zu  machen.
9.  Wertschätzung  des  Hopfens.  Hierzu  können  dienen;
a)  Form  und  Größe  der  Hopfendolden.
Die  Dolden  guten  Hopfens  sollen  geschlossen  und  mehr  oder  weniger  eiförmig,  nicht
kugelförmig  sein;  edler  Hopfen  hat  nur  mäßig  große  Dolden.  Als  erwünschte  Größe  gilt:
25—30  mm  Länge  und  15—20  mm  Breite  an  den  breitesten  Stellen.
h)  Die  Farbe  der  Dolden  soll  eine  hellgelbgrüne,  glänzende  sein;  eine  hellgrüne
Färbung  deutet  auf  Unreife.  Überreifer  Hopfen  ist  rot  (staugenroter  H.)  gefärbt.  Auch
durch  Lagern  nimmt  der  Hopfen  eine  stetig  stärkere  rote  Färbung  an,  verliert  den  seidenartigen ­
  Glanz  und  nimmt  einen  unangenehmen,  trimethylaminartigen,  faulig-käsigen  Geruch
au-  Durch  Schwefeln  wird  dann  der  Hopfen  wieder  lichter  gefärbt.  Die  schwarze
k  ärbung  („Schwärze“  oder  „Ruß“  usw.)  wird  durch  einen  Pilz,  Fumago  salicina,  hervorgerufen.
c)  Die  Doldenblätter  sollen  weich,  dünn  und  dünnrippig  sein,  etwa  76°/ #  der
Hopfenzapfen  ausmachen;  Rippen  etwa  10—11  °/ 0  derselben.
d)  Das  Hopfenmehl  der  Dolden,  der  wichtigste  Bestandteil  des  Hopfens,  soll  von
hellgelber  Farbe  sein,  die  Drüsen  unter  dem  Mikroskop  zitronengelb,  vollglänzend;  mehlarme ­
  Hopfen  werden  „leicht“,  mehlreiche  „schwer“  genannt.  Der  Gehalt  an  Hopfenmehl
schwankt  zwischen  8—16  °/ 0 .
        <pb n="739" />
        718

Bier  und  seine  Rohstoffe.

e)  Der  Geruch  des  Hopfens  soll  stark  aromatisch,  fast  betäubend,  der  Geschmack
rein  und  angenehm  bitter  sein.  Ordinärer  Hopfen  riecht  scharf,  oft  an  Knoblauch  erinnernd.
f)  Feine  Hopfensorten  haben  keine  oder  nur  verkümmerte  Früchte;  Früchte  in  den
Dolden  deuten  auf  einen  ordinären  Hopfen.
V,  Würze.
Die  Würze  wird  im  allgemeinen  wie  Malz  bezw.  Bier  untersucht.
1.  Extraktgehalt.  Derselbe  wird  in  der  Praxis  entweder  durch  Ballings
Saccharometer  oder  auch  durch  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts  mit  der
Westphalschen  Wage  oder  im  Pyknometer  (vergl.  S.  449)  und  Aufsuchen  des
dem  spezifischen  Gewicht  entsprechenden  Extraktgehaltes  in  der  Ballingschen
Extrakttabelle  (vergl.  Tabelle  XIII  am  Schluß)  oder  nach  der  Tabelle  Schultze-Ostermann
  (Tabelle  XY  am  Schluß)  ermittelt.
Auf  diese  Weise  wird  jedoch  nur  annähernd  der  Extraktgehalt  gefunden,
wie  er  für  rein  praktische  Zwecke  einigermaßen  genügt.
Für  genaue  Untersuchungen  soll  nach  N.  Rüber 1 )  und  H.  Ellion 2 )  der
Extraktgehalt  im  luftverdünnten  Raum  bei  etwa  97°  ermittelt  werden,  zu  welchem
Zweck  man  etwa  10  g  Würze  wie  bei  Zuckersäften  (S.  610)  abwägt.
Die  Extrakttabelle  von  Schultze-Ostermann  ist  nach  Trockensubstanzbestimmungen ­
  in  der  Würze  bei  70—75°  im  Wasserhade  unter  gewöhnlichem  Luftdruck ­
  berechnet,  hei  welcher  die  Maltose  nicht  alles  Wasser  verliert.  Aus  dem
Grunde  gibt  diese  Tabelle  nicht  den  wirklichen  Trockensubstanzgehalt  an.  H.  Ellion
hat  daher  eine  neue  Tabelle  berechnet,  welche  den  dem  spezifischen  Gewicht  entsprechenden ­
  wirklichen  Trockensubstanzgehalt  angibt,  und  deren  Werte  entsprechend
niedriger  sind  als  die  in  der  Tabelle  von  Schultze-Ostermann  (vergl.  Tabelle
No.  XV  im  Anhänge,  Anm.).
2.  Maltose.  50  ccm  Würze  werden  zu  500  ccm  verdünnt,  hiervon  25  ccm
mit  Fehlingscher  Lösung  4  Minuten  gekocht,  das  ausgeschiedene  Kupferoxydul
durch  ein  Asbestfilter  filtriert  und  als  Kupfer  (oder  auch  als  Kupferoxyd  S.  230)
gewogen.  Uber  die  dem  gewogenen  Kupfer  entsprechende  Menge  Maltose  vergl.
Tabelle  VI  am  Schluß.
Will  man  die  Maltose  titrimetrisch  bestimmen,  so  verfährt  man  nach  S.  227.
3.  Dextrin.  25—30  ccm  Würze  werden  auf  200  ccm  verdünnt,  mit  20  ccm  Salzsäure ­
  von  1,1285  spezifischem  Gewicht  versetzt  und  3  Stunden  in  einem  kochenden  Wasserbade ­
  erhitzt;  nach  dem  Erkalten  wird  mit  Natronlauge  neutralisiert,  auf  500  ccm  aufgefüllt ­
  und  hiervon  werden  25  ccm  zur  Bestimmung  der  Glukose  nach  S.  230  verwendet.
Um  hieraus  die  Menge  Dextrin  zu  finden,  muß  man  die  gefundene  Menge
Maltose  durch  Multiplikation  mit  20 / 19  oder  1,052  erst  auf  Glukose  umrechnen,
diese  Menge  von  der  Gesamtglukose  abziehen  und  den  Rest  mit  0,9  multiplizieren.
Angenommen,  es  sind  14  °/ 0  Extrakt,  8,5  °/ 0  Maltose  und  13,0  °/ 0  Glukose  gefunden,
so  ist  die  Dextrinmenge  =
[13,0  —  (8,5  x  1,052)]  x  0,9  =  3,65  °/ 0 .
4.  Stickstollsubstanz.  20  ccm  Würze  werden  in  dem  für  die  Stickstoff-Bestimmungen ­
  gewählten  Kolben  im  Wasserbade  bis  auf  ein  kleines  Volumen  eingedunstet, ­
  dann  tropfenweise  —-  um  ein  plötzliches  Aufschäumen  zu  vermeiden  —  mit
20  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  usw.  versetzt,  erst  mit  kleiner,  zuletzt  mit  starker
Flamme  bis  zur  Entfärbung  erwärmt  und  nachKjeldahl  (S.  138)  weiter  behandelt.
5.  Säure.  20  ccm  Würze  werden  mit  1 /j 0  Normal-Natronlauge  nach  dem
Tüpfelverfahren  titriert,  indem  man  erst  annähernd  neutralisiert  und  dann  unter

*)  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1890,  314,
2 )  Ebenda  1890,  291.
        <pb n="740" />
        Würze.  Hefe.

719

jedesmaligem  Zusatz  von  0,2  ccm  einen  Tropfen  auf  neutrales  Laekmuspapier  bringt
und  so  lange  fortfährt,  bis  der  rote  Ring  um  den  Tropfen  verschwindet.
Die  Säuremenge  wird  auf  Milchsäure  berechnet;  1  ccm  1 / 10  Normallauge  =  0,009  g
Milchsäure.
6.  Asche.  25  ccm  Würze  werden  in  einer  geräumigen  Platinschale  zur  Trockne
eingedampft,  darauf  mit  ganz  kleiner  Flamme  verkohlt;  die  Kohle  wird  leicht  zerdrückt,
mit  Wasser  ausgezogen  und  zum  vollständigen  Weißbrennen  nach  S.  195  verfahren.
7.  Farbentiefe.  Siehe  vorstehend  bei  Malz,  S.  713.
VI.  Hefe.
Geschmack,  Aussehen  und  Haltbarkeit  des  Bieres  sind  zum  guten  Teil  durch
die  in  der  zu  seiner  Herstellung  verwendeten  Anstellhefe  vorhandenen  Pilze  bedingt.
Neben  der  Kulturhefe  enthält  die  Anstellhefe  unter  Umständen  sog.  wilde  Hefen
(echte  Saccharomyceten,  Mycoderma-,  Torulahefen)  und  Bakterien,  die  auf  die  Beschaffenheit ­
  und  Haltbarkeit  des  Gebräues  einen  sehr  schädlichen  Einfluß  ausüben.
Es  muß  daher  die  Anstellhefe  von  Zeit  zu  Zeit  auf  ihre  Zusammensetzung  geprüft
werden.  Ebenso  müssen  die  Reinzuchtapparate  der  Brauereien  und  Hefefabriken,
in  denen  die  Kulturhefe  im  großen  vermehrt  wird,  einer  fortlaufenden  biologischen
Kontrolle  unterworfen  werden,  da  sie  sonst  die  Quelle  gefährlicher  Infektionen  des
Brauereibetriebes  werden  können.
1.  Gruudzüge  der  Hefenuntersuchung.  Der  Nachweis  von  Verunreinigungen
der  Anstell-  oder  Reinzuchtapparathefe  wird  durch  mikroskopische  Untersuchung
oder  durch  Kultur  in  Würzetröpfchen  oder  -strichen  unter  dem  Mikroskop  oder,
soweit  es  sich  um  wilde  Hefen  der  Gattung  Saccharomyces  handelt,  durch  diese  begünstigende ­
  Kulturverfahren  bewirkt.
Bei  der  unmittelbaren  mikroskopischen  Untersuchung  wird  die  Hefe
am  besten  mit  nicht  zu  dünner  Natronlauge  verrührt,  die  mancherlei  störende  Ausscheidungen ­
  (Glutin,  Hopfenharz  u.  a.)  löst.  Bakterien  lassen  sich  im  allgemeinen
auf  diese  Weise  schneller  in  der  Hefe  nachweisen  als  durch  Kulturverfahren.
Schwieriger  ist  die  Unterscheidung  der  verschiedenen  Hefenarten  durch  das
Mikroskop,  da  sowohl  bei  Kultur-  wie  wilden  Hefen  verschiedenartige  Zellform  und
-große  Vorkommen.  Nur  sehr  geübte  Beobachter  werden  aus  dem  mikroskopischen
Eil  de  auf  die  Beschaffenheit  der  Hefe  schließen  können.  Im  allgemeinen  erscheint  das
Plasma  der  Kulturhefen  deutlich  körnig,  das  der  „wilden“  Saccharomyceten  homogen.
Sicherer  als  die  bloße  mikroskopische  Untersuchung  der  Hefe,  die  meist  nur
als  orientierende  Yorprobe  dienen  kann,  ist  die  Untersuchung  nach  P.  Lindner  in
den  sog.  Tröpfchen-  und  Adhäsionskulturen.  Beide  beruhen  darauf,  die  in  geringen ­
  Mengen  Würze  oder  Bier  auf  einem  Deckgläschen  verteilten  verschiedenartigen
Zellen  der  Anstell-  oder  Reinzuchthefe  auf  dem  hohlgeschliffenen  Objektträger  getrennt ­
  zur  Vermehrung  zu  bringen  und  die  betr.  Vegetationen  mikroskopisch  zu
untersuchen.  Dabei  zeigen  die  Zellen  der  Kulturhefen  außer  der  schon  erwähnten
Körnung  des  Plasmas  später  kleine  reihenweise  angeordnete  Kügelchen.  In  Bier
Sl nd  die  Zellen  im  allgemeinen  gleich  groß,  in  Würze  entstehen  auch  Schlauchformen.
Eie  wilden  Hefen  der  Gattung  Saccharomyces  zeigen  in  diesen  Kulturen  außer
dem  homogenen  Plasma  eine  schwankende  Zellengröße.  Die  Zellen  sind  oval  bis
wnrstförmig.  Die  Vermehrung  ist  stärker  als  bei  den  Kulturhefen.  Auch  trennen
sich  die  Sproßverbände  dieser  Hefen  leichter  als  die  der  untergärigen  Kulturhefen,
deren  Zellwände  infolge  Verschleimung  verkleben.  Bei  obergärigen  Kulturhefen
fällt  dieses  Merkmal  fort.  Die  Kahrahefen  (Mycoderma)  vermehren  sich  in  mehr
°der  weniger  langgestreckten  Zellen  mit  homogenem  Plasma,  in  denen  neben  großen
        <pb n="741" />
        720

Bier  und  seine  Rohstoffe.

Vakuolen  oft  Fetttröpfchen  erscheinen.  Sie  bilden  große,  feste  Sprofiverbände.  Da
diese  Hefen  sehr  sauerstoffbegierig  sind,  so  wachsen  sie  vorwiegend  am  Rande  der
Flüssigkeit  und  erstrecken  ihr  Mycel  oft  weit  Uber  diese  hinaus.  Die  Torulahefen
  zeichnen  sich  durch  den  fast  kugeligen  Bau  ihrer  Zellen  aus,  in  denen  in
dem  homogenen  Plasma  oft  ein  oder  mehrere  Fetttröpfchen  liegen.  Die  Größe  der
Zellen  wechselt  sehr  von  der  Größe  der  Kulturhefe  bis  zu  den  kleinsten  Formen.
Ihre  Vermehrungsfähigkeit  ist  außerordentlich  groß.  Auch  Bakterienapten  lassen
sich  in  den  Tröpfchen-  und  Adhäsionskulturen  durch  die  Art  der  Kolonien  unterscheiden, ­
  wenn  auch  nicht  so  gut  wie  in  Gelatinekulturen.  Die  zuweilen  in  der
Betriebshefe  vorkommenden  Schimmelpilze,  ferner  die  eine  Zwischenstellung
zwischen  Faden-  und  Sproßpilzen  einnehmenden  Monilia-Arten  entwickeln  sich
in  diesen  Kulturen  gut  und  kennzeichnend.
Um  besonders  die  in  erster  Linie  gefährlichen  wilden  Hefen  der  Gattung
Saccharomyces  nachzuweisen,  verfährt  man  nach  dem  Vorschläge  von  Hansen
vielfach  in  der  Weise,  daß  man  die  Hefe  einem  Kulturverfahren  unterwirft,  das  die
Vermehrung  der  echten  Hefen  begünstigt,  und  das  so  entstehende  Hefengemisch
dann  zur  Sporenbildung  bringt.  Nach  Hansen  unterscheiden  sich  die
Saccharomyces-Arten  durch  die  Temperaturgrenzen,  innerhalb  derer  sie  Askosporen
erzeugen,  und  durch  die  Geschwindigkeit,  mit  der  sie  dieselben  bei  derselben
Temperatur  bilden.  Folgende  Tabelle  gibt  einen  Überblick  über  die  Zeit  der
Sporenbildung  bei  verschiedenen  Temperaturen:

Temperatur

s.
cerevisiae

S.
Pastorianus

S.
intermedius

S.
validus

S.
ellipsoideus

S.
turbidans

37,5

keine

36-37

29  Std.

—

—

—

—

—

35

25  „

—

■  —

—

—

keine

33,5

23  „

—

—

—

keine

31  Std.

31,5

—

keine

—

—

36  Std.

23  „

30

20  Std.

30  Std.

—

—

—

—

29

—

27  „

keine

keine

23  Std.

22  Std.

27,5

—

24  „

34  Std.

35  Std.

—

—

25

23  Std.

—

25  „

28  „

21  Std.

27  Std.

18

50  „

35  Std.

36  „

44  „

33  „

42  „

15

—

50  „

48  „

—

45  „

—

11—12

10  Tage

-

77  „

—

'  —

6 1 /*  Tage

8,5

keine

5  Tage

—

9  Tage

—

9

7

5)

7  *

7  Tage

—

11  Tage

—

3—4

14  „

17  „

keine

keine

keine

0—5

—

keine

keine

—

—

—

Von  diesen  Hefen  sind  S.  Pastorianus,  S.  intermedius,  S.  validus  und  S.  turbidans
Krankheitshefen,  S.  cerevisiae  eine  obergärige  Kulturhefe.  Bei  den  untergärigen
Kulturhefen  erfolgt  die  Sporenbildung  bei  15—25°  erst  nach  72  Stunden,  so  daß
man  neben  ihnen  die  schneller  sporulierenden  wilden  Hefen  nach  diesem  Verfahren
leicht  nach  weisen  kann.  Doch  ist  zu  bemerken,  daß  die  angegebenen  Zahlen  je
nach  dem  Zustande  der  verwendeten  Hefe  sich  etwas  verschieben.
        <pb n="742" />
        Hefe.

721

Das  Aussehen  und  die  Zahl  der  Askosporen  verschiedener  wichtigen  Hefearten
zeigen  folgende  Abbildungen:

Q3

Ö  u
Fig.  278!  Askosporenblldende  Saccharomyceten.
!•  Sacch.  cerevlsiae,  2.  Sacch.  Pastorlanus,  3.  Saccli.  Intermedins,  i.  Sacch.  validus,  5.  Sacch.  ellipsoldens,
6 -  Sacch.  turbidans.  -  a  Zellen  mit  Scheidewandbildung,  b  Zellen  mit  größerer  Zahl  von  Sporen  als
normal,  o  Zellen  mit  deutlichen  Anlagen  zu  Sporen  (nach  Hansen).
2.  Die  Entnahme  und  Versendung  der  Hefeuprobe.  Soll  Stellhefe  einer  Brauerei
untersucht  werden,  so  muß  die  Übersendung  in  einem  sterilisierten  Gefäß  oder  Papier
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  ^
        <pb n="743" />
        722

Bier  und  seine  Rohstoffe.

geschehen.  Man  sterilisiert  ein  Gefäß  oder  eine  Düte  von  Filtrierpapier,  sowie  ein
dazu  passendes  Kuvert  durch  3-stündiges  Erhitzen  auf  150°  und  übersendet  beides
in  einem  zweiten  Kuvert  der  betreffenden  Brauerei.  In  die  Düte  wird  mittels  eines
reinen,  wenn  möglich  Uber  einem  Lampenzylinder  oder  einem  Spirituslämpchen
vorher  sterilisierten  Löffels  rasch  eine  Probe  der  zu  untersuchenden  Hefe  gegeben,
wobei  die  Düte  die  Flüssigkeit  schnell  aufsaugt.  Diese  gibt  man  nun  in  das
sterilisierte  Kuvert  und  beide  wieder  in  ein  zweites  Kuvert.

Soll  Bier  auf  Hefetrübung  untersucht  werden,  so  gießt  man  nach  gehörigem
Uraschütteln  der  Probe  einen  Teil  desselben  in  ein  Spitzglas  und  deckt  dasselbe
mittels  eines  gut  schließenden  Deckels  zu,  oder  man  scheidet  die  Hefe  durch
Zentrifugieren  ab.
Bei  der  Probeentnahme  aus  Reinzuchtapparaten  muß  der  Hahn,  durch  den
das  Bier  den  Apparat  verläßt,  gründlich  gereinigt  werden.  Aus  jedem  Apparat
werden  kleine  sterilisierte  Flaschen  von  25  ccm  Inhalt  gefüllt,  und  zwar  die  eine
mit  dem  zuletzt  ablaufenden  Bier,  die  andere  mit  der  mit  frischer  Würze  ungerührten
Hefe.  Um  die  Kohlensäure  möglichst  entweichen  zu  lassen,  werden  die  Proben
vor  dem  Versand  am  besten  einen  Tag  mit  einem  sterilisierten  Wattebausch  verschlossen ­
  stehen  gelassen.  Beim  Versand  tritt  an  seine  Stelle  ein  abgebrannter  Kork.

3.  Ausführung  der  biologischen  Hefenaualyse.  a)  Lindners  Tröpfchenund
  Adhäsionskultur.  Zur  Ausführung  dieser  Kulturen  braucht  man  hohlgeschliffene ­
  Objektgläser,  Deckgläser, ­
  Vaseline  und  Pinsel,
Zeichenfeder  mit  Halter  und
sterilisierte  Würze  oder  Bier.
Die  Deckgläser  werden  erst
im  Wasserstrahl,  dann  in
Alkohol  zwischen  den  Fingern
gereinigt,  mit  einem  Leinwandläppchen ­
  abgerieben  und
durch  Flambieren  oder  durch
Einstellen  der  ganzen  Schachtel ­
  in  den  Lufttrockenschrank
sterilisiert.  Für  das  Gelingen
der  Tröpfchenkultur  ist  es
wichtig,  daß  die  Deckgläser
einen  leichten  Fetthauch
tragen,  wie  er  durch  die  beschriebene ­
  Art  der  Reinigung
erzielt  wird.  Für  Adhäsionskulturen ­
  dagegen  müssen  die

Fig.  279.  Tröpfchenkultur.
Die  Nährlösung  ist  in  gleichmäßig  dünnen  Strichen  aufgetragen.

Fig.  280.  Tröpfchenkultur  im  hohlen  Objektträger.
Die  Flüssigkeit  ist  in  verschiedener  Weise  aufgetragen.

Gläser  völlig  fettfrei  sein  und  dürfen  deshalb  nicht  zwischen  den  Fingern  gereinigt
werden.  Um  die  Höhlung  des  Objektträgers,  die  mit  einer  kleinen  Flamme  so  lange  erhitzt ­
  wird,  bis  das  Kondenswasser  um  ihren  Rand  verschwunden  ist,  wird  dann  mit  dem
steil  gehaltenen  Pinsel  ein  weniger  breit  als  hoch  angelegter  Vaselinestreifen  gezogen,
auf  den  man  das  Deckgläschen  mit  der  abgebrannten  Seite  auflegt.  Darauf  wird
bei  Anlage  von  Tröpfchenkulturen  aus  der  in  Würze  oder  Bier  verteilten  Hefe  mit
einer  an  einem  Glasstab  oder  Nagel  befestigten,  durch  vorsichtiges  Erwärmen  (nicht
Glühen)  sterilisierten  Zeichenfeder  eine  Probe  entnommen  und  eine  größere  Zahl
von  Tröpfchen  oder  auch  kurzen  Strichen  oder  Schlangenlinien  auf  die  flambierte
        <pb n="744" />
        Hefe.

728

46*

Fig.  281.  Die  Adhäsionsknltur.
Die  kelmhaltige  Flüssigkeit  ist  über  das  ganze  Deckgläschen  ln
dünner  Schicht  ansgehreitet.

Seite  des  Deckgläschens  innerhalb  des  Vaselineringes  aufgetragen.  Das  Gläschen
wird  dann  luftdicht  auf  den  Vaselinering  aufgedrückt  (vergl.  Fig.  279  u.  280).
Statt  der  Zeichenfeder  kann  man  auch  Holzstifte  oder  Zahnstocher  benutzen,  die
man  durch  Abkochen  oder  im  Trockenschrank  sterilisiert.
Bei  der  Adhäsionskultur ­
  wird  die  entnommene
Probe  Uber  das  ganze  Deckgläschen ­
  in  Form  einer
dünnen  Flüssigkeitslamelle
verteilt  und  das  Gläschen
dann  mit  Hilfe  des  quadratischen ­
  Yaselinewalles  auf
den  hohlen  Objektträger  gekittet ­
  (Fig.  281).
Bei  beiden  Arten  der
Kultur  muß  man  dafür  sorgen,
daß  die  Zahl  der  Zellen
nicht  zu  groß  ist,  da  sich
sonst  die  Vegetationen  stören.
Andererseits  darf  die  Aussaat ­
  auch  nicht  zu  klein
sein,  da  sonst  geringe  Verunreinigungen ­
  der  Untersuchung ­
  entgehen.  Bei  richtiger ­
  Aussaat  entstehen  Vegetationsbilder ­
  wie  in  Fig.  282.
Bei  Prüfung  der  Hefe
aus  Eeinzuchtapparaten
empfiehlt  L  i  n  d  n  e  r,  den  Rest
der  eingesandten  Probe  acht
Tuge  stehen  zu  lassen  und
dann  nochmals  mikroskopisch
und  nötigenfalls  in  der
Tröpfchenkultur  zu  untersuchen,  um  etwaige  geringe  Verunreinigungen  zu  erkennen.
Kieses  kombinierte  Verfahren  macht  nach  seinen  Erfahrungen  die  sonst  übliche

Links  Tomla,  dann  wilde  Hefe,  zwei  Kulturhefen,  oben  eine
Mycelhefe,  am  unteren  und  rechten  Rande  Bakterien.

Fig.  283.  Apparate  zur  Sporenkultur  der  Hefe  auf  Gipsblöcken,
a  Blechform  zu  dem  Gipsblock  b;  c  Gipsblock  in  ein  Glasschälchen  mit  Wasser  gebracht;
d  feuchte  Kammer.

Prüfung  auf  Sporenbildung  überflüssig.  Lindners  Verfahren  zeichnet  sich  außer
jlurch  seine  Einfachheit  dadurch  aus,  daß  sämtliche  Arten  der  in  der  Hefe  enthaltenen ­
  Pilze  in  einem  Versuch  beobachtet  werden  können.
        <pb n="745" />
        724

Bier  und  seine  Rohstoffe.

Zweckmäßig  erweist  es  sich  oft,  hei  diesem  wie  bei  dem  weiter  unten  beschriebenen ­
  Verfahren  die  Kulturhefe  zum  größeren  Teil  aus  der  Hefenprobe  durch
Austrocknen  auszumerzen.  Sie  stirbt  leichter  ab  als  die  wilden  Hefen,  die  dann
bei  der  Kultur  auf  dem  Deckglase  schneller  hervortreten.
b)  Die  Untersuchung  mittels  der  Sporenbildung.  Um  die  gefährlichen
Saccharomyces-Arten  in  der  Hefe  anzureichern,  empfiehlt  Will  bei  Anstellhefe  eine
größere  Menge  in  Würze  bei  25°  24  Stunden  zu  belassen,  dann  von  der  trüben
Würze  einige  Kubikzentimeter  in  frische  Würze  zu  überführen  und  dieses  noch
zweimal  zu  wiederholen.  Dadurch  wird  das  Wachstum  der  wilden  Hefe,  die  gegen
Schluß  der  Gärung  noch  in  der  Würze  suspendiert  ist,  begünstigt.  Bei  Hefe  aus
Eeinzuchtapparaten  läßt  Will  eine  größere  Menge  in  einer  mit  4  °/ 0  Weinsäure  versetzten ­
  Rohrzuckerlösung  48  Stunden  bei  25 0  gären  und  bringt  den  Bodensatz  dann
in  Würze  zur  Gärung.  Die  wilden  Hefen  vermehren  sich  in  der  weinsauren  Lösung
stärker  als  die  Kulturhefen.
In  beiden  Fällen  wird  der  an  wilden  Hefen  angereicherte  Bodensatz  der
Würzegärungen  zur  Prüfung  der  Sporenbildung  auf  eine  poröse,  mäßig  feuchte
Unterlage  gebracht  und  reichlich  gelüftet.  Man  verwendet  zu  diesem  Zweck  meist
Gipsblöcke,  die  durch  Eingießen  eines  Gipsbreies  aus  gleichen  Teilen  gebranntem
Gips  und  Wasser  in  runde,  flache,  vernickelte  Blechformen  hergestellt  werden.  Zur
Sterilisation  werden  die  Blöcke  eine  halbe  Stunde  in  kochendes  Wasser  gelegt.
Die  zu  untersuchende  Hefe  muß  möglichst  frei  von  Würze  sein  und  dünn  aufgetragen ­
  werden.  Ist  die  Oberfläche  des  Gipsblockes  groß  genug,  so  können  gleichzeitig ­
  mehrere  Proben  untersucht  werden.  Der  Gipsblock  wird  in  ein  sterilisiertes
Deckelschälchen  mit  aufgekochtem  Wasser  gelegt  und  das  Ganze  in  einer  großen
Kammer  mit  feuchtem  Fließpapier  im  Thermostaten  bei  25°  aufgestellt  (Fig.  283).
Zur  Feststellung  von  Bakterien  in  der  Hefe  muß  in  diesem  Falle  die  mikroskopische ­
  Untersuchung  hinzugezogen  werden.  Um  besonders  Pediokokken  (Sarcina)
nachzuweisen,  läßt  Claussen  10  ccm  1 / 2 °/ 0 -ige  Fluorwasserstoffsäure  auf  2—3  g
Hefe  eine  halbe  Stunde  einwirken  und  gibt  dann  2—3  Tropfen  in  Würzegelatine.
Die  Hefe  wird  bei  diesem  Verfahren  getötet  und  man  kann  so  noch  sehr  geringe
Mengen  Pediokokken  nachweisen.  Doch  erhält  man  ein  Ergebnis  erst  in  2—3  Wochen.
Die  biologische  Untersuchung  von  Hefe  erfordert  ein  größeres  Wissen  und
praktische  Erfahrung  in  der  Hefenkunde.  Sie  wird  daher  am  besten  in  den  eigens
dazu  eingerichteten  Laboratorien  für  Gärungsgewerbe  vorgenommen  werden.  Betreffs ­
  weiterer  Angaben  sei  auf  P.  Lindner,  Mikroskopische  Betriebskontrolle  in
den  Gärungsgewerben,  4.  Auflage,  Berlin  1905,  verwiesen.
4.  Die  biologische  Untersuchung  der  Preßhefe.  Die  in  der  Bäckerei  zum
Treiben  verwendeten  Hefen  sind  obergärige  Hefen  der  Gattung  Saccharomyces.
Zuweilen  werden  sie  mit  untergäriger  Hefe  verfälscht.  Ihr  Wert  wird  durch  ihre
Gärkraft  bedingt.
a)  Untersuchung  der  Preßhefe  auf  untergärige  Hefe  nach  Lindner.
Zur  Anwendung  gelangen  auch  hier  Tröpfchen-  und  Adhäsionskulturen,  in  denen  die
obergärigen  Preßhefen  in  sperrigen  Sproß  verbänden  (Fig.  284—287)  wachsen,  die
ziemlich  leicht  zerfallen,  ohne  daß  die  Zellen  wie  bei  der  untergärigen  Hefe  verkleben.
Auf  der  letzteren  Eigenschaft  beruht  auch  die  Lindnersche  Prüfung  mittels  der
Tropfenkultur.  Bei  dieser  wird  die  Hefe  in  Würze  fein  verteilt  und  mittels  einer
sterilen  Pipette  auf  beiden  Hälften  einer  Petri-Schale  eine  größere  Zahl  von  Tropfen
angelegt,  deren  jeder  höchstens  eine  Zelle  enthalten  soll  (Fig.  288).  Die  Schale
wird  durch  einen  Gummiring  luftdicht  geschlossen.  Schüttelt  man  eine  solche  Tropfen-
        <pb n="746" />
        Hefe.

725

kultur  vorsichtig,  so  ballt  sich  die  Hefe  in  den  Tropfen,  die  untergärige  Hefe  enthalten, ­
  flockig  zusammen,  während  die  ohergärige  staubig  aufgewirhelt  wird.
b)  Untersuchung  der  Preßhefe  auf  untergärige  Hefe  nach  Bau.  Die
meisten  untergärigen  Hefen  vergären  Melibiose,  die  meisten  obergärigen  nicht.  Man

Fig.  284.
Keimungsbilder  von  Preßhefen  in  der  Tröpfchenkultur.  Typen  sperriger
Sproß  verbände.
1  und  2  gehören  der  Easse  XII  an,  3  einer  Wiener  1,  2  und  3  gehören  ebenfalls  Wiener

Preßhefe.

Preßhefen  an.

Keimungsbilder  von  untergärigen  Bierhefen  in  der  Tröpfchenkultur.
Typen  lockerer  Sproßverbände.
Bie  einzelnen  Glieder  sind  nur  noch  in  lockerem  Der  Verband  ist  rechts  schon  sehr  gelockert.  Die
Zusammenhang.  Kultur  nach  24  Stunden.  abgefallenen  Glieder  können  später  aber  wieder
miteinander  verkleben  (Flockenbildung).

verfährt  bei  dieser  Prüfung  folgendermaßen:  Drei  Reagensgläser  mit  je  10  ccm
veruiirt  bei  dieser  pimung  ruig  werden  mit  Watte  verschlossen  bei  30"
nb°' lge w aä 7 S fr g 4r  7.  stunden  wird  ein  Röhrchen  filtriert.  3  ccm  des
aufbewahrt.  Nach  24,  48,  72  btunaen  w  }  p-ekocht  Ist
Filtrates  werden  mit  1  ccm  Fehlingscher  Losung  o  Minuten  lang  g  k  ^
die  Uberstehende  Flüssigkeit  in  dem  nach  24  .  um  on  gc l ml  enthalten  Bleibt
waren  in  der  Hefe  mindestens  10  °/ 0  Melibiose  vergärende  Hefe  enthalten.
        <pb n="747" />
        726

Bier  und  seine  Rohstoffe.

die  Blaufärbung  erst  in  dem  48  oder  72  Stunden  alten  Röhrchen  erhalten,  so  kann
man  auf  5  bezw.  1  °/ 0  Unterliefe  schließen.  Ist  die  Flüssigkeit  nach  72  Stunden
gelb,  so  war  die  Hefe  frei  von  ünterhefe.
Doch  ist  dieses  Verfahren  mit  Vorsicht  zu  verwenden,  da  es  auch  Melibiose
vergärende  Oberhefen  bezw.  solche  nicht  vergärende  Unterhefen  gibt.
c)  Prüfung  der  Hefe  auf
Gärkraft.  Um  in  Gärungsgewerben,
insbesondere  auch  in  Bäckereien  einen
Anhaltspunkt  für  den  Gebrauchswert
einer  Hefe  zu  gewinnen,  bestimmt
man  deren  Gär-  und  Triebkraft.  Als
erstere  bezeichnet  man  die  zuckerspaltende ­
  Kraft  innerhalb  eines  bestimmten  Zeitraumes,  als  letztere  die  Lebhaftigkeit ­
  des  Eintrittes  der  Gärung  unmittelbar  nach  der  Verteilung  der  Hefe  in  der
Zuckerlösung.  Beide  werden  durch  die  Menge  der  entwickelten  Kohlensäure  gemessen. ­

Es  sind  hierfür  zwei  Verfahren  ausgearbeitet:  das  eine  von  Meißl,  nach
welchem  die  Kohlensäure  gewogen,  das  andere  von  Hayduck  und  Kusserow,  nach
welchem  die  Kohlensäure  volumetrisch  bestimmt  wird.  Ersteres  Verfahren  verdient
nach  den  bis  jetzt  gemachten  Erfahrungen  den  Vorzug.
a)  Verfahren  von
Meißl.  400  g  Rübenzuckerraffinade,
  25  g  saures  phosphorsaures ­
  Ammon
(NH 4 H 2 P0 4 )  und  26  g  saures
phosphorsaures  Kalium
(KHjPO^  werden  fein  zerrieben ­
  und  innig  gemengt.
Von  diesem  Gemenge  gibt
man  4,5  g  in  ein  Erlenmeyer-Kölbchen
  (Fig.  289  A)  von
70—80  ccm  Inhalt,  welches
in  einem  doppelt  durchbohrten
Kautschukpropfen  ein  bis  auf
den  Boden  reichendes,  am
oberen  Ende  mit  Kautschukstöpsel ­
  b  verschlossenes  Röhrchen ­
  a  und  ein  kleines  Chlorcalciumrohr ­
  c  oder  ein  sogenanntes ­
  Gärventil  c  mit  etwas
Schwefelsäure  trägt.  Das  im
Kölbchen  befindliche  Zuckergemisch  wird  sodann  mit  50  ccm  eines  eigens  hergestellten ­
  gipshaltigen  Wassers  gelöst.  Letzteres  stellt  man  her,  indem  man  30  Teile
einer  gesättigten  Gipslösung  mit  70  Teilen  destilliertem,  luftgesättigtem  Wasser  verdünnt. ­
  Die  Sättigung  mit  Luft  geschieht  zu  dem  Zweck,  Fehlerquellen  zu  vermeiden,
welche  dadurch  entstehen  könnten,  daß  das  angewendete  destillierte  Wasser  bald
mehr,  bald  weniger  Luft  enthält.  Man  führt  sie  aus,  indem  man  das  Wasser  in
halbvollen  Flaschen  schüttelt  oder  Luft  durchleitet.  In  die  so  hergestellte  Lösung
bringt  man  genau  1  g  Hefe  und  verteilt  dieselbe  durch  Schwenken  und  Zerdrücken
mittels  eines  Glasstahes  so  weit,  daß  keine  Klümpchen  mehr  erkennbar  sind,  sondern

FT

1

II11J—.  -Lu

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:  !  HK

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Fig.  288.
Petri-Schale  mit  Tropfenkultur  im  Querschnitt.
        <pb n="748" />
        Hefe.

727

eine  gleichmäßige  Aufschlämmung  hergestellt  ist.  Darauf  wird  das  Kölbchen  samt
Inhalt  und  Kautschukstöpsel  h  gewogen,  in  Wasser  oder  einen  Thermostaten
von  30°  gestellt  und  6  Stunden  auf  dieser  Temperatur  erhalten.  Nach  Ablauf
dieser  Zeit  nimmt  man  das  Kölbchen  heraus,  kühlt  es  rasch  ab,  nimmt  den  Kautschukstöpsel
  h  weg,  saugt  Luft  durch,  um  die  Kohlensäure  völlig  auszutreihen,  und  wägt
das  Kölbchen  samt  Zubehör  abermals.  Der  Gewichtsverlust  gibt  die  Menge  Kohlensäure ­
  an,  welche  durch  Vergärung  des  Zuckers  entstanden  ist  und  ausgetrieben  wurde.
Um  die  Triebkraft  einer  Hefe  mit  der  einer  anderen  vergleichen  zu  können,
nimmt  Meißl  eine  Normalhefe  an,  unter  der  er  Hefe  versteht,  welche  unter  den
gleichen  Bedingungen  wie
oben  1,75  g  Kohlensäure
entwickelt.  Die  Triebkraft
dieser  Hefe  =  100  gesetzt, ­
  findet  man  durch  die
Proportion  1,76  :  n  =  100  :  x
die  Triebkraft  4er  Hefe,
welche  n  g  Kohlensäure  entwickelt, ­
  in  Prozenten  der
Triebkraft  einer  Normalhefe.
Gute  Preßhefe  gibt  76
Ms  85  °/ 0  Gärkraft.
ß)  Verfahren  von
Hayduck  und  Kusserow.
Zu  diesem  Verfahren  verwendet ­
  man  einen  Apparat
(Pig.  290),  der  dem  Dumasschen
  Apparat  zur  Stickstoffbestimmung, ­
  bezw.  dem
Sch  eibl  er  sehen  Kohlensäure ­
  -  Bestimmungsapparat
(S.  102)  ähnlich  ist  und  im
Wesentlichen  aus  einem  in
ccm  eingeteilten  Meßrohr  von
500  ccm  Inhalt  besteht.
Vorerst  werden  40  g
Rohrzucker  in  400  ccm
Wasser  gelöst,  sodann  10  g
der  zu  untersuchenden  Hefe
abgewogen,  in  eine  Schale
gegeben  und  mittels  eines
Pistills  mit  einer  kleinen
Menge  der  obigen  Zuckerlösung  zerrieben,  bis  keine  Klümpchen  mehr  wahrnehmbar ­
  sind.  Diese  Aufschlämmung  gibt  man  in  eine  Flasche  von  1  1  Inhalt,
spült  die  Schale  noch  ein  paarmal  mit  der  Zuckerlösung  nach  und  gießt  zuletzt
die  ganze  Zuckerlösung  in  die  Flasche.  Der  Inhalt  wird  umgeschüttelt  und  die
Flasche  offen  in  ein  Wasserbad  von  30°  gestellt,  in  welchem  sie  1  Stunde  lang
stehen  bleibt.  Erst  nach  Verlauf  dieser  Zeit  verbindet  man  die  Gärflasohe  mittels
Gummischlauches  mit  dem  inzwischen  mit  Wasser  bis  zum  Null-Teilstrich  gefüllten
Meßapparat.  Zur  Verhinderung  der  Absorption  der  Kohlensäure  durch  Wasser  gibt
fflan  in  den  Meßschenkel  des  Apparates  etwas  Petroleum,  welches  sodann  hei  dei
        <pb n="749" />
        728

Bier  und  seine  Eohstoffe.

Füllung  mit  Wasser  in  niedriger  Schicht  auf  diesem  schwimmt.  Genau  nach  einer
halben  Stunde  wird  der  Hahn  der  Heßröhre  geschlossen,  das  Wasser  in  der  engen
Eöhre  durch  den  Hahn  e  (Fig.  290)  so  weit  abgelassen,  daß  es  mit  der  Höhe  des  Wassers
hezw.  der  Petroleumschicht  in  der  weiten  Röhre  gleich  steht,  und  nun  die  Anzahl  ccm,
welche  die  entwickelte  Kohlensäure  ausfüllt,  ahgelesen.  Bei  dem  Kusserowschen
Apparat  liest  man  die  Menge  des  durch  die  Kohlensäure  verdrängten,  in  einem  geteilten ­
  Meßzylinder  aufgefangenen  Wassers  ah.  Diese  Zahl  kann  dann  entweder
direkt  als  Ausdruck  der  Gärkraft  der  Hefe  angegeben  werden,  oder  man  berechnet
das  Gewicht  des  durch  100  g  Hefe  zersetzten  Zuckers,  indem  man  die  gefundene
Zahl  ccm  Kohlensäure  mit  dem  Faktor  0,03841  multipliziert.  (342  g  Rohrzucker
liefern  bei  vollständiger  Vergärung  176  g  Kohlensäure,  und  da  1  ccm  Kohlensäure
0,001977  g  wiegt,  so  ist  das  Gewicht  des  Rohrzuckers,  welches  nötig  ist,  um  1  ccm
342
Kohlensäure  zu  liefern:  p™  X  0,001977  =  0,003841  g.)
B.  Bier. 1 )
Bier  ist  ein  durch  Gärung  aus  Gerstenmalz  —  oder  zum  geringen  Teil  für  bestimmte ­
  Sorten  aus  Weizenmalz  —,  Hopfen,  etwas  Hefe  und  Wasser  hergestelltes,  noch
in  schwacher  Nachgärung  befindliches  Getränk,  welches  neben  unvergorenen,  aber
zum  Teil  noch  vergärbaren  Extraktstoffen  als  wesentliche  Bestandteile  Alkohol  und
Kohlensäure *  2 )  enthält.
Man  unterscheidet:
1.  Je  nach  Art  des  verwendeten,  bei  niedrigen  oder  höheren  Temperaturen  gedarrten
Malzes  helle  und  dunkle  Biere.  Tiefdunkle  Färbungen  werden  durch  gebranntes  Malz
(Parbmalz),  oder  gebrannte  Körnerfrüchte  (Gerste),  oder  durch  gebrannten  Zucker  (Zuckercouleur), ­
  oder  durch  überhitzte  Würze  erzielt.
2.  Je  nach  der  Art  der  Gärung  obergärige  Biere,  bei  denen  die  Gärung  bei  höheren
Temperaturen  in  kürzerer  Zeit  verläuft  und  die  Hefe  oben  abgeschieden  wird  (z.  B.  Weißbier, ­
  Gose,  westfälisches  Altbier,  belgische  und  englische  Biere),  und  untergärige
Biere,  für  welche  die  Gärung  bei  niedrigeren  Temperaturen  und  längerer  Gärdauer  vorgenommen ­
  wird  und  die  Hefe  sich  unten  absetzt.
3.  Je  nach  der  Stärke  der  Stammwürze  Dünnbiere  oder  Abzugbiere  (mit  8  bis
11  °/ 0  Stammwürze)  und  solche  mit  mehr  Stammwürze  (12—20°/ 0 ).  Brstere  pflegen  nach
kürzerer  Lagerung  (als  Winter-  oder  Hefenbiere),  letztere  nach  längerer  Lagerung  (als
Lager-  oder  Sommerbiere)  in  den  Handel  gebracht  zu  werden.  Letzterer  Unterschied  verschwindet ­
  aber  immer  mehr.
4.  Je  nach  dem  Vergärungsgrad  und  der  Stärke  der  Stammwürze  weinige,  d.  h.
alkoholreiohe  und  extraktarme  (wie  Märzenbier)  und  vollmundige  extraktreiche,  wenig  vergorene ­
  Biere,  zu  welchen  letzteren  z.  B.  Salvator-  und  Bockbier  gehören.  Doppeltbier
nennt  man  an  einzelnen  Orten  ein  im  Vergleich  zu  dem  ortsüblichen  Bier  stärker  eingebrautes, ­
  vorzugsweise  obergäriges  Bier,
Das  Pilsener  Bier  pflegt  stärker  gehopft  zu  sein.
Im  übrigen  werden  die  Biere  meistens  nach  den  Produktions-Orten  (als  Münchener,
Dortmunder,  Pilsener  usw.)  unterschieden.
5.  Bei  einigen  anderen  Bieren  wird  z.  B.  die  Verzuckerung  durch  Pilzenzyme  (wie
beim  japanischen  Eeisbier)  oder  die  Vergärung  durch  Schimmelpilzhefen  (Jopenbier)  oder
Spalthefen  (Hirsebier  der  Neger)  bewirkt.

*)  Vergl.  Vereinbarungen  z.  einheitlichen  Untersuchung  usw.  Heft  III,  1902;  Berlin
bei  Jul.  Springer.
2 )  Einige  Biere,  wie  Alt-Ale  usw.,  sind  fast  frei  von  Kohlensäure.
        <pb n="750" />
        Ersatzstoffe  und  Verfälschungen  des  Bieres.

729

I.  Ersatzstoffe  und  Verfälschungen  des  Bieres.
1.  Ersatzstoffe  für  («erste.  Als  Ersatzstoffe  für  Gerste,  und  zwar,  wenn
deren  Verwendung  nicht,  wie  in  Bayern,  Württemberg  und  Baden,  gesetzlich  verboten  ist,
kommen  als  erlaubte  Ersatzstoffe  der  Gerste  in  Betracht:  Reis,  Mais,  Hirse,  Hafer  und
andere  stärkemehlhaltige  Erüchte,  deren  Stärke  durch  die  in  dem  gleichzeitig  verwendeten
Gersten-  oder  Weizenmalz  vorhandene  überschüssige  Diastase  löslich  gemacht  und  zum  Teil
in  vergärbaren  Zucker  übergeführt  wird.
Während  diese  Ersatzstoffe  zugestanden  werden  können,  zumal  wenn  die  Biere  durch
bezeichnende  Zusätze,  als  z.  B.  Reis-,  Mais-Bier  usw.,  vom  Gerstenbier  unterschieden  werden,
so  sind  andere  Ersatzstoffe  für  Gerste,  wie  Rohrzucker,  Stärkezucker,  Maltose,  Sirupe,
Pflanzenextrakte  (Süßholz),  für  ein  Getränk  mit  der  Bezeichnung  „Bier“  nicht  zulässig,
weil  sie  dem  Bier  eine  vom  Gerstenbier  völlig  abweichende,  fremdartige  Beschaffenheit
erteilen.
Die  Verwendung  der  künstlichen  Süßstoffe,  wie  Saccharin,  Dulcin  usw.,  ist  nach  dom
Gesetz  vom  7.  Juli  1902  in  Deutschland  verboten.
2.  Ersatzstoffe  für  Hopfen.  Als  erlaubter  Ersatzstoff  kommt  nur  der  Hopfenextrakt
in  Betracht.
Alle  sonstigen  Bitterstoffe  und  Gerbstoffe  sind  als  unerlaubt  zu  bezeichnen.
3.  Zusatz  von  Mineralstoffen.  Dem  Biere  zugehörig  sind  auch  die  in  dem  betreffenden ­
  Brauwasser  vorhandenen  gelösten  Stoffe,  besonders  die  gelösten  Mineralstoffe,
von  denen  Calciumsulfat  und  Galciumkarbonat  bis  zu  einer  gewissen  Menge  als  vorteilhaft
angesehen  werden.  Der  Zusatz  dieser  Salze  zu  salzarmem  Wasser  kann  daher  nicht  als
unerlaubt  angesehen  werden,  wie  ebensowenig  die  Verwendung  von  Kochsalz  zu  gewissen
Bieren  (z.  B.  englischen)  und  in  einzelnen  Gegenden  mit  salzreichen  Quellen.
Die  Salze  sind  aber  während  des  Brauvorganges  zuzusetzen;  der  Zusatz  derselben
zum  fertigen  Biere  ist  unzulässig,  nicht  minder  der  Zusatz  von  Alkalien  oder  Alkalikarbonaten ­
  zur  Abstumpfung  von  freier  Säure  oder  zur  Erhöhung  des  Kohlensäuregehaltes.
Ebenso  ist  der  Zusatz  von  fremden  Säuren  unzulässig.
4.  Zusatz  von  Farbmitteln.  Der  Zusatz  von  organischen  Farbstoffen  ist  als
Fälschung  anzusehen;  auch  die  Verwendung  von  Zuckercouleur  ist  verwerflich,  weil  statt
dessen  Farbmalz  und  gebranntes  Getreide  als  naturgemäßere  Farbmittel  angewendet  werden
können.
5.  Zusatz  von  Gärungserzeugnissen.  Der  Zusatz  von  im  Laufe  der  Gärung  entstehenden ­
  Stoffen,  wie  Alkohol,  Glyzerin  und  Kohlensäure,  ist  unerlaubt  und  als  Verfälschung ­
  anzusehen,  weil  diese  Stoffe  dem  Bier  eine  von  der  normalen  abweichenden
Beschaffenheit  verleihen,  welche  der  Genießer  nicht  erwartet.
6.  Die  Verwendung  von  Frischhaltungsmitteln,  Ein  gut  ausgelagertes  Bier
aus  reinen  Gärungen,  das  nur  mehr  wenig  Hefe  —  nicht  wahrnehmbar  in  der  Schwebe  —
enthält,  zeigt,  in  reinen,  pilzfreien  Gefäßen  aufbewahrt  und  vor  äußerer  Infektion  geschützt, ­
  eine  große  Haltbarkeit.
Aus  dem  Grunde  sind  alle  Frischhaltungsmittel,  wie  Salizylsäure,  saurer  schwefligsaurer
  Kalk,  saures  sohwefligsaures  Natron  oder  Kali,  Flußsäure  und  Fluorverbindungen,
Wasserstoffsuperoxyd,  Borsäure  und  borsaure  Salze,  Benzoesäure  und  ‘  Saccharin  usw.,  verwerflich ­
  und  deren  Verwendung  als  Fälschung  zu  betrachten.
Ein  natürliches  Frischhaltungsmittel  des  Bieres  bildet  die  Kohlensäure.  Das  Ein-Piessen
  von  flüssiger  Kohlensäure  in  das  Bier,  das  sog.  Karbonisieren  eines  schal  gewordenen ­
  Bieres  kann  jedoch,  nicht  gut  geheißen  werden  (vergl.  unter  5).
Hierunter  fällt  nicht  die  Verwendung  der  flüssigen  bezw.  komprimierten  Kohlensäure
zum  Ausschank  des  Bieres  als  Verdrängungsmittel  an  Stelle  von  Luft.  Diese  Art  Verwendung ­
  der  Kohlensäure  muß  sogar  als  vorteilhaft  bezeichnet  werden.
Ebenso  unschädlich  ist  das  Pasteurisieren  oder  Erwärmen  des  Bieres  auf  50—70°
ln  geschlossenen  Flaschen  oder  Gefäßen  (Metallfässern),  ohne  daß  der  Kohlensäuregehalt
        <pb n="751" />
        730

Bier  und  seine  Rohstoffe.

beeinträchtigt  wird.  Jedoch  ist  zu  berücksichtigen,  daß  hierdurch  außer  den  Organismen
auch  die  yon  diesen  abstammenden  Enzyme  abgetötet  werden,  die  vielleicht  für  die  Bekömmlichkeit ­
  und  Verdaulichkeit  nicht  ohne  Bedeutung  sind.
II.  Bierkrankheiten.
Da  das  Bier  beim  Lagern,  und  zwar  bei  höheren  Temperaturen  mehr  als  bei  niederen,
schwach  nachgärt,  so  erleidet  es  eine  fortwährende  Veränderung,  wenn  diese  auch  für
gut  ausgelagertes  Bier  mit  mäßigem  unvergorenen  Extraktrest  nur  gering  ist.  Diese
Nachgärung  ist  für  die  Entwickelung  und  Güte  des  Bieres  sogar  notwendig  und  nicht
schädlich,  wenn  sie  durch  Kulturhefe  hervorgerufen  wird.  Ein  ursprünglich  schlecht  vergorenes ­
  Bier  kann  unter  diesen  Umständen  durch  Hefe  sich  trüben,  aber  später  in  der
Ruhe  und  Kälte  wieder  klar  werden.
Neben  diesen  natürlichen  und  notwendigen  Veränderungen  treten  aber  häufig  im
Bier  noch  krankhafte  Veränderungen  auf,  die  hervorgerufen  werden  können:
1.  Durch  Bakterien,  Pilze,  Enzyme  usw.  Die  Kulturhefe  wird  von  den  verschiedensten ­
  Mikroorganismen  begleitet,  die,  wenn  sie  in  größerer  Anzahl  vorhanden  sind,
verschiedene  krankhafte  Erscheinungen  hervorrufen  können,  wie  z.  B.  einen  bitteren,  bittersüßen, ­
  säuerlichen,  obstartigen  oder  auch  fauligen  Geschmack,  verbunden  mit  einem  dem
gesunden  Bier  nicht  eigenen  Geruch,  ferner  starke  Säuerung  durch  das  Uberhandnehmen
von  Säurebakterien;  gleichzeitig  kann  die  Viskosität  des  Bieres  sich  ändern  und  letzteres
fadeuziehend 1 )  werden;  auch  tritt  mitunter  eine  Änderung  der  Farbe  und  Verfärbung  auf.
Die  Art  und  Natur  der  die  Bierkrankheiten  verursachenden  Mikroorganismen  ist
bis  jetzt  noch  nicht  bekannt,  jedoch  ist  sicher,  daß  ihr  Umsichgreifen  durch  Unreinlichkeit
im  Betriebe,  unzweckmäßige  Brauführung,  durch  das  Wasser,  die  Luft,  durch  zu  lange
Lagerung  und  durch  fehlerhafte  Behandlung  beim  Lagern  begünstigt  oder  hervorgerufen ­
  wird.
2.  Durch  Fabrikationsfehler;  hierzu  gehören:
a)  Die  Stärketrübungen,  die  entstehen,  wenn  nicht  alle  Stärke  in  Zucker  und
in  die  sich  mit  Jod  nicht  färbenden  Dextrine  umgewandelt  sind;  diese  Trübungen,  von  Stärke
bezw.  Erythrodextrin  herrührend,  nehmen  mit  der  Vermehrung  dos  Alkohols  durch  die
fortschreitende  Nachgärung  zu.  Die  aus  nicht  genügend  aufgeschlossener  Würze  hergestellten ­
  Biere  geben  gleichzeitig  eine  bessere  Nährlösung  für  gewisse,  die  Hefe  verunreinigende ­
  Mikroorganismen  uud  fördern  deren  Entwickelung  und  schädliche  Wirkung.
b)  Die  Glutin-  und  Eiweiß-Trübung.  Erstere  tritt  beim  Abkühlen  des  Bieres
auf  und  verschwindet  beim  Erwärmen,  ist  also  vorübergehend;  die  durch  Eiweiß  bewirkte
Trübung  ist  bleibend.
Diese  Ausscheidungen  sind  durch  eine  eigenartige  Beschaffenheit  des  Rohstoffes
(zu  stickstofifreiohe  Gerste),  oder  durch  die  Bereitung  und  Lagerung  des  Malzes,  oder  durch
ein  unzweckmäßiges  Maisch-  und  Sudverfahren  —  die  Ursachen  sind  noch  nicht  genügend
aufgeklärt  —  bedingt.  Die  ausgeschiedenen  Biweißkörper  schließen  die  im  Bier  vorhandenen ­
  Hefen  und  Bakterien  mit  ein.
c)  Die  Harztrübung,  die  im  Verlauf  der  Nachgärung  und  Lagerung  auftritt,  in
einer  Ausscheidung  kleiner  Harztröpfchen  besteht  und  sich  als  staubige  Suspension  zeigt;
ferner  die  Gummitrübung,  häufig  verbunden  mit  Eiweißtrübung;  sie  macht  das  Bier
schleierig  und  kann  durch  geeignete  Erwärmung  vermindert,  wenn  auch  nicht  vollständig
aufgehoben  werden.
Die  Harz-  wie  Gummitrübung  treten  nur  bei  hellen  Bieren  auf.
d)  Das  Schalwerden  der  Biere  durch  Verlust  von  Kohlensäure  infolge  schlechter
Kelierführung,  sei  es  infolge  zu  langen  Lagerns  oder  einer  zu  hohen  Temperatur  in  den  Kellerräumen. ­
  Da  die  Kohlensäure  konservierend  wirkt,  so  zeigen  diese  Art  Biere  nur  eine
geringe  Haltbarkeit,  schlagen  um  und  werden  ungenießbar.
3.  Bierkrankheiten  durch  schlechte  Korksuhstanz,  vorwiegend  bei  Flaschenbier.
Fadenziehende  Biere  werden  unter  Umständen  bei  längerer  Lagerung  ohne  wesentliche ­
  Einbuße  an  Geschmack  wieder  normal.
        <pb n="752" />
        Untersuchung  des  Bieres.

731

III.  Untersuchung  des  Bieres.
A.  Probenentnahme.
Die  Probenentnahme  des  Bieres  soll  derart  geschehen,  daß  Veränderungen  desselben
während  und  nach  der  Probenentnahme  möglichst  hintangehalten  werden,  sofern  dadurch
die  chemische  Untersuchung  beeinträchtigt  wird.  In  der  Brauerei  hat  die  Entnahme  aus
dem  Lagerfaß  zu  geschehen,  und  zwar  mittels  eines  als  Heber  dienenden  reinen  oder  vorher
innen  und  außen  mit  Chlorkalklösung  desinfizierten  und  hierauf  gründlich  gespülten
Schlauches.  Besser  ist  es  noch,  das  Paß  an  einer  außen  sorgfältig  gereinigten  Stelle
ziemlich  weit  unten  anzubohren  und  den  herausspringenden  Strahl  erst  nach  kurzem  Laufenlassen ­
  aufzufangen.  Aus  Sohankfässern  bei  den  Wirten  soll  in  ähnlicher  Weise  das  Bier
mit  sterilem  Schlauch  oder  Heber  entnommen  werden,  niemals  aus  den  benutzten  Hähnen,
deren  Eeinheitszustand  selten  die  Gefahr  einer  Infektion  des  Bieres  ausschließt.
Zur  Aufnahme  der  Proben  sind  reine  Flaschen  aus  dunklem  Glase  hellen  Glasflaschen ­
  vorzuziehen.  Steiukrüge  dürfen  nicht  verwendet  werden.
Die  Korke  und  Patentverschlüsse  müssen  sorgfältig  gereinigt  sein.  Korke  sind
vorher  einige  Zeit  in  Wasser  zu  kochen,  dann  auszupressen  und  gehörig  abzuspülen,  sowie
erst  dann  zum  Verschluß  zu  verwenden,  wenn  sie  genügend  abgetrocknet  sind,  Gummiverschlüsse ­
  und  Patentverschlüsse,  sowie  solche  mit  Suberiteinlage  können  verwendet  werden,
sofern  es  sich  nicht  um  Geschmacksproben  handelt.  Der  Gummigeschmack  läßt  eine  scharfe
Kostung  nicht  zu.  Sehr  zu  empfehlen  ist  es,  sich  behufs  Verschlußes  der  Flaschen  guter,
mit  heißem  Paraffin  getränkter  Korke  zu  bedienen.
Die  Bierproben  sind  stets  sofort  nach  Füllung  der  Flaschen  luft-  und  wasserdicht ­
  zu  verschießen,  zu  siegeln  und  zu  bezeichnen.  Das  Aufsetzen  von  Zinnkapseln  auf
die  Flaschen  ist  nicht  zulässig,  es  sei  denn,  daß  der  Kopf  der  verschlossenen  Flasche  bis
3  ccm  unter  dem  oberen  Bande  vorher  in  geschmolzenes  Paraffin  oder  Siegellack  oder
Pech  getaucht  war.  Der  Korkstopfen  soll  stets  dicht  über  dem  Bande  der  Flasche  oben
abgeschnitten  werden.  Beim  Eintreiben  der  Korke  in  die  Flasche  mittels  einer  Korkpresse
mt  die  letztere  da,  wo  sie  mit  dem  Pfropfen  oder  der  Flasche  in  Berührung  kommt,  sorgfältig ­
  zu  reinigen  und  pilzfrei  zu  machen.  Die  Pfropfen  dürfen  dann  nicht,  wie  dies
häufig  geschieht,  unter  den  Plaschenrand  hineingeschlagen  werden,  so  daß  eine  Mulde
entstellt;  war  dies  dennoch  der  Fall,  so  ist  diese  Vertiefung  mit  heißem  Pech  oder  Siegellack ­
  auszufüllen.
Gefüllte  und  verschlossene  Flaschen  müssen  außen  noch  abgewasohen  werden,  weil
flie  anhängenden  Bierreste  sonst  einen  guten  Nährboden  für  Pilzvermehrungen  abgeben.
Von  jedem  Biere  sind  mindestens  zwei  Flaschen  von  je  500—750  ccm  zu  füllen,
oder  nach  Umfang  der  Untersuchung  auch  noch  mehr.
Bei  der  Versendung  sind  die  genommenen  Bierproben  möglichst  vor  Wärme  zu
schützen;  es  empfiehlt  sich  daher,  sie  sofort  in  Bis  und  Holzwolle  oder  ähnliche  rein
gehaltene  Stoffe  zu  verpacken.
Im  Laboratorium  dürfen  Bierproben,  wenn  sie  nicht  gleich  untersucht  werden,
nicht  in  einem  warmen  und  hellen  Kaum  aufbewahrt  werden,  sondern  sie  sind  im  kühlen
Keller  oder  Bisschrank  im  Dunkeln  aufzustellen,  nicht  zu  legen.  Bier  wird  nämlich  im
Dichte  rascher  verändert  als  im  Dunkeln.
Die  Untersuchung  des  Vergärungsgrades  und  der  regelmäßigen  Bierbestandteile
ist  innerhalb  acht  Tagen  vom  Tage  der  Probenentnahme  an  zu  bewirken.  Zeigt  sich  alsdann
schon  ein  starker  Druck  in  der  Flasche,  so  war  bereits  Nachgärung  eingetreten.
B.  Chemische  Untersuchung  des  Bieres.
Für  die  Untersuchung  des  Bieres  ist  zu  beachten:
1.  Daß  das  Bier,  da  es  eine  sehr  veränderliche  Flüssigkeit  darstellt,  in  tunichst
  frischem  Zustande  untersucht  und  während  der  Untersuchung  kühl  aufbewahrt ­
  werden  muß.
        <pb n="753" />
        782

Bier  und  seine  Rohstoffe.

2.  Daß  das  Bier  für  alle  Bestimmungen  von  Kohlensäure  befreit
werden  muß.
Das  geschieht  in  der  Weise,  daß  man  das  Bier,  wenn  es  die  Laboratoriumsoder ­
  Beohachtungstemperatur  angenommen  hat,  entweder  in  einem  halbgefüllten
Kolben  einige  Zeit  schüttelt  oder  aus  einem  großen  Becherglase  in  ein  anderes
gießt  und  dann  3-mal  unter  Bedecken  des  Trichters  filtriert.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.  Dieselbe  geschieht  entweder
mittels  einer  genauen  Westphalsehen  Wage  oder  mittels  des  Pyknometers  bei  15°
(vergl.  S.  449)  und  hat  vorwiegend  den  Zweck,  die  in  Volumprozenten  gefundenen
Werte  auf  Gewichtsprozente  umrechnen  zu  können.  Mitunter  dient  das  spezifische
Gewicht  auch  zur  Bestimmung  des  scheinbaren  Extraktgehaltes  nach  der  Tabelle
von  K.  Windisch.
2.  Bestimmung  des  Alkohols  und  Extrakts.  Der  Extrakt  kann  zwar  durch
Eindampfen  von  10—20  ccm  Bier  und  Trocknen  bei  105°  (oder  besser  im  Wasserbade ­
  und  Wasserstoffstrom)  bis  zur  Gewichtsbeständigkeit  direkt  bestimmt  werden,
indes  ist  diese  Art  der  Bestimmung  bei  der  leichten  Zersetzlichkeit  der  Extraktstoffe
nicht  genau.  Es  empfiehlt  sich  vielmehr,  den  Extraktgehalt  indirekt  zu  bestimmen
und  die  Bestimmung  mit  der  des  Alkohols  zu  verbinden.
75  ccm  des  entkohlensäuerten  Bieres  werden  genau  gewogen,  mit  noch  10  bis
15  ccm  Wasser  versetzt  und  unter  Vorlage  eines  Pyknometers  von  etwa  50  ccm
Inhalt  destilliert,  bis  die  Flüssigkeit  im  Pyknometer  die  Skala  oder  die  Marke  erreicht ­
  hat.  Der  Rückstand  des  Destillates,  der  Extrakt,  wird  genau  auf  das  ursprüngliche ­
  Gewicht  aufgefüllt,  durchgemischt  und  davon  das  spezifische  Gewicht
bestimmt.  Aus  der  Extrakttahelle  von  Schultze-Ostermann  No.  XV  oder  der
von  Balling  No.  XIII  (im  Anhänge)  wird  hierzu  die  Extraktmenge  in  Gewichtsprozenten ­
  gefunden.
Das  Destillat  im  Pyknometer  wird  genau  hei  15°  auf  die  Marke  eingestellt
oder  der  Stand  der  Flüssigkeit  auf  der  Skala  abgelesen  und  dann  gewogen,  wodurch
man  das  spezifische  Gewicht  des  Destillates  erhält.  Die  diesem  entsprechende
Alkoholmenge  findet  man  nach  der  Hehnersohen  Alkoholtahelle  No.  XVII  (am
Schluß);  die  gefundene  Zahl  mit  dem  Gewichte  des  Destillates  multipliziert  und
durch  das  Gewicht  des  destillierten  Bieres  dividiert,  ergibt  die  Gewichtsprozente
Alkohol:

Gewicht  des  alkoholischen  Destillates  x  Alkohol- 0 /,,  der  Tabelle
Gewicht  des  entkohlensäuerten  Bieres

Hierzu  ist  noch  zu  bemerken:
1.  Eine  Neutralisation  des  Bieres  zur  Bindung  der  Säure  ist  nicht  nötig.
2.  Wenn  sich  in  dem  Destillationsrtickstand  flockige  Abscheidungen  (von  Eiweiß)
gebildet  haben,  so  wird  die  auf  das  ursprüngliche  Gewicht  aufgefüllte  Bxtraktlösung  vor
der  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  durch  ein  trocknes  Filter  filtriert.  Ein  nennenswerter ­
  Fehler  entsteht  hierdurch  nicht.
3.  Der  Bierextrakt  darf  sich  mit  Jodjodkaliumlösung  (l  g  Jod  und  4  g  Jodkalium
für  1  1)  weder  blau  (von  Stärke)  noch  rötlich-blau  (von  Erythrodextrin)  färben.
Bei  dunklen  Bieren  werden  6  ccm  der  Extraktlösung  mit  26  ccm  Alkohol  vermischt
und  stark  geschüttelt;  der  Alkohol  wird  von  dem  Gerinnsel  abgegossen,  darauf  im  Wasserbade
verdunstet,  der  Rückstand  in  5  ccm  destilliertem  Wasser  gelöst  und  diese  Lösung  mit  Jodjodkaliumlösung ­
  geprüft.
4.  Den  Alkoholgehalt  kann  man  für  viele  Zwecke  mit  genügender  Genauigkeit  indirekt,
nämlich  durch  Division  des  spezifischen  Gewichtes  des  ursprünglichen  Bieres  durch  das  des
entgeisteten  Bieres,  berechnen  (yergl.  S.  676).  Der  Quotient  beider  Zahlen  gibt  nämlich
das  spezifische  Gewicht  des  im  Biere  enthaltenen  Weingeistes.  Wenn  man  daher  zu  der
        <pb n="754" />
        Untersuchung  des  Bieres.

733

erhaltenen  Zahl  den  entsprechenden  Alkohol  in  der  Tabelle  XVII  sucht  und  letztere  Zahl
durch  das  spezifische  Gewicht  des  Bieres  dividiert,  erhält  man  den  Alkoholprozentgehalt
des  Bieres.
3.  Extraktgehalt  der  Stammwürze  und  Vergärungsgrad.  Aus  Extrakt-  und
Alkoholgehalt  des  Bieres  läßt  sich  der  Extraktgehalt  der  ursprünglichen  Würze,
der  sog.  Stammwürze,  sowie  der  Vergärungsgrad  des  Bieres  berechnen.  Man  findet
ersteren  schon  annähernd  durch  Verdoppelung  des  Alkoholgehaltes  und  Addition
dieser  Zahl  zum  Extraktgehalt,  genauer  jedoch  durch  die  Formel:
100  (E  -f  2,0665  A)

Extraktgehalt  der  Stammwürze  e  =
und  den  Vergärungsgrad  durch  die  Formel;

100  1  —

E'

100  +  1,0665  A

worin  E  den  Extrakt-,  A  den  Alkoholgehalt  des  Bieres  bedeutet.
Da  während  der  Gärung  etwas  Alkohol  verdunstet,  so  stimmt  die  so  berechnete  Zahl
nur  annähernd  mit  dem  wirklichen  Extraktgehalt  der  ursprünglichen  Stammwürze.
4.  Bestimmung  des  Zuckers  (Rohmaltose).  Das  entkohlensäuerte  Bier  wird  auf
seine  etwa  4-fache  Menge  verdünnt,  davon  werden  25  ccm  mit  50  ccm  Fehlingscher
Lösung  kalt  gemischt,  zum  Kochen  erwärmt  und  dann  noch  4  Minuten  im  Kochen  erhalten. ­
  Man  verfährt  weiter  nach  S.  229,  liest  die  dem  Kupfer  entsprechende  Menge
Maltose  aus  Tabelle  VI  (am  Schluß)  ah  und  rechnet  die  für  100  ccm  Bier  erhaltene
Menge  Maltose  "durch  Division  mit  dem  spezifischen  Gewicht  des  Bieres  in  Gewichtsprozenten ­
  um.
Da  das  Bier  außer  Maltose  auch  noch  andere,  Eeh  1  ingsche  Lösung  direkt  reduzierende
Kohlenhydrate,  wie  Isomaltose  usw.,  enthält,  so  gibt  vorstehende  Bestimmung  nur  einen
Ausdruck  für  den  Rohmaltose-Gehalt  des  Bieres.
Man  pflegt  daher  statt  der  Maltose  bezw.  des  Zuckers  die  noch  vergärbaren
Stoffe  auch  in  der  Weise  zu  bestimmen,  daß  man  das  Bier  aufkocht,  mit  2  °/ 0  abgepreßter
Hefe  (Typus  Fr  oh  borg)  versetzt  und  nach  24-stündiger  Gärung  auf  Extraktgehalt  untersucht. ­
  Die  Differenz  zwischen  dem  wirklichen  Extrakt  vor  und  nach  der  Gärung  gilt  als
Gehalt  an  vergärbaren  Stoffen.  A.  Bau’)  will  gefunden  haben,  daß  Saazer  Hefe 2 )  die
Isomaltose  nicht  vergärt,  während  dieses  von  der  gewöhnlichen  Bierhefe  (Typus  Prohkerg)
  geschieht.  Er  glaubt  daher  in  der  getrennten  Anwendung  beider  Hefen  in  Reinkultur ­
  ein  Mittel  auch  zur  Bestimmung  der  Isomaltose  gefunden  zu  haben.
5.  Bestimmung  des  Dextrins.  50  ccm  Bier  werden  mit  15  ccm  Salzsäure
y on  1,125  spezifischem  Gewicht  versetzt,  das  Ganze  auf  200  ccm  gefüllt  und  unter
Aufsetzen  eines  langen,  weiten  Glasrohres  als  Kühler  2  Stunden  lang  im  siedenden
Wasserhad  invertiert.  Darauf  wird  die  Lösung  mit  Natronlauge  neutralisiert,  auf
^50  ccm,  bei  extraktreichen  Bieren  auf  300  com,  aufgefüllt  und  die  gebildete  Glukose
m  25  ccm  mit  Fehlingscher  Lösung,  wie  S.  230  angegeben,  bestimmt.  Die  gefundene ­
  Menge  Glukose,  mit  20  bezw.  24  multipliziert  und  mit  dem  spezifischen
Gewicht  des  Bieres  dividiert,  ergibt  die  in  100  g  Bier  durch  Inversion  gebildete
Menge  Glukose.  Diese  ist  aber  nicht  durch  die  Dextrine  des  Bieres  allein,  sondern
■’nch  durch  die  noch  vorhandene  Maltose  entstanden,  weshalb  man  zur  Berechnung
der  ersteren  die  aus  der  gefundenen  Menge  Maltose  entstandene  Menge  Glukose
Maltose  von  der  Gesamtglukose  in  Abzug  bringen  muß.  Der  Best  mit  9 / 10
^multipliziert,  ergibt  dann  die  im  Bier  enthaltene  Menge  Dextrin  in  Gewichtsprozenten
(vergk  „Würze“  S.  718,  No.  3).
*)  Chem.-Ztg.  1893,  17,  499.
2 )  Zu  beziehen  von  Dr.  Rob.  Muenoke  in  Berlin  NW.,  Luisenstraße  58.
        <pb n="755" />
        734

Bier  und  seine  Rohstoffe.

In  den  meisten  Fällen  genügt  es,  das  Verhältnis  von  Zucker  zu  Nichtzncker
(Z  :  NZ)  der  ursprünglichen  Würze,  der  Stammwürze,  festzustellen,  um  sich  ein  Bild
von  der  Zusammensetzung  des  Extraktes  und  der  Güte  des  verwendeten  Malzes  zu
verschaffen.  Zu  diesem  Zwecke  werden  die  gefundenen  Gewichtsprozente  Maltose  von
den  Gewichtsprozenten  des  Extraktes  im  Bier  abgezogen,  wodurch  man  die  Menge
des  NZ  in  der  ursprünglichen  Würze  (Stammwürze)  erhält.  Diese,  vom  Extraktgehalt ­
  der  Stammwürze  abgezogen,  ergibt  die  ursprünglich  vorhandene  Menge  Z
(Maltose),  und  nun  stellt  man  das  Verhältnis  Z  :  NZ  =  1  :  x  fest.  Dieses  soll  hei
richtig  ahgedarrten  Malzen  zwischen  1  :  0,46  und  1  :  0,54  betragen.
6.  Bestimmung  des  Stickstoffs.  20  ccm  Bier  werden  in  einem  Kjeldahl-Kolben
  auf  dem  Wasserhade  eingedunstet,  dann  20  ccm  der  für  das  Kjeldahlsche
Stickstoffbestimmungsverfahren  vorgeschriehenen  Schwefelsäure,  sowie  1  Tropfen
Quecksilber  zugesetzt  und  nun,  wie  oben  S.  138  angegeben,  behandelt.
Bei  extraktreichen  Bieren  kann  man  den  größeren  Teil  des  Zuckers  vorher
mit  einer  Spur  Hefe  vergären,  weil  sonst  heim  Zusatz  von  Schwefelsäure  leicht
ein  Uberschäuraen  statthat.
7.  Bestimmung  der  Säure.  a)  Gesamtsäure  ausschließlich  Kohlensäure. ­
  100  ccm  Bier  werden  in  einem  Becherglase  oder  besser  einer  Porzellanschale
  unter  stetem  Umrühren  schwach  ( 1 / 2  Stunde  lang  auf  etwa  40°)  erwärmt,
um  die  Kohlensäure  vollständig  auszutreiben.  Sodann  wird  mit  1 / 10  Normal-Alkalilauge ­
  nach  dem  Tüpfelverfahren  auf  neutralem  Lackmuspapier  titriert.  Die  gefundenen ­
  ccm  mit  dem  Faktor  0,009  multipliziert,  ergehen  die  Prozente  Milchsäure,
oder  man  gibt  die  Säuremenge  nur  in  ccm  Normallauge  für  100  g  Bier  an.
Man  kann  sich  als  Indikator  auch  einer  roten  Phenolphthaleinlösung  bedienen,
welche  nach  E.  Prior  wie  folgt  hergestellt  wird:
1  Teil  Phenolphthalein  wird  in  30  Teilen  Weingeist  von  30  Volumprozent  gelöst;
12  Tropfen  dieser  Flüssigkeit  werden  in  20  ccm  ausgekochtes  Wasser  gebracht  und  mit
0,2  ccm  1 / 10  N-Alkalilauge  rot  gefärbt.  Von  dieser  roten  Flüssigkeit,  welche  stets  frisch
zu  bereiten  ist,  wird  je  ein  Tropfen  in  Porzellanniipfchen  gebracht  und  das  mit  dem
Normal-Alkali  titrierte  Bier  tropfenweise  zugegeben,  bis  ein  Tropfen  dieser  Flüssigkeit  die
Phenolphthaleinlösung  nicht  mehr  entfärbt.
b)  Essigsäure.  Dieselbe  wird  am  besten  nach  dem  Verfahren  von  Landmann ­
  bei  Zugabe  von  etwas  Tannin  unter  Einleiten  von  Wasserdämpfen  abdestilliert
und  im  Destillat  entweder  nur  qualitativ  nachgewiesen  oder  durch  Titration  mit
1 / I0  Normallauge  bestimmt,  wobei  1  ccm  1 / 10  Lauge  =  0,006  g  Essigsäure  entspricht. ­
  Der  qualitative  Nachweis  geschieht  durch  Einengen  des  Destillats  mit
etwas  Natronlauge,  Versetzen  mit  gleichen  Teilen  konzentrierter  Schwefelsäure  und
Alhohol,  worauf  sich  der  bekannte  Geruch  nach  Essigsäure-Äthylester  einstellt.
c)  Bestimmung  der  Kohlensäure.  Wenngleich  sich  der  Kohlensäuregehalt ­
  nach  dem  Geschmack  des  Bieres  annähernd  beurteilen  läßt,  so  ist  doch  in
vielen  Fällen  eine  quantitative  Bestimmung  desselben  erwünscht.
Man  bestimmt  die  Kohlensäure  in  einfacher  Weise  dadurch,  daß  man  durch
eine  bestimmte  Gewichtsmenge  Bier  einen  kohlensäurefreien  Lufstrom  leitet  und
die  Kohlensäure  in  Barytwasser  auffängt,  aus  welchem  sich  das  kohlensaure  Baryum
ausscheidet.  Dieses  kann  entweder  als  solches  gewogen  oder  durch  Schwefelsäure
in  schwefelsaures  Baryum  übergeführt  und  letzteres  gewogen  werden.
Zur  genauen  Bestimmung  der  Kohlensäure  nimmt  man  am  besten  vom  Fasse
selbst  eine  Probe.  Zu  diesem  Zwecke  macht  man  einen  Kochkolben  von  etwa  500  ccm
Inhalt,  der  in  einem  doppelt  durchbohrten  Kautschukstopfen  eine  bis  auf  den  Boden
        <pb n="756" />
        Untersuchung  des  Bieres.

735

reichende,  unten  umgebogene,  und  eine  kurze,  schwach  gebogene  Eöhre  trägt,  oder
ein  zylindrisches  Gefäß  von  verzinntem  Kupfer  mit  2  Messinghähnen  an  der  Decke
des  Gefäßes  von  nachstehender  Form  (Fig.  291)  luftleer,  verschließt  die  an  den
Röhren  befindlichen  Schläuche  mittels  gut  schließender  Quetschhähne  und  tariert.
Der  Schlauch  des  langen  Rohres  wird  sodann  in  geeigneter  Weise  mit  einem  in  das
Faß  zu  bohrenden  Hahn  verbunden  und  nun  dieser  Hahn  und  der  Quetschhahn  am
langen  Rohr  geöffnet.  Hat  sich  auf  diese  Weise  der  Kolben  mit  etwa  300  ccm  Bier
gefüllt,  so  wird  der  Quetschhahn  wieder  geschlossen.
Die  Menge  des  eingefüllten  Bieres  wird  gewogen,  die  Kohlensäure  durch  Erwärmen ­
  ausgetrieben  und  in  Liebig-  oder  Geißler  sehen  Kaliapparaten  aufgefangen. ­
  Zu  diesem  Zweck  stellt  man  folgenden  Apparat  zusammen;
Der  Kochkolben  oder  das  nebenstehende  verzinnte  Kupfergefäß
wird  auf  einen  Dreifuß  gestellt,  auf  dem  er  bezw.  es  später  erwärmt
werden  kann.  Der  Schlauch  am  langen  Rohr  wird  hei  geschlossenem
Ventil  mit  einem  Rohr  verbunden,  das  mit  Natronkalk  gefüllt  ist  und
den  Zweck  hat,  die  später  durchzusaugende  Luft  von  Kohlensäure  zu
reinigen.  Der  Schlauch  am  kurzen  Rohre  des  Gefäßes  erhält  einen
zweiten  Quetschhahn  und  wird  mit  einem  Rtickflußkühler  verbunden.
Dieser  steht  weiter  mit  einem  Chlorcalciumrohr,  einem  Liebig-  oder
Geißlersehen  Kugelapparat,  der  mit  Schwefelsäure  gefüllt  ist,  und
darauf  mit  einem  solchen,  der  Kalilauge  enthält,  dann  mit  einem
Kugelröhrohen,  das  Kalistüoke  enthält,  und  schließlich  wieder  mit
einem  Chloroalciumrohr  in  Verbindung.
,  Der  Kalikugelapparat  und  das  mit  Kalistücken  gefüllte
Kugelrohr  werden  vor  der  nachfolgenden  Ausführung  der  Bestimmung
gewogen.
Schließt  der  so  zusammengestellte  Apparat  luftdicht,  so  wird  von  den  beiden  geschlossenen ­
  Quetschhähnen  zwischen  Kühler  und  Kochkolben  der  dem  letzteren  nächstbefindliche ­
  geöffnet  und  darauf  der  andere  nur  wenig  und  vorsichtig,  um  die  im  Kolben  einen
Druck  verursachende  Kohlensäure  langsam  nach  den  Ahsorptionsapparaten  entweichen  zu
lassen.  Ist  dies  geschehen,  so  wird  die  noch  gelöste  Kohlensäure  durch  vorsichtiges  Erwärmen ­
  und  darauffolgendes  Kochen  vollständig  ausgetrieben.  Zuletzt  verbindet  man  das
letzte  Chlorcalciumrohr  mit  einem  Aspirator  und  saugt,  nachdem  man  auch  den  Quetschhahn ­
  zwischen  Koch  kolben  und  dem  Natronkalkrohr  geöffnet  hat,  durch  den  ganzen  Apparat
Duft  hindurch.  Sodann  werden  der  Kalikugelapparat  und  das  mit  Kalistücken  gefüllte
Kugelrohr  gewogen.  Die  Zunahme  des  Gewichtes  gibt  die  Menge  Kohlensäure  in  dem
a ngewendeten  bestimmten  Gewicht  Bier  an,  woraus  sich  leicht  die  Gewichtsprozente  berechnen. ­

Ist  das  Bier  in  gut  verkorkten  Flaschen  eingesandt,  so  bedient  man  sich  zum  Auffangen ­
  der  im  Überdruck  vorhandenen  Kohlensäure  eines  besonderen,  hohlen,  unten  mit
eiI &amp;gt;er  Seitenöffnung  versehenen,  durchbohrten  Pfropfenziehers,  dessen  oberes  Ende  mittels
Schlauches  mit  dem  Rückflußkühler  verbunden  ist.  Statt  dieses  Propfenziehers  kann  man
®'ch  auch  eines  Korkhohrers  bedienen,  in  dessen  unteres  Ende  über  der  Höhe  des  durch
J hn  auszubohrenden  Korkstückchens  man  durch  Aufeileu  eine  kleine  Öffnung  gemacht  hat
ünd  dessen  oberer  Griff  durch  Ab-  und  Wiederanschmelzen  um  einige  Zentimeter  nach
unten  gedrückt  worden  ist.  Man  verbindet  das  frei  gewordene  obere  Ende  des  Röhrchens ­
  mittels  Kautsohukschlauches  mit  dem  Rückflußkühler,  bringt  an  dem  Schlauch  einen
geschlossenen  Quetschhahn  an  und  bohrt  den  Korkbohrer  in  den  Kork  der  Flasche.  Sodann
aßt  man  die  unter  Druck  befindliche  Kohlensäure  langsam  durch  vorsichtiges  Öffnen  des
Quetschhahnes  entweichen  und  erwärmt,  nachdem  dies  geschehen,  die  Flasche  noch  in  einem
asserhad.  Erst  wenn  die  Kohlensäure  fast  ganz  ausgetrieben  ist,  wechselt  man  den  Kork
und  den  Korkbohrer  mit  einem  doppelt  durchbohrten  und  in  obiger  Weise  mit  Glasröhren
ersehenen  Kautschukstopfen  aus  und  saugt  Luft  durch  den  Apparat.

Fig.  291.  Vorrichtung
zum  Einfüllen  des
Bieres  für  die  Kohlensäurehestimmung.
        <pb n="757" />
        736

Bier  und  seine  Rohstoffe.

8.  Bestimmung  des  Glyzerins.  50  ccm  Bier  werden  mit  etwa  3  g  Kalkhydrat
Ca(0H) 2  zum  Sirup  eingedampft,  mit  etwa  10  g  grob  gepulvertem  Marmor  oder
Seesand  gemischt  und  zur  Trockne  gebracht,  wobei  es  nicht  ratsam  ist,  daß  der
Eückstand  ganz  trocken  oder  sogar  hart  wird.  Man  trennt  denselben  vollständig
von  der  Schale  und  kocht  ihn  mit  100-150  ccm  starkem  (etwa  96°/ 0 -igem)
Alkohol  aus.  Der  alkoholische  Auszug  wird  nach  der  Filtration  verdampft,  bezw.
der  Alkohol  abdestiliiert  und  der  Rückstand  wieder  mit  10  ccm  absolutem  Alkohol
gelöst.
Zu  dieser  Lösung  gibt  man  in  3  Portionen  15  ccm  Äther  hinzu,  jedesmal
die  Lösung  ordentlich  mischend,  und  läßt  absitzen.  Die  überstehende  klare,  das
Glyzerin  enthaltende  Ätheralkohollösung  wird  abgegossen,  der  Rückstand  nochmals
mit  5  ccm  Alkohol  behandelt  und  in  2  Portionen  mit  7,5  ccm  Äther  durchgeschüttelt,
wodurch  auch  das  im  Eückstand  noch  verbliebene  Glyzerin  ausgezogen  wird.  Die
Ätheralkohollösung  wird  im  tarierten  Wägegläschen  bis  zum  starken  Sirup
verdampft,  dann  noch  1  Stunde  im  Wassertrockenschrank  getrocknet,  gewogen  und
das  erhaltene  Glyzerin  auf  etwa  vorhandenen  Zucker  geprüft.  Meist  ist  es  ratsamer,
die  Ätheralkohollösung  in  einer  Platinschale  einzudampfen,  wie  oben  zu  trocknen
und  das  erhaltene  Glyzerin  auf  einen  etwaigen  Aschengehalt  zu  prüfen,  der  in
Abzug  gebracht  werden  muß.
9.  Bestimmung  der  Mineralstoffe.  Zur  Bestimmung  der  Asche  werden  50  ccm
Bier  in  einer  gewogenen  Platinschale  eingedampft  und  nach  S.  194  verascht.
Zur  Bestimmuug  der  Phosphorsäure  dampft  man  50—100  ccm  Bier  mit
einigen  Tropfen  Soda-  oder  Barytlösung  (etwa  0,2—0,3  g  BaO)  ein  und  verascht,
löst  die  Asche  in  Salpetersäure  und  bestimmt  die  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdän-Verfahren
  (S.  150)  oder  man  fällt  die  Phosphorsäure  direkt  in  der  mit  zitronensaurem
Ammon  versetzten  Lösung  mit  Magnesiamischung  nach  S.  152.  Der  Phosphorsäuregehalt ­
  beträgt  gewöhnlich  zwischen  0,06—0,1  g  für  100  g  Bier.
Die  Schwefelsäure  wird  bestimmt,  indem  man  weitere  100  ccm  Bier  mit
Soda  und  Salpeter  eindampft,  verascht  und  die  Asche  in  Salpetersäure  löst.  Die
Lösung  wird  durch  Zusatz  von  Chlorammonium  salzsauer  gemacht  und  nun  in  bekannter ­
  Weise  mit  Chlorbaryum  gefällt.
Zur  Bestimmung  des  Chlors  braucht  man  nur  mit  etwas  Soda  einzudampfen
und  zu  veraschen.  Die  Asche  wird  in  Salpetersäure  gelöst  und  das  gebildete
Natriumchlorid  mit  salpetersaurem  Silber  gefällt,  der  Niederschlag  in  bekannter
Weise  behandelt  und  gewogen.  Einfacher  ist  es,  man  neutralisiert  die  salpetersaure
Lösung  genau  mit  Natronlauge  oder  Magnesiumoxyd  und  titriert  mittels  1 / 10  Normal-Silberlösung
  unter  Anwendung  von  chromsaurem  Kalium  als  Indikator.
10.  Bestimmung  der  Farbentiefe.  (Yergl.  unter  Malz  S.  713.)
11.  Bestimmung  der  Viskosität  oder  Vollmundigkeit.  Dieselbe  geschieht
mittels  des  Viskosimeters  (vergl.  weiter  unten  unter  „Schmieröle“).
12.  Nachweis  von  Frischhaltungsmittelu.  a)  Prüfung  auf  schweflige
Säure  bezw.  sauren  schwefligsauren  Kalk.  200  ccm  Bier  werden  wie  bei
Wein  usw.  mit  Phosphorsäure  im  Kohlensäurestrome  und  unter  Vorlage  von  Jodlösung ­
  destilliert.  Nachdem  etwa  100  ccm  Destillat  übergegangen  sind,  wird  die
Lösung  in  der  Vorlage  mit  Salzsäure  angesäuert  und  die  durch  das  Jod  in  Schwefelsäure ­
  übergeführte  schweflige  Säure  nach  dem  Erhitzen  mit  Chlorbaryum  gefällt
und  als  schwefelsaures  Baryum  gewogen.
Bei  reinem  Bier  soll  das  Destillat  nicht  mehr  als  10  mg  schwefelsaures  Baryum
ergeben.
        <pb n="758" />
        Untersuchung  des  Bieres.

737

b)  Nachweis  von  Borsäure.  Da  die  Borsäure  nach  neueren  Untersuchungen
in  der  Natur  sehr  weit  verbreitet  ist  und  auch  im  Hopfen  vorzukommen  pflegt,  so
ist  der  qualitative  Nachweis  geringer  Mengen  Borsäure  im  Bier  noch  kein  Beweis
für  einen  künstlichen  Zusatz  derselben.
Zum  Nachweise  derselben  werden  100  ccm  Bier  unter  Ubersättigen  mit  Natriumkarbonat ­
  eingedampft  und  eingeäschert.
Treten  die  Borsäure-Reaktionen  (vergl.  S.  480)  mit  Kurkuma,  besonders  die
Kirschrotfärbung  bezw.  die  Blaufärbung  nach  Zusatz  von  Natriumkarbonat,  sehr
stark  auf,  so  ist  ein  Borsäure-Zusatz  wahrscheinlich,  und  man  bestimmt  dann  deren
Menge  nach  den  S.  480  angeführten  Verfahren  (vefgl.  auch  unter  Wein).
c)  Nachweis  von  Fluorverbindungen.  100  ccm  entkohlensäuertes  Bier
und  mehr  werden  nach  W.  Windisch 1 )  zum  Sieden  erhitzt  und  mit  Kalkwasser
bis  zur  stark  alkalischen  Reaktion  versetzt.  Der  entstehende  voluminöse  Niederschlag, ­
  der  sich  rasch  absetzt,  enthält  die  größte  Menge  des  Fluors.  Er  wird,
nachdem  die  überstehende  klare  Flüssigkeit  abgehebert  ist,  zum  Kochen  erhitzt  und
durch  ein  Leinwandtuch  filtriert.  Alsdann  wird  der  feuchte  Niederschlag  in
dem  zusammengefalteten  Leinwandtuch  zwischen  Filtrierpapier  abgepreßt,  mit
einem  Messer  abgekratzt,  in  einen  Platintiegel  gebracht,  bei  kleiner  Flamme  getrocknet, ­
  geglüht,  nach  dem  Erkalten  in  dem  Tiegel  gepulvert,  mit  3  Tropfen
Wasser  durchfeuchtet  und  mit  1  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  versetzt.  Sofort
nach  dem  Zusatz  der  Schwefelsäure  wird  der  behufs  Erhitzens  auf  eine  Asbestplatte
gestellte  Platintiegel  mit  einem  großen  Uhrglas  bedeckt,  das  auf  der  Unterseite  in
bekannter  Weise  mit  Wachs  überzogen  und  beschrieben  ist.  Um  das  Schmelzen  des
Wachses  zu  verhüten,  wird  auf  das  Uhrglas  ein  Stückchen  Eis  gelegt.
Über  die  quantitative  Bestimmung  des  Fluors  durch  Ätzverlust  vergl.
H.  Ost  und  A.  Schumacher 2 )  oder  besser  als  Siliciumfluorid  bezw.  Siliciumfluor-Wasserstoffsäure
  S.  163  bezw.  auch  S.  747.
d)  Nachweis  von  Salizylsäure.  100  ccm  Bier  werden  mit  etwas  Schwefelsäure ­
  angesäuert  und  mit  100  ccm  eines  Gemisches  von  gleichen  Eaumteilen  Äther
nnd  Petroleumäther  ausgeschüttelt.  Die  hierbei  entstehende  Emulsion  kann  durch
Zusatz  von  Alkohol  beseitigt  werden.  Das  Äthergemisch,  welches  keine  oder  nur
Spuren  Gerbsäure  löst,  wird  verdunstet  und  der  Rückstand  nach  dem  Lösen  in
Wasser  mit  sehr  verdünnter  Ferrichloridlösung  und  Milions  Reagens  geprüft,  mit
Welchem  letzteren  Salizylsäure  eine  schöne  Rotfärbung  gibt.
Bleibt  letztere  Reaktion  aus,  so  kann  die  Ferrichloridreaktion  von  Maltol,
aus  Farbmalz  stammend,  herrühren.
Da  aber  tief  dunkle  Biere  mit  Mil  Ions  Reagens  schöne  Eotfärbung  liefern,
80  empfiehlt  sich  bei  diesen  eine  weitere  Reinigung  des  ersten  Auszuges,  indem  man
den  Rückstand  mit  Wasser  aufnimmt,  die  Lösung  mit  Leimlösung  versetzt  und  die
Äusschüttelung  mit  dem  Äthergemisch  wiederholt.
Quantitativ  wird  die  Salizylsäure  nach  dem  kolorimetrischen  Verfahren
bestimmt.
Da  die  Rohstoffe  des  Bieres  wie  Hopfen  und  besonders  Malz  behufs  Haltbarmachung
ttutunter  mit  Salizylsäure  versetzt  werden,  so  findet  sich  unter  Umständen  aus  diesem  Grunde
Salizylsäure  im  Bier.
e)  Nachweis  von  Benzoesäure  wie  bei  Milch  (S.  479).
f)  Nachweis  von  Formaldehyd  wie  bei  Milch  (S.  482).
l )  Wochenschr.  f.  Brauerei  1896,  13,  449.
')  Berichte  der  Deutschen  ohem.  Gesellschaft  1893,  26,  151.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3,  Auflage.

47
        <pb n="759" />
        738

Bier  und  seine  Rohstoffe.

13.  Nachweis  von  Neutralisationsmitteln.  Der  Nachweis  von  Neutralisationsmitteln,
  als  welches  vorwiegend  Natrinmhikarhonat  angewendet  wird,  ist  hei  der
geringen  Menge,  in  welcher  sie  angewendet  werden,  sehr  schwierig  und  aus  dem
Aschengehalt  allein  nicht  zu  ermitteln.
Ed.  Spaeth 1 )  hat  für  den  Zweck  folgendes  Verfahren  angegeben:
500  ccm  Bier  werden  mit  100  ccm  10  °/ 0 -iger  Ammoniakflüssigkeit  versetzt
und  .12  Stunden  (nach  neueren  Mitteilungen  Spaeths *  2 )  genügen  4—5  Stunden)
stehen  gelassen.  Alsdann  wird  filtriert;  zweimal  je  60  ccm  des  Filtrates  werden
eingedampft,  eingeäschert,  die  Phosphorsäure  nach  dem  Molybdän-Verfahren  bestimmt
und  auf  primäres  Phosphat  berechnet.  Ferner  werden  250  ccm  des  arnmoniakalischen
Filtrates  mit  26  ccm  Bleiessig  gemischt,  geschüttelt  und  nach  6-stündigem  Ahsetzen
filtriert.  200  ccm  dieses  Filtrates  werden  durch  Abdampfen  von  Ammoniak  befreit
und  der  Rückstand  von  30—40  com  wieder  auf  200  ccm  aufgefüllt  und  filtriert.
175  ccm  des  Filtrates  säuert  man  mit  Essigsäure  an  und  fällt  mit  Schwefelwasserstoff. ­
  Nach  Beseitigung  des  entstandenen  Niederschlages  durch  Filtration  und  nach
Entfernung  des  Schwefelwasserstoffes  durch  Hindurchleiten  von  Luft  werden  150  ccm
des  Filtrates  eingedampft  und  eingeäschert.  Die  Asche  wird  in  Wasser  gelöst  und
nach  dem  Hinzugehen  einer  bestimmten  Menge  1 j 10  Normal-Schwefelsäure  mit  1 I J0
Normal-Kalilauge  unter  Anwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator  zurücktitriert.
Ein  größerer  Verbrauch  an  1 /lO  Normal-Säure  für  die  Bierasche,  welcher  dem  aus  der
gefundenen  Phosphorsäuremenge  berechneten  entspricht,  weist  auf  zugesetzte  Neutralisationsmittel ­
  hin.
14.  Nachweis  von  Zuckercouleur  und  organischen  Farbstoffen.  Der  Zusatz
von  Zuokercouleur  läßt  sich  nach  Aubry  dadurch  nachweisen,  daß  man  in  das
in  einem  zylindrischen  Stöpselglase  befindliche  Bier  so  lange  Ammonsulfat  gibt,  als
sich  davon  auflöst,  dann  ein  gleiches  Volumen  Alkohol  zusetzt,  kräftig  durchschüttelt
und  absitzen  läßt.  Nach  einigem  Stehen  bilden  sich  in  der  Flüssigkeit  2  Schichten,
von  denen  die  obere  fast  alle  Farbe  enthält,  wenn  diese  nur  von  den  Rösterzeugnissen
des  Malzes  (Farbmalzes)  herrührt,  während  bei  stattgehabter  Anwendung  von  Zuckercouleur ­
  und  ähnlicher  künstlicher  Couleur  die  untere  Schicht  stärker  gefärbt  erscheint. ­

Gewisse  Teerfarbstoffe  erkennt  man  daran,  daß  das  Bier  durch  Ansäuern  mit
Schwefelsäure  eine  stark  rote  Färbung  annimmt.
15.  Nachweis  von  Saccharin.  Wenn  der  von  der  Prüfung  auf  Salizylsäure
erhaltene  Rückstand  einen  süßlichen  Geschmack  hat,  so  muß  man  auf  Saccharin
prüfen.
200—500  ccm  Bier  werden  nach  Ed.  Spaeth 3 )  mit  etwas  Kupfernitrat  versetzt, ­
  zur  Hälfte  eingedunstet,  dann  nach  Zusatz  von  etwas  Phosphorsäure  und  Seesand ­
  vollständig  zur  Trockne  verdampft  und  der  Rückstand  wiederholt  mit  Äther-Petroläther
  ausgezogen.  Die  vereinigten,  durch  Abscheiden  im  Scheidetrichter
gewonnenen  Auszüge  werden  im  Wasserbade  abdestilliert,  der  Rückstand  mit
wenigen  Tropfen  einer  sehr  verdünnten  Natriumkarbonatlösung  gelöst  und  auf  Geschmack ­
  geprüft.  Ein  süßer  Geschmack  beweist  die  Anwesenheit  von  Saccharin.
Zum  sicheren  Nachweise  und  zur  quantitativen  Bestimmung  wird  der  Rückstand ­
  vom  Äther-Petroläther-Auszug  mit  Natriumkarbonat  wie  vorhin  gelöst,  in
einem  Porzellanschälchen  unter  Zusatz  von  1—2  g  festem  Natriumkarbonat  zur

*)  Forschungsberichte  über  Lebensmittel  usw.  1895,  2,  303.
2 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1898,  4.
3 )  Ebenda  1893,  579.
        <pb n="760" />
        Untersuchung  des  Bieres.

739

Trockne  verdampft  und  dieser  Rückstand  langsam  in  schmelzenden  Natronsalpeter  eingetragen. ­
  In  der  Schmelze  wird  die  Schwefelsäure  quantitativ  bestimmt  und  daraus
das  Saccharin  berechnet.  1  Teil  Baryumsulfat  =  0,7857  g  Saccharin,  d.  h.  Benzoesäuresulfimid
  C 0 H 4  &amp;lt;  go  &amp;gt;  NH.
In  dem  salzsauren  Filtrat  von  der  Baryurasulfat-Fällung  kann  man  unter
Umständen  bei  vorsichtigem  Schmelzen  nach  Ausschütteln  mit  Äther  auch  qualitativ
noch  Salizylsäure  nachweisen.
16.  Prüfung  auf  Bitterstoffe  und  Alkaloide.  Ein  kurzes,  als  Vorprüfung  anwendbares ­
  Verfahren  hat  Dietsch  angegeben:  Man  gibt  zu  etwa  50  ccm  Bier  so
lange  Bleiessig,  bis  kein  Niederschlag  mehr  erfolgt,  läßt  diesen  absitzen  und  prüft
die  darüberstehende  Flüssigkeit  auf  Geschmack.  Dieselbe  soll  nicht  mehr  bitter
schmecken,  wenn  nur  Hopfen  verwendet  worden  war  (da  das  Hopfenbitter  durch
Bleiessig  gefällt  wird),  während  bei  Verwendung  von  anderen  Bitterstoffen  die
Flüssigkeit  bitter  bleibt.
Auf  Pikrinsäure  wird  nach  Vitali  folgendermaßen  geprüft:  Man  schüttelt
10  ccm  Bier  mit  5  ccm  Amylalkohol  aus,  verdunstet  diesen  und  behandelt  den
Rückstand  mit  Cyankalium  oder  Schwefelammonium  in  der  Wärme,  Das  Eintreten
einer  blutroten  Färbung  zeigt  die  Anwesenheit  von  Pikrinsäure  an.
Nach  Dragendorff  verfährt  man  folgendermaßen:  2  1  Bier  werden  auf  dem
UVasserbade  bis  etwa  zur  Hälfte  eingedampft,  dann  mit  möglichst  basischem  Bleiessig ­
  so  lange  versetzt,  als  ein  Niederschlag  entsteht.  Die  Flüssigkeit  wird  abfiltriert
(der  Niederschlag  nicht  ausgewaschen),  mit  Schwefelsäure  das  überschüssige  Blei
entfernt,  mit  Ammoniak  fast  neutralisiert  und  auf  250—300  ccm  eingedampft.
Darauf  wird  mit  starkem  Alkohol  ausgeschüttelt,  24  Stunden  am  kühlen  Ort  absitzen
gelassen  und  filtriert.  Das  Filtrat  wird  eingedunstet,  der  wässerige  Rückstand
Wehrmals  mit  farblosem,  bei  80°  siedendem  Benzin  ausgeschüttelt.  Nachdem  das
Benzin  bei  möglichst  niedriger  Temperatur  abgedunstet  ist,  enthält  der  Rückstand
wöglicherweise  Brucin,  Colchicin  (bei  Anwendung  von  Herbstzeitlose),  Strychnin,
Eolocynthin  (Coloquinten)  und  Lupulin  (Hopfen).  Man  teilt  denselben  in  3  Portionen,
setzt  zu  der  einen  Salpetersäure  von  1,33—1,40  spezifischem  Gewicht,  worauf  Brucin
durch  starke  Rotfärbung  angezeigt  wird,  Colchicin  sich  dagegen  durch  violette
Farbe  zu  erkennen  gibt  (Lupulin  zeigt  eine  ähnliche  Färbung).  Zur  zweiten
Dortion  gibt  man  konzentrierte  Schwefelsäure,  womit  Colooynthin  Rotfärbung
bewirkt;  zur  dritten  Portion  gibt  man  konzentrierte  Schwefelsäure  und  ein  Körnchen
Raliumbichromat,  wodurch  Strychnin  mit  stark  purpurvioletter  Farbe  angezeigt
wir d.  Die  mit  Benzin  ausgeschüttelte  Flüssigkeit  selbst  wird  von  Benzin  befreit
und  dann  mit  Amylalkohol  ausgeschüttelt.  Die  Lösung  des  Amylalkohols  soll  nahezu
farblos  sein  und  nicht  bitter  schmecken.  Hinterläßt  sie  beim  Verdunsten  auf  dem
Uhrschälchen  feine  weiße  kristallinische  Ausscheidungen,  so  läßt  sich  auf  Pikrotoxin
schließen;  eine  gelbe,  safranartige  Masse  zeigt  Aloe  an.
Die  obige,  von  Amylalkohol  befreite  Flüssigkeit  wird  dann  zum  dritten  Male
und  zwar  mit  Äther  ausgeschüttelt,  welcher  Absinthin  (Wermutkraut)  aufnehmen
würde,  das  nach  dem  Verdunsten  des  Äthers  und  nach  Zusatz  von  konzentrierter
chwefelsäure  sich  durch  eine  Braunfärbung  zu  erkennen  gibt,  die  durch  Rot  in
lauviolett  übergeht.  Nach  der  Ätherausschüttelung  kann  die  Flüssigkeit  noch
Vuassiin,  Menyanthin  und  Gentipikrin  (Enzianbitter)  enthalten.  Ein  stark  bitterer
eschmack  läßt  das  Vorhandensein  derselben  vermuten.  Glaubt  man  einen  der
,  0  uufgefunden  zu  haben,  so  ist  sehr  zu  empfehlen,  einen  Vergleich  mit  wirklich
ueiuem  Bier  anzustellen.

47*
        <pb n="761" />
        740

Bier  und  seine  Rohstoffe.

17.  Mikroskopische  Untersuchung.  Für  die  mikroskopische  Untersuchung
läßt  man  ein  trübes  Bier  in  verschlossener  Flasche,  geschützt  vor  Sonnenlicht,  ruhig
stehen,  bis  sich  die  Schwebeteilchen  zu  Boden  gesetzt  haben.  Zur  Beschleunigung
des  Absetzens  auch  hei  nur  mäßig  trüben  Bieren  kann  man  zentrifugieren.
Hat  sich  der  Bodensatz  gebildet,  so  wird  die  Flasche  äußerlich  zunächst  mit
Wasser,  dann  durch  Ab  reiben  mit  Alkohol  von  anhaftender  Hefe  gereinigt,  das
überstehende  klare  Bier  entweder  abgegossen  oder  ahgehebert,  ohne  daß  der  Bodensatz ­
  aufgerührt  wird,  und  letzterer  der  mikroskopischen  Untersuchung  auf  Hefenarten, ­
  Bakterien  und  die  S.  730  erwähnten  Trübungen  untersucht.
Die  „echte“  Kulturhefe  läßt  sich  an  ihrer  mehr  rundlich-ovalen  Form,
die  „wilde“  Hefe  an  ihrer  mehr  länglichen  oder  auch  zitronenartigen  Form  (vergl.
S.  721  u.  723)  deutlich  von  denBakterien,  Kokken  und  Sarcinaarten  unterscheiden.
Stärke-Trübungen  färben  sich  unter  dem  Mikroskop  mit  Jodjodkalium  blau,
Dextrin-  oder  Kleister-Trübungen  rötlich  bis  rötlich-violett,  Eiweiß-Trübung
gelb.  In  letzterem  Falle  liefert  der  Bodensatz  mit  Milions  Reagens  auch  Rotfärbung.
Harz-Trübungen  geben  sich  als  kleine,  gelb-  bis  dunkelbraune  Körnchen  oder
krümelige  Massen  zu  erkennen,  wenn  man  die  umhüllenden  oder  eingeschlossenen  Hefen
und  Bakterien  durch  Zusatz  eines  Tropfens  einer  10  °/ 0 -igen  Kalilauge  aufgelöst  hat.
Zur  Ermittelung  und  Unterscheidung  der  Mikroorganismen  kann  das  von
Lintner 1 )  empfohlene  Verfahren,  die  Tröpfchenkultur  oder  Beobachtung  im
hängenden  Tropfen  dienen  (vergl.  S.  722  u.  ff.).  Hiernach  wird  das  Bier  direkt  mittels
sterilisierter  Schreib-  und  Zeichenfeder  in  mehreren  Reihen  zu  lang  ausgezogenen
Tröpfchen  auf  ein  vorher  flambiertes  Deckgläschen  aufgetragen  und  letzteres  mittels
Vaseline  auf  einem  hohlen  Objektträger  befestigt.
Die  in  dem  Bier  enthaltenen  Keime  wachsen  infolge  der  eingeschlossenen  Luft
selbst  in  älteren  Bieren  kräftig  aus;  die  jungen  Zellen  bleiben  um  die  Mutterzellen
gelagert  und  bilden  Gruppen,  die  bessere  Unterschiede  zeigen,  als  einzelne  ausgesäete
Zellen.  Es  gelingt  auf  diese  Weise,  nicht  nur  die  Kulturhefe  von  der  wilden  Hefe
zu  unterscheiden,  sondern  auch  die  Bakterien,  z.  B.  die  Sarcinaarten  und  Milchsäure-Bakterien, ­
  auf  dem  natürlichen  Substrat  zum  Wachstum  zu  bringen.
IV,  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung.
1.  Eigenschaften  eines  guten  Bieres.  Das  zum  Genuß  gelangende  Bier  soll  klar-)
oder  höchstens  schwach  opalisierend  sein.  Auf  der  Oberfläche  soll  sich  beim  Ausschenken
in  ein  Glas  ein  aus  kleinen  Bläschen  bestehender  Schaum  bilden,  der  kurze  Zeit  stehen
bleibt  und  dann  erst  allmählich  zusammenfällt,  während  aus  der  Flüssigkeit  stets  kleine
Gasbläsohen  von  Kohlensäure  aufsteigen.  Der  Geschmack  muß  rein,  prickelnd  nach  Kohlensäure ­
  und  je  nach  der  Biersorte  süß  malzig  oder  hopfenbitter  sein.  Obergärige  Biere  dürfen
ferner  einen  säuerlichen  Geschmack  besitzen,  während  dieser  bei  untergärigen  Bieren  neben
der  Kohlensäure  nicht  hervortreten  darf.  Bezüglich  des  Kohlensäuregehaltes  ist  die  Art
des  Bieres  maßgebend.
2.  Trübungen  des  Bieres.  Bei  Beurteilung  der  Trübungen  ist  zu  berücksichtigen,
daß  jedes  zum  Genuß  gelangende,  auch  reife  Bier  Hefezellen  in  der  Schwebe  enthält,  und
daß  ein  Bier,  dessen  Trübung  ausscbießlich  aus  Kulturhefe  besteht,  die  sich  bei  mehrtägigem
ruhigen  Stehen  absetzt,  als  unreif  zu  bezeichnen,  nicht  aber  zu  beanstanden  ist. 3 )
J )  Lintner.  Mikroskopische  Betriebskontrolle  in  den  Gärungsgewerben.  Berlin  1896,
69,  127  u.  ff.
2 )  Einige  besondere  Biersorten,  z.  B.  Weißbier,  pflegen  nicht  klar  zu  sein;  andere
auf  der  Flasche  erzeugten  Biere  haben  einen  Bodensatz  von  Hefe,  die  sich  beim  Ausfullen
leicht  hebt,  aber  auch  wieder  bald  zu  Boden  setzt.
3 )  Auf  Flaschen  reifende  Biere  haben  an  sich  einen  Bodensatz.
        <pb n="762" />
        Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung.

741

Auch  schwache  Eiweiß-Trübungen  und  solche  von  Harz  und  Gummi  sind  nicht  zu
beanstanden,  da  sie  sich  nicht  immer  vermeiden  lassen.
Dagegen  müssen  größere  Ausscheidungen  von  Stärke  und  Eiweiß,  als  von  entweder
fehlerhaftem  Rohstoff  oder  fehlerhafter  Fabrikation  herrührend,  verworfen  werden.
Desgleichen  sind  Trübungen,  die  nur  von  Bakterien  und  wilden  Hofen 1 )  herrühren,
zu  beanstanden.  In  beiden  Fällen  zeigt  das  Bier  auch  einen  abnormen  Geschmack
8.  Der  Vergäruugsgrad.  Der  Vergärungsgrad  der  Biere  liegt  im  allgemeinen
zwischen  45—50  °/ 0 ;  obergärige  Biere  sind  meistens  stärker  vergoren  als  untergärige.  Biere
mit  schwachem  Vergärungsgrad  sind  durchweg  weniger  haltbar  als  stark  vergorene  Biere;
jedoch  gibt  es  von  diesen  Regeln  auch  Ausnahmen.  Jedenfalls  läßt  sich  eine  feste,  allgemein ­
  gültige  Regel  für  den  Vergärungsgrad  nicht  angeben,  da  derselbe  sehr  verschiedenen
Umständen  (dem  Rohstoff,  der  Hefe,  dem  Gärvorgang  und  dem  Geschmack  des  Publikums)
angepaßt  werden  muß.
4.  Aus  den  vorstehenden  Gründen  läßt  sich  für  den  Gehalt  an  liohmaltose  bezw.
besser  an  noch  vergärbaren  Stoffen  (S.  733)  eine  bestimmte  Grenzzahl  nicht  festsetzen.
5.  Der  Stickstoffgehalt  in  Prozenten  des  Bierextraktes  beträgt  durchschnittlich
1  °/o  und  sinkt  selten  unter  0,9  °/ 0 ;  geht  er  auf  0,6—0,7  °/ 0  herab,  so  ist  die  Verwendung
von  zuckerreichen  und  stickstoffarmen  Ersatzstoffen  wahrscheinlich.
Man  kann  den  Stiokstoffgehalt  auch  auf  Trockensubstanz  der  Stammwürze  berechnen;
diese  enthält  unter  normalen  Verhältnissen  0,4—0,5  °/ 0  Stickstoff.
6.  Der  Aschengehalt  des  Bieres  geht  selten  über  0,3°/ 0  hinaus;  ein  Mehr  kann
auf  Zusatz  von  Neutralisationsmitteln  hindeuten.
Für  den  Gehalt  an  Phosphorsäure,  sowie  für  den  an  Chlor  und  Schwefelsäure ­
  läßt  sich  eine  Grenzzahl  nicht  festsetzen;  der  Gehalt  hieran  richtet  sich  ganz  nach
dem  Gehalt  der  Stammwürze  einerseits  und  nach  dem  des  Brauwassers  andererseits.
Im  allgemeinen  schwankt  der  Phosphorsäuregehalt  im  Bier  zwischen  0,06  bis
0-09  °/ 0  und  geht  dem  Stickstoffgehalt  parallel,  so  daß  derselbe  in  Prozenten  der  Trockensubstanz ­
  der  Stammwürze  wie  letzterer  0,4—0,5  °/ 0  beträgt.
7.  Die  Gesamtsäure  des  Bieres  überschreitet  selten  eine  Menge,  die  3  ccm  Normal-Alkali
  —  bei  Weißbier  bis  zu  5  ccm  Normal-Alkali  —  für  100  g  Bier  entspricht;  geht  die
Menge  unter  1  ccm  Normal-Alkali  hinunter,  so  ist  das  Bier  der  Neutralisation  verdächtig.
Flüchtige  Säuren,  wie  Essigsäure,  sind  zwar  spurenweise  in  jedem  Bier  vorhanden, ­
  sollen  aller  in  untergärigen  Bieren  kaum  nachweisbar  bleiben.  Obergärige  Biere
^reichen  mitunter  einen  Gehalt  von  0,08  °/ 0  Essigsäure.
8.  Der  Glyzeringehalt  eines  natürlichen  Bieres  überschreitet  0,3  g  für  100  g  Bier
üicht.  Jedoch  soll  man  sich  nach  erfolgter  Wägung  von  der  Reinheit  des  analytisch
gewogenen  Glyzerins  überzeugen.
9.  Bezüglich  der  Frischhaltungsmittel  ist  zu  berücksichtigen,  daß  geringe  Mengen
schwefliger  Säure  in  jedem  Bier  verkommen  und  vom  Schwefeln  des  Hopfens  und  der
Gerste  herrühren  können;  wenn  jedoch  deren  Menge  mehr  als  10  mg  Baryumsulfat  für
100  ccm  Bier  entspricht,  so  ist  ein  künstlicher  Zusatz  zum  Zwecke  der  Frischhaltung
“es  Bieres  anzunehmen.
Spuren  von  Salizylsäure  können  von  der  Frischhaltung  von  Malz  und  Hopfen,
Puren  von  Borsäure,  wie  schon  S.  737  gesagt,  aus  dem  Hopfen  herrühren.  Mehr  als
eine  schwache  Reaktion  ist  jedoch  nicht  zulässig  und  sind  auch  die  anderen  (S.  729)  angeführten ­
  Frischhaltungsmittel,  wie  ebenso  die  Neutralisationsmittel,  künstliche  Färbungen
Und  Hopfen-Ersatzstoffe  zu  beanstanden.
tt  .  ^  Hierbei  ist  zu  berücksichtigen,  daß  mitunter  absichtlich  kleinzellige,  den  wilden
®  en  ähnliche  Hefen,  auch  Weinhefen,  angewendet  werden.
        <pb n="763" />
        Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren
Erzeugnisse.

A.  Weintrauben,  Obst-  und  Beerenfrüchte.
Die  Weintrauben  bezw.  das  Obst  und  Beerenobst  gelangen  wohl  nur  selten  als
solche  im  natürlichen  Zustande  zur  chemischen  Untersuchung;  man  untersucht  vielmehr ­
  meist  nur  den  ausgepreßten  Saft  bezw.  Most.
Sollen  indes  auch  die  natürlichen  Rohstoffe  untersucht  werden,  so  verfährt ­
  man:
1.  Bei  Weintrauben  (und  Beerenobst)  wie  folgt:
Die  Trauben  werden  einzeln  oder  auch  insgesamt  gewogen,  die  Beeren  vorsichtig ­
  abgepfliickt,  indem  man  sie  in  ein  darunter  stehendes  Gefäß  so  fallen  läßt,
daß  kein  Saft  verloren  geht.  Die  abgepflückten  Kämme  und  Beeren  werden  jede
für  sich  gewogen.
Die  Beeren  werden  zunächst  leicht  zerdrückt,  der  Saft  durch  ein  Flanelltuch
abgeseiht,  dann  die  rückständige  Masse  in  diesem  entsprechend  stark  ausgepreßt,
der  aus  Kernen  und  Schalen  bestehende  Preßrückstand  (Trester)  vollständig  vom
Preßtuch  entfernt  und  gewogen;  die  Menge  des  Saftes  ergibt  sich  aus  der  Differenz
zwischen  Gesamtgewicht  der  Beeren  und  des  Preßrückstandes.
Saft  und  Preßrückstand  werden  getrennt  für  sich,  wie  üblich,  untersucht
und  aus  der  Zusammensetzung  derselben,  sowie  aus  dem  Mengenverhältnis  beider
Anteile  nötigenfalls  die  prozentige  Zusammensetzung  der  ursprünglichen  Beeren
berechnet.
Zur  Wasserbestimmung  müssen  die  Preßrückstände  nach  S.  254  vorgetrocknet ­
  werden;  für  Saft  sind  die  für  Milch  bezw.  Eübensäfte  (S.  469  bezw.  610)
angegebenen  Vorsichtsmaßregeln  zu  berücksichtigen.  Zucker  und  Säure  im  Saft
werden  wie  unten  bei  Most  angegeben  bestimmt,  die  übrigen  Bestandteile  nach  den
unter  „Untersuchung  der  Futtermittel“  (S.  208—252)  beschriebenen  Verfahren.
2.  Obst  (Äpfel  und  Birnen).
Diese  werden  von  Stielen  befreit,  dann  gewogen,  tunlichst  dünn  abgeschält,
durchgeschnitten,  Kerne  und  Mark  herausgenommen  und  alle  3  Teile  zusammen
gewogen;  das  Fruchtfleisch  ergibt  sich  aus  der  Differenz.  Sollen  die  Abfälle
(Schale,  Kerne  usw.)  untersucht  werden,  so  werden  sie  nach  S.  254  vorgetrocknet,
gemahlen  und  so  der  Untersuchung  unterworfen.
Das  Fruchtfleisch  dagegen  wird  mit  der  Kartoffelreibe  fein  zerrieben  und
der  Brei  direkt  wie  bei  Eübenbrei  usw.  (S.  602  u.  ff.)  untersucht.  Die  Untersuchung ­
  muß,  besonders  die  auf  Zucker  und  Säure,  sehr  schnell  vorgenommen
werden,  weil  der  Obstbrei,  wie  Fruchtsäfte  überhaupt,  beim  Aufbewahren  unter
Luftzutritt  sich  sehr  rasch  zersetzen.
        <pb n="764" />
        Obstkraut,  Rübenkraut  und  Malzkraut.

743

Für  gewöhnlich  ist  indes  mehr  daran  gelegen,  die  Menge  des  Ohstsaftes  und
dessen  Zusammensetzung  kennen  zu  lernen.  Man  wägt  zu  dem  Zweck  eine  Anzahl
Apfel  oder  Birnen  ah,  zerreibt  diese  mit  einer  Reibmaschine,  bringt  den  Brei  wie
bei  Zuckerrüben  in  ein  Flanellpreßtuch,  preßt  gehörig  aus,  wägt  den  Preßrückstand
  zurück  und  erfährt  die  Saftmenge  aus  der  Differenz.  Saft  und  Preßrückstand
(Trester)  werden  dann  wie  bereits  angegeben  weiter  untersucht.

B.  Obsterzeugnisse.

I.  Obstkraut,  Rübenkraut  und  Malzkraut  (oder  sog.  Maltose).
Unter  „Obstkraut“  wird  ebenso  wie  unter  „Rübenkraut“  (auch  wohl  „Sirup“,
„Gelee“  oder  „Mus“  genannt)  das  durch  Eindunsten  des  Obst-  bezw.  Zuckerrübensaftes ­
  ohne  Zusätze  gewonnene  Erzeugnis  verstanden.  Hierzu  gesellt  sich  das  sog.
Malzkraut,  welches  durch  Einwirkung  von  Diastase  (Malz)  auf  Maisstärke  usw.  gewonnen ­
  wird  und  denselben  Zwecken  dienen  soll.
Das  wertvollere  Obstkraut  wird  vielfach  durch  Rübenkraut,  Malzkraut,  Rohrzucker ­
  oder  auch  durch  die  billigen  Stärke-  oder  Dextrinsirupe 1 )  verfälscht.
Die  Untersuchung  und  Nachweisung  der  Verfälschungen  kann  in  folgender
Weise  geschehen; 2 )
1.  Wasser.  3—6  g  Kraut  bezw.  Sirup  werden  wie  Zuckersäfte  usw.  (S.  610)
behandelt.  Oder  man  löst  ebenso  zweckmäßig  und  sicher  10  g  in  100  ccm  Wässer,
bringt  hiervon  25  bezw.  50  ccm  in  ein  flaches,  mit  hinreichend  geglühtem  Seesand
beschicktes  Glasschälchen,  dampft  erst  bis  zur  Sirupkonsistenz  im  Wasserbade  ein,
bringt  dann  in  einen  Yakuum-Trockenschrank  und  trocknet  4—5  Stunden  im  Vakuum
bei  100°.  Nur  letzteres  Trockenverfahren  liefert  gleichbleibende  und  richtige  Ergebnisse. ­


Ebenso  zweckmäßig  ist  die  indirekte  Bestimmung  nach  Windisch  (Tabelle  XIX
im  Anhänge),  indem  man  25  g  mit  Wasser  auf  100  ccm  löst  und  von  der  Lösung
das  spezifische  Gewicht  bestimmt.
2.  Optisches  Verhalten.  10  g  Kraut  bezw.  Sirup  werden  in  etwa  80  ccm
Wasser  gelöst,  mit  10  ccm  (zuweilen  auch  mit  15—20  com)  Bleiessig  versetzt,  auf
100  ccm  gebracht  und  im  200  mm-Rohr  polarisiert.  A.  Stutzer 8 )  nimmt  eine
5-fache  Verdünnung;  100  g  werden  in  einem  Becherglase  abgewogen,  in  wenig
heißem  Wasser  gelöst,  unter  Abkühlen  auf  1 / 2  1  gebracht,  hiervon  nach  hinreichendem
Mischen  200  ccm  genommen,  diese  mit  einem  annähernd  gleichen  Volumen  gereinigter
und  völlig  trockner  Knochenkohle  versetzt  und  über  Nacht  in  einem  bedeckten
Becherglase  stehen  gelassen.  Am  folgenden  Tage  wird  ein  Teil  der  Flüssigkeit
abfiltriert,  100  ccm  des  Filtrats  mit  10  ccm  Bleiessig  versetzt  und  das  Filtrat
hiervon  in  einem  220  mm-Rohr  polarisiert.
Wir  haben  gefunden,  daß  bei  einer  Verdünnung  von  1  :  10  die  Lösungen
durch  Zusatz  von  10  bezw.  15  ccm  Bleiessig  für  die  Polarisation  durchweg  hinreichend ­
  klar  werden.  Die  Anwendung  von  Knochenkohle  hat  den  Nachteil,  daß
Me  neben  Farbstoffen  usw.  auch  Zucker  absorbiert  (vergl.  S.  603).
3.  Zuckerarten.  10  g  des  Krautes  werden  in  1000  ccm  Wasser  gelöst,  filtriert,
von  dem  Filtrat  25  ccm  nach  dem  Verfahren  von  Meißl  nach  S.  230  mit  50  ccm
Behlingscher  Lösung  (25  ccm  Kupfersulfat-  und  25  ccm  Seignettesalzlösung)  und  25  ccm
Wasser  zum  Sieden  erhitzt  und  2  Minuten  im  Sieden  erhalten.  Das  ausgeschiedene

ü  Vergl.  J.  König,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,
3,  217.
2 )  Vergl.  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1889,  28,  404.
3 )  Zeitsehr.  f.  angew.  Chemie  1888,  700.
        <pb n="765" />
        744

Obst-  und  Beerenfriichte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Kupferoxydul  wird  durch  ein  in  einem  Glasröhrchen  befindliches,  vorher  gewogenes
Asbestfilter  filtriert  und  nach  der  Reduktion  als  Kupfer  oder  nach  der  Oxydation
als  Kupferoxyd  gewogen.
100  ccm  der  filtrierten  Lösung  werden  ferner  mit  10  Tropfen  Salzsäure
30  Minuten  im  Wasserhade  erwärmt,  nach  dem  Erkalten  wieder  auf  100  ccm  aufgefüllt
  und  hiervon  werden  25  ccm  wie  vorhin  behandelt.  Ebenso  empfehlenswert
ist  die  Zollvorschrift  S.  631  No.  1.
Der  nach  der  Inversion  mehr  gefundene  Zucker  wird  als  Saccharose  in
Rechnung  gebracht;  dieses  ist  offenbar  nicht  ganz  richtig,  weil  auch  vorhandenes
Dextrin  usw.  mit  invertiert  sein  kann.  Indes  soll  auf  diese  Weise  nur  der  leicht
invertierbare  Anteil  der  Zuckerarten  zum  Ausdruck  gebracht  werden.
Über  die  Bestimmung  der  Maltose  vergl.  S.  230  und  über  die  Trennung  der
einzelnen  Zuckerarten  S.  234—238.  Über  den  Nachweis  von  Stärkesirup  vergl.
unter  Obstsirup  und  Honig  (S.  593).
4.  Säure.  100  bezw.  200  ccm  der  vorstehenden  filtrierten  Lösung  werden
unter  Zusatz  von  Phenolphthalein  als  Indikator  in  üblicher  Weise  mit  i/^-Normal-Alkalilauge
  titriert  und  die  Säure  als  „Äpfelsäure“  berechnet;  1  ccm  1 / 10 -Normallauge
  =  0,0067  g  Äpfelsäure  oder  1  Teil  Na a O  —  2,161  Teilen  Äpfelsäure.
5.  Stickstoff.  3—5  g  Substanz  werden  in  einem  kleinen,  vor  der  Lampe
geblasenen,  leichten  Glaszylinderchen  von  etwa  3—4  com  Inhalt  oder  in  Stanniolkapseln ­
  abgewogen,  diese  mit  Inhalt  in  einen  Glaskolben  gegeben  und  in  bekannter ­
  Weise  nach  dem  Verfahren  von  Kjehldahl  (S.  138)  auf  Stickstoffgehalt
untersucht.  Das  Glaszylinderchen  bezw.  das  Stanniol  wirken  weder  bei  der  Zerstörung
der  Substanz  durch  Schwefelsäure,  noch  bei  der  Destillation  mit  Natronlauge  störend.
6.  Mineralstofl'e.  25  g  Kraut  werden  wie  üblich  in  entsprechend  großen
Platinschalen  erst  mit  kleiner  Flamme  verkohlt,  die  Kohle  zerdrückt,  mit  Wasser
ausgezogen  und  die  noch  vorhandene  Kohle  alsdann  nach  dem  Trocknen  weiß  gebrannt; ­
  zu  dem  Rückstand  gibt  man  die  erste  wässerige  Lösung,  verdampft  zur
Trockne,  glüht  und  wägt.
Die  Asche  wird  in  Salzsäure  gelöst,  auf  250  ccm  gebracht  und  in  je  50  ccm
{=  5  g  Substanz)  Phosphorsäure  (nach  dem  Molybdän-Verfahren),  Kalk,  Magnesia
und  Kali  in  üblicher  Weise  bestimmt.
Dm  zu  zeigen,  wie  man  auf  Grund  dieser  Bestimmungen  die  einzelnen  Krautsorten ­
  bezw.  -sirupe  unterscheiden  kann,  möge  hier  die  mittlere 1 )  Zusammensetzung
reiner  Sorten  mitgeteilt  werden:

*
CD
02
02
£
%

Invert-=
  zucker

CD
CO
O
1
o
o3
Ul
01
Io

sw
p
02
rW
o
'•+3
Ul
01
Io

o„Säure=-
  'Äpfelsäure

4-&amp;gt;  'u
,-P  CD
.2  ^
£h  W
tsj
01
Io

Asche

&amp;amp;
s  s
8i
J=  ”
0/
Io

^2  Kali

U  Kalk

-2  Magnesia

Drehung  der
Lösung  1:10
0  im  Halbschatten- ­

  im
200mm-Rohr

Obstkraut.  .

34,88

52,94

2,77

0,200

2.264

5,23

1,92

0,160

0,96

0,139

0,070

—  4,45

Rübenkraut.

28,01

17,85

43,63

0,727

1,409

6,30

3,80

0,419

1,49
2,18

0.104

0,201

+  5,36

Möhrenkraut

31,19

40,30
Maltose ­


12,64

0,612

2,363

7,60

5,85

0,481

0,296

0,123

+  0,45

Malzkraut.  .

24,50

60,77

—

0,516

1,227

22,13

1,37

0,718

0,221

0,104

0,232

+  19,50

*-)  Die  Zahlen  für  Obstkraut  bilden  das  Mittel  aus  10  Untersuchungen,  für  Rübenkraut ­
  aus  5,  für  Malzkraut  aus  2  und  für  Möhreukraut  aus  einer  Untersuchung.
2 )  Differenz  der  Summe  (Wasser  Zucker  -(-  Säure  -)-  Mineralstoffe)  von  100.
        <pb n="766" />
        Obstkraut,  Rübenkraut  und  Malzkraut.

745

Hiernach  dient  zur  Unterscheidung  und  zum  Nachweise  von  Verfälschungen
in  erster  Linie  das  optische  Verhalten  der  Lösungen,  ferner  der  Gehalt  an  Invertzucker ­
  und  an  invertierharem  Zucker.
Zusatz  von  Eiibenkraut  zu  Obstkraut  vermindert  die  Linksdrehung,  den  Gehalt ­
  an  Invertzucker,  vermehrt  dagegen  den  Gehalt  an  Saccharose,  an  Stickstoff,
Phosphorsäure  und  Kali.
Zusatz  von  Stärkesirup  und  Maltose  zu  Obstkraut  vermindert  die  Linksdrehung
oder  führt  sie  in  .eine  größere  oder  geringere  Rechtsdrehung  über;  ebenso  erhöht
Stärkesirup-Zusatz  zu  Rübenkraut  die  Rechtsdrehung,  wobei  dann  gleichzeitig  der
Gehalt  an  direkt  reduzierendem  Zucker  erhöht  wird.  Reines  Obstkraut  dreht  bei
einer  Verdünnung  von  1:  10  im  200  mm-Rohr  des  Laurentschen  Halbschatten-Apparates
  mindestens  4°  links,  Rübenkraut  dagegen  mindestens  5°  rechts  usw.
Obstkraut  enthält  zwischen  46,80—57,80  °/ 0  Invertzucker  und  zwischen  0—6,52  °/ 0
Saccharose  (bezw.  invertierbare  Zuckerarten),  Rübenkraut  zwischen  13,67—22,64  %
Invertzucker  und  37,76—51,09  °/ 0  Saccharose;  Obstkraut  enthält  ferner  0,159  bis
0,241  °/ 0  Stickstoff,  Rübenkraut  dagegen  zwischen  0,617—0,921  °/ 0  Stickstoff  usw.
Als  weitere  Unterscheidungsmittel  gibt  Kyll 1 )  an,  daß  Obstkraut  beim  Eintauchen
und  Herausziehen  eines  Glasstabes  keinen,  Rübenkraut  dagegen  einen  laugen  Faden  hält;
daß  ferner  bei  einer  Lösung  von  1  Teil  Kraut  in  100  Teilen  Wasser  das  Filtrat  von  Obstkraut ­
  nach  Ansäuern  mit  Salzsäure  keinen,  Rübenkraut  dagegen  einen  flockigen  Niederschlag ­
  von  organischen  Stoffen  gibt.  Beides  ist  richtig.  Wenn  indes  Kyll  glaubt,  nach
diesen  Prüfungen  noch  10  bezw.  6  °/ 0  Rübenkraut  im  Obstkraut  erkennen  zu  können,  so
gehört  hierzu  ohne  Zweifel  viel  Übung  und  Erfahrung.  Wir  haben  wenigstens  in  einigen
Pallen  bei  Zusatz  von  weit  mehr  als  5  °/ 0  Rübenkraut  zu  Obstkraut  keinen  Niederschlag
mit  Salzsäure  erhalten  können.
7.  Zink  und  Kupfer.  Beide  Metalle  können  aus  den  verwendeten  Gerätschaften
in  die  Erzeugnisse  dieser  Art  geraten.  Das  Zinkoxyd  fand  sich  früher  besonders
häufig  in  gedörrtem  (amerikanischem)  Obst.
Qualitativ  läßt  sich  das  Kupfer  häufig  dadurch  nachweisen,  daß  man  in
die  mit  Salzsäure  angesäuerte  Kraut-  usw.  Lösung  einen  blanken  Eisenstift  oder
auch  ein  blankes  Messer  legt  und  etwa  24  Stunden  darin  liegen  läßt.  Bei  Gegenwart ­
  von  Kupfer  überzieht  sich  die  blanke  Eisenfläche  mit  einem  roten  Anflug  von
Kupfer.  Quantitativ  bestimmt  man  beide  Metalle  wie  dieses  bei  „Pflanzenasche“
(S.  203)  angegeben  ist.
8.  Schweflige  Säux-e.  Kraut  wie  sonstige  Obst-Erzeugnisse  bezw r .  Obst-Dauerwaren ­
  werden  vielfach  geschwefelt  bezw.  mit  schwefliger  Säure  versetzt,  vorwiegend
Uni  ihnen,  besonders  dem  Dörrobst,  ein  schönes  Aussehen  zu  verleihen.  Die
schweflige  Säure  wird  zwar,  wie  beim  Wein  an  Aldehyd,  beim  Dörrobst  und  den
Obst-Erzeugnissen  an  Zucker 2 )  gebunden 8 );  diese  Verbindung,  „glukosesclrweflige
Säure“,  wird  aber,  wie  W.  Kerp  nachgewiesen  hat,  in  wässeriger  Lösung  hydrolytisch
1 )  Chem.-Ztg.  1889,  13,  66.
2 )  Freie  schweflige  Säure  ist  im  Dörrobst  und  in  den  Obst-Erzeugnissen  wahrscheinlich
nicht  enthalten;  wo  sie  auftritt,  muß  das  Auftreten  auf  hydrolytische  Spaltung  zurückgeführt ­
  werden.  Der  Gehalt  an  schwefliger  Säure  geht  beim  Lagern  des  Dörrobstes  bezw.
p r  Obst-Erzeugnisse  nur  unwesentlich  zurück;  eine  wesentliche  Verminderung  findet  aber
61  der  küchengemäßen  Zubereitung  des  geschwefelten  Obstes  statt.  Auch  Proteinstoffe
nd  Zellulose  vermögen  anscheinend  schweflige  Säure  anzulagern.
j,  3 )  Vergl.  W.  Fresenius  u.  L.  Grünhut,  Zeitsohr.  f,  analyt.  Chemie  1903,  42,  33;
■  harnsteiner,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  33;
i n "  Kerp,  ebenda  1903,  (i.  66;  1904,  8,  53;  ferner  Arbeiten  a.  d.  Kaiser!.  Gesundheitsamte
19 °4,  21,  180.
        <pb n="767" />
        746

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

gespalten  —  und  zwar  ungleich  stärker  als  die  aldehydschweflige  Säure  —,  so  daß
die  schweflige  Säure  auch  in  der  gebundenen  Form,  wenn  die  Erzeugnisse  mit
Wasser  behandelt  werden,  unter  Abspaltung  von  schwefliger  Säure  schädliche
Wirkungen  äußert.
Qualitativ  läßt  sich  die  schweflige  Säure  nach  Beythien  und  Bohrisch
sowie  nach  H.  Schmidt 1 )  seihst  in  sehr  geringen  Mengen  (1,5—3,0  mg)  dadurch
nachweisen,  daß  man  die  zu  untersuchende  Substanz  mit  Wasser  und  einer
Säure  —  am  besten  Phosphorsäure  —  ühergießt  und  einen,  mit  Stärkelösung
und  jodsaurem  Kalium  befeuchteten  Papierstreifen  darüber  hängt.  Falls  schweflige
Säure  vorhanden  ist,  tritt  schon  nach  einigen  Minuten  in  der  Kälte  ■—•  schneller
nach  Erwärmen  der  Lösung  auf  dem  Wasserbade  —  eine  von  ausgeschiedenem  Jod
bewirkte  Blaufärbung  der  Stärke  auf,  während  die  schweflige  Säure  zu  Schwefelsäure ­
  oxydiert  wird.  Auch  kann  man  sich  folgender  sehr  empfindlichen  Reaktion
bedienen:  Papier  wird  mit  einer  sehr  verdünnten  Jodjodkaliumlösung  betupft;
hierdurch  entsteht  wegen  der  vorhandenen  Stärke  im  Papier  eine  Blaufärbung,  die
unter  der  Einwirkung  der  schwefligen  Säure  verschwindet.  Erwärmung  ist  dabei
tunlichst  auszuschließen.
Zur  quantitativen  Bestimmung  der  schwefligen  Säure  werden  je  nach  dem
Gehalt  hieran  10—30  g  der  Substanz  mit  300—500  ccm  Wasser  in  einen  Kolben
gebracht,  hierzu  etwa  7,5  ccm  sirupdicke  Phosphorsäure  gegeben,  nachdem  der  Kolben
wie  bei  der  Bestimmung  der  schwefligen  Säure  im  Wein  mit  einem  Kühler,  der
seinerseits  mit  einer  mit  Jodlösung  beschickten  Vorlage  in  Verbindung  steht,  verbunden ­
  ist,  durch  den  Apparat  vorher  genügend  lange  —  bis  alle  Luft  ausgetriehen
ist  •—  Kohlensäure  geleitet;  dann  wird  destilliert,  bis  etwa  100—125  ccm  Destillat
übergegangen  sind.  Das  Destillat,  welches  von  vorhandenem  freiem  Jod  noch  braun
gefärbt  sein  muß,  wird  nach  dem  Ansäuern  mit  Salzsäure  über  einer  Spiritusflamme 2 )
so  lange  gekocht,  bis  alles  überschüssige  Jod  entfernt  ist,  und  alsdann  mit  Chlorbaryum
  gefällt  usw.  1  Teil  BaS0 4  =  0,275  Teile  S0. 2 .
9.  Salizylsäure.  Wenngleich  Salizylsäure  zur  Frischhaltung  des  Obstkrautes
weniger  als  zu  der  des  Obstsirups  usw.  angewendet  wird,  so  mag  deren  Nachweis  doch
ebenso  wie  der  der  Flußsäure,  die  den  Obstsäften  neuerdings  als  „Frut“  zugesetzt  wird,
hier  mitgeteilt  werden.  Zum  Nachweise  der  Salizylsäure  verdünnt  man  50—100  ccm
des  Obstkrautes  oder  -sirups  mit  der  3-fachen  Menge  Wasser,  säuert  mit  Schwefelsäure ­
  an  und  schüttelt  2-raal  mit  75  ccm  Äther  (oder  Äther-Petroläther)  aus,  hebert
den  Äther  ab,  reinigt  ihn  durch  Schütteln  mit  durch  Schwefelsäure  angesäuertem
Wasser  von  Farbstoff,  verdampft  den  abgeheberten  bezw.  abgetrennten  Äther  bei
30—40°  im  Wasserbade,  nimmt  den  Rückstand  mit  wasserfreiem  Äther  auf,  filtriert
in  ein  gewogenes  Kölbchen,  verdunstet  den  Äther  bei  niedriger  Temperatur,  zuletzt
unter  Einblasen  von  Luft,  und  wägt  den  Rückstand  als  Salizylsäure.
Auf  diese  Weise  kann  man,  wenn  andere  sich  ähnlich  verhaltende  Verbindungen
(Benzoesäure,  Saccharin)  nicht  vorhanden  sind,  nach  E.  Spaeth 8 )  die  Salizylsäure
sogar  annähernd  quantitativ  bestimmen.
Der  Rückstand  soll,  mit  Wasser  aufgenommen,  in  einer  Probe  mit  Bisenchlorid ­
  eine  Violettfärbung,  in  einer  anderen  Probe  mit  Milions  Reagens  (Lösung
No.  52  am  Schluß)  eine  schön  rote  Färbung  geben.
0  Vergl.  H.  Schmidt,  Arbeiten  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte  1904,  21,  229  u.  ff-2
 )  Die  Anwendung  einer  Spiritusflamme  empfiehlt  sich  deshalb,  weil  Leuchtgas
häufig  Schwefelverhindungen  enthält,  welche  beim  Brennen  als  Schwefelsäure  usw.  in  die
Lösungen  übergehen  können  (vergl.  Anm.  2  S.  749).
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  717.
        <pb n="768" />
        Fruchtsirupe,  Fruchtgelees.

747

Hierbei  ist  zu  berücksichtigen,  daß  einige  Beerensäfte  (Erdbeeren,  Himbeeren)
im  natürlichen  Zustande  Spuren  von  Salizylsäure  enthalten.
10.  Flußsiiure.  Behufs  Nachweises  von  Mußsäure  versetzt  man  den  3-fach
mit  Wasser  verdünnten  Obstsirup  usw.  mit  Kalkmilch  bis  zur  stark  alkalischen
Reaktion,  hebert  die  Flüssigkeit  von  dem  sich  rasch  absetzenden  Niederschlage,
welcher  die  größte  Menge  des  Fluors  als  Fluorcalcium  mit  enthält,  ah,  trocknet  den
Rückstand  ein,  bringt  ihn  alsdann  in  einen  Platintiegel,  glüht,  durchfeuchtet  ihn
mit  etwas  Wasser,  versetzt  mit  1—5  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  und  prüft
in  bekannter  Weise  auf  Fluor,  d.  h.  man  bedeckt  den  Platintiegel  mit  einem  mit
Wachs  überzogenen  und  beschriebenen  Uhrglase,  erwärmt  gelinde,  indem  man
gleichzeitig  in  das  ührglas  ein  Stückchen  Eis  gebracht  hat.  Soll  das  Fluor  quantitativ ­
  bestimmt  werden,  so  verrührt  man  das  Obstkraut  bezw.  -sirup  mit  Kalkwasser ­
  bis  zur  alkalischen  Reaktion,  verdampft  zur  Trockne,  verascht  und  verfährt
zur  Bestimmung  des  Fluors  in  der  Asche  nach  S.  163  c.
Treadwell  und  Koch 1 )  haben  zur  quantitativen  Bestimmung  des  Fluors
ira  Bier  —  und  für  Wein  anwendbar  —  das  S.  163  c  beschriebene  Verfahren  dahin
abgeändert,  daß  sie  die  entwickelte  fileselfluorwasserstoffsäure  in  einen  mit  Chlorkalium ­
  gesättigten  50  °/ 0 -igen  Alkohol  leiten  und  die  freigewordene  Salzsäure  unter
Anwendung  von  Cochenille-  oder  Lackmoidlösung  als  Indikator  durch  Titration  mit
1 /io  N.-Natronlauge  (1  ccm  =  0,0057  g  Fluor)  bestimmen.  Das  Verfahren  dürfte  auch
hier  anwendbar  sein;  bezüglich  der  näheren  Ausführung  sei  auf  die  Quelle  verwiesen.
11.  Ameisensäure.  Auch  diese  ist  neuerdings  mehrfach  zur  Frischhaltung  von
Obst-Erzeugnissen  verwendet  worden.  Uber  deren  qualitativen  wie  quantitativen
Nachweis  vergl.  unter  Branntweinen  S.  688.

II.  Fruchtsirupe,  Fruchtgelees.
Unter  „Fruchtsirupen“  (gezuckerten  Fruchtsäften)  sind  die  unter  dem  erforderlichen ­
  Zusatz  von  Rohr-  oder  Rübenzucker  aufgekochten  Säfte  der  Früchte,
Dach  denen  die  Fruchtsirupe  benannt  worden  sind,  zu  verstehen. 2 )
'  Dasselbe  gilt  von  den  Fruchtgelees  und  -pasten;  sie  unterscheiden  sich
n ur  dadurch  von  den  Fruchtsirupen,  daß  sie  bis  zu  einem  Gelee  oder  einer  steifen,
festen  Paste  eingekocht  sind. 8 )
Die  natürlichen  Fruchtsäfte  bilden  nur  selten  eine  direkte  Verbrauchsware;
wo  dieses  der  Fall  ist,  sind  unter  rohen  Fruchtsäften  die  unveränderten,  nötigenfalls
m  einwandfreier  Weise  haltbar  gemachten  Säfte  der  Früchte,  deren  Namen  die  Säfte
tragen,  zu  verstehen.  Vielfach  bezeichnet  man  jedoch  im  Kleinhandel  die  Fruchtsirupe
  fälschlich  auch  als  Fruchtsäfte.
Die  häufigsten  Verfälschungen  der  Fruchtsirupe  und  Fruchtgelees  bestehen  in  dem
^ us atz  von  Stärkesirup,  künstlichen  Farbstoffen  und  Frischhaltungsmitteln  (schweffiger
  Säure,  Salizylsäure,  Ameisensäure,  Flußsäure  usw.);  ferner  wird  auch  Alkohol,
der  z.  T.  allerdings  auch  durch  Gärung  der  Säfte  entstehen  kann,  künstlich  zugesetzt.
Die  größte  Rolle  unter  den  Verfälschungen  aber  spielt  die  Wässerung,  sei  es  durch
direkten  Zusatz  von  Wasser,  sei  es  durch  Zusatz  von  Nachpresse,  dem  wässerigen

*)  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  510.
,  2 )  Vergl.  hierzu  A.  Juckenack  und  E.  Pasternaok,  Zeitschr.  f.  Untersuchung
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  10.
.....  3 )  Daß  Obsikraut,  Marmeladen,  Jams  auch  vielfach  als  „Gelees“  bezeichnet  werden,
u  irt  zu  Verwirrungen.  Diese  Erzeugnisse  müssen  für  die  Beurteilung  der  Reinheit  scharf
aiiseinandergehalten  werden.
        <pb n="769" />
        .  748

Obst-  und  Beereufrachte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Auslaugungserzeugnis  der  Fruchtpreßrückstände.  Auch,  werden  die  stark  gewässerten ­
  Säfte  auf  den  normalen  Gehalt  an  Mineralstoffen  und  deren  Alkalität  eingestellt.
Die  Zusammensetzung  echter  und  verfälschter  Fruchtsirupe  erhellt  aus
folgenden  Zahlen:

Bezeichnung:

Anzahl  der
Untersuchungen  1

Spez.  Gewicht

■a
td
W
Gew.-°/ 0

Q
CD
Invertzucker

&amp;lt;13
03
O
oä
A
o
o
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CO
Gew.-°/ 0

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,03
o
m
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CD
a
S
Gew.-°/ 0

Alkalität
(=ccmN.-Säure
für  100  g)

ÖD
a  rtr-'
ä  ®«
CD  ai  CD-2
t-(  &amp;lt;D  .r-t  td
S,  |ä
73
0

Himbeer-Sirup  ....

45

1,3227

66,26

22,39

42,25

1,82

0,698

0,261

2,49

—  19,8

Brdbeer-Sirup

7

1,3075

62,82

23,66

37,72

1,60

0,315

0,216

1,96

—  19,5

Johannisbeer-Sirup  .  .  .

6

1,3274

65,57

30,16

31,45

—

1,055

0,284

2,27

Kirsch-Sirup

6

1,3387

68,95

—

—

—

0,401

0,267

2,34

—  19,7

Him-Wasser

  u.  Nachpresse ­
  .  .  .

20

1,2812

58,36

0,132

1,23

-19,7

beer-Sirupe


desgl.  u.  Teerfarbstoff ­
  .  .

20

1,2332

49,98

0,134

1,05

—  19,5

mit

desgl.  u.  Kirschsaft ­
  ....
Stärkesirup  .  .

20

1,2658

55,46

0.138

1,39

-  20,4

20

1,3033

61,66

—

—

—

—

0,191

1,46

+  39,6

Die  Untersuchung  wird  wie  folgt  vorgenommen:
1.  Wasser  wie  bei  Ohstkraut  S.  743.

2.  Extrakt  und  Alkohol.  50  ccm  Saft  werden  mit  100  ccm  Wasser  verdünnt,
und  von  dem  Gemisch  werden  100  ccm  ahdestilliert.  In  dem  Destillat  wird  wie
hei  alkoholischen  Getränken  (vergl.  S.  673  u.  f.)  der  Alkoholgehalt  bestimmt  und  aus
dem  spezifischen  Gewicht  des  auf  100  ccm  aufgefüllten  DestillationsrUckstandes  der
Extraktgehalt  des  Saftes  mit  Hilfe  der  Zuckertabelle  von  K.  Windisch  (Tabelle  XIX
am  Schluß)  oder  der  Extrakttabelle  von  Halling  (Tabelle  XTTT  am  Schluß)  berechnet.
3.  Optisches  Verhalten  mul  Bestimmung  des  Gehaltes  an  Stärkesirup.  Nach
Juckenack  und  Pasternack  werden  10  ccm  Saft  mit  Wasser  zu  100  ccm  verdünnt, ­
  mit  einer  kleinen  Messerspitze  gereinigter  Tierkohle  versetzt,  filtriert  und
im  200  mm-  (bezw.  100  mm-)  Rohr  polarisiert.  Andere  10  ccm  Saft  werden  mit
etwa  70  ccm  Wasser  verdünnt,  mit  einer  kleinen  Messerspitze  gereinigter  Tierkohle
versetzt  und  nach  Zugabe  von  5  ccm  konzentrierter  Salzsäure  (spezifisches  Gewicht ­
  1,19)  fünf  Minuten  lang  auf  68—70°  erwärmt  (Zoll-Inversionsvorschrift),  dann
sofort  abgekühlt,  auf  100  ccm  aufgefüllt,  filtriert  und  im  200  mm-Rohr  polarisiert.
Die  erhaltene  Drehung  ist  auf  die  spezifische  Drehung  (d.  h.  100  g  Extrakt  in  100  ccm
im  100  mm-Rohr)  umzurechnen  und  aus  dieser  ein  etwaiger  Gehalt  von  Stärkesirup
in  folgender  Weise  zu  berechnen:
Es  sei  das  spezifische  Gewicht  des  alkoholfreien  Saftes  =  1,3260  entsprechend
65,99  Gewichtsprozenten  Zucker  =  87,43  g  Zucker  in  100  ccm;  die  Polarisation
des  Saftes  (10  ccm  Saft:  100  ccm  im  200  mm-Rohr)  betrage  —|—  4,3  °/ 0 ,  also  10  ccm
Saft:  100  ccm  im  100  mm-Rohr  =  +2,15°,  mithin  der  reine  Saft  im  100  mm-Rohr
=  +  21,5°  und  die  spezifische  Drehung  des  Extraktes  =  +  24,59 0  (d.  h.  100  g
Extrakt  zu  100  ccm  gelöst  im  100  mm-Rohr).
J )  Gesamtextrakt  weniger  Gesamtzucker  (als  Invertzucker  berechnet).
2 )  Hierunter  ist  die  Drehung  von  100  g  invertiertem  Extrakt  in  100  ccm  Wasser  im
100  xnm-Eohr  zu  verstehen.
        <pb n="770" />
        Eruohtsirupo,  Fruchtgelees.

749

Wie  aus  der  nachstehenden  Tabelle  ersichtlich  ist,  entsprechen  einer  Drehung
von  +24,59°  etwa  36  °/ 0  (wasserhaltigem)  Stärkesirup  des  Handels,  oder  auf  100  g
des  Extraktes  (Zucker)  treffen  etwa  36  g  Stärkesirup,  also  auf  65,99  g  des  Extraktes
(Zucker)  treffen  etwa  24  g  Stärkesirup,  oder  in  100  g  Fruchtsirup  sind  gegen  24  g
Stärkesirup  enthalten.
Tabelle  für  die  Bestimmung  des  Gehaltes  an  Stärkesirup  aus  der  spezifischen
Drehung.

Saccharose
0/
Io

Wasserfreier ­

Stärkesirup ­

0/
10

Entsprechend ­

Stärkesirup ­
  mit
18°/ 0
Wasser
0/  •
Io

Spezifische
Drehung
des
Extraktes
nach  der
Inversion
0

Saccharose
0/
10

Wasserfreier ­

Stärkesirup ­

6/
Io

Entr
sprechend
Stärkesirup ­
  mit
1.8  °/o
Wasser
0/
Io

Spezifische
Drehung
des
Extraktes
nach  der
Inversion
0

100

0

0

—  21,50

48

52

63,44

+

59,41

98

2

2.44

—  18,39

46

54

65,88

+

62,52

96

4

.4,88

—  15.28

44

56

68,32

+

65,64

94

6

7,32

—  12,16

42

68

70,76

+

68,75

92

8

9,76

—  9,05

40

60

73,20

+

71,86

90

10

12.20

-  5,94

38

62

76,64

+

74,97

88

12

14,64

—  2,83

36

64

78,08

+

78,08

86

14

17,08

+  0,28

34

66

80,52

+

81,20

84

16

19,62

+  3,40

32

68

82,96

+

84,31

82

18

21,96

+  6,51

30

70

85,40

+

87,42

80

20

24,40

+  9,62

28

72

87,84

+

90,63

78

22

26,84

+  12,73

26

74

90,28

+

93,64

76

24

29,28

+  15,84

24

76

92,72

+

96,76

74

26

31,72

-j-  18,96

22

78

95,16

+

99,87

72

28

34,16

-f  22,07

20

80

97.60

+

102,98

70

30

36,60

+  25,18

18

82

100,04

+

106,09

68

32

39.04

+  28,29

16

84

102,48

+

109.20

66

34

41,48

+  31,40

14

86

104,92

+

112,32

64

36

43,92

+  34,52

12

88

107,36

+

116,43

62

38

46,36

+  37,63

10

90

109,80

+

118,64

60

40

48,80

+  40,74

8

92

112,24

+

121,65

58

42

61,24

+  43,85

6

94

114,68

+

124,76

56

44

63,68

+  46,96

4

96

117,12

+

127,88

54

46

66.12

+  60,08

2

98

119,66

+

130,99

52

48

68,66

+  53,19

0

100

122,00

+

134,10

50

50

61,00

+  56,30

4.  Zuckerarteu  wie  bei  Obstkraut  S.  743,  Säure,  Stickstoff  und  Mineraistoll'c
wie  S.  744.
5.  Alkalität  der  Asche.  20—50  g  (bezw.  ccm)  Fruchtsirup  werden  nach  Ed.
^Paeth  vorsichtig  unter  Abhaltung  der  Yerbrennungsga.se  des  Leuchtgases 1 )  verascht, ­
  gewogen,  zu  der  Asche  5  ccm  N.-Schwefelsäure  gesetzt,  das  Ganze  in  ein
t&amp;gt;echerglas  gespült,  5—10  Minuten  schwach  erhitzt 2 )  und  darauf  die  überschüssige
^äure  mit  N.-Lauge  zurücktitriert.  Die  Alkalität  der  Asche  wird  ausgedrückt  für
° le  Asche  von  100  g  des  Sirups  bezw.  der  Substanz.
6.  Schwellige  Säure  vergl.  S.  745,  Salizylsäure  vergl.  S.  746,  Fluorwasserstoffsäure ­
  S.  747,  Ameisensäure  S.  688.
OH.  Lübrig  verwendet  (Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
8,  657)  schrägliegende  größere  Asbestplatten,  in  deren  Mitte  ein  entsprechend  kreisendes ­
  Loch  für  die  Aufnahme  der  Platinschale  eingeschnitten  ist.
2 )  Um  ein  Stoßen  zu  vermeiden,  kann  man  eine  Platinspirale  in  die  Lösung  geben.
        <pb n="771" />
        750

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

7.  Farbstoffe.  Die  Fruchtsäfte  werden  sehr  häufig  mit  Teerfarbstoffen  aufgefärbt.
  Über  den  Nachweis  derselben  vergl.  unter  „Wein“.  Ein  Zusatz  von
Kirschsaft  wird  nach  dem  Verfahren  von  Langkopf  wie  folgt  nachgewiesen:
In  zwei  kleine  Erlenmeyer-Kölbchen  bringt  man  je  etwas  Kupfersulfatlösung
(1  :  10000)  und  etwas  Alkohol.  Darauf  fängt  man  in  einem  der  Kölbchen  die  ersten
2—3  ccm  eines  Destillates  auf,  das  man  aus  etwa  50  ccm  des  zu  prüfenden,  etwas
verdünnten  Sirups  gewinnt.  Sodann  fügt  man  zu  dem  Inhalt  eines  jeden  Kölbchens
1—2  Tropfen  einer  frisch  bereiteten  alkoholischen  Guajakharztinktur  hinzu.  Bei
Gegenwart  von  Kirschsaft  wird  sich  die  Flüssigkeit  in  dem  Kölbchen,  in  dem  das
Destillat  aufgefangen  war,  schön  blau  färben.  Die  Flüssigkeit  im  zweiten  Kölbchen
dient  als  Vergleichsprobe.  Man  kann  auf  diese  Weise,  wie  Juckenack  und  Pasternack
  angeben,  noch  sehr  gut  einen  Zusatz  von  3  °/ 0  Kirschsaft  nachweisen,
III.  Marmeladen,  Jams  oder  Muse.
Unter  Marmeladen  oder  Jams  oder  Musen  versteht  man  das  mit  Zucker
(Eüben-  oder  Rohrzucker)  eingekochte  Mark  frischer  Früchte,  d.  h.  der  von  Stielen,
Schalen,  Steinen,  Kernen  usw.  befreiten  Fruchtteile.
„Gemischte  Marmeladen“  bestehen  aus  einem  Gemisch  von  Fruchtmark
verschiedener  frischer  Früchte  und  Zucker.  Diese  Gemische  mit  gleichzeitigen  anderen
Zusätzen  tragen  häufig  besondere  Namen  wie  „Kaiser“,  „Bismark“  usw.  Unter
„Mus“  oder  „Obstmus“  versteht  man  durchweg  das  ohne  Zuckerzusatz  eingekochte
Mark  der  Früchte,  nach  denen  das  Ohstraus  benannt  wird.  Hierzu  können  auch
die  Kompottfrüchte,  z.  B.  Preißelbeeren-Kompott,  gerechnet  werden.
Eine  häufige  Verfälschung  dieser  Erzeugnisse  besteht  darin,  daß  das  Mark
mit  den  bei  dem  Pressen  oder  der  Nachpresse  der  Früchte  zur  Herstellung  von
Fruchtsäften  verbleibenden  Rückständen  vermischt  oder  nur  diese  Rückstände  verwendet ­
  werden.  Der  Rüben-  oder  Rohrzucker  wird  zum  geringen  Teil  oder  auch
fast  ganz  durch  Stärkesirup  ersetzt.  Durch  Zusatz  von  Gelatine  oder  Agar-Agar
sucht  man  weiter  —  aber  seltener  —  die  Konsistenz  der  Erzeugnisse  zu  erhöhen.
Die  chemische  Zusammensetzung  der  Marmeladen  ist  von  der  Obstfrucht,  mehr
aber  noch  von  dem  wechselnden  Zusatz  von  Zucker  abhängig.  So  wurde  u.  a.  gefunden: x )
(Siehe  Tabelle  S.  751.)
Die  Untersuchung  der  Marmeladen  wird  nach  den  Vorschlägen  von  A.  Juckenack ­
  und  H.  Prause 2 )  wie  folgt  vorgenommen:
1.  Wasser  wie  bei  Ohstkraut  S.  743,  oder  durch  Abziehen  des  Gehaltes  an
unlöslichem  Rückstand  +  löslichem  Extrakt  von  100.
2.  löslicher  und  unlöslicher  Anteil.  25  g  der  gut  durchgemischten  Marmelade
werden  in  einem  reichlich  großen  Becherglase  abgewogen,  mit  etwa  150  ccm  Wasser
übergossen  und  unter  häufigem  Umrühren  etwa  eine  Stunde  lang  auf  dem  Wasserbade ­
  erwärmt.  Diese  Masse  wird  dann  durch  Watte,  die  vorher  mitsamt  einer
flachen  Nickelschale  getrocknet  und  gewogen  worden  war,  in  einen  250  ccm  fassenden
Kolben  filtriert  und  auf  dem  Trichter  mit  heißem  Wasser  bis  zum  Verschwinden
der  sauren  Reaktion  der  ahlaufenden  Flüssigkeit  erschöpft.  Im  allgemeinen  wird
hierbei  die  Flüssigkeit  nicht  über  250  ccm  vermehrt,  sonst  aber  müssen  die  letzten
Auszüge  auf  dem  Wasserbade  eingeengt,  mit  den  ersten  Anteilen  vereinigt  und  nach
dem  Abkühlen  auf  250  ccm  aufgefüllt  werden.  Die  auf  der  Watte  zurückbleihenden
unlöslichen  Bestandteile  werden  nach  dem  Trocknen  zur  Wägung  gebracht.
1 )  Selbstverständlich  können  diese  Zahlen  nur  als  allgemeine  Anhaltspunkte  für  die
chemische  Zusamensetzung  dieser  Erzeugnisse  dienen.
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  8,  26.
        <pb n="772" />
        Marmeladen,  Jams  oder  Muse.

751

A.  Reine  Marmeladen,  Kompottfrüchte  und  Muse.

Bezeichnung:

1.  Obstu
 -  Frucht-Mar
 ­


,  Medrigst-Gehalt
  .
.  Höchst-Gehalt ­
  .  .

Mittel  .  .
“•  Kompottfrüohte  (Preiselbeeren) ­
  ....
“■  Mus  (Pflaumenmus)  .

U.
©
A

A
o

4-3
B

In  100  g  wasserlöslichem ­
  Extrakt

Spezifische
Drehung  nach
der  Inversion

©
Td
cd

©
M

©
CO
o

CO  4-3
:0,i4
■— 1  cd
©
cd
pä
d
°/o

:0

cd
CO
©

©
'S  s

©

Sg

CO
cd
fs
°/o

d
N
©
&amp;gt;
d
M
°/o

u
cd
A
c
o
cd
Ul
°/o

©
CO
CO
cd
Et
d
°/o

o  ©
1  X
i  §
cd
u
|

!©
«V—(
pu
ii  g
©  CO
1
Ul
°/o

o
4^
CO
Id
U
©
d
S
°/o

©
2*
Sa
r—1  ü
cd  ©
°/o

s 1  2  *  4  5  Phosphorsäur

der
Marmelade

o  des  löslichen
Extrakts

öä
S  d
cd  cd
rd
©
o
°/o

25,38

13,30

15,72

50,30

1,08

4,63

0,80

0,32

4,97

0,016

—  8,0

—  14,6

0

46,40

18.77

46,40

72,40

7,81

10,79

4,03

2,12

14,30

0,114

—  14,9

—  23,3

0

32,15

58,12 x )

64,81

2,95

6,69

1,88

0,96

8,64

0,080

—11,5

—  17,6

0

56,73

|
34,29

39,82

3,45

6.63

3,86

0,64

7,35

—  6,4

—  15,8

0

37,52

41,45
1

58,56

4,44

17,10

3,37

2,14

24,35

0,236

wenige  Grade
oder  Minuten
um  +0

0

B,  Marmeladen,  Kompottfrüchte  und  Muse  mit  fremden  Zusätzen.

1-  Obstu
 -  Frucbt-Mar
 ­
  M ...
-  Mitl
“•  Kompottfrücht«
3 -  Muse  .

Hoch
hal
Mitte

25,68

1
30,95

47,80

1,36

9,47

0,59

0,36

1,67

0,062

+

9,0

+

14,5

49,40

52,53

74,50

5.02

43,81

1,83

1,52

15,30

0,202

+

88,6

+

127,0

31,18

38,67

65,82

2.93

27,25

1,11

0,86

7,06

0,130

+

60,0

4-74,1



44,16

34,60

50,46

3,40

16,86

2,88

0,65

6,20

—

+

22,7

+

45,6

38,67

30,65

55,96

5,39

25.31

2,55

2,52

25,91

0,216

+

32,1

+

56,2

Von  dem  Auszuge  der  löslichen  Bestandteile  wird  zunächst  das  spezifische
Gewicht  bestimmt  und  daraus  nach  den  Zuokertahellen  No.  XIII  oder  XIX  am  Schluß
der  Extraktgehalt  in  100  ccm  des  Auszuges,  entsprechend  10  g  Marmelade,  ermittelt.
Zur  gewichtsanalytischen  Extraktbestimmung  in  Platinschalen  (Schalen  für  Weinüntersuchung)
  dienen  10—15  ccm  des  Auszuges.  Der  so  bestimmte  und  der  aus
dem  spezifischen  Gewicht  berechnete  Extraktgehalt  stimmen  genügend  überein.
B.  Optisches  Terhalten  nach  der  Inversion.  50  ccm  des  vorstehenden  Auszuges ­
  werden  mit  einer  kleinen  Menge  reiner  Tierkohle  versetzt,  mit  starker  Salzsäure ­
  (wie  oben  S.  748  angegeben  worden  ist)  invertiert  und  nach  dem  Abkühlen
a üf  100  ccm  aufgefüllt.  Der  durch  den  Zusatz  der  geringen  Menge  Tierkohle  entstehende ­
  Fehler  kann  vernachlässigt  werden,  zumal  er  durch  die  geringe  Zuckera
 hsorption  der  Tierkohle  zum  Teil  ausgeglichen  wird.  Das,  wenn  nötig,  noch  mit
etwas  gereinigter  Infusorienerde  geklärte  Filtrat  wird  polarisiert.
4.  Gesamt-Zucker.  Zur  Ermittelung  des  gesamten  reduzierenden  Zuckers
Werden  20  ccm  dieser  geklärten  Lösung  nach  der  Neutralisation  auf  100  ccm  aufgelüllt
  und  in  25  ccm  wird  der  Zucker  bestimmt.
5.  Gesamte  Säure.  25  g  Marmelade  werden  in  etwa  100  ccm  warmem
Wasser  gut  verteilt,  einmal  aufgekocht  und  mit  1 / 4  N.-Lauge  titriert.  Als  Indikator
le at  empfindliches  Lackmuspapier  oder  Azolithminpapier.

*)  Als  Saccharose  berechnet.
        <pb n="773" />
        752

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Diese  austitrierte  Flüssigkeit  wird  nach  dem  Durchseihen  und  Ansäuern  mit
etwas  Phosphorsäure  weiter  dazu  benutzt,  um  nach  dem  bekannten  Verfahren  auf
Saccharin  und  Salizylsäure  zu  prüfen,  und  schließlich  wird  in  ihr  noch  mit  Hilfe
gebeizter  Wolle  auf  künstliche  Farbstoffe  geprüft.
Die  Untersuchung  auf  Teerfarbstoffe  nach  Cazeneuve  (S.  772)  kann  in  einem
Teile  des  ursprünglichen  Marmeladenauszuges  ausgeführt  werden.
(!.  Stärkesirup.  Der  Zusatz  von  Stärkesirup  wird  unter  den  bei  Fruchtsäften
S.  748  angegebenen  Erwägungen  berechnet.  Die  optische  Drehung  steht  selbstverständlich ­
  in  einer  Beziehung  zu  dem  zuckerfreien,  wasserlöslichen  Extrakt  (Extrakt
minus  direkt  reduzierender  Gesamt-Zucker);  es  empfieht  sich  daher,  beide  Bestimmungen ­
  vorzunehmen.  Indes  lassen  sich  Stärkesirupmengen  bis  zu  6  °/ 0  nicht
einwandfrei  nachweisen.
7.  Miueralstofl'e.  Die  Mineralstoffe,  die  Alkalität  und  Phosphorsäure
werden,  um  von  den  wasserunlöslichen  Stoffen  unabhängig  zu  sein,  in  dem  wasserlöslichen ­
  Extrakt  bestimmt.  Hiervon  werden  100  ccm  eingedampft  und  verascht.
Die  Alkalität  der  Asche  wird  wie  bei  Fruchtsirupen  S.  749,  die  Phosphorsäure  wie
in  jeder  Asche  (S.  203)  bestimmt.  Der  Gehalt  an  Phosphorsäure  hat  hier  aber
wenig  Bedeutung  für  die  Beurteilung,  weil  auch  der  verwendete  Stärkesirup  etwas
Phosphorsäure  enthält  bezw.  enthalten  kann,
8.  Frischhaltungsmittel.  Frischhaltungsmittel  pflegen,  weil  nicht  notwendig,
diesen  Obsterzeugnissen  nicht  zugesetzt  zu  werden.  Wenn  ein  Nachweis  derselben
erforderlich  ist,  so  verfährt  man  nach  S.  745—747.
9.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung.  Nach  den  Vereinbarungen  deutscher
Nahrungsmittelchemiker  gelten  für  die  vorstehenden  Obst-  und  Beerenerzeugnisse  folgende
Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung;
1.  Die  Anwesenheit  gesundheitsschädlicher  Metalle  und  die  Anwendung  künstlicher
Süßstoffe  ist  unstatthaft.
2.  In  den  zum  Verkauf  gelangenden  Eruohtsäften  usw,  sind  Konservierungsmittel
(schweflige  Säure,  Borsäure,  Salizylsäure  usw.)  unstatthaft.  Hierbei  ist  zu  beachten,  daß
viele  Früchte  einen  kleinen  natürlichen  Borsäuregehalt 1 )  haben,  daß  in  den  Himbeeren,
Erdbeeren  und  anderen  Früchten  Stoffe  vorhanden  sind,  die  eine  ähnliche  Reaktion  mit
Eisenchlorid  wie  Salizylsäure  geben, *  2 )  und  daß  die  Preißelbeeren  einen  natürlichen  Benzoesäuregehalt ­
 3 )  aufweisen.
3.  Ein  Zusatz  von  organischen  Säuren  (Weinsäure,  Zitronensäure),  Stärkezucker,
Stärkesirup,  künstlichen  Aromastoffen  und  fremden  Farbstoffen  zu  Fruchtsäften,  Gelees,
Marmeladen  und  Pasten,  die  als  rein  bezeichnet  oder  mit  dem  Namen  einer  bestimmten
Fruchtart  belegt  sind,  ist  unstatthaft.  Bei  den  als  „Obstkraut“  bezeiohneten  Erzeugnissen
soll  auch  ein  Zusatz  von  Rohrzucker  deklariert  werden.
4.  Ein  Zusatz  von  gelatinierenden  Stoffen,  Agar-Agar,  Gelatine  usw.  ist  nur  bei
Gelees  aus  solchen  Früchten  statthaft,  deren  Saft  bei  geeignetem  Einkochen  mit  Zucker
nicht  von  selbst  gallertartig  erstarrt;  bei  Himbeer-,  Johannisbeer-,  Apfelgelee  usw.  und
auch  bei  Gelees  mit  der  allgemeinen  Bezeichnung  „Fruchtgelee“  oder  dergl.  ist  ein  Zusatz
gelatinierender  Mittel  zu  deklarieren.
5.  Wenn  Limonaden  und  Brauselimonaden  die  Bezeichnung  einer  bestimmten  Frucht
führen,  z.  B.  als  Himbeer-,  Brdbeerlimonade  oder  Brauselimonade  bezeichnet  sind,  so
gelten  dafür  die  unter  4  angegebenen  Bestimmungen.
B.  Hotter,  Landw.  Versuchs-Stationen  1890,  38,  437;  Zeitschr.  f.  Nahrungs-Untersuchung,
  Hyg.  u.  Warenkunde  1895,  9,  1;  H.  Jay  und  Dupasquier,  Compt.  rend.
1895,  121,  260  und  896;  K.  Windisch,  Arbeiten  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte  1898,
14,  391.
2 )  R.  Hefelmann,  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chemie  1897,  8,  171.
3 )  E.  Mach  und  K.  Portele,  Landw.  Versuchs-Stationen  1890,  38,  68.
        <pb n="774" />
        Most.

753

6.  Hinsichtlich  der  Mengenverhältnisse  der  einzelnen  Bestandteile  sind  im  allgemeinen ­
  keine  bestimmten  Grenzen  aufzustellen.
Hierzu  möge  noch  hinzugefugt  werden,  daß  die  Verdünnung  der  Pruchtsirupe
mit  Wasser  oder  mit  sog.  Naohpresse,  dem  wässerigen  Auslaugungserzeugnis  der
Pruchtpreßrückstände,  oder  der  Zusatz  dieser  Preßrückstände  zu  Marmeladen,  Jams  oder
Musen  selbstverständlich  als  Verfälschungen  aufzufassen  sind.  Die  vielfach  für  den  Zusatz
von  Stärkesirup  geltend  gemachten  Gründe,  nämlich,  daß  derselbe  notwendig  sei,  um
das  Auskristallisieren  der  Saccharose  zu  verhindern,  oder  daß  die  Käufer  vielfach  ein
weniger  süßes  Erzeugnis  verlangten,  haben  sich  nicht  als  stichhaltig  erwiesen  und  werden
auch  in  der  letzten  Zeit  kaum  mehr  ernsthaft  genommen.  Auch  die  Auffärbung  an
sich  reiner  Fruchtsäfte,  um  ein  Verblassen  derselben  beim  Aufbewahren  zu  verhindern,
hat  sich  bei  richtiger  Herstellung  als  unnötig  erwiesen  und  verstößt  gegen  §  10  des
Nahrungsmittelgesetzes,  weil  dadurch  stets  ein  höherer  als  tatsächlich  vorhandener  Fruchtsaftgehalt ­
  vorgetäusoht  wird.
C,  Wein  und  dessen  Hilfsstoffe.
Uber  die  Untersuchung  der  Weintrauben  vergl.  S.  742.
I.  Most.
Die  Untersuchung  des  Mostes  (Wein-  wie  Obstmost)  erstreckt  sich  in  der
Praxis  meist  nur  auf  die  Bestimmung  des  Zuckers  und  der  Säure.  Zu  eingehenderen ­
  Untersuchungen  für  wissenschaftliche  Zwecke  dient  die  unten  für  Wein
bezw.  Süßwein  angegebene  Vorschrift  der  amtlichen  Anweisung  für  die  chemische
Untersuchung  des  Weines.
Die  außerordentlich  rasche  und  weitgehende  Veränderlichkeit  des  Mostes
macht  eine  sofortige  Untersuchung  erforderlich.  Zur  hinlänglichen  Haltbarmachung
von  Mostproben  für  die  Untersuchung  hat  P.  Kulisch  mit  Erfolg  einen  Zusatz
von  Senf  öl  verwendet.
Vor  der  Untersuchung  des  Mostes  ist  eine  vorherige  sorgfältige  Filtration
erforderlich.
Im  nachfolgenden  finden  nur  die  in  der  Praxis  üblichen  Bestimmungen  des
Zuck  ers  bezw.  der  Trockensubstanz  aus  dem  spezifischen  Gewicht  und  der
Säure  ausführlichere  Berücksichtigung.
1.  Bestimmung  des  Zuckers.  Der  Gehalt  an  Zucker  wird  in  der  Praxis  durch
Senkwagen,  die  sog.  Mostwagen  festgestellt.
a)  Die  am  weitesten  verbreitete  Mostwage  von  Öchsle,  deren  Skala  von
,F U—130°  geht,  gibt  eigentlich  nur  das  spezifische  Gewicht  des  Mostes  an,  indem
•Po  beiden  ersten  Stellen  1,0  als  sich  stetig  wiederholend  weggelassen  sind,  z.  B.
95°  (Grad)  Öchsle  bedeutet  ein  spezifisches  Gewicht  von  1,095
U5°  „  „  „  „  „  „  „  1,115  usw.
Um  aus  diesen  Graden  (bezw.  den  spezifischen  Gewichten)  die  Zuckerprozente
erfahren,  muß  man  geeignete  Tabellen  nachschlagen.  Gail  entwarf  solche
abellen,  in  welchen  die  den  Öchsle  sehen  Graden  entsprechenden  Zuckerprozente
e, ithalten  sind.  Gail  berechnete  jedoch  die  Angaben  der  Öchsleschen  Wage  für
reille  Zuckerlösungen,  was  für  den  Most  nicht  zulässig  ist,  weil  er  neben  Zucker
üoeh  eine  Menge  sonstiger  Stoffe  enthält;  die  Gal  Ischen  Zuckerprozente  sind  daher
5511  hoch  gegriffen.
C.  W.  Schmidt-Achert  hat  die  Öchslesche  Mostwage  dahin  abgeändert,  daß  sie
.a  der  einen  Seite  die  Öchsleschen  Grade,  auf  der  anderen  Zuckerprozente  angibt.  Ein
1  dem  Zylinder  der  gläsernen  Senkwage  angebrachtes  Thermometer  zeigt  rechts  die
Landwirtschaftliche  Stoffe,  B.  Auflage.  4  8
        <pb n="775" />
        754  Obst-  und  Beereufrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Temperatur  der  Flüssigkeit  an.  während  sich  links  ein  Korrektionstäfelchen  befindet.  Die
Normaltemperatur  ist  gleich  dem  Nullpunkt  auf  dem  Korrektionstäfeichen.  Weicht  die
Temperatur  des  Mostes  von  der  Normaltemperatur  ab,  so  hat  man  für  jeden  Grad  über
oder  unter  dem  Nullpunkt  jenes  Täfelchens  an  der  Zuckerprozentskala  1 / 10 °/o  zuzuzählen
oder  abzuziehen,  und  zuzusehen,  wie  viel  Öchsle  sehe  Grade  der  durch  Rechnung  gefundenen ­
  Zuckermenge  entsprechen.
A.  Halenke  und  W.  Möslinger 1 )  haben  durch  Vergleich  genau  (pyknometrisch)
  ermittelter  Öchslegrade  mit  sorgfältig  (im  Vakuum)  ausgefilhrten
Trockensubstanzbestimmungen  in  denselben  Mosten  gefunden,  daß  von  50—110°
Öchsle  je  1°  Öchsle  bei  15°  im  Mittel  0,2637  g  (0,2633—0,2639  g)  Trockensubstanz ­
  entsprechen  und  haben  nach  den  von  ihnen  ermittelten  Zahlen  eine  Tabelle
für  die  Trockensubstanzbestimmung  aus  dem  spezifischen  Gewichte  entworfen,  die
in  der  Tabelle  XX  am  Schlüsse  im  Zusammenhang  mit  den  Angaben  der  4  gebräuchlichsten ­
  Mostwagen  aufgenommen  ist.
b)  Die  von  v.  Babo  konstruierte  Klosterneuburger  Mostwage  ist  ein
Saccharometer,  dessen  Skala  die  Zuckerprozente  direkt  annähernd  richtig  angibt.
Da  auf  17  °/ 0  Zucker  im  Most  durchschnittlich  etwa  3  °/ 0  sonstiger  Mostbestandteile
kommen,  so  brachte  v.  Babo  hei  der  Klosterneuburger  Mostwage  diese  3  °/ 0  der
Art  in  Abrechnung,  daß  er  an  der  Skala  derselben  17  °/ 0  =  20  °/ 0  eines  für
reine  Zuckerlösungen  bestimmten  Saccharometers  setzte  und  die  20  Grade  in
17  Teile  teilte.
c)  Das  Ballingsche  Saccharometer  gibt  den  Extraktgehalt  der  Flüssigkeiten ­
  an;  man  muß  daher,  um  den  Zuckergehalt  aus  demselben  zu  erfahren,  für
die  Menge  der  sonstigen  Extraktstoffe  gewdsse  Abzüge  machen.
d)  Die  W r agnersche  Most  wage,  welche  ebenfalls  in  Gebrauch  ist,  enthält
eine  den  Graden  des  Beaumeschen  Aräometers  entsprechende  willkürliche  Skala.
Tabelle  No.  XX  am  Schluß  enthält,  wie  schon  gesagt,  eine  vergleichende
Zusammenstellung  der  Angaben  dieser  4  zur  Zeit  verwendeten  Mostwagen.
Beim  Gebrauch  der  Mostwagen,  die  von  zuverlässigen  Mechanikern  bezogen  werden
sollten,  ist  darauf  zu  achten,  daß  der  Most  keine  Schwebeteilohen  (wie  Beerenfleisch,
Hülsenreste,  Beerenstiele  usw.)  enthält  und  tunlichst  frisch,  d.  h.  noch  nicht  in  Gärung
und  kohlensäurehaltig  ist,  nötigenfalls  muß  die  Kohlensäure  durch  ganz  gelindes  Erwärmen
und  Schütteln  entfernt  werden.  Auch  soll  der  Most  die  für  jede  Wage  bestimmte  Normal-Temperatur
  (meistens  17,5°  C.  oder  14°  R.)  haben.  Hält  es  schwer,  den  anders  temperierten ­
  Most  auf  diese  Temperatur  zu  bringen,  so  muß  für  die  Öchslesohe  Wage  für
je  4  Temperaturgrade  Reaumur  über  14°  R.  ein  Grad  Öchsle  zugezählt,  und  umgekehrt,
für  je  4  Temperaturgrade  Reaumur  unter  14°  R.  je  ein  Grad  Öchsle  in  Abzug  gebracht
werden,  während  bei  der  Klosterneuburger  Wage  für  je  2°  über  oder  unter  14°  R.  1 / 10 °/o
zuzuzählen  hezw.  abzuziehen  ist.
Soll  der  Zuckergehalt  des  Mostes  genau  bestimmt  werden,  so  verfährt  man
wie  hei  Wein,  sollen  Glukose  und  Fruktose  getrennt  bestimmt  werden,  nach
Halenke  und  Möslinger  (S.  236).
2.  Bestimmung  der  Säure.  Da  das  von  Halenke  und  Möslinger  für  die
Bestimmung  der  Säure  im  Moste  ausgearheitete  verbesserte  Verfahren  in  die  amtliche
Anweisung  aufgenommen  ist,  sei  hier  auf  dieselbe  verwiesen  (vergl.  S.  763).
1  ccm  1 / 4  N.-Lauge  entspricht  0,01875  g  Weinsäure  oder  0,01675  g  Äpfelsäure.
1  n  1 /io  n  n  0,0075  „  „  „  0,0067  „  „

*)  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  1895.  84,  263.
        <pb n="776" />
        Most.

755

Anleitung  für  die  zollamtliche  Untersuchung  von  Verschnitt-Weinen  und  -Most
auf  den  Alkohol-  bezw.  Fruchtzucker-  und  Extraktgehalt.
Die  Untersuchung  der  Verschnitt-Weine  und  -Moste  hat  sich  auf  die  Ermittelung
des  Gehalts  an  Alkohol,  Extrakt  und  Zucker  zu  erstrecken.  Bei  fertigem  Wein  (reinem
vergorenem  Traubensaft)  kann  von  der  Bestimmung  des  Zuckergehaltes  abgesehen  werden.

I.  Entnahme  und  Vorbereitung  der  Proben.
Die  Proben  für  die  Untersuchung  sind,  soweit  nicht  nach  den  bestehenden  Bestimmungen ­
  Erleichterungen  zulässig  sind,  aus  jedem  Kesselwagen  bezw.  aus  mindestens
der  Hälfte  der  Gebinde  einer  zur  Abfertigung  gestellten  Sendung  zu  entnehmen,  und  zwar
mittels  Steohhebers  in  einer  Menge  von  je  etwa  4 / 10  1.  Eine  Vermischung  der  Proben  miteinander
  ist  nicht  zulässig,  es  muß  vielmehr  jede  einzelne  Probe  für  sich  untersucht  werden.
Die  Proben  sind  von  ihrem  etwaigen  Kohlensäuregehalt  durch  wiederholtes  kräftiges
Schütteln  möglichst  zu  befreien  und,  wenn  sie  nicht  klar  erscheinen,  demnächst  durch  ein
doppeltes  Ealtenfilter  von  Papier  zu  filtrieren.  Bei  Mosten  geht  dem  Filtrieren  ein  Durchseiheu ­
  durch  ein  reines  trocknes  Tuch  voraus.  An  diese  Vorbereitung  der  Proben  muß
die  eigentliche  Untersuchung  unmittelbar  angeschlossen  werden.

II.  Ausführung  der  Untersuchung.

Soweit  bei  der  Untersuchung  Spindelungen  stattfinden,  sind  die  in  der  „Tafel  zur
zollamtlichen  Abfertigung  von  Verschnitt-Weinen  und  -Mosten“  enthaltenen  Vorschriften
maßgebend.
Die  Untersuchung  umfaßt:
1.  die  Spindelung  der  Probe,
2.  die  Destillation  der  Probe  und  die  Spindelung  des  Destillats,
8.  die  Titrierung  der  Probe  mit  Eehlingsoher  Lösung.
Die  Titrierung  (Ziffer  8)  erfolgt  nur  dann,  wenn  der  Zuckergehalt  der  Flüssigkeit
bestimmt  werden  soll.
1.  Spindelung  der  Probe.  Nachdem  die  Probe  nach  Ziffer  1  vorbereitet  ist,  wird
zunächst  die  Spindelung  derselben  nach  Maßgabe  von  §  1  der  der  Tafel  vorgedruckten
Einleitung  vorgenommen.

Als  Spindeln  dienen  Alkoholometer  bezw.  Saccharometer,  je  nachdem  die  Probe  eine
geringere  oder  größere  Dichte  hat  als  Wasser.  Als  Standglas  benutzt  man  das  dem
Eostillierapparat  zur  Untersuchung  der  Liköre,  Essenzen  usw.  beigegebene  Meßglas.
2.  Destillation  der  Probe  und  Spindelung  des  Destillats.  Demnächst  erfolgt ­
  die  Destillation  einesteils  der  Probe  nach  Maßgabe  der  Vorschriften,  betreffend  die
Abfertigung  von  Likören,  Fruchtsäften,  Essenzen,  Extrakten  und  dergl. 1 )  Dabei  kommen
Jedoch  der  Zusatz  von  Salz,  die  starke  Verdünnung  und  das  Durohschütteln  in  der  hierzu
dienenden  Bürette  vor  der  Destillation  in  Wegfall.  Vielmehr  wird  in  folgender  Weise
verfahren:  Man  mißt  von  der  Probe  in  dem  Meßglas  100  ccm  ab,  gießt  diese  in  den  Siedekolben, ­
  füllt  etwa  die  Hälfte  des  Meßglases  mit  Wasser  nach,  fügt  eine  Messerspitze  Tannin
hinzu  und  destilliert.  Nachdem  das  Destillat  nahezu  die  Marke  des  als  Vorlage  dienenden
Meßglases  erreicht  hat,  und  genau  bis  zu  dieser  Marke  mit  Wasser  aufgefüllt  ist,  wird  gekorig
  umgeschüttelt  und  die  Spindelung  mittels  der  Alkoholometer  vorgenommen  (§  1  der
er  Tafel  vorgedruckten  Einleitung).
„  ,  3.  Titrierung  mit  Fehlingscher  Lösung.  Nach  erfolgter  Destillation  und
P'ndelung  des  Destillats  wird  bei'Mosten  stets,  bei  Weinen  nur,  wenn  es  aus  besonderen
r ünden  notwendig  erscheint  (z.  B.  wenn  es  zweifelhaft  ist,  ob  der  Wein  vollständig  verloren ­
  ist),  zur  Bestimmung  des  Zuckergehaltes  durch  Titrierung  der  Probe  mit  Fehlingp
  ker  Lösung  geschritten.  Hierzu  wird  der  bei  der  Destillation  nicht  verwendete  Teil  der
lobe  benutzt.  Da  nur  daun  ein  hinreichend  genaues  Ergebnis  erzielt  werden  kann,  wenn
16  Flüssigkeit  nicht  mehr  als  1  °/ 0  Zucker  enthält,  so  ist  nötigenfalls  der  zur  Titrierung

x )  Vergl.  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  1892,  31,  Verordnungen  und  Erlasse  10.
48*
        <pb n="777" />
        756

Obst-  und  Beerenfrüohte  sowie  deren  Erzeugnisse.

bestimmte  Teil  der  Probe  vorher  zu  verdünnen.  Einen  Anhalt  für  den  Grad  der  vorzunehmenden ­
  Verdünnung  liefert  die  Menge  des  Gesamtextraktes  (einschließlich  allen
Zuckers).  Diese  Menge  ist  nach  Ziffer  III  3  zu  berechnen.  Diese  Berechnung  muß  daher
vor  der  Bestimmung  des  Zuckergehaltes  vorgenommen  werden.  Die  Verhältniszahl  für  die
Verdünung,  d.  h.  die  Zahl,  welche  angibt,  wie  weit  die  Verdünnung  vorgenommen  werden
muß,  ergibt  sich,  wenn  man  von  der  berechneten  und  nach  oben  auf  ganze  Einheiten  abgerundeten ­
  Zahl  für  den  Gesamtextrakt  3  abzieht.  Enthält  die  Probe  z.  B.  10,8  °/ 0 ,  also
abgerundet  11  °/ 0  Gesamtextrakt,  so  ist  dieselbe  11  —  3,  also  8-mal  zu  verdünnen.
Die  Verdünnung  wird  in  Verbindung  mit  dem  Eindampfen  (zum  Zweck  der  Entfernung ­
  des  Alkohols)  und  Entfärben  vorgenommen.  Man  füllt  von  der  Probe  in  eine
gehörig  gereinigte  und  getrocknete,  oder  mit  der  zu  untersuchenden  Flüssigkeit  ausgespnlte
  Bürette  so  viel,  daß  die  Flüssigkeit  einige  Zentimeter  über  der  obersten  mit  0
bezeiclmeten  Marke  steht,  und  läßt  durch  den  Hahn  in  das  ursprüngliche  Gefäß  wieder
so  viel  ab,  bis  der  untere  Band  der  Flüssigkeitsoberfläohe  diese  Marke  0  genau  erreicht.
Aus  der  Bürette  läßt  man  dann  so  viel  Kubikzentimeter  in  eine  Porzellanschale  fließen,
als  die  Division  von  100  durch  die  Verhältniszahl  für  die  Verdünnung  angibt,  in  obigem
Beispiel  ,  das  ist  12,5  ccm.  Paßt  die  Bürette  von  der  O-Marke  ab  nicht  die  hiernach
8
erforderliche  Menge  Flüssigkeit,  so  wird  sie  so  oft  in  der  vorbeschriebenen  Weise  gefüllt
und  entleert,  als  nötig  ist,  um  die  erforderliche  Anzahl  Kubikzentimeter  in  die  Schale
zu  bringen.
Beträgt  die  Verhältniszabl  mehr  als  2,  so  ist  in  die  Schale  so  viel  Wasser  nachzufüllen, ­
  bis  die  Gesamtmenge  der  Flüssigkeit  nahezu  50  ccm  erreicht  hat,  in  obigem  Beispiel ­
  also  37,5  ccm.
Nun  stellt  man  die  Schale  auf  ein  Wasserbad,  d.  h,  eine  Schale  mit  Wasser,  welches
zum  Sieden  gebracht  wird,  und  fügt,  je  nach  der  Menge  und  Färbung  der  Flüssigkeit,
eine  oder  mehrere  Messerspitzen  gepulverte,  möglichst  kalkfreie  Tierkohle  hinzu,  um  die
rote  Farbe  der  Flüssigkeit  vollständig  zu  beseitigen.  Dann  wird  bis  auf  etwa  1 / 3  eingedampft ­
  unter  häufigem,  vorsichtigem  Umrühren  mit  einem  Glasstab,  welcher  während  des
Eindampfens  in  der  Schale  verbleiben  muß.  Hierauf  setzt  man  etwa  10  ccm  heißes
Wasser  hinzu,  rührt  um  und  filtriert,  indem  man  die  Flüssigkeit  den  Glasstab  entlang  auf
das  Filter  gießt,  in  ein  100  ccm  fassendes  Kölbchen.  Dann  spült  man  die  Schale  zur  Gewinnung ­
  des  Restes  und  zum  Auslaugen  der  Tierkohle  mehrmals  mit  geringen  Mengen
kochend  heißen  Wassers  aus  und  gießt  dieses  an  dom  Glasstab  jedesmal  auf  das  Filter,
so  lange  fortfahrend,  bis  das  untergestellte  Kölbchen  nahezu  bis  zur  Marke  gefüllt  ist.
Nachdem  die  Flüssigkeit  erkaltet  ist,  füllt  man  noch  mit  Wasser  genau  bis  zur  Marke
auf,  schüttelt  durch  und  beschickt  mit  der  Flüssigkeit  die  inzwischen  gereinigte  und  getrocknete ­
  Bürette  in  der  vorher  beschriebenen  Weise.  Hierauf  gibt  man  aus  einer  mit
Seignettesalz-Natroulauge  und  einer  anderen  mit  Kupfervitriollösuug  (den  beiden  Teilen
der  nach  Soxleth  hergestellten  Fehlingschen  Lösung)  gefüllten  Bürette  je  6  ccm  in
einen  Kochkolben  von  etwa  J / 6  1  Inhalt.  Nach  Zusatz  von  etwa  40  ccm  Wasser  erhitzt
man  zum  Sieden  und  läßt  die  verdünnte  Zuckerlüsung  aus  der  Bürette  in  die  heiße
Mischung  in  der  Weise  fließen,  daß  anfangs  einige  Kubikzentimeter  auf  einmal  hineingolaugen,
  später  der  Zufluß  nur  in  einzelnen  Tropfen  erfolgt.  Der  Zusatz  in  Tropfen  beginnt, ­
  sobald  die  ursprünglich  dunkelblaue  Farbe  der  Mischung  beim  Kochen  in  ein  helles
Blau  übergeht.  Sollte  die  erstmalige  Füllung  der  Bürette  hierzu  nicht  hinreichen,  so  sind
weitere  Füllungen  vorzunehmen.  Nach  dem  Zusatz  eines  jeden  Tropfens  wird  bis  zum
Aufkoohen  erhitzt  und  die  Farbe  der  Mischung  durch  Betrachten  gegen  einen  weißen
Untergrund  beobachtet.  Ist  die  blaue  Farbe  eben  nicht  mehr  erkennbar,  so  liest  man  an
der  Teilung  der  Bürette  die  Anzahl  der  verbrauchten  Kubikzentimeter  Zuckerlösung  bis
auf  1 / 10  ccm  genau  ab,
III.  Berechnung  der  Ergebnisse,
Die  Berechnung  der  Ergebnisse  erfolgt  mit  Hilfe  der  „Tafel  zur  zollamtlichen
Abfertigung  von  Verschnitt-Weinen  und  -Mosten“  nach  Maßgabe  der  folgenden
Bestimmungen:
        <pb n="778" />
        Wein.

757

1.  Die  wahren  Alkoholometer-  bezw.  Saccharometerprozente  der  unveränderten  Probe
werden  aus  der  Tafel  1  bezw.  der  Bemerkung  in  der  Einleitung  §  2  Ziffer  2  entnommen,
jo  nachdem  die  Spindelung  dieser  Probe  mit  einem  Alkoholometer  oder  einem  Saccharometer
erfolgt  ist.
2.  Der  wahre  Alkoholgehalt  des  Destillats  in  Volumprozenten  wird  aus  der  Tafel  1
entnommen.
3.  Aus  der  Tafel  2  bezw.  3  entnimmt  man  mit  Hilfe  der  wahren  Alkoholometerbezw.
  Saccharometerprozente  der  unveränderten  Probe  (Ziffer  1)  und  des  wahren  Alkoholgehalts ­
  des  Destillats  (Ziffer  2)  den  Gesamtextrakt  (einschließlich  allen  Zuckers).
4.  Der  Zuckergehalt  ist  aus  der  Verhältniszahl  für  die  vorgenommene  Verdünnung
und  der  Zahl  der  bei  der  Titrierung  verbrauchten  Kubikzentimeter  Zuckerlösung  aus  Tafel  4
zu  entnehmen.
Beträgt  die  nach  Ziffer  4  ermittelte  Zahl  für  den  Zuckergehalt  nicht  mehr  als  2,5  g
im  Liter,  so  geben  die  nach  Ziffer  2  und  3  ermittelten  Zahlen  bereits  den  ganzen  Alkoholgehalt ­
  bezw.  den  eigentlichen  Extraktgehalt.  Beträgt  diese  Zahl  für  den  Zuckergehalt
mehr  als  2,5,  so  zieht  man  zunächst  2,5  davon  ab.  Der  so  verbleibende  Überschuß  wird
von  der  nach  Ziffer  3  ermittelten  Zahl  für  den  Gesamtextrakt  in  Abzug  gebracht;  man
bekommt  dadurch  den  eigentlichen  Extraktgehalt,  d.  h.  den  Gehalt  an  Extrakt  ausschließlich ­
  des  Zuckers.  Ferner  entnimmt  man  mit  demselben  Überschuß  aus  der  Tafel  5  den
entsprechenden  Alkoholgehalt  und  zählt  diesen  zu  dem  unter  Ziffer  2  ermittelten  Alkoholgehalt ­
  des  Destillats  hinzu;  man  erhält  dadurch  den  ganzen  Alkoholgehalt  des  dem  untersuchten ­
  Moste  oder  unvollständig  vergorenen  Weine  entsprechenden  fertigen  Weines.
Der  ermäßigte  Zollsatz  tritt  ein,  sobald  der  ganze  Alkoholgehalt  mindestens  12
Volumprozente  und  der  eigentliche  Extraktgehalt  mindestens  28  g  im  Liter  beträgt.
II.  Wein.
Nach  den  Erlassen  der  Ministerien  der  Einzelstaaten  sind  die  vom  Bundesrat
vom  11.  Juni  1896  bezw.  vom  2.  Juli  1901  erlassenen  Vorschriften  für  die  chemische
Untersuchung  des  Weines  hei  allen  in  behördlichem  Aufträge  vorzunehmenden  Untersuchung ­
  zugrunde  zu  legen,  während  die  zu  wissenschaftlichen  Zwecken  dienenden
Untersuchungen  selbstverständlich  davon  nicht  betroffen  werden.
Bei  den  nach  der  Anweisung  vorzunehmenden  Untersuchungen  sollen  wenigstens
diejenigen  Geräte,  welche  unmittelbar  zur  Abmessung  bestimmter  Mengen  dienen,
geeicht  sein.  Im  nachfolgenden  geben  wir  die  Vorschriften  dieser  amtlichen  Anweisung ­
  im  Wortlaut  wieder.  Ergänzungen,  die  uns  bei  der  Bestimmung  der  einzelnen
Bestandteile  erforderlich  schienen,  sind  als  „Anmerkungen  des  Verfassers“  angefügt
und  die  Apparate 1 )  durch  Abbildungen  erläutert.
Eine  ausführliche  Bearbeitung  hat  die  „chemische  Untersuchung  und  Beurteilung ­
  des  Weines“  unter  Zugrundelegung  der  amtlichen  „Anweisung  zur  chemischen
Untersuchung  des  Weines“  u.  a.  durch  K.  Windisch 2 )  erfahren,  dessen  Ausführungen
und  Erläuterungen  wir  im  nachfolgenden  vielfach  gefolgt  sind.
Diejenigen  Untersuchungsverfahren,  für  welche  in  der  amtlichen  Anweisung
Vorschriften  nicht  gegeben  sind,  wurden,  soweit  dieselben  häufiger  erforderlich  sind.
am  Schluß  der  amtlichen  Anweisung  angefügt.
A.  Amtliche  Anweisung  zur  chemischen  Untersuchung  des  Weines.
1.  Von  jedem  Wein,  welcher  einer  chemischen  Untersuchung  unterworfen  werden
8 °h,  ist  eine  Probe  von  mindestens  l 1 /,  1  zu  entnehmen.  Diese  Menge  genügt  für  die
*)  Die  geeichten  Apparate  können  von  den  Firmen:  Dr.  Eob.  Muencke  in  Berlin,
•  Gerhard  in  Bonn  und  anderen  Firmen  bezogen  werden.
2 )  K.  Win  disch,  Die  chemische  Untersuchung  und  Beurteilung  des  Weines.  Berlin,
Dei  Julius  Springer  1896.
        <pb n="779" />
        758

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

in  der  Regel  auszuführenden  Bestimmungeu  (s.  No.  5).  Der  Mehrbedarf  für  anderweite
Untersuchungen  ist  von  der  Art  der  letzteren  abhängig.
2.  Die  zu  verwendenden  Flaschen  und  Korke  müssen  vollkommen  rein  sein.  Krüge
oder  undurchsichtige  Flaschen,  in  welchen  etwa  vorhandene  Unreinlichkeiten  nicht  erkannt
werden  können,  dürfen  nicht  verwendet  werden.
3.  Jede  Flasche  ist  mit  einem,  das  unbefugte  Öffnen  verhindernden  Verschlüsse  und
einem  anzuklebenden  Zettel  zu  versehen,  auf  welchem  die  zur  Feststellung  der  Identität
notwendigen  Vermerke  angegeben  sind.  Außerdem  ist  gesondert  anzugeben;  die  Größe
und  der  Füllungsgrad  der  Fässer  und  die  äußere  Beschaffenheit  des  Weines;  insbesondere
ist  zu  bemerken,  wie  weit  etwa  Kahmbildung  eingetreten  ist.
4.  Die  Proben  sind  sofort  nach  der  Entnahme  an  die  Untersuchungsstelle  zu  befördern; ­
  ist  eine  alsbaldige  Abseudung  nicht  ausführbar,  so  sind  die  Flaschen  au  einem
vor  Sonnenlicht  geschützten,  kühlen  Orte  liegend  aufzubewahren.  Bei  Jungweineu  ist
wegen  ihrer  leichten  Veränderlichkeit  auf  besonders  schnelle  Beförderung  Bedacht  zu
nehmen.

5.  Zum  Zweck  der  Beurteilung  der  Weine  sind  die  Prüfungen  und  Bestimmungen
in  der  Regel  auf  folgende  Eigenschaften  und  Bestandteile  jeder  Weinprobe  zu  erstrecken:

1.  Spezifisches  Gewicht,
2.  Alkohol,
3.  Extrakt,
4.  Mineralbestandteile,
5.  Schwefelsäure  bei  Rotweinen,
6.  Freie  Säuren  (Gesamtsäure),
7.  Flüchtige  Säuren,
Unter  besonderen  Verhältnissen  sind
nachbezeichnete  Bestandteile  auszudehnen;

8.  Nichtflüchtige  Säuren,
9.  Glyzerin,
10.  Zucker,
11.  Polarisation,
12.  Unreinen  Stärkezucker,  qualitativ,
13.  Fremde  Farbstoffe  bei  Rotweinen.
die  Prüfungen  und  Bestimmungen  noch  auf

14.  Gesamtweinsteinsäure,  freie  Weinsteinsäure, ­
  Weinstein  und  an  alkalische  Erden
gebundene  Weinsteinsäure,
15.  Schwefelsäure  bei  Weißweinen,
16.  Schweflige  Säure,
17.  Saccharin,
18.  Salizylsäure,  qualitativ,
19.  Gummi  und  Dextrin,  qualitativ,

20.  Gerbstoff,
21.  Chlor,
22.  Phosphorsäure,
23.  Salpetersäure,  qualitativ,
24.  Baryum,
25.  Strontium,
26.  Kupfer.

Die  Ergebnisse  der  Untersuchungen  sind  in  der  angegebenen  Reihenfolge  aufzuführen.
Bei  dem  Nachweise  und  der  Bestimmung  solcher  Weinbestandteile,  welche  hier  nicht  aufgeführt ­
  sind,  ist  stets  das  angewendete  Untersuchungsverfahren  anzugeben.
6.  Als  Normaltemperatur  wird  die  Temperatur  von  15°  festgesetzt;  mithin  sind  alle
im  folgenden  vorgeschriebenen  Abmessungen  des  Weines  bei  dieser  Temperatur  vorzunehmen
und  sind  die  Ergebnisse  hierauf  zu  beziehen.  Trübe  Weine  sind  vor  der  Untersuchung
zu  filtrieren;  liegt  ihre  Temperatur  unter  15°,  so  sind  sie  vor  dem  Filtrieren  mit  den  ungelösten ­
  Teilen  auf  15°  zu  erwärmen  und  umzuschütteln.
7.  Die  Mengen  der  Weinbestandteile  werden  in  der  Weise  ausgedrückt, ­
  daß  angegeben  wird,  wie  viel  Gramme  des  gesuchten  Stoffes  in
100  ccm  Wein  von  15°  gefunden  worden  sind.

B.  Ausführung  der  Untersuchungen.
1.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.  Das  spezifische  Gewicht  des  Weines
wird  mit  Hilfe  des  Pyknometers  bestimmt.
Als  Pyknometer  ist  ein  durch  einen  Glasstopfen  verschließbares  (Fig.  293)  oder  mit
becherförmigem  Aufsatz  für  Korkverschluß  versehenes  Fläschchen  (Fig.  292)  von  etwa
60  ccm  Inhalt  mit  einem  etwa  6  cm  langen,  ungefähr  in  der  Mitte  mit  einer  eingeritzten
Marke  versehenen  Halse  von  nicht  mehr  als  6  mm  lichter  Weite  anzuwenden.
        <pb n="780" />
        Wein.

759

Das  Pyknometer  wirft  in  reinem  und  trocknem  Zustande  leer  gewogen,  nachdem
es  1 l i — 1 /, 2  Stunde  im  Wagenkasten  gestanden  hat.  Daun  wird  es,  gegebenenfalls  mit  Hilfe
eines  fein  ausgezogenen  Glookentriohtere  (Pig.  294),  bis  über  die  Marke  mit  destilliertem
Wasser  gefüllt  und  in  ein  Wasserbad  von  15°  gestellt.  Nach  halbstündigem  Stehen  in  dem
Wasserbade  wird  das  Pyknometer  herausgehobeu,  wobei  man  nur  den  oberen  leeren  Teil
des  Halses  aufaßt,  und  die  Oberfläche  des  Wassers  auf  die  Marke  einstellt.  Letzteres  geschieht ­
  durch  Eintauchen  kleiner  Stäbchen  oder  Streifen  aus  Piltrierpapier,  welche  das  über
der  Marke  stehende  Wasser  aufsaugen.  Die  Oberfläche  des  Wassers  bildet  in  dem  Halse
des  Pyknometers  eine  nach  unten  gekrümmte
Fläche;  man  stellt  die  Flüssigkeit  iu  dem  Pyknometerhalse ­
  am  besten  in  der  Weise  ein,  daß  bei
durchfallendem  Lichte  der  schwarze  Rand  der  gekrümmten ­
  Oberfläche  die  Pyknometermarke  eben
berührt.  Nachdem  man  den  inneren  Hals  des
Pyknometers  mit  Stäbchen  aus  Piltrierpapier  gereinigt ­
  hat,  setzt  man  den  Stopfen  auf,  trocknet  das
Pyknometer  äußerlich  ab,  stellt  es  1 / 2  Stunde  in
den  Wagenkasten  uud  wägt.  Die  Bestimmung  des
Wasserinhaltes  des  Pyknometers  ist  dreimal  auszuführen ­
  und  aus  den  drei  Wägungen  das  Mittel
zu  nehmen.
Nachdem  man  das  Pyknometer  entleert  und
getrocknet  oder  mehrmals  mit  dem  zu  untersuchenden ­
  Weine  ausgespült  hat,  füllt  man  es  mit
dem  Weiue  und  verfährt  genau  in  derselben  Weise
wie  hei  der  Bestimmung  des  Wasserinhaltes  des
Pyknometers;  besonders  ist  darauf  zu  achten,  daß
die  Einstellung  der  Plüssigkeitsoberfläche  stets  in
derselben  Weise  geschieht.
Die  Berechnung  des  spezifischen  Gewichtes  geschieht  nach  folgender  Formel;
Bedeutet;  a  das  Gewicht  des  leeren  Pyknometers,
b  das  Gewicht  des  bis  zur  Marke  mit  Wasser  gefüllten  Pyknometers,
c  das  Gewicht  des  bis  zur  Marke  mit  Wein  gefüllten  Pyknometers,
so  ist  das  spezifische  Gewicht  s  des  Weines  bei  15°,  bezogen  auf  Wasser  von  derselben
Temperatur:
c  —  a

Der  Nenner  dieses  Ausdrucks,  das  Gewicht  des  Wasserinhaltes  des  Pyknometers  ist
bei  allen  Bestimmungen  mit  demselben  Pyknometer  gleich;  wenn  das  Pyknometer  indes
längere  Zeit  in  Gebrauch  gewesen  ist,  müssen  die  Gewichte  des  leeren  und  des  mit  Wasser
gefüllten  Pyknometers  von  neuem  bestimmt  werden,  da  sich  diese  Gewichte  mit  der  Zeit
nicht  unerheblich  ändern  können.
Anmerkung.  Die  Berechnung  wird  wesentlich  erleichtert,  wenn  man  ein  Pyknometer ­
  anwendet,  welches  bis  zur  Marke  genau  50  g  Wasser  faßt.  Das  Auswägen  des
Pyknometers  geschieht  in  folgender  Weise:  Mau  bestimmt  das  Gewicht  des  Pyknometers
in  leerem,  reinem  und  trocknem  Zustande,  wägt  dann  genau  50  g  Wasser  ein,  stellt  das
Pyknometer  1  Stunde  in  ein  Wasserhad  von  15°  und  ritzt  an  der  Oberfläche  der  Flüssigkeit ­
  im  Pyknometerhalse  eine  Marke  ein.  Das  Auswägen  des  Pyknometers  muß  stets  von
dem  Chemiker  selbst  ausgeführt  werden.  Bei  Anwendung  eines  genau  50  g  Wasser
fassenden  Pyknometers  ist  in  -der  oben  gegebenen  Formel  b  —  a  ==  50  und  s  =  0,02  (c  —  a).
2.  Bestimmung  des  Alkohols.  Der  zum  Zweck  der  Bestimmung  des  spezifischen
Gewichtes  (No.  1)  im  Pyknometer  enthaltene  Wein  wird  in  einen  Destillierkolben  von
160—200  ccm  Inhalt  übergeführt  und  das  Pyknometer  dreimal  mit  wenig  Wasser  nachgespült.
Man  gibt  zur  Verhinderung  etwaigen  Schäumens  ein  wenig  Tannin  in  den  Kolben  und
verbindet  diesen  durch  Gummistopfen  und  Kugelröhre  mit  einem  Liebigsohen  Kühler;  als
        <pb n="781" />
        760

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Vorlage  benutzt  man  das  Pyknometer,  in  welchem  der  Wein  abgemessen  worden  ist.
Nunmehr  destilliert  man,  bis  etwa  36  ccm  Flüssigkeit  übergegangen  sind,  füllt  das  Pyknometer
mit  Wasser  bis  nahe  zum  Halse  auf,  mischt  durch  quirlende  Bewegung  so  lange,  bis
Schichten  von  verschiedener  Dichtigkeit  nicht  mehr  wahrzunehmen  sind,  stellt  die  Flüssigkeit ­
  1 / 2  Stunde  in  ein  Wasserbad  von  15°  und  fügt  mit  Hilfe  eines  Haarröhrchens  vorsichtig
Wasser  von  15°  zu,  bis  der  untere  Hand  der  Flüssigkeitsoberfläche  gerade  die  Marke  berührt. ­
  Dann  trocknet  man  den  leeren  Teil  des  Pyknometerhalses  mit  Stäbchen  aus  Filtrierpapier, ­
  wägt  und  berechnet  das  spezifische  Gewicht  des  Destillates  in  der  unter  No.  1  angegebenen ­
  Weise.  Die  diesem  spezifischen  Gewichte  entsprechenden  Gramme  Alkohol  in
100  ccm  Wein  werden  aus  der  zweiten  Spalte  der  Tabelle  XVIII  (im  Anhänge)  entnommen.
Anmerkung.  Bei  der  Untersuchung  von  Verschnitt  weinen  ist  der
Alkohol  in  Volumprozenten  nach  Maßgabe  der  dritten  Spalte  der  Tabelle  XVIII
anzugeben.
Anmerkung  des  Verfassers.
Um  den  Inhalt  des  Pyknometers  leichter  in  den  Kolben  überzuführen,
bedient  man  sich  nach  K,  Windisch  eines  gebogenen,  beiderseits  offenen
Glasröhrohens  von  nebenstehender  Form  (Fig.  295).
Man  hält  das  Röhrchen  an  dem  erweiterten  Endo  mit  dem  Finger  zu,
taucht  den  freien  Schenkel  in  das  Pyknometer  und  entleert  den  Inhalt  desselben
(nach  dem  Umdrehen  des  Pyknometers  samt  Röhrchen  und  dem  Lüften  des
Fingers)  in  den  Destillationskolben.  Das  Röhrchen,  in  dessen  Inneres  hierbei
keine  Flüssigkeit  gelangt,  wird  äußerlich  mit  Wasser  abgespült.
Als  Destillationsvorlage  bedient  man  sich  am  besten  des  Pyknometers  mit  dem
becherförmigen  Aufsatz  (Fig.  292).
3.  Bestimmung  des  Extraktes  (Gehaltes  an  Extraktstoffen).  Unter  Extrakt
(Gesamtgehalt  au  Extraktstoffen)  im  Sinne  der  Bekanntmachung  vom  29.  April  1892  (Reichs-Gesetzbl.
  S.  600)  sind  die  ursprünglich  gelöst  gewesenen  Bestandteile  des  entgeisteten  und
entwässerten  ausgegorenen  Weines  zu  verstehen.
Da  das  für  die  Bestimmung  des  Extraktgehaltes  zu  wählende  Verfahren  sich  nach  der
Extraktmenge  richtet,  so  berechnet  man  zunächst  den  Wert  von  x  aus  nachstehender  Formel:

Fig.  295.

X  =  1  -f-  8  —  S r
Hierbei  bedeutet
s  das  spezifische  Gewicht  des  Weines  (nach  No.  1  bestimmt),
Sjl  das  spezifische  Gewicht  des  alkoholischen,  auf  das  ursprüngliche  Maß  aufgefüllten
Destillats  des  Weines  (nach  No.  2  bestimmt).
Die  dem  Werte  von  x  nach  Maßgabe  der  Tabelle  XIX  (vergl.  Anhang)  entsprechende
Zahl  E  wird  aus  der  zweiten  Spalte  dieser  Tabelle  entnommen.
a)  Ist  E  nicht  größer  als  3,  so  wird  die  endgültige  Bestimmung  dos  Extraktes
in  folgender  Weise  ausgeführt:  Man  setzt  eine  gewogene  Platinachale  von  etwa  86  mm
Durchmesser,  20  mm  Höhe  und  75  com  Inhalt,  welche  ungefähr  20  g  wiegt,  auf  ein  Wasserbad ­
  mit  lebhaft  kochendem  Wasser  und  läßt  aus  einer  Pipette  50  ccm  Wein  von  16°  in
dieselbe  fließen.  Sobald  der  Wein  bis  zur  dickflüssigen  Beschaffenheit  eingedampft  ist,
setzt  man  die  Schale  mit  dem  Rückstände  2 1 / 2  Stunden  in  einen  Trockenkasten,  zwischen
dessen  Doppelwandungen  Wasser  lebhaft  siedet,  läßt  dann  im  Exsikkator  erkalten  und
findet  durch  Wägung  den  genauen  Extraktgehalt.
b)  Ist  B  größer  als  3,  aber  kleiner  als  4,  so  läßt  man  aus  einer  Bürette  in
die  beschriebene  Platinsohale  eine  so  berechnete  Menge  Wein  fließen,  daß  nicht  mehr  als
1,5  g  Extrakt  zur  Wägung  gelangen,  und  verfährt  weiter,  wie  unter  No.  3  a  angegeben.
Berechnung  zu  a  und  b.  Wurden  aus  a  Kubikzentimeter  Wein,  b  Gramm  Extrakt ­
  erhalten,  so  sind  enthalten:

x  =  100—  Gramm  Extrakt  in  100  ccm  Wein,
a
c)  Ist  E  gleich  4  oder  größer  als  4,  so  gibt  diese  Zahl  endgültig  die  Gramme
Extrakt  in  100  ccm  Wein  an.
        <pb n="782" />
        Wein.

761

Um  einen  Wein,  der  seiner  Benennung  nach  einem  inländischen  Weinbaugebiete
entsprechen  soll,  nach  Maßgabe  der  Bekanntmachung  vom  29.  April  1892  zu  beurteilen
und  demgemäß  den  Extraktgehalt  des  vergorenen  Weines  (s.  No.  3  Absatz  1)  zu  ermitteln,
sind  die  bei  der  Zuckerbestimmung  (vergl.  No.  10)  gefundenen  Zahlen  zu  Hilfe  zu  nehmen.
Beträgt  danach  der  Zuckergehalt  mehr  als  0,1  g  in  100  ccm  Wein,  so  ist  die  darüber
hinausgehende  Menge  von  der  nach  No.  3  a,  3  b  oder  3  c  gefundenen  Extraktzahl  abzuziehen.
Die  verbleibende  Zahl  entspricht  dem  Extraktgehalt  des  vergorenen  Weines.
Anmerkungen  des  Verfassers;
1.  Da  auch  die  im  Abschnitte  a  gegebenen  Vorschriften  nicht  hinreichend  zergliedert
sind,  um  Differenzen  bei  der  Extraktbestimmung  auszuschließen,  so  hat  die  Kommission
zur  Bearbeitung  einer  deutschen  Weinstatistik  unter  genauer  und  voller  Berücksichtigung
des  obigen  Abschnittes  3a  der  amtlichen  Anweisung  folgendes  Verfahren  vorgeschlagen: 1 )
50  ccm  Wein  von  15°  werden  in
einer  Platinschale  von  85  mm  oberem
Durchmesser,  20  mm  Höhe  und  76  ccm
Inhalt,  welche  ungefähr  20  g  wiegt,  auf
lebhaft  kochendem  Wasserbade,  das  mit
Bing  oder  Ausschnitt  von  60  mm  lichtem
Durchmesser  versehen  ist,  an  einem  zugfreien ­
  Orte  bis  zur  dickflüssigen  Beschaffenheit ­
  eingedampft.  Diese  Operation
nimmt  etwa  40  Minuten  in  Anspruch.
Gegen  Ablauf  dieser  Zeit  beobachtet  man
unausgesetzt  das  Portschreiten  der  Bindampfung,
  und  sorgt,  sobald  der  Wein
schwieriger  fließt,  durch  öfteres  Neigen
der  Schale  nach  allen  Seiten  nach  Möglichkeit ­
  dafür,  daß  alle  Teile  des  jSchaleninhalts
  durch  den  noch  herumfließenden
Anteil  immer  aufs  neue  benetzt  werden
bis  zum  Eintritt  des  Endpunktes  der  Abdampfung. ­
  Letzterer  ist  erreicht,  sobald
die  Flüssigkeit  sich  durch  das  Neigen
der  Schale  nicht  mehr  sofort,  sondern  erst
nach  kurzem  Warten  ZU  einem  langsam  Troekenschrank  für  Extraktbestlmmungen  im  Wein,
fließenden  Tropfen  vereinigen  läßt.  Alsdann ­
  wird  die  Schale  außen  abgetrocknet  und  in  die  Zelle  des  unten  beschriebenen  Trookenschrankes,
  dessen  Wasser  sich  bereits  im  Sieden  befindet,  gebracht.  Nach  2 1 / 2 -stündigem
Erhitzen,  während  dessen  der  Wasserstand  unverändert  bleiben  muß  und  die  Zelle  nicht  geöffnet ­
  worden  sein  darf,  wird  die  Schale  so  rasch  als  möglich  mit  Deckel,  Glas-  oder
Glimmerplatte  bedeckt  herausgenommen  und  nach  dem  Erkalten  im  Exsikkator  sofort  gewogen. ­

Da  namentlich  die  Einrichtung  des  Trockenschrankes  von  wesentlichstem  Einflüsse
auf  die  Übereinstimmung  der  Ergebnisse  ist,  so  hat  die  oben  genannte  Kommission  den
vorstehenden  Zellentrookenschrank, 2 )  dessen  Anordnungen  und  Ausmessungen  sich  als  die
zweckmäßigsten  bewährt  haben,  empfohlen  (Pig.  296).
Die  einzelnen  Zellen  sind  im  Lichten  100  mm  tief,  100  mm  breit  und  50  mm  hoch.
Sämtliche  Zellen  befinden  sich  ganz  und  beständig  unter  lebhaft  siedendem  Wasser,  zu
welchem  Zwecke  der  Troekenschrank  mit  Vorrichtung  für  gleichbleibenden  Wasserstand
oder  mit  Eüokflußkühler  und  mit  ausreichender  Heizvorrichtung  versehen  ist.  Unter  dieser
J )  W.  Möslinger,  Extraktbestimmung  im  Weine.  Porschungsberichte  über  Lebensmittel ­
  usw.  1896,  3,  286.
2 )  Derartige  Trockenschränke  mit  2,  4  und  mehr  Zellen  können  von  der  Firma
C.  Desaga  in  Heidelberg  und  anderen  Firmen  bezogen  werden.

Flg.  296.
        <pb n="783" />
        762

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Voraussetzung  erscheint  es  unerheblich,  wie  viele  solcher  Zellen  zu  einem  Schranke  vereinigt ­
  sind.  Die  in  festen  Scharnieren  und  Angeln  gehenden  Türchen  sind  auf  der  Innenseite ­
  mit  Asbest  ausgekleidet,  wodurch  zugleich  die  nötige  Dichtung  bewirkt  ist,  und  führen
behufs  Ventilation  in  der  Höhe  des  Bodens  und  der  Decke  der  Zelle  je  eine  Horizontalreihe ­
  von  drei  kreisrunden  Löchern  von  2  mm  Durchmesser.  Im  Asbest  sind  diese  Löcher
etwas  weiter  ausgeschnitten.  Zum  Schutze  der  Türenseite  gegen  die  von  der  Flamme  aufsteigenden ­
  Verbrennungsgase  ist  über  die  ganze  Breite  des  Schrankes  in  der  Verlängerung
der  Unterseite  ein  etwa  45  mm  breites  Schutzblech  angebracht.  Die  Schalen  sitzen  nicht
unmittelbar  auf  dem  Boden  der  Zellen  auf,  sondern  werden  von  je  einem  etwa  10  mm
hohen  Dreifüßchen  getragen,  welches  symmetrisch  in  der  Zelle  befestigt  werden  kann.
2.  Der  Extrakt  des  Weines  besteht  vorwiegend  aus  nichtflöchtigen  Säuren,  Glyzerin,
Mineralstoffen,  wenig  Zucker  und  sonstigen  unbekannten  Stoffen.  L.  Gränhut 1 )  glaubt,
daß  der  Extraktrest,  d.  h.  Extrakt  minus  (niohtfltichtige  Säure  -(-  Glyzerin  -j-  Mineralstoffe),
wenn  der  Säurerest  Möslingers  (S.  766)  geringer  als  0,28  ist,  mindestens  0,6  g
betragen  soll,  um  einer  Extrakterhöhung  durch  künstlichen  Glyzerinzusatz  vorzubeugen.
4.  Bestimmung  der  Miueralbestandteile.  Enthält  der  Wein  weniger  als
4  g  Extrakt  in  100  ccm,  so  wird  der  nach  No.  3a  oder  3b  erhaltene  Extrakt  vorsichtig
verkohlt,  indem  man  eine  kleine  Flamme  unter  der  Platinschale  hin  und  her  bewegt.  Die
Kohle  wird  mit  einem  dicken  Platindraht  zerdrückt  und  mit  heißem  Wasser  wiederholt
ausgewaschen;  den  wässerigen  Auszug  filtriert  man  durch  ein  kleines  Filter  von  bekanntem
geringen  Aschengehalte  in  ein  Bechergläsohen.  Nachdem  die  Kohle  vollständig  ausgelaugt
ist,  gibt  mau  das  Filterohen  in  die  Platinschale  zur  Kohle,  trocknet  beide  und  verascht  sie
vollständig.  Wenn  die  Asche  weiß  geworden  ist,  gießt  man  die  filtrierte  Lösung  in  die
Platinschale  zurück,  verdampft  dieselbe  zur  Trockne,  benetzt  den  Rückstand  mit  einer
Lösung  von  Ammoniumkarbonat,  glüht  ganz  schwach,  läßt  im  Exsikkator  erkalten  und
wägt.  (Vergl.  S.  195.)
Enthält  der  Wein  4  g  oder  mehr  Extrakt  in  100  ccm,  so  verdampft  man
26  com  des  Weines  in  einer  geräumigen  Platinschale  und  verkohlt  den  Rückstand  sehr
vorsichtig;  die  stark  aufgeblähte  Kohle  wird  in  der  vorher  beschriebenen  Weise  weiter
behandelt.
Berechnung.  Wurden  aus  a  Kubikzentimeter  Wein  b  Gramm  Mineralbestaudteile
erhalten,  so  sind  enthalten:
x  =  100  --  Gramm  Mineralbestandteile  in  100  com  Wein,
a
5.  Bestimmung  der  Schwefelsäure  in  Rotweinen.  60  ccm  Wein  werden  in
einem  Beoherglase  mit  Salzsäure  angesäuert  und  auf  einem  Drahtnetz  bis  zum  beginnenden
Kochen  erhitzt;  dann  fügt  man  heiße  Chlorbaryumlösung  (1  Teil  kristallisiertes  Chlorbaryum
in  10  Teilen  destilliertem  Wasser  gelöst)  zu,  bis  kein  Niederschlag  mehr  entsteht.  Man
läßt  den  Niederschlag  absetzen  und  prüft  durch  Zusatz  eines  Tropfens  Chlorbaryumlösung
zu  der  über  dem  Niederschlage  stehenden  klaren  Flüssigkeit,  ob  die  Schwefelsäure  vollständig ­
  ausgefällt  ist.  Hierauf  kocht  man  das  Ganze  nochmals  auf,  läßt  dasselbe  6  Stunden
in  der  Wärme  stehen,  gießt  die  klare  Flüssigkeit  durch  ein  Filter  von  bekanntem  Aschengehalte, ­
  wäscht  den  im  Becherglase  zurückbleibenden  Niederschlag  wiederholt  mit  heißem
Wasser  aus,  indem  man  jedesmal  absetzen  läßt  und  die  klare  Flüssigkeit  durch  das  Filter
gießt,  bringt  zuletzt  den  Niederschlag  auf  das  Filter  und  wäscht  so  lange  mit  heißem
Wasser  aus,  bis  das  Filtrat  mit  Silbernitrat  keine  Trübung  mehr  erzeugt.  Filter  und
Niederschlag  werden  getrocknet,  in  einem  gewogenen  Platintiegel  verascht  und  geglüht;
hierauf  befeuchtet  man  den  Tiegelinhalt  mit  wenig  Schwefelsäure,  raucht  letztere  ab,  glüht
schwach,  läßt  im  Exsikkator  erkalten  und  wägt.
Berechnung.  Wurden  aus  60  ccm  Wein  a  Gramm  Baryumsulfat  erhalten,  so
sind  enthalten:
x  =  0,6869  a  Gramm  Schwefelsäure  (S0 3 )  in  100  com  Wein.
Diesen  x  Gramm  Schwefelsäure  (S0 3 )  in  100  ccm  Wein  entsprechen:
y  =  1,4958  a  Gramm  Kaliumsulfat  (KgSO^)  in  1  1  Wein.
*)  Zeitsohr,  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  1161.
        <pb n="784" />
        Wein.

763

6.  Bestimmung  der  freien  Säuren  (Gesamtsäuro).  25  ccm  Wein  werden  bis  zum
beginnenden  Sieden  erhitzt  und  die  heiße  Flüssigkeit  mit  einer  Alkalilauge,  welche  nicht
schwächer  als  1 / 4 -normal  ist,  titriert.  Wird  Normallauge  verwendet,  so  müssen  Büretten
von  etwa  10  com  Inhalt  benutzt  werden,  welche  die  Abschätzung  von  1 /xoo  com  gestatten.
Der  Sättigungspunkt  wird  durch  Tüpfeln  auf  empfindlichem,  violettem  Lackmuspapier  fest
gestellt;  dieser  Punkt  ist  erreicht,  wenn  ein  auf  das  trockne  Lackmuspapier  aufgesetzter
Tropfen  keine  Rötung  mehr  hervorruft.  Die  freien  Säuren  sind  als  Weinsteinsäure  zu  berechnen. ­

Berechnung.  Wurden  zur  Sättigung  von  25  ccm  Wein  a  Kubikzentimeter
1 U  Normal-Alkali  verbraucht,  so  sind  enthalten:
x  =  0,075  a  Gramm  freie  Säuren  (Gesamtsäure),  als  Weinsteinsäure  berechnet,
in  100  ccm  Wein.
Bei  Verwendung  von  1 / s  Normal-Alkali  lautet  die  Formel:
x  =  0,1  a  Gramm  freie  Säuren  (Gesamtsäure),  als  Weinsteinsäure  berechnet,
in  100  ccm  Wein.
Anmerkung  des  Verfassers:
Bei  der  Säurebestimmung  ist  vor  allem  darauf  zu  achten,  daß  der  Wein  nur  bis
zum  beginnenden  Sieden  erhitzt  wird,  da  beim  Sieden  selbst  mit  den  Wasserdämpfen
auch  Essigsäure  entweicht.  Andererseits  wird  durch  das  Erhitzen  die  Kohlensäure  vollständiger ­
  ausgetrieben  als  durch  Schütteln  und  dergl.  Überdies  schwächt  nach  A.  Halenke
und  W.  Möslinger 1 )  dieses  Erhitzen  bis  zum  beginnenden  Sieden  die  verzögernde
Wirkung  der  amphoter  reagierenden  Stoffe  ganz  erheblich  ab,  so  daß  der  Endpunkt  der
Titration  entschieden  besser  und  leichter  zu  beobachten,  also  genauer  festzustellen  ist,
Halenke  und  Möslinger  stellen  ein  empfindliches  Lackmuspapier  für  die  Säuretitration ­
  auf  folgende  Weise  her:
200  mg  feingepulverte  Azolitminsäure  werden  in  einer  geräumigen  Porzellanschale
mittels  250  ccm  siedend  heißen,  destillierten  Wassers  und  1,25  ccm  Normalalkali  in  Lösung
gebracht.  Durch  diese  tiefblaue  Tinktur  werden  Streifen  neutralen  Filtrierpapiers  gezogen ­
  und  auf  Schnüren  bei  gewöhnlicher  Temperatur  in  einem  möglichst  dunkel  gehaltenen
Zimmer  —  nicht  Laboratoriumsraum  —  getrocknet.  Die  Trocknung  bis  zur  gleichbleibenden ­
  blauvioletten  Nuance  nimmt  bis  zwei  volle  Tage  in  Anspruch.  Von  den  so
erhaltenen  Streifen,  welche  zur  Erhöhung  der  Gleichmäßigkeit  vorteilhaft  noch  satiniert
werden,  sind  die  durch  die  Schnüre  mißfarbigen  Stellen  und  die  Bänder  abzutrenneu  und
die  nach  Bedürfnis  weiter  zerkleinerten  Streifen  vor  Luft  und  Licht  geschützt  in
Metallkästen  oder  Glasbehältern  aufzubewahren.  Zu  dieser  Herstellung  des  Papieres  ist
noch  zu  bemerken,  daß  die  Azolitminsäure  nur  dann  brauchbar  ist,  wenn  sie  ein  braunes,
in  reinem  Wasser  völlig  unlösliches,  in  alkalihaltigem  Wasser  dagegen  vollkommen  ohne
Rückstand  lösliches  Pulver  darstellt.  Es  erscheinen  im  Handel  auch  sog.  Azolitmine,  die
nichts  als  etwas  veränderte  Extrakte  von  Lackmus  sind,  die  für  den  vorliegenden  Zweck
unbrauchbar  sind.
Zur  Einstellung  der  Lauge  bedienen  sich.Halenke  und  Möslinger  reiner  gepulverter, ­
  über  Schwefelsäure  getrockneter  Weinsteinsäure.
7.  Bestimmung  der  flüchtigen  Säuren.  Man  bringt  50  ccm  Wein  in  einen  Rundkolben ­
  von  200  ccm  Inhalt  uud  verschließt  den  Kolben  durch  einen  Gummipfropfen  mit
2  Durchbohrungen;  durch  die  erste  Bohrung  führt  ein  bis  auf  den  Boden  des  Kolbens
reichendes,  dünnes,  unten  fein  ausgezogenes,  oben  stumpfwinklig  umgebogenes  Glasrohr,
durch  die  zweite  ein  Destillationsaufsatz  mit  einer  Kugel,  welcher  zu  einem  Liebigschen
Kühler  führt.  Als  Destillatiousvorlage  dient  eine  300  ccm  fassende  Flasche,  welche  an  der
einem  Rauminhalt  von  200  com  entsprechenden  Stelle  eine  Marke  trägt.  Die  flüchtigen
Säuren  werden  mit  Wasserdampf  überdestilliert.  Dies  geschieht  in  der  Weise,  daß  man
das  bis  auf  den  Boden  des  Destillierkolbens  reichende  enge  Glasrohr  durch  einen  Gummischlauch ­
  mit  einer,  ein  Sicherheitsrohr  tragenden  Flasche  in  Verbindung  setzt,  in  welcher
ein  lebhafter  Strom  von  Wasserdampf  entwickelt  wird.  Durch  Erhitzen  des  Destillierkolbens

l )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1895,  34,  276.
        <pb n="785" />
        764

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

mit  einer  Flamme  engt  man  unter  stetem  Durchleiten  von  Wasserdampf  den  Wein  auf
etwa  26  ccm  ein  und  trägt  dann  durch  zweckmäßiges  Erwärmen  des  Kolbens  dafür  Sorge,
daß  die  Menge  der  Flüssigkeit  in  demselben  sieh  nicht  mehr  ändert.  Mau  unterbricht  die
Destillation,  wenn  200  com  Flüssigkeit  übergegangen  sind.  Man  versetzt  das  Destillat
mit  Phenolphthalein  und  bestimmt  die  Säuren  mit  einer  titrierten  Alkalilösung.  Die
flüchtigen  Säuren  sind  als  Essigsäure  (C 2 H 4 0 2 )  zu  berechnen.
Berechnung.  Sind  zur  Sättigung  der  flüchtigen  Säuren  aus  50  ccm  Wein  a  Kubikzentimeter ­
  1 / 10  Normal-Alkali  verbraucht  worden,  so  sind  enthalten:
x  =  0,012  a  Gramm  flüchtige  Säuren,  als  Essigsäure  (C 2 H 4 0. 2 )  berechnet,  in  100  ccm  Wein.
Anmerkung  des  Verfassers.
K.  Win  di  sch  schlägt  die  in  Pig.  297  dargestellte  Anordnung  des  Apparates  vor.
Als  Dampfentwickler  empfielt  sich  eine  mit  Sohlauchstück  und  Sicherheitsrohr  versehene
Flasche  aus  Kupfer-  oder  Eisenblech.  Windisoh  empfiehlt  in  Gemeinschaft  mitRoettger, 1 )
besonders  bei  stark  essigstichigen  Weinen  statt  200  ccm  stets  300  ccm  überzudestillieren,
um  sämtliche  flüchtige  Säuren  bis  weit  unter  0,01  g  in  100  ccm  Wein  zu  erhalten.  Sie
finden  aber  das  indirekte  Verfahren  zur  Bestimmung  der  flüchtigen  Säuren  für  nahezu
ebenso  genau;  bei  Weißweinen  wird  durch  2-maliges,  bei  Rotweinen  durch  3-maliges  Eindampfen ­
  des  Weines  bezw.  des  mit  Wasser  bis  zum  ursprünglichen  Volumen  wieder  auf-Flg.

  297.  Apparat  zur  Destillation  der  flüchtigen  Säuren.

gefüllten  Rückstandes  bis  jedesmal  zur  Sirupdicke  alle  flüchtige  Säure  entfernt  und  durch
Titration  des  Weines  und  des  nach  dem  wiederholten  Eindunsten  erhaltenen,  mit  Wasser
bis  zum  ursprünglichen  Volumen  gelösten  Rückstandes  aus  der  Differenz  die  Menge  der
flüchtigen  Säuren.
8.  Bestimmung  der  nichtllüchtlgen  Säuren.  Die  Menge  der  nichtflüchtigen
Säuren  im  Wein,  welche  als  Weinsteinsäure  anzugeben  sind,  wird  durch  Rechnung  gefunden.
Bedeutet:
a  die  Gramme  freie  Säuren  in  100  ccm  Wein,  als  Weinsteinsäure  berechnet,
b  die  Gramme  flüchtige  Säuren  in  100  ccm  Wein,  als  Essigsäure  berechnet,
x  die  Gramme  niohtflüchtige  Säuren  in  100  ccm  Wein,  als  Weinsteinsäure  berechnet,
so  sind  enthalten:
x  =  (a  —  1,25  b)  Gramm  nichtflüchtige  Säuren,  als  Weinsteinsäure  berechnet,  in  100  ccm  Wein.
Anmerkung  des  Verfassers.
Nachdem  R.  Kunz *  2  3 )  Milchsäure  als  regelmäßigen  Bestandteil  des  Weines  erkannt
und  J.  Möslinger 8 )  nachgewiesen  hat,  daß  mit  dem  Auftreten  der  Milchsäure  ein  Zurückgehen ­
  derApfelsäure  verbunden  ist,  wird  auch  die  Bestimmung  dieser  Säuren  im  Wein
häufig  notwendig.

*)  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  9,  70.
2 )  Ebenda  1901,  4,  673.
3 )  Ebenda  1901,  4,  1120.
        <pb n="786" />
        Wein.

765

a)  Milchsäure.  R.  Kunz  versetzt  200  ccm  Wein  mit  Baryumhydroxyd  bis  zur
alkalischen  Reaktion,  dampft  auf  2 / s  des  Volumens  ein,  füllt  den  Rückstand  auf  200  ccm
auf,  filtriert  nach  dem  Durchmischen,  dampft  150  ccm  des  Filtrats  nach  Sättigen  mit
Kohlensäure  auf  dem  Wasserbade  bis  zur  Sirupkonsistenz  ein,  zersetzt  den  Rückstand  mit
verdünnter  Schwefelsäure  und  zieht  ihn  18  Stunden  lang  in  einem  geeigneten  Apparat
(Schacherl)  mit  Äther  aus.  Der  Äther-Auszug  wird  mit  etwa  30  ccm  Wasser  geschüttelt,
der  überstehende  Äther  verjagt,  der  Rückstand  unter  Anwendung  eines  Wasserdampfstromes
bis  zu  einer  Destillatmenge  von  600—800  ccm  von  flüchtigen  Säuren  befreit,  mit  etwas
überschüssigem  Baryumhydroxyd  unter  Anwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator  versetzt, ­
  16  Minuten  auf  dem  Wasserbade  erwärmt  und,  falls  noch  alkalische  Reaktion  bestehen ­
  bleibt,  mit  Kohlensäure  gesättigt.  Darauf  dampft  man  im  Wasserbade  bis  auf
10  ccm  ein,  spült  mit  40  com  Wasser  in  einen  Meßkolben  von  150  ccm,  füllt  bis  zur  Marke
mit  95  °/ 0 -igem  Alkohol  auf,  mischt,  filtriert,  dampft  bis  zur  Entfernung  des  Alkohols  auf  dem
Wasserbade  ein,  säuert  mit  Salzsäure  an,  setzt.  Natriumsulfat  zu  und  bestimmt  das  gefällte
Baryumsulfat  in  üblicher  Weise.  1  Teil  Baryumsulfat  =  0,7725  Teile  Milchsäure.
W.  Möslinger  verfährt  wie  folgt:
„Aus  50  oder  100  ccm  des  zu  untersuchenden  Weines  wird  in  bekannter  Weise
mittels  Wasserdampfes  die  flüchtige  Säure  abdestilliert  und  die  zurückbleibende  Flüssigkeit
in  einer  Porzellanschale  mit  Barytwasser  bis  zur  neutralen  Reaktion  gegen  Lackmus  abgesättigt. ­
  Nach  dem  Hinzufügen  von  5—10  ccm  10°/ o -iger  Chlorbaryumlösung  wird  bis
auf  etwa  25  ccm  eingedampft  und  mit  einigen  Tröpfchen  Barytwasser  aufs  Neue  genaue
Neutralität  hergestellt.  Man  fügt  nun  vorsichtig  in  geringen  Mengen  unter  Umrühren
reinsten  95  °/ 0  igen  Alkohol  hinzu,  bis  die  Flüssigkeit  etwa  70—80  ccm  beträgt,  und  führt
den  Inhalt  der  Porzellanschale  nunmehr  unter  Naohspülen  mit  Alkohol  in  einen  100  ccm-Kolben
  über,  füllt  mit  Alkohol  auf  und  filtriert  durch  ein  trocknes  Faltenlilter,  wobei  der
Trichter  bedeckt  gehalten  wird.  80  ccm  oder  mehr  des  Filtrates  werden  unter  Zusatz  von
etwas  Wasser  in  einer  Platinschale  verdampft;  der  Rückstand  wird  alsdann  vorsichtig  verkohlt ­
  und  —  ohne  die  Asche  weiß  zu  brennen,  was  überflüssig  ist  —  seine  Alkalität  mit
l / 2  N.-Salzsäure  in  bekannter  Weise  bestimmt  und  in  Kubikzentimetern  N.-Alkalilauge  ausgedrückt. ­
  1  ccm  Aschen-N.-Alkalität  entspricht  0,090  g  Milchsäure  oder,  wenn  diese  in  Weinsäure ­
  umzurechnen  ist,  0,075  g  Weinsäure.
Zieht  man  es  vor,  die  Mineralstoffe  zu  beseitigen,  ehe  man  an  die  Übelführung  in
die  Baryumsalze  und  deren  Trennung  geht,  so  wird  wiederum  aus  60  oder  100  ccm  Wein
die  flüchtige  Säure  abgetrieben,  der  Rückstand  in  der  Schale  mit  etwas  Weinsäure  versetzt,
wozu  meist  0,2  bezw.  0.4  g  ausreiohen,  und  bis  zum  düuneu  Sirup  (d.  h.  bis  auf  wenige
Kubikzentimeter)  eingedampft.  Man  gießt  den  Rückstand  in  einen  mit  Glasstopfen  versehenen, ­
  50  ccm  fassenden,  graduierten  Stehzylinder,  spült  mit  wenigen  Tropfen  Wasser,
bis  das  Volumen  der  wässerigen  Flüssigkeit  etwa  5  ccm  beträgt,  und  darauf  weiter  mit
kleinen  Mengen  von  95  °/ 0 -igem  Alkohol  nach,  immer  unter  Umschütteln,  bis  die  Flüssigkeit ­
  30  ccm  beträgt;  alsdann  fügt  man  zweimal  je  10  ccm  Äther  hip^u,  indem  man  jedesmal ­
  kräftig  schüttelt.  Das  Gesamtvolumen  beträgt  nunmehr  50  ccm.  Man  schüttelt  und
läßt  absitzen,  bis  die  Flüssigkeit  völlig  klar  geworden,  gießt  in  eine  Porzellanschale  ab
und  spült  mit  Äther-Alkohol  nach.  Unter  Zusatz  von  Wasser  wird  die  Flüssigkeit  nunmehr ­
  zunächst  von  Äther  und  Alkohol  durch  Eindampfen  befreit,  alsdann  mit  Barytwasser
neutralisiert  und  —  ohne  Zusatz  von  Chlorbaryum  —  weiter  verfahren  wie  oben.“
A.  Partheil 1 )  hält  das  Möslingersohe  Verfahren  schon  deshalb  für  fehlerhaft,  weil
die  Milchsäure  bei  der  Destillation  im  Wasserdampfstrome  nicht  unflüchtig  ist,  daher  mit
den  flüchtigen  Säuren  zum  Teil  verloren  geht.  Wenngleich  R.  Kunz 2 )  diesen  Verlust
für  unerheblich  hält,  so  weist  W.  Möslinger  (1.  c.)  noch  auf  andere  Fehlerquellen  seines
Verfahrens  hin,  so  daß  dasselbe  nicht  als  genau  bezeichnet  werden  kann.
b)  Äpfelsäure.  Zur  Bestimmung  der  Äpfelsäure  sind  mehrere  Verfahren  in  Vorschlag ­
  gebracht.  W.  Möslinger  (1.  c.)  glaubt,  daß  die  von  Waiden 3 )  angegebene  Eigen-'j
  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  1053.
2 )  Ebenda  1903,  6,  728.
3 )  Berichte  d,  Deutschen  ehern.  Gesellschaft  1897,  30,  2889.
        <pb n="787" />
        766

Obst-  und  Beerenfrücbte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Schaft  des  Urans  in  alkalischer  Lösung,  die  Linksdrehung  der  Äpfelsäure  um  das  450-fache
zu  steigern,  zu  deren  quantitativen  Bestimmung  geeignet  ist;  A.  Hilger  und  H.  Ley 1 )
benutzen  die  Eigenschaft  der  Äpfelsäure,  Palladiumchlorür  —  lg  Äpfelsäure  =  0,294  g
Palladium  —  zu  reduzieren,  zu  ihrer  Bestimmung,  während  R.  Kunz *  2 )  vorschlägt,  die
Äpfelsäure  durch  Erwärmen  mit  Natronhydrat  bei  120—130°  in  Fumarsäure  überzuführen,
diese  zuerst  zusammen  mit  der  Bernsteinsäure  zu  bestimmen  und  dann  die  Fumarsäure
durch  Oxydation  mit  Kaliumpermanganat  zu  zerstören  und  von  der  Bernsteinsäure  zu  trennen.
Da  alle  drei  Verfahren  noch  nicht  eingehend  durchgeprüft  sind,  so  sei  darauf  nur
verwiesen.
c)  Bernsteinsäure.  Das  von  R.  Kunz  (1.  c.)  zur  Bestimmung  der  Bernsteinsäure
angegebene  Verfahren  beruht  im  wesentlichen  auf  der  vollständigen  Unlöslichkeit  des
bernsteinsauren  Baryums  in  75°/ 0 -igem  Alkohol,  der  völligen  Zerstörung  der  gleichfalls
in  dem  Barytniederschlage  befindlichen  Weinsäure,  Äpfelsäure,  sowie  der  Extraktstoffe
durch  Kaliumpermanganat  in  schwefelsaurer  Lösung  und  in  der  beinahe  quantitativen  Ausziehbarkeit
  der  Berpsteinsäure  aus  wässeriger  Lösung  durch  reinen  Äther.  Auch  auf  dieses
Verfahren  sei  nur  verwiesen.
d)  Zitronensäure.  Während  die  ersten  drei  Säuren  natürliche  Bestandteile  des
Weines  sind,  kommt  die  Zitronensäure  in  Trauben-  und  Obstweinen  von  Natur  nicht
vor;  nur  in  den  Beerenmosten  (Johannis-  und  Stachelbeermost)  besteht  die  Säure  fast  ganz
aus  Zitronensäure;  in  den  Trauben-  und  Obstwein  kann  sie  durch  künstlichen  Zusatz  in
Form  von  freier  Säure  oder  Tamarindenmus  gelangen.  K.  Win  dis  oh 3 )  verfährt  zum
qualitativen  Nachweis  der  Zitronensäure  in  Trauben-  und  Obstwein  wie  folgt:  Man  bringt
den  Alkoholgehalt  eines  Weines  auf  10—12  g  in  100  ccm,  versetzt  50  ccm  hiervon  in
einem  Becherglase  mit  10  ccm  einer  10°/ 0 -igen  Lösung  von  Chlorbaryum,  läßt  6  Stunden
oder  besser  über  Nacht  stehen,  gießt  die  überstehende  klare  Flüssigkeit  ab,  bringt  den
Rest  mit  dem  aufgerührten  Niederschlag  auf  ein  Filter,  läßt  gut  abtropfen,  ohne  mit
Wasser  auszuwaschen;  den  Niederschlag  spült  man  nach  Durchstoßen  des  Filters  mit
höchstens  15  ccm  Wasser  in  ein  Becherglas,  erhitzt  zum  Sieden,  zerlegt  die  Baryumsalze
durch  vorsichtiges  Zutropfen  von  verdünnter  Schwefelsäure  (1  :9),  filtriert  vom  Baryumsulfat
  in  ein  Probierröhrchen,  setzt  zu  der  Flüssigkeit,  die  nur  wenig  Äpfelsäure  mehr
enthält,  1—2  ccm  Eisessig,  ebensoviel  einer  gesättigten  Lösung  von  Bleiacetat,  erhitzt
zum  Sieden  und  filtriert  heiß.  Entsteht  in  dem  Filtrat  nach  dem  Erkalten  eine  milchige
Trübung,  so  ist  Zitronensäure  vorhanden;  hat  sich  ein  sandiger,  grünlich  gefärbter  Bodensatz ­
  von  Bleitartrat  abgeschieden,  so  erhitzt  man  das  Filtrat  nochmals  zum  Sieden,  filtriert
heiß  und  läßt  erkalten;  tritt  jetzt  wieder  milchige  Trübung  auf,  so  ist  mit  Sicherheit
Zitronensäure  vorhanden.
e)  Säurerest.  W.  Möslinger 4 )  hat  geglaubt,  in  dem  Säurerest,  welcher  sich  durch
Abzug  der  freien  Weinsäure  der  Hälfte  der  Bitartrate-j-der  1,26-fachen  flüchtigen  Säure
von  der  Gesamtsäure  ergibt,  der  also  im  wesentlichen  aus  der  halbgebundenen  Weinsäure,
freien  Äpfelsäure  (bgzw.  Milchsäure)  und  Bernsteinsäure  besteht,  einen  wesentlichen  Anhaltspunkt ­
  gewonnen  zu  haben,  um  beurteilen  zu  können,  ob  ein  reiner  oder  überstreckter
Traubenwein,  ob  ein  Rosinen-,  Trester-  oder  Hefenwein  vorliege.  Bei  reinen  Traubenweineu
  solle  der  Säurerest  mindestens  0,28  g  in  100  ccm  Wein  betragen.  Diese  Grenzzahl,
wie  das  Verfahren  ist  aber  von  anderer  Seite  als  nicht  richtig  bezw.  unsicher  bezeichnet
worden,  weshalb  hier  nur  darauf  verwiesen  sei.
9.  Bestimmung  des  Glyzerins.
a)  In  Weinen  mit  weniger  als  2  g  Zucker  in  roo  ccm.  Man  dampft  100  ccm
Wein  in  einer  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  auf  etwa  10  ccm  ein,  versetzt  den
4 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  49.
2 )  Ebenda  1903,  C,  728.
3 )  K.  Win  di  sch,  Anleitung  zur  Untersuchung  von  Most  u.  Wein  f.  Praktiker.
Wiesbaden  1904,  235.
4 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1899,  2,  93.
        <pb n="788" />
        Wein.

767

Rückstand  mit  etwa  1  g  Quarzsand  und  so  viel  Kalkmilch  von  40 0 / o  Kalkhydrat,  daß  auf
je  1  g  Extrakt  1,5—2  com  Kalkmilch  kommen,  und  verdampft  fast  bis  zur  Trockne.  Der
feuchte  Rückstand  wird  mit  etwa  5  ccm  Alkohol  von  96  Maßprozent  versetzt,  die  an  der
Wand  der  Porzellanschale  haftende  Masse  mit  einem  Spatel  losgelöst  und  mit  einem
kleinen  Pistill  unter  Zusatz  kleiner  Mengen  Alkohol  von  96  Maßprozent  zu  einem  feinen
Rrei  zerrieben.  Spatel  und  Pistill  werden  mit  Alkohol  von  gleichem  Gehalte  abgespült.
Unter  beständigem  Umrühren  erhitzt  man  die  Schale  auf  dem  Wasserbade  bis  zum  Beginn
des  Siedens  und  gießt  die  trübe  alkoholische  Flüssigkeit  durch  einen  kleinen  Trichter  in
ein  100  com-Kölbchen.  Der  in  der  Schale  zurückbleibende  pulverige  Rückstand  wird
unter  Umrühren  mit  10—12  ccm  Alkohol  von  96  Maßprozent  wiederum  heiß  ausgezogen,
der  Auszug  in  das  100  ccm-Kölbchen  gegossen  und  dies  Verfahren  so  lange  wiederholt,
bis  die  Menge  der  Auszüge  etwa  95  com  beträgt;  der  unlösliche  Rückstand  verbleibt  in
der  Schale.  Dann  spült  man  das  auf  dem  100  ccm-Kölbchen  sitzende  Trichterohen  mit
Alkohol  ab,  kühlt  den  alkoholischen  Auszug  auf  15°  ab  und  füllt  ihn  mit  Alkohol  von
96  Maßprozent  auf  100  ccm  auf.  Nach  tüchtigem  Umschütteln  filtriert  man  den
alkoholischen  Auszug  durch  ein  Faltenfilter  in  einen  eingeteilten  Glaszylinder.  90  ccm
Filtrat  werden  in  eine  Porzellansohale  übergeftihrt  und  auf  dem  heißen  Wasserbade  unter
Vermeiden  des  lebhaften  Siedens  des  Alkohols  eingedampft.  Der  Rückstand  wird  mit
kleinen  Mengen  absoluten  Alkohols  aufgenommen,  die  Lösung  in  einen  eingeteilteu  Glaszylinder ­
  mit  Stopfen  gegossen  und  die  Schale  mit  kleinen  Mengen  absolutem  Alkohol
nachgewasohen,  bis  die  alkoholische  Lösung  genau  15  ccm  beträgt.  Zu  der  Lösung  setzt
man  dreimal  je  7,5  com  absoluten  Äther  und  schüttelt  nach  jedem  Zusatz  tüchtig  durch.
Der  verschlossene  Zylinder  bleibt  so  lange  stehen,  bis  die  alkoholisch-ätherische  Lösung
ganz  klar  geworden  ist;  hierauf  gießt  man  die  Lösung  in  ein  Wägegläschen  mit  eingeschliffenem ­
  Stopfen. 1 )  Nachdem  man  den  Glaszylinder  mit  etwa  5  ccm  einer  Mischung
von  1  Raumteil  absolutem  Alkohol  und  Raumteilen  absolutem  Äther  nachgewaschen
und  die  Waschflüssigkeit  ebenfalls  in  das  Wägegläschen  gegossen  hat,  verdunstet  man  die
alkoholisch-ätherische  Flüssigkeit  auf  einem  heißen,  aber  nicht  kochenden  Wasserbade,
wobei  wallendes  Sieden  der  Lösung  zu  vermeiden  ist.  Nachdem  der  Rückstand  im  Wägegläschen ­
  dickflüssig  geworden  ist,  bringt  man  das  Gläschen  in  einen  Trockenkasten,  zwischen
dessen  Doppelwandungen  Wasser  lebhaft  siedet,  läßt  nach  einstündigem  Trocknen  im  Exsikkator ­
  erkalten  und  wägt.
Berechnung.  Wurden  a  Gramm  Glyzerin  gewogen,  so  sind  enthalten:
x  =  1,111  a  Gramm  Glyzerin  in  100  ccm  Wein.
b)  In  Weinen  mit  2  g  oder  mehr  Zucker  in  roo  ccm.  50  ccm  Wein  werden  in
einem  geräumigen  Kolben  auf  dem  Wasserbade  erwärmt  und  mit  1  g  Quarzsand  und  so
lange  mit  kleinen  Mengen  Kalkmilch  versetzt,  bis  die  zuerst  dunkler  gewordene  Mischung
wieder  eine  hellere  Farbe  und  einen  laugenhaften  Geruch  angenommen  hat.  Das  Gemisch
wird  auf  dem  Wasserbade  unter  fortwährendem  Umschütteln  erwärmt.  Nach  dem  Erkalten
setzt  man  100  ccm  Alkohol  von  96  Maßprozeut  zu,  läßt  den  sich  bildenden  Niederschlag
absetzen,  filtriert  die  alkoholische  Lösung  ab  und  wäscht  den  Niederschlag  mit  Alkohol
von  96  Maßprozent  aus.  Das  Filtrat  wird  eingedampft  und  der  Rückstand  nach  der  unter
No.  9  a  gegebenen  Vorschrift  weiter  behandelt.
Berechnung.  Wurden  a  Gramm  Glyzerin  gewogen,  so  sind  enthalten:
x  =  2,222  a  Gramm  Glyzerin  in  100  com  Wein.
Anmerkung.  Wenn  die  Ergebnisse  der  Zuokerbestimmung  nicht  mitgeteilt  sind,
so  ist  stets  anzugeben,  oh  der  Glyzeringehalt  der  Weine  nach  No.  9  a  oder  9  b  bestimmt
worden  ist.
10.  Bestimmung  dos  -Zuckers.  Die  Bestimmung  des  Zuckers  geschieht  gewichtsanalytisch ­
  mit  Fehlingscher  Lösung.
a)  Herstellung  der  erforderlichen  Lösungen.  1.  Kupfersulfatlösung:  69,278  g
kristallisiertes  Kupfersulfat  werden  mit  Wasser  zu  1  1  gelöst.  V)
V)  K.  Windisch  empfiehlt  zylindrische  Wägegläschen  mit  eingeschliffeuem  Glasstopfen ­
  und  etwa  7  cm  hohen,  senkrechten  Wänden.
        <pb n="789" />
        768

Obst-  und  Beerenfriichte  sowie  deren  Erzeugnisse.

2.  Alkalische  Seignettesalzlösung;  B64  g  Seignottesalz  (Kalium-Natriumtartrat)
  und  103,2  g  Natriumhydrat  werden  mit  Wasser  zu  1  1  gelöst  und  die  Lösung  durch
Asbest  filtriert.
Die  beiden  Lösungen  sind  getrennt  auf'zubewahren.
b)  Vorbereitung  des  Weines  zur  Zuckerbestimmung.  Zunächst  wird  der  annähernde
Zuckergehalt  des  zu  untersuchenden  Weines  ermittelt,  indem  man  yon  dem  Extraktgehalt
desselben  die  Zahl  2  abzieht.  Weine,  die  hiernach  höchstens  1  g  Zucker  in  100  ccm  enL
halten,  können  unverdünnt  zur  Zuckerbestimmung  verwendet  werden;  Weine,  die  mehr  als
1  g  Zucker  in  100  ccm  enthalten,  müssen  dagegen  so  weit  verdünnt  werden,  daß  die  verdünnte ­
  Flüssigkeit  höchstens  1  g  Zucker  in  100  ccm  enthält.  Die  für  den  annähernden
Zuckergehalt  gefundene  Zahl  (Extrakt  weniger  2)  gibt  an,  auf  das  wievielfache  Maß  man
den  Wein  verdünnen  muß,  damit  die  Lösung  nicht  mehr  als  1  °/ 0  Zucker  enthält.  Zur
Vereinfachung  der  Abmessung  und  Umrechnung  rundet  man  die  Zahl  (Extrakt  weniger  2)
nach  oben  zu  auf  eine  ganze  Zahl  ab.  Die  für  die  Verdünnung  anzuwendende  Menge  Wein
ist  so  auszuwählen,  daß  die  Menge  der  verdünnten  Lösung  mindestens  100  ccm  beträgt.
Enthält  beispielsweise  ein  Wein  4,77  g  Extrakt  in  100  ccm,  daun  ist  der  Wein  zur  Zuckerbestimmung ­
  auf  das  4,77—2  =  2,77-fache  oder  abgerundet  auf  das  dreifache  Maß  mit  Wasser
zu  verdünnen.  Man  läßt  in  diesem  Falle  aus  einer  Bürette  33,3  ccm  Wein  von  15°  in  ein
100  ocm-Kölbohen  fließen  und  füllt  den  Wein  mit  destilliertem  Wasser  bis  zur  Marke  auf.
c)  Ausführung  der  Bestimmung  des  Zuckers  im  Weine.  100  ccm  Wein  oder,
bei  einem  Zuckergehalte  von  mehr  als  1  °/ 0 ,  100  ccm  eines  in  der  vorher  beschriebenen
Weise  verdünnten  Weines  werden  in  einem  Meßkölbchen  abgemessen,  in  eine  Porzellanschale ­
  gebracht,  mit  Alkalilauge  neutralisiert  und  im  Wasserbade  auf  etwa  25  ccm  eingedampft. ­
  Behufs  Entfernung  von  Gerbstoff  und  Farbstoff  fügt  mau  zu  dem  entgeisteten
Weinrückstaude,  sofern  es  sich  um  Rotweine  oder  erhebliche  Mengen  Gerbstoff  enthaltende
Weißweine  handelt,  5—10  g  gereinigte  Tierkohle,  rührt  das  Gemisch  unter  Erwärmen  auf
dem  Wasserbade  mit  einem  Giasstabe  gut  um  und  filtriert  die  Flüssigkeit  in  das  100  ccm-Kölbchen
  zurück.  Die  Tierkohle  wäscht  man  so  lange  mit  heißem  Wasser  sorgfältig  aus,
bis  das  Filtrat  nach  dem  Erkalten  nahezu  100  ccm  beträgt.  Man  versetzt  dasselbe  sodann
mit  3  Tropfen  einer  gesättigten  Lösung  von  Natriumkarbonat,  schüttelt  um  und  füllt  die
Mischung  bei  15°  auf  100  com  auf.  Entsteht  durch  den  Zusatz  von  Natriumkarbonat  eine
Trübung,  so  läßt  man  die  Mischung  2  Stunden  stehen  und  filtriert  sie  dann.  Das  Filtrat
dient  zur  Bestimmung  des  Zuckers.
An  Stelle  der  Tierkohle  kann  zur  Entfernung  von  Gerbstoff  und  Farbstoff  au  i  dem
Wein  auch  Bleiessig  benutzt  werden.  In  diesem  Falle  verfährt  mau  wie  folgt;  160  ccm
Wein  werden  in  der  vorher  beschriebenen  Weise  neutralisiert  und  entgeistet  und  der
entgeistete  Weinrückstand  bei  15°  mit  Wasser  auf  das  ursprüngliche  Maß  wieder  aufgefüllt. ­
  Hierzu  setzt  man  16  com  Bleiessig,  schüttelt  um  und  filtriert.  Zu  88  ccm  des
Filtrates  fügt  man  8  ccm  einer  gesättigten  Natriumkarbonatlösung  oder  einer  bei  20°  gesättigten ­
  Lösung  von  Natriumsulfat,  schüttelt  um  und  filtriert  aufs  neue.  Das  letzte
Filtrat  dient  zur  Bestimmung  des  Zuckers.  Durch  die  Zusätze  von  Bleiessig  und  Natriumkarbonat ­
  oder  Natriumsulfat  ist  das  Volumen  des  Weines  um  1 / 5  vermehrt  worden,  was
bei  der  Berechnung  des  Zuckergehaltes  zu  berücksichtigen  ist.
a)  Bestimmung  des  Invertzuckers.  In  einer  vollkommen  glatten  Porzellanschale ­
  werden  25  ccm  Kupfersulfatlösung,  25  ccm  Seignettesalzlösung  und  26  com  Wasser
gemischt  und  auf  einem  Drahtnetz  zum  Sieden  erhitzt.  In  die  siedende  Mischung  läßt
man  aus  einer  Pipette  25  ccm  des  in  der  beschriebenen  Weise  vorbereiteten  Weines  fließen
und  kocht  nach  dem  Wiederbeginn  des  lebhaften  Aufwallens  noch  genau  2  Minuten.  Man
filtriert  das  ausgeschiedene  Kupferoxydul  unter  Anwendung  einer  Saugepumpe  sofort  durch
ein  gewogenes  Asbestfllterröhrchen 1 )  und  wäscht  letzteres  mit  heißem  Wasser  und  zuletzt
mit  Alkohol  und  Äther  aus.  Nachdem  das  Röhrchen  mit  dem  Kupferoxydulniederschlage
bei  100°  getrocknet  ist,  erhitzt  man  letzteren  stark  bei  Luftzutritt,  verbindet  das  Röhrchen
alsdann  mit  einem  Wasserstoff-Entwickelungsapparat,  leitet  trocknen  und  reinen  Wasser-*)
  Uber  eine  zweckmäßige  Anordnung  eines  derartigen  Apparates  vergl.  S.  229.
        <pb n="790" />
        Wein.

769

stoff  hindurch  und  erhitzt  das  zuvor  gebildete  Kupferoxyd  mit  einer  kleinen  Klamme,  bis
dasselbe  vollkommen  zu  metallischem  Kupfer  reduziert  ist.  Dann  läßt  man  das  Kupfer  im
Wasserstoffstrom  erkalten  und  wägt.  Die  dem  gewogenen  Kupfer  entsprechende  Menge
Invertzucker  entnimmt  man  der  als  Anlage  beigegebenen  Tabelle  IV  (vergl.  Anhang).
(Die  Eeinigung  des  Asbestfilterröhrchens  geschieht  durch  Auflösen  des  Kupfers  in  heißer
Salpetersäure,  Auswaschen  mit  Wasser,  Alkohol  und  Äther,  Trocknen  und  Erhitzen  im
Wasserstoffstrome.)
ß)  Bestimmung  der  Saccharose.  Man  mißt  60  ccm  des  in  der  vorher  beschriebenen ­
  Weise  erhaltenen  entgeisteten,  alkalisch  gemachten,  gegebenenfalls  von  Gerbstoff ­
  und  Farbstoff  befreiten  und  verdünnten  Weines  mittels  einer  Pipette  in  ein  Kölbchen
von  etwa  100  ccm  Inhalt,  neutralisiert  genau  mit  Salzsäure,  fügt  sodann  6  ccm  einer
l°/ 0 -igen  Salzsäure  hinzu  und  erhitzt  die  Mischung  eine  halbe  Stunde  im  siedenden  Wasserbade. ­
  Dann  neutralisiert  man  die  Flüssigkeit  genau,  dampft  sie  im  Wasserbade  etwas  ein,
macht  sie  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat  schwach  alkalisch  und  filtriert  sie  durch
ein  kleines  Filter  in  ein  50  com-Kölbohen,  das  man  durch  Nachwaschen  bis  zur  Marke
füllt.  In  25  ccm  der  zuletzt  erhaltenen  Lösung  wird,  wie  unter  No.  10  a  angegeben,  der
Invertzuokergehalt  bestimmt.
Berechnung.  Man  rechnet  die  nach  der  Inversion  mit  Salzsäure  erhaltene  Kupfermenge ­
  auf  Gramme  Invertzucker  in  100  com  Wein  um.  Bezeichnet  man  mit
a  die  Gramme  Invertzucker  in  100  ccm  Wein,  welche  vor  der  Inversion  mit  Salzsäure ­
  gefunden  wurden,
b  die  Gramme  Invertzucker  in  100  ccm  Wein,  welche  nach  der  Inversion  mit  Salzsäure ­
  gefunden  wurden,
so  sind  enthalten:
x  =  0,95  (b  —  a)  Gramm  Saccharose  in  100  ccm  Wein.
Anmerkung.  Es  ist  stets  anzugeben,  ob  die  Entfernung  des  Gerbstoffes  und
Farbstoffes  durch  Kohle  oder  durch  Bleiessig  stattgefunden  hat.
Anmerkung  des  Verfassers:
P.  Kulisch 1 )  hat  durch  eine  Eeihe  von  Versuchen  nachgewiesen,  daß  in  einem
nicht  verdünnten  Weine  weit  größere  Mengen  Salzsäure  zur  völligen  Inversion  der
Saccharose  erforderlich  sind,  als  nach  obiger  Vorschrift  zugesetzt  werden  sollen.  Die
Schwächung  der  Inversionskraft  der  Salzsäure  wird  durch  die  im  Weine  vorhandenen  Salze
minder  stark  invertierender  Säuren  verursacht.  P.  Kulisch  schlägt  daher  vor,  bei  Weinen,
welche  auf  weniger  als  das  fünffache  verdünnt  werden  müssen,  größere  Mengen  Säure  zu
nehmen,  nämlich  bei  nicht  verdünnten  Weinen  bis  zu  1  ccm  26  °/ 0 -lger  Salzsäure,  während
bei  Weinen,  welche  zwischen  zwei-  und  fünffach  verdünnt  sind,  0,5  ccm  25°/ 0 -iger  Salzsäure
genügen.  Beim  Zusatz  von  1  ccm  obiger  Salzsäure  ist  zu  beachten,  daß  einer  Zunahme  von
weniger  als  0,025  g  Zucker  auf  100  ccm  der  verdünnten  Zuckerlösung  keine  Bedeutung
beizumessen  ist.
Über  die  verschiedenen  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Glukose  und  Fruktose
im  Wein  vergl.  oben  S.  234—238.
11.  Polarisation.  Zur  Prüfung  des  Weines  auf  sein  Verhalten  gegen  das  polarisierte
Licht  sind  nur  große,  genaue  Apparate  zu  verwenden,  an  denen  noch  Zehntelgrade  abgelesen ­
  werden  können.  Die  Ergebnisse  der  Prüfung  sind  in  Winkelgraden,  bezogen  auf
eine  200  mm  lange  Schicht  des  ursprünglichen  Weines,  anzugeben.  Die  Polarisation  ist
bei  15°  auszuführen.
Ausführung  der  polarimetrischen  Prüfung  des  Weines,  a)  Bei  Weißweinen.
60  ccm  Weißwein  werden  mit  Alkali  neutralisiert,  im  Wasserbade  auf  1 j 3  eingedampft,
auf  das  ursprüngliche  Maß  wieder  aufgefüllt  und  mit  3  ccm  Bleiessig  versetzt;  der  entstandene ­
  Niederschlag  wird  abfiltriert.  Zu  31,6  ccm  des  Filtrates  setzt  man  1,5  ccm  einer
gesättigten  Lösung  von  Natriumkarbonat  oder  einer  bei  20°  gesättigten  Lösung  von  Natriumsulfat, ­
  filtriert  den  entstandenen  Niederschlag  ab  und  polarisiert  das  Filtrat.  Der  von  dem
9  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1897,  206.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  8.  Auflage.

49
        <pb n="791" />
        770

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Weine  eingenommene  Raum  ist  durch  die  Zusätze  um  x /i«  vermehrt  worden,  worauf  Rücksicht ­
  zu  nehmen  ist.
b)  Bei  Rotweinen,  60  oom  Rotwein  werden  mit  Alkali  neutralisiert,  im  Wasserbade ­
  auf  1 / s  eingedampft,  filtriert,  auf  das  ursprüngliche  Maß  wieder  aufgefüllt  und  mit
6  ccm  Bleiessig  versetzt.  Man  filtriert  den  Niederschlag  ab,  setzt  zu  38  com  des  Filtrates
3  ccm  einer  gesättigten  Lösung  von  Natriumkarbonat  oder  einer  bei  20°  gesättigten  Lösung
von  Natriumsulfat,  filtriert  den  Niederschlag  ab  und  polarisiert  das  Filtrat.  Der  von  dem
Rotweine  eingenommene  Raum  wird  durch  die  Zusätze  um  1 / 5  vermehrt.
Gelingt  die  Entfärbung  eines  Weines  durch  Behandlung  mit  Bleiessig  nicht  vollständig, ­
  so  ist  sie  mittels  Tierkohle  auszuführen.  Man  mißt  50  ccm  Wein  in  einem
Meßkölbchen  ab,  führt  ihn  in  eine  Porzellanschale  über,  neutralisiert  ihn  genau  mit  einer
Alkalilösung  und  verdampft  den  neutralisierten  Wein  auf  etwa  25  ccm.  Zu  dem  entgeisteten
  Weinrückstande  setzt  man  5—10  g  gereinigte  Tierkohle,  rührt  unter  Erwärmen
auf  dem  Wasserbade  mit  einem  Glasstabe  gut  um  und  filtriert  die  Flüssigkeit  ab.  Die
Tierkohle  wäscht  man  so  lange  mit  heißem  Wasser  sorgfältig  aus,  bis  je  nach  der  Menge
des  in  dem  Weine  enthaltenen  Zuckers  das  Filtrat  75—100  com  beträgt.  Man  dampft
das  Filtrat  in  einer  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  bis  zu  30—40  ccm  ein,  filtriert
den  Rückstand  in  das  50  ccm-Kölbchen  zurück,  wäscht  die  Porzellanschale  und  das  Filter
mit  Wasser  aus  und  füllt  das  Filtrat  bis  zur  Marke  auf.  Das  Filtrat  wird  polarisiert;
eine  Verdünnung  des  Weines  findet  bei  dieser  Vorbereitung  nicht  statt.
12.  Nachweis  des  unreinen  Stärkeznckers  durch  Polarisation,  a)  Hat  man
bei  der  Zuckerbestimmung  nach  No.  10  höchstens  0,1  g  reduzierenden  Zucker  in  100  ccm
Wein  gefunden,  und  dreht  der  Wein  bei  der  gemäß  No.  11  ausgeführten  Polarisation  nach
links  oder  gar  nicht  oder  höchstens  0,3°  nach  rechts,  so  ist  dem  Weine  unreiner  Stärkezuoker
  nicht  zugesetzt  worden.
b)  Hat  man  bei  der  Zuckerbestimmung  nach  No.  10  höchstens  0,1  g  reduzierenden
Zucker  gefunden,  und  dreht  der  Wein  mehr  als  0,3°  bis  höchstens  0,6°  nach  rechts,  so
ist  die  Möglichkeit  des  Vorhandenseins  von  Dextrin  in  dem  Weine  zu  berücksichtigen  und
auf  dieses  nach  No.  19  zu  prüfen.  Ferner  ist  nach  dem  folgenden,  unter  No.  12  d  beschriebenen ­
  Verfahren  die  Prüfung  auf  die  unvergorenen  Bestandteile  des  unreinen  Stärkezuokers
  vorzunehmen.
c)  Hat  man  bei  der  Zuckerbestimmung  nach  No.  10  höchstens  0,1  g  Gesamtzucker
in  100  ccm  Wein  gefunden,  und  dreht  der  Wein  bei  der  Polarisation  mehr  als  0,6°  nach
rechts,  so  ist  zunächst  nach  No.  19  auf  Dextrin  zu  prüfen.  Ist  dieser  Stoff  in  dem  Weine
vorhanden,  so  verfährt  man  zum  Nachweis  der  vergorenen  Bestandteile  des  unreinen  Stärkezuckers ­
  nach  dem  folgenden,  unter  No.  12  d  angegebenen  Verfahren.  Ist  Dextrin  nicht
vorhanden,  so  enthält  der  Wein  die  unvergorenen  Bestandteile  des  unreinen  Stärkezuckers.
d)  Hat  man  bei  der  Zuckerbestimmung  nach  No.  10  mehr  als  0,1  g  Gesamtzucker
in  100  ccm  Wein  gefunden,  so  weist  man  den  Zusatz  unreinen  Stärkezuckers  auf  folgende
Weise  nach;
a)  210  ccm  Wein  werden  im  Wasserbade  auf  1 / a  eingedampft;  der  Verdampfungsrückstand ­
  wird  mit  so  viel  Wasser  versetzt,  daß  die  verdünnte  Flüssigkeit  nicht  mehr
als  15°/ 0  Zucker  enthält;  die  verdünnte  Flüssigkeit  wird  in  einem  Kolben  mit  etwa  5  g
gärkrät’tiger  Bierhefe,  die  optisch  aktive  Bestandteile  nicht  enthält,  versetzt  und  so  lange
bei  20—25°  stehen  gelassen,  bis  die  Gärung  beendet  ist.
ß)  Die  vergorene  Flüssigkeit  wird  mit  einigen  Tropfen  einer  20°/ o -igen  Kaliumacetatlösung ­
  versetzt  und  in  einer  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  unter  Zusatz  von
Quarzsand  zu  einem  dünnen  Sirup  verdampft.  Zu  dem  Rückstände  setzt  man  unter  beständigem ­
  Umrühren  allmählich  200  ccm  Alkohol  von  90  Maßprozent.  Nachdem  sich  die
Flüssigkeit  geklärt  hat,  wird  der  alkoholische  Auszug  in  einen  Kolben  filtriert,  Rückstand
und  Filter  mit  wenig  Alkohol  von  90  Maßprozeut  gewaschen  und  der  Alkohol  größtenteils
abdestilliert.  Der  Rest  des  Alkohols  wird  verdampft  und  der  Rückstand  durch  Wasserzusatz ­
  auf  etwa  100  ccm  gebracht.  Hierzu  setzt  man  2—3  g  gereinigte,  in  Wasser  aufgeschlammte ­
  Tierkohle,  rührt  mit  einem  Glasstabe  wiederholt  tüchtig  um,  filtriert  die  entfärbte ­
  Flüssigkeit  in  einen  kleinen  eingeteilten  Zylinder  und  wäscht  die  Tierkohle  mit
        <pb n="792" />
        Wein.

771

heißem  Wasser  aus,  bis  das  auf  15°  abgekühlte  Filtrat  30  com  beträgt.  Zeigt  dasselbe
bei  der  Polarisation  eine  Rechtsdrehung  von  mehr  als  0,5°,  so  enthält  der  Wein  die  unvergorenen
  Bestandteile  des  unreinen  Stärkezuckers.  Beträgt  die  Drehung  gerade  -)-  0,6°
oder  nur  wenig  über  oder  unter  dieser  Zahl,  so  wird  die  Tierkohle  aufs  neue  mit  heißem
Wasser  ausgewaschen,  bis  das  auf  15°  abgekühlte  Filtrat  30  com  beträgt.  Die  bei  der
Polarisation  dieses  Filtrates  gefundene  Rechtsdrehung  wird  der  zuerst  gefundenen  hinzugezählt. ­
  Wenn  das  Ergebnis  der  zweiten  Polarisation  mehr  als  den  fünften  Teil  der  ersten
beträgt,  muß  die  Kohle  noch  ein  drittes  Mal  mit  30  ccm  heißem  Wasser  ausgewaschen
und  das  Filtrat  polarisiert  werden.
13.  Nachweis  fremder  Farbstoffe  in  Rotweinen.  „Rotweine  sind  stets  auf
Teerfarbstoffe  und  auf  ihr  Verhalten  gegen  Bleiessig  zu  prüfen.  Ferner  ist  in  dem  Weine
ein  mit  Alaun  und  Natriumacetat  gebeizter  Wollfaden  zu  kochen  und  das  Verhalten  des
auf  der  Wollfaser  niedergeschlagenen  Farbstoffes  gegen  Reagenzien  zu  prüfen.  Die  bei
dem  Nachweise  fremder  Farbstoffe  im  einzelnen  befolgten  Verfahren  sind  stets  anzugeben,“
Da  nach  dem  neuen  Weingesetz  die  Verwendung  von  Teerfarbstoffen  und  Kermesbeeren
verboten,  die  Verwendung  von  tiefgefärbten  südländischen  Rotweinen  zum  Verschneiden
erlaubt  ist,  so  werden  Teer-,  wie  auch  Pflanzenfarbstoffe  jetzt  nur  mehr  selten  zum  Auffärben ­
  des  Rotweines  verwendet.
Anmerkung  des  Verfassers:
a)  Nachweis  von  Teerfarbstoffen  in  Rotweinen.  A.  Hasterlik 1 )  hat  die  verschiedenen ­
  Verfahren  zum  Nachweise  der  Teerfarbstoffe  einer  eingehenden  Prüfung  unterzogen, ­
  dessen  Untersuchungen  wir  im  nachfolgenden  nach  K.  Windisch  (1.  c.  S.  165)
größtenteils  folgen.
Zum  Nachweise  von  Teerfarbstoffen  im  Rotwein  dienen  folgende  Verfahren:
1.  Das  Verhalten  des  Weines  gegen  Bleiessig.  Dasselbe  kann  nur  zur
vorläufigen  Unterrichtung  dienen.
Versetzt  man  20  ccm  Wein  mit  10  ccm  Bleiessig,  erwärmt  die  Mischung  schwach,
schüttelt  abermals  gut  um  und  filtriert,  so  liegt,  wenn  das  Filtrat  rot  gefärbt  ist,  der
Verdacht  des  Vorhandenseins  eines  Teerfarbstoffes  vor.  Hierbei  ist  jedoch  zu  berücksichtigen, ­
  daß  auch  manche  farbstoffreichen  Rotweine  ein  schwach  rotgefärbtes  Filtrat  der
Bleiessigfällung  liefern.  Der  Niederschlag  mit  Bleiessig  ist  bei  reinem  Rotwein
schiefergrau,  blaugrau,  blaugrün  oder  grün,  bei  Vorhandensein  z.  B.  von  Kermesfarbstoff
rotviolett.
2.  Die  Wollprobe  nach  N.  Arato. 2 )  Diese  Probe  ist  von  allen  Proben  wohl  am
besten  zur  Prüfung  des  Rotweins  auf  Teerfarbstoffe  geeignet.  Man  verfährt  folgendermaßen;
60—100  ccm  des  verdächtigen  Weines  läßt  man  10  Minuten  mit  5—10  com  einer
10°/ 0 -igen  Kaliumbisulfatlösung  und  3—4  Fäden  weißer  Wolle  in  einer  Porzellanschale
oder  einem  Becherglase  kochen.  Die  Wolle  wird  nach  dieser  Behandlung  herausgenommen,
mit  Wasser  gewaschen  und  mit  wässerigem  Ammoniak  behandelt.  Enthält  der  Wein  Teerfarbstoff, ­
  so  nimmt  die  Wolle  nach  dem  Kochen  mit  dem  Bisulfat  eine  stärkere  rote
Farbe  an,  als  bei  reinen  Weinen,  und  nach  dem  Behandeln  mit  Ammoniak  verwandelt  sich
dieselbe  nicht  in  ein  schmutziges,  grünliches  Weiß,  sondern  bleibt  entweder  beständig  rot
oder  nimmt  eine  gelbliche  Färbung  an,  welche  nach  abermaliger  Behandlung  mit  Wasser
und  nach  Auswaschen  mit  Ammoniak  wieder  die  ursprünglich  rote  Farbe  hervortreten  läßt.
Will  man  jetzt  die  Natur  des  fremden  Farbstoffes  ermitteln,  so  wäscht  man  zunächst
die  Wolle  mit  verdünnter  Weinsäure,  um  die  Weinfarbstoffe  zu  entfernen,  und  preßt  dieselben ­
  zwischen  Fließpapier  ab.  Hierauf  bringt  man  die  Wolle  in  ein  Reagensglas  und
tröpfelt  Schwefelsäure  darauf,  wobei  kennzeichnende  Erscheinungen  für  die  verschiedenen
Diazokörper  auftreten.  Ist  man  genötigt,  den  Farbstoff  von  der  Wolle  zu  trennen,  so  gießt
man  so  viel  Schwefelsäure  hinzu,  daß  die  Wolle  damit  bedeckt  ist,  quetscht  mit  einem

3 )  Mitteilungen  aus  d.  pharm.  Institut  u.  Laboratorium  f.  angew.  Chemie  der  Universität ­
  Erlangen  1889,  Heft  2,  S.  51.
2 )  Arato,  Metodo  parala  iuvestigacion  de  algunos  derivados  del  acquitran.  Buenos
Aires.  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1889,  28,  639.

49*
        <pb n="793" />
        772

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Glasstabe  das  Ganze  gehörig  durch  und  läßt  5—10  Minuten  stehen.  Hierauf  verdünnt
man  mit  Wasser  auf  10  ccm,  nimmt  die  Wolle  heraus  und  übersättigt  mit  Ammoniak.
Nach  dem  Erkalten  übergießt  man  mit  5—10  com  reinem  Amylalkohol  und,  um  ein  besseres
Absetzen  zu  erzielen,  mit  einigen  Tropfen  Äthylalkohol,  schüttelt,  hebert  ab,  verdampft
zur  Trockne  und  behandelt  den  Rückstand  mit  Schwefelsäure,  wobei  man  gewisse  Parbenwandlungen,
  je  nach  der  Natur  des  Farbstoffs,  erhält.  In  einigen  Fällen  empfiehlt  es  sich
aber  auch,  den  Amylalkohol  mit  Wasser  auszuschütteln,  welches  ihm  hierbei  sämtlichen
Farbstoff  entzieht,  und  mit  der  wässerigen  Lösung  die  Prüfung  vorzunehmen.
3.  Die  Ausschüttelung  des  Weines  mit  Äther  vor  und  nach  dem  Übersättigen ­
  mit  Ammoniak.
100  ccm  Wein  werden  mit  30  ccm  Äther  in  einem  Glaszylinder  von  etwa  30  mm
Weite  und  150  ccm  Inhalt  durehgesohüttelt;  andere  100  com  Wein  werden  nach  Zusatz
von  6  ccm  Ammoniak  in  derselben  Weise  ausgeschüttelt  und  beide  Proben  getrennt  weiter
behandelt.  Von  den  klar  abgesetzten  Ätherschichten  —  ist  beim  Schütteln  eine  Emulsion
entstanden,  so  fügt  man  zur  Abscheidung  des  Äthers  einige  ccm  Alkohol  hinzu  —  hebt
man  mit  einer  Pipette  20—26  ccm  Äther  klar  ab  und  verdunstet  den  Äther  in  einem
Porzellanschälchen  über  einem  5  cm  langen  Faden  rein  weißer  Wolle  ein.  Die  Ätherlösung ­
  darf  nicht  filtriert  werden,  da  geringe  Mengen  Fuchsin  im  Filter  zurückgehalten
werden  können  und  dadurch  dem  Nachweise  entgehen.  Die  an  den  Bändern  der  Schale
sich  absoheidenden  Teile  des  Rückstandes  löst  man  durch  vorsichtiges  Umschwenken  wieder
in  dem  noch  nicht  verdunsteten  Äther  und  fixiert  so  alle  in  Äther  gelösten  Bestandteile
auf  der  Wollfaser,  Bei  reinen  Weinen  ist  die  Wolle  mit  dem  Verdampfungsrückstande
der  ammoniakalischen  Ätherlösung  rein  weiß,  während  der  ätherische  Auszug  des  natürlichen ­
  Weines  etwas  bräunlich  mißfarben  wird.  Wird  dagegen  der  Wollfaden  durch  die
ammoniakalische  Ätherausschüttelung  rot,  so  sind  in  dem  Weine  Teerfarbstoffe  vorhanden;
durch  Betupfen  mit  Salzsäure  wird  der  Faden  farblos  oder  gelblich.  Übersättigen  mit
Ammoniak  ruft  die  rote  Farbe  wieder  hervor.
Aus  dem  nicht  ammoniakalisch  gemachten  Wein  erhält  man  durch  Ausschütteln  mit
Äther  die  sogenannten  Säurefarbstoffe,  welche  die  Wollfaser  ebenfalls  rot  färben.
Nach  Hasterlik  lassen  sich  durch  dieses  Verfahren  nur  Fuchsin,  Safranin  und
Chrysoidin  im  Rotweine  naohweisen,  nicht  aber  Säurefuchsin  (rosanilinsulfosaures  Natrium)
und  zahlreiche  Azofarbstoffe.
4.  Das  Ausschütteln  des  natürlichen,  des  mit  Schwefelsäure  angesäuerten ­
  und  des  mit  Ammoniak  übersättigten  Weines  mit  Amylalkohol.
Man  schüttelt  100  ccm  des  natürlichen,  des  mit  Schwefelsäure  angesäuerten  und
des  mit  Ammoniak  übersättigten  Weines  mit  je  30  com  Amylalkohol  in  Glaszylindern  und
beschleunigt  nötigenfalls  durch  Zentrifugieren  die  Trennung  der  beiden  Schichten.
a)  Ist  der  amylalkoholische  Auszug  des  mit  Ammoniak  übersättigten  Rotweines ­
  rot  gefärbt,  so  sind  Teerfarbstoffe  vorhanden.
ß)  Ist  der  amylalkoholische  Auszug  des  ursprünglichen  Weines  rot  gefärbt,
so  können  Teerfarbstoffe  vorhanden  sein;  aber  auch  viele  junge  und  farbstoffreiche  reine
Weine  zeigen  dasselbe  Verhalten.  Versetzt  man  aber  die  rote  amylalkoholische  Lösung
tropfenweise  mit  Ammoniak,  so  bleibt  sie  bei  Gegenwart  von  Teerfarbstoffen  rot,  während
sie  bei  reinen  Rotweinen  in  blau,  blaugrün  oder  grün  übergeht.
'/)  Der  amylalkoholische  Auszug  des  mit  Schwefelsäure  an  gesäuerten  Rotweines ­
  ist  auch  bei  reinen  Rotweinen  fast  immer  rot  gefärbt.  Man  schüttelt  denselben
mit  Wasser  und  prüft  die  wässerige  Lösung  mit  Ammoniak,  wie  unter  b  angegeben  ist,
auf  Teerfarbstoffe.
Durch  diese  drei  Aussohüttelungen  lassen  sich  auch  die  Azofarbstoffe  und  das  Säurefuchsin ­
  uachweisen.
5.  Die  Schüttelprobo  mit  gelbem  Quecksilberoxyd  nach  P.  Cazeneuve.
10  com  Wein  werden  in  der  Kälte  mit  0,2  g  Quecksilberoxyd  1  Minute  lang  geschüttelt ­
  und  nach  Absetzen  durch  ein  3—4-faohes  angefeuchtetes  Filter  filtriert.  Dieselbe
Operation  ist  mit  einer  zweiten  Probe  nach  einmaligem  Aufkoohen  vorzunehmen,  wiederum
erst  gut  absetzen  zu  lassen  und  durch  ein  3—4-faohes  Filter  zu  filtrieren.  Zeigt  sich  in
        <pb n="794" />
        Wein.

773

diesem  Palle  das  Piltrat  trübe,  so  ist  dies  ein  Zeichen,  daß  zu  kurze  Zeit  geschüttelt  oder
aufgekocht  oder  absetzen  gelassen  wurde,  aber  es  ist  dies  keineswegs  die  Folge  einer  Parbfälschung.
  Ein  klares,  aber  gefärbtes  Filtrat  ist  dagegen  für  die  Gegenwart  von  Teerfarben ­
  beweisend.
Auf  diese  Weise  können  nachgewiesen  werden:  Säurefuchsin,  Bordeauxrot  B,  Roccelin,
Purpurrot,  Crocein  BBB,  Biebrichrot,  Ponceau  R,  Ponceau  B,  Orange  R,  Orange  RR,
Orange  RER,  Orange  II,  Tropaeolin  M,  Tropaeolin  II,  Gelb  I,  Binitronaphtolgelb,  Gelb  NS,
Kongorot,  Amaranthrot,  Orseilleextrakt  I  und  2  B,  Benzopurpurin,  Biebricher  Scharlach,
Heßpurpur.
Ist  das  Piltrat  farblos,  dann  kann  trotzdem  fremder  Farbstoff  vorliegen,  und  zwar
aus  der  Reihe  derjenigen,  welche  gleichzeitig  mit  dem  Weinfarbstoff  niedergeschlagen
werden;  zu  denen  zählt  Cazeneuve  das  Erythrosin,  Eosin,  Methylenblau,  Coupiersblau,
Diphenylaminblau.
Bei  Safranin,  Chrysoidin,  Chrysoin,  Methyleosin,  Gelb  II,  Rot  NN,  Rot  I,
Ponceau  ER  hängt  es  wiederum  von  den  Mengenverhältnissen  ab,  in  denen  sie  angewendet
wurden,  da  diese  Farbstoffe  zum  Teil  von  Quecksilberoxyd  zurückgehalten  werden.
Die  vorstehenden  Verfahren  genügen  zum  Nachweise  von  Teerfarben  im  Rotweine,
doch  sind  zum  sicheren  Nachweise  derselben,  wenn  möglich,  alle  5  Verfahren  anzuwenden.
b)  Nachweis  von  Pflanzenfarbstoffen  im  Rotweine.  Der  Nachweis  pflanzlicher
Farbstoffe,  wie  von  Malven,  Heidelbeeren,  Holunder,  Ligusterbeeren  usw-,  ist  außerordentlich
unsicher,  mit  voller  Bestimmtheit  zu  führen  unmöglich.  Die  Unterscheidung  dieser  Farbstoffe ­
  von  dem  Rotweinfarbstoffe  scheint  lediglich  auf  dem  Einfluß  zu  beruhen,  den  der
größere  Gerbstoffgehalt  und  Gehalt  an  sonstigen  Kämme-  und  Trester-Extraktivstoffen  auf
die  Parbenreaktionen  ausübt.
Nur  der  Farbstoff  der  Kermesbeeren  (Phytolacca)  unterscheidet  sich  von  dem  des
Rotweines  in  auffallender  Weise  durch  den  rotvioletten  Bleiessigniederschlag.  Zu  seiner
weiteren  Bestätigung  kann  die  Reaktion  mit  Ätzbaryt,  wobei  Ausscheidung  blauer  bis
violetter  Flocken  erfolgt,  sowie  die  Reaktion  mit  Alaun  und  Natriumkarbonat  dienen,  auf
die  hier  nur  verwiesen  sei. 1 )
Im  Anschlüsse  an  den  Nachweis  fremder  Farbstoffe  im  Rotwein  möge  hier  auch  der
Nachweis  fremder  Farbstoffe  im  Weißweine
kurz  besprochen  werden.
Als  Färbemittel  für  Weißweine  kommt  fast  ausschließlich  Karamel  in  Betracht.
Teerfarbstoffe  dürften  für  diesen  Zweck  wohl  nur  höchst  selten  verwendet  werden.  Zur
Prüfung  auf  Teerfarbstoffe  dienen  die  oben  unter  A  angegebenen  Verfahren.
Zum  Nachweise  des  Karamels  dient  das  Verfahren  von  P.  Carles  mit
Eiweißlösung:  Man  preßt  frisches  Hühnereiweiß  durch  ein  dichtes  Planellläppchen  und
mischt  mit  dem  gleichen  Volumen  Wasser,  Von  dieser  Eiweißlösung  gießt  man  2  com  in
20  ccm  Wein,  schüttelt  tüchtig  durch  und  filtriert.  Entsteht  bloß  geringfügige  Trübung
und  steht  das  Filtrat  dem  ursprünglichen  Wein  an  Stärke  der  Färbung  nur  wenig  oder
gar  nicht  nach,  so  liegt  Grund  zu  der  Annahme  vor,  daß  der  Wein  mit  Karamel  gefärbt
ist.  Der  normale  Farbstoff  eines  Weißweines  ist  durch  Eiweiß  fällbar.
Außer  diesem  Verfahren  bestehen  noch  mehrere  Vorschläge 2 )  zum  Nachweise  von
Karamelfarbstoff;  über  das  Verfahren  von  C.  Amthor  mit  Paraldehyd  vergl.  S.  693.
Weine,  welche  aus  eingedampftem  Most  hergestellt  sind,  geben  natürlich  ebenfalls
die  Karamelreaktionen,  da  bei  dem  Eindampfen  des  Mostes  durch  Zersetzung  des  Zuckers
Karamel  gebildet  wird.
II.  Bestimmung  der  Gcsanitweiusteinsiiurc,  der  freien  Weinsteinsäure,  des  Weinsteins
und  der  an  alkalische  Erden  gebundenen  Weinsteinsäure.
a)  Bestimmung  der  Gesamtweinsteinsäure.  „Man  setzt  zu  100  ccm  Wein  in  einem
Becherglase  2  ccm  Eisessig,  0,5  ccm  einer  20°/ 0 -igen  Kaliumacetatlösung  und  15  g  ge-*)
  Vergl.  R.  Heise,  Arbeiten  aus  dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamts  1895,  11,  613.
2 )  Vergl,  K.  Windisch,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
1905,  9,  350.
        <pb n="795" />
        774

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

pulvertes  reines  Chlorkalium.  Letzteres  bringt  man  durch  Umrühren  nach  Möglichkeit  in
Lösung  und  fügt  dann  16  ccm  Alkohol  von  96  Maßprozent  hinzu.  Nachdem  man  durch
starkes,  etwa  1  Minute  anhaltendes  Reiben  des  Glasstabes  an  der  Wand  des  Becherglases
die  Abscheidung  des  Weinsteins  eingeleitet  hat,  läßt  man  die  Mischung  wenigstens
16  Stunden  bei  Zimmertemperatur  stehen  und  filtriert  dann  den  kristallinischen  Niederschlag
ab.  Hierzu  bedient  man  sich  eines  Goochachen  Platin-  oder  Porzellantiegels  mit  einer
dünnen  Ashestschicht,  welche  mit  einem  Platindrahtnetz  von  mindestens  1 / i  mm  weiten
Maschen  bedeckt  ist,  oder  einer  mit  Papierfilterstoff  bedeckten  Witt  sehen  Porzellansiebplatte;
in  beiden  Fällen  wird  die  Flüssigkeit  mit  Hilfe  der  Wasserstrahlpumpe  abgesaugt.  Zum
Auswaschen  des  kristallinischen  Niederschlages  dient  ein  Gemisch  von  16  g  Chlorkalium,
20  ccm  Alkohol  von  95  Maßprozent  und  100  ccm  destilliertem  Wasser.  Das  Becherglas
wird  etwa  dreimal  mit  wenigen  Kubikzentimetern  dieser  Lösung  abgespült,  wobei  man
jedesmal  gut  abtröpfeln  läßt.  Sodann  werden  Filter  und  Niederschlag  durch  etwa  dreimaliges ­
  Abspülen  und  Aufgießen  von  wenigen  Kubikzentimetern  der  Waschflüssigkeit  ausgewaschen; ­
  von  letzterer  dürfen  im  ganzen  nicht  mehr  als  20  ccm  gebraucht  werden.  Der
auf  dem  Filter  gesammelte  Niederschlag  wird  darauf  mit  siedendem,  alkalifreiem,  destilliertem
Wasser  in  das  Beoherglas  zurückgespült  und  die  erhaltene,  bis  zum  Kochen  erhitzte  Lösung
in  der  Siedhitze  mit  J / 4  Normal-Alkalilauge  unter  Verwendung  von  empfindlichem,  blauviolettem ­
  Laokmuspapier  titriert.
Berechnung.  Wurden  bei  der  Titration  a  Kubikzentimeter  1 / i  Normal-Alkalilauge
verbraucht,  so  sind  enthalten:
x  =  0,0375  (a  -|-  0,6)*)  Gramm  Gesamtweinsteinsäure  in  100  ccm  Wein.“
b)  Bestimmung  der  freien  Weinsteinsäure.  „50  com  eines  gewöhnlichen  ausgegorenen ­
  Weines,  bezw.  25  ccm  eines  erhebliche  Mengen  Zucker  enthaltenden  Weines,
werden  in  der  unter  No.  4  vorgeschriebeneu  Weise  in  einer  Platinsohale  verascht.  Die
Asche  wird  vorsichtig  mit  20  ccm  1 / 4  Normal-Salzsäure  versetzt  und  nach  Zusatz  von
20  com  destilliertem  Wasser  über  einer  kleinen  Flamme  bis  zum  beginnenden  Sieden  erhitzt. ­
  Die  heiße  Flüssigkeit  wird  mit  1 / 4  Normal-Alkalilauge  unter  Verwendung  von
empfindlichem,  hlauviolettem  Lackmuspapier  titriert.
Berechnung.  Wurden  a  Kubikzentimeter  Wein  angewendet  und  bei  der  Titration
b  Kubikzentimeter  1 / 4  Normal-Alkalilauge  verbraucht,  enthält  ferner  der  Wein  c  Gramm
Gesamtweinsteinsäure  in  100  ccm  (nach  No.  14  a  bestimmt),  so  sind  enthalten:
3,76(20  —b)  „  „  .  , Tr  .
x  =  c  —  ——  Gramm  freie  Wemstemsäure  in  100  ccm  Wein.

Ist  a  =  60,  so  wird  x  =  c  -f-  0,075  b  —  1,6;  ist  a  =  26,  so  wird  x  =  c  -(-  0,15  b  —  3.“
c)  Bestimmung  des  Weinsteins.  „50  ccm  eines  gewöhnlichen  ausgegorenen  Weines,
bezw.  25  com  eines  erhebliche  Mengen  Zucker  enthaltenden  Weines,  werden  in  der  unter
No.  4  vorgeschriehenen  Weise  in  einer  Platinsohale  verascht.  Die  Asche  wird  mit  heißem,
destilliertem  Wasser  ausgelaugt,  die  Lösung  durch  ein  kleines  Filter  filtriert  und  die
Schale  sowie  das  Filter  mit  heißem  Wasser  sorgfältig  ausgewaschen.  Der  wässerige
Asohenauszug  wird  vorsichtig  mit  20  ccm  1 / 4  Normal-Salzsäure  versetzt  und  über  einer
kleinen  Flamme  bis  zum  beginnenden  Sieden  erhitzt.  Die  heiße  Lösung  wird  mit
1 U  Normal-Alkalilauge  unter  Verwendung  von  empfindlichem,  blauviolettem  Lackmuspapier
titriert.

Berechnung.  Wurden  d  Kubikzentimeter  Wein  angewendet  und  bei  der  Titration
e  Kubikzentimeter  */ 4  Normal-Alkalilauge  verbraucht,  enthält  ferner  der  Wein  c  Gramm
Gesamtweinsteinsäure  in  100  ccm  (nach  No.  14  a  bestimmt),  so  berechnet  man  zunächst  den
Wert  von  n  aus  nachstehender  Formel:

n  =  26,67  c  —

100  (20  —  e)
d

*)  Die  0,6  com  1 / 4  Normal-Alkalilauge  entsprechen  der  Löslichkeit  des  Weinsteins  in
der  Fällungs-  und  Waschflüssigkeit.  Die  Löslichkeit  des  Weinsteins  in  denselben  beträgt
unter  den  obigen  Bedingungen  1:4600.
        <pb n="796" />
        Wein,  ■

775

a)  Ist  n  gleich  Null  oder  negativ,  so  ist  sämtliche  Weinsteinsäure  in  der  Form
von  Weinstein  in  dem  Weine  vorhanden;  dann  sind  enthalten;
x  =  1,2633  o  Gramm  Weinstein  in  100  ccm  Wein.
ß)  lat  n  positiv,  so  sind  enthalten:
x  =  4,7J20  e)  Q ramm  Weinstein  j n  iqO  com  Wein.“
d

d)  Bestimmung  der  an  alkalische  Erden  gebundenen  Weinsteinsäure.  „Die  Menge
der  an  alkalische  Erden  gebundenen  Weinsteinsäure  wird  aus  den  bei  der  Bestimmung  der
freien  Weinsteinsäure  und  des  Weinsteins  unter  No.  14  h  und  c  gefundenen  Zahlen  berechnet.
Haben  b,  d  und  e  dieselbe  Bedeutung  wie  dort,  und  ist;
a)  n  gleich  Null  oder  negativ  gefunden  worden,  so  ist  an  alkalische  Erden
gebundene  Weinsteinsäure  in  dem  Weine  nicht  enthalten;
ß)  n  positiv  gefunden  worden,  so  sind  enthalten:
3,75  (e  —  b)
X  —  d

Gramm  an  alkalische  Erden  gebundene  Weinsteinsäure  in  100  ccm  Wein;

y)  n  positiv  gefunden  worden  und  freie  Weinsäure  nicht  vorhanden,  so  sind;

x  =  c  —

3,76  (20  —  e)
d

Gramm

an  alkalische  Erden  gebundene  Weinsteinsäure  in  100  ccm  Wein  enthalten.“
15.  Bestimmung  der  Schwefelsäure  in  Weißweinen.  „Das  unter  No.  5  für  Rotweine
  angegebene  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Schwefelsäure  gilt  auch  für  Weißweine.“
16.  Bestimmung  der  schwefligen  Säure.  „Zur  Bestimmung  der  schwefligen  Säure
bedient  man  sich  folgender  Vorrichtung;  Ein  Destillierkolben  von  400  ccm  Inhalt  wird
mit  einem  zweimal  durchbohrten  Stopfen  verschlossen,  durch  welchen  zwei  Glasrühren  in
das'  Innere  des  Kolbens  führen.  Die  erste  Ilöhre  reicht  bis  auf  den  Boden  des  Kolbens,
die  zweite  nur  bis  in  den  Hals.  Die  letztere  Röhre  führt  zu  einem  Liebigschen  Kühler;
an  diesen  schließt  sich  luftdicht  mittels  durchbohrten  Stopfens  eine  kugelig  aufgeblasene
U-Röhre  (sog.  Peligotsche  Röhre).
Man  leitet  durch  das  bis  auf  den  Boden  des  Kolbens  führende  Bohr  Kohlensäure,
bis  alle  Luft  aus  dem  Apparate  verdrängt  ist,  bringt  dann  in  die  Peligotsche  Röhre
50  ccm  Jodlösung  (erhalten  durch  Auflösen  von  6  g  reinem  Jod  und  7,5  g  Jodkalium  in
Wasser  zu  1  1),  lüftet  den  Stopfen  des  Destillierkolbens  und  läßt  100  ccm  Wein  aus  einer
Pipette  in  den  Kolben  fließen,  ohne  das  Einströmen  der  Kohlensäure  zu  unterbrechen.
Nachdem  noch  5  g  sirupdioke  Phosphorsäure  zugegeben  sind,  erhitzt  man  den  Wein  vorsichtig ­
  und  destilliert  ihn  unter  stetigem  Durchleiten  von  Kohlensäure  zur  Hälfte  ab.
Man  bringt  nunmehr  die  Jodlösung,  die  noch  braun  gefärbt  sein  muß,  in  ein  Becherglas, ­
  spült  die  Peligotsche  Röhre  gut  mit  Wasser  aus,  setzt  etwas  Salzsäure  zu,  erhitzt
das  Ganze  kurze  Zeit  und  fällt  die  durch  Oxydation  der  schwefligen  Säure  entstandene
Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum.  Der  Niederschlag  von  Baryumsulfat  wird  genau  in  der
unter  No.  5  vorgeschriebenen  Weise  weiter  behandelt.
Berechnung.  Wurden  a  Gramm  Baryumsulfat  gewogen,  so  sind:
x  =  0,2748  a  Gramm  schweflige  Säure  (S0 2 )  in  100  ccm  Wein.
Anmerkung  1.  Der  Gesamtgehalt  der  Weine  an  schwefliger  Säure  kann  auch
nach  dem  folgenden  Verfahren  bestimmt  werden:  Man  bringt  in  ein  Kölbchen  von  ungefähr ­
  200  ccm  Inhalt  25  ccm  Kalilauge,  die  etwa  56  g  Kaliumhydrat  im  Liter  enthält,
und  läßt  50  ccm  Wein  so  zu  der  Lauge  fließen,  daß  die  Pipettenspitze  während  des
Auslaufens  in  die  Kalilauge  taucht.  Nach  mehrmaligem  vorsichtigem  Umschweuken  läßt
man  die  Mischung  15  Minuten  stehen.  Hierauf  fügt  man  zu  der  alkalischen  Flüssigkeit
10  ccm  verdünnte  Schwefelsäure  (erhalten  durch  Mischen  von  1  Teil  Schwefelsäure  mit
3  Teilen  Wasser)  und  einige  Kubikzentimeter  Stärkelösung  und  titriert  die  Flüssigkeit
mit  1 / 60  Normal-Jodlösung;  man  läßt  die  Jodlösung  hierbei  rasch,  aber  vorsichtig  so  lange
zutropfen,  bis  die  blaue  Farbe  der  Jodstärke  nach  vier-  bis  fünfmaligem  Umschwenken
noch  kurze  Zeit  anhält.
        <pb n="797" />
        776

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Berechnung  der  gesamten  schwefligen  Säure.  Wurden  auf  50  ccm  Wein
a  ccm  1 ko  Normal-Jodlösung  verbraucht,  so  sind  enthalten:
x  =  0,00128  a  Gramm  gesamte  schweflige  Säure  (S0 2 )  in  100  ccm  Wein.
Zufolge  neuerer  Erfahrungen  ist  ein  Teil  der  schwefligen  Säure  im  Weine  an
organische  Bestandteile  gebunden,  ein  anderer  im  freien  Zustande  oder  als  Alkalibisulfit
im  Weine  vorhanden.  Die  Bestimmung  der  freien  schwefligen  Säure  geschieht  nach  folgendem
Verfahren:  Man  leitet  durch  ein  Kölbchen  von  etwa  100  ccm  Inhalt  10  Minuten  lang
Kohlensäure,  entnimmt  dann  aus  der  frisch  entkorkten  Eiasche  mit  einer  Pipette  50  ccm
Wein  und  läßt  diese  in  das  mit  Kohlensäure  gefüllte  Kölbchen  fließen.  Nach  Zusatz  von
5  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  wird  die  Elüssigkeit  in  der  vorher  beschriebenen  Weise
mit  1 / 50  Normal-Jodlösung  titriert.
Berechnung  der  freien  schwefligen  Säure.  Wurden  auf  50  ccm  Wein
a  Kubikzentimeter  1 /s  o  Normal-Jodlösung  verbraucht,  so  sind  enthalten;
x  =  0,00128  a  Gramm  freie  schweflige  Säure  (S0 2 )  in  100  ccm  Wein.
Der  Unterschied  der  gesamten  schwefligen  Säure  und  der  freien  schwefligen  Säure
ergibt  den  Gehalt  des  Weines  an  schwefliger  Säure,  die  an  organische  Weinbestandteile
gebunden  ist.
Anmerkung  2.  Wurde  der  Gesamtgehalt  an  schwefliger  Säure  nach  dem  in  der
Anmerkung  1  beschriebenen  Verfahren  bestimmt,  so  ist  dies  anzugeben.  Es  ist  wünschenswert, ­
  daß  in  jedem  Ealle  die  freie  bezw.  die  an  organische  Bestandteile  gebundene
schweflige  Säure  bestimmt  wird.“
17.  Bestimmung  des  Saccharins  und  Nachweis  von  Dulcin.  „Man  verdampft
100  ccm  Wein  unter  Zusatz  von  ausgewaschenem,  grobem  Sande  in  einer  Porzellanschale
auf  dem  Wasserbade,  versetzt  den  Rückstand  mit  1—2  ccm  einer  30°/ 0 -igen  Phosphorsäurelösung ­
  und  zieht  ihn  unter  beständigem  Auflockern  mit  einer  Mischung  von  gleichen
Eaumteilen  Äther  und  Petroleumäther  bei  mäßiger  Wärme  aus.  Man  filtriert  die  Auszüge ­
  durch  gereinigten  Asbest  in  einen  Kolben  und  fährt  mit  dem  Ausziehen  fort,
bis  man  200—250  ccm  Eiltrat  erhalten  hat.  Hierauf  destilliert  man  den  größten  Teil
der  Äther-Petroleumäthermischung  im  Wasserbade  ab,  führt  die  rückständige  Lösung  aus
dem  Kolben  in  eine  Porzellansohale  über,  spült  den  Kolben  mit  Äther  gut  nach,  verjagt
dann  Äther  und  Petroleumäther  völlig  und  nimmt  den  Rückstand  mit  einer  verdünnten
Lösung  von  Natriumkarbonat  auf.  Man  filtriert  die  Lösung  in  eine  Platinschale,  verdampft ­
  sie  zur  Trockne,  mischt  den  Trockenrüokstand  mit  der  vier-  bis  fünffachen  Menge
festem  Natriumkarbonat  und  trägt  dieses  Gemisch  allmählich  in  schmelzenden  Kalisalpeter
ein.  Man  löst  die  weiße  Schmelze  in  Wasser,  säuert  sie  vorsichtig  (mit  aufgelegtem
Uhrglase)  in  einem  Becherglase  mit  Salzsäure  an  und  fällt  die  aus  dem  Saccharin  entstandene ­
  Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum  in  der  unter  No.  6  vorgesohriebenen  Weise.
Berechnung.  Wurden  bei  der  Verarbeitung  von  100  ccm  Wein  a  Gramm  Baryumsulfat
  gewonnen,  so  sind  enthalten:
x  =  0,7867  a  Gramm  Saccharin  in  100  ccm  Wein.“
Anmerkung  des  Verfassers:
Bevor  man  eine  quantitative  Bestimmung  des  Saccharins  nach  vorstehendem  Verfahren, ­
  dessen  Ausführungsweise  von  Hilger  und  Spaeth  herrührt,  ausführt,  empfiehlt  es
sich,  zunächst  qualitativ  auf  das  Vorhandensein  von  Saccharin  zu  prüfen.  Dies  kann  dadurch
geschehen,  daß  man  den  nach  obigem  Verfahren  gewonnenen  Rückstand  des  Äther-Petrolätherauszuges ­
  auf  seinen  Geschmack  prüft.  Saccharin  ■—  dieselbe  Eigenschaft  zeigt  aber
auch  Dulcin  —  läßt  sich  durch  den  stark  süßen  Geschmack  noch  in  sehr  geringen  Mengen
scharf  erkennen.  Zur  Erkennung  des  Dulcins  soll  man  nach  C.  Morpurgo 1 )  den  Ätherrückstand ­
  mit  2  Tropfen  Phenol  und  2  Tropfen  konz.  Schwefelsäure  kurze  Zeit  erwärmen,
zu  der  bräunlich-roten,  sirupartigen  Elüssigkeit  einige  ccm  Wasser  hinznfügen  und  zu
dieser  Mischung,  nachdem  sie  in  ein  Reagensglas  umgefüllt  und  erkaltet  ist,  ein  wenig
Ammoniak  oder  wässerige  Natronlauge  zufließen  lassen.  Das  Erscheinen  einer  blauen  oder

L )  Chem.-Ztg.  1893,  17,  Repert.  135.
        <pb n="798" />
        Wein.

777

veilchenblauen  Zone  an  der  Berührungsfläche  beider  Flüssigkeiten  soll  die  Anwesenheit
des  Dulcins  beweisen.
Zum  Nachweise  von  Saccharin  kann  auch  die  Überführung  desselben  in  Salizylsäure
und  der  Nachweis  der  letzteren  dienen.  Der  in  der  oben  angegebenen  Weise  erhaltene
Rückstand  des  Äther-Petrolätherauszuges  wird  mit  wenig  Natronlauge  auf  dem  Wasserhade
zur  Trockne  verdampft  und  mit  3 / a —1  g  Ätznatron  1 / 2  Stunde  im  Silbertiegel  (am  besten
im  Olbade)  bei  250°  geschmolzen.  Die  mit  Wasser  aufgenommene  und  mit  Schwefelsäure
angesäuerte  Schmelze  zieht  man  mit  Äther  aus,  verdampft  diesen  und  prüft  den  Rückstand
mit  Bisenchloridlösung  auf  Salizylsäure.
Selbstverständlich  muß  man  sich  vorher  durch  Prüfen  des  Rückstandes  des  Äther-Petrolätherauszuges
  mit  Eisenchloridlösung  von  der  Abwesenheit  von  Salizylsäure  in  dem
Weine  überzeugt  haben.  Ist  in  dem  Weine  Salizylsäure  vorhanden,  so  schmilzt  man  den
Rückstand  des  Äther-Petrolätherauszuges  mit  Soda  und  Salpeter  und  prüft  die  Schmelze
auf  Schwefelsäure,  die  sich  bei  Anwesenheit  von  Saccharin  aus  der  Sulfogruppe  des
Saccharins  bildet.
Über  weitere  Verfahren  zum  qualitativen  Nachweis  von  Saccharin  siehe  K.  Windisch
1.  c.  S.  141.
18.  Nachweis  der  Salizylsäure.  „50  ccm  Wein  werden  in  einem  zylindrischen
Soheidetriohter  mit  50  ccm  eines  Gemisches  aus  gleichen  Raumteilen  Äther  und  Petroleumäther ­
  versetzt  und  mit  der  Vorsicht  häufig  umgeschüttelt,  daß  keine  Emulsion  entsteht,
aber  doch  eine  genügende  Mischung  der  Flüssigkeiten  stattfindet.  Hierauf  hebt  man  die
Äther-Petroleumätherschioht  ab,  filtriert  sie  durch  ein  trockenes  Filter,  verdunstet  das
Äthergemisch  auf  dem  Wasserbade  und  versetzt  den  Rückstand  mit  einigen  Tropfen
Eisenchloridlösung.  Eine  rotviolette  Färbung  zeigt  die  Gegenwart  von  Salizylsäure  an.
Entsteht  dagegen  eine  schwarze  oder  dunkelbraune  Färbung,  so  versetzt  man  die
Mischung  mit  einem  Tropfen  Salzsäure,  nimmt  sie  mit  Wasser  auf,  schüttelt  die  Lösung
mit  Äther-Petroleumäther  aus  und  verfährt  mit  dem  Auszug  nach  der  oben  gegebenen
Vorschrift.“
19.  Nachweis  von  arabischem  Gummi  und  Dextrin.  „Man  versetzt  4  ccm  Wein
mit  10  ccm  Alkohol  von  96  Maßprozent.  Entsteht  hierbei  nur  eine  geringe  Trübung,
welche  sich  in  Flocken  absetzt,  so  ist  weder  Gummi  noch  Dextrin  anwesend.  Entsteht
dagegen  ein  klumpiger,  zäher  Niederschlag,  der  zum  Teil  zu  Boden  fällt,  zum  Teil  an
den  Wandungen  des  Gefäßes  hängen  bleibt,  so  muß  der  Wein  nach  dem  folgenden  Verfahren ­
  geprüft  werden.“
„100  ccm  Wein  werden  auf  etwa  5  ccm  eingedampft  und  unter  Umrühren  so  lange
mit  Alkohol  von  90  Maßprozent  versetzt,  als  noch  ein  Niederschlag  entsteht.  Nach
2  Stunden  filtriert  man  den  Niederschlag  ab,  löst  ihn  in  30  ccm  Wasser  und  führt  die
Lösung  in  ein  Kölbchen  von  etwa  100  ccm  Inhalt  über.  Man  fügt  1  ccm  Salzsäure  von
1,12  spezifischem  Gewicht  hinzu,  verschließt  das  Kölbchen  mit  einem  Stopfen,  durch
welchen  ein  1  m  langes,  beiderseits  offenes  Rohr  führt,  und  erhitzt  das  Gemisch  3  Stunden
im  kochenden  Wasserbade.  Nach  dem  Erkalten  wird  die  Flüssigkeit  mit  Sodalösung
alkalisch  gemacht,  auf  ein  bestimmtes  Maß  verdünnt  und  der  entstandene  Zucker  mit
Fehlingscher  Lösung  nach  dem  unter  No.  10  beschriebenen  Verfahren  bestimmt.  Der
Zucker  ist  aus  zugesetztem  Dextrin  oder  arabischem  Gummi  gebildet  worden;  Weine
ohne  diese  Zusätze  geben,  in  der  beschriebenen  Weise  behandelt,  höchstens  Spuren  einer
Zuckerreaktion.“
Anmerkung  des  Verfassers:
Um  zu  entscheiden,  ob  einem  Weine  Dextrin  oder  Gummi  zugesetzt  ist,  benutzt
man  die  wässerige  Lösung  des  durch  den  Alkoholzusatz  entstandenen  Niederschlages,  die
bei  Gegenwart  von  Dextrin  rechtsdrehend,  dagegen  bei  Anwesenheit  von  arabischem  Gummi
linksdrehend  ist.  Die  Lösung  der  aus  dem  Gummi  durch  Erhitzen  mit  Salzsäure  entstehenden ­
  Galaktose  dreht  stärker  rechts,  als  die  aus  dem  Dextrin  gebildete  Glukose.  Ein
■weiteres  Unterscheidungsmittel  von  Gummi  und  Dextrin  bildet  das  Verhalten  gegen  Bleiossig, ­
  durch  welchen  Gummi  aus  seinen  Lösungen  gefällt  wird,  Dextrin  aber  nicht.
        <pb n="799" />
        778

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

20.  Bestimmung  des  Gerbstoffes.
a)  Schätzung  des  Gerbstoffgehaltes.  „In  100  ccm  von  Kohlensäure  befreitem
Weine  werden  die  freien  Säuren  mit  einer  titrierten  Alkalilösung
bis  auf  0,5  g  in  100  ccm  Wein  abgestumpft,  sofern  die  Bestimmung
nach  II.  No.  6  einen  höheren  Betrag  ergehen  hat.  Nach  Zugabe
von  1  ccm  einer  40  # / 0 -igen  Natriumaoetatlösung  läßt  man  eine
:  10  °/ 0 -ige  Eisenchloridlösung  tropfenweise  so  lange  hinzufließen,  bis
kein  Niederschlag  mehr  entsteht.  Ein  Tropfen  der  10  °/ 0 -igen
Eisenchloridlösung  genügt  zur  Ausfällung  von  0,06  g  Gerbstoff,
j  b)  Bestimmung  des  Gerbstoffgehaltes.  Die  Bestimmung
des  Gerbstoffes  kann  nach  einem  der  üblichen  Verfahren  erfolgen;
I  das  angewandte  Verfahren  ist  in  jedem  Falle  anzugeben.“
i  Anmerkung  des  Verfassers:
1.  Zur  annähernden  quantitativen  Bestimmung  des  Gerb-I
  Stoffes  im  Wein  kann  das  Verfahren  von  J.  Neßler  und  M.  Barth 1 )
I  dienen,  welches  auf  der  Messung  des  Volumens  des  schwarzen
i  Niederschlages  von  gerbsaurem  Eisenoxyd  in  eigens  für  diesen
Zweck  konstruierten,  kalibrierten  Röhrchen  beruht,  welche  in  ihrem
■  unteren  Teil  verengt  und  in  Zehntelkubikzentimeter  geteilt  sind
(vergl.  Eig.  298).  Setzt  sich  der  Niederschlag  ab,  dann  sind  je
3  3  ccm  Niederschlag  nach  24  Stunden  annähernd  entsprechend  0,10  °/ 0
Fig.  298.  Gerbstoff.
c./f 8 «*?" 1  fur  Demnach  läßt  sich  für  die  annähernde  Ermittelung  des
Gerbstoff-Bestimmungen.  b
*/,  natürl.  Größe.  üerbstofigehaltes  aus  der  Menge  des  nach  24  Stunden  abgesetzten
Eisenuiederschlages  folgende  Tabelle  zusammeustellen: 2 )

ccm  Niederschlag
nach  24  Stunden

Gerbstoffgehalt  des
Weines
01
Io

ccm  Niederschlag
nach  24  Stunden

Gerbstoffgehalt  des
Weines
0'
10

0,1

0,003

1,0

0,033

0,2

0,007

2,0

0,066

0,3

0,010

3,0

0,10

0,4

0,013

4,0

0,13

0,5

0,017

5,0

0,17

0,6

0,020

6,0

0,20

0,7

0,023

9,0

0,30

0,8
0,9

0,027
0,030

12,0

0,40

Setzt  sich  der  Niederschlag  aus  irgend  einem  Grunde  nicht  ab,  dann  ist  eine  Vergleichsprüfung ­
  der  Farbenstärke  oder  Undurchsichtigkeit  mit  Flüssigkeiten  von  bekanntem ­
  Gerbstoffgehalt  vorzunehmen.  In  dem  in  Fig.  298  abgebildeten  Gläschen  nach
obigem  Verfahren  angestellte  Versuche  haben  nachstehende  Anhaltspunkte  für  die  Schätzung

*)  Bei  manchen  Weinen  scheidet  sich  nach  Barth  neben  der  schwarzen  Gerbstoffverbindung ­
  des  Eisens  ein  voluminöser,  gallertartig  grauer  Niederschlag  aus;  derselbe
scheint  zum  Teil  aus  Eisenverbindungen  pektinartiger  Körper  zu  bestehen  (der  Phosphorsäuregehalt ­
  des  Weines  allein  bedingt  ihn  nicht),  wenigstens  läßt  sich  die  Bildung  dieses
Niederschlages  völlig  umgehen,  wenn  man  vorher  eine  Alkoholfällung  in  der  Weise  vornimmt, ­
  daß  man  12  ccm  Wein  mit  30  com  Weingeist  versetzt,  umschüttelt,  nach  dem  Absetzen ­
  des  Niederschlages  35  ccm  (entsprechend  10  ccm  ursprünglichem  Weine)  abfiltriert,
auf  etwa  6  ccm  eindunstet,  mit  Wasser  auf  10  ccm  bringt  und  nun  behandelt,  wie  oben
angegeben.
2 )  Vergl.  M.  Barth,  Weinanalyse  1884,  29.
        <pb n="800" />
        Wein.

779

des  Gerbstoffgehaltes  ergeben.  Die  Eisenniedersohläge  wurden  durch  Aufschütteln  gleichmäßig ­
  in  der  Flüssigkeit  verteilt  und  es  zeigten  sich:
bei  0,05  °/ 0  Gerbstoffgehalt  die  oberen  18  mm  dicken  Plüssigkeitsschichten  völlig  undurchsichtig, ­
  die  unteren  8  mm  dicken  Flüssigkeitsschichten  nur  äußerst  schwach
durchscheinend;
„  0,02  „  Gerbstoff  obere  Schichten  durchscheinend,  untere  durchsichtig;
„  0,01  „  obere  und  untere  Schichten  deutlich  durchsichtig;  die  Flüssigkeit  dunkelblaugrau;
„  0,005  „  die  Flüssigkeit  lichtblaugrau;
„  0,002  „  „  „  noch  deutlich  grünlichgelb;
„  0,001  „  „  „  sehr  schwach  grünlichgelb.
Weine  mit  mehr  als  0,05  °/ 0  Gerbstoff,  bei  denen  sich  die  Gerbstoffniederschläge  nach
24  Stunden  nicht  völlig  absetzen,  sind  mit  gemessenen  Mengen  Wasser  so  weit  zu  verdünnen, ­
  bis  ihr  Gerbstoffgehalt  innerhalb  der  aufgeftihrten  Zahlenwerte  liegt.
Bei  Rotweinen  mit  hohem  Gerbstoffgehalt  führt  man  die  Fällung  des  Gerbstoffes  als
Eisenoxydsalz  am  besten  zunächst  in  graduierten  Zylindern  zu  25  ccm  aus,  erleichtert  das
Absetzen  des  Niederschlages  alsbald  durch  Verdünnen  von  11  auf  22  ccm,  und  erst,  wenn
er  sich  auch  dann  nicht  absetzen  mag,  nimmt  man  mit  dem  entsprechend  verdünnten
Wein  eine  kolorimetrische  oder  opakimetrische  Yergleichsprüfung  in  dem  oben  beschriebenen
Gläschen  vor.
Genauere  Ergebnisse  erhält  man  nach  dem  Oxydationsverfahren  von  Neubauer-Loewenthal
 1 ),  bei  welchem  die  Gerb-  und  Farbstoffe  des  Weines  in  der  Kälte  durch
Kaliumpermanganat  in  schwefelsaurer  Lösung  oxydiert  werden.
Bezüglich  der  Ausführung  dieser  sowie  anderer  Verfahren  zur  Qerbstoffbestimmung
im  Wein  muß  auf  die  Quellen  oder  auf  die  ausführlicheren  Werke,  wie  des  Verfassers
Chemie  der  menschlichen  Nahrungs-  und  Genußmittel,  Berlin  bei  Julius  Springer,  oder
K.  Windisch  (1,  c.  S.  165ff.)  verwiesen  werden  (vergl.  auch  S.  715).
2.  Nach  M.  Barth 1  2 )  enthalten  Tresterweine  verhältnismäßig  mehr  Gerbsäure
als  Traubenweine,  welche  den  Extraktgehalt  einseitig  und  unzulässig  erhöht.  Die  Tresterextraktbestandteile ­
  entsprechen  mindestens  dem  5-fachen  Betrage  der  aus  den  Trestern  in
Lösung  gehenden  Qerbstoffmenge,  Barth  forderte  daher  (1899),  daß  bei  solchen  Weinen,
die  im  Wege  einer  normalen  Kellerbehandlung  einen  Teil  ihres  Extraktes  der  Auslaugung
von  Trester  verdanken,  nach  Abzug  der  5-fachen  Menge  des  Gerbstoffgehaltes  vom  Gesamtextrakt ­
  noch  ein  Rest  verbleiben  muß,  welcher  der  Forderung  der  Bekanntmachung
des  Bundesrates  vom  29.  April  1892  entspricht,  also  1,5  g  Extraktrest  zeigt;  verbleibt
nach  Abzug  der  5-fachen  Menge  des  Gerbstoffgehaltes  vom  Gesamtextrakt  weniger  als
1,5  g  Extraktrest,  so  liegen  Tresterweine  bezw.  Gemische  von  diesen  mit  Traubenweinen
vor.  Dieser  Vorschlag  M.  Barths  scheint,  abgesehen  davon,  daß  die  Grenze  für  den
Extrakt  jetzt  1,6  g  in  100  ccm  beträgt,  bis  jetzt  keine  allgemeine  Berücksichtigung  gefunden
zu  haben.
21.  Bestimmung  des  Chlors.  „Man  läßt  50  ccm  Wein  aus  einer  Pipette  in  ein
Becherglas  fließen,  macht  ihn  mit  einer  Lösung  von  Natriumkarbonat  alkalisch  und  erwärmt ­
  das  Gemisch  mit  aufgedecktem  Uhrglase  bis  zum  Aufhören  der  Kohlensäureentwickelung. ­
  Den  Inhalt  des  Becherglases  bringt  man  in  eine  Platinschale,  dampft  ihn
ein,  verkohlt  den  Rückstand  und  verascht  genau  in  der  bei  der  Bestimmung  der  Mineralbestandteile ­
  (No.  4)  angegebenen  Weise.  Die  Asche  wird  mit  einem  Tropfen  Salpetersäure
befeuchtet,  mit  warmem  Wasser  ausgezogen,  die  Lösung  in  ein  Beoherglas  filtriert  und
unter  Umrnhren  so  lange  mit  Silbernitratlösung  (1  Teil  Silbernitrat  in  20  Teilen  Wasser
gelöst)  versetzt,  als  noch  ein  Niederschlag  entsteht.  Man  erhitzt  das  Gemisch  kurze  Zeit
im  Wasserbade,  läßt  es  an  einem  dunklen  Orte  erkalten,  sammelt  den  Niederschlag  auf
einem  Filter  von  bekanntem  Aschengehalte,  wäscht  denselben  mit  heißem  Wasser  bis  zum
Verschwinden  der  sauren  Reaktion  aus  und  trocknet  den  Niederschlag  auf  dem  Filter  bei
100°.  Das  Filter  wird  in  einem  gewogenen  Porzellantiegel  mit  Deckel  verbrannt.  Nach
1 )  Annal.  Oenol.  1873,  2,  1.
2 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1899,  2,  106.
        <pb n="801" />
        780

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

dem  Erkalten  benetzt  man  das  Chlorsilber  mit  einem  Tropfen  Salzsäure,  erhitzt  vorsichtig
mit  aufgelegtem  Deckel,  bis  die  Säure  verjagt  ist,  steigert  hierauf  die  Hitze  bis  zum
beginnenden  Schmelzen,  läßt  sodann  das  Ganze  im  Exsikkator  erkalten  und  wägt.
Berechnung.  Wurden  aus  50  ccm  Wein  a  Gramm  Chlorsilber  erhalten,  so  sind
enthalten:
x  =  0,4945  a  Gramm  Chlor  in  100  ccm  Wein,  oder
y  =  0,816  a  Gramm  Chlornatrium  in  100  ccm  Wein.“
22.  Bestimmung  der  Phosphorsäure.  „50  ccm  Wein  werden  in  einer  Platinschale
  mit  0,5—1,0  g  eines  Gemisches  von  1  Teil  Salpeter  und  3  Teilen  Soda  versetzt  und
zur  dickflüssigen  Beschaffenheit  verdampft.  Der  Rückstand  wird  verkohlt,  die  Kohle  mit
verdünnter  Salpetersäure  ausgezogen,  der  Auszug  abfiltriert,  die  Kohle  wiederholt  ausgewaschen ­
  und  schließlich  samt  dem  Eilter  verascht.  Die  Asche  wird  mit  Salpetersäure  befeuchtet, ­
  mit  heißem  Wasser  aufgenommen  und  zu  dem  Auszuge  in  ein  Beoherglas  von
200  ccm  Inhalt  filtriert;  zu  der  Lösung  setzt  man  ein  Gemisch 1 )  von  25  ccm  Molybdänlösung ­
  (150  g  Ammoniummolybdat  in  l°/ 0 -igem  Ammoniak  zu  1  1  gelöst)  und  25  ccm
Salpetersäure  von  1,2  spezifischem  Gewicht  und  erwärmt  auf  einem  Wasserbade  auf  80°,
wobei  ein  gelber  Niederschlag  von  Ammoniumphosphomolybdat  entsteht.  Man  stellt  die
Mischung  6  Stunden  an  einen  warmen  Ort,  gießt  dann  die  über  dem  Niederschlage
stehende  klare  Flüssigkeit  durch  ein  Filter,  wäscht  den  Niederschlag  4—5  mal  mit  einer
verdünnten  Molybdänlösung  (erhalten  durch  Vermischen  von  100  Baumteilen  der  oben
angegebenen  Molybdänlösung  mit  20  Eaumteilen  Salpetersäure  von  1,2  spezifischem  Gewicht
und  80  Raumteilen  Wasser  aus),  indem  man  stets  den  Niederschlag  absetzen  läßt  und  die
klare  Flüssigkeit  durch  das  Filter  gießt.  Dann  löst  man  den  Niederschlag  im  Beoherglase
  in  konzentriertem  Ammoniak  auf  und  filtriert  durch  dasselbe  Filter,  durch  welches
vorher  die  abgegossenen  Flüssigkeitsmengen  filtriert  wurden.  Man  wäscht  das  Becherglas
und  das  Filter  mit  Ammoniak  aus  und  versetzt  das  Filtrat  vorsichtig  unter  Umrühren
mit  Salzsäure,  solange  der  dadurch  entstehende  Niederschlag  sich  noch  löst.  Nach  dem
Erkalten  fügt  man  5  ccm  Ammoniak  und  langsam  und  tropfenweise  unter  Umrühren
6  ccm  Magnesiamischung  (68  g  Chlormagnesium  und  165  g  Chlorammonium  in  Wasser
gelöst,  mit  260  ccm  Ammoniak  von  0,96  spezifischem  Gewicht  versetzt  und  auf  1  1  aufgefüllt) ­
  zu  und  rührt  mit  einem  Glasstabe  um,  ohne  die  Wandung  des  Becherglases  zu
berühren.  Den  entstehenden  kristallinischen  Niederschlag  von  Ammonium-Magnesiumphosphat ­
  läßt  man  nach  Zusatz  von  40  ccm  Ammoniaklösung  24  Stunden  bedeckt  stehen.
Hierauf  filtriert  man  das  Gemisch  durch  ein  Filter  von  bekanntem  Aschengehalte  und
wäscht  den  Niederschlag  mit  verdünntem  Ammoniak  (1  Teil  Ammoniak  von  0,96  spezifischem
Gewicht  und  3  Teile  Wasser)  aus,  bis  das  Filtrat  in  einer  mit  Salpetersäure  angesäuerten
Silberlösung  keine  Trübung  mehr  hervorbringt.  Der  Niederschlag  wird  auf  dem  Filter
getrocknet  und  letzteres  in  einem  gewogenen  Platintiegel  verbrannt.  Nach  dem  Erkalten
befeuchtet  man  den  aus  Magnesiumpyrophosphat  bestehenden  Tiegelinhalt  mit  Salpetersäure, ­
  verdampft  dieselbe  mit  kleiner  Flamme,  glüht  den  Tiegel  stark,  läßt  ihn  im  Exsikkator
erkalten  und  wägt.
Berechnung.  Wurden  aus  50  ccm  Wein  a  Gramm  Magnesiumpyrophosphat  erhalten, ­
  so  sind  enthalten;
x  =  1,2751  a  Gramm  Phosphorsäureanhydrid  (P 2 0 5 )  in  100  com  Wein.“
23.  Nachweis  der  Salpetersäure.  1,  In  Weißweinen,  a)  „10  com  Wein  werden
entgeistet,  mit  Tierkohle  entfärbt  und  filtriert.  Einige  Tropfen  des  Filtrates  läßt  man  in
ein  Porzellanschälchen,  in  welchem  einige  Körnchen  Diphenylamin  mit  1  ccm  konzentrierter
Schwefelsäure  übergossen  worden  sind,  so  einfließen,  daß  sich  die  beiden  Flüssigkeiten
nebeneinander  lagern.  Tritt  an  der  Berührungsfläche  eine  blaue  Färbung  auf,  so  ist
Salpetersäure  in  dem  Weine  enthalten.
*)  Die  Molybdänlösung  ist  in  die  Salpetersäure  zu  gießen,  nicht  umgekehrt,  da
anderenfalls  eine  Ausscheidung  von  Molybdänsäure  stattfindet,  die  nur  schwer  wieder  in
Lösung  zu  bringen  ist.
        <pb n="802" />
        Wein.

781

b)  Zum  Nachweis  kleinerer  Mengen  von  Salpetersäure,  welche  bei  der  Prüfung  nach
No.  23  unter  la  nicht  mehr  erkannt  werden,  verdampft  man  100  com  Wein  in  einer
Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  zum  dünnen  Sirup  und  fügt  nach  dem  Erkalten  so
lange  absoluten  Alkohol  zu,  als  noch  ein  Niederschlag  entsteht.  Man  filtriert,  verdampft
das  Filtrat,  bis  der  Alkohol  vollständig  verjagt  ist,  versetzt  den  Rückstand  mit  Wasser
und  Tierkohle,  verdampft  das  Gemisch  auf  etwa  10  ccm,  filtriert  dasselbe  und  prüft  das
Filtrat  nach  No.  23  unter  la.
2.  In  Rotweinen.  100  ccm  Rotwein  versetzt  man  mit  6  com  Bleiessig  und
filtriert.  Zum  Filtrate  gibt  mau  4  ccm  einer  konzentrierten  Lösung  von  Magnesiumsulfat
und  etwas  Tierkohle.  Ulan  filtriert  nach  einigem  Stehen  und  prüft  das  Filtrat  nach  der
in  No.  23  unter  la  gegebenen  Vorschrift.  Entsteht  hierbei  keine  Blaufärbung,  so  behandelt
man  das  Filtrat  nach  der  in  No.  23  unter  1b  gegebenen  Vorschrift.
Anmerkung.  Alle  zur  Verwendung  gelangenden  Stoffe,  auch  das  Wasser  und  die
Tierkohle,  müssen  zuvor  auf  Salpetersäure  geprüft  werden;  Salpetersäure  enthaltende  Stoffe
dürfen  nicht  angewendet  werden.“
Anmerkung  des  Verfassers:
Soll  die  Salpetersäure  im  Weine  quantitativ  bestimmt  werden,  so  verfährt  man  am
besten  nach  dem  Verfahren  von  Sohulze-Tiemann.  Vergl.  darüber  unter  Salpetersäurehestimmung ­
  S.  144  und  unter  „Wasser“.
24  und  25.  Nachweis  von  Baryum  und  Strontium.  „100  ccm  Wein  werden
eingedampft  und  in  der  unter  No.  4  angegebenen  Weise  verascht.  Die  Asche  nimmt  man
mit  verdünnter  Salzsäure  auf,  filtriert  die  Lösung  und  verdampft  das  Filtrat  zur  Trockne.
Das  trockne  Salzgemenge  wird  spektroskopisch  auf  Baryum  und  Strontium  geprüft.  Ist
durch  die  spektroskopische  Prüfung  das  Vorhandensein  von  Baryum  oder  Strontium  festgestellt, ­
  so  ist  die  quantitative  Bestimmung  derselben  auszuführen  (vergl,  S.  106  u.  107).“
26.  Bestimmung  des  Kupfers.  „Das  Kupfer  wird  in  1 / 2 —1  1  Wein  elektrolytisch
bestimmt.  Das  auf  der  Platinelektrode  abgeschiedene  Metall  ist  nach  dem  Wägen  in
Salpetersäure  zu  lösen  und  in  üblicher  Weise  auf  Kupfer  zu  prüfen.“
C.  Sonstige  Bestimmungen.
Für  eine  Reihe  von  Untersuchungsverfahren  des  Weines  sind  in  der  amtlichen
Anweisung  keine  Vorschriften  gegeben  worden.  Soweit  dieselben  nicht  oben  bereits  im
Anschlüsse  an  die  einzelnen  Vorschriften  der  amtlichen  Anweisung  Berücksichtigung  gefunden ­
  haben,  sollen  im  nachfolgenden  noch  diejenigen  Verfahren  beschrieben  werden,
■welche  bei  der  Untersuchung  des  Weines  häufiger  angewendet  werden,  während  bezüglich
der  sonstigen,  seltener  vorkommenden  Bestimmungen  auf  die  ausführlicheren  Werke  verwiesen ­
  werden  muß.
1.  Bestimmung  des  Gesamtstickstoffs.  Die  Bestimmung  des  Gesamtstickstoffs
im  Weine  erfolgt  nach  dem  Verfahren  von  Kjeldahl.
50  ccm  Wein  (bei  Süßwein  25  ccm)  werden  anfangs  vorsichtig  mit  kleiner  Flamme,
später  auf  dem  Wasserbade  bis  zum  dünnen  Sirup  im  Kjeldahl-Kolben  eingedampft;  darauf
setzt  man  20  com  Schwefelsäure  usw.  zu  und  verfährt  im  übrigen  wie  oben  S.  138.
Zuckerreiche  Weine  läßt  man  zweckmäßig  wie  Bier  (S.  734)  vorher  mit  einer  Spur  Hefe
vergären,  wobei  nötigenfalls  der  in  der  Hefe  zugesetzte  Stickstoff  berücksichtigt  werden  muß.
2.  Nachweis  und  Bestimmung  der  Borsäure,  a)  Nachweis  derBorsäure.
50  ccm  Wein  werden  in  einer  Platinschale  eingedampft  und  verascht.  Die  Asche  wird
mit  10  ccm  Wasser  aufgenommen  und  die  Lösung  mit  2  ccm  Salzsäure  versetzt.  Darauf
taucht  man  einen  Streifen  gelbes  Kurkumapapier  in  die  Lösung  und  trocknet  das  Papier
a uf  einem  Uhrglase  bei  100°.  Bei  Gegenwart  von  Borsäure  nimmt  das  Kurkumapapier
nach  4—5  Minuten  eine  braunrote  Farbe  an,  die  durch  Aufträgen  eines  Tropfens  verdünnter
Natriumkarbonatlösung  in  blauschwarz  übergeht.  (Vergl.  S.  480.)
b)  Bestimmung  der  Borsäure.  Da  geringe  Mengen  von  Borsäure  als  normale
Weinbestandteile  ermittelt  worden  sind,  so  ist  es  zur  Beurteilung,  ob  ein  Zusatz  von
Borsäure  stattgefunden  hat,  bei  starker  qualitativer  Reaktion  notwendig,  die  Borsäure
        <pb n="803" />
        782

\  Obst-  und  Beerenfrücbte  sowie  deren  Erzeugnisse.

quantitativ  zu  bestimmen.  Das  kann  wie  in  der  Milch  S.  480  geschehen.  Auf  die  Verfahren ­
  von  Th.  Kosenblatt 1 )  und  P.  A.  Gooch 8 )  sei  nur  verwiesen.
3.  Nachweis  von  Pluor  wie  bei  Milch  S.  482  oder  Bier  S.  737  bezw.-  S.  747.
4.  Nachweis  von  Wismut.  Wismut  muß  in  der  salzsauren  Lösung  der  Asche
durch  Schwefelwasserstoff  nachgewiesen  werden;  ein  hierdurch  entstandener  brauner  Niederschlag ­
  deutet  auf  Schwefelwismut.  Derselbe  kann  höchstens  noch  Kupfer  —  Blei  ist  wohl
nicht  anznnehmen  —  einschließen  und  ist  davon  nach  den  bekannten  Verfahren  zu  trennen.
Zur  quantitativen  Bestimmung  des  Wismuts  löst  man  das  Schwefelwisraut  in  Salpetersäure,
fällt  mit  kohlensaurem  Ammon  und  wägt  dasselbe  nach  dem  Glühen  als  Wismutoxyd
(Bi 2 0 3 ).  Man  kann  es  aus  der  tunlichst  neutralisierten  Lösung  auch  durch  Pallen  mit
Kaliumbichromat  als  Bismutylchromat  [(Bi0). 2 Cr 2 0 7 ]  bestimmen;  dasselbe  wird  auf  einem
gewogenen  Filter  gesammelt  und  bei  120°  getrocknet,
5.  Die  Bestimmung  von  Eisenoxyd,  Manganoxyd,  Kalk,  Magnesia,  Kali,
Natron  usw.
Die  Bestimmung  dieser  Bestandteile  erfolgt  in  der  nach  No.  4,  S.  762  hergestellten
Asche,  jedoch  nötigenfalls  unter  Verwendung  einer  größeren  Menge  Wein  nach  den  bekannten ­
  Verfahren  der  quantitativen  anorganischen  Analyse.  Vergl.  Untersuchung  der
Pflanzenaschen  S.  200.  K.  Windisch  weist  das  Eisen  im  Wein  qualitativ  dadurch
nach,  daß  er  10  ccm  Wein  in  einem  Probierröhrchen  zur  Oxydation  von  Eisenoxydulverbindungen ­
  erst  kräftig  mit  Luft  schüttelt,  darauf  die  Säure  bis  auf  0,6  g  in  100  com
mit  Alkali  abstumpft,  1  ccm  einer  40°/ 0 -igen  Lösung  von  Natriumacetat  und  etwa  1  ccm
einer  1  °/ 0 -igen  Tanninlösung  zugibt  und  schüttelt.  Bei  Anwesenheit  von  Eisen  tritt  Blaufärbung ­
  auf.

D.  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  des  Weines.
1.  Beurteilung  des  Weines  nach  Maßgabe  des  Weingesetzes.  Auf  Grund  des
Weingesetzes  vom  24.  Mai  1901  ist  „Wein  das  durch  alkoholische  Gärung  aus  dem  Safte
der  Weintraube  hergestellte  Getränk“.  Das  Gesetz  erstreckt  sich  dann  weiter  auf  einige
erlaubte  Arten  der  Weinbehandlung,  auf  verbotene  Herstellungsverfahren  und  auf  verbotene ­
  Zusätze.  Die  Bestimmungen  des  Gesetzes  hierüber  müssen  bei  der  Beurteilung  eines
Weines  berücksichtigt  werden  und  bedürfen  noch  einiger  Erläuterungen. *  2  3  *  * )
Erlaubte  Arten  der  Weinbehandlung.  Nach  Maßgabe  des  neuen  Weingesetzes  sind
erlaubt,  d.  h.  im  Sinne  des  §  10  des  Nahrungsmittelgesetzes  vom  14.  Mai  1879  nicht  als
Verfälschung  oder  Nachahmung  anzusehen:
1.  Die  anerkannte  Kellerbehandlung  einschließlich  der  Haltbarmachung,  auch
wenn  dabei  Alkohol  oder  geringe  Mengen  von  mechanisch  wirkenden  Klärungsmitteln
(Eiweiß,  Gelatine,  Hausenblase  und  desgl.),  von  Tannin,  Kohlensäure,  schwefliger  Säure
in  den  Wein  gelangen.  Jedoch  darf  die  Menge  des  zugesetzten  Alkohols  nicht  mehr  als
1  Volumprozent  (1  Kaumteil  auf  100  Raumteile  Wein)  betragen;  nur  Dessertweinen  (Süd-Süßweiuen)
  darf  mehr  Alkohol  zugesetzt  werden.
Anmerkung.  Der  Nachweis  eines  höheren  Alkoholzusatzes  ist  oft  sehr  schwer;  er
gründet  sich  hauptsächlich  auf  das  innerhalb  weiter  Grenzen  schwankende  Alkohol-Glyzerinverhältnis. ­

Es  gibt  noch  verschiedene  andere  Kellerbehandlungen.  Die  Präge,  ob  sie  erlaubt  oder
unerlaubt  sind,  hängt  wesentlich  davon  ab,  ob  sie  zu  den  „anerkannten“  Kellerbehandlungen ­
  gehören.
2.  Der  Verschnitt  von  Wein  mit  Wein,  auch  von  Rotwein  mit  Weißwein;  der
Verschnitt  darf  als  Rotwein  verkauft  werden.
3.  Die  Entsäuerung  des  Weines  mit  reinem  gefälltem  kohlensaurem  Kalk.

J )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1887,  26.  18.
2 )  Analyst  1887,  12,  92  u.  132.
3 )  loh  folge  hierin  vorwiegend  den  Ausführungen  von  K.  Windisch,  Das  Weingesetz ­
  vom  24.  Mai  1901,  Berlin  1902,  und  Untersuchung  von  Most  und  Wein  für  Praktiker,
Wiesbaden  1904,  289.
        <pb n="804" />
        Wein.

783

4.  Der  Zusatz  von  technisch  reinem  Rohrzucker,  Rübenzucker,  Invertzucker ­
  und  technisch  reinem  Stärkezucker,  auch  in  wässeriger  Lösung,  unter
folgenden  Bedingungen:
a)  Der  Zusatz  darf  nur  erfolgen,  um  den  Wein  zu  verbessern;  er  darf  also  nur  bei  wirklich
verbesserungsbedürftigen  (zu  sauren  oder  zu  zuckerarmen)  Mosten  stattflnden.
b)  Durch  den  Zusatz  darf  die  Menge  des  Weines  nicht  erheblich  vermehrt  werden.
Es  muß  also  die  Eigenart  des  Weines  erhalten  bleiben,  und  insofern  setzt  sich
der  Zusatz  von  Zuckerwasser  (das  Gallisieren)  von  selbst  eine  Grenze.  Im  übrigen
sind  Punkt  a  und  b  je  nach  Lage  des  einzelnen  Palles  zu  beurteilen.
c)  Der  gezuckerte  .Wein  darf
1.  nach  seiner  Beschaffenheit,
2.  nach  seiner  chemischen  Zusammensetzung,
3.  namentlich  auch  in  seinem  Extrakt  und  Mineralstoffgehalt
nicht  unter  den  Durchschnitt  der  ungezuckerten  Weine  des  Weinbaugebietes,  dem  der
Wein  nach  seiner  Benennung  entsprechen  soll,  herabgesetzt  werden.
Anmerkung.  Zur  Beurteilung,  ob  dieser  Eorderung  Genüge  geleistet  ist,  muß
neben  der  Zusammensetzung  des  fraglichen  Weines  auch  die  mittlere  chemische  Zusammensetzung ­
  der  Naturweine  des  betreffenden  Weinbaugebietes  und  Jahrganges  bekannt  sein.
Für  letzteren  Zweck  soll  und  kann  die  seit  Jahren  veröffentlichte  sog.  Weinstatistik
dienen.
Nach  den  Ausführungsbestimmungen  des  Bundesrates  vom  2.  Juli  1901  dürfen
durch  die  Zuckerung  des  Mostes  (Zusatz  von  Zuckerwasser)  die  Bestandteile  des  Weines
nicht  unter  folgende  Grenzzahlen  für  100  ccm  sinken:
_  .  _  .  ,  ,  Extrakt  nach  Abzug  der  ,  .  _
Gesamt-Extrakt  nichtflüchtigen  Säure  GesamtS äure  Mineralstoffe
Weißwein  ....  1,6  g  1,1  g  1,0  g  0,13  g
Rotwein  .  ...  1,7  „  1,3  „  1,2  „  0,16  „
Bezüglich  dieser  Grenzzahlcn  ist  Folgendes  zu  beachten:
«)  Die  Grenzzahlen  gelten  nur  für  gezuckerte  (gallisierte)  Weine,  nicht  für
Naturweine.  Letztere  können  auch  in  den  Handel  gebracht  werden,  wenn  die  Grenzzahlen ­
  nicht  erreicht  sind.
Die  Frage,  ob  ein  Naturwein  vorliegt,  läßt  sich  unter  Umständen  durch  eine
Bestimmung  der  Menge  von  Chlor  und  Salpetersäure  —  herrührend  von  dem  zur
Streckung  verwendeten,  an  Chloriden  und  Nitraten  reichem  Wasser  —  entscheiden.  Natur-Weine
  pflegen  0,002—0,020  g  durchweg  nur  0,002—0,006  g  Chlor  in  100  ccm  Wein
zu  enthalten;  größere  Mengen  treten  nur  in  einem  Naturwein  dann  auf,  wenn  der  betreffende ­
  Weinbergsboden  reich  an  Chloriden  ist.  Salpetersäure  kommt  in  einem  Naturwein, ­
  wenn  überhaupt,  so  nur  in  sehr  geringer  Menge  vor.  Geringe  Mengen  Salpetersäure ­
  können  auch  durch  Spülen  der  Bottiche  und  Fässer  mit  salpotersäurehaltigem  Wasser
in  den  Wein  gelangen.  Andererseits  aber  kann  auch,  weil  es  salpetersäurefreie  bezw.
-arme  Wässer  gibt,  oder  weil  durch  die  Gärung  und  Lagerung  Salpetersäure  zerstört  wird,
aus  dem  Ausbleiben  der  Salpetersäure-Reaktion  noch  nicht  geschlossen  werden,  daß  eine
Verlängerung  durch  Wasser  nicht  stattgefunden  hat.  Eine  starke  Salpetersäure-Reaktion
macht  aber  einen  Wein  als  Naturwein  immer  verdächtig.
In  anderen  Fällen  kann  auch  der  Gehalt  an  Magnesia  und  Natron  Anhaltspunkte
über  eine  zu  große  Streckung  des  Weines  geben.  Der  Magnesia-Gehalt  des  Weines
schwankt  für  100  ccm  Wein  von  0,010—0,031  g  oder  von  2,0—15,0°/ 0  der  Asche;  der
Natron-Gehalt  schwankt  nach  0.  Krug 1 )  —  auf  Grund  von  49  untersuchten  Naturweinen ­
  —  zwischen  0,0004—0,006  mg  für  100  ccm  Wein  und  beträgt  in  den  bei  weitem
meisten  Fällen  kaum  mehr  als  1  °/ 0  der  Asche.
ß)  Jeder  gezuckerte  Wein  muß  in  seinem  Extrakt-  und  Mineralstoff-Gehalt  den  vorstehenden ­
  Grenzzahlen  entsprechen;  aber  darum  allein  genügt  er  dem  Weingesetz  noch
nicht;  auch  die  anderen  Bestandteile  bezw.  die  gesamte  Zusammensetzung  darf  nicht
x )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u,  Genußmittel  1905,  10,  417.
        <pb n="805" />
        784

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

unter  den  Durchschnitt  der  ungezuckerten  Weine  des  betreffenden  Weinbaugebietes  herabsinken. ­

Anmerkung.  Zur  Beurteilung  dieser  Frage  kann  unter  Umständen  die  Bestimmung
des  Extraktrestes  S.  762  und  des  Säurerestes  S.  766  dienen.
y)  Gezuckerte  Weine,  die  den  Vorschriften  des  Weingesetzes  nicht  genügen,  dürfen
weder  feilgehalten  noch  verkauft  werden;  sie  gelten  im  Sinne  des  Gesetzes  als  Kunstweine
und  dürfen  daher  auch  nicht  mit  anderen  Weinen  verschnitten  („rückverbessert“)  werden,
um  sie  auf  den  vorgesohriebenen  Extrakt-  und  Mineralstoff-Gehalt  zu  bringen.
d)  Gezuckerte,  den  Vorschriften  des  Weingesetzes  genügende  Weine  dürfen  ohne
Deklaration  der  Zuckerung  —  nur  auf  Befragen  des  Käufers  ist  die  Angabe  zu  machen  —
unter  der  Bezeichnung  „Wein“,  nicht  aber  unter  einer  Bezeichnung  in  den  Handel  gebracht ­
  werden,  welche  die  Annahme  erwecken  könnte,  daß  sie  Naturweine  sind.
2.  Unerlaubte  bezw.  verbotene  Herstellungsverfahren  für  Traubenweine.
Nach  §  3  des  Weingesetzes  vom  24.  Mai  1901  sind  für  die  gewerbsmäßige  Herstellung
oder  Nachmachung  von  Wein  folgende  Verfahren  verboten:
a)  Die  Herstellung  von  Tresterwein  bezw.  ein  Aufguß  von  Zuokerwasser  und
Wasser  auf  ganz  oder  teilweise  entmostete  Trauben,  auf  Trauben  und  Weißweintraubenmaisohe; ­
  zur  vollen  Rotweintraubenmaische  ist  jedoch  der  Zusatz  wässeriger  Zuckerlösungen
unter  den  unter  1  No.  4  c  angegebenen  Bedingungen  erlaubt.  Auch  ist  die  Trockenzuckerung ­
  (Zusatz  von  festem  Zucker)  zur  Weißweinmaische,  die  Vergärung  von  Weißweinmost ­
  oder  Weißwein  über  fremden  Trauben  nicht  ausdrücklich  verboten.
Anmerkung.  Die  unter  Verwendung  eines  Aufgusses  von  Zuokerwasser  auf  ganz
oder  teilweise  ausgepreßte  Trauben  hergestellten  Weine  (Tresterweine,  petiotisierte
Weine)  sind  ärmer  an  Extraktstoffen,  freien  Säuren  und  Stickstoff,  als  die  normalen
Traubenweine,  dagegen  stets  reich  an  Gerbstoff  (S.  779)  und  mitunter  auch  an  Mineralhestandteilen
  (namentlich  Kalk),  welche  in  erheblicheren  Mengen  (auch  Salpetersäure)  durch
das  verwendete  Wasser  in  den  Tresterwein  gelangen  können.  Während  reine  Tresterweine
gewöhnlich  ziemlich  sicher  erkannt  werden  können,  ist  der  Nachweis  eines  Zusatzes  von
Tresterwein  zu  Traubenwein  meist  sehr  schwierig.  Aus  einem  hohen  Gerbstoffgehalte
allein  darf  niemals  auf  einen  Verschnitt  mit  Tresterwein  geschlossen  werden.
b)  Die  Herstellung  von  Hefenwein  durch  Aufguß  von  Zuckerwasser  auf  Hefe.
Anmerkung.  Hefenweine  sind  gewöhnlich  arm  an  Extrakt,  Säuren  und  Gerbstoff,
dagegen  verhältnismäßig  reich  an  Mineralstoffen;  Hefenpreßweine  auch  reich  an  Stickstoff.
c)  Die  Herstellung  von  Rosinen-  und  Trookenheerweinen  bezw.  die  Verwendung ­
  von  getrockneten  Früchten  (auch  in  Auszügen  oder  Abkochungen)  oder  eingedickten ­
  Moststoffen,  unbeschadet  der  Verwendung  bei  der  Herstellung  von  solchen
Getränken,  welche  als  Dessertweine  (Süd-,  Süßweine)  ausländischen  Ursprunges  in  den
Handel  kommen.  Betriebe,  in  welchen  eine  derartige  Verwendung  stattfinden  soll,  sind
von  dem  Inhaber  vor  dem  Beginne  des  Geschäftsbetriebes  der  zuständigen  Behörde  anzuzeigen. ­

Anmerkung.  Rosinen-  und  Trockeubeerweine  zeigen  im  allgemeinen  in  der  Zusammensetzung ­
  keine  Abweichung  von  natürlichen  Traubenweinen.
d)  Die  Verwendung  von  künstlichen  Süßstoffen  (Saccharin,  Dulcin  usw.).
e)  Die  Verwendung  von  Säuren,  säurehaltigen  Stoffen,  insbesondere  von  Weinstein
und  Weinsäure,  von  Bukettstoffen,  künstlichen  Moststoffen  oder  Essenzen;  jedoch  dürfen
aromatische  oder  arzneiliche  Stoffe  hei  der  Herstellung  von  solchen  Weinen,  welche  als
landesübliche  Gewürztränke  oder  als  Arzneimittel  unter  den  hierfür  gebräuchlichen  Bezeichnungen ­
  (Wermutwein,  Mai  wein,  Pepsiuwein,  Chinawein  u.  dgl.)  in  den  Verkehr
kommen,  verwendet  werden.
f)  Der  Zusatz  von  Obstmost  und  Obstwein,  von  Gummi  oder  anderen  Stoffen,  durch
welche  der  Extraktgehalt  erhöht  wird.
Getränke  vorstehender  Art  dürfen  nicht  gewerbsmäßig  hergestellt,  feilgehalten
oder  verkauft  werden.  Für  die  Herstellung  eines  Haustrunkes  oder  Gesindeweines  dürfen
        <pb n="806" />
        Wein.

*

785

Trester-,  Hefen-  und  Rosinenwein  verwendet  werden,  ebenso  für  die  Branntweinbereitung,
letzteres  jedoch  nur  unter  Stenerkontrolle.
Anmerkung.  Der  Gehalt  der  Weine  an  Gesamtsäure  schwankt  im  allgemeinen
zwischen  0,4  und  1,5  g  in  100  ccm  Wein.
Weine  aus  reifen  Trauben  enthalten  in  der  Regel  keine  freie  Wbinsäure,  sehr  saure
Weine  aus  unreifen  Trauben  dagegen  enthalten  häufig  freie  Weinsäure;  außerdem  kann
freie  Weinsäure  aus  Weinstein  durch  die  Kellerbehandlung  (häufiges  Schwefeln)  gebildet
"werden.
Zahlreiche  Untersuchungen  nach  den  (nicht  ganz  fehlerfreien)  Verfahren  von
J-  Neßler  und  M.  Barth,  bezw.  von  Berthelot  und  A.  de  Pleurien  haben  ergeben,
daß  die  freie  Weinsäure  in  Weinen  mit  höchstens  0,8  g  Gesamtsäure  in  100  ccm  Wein
nicht  mehr  als  J / 6  bis  höchstens  1 / 5  der  gesamten  nicht  flüchtigen  Säuren  des  Weines  ausmaoht,
  dagegen  soll  in  Weinen  mit  mehr  als  0,8  g  Gesamtsäure  der  Gehalt  an  freier
Weinsäure  oft  viel  höher  sein. 1 )
Der  Weinsteingehalt  der  Weine  schwankt  innerhalb  sehr  weiter  Grenzen.  Der
Zusatz  von  Weinstein  zum  Weine  kann  durch  die  chemische  Untersuchung  nicht  ermittelt
werden.

Unter  den  „säurehaltigen  Körpern“,  deren  Zusatz  zum  Weine  gleichfalls  verboten
ist,  sind  in  erster  Linie  die  Obstweine  zu  verstehen.  Wenn  auch  die  Obstweine  im  reinen
Zustande  von  den  Traubenweinen  sich  wesentlich  (namentlich  durch  das  Pehlen  von  Weinsteinsäure ­
  und  deren  Salzen)  unterscheiden,  so  ist  es  doch  meist  nicht  möglich,  durch  die
chemische  Untersuchung  einen  Verschnitt  von  Traubenwein  mit  Obstwein  nachzuweisen.
Der  Apfelwein  hat  in  der-  Regel  weniger  Alkohol  und  Säuren,  dagegen  mehr  säurefreien ­
  Extrakt  und  mehr  sog.  Pektinstoffe  als  der  Traubenwein.
Ein  Zusatz  von  Bukettstoffen  zum  Weine  läßt  sich  bis  jetzt  durch  die  chemische
Untersuchung  nicht  erbringen.
3.  Verbotene  Zusätze.  I.  Nach  §  7  des  Weingesetzes  vom  24.  Mai  1901  dürfen
die  nachbenannten  Stoffe,  nämlich;

1-  lösliche  Aluminiumsalze  (Alaun  u.  dergl.),
2.  Baryumverbindungen,
3.  Borsäure,
4.  lösliche  Pluorverbindungen,
5-  Glyzerin,
6.  Kermesbeeren,
7.  Magnesiumverbindungen,
8.  Salizylsäure,

9.  Oxalsäure,
10.  unreiner(freien  Amylalkohol  enthaltender)
Sprit,
11.  unreiner  (nicht  technisch  reiner)  Stärkezucker, ­

12.  Strontiumverbindungen,
13.  Teerfarbstoffe,
14.  Wismutverbindungen,

oder  Gemische,  welche  einen  dieser  Stoffe  enthalten,  Weinen,  weinhaltigen  und  weinähnlichen ­
  Getränken,  welche  bestimmt  sind,  anderen  als  Nahrungs-  oder  Genußmittel  zu
dienen,  bei  oder  nach  der  Herstellung  nicht  zugesetzt  werden.
Zur  Beurteilung  des  Weines  auf  Grund  der  vorstehenden  Bestimmungen  des  Weingesetzes ­
  ist  noch  folgendes  zu  bemerken  (im  allgemeinen  nach  K.  Windisch  1.  c.);
Anmerkungen.  Zu  1.  Es  ist  nicht  möglich,  den  Alaun  als  solchen  im  Weine
hachzuweisen.  Bei  den  geringen  Mengen  Alaun,  die  beim  Schönen  des  Weines,  namentlich
beim  Klären  des  Schaumweines,  in  denselben  gelangen,  ist  es  meist  nicht  möglich,  auf
Grund  des  Tonerdegehaltes  einen  Alaunzusatz  uachzuweisen,  da  auch  der  Tonerdegehalt
des  reinen  Weines  schwankend  ist.  Die  Anwendung  der  Klärerde  wird  von  dem  Verbot
nicht  getroffen.

Zu  2.  Baryumverbindungen  sind  zum  Bntgipsen  vorgeschlagen;  ihre  Verwendung ­
  ist  auch  verboten,  selbst  wenn  keine  Spur  Baryum  im  Wein  verbleibt.
Zu  3.  Es  wurde  bereits  oben  darauf  hingewiesen,  daß  die  Borsäure  ein  normaler
Bestandteil  des  Weines  ist.  Doch  sind  die  im  natürlichen  Weine  enthaltenen  Borsäure-Wengen
  so  gering,  daß  sie  nach  dem  üblichen  Verfahren  kaum  nachgewiesen  werden  können.
Da  die  Borsäure  nur  in  größeren  Mengen  konservierend  wirkt,  so  muß  sie  sich,  falls  ein

1 )  B.  Haas,  Zeitschr.  f.  Nahrungsmittel-Untersuchung,  Hygiene  u.  Warenk,  1890,  4,  258.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  60
        <pb n="807" />
        786

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

künstlicher  Zusatz  stattgefunden  hat,  auch  quantitativ  bestimmen  lassen.  Kipper  fand
als  natürlich  vorkommenden  Bestandteil  in  1  1  Wein  0,00152  g,  F.  Schaffer  in  31  Sorten
0,008—0,060  g  Borsäure  in  1  1.
Zu  4.  Auch  Fluor  soll  spurenweise  als  natürlicher  Bestandteil  im  Wein  verkommen; ­
  diese  Spuren  würden  sich  aber  nach  den  S.  163  c  und  747  angegebenen  Verfahren ­
  nicht  oder  doch  kaum  nachweisen  lassen.
Zu  5.  Zahlreiche  Versuche  haben  ergeben,  daß  bei  der  Gärung  des  Mostes  auf
100  Gewichtsteile  Alkohol  meist  7—14  Gewichtsteile  Glyzerin  entstehen.  Die  Weine  enthalten ­
  auf  100  g  Alkohol  selten  mehr  als  14  g  Glyzerin.  Bei  einem  Weine,  der  auf  100  g
Alkohol  mehr  als  14  g  Glyzerin  enthält,  ist  zu  berücksichtigen,  daß
a)  bei  langem  Lagern  des  Weines  infolge  der  Verdunstung  des  Alkohols  durch  die
Faßwandungen  usw.  und  dadurch,  daß  beim  Auffüllen  mit  anderem  Wein  immer  neue
Alkohol-  und  Glyzerinmengen  in  den  lagernden  Wein  gelangen,  von  denen  der  Alkohol
wieder  zum  Teil  verdunstet  und  so  fort,  allmählich  eine  Anreicherung  an  Glyzerin
stattfindet;
b)  durch  die  Einwirkung  des  Kahmpilzes  ein  Teil  des  Alkohols  oxydiert  werden  kann;
c)  gerade  unter  den  feinsten  Weinen  solche  mit  einem  höheren  Glyzerinverhältnisse
Vorkommen  können,  nämlich  dann,  wenn  die  Gärung  von  an  Hefenährstoffen  sehr  reichen
Mosten  unter  besonders  günstigen  Verhältnissen  verlief.
Brat  eine  erhebliche  Überschreitung  des  gewöhnlichen  Alkohol-Glyzerinverhältnisses
läßt  bei  solchen  Weinen  einen  Glyzerinzusatz  als  sicher  erscheinen.  Hierbei  ist  wieder
zu  berücksichtigen,  daß  man  ein  höheres  Glyzerinverhältnis  (10—14  g  Glyzerin  auf  100  g
Alkohol)  nur  bei  Weinen  mit  einem  höheren  Gehalt  an  sonstigen  „neutralen  Extraktstoffen“
  findet.
Infolgedessen  hat  die  Kommission  zur  Bearbeitung  einer  Weinstatistik  für  Deutschland ­
  den  Beschluß  gefaßt, 1 )  daß  eine  Beanstandung  wegen  Glyzerinzusatzes  dann  angezeigt ­
  ist,  wenn  bei  einem  0,5  g  in  100  ccm  Wein  übersteigenden  Gesamtglyzeringehalte
a)  der  Extraktrest  (Extrakt  vermindert  um  die  nichtllüchtigen  Säuren)  zu  mehr  als
*/,  aus  Glyzerin  besteht,  oder
ß)  bei  einem  Verhältnis  von  Glyzerin  zu  Alkohol  von  mehr  als  10:100  der  Gesamtextrakt ­
  nicht  mindestens  1,8  g  in  100  ccm  oder  der  nach  Abzug  des  Glyzerins  vom  Extrakte
verbleibende  Kest  nicht  1  g  in  100  ccm  beträgt  (vergl.  auch  Bxtraktrest  nach  Grünhut
S.  762).
Zu  6.  Die  Kermesbeeren,  welche  als  giftig  gelten,  werden  wegen  des  blauroten
Saftes  vorwiegend  in  südlichen  Ländern,  weniger  bei  uns,  zur  Färbung  des  Rotweines
benutzt.
Zu  7.  Magnesiumverbindungen  dürften  schon  wegen  der  abführenden
Wirkungen  selten  zur  Weinbereitung  verwendet  werden.  Die  Verwendung  läßt  sich  nur
durch  eine  quantitative  Bestimmung  feststellen,  wobei  zu  berücksichtigen  ist,  daß  die
natürlichen  Weine  0,010—0,031  g  Magnesia  in  100  ccm  zu  enthalten  pflegen.
Zu  8.  Nach  L.  Medicus 1  2 )  soll  auch  ein  Bestandteil  der  Traubenkämme  mancher
Trauben  die  Salizylsäurereaktion  mit  Eisenchlorid  geben,  wenn  man  100  ccm
Wein  dem  vorgeschriebeuen  Verfahren  unterwirft.  Wenn  man  aber  nur  50  ccm  mit  dem
Äther-Petroläthorgemisch  ausschüttelt  und  den  Verdunstungsrückstand  mit  10  ccm  Wasser
aufnimmt,  gibt  der  Bestandteil  der  Traubenkämme  die  Salizylsäurereaktion  nicht  mehr.
Nach  den  Untersuchungen  von  Mastbaum 3 )  u.  a.  ist  der  Bestandteil  tatsächlich
Salizylsäure  (etwa  1  mg  in  1  1).
Zu  9.  Oxalsäure  ist  erst  vereinzelt  als  Zusatz  zu  Wein  beobachtet  worden;
sie  ist  giftig.  Behufs  Nachweises  derselben  entfernt  man  durch  Eindunsten  auf  dem  Wasserbade ­
  den  Alkohol,  füllt  mit  Wasser  wieder  auf  dasselbe  Volumen,  säuert  mit  Essigsäure
1 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1894,  33,  630.
2 )  Bericht  über  die  9.  Vers.  d.  fr.  Vereinigung  bayer.  Vertreter  der  angew.  Chemie  in
Erlangen.  Berlin  1890,  S.  42,  bei  Julius  Springer.
3 )  Chem.-Ztg.  1901,  25,  466.
        <pb n="808" />
        Wein.

787

50*

au  und  setzt  Chlorcaloium  zu.  Bei  Anwesenheit  von  Oxalsäure  entsteht  sofort  ein
Niederschlag  von  Calciumoxalat,  dessen  Menge  durch  Wägen  des  Kalkes  oder  durch  Titration
mit  Kaliumpermanganat  bestimmt  werden  kann.  Ein  hei  längerem  Stehen  entstehender
Niederschlag  muß  auch  auf  Schwefelsäure  und  Weinsäure  untersucht  werden.
Zu  10.  Der  Nachweis  von  unreinem  (freien  Amylalkohol  enthaltendem)  Sprit  zum
Weine  dürfte  sich  innerhalb  der  erlaubten  Grenze  des  Alkoholzusatzes  bis  jetzt  wohl
schwer  auf  chemischem  Wege  erbringen  lassen.
Zu  11,  Die  Ausleseweine  des  Herzoglich  Nassauischen  Kabinettskellers  verhalten  sich
nach  den  Untersuchungen  von  C.  Schmitt  und  dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  bei  der
Prüfung  auf  unreinen  Stärkezucker  so,  als  ob  sie  einen  Zusatz  von  solchem  erfahren  haben.
Soweit  die  bisherigen  Untersuchungen  reichen,  darf  man  indes  wohl  annehmen,  daß  sich
die  Stoffe,  die  das  Verhalten  von  unreinem  Stärkezucker  zeigen,  nur  in  den  Ausleseweinen,
nicht  aber  in  den  gewöhnlichen  Handelsweinen  finden  (K.  Windisoh  1.  o.).  Ferner  kann
eine  Rechtsdrehung  des  Weines  bei  der  Prüfung  auf  unreinen  Stärkezucker  auch  durch
gewisse  Bestandteile  mancher  Honigsorten  (Koniferenhonige)  verursacht  sein.  Wegen  des
hohen  Preises  des  Honigs  dürfte  jedoch  ein  Zusatz  von  Honig  zum  Wein  kaum  in  Betracht ­
  kommen.
Zu  12.  Von  den  Strontium  Verbindungen  gilt  dasselbe  wie  von  den  Baryumverbindungen.
  Baryum  und  Strontium  werden  in  üblicher  Weise  bestimmt  (S.  107).
Zu  13.  Uber  den  Nachweis  von  Teerfarbstoffen  vergl.  S.  771.
Zu  14.  Wismutverbindungen  sind  vereinzelt  zur  Frischhaltung,  besonders  von
Apfelweinen,  beobachtet  worden.  Über  den  Nachweis  vergl.  S.  782.
II.  Weine  usw.,  welchen  einer  der  vorbezeichneten  Stoffe  zugesetzt  ist,  dürfen  weder
feilgehalten  noch  verkauft,  noch  sonst  in  den  Verkehr  gebracht  werden.  Dasselbe  gilt  für
Rotwein,  dessen  Gehalt  an  Schwefelsäure  in  1  1  Flüssigkeit  mehr  beträgt,  als  sich  in
2  g  neutralem  sohwefelsaurem  Kalium  vorfindet  (nämlich  0,9184  g  S0 3 ).  Diese  Bestimmung
findet  jedoch  auf  solche  Rotweine  keine  Anwendung,  welche  als  Dessertweine  (Süd-,  Süßweine) ­
  ausländischen  Ursprungs  in  den  Verkehr  kommen.  Sie  dürfen  mehr  Schwefelsäure
enthalten.
Für  sämtliche  in  den  Apotheken  feilgehaltenen  Weine,  auch  Dessertweine  und  Weißweine, ­
  schreibt  der  Nachtrag  zum  deutscheu  Arzneibuche  (3.  Ausgabe,  Berlin  1895,  S.  348)
dieselbe  oberste  Grenze  des  Schwefelsäuregehaltes  vor,  wie  das  Weingesetz  für  Rotwein.
4.  Beurteilung  des  Weines  nach  Maßgabe  des  Nahrnngsmittelgesetzes  und
auf  Grund  seiner  sonstigen  Beschaffenheit.  Für  andere  Behandlungen  und  Zusätze
zum  Wein,  die  im  Weingesetz  nicht  ausdrücklich  genannt  sind,  findet  das  Nahrungsmittelgesetz ­
  vom  14.  Mai  1879  mit  den  §§  10—14  zur  Beurteilung  von  Fragen  sinngemäße  Anwendung. ­
  Außer  den  genannten  Frisohhaltungsmitteln  sind  noch  Wasserstoffsuperoxyd,
Pormaldehyd,  Benzoesäure,  Abrastol  usw.  in  Gebrauch.  Derartige  Behandlungen  und  Zusätze ­
  werden  dann  je  nach  den  obwaltenden  Umständen  nach  dem  Nahrungsmittelgesetz
zu  beurteilen  sein,  obschon  sie  sich  auch  nach  dem  Weingesetz,  welches  künstliche  Frischhaltungsmittel ­
  tunlichst  auszusohließen  sucht,  von  selbst  verbieten.  In  diesem  Sinne  sind
auch  die  geschwefelten,  essigstichigen  und  anderen  kranken  Weine  zu  beurteilen.
a)  Der  Gehalt  an  schwefliger  Säure.  Durch  das  nicht  zu  umgehende  Schwefeln
der  Lagerfässer  gelangen  stets  geringe  Mengen  schwefliger  Säure  in  den  Wein.  Dieses
Rt  nach  §  2  No,  1  des  Weingesetzes  erlaubt,  während  nach  §  20  No.  1  der  Bundesrat
befugt  ist,  die  Grenzzahlen  für  den  Gehalt  an  schwefliger  Säure  festzusetzen.  Da  dieses
bis  jetzt  nicht  geschehen  ist,  so  können  hier  nur  die  verschiedenen  Ansichten  über  diese
Präge  mitgeteilt  werden.  Die  vom  Wein  aufgenommene  schweflige  Säure  bleibt  als  solche
nicht  lange  bestehen,  sondern  wird  alsbald  zum  geringen  Teil  in  Schwefelsäure,  zum  größten
Peil  in  gebundene,  vorwiegend  in  aldehydsohweflige  Säure  übergeführt,  und  letztere  gilt
für  bedeutend  weniger  schädlich  als  die  freie  schweflige  Säure.  Der  Gehalt  der  Weine  an
gesamtschwefliger  Säure  wurde  nach  zahlreichen  Bestimmungen  für  1  1  zu  10—300  mg  gefunden, ­
  wovon  nur  0—160  mg,  durchweg  nur  0—40  mg,  ungebunden  als  freie  schweflige  Säure
vorhanden  waren.  Die  Forderungen  über  die  höchste  zulässige  Menge  an  schwefliger
Säure  lauten  sehr  verschieden;  die  serbische  Regierung  will  nur  20  mg,  der  Köuigl.
        <pb n="809" />
        788

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

ungarische  Landessanitätsrat  nur  30  mg  gesamtschweflige  Säure  für  1  1  zulaesen,  während
ein  Gutachten  der  medizinischen  Fakultät  Wien  8  mg  freie  und  200  mg  gebundene  schweflige
Säure  für  1  1  als  zulässig  erklärt  und  deutsche  Nahrungsmittelchemiker  in  Gemeinschaft
mit  Ärzten  sich  auf  folgende  höchste  Grenzzahlen  geeinigt  haben,  nämlich:
200  mg  gesamt-  (freie  und  gebundene)  schweflige  Säure  für  1  1,  wovon
180  mg  an  organische  Weinbestandteile  gebundene  schweflige  Säure  und
20  mg  als  freie  schweflige  Säure  in  1  1  vorhanden  sein  dürfen.
L.  Grünhut  und  W.  Fresenius 1 )  benutzen  zum  Nachweise  eines  überstarken
Sohwefelns  den  Alkalitätsfaktor  der  Weinasche,  worunter  sie  die  Gesamtalkalität,  die  0,1  g
Mineralstoffen  entspricht,  ausgedrückt  in  Kubikzentimetern  Normal-Alkali,  verstehen;  also
.Gesamtalkalität  x  0.1
Alkalltatsfaktor  =  -  ...  ,  ■  .
Mineralstongehalt
Dieser  Faktor  wurde  in  einer  großen  Anzahl  von  Weinen,  die  in  normaler  Weise
geschwefelt  waren,  zu  0,8—-1,0  gefunden.  Wenn  bei  einheimischen  Weinen  der  Alkalitätsfaktor ­
  unter  0,65  sinkt  und  deren  Gehalt  an  Schwefeltrioxyd  (S0 3 )  gleichzeitig  mehr  als
20°/ 0  der  Asche  beträgt,  so  können  dieselben  als  übermäßig  geschwefelt  bezeichnet
werden,  auch  wenn  der  Gehalt  an  freiem  und  gebundenem  Schwefeldioxyd  (S0 2 )  in  normalen
Grenzen  liegt.
b)  Essigstichige  Weine.  Gute  (gewöhnliche  Trink-)  Weine  pflegen  nur  0,015  bis
0,060  g  Essigsäure  in  100  ccm  zu  enthalten;  Weine  mit  einem  Gehalt  von  0,100—0,150  g
Essigsäure  in  100  ccm  gelten  als  krank,  solche  mit  einem  Gehalt  von  0,160—0,200  g  in
100  com  als  verdorben.  Die  Freie  Vereinigung  bayerischer  Vertreter  der  angewandten
Chemie 1  2 )  hat  folgende  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Weine  auf  Grund  ihres  Gehaltes ­
  an  flüchtiger  Säure  (Essigsäure)  gegeben;
a)  Das  erste  jugendliche  Stadium  des  Weines  ausgenommen,  sollen  deutsche  Weißweine ­
  hinsichtlich  der  flüchtigen  Säure  als  normal  gelten,  wenn  sie  nicht  mehr  als  0,09,
deutsche  Kotweine,  wenn  sie  nicht  mehr  als  0,12  g  flüchtige  Säure  in  100  ccm  aufweisen.
ß)  Als  nicht  mehr  normal,  aber  noch  nicht  zu  beanstanden,  sollen  deutsche  Weißweine ­
  gelten,  welche  zwar  über  0,09,  aber  nicht  über  0,12,  deutsche  Rotweine,  die  zwar
über  0.12,  aber  nicht  über  0,16  g  flüchtige  Säure  in  100  com  enthalten,
y)  Deutsche  Weißweine,  die  über  0,12  und  deutsche  Rotweine,  die  über  0,16  g
flüchtige  Säure  in  100  ccm  enthalten,  stellen  keine  normale  Handelsware  mehr  vor,  sind  gutachtlich ­
  in  dieser  Weise  zu  bezeichnen  und  zu  beanstanden,  auch  dann,  wenn  die  Kostprobe
nichts  Auffälliges  ergibt.
d)  Ein  Weiß-  oder  Rotwein  ist  dann  als  verdorben  im  Sinne  des  Nahrungsmittelgesetzes ­
  anzusehen,  wenn  bei  einem  Gehalt  von  über  0,12  bezw.  0,16  g  flüchtiger  Säure
in  100  ccm  auch  die  Kostprobe  ganz  zweifellos  und  überzeugend  das  Verdorbensein  erweist.
s)  Deutsche  Edelweine  und  Weine,  die  länger  als  10  Jahre  im  Faß  gelagert  haben,
werden  von  den  Bestimmungen  in  a,  ß  und  y  nicht  getroffen.  Die  Beurteilung  derselben
nach  ihrem  Gehalt  an  flüchtiger  Säure  hat  unter  Berücksichtigung  der  besonderen,  von
Fall  zu  Fall  verschiedenen  Verhältnisse  zu  geschehen.

c)  Einflufs  von  Krankheiten  auf  die  Zusammensetzung  des  Weines.  Durch  verschiedene ­
  Einflüsse  können  Weine  schleimig  (zäh,  weich),  schwarz,  braun,  trübe  oder  bitter
werden;  sie  können  auch  sonst  Farbe,  Geschmack  und  Geruch  wesentlich  ändern;  ferner
kann  der  Farbstoff  der  Rotweine  sich  in  fester  Form  absoheiden,  ohne  daß  alle  diese  Erscheinungen ­
  an  und  für  sich  berechtigen,  die  Weine  deshalb  als  unecht  zu  bezeichnen.
Ein  Schwarzwerden,  Braunwerden  des  Weines  kann  stattfinden,  wenn  derselbe
längere  Zeit  mit  rostendem  Eisen  (Faßreifen,  Nägelnl  in  Berührung  kommt.  Die  schwarze
Trübung  ist  gerbsaures  Bisen,  welches  sich  allmählich  absetzt  oder  durch  Schönen  beseitigt
werden  kann.  f
Das  Bräunen  oder  Puchsigwerden  des  Weines  kann  aber  auch  durch  eine
fehlerhafte,  mangelhafte  Hauptgärung  und  eine  infolgedessen  später  bei  Luftzutritt  wieder

1 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  927.
2 )  Porschungsberichte  über  Lebensmittel  1897,  4,  329.
        <pb n="810" />
        Wein.

789

eintretende  Nachgärung  hervorgerufen  werden.  Diese  Krankheit  kann  durcli  Lüften  des
Weines  und  wiederholtes  Abziehen  desselben  auf  frische  Fässer  unter  gleichzeitigem  Schönen
gehoben  werden.
Mancher  Wein  wird  während  und  bald  nach  der  Gärung  fadenziehend,  schleimig,
zäh,  wenn  (meist  unter  dem  Einfluß  frühzeitiger  Essigbildung  hei  langsamer,  ungleichmäßiger ­
  Gärung)  ein  kleiner  Teil  des  Zuckers  in  Mannit  übergegangen  und  dann  die
Schleimgärung  eingetreten  ist.  Ganz  besonders  ist  dies  der  Pall  bei  mit  Rohrzucker  versetztem ­
  Wein,  wenn  derselbe  aus  Mangel  an  genügender  Hefe  nicht  invertiert  wird  und  so
sehr  leicht  unregelmäßig  vergärt.
Das  Bitterwerden  kommt  ganz  besonders  hei  Rotweinen  vor  und  beruht  auf  einer
Zersetzung  des  ursprüglich  darin  vorhandenen  Gerbstoffes.
Kahmig-(Kuhnig-)werden  des  Weines.  Wenn  von  der  Oberfläche  ruhig  lagernder
Weine  mit  weniger  als  10  Gewichtsprozenten  Weingeist  nicht  sehr  sorgfältig  die  Luft  abgehalten
  wird,  so  bildet  sich  darauf  eine  weiße  Decke  von  einer  üppig  wuchernden  Kahm-(Kuhnen-)
  Pilzvegetation  (Mycoderma  vini);  durch  den  Kahmpilz,  als  energischen  Sauerstoff-Überträger,
  wird  der  Weingeist  des  Weines  zu  Kohlensäure  verbrannt,  aber  auch  Extraktbestandteile, ­
  unter  anderen  Säure,  werden  aus  dem  Weine  aufgezehrt.  Solche  stark  verkulmte
Weine  besitzen  nach  Entfernung  der  Kuhnendecke  faden  Geruch  und  Geschmack,  niederen
Weingeistgehalt,  wenig  Säure.  Bei  fortschreitender  Zerstörung  des  Weingeistes  können
sie  in  vollständige  Fäulnis  übergehen.
Siedelt  sich  bei  schlecht  vor  Luft  geschützten  Weinen  statt  des  Kahmpilzes  der
Essigpilz  (Mycoderma  aceti)  an,  so  wird  der  Weingeist  nicht  zu  Kohlensäure,  sondern  zu
Essigsäure  oxydiert.  Der  Bssigpilz  (Mycoderma  aceti)  kann  noch  bei  12  Gewichtsprozenten
Weingeist  im  Wein  wachsen.
Das  Umschlagen  oder  Brechen  des  Weines  findet  man  vorwiegend  hei  Rotweinen.
Die  Weine,  auch  wenn  sie  vollständig  vergoren  sind,  trüben  sich  unter  schwacher  Kohlensäureentwickelung. ­
  Der  Wein  nimmt  einen  unangenehmen  Geruch  und  Geschmack  an  und
wird  schließlich  ganz  ungenießbar.  Rotweine  werden  braun.  Die  Krankheit  wird  durch
mehrere  Mikroorganismen  verursacht.  Es  findet  vorwiegend  eine  Zersetzung  des  Weinsteins ­
  statt.
Der  sog.  Böckser,  ein  Geruch  und  Geschmack  des  Weines  nach  faulen  Eiern,
entsteht  durch  Sohwefelwasserstoffbildung  im  Woin.  Schwefelwasserstoff  kann  im  Wein
auftreten  durch  Aufnahme  von  Schwefelverbiudungen  seitens  der  Rehenwurzeln  aus  dem
Boden,  oder  durch  längeres  Verbleiben  von  Schwefel  im  gärenden  Wein,  der  mit  geschwefelten
Traubentrestern  (Mittel  gegen  Traubenkrankheit)  oder  durch  Abtropfen  schmelzenden
Schwefels,  vom  Einbrennen  herrührend,  in  den  Wein  gelangt,  oder  endlich  durch  faulige
Zersetzung  der  am  Boden  des  Fasses  noch  befindlichen  Hefe  des  Weines.
Geruch  und  Geschmack  des  Weines  können  noch  geändert  werden  durch  andere
Eäulniserzeugnisse  der  Hefe,  durch  faule  Trauben  oder  schlechte,  schimmelige  Fässer,  zu
langes  Lagern  in  nur  teilweise  gefüllten  Fässern  usw.
Der  Farbstoff  des  Rotweins  ist  außerordentlich  leicht  ausfällhar.  Mit  jeder
Weinsteinabscheidung  im  Wein  durcli  Kälte  oder  sonstige  Einflüsse  verliert  der  Rotwein
zugleich  auch  merkliche  Mengen  von  Farbstoff.
Wenn  gewisse  Stoffe  von  teilweise  fauligen  Trauben  im  Rotwein  sich  unter
dem  Einfluß  der  Luft  ahsetzen,  so  können  sie  unter  Umständen  den  gesamten  Farbstoff
mit  ausfällen  und  dem  Wein  ein  mißfarbiges  Aussehen  verleihen.
Auch  geringe  Mengen  von  Fuchsin  können  sich  mit  solchen  Stoffen  niederschlagen;
s ie  können  aber  auch  von  den  Faß  Wandungen  aus  durch  einen  andern  fuchsinfreien  Rotwein, ­
  welcher  später  in  das  Faß  kommt,  teilweise  wieder  gelöst  werden.
Nachgärung.  Wenn  in  einem  Weine  während  des  Sommers  eine  starke  Gärung
auftritt,  so  gestattet  dies  noch  nicht  die  Annahme,  daß  ein  Zusatz  von  Zucker  oder
zuokerreichen  Stoffen,  z.  B.  Honig  u.  a.,  stattgefunden  habe,  denn  die  erste  Gäl’ung  kann
durch  verschiedene  Umstände  verhindert  oder  der  Wein  kann  mit  zuckerreichem  Wein
Verschnitten  sein.
        <pb n="811" />
        790

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

III.  Süfsweine.
Für  die  Untersuchung  der  Süßweine  gelten  die  Vorschriften  der  amtlichen
„Anweisung  für  die  chemische  Untersuchung  des  Weines“  ebenso  wie  für  gewöhnliche
Weine,  wobei  besonders  die  für  die  mehr  als  4  g  Extrakt  enthaltenden  Weine  aufgeführten
Vorschriften  zu  beachten  sind.  Für  die  Bestimmung  des  Extraktes  muß  man  das
spezifische  Gewicht  der  Extraktlösung,  d.  h.  die  von  Alkohol  befreite,  wieder  auf  dasselbe
Volumen  aufgefüllte  Lösung  benutzen;  das  spezifische  Gewicht  wird  mit  dem  Pyknometer
(S.  449)  bestimmt  und  hiernach  der  Extraktgehalt  aus  Tabelle  XIX  am  Schluß  entnommen. ­

Auch  für  die  Beurteilung  der  Süßweine  gelten  die  Vorschriften  des  Weiugesetzes
vom  24.  Mai  1901.  Indes  läßt  im  Gegensatz  zu  den  gewöhnlichen  Weinen  das  Weingesetz ­
  hinsichtlich  der  Beurteilung  für  Süßweine  folgendes  zu:
1.  Die  Bestimmung,  daß  Rotweine  im  Liter  nicht  mehr  Schwefelsäure  enthalten
dürfen,  als  in  2  g  neutralem  schwefelsaurem  Kalium  enthalten  sind,  findet  auf  Rotweine,
welche  als  Dessertweine  (Süd-,  Süßweine)  ausländischen  Ursprungs  in  den  Verkehr  kommen,
keine  Anwendung.
2.  Bei  Süßweinen,  welche  nicht  als  deutsche  in  den  Handel  kommen,  ist  ein  Zusatz
von  mehr  als  1  Baumteil  Alkohol  auf  100  Raumteile  Wein  nicht  verboten.
3.  Bei  Weinen,  welche  als  Dessertweine  (Süd-,  Süßweine)  ausländischen  Ursprungs
in  den  Verkehr  kommen,  gilt  ein  Zusatz  von  getrockneten  Früchten  (Rosinen)  oder  eingedickten ­
  Moststoffen  zu  Most  oder  Wein  nicht  als  Verfälschung.
Im  allgemeinen  ruht  die  Beurteilung  der  Süßweine  zur  Zeit  noch  auf  sehr  schwachen
Füßen.
E.  List  verlangte  von  einem  konzentrierten  (d.  h.  einem  durch  Konzentration  des
Mostes  gewonnenen,  etwa  20  g  Zucker  enthaltenden)  Süßweine,  daß  er  mindestens  4  °/ 0
zuckerfreien  Extrakt  und  0,04  g  Phosphorsäure  enthalte.  Diese  Anforderung  wurde
später  als  nur  für  Medizinalweine  zutreffend  bezeichnet.  Auf  dem  internationalen  Nahruugsmittelohemiker-Kongreß
  in  Wien  (1891)  wurde  auf  Antrag  von  L.  Rößler  der  Beschluß
gefaßt,  daß  von  gut  bereiteten  Tokayern  ein  Phosphorsäuregehalt  von  nahezu  0,06  g  P 2 0 6
in  100  ccm  Wein  zu  fordern  sei.
Zu  diesen  Grenzzahlen,  die  einen  Ausdruck  der  Konzentration  des  verwendeten
Mostes  geben  sollen,  ist  noch  zu  bemerken,  daß  der  Bestimmung  des  zuckerfreien  Extraktes
seinerzeit  andere  Verfahren  bezw.  Tabellen  zugrunde  gelegt  wurden,  als  sie  heute  durch
die  amtliche  Anweisung  vorgesohrieben  sind,  und  daher  jene  Zahlen  noch  mehr  an  Bedeutung
verlieren.
Eine  große  Bedeutung  für  die  Beurteilung  der  Art  der  Herstellung  der  Süßweine
kommt  den  Bestimmungen  des  Stickstoffs,  des  Glyzerins  —  so  ungenau  das  Verfahren
an  sich  auch  bei  Süßweinen  sein  mag  —  sowie  unter  Umständen  auch  der  getrennten
Bestimmung  der  Glukose  und  Fruktose  (vergl.  S.  234)  zu.
Letztere  Bestimmungen  sind  deshalb  von  großer  Bedeutung,  weil  sie  einen  teilweiseu
Einblick  in  die  Art  der  Bereitung  der  Süßweine  gestatten;  da  nämlich  bei  der  Gärung
die  Glukose  rascher  zersetzt  wird  als  die  Fruktose,  so  deutet  ein  wesentlich  höherer
Gehalt  eines  Süßweines  an  Fruktose  als  an  Glukose  (etwa  im  Verhältnis  von  120—500  und
mehr  Fruktose  :  100  Glukose)  auf  eine  stattgehabte  teilweise  Vergärung  des  Mostes  hin.
Ebenso  kann  man  den  Gehalt  des  Süßweines  an  Glyzerin  für  diese  Zwecke  mit
heranziehen.
Ein  sehr  niedriger  Gehalt  eines  Süßweines  an  Stickstoffsubstanz  bei  einem
hohen  Zuckergehalt  deutet  auf  einen  Zusatz  von  Rohrzucker  zum  Most  oder  Wein  hin.
IV.  Obst-  und  Beerenweine  (einschl.  Süfs-  und  Schaumweine).
DieUntersuohungder  Obst-  und  Beerenweine  erfolgt  ganz  wie  die  der  entspreoh  enden
Traubenweine  mit  niedrigem  bezw.  hohem  Extraktgehalt  bezw.  wie  die  des  Traubenschaumweines. ­
        <pb n="812" />
        Obst-  und  Beerenweine.  —  Alkoholfreie  Getränke.

791

Die  Beurteilung  derselben  ist  aber  eine  wesentlich  andere.  Nach  dem  Weingesetz ­
  vom  24.  Mai  1901  werden  die  Obst-  und  Beerenweine  zu  den  „weinähnliohen
Getränken“  gerechnet  und  linden  darauf  die  wichtigen  Bestimmungen  in  §  2  und  3  dieses
Gesetzes  keine  Anwendung.  Nur  die  aus  Obst-  und  Beerenwein  hergestellten  Schaumweine ­
  müssen  eine  besondere  Bezeichnung  tragen  und  ist  der  Zusatz  der  in  §  7  genannten
Stoffe  (yergl.  S.  785)  auch  für  Obst-  und  Beerenweine  verboten;  alle  sonstigen  ungehörigen
Vorkommnisse  müssen  nach  dem  Nahrungsmittelgesetz  vom  14.  Mai  1879  beurteilt  werden.
Bezüglich  des  Gehaltes  an  Essigsäure  und  schwefliger  Säure  gilt  dasselbe,
was  bei  Traubenwein  S.  787  u,  788  gesagt  ist.
Da  der  Wein  nur  bei  einem  gewissen  Gehalt  an  Alkohol  und  Säure  haltbar  ist,  so
muß  bei  den  Obst-  und  Beerenweinen,  die  für  den  Versand  bestimmt  sind,  weil  der  Most
vielfach  zu  arm  an  Zucker  und  Säure  ist,  ein  Zusatz  hieran  gemacht  werden.  Will  man
den  Alkohol  als  solchen  zusetzen,  so  darf  auch  hier  nur  der  reinste  Weinsprit  verwendet ­
  werden;  besser  ist  aber  schon  der  Zusatz  von  reinem  Zucker  zu  Most,  weil  das
bei  der  Gärung  sich  bildende  Glyzerin  ebenfalls  die  Haltbarkeit  erhöht.  Der  Zusatz  von
Säuren,  als  welche  man  Weinsäure  und  Zitronensäure  anwendet,  läßt  sich  besonders  bei
Birnen  weinen  vielfach  nicht  umgehen,  weil  die  Birnen  mitunter  nur  0,1—0,2  °/ 0  Säure
enthalten.  Auch  pflegt  der  Säure-Rückgang  (Übergang  der  Äpfelsäure  in  Milchsäure)
bei  Äpfel-  und  Birnenweinen  besonders  stark  zu  sein.  Die  Herstellung  von  Tresterwein, ­
  also  Zusatz  von  Wasser  und  Zucker  zu  den  Obsttrestern  und  abermaliges  Keltern,
ist  bei  diesen  Weinen  erlaubt.  Auch  gegen  das  Einpressen  reiner  Kohlensäure  bei  durch
Schönen  oder  Filtrieren  schal  gewordenen  Obstweinen  läßt  sich  nichts  erinnern.
Die  Unterscheidung  der  Obst-  und  Beerenweine  von  Traubenweinen  durch  die
chemische  Analyse  ist  sehr  schwierig  und  kaum  möglich;  nur  das  völlige  Pehlen  von
Weinsäure  und  Weinstein  ist  entscheidend  für  Obst-  und  Beerenweine.  K.  Kulisch 1 )
sagt  darüber:
„Der  Alkoholgehalt  der  Obstweine  ist  meist  so  niedrig,  wie  ihn  Traubenweine  nur
in  ganz  geringen  Jahren  zeigen.  Im  Verhältnis  dazu  ist  ihr  Säuregehalt  nicht  entsprechend
hoch,  dagegen  der  nach  Abzug  der  Säure  verbleibende  Extraktrest,  sowie  der  Aschengehalt
höher  als  bei  geringen  Traubenweinen.  Der  Stickstoffgehalt  der  Äpfelweine  ist  sehr  viel
niedriger,  als  man  ihn  gewöhnlich  bei  Traubenweinen  beobachtet.  Die  Asche  der  Äpfelweine ­
  ist  an  Phosphorsäure  ziemlich  arm.  Diese  Angaben  haben  natürlich  nur  dann
Geltung,  wenn  reine,  unverbesserte  und  uuvermischte  Obstweine  vorliegen.  Wenn  diese
mit  etwas  Traubenwein  verschnitten  sind,  kann  man  aus  einem  niedrigen  Gehalt  an  Weinstein ­
  und  freier  Weinsäure  keinerlei  Schlüsse  mehr  ziehen,  da  es  Traubenweine  gibt,  die
an  beiden  Substanzen  einen  sehr  geringen  Gehalt  aufweisen.  Nur  das  vollkommene  Pehlen
beider  kann  als  beweisend  gelten.“
V.  Alkoholfreie  Getränke.
Wogen  der  Bewegung  gegen  den  Mißbrauch  alkoholischer  Getränke  werden  zurzeit
durch  Pressen  und  Sterilisieren  von  Obst-  und  Beerenfrüchten  auch  sog.  „alkoholfreie  Weine
und  Getränke“  als  Ersatzmittel  hergestellt;  weil  unter  „Wein“  ein  durch  Gärung  hergestelltes,
alkoholhaltiges  Getränk  verstanden  wird,  so  können  diese  Erzeugnisse  auf  die  Bezeichnung
»Wein“  keinen  Anspruch  machen;  sie  verdienen  eher  den  Namen  „Pruchtsäfte“.
Die  Untersuchung  erfolgt  dementsprechend  auch  ganz  wie  die  der  gewöhnlichen
Bruchtsäfte,  Pruchtsirupe  S.  743  u.  747.  Otto  und  Tolmacz 2 )  bestimmen  den  Bxtraktgehalt
  mit  der  Öchsleschen  Mostwage  und  dem  Ballingschen  Saccharometer,  Gesamtsäure
wie  hei  Wein,  die  geringen  Mengen  Alkohol  durch  Destillation  (unter  qualitativer  Prüfung
nach  der  Jodoformprobe  S.  260),  Invertzucker  und  Saccharose  wie  üblich,  und  die  Zuckerarteu
nach  der  Clergetschen  Formel  S.  606  u.  641;  für  die  Polarisation  werden  50  ccm  Flüssigkeit
m  der  Kälte  mit  gereinigter  Tierkohle  versetzt,  gut  durchgemischt,  filtriert  —  bei  stark
ü  Landw.  Jahrbücher  1890,  19,  83.
2 )  Zeitsohr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  9,  267.
        <pb n="813" />
        792

Obst-  und  Beerenfrüehte  sowie  deren  Erzeugnisse.

gefärbten  Flüssigkeiten  mehrmals  durch  Tierkohle  filtriert  —  und  die  Kohle  mit  so  viel
destilliertem  Wasser  ausgewaschen,  daß  die  Gesamtmenge  des  Filtrats  das  Doppelte  der
angewendeten  Saftmenge  beträgt.  Die  Inversion  für  die  Polarisation  wird  nach  der  Zollvorschrift ­
  (S.  631)  ausgeführt.
Für  die  Beurteilung  der  Reinheit  können  dieselben  Anhaltspunkte  dienen  wie
bei  den  Fruohtsäften  S.  752.
Da  alle  Fruchtsäfte  sehr  leicht  in  Selbstgärung  übergehen,  wird  man  von  alkoholfreien ­
  Getränken  keine  völlige  Abwesenheit  von  Alkohol  verlangen  können,  sondern  einen
Gehalt  bis  etwa  0,5  Volumprozent  Alkohol  zulassen  müssen.
VI.  Schaumweine.
Für  Schaumwein  kommt  als  besonderer  Bestandteil  die  Kohlensäure  in  Betracht;
soll  dieselbe  chemisch  quantitativ  bestimmt  werden,  so  kann  dieses  wie  bei  Flaschenbier
S.  735  geschehen.  Man  hat  für  den  Zweck  auch  Druckmesser,  d.  h.  Korkbohrer  mit  Manometer ­
  eingerichtet,  welche  den  Kohlensäuregehalt  aus  dem  abzulesenden  Druck  zu  ermessen
gestatten.  Für  die  Bestimmung  der  übrigen  Bestandteile  des  Schaumweines  muß  die  Kohlensäure ­
  erst  entfernt  werden,  was  wie  bei  Bier  8.  732  zu  geschehen  pflegt.  Der  entkohlensäuerte ­
  Wein  wird  ganz  wie  die  Süßweine  bezw.  bei  den  sog.  Trocken  d.  h.  zuckerfreien ­
  oder  zuokerarmen  —  Schaumweinen  wie  gewöhnlicher  Trinkwein  untersucht.
Zur  Beurteilung  der  Schaumweine  gibt  K.  Windisch 1 )  folgende  Anhaltspunkte:
Nach  dem  Weingesetze  dürfen  Tresterweine,  Hefenweine,  Eosinenweine,  Weine  aus
eingedicktem  Most,  solche  mit  Zusatz  von  künstlichen  Süßstoffen  und  überstreckte  Weine
nicht  zur  Herstellung  von  Schaumweinen  verwendet  werden.  Der  Zusatz  von  Bukettstoffen
(Essenzen)  und  organischen  Säuren  ist  vielfach  üblich  und  als  erlaubt  anzusehen.  Ein
Zusatz  von  Apfelwein  zum  Traubenschaumwein  ist  ohne  Deklaration  nicht  gestattet.  Die
Beimischung  der  in  §  7  des  Weingesetzes  genannten  Stoffe  (S.  785)  ist  auch  bei  den  Schaumweinen ­
  verboten.  Viele  Schaumweine  sind  arm  an  Extrakt-  und  Mineralstoffen.  Die  zur  Herstellung ­
  der  besseren  Schaumweine  vielfach  angewendeten  Claretweine  werden  aus  blauen
Trauben  unter  Anwendung  von  einem  ganz  schwachen  Kelterdruok  gewonnen;  sie  enthalten
daher  hauptsächlich  den  Saft  des  Beerenfleisches,  nicht  aber  den  Saft,  der  in  den  Teilen  um  die
Kerne  (den  Butzen)  und  in  den  Hülsen  enthalten  ist.  Der  Most  aus  dem  Beerenfleische  ist
ärmer  an  Extrakt-  und  Mineralstoffen  als  der  Butzen-  und  Hülsenmost  und  daher  kommt  es,
daß  naturreine  Claretweine  oft  nicht  den  Grenzzahlen  des  Weingesetzes  in  bezug  auf  den
Extrakt-  und  Mineralstoffgehalt  genügen.  Bei  der  zweiten  Gärung  auf  der  Flasche  kommt
wiederum  ein  kleiner  Teil  der  Extrakt-  und  Mineralstoffe  zur  Abscheidung  und  durch  den
Likörzusatz  findet  nochmals  eine  Verdünnung  dieser  Stoffe  statt.  Hierauf  ist  bei  der  Beurteilung ­
  der  Schaumweine  Rücksicht  zu  nehmen.
Das  Weingesetz  bezw.  die  auf  Grund  desselben  erlassene  Bundesratsverorduung  gibt
genaue  Vorschriften  über  die  Bezeichnung  der  Schaumweine.  Das  Land,  in  dem  der
Schaumwein  auf  Flaschen  gefüllt  worden  ist,  muß  auf  der  Flasche  angegeben  sein;  ferner
müssen  Schaumweine,  die  aus  Obst-  oder  Beerenweinen  hergestellt  sind,  eine  entsprechende
Bezeichnung  tragen.  Dagegen  ist  eine  Deklaration,  ob  der  Schaumwein  durch  Flaschengärung ­
  oder  durch  künstliches  Imprägnieren  mit  Kohlensäure  hergestellt  ist,  nicht  vorgeschrieben. ­


VII.  Hilfsstoffe  bei  der  Weinerzeugung.
Bei  der  Weinerzeugung,  sowohl  beim  Anbau  der  Beben  wie  bei  der  Gärung,  werden
eine  Reihe  Hilfsstoffe  benutzt,  die  zu  untersuchen  vielfach  von  Belang  ist.  Ich  folge  darin
den  Anleitungen  von  K.  Windisch. *  2 )

J )  K.  Windisch,  Anleitung  zur  Untersuchung  von  Most  und  Wein  für  Praktiker.
Wiesbaden  1904,  299.
2 )  Ebenda  320  u.  ff.
        <pb n="814" />
        Hilfsstoffe  bei  der  Weinerzeugung.

793

1.  Hilfsstoffe  für  die  Bekämpfung  yon  Rebkrankheiten.  a)  Zur  Bekämpfung
der  Blattfallkrankheit,  die  durch  den  Pilz  Peronospora  yiticola  verursacht  wird,  dient
die  aus  Kupfersulfat  und  Kalk  hergestellte  Kupferkalkbrühe.  Das  hierzu  empfohlene
Kupfersulfat  enthält  nach  Windisch  häufig  Ferro-,  Zinksulfat  und  andere  billigere
Sulfate;  die  Untersuchung  auf  Reinheit  ist  bekannt  und  findet  sich  in  jedem  Lehrbuch  der
analytischen  Chemie.  Über  die  Untersuchung  von  gebranntem  Kalk  siehe  S.  112.  Es
muß,  weil  unzersetztes  Kupfersulfat  für  Eebenblätter  schädlich  wirkt,  so  viel  Kalkmilch
zu  der  Lösung  von  Kupfersulfat  gesetzt  werden,  daß  die  Brühe  nach  sorgfältigem  Mischen
alkalisch  reagiert.
b)  Zur  Bekämpfung  des  Traubenpilzes  (Aescherig,  Oidium  Tuckeri)  werden  die
Reben  mit  Schwefel  bestreut.  Als  solchen  verwendet  man  entweder  Schwefelblüte  oder
feinstgepulverten  Stangensohwefel,  Letzterer  ist  wegen  seiner  größeren  Reinheit  vorzuziehen. ­
  Gepulverter  Stangensohwefel  bildet  unter  dem  Mikroskop,  mit  verdünntem
Alkohol  angefeuchtet,  unregelmässige  Stücke  mit  scharfen  Kanten;  Schwefelblüte  dagegen
runde  Körnchen.  Brsterer  löst  sich  ganz  in  Schwefelkohlenstoff,  Schwefelblüte  dagegen  nicht.
Durch  Schwefelkohlenstoff  lassen  sich  auch  die  Verunreinigungen  des  Schwefels
nachweisen  und  quantitativ  bestimmen,  indem  man  den  ungelösten  Teil  auf  einem  gewogenen
Filter  sammelt  und  wägt.  Aus  der  Farbe  bezw.  dem  Aussehen  des  Rückstandes  läßt  sieh
schon  erschließen,  ob  derselbe  von  ungelöstem  Schwefel  der  Schwefelblüte  oder  von  sonstigen
Verunreinigungen  herrührt.  Sind  letztere  unverbrennlich,  so  kann  man  sie  auch  durch
Verbrennen  des  Schwefels  in  einem  Porzellantiegel  —  nicht  in  einem  Platintiegel  —
bestimmen.  Das  Sohwefelpulver  soll  höchstens  0,25  °/„  mineralische  Verunreinigungen
enthalten.  Der  wichtige  Reinheitsgrad  des  Sohwefelpulvers  wird  mit  dem  Sulfurimeter
von  Chanoel  (vergl.  Windisch,  1.  c.  S  337)  ermittelt,  welches  darauf  beruht,  daß
Schwefel  (5  g)  nach  dem  Schütteln  mit  Äther  in  einer  kalibrierten  Röhre  von  bestimmtem
Inhalt  einen  um  so  größeren  Raum  einnimmt,  je  feiner  gemahlen  er  ist.
Der  Verband  landw.  Versuchs-Stationen  i.  D.  R.  hat  für  die  Untersuchung  und  Beurteilung ­
  des  Weinbergschwefels  folgende  Vereinbarungen 1 )  beschlossen:
1.  „Bei  Bestimmung  des  Reinheitsgrades  nach  Chancel  ist  es  notwendig,
chemisch  reinen,  über  Natrium  destillierten  Äther  zu  verwenden.“
2.  „Auch  wenn  chemisch  reiner  Äther  verwendet  wird,  kann  eine  Übereinstimmung ­
  der  Ergebnisse  nur  erreicht  werden,  wenn  Apparate  von
gleichmäßigen  Dimensionen  benutzt  werden  (zweckmäßig  sind  folgende
schon  von  Portele  [Weinlaube  24,  376]  empfohlenen  Dimensionen;  Gehalt
bis  zur  Marke  100  bei  17,5°  [unterer  Meniskus]  25  ccm,  Länge  des  Rohres
bis  zum  Teilstrich  100  175  mm,  Länge  des  geraden  Rohres  vom  Teilstrich
10—100  154  mm,  innerer  Durchmesser  des  Rohres  12,68  mm),  wenn  bei  Ausführung ­
  der  Bestimmungen  nach  dem  Durchschütteln  j  ede  Erschütterung
vermieden  wird  und  wenn  bei  einer  einheitlichen  Temperatur,  zweckmäßig ­
  bei  17,5°  gearbeitet  wird.“
3.  „Bei  der  Bestimmung  des  Reinheitsgrades  ist  ein  Analysenspielraum
von  5°  Chancel  zu  gewähren.“
4.  „Die  Minderwertsberechnung  geschieht  wie  folgt;  Die  Differenz  zwischen
den  Preisen  von  je  100  kg  Schwefel  von  dem  nächst  höheren  und  dem
nächst  niedrigeren  Reinheitsgrad  ist  zu  dividieren  durch  die  Differenz
zwischen  den  Reinheitsgraden  selbst  und  so  der  Preis  von  1°  Chancel
für  100  kg  Schwefel  festzustellen.  Ist  bei  der  Untersuchung  ein  über  5°
Chancel  geringerer  Reinheitsgrad  gefunden  worden,  als  garantiert  ist,
so  wird  der  Minderwert  für  100  kg  Schwefel  ermittelt,  indem  man  die
Zahl  der  fehlenden  Grade  mit  dem,  wie  beschrieben,  gefundenen  Preis
von  1°  Chancel  multipliziert.“
2.  Hilfsstoff'e  bei  der  Gärung.  Als  Hilfsstoffe  bei  der  Gärung  kommen  in  Betracht
Rohr-  und  Invertzucker  sowie  technisch  reiner  Stärkezucker.  Über  die  Unter9 ­

  Landw.  Versuchs-Stationen  1905,  61,  353.
        <pb n="815" />
        794

Obst-  und  Beerenfrtichte  sowie  deren  Erzeugnisse.

suchung  des  Eohr-  und  Invertzuckers,  wovon  nur  die  reinste  Sorte  verwendet  werden
soll  (vergl.  S.  619).  Ein  mit  Ultramarin  gebläuter  Rohrzucker  ist  nachteilig  für  die
Weinbereitung.  Um  auf  Ultramarin  zu  prüfen,  bringt  man  eine  kleine  Menge  Zucker  mit
wenig  Wasser  durch  Erhitzen  zum  Schmelzen;  das  Ultramarin  gibt  sich  dann  als  ungelöster
blauer  Farbstoff  zu  erkennen.  Über  die  Untersuchung  des  Stärkezuckers  vergl.  S.  655.
VIII.  Hilfsstoffe  bei  der  Kellerbehandlung.
1.  Schönungsmittel.  Als  solche  kommen  in  Betracht:
a)  Hausenblase  (Schwimmblase  von  Aoipenser  Huso  und  anderen  Hausenarten).  Zur
Verfälschung  dienen  auch  die  Schwimmblasen  anderer  Fische,  sowie  eigens  zubereitete
Schaf-  und  Ziegendärme.  K.  Windisch  empfiehlt  keine  gemahlene  Hausenblase,  sondern
die  beste  (russische)  Hausenblase  von  weißer,  durchscheinender  Beschaffenheit  sowie  ohne
Geruch  und  Geschmack  zu  verwenden;  sie  enthält  etwa  15  °/ 0  Stickstoff  und  0,6  °/ 0  Asche.
b)  Gelatine.  Sie  findet  in  zwei  Formen,  der  Gelatine  Lain6  und  der  Gelatine
für  Kochzweoke,  Verwendung.  Brstere,  ein  französisches  Erzeugnis,  löst  sich  infolge
längeren  Kochens  bei  der  Zubereitung  leichter  in  Wasser,  gelatiniert  nicht  mehr,  wirkt
aber  auch  nur  schwach  schönend.  Von  der  Kochgelatine  sollen  nur  dünne,  farblose,  durchsichtige ­
  Blätter,  deren  Lösung  weder  leimartig  noch  seifenartig  oder  schwach  faulig  schmeckt,
verwendet  werden.
c)  Eiweifs.  K.  Windisch  empfiehlt  stets  die  Anwendung  von  natürlichem  Biereiweiß, ­
  nicht  das  getrocknete  Eiweiß;  letzteres,  ein  gelblich  weißes  Pulver,  soll  nicht  faulig
riechen  und  schmecken.
d)  Kasein.  Das  getrocknete  Milchkasein  soll  ein  lockeres,  weißes  Pulver  ohne  Geruch ­
  und  Geschmack  bilden  und  sich  in  kaltem  oder  lauwarmem  Wasser  beim  Verrühren
zu  einer  milchig  trüben  Flüssigkeit  lösen.
e)  Spanische  Erde  (Tierra  di  vino).  Dieselbe  ist  als  Verwitterungserzeugnis  vom
Feldspat  ein  äußerst  feinpulveriger  Ton,  der  leicht  riechende  Stoffe  aufnimmt.  Um  auf  den
Geruch  zu  prüfen,  übergießt  man  sie  mit  Wasser;  stark  riechende  spanische  Erde  soll  nicht
verwendet  werden.  Manche  spanische  Erden  des  Handels  enthalten  auch  erhebliche  Mengen
von  kohlensaurem  Kalk,  welcher  einen  Rückgang  der  Säure  im  Wein  bewirken  kann.  Die
Bestimmung  des  kohlensauren  Kalkes  erfolgt  nach  S.  15  bezw.  S.  102,  der  Ton  wird  nach
S.  107  untersucht.
f)  Tannin.  Falls  die  Anwendung  von  Gerbstoff  zum  Schönen  des  Weines  erforderlich
ist,  soll  man  nur  reinsten  Galläpfelgerbstoff  anwenden,  der  einen  reinen  zusammenziehenden
Gerbstoffgeschmack  besitzen  und  sich  in  Wasser  zu  einer  klaren,  nur  wenig  gefärbten
Flüssigkeit  lösen  soll.
Außer  diesen  altbewährten  Schönungsmitteln  werden  vielfach  noch  neue  besondere
Mittel  für  diesen  Zweck  im  Handel  angepriesen,  die  aber  durchweg  eine  verwerfliche  Zusammensetzung ­
  besitzen.  So  bestand  nach  K.  Windisch  Heins  Schnellklärmittel
aus  zwei  Flüssigkeiten,  von  denen  die  eine  Zinksulfat,  die  andere  Ferrocyankalium  enthielt.
Münters  Sohnellklärmittel  bestand  ebenfalls  aus  zwei  Flüssigkeiten;  die  eine  enthielt
Ferrocyankalium  und  Kaliumkarbonat,  die  andere  Zinksulfat,  Borsäure,  Salizylsäure,  Hausenblase
  und  Gelatine,  Durch  beide  Klärmittel  gelangt  Zink  in  den  Wein;  letzteres  verbietet
sich  auch  wegen  des  Gehaltes  an  Borsäure  und  Salizylsäure.
Limpidol  war  eine  Lösung  von  Eiweiß  in  Kali  unter  Zusatz  von  Borax,  der  verboten
ist;  Albumine  liquide  war  eine  durch  schweflige  Säure  haltbar  gemachte,  mit  einem  gelben
Farbstoff  versetzte  Hausenblasensohöne,  Clarifiant  Lamolle  dasselbe,  aber  ohne  gelben
Farbstoff.
2.  Sonstige  Hilfsstelle  hei  der  Kellerbehaudlung.
a)  Schwefel  zum  Einbrennen  der  Fässer.  Hierzu  soll  nur  reiner,  kein  mit  Gewürzen ­
  vermischter  Schwefel  verwendet  werden.  Die  aus  reinem  Schwefel  hergestellten
Schwefelschnitte  sind  rein  gelb.  Mitunter  kann  der  Schwefel  auch  Arsen  enthalten.  Man
prüft  hierauf  nach  S.  178,  K.  Windisch  schlägt  folgendes  einfache  Verfahren  vor;
„Man  bröckelt  den  Schwefel  von  der  Schnitte  ab,  bringt  1  g  davon  in  ein  Probierröhrchen, ­
  gibt  15  Tropfen  Ammoniak  (Salmiakgeist)  und  2  ccm  destilliertes  Wasser  hinzu,
        <pb n="816" />
        Hilf'sstoffe  bei  der  Kellerbeliandlung.  —  Abfälle  von  der  Weinbereitung.  795

schüttelt  das  Ganze  tüchtig  durch  und  läßt  es  1 / 2  Stunde  stehen.  Alsdann  filtriert  man  die
Flüssigkeit  durch  ein  kleines  Filter  in  ein  Probierröhrchen,  fügt  zu  dem  Filtrate  30  Tropfen
Salzsäure  und  16  Tropfen  einer  Oxalsäurelösung,  stellt  einen  blanken  Streifen  Messingblech
in  die  Flüssigkeit  und  erhitzt  auf  60—100°,  indem  man  das  Probierröhrchen  in  ein
kochendes  Wasserbad  taucht.  Bei  Gegenwart  von  Arsen  in  dem  Schwefel  entsteht  auf  dem
Messingblech  sofort  ein  eisenfarbiger  bis  schwarzer  Überzug  von  metallischem  Arsen.
Arsenhaltige  Schwefelschnitte  dürfen  nicht  verwendet  werden,
b)  Kohlensaurer  Kalk.  Zum  Entsäuern  der  Weine  soll  nur  reiner,  gefällter
kohlensaurer  Kalk  verwendet  werden.  Über  die  Untersuchung  vergl.  S.  101.
c)  Holzkohle.  Dieselbe  wird  angewendet,  um  dem  Weine  fremdartige  Geruchstoffe
zu  entziehen;  hierzu  eignet  sich  am  besten  Kohle  von  Lindenholz  oder  von  anderen  Laubhölzern, ­
  nicht  aber  solche  von  Nadelhölzern;  sie  muß  gut  gebrannt  sein  und  darf  keine
teerigen  Stoffe  mein'  enthalten.  Auch  wirkt  frisch  geglühte  Holzkohle  besser  als  längere
Zeit  gelagerte  Holzkohle.
d)  Tierkohle.  Sie  dient  zur  Entfernung  von  Farbstoffen  aus  dem  Wein,  z.  B.  von
Rotweinfarbstoff  aus  Claretweinen.  Die  Tier-  oder  Knochenkohle  muß  fein  gepulvert,
durch  Auskoohen  mit  starker  Salzsäure  und  sorgfältiges  Auswaschen  mit  Wasser  gereinigt
und  feucht  auf  bewahrt  werden.  Über  die  Untersuchung  vergl.  S.  617.
e)  Kohlensäure.  Zur  Auffrischung  matt  gewordener  Weine  oder  auch  zur  Herstellung ­
  von  Schaumweinen  wird  jetzt  allgemein  flüssige  Kohlensäure  in  schmiedeeisernen
Flaschen  (Bomben)  verwendet.  Selbstverständlich  muß  auch  hier  die  reinste  Kohlensäure
verwendet  werden.  Üm  sie  zu  prüfen,  leitet  man  sie  nach  K.  Windisch  erst  in  eine
kleine  Menge  Wein  und  stellt  fest,  ob  dieser  einen  fremdartigen  Geruch  und  Geschmack
annimmt.  Über  die  sonstige  Untersuchung  der  Kohlensäure  vergl.  L.  Grünhut,  Chem-Ztg.
  1896,  1!),  655.
f)  Alkohol.  Zum  Spülen  der  Fässer  und  Flaschen  mit  Alkohol,  wodurch  nicht  über
1  Volumprozent  Alkohol  in  den  Wein  gelangen  darf,  soll  nur  reinster,  fuselfreier  Alkohol,
sog.  Fein-(Wein-)sprit  von  etwa  96  Volumprozent  verwendet  werden.  Über  die  Untersuchung ­
  auf  Reinheit  vergl.  S.  671  u.  ff.
IX.  Abfälle  von  der  Weinbereitung.
Zu  den  Abfällen  der  Weinbereitung  gehören:
1.  Das  Weingeläger  (Weinhefe  und  Rohweinstein).  Die  abgesetzte  Weinhefe  wird
vielfach  mit  Zuokerwasser  übergossen  und  nochmals  der  Gärung  unterworfen.  Man  erzielt
auf  diese  Weise  den  Hefenwein  als  Haustrunk  oder  durch  Destillation  den  Hefenbranntwein. ­
  Die  rückständige  Hefe  wird  vereinzelt  zur  Düngung  verwendet;  richtiger
aber  ist  ihre  Verarbeitung  auf  saueres  weinsaures  Kalium  bezw.  Weinsäure  gleichzeitig
mit  dem  sich  ausscheidenden  Rohweinstein  in  den  Fässern  während  der  Gärung.  Zur
Wertbestimmung  der  Rohweinsteine  und  Weinhefen  wendet  man  das  zuerst  von  Goldenberg, ­
  Geromont  &amp;amp;  Co.  angegebene,  später  von  F.  Gantter  und  R.  Fresenius  verbesserte ­
  Verfahren 1 )  an:
„6  g  fein  gemahlener  und  gepulverter  Rohweinstein  oder  Weinliefe  werden  mit
9  com  verdünnter  Salzsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,1  mindestens  2  Stunden  bei  Zimmertemperatur ­
  digeriert.  Die  Masse  wird  dann  quantitativ  mit  destilliertem  Wasser  in  ein
100  ccm  fassendes  Meßkölbchen  gespült.  Nach  dem  Auffüllen  auf  100  ccm  und  tüchtigem
Umsohütteln  filtriert  man  durch  ein  trocknes  Faltenlilter  in  ein  trocknes  Gefäß  und  mißt
sofort  vom  Filtrate  60  ccm  in  ein  Becherglas  ab.  Hierbei  ist  darauf  zu  achten,  daß  die
50  ccm  genau  der  Hälfte  der  100  ccm  des  Meßkölboheus  entsprechen.
Die  abgemessenen  50  ccm  werden  in  dem  mit  einem  Uhrglase  bedeckten  Becherglase ­
  vorsichtig  mit  18  ccm  Pottaschelösung  (10  ccm  =  2  gK 3 C0 3 )  gekocht,  und  zwar  vom
Kochen  an  10  Minuten  lang,  bis  sich  der  kohlensaure  Kalk  pulverig  abgeschieden  hat.
Nachdem  das  Uhrglas  mit  Wasser  abgespült  ist,  wird  der  Inhalt  des  Becherglases  durch

l )  Zeitsohr,  f.  anal.  Chemie  1890,  29,  677  und  579,  ferner  1898,  37,  312.
        <pb n="817" />
        796

Obst-  und  Beerenfrttchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

ein  Saugfilter  abfiltriert,  das  Becherglas  mit  siedendem  Wasser  bis  zur  neutralen  Reaktion
ausgespült,  der  kohlensaure  Kalk  auf  dem  Eilter  ebenfalls  mit  siedendem  Wasser  ausgewaschen ­
  und  die  alkalische  Flüssigkeit  aus  der  Koohflasche  schließlich  in  eine  Porzellanschale ­
  gebracht.  Die  Flüssigkeit  in  der  Porzellanschale  wird  auf  dem  Wasserbade  bis  auf
etwa  15  ccm  eingedampft,  nach  dem  Erkalten  sofort  mit  3  ccm  Eisessig  versetzt  und
5  Minuten  lang  gerührt.  Danach  kann  man  die  Untersuchung  sogleich  fortsetzen,  aber  auch
ruhig  einige  Zeit  und  nötigenfalls  bis  zum  nächsten  Tage  stehen  lassen.
Nun  gibt  man  100  ccm  Alkohol  von  94—96  °/ 0  zu  und  rührt  wiederum  6  Minuten
lang,  bis  der  entstandene  Weinsteinniedersohlag,  welcher  anfangs  käsig-flockig  ausfällt,
fein  körnig-kristallinisch  geworden  ist.
Der  Weinsteinniederschlag  wird  dann  sofort  in  folgender  Weise  auf  ein  konisches
Saugfilter  gebracht:  Man  läßt  den  Niederschlag  erst  in  der  Schale  ordentlich  absitzen,  gießt
den  darüber  stehenden  Alkohol  durch  das  Filter  und  spült  zuletzt  den  Niederschlag
selbst  auf  das  Filter.  Nun  wird  zuerst  die  Schale  mit  Alkohol  bis  zum  Verschwinden
der  sauren  Reaktion  ausgespült  und  dann  der  Niederschlag  auf  dem  Filter  selbst  gleichfalls
bis  zum  Verschwinden  der  sauren  Reaktion  ausgewaschen.  Schließlich  wird  der  Niederschlag ­
  samt  Filter  in  ein  Beoherglas  gebracht,  der  in  der  Porzellanschale  haftende  Weinstein ­
  mit  siedendem  Wasser  dazugespült,  so  daß  man  etwa  100—120  ccm  Flüssigkeit  hat;
diese  werden  mit  1 / 2  Normal-Kalilauge  titriert.
Die  Berechnung  ist  bei  Weinhefen  unter  Berücksichtigung  der  früher  bekannt  gegebenen ­
  Korrektur  vorzunehmen.  9
Bei  der  Untersuchung  von  Weinstein  und  weinsaurem  Kalk  werden  3  g  der  Substanz
angewendet,  diese  ebenfalls  mit  9  ccm  Salzsäure  digeriert;  die  Masse  wird  dann  aber  auf
100,5  ccm  verdünnt  und  von  dem  Filtrate  werden  50  ccm  zur  Untersuchung  weiter  verwendet. ­
  Bei  Weinstein  und  weinsaurem  Kalk  fällt  die  Korrektur  in  der  Berechnung  weg.
Die  x / 2  Normal-Kalilauge  ist  auf  chemisch  reinen  Weinstein  einzustellen,  und  zwar
unter  Benutzung  desselben  Laokmuspapiers,  welches  zu  der  Titration  dient.“
B.  Philips  &amp;amp;  Co.  haben  dieses  Verfahren  dahin  abgeändert,  dass  sie  10  g  Weinstein ­
  oder  Hefe  mit  150  ccm  Wasser  aufkoohen  und  mit  Normalnatronlauge  genau
neutralisieren;  hierdurch  geht  alles  Kaliumbitartrat  in  Lösung,  während  Calciumtartrat
unangegriffen  bleibt.  Mit  der  Lösung  wird  wie  vorstehend  verfahren,  d,  h.  man  bringt
die  Lösung  samt  Niederschlag  auf  200  ccm  —  bei  Hefe  auf  203  ccm  •—  und  scheidet  den
Weinstein  ab.  Da  aber  die  Lösung  kein  kohlensaures  Kalium  enthält,  so  setzt  man  nicht
5'  ccm,  sondern  nur  3  com  Eisessig  zu.  Auf  diese  Weise  findet  man  den  wirklichen  Gehalt
an  Kaliumbitartrat,  während  die  Differenz  zwischen  diesem  Wert  und  dem  nach  vorstehendem
Verfahren  gefundenen  Ergebnis  —  Bestimmung  der  gesamten  Weinsäure  —  den  Gehalt  an
Calciumtartrat  in  Äquivalenten  Bitartrat  liefert.
2.  Wein-  und  Obsttrester.  Die  Trester  von  den  weißen,  süß  gepreßten  Trauben
(bezw.  Obst)  lassen  sich,  weil  sie  keine  nennenswerten  Mengen  Alkohol  und  Weinstein
enthalten,  entweder  direkt  frisch  oder  nach  dem  Binsäuern  (mit  Salzzusatz)  zur  Fütterung
verwenden.  Die  Trester  von  den  auf  den  Trestern  vergorenen  Rotweinen  lassen  sich  aber
wegen  des  verhältnismäßig  hohen  Gehaltes  an  Weinstein  und  Alkohol  nicht  direkt  verfüttern. ­
  weil  sie  Wehen  (bei  trächtigen  Kühen)  und  Durchfall  hervorrufen.  Diese  Trester
werden  daher  vorher  nach  Verdünnen  mit  Wasser  abgebrannt,  um  den  Tresterbranntwein
zu  gewinnen,  und  wenn  dann  die  in  der  Blase  befindliche  Flüssigkeit,  die  den  größten
Teil  des  Weinsteins  gelöst  enthält,  abgegossen  wird,  so  ist  auch  dieser  Tresterrüokstand
zur  Fütterung  geeignet.
Die  Untersuchung  von  Wein-  und  Obsttrestern  auf  Putterwert  erfolgt  nach  S.  258,

J )  Bei  gefundenem  Weinsäuregehalt  von  20  °/ 0  sind  0,7  °/ 0  in  Abzug  zu  bringen  und
bei  (20  -f-  n)  °/ 0  zu  rechnen  (20  -)-  n)  °/ 0  —  (0,7  -fix  0,02)  °/ 0  Weinsäure.
        <pb n="818" />
        Wasser

A.  Untersuchung  von  Trink-  und  häuslichem
Gebrauchswasser.
I.  Örtliche  Voruntersuchung  und  Probenahme.
Die  richtige  Probenahme  eines  Wassers  ist  für  das  Ergebnis  der  Untersuchung  nicht
minder  wichtig,  wie  die  chemische  und  bakteriologische  Untersuchung  selbst.  Gerade
dadurch,  daß  man  das  Wasser  entweder  nicht  in  der  richtigen  Weise  entnimmt  oder  in
ungenügend  gereinigte  Gefäße  füllt  und  letztere  mit  unreinen,  bereits  gebrauchten
Korken  usw.  verschließt,  werden  vielfach  die  gröbsten  Versehen  begangen  und  damit  die
weitere  Untersuchung  eines  Wassers  mehr  oder  weniger  wertlos.
Aus  dem  Grunde  soll  als  erster  Grundsatz  einer  richtigen  Wasseruntersuohung
gelten,  daß  die  Proben  tunlichst  von  dem  Sachverständigen  seihst  entnommen
werden.
Der  Probenahme  soll  aber
1.  eine  Untersuchung  der  örtlichen  Verhältnisse
vorhergehen.
Hierbei  ist  zu  beachten,  ob  das  Wasser
a)  ein  sog.  Oberflächenwasser  ist,  d.  h.  einem  Teiche,  See,  Aufstaubchälter
(Zisterne),  Flusse,  einem  nicht  eingedeckten  Brunnen  (Ziehbrunnen)  oder  einer  nicht  eingedeckten
  Quelle  oder  einer  Talsperre  entstammt.
Solche  Wässer  sind  meistens  nicht  ganz  klar,  im  Sommer  mehr  oder  weniger  warm  und
aus  dem  Grunde  weder  angenehm  noch  appetitlich  als  Trinkwasser.  Auch  können  sie  aus  der
Luft  oder  durch  Abgänge  aus  menschlichen  Wohnungen  leicht  Krankheitskeime  aller  Art
aufnehmen.  Mitunter  findet  man  in  solchen  offenen  Wasserbehältern  oder  unbedeckten
Brunnen  sogar  tierische  Kadaver  aller  Art.
Derartige  Verunreinigungen  können  in  erhöhtem  Maße  bei  Talsperrenwasser,
welches  durch  Oberflächenwasser  aus  weiter  Umgebung  erhalten  wird,  auftreten.  Es  muß
daher  bei  Beurteilung  gerade  dieses  Wassers  die  Beschaffenheit  des  Geländes  im  ganzen  Begensammelgebiet
  berücksichtigt  werden.  Als  vorteilhaft  wird  angesehen,  wenn  das  die  Becken
speisende  Oberflächenwasser  in  größerer  Entfernung  vom  Einlauf  in  das  Sammelbecken
Wiesenflächen,  die  vor  Verunreinigungen  geschützt  werden,  durchrieselt  und  die  Umgehungen
dieser  Wiesen  an  höher  gelegenen  Talhängen  bewaldet  sind.  Auch  auf  die  Beschaffenheit
des  Bodens  der  Sammelbecken  ist  zu  achten;  er  darf  nicht  moorig  oder  sumpfig,  sondern
muß  tunlichst  frei  von  organischen  Stoffen  sein.  Die  Stauhöhe  über  der  Talsohle  soll
tunlichst  nicht  unter  10—12  m  sinken,
b)  ein  Gr  und  wasser  ist,  d.  h.  ein  auf  einer  undurchlassenden  Bodenschicht  (Ton
oder  festem  Gestein)  sich  ansammelndes,  alle  Bodenräume  ausfüllendes,  versickertes  Hegen-  oder
Oberflächenwasser,  welches  bei  sackartiger  Ausdehnung  der  undurchlassenden  Schicht  entweder ­
  ruht,  d.  h.  stillsteht  oder  bei  mehr  oder  weniger  horizontaler  oder  geneigter  Lage
der  undurchlassenden  Schicht  sich  langsam  im  Boden  fortbewegt.  Dieses  Wasser  pflegt  entweder ­
  durch  gedeckte  Kesselbrunnen  (Schachtbrunnen)  oder  Röhrenbrunnen  (Abessinierbrunnen) ­
  gehoben  zu  werden.  Die  sog.  Ziehbrunnen  gehören  auch  zu  den  Schachtbrunnen;
        <pb n="819" />
        798

Trinkwasser.

sie  sind  nur  weniger  tief  und  sehr  häufig  Verunreinigungen  von  außen  ausgesetzt,  daher,
wie  oben  angegeben,  zu  den  Oberflächen  wässern  zu  rechnen.  Bei  artesischen  Brunnen  ist
diese  Möglichkeit  ausgeschlossen.
Bei  Grundwasser  in  genügender  Tiefe  und  einem  reinen  Boden  ist  eine  Verunreinigung ­
  nicht  zu  befürchten,  wenn  die  Brunnen  den  weiter  unten  gestellten  hygienischen
Anforderungen  entsprechen,  d.  h.  wenn  sie  so  eingerichtet  sind,  daß  weder  von  oben  noch
von  den  Seiten  offene,  unfiltrierte  Tagewässer  irgendwelcher  Art  zufließen  können.
Aus  dem  Grunde  sind  zu  beachten:
a)  die  Tiefe  des  Brunnens,  d.  h.  die  Tiefe  der  Wasserschicht  unter  der  Erdoberfläche, ­
  aus  welcher  das  Wasser  geschöpft  wird,  ferner  der  gewöhnliche  Stand  des
Grundwassers,  seine  Schwankungen  und  seine  Stromrichtung;
ß)  die  Beschaffenheit  des  Bodens,  und  zwar  sowohl  der  unteren  Bodenschichten,
in  welchen  der  Wasserspiegel  des  Brunnens  sich  befindet,  als  auch  der  Bodenschichten
oberhalb  des  Wasserspiegels,  durch  welche  unter  Umständen  das  Regen-  und  Tagewasser
zum  Brunnen  filtriert;  ob  das  Gelände  aus  Acker,  Wiesen  oder  Wald  besteht;
y)  die  Art  der  Wandung  des  Brunnens,  also  ob  Röhrenbrunnen  oder  Kesselbrunnen ­
  vorliegen,  und  bei  letzteren,  ob  die  Wandung  aus  Bruch-  oder  Backsteinen,  mit
Kalk-  oder  Zementmörtel  gemauert  ist,  ob  der  Wasserbehälter  aus  Steinmauerung  besteht
oder  mit  Holz,  und  mit  welchem  Holz  gefaßt  ist;
&amp;lt;S)  die  Lage  und  Bedeckung  des  Brunnens,  ob  die  Bedeckung  bezw.  die
Wölbung  des  Brunnens  sicher  wasserdicht  ist,  so  daß  von  oben  kein  Wasser  eiudringen
kann  ;  ob  dieselbe  höher,  wie  notwendig,  oder  tiefer  liegt  als  die  umliegende  Bodenoberfläche,
ob  der  Brunnen  an  einem  Abhange  oder  in  einer  Vertiefung  liegt;
e)  die  Umgebung  des  Brunnens,  ob  und  in  welcher  Entfernung  vom  Brunnen
sich  Aborte,  Jauchebehälter,  Düngergruben  oder  Stallungen;  ob  und  in  welcher  Entfernung
sich  Rinnsale,  Abzugsgräben  oder  Bäche,  die  Schmutzwasser  aus  einem  Hause  oder  aus  bewohnten ­
  Ortschaften  oder  von  Fabriken  bezw.  industriellen  Anlagen  und  von  welchen  mit
sich  führen,  befinden.
Hierbei  kann  aber  nicht  genug  betont  werden,  daß  man  bezüglich  der  Beurteilung
über  die  etwaigen  Beziehungen  einer  Brunnenverunreinigung  zu  den  unreinen  Abläufen
sehr  vorsichtig  sein  muß.  Wenn  sich  z.  B.  ein  Brunnen  durch  Abort-  oder  Jauohestoffe  verunreinigt ­
  zeigt,  so  darf  mau  nicht  ohne  weiteres  die  nächstgolegene  Abort-  oder  Jauchegrube
hierfür  verantwortlich  machen,  es  sei  denn,  daß  sich  der  Zufluß  des  Inhaltes  derselben  in
den  Brunnen  direkt  verfolgen  oder  sehen  läßt.  Wenn  das  nicht  der  Fall  ist,  so  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß  auch  entfernt  liegende  Abort-  oder  Jauchegruben  an  der  Verunreinigung
beteiligt  sein  oder  diese  allein  verursachen  können,  nämlich  dann,  wenn  auf  oder  in  die
wasserführende  Schicht  für  den  betreffenden  Brunnen  auch  der  Inhalt  dieser  Abortoder ­
  Jauchegruben  gelangt  oder  die  nächstgelegenen  Gruben  dieser  Art  völlig  wasserdicht
sind  und  nichts  in  den  Boden  gelangen  lassen.  Über  den  zu  liefernden  Nachweis  vergl.
weiter  unten.
c)  Quell  wasser;  dasselbe  unterscheidet  sich  nur  dadurch  vom  Grundwasser,  daß  es
sich  im  Boden  auf  undurchlassenden  Schichten  fortgesetzt  mehr  oder  weniger  rasch  fortbewegt ­
  und  an  einer  niedriger  gelegenen  Stelle  offen  zutage  tritt.  Für  die  Zusammensetzung ­
  und  Beschaffenheit  eines  Quellwassers  kommen  daher  dieselben  Umstände  in  Betracht ­
  wie  für  das  Grundwasser;  die  Zusammensetzung  wie  Beschaffenheit  des  Quellwassers
sind  ganz  von  den  Boden-  bezw.  Gebirgsschichten  abhängig,  welche  es  durchfließt.  Vielfach ­
  wird  das  Quellwasser  für  besonders  rein  gehalten.  Dieses  trifft  aber  nur  bedingungsweise ­
  zu.  Wenn  die  Bodenschichten,  die  es  durchrieselt,  genügend  dicht,  tief  und  frei  von
Verunreinigungen  sind,  so  kann  ein  Quellwasser  sehr  rein  und  stets  gleichmäßig  kühl  sein,
wenn  es  gleichzeitig  in  den  Boden-  bezw.  Gebirgsschichten  einen  genügend  langen  Weg
zurückgelegt  hat.  Wenn  das  Regenwasser  aber  in  offenen  Spalten  und  Rissen  versickert,  so
kann  es  auch  recht  häufig  verunreinigt  sein,  und  zwar  um  so  mehr,  je  mehr  die  oberen  Bodenschichten ­
  Verunreinigungen  ausgesetzt  sind.  Solche  Quellwässer  zeigen  dann  häufig,  besonders ­
  nach  starken  Regengüssen,  sogar  eine  trübe  Beschaffenheit  sowie  eine  schwankende
        <pb n="820" />
        Örtliche  Untersuchung.

799

Temperatur  und  bedürfen  behufs  Verwendung  als  Trinkwasser  gerade  so  gut  einer  vorherigen ­
  Reinigung  wie  Oberflächenwasser.
Im  allgemeinen  gibt  man  für  Wasserversorgungen  einem  gut  filtrierten  Grundwasser
den  Vorzug.
d)  Filtriertes  Wasser;  trübes  oder  zeitweise  verunreinigtes  Teich-,  See-oder  Flußwasser
  wird  allgemein  der  Filtration  durch  Sandschichten,  Sandsteine  usw.  unterworfen;
eisenhaltige  Grundwässer  werden  erst  gelüftet  und  daun  filtriert.  Hierbei  ist  sowohl  die
Filtermasse,  wie  die  Art  der  Filtration  zu  ermitteln,  und  ferner,  ob  die  zur  Filtration  gelangenden ­
  Wässer  fortgesetzt  oder  nur  zeitweise  verunreinigende  Zuflüsse  aus  bewohnten
Ortschaften  oder  von  Fabriken  bezw.  industriellen  Anlagen  erhalten  und  von  welchen.
Für  größere  Wasserversorgungsanlagen  ist  eine  gemeinsame  Reinigung  durch
Sandfilter  am  zweckmäßigsten.  Die  sog.  Hausfilter  sind  nur  ein  Notbehelf;  da  bei
allen  früher  oder  später  ein  Durchwachsen  von  Keimen  eintritt,  so  bedürfen  sie  einer  sehr
häufigen  Reinigung.  Bei  Leitungswasser  ist  auch  die  Art  der  Masse  der  Leitungsröhren ­
  zu  berücksichtigen,  ob  dieselben  aus  Eisen,  Kupfer,  Blei  oder  Zinn  mit  Bleimantel
bestehen.
2.  Untersuchung  des  Wassers  an  Ort  und  Stelle.  Nachdem  man  die  unter  b
erwähnten  inneren  und  äußeren  Verhältnisse  des  Brunnens  festgestellt  hat,  bestimmt  man:
a)  Die  Tiefe  des  Brunnens  bezw.  des  Grund  Wassers,  sofern ­
  diese  nicht  schon  bekannt  ist;  zu  dem  Zweck  muß  der
Brunnen  entweder  aufgedeckt  oder  ein  neues  Bohrloch  angelegt
werden.
Die  Tiefe  kann  dann  zweckmäßig,  wenn  das  Wasser  nicht
sehr  flach  steht  und  mit  einer  Meßstange  erreicht  werden  kann,
mit  dem  nebenstehenden  v.  Pettenkofersohen  Schalenapparat
(Pig.  299)  gemessen  werden.  Derselbe  besteht  aus  mehreren  kleinen
Schälchen,  die  in  einer  Entfernung  von  0,5  cm  an  einem  Stabe  angebracht ­
  sind;  letzterer  hängt  an  einem  Meßbande;  das  oberste
Schälchen  bildet  den  Nullpunkt  des  Meßbandes.  Bei  der  Messung
wird  der  Apparat  in  den  Brunnen  gelassen,  bis  er  ins  Wasser  eintaucht, ­
  dann  das  Meßband  an  der  Bodenoberfläche  —  bezw.  einem
festen  Punkt  für  längere  Zeit  fortgesetzte  Messungen  —  abgelesen.
Darauf  wird  der  Meßapparat  herausgezogen  und  uachgesehen,  wieviel
Schälchen  nicht  in  das  Wasser  eingetaucht  haben;  diese  Zahl  muß
mit  0,5  multipliziert  und  das  Produkt  zu  der  abgelesenen  Bandstrecke ­
  hinzugezählt  werden,  um  die  genaue  Tiefe  des  Wasserspiegels
unter  der  Bodenoberfläche  bezw.  dem  festen  Punkt  zu  erhalten.
b)  Die  Beschaffenheit  des  Bodens.  Die  Beschaffenheit  der  Bodenschichten  bis
zur  Wasserschicht  des  Brunnens,  sowie  der  Bodenschicht,  in  welcher  das  Brunnenwasser
sich  sammelt,  ist  schwieriger  zu  ermitteln  als  die  Tiefe  des  Brunnens,  weil  ein  einfaches ­
  Aufdecken  des  Brunnens  keinen  Aufschluß  gibt.  Für  geringere  Tiefen  bis  zu  3  m
kann  man  sich  des  S.  5  abgebildeten  Tellerbohrers  bedienen,  für  größere  Tiefen  sind  kräftigere
Bohrvorrichtungen  erforderlich;  in  anderen  Fällen  können  neue  Brunnenanlagen  oder
sonstige  Bohrungen  in  der  Nähe  des  fraglichen  Brunnens  Aufschluß  geben.  Die  Bohrungen
selbst  werden  in  unmittelbarer  Nähe  des  Brunnens  tunlichst  an  zwei  Seiten  vorgenommen.
An  diese  Ermittelungen  schließen  sich  dann  die  über  die  Art  der  Brunnenwandung,
Bedeckung  usw.  nach  1b.
c)  Prüfung  des  Wassers  auf  Geschmack,  Geruch  und  Aussehen,  ob  hell  und
klar  usw.
Der  Geruch  des  Wassers  tritt  durchweg  am  deutlichsten  beim  schwachen  Erwärmen
desselben  auf,  der  Geschmack  dagegen  wird  zweckmäßig  bei  etwa  15°  ermittelt.
Zur  Beurteilung  des  Aussehens,  ob  hell  und  klar,  getrübt  oder  gefärbt,  bedient
man  sich  am  besten  etwa  70  cm  langer  und  20  mm  weiter  Zylinder  von  farblosem  Glase,
in  welchen  sich  auch  die  Schwebestoffe  niedersolllagen  und  leicht  beurteilt  werden  können.
Die  mit  Wasser  gefüllten  Zylinder  stellt  man  auf  weißes  Papier  und  beurteilt  das

Flg.  289.
Schalenapparat  zur
Messung  des  Grundwasserstandes ­
  nach
v.  Pettenkofer.
        <pb n="821" />
        800

Trinkwasser.

Aussehen,  indem  man  sowohl  von  oben  in  die  Zylinder,  als  auch  seitwärts  durch  dieselben ­
  sieht.
d)  Ermittelung  der  Temperatur  und  der  Reaktion  des  Wassers.
Wenn  das  Wasser  einigermaßen  zugänglich  ist,  so  senkt  man  ein  in  Zehntelgrade
eingeteiltes  Thermometer  in  das  Wasser,  läßt  es  geraume  Zeit  darin  und  beobachtet  den
Stand  desselben  direkt  so  oft  und  so  lange,  bis  keine  Änderung  mehr  eingetreten  ist.
Bei  tieferem  Quell-  und  Grundwasser  senkt  man  eine  große  Eiasche  mit  dem  darin
befindlichen  Thermometer  in  das  Wasser,  läßt  sie,  nachdem  sie  sich  gefüllt  hat,  noch
20—30  Minuten  darin  verweilen  und  liest  die  Temperatur  unmittelbar  nach  dem  Emporziehen ­
  ab.
Bei  einem  nicht  zugänglichen  Brunnen  oder  wenn  das  Wasser  aus  einer  Leitung
ausströmt,  verfährt  man  in  der  Weise,  daß  man  das  Wasser  mittels  eines  großen  Trichters
oder  weiten  Rohres  bis  auf  den  Boden  eines  großen  Gefäßes  (Eimer  oder  Kübel)  leitet,
in  dieses  das  Thermometer  taucht  und  das  Wasser  so  lange  durch-  und  überfließen  läßt,  bis
die  Temperatur  gleichbleibend  geworden  ist.
Mit  dieser  Ermittelung  kann  gleichzeitig  die  der  Reaktion  des  Wassers  verbunden
werden,  wozu  man  sich  des  empfindlichen  roten  sowohl  wie  blauen  Lackmuspapiers,  welches
man  in  einem  dicht  schließenden  Gefäß  aufbewahrt  hat,  bedient.  Um  die  geringen  Veränderungen ­
  besser  unterscheiden  zu  können,  befeuchtet  man  Streifen  desselben  Lackmusoder ­
  Kurkumapapiers  mit  destilliertem  kohlensäurefreiem  Wasser  und  vergleicht  die
Färbungen.  Stark  koblensäurehaltiges  Wasser  zeigt  häufig  eine  schwach  saure  Reaktion,
während  längere  Zeit  gestandenes  oder  gekochtes  Wasser  alkalisch  reagiert.
e)  Probenahme  des  Wassers.  Das  erste  Erfordernis  für  die  Probenahme  des
Wassers  ist  die  vollständige  Reinheit  der  Gefäße,  sowohl  derjenigen,  welche  zum  Schöpfen,
als  auch  derjenigen,  welche  zum  Versenden  bezw.  Aufbewahren  dienen.  Für  letzteren
Zweck  empfehlen  sich  Flaschen  von  weißem  Glase  mit  Glasstöpselverschluß.
k)  Für  Zwecke  der  chemischen  Untersuchung  werden  die  Flaschen  vorher  mit
Salzsäure,  darauf  mit  heißem  Wasser  gereinigt,  zuletzt  mit  kaltem,  destilliertem  und  weiter
mit  dem  zu  entnehmenden  Wasser  nachgespült.  Statt  der  Glasstöpsel  kann  man  sich  auch
der  Korkpfropfen  bedienen,  jedoch  dürfen  diese  noch  nicht  gebraucht,  sondern  müssen
neu  sein  und  dazu  wiederholt  mit  dem  zu  entnehmenden  Wasser  gewaschen  werden.
Bei  einem  offenen,  zugänglichen  Wasser  hält  man  die  Flasche  einfach  einige
Zentimeter  unter  der  Oberfläche,  und  zwar  so,  daß  weder  die  etwaige  staubige  oberste
Schicht  des  Wassers  in  die  Flasche  treten  kann,  noch  Schlamm  aus  den  untersten  Schichten
aufgerührt  wird.  Wenn  man  das  Wasser  nicht  mit  dem  Arm  erreichen  kann,  befestigt
man  je  nach  der  Entfernung  die  Flasche  an  einer  Stange  unter  Beschwerung  mit  einem
Gewicht  und  senkt  sie  auf  diese  Weise  vorsichtig  unter  das  Wasser.
Bei  Flüssen  sind  die  Proben  nicht  nur  an  verschiedenen  Stellen  der  Oberfläche
(an  beiden  Seiten  und  in  der  Mitte),  sondern  auch  tunlichst  aus  verschiedener  Tiefe  zu
entnehmen,  weil  sich  beispielsweise  spezifisch  schwere  Zuflußwässer,  z.  B.  salzreiche  Abwässer, ­
  nur  schwierig  und  erst  allmählich  gleichmäßig  mit  dem  Flußwasser  vermischen.
Auch  soll  die  Probenahme  längere  Zeit  hindurch  durch  Schöpfung  von  Einzelproben  fortgesetzt ­
  werden,  wenn  es  sich  um  ein  in  seiner  Zusammensetzung  schwankendes  Flußwasser
handelt.  Hierbei  müssen  dann  auch  Proben  von  den  verunreinigenden  Zuflüssen  selbst,
sowie  aus  dem  Fluß  oberhalb  dieser  Zuflüsse  entnommen  werden.  Die  zweckmäßigste
Art  der  Probenahme  richtet  sich  indes  ganz  nach  der  Lage  des  Einzelfalles.
Handelt  es  sich  um  ein  Brunnenwasser,  so  wird  die  Pumpe  erst  einige  Minuten
in  Betrieb  gesetzt  und  so  lange  gepumpt,  bis  sicher  alles  Wasser  aus  den  Leitungsröhren
entfernt  ist;  dann  wird  die  Flasche  untergehalten,  erst  wie  oben  einige  Male  mit  dem
Wasser  nachgespült  und  dann  gefüllt.
Bei  einem  Leitungswasser  öffnet  man  den  Hahn,  läßt  erst  einige  Minuten  das
in  der  Rohrleitung  stehende  Wasser  ausfließen  und  verfährt  dann  wie  vorhin.  Als  ausreichend ­
  darf  die  Zeit  des  Ausfließens  angesehen  werden,  wenn  ein  vorgehaltenes  Thermometer ­
  seinen  Stand  nicht  mehr  ändert.
        <pb n="822" />
        Probenahme.

801

Soll  das  Wasser  aus  größeren  Tiefen  entnommen  werden,  so  kann  man  sich  eines
ähnlichen  Schöpfgefäßes  bedienen,  wie  es  unter  „Untersuchung  von  Schmutzwasser“  abgebildet
  ist.
Zweckmäßiger  sind  noch  Schöpfvorriohtungen  der  nachstehenden  Art.
Eine  Glasflasche  mit  künstlich  durch  eine  Messingplatte  beschwertem  Glasstöpsel  befindet ­
  sich  in  einem  Messiuggestell,  das  auf  dem  Boden  entweder  mit  einer  Bleiplatte  oder
durch  ein  unten  in  der  Mitte  herunterhängendes  Gewicht  so  beschwert  ist,  daß  die  Flasche
von  selbst  untersinkt.  Nachdem  man  die  Flasche  bei  geschlossenem  Glasstöpsel  auf  die
gewünschte  Tiefe  in  das  Wasser  gesenkt  hat,  öffnet  man  die  Flasche  durch  Ziehen  an  de
mittleren  Schnur,  läßt  die  Schnur,  wenu  die  Flasche  gefüllt  ist,
wieder  sinken  und  zieht  die  geschlossene  Flasche  heraus.
Ähnliche  SchöpfvorrichtungBn  für  Wasser  aus  größeren
Tiefen  haben  R.  Fresenius, 1 )  v.  Esmarch,' 2 )  W.  Ohlmüller, 3 )
A.  Bujard 4 )  u.  a.  angegeben;  B.  Fischer 3 )  benutzt  Metallzylinder, ­
  in  deren  Boden  und  Deckel  sich  gut  schließende  Ventile
befinden,  die  sich  beim  Herabsinken  in  Wasser  von  selbst  öffnen,
beim  Heraufziehen  dagegen  von  selbst  schließen.
Der  Inhalt  der  Geiäße  wird  nach  der  ersten  Füllung  ausgegossen ­
  und  erst  der  Inhalt  der  2.  Füllung  für  die  Untersuchung
verwendet.
Für  die  Zwecke  der  vollständigen  chemischen
Untersuchung  eines  Wassers  sind  10  1,  für  die  einer
beschränkten  mindestens  2—31  erforderlich.
ß)  Die  Probenahme  für  die  mikroskopische  und
biologische  Wasseruntersuchung.  Bakteriologische  Trinkwasseruntersuchungen ­
  werden  in  der  Praxis  meist  an  Kesselbrunnen, ­
  Sammelbrunnen  und  Zapfhähnen  der  Wasserleitungen,
seltener  aber  an  Rohrbrunnen,  Bohrlöchern  und  offenen  Gewässern
auszuführen  sein.  Soll  an  Bohrlöchern  mit  völliger  Sicherheit  die
Keimfreiheit  des  erbohrten  Wassers  festgestellt  werden,  so  ist
große  Vorsicht  nötig.  Das  gewöhnlich  empfohlene  längere  Auspumpen ­
  genügt  nicht,  um  die  im  Bohr  enthaltenen,  von  der  Erdoberfläche ­
  stammenden  Keime  zu  beseitigen.  Es  muß  zunächst
das  Kohr  desinfiziert  werden,  was  am  besten  mittels  gespannten
Wasserdampfes  geschieht;  um  eine  Probe  mittels  besonderer
Apparate  in  der  Tiefe  zu  entnehmen,  sind  die  Apparate  vorher
ebenfalls  zu  sterilisieren.  Diese  Apparate  beruhen  alle  auf
dem  Grundsatz,  daß  eine  sterilisierte  Flasche  in  der  gewünschten ­
  Tiefe  geöffnet  und  nach  Füllung  geschlossen  wird,
oder  daß  an  einem  sterilen,  luftleeren,  in  eine  feine  Spitze  ausgezogenen ­
  Glase  diese  in  der  Tiefe  durch  ein  Gewicht  oder  durch  Zug  abgebrochen  wird.  Beschreibungen ­
  solcher  Apparate  befinden  sich  u.  a.  Centralbl.  f.  Bakteriologie  I,  Or,,  1902,  82,  469,
845;  1901,  29,  994;  Zeitschr,  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  561;  ferner
Sclavo  in  Th.  Weyls  Handbuch  der  Hygiene  1896,1,  670  sowie  G.  Walter  und  A.  Gärtner,
Handbuch  d.  Untersuchung  usw.  d.  Wassers  1896,  669.  Hat  man  solche  Apparate  nicht  zur
Verfügung  und  muß  man  das  Wasser  mittels  der  Handpumpe  heben,  so  ist  diese  vorher
ebenfalls  nach  Möglichkeit  zu  sterilisieren.  In  solchem  Fall  kann  zum  Sterilisieren  des
Bohrrohres  und  der  Pumpe  auch  mit  Vorteil  Chlorkalk  benutzt  werden,  verbunden  mit
vorheriger  gründlicher  mechanischer  Reinigung  aller  Teile  durch  Bürsten.  Auch  bei
4 )  B.  Fresenius,  Anleitung  zur  quantitativen  chemischen  Analyse,  6.  Aufl.,  189.
2 )  Vergl.  Th.  Weyl,  Handbuch  d.  Hygiene  1,  572  und  673.
3 )  W.  Ohlmüller,  Die  Untersuchung  des  Wassers.  Berlin  1896,  7.
4 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u,  Genußmittel  1904,  7,  221.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

Flg.  300.
Schöpfgefäß  für  Wasser  aus
größeren  Tiefen.

51
        <pb n="823" />
        802

Trinkwasser.

großer  Vorsicht  darf  ein  geringer  Keimgehalt  der  so  erlangten  Wasserproben  nicht  zu
streng  beurteilt  werden.
Mittels  der  Apparate  für  Probeentnahmen  aus  der  Tiefe  sind  auch  bei  etwaigen  Untersuchungen ­
  der  tieferen  Schichten  offener  Gewässer  oder  von  Sammelbrunnen  die  Proben  zu
entnehmen.  Für  die  Probenahme  aus  den  oberen  Schichten  solcher  Wässer  gut  geeignet
sind  sterilisierte,  mit  Kautschukstopfen  und  Gummikappe  verschlossene  Keagensgläser.
Betreffs  der  Zahl  der  zu  entnehmenden  Proben  machte.  Mez 1 )  folgende  Vorschläge;
Bei  Brunnen  und  Zapfhähnen  wird  zunächst  der  erste  Hub  bezw.  das  zuerst  ablaufende ­
  Wasser  in  sterilisierten  Gefäßen  aufgefangen.  Diese  ersten,  längere  Zeit  in  der
Brunnenröhre  oder  in  der  Leitung  gestandenen  Wassermengen  sind  für  die  Artenfeststellung
  von  Bedeutung,  da  in  ihnen  eine  stärkere  Vermehrung  der  Bakterien  stattgefunden ­
  hat  und  manche  sonst  leicht  zu  übersehende  Art  deutlicher  hervortritt.  Zum
Auffangen  des  Wassers  benutzt  man  sterilisierte,  mit  Wattestopfen  verschlossene  500-ccm-Kolben
  oder  sterilisierte  Glasflaschen  von  200—260  ccm  Inhalt  mit  eingeschliffenem  Stopfen,
die  durch  eine  übergebundene  Schicht  sterilisierter  Watte  und  eine  Papierkappe  keimdioht
abgeschlossen  sind.  In  diesen  Flaschen  kann  die  Wasserprobe,  nachdem  der  Watteverschluß
wieder  angebracht  ist,  auch  versandt  werden,  während  aus  den  Kolben  kleinere  Proben
in  geeignete  Versandgefäße  flbergefüllt  werden  müssen.
Nach  dieser  ersten  Probenahme  läßt  man  einige  Zeit  das  Wasser  abpumpen  oder  auslaufen
  und  entnimmt  nun  eine  zweite  Probe  für  die  Bestimmung  der  Bakterien  zahl.
Bei  Kesselbrunuen  kann  man  ferner,  um  die  Beschaffenheit  des  Wassers  im  Kessel
kennen  zu  lernen,  nach  etwa  ^-ständigem  Pumpen  eine  dritte  Probe  entnehmen.
Während  dieser  Zeit  werden  etwa  16—20  1  Wasser  in  Flaschen  aufgefangen  und
■durch  gutes  Filtrierpapier  an  einem  staubfreien  Ort  filtriert.  Sodann  wird  das  Filter
durchgestoßen  und  der  auf  ihm  verbliebene  Rückstand  mit  einer  kleinen  Taschenspritze  in
•etwa  200  g  fassende  sterilisierte  Pulvergläser  mit  weiter  Öffnung  und  Glasstopfen  hineingespritzt.
  Diese  Probe  dient  für  die  mikroskopische  Untersuchung.  Kolkwitz *  2 )
empfiehlt  an  Stelle  des  Filtrierpapiers  ein  feines  Netz  (Planktonnetz).
Nach  der  Probenahme  ist,  wenn  möglich,  der  Kessel  des  Brunnes  nach  vorsichtiger
Entfernung  der  Bedeckung  zu  befahren  und  auf  seitliche  Zuflüsse  und  die  etwaige  Vegetation
der  Wände  zu  achten.  Weiße  und  sehwarzgrüne  schleimige  Streifen,  die  vielleicht  aus
Zooglöen  von  Pilzen  oder  blaugrünen  Algen  bestehen  (Indikatoren  für  Verunreinigung  bei
Abschluß  oder  geringem  Zutritt  von  Luft),  grüne  Algenbeläge.  Tierreste,  Staub  usw.,  die
auf  eine  Verbindung  des  Kessels  mit  der  Außenwelt  schließen  lassen,  sind  zu  beachten
und  Proben  davon  zu  entnehmen.  Die  Pilz-  und  Algenbeläge  entfernt  man  mit  einem
scharfen  Bleohlöffel  und  bringt  sie  in  kleinen  Gläsern  unter.  Etwaige  Schlammablagerungen
am  Boden  des  Brunnens  entnimmt  man  mit  einem  Schöpfer.  Auch  die  sich  dort  immer
zuerst  entwickelnden  Eisenbakterien  kann  man  auf  diese  Weise  gut  fassen.  Ein  besonders
geeigneter  Schöpfer  für  solche  Zwecke  wird  von  E.  Thum,  Leipzig,  Johannisallee  3,  im
Preise  von  5—8  Mk.  hergestellt.
Bezüglich  der  Probenahme  in  den  Fällen,  in  denen  es  sich  um  den  Nachweis  von
Krankheitserregern  handelt,  kann  hier  nur  auf  die  Vorschriften  in  den  bakteriologischen
Handbüchern  verwiesen  werden,  da  solche  Untersuchungen  nur  von  geübten  Bakteriologen
ausgeführt  werden  können.
Die  entnommenen  Wasserproben  werden  am  zuverlässigsten  gleich  an  Ort
und  Stelle  für  die  bakteriologische  Untersuchung  weiter  verarbeitet,  und
zwar  zu  Rollröhrchen-  oder  Sohalenkulturen  (vergl.  weiter  unten).
Die  Rollröhrchen  wie  Schalen  werden  zunächst  genügend  mit  Papier,  dann  mit
Watte  umhüllt,  aufeinandergelegt,  dann  mehrmals  mit  Papier  und  Watte  umgeben,  um  sie
genügend  gegen  Kälte  wie  Wärme  zu  schützen,  und  im  Laboratorium  weiter  untersucht.
Müssen  dagegen  die  Wasserproben  verschickt  werden,  so  schmilzt  man  die  Apparate
(Kapillaren)  an  den  Röhrchen  schnell  zu,  versieht  sie  mit  Etiketten  und  verpackt  sie  nach

J )  C.  Mez,  Die  mikroskopische  Wasseranalyse.  Berlin  1898.
2 )  Mitteilung  d.  Kgl.  Prüfungsanstalt  f.  Wasserversorgung,  Heft  II,  23.
        <pb n="824" />
        Untersuchungen  an  Ort  und  Stelle.

803

Umhüllung  mit  Papier  zwischen  Watte  in  einem  wasserdichten  Kasten  (Deckelverschluß
mit  Gummipackung).  Diesen  Kasten  stellt  man  in  einen  größeren,  ebenfalls  wasserdichten
Kasten  und  umgibt  ihn  alsdann  mit  Bisstückchen,  so  daß  die  Temperatur  5°  nicht  übersteigt. ­
  Wo  man  Eis  nicht  zur  Verfügung  hat,  empfiehlt  Bertarelli 1 )  in  dem  Zwischenraum ­
  eine  Lösung  1300  g  Rhodankalium  in  1  1  Wasser  herzustellen;  diese  hält  sich  mehrere
Stunden  um  5°  herum.  Bei  höheren  Temperaturen  nimmt  die  Keimzahl  schnell  zu.
8.  Chemische  Untersuchungen  an  Ort  und  Stelle.  Eine  örtliche  chemische
Untersuchung  empfiehlt  sich  unter  allen  Umständen  für  diejenigen  Bestandteile  eines
Wassers,  welche  beim  Versand  eine  Verflüchtigung  (wie  freie  Kohlensäure,  Schwefelwasserstoff) ­
  oder  eine  Zersetzung  (wie  salpetrige  Säure  und  Ammoniak)  erleiden
können.  Auf  erstere  beiden  Bestandteile  ist  unbedingt  an  Ort  und  Stelle  zu  prüfen,  während
für  letztere  beiden  Bestandteile  die  örtliche  Untersuchung  nicht  so  unbedingt  erforderlich  ist.
Über  die  Art  der  Ausführung  dieser  Untersuchungen  vergl.  weiter  unten,  für  den
Nachweis  freier  Kohlensäure,  des  Ammoniaks  und  der  salpetrigen  Säure  unter  „Trinkwasser“,
bezw.  für  den  Nachweis  von  Schwefelwasserstoff  unter  „Schmutzwasser“.
4.  Direkter  Nachweis  von  verunreinigenden  Zuflüssen.  Wenn  es  sich  um  Beantwortung ­
  der  Frage  handelt,  ob  ein  Brunnen  oder  eine  Quelle  durch  irgend  einen  bestimmten ­
  Zufluß  aus  der  Umgebung  verunreinigt  wird,  so  richtet  sich  die  Beweisführung
ganz  nach  der  Art  des  vermuteten  verunreinigenden  Zuflusses.
Wenn  das  verunreinigende  Wasser  seitlich  direkt  dem  Brunnen  bezw.  der
Quelle  usw.  zufließt  und  beobachtet  werden  kann,  so  entnimmt  man  Proben  von  dem  zufließenden ­
  Wasser  und  aus  dem  Behälter  oder  der  Rinne,  welche  das  vermutliche  verunreinigende ­
  Wasser  führen,  untersucht  beide,  um  festzustellen,  ob  sie  gleiche  Bestandteile
enthalten.
Läßt  sich  ein  solcher  offener  seitlicher  Zufluß  nicht  beobachten,  enthält  aber  der
vermutliche  verunreinigende  Zufluß  irgend  einen  seltenen  kennzeichnenden  Bestandteil,
z.  B.  Rhodanverbindungen  aus  Gaswasser  oder  größere  Mengen  von  Chloriden  oder  Zink-,
Kupfersalze  oder  Kaliseifen  usw.,  so  kann  man  den  Nachweis  dadurch  führen,  daß  man
das  betreffende  Brunnen-  oder  Quell-  oder  Plußwasser  auf  diese  Bestandteile  bezw.  deren
Umsetzungserzeugnisse  untersucht.
Auch  Abortstoffe  lassen  sich  zuweilen  nach  dem  Verfahren  von  P.  Grieß  direkt
in  einem  Brunnenwasser  nachweisen  (vergl.  weiter  unten).
Andere  kennzeichnende  Verunreinigungen  geben  sich  durch  den  Geruch  zu  erkennen,
z.  B.  Leuchtgasbestandteile  aus  undichten  Röhren,  Petroleum  von  Ausflüssen  aus  Petroleumlagern ­
  usw.
Unter  Umständen  erleiden  die  Bestandteile  der  verunreinigenden  Zuflüsse  beim
Durchfiltrieren  durch  den  Boden  eine  Umsetzung,  z.  B.  die  Sulfate  von  Zink,  Kupfer,  Bisen,
die  Kaliseifen  mit  Kalk-  und  Magnesiaverbindungen  des  Bodens,  indem  sich  die  Sulfate
oder  fettsauren  Salze  der  letzteren  Basen  bilden  und  das  Wasser  eine  außergewöhnlich
erhöhte  Menge  von  Calcium-  und  Magnesiumsulfat  oder  von  Kaliumsulfat  und  Kaliumkarbonat ­
  annimmt,  während  die  ersteren  Basen  vom  Boden  absorbiert  werden.  Es  kann
dann  indirekt  der  Nachweis  der  Verunreinigung  durch  die  quantitative  Bestimmung  dieser
Bestandteile,  in  dem  Wasser  erbracht  werden.
Der  Ammoniak-  und  organische  Stickstoff  aus  Abort-  und  Jauchegruben  wird  im
Boden  zu  Salpetersäure  oxydiert  und  gibt  sich  im  Wasser  durch  einen  erhöhten  Gehalt
au  letzterer  zu  erkennen.
In  anderen  Fällen  bleibt  nichts  anderes  übrig,  als  die  Bodenschichten  zwischen  dem
Brunnen  und  dem  vermutlichen  verunreinigenden  Zufluß  aufzugraben  oder  durch  Bohrungen
auf  die  fraglichen  verunreinigenden  Bestandteile  zu  untersuchen.  Verunreinigungen  aus
Abortgruben  z.  B,  geben  sich  durch  einen  hohen  Gehalt  des  Bodens  an  Stickstoff  und
Kohlenstoff,  Leuchtgasbestandteile  durch  den  Gehalt  an  Naphthalin  zu  erkennen.
*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  370.

51*
        <pb n="825" />
        804

Trinkwasser.

Wiederum  in  anderen  Fällen  kann  man  den  Zusammenhang  zwischen  dem  verunreinigenden ­
  Zufluß  und  dem  Brunnen  dadurch  nachweisen,  daß  man  ersterem  einen  stark
färbenden,  schmeckenden  oder  riechenden  Stoff  zufügt,  der  durch  die  Bestandteile  des
verunreinigenden  Zuflusses  selbst  in  starker  Verdünnung  nicht  verändert  wird,  und  der
sich  alsdann,  wenn  ein  solcher  Zusammenhang  besteht,  nach  einiger  Zeit  in  dem  Brunnenoder ­
  Quellwasser  ebenfalls  nachweisen  lassen  muß.
H.  Nördlinger 1 )  empfiehlt  für  den  Zweck  Saprol,  welches  sich  noch  in  einer
Verdünnung  von  1  :  1000000  durch  seinen  leuchtgas-  und  naphthalinartigen  Geschmack  zu
erkennen  gibt  und  daher  nach  kürzerer  oder  längerer  Zeit  im  Brunnenwasser  durch  den
Geschmack  ebenfalls  nachgewiesen  werden  kann.
J.  Mayrhofer  hat  sich  mit  bestem  Erfolge  des  Kaliumsalzes  des  Fluorescins,  des
Uraninkalis,  bedient,  welches  sich  noch  in  einer  Verdünnung  von  1:  4  Milliarden  Wasser
in  der  Weise  nachweisen  läßt,  daß  man  2—4  1  Wasser  mit  1—2  Messerspitzen  voll  feinster
Tierkohle  1 / 4  Stunde  schüttelt,  die  Kohle  nach  dem  Absitzen  auf  einem  kleinen  Filter
sammelt,  trocknet  und  mit  10  ccm  Alkohol  auszieht,  welcher  durch  einige  Tropfen  Alkali
alkalisch  gemacht  ist.  Mittels  der  konvergierenden  Lichtstrahlen  —  eine  größere  Lupe
genügt  schon  —  läßt  sich  der  Farbstoff  durch  sein  prächtiges  Schillern  leicht  nachweisen.
Andere  Färbungsmittel,  wie  Auramin,  Safranin,  Kongorot,  Neutralfuchsiu,  Pariser  Violett,
Methylenblau,  sind  weniger  empfindlich.  Unter  Umständen  können  auch  gefärbte  Bakterien,
wie  Bacterium  violaceum,  B.  prodigiosum  und  B.  rubrum,  gute  Dienste  leisten.
Ebenso  wie  die  Verunreinigungen  selbst  sehr  zahlreich  sind,  so  gestaltet  sich  auch
der  Nachweis  derselben  sehr  mannigfaltig  und  verschieden.  Es  ist  daher  kaum  möglich,
hierüber  für  jeden  Fall  gültige  Anweisungen  zu  geben.  Der  erfahrene  Sachverständige
wird  aber,  wenn  er  unter  Berücksichtigung  aller  örtlichen  Verhältnisse  mit  Umsicht ­
  und  Vorsicht  zu  Werke  geht,  schon  den  richtigen  Weg  für  derartige  Nachweise ­
  finden.
Es  sei  ferner  noch  hervorgehoben,  daß  ein  Quell-,  Fluß-  und  Brunnen-  bezw.
Grundwasser  je  nach  den  Niederschlägen  nicht  unerheblichen  Schwankungen  in  der  Zusammensetzung ­
  unterworfen  sein  kann.
Um  daher  ein  völlig  zutreffendes,  sicheres  Urteil  über  die  Beschaffenheit  einer
Wasserversorgungs-Quelle  zu  erhalten,  ist  es  notwendig,  das  Wasser  öfters  und  zu  verschiedenen ­
  Jahreszeiten  zu  untersuchen.
Gesichtspunkte  für  die  Untersuchung  des  Wassers.
Zur  vollen  Untersuchung  eines  Wassers  gehört:
I.  die  physikalische  Untersuchung  (Feststellung  der  Temperatur,  des
Aussehens,  des  Geschmackes  und  Geruches,  in  seltenen  Fällen  auch  des  spezifischen
Gewichtes);
2.  die  chemische  Untersuchung  (Bestimmung  derjenigen  chemischen  Bestandteile, ­
  welche  zur  Beurteilung  des  vorliegenden  Falles  erforderlich  sind);
3.  die  mikroskopische  Untersuchung  (mikroskopischer  Nachweis  der  im
Wasser  bezw.  in  den  Schwebestoffen  vorhandenen  tierischen  und  pflanzlichen
Lebewesen);
4.  die  bakteriologische  Untersuchung  (kultureller  Nachweis  der  indem
W T asser  vorhandenen  Keime  von  Mikrophyten  und  ihrer  Art).
Für  die  richtige  Beurteilung  eines  Trinkwassers  sind  im  allgemeinen ­
  alle  4  Untersuchungen  gleich  wichtig.  Jedoch  kann  man  für
besondere  Fälle  und  Fragen  Beschränkungen  eintreten  lassen.

l )  Pharm.  Centralhalle  1894,  35,  109.
        <pb n="826" />
        Untersuchungen  im  Laboratorium.

805

Notwendige  Bestimmungen.
1.  Von  der  physikalischen  Unter-  (
suchung:
Feststellung  des  Aussehens,  des  Geruches
und  Geschmackes.
2.  Von  der  chemischen  Untersuchung:
a)  Abdampfrückstand  bei  110°,
b)  Glühverlust,
c)  Kaliumpermanganatverbrauch  bezw.
Sauerstoffverbrauch,
d)  Chlor,
e)  Schwefelsäure,
f)  Ammoniak,
g)  salpetrige  Säure,
h)  Salpetersäure,
i)  Eisen  undManganbeiLeitungswasser,  [
k)  Kalk,
l)  Magnesia,
m)  Blei  bei  Leitungswasser.
3.  Mikroskopische  Untersuchung  der
sichtbaren  Schwebestoffe  bezw.  desBodensatzes
  auf  organische  Bestandteile,  sowie  |
auf  pflanzliche  und  tierische  Lebewesen.
4.  Feststellung  der  Anzahl  der  Mikrophytenkeime.


Wünschenswerte  Bestimmungen.
1.  Von  der  physikalischen  Untersuchung; ­

Feststellung  der  Temperatur.
2.  Von  der  chemischen  Untersuchung:
a)  Gewichtsbestimmung  der  organischen
und  unorganischen  Schwebestoffe,
wenn  solche  sichtbar  sind,
b)  Bestimmung  der  Kohlensäure  in  den
einzelnen  Bindungsformen,
c)  Phosphorsäure  und  Kieselsäure,
d)  gasförmig  gelöster  Sauerstoff  und
vielleicht  Stickstoff,
e)  Schwefelwasserstoff,
fj  Tonerde,  Mangan,  Kupfer,  Zink  und
Alkalien,
g)  Albuminoidammoniak,
h)  Gesamtstickstoff.
3.  Mikroskopische  Bestimmung  der
Arten  der  niederen  pflanzlichen  und
tierischen  Lebewesen.
4.  Feststellung  der  ArtenderBakterien,
besonders  wenn  es  sich  um  die  Frage
handelt,  ob  das  Wasser  die  Ursache  von
ansteckenden  Krankheiten  ist.

Ausführung  der  Untersuchungen.
a)  Physikalische  Untersuchung  des  Wassers,  Hierüber  vergl.  vorstehend ­
  S.  799.
Falls  eine  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes  des  Wassers  erforderlich
sein  sollte,  wird  sie  mittels  des  Pyknometers  (S.  449)  bezw.  wie  bei  Wein  (S.  758)
vorgenommen.
b)  Chemische  Untersuchung  des  Wassers.  Die  chemische  Untersuchung
eines  Wassers  richtet  sieh  in  erster  Linie  nach  der  Fragestellung  und  der  Art  der
Nutzungszwecke  eines  Wassers.  Letztere  sind  für  gewerbliche  Zwecke  bereits  bei
den  einzelnen  gewerblich  wichtigen  Stoffen  angegeben.
Sämtliche  Bestimmungen  werden  auf  1  1  berechnet  und  zweckmäßig ­
  in  Milligramm  angegeben.
1.  Schwebestoffe.  Die  Bestimmung  der  Schwebestoffe  wird  für  ein  Trinkwasser ­
  nur  in  seltenen  Fällen  notwendig.  Falls  dies  der  Fall  ist,  verfährt  man
wie  bei  Schmutzwasser  (vergl.  folgenden  Abschnitt). 1 )

*)  Nach  K.  Kißkalt  (Hygien.  Eundsohau  1904,  14,  1036)  wird  die  Menge  der
Schwebestoffe  im  Wasser  auch  wohl  in  der  Weise  bestimmt,  daß  man  das  Wasser  in  einen
mit  seitlichem  Bodenabflußrohr  versehenen  Zylinder  gibt,  diesen  auf  die  Snellensche
Schriftprobe  No.  1  stellt  und  so  lange  Wasser  ausfließen  läßt,  bis  man  die  einzelnen  Buchstaben ­
  deutlich  erkennen  kann.  Kißkalt  selbst  schlägt  vor,  das  Wasser  in  einen  20  cm
langen,  7  cm  weiten  Zylinder  aus  geschwärztem  Blech,  der  oben  offen,  unten  mit  einer
Glasplatte  versehen  ist,  zu  geben,  durch  den  Zylinder  in  einem  dunkeln  Zimmer  einen
Lichtstrahl  (elektrisches  oder  Gasglühlicht)  fallen  zu  lassen  und  die  Stärke  des  auf  das
Papier  fallenden  Lichtes  mit  Hilfe  des  Webersohen  Photometers  im  Verhältnis  zu  der
natürlichen  Lichtquelle  in  Meterkerzen  zu  bestimmen.
        <pb n="827" />
        806

Trinkwasser.

2.  Abdampfrückstand.  Eine  größere  Menge  Wasser,  etwa  250  ccm.  wird  in
einer  ausgegliihten  und  gewogenen  Platinscbale  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne
verdampft,  der  Rückstand  im  Dampftrockenschrank  (also  bei  95—98°)  1  Stunde,
darauf  etwa  2  Stunden  lang  im  Lufttrockenschrank  bei  110°  getrocknet,  im  Exsikkator
erkalten  gelassen  und  gewogen.  Das  Trocknen  muß  so  lange  fortgesetzt  werden,
bis  2  Wägungen  übereinstimmende  Ergebnisse  liefern.
Anmerkung.  Wird  beim  Trocknen  des  Rückstandes  nur  eine  Temperatur  von
90—95°  eingehalten,  so  bleibt  sämtliches  Kristallwasser  der  mit  solchem  kristallisierenden
Mineralsalze  im  Rückstand  und  wird  mitgewogen;  selbst  bei  110°  wird  nicht  alles  Kristallwasser ­
  ausgetrieben;  wendet  man  aber  noch  höhere  Temperaturen  an,  so  hat  man  einen
größeren  Verlust  an  organischen  Stoffen,  welche  sich  schon  teils  mit  den  Wasserdämpfen
verflüchtigen,  zu  befürchten.  Will  man  die  Menge  des  wirklichen  Trockenrückstandes
annähernd  ermitteln,  so  muß  aus  den  quantitativen  Einzelbestimmungen  die  Art  und
Menge  der  Salze  (wie  Calcium-  oder  Magnesiumsulfat)  und  damit  die  Menge  des  Kristallwassers ­
  berechnet  werden,  welche  von  der  Menge  des  Abdampfrückstandes  abzuziehen  ist.
Der  Ahdampfrückstand  sieht  bei  reinem  Wasser  weiß  bis  hellgrau  aus,  bei  verunreinigtem ­
  Wasser  dagegen  hellbraun  bis  dunkelbraun,  im  allgemeinen  um
so  dunkler,  je  unreiner  das  Wasser  ist,  d.  h.  je  mehr  organische  Stoffe  es  enthält.  Die
Mißfärhung  des  Abdampfrückstandes  tritt  bei  vorhandenen  größeren  Mengen  gelöster
organischer  Stoffe  besonders  hervor,  wenn  man  den  Ahdampfrückstand  langsam  über  freier
Flamme  erhitzt.
3.  Glühverlust.  Die  den  Ahdampfrückstand  enthaltende  gewogene  Platinschale
  wird  auf  einem  Platindreieck  oder  einem  spiraligen  Platindraht  in  eine  größere
Platinschale  gestellt,  Uber  welche  man  zur  Rückstrahlung  der  Wärme  in  einiger
Höhe  ein  breites  Platinblech  ausspannt.  Durch  Erhitzen  der  äußeren  Schale  bis  zur
mäßigen  Rotglut  wird  der  Ahdampfrückstand  allmählich  ausgegltiht.  Der  erste
Gltihrückstand  wird  mit  kohlensäurehaltigem,  destilliertem  Wasser  (oder  auch  mit
reinem  Ammoniumkarbonat)  befeuchtet  und  nochmals  schwach  geglüht.  Die  Differenz
zwischen  den  Wägungen  des  Ahdampfrückstandes  und  des  so  erhaltenen  Glührückstandes
  bedeutet  nach  Abzug  des  Kristallwassers  annähernd  die  Menge  der  im
Wasser  enthaltenen  organischen  Stoffe,  während  der  Glührückstand  die  Menge  der
wasserfreien  Mineralstoffe  ergibt.
Sind  Nitrate,  Chlorcalcium  oder  ChlormagBesium  vorhanden,  so  entstehen  auch  hei
diesem  Verfahren  geringe  Verluste  auf  Kosten  der  Mineralstoffe.  Nitrate  werden  durch
organische  Stoffe  reduziert,  Chlorcalcium  und  Chlormagnesium  setzen  sich  heim  Eindampfen
des  kohlensäurehaltigen  Wassers  leicht  um  und  verlieren  beim  Trocknen  und  Glühen  ihr
Chlor.  Beiden  Fehlerquellen  kann  vorgebeugt  werden,  wenn  man  dem  Wasser  eine
genau  bestimmte  Menge  Natriumkarbonatlösung  zusetzt  und  dann  eindampft.  Chlorcalcium
und  Chlormagnesium  werden  dadurch  in  Karbonate  verwandelt,  während  das  Chlor  und
bei  den  Nitraten  die  Salpetersäure  an  das  Natrium  gebunden  werden.
4.  Oxydierbarkeit  (organische  Stoffe).  Die  im  Ahdampfrückstand  enthaltene
und  durch  Glühverlust  bestimmte  Menge  der  organischen  Substanz  ist  jedoch  nicht
die  gesamte  im  Wasser  vorkommende  Menge  derselben,  vielmehr  enthält  dieses
meist  noch  flüchtige  organische  Stoffe.  Diese,  sowie  weitere  leicht  zersetzliche
organische  Stoffe  und  oxydationsfähige  Verbindungen  beeinträchtigen  namentlich
den  Geschmack  und  Geruch  des  Wassers,  und  es  ist  deshalb  für  die  Beurteilung
der  Güte  eines  Wassers  von  großer  Wichtigkeit,  einen  Ausdruck  für  diese  Stoffe
zu  gewinnen.
Zu  ihrer  vergleichenden  Bestimmung  benutzt  man  die  Eigenschaft  derselben,
reduzierend  auf  stark  sauerstoffhaltige,  leicht  umsetzbare  Salze,  so  namentlich  auf
Kaliumpermanganat  zu  wirken;  Kuhei  und  Schulze  haben  darauf  Verfahren
        <pb n="828" />
        Chemische  Untersuchung.

807

gegründet,  die  immer  noch  die  brauchbarsten  für  diesen  Zweck  geblieben  sind.
Kübel  läßt  die  Kaliumpermanganatlösung  in  saurer,  Schulze  dagegen  in  alkalischer ­
  Lösung  einwirken.  Das  Verfahren  von  Kübel  ist  einfacher  und  gibt  übereinstimmendere ­
  Zahlen, 1 )  dagegen  ist  beim  Schulzeschen  Verfahren  die  Mineralisierung
der  organischen  Stoffe  eine  vollständigere.
Trübe  Wässer  müssen,  wenn  sie  sich  nicht  rasch  klären,  vor  der  Titration  durch
ein  vorher  ausgeglühtes  Asbestfilter  filtriert  werden;  an  organischen  Stoffen  reiche
Wässer  müssen  so  verdünnt  werden,  daß  der  Verbrauch  an  Kaliumpermanganat  für  100  ccm
Wasser  nicht  10—20  com  der  1 / 10(l  Normal-Lösung  übersteigt.  Hierbei  ist  stets  mit  einer
Wassermenge  von  100  ccm  zu  arbeiten  und  die  Oxydierbarkeit  des  zur  Verdünnung  verwendeten ­
  Wassers  abzuziehen.
a)  In  saurer  Lösung,  Nach  Kübel  werden  100  ccm  des  zu  untersuchenden
Wassers,  welche  am  besten  in  Meükölbchen  abgemessen  werden,  mit  5  ccm  verdünnter
Schwefelsäure  (1  :  3)  und  mit  10  ccm  oder  so  viel  1 / 100  Normal-Kaliumpermanganatlösung ­
  (vergl.  unter  Lösungen  No.  22  am  Schluß)  versetzt,  daß  das  Wasser  auch
nach  dem  Kochen  noch  stark  rot  gefärbt  ist.  Dieses  wird  sodann  erhitzt  und,  vom
Beginn  des  Kochens  an  gerechnet,  noch  genau  5  Minuten  lang  gekocht.  Darauf
gibt  man  10  com  bezw.  eine  gleiche  Anzahl  Kubikzentimeter  einer  1 / 100  Normal-Oxalsäurelösung
  (vergl.  unter  Lösungen  am  Schluß  No.  22)  zu,  läßt  einige  Minuten
stehen,  bis  sich  die  ausgeschiedenen  Flocken  von  Manganoxyduloxyd  gelöst  haben,
und  titriert  so  lange  mit  1 / 100  Normal-Kaliumpermanganatlösung,  bis  eine  schwache
Rötung  auftritt.  Die  Gesamtzahl  der  verbrauchten  Kubikzentimeter  1 j 10a  Normal-Kaliumpermanganat
  weniger  10  ccm  —  oder  wenn  10  ccm  1 / 100  Normal-Kaliumpermanganat ­
  nicht  genau  10  ccm  1 / 100  Normal-Oxalsäure  entsprechen  —  weniger  der
Anzahl  Kubikzentimeter  1 / 100  Normal-Kaliumpermanganat,  welche  10  ccm  1 / 100  Normal-Oxalsäure
  entsprechen,  ist  die  Zahl  der  für  100  ccm  “Wasser  verbrauchten  Kubikzentimeter ­
  Kaliumpermanganatlösung.
b)  In  alkalischer  Lösung.  Bei  dem  Verfahren  von  Schulze  werden
100  ccm  Wasser  mit  1 / 2  ccm  Natronlauge  (1  Teil  reinstes  Natriumhydroxyd  in
2  Teilen  Wasser),  sodann  mit  10  ccm  oder  so  viel  1 / 100  Normal-Kaliumpermanganatlösung ­
  versetzt,  daß  das  Wasser  auch  beim  Kochen  noch  rot  gefärbt  ist.  Das  Kochen
erfolgt  in  derselben  Weise  wie  vorhin,  aber  10  Minuten  lang.  Die  gekochte  Flüssigkeit ­
  läßt  man  auf  50—60°  erkalten,  fügt  5  ccm  verdünnte  Schwefelsäure  (1  :  3)
und  10  ccm  bezw.  eine  gleiche  Anzahl  Kubikzentimeter  1 / 100  Normal-Oxalsäure  zu
und  titriert  ebenfalls  mit  derselben  Kaliumpermanganatlösung,  bis  wieder  Eosafärhung
eintritt.
Die  Differenz  aus  der  Gesamtzahl  der  Kubikzentimeter  Kaliumpermanganat
weniger  der  Anzahl  Kubikzentimeter  Kaliumpermanganat,  welche  10  ccm  1 / 100  Normal-Oxalsäure
  entsprechen,  gibt  wieder  die  für  100  ccm  Wasser  erforderliche  Menge  der
1 /ioo  Normal-Kaliumpermanganatlösung  an.
Die  nach  einem  dieser  beiden  Verfahren  gefundene,  der  im  Wasser  vorhandenen
Menge  organischer  Stoffe  entsprechende  Anzahl  Kubikzentimeter  Kaliumpermanganatlösung ­
  kann  man  auf  verschiedene  Weise  zum  Ausdruck  bringen.  Angenommen,  es
entsprechen  10  ccm  Kaliumpermanganatlösung  genau  10  ccm  Oxalsäure *  2 )  und  es  sind
J )  Bei  stark  kochsalzhaltigen  Wässern  liefert  das  Kubelsche  Verfahren  infolge  der
Chlorentwickelung  unrichtige,  d.  h.  zu  hohe  Ergebnisse.
2 )  Dieses  trifft  nur  selten,  höchstens  für  den  Anfang  der  Bereitung  der  Lösungen
zu,  da  sich  besonders  die  Oxalsäure-Lösung  schnell  zersetzt.  Differenzen  zwischen  beiden
Titrierflüssigkeiten  von  0,1—0,2  ccm  können  unberücksichtigt  bleiben;  sind  dieselben
aber  größer,  so  muß  eine  Umrechnung  stattflnden  (vergl.  Lösung  No.  22  am  Schluß  unter
Darstellung  von  Lösungen).
        <pb n="829" />
        808

Trinkwasaer.

von  ersterer  10  ccm  durch  ursprünglichen  Zusatz  und  5  ccm  durch  nachheriges
Zurücktitrieren  verbraucht,  so  erfordern  die  in  100  ccm  Wasser  vorhandenen
organischen  Stoffe  zur  Oxydation  5  ccm  Kaliumpermanganatlösung  oder  1  1:
0,316  X  5,0  X  10  =  15,8  mg  Kaliumpermanganat
oder  0,08  X  5,0  x  10  =  4,0  „  Sauerstoff,
oder  wenn  man  mit  Wood  und  Kübel  als  Norm  annimmt,  daß  1  Gewichtsteil
Kaliumpermanganat  im  allgemeinen  5  Gewichtsteilen  organischer  Substanz  entspricht,
so  enthält  1  1  Wasser:  1,58x  5,0x  10  =  79,0  mg  organische  Stoffe.
«)  Es  ist  viel  darüber  gestritten,  welche  Ausdrucksweise  die  richtigere  ist;  wenn  man
bedenkt,  daß  es  sich  hier  um  relative  Werte  handelt,  so  erscheint  es  gleichgültig,  ob  man
sagt,  es  sind  zur  Oxydation  der  organischen  Substanz  so  und  so  viel  Milligramm  Kaliumpermanganat ­
  oder  Sauerstoff  erforderlich,  oder  ob  man  sagt,  ein  Liter  Wasser  enthält,  auf  diese
Maßeinheit  zurüokgeführt,  so  und  so  viel  organische  Stoffe  oder  erfordert  zur  Oxydation  der
organischen  Stoffe  so  und  so  viel  1 / 100  Kaliumpermanganatlösung.  Über  die  wahre  Natur  dieser
Stoffe  erhalten  wir  weder  durch  die  eine  noch  die  andere  Ausdrucksweise  Aufschluß;  sie
soll  und  kann  uns  nur  einen  Anhaltspunkt  dafür  geben,  ob  ein  Wasser  viel  oder  wenig
leicht  oxydierbare  organische  Stoffe  enthält,  und  dafür  ist  jede  Ausdrucksweise  zulässig,
wenn  man  einigermaßen  siohergestellt  hat,  wie  viel  ein  reines  gutes  Wasser  von  obiger
Kaliumpermanganatlösung  gebraucht.  Man  wird  aber  finden,  daß  für  ein  reines  Wasser  zur
Oxydation  der  organischen  Stoffe  selten  über  4  ccm  obiger  Kaliumpermanganatlösung  erforderlich ­
  sind;  alles,  was  darüber  ist,  ist  vom  Bösen,  zumal  wenn  auch  die  anderen  Bestandteile ­
  des  Wassers  sich  gleichzeitig  abnorm  verhalten.
ß)  Wenn  man  die  Summe  der  Mineralstoffe  und  die  auf  vorstehende  Weise  berechneten
organischen  Stoffe  addiert  und  mit  dem  Abdampfrtickstand  vergleicht,  so  ist  die  Summe
mitunter  erheblich  größer  als  der  Abdampfrückstand,  Das  kann  nicht  befremden,  wenn
man  bedenkt,  daß  das  Wasser  stets  mehr  oder  weniger  organische  Stoffe  enthält,  welche
sich  beim  Eindampfen  mit  den  Wasserdämpfen  verflüchtigen.  Hiervon  liefert  das  destillierte
Wasser  einen  Beweis,  welches  fast  stets  eine  gewisse  Menge  durch  Kaliumpermanganat
oxydierbarer  Stoffe  enthält.
y)  Sind  in  dem  Wasser  noch  andere  Kaliumpermanganat  reduzierende  Stoffe  (Nitrite,
Eisenoxydulverbindungen,  Schwefelwasserstoff  usw.)  vorhanden,  dann  wird  deren  Menge
entweder  in  besonderen  Proben  bestimmt  und  in  Rechnung  gebracht,  oder  die  in  Verwendung ­
  genommene  Wassermenge  (100  ccm)  wird  mit  3  Tropfen  verdünnter  Schwefelsäure
(1:  3)  und  mit  der  titrierten  Kaliumpermanganatlösung  bei  gewöhnlicher  Temperatur  bis  zur
bleibenden  Rötung  behandelt.  Die  so  verbrauchte  Anzahl  Kubikzentimeter  des  Oxydationsmittels ­
  wird  von  der  Gesamtmenge  Kaliumpermanganatlösung  in  Abrechnung  gebracht.
d)  Unerläßlich  ist  es,  stets  nur  eigens  mit  Schwefelsäure  und  Kaliumpermanganatlösung ­
  gereinigte  Glasgefäße  zu  diesen  Bestimmungen  zu  verwenden.
5.  Ammoniak.  Dasselbe  wird  gewöhnlich  ebenfalls  nur  qualitativ  nachgewiesen
und  genügt  eine  Schätzung  nach  der  bei  folgender  Reaktion  eintretenden  Färbung.
Etwa  100  ccm  Wasser  werden  mit  etwa  1 / 2  ccm  Natriumhydratlösung  (1  :  2)
und  1  ccm  Natriumkarbonatlösung  (2,7  :  5)  —  sowie  bei  schwefelwasserstoffhaltigen
Wässern  mit  einigen,  d.  h.  genügenden  Tropfen  10  °/ 0 -iger  Zinkacetatlösung  —  versetzt,
der  Niederschlag  absitzen  gelassen  und  die  überstehende  Flüssigkeit  mit  Neßlerschem
Reagens  —  alkalischer  Quecksilberjodidlösung  —  versetzt.  Je  nachdem  eine  schwach
gelbe  oder  eine  rotbraune  Färbung  oder  gar  ein  rotbrauner  Niederschlag  entsteht,
enthält  das  Wasser  wenig  oder  viel  Ammoniak.  Über  die  Bereitung  des  Neßlersehen
Reagenzes  vergl.  unter  Lösungen  No.  25  am  Schluß.
Hat  sich  so  qualitativ  Ammoniak  in  einem  Wasser  nachweisen  lassen,  so
empfiehlt  sich  bei  nicht  zu  großen  Mengen  eine  quantitative  kolorimetrische
Bestimmung  desselben.
Da  die  jedesmalige  Herstellung  der  Farbentöne  aus  Lösungen  von  bekanntem
Ammoniak-Gehalt  umständlich  ist,  so  hat  Verfasser  für  die  kolorimetrische  Be-
        <pb n="830" />
        Chemische  Untersuchung.

809

Stimmung  von  Ammoniak  (ebenso  von  salpetriger  Säure  und  Eisenoxyd).  Kolorimeter ­
  mit  fester  Farbenskala  herstellen  lassen,  indem  der  durch  die  vorgesohriebenen
Reagenzien  in  Lösungen  von  bekanntem  Gehalt  hervorgerufene  Farbenton  in  6  Abstufungen ­
  von  einem  Maler  fixiert  und  hiernach  nachgebildet  worden  ist.
Die  Einrichtung 1 )  der  Kolorimeter  (vergl.  Fig.  301)  ist  folgende;

Das  Kolorimeter  mit  den  6  Farbenstreifen  ist  um  die  Achse  drehbar;  in  den  seitlich
angebrachten  Schirm  wird  der  Zylinder  mit  der  Vergleichsflüssigkeit  gestellt.  Als  Z3 r linder
habe  ich  die  von  Hehner  gewählt,  welche  bei  25,  50,  75  und  100  ccm  eine  Marke  haben
und  für  die  kolorimetrischen  Bestimmungen  bereits  eingeführt  sind.  In  die  Zylinder  gibt
man  stets  100  ccm  des  zu  untersuchenden  Wassers  und  die  vorgesohriebenen  Mengen
Reagenzien.  Die  Farbenstreifen  haben  dann  mit  dem  Durchmesser  und  der  Flüssigkeitssäule ­
  des  Zylinders  bis  100  ccm  gleiche  Breite  und  Höhe,  wodurch  die  Vergleichung  erleichtert ­
  wird.  Wenn  der  Zylinder  mit  der  Flüssigkeit  in  den
Seitenschirm  gesetzt  ist,  stellt  man  durch  Drehen  des  Kolorimeters
den  Farbenton  der  Flüssigkeit  auf  den  am  besten  stimmenden
Farbenstreifen  ein,  indem  man  den  Apparat  in  annähernd  gleicher
Höhe  mit  dem  Auge  aufstellt,  seitwärts 2 )  vor  denselben  tritt  und
die  Parbentöne  bei  auffallendem,  zerstreutem  Lichte  vergleicht, ­
  und  zwar  so,  daß  im  Zylinder  keine  oder  tunlichst  wenig
Spiegelung  auftritt.  Der  jedem  Parbenstreifen  entsprechende
Gehalt  für  100  ccm  Flüssigkeit  ist  über  dem  Parbenstreifen  auf
der  Oberfläche  des  Kolorimeters  angegeben;  durch  Multiplikation
der  angegebenen  Zahlen  mit  10  erhält  man  den  Gehalt  für  1  1.
Liegt  der  Farbenton  der  Flüssigkeit  zwischen  zwei  Farbenstreifen ­
  des  Kolorimeters,  so  nimmt  man  den  zwischenliegenden
mittleren  Wert  oder  stellt  durch  Verdünnen  mit  1 / i  oder  x / 2  usw.
reinem  destillierten  Wasser  genauer  auf  einen  Parbenstreifen
ein,  indem  man  den  Grad  der  Verdünnung  bei  der  Berechnung
auf  1  1  berücksichtigt.  Die  Verdünnung  um  die  Hälfte  muß
auch  erfolgen,  wenn  der  in  der  Flüssigkeit  hervorgerufene
Farbenton  stärker  ist  und  höher  liegt,  als  die  Farbentöne  auf  dem  Kolorimeter  reichen. 3 )
Die  6  Farbentöne  auf  dem  Streifen  des  Kolorimeters  für  die  Bestimmung  des
Ammoniaks  bedeuten  folgenden  Gehalt  und  sind  in  folgender  Weise  gewonnen:

Fig.  301.
Kolorimeter  für  die  Be-Stimmung
  des  Ammoniaks.

Farbenton

Salmiaklösung 4 )  auf  je
100  ccm  mit  destilliertem

Gehalt  an  NH 3
in  100  ccm

Zusatz  von  1  ccm
Natronlauge  (1:  2)  und

Wasser  verdünnt

Neßlers  Reagens

1

1  ccm

0,05  mg  |

2

2  „

0,10  „  [

1,0  ccm.

3

5  „

0,26  „  )

4

10  „

0,50  „

1,5  „

6

15  „

0,75  „  \

2,0  „

6

20  „

1,00  „  /

5  55

*)  Chem.-Zeitung  1897,  21,  599.
2 )  Das  heißt,  man  stellt  sich  so  auf,  daß  der  Glanz  der  Farbenstreifen  hervortritt
und  dem  der  Flüssigkeit  im  Zylinder  ähnlich  ist.
3 )  Da  die  Augen  der  einzelnen  Beobachter  für  die  Unterscheidung  einzelner  Farben
und  Farbentöne  sich  verschieden  verhalten,  außerdem  der  in  dem  Zylinder  im  Wasser
hervorgerufene  Farbenton  in  gewissem  Grade  von  der  Art  und  Stärke  der  Beleuchtung
in  den  Laboratoriumsräumen  abhängt,  so  empfiehlt  es  sich,  daß  jeder  Beobachter  durch
einmalige  Herstellung  der  Titerllüssigkeit  und  durch  einmalige  Hervorrufung  der
Farbentöne  in  derselben  für  die  oben  angegebenen  Mengen  die  Skala  für  sein  Auge  und
die  räumlichen  Verhältnisse  nachprüft  und  die  Gehaltszahlen  nötigenfalls  verbessert,  um  so
eine  feste,  bleibende  Skala  zu  erhalten.
4 )  Nach  dem  Vorschläge  von  Frankland  und  Armstrong  (Walter-Gärtner,
        <pb n="831" />
        810

Trinkwasser.

Bei  den  höheren  Farben  tönen  empfiehlt  es  sich,  mehr  als  1  ccm  Neßlers
Reagens  zuzusetzen,  weil  hierdurch  die  Stärke  des  Farbentones  etwas  erhöht  wird.
Zur  Ausführung  der  Bestimmung  in  einem  Wasser  werden  zunächst  300  ccm
Wasser,  wenn  sich  in  demselben  qualitativ  mit  Neßlers  Reagens  Ammoniak  nachweisen
ließ,  in  einem  verschließbaren  Zylinder  mit  2  com  obiger  Natriumkarbonatlösung  und
1  ccm  obiger  Natronlauge  (bezw.  auch  einigen  Tropfen  Zinkacetatlösung)  versetzt,
nach  Verschließen  des  Zylinders  durchgeschüttelt  und  so  lange  beiseite  gestellt,  bis  sich
der  Niederschlag  zu  Boden  gesetzt  hat.  Die  Uberstehende  Flüssigkeit  läßt  sich  dann
durchweg  klar  in  den  Hehnerschen  Zylinder  umgießen;  wird  dieselbe  jedoch  nicht
genügend  klar,  sondern  muß  sie  filtriert  werden,  so  ist  das  Filtrierpapier  vorher  in
einem  ammoniakfreien  Raume  durch  Auswaschen  von  Ammoniak  zu  befreien  und
dann  erst  zur  Filtration  in  den  Hehnerschen  Zylinder  zu  verwenden.  Man  füllt
letzteren  bis  zur  Marke  100  an  und  setzt  1  ccm  Neßlers  Reagens  zu;  tritt
gleich  eine  starke,  ins  Rötliche  gehende  Färbung  ein,  so  nimmt  man  2  ccm
desselben,  setzt  den  Zylinder  nach  Durchmischen  der  Flüssigkeit  in  den  Schirm  und
vergleicht  die  Färbung  mit  denen  des  Kolorimeters.  Würde  die  Färbung  gleich
mit  dem  höchsten  Farbenton  No.  6  (=  1,0  mg  NH 3  in  100  ccm  oder  10,0  mg  in
1  1)  übereinstiramen,  so  gießt  man  50  ccm  aus,  ersetzt  dieselben  durch  destilliertes
Wasser,  mischt  und  vergleicht  abermals.  Stimmt  jetzt  der  Farbenton  auf  No.  4,  so
war  die  erstere  Schätzung  richtig;  man  nimmt  dann  noch  50  ccm  des  ursprünglichen
geklärten  oder  filtrierten  Wassers,  setzt  60  ccm  destilliertes  Wasser  und  1  bezw.
1,5  ccm  Neßlers  Reagens  zu  und  beobachtet  nochmals.  Auch  kann  man  noch
25  ccm  des  Wassers  nehmen,  mit  75  ccm  destilliertem  Wasser  verdünnen  und  den
durch  den  Farbenstreifen  angezeigten  Gehalt  zur  Berechnung  auf  1  1  mit  40  multiplizieren, ­
  Eine  noch  stärkere  Verdünnung  anzuwenden,  empfiehlt  sich  nicht,  weil
sich  die  Beobachtungsfehler  zu  sehr  vergrößern.  Wenn  aber  ein  Wasser  so  viel
Ammoniak  enthält,  daß  man  mehr  als  um  das  4-fache  verdünnen  muß,  damit  der
Farbenton  innerhalb  der  Skala  des  Kolorimeters  liegt,  dann  kann  das  Ammoniak
auch,  wie  schon  oben  gesagt,  durch  Destillation  von  1 j 2  oder  1  1  Wasser  mit  gebrannter ­
  Magnesia  titrimetrisch  bestimmt  und  die  kolorimetrisohe  Bestimmung
wenigstens  kontrolliert  werden  (vergl.  unter  Schmutzwasser).
6.  Salpetrige  Säure,  a)  Qualitativer  Nachweis.  Ein  farbloses,  klares
Wasser  kann  man  direkt  für  den  Nachweis  verwenden;  ein  gefärbtes  oder  unklares
Wasser  sucht  man  durch  Hinzufügen  von  3  ccm  Sodalösung  (1  :  3),  0,5  ccm  Natronlauge ­
  (1  :  2)  und  von  einigen  Tropfen  Alaunlösung  (1  :10),  bei  sohwefelwasserstoffhaltigen
  Wässern  unter  gleichzeitigem  Zusatz  einiger  Tropfen  Zinkacetatlösung
(1  :  10),  zu  klären  und  verwendet  das  filtrierte  Wasser.
a)  Etwa  50  ccm  Wasser  werden  mit  etwa  1 / 2  ccm  Zinkjodidstärkelösung
(vergl.  unter  Lösungen  No.  24  am  Schluß),  darauf  nach  dem  Mischen  mit  5—6
Tropfen  verdünnter  Schwefelsäure  versetzt  und  wieder  gemischt.
Oder  man  löst  in  50—100  ccm  Wasser  einige  kleine  Körnchen  Jodkalium,
fügt  etwa  1  ccm  frisch  bereiteter  Stärkelösung  und  dann  1—2  ccm  verdünnter
Schwefelsäure  hinzu.  Entsteht  sogleich  eine  stark  blaue  Färbung  durch  Jodstärke,
so  ist  sehr  viel,  tritt  die  Färbung  erst  nach  einigen  Minuten  und  schwach  auf,  so

Untersuchung  und  Beurteilung  der  Wässer,  1895,  4.  Aufl.,  116)  werden  3,147  g  reines
fein  gepulvertes  und  bei  100°  getrocknetes  Ammoniumchlorid  in  1  1  Wasser  gelöst  und
von  der  durchgemischten  Lösung,  wovon  1  com  =  1  mg  Ammoniak  (NH 3 )  enthält,  50  ccm
zu  1  1  verdünnt.  Von  dieser  Lösung  entspricht  1  com  =  0,05  mg  Ammoniak  (NH 3 ).
        <pb n="832" />
        Chemische  Untersuchung.

811

ist  sehr  wenig  salpetrige  Säure  im  Wasser.  Zwischenstufungen  der  Färbung  lassen
das  Mehr  oder  Weniger  von  salpetriger  Säure  im  Wasser  leicht  erkennen.
Da  diese  Reaktion  durch  organische  Substanz,  Ferrisalze,  Superoxyde  (Braunstein), x )
Chromate  usw.  beeinflußt,  ferner  eine  später  (nach  etwa  ö  Minuten  und  mehr)  eintretende
Reaktion  auch  durch  Bakterien  heryorgerufen  werden  kann  —•  der  Einwurf  Kämmerers,
daß  anstatt  Schwefelsäure  Essigsäure  zur  Ansäuerung  angewendet  werden  müßte,  hat  sich
nach  Versuchen  von  mehreren  Seiten  als  nicht  zutreffend  erwiesen  —,  so  wird  für  den
qualitativen  Nachweis  der  salpetrigen  Säure  die  vorstehende  Prüfung  zweckmäßig  durch
das  folgende,  von  Parnsteiner,  Buttenberg  und  Korn 2  3  *  * )  vorgeschlagene  Verfahren,
welches  eine  Störung  der  Substanzen,  die  in  saurer  Lösung  Jod  aus  Jodiden  frei  machen,
ausschließt,  kontrolliert  werden  müssen:
Etwa  50  ccm  Wasser  werden  in  einem  Erlenmeyer-Kölbchen  von  100  ccm  Inhalt
mit  einer  kleinen  Messerspitze  von  fein  geriebenem  Eerrosulfat  sowie  etwa  1  ccm  verdünnter
Schwefelsäure  versetzt  und  nach  Verschließen  mit  einem  reinen  Kork  tüchtig  durchgeschüttelt, ­
  um  etwa  vorhandene,  oxydierend  wirkende  Gase  mit  der  Lösung  in  innige  Berührung ­
  zu  bringen.  Nach  einigen  Minuten  setzt  man  in  den  Hals  des  Kölbchens  einen
Kork  ein,  der  an  einem  Einschnitte  an  seiner  unteren  Fläche  einen  mit  Jodzink-Stärkelösung ­
  getränkten,  feuchten  Streifen  von  Filtrierpapier  trägt.  Letzterer  darf  in  die
Flüssigkeit  nicht  eintauchen.  Ist  salpetrige  Säure  in  Mengen  von  mehr  als  etwa  2  mg  für
1  1  zugegen,  so  färbt  sich  das  Papier  entweder  nach  wenigen  Minuten  oder  spätestens  nach
l 1 / 2  Stunden  blau.
Diese  Art  der  Ausführung  der  Reaktion  gewährt  einen  weit  höheren  Grad  von
Sicherheit  als  das  erst  beschriebene  Verfahren;  denn  als  Träger  der  oxydierenden  Wirkung
können  nur  Gase  in  Frage  kommen,  welche  auf  Ferrosulfat  keine  oxydierende  Wirkung
ausüben.
ß)  Etwa  100  ccm  Wasser  werden  in  einem  hohen  Glaszylinder  mit  1—2  ccm
verdünnter  Schwefelsäure  (1  :  3)  und  dann  mit  1  ccm  einer  farblosen  Lösung  von
schwefelsaurem  Metaphenylendiamin  (5  g  Metaphenylendiamin  mit  verdünnter  Schwefelsäure ­
  bis  zur  sauren  Reaktion  versetzt  und  auf  1  1  gefüllt)  versetzt;  je  nachdem
wenig  oder  viel  salpetrige  Säure  vorhanden  ist,  entsteht  eine  braune  bis  gelbbraune,
selbst  rötliche  Färbung  eines  Azofarbstoffes  (Triamidoazobenzol,  Bismarckbraun).
y)  E.  Riegler 8 )  weist  die  salpetrige  Säure  durch  Natriumnaphthionat  und
/?-Naphthol  nach.  2  g  chemisch  reines  Natriumnaphthionat  und  1  g  /?-Naphthol
puriss.  werden  in  200  ccm  Wasser  gebracht,  mit  diesem  kräftig  durchgeschüttelt
und  die  Mischung  filtriert.  Die  Lösung  ist  farblos  und  soll  sich  im  Dunkeln  ohne
Veränderung  auf  bewahren  lassen.
Behufs  Prüfung  eines  Wassers  gibt  man  etwa  10  ccm  Wasser  in  ein  Proberöhrchen, ­
  fügt  10  Tropfen  von  dem  Naphtholreagens  zu,  ferner  2  Tropfen  konzentrierte ­
  Salzsäure  und  schüttelt  die  Mischung  einige  Male  gut  durch;  läßt  man  alsdann ­
  in  das  schief  gehaltene  Proberöhrchen  etwa  20  Tropfen  Ammoniak  einfließen,
so  tritt  bei  Gegenwart  von  salpetriger  Säure  an  der  Berührungsgrenze  ein  mehr
oder  weniger  rot  gefärbter  Ring  auf;  schüttelt  man  dann  gut  durch,  so  wird  die
ganze  Flüssigkeit  je  nach  der  Menge  der  vorhandenen  salpetrigen  Säure  mehr  oder
weniger  rot  oder  rosa  gefärbt  erscheinen.  Da  verdünnte  Lösungen  des  Reagenzes

J )  Vergl.  A.  Bömer,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1898.
1,  401,
")  Farnsteiner,  Buttenberg  und  Korn,  Leitfaden  f.  d.  chem.  Untersuchung  von
Abwasser.  München  1902,  23.
3 )  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  1896,  35,  677,  und  1897,  36,  377.  Zuerst  hat  Riegler
die  Naphthionsäure  allein  angewendet;  weil  diese  aber  aus  verschiedenen  Bezugsquellen
sich  verschieden  verhalten  hat,  so  hat  er  die  obigen  Reagenzien  vorgezogen.
        <pb n="833" />
        812

Trinkwasser.

veilchenblau  fluoreszieren,  so  muß  die  Farbenerscheinung  im  (lurchfallenden  Licht
betrachtet  werden.
Die  Reaktion  beruht  darauf,  daß  die  Naphthionsäure  durch  die  salpetrige  Säure  in
Diazonaphthalinsulfosäure  verwandelt  wird,  welche  mit  ^-Naphthol  und  Ammoniak  einen
roten  Azofarbstoff  bildet.  Die  salpetrige  Säure  soll  sich  noch  in  einer  Verdünnung  von  1:100
Millionen  Wasser  nachweisen  lassen.
Ist  auf  diese  Weise  salpetrige  Säure  in  einem  Wasser  qualitativ  nachgewiesen,
so  empfiehlt  sich:
b)  Die  quantitative  Bestimmung  derselben.  Diese  kann  am  einfachsten
a)  auf  kolorimetrischem  Wege  erfolgen,  und  habe  ich  für  den  Zweck  ebenfalls ­
  ein  Kolorimeter  hergestellt,  welches  in  derselben  Weise  wie  das  für  die  kolorimetrische
  Bestimmung  von  Ammoniak  (S.  809)  eingerichtet  ist.
Zur  Feststellung  der  Farbentöne  ist  Zinkjodidstärkelösung 1 )  (genau  nach
der  Vorschrift  No.  24  unter  Darstellung  der  Lösungen  am  Schluß  hergestellt)  unter
Zusatz  von  verdünnter  Schwefelsäure  (1  :  3)  verwendet.
Die  Farbentöne  auf  dem  Kolorimeter  sind  in  folgender  Weise  gewonnen  und
gehen  folgenden  Gehalt  an:

Nitritlösnng *  2 )

Gehalt  an

Zusatz

von

auf  je  100  ccm

salpetriger

Dauer

ton

destill.  Wasser

Säure

Zinkjodidstärke-Schwefel-



  Beobachtung

verdünnt

(N 2 O s )

lösung

säure  1:3

i

1,5  ccm

0,015

2  ccm

3  ccm

bis  zu

6—6  Min.

2

2,5  „

0,025

2  „

3  „

55  55

2—3  „

3

5,0  „

0,050

3  „

2  „

55  55

2  „

4

10,0  „

0,100

3

1  „

55  55

2

5

15,0  „

0,150

3  „

1  „

55  55

1  „

6

20,0  „

0,200

3

1  „

unter

1  „

*)  Die  kolorimetrisohe  Bestimmung  der  salpetrigen  Säure  kann  auch  nach  dem  Verfahren ­
  von  Preuße  und  Tiemann  mit  Metaphenylendiamin  ausgeführt  werden,  und
dieses  Verfahren  hat  den  Vorzug,  daß  die  organischen  Stoffe  hierauf  weniger  nachteilig
einwirken.  Die  durch  dieses  Reagens  bewirkten  gelben  Farbentöne  sind  aber  für  das  Auge
nicht  so  unterschiedlich  wie  die  durch  Zinkjodidstärkelösung  bewirkten  blauen  Farbentöne.
Aus  dem  Grunde  habe  ich  einstweilen  davon  Abstand  genommen,  hierfür  eine  Skala  nachbilden ­
  zu  lassen.
Das  von  B.  Riegler  vorstehend  empfohlene  Naphthol-Reagens  ist  für  den  Zweck
vielleicht  zu  empfindlich.
2 )  Als  Lösung  für  salpetrige  Säure  wird  Silbernitrit  angewendet,  welches  in  der
Weise  (vergl.  Walter-Gärtner  1.  c.  S.  401)  hergestellt  wird,  daß  man  eine  konzentrierte
Lösung  von  Kaliumnitrit  mit  Silberlösung  versetzt,  das  ausgefällte  Silbernitrit  abfiltriert
und  auf  dem  Filter  mit  wenig  kaltem,  destilliertem  Wasser  nachwäsoht,  das  Silbernitrit
dann  durch  möglichst  wenig  kochendes  Wasser  löst  und  auskristallisiereu  läßt.  Die
Mutterlauge  wird  abgegossen,  die  Kristalle  von  Silbernitrit  zwischen  Fließpapier  ausgepreßt ­
  und  getrocknet.  Das  Silbernitrit  kristallisiert  sehr  leicht,  hat  eine  bestimmte
Zusammensetzung,  die  beständig  ist,  und  verdient  deshalb  vor  dem  käuflichen  Kaliumnitrit
den  Vorzug,  weil  letzteres  von  sehr  schwankender  Zusammensetzung  ist  und  der  Gehalt  der
Lösung  daher  stets  durch  Titration  mit  Permanganatlösung  festgestellt  werden  muß.
0,406  g  des  so  dargestellten  reinen,  trocknen  Silbernitrits  werden  in  einem  Liter-Kolben
  mit  heißem  Wasser  gelöst,  durch  eine  reine  Kalium-  oder  Natriumchloridlösung
zersetzt,  die  Flüssigkeit  nach  dem  Erkalten,  ohne  zu  filtrieren,  mit  destilliertem  Wasser
zu  1  1  aufgefüllt  und  nach  dem  Durchmischen  beiseite  gestellt,  bis  sich  der  Niederschlag
von  Chlorsilber  abgesetzt  hat.  Von  der  überstehenden  klaren  Flüssigkeit  werden  100  ccm
abpipettiert,  zu  1  1  verdünnt  und  diese  Lösung  nach  dem  Durchmischen  zu  den  Versuchen
verwendet.  1  ccm  derselben  enthält  0,01  mg  salpetrige  Säure  (N 2 0 3 ).
        <pb n="834" />
        813

Chemische  Untersuchung.

Die  Stärke  des  Farbentones  hängt  ganz  von  der  Zeit  der  Beobachtung ­
  ab;  bei  den  Farbentönen  2—6  wird  der  Farbenton  um  so
dunkler,  je  länger  man  stehen  läßt.  Es  empfiehlt  sich  daher,  daß  jeder
Beobachter  durch  einen  einmaligen  Kontrollversuch  in  vorstehender  Weise  feststellt, ­
  wieviel  Zeit  der  Beobachtung  in  Minuten  notwendig  ist,  damit  sich  der
Farbenton  der  Normalnitritlösnngen  mit  den  Tönen  der  Farbenskala  für  sein  Auge
deckt.  Diese  Zeit  muß  dann  auch  der  Beobachter  bei  der  Prüfung  eines  zu  untersuchenden ­
  Wassers  einhalten.
Bei  der  quantitativen  Bestimmung  der  salpetrigen  Säure  bringt  man  100  ccm
des  wie  oben  geklärten  Wassers  in  den  Zylinder,  setzt  3  ccm  der  Zinkjodidstärkelösung
sowie  1  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  (1  :  3)  zu  und  beobachtet  die  Färbung  in  der
angegebenen  Weise.  Tritt  sofort  starke  Blaufärbung  ein,  die  einem  der  höchsten
Farbentöne  oder  mehr  entspricht,  so  gießt  man  50  ccm  aus,  verdünnt  mit  destilliertem
Wasser  auf  100  ccm  und  beobachtet  abermals.  Die  Bestimmung  wird  dann  wiederholt,
indem  man  50  ccm  des  Wassers  gleich  mit  50  ccm  destilliertem  Wasser,  oder
25  ccm  desselben  mit  75  ccm  destilliertem  Wasser  verdünnt,  die  Reagenzien  zusetzt ­
  und  wieder  vergleicht.  Wenn  die  Reaktion  nach  5—6  Minuten  langem  Stehen
ausbleibt,  so  erhöht  man  den  Zusatz  der  Schwefelsäure  (1  :3)  um  2  ccm  und
beobachtet  wieder  während  einiger  Minuten.  Die  Prüfung  muß  bei  Abschluß
des  direkten  Sonnenlichtes  vorgenommen  werden.  Organische  Stoffe  wirken
nur  dann  nachteilig  auf  die  Reaktion,  wenn  sie  in  sehr  großer  Menge  vorhanden
sind.  Trübe  aussehende  oder  gefärbte  Wässer  klärt  man  in  derselben  Weise,
wie  vorstehend  unter  No.  6  a  angegeben  ist,  und  verwendet  die  filtrierte  Flüssigkeit.
Bei  einem  sehr  hohen  Gehalte  eines  Wassers  an  salpetriger  Säure,  der
eine  zu  starke  Verdünnung  notwendig  machen  würde,  bestimmt  man  die  salpetrige
Säure  quantitativ  am  besten:
ß)  nach  dem  Verfahren  von  Feldhaus-Kubel.
Man  bereitet  zu  dem  Zweck  eine  1 / 100  N.-Kaliumpermanganat-Lösung  (0,315  g
Kaliumpermanganat  in  11),  ferner  eine  1 / B0  Normal-Eisenammonsulfat-Lösung  (3,9208  g
in  11  Wasser),  von  welcher  bei  genauer  Einstellung  10  ccm  =  10  ccm  1 / 100  N.-Kaliumpermanganat-Lösung ­
  entsprechen;  1  ccm  der  letzteren  entspricht  0,19  mg  salpetriger
Säure.
100  ccm  des  zu  prüfenden  nitrithaltigen  Wassers  werden  mit  einem  Uberschuß ­
  von  1 / 100  N.-Kaliumpermanganat-Lösung  (5,  10  ccm  usw.)  versetzt  und  mit
5  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  (1  :  3)  angesäuert.  Darauf  setzt  man  ebensoviel  oder
die  der  Anzahl  Kubikzentimeter  der  zugesetzten  Kaliumpermanganat-Lösung  entsprechende ­
  Anzahl  Kubikzentimeter  Eisenammonsulfat-Lösung  zu  und  titriert  mit
Kaliumpermanganat  zurück  bis  zu  eben  eintretender  Rotfärbung.
Zieht  man  von  der  Gesamtmenge  der  verbrauchten  Kubikzentimeter  Kaliumpermanganat-Lösung ­
  die  zur  Oxydation  der  hinzugesetzten  Eisenammonsulfat-Lösung
erforderlichen  Kubikzentimeter  dieser  Lösung  ab  und  multipliziert  die  Differenz  in
Kubikzentimeter  mit  0,19,  so  erhält  man  die  in  100  ccm  Wasser  enthaltenen  Milligramm ­
  salpetriger  Säure.
Sind  von  der  Kaliumpermanganat-Lösung  z.  B.  im  ganzen  verbraucht  10  +  2,4  ccm
und  entsprechen  10  ccm  der  Eisenammonsulfat-Lösung  =  9,9  ccm  Kaliumpermanganat-Lösung,
  so  sind:
(10  -j-  2,4)  —  9,9  =  2,5  ccm  1 / 100  N.-Kaliumpermanganat-Lösung  zur  Oxydation
der  salpetrigen  Säure  verwendet,  also  in  100  ccm  Wasser  2,5  x  0,19  =  0,475  mg,
oder  in  1  1  Wasser  0,475x  10  =  4,75  mg  N 2 0 3  vorhanden.
        <pb n="835" />
        814

Trinkwasser.

*)  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1899,  38,  429.

Wenn  die  Titration  in  der  Kälte  bei  16°  yorgenommen  wird,  so  wirken  die
organischen  Stoffe  nicht  oder  kaum  schädlich.
7.  Salpetersäure,  a)  Qualitativer  Nachweis,  a)  Der  qualitative  Nachweis ­
  geschieht  am  besten  in  folgender  Weise:  Man  stellt  sich  eine  Lösung  von
Diphenylamin  dadurch  her.  daß  man  20  g  Diphenylamin  in  20  ccm  verdünnter
Schwefelsäure  (1  :  B)  löst  und  diese  Lösung  mit  reiner  konzentrierter  Schwefelsäure
auf  100  ccm  auffüllt.  Nach  dem  Erkalten  ist  die  Lösung  für  den  Gebrauch  fertig.
Etwa  2  ccm  derselben  werden  in  ein  kleines,  reines  Schälchen  gegeben  und  in
dasselbe  etwa  x / 2  ccm  des  zu  prüfenden  Wassers  tropfenweise  zufließen  gelassen,
ohne  umzurühren.  Oder  man  löst  einige  Körnchen  reinen  Diphenylamins  in  einem
Porzellanschälchen  in  5  ccm  reiner  konzentrierter  Schwefelsäure,  läßt  langsam
1  ccm  des  Wassers  zufließen  und  rührt  um.  Ist  Salpetersäure  im  Wasser  enthalten,
so  bilden  sich  sofort  oder  nach  kurzer  Zeit  blaue  Streifen  oder  Strahlen;  erscheinen
solche  nach  2—3  Minuten  nicht,  so  rühre  man  um,  und  eine  jetzt  eintretende
Färbung,  die  nur  schwach  sein  wird,  zeigt  immer  noch  Spuren  an.  Es  ist  notwendig, ­
  dieselbe  Reaktion  mit  salpetersäurefreiem,  destilliertem  Wasser  nebenher  zu
machen,  das  man  sich  herstellt,  indem  man  destilliertes  Wasser  nochmals  mit  etwas
Kalilauge  destilliert.
Noch  empfindlicher  ist  die  Abänderung  von  Cimmino, 1 )  nach  welcher  man
in  einem  Eeagensrohre  zu  1  ccm  des  zu  untersuchenden  Wassers  B—4  Tropfen  salzsäurehaltige ­
  (5—10  °/ 0 )  Diphenylamin-Schwefelsäure  und  2  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure ­
  gibt  und  umschüttelt.  Bei  Anwesenheit  von  1  Teil  Salpetersäure  in  1000  000
Teilen  Wasser  tritt  nach  dieser  Ausführungsweise  noch  eine  Blaufärbung  der
Flüssigkeit  auf.
ß)  Statt  des  Diphenylamins  kann  man  auch  etwas  Brucin  in  einem  Porzellanschälchen ­
  in  reiner  konzentrierter  Schwefelsäure  lösen  und  dazu  1  ccm  des  zu
prüfenden  Wassers  langsam  zufließen  lassen.  Eine  Rotfärbung  zeigt  die  Gegenwart
von  Salpetersäure  an.  Die  Rotfärbung  tritt  um  so  stärker  auf,  je  mehr  Salpetersäure ­
  vorhanden  ist.  Auch  hier  empfiehlt  es  sich,  einen  blinden  Versuch  mit
salpetersäurefreiem  destilliertem  Wasser  anzustellen.
Die  Gegenwart  von  salpetriger  Säure  stört  diese  Reaktion  nicht,  dagegen  können
auch  andere  Oxydationsmittel,  z.  B.  Chlorate,  Hypochlorite  und  Chromate  usw.,  die
Färbung  hervorrufeu.
y)  Wenn  keine  salpetrige  Säure  vorhanden  ist,  kann  man  nach  Farnsteiner,
Buttenberg  und  Korn  (1.  c.)  auch  5  ccm  des  auf  1 / 6  eingedampften  filtrierten
Wassers  bei  gewöhnlicher  Temperatur  mit  Ferrosulfat  sättigen  und  mit  dieser
Lösung  in  einem  Reagensglase  etwa  5  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure  vorsichtig
überschiohten.  Bei  Gegenwart  größerer  Mengen  Salpetersäure  tritt  sofort  oder
nach  einiger  Zeit,  besonders  bei  mäßigem  Umschwenken,  an  der  Berührungsstelle
ein  roter  bis  braunschwarzer  Ring  auf.
d)  Bei  Abwesenheit  von  salpetriger  Säure  kann  man  auch  etwa  10  ccm  Wasser
mit  Schwefelsäure  ansäuern,  ein  Körnchen  Zink  und  einige  Tropfen  Jodzinkstärkelösung ­
  zusetzen.  Bei  Anwesenheit  von  Salpetersäure  tritt  Blaufärbung  auf.
Wird  die  Reduktion  durch  Zusatz  von  nur  Zink  und  Schwefelsäure  lange
genug  fortgesetzt,  so  geht  die  Reduktion  bis  zur  Bildung  von  Ammoniak  und  kann
dieses  wie  oben  S.  808  nachgewiesen  werden.  Das  Eintreten  der  Reaktion  zeigt
alsdann,  wenn  das  Wasser  frei  von  Ammoniak  war,  die  Gegenwart  von  Salpetersäure ­
  an.
        <pb n="836" />
        Chemische  Untersuchung.

815

Da  die  Prüfungen  y  und  d  nur  bedingungsweise  sicher  sind,  so  wird  man  sich  in
der  Eegel  der  Reaktionen  a  und  ß  bedienen.
b)  Quantitative  Bestimmung.  Die  quantitative  Bestimmung  der  Salpetersäure ­
  geschieht  am  einfachsten
a)  nach  dem  Verfahren  von  K.  Ul  sch.  1  1  des  zu  untersuchenden  Wassers
wird  in  einer  Schale  rasch  über  freier  Flamme  bis  auf  etwa  30  ccm  eingedampft.
Diese  werden  in  einen  Kochkolben  von  etwa  600  ccm  Inhalt  gegeben,  die  Schale
noch  mehrmals  nachgespült,  so  daß  die  ganze  Menge  des  Wassers  etwa  60—80  ccm
beträgt;  hiermit  verfährt  man  genau  wie  mit  einer  Salpeterlösung  nach  S.  147
unter  b.  Wenn  das  Wasser  bestimmbare  Mengen  Ammoniak  enthält,  die  beim  Eindampfen ­
  mit  den  Wasserdämpfen  nicht  verflüchtigt  werden,  so  müssen  diese  besonders ­
  bestimmt  und  von  der  gefundenen  Gesamtmenge  Ammoniak  abgezogen  werden.
ß)  Überführung  in  Stickoxydgas.  Nach  Sehulze-Tiemann  bestimmt
man  die  Salpetersäure  im  Wasser,  indem  man  dieselbe  unter  Einwirkung  von  Salzsäure ­
  und  Eisenchlorür  zu  Stickoxyd  reduziert  und  das  Volumen  des  letzteren  mißt.
Zur  Ausführung  kann  der  Wagnersche  Apparat  S.  144  dienen.  Tiemann 1 )  hat
den  Apparat  Wagners  insofern  abgeändert,  als  er  anstatt  der  Trichterröhre  eine
gebogene  Glasröhre  anwendet,  welche  durch  Kautschukschlauch  mit  einer  zweiten
geraden,  in  ein  Beoherglas  mit  Salzsäure  tauchenden  Glasröhre  verbunden  ist.
W.  Stüber 2 )  hat  den  Tieraannschen  Apparat  noch  weiter  verbessert.
100—300  ccm  des  zu  prüfenden  Wassers  werden  in  einer  Schale  vorsichtig
bis  zu  etwa  50  ccm  eingedampft  und  diese  zusammen  mit  den  etwa  durch  Kochen
abgeschiedenen  Erdalkalimetallkarbonaten  in  das  Kölbchen  a  (Fig.  22  a,  S.  144)
gespült.  Nitrate  gehen  in  den  beim  Kochen  sich  bildenden  Niederschlag  nicht  Uber;
es  genügt  also,  wenn  man  die  Schale  einige  Male  mit  wenig  heißem,  destilliertem
Wasser  auswäscht.
Man  verschließt  das  Kölbchen  mit  dem  doppelt  durchbohrten,  mit  Trichterund
  Gasableitungsöhre  versehenen  Stöpsel,  läßt  durch  die  Trichterröhre  etwas
destilliertes  Wasser  laufen  und  schließt  den  Hahn  der  Trichterröhre  in  der  Weise,
daß  der  untere  Teil  der  letzteren  bis  zum  Hahn  vollständig  mit  Wasser  gefüllt
ist.  Alsdann  kocht  man  bei  offener  Gasableitungsröhre  das  zu  prüfende  Wasser  in
dem  Kochkölbchen  noch  weiter  ein  und  bringt  in  die  Glaswanne  d  verdünnte
Natronlauge,  so  daß  die  aus  dem  Eohre  entweichenden  Wasserdämpfe  durch  die
alkalische  Flüssigkeit  streichen.  Nach  einigen  Minuten  drückt  man  den  Kautschukschlauch ­
  bei  c  mit  den  Fingern  zusammen.  Sobald  durch  Kochen  die  Luft  vollständig ­
  entfernt  worden  ist,  steigt  die  Natronlauge  schnell  in  das  Vakuum  zurück ­
  und  man  fühlt  einen  gelinden  Schlag  am  Finger.  Man  kocht  noch  weiter  das
Wasser  bis  auf  etwa  10  ccm  ein,  bringt  sodann  eine  der  Meßröhren  Uber  das  Ende
des  Entwickelungsrohres  und  läßt  nun  durch  den  Scheidetrichter  etwa  20  ccm  einer
nahezu  gesättigten  Eisenchlorürlösung,  sodann  zweimal  etwas  Salzsäure  einfließen,
jedoch  stets  mit  der  Vorsicht,  daß  das  Trichterrohr  nicht  vollständig  leer  läuft.
Man  kocht  so  lange  weiter,  bis  sich  das  Gasvolumen  in  der  Meßröhre  nicht  mehr
vermehrt.
Es  kommt  zuweilen  vor,  daß  im  Verlauf  des  Versuches  die  Entwickelung
von  Stickoxyd  nachläßt,  obschon  die  Farbe  der  Eisenchlorürlösung  auf  die  Anwesenheit ­
  noch  erheblicher  Mengen  dieses  Gases  in  dem  Zersetzungskolben  hindeutet. ­
  Durch  einen  kleinen  Kunstgriff  ist  die  vollständige  Austreibung  des  Stickx
 )  Walter-Gärtner,  Untersuchung  und  Beurteilung  des  Wassers,  1896,  4.  Auf!.,  154.
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  10,  329.
        <pb n="837" />
        816

Trinkwasser.

*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  10,  101.

oxyds  unter  allen  Umständen  ohne  Schwierigkeit  zu  erreichen.  Der  Kunstgriff
besteht  darin,  daß  man  die  Operation  unterbricht,  wenn  noch  spärlich  Gas  entwickelt ­
  wird,  indem  man  bei  c  einen  Quetschhahn  anlegt,  die  Flamme  beseitigt  und
den  Kolben  kurze  Zeit  erkalten  läßt.  Durch  Verringerung  des  Druckes  im  Innern
des  Kolbens  wird  das  in  der  Flüssigkeit  noch  gelöste  Stickoxydgas  frei  und  läßt  sich
dann  durch  erneutes  Kochen  leicht  in  die  Meßröhre  überführen.
Nach  dem  vollständigen  Übertreiben  des  Stickoxyds  wird  die  Meßröhre  in
den  hohen  Glaszylinder  Fig.  22  b,  S.  144  gebracht,  welcher  so  weit  mit  kaltem
Wasser,  am  besten  von  15—18°,  gefüllt  ist,  daß  sie  darin  vollständig  untergetaucht
werden  kann.
Nach  15—20  Minuten  prüft  man  die  Temperatur  des  in  dem  Zylinder  befindlichen ­
  Wassers  mittels  eines  empfindlichen  Thermometers  und  notiert  den
Barometerstand.  Darauf  ergreift  man  die  graduierte  Eöhre  am  oberen  Ende  mit
einem  Papier-  oder  Zeugstreifen,  um  jede  Erwärmung  derselben  durch  direkte
Berührung  mit  der  Hand  zu  vermeiden,  zieht  sie  senkrecht  so  weit  aus  dem  Wasser,
daß  die  Flüssigkeit  innerhalb  und  außerhalb  der  Eöhre  genau  dasselbe  Niveau
hat,  und  liest  das  Volumen  des  Gases  ab.  Dasselbe  wird  nach  folgender  Formel
auf  0°  und  760  mm  Barometerstand  reduziert:
_  V.(B  —  f).273
Vl ~  760.(273  +  t)’
wobei  V x  das  Volumen  bei  0°  und  760  mm  Barometerstand,  V  das  abgelesene  Volumen,
B  den  beobachteten  Barometerstand  in  Millimetern,  t  die  Temperatur  des  Wassers
in  Graden  der  Zentesimalskala  und  f  die  von  der  letzteren  abhängige  Tension  des
Wasserdampfes  in  Millimetern  bezeichnet.
Die  folgende  Tabelle  gibt  die  Tensionen  des  Wasserdampfes  an,  welche  den
in  Frage  kommenden  Temperaturen  entsprechen:

Temperatur

Tension

Temperatur

Tension

=  t

=  f

=  t

=  f

10°

9,2  mm

17°

14,4  mm.

n°

9,8  „

18°

lo,3  „

12°

10,5  „

19°

16,3  „

13°

11,2  „

20°

17,4  „

14«

11,9  „

21°

18,5  „

15°

12,7  „

22°

19,7  „

16°

13,5  „

23°

20,9  „

Multipliziert  man  die  durch  ausgedrtickten  Kubikzentimeter  Stickoxyd  mit
2,413,  so  erhält  man  die  denselben  entsprechenden  Milligramme  Salpetersäure
(N 2 0 6 )  für  die  angewendete  Menge  Wasser.
Bei  diesem  Verfahren  ist  es  für  das  Gelingen  des  Versuches  durchaus  notwendig, ­
  daß  jede  Spur  von  Luft  durch  Kochen  der  Flüssigkeit  aus  dem  Apparat
verdrängt  ist;  auch  darf  die  zur  Zersetzung  angewendete  Flüssigkeitsmenge  keine
zu  große  sein,  da  wenig  Stickoxyd  sonst  nur  schwer  vollständig  auszutreiben  ist.
Um  die  Salzsäure  luftfrei  zu  machen,  erhitzt  man  dieselbe  vor  dem  Versuch
einige  Zeit  zum  Sieden.
B.  Pfyl 1 )  hat  das  Verfahren  von  Schulze-Tiemann  dahin  abgeändert,  daß
er  das  durch  Eisenchlorür  und  Salzsäure  gebildete  Stickstoffoxyd,  nachdem  es  unter
Luftabschluß  in  einer  Waschflasche  durch  15  °/ 0 -ige  Natronlauge  gewaschen  ist,  in
ein  Absorptionskölbchen  mit  1 / 10  Normal-Permanganatlösung  leitet,  von  letzterer  das
        <pb n="838" />
        Chemische  Untersuchung.

817

Stickstoffoxyd  absorbieren  läßt  und  den  Überschuß  der  angewendeten  Permanganatlösung ­
  durch  Mohrsches  Eisenoxydulsalz  zurücktitriert.  Pfyl  hat  für  dieses  Verfahren ­
  einen  besonderen  Apparat 1 )  angegeben,  der  vor  dem  von  Schulze-Tiemann
  angegebenen  den  Vorzug  der  bequemeren  und  sichereren  Handhabung  hat;
auch  sollen  nach  diesem  Verfahren  noch  0,25  com  1 / 30  Normal-Kaliumnitrat  angezeigt ­
  werden,  während  nach  Tiemann  1  ccm  1 / 80  N.-Kaliumnitratlösung  nicht
mehr  bestimmbar  ist.
C.  Böhmer  hat  in  ähnlicher  Weise  die  Oxydation  des  Stickoxyds  durch
Chromsäure  vorgesohlagen  (S.  218).
y)  Kolorimetrische  Bestimmung  der  Salpetersäure  nach  Noll. 2 )
Noll  verfährt  nach  dem  Vorgänge  Lun  ge  s  und  Wincklers  zur  kolorimetrischen
Bestimmung  der  Salpetersäure  wie  folgt;  10  com  Wasser,  welche  nicht  mehr  als
0,5  mg  Salpetersäure  (N 2  0 5 )  enthalten  dürfen  —  also  hei  höherem  Gehalt  entsprechend
weniger,  aber  mit  destilliertem  Wasser  auf  10  ccm  gebracht  —  werden  in  einer
etwa  100  ccm  fassenden  Porzellanschale  mit  20  ccm  Brucin-Schwefelsäure  —  0,5  g
kristallisiertes  Brucin  in  200  ccm  reiner  Schwefelsäure  vom  spezifischen  Gewicht
1,840  —  versetzt  und  die  Mischung  nach  etwa  1 / 1  Minute,  während  welcher  Zeit
umzurühren  ist,  in  einen  Hehn  er  sehen  Zylinder  (vergl.  Fig.  301  S.  809),  der
70  ccm  destilliertes  Wasser  enthält,  gegossen.  Gleichzeitig  werden  2  bezw.  5  ccm
Kaliumnitratlösung,  welche  genau  0,2  bezw.  0,5  mg  Salpetersäure  (N 2 0 5 )  —  0,1871  g
Kaliumnitrat  in  1  1  —  enthalten,  mit  8  bezw.  5  ccm  destilliertem  Wasser  verdünnt
und  in  ebenderselben  Weise  behandelt.  Nach  dem  Umrühren  der  Flüssigkeiten
mit  einem  Glasstabe  und  nach  Entweichen  der  Luftblasen  wird  die  Färbung  in  beiden
Zylindern  verglichen  und,  falls  die  Stärke  der  Färbung  verschieden  ist,  von  der  stärker
gefärbten  Flüssigkeit  so  viel  abgelassen  und  mit  der  gleichen  Menge  destilliertem
Wasser  wieder  auf  gefüllt  und  umgerührt,  bis  die  Farbenstärke  in  beiden  Zylindern
die  gleiche  ist.
Angenommen,  man  habe  als  Vergleichsflüssigkeit  2  ccm  Kaliumnitratlösung  und  8  ccm
destilliertes  Wasser  angewendet  und  man  habe  von  dem  zu  prüfenden  Wasser  20  com  ablassen
  und  wieder  mit  20  ccm  destilliertem  Wasser  verdünnen  müssen,  um  Farbengleichbeit
zu  erhalten,  so  enthalten  die  80  ccm  Verdünnung  (=  8  ccm  ursprünglichem  Wasser)  0,2  mg
N,0 5  oder  1  1  =  =  25  mg  N 2 0 5 .
Wenn  zur  Erzielung  der  Farbengleichheit  mehr  als  60  ccm  abgelassen  werden
müssen,  so  ist  die  Bestimmung  unter  entsprechender  Verdünnung  zu  wiederholen.
Auch  muß  die  Einwirkungsdauer  der  Brucin-Schwefelsäure  auf  die  zu  vergleichenden
salpeterhaltigen  Flüssigkeiten  genau  die  gleiche  sein.
Ferner  darf  beim  Vermischen  des  zu  untersuchenden  Wassers  mit  konzentrierter
Schwefelsäure  eine  Verfärbung  nicht  eintreten  und  dürfen  fremde,  oxydierende  Stoffe  nicht
■vorhanden  sein.
Unter  Beachtung  dieser  Umstände  liefert  das  Verfahren  von  Noll  nach  den  vergleichenden ­
  Untersuchungen  von  Farnsteiner,  Buttenberg  und  Korn  (1.  c.  S.  29)  mit
dem  Verfahren  von  Schulze-Tiemann  gut  übereinstimmende  Ergebnisse.
d)  Das  Indigo  verfahren  von  K.  Warington  möge  als  das  am  wenigsten
zuverlässige  Verfahren  zur  quantitativen  Bestimmung  der  Salpetersäure  hier  nur
erwähnt  sein.

*)  Der  Apparat  kann  von  der  Firma  Dr.  Bender  und  Dr.  Hohein  in  München
(Gabelsbergerstr.  No.  76  a)  bezogen  werden.
2 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1901,  1317.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

52
        <pb n="839" />
        818

Trinkwasser.

*)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  9,  464.

s)  Das  von  M.  Busch 1 )  vor  geschlagene  Verfahren,  welches  auf  der  Schwerlöslichkeit ­
  des  Nitrats  der  synthetisch  gewonnenen  Base  „Diphenyl-endanilo-dihydrotriazol“
  beruht,  bedarf  noch  wohl  einer  weiteren  Ausarbeitung.
8.  Chlor.  100  ccm  Wasser  werden  mit  etwa  1  ccm  einer  Lösung  von  neutralem ­
  Kaliumchromat  versetzt  und  mit  1 ll  0  Normalsilbernitratlösung  so  lange
titriert,  bis  sich  durch  Ausscheidung  von  chromsaurem  Silber  ein  rötlicher  Niederschlag ­
  bildet  bezw.  die  Flüssigkeit  eine  rötliche  Färbung  annimmt.
1  ccm  der  1 j 10  Normalsilbernitratlösung  entspricht  dann  0,003546  g  Chlor  oder
0,00685  g  Chlornatrium.
Es  ist  nicht  immer  zutreffend,  die  Menge  des  gefundenen  Chlors  auf  Chlornatrium
zu  berechnen,  da  dasselbe  nicht  selten  auch  als  Chlormagnesium  und  Chlorcalcium  im
Wasser  enthalten  sein  kann.
Enthält  ein  Wasser  freie  Mineralsäuren,  welche  die  Bildung  des  chromsauren  Silbers
verhindern,  so  muß  das  Chlor  entweder  titrimetrisch  nach  dem  Verfahren  von  Yolhard  oder
gewiohtsanalytisch  bestimmt  werden.
Bei  geringen  Mengen  Chlor  in  einem  Wasser  (unter  10  mg  in  1  1)  werden
zweckmäßig  500  ccm  mit  Salpetersäure  angesäuert,  sofort  mit  Silbernitrat  versetzt
und  so  lange  erwärmt,  bis  sich  das  Chlorsilber  flockig  abgeschieden  hat.  Die
Wägung  des  Chlorsilbers  geschieht  am  besten  nach  der  Reduktion  im  Wasserstoffstrome ­
  als  metallisches  Silber  (1  g  Ag  ■=  0,3284  g  CI).
Enthält  ein  'Wasser  viel  organische  Stoffe,  so  müssen  diese  unter  Umständen
vorher  zerstört  werden  (vergl.  hierüber  unter  folgendem  Abschnitt  „Schmutzwasser“).
9.  Schwefelsäure.  200  ccm  Wasser  werden  mit  etwas  Salzsäure  angesäuert,
zum  Kochen  erhitzt  und  dazu  etwa  10—20  ccm  ebenfalls  zum  Kochen  erhitzte
Chlorbaryumlösung  gefügt.
Nachdem  das  Kochen  noch  einige  Minuten  fortgesetzt  wurde,  läßt  man  den
Niederschlag  an  einem  warmen  Orte,  etwa  auf  dem  Wasserbade,  absitzen  und
filtriert  durch  ein  aschenfreies  Filter.  Der  mit  heißem  Wasser  ausgewaschene
Niederschlag  wird  getrocknet,  in  einem  gewogenen  Platintiegel  verascht,  geglüht
und  gewogen.  Aus  dem  Gewicht  des  schwefelsauren  Baryums  wird  durch  Multiplikation ­
  mit  0,3429  die  Menge  der  Schwefelsäure  gefunden.
Hat  man  vor  der  Fällung  mit  Chlorbaryum  die  Kieselsäure  abgeschieden,  so
muß  der  Rückstand  wegen  der  Schwerlöslichkeit  des  Calciumsulfats  genügend  mit
heißem,  salzsäurehaltigem  Wasser  ausgewaschen  werden.
10.  Kohlensäure,  a)  Nachweis  und  Bestimmung  von  freier  Kohlensäure. ­
  Zur  qualitativen  Prüfung  auf  freie  Kohlensäure  löst  man  1  Teil  Eosolsäure
  in  500  Teilen  80°/ o -igem  Weingeist,  versetzt  mit  etwas  Ätzbaryt  oder
Natronlauge  bis  zur  beginnenden  rötlichen  Färbung  und  verwendet  von  dieser  Lösung
etwa  1 / 2  ccm  auf  50  ccm  des  zu  prüfenden  Wassers.  Bei  Gegenwart  von  freier
Kohlensäure  wird  die  Flüssigkeit  gelblich,  bei  Gegenwart  von  nur  doppelkohlensauren ­
  Salzen  bleibt  sie  rot.
Auch  kann  man  zur  Kontrolle  durch  Alkali  eben  rotgefärbte  Phenolphthalein  -
lösung  verwenden,  welche  durch  Wasser  mit  dem  geringsten  Gehalt  an  freier
Kohlensäure  entfärbt  wird.
Es  empfiehlt  sich  unter  allen  Umständen,  Wasser,  welches  keine
freie  Kohlensäure  enthält,  zum  Vergleich  in  derselben  Weise  zu  behandeln. ­
        <pb n="840" />
        Chemische  Untersuchung.  819

Zur  quantitativen  Bestimmung  der  freien  Kohlensäure’pipettiert  H.  Trillich
 1 )  100  ccm  Wasser  in  ein  Erlenmeyer-Kölhchen,  setzt  10  Tropfen  Phenolphthaleinlösung ­
  zu  und  titriert  nun  über  weißem  Papier  mit  1 ho  Normal-Natronlauge,  bis
die  Flüssigkeit  deutlich  rot  bleibt.  Der  Versuch  ist  zu  wiederholen,  indem  man
die  erst  ermittelte  Laugenmenge  nahezu  auf  einmal  zusetzt  und  dann  unter  TJmschütteln
  fertig  titriert.  Na  OH  +  C0 2  =  NaHCO g .
1  ccm  1 / 10  Normal-Natronlauge  =  4,4  mg  Kohlensäure.
b)  Bestimmung  der  halbgebundenen  und  freien  Kohlensäure  zusammen. ­
  Man  verfährt  nach  dem  v.  Pettenkoferschen  Verfahren  in  der  von
Trillich 1 )  angegebenen  Abänderung,  indem  man  die  freie  +  halbgebundene  Kohlensäure ­
  mit  Barythydrat  ausfällt,  worauf  man  den  Uberschuß  an  Barythydrat  zurücktitriert. ­

Man  benötigt:
1.  Barytwasser  von  der  Zusammensetzung  desjenigen  zur  Kohlensäurebestimmung  in
der  Luft  (3,5  g  in  1  1  gelöst  und  absitzen  gelassen),
2.  Baryumohloridlösung  1:10,  ganz  neutral,
3.  Salzsäure,  wovon  1  ccm  =  1  mg  Kohlensäure  entspricht.  Man  verdünnt  7  com  Salzsäure ­
  von  1,124  spezifischem  Gewicht  auf  1  1  Wasser  so,  daß  22  ccm  der  Säure
10  ccm  1 / 10  Normal-Natronlauge  neutralisieren,
4.  die  Indikatorlösungen  von  Phenolphthalein,  Cochenille  oder  Methylorange.
Man  bringt  in  ein  Absetzglas  von  200  ccm  Inhalt,  das  mit  Kautschukstopfen
verschließbar  ist,  mittels  Pipetten:
100  ccm  Wasser,
45  ccm  Barytwasser,
5  ccm  Baryumohloridlösung,
im  ganzen  also  150  ccm,  schüttelt  gut  durch  und  läßt  12  Stunden  ruhig  stehen.
Durch  den  Zusatz  des  Barytwassers  wird:
a)  die  im  Wasser  enthaltene  freie  und  halbgebundene  Kohlensäure  zu  unlöslichem
Baryumkarbonat  gebunden;
b)  das  im  Wasser  mittels  halbgebundener  Kohlensäure  gelöste  Calciumkarbonat
seines  Lösungsmittels  (durch  den  Vorgang  a)  beraubt  und  daher  ebenfalls
unlöslich;
c)  im  Wasser  enthaltenes  Alkalikarbonat  mit  dem  Baryumchlorid  in  Alkalichlorid
und  unlösliches  Baryumkarbonat  umgesetzt;
d)  alle  im  Wasser  enthaltene  Magnesia  als  Magnesiumhydroxyd  gefällt,  einschließlich ­
  des  Magnesiumkarbonates,  das  sich  mit  dem  Baryumchlorid  umsetzt  in
unlösliches  Baryumkarbonat  und  lösliches  Magnesiumchlorid,  das  sofort  wieder
als  Magnesiumhydroxyd  gefällt  wird;
e)  alle  Schwefelsäure  an  Baryt  gebunden  und  an  dessen  Stelle  die  äquivalente
Menge  der  mit  Schwefelsäure  verbundenen  Basen  treten.
Während  des  Absitzens  stellt  man  den  Titer  des  Barytwassers  fest,  indem  man
100  com  destilliertes  kohlensäurefreies  (ausgekochtes)  Wasser,
45  com  Barytwasser,
5  ccm  Baryumohloridlösung
gut  mischt,  hiervon  mit  einer  Pipette  50  ccm  =  1 / 8  der  Gesamtflüssigkeit  entnimmt,
in  einem  Kölbchen  mit  einigen  Tropfen  Phenolphthaleinlösung  versetzt  und  aus  einer
x )  H.  Trillich,  Die  Münchener  Hochquellenleitung  aus  dem  Mangfallthale.  München,
M.  Riegersohe  Univ.-Buohhandlung,  1890,  II.  Teil,  63  u.  f.,  und  Emmerich  und  Trillich,
Anleitung  zu  hygienischen  Untersuchungen.  München  1892,  116.

52*
        <pb n="841" />
        820

Trinkwasser.

Bürette  so  lange  Salzsäure,  wovon  1  com  =  1  mg  Kohlensäure  entspricht,  zufließen
läßt,  bis  die  rote  Flüssigkeit  eben  farblos  ist.
Nach  12  Stunden  ist  der  Niederschlag  im  Glase  ganz  kristallinisch  geworden;
man  entnimmt  nun  mittels  einer  Pipette  50  ccm,  ohne  den  Niederschlag  aufzurütteln,
und  titriert  in  gleicher,  oben  beschriebener  Weise  mit  Salzsäure,  Die  Differenz  im
Salzsäureverbrauch  drückt  diejenige  Menge  Baryt  aus,  welche
a)  zur  Fällung  der  freien  und  halbgebundenen  Kohlensäure,
b)  zur  Fällung  der  Magnesia
verbraucht  wurde.  Man  hat  daher  die  Magnesia  im  Wasser  gewichtsanalytisch  zu
bestimmen  und  durch  Multiplikation  mit  44 / 40  =  1,1  auf  Kohlensäure  umzurechnen.
Wurden  z.  B.  für  50  ccm  der  gemischten  Lösung  bei  der
Titerstellung.  .  .  .  a  ccm  Salzsäure,  bei  der
Titration  des  Wassers  b  ccm  Salzsäure  verbraucht
und  ist  der  Magnesiagehalt  des  Wassers  m  mg  in  100  ccm,  so  enthält  1  1  Wasser
(3  x  [a  —  b]  —  1,1  x  m)  X  10  mg  freie  und  halbgebundene  Kohlensäure.
Beispiel:  Enthält  ein  Wasser  in  100  ccm  3,3  mg  Magnesia  (MgO)  =  m;  60  ccm
der  gemischten  Lösung  brauchten
zur  Titerstellung  a  12,7  com  Salzsäure  (1  ccm  =  1  mg  Kohlensäure),
„  Titration  b  7,0  com  Salzsäure.
Dann  enthält  1  1  Wasser
(3  x  [12,7  —  7,0]  —  1,1  X  3,3)  X  10  mg  =  (3  x  6,7  —  3,63)  x  10  =  134,7  mg
freie  -(-  halbgebundene  Kohlensäure.
c)  Bestimmung  der  Gesamtkohlensäure.  Nach  Entnahme  von  50  ccm
sind  im  Absetzglase  noch  100  ccm  und  der  Niederschlag  enthalten.  Man  titriert
nun  den  gesamten  Eest  mit  Salzsäure,  zieht  von  dem  Gesamtsäureverbrauch  den  für
die  100  ccm  Flüssigkeit  ab,  der  aus  der  Bestimmung  der  freien  +  halbgebundenen
Kohlensäure  bekannt  ist,  und  erfährt  so  den  Säureverbrauch  für  den  gesamten
Niederschlag,  der  alle  Kohlensäure  und  alle  Magnesia  enthält.
Man  übersättigt  stark  mit  der  titrierten  Salzsäure,  z.  B.  100  ccm,  stellt  die
Flasche  in  warmes  'Wasser,  dann  in  heißes,  damit  alle  Kohlensäure  entweicht,
setzt  Cochenilletinktur  zu  und  titriert  mit  4 / 10  Normal-Natronlauge  die  saure,  gelbe
Flüssigkeit,  bis  sie  eben  alkalisch,  d.  h.  rot  wird.
Würden  zur  Neutralisation  von  100  ccm  Lösung  Niederschlag  d  ccm  Salzsäure
gebraucht,  so  braucht  man  für  den  Niederschlag  allein  d  —  2  b  ccm  Salzsäure  und  1  1
Wasser  enthält  dann  ([d  —  2  b]  —  l,lxm)xl0mg  Gesamtkohlensäure,  z.  B.  100  ccm
Flüssigkeit  Niederschlag  erforderten  43,3  ccm  Salzsäure  (d).  1  1  Wasser  enthält  dann
([43,3  —  2  x  7,0]  —  1,1  x  3,3)  x  10  mg  =  (29,3  —  3,63)  x  10  =  256,7  mg  Gesamtkohlensäure.
Man  kann  die  Gesamtkohlensäure,  also  die  freie,  halbgebundene  und  an
Basen  gebundene  Kohlensäure  auch  in  der  Weise  bestimmen,  daß  man  dem  zu
untersuchenden  Wasser  in  hinreichender  Menge  vollkommen  klares  Kalkwasser
zusetzt,  nach  mindestens  24-stündigem  Absitzen  den  entstandenen  Niederschlag  sammelt
und  aus  ihnen  mittels  Salzsäure  die  Kohlensäure  wieder  frei  macht,  um  sie  in  einem
Liebigsohen  oder  Geißlerschen  Kaliapparat  (über  Anordnung  des  Apparates  siehe
unten)  aufzufangen  und  zu  wägen.  Enthält  ein  Wasser  Alkalikarbonate,  so  setzt
man  zweckmäßig  etwas  Calciumchlorid  hinzu.  Bei  reinen  Wässern,  d.  h.  bei
solchen,  die  keine  kalkhaltigen  Schwebestoffe  enthalten,  kann  man  den  Niederschlag
von  Calciumkarbonat  abfiltrieren,  schnell  mit  kochendem  Wasser  auswaschen,  in
Essigsäure  lösen,  die  essigsaure  Lösung  mit  oxalsaurem  Ammon  fällen  und  aus  der
gewogenen  Menge  von  Kalk  (CaO)  durch  Multiplikation  mit  0,7843  die  Kohlensäure
berechnen.
        <pb n="842" />
        Chemische  Untersuchung.

821

Am  besten  verfährt  man  jedoch  in  folgender  Weise:  250  ccm  des  zu  untersuchenden ­
  und  in  einen  1 / 2  1-Kochkolben  gebrachten  Wassers  werden  mit  250  ccm 1 )
gesättigtem  und  filtriertem  Kalkwasser,  dem  man  etwas  Calciumchlorid  zugesetzt  hat,
versetzt.  Das  gesättigte  Kalkwasser  stellt  man  so  her,  daß  man  reinen,  gebrannten
Kalk  auf  dem  Wasserbade  löscht  und  die  Kalkmilch  mit  kaltem  Wasser  verdünnt,
so  daß  noch  ungelöstes  Calciumhydroxyd  zurückbleibt.  Dieses  Kalkwasser  filtriert
man  durch  ein  Faltenfilter  direkt  in  den  500  ccm-Kolben  bis  zur  Marke.  Nach
öfterem  Umschtitteln  läßt  man  stehen,  bis  der  anfänglich  flockige  Niederschlag  sich
körnig  abgeschieden  hat,  filtriert  dann  rasch  durch  ein  Faltenfilter,  gibt  dieses,  ohne
auszuwaschen,  in  den  Kolben  zurück  und  schaltet  letzteren  in  den  vorher  bis  auf
den  Kolben  zusammengestellten  Kohlensäurebestimmungsapparat  ein.  Durch  Zugabe
von  Salzsäure  wird  die  Kohlensäure  frei  gemacht,  in  einem  Liebigschen  Kaliapparat
aufgefangen  und  gewogen.
Anmerkung.  Den  Apparat  zur  Kohlensäurebestimmung  stellt  man  sich  in  derselben
Weise  wie  bei  einer  Elementaranalyse  zusammen.  Der  Kolben,  in  welchem  die  Zersetzung  des
Calciumkarbonats  stattfindet,  trägt  einen  doppelt  durchbohrten  Kautschukstopfen.  ln  der  einen
Bohrung  steckt  ein  kugelförmiges  Trichterrohr  für  die  Salzsäure.  Letzteres  ist  wieder  mit
einem  rechtwinklig  gebogenen  Glasröhrehen  verschlossen  und  dieses  mittels  Gummisohl  auch  es
mit  einem  Kaliapparat  in  Verbindung  gesetzt,  um  beim  Durchleiten  von  Luft  die  Kohlensäure ­
  der  letzteren  zu  absorbieren.  In  der  zweiten  Bohrung  steckt  ein  rechtwinklig  gebogenes ­
  Glasrohr,  an  welches  sich  U-Eöhren:  1.  mit  wenig  Chlorcalcium,  bloß  im  Bug,
2.  ganz  mit  Chloroalcium  gefüllt,  3.  mit  Kupfervitriolbimsstein,  4.  wieder  mit  Chloroalcium
gefüllt,  anschließen.  Köhrchen  1  hält  die  sich  beim  Versuch  entwickelnden  und  sich  wieder
verdichtenden  Wasserdämpfe  zurück,  2  und  4  absorbieren  noch  die  letzten  Reste  Wasser,  3  hält
etwa  entbundenes  Salzsäuregas  zurück.  Das  wasserfreie  Calciumchlorid  erhält  man  beim
Glühen  am  leichtesten  neutral,  wenn  man  der  einzudampfenden  Chlorcalciumlösung  etwas
Salmiak  hinzufügt.  Kupfervitriolbimsstein  bereitet  man,  indem  man  Bimssteinstückcheu  in
einer  konzentrierten  Kupfersulfatlösung  bis  zum  völligen  Austreiben  der  Luft  kocht,  dann
trocknet  und  schließlich  bis  zur  Entwässerung  des  aufgesogenen  Kupfervitriols  erhitzt.
An  U-Böhre  4  schließt  sich  der  zum  Auffangen  der  zu  bestimmenden  Kohlensäure
dienende  Kaliapparat  (Kalilauge  1  ;  1)  und  an  diesen,  eine  Waschflasche  mit  konzentrierter
Schwefelsäure,  welche  mit  einem  Aspirator  in  Verbindung  steht.
11.  Schwefelwasserstoff.  Schwefelwasserstoff  kommt  in  einem  Brunnenwasser
wohl  nur  sehr  selten  und  nur  dann  vor,  wenn  es  entweder  aus  gipshaltigen  Erdschichten, ­
  in  denen  sich  Eeduktionsvorgänge  vollziehen,  stammt,  oder  wenn  es  eine
sehr  starke  direkte  Verunreinigung  durch  Fäkalstoffe  oder  sonstige  schwefelwasserstoffhaltige ­
  Abwässer,  wie  Hefenwasser  usw.,  erfahren  hat.
Uber  die  qualitative  und  quantitative  Bestimmung  desselben  vergl.  den  folgenden
Abschnitt:  „Untersuchung  von  Schmutzwasser“.
12.  Phosphorsäure.  Noch  seltener  wie  Schwefelwasserstoff  findet  sich  Phosphorsäure
  in  einem  Wasser;  ihr  Vorkommen  deutet  wohl  stets  auf  eine  besondere
Verunreinigung  des  Wassers  durch  Abgänge  aus  menschlichen  "Wohnungen  oder
durch  sonstige  phosphorsäurehaltige  Abwässer  hin.  Uber  die  Bestimmung  derselben ­
  vergl.  den  folgenden  Abschnitt:  „Untersuchung  von  Schmutzwasser“.
13.  Kieselsäure.  Gelöste  Silikate  kommen  fast  in  jedem  Wasser,  aber  durchweg ­
  nur  in  Spuren  oder  nur  in  sehr  geringen  Mengen  vor.  Trübe  Wässer  enthalten ­
  mitunter  freie  auf  geschlämmte  Kieselsäure  oder  Kieselsäure  in  Form  von
Ton.  Letztere  werden  filtriert  und  von  dem  Filtrat  oder  von  dem  natürlichen  Wasser

Wenn  ein  Wasser,  z.  B.  ein  Mineralwasser,  sehr  viel  Kohlensäure  enthält,  muß
man  weniger  Wasser  und  mehr  Kalkwasser  anwenden.  Unter  allen  Umständen  empfiehlt
es  sich,  durch  Zusatz  von  weiteren  Mengen  klarem  Kalkwasser  zum  Filtrat  zu  prüfen,  ob
keine  Fällung  mehr  entsteht.
        <pb n="843" />
        822

Trinkwasser.

direkt  1—2  1  mit  Salzsäure  in  einer  Platinschale  oder  gut  glasierten  Porzellanschale
zur  Trockne  eingedampft.  Den  Rückstand  durchfeuchtet  man  nochmals  mit  Salzsäure,
trocknet  auf  dem  Wasserhade,  zuletzt  entweder  im  Luft-  oder  auf  dem  Sandbade  aus,
nimmt  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  auf,  filtriert  und  wägt  den  unlöslichen  Rückstand ­
  als  gelöste  Kieselsäure.
Läßt  sich  der  Rückstand  in  der  Porzellanschale  durch  Reiben  mit  einem  Gummiwischer ­
  nicht  quantitativ  von  den  Wandungen  entfernen,  so  erwärmt  man  kurze  Zeit  mit
verdünnter,  chemisch  reiner  Kalilauge  und  scheidet  durch  Eindampfen  mit  Salzsäure
—  jetzt  in  einer  Platinschale  —  die  Kieselsäure  aus  der  Lösung  wieder  ah.
14.  Eisen  und  Tonerde,  a)  Gewichtsanalytische  Bestimmung.  Enthält
das  Wasser  etwa  größere  Mengen  von  humussaurem  Eisen  (oder  Tonerde),  was
leicht  schon  an  der  Farbe  oder  an  dem  Geschmack  des  Wassers  erkennbar  ist,  so
dampft  man  eine  größere  Menge  Wasser,  etwa  1 j i  oder  1  1  mit  etwas  Salzsäure
unter  Zusatz  von  einigen  Körnchen  chlorsauren  Kaliums  auf  etwa  100  ccm  ein,
fügt  Ammoniak  hinzu,  bis  die  Flüssigkeit  eben  schwach  alkalisch  ist,  und  erhitzt
so  lange  zum  Kochen,  bis  der  Geruch  nach  Ammoniak  nicht  mehr  wahrnehmbar
ist.  Den  Niederschlag  filtriert  man  durch  ein  aschenfreies  Filter,  wäscht  heiß  aus,
trocknet,  glüht  und  wägt  ihn  als  Eisenoxyd  +  Tonerde.  Sollen  beide  getrennt  bestimmt ­
  werden,  so  verfährt  man  nach  S.  19  bezw.  24.
b)  Kolorimetrische  Bestimmung  des  Eisens.  Wenn  ein  Wasser  nur
geringe  Mengen  Eisen  in  Form  von  Oxydul  oder  Oxyd  enthält,  die  aber  doch  für
seine  Beurteilung  z.  B.  für  Färbereien  oder  Bleichereien,  oder  für  die  Beurteilung ­
  der  Wirkung  eines  Filters  bei  Reinigung  eines  stark  eisenhaltigen
Grundwassers  von  Belang  sind,  so  würden  zur  quantitativen  Gewichts-  oder  titrimetrischen
  Bestimmung  des  Eisens  größere  Mengen  des  Wassers  zu  verdampfen
sein,  wobei  durch  Aufnahme  von  Eisen  aus  Gefässen  oder  dem  Staube  der  Laboratoriumsluft ­
  leicht  Fehler  entstehen  können,  die  im  Verhältnis  zu  der  wirklich  vorhandenen ­
  Menge  Eisen  zu  groß  sein  würden. 1 )
In  diesem  Falle  bedient  man  sich  zweckmäßig  der  kolorimetrischen  Bestimmung ­
  des  Eisens  mittels  Rhodanammoniums  oder  Perrocyankaliums.
Ich  habe  in  derselben  Weise,  wie  für  die  kolorimetrische  Bestimmung  des
Ammoniaks  und  der  salpetrigen  Säure,  so  auch  für  die  des  Eisens  mittels  Rhodanammoniums ­
  eine  feste  Farbenskala  (Kolorimeter)  mit  Farbentönen  für  6  verschiedene
Gehalte  des  Wassers  an  Bisen  hersteilen  lassen,  auf  welchem  Kolorimeter  die  einzelnen
Farbenstreifen  folgenden  Gehalt  anzeigen  und  in  folgender  Weise  erhalten  wurden:

Eisenalaunlösung 2 )

Gehalt  für  100  ccm

ton

zu  je  100  ccm  mit
Wasser  verdünnt

Eisen
Fe

Eisenoxydul
FeO

Eisenoxyd
Fe 2  0 3

Zusatz

1
2
3
4
5
6

1,0  ccm
2.0  „
4,0  „
6,0  „
9,0  „
16,0  „

0,10  mg
0,20  „
0,40  „
0,60  „
0.90  „
1,50  „

0,129  mg
0,258  „
0,514  „
0,771  „
1,167  „
1,928  „

0,143  mg
0,285  „
0,571  „
0,857  „
1,286  „
2,143  „

2—3  ccm
Rhodanammon--
  lösung 3 )  (1:10)
und  1  ccm
konz.  Salzsäure.

*)  v.  PeiIitsch(Journ.  f.  Gasbel.  u.  Wasservers.  1904,  47,  502)  scheidet  geringe  Mengen
Eisenoxyd  dadurch  aus  dem  Wasser  ab,  daß  er  eine  größere  Menge  desselben  durch  eine  5  cm
hohe  Schicht  von  völlig  eisenfreier  Watte  in  einem  Allihuschen  Röhrchen  (S.  229)filtriert.
2 )  Als  Vergleiohsfliissigkeit  dient  eine  Lösung  von  Eisenalauu  oder  Kaliumferrisulfat
[Ee 2 (S0 4 ) 3  -)-  K 2 S0 4  24H s O],  die  in  1  ccm  0,1  mg  Eisen  enthält  und  dadurch  erhalten  wird,
daß  man  0,898  g  dieses  reinen,  durch  Pressen  zwischen  Fließpapier  von  hygroskopischem
Wasser  befreiten  hellvioletten  Salzes  unter  Zusatz  von  wenig  Salzsäure  mit  Wasser  zu  11  löst.
3 )  DasRhodanammoniiimmuß  rein  seinund,  mitverdünuter  Salzsäureversetzt,klar  bleiben.
        <pb n="844" />
        Chemische  Untersuchung.

823

Zur  Ausführung  der  kalorimetrischen  Bestimmung  des  Eisens  in  einem  Wasser
wird  ein  bestimmtes  Volumen  (etwa  200  oder  500  ccm  desselben)  mit  einigen
Körnchen  Kaliumchlorat  und  1  ccm  konzentrierter  eisenfreier  Salzsäure  von  1,19
spezifischem  Gewicht  in  einer  eisenfreien  Porzellanschale  einige  Zeit,  bis  alles
Eisenoxydul  in  Oxyd  übergeführt  ist,  gekocht,  unter  Bedecken  der  Schale  und  unter
Abhaltung  des  Luftstaubes  erkalten  gelassen,  dann  je  nach  dem  Eisengehalte  des
Wassers  auf  das  angewendete  Volumen  (also  200  oder  500  ccm)  oder  die  Hälfte
mit  destilliertem  Wasser  auf  gefüllt,  hiervon  100  ccm  in  obiger  Weise  mit  2—3  ccm
Ehodanammonlösung  und  1  ccm  konzentrierter  eisenfreier  Salzsäure  versetzt  und
die  entstandene  Färbung  mit  den  Farbentönen  des  Kolorimeters  verglichen.  Hat
man  das  gekochte  und  eingedunstete  Wasser  nur  auf  die  Hälfte  verdünnt,  so  müssen
die  am  Kolorimeter  angegebenen  Gehaltszahlen  mit  2  multipliziert  werden  usw.  Die
Gehaltszahlen  am  Kolorimeter  bedeuten  Milligramm  Eisen  (Fe)  für  100  ccm:  durch
Multiplikation  derselben  mit  9 / 7  erhält  man  Eisenoxydul  (Fe  0),  durch  Multiplikation
mit  10 / 7  erhält  man  Eisenoxyd  (Fe 2 O g ).
Bezüglich  der  Anwendung  des  Kolorimeters  und  der  Kontrolle  der  Farbentöne  durch
Verdünnung  des  zu  untersuchenden  Wassers  gilt  dasselbe  wie  bei  dem  Kolorimeter  für
Ammoniak  und  salpetrige  Säure.  Muß  eine  mehr  als  10-fache  Verdünnung  des  zu  untersuchenden ­
  Wassers  vorgenommen  werden,  um  eine  der  höchsten  Farbentöne  der  Skala  zu
erhalten,  so  empfiehlt  es  sich,  die  Bestimmung  des  Eisens  im  Wasser  nach  Eindunsten
einer  größeren  Menge  p/ ä —1  1)  entweder  maß-  oder  gewichtsanalytisch  in  bekannter
Weise  auszuführen.
E.  v.  Eaumer 1 )  schlägt  zur  Bestimmung  geringer  Mengen  Eisen  in  einem
Wasser  vor,  etwa  10—12  1  in  eisenfreien  Porzellenschalen  bis  auf  etwa  250  ccm
einzudunsten,  dann  unter  Zusatz  von  einigen  Kristallen  von  Kaliumbisulfat  in  einer
Platinschale  zur  Trockne  zu  verdampfen,  den  Trockenrückstand  zu  glühen,  mit  schwefelsäurehaltigem ­
  Wasser  aufzulösen,  in  einem  Kölbchen  mit  einigen  Körnchen  reinsten
Zinks  zu  reduzieren  und  das  Eisen  wie  üblich  mit  Kaliumpermanganat  zu  titrieren.
15.  Mangan.  Wie  Eisen,  so  bewirkt  auch  Mangan  selbst  in  geringsten
Mengen  nicht  selten  das  Auftreten  von  Pilzen  in  Wasser  (nämlich  von  Crenothrix
manganifera  zum  Unterschiede  von  Cr.  polyspora,  die  durch  Eisen  begünstigt  werden
soll 2 )).  A.  Bey  thien,  H.  Hempel  undL.Kraft 3 )  empfehlen  zur  Bestimmung  kleinster
Mengen  Mangan  im  Wasser  das  zuerst  von  v.  Knorre 4 )  vorgeschlagene  Verfahren  der
Überführung  des  Mangans  in  Superoxyd  durch  Ammoniumpersulfat.  5—10  1  Wasser
werden  unter  Zusatz  von  etwa  5  ccm  Schwefelsäure  wie  vorstehend  bei  Bestimmung
des  Eisens  nach  v.  Eaumer  eingedampft,  der  Eückstand  mit  einigen  Körnchen
Kaliumbisulfat  geglüht,  mit  Wasser  aufgenommen  und  filtriert.  Das  Filtrat  wird
auf  etwa  150  ccm  verdünnt,  mit  5  ccm  Schwefelsäure  (1  -j-  3)  und  10  ccm  Amraoniumpersulfatlösung
  20  Minuten  gekocht,  das  ausgeschiedene  Mangansuperoxyd  nach  dem
Abkühlen  durch  Zusatz  von  10  com  Wasserstoffsuperoxyd,  dessen  Titer  zu  einer  Kaliumpermanganatlösung ­
  vorher  festgestellt  ist,  gelöst  und  der  Uberschuß  an  zugesetztem
Wasserstoffsuperoxyd  durch  die  Permanganatlösung  zurücktitriert.  Letztere  wird
auf  Eisen  eingestellt;  entspricht  1  ccm  derselben  5,61  mg  Eisen  (Fe),  so  ist  nach
55
dem  Ansatz:  Eisen-Titer  x  =  5,61  x  0,491  derMangan-Titer  =  2,7545  mg  Mangan.
x )  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  1903,  42,  590.
2 )  Vergl.  C.  A.  Neufeld,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel
1904,  7,  478.
3 )  Ebenda  1904,  7,  215  und  1906,  9,  529.
4 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1903,  905.
        <pb n="845" />
        824

Trinkwasser.

Die  Stärke  des  Wasserstoffsuperoxyds  soll  so  gewählt  werden,  daß  der  Titer
annähernd  mit  dem  der  Permanganatlösnng  über  einstimmt.
16.  Kalk  und  Magnesia.  Das  Filtrat  von  der  Fällung  des  Eisens  und  der
Tonerde  oder,  wenn  der  Ahdampfrückstand  beträchtlich  ist,  neue  200  ccm  Wasser
werden  mit  10  ccm  Salzsäure  angesäuert  und  wie  oben  von  Eisen  und  Tonerde ­
  befreit,  das  Filtrat  wieder  zum  beginnenden  Kochen  erhitzt,  nach  Zusatz
von  Ammoniak  mit  oxalsaurem  Ammon  versetzt,  noch  einige  Zeit  im  Kochen  erhalten
und  der  Niederschlag  auf  dem  Wasserbade  absitzen  gelassen.  Nach  einigen  Stunden
filtriert  man  das  oxalsaure  Calcium  ab,  wäscht  mit  heißem  Wasser  aus,  trocknet,
verascht,  glüht  10  Minuten  im  Gebläse,  bis  alles  oxalsaure  Calcium  in  Calciumoxyd
übergeführt  ist,  und  wägt  letzteres.
Das  Filtrat  vom  Kalk  dampft  man,  falls  die  Flüssigkeit  durch  das  öftere
Auswaschen  sich  stark  vermehrt  hat,  etwas  ein,  läßt  erkalten  und  fügt  phosphorsaures ­
  Natrium  und  Ammoniak  hinzu.  Nach  längerem,  energischem  Umrühren,
eventuellem  Reiben  mit  dem  .Glasstab  an  den  Wandungen  des  Glases  entsteht  meist
ein  körnig  kristallinischer  Niederschlag  von  phosphorsaurem  Ammon-Magnesium,
welcher,  nachdem  er  mehrere  Stunden  gestanden  und  sich  vollständig  abgesetzt  hat,
durch  ein  tunlichst  aschenfreies  Filter  filtriert,  getrocknet,  im  Platintiegel  verascht,
auf  dem  Gebläse  geglüht  und  nach  dem  Erkalten  als  pyrophosphorsaures  Magnesium,
Mg 2 P 2 0 7 ,  gewogen  wird.  Das  gefundene  Gewicht,  mit  0,3624  multipliziert,  ergibt
die  entsprechende  Menge  Magnesiumoxyd.
Ein  anderes  sehr  einfaches  Verfahren,  den  Kalk  für  sich  zu  bestimmen,
ist  folgendes:
100  ccm  Wasser  werden  mit  25  ccm  (bei  sehr  harten  Wässern  mit  60  ccm)
1 / 10  Normal-Oxalsäurelösung  (6,3  g  kristallisierte  Oxalsäure  in  1  1)  und  mit  etwas
Ammoniak  versetzt,  darauf  zum  Kochen  erhitzt.  Nach  vollständigem  Erkalten  spült
man  das  Ganze  in  ein  200  ccm-Meßkölbchen  (der,  Niederschlag  braucht  nicht  ganz
mit  Ubergespült  zu  werden),  füllt  genau  auf  200  ccm  auf  und  filtriert  durch  ein
trocknes  Filter  in  ein  trocknes  Glas,  indem  man  das  anfangs  trüb  durchlaufende
Filtrat  zurückgibt.  100  ccm  des  Filtrates  werden  sodann  wieder  erwärmt  und
mit  1 /io  Normal-Chamäleonlösung  titriert,  bis  die  Flüssigkeit  schwach  rot  erscheint.
Man  zieht  die  verbrauchten  Kubikzentimeter  Chamäleonlösung  von  25  oder  50  ab,
multipliziert  den  Rest  mit  2  und  sodann  diese  Zahl  mit  0,0028  und  10,  um  so  die
in  1  1  Wasser  enthaltene  Menge  Kalk  (CaO)  zu  erfahren.
17.  Kali,  Natron  (Natriumkarbonat).  Zur  Bestimmung  von  Kali  und  Natron
dampft  man  je  nach  der  vorhandenen  Menge  mehr  oder  weniger  Wasser  mindestens
0,5  g  Trockenrückstand  entsprechend  —  ein  und  verfährt  nach  Ausfällen  der
Schwefelsäure  durch  Chlorbaryum  nach  S.  29  oder  unter  Zusatz  von  Barythydrat
nach  S.  204.
Wenn  ein  Wasser  nach  längerem  Stehen  deutlich  alkalisch  reagiert  oder  nach
dem  Eindampfen  deutliche  alkalische  Reaktion  auf  Kurkumapapier  zeigt,  so  ist
kohlensaures  Natrium  —  kohlensaures  Kalium  wohl  kaum  —  in  demselben
vorhanden.
Zur  quantitativen  Bestimmung  des  kohlensauren  Natriums  werden  je  nach
dem  Ausfall  der  Reaktion  ein  oder  mehr  Liter  Wasser  in  einer  gut  glasierten
Porzellansohale  —  oder  besser  in  einer  großen  Platinschale  —  auf  einen  kleinen  Rest
eingedampft  und  die  Flüssigkeit  durch  ein  kleines  Filter  filtriert.  Nach  dem  Auswaschen ­
  von  Schale  und  Filter  mit  ausgekochtem,  destilliertem  Wasser  wird  das
Filtrat  mit  1 / l0  N.-Salzsäure  unter  Anwendung  von  Methylorange  als  Indikator
titriert  [1  ccm  1 / 10  N.-Salzsäure  =  0,005  305  g  kohlensaurem  Natrium  (Na 2 CO s )].
        <pb n="846" />
        Chemische  Untersuchung.

825

In  der  titrierten  Flüssigkeit  bestimmt  man  die  etwa  vorhandene  Menge
Magnesia,  zieht  die  der  letzteren  entsprechende  Säuremenge  von  dem  gesamten
Säureverbrauch  ab  und  berechnet  aus  dem  Unterschiede  den  Gehalt  an  kohlensaurem
Natrium  (0,002018  g  MgO  =  1  ccm  1 / 10  N.-Salzsäure).
18.  Blei,  Kupfer  und  Ziuk.  Blei,  Kupfer  und  Zink  können  aus  den
Leitungsröhren,  letztere  beiden  auch  aus  dem  Boden  durch  Verunreinigung  desselben
mit  Kupfer-  und  Zink  salzen  in  ein  Wasser  gelangen  und  in  einer  größeren  Menge
eingedampften  Wassers  nach  S.  42  bezw.  203  quantitativ  bestimmt  werden.  In
vielen  Fällen  wird  man  sich  bloß  mit  dem  qualitativen  Nachweis  begnügen  müssen.
Kleine  Mengen  Kupfer  lassen  sich,  wie  S.  694  angegeben  ist,  kolorimetrisch
bestimmen.  Die  kolorimetrische  Bestimmung  des  Bleies  mit  Schwefelwasserstoff  in
alkalischer  Lösung  (Natronlauge)  und  des  Zinks  mit  Ferrocyankalium  ist  weniger
genau.
Anmerkung.  Die  bleilösende  Wirkung  eines  Wassers  hängt  vorwiegend  von
der  gleichzeitigen  Anwendung  von  Sauerstoff  und  freier  Kohlensäure  ab.  Zur  direkten
Prüfung  eines  Wassers  auf  seine  bleilösende  Eigenschaft  empfiehlt  Ruzicka 1 )  11,5  cm
lange  Bleirinnen,  die  durch  Aufschneiden  einer  2  cm  dicken  Bleiröhre  bergestellt  und  nach
Reinigung  mit  Salpetersäure  und  Wasser  in  das  betreffende  Wasser  eingehängt  werden.
Die  Bleirinnen  werden  in  das  Wasser,  welches  bis  zum  Rande  in  Zylinder  mit  Glasstöpsel
gefüllt  ist,  gehängt;  die  Zylinder  werden  wieder  geschlossen  und  in  einem  Kasten  im
Dunkeln  bei  gewöhnlicher  Temperatur  aufbewahrt.
19.  Härte.  Die  Härte  eines  Wassers  hängt  ab  von  dem  Gehalte  desselben  an
Kalk-  und  Magnesiasalzen.  Wall  man  dieselben  nicht  genau  nach  den  oben  beschriebenen ­
  Verfahren  bestimmen,  so  kann  man  sich  des  einfachen  Verfahrens  der
sog.  Härtebestimmung  bedienen,  z.  B.  wenn  es  sich  um  die  Beurteilung  eines  W T assers
zum  Zwecke  der  Kesselspeisung  oder  zu  anderen  technischen  Zwecken  handelt.
Dieses  Verfahren  beruht  darauf,  daß  man  dem  zu  untersuchenden  Wasser  Seifenlösung
zusetzt,  wodurch  die  fettsauren  Alkalien  sich  mit  den  gelösten  Kalk-  und  Magnesiasalzen ­
  zu  unlöslichen  fettsauren  Kalk-  und  Magnesiasalzen  und  in  die  entsprechenden
Salze  der  Alkalien  umsetzen:  Das  Ende  der  Reaktion,  also  der  Überschuß  an
Seifenlösung,  wird  an  dem  beim  Schütteln  erzeugten  und  dann  bleibenden  Schaum
erkannt.
Es  ist  bekannt,  daß  hartes  Wasser  durch  Kochen  weicher  wird  bezw.  daß
sich  durch  das  Kochen  Kalk-  und  Magnesiasalze  und  zwar  nur  die  als  doppeltkohlensaure ­
  Salze  gelöst  gewesenen  abscheiden.  Die  Härte  des  ungekochten  Wassers
nennt  man  Gesamthärte,  die  durch  Kochen  abgeschiedenen  Salze  machen  die
vorübergehende  oder  temporäre  Härte  aus  und  die  noch  gelöst  bleibenden
Kalk-  und  Magnesiasalze  (die  Sulfate,  Nitrate  und  Chloride  derselben)  bilden  die
bleibende  oder  permanente  Härte.
a)  Verfahren  von  Clark.
a)  Bestimmung  der  Gesamthärte.  Zunächst  wird  die  zu  benutzende
Seifenlösung  auf  die  Lösung  eines  Kalksalzes  und  zwar  am  besten  auf  eine  Gipslösung
von  bekanntem  Gehalt  eingestellt.  Diese  bereitet  man  wie  folgt:
Man  stellt  eine  entweder  bei  genau  14°  oder  eine  bei  genau  20°  gesättigte
Gipslösung  her.  Nimmt  man  von  der  ersteren  145  ccm  oder  von  der  letzteren
142  ccm  und  füllt  diese  mit  destilliertem  Wasser  auf  1  1,  so  enthalten  100  ccm
dieser  Lösung  genau  so  viel  Gips,  als  0,012  g  CaO  =  12  Härtegraden  entsprechen.
Die  Seifenlösung  soll  so  hergestellt  werden,  daß  genau  45  ccm  derselben  100  ccm
r )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  518.
        <pb n="847" />
        826

Trinkwasser.

der  genannten  Gipslösung,  also  12  Härtegraden  entsprechen.  Uber  die  Bereitung
der  Seifenlösung  vergl.  unter  Darstellung  von  Lösungen  No.  26  a  am  Schluß.
Die  Ausführung  des  Verfahrens  ist  folgende:
100  ccm  des  zu  untersuchenden  Wassers  —  oder  wenn  vorauszusetzen,  daß
das  Wasser  hart  ist,  10  ccm  desselben  —  bringt  man  in  ein  Stöpselglas  von
200  ccm  Inhalt,  bei  Verwendung  von  10  ccm  hartem  Wasser  füllt  man  mit
destilliertem  Wasser  bis  zu  einer  bei  100  ccm  angebrachten  Marke  auf.  Zu  diesen
100  ccm  läßt  man  anfangs  reichlich,  später  nur  je  1  ccm  oder  1 / 2  ccm,  zuletzt
nur  tropfenweise  von  der  Seifenlösung  zufließen,  bis  nach  kräftigem  Schütteln  (von
oben  nach  unten)  ein  dichter  zarter  Schaum  entsteht,  welcher  sich,  ohne  wieder
zusammenzusinken,  mindestens  5  Minuten  lang  wesentlich  unverändert  auf  der
Oberfläche  der  Flüssigkeit  hält.  Der  Verbrauch  an  Seifenlösung  soll  45  ccm  nicht
übersteigen  und  sich  annähernd  bei  dieser  Zahl  halten.  Hat  man  daher  zu  der
Verdünnung  eines  als  hart  vermuteten  Wassers  weniger  Seifenlösung  verbraucht,
so  nimmt  man  nach  diesem  Vorversuch  statt  10  ccm  etwa  20,  25  oder  50  ccm
Wasser  und  verdünnt  dieselben  mit  der  entsprechenden  Menge  destillierten  Wassers
auf  100  ccm,  so  daß  annähernd  45  ccm  Seifenlösung  verbraucht  werden.  Die  Anzahl ­
  der  Kubikzentimeter  Seifenlösung  wird  sodann  mit  dem  Verdünnungsfaktor
multipliziert  und  die  entsprechenden  Härtegrade  aus  nachstehender  Tabelle  festgestellt. ­

ß)  Bestimmung  der  bleibenden  oder  permanenten  Härte.  300  oder
500  ccm  Wasser  werden  in  einem  geräumigen  Kolben  mindestens  1 / 0  Stunde  lang
im  Sieden  erhalten,  wobei  das  verdampfende  Wasser  öfters  durch  destilliertes  ersetzt
wird.  Nach  dem  Erkalten  bringt  man  das  gekochte  W T asser  in  einen  300  oder  500  ccm
fassenden  Meßkolben,  füllt  mit  destilliertem  Wasser  bis  zur  Marke  auf,  schüttelt
gehörig  um  und  filtriert  durch  ein  trocknes  Faltenfilter.  100  ccm  des  Filtrates
(bezw.  50  ccm  zu  100  ccm  verdünnt)  titriert  man  wie  oben  mit  der  Seifenlösung.
Die  in  der  Tabelle  (S.  827)  angegebenen  Härtegrade  sind  deutsche  und
gehen  ebensoviel  Teile  Calciumoxyd  in  100000  Teilen  Wasser  an.  In  Frankreich ­
  versteht  man  unter  Härtegraden  Einheiten  Calciumkarbonat  in  100000
Teilen  Wasser;  die  französischen  Härtegrade  lassen  sich  daher  durch  Multiplikation
mit  0,56  in  deutsche  umrechnen.
(Siehe  Tabelle  8.  827.)
b)  Verfahren  von  Bourtoon  und  Boudet.
Dieses  Verfahren  unterscheidet  sich  von  dem  ersteren  dadurch,  daß  dabei  eine
konzentriertere  Seifenlösung  und  ein  Normalvolumen  von  nur  40  ccm  Wasser  zur
Anwendung  gelangt.
Über  Darstellung  der  Seifenlösung  vergl.  No.  26b  unter  „Darstellung  von
Lösungen"  am  Schluß.
Behufs  Bestimmung  der  Gesamthärte  mißt  man  mit  einer  Pipette  40  ccm  des
Wassers  ab  und  läßt  sie  in  ein  zylindrisches,  mit  Stöpsel  versehenes  Glasgefäß
von  60—80  ccm  Inhalt  fließen,  welches  bei  40  ccm  mit  einer  Marke  versehen  ist.
Von  einem  Wasser,  welches  mehr  als  30  französische  —  16,8  deutsche  Härtegrade
besitzt,  wendet  man  nur  10—20  ccm  an,  füllt  mit  destilliertem  Wasser  bis  zur
Marke  auf  und  multipliziert  mit  4  oder  2,  je  nach  dem  Verdünnungsgrad.
Die  Seifenlösung  wird  durch  eine  Tropfbürette  (Hydrotimeter)  zugegeben,
bei  der  der  Raum  von  2,4  ccm  in  23  gleiche  Teile,  sogen.  Grade,  geteilt  ist;  die
Gradteilung  geht  bis  32  nach  unten  fort.
        <pb n="848" />
        Chemische  Untersuchung.

827

ccm
Seifenlösung

Härtegrade

Differenz

ccm
Seifenlösung

Härtegrade

Differenz

L4

0

24

5,87

0,27

2

0,15

0,15

25

6,15

0,28

3

0,40

0,25

26

6,43

0.28

4

0,65

0,26

27

6,71

0,28

5

0,90

0,25

28

6,99

0.28

6

1,15

0,25

29

7,27

0,28

7

1,40

0,25

30

7,55

0,28

8

1,65

0,25

31

7.83

0,28

9

1.90

0,26

32

8,12

0,29

10

2,16

0,26

33

8,41

0,29

11

2,42

0,26

34

8,70

0.29

12

2,68

0,26

35

8,99

0,29

13

2,94

0,26

36

9,28

0,29

14

3,20

0,26

37

9,57

0,29

16

3,46

0,26

38

9,87

0,30

16

3,72

0.26

39

10,17

0,30

17

3,98

0,27

40

10.47

0,30

18

4,25

0,27

41

10,77

0,30

19

4,52

0,27

42

11,07

0,30

20

4.79

0,27

43

11,38

0,31

21

5,06

0,27

44

11,69

0,31

22

5,33

0,27

45

12,00

0,31

23

5,60

0,27

Die  Seifenlösung  ist  so  eingestellt,  daß  davon  genau  23  Grade  genügen,  um
8,8  mg  durch  Kohlensäure  in  Lösung  gehaltenes  Calciumkarbonat  oder  eine  diesem
äquivalente  Menge  eines  anderen  neutralen  Erdalkalisalzes  (z.  B.  Magnesiumkarbonat)
in  40  ccm  Wasser  zu  zersetzen  und  gleichzeitig  den  Schaum  zu  erzeugen.  Für  die
Schaumbildung  in  40  ccm  destilliertem  Wasser  ist  1°  Seifenlösung  erforderlich,
welcher  bei  jedem  Versuch  in  Abzug  zu  bringen  ist.
8,8  mg  Calciumkarbonat  in  40  ccm  Wasser  sind  aber  =  =  22  mg
dieses  Salzes  in  100  ccm,  d.  h.  22°  Seifenlösung  zeigen  22  mg  Calciumkarbonat
in  100  ccm  bezw.  100  g  Wasser  an,  oder  1 0  Seifenlbsung  entspricht  1  Teil  Calciumkarbonat ­
  in  100000  Teilen  Wasser  (=  einem  französischem  Härtegrade).
Die  bleibönde  Härte  wird  mit  derselben  Seifenlösung  in  dem  wie  unter  a  ß
ausgekochten  und  filtrierten  Wasser  bestimmt.
Wilson  sucht  die  Unregelmäßigkeiten  bei  der  Umsetzung  der  die  Härte  des
Wassers  bedingenden  Salze  mit  der  Seifenlösung  dadurch  zu  umgehen,  daß  er  auf
100  ccm  des  Wassers  4  ccm  gesättigte  Natriumkarbonatlösung  zusetzt.

Man  kann  die  Härtegrade  auch  aus  dem  gefundenen  Kalk-  und  Magnesiagehalt ­
  berechnen,  indem  man  die  Magnesia  durch  Multiplikation
mit  1,4  auf  den  Kalkwert  umrechnet,  zu  dem  Kalkgehalt  addiert  und
Jeden  Teil  Gesamtkalk  für  100000  Teile  Wasser  oder  1  mg  für  100  ccm
Was  ser=l  Härtegrad  setzt,  oder  was  dasselbe  ist,  indem  man  die  für
11  gefundenen  mg  durch  10  dividiert;  z.  B.  sind  gefunden  121,4  mg  CaO
und  7,8  mg  MgO  für  1  1,  so  betragen  die  Härtegrade  des  Wassers
121,4  +  (7,8xJ,4)_132,3_ 13)2  ^

10

10

20.  Kesselsteinbildner.  Man  kann  die  Menge  der  Kesselsteinbildner  auch
direkt  in  der  Weise  ermitteln,  daß  man  zunächst  nach  No.  2  (S.  806)  den  Gesamt-
        <pb n="849" />
        828

Trinkwasser.

Abdampfrückstand  für  1  1  bestimmt,  darauf  1  I  Wasser  (oder  mehr)  in  einer
Porzellanschale  bis  auf  einen  kleinen  Eest  einkocht,  die  Flüssigkeit  durch  ein  aschenfreies ­
  Filter  filtriert,  Schale  und  Filter  mit  ausgekochtem  (kohlensäurefreiem)
destilliertem  Wasser  auswäscht,  das  Filtrat  eindunstet,  trocknet,  schwach  glüht  und
wägt.  Wenn  man  diesen  Rückstand  von  dem  Gesamtrückstande  für  1  1  abzieht,  erhält
man  ziemlich  annähernd  die  Menge  der  Kesselsteinbildner  für  1  1  Wasser.
21.  Bestimmung  des  gelösten  Sauerstoffs.  Zur  Bestimmung  des  im  Wasser  gelösten ­
  Sauerstoffes  sei  das  von  L.  W.  Winkler 1 )  empfohlene  Verfahren  hier  beschrieben. ­
  Dasselbe  zeichnet  sich  durch  einfache,  leichte  Ausführbarkeit,  wie  nicht
minder  durch  Genauigkeit  vor  den  anderen  Verfahren  (Tiemann,  Bimsen,  Mohr,
Schützenberger)  aus.
Wesen  des  Verfahrens.  Manganohydroxyd  wird  bei  Gegenwart  von  Alkali
durch  den  Sauerstoff  zu  Manganihydroxyd  oxydiert;  dieses,  durch  Salzsäure  in  Manganichlorid
  übergeführt,  zerfällt  sogleich  in  Manganochlorid  und  Chlor;  letzteres
setzt  aus  Jodkalium  Jod  in  Freiheit,  welches  durch  Thiosulfatlösung  titriert  wird.
Dazu  sind  folgende  Reagenzien  nötig:
1.  Manganochloridlösung  durch  Lösen  von  80  g  Manganochlorid  (MnCl 2 .4H 2 0i  in
so  viel  Wasser,  daß  die  Lösung  100  ccm  beträgt.
2.  Jodkaliumhaltige  Natriumhydroxydlösung.  Man  bereitet  eine  annähernd  12-fach
normale  Lösung  von  nitritfreiem  Natriumhydroxyd  (also  etwa  480  g  Na  OH  in  1  1)  und
löst  in  100  ccm  dieser  Lösung  etwa  15  g  Jodkalium.
3.  1 j 100  N.-Thiosulfatlösung  (2,4764  g  Natriumthiosulfat  in  1  1  Wasser).  Diese
Lösung  braucht  nicht  gerade  1 / 100 -normal,  sondern  muß  nur  genau  eingestellt  sein,  entweder
mittels  sublimierten,  über  Schwefelsäure  getrockneten  Jods  oder  mit  Kaliumbichromat
(vergl.  S.  531).
Ist  sie  genau  1 / 100 -normal,  so  entspricht  1  ccm  =  0,0012697  g  Jod  =  0,00008  g
Sauerstoff  =  0,055825  ccm  Sauerstoff  (bei  0°  und  760  mm  Druck).
4.  Stärkelösung  (yergl.  unter  Lösungen  No.  24  am  Schluß).
5.  Reine  rauchende  Salzsäure.
Die  Bestimmungen  führt  man  in  starkwandigen,  mit  gut  eingeschliffenen  Glasstöpseln ­
  versehenen,  ungefähr  250  ccm  fassenden  Flaschen  aus,  deren  Inhalt  genau
bestimmt  ist.  Die  Flasche  füllt  man  vollständig  mit  dem  zu  untersuchenden  Wasser
an,  indem  man  es  durch  einen  Heber  ruhig  einfließen  läßt.  Sodann  bringt  man
sofort  mittels  einer  mit  langer,  enger  Ausflußspitze  versehenen  Pipette  von  ungefähr
1  ccm  Inhalt,  welche  man  in  das  Wasser  bis  nahe  an  den  Boden  des  Gefäßes  einsenkt, ­
  zuerst  1 / 2  ccm  der  jodkaliumhaltigen  Natriumhydroxydlösung,  sodann  1 / 2  ccm
der  Manganochloridlösung  hinein  und  verschließt  die  Flasche  sofort,  mit  der  Vorsicht, ­
  daß  keine  Luftblasen  in  ihr  Zurückbleiben.  Der  ausfließende  Kubikzentimeter
Wasser  wird  hei  der  Berechnung  berücksichtigt.  Man  wendet  einige  Male  um,  um
den  Inhalt  zu  mischen,  und  läßt  den  flockigen  Niederschlag  sich  absitzen.  Hat  sich
der  Niederschlag  vollständig  gesetzt,  so  öffnet  man,  ohne  daß  der  Niederschlag  aufgerührt ­
  wird,  vorsichtig  und  bringt  mittels  einer  geeigneten  Pipette  5  ccm
rauchende  Salzsäure  auf  den  Boden  der  Flasche,  verschließt  abermals  und  mischt
den  Inhalt.  Die  austretende  klare  Flüssigkeit  kommt  nicht  in  Betracht.  Der  Niederschlag ­
  löst  sich  rasch.  Die  Flüssigkeit  wird  alsdann  quantitativ  in  ein  Becherglas
gespült  und  unter  Zusatz  von  Stärkelösung  mit  Natriumthiosulfat  titriert.  Aus  den
verbrauchten  Kubikzentimetern  Thiosulfatlösung  wird  der  Sauerstoffgehalt  berechnet.
Paßt  das  zur  Bestimmung  dienende  Fläschchen  z.  B.  256  ccm  Wasser,  von  dem
nach  Zusatz  von  */ 2  ccm  Natriumhydroxyd  und  '/ 2  ccm  Manganochloridlösung  nur  mehr

B  Berichte  d.  deutsch,  ehern.  Gesellschaft  1888,  21,  2843  und  1889,  22,  1764.
        <pb n="850" />
        Chemische  Untersuchung.

829

255  ccm  vorhanden  sind,  und  sind  zur  Titration  31,4  ccm  der  Vioo  Normal-Thiosulfatlösung
verbraucht,  so  berechnet  sich  der  Sauerstoffgehalt  zu:  0,056826x  31,4  =1,7529  oder  für
,  .  1,7529x  1000  „ 0 _
1  1  =  255“  “  =  6 - 87  ccm -
G.  Romijn 1 )  hat  für  die  Bestimmung  des  Sauerstoffs  im  Wasser  den  nachstehenden ­
  empfehlenswerten  Apparat 2 )  angegeben.  Man  füllt  denselben  mit  Wasser,  indem
man  ihn  bei  geöffneten  Hähnen  entweder  langsam  unter  den  Wasserspiegel  senkt  oder
ihn  mittels  eines  Aspirators  oder  durch  Ansaugen  mit  dem  Munde  füllt.  Hach  Füllung
des  Apparates  und  nach  Schließung  der  Hähne  wird  das  in  dem
obersten  Röhrchen  befindliche  Wasser  ausgeschwenkt  und  in  dasselbe
1  ccm  einer  Manganohlorürlösung  (12  g  in  100  ccm)  und  1  ccm
Jodkaliumlösung  (8,5  g  in  100  ccm)  gefüllt,  diese  durch  Öffnen  des
unteren  und  oberen  Hahnes  in  die  mit  Wasser  gefüllte  Birne  gebracht, ­
  indem  man  unten  genau  2  ccm  ausfließen  läßt.  Man  mischt
und  fügt  dann  auf  dieselbe  Weise  1  com  Seignettesalzlösung  von
1.255  spezifischem  Gewicht  und  1  ccm  Salzsäure  von  1,105  spezifischem
Gewicht  in  derselben  Weise  in  die  Birne;  nach  abermaligem  Durchmischen ­
  überläßt  man  10  Minuten  der  Ruhe,  läßt  den  Inhalt  der
Birne  in  einen  Kolben  fließen  und  titriert  das  frei  gewordene  Jod
mit  Thiosulfat  und  Stärkelösung  wie  vorhin.
Bei  Gegenwart  von  Nitriten  muß  diese  Sauerstoffbestimmung ­
  in  etwas  veränderter  Weise  ausgeführt  werden,
da  bei  der  Einwirkung  von  salpetriger  Säure  auf  Jodwasserstoff ­
  neben  freiem  Jod  Stickstoffoxyd  entsteht,  welches  bei
jodometrischen  Arbeiten  insofern  störend  wirkt,  als  es  aus  der  Luft  Sauerstoff  auf
den  Jodwasserstoff  zu  übertragen  vermag.

i

Fig.  302.  Apparat
zur  Bestimmung  des
Sauerstoffs  im  Wasser.

üm  den  störenden  Einfluß  der  salpetrigen  Säure  auszuschließen,  wird  die
Bestimmung  so  modifiziert,  daß  die  salpetrige  Säure  zu  Salpetersäure  oxydiert
wird.  Dies  wird  dadurch  erreicht,  daß  das  Kaliumjodid  erst  nachträglich,  nach  der
Ansäuerung  mit  Salzsäure  zur  Flüssigkeit  gegeben  wird.
Durch  das  heim  Ansäuern  aus  dem  Manganichlorid  frei  werdende  Chlor  wird
die  salpetrige  Säure  zu  Salpetersäure,  sowie  auch  teilweise  die  im  Wasser  enthaltene
organische  Substanz  oxydiert.  Um  die  auf  diesem  "Wege  verloren  gegangene  Menge
Sauerstoff  zu  erfahren,  ist  eine  Korrektion  nötig.  Der  Wert  dieser  Korrektion  ergibt ­
  sich,  wenn  man  eine  gemessene  Menge  des  auf  seinen  Sauerstoffgehalt  zu
untersuchenden  “Wassers  mit  überschüssiger  Manganichloridlösung  versetzt  und  bestimmt, ­
  wieviel  von  dem  wirkungsfähigen  Chlor  verschwunden  ist.
Soll  also  in  einem  nitrithaltigen  Wasser  der  Sauerstoff  bestimmt  werden,
so  benutzt  man  jene  Natriumhydroxydlösung,  in  welcher  kein  Kaliumjodid  enthalten
ist.  Das  weitere  Verfahren  ist  das  oben  erörterte,  nur  ist  zum  Ansäuern  die
doppelte  Menge  Salzsäure  zu  verwenden.  Nach  dem  Mischen  wartet  man  2  bis
3  Minuten  und  versetzt  die  Flüssigkeit  erst  hierauf  mit  Kaliumjodid,  Die  zur
Korrektion  benötigte  Manganichloridlösung  wird  nur  beim  Gebrauche  bereitet,  und
zwar  in  folgender  Weise:  Man  gibt  in  einen  halben  Liter  destillierten  Wassers
ungefähr  1  ccm  von  der  reinen,  kein  Kaliumjodid  enthaltenden  Natriumhydroxydlösung, ­
  nachher  5—10  Tropfen  von  der  Manganochloridlösung.  Nach  dem  Mischen
Wird  so  viel  Salzsäure  zur  Flüssigkeit  gegeben,  daß  der  Niederschlag  sich  löst.
Es  ist  angezeigt,  zu  der  schon  sauren  Flüssigkeit  einige  Gramme  kristallisiertes

J )  Zeitaohr.  f.  angew.  Chemie  1897,  658.
2 )  Zu  beziehen  von  Greiner  &amp;amp;  Friedrichs  in  Stützerbach  i.  Thür.
        <pb n="851" />
        830

Trinkwasaer.

Manganochlorid  zu  setzen;  man  braucht  dann  weniger  Salzsäure  zur  Lösung  des
Niederschlages.
Von  dieser  Manganichloridlösung  werden  zweimal  100  ccm  abgemessen.  Die
ersten  100  ccm  verdünnt  man  mit  100  ccm  destilliertem  Wasser,  zu  den  anderen
werden  100  ccm  von  dem  zu  untersuchenden  Wasser  gegeben.
Nach  dem  Vermischen  wartet  man  2—3  Minuten,  setzt  dann  zu  beiden  Kaliumjodid ­
  und  bestimmt  das  ausgeschiedene  Jod  mit  derselben  Thiosulfatlösung,  mit
welcher  der  Sauerstoff  bestimmt  wird.  Aus  der  Differenz  der  in  beiden  Fällen
verbrauchten  Thiosulfatlösung  ergibt  sich  der  Wert  der  Korrektion  für  100  ccm
Wasser.  Man  berechnet  den  Wert  der  Korrektion  für  die  bei  der  Titrierung  des
Sauerstoffs  angewendete  Wassermenge  und  addiert  ihn  zu  der  dort  verbrauchten
Natriumthiosulfatlösung.
22.  Nachweis  von  Auswurfstoffen  in  einem  Wasser.  Unter  Umständen  lassen
sich  tierische  Auswurfstoffe  (sowie  Verwesungserzeugnisse  von  Tier-  und  Pflanzenteilen) ­
  direkt  in  einem  Wasser  nachweisen;  der  Nachweis  beruht  darauf,  daß  dieselben ­
  stets  in  geringer  Menge  Phenol,  Kresol,  Skatol,  Indol  und  andere  Stoffe
enthalten,  welche  mit  Diazokörpern,  wie  Diazosulfobenzol,  intensiv  gelb  gefärbte
Verbindungen  liefern.
100  ccm  des  zu  prüfenden  Wassers  werden  nach  P.  Gries  in  einem  hohen
Glaszylinder  aus  farblosem  Glase  mit  etwas  Natronlauge  und  einigen  Tropfen  einer
frisch  bereiteten  Lösung  von  Diazobenzolsulfosäuren  vermischt.  Bei  Anwesenheit
von  menschlichen  oder  tierischen  Auswurf-  bezw.  Verwesungsstoffen  tritt  innerhalb
5  Minuten  eine  Farbenveränderung  (Gelbfärbung)  ein.  Zum  Vergleich  dienen
100  ccm  destilliertes  Wasser,  welches  in  derselben  Weise  behandelt  und  mit  ersterem
Zylinder  auf  eine  weiße  Unterlage  gestellt  wird.
Menschenharn  soll  auf  diese  Weise  noch  in  einer  Verdünnung  von  1  ;  5000,
Pferdeharn  in  einer  solchen  von  1  :  50000  eine  deutliche  Gelbfärbung  zeigen.
Etwaige  Anwesenheit  von  Kotbestandteilen  in  einem  Wasser  gibt  sich
durch  die  mikroskopische  Untersuchung  des  Bodensatzes  zu  erkennen,  worin  sich
unter  Umständen  Stärkekörnchen  im  ganzen  oder  gequollenen  Zustande,  ferner  aber
Überreste  der  Fleischnahrung  (Muskelfaser  mit  und  ohne  Querstreifen)  vorfinden.
Inwieweit  der  Bakterienbefund  eine  Verunreinigung  des  Wassers  durch
Fäkalien  anzeigen  kann,  wird  weiter  unten  unter  „Bakteriologische  Untersuchung  des
Wassers“  besprochen.
In  den  seltensten  Fällen  wird  aber  der  direkte  Nachweis  von  menschlichen
oder  tierischen  Auswurf-  bezw.  Verwesungsstoffen  gelingen,  sondern  derselbe  wird
meistens  indirekt  geliefert  werden  müssen.  Da  diese  Auswurf-  und  Verwesungsstoffe ­
  reich  an  stickstoffhaltigen,  organischen  Verbindungen  sind,  so  werden  sie  diese,
wenn  sie  nicht  direkt  in  den  Brunnen  fließen,  sondern  im  Boden  wie  in  den  meisten
Fällen  versickern,  an  den  Boden  abgeben  und  wird  letzterer  nach  und  nach  mit
immer  größeren  Mengen  Stickstoff,  Kohlenstoff  bezw.  Ammoniak  und  Kohlensäure,
ferner  Schwefelverbindungen  angereichert.
Man  wird  daher,  abgesehen  davon,  daß  sich  Eeste  von  Kotbestandteilen  im
Boden  werden  erkennen  lassen,  durch  eine  Bestimmung  des  Kohlenstoffs  (S.  13)  —
durchschnittlich  enthält  Ackerboden  1,0  bis  2,5  °/ 0  Kohlenstoff  —  oder  durch  eine
Bestimmung  der  gasförmigen  und  gebundenen  Kohlensäure  (S.  36  und  15),  durch
Bestimmung  des  Stickstoffs  und  Ammoniaks  (S.  37  und  38),  der  Schwefelsäure
und  des  Schwefels  (S.  39)  im  Boden  der  näheren  Umgebung  des  Brunnens  Anhaltspunkte ­
  für  solche  Verunreinigungen  gewinnen.
        <pb n="852" />
        Chemische  Untersuchung.

831

Da  der  Stickstoff  der  organischen  Stoffe  im  Boden  mehr  oder  weniger  rasch
in  Salpetersäure,  der  Schwefel  in  Schwefelsäure,  der  Kohlenstoff  in  Kohlensäure
übergeführt  wird,  diese  Säuren  aber  aus  dem  Boden  Basen  —  vorwiegend  Kalk,
Magnesia  usw.  —  aufnehmen,  so  wird  man  in  solcherweise  verunreinigtem
Wasser  eine  erhöhte  Menge  von  Nitraten,  Sulfaten  und  Karbonaten  gegenüber
nicht  verunreinigtem  Quell-  oder  Grundwasser  derselben  Gegend  und  Lage  finden.
Gleichzeitig  zeigen  derartige  verunreinigte  Wässer,  weil  die  menschlichen  und
tierischen  Abfallstoffe  reich  an  Chlornatrium  sind  und  dieses  bezw.  das  Chlor  vom
Boden  nicht  absorbiert  wird,  eine  erhöhte  Menge  an  Chloriden,  und  wenn  die  Verunreinigung ­
  des  Bodens  stark  um  sich  gegriffen  hat  oder  der  Boden  nicht  die
genügende  Oxydationskraft  besitzt,  eine  erhöhte  Menge  an  organischen  Stoffen
neben  mehr  oder  weniger  Ammoniak  und  salpetriger  Säure,  oder  gar  Schwefelverbindungen ­
  wegen  mangelnden  Luftzutritts,  infolgedessen  die  organischen  Stoffe
und  der  Stickstoff  nicht  vollständig  oxydiert  werden,  oder  der  Sauerstoff  durch
Bakterien  den  Verbindungen  desselben  in  Nitraten  oder  Sulfaten  entnommen  wird.
Durchweg  zeigen  derartig  verunreinigte  Wässer  auch  einen  erhöhten  Gehalt  an  Kali.
Während  ein  einseitiger  hoher  Gehalt  eines  Wassers  an  organischen
Stoffen  oder  Chloriden,  oder  Nitraten,  oder  Sulfaten  aus  natürlichen  Bodenschichten
(z.  B.  für  organ.  Stoffe  aus  Schiefergebirgen,  für  Chloride  und  Sulfate  aus  mergel-  und
gipshaltigen  Böden,  für  Nitrate  aus  Salpetererden 1 ))  herrühren  kann,  so  läßt  ein
gleichzeitiger  hoher  Gehalt  an  allen  diesen  Bestandteilen  bei  gleichzeitiger
Anwesenheit  von  Ammoniak ,J )  einen  sicheren  Schluß  auf  die  besagte  Verunreinigung
zu,  besonders  dann,  wenn  benachbarte  Quell-  und  Brunnenwässer  in  derselben  Lage
und  unter  denselben  natürlichen  Bodenverhältnissen  keinen  so  hohen  Gehalt  an  den
genannten  Bestandteilen  aufweisen.
Für  die  Beurteilung  der  Beschaffenheit  eines  fraglichen  Wassers  muß  daher
die  Beschaffenheit  und  Zusammensetzung  des  natürlichen  Quell-  oder  Grundwassers
einer  Gegend  oder  Ortschaft  mit  in  Betracht  gezogen  werden,  weil  dieselben  je
nach  der  Beschaffenheit  der  Bodenschichten,  welche  sie  durchfließen  oder  in  welchen
sie  sieh  sammeln,  Bestandteile  in  verschiedener  Menge  aufnehmen  und  eine  verschiedene ­
  Zusammensetzung  zeigen.
Sind  aber  diese  Verhältnisse  bekannt,  dann  hält  es  nicht  schwer,  auf  Grund
der  vorstehenden  Ausführungen  durch  die  chemische  Untersuchung  zu  ermitteln,  ob
und  in  welchem  Grade  ein  fragliches  Wasser  in  besagter  Weise  verunreinigt  ist
oder  nicht.
23.  Nachweis  von  Leuchtgas-Bestandteilen  im  Wasser.  Infolge  Undichtigkeit
von  Gasröhren  in  der  Nähe  von  Brunnen  können  auch  mitunter  Leuchtgas-Bestandteile ­
  in  ein  Brunnenwasser  gelangen.
Dieselben  geben  sich  bei  größerer  vorhandener  Menge  schon  durch  den  Geruch
zu  erkennen.

*)  Letztere  kommen  nur  für  die  regenfreien  oder  regenarmeu  tropischen  Länder  und
für  hiesige  Gegenden  nur  dann  in  Betracht,  wenn  Begenwasser,  durch  reine  Sandschichten
filtriert,  sich  auf  undurchlasaenden  Schichten  ansammelt  und  dort  durch  Verdunstung  immer
konzentrierter  wird  (vergl.  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,
10,  139).
2 )  Das  im  Begenwasser  vorkommende  Ammoniak  ist  für  diese  Frage  belanglos,  weil
es  nur  in  geringer  Menge  im  Begenwasser  vorhanden  ist  und  im  Boden  alsbald  in  Salpetersäure ­
  übergeführt  wird.
        <pb n="853" />
        832

Trinkwasser.

C.  Himly 1 )  versetzt  zum  Nachweise  dieser  Bestandteile  eine  größere  Menge
solchen  Wassers  mit  Chlorwasser,  setzt  die  Mischung  dem  Sonnenlichte  aus  und
schüttelt  mit  Quecksilberoxyd,  um  überschüssiges  Chlor  zu  entfernen.  Bei  Gegenwart
von  Leuchtgas  tritt  alsdann  ein  unverkennbarer  Geruch  nach  Elaylchlortir  oder
ähnlichen  gechlorten  Kohlenwasserstoffen  auf.
Eine  Verunreinigung  durch  Gas-  und  Teerwasser  gibt  sich  nach  H.  Vohl *  2  3 )
unter  Umständen  auch  durch  einen  Gehalt  an  Schwefelammonium  kund  oder
durch  die  Gegenwart  von  kohlensaurem,  schwefelsaurem  und  besonders  von  unterschwefligsaurem ­
  Ammonium,  hezw.  durch  den  erhöhten  Gehalt  von  Kalk-  und
Magnesiasalzen  dieser  Säuren  infolge  von  Umsetzungen  im  Boden  oder  auch,  weil
dieselben  bei  der  Reinigung  des  Leuchtgases  Verwendung  finden.
Von  Wichtigkeit  ist  es  weiterhin,  solche  Wässer  auch  auf  Rhodan  mittels
Eisenchlorids  zu  prüfen.
Auch  nimmt  der  umliegende  Boden  durch  die  Leuchtgas-Ausströmungen
Naphthalin  auf,  welches  nach  G.  Königs 8 )  dadurch  nachgewiesen  werden  kann,
daß  man  den  Boden  in  großen  Steinbehältern  unter  Zuführung  eines  Dampfstromes
der  Destillation  unterwirft.  Das  auf  dem  abgekühlten  Destillat  schwimmende
Naphthalin  wird  abgehoben,  durch  mehrmalige  Destillation  mit  Kalilauge  gereinigt
und  in  alkoholischer  Lösung  durch  Pikrinsäure  nachgewiesen,  womit  es  eine  in
langen  Nadeln  anschießende  Verbindung  gibt.
II.  Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung  des  Wassers.
Außer  der  chemischen  Untersuchung  des  Wassers  ist  eine  mikroskopische
und  biologische  empfehlenswert;  in  manchen  Fällen  ist  letztere  fast  allein  ausschlaggebend. ­
  Die  mikroskopische  Untersuchung  erstreckt  sich  auf  unorganische  und
organische  tote  feste  Stoffe,  sowie  auf  die  Fauna  und  Flora  des  Wassers,  soweit
sie  durch  das  Mikroskop  erkennbar  ist,  die  biologische  auf  die  Feststellung  der  Zahl
und  der  Arten  der  im  Wasser  enthaltenen  Bakterien  und  mancher  höheren  Pilze
mittels  des  später  zu  beschreibenden  Kochschen  Plattenkulturverfahrens  bezw.  bestimmter ­
  Kulturverfahren  und  unter  Umständen  auf  den  Nachweis  der  Erreger  der
Cholera,  des  Typhus,  des  Milzbrandes  und  anderer  Seuchen.
Für  die  Prüfung  der  Leistungsfähigkeit  von  Sandfiltern,  sowie  für  die  Beurteilung ­
  der  aus  größeren  Tiefen  durch  undurchlässige  Rohrleitungen  kommenden
Wässer  kommt  vorwiegend  nur  die  bakteriologische  Untersuchung  —  und  zwar
nur  die  Bestimmung  der  Keimzahl  —  in  Betracht;  ebenso  natürlich  bei  den  auf  den
Nachweis  pathogener  Bakterien  gerichteten  Untersuchungen.  In  allen  anderen  Fällen
—  bei  Untersuchung  von  Kesselbrunnen,  Sammelbrunnen,  Wasserleitungen
und  offenen  Gewässern  —  muß  außerdem  die  mikroskopische  Untersuchung
ausgeführt  werden.
In  den  meisten  Laboratorien  wird  bisher  nur  die  bakteriologische  Untersuchung, ­
  und  zwar  auch  nur  die  Bestimmung  der  Zahl  der  Bakterien  vorgenommen.
Abgesehen  von  den  erwähnten  selteneren  Fällen  gibt  diese  Art  der  Untersuchung
aber  keinen  sicheren  Anhalt  für  die  Beschaffenheit  eines  Wassers.  Einerseits  gelangen ­
  bei  dem  Kochschen  Plattenkulturverfahren,  das  für  die  bakteriologische
Untersuchung  in  erster  Linie  in  Betracht  kommt,  nicht  alle  im  W T asser  lebenden
Bakterienarten  zur  Entwickelung,  andererseits  schwankt  die  Bakterienzahl  in  einem
J )  Untersuchungen  des  Univ.-Labor.  Kiel,  1878.
2 )  Berichte  der  deutschen  ehern.  Gesellsch.  Berlin  1877,  10,  1815.
3 )  Repertorium  f.  anal.  Chemie  1881,  1,  59.
        <pb n="854" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

8B3

und  demselben  Wasser,  ohne  daß  der  hygienische  Wert  des  Wassers  beeinflußt
würde,  je  nach  der  Zeit  und  Art  der  Probenahme,  der  Zeit  zwischen  Probenahme
und  Verarbeitung,  der  Art.des  Nährbodens  usw.  so  sehr,  daß  eine  Beurteilung  nach  den
erhaltenen  Zahlen  unzulässig  erscheint  und  auch  von  der  Aufstellung  irgendwelcher
Grenzzahlen  abgesehen  werden  muß.  Dazu  kommt,  daß  die  Hoffnung,  mittels  dieses
Verfahrens  die  Erreger  der  ansteckenden  Krankheiten,  soweit  sie  zu  den  Bakterien
gehören,  leicht  und  sicher  aus  infiziertem  Wasser  zu  züchten,  sich  nicht  erfüllt  hat.
Der  Nachweis  der  für  unsere  Breiten  in  erster  Linie  in  Betracht  kommenden
Typhusbakterien  im  Wasser  gehört  trotz-zahlloser  Verfahren  noch  immer  zu  den
wissenschaftlichen  Leistungen,  die  für  die  Laboratorien  der  Praxis  ausgeschlossen  sind.
Auch  die  späteren  Vorschläge,  neben  der  Zahl  der  Bakterien  die  Zahl  der
Arten  für  die  Beurteilung  des  Wassers  heranzuziehen,  die  auf  der  Erwägung  beruhen, ­
  daß  in  einem  stark  und  oft  verunreinigten  Wasser  die  Zahl  der  Arten  größer
sein  wird,  haben  keinen  Anklang  gefunden,  da  einerseits  bei  dem  Kampf  der  Arten
nicht  nur  eine  Vermehrung,  sondern  ebensogut  eine  Verminderung  der  Arten  durch
Verdrängung  weniger  gut  angepaßter  eintreten,  andererseits  ebenso  wie  die  Zahl  der
Keime  so  auch  die  Zahl  der  Spezies  ohne  erkennbare  Gründe  großen  Schwankungen
unterworfen  sein  kann.
Ebensowenig  wie  die  Zahl  der  Arten  hat  die  von  anderer  Seite  vorgeschlagene-Berücksichtigung
  der  die  Gelatine  peptonisierenden  Bakterienarten  für  die
Beurteilung  des  Wassers  Wert,  da  auch  zu  den  harmlosen  Wasserbakterien  solche
Arten  gehören.
Die  mikroskopische  und  biologische  Untersuchung  berücksichtigt  nicht
nur  die  Bakterien,  sondern  außer  toten  Stoffen  alle  Pflanzen  und  Tiere  im  Wasser.
Ihre  theoretische  Grundlage  ist  die  Tatsache,  daß  die  Flora  und  Fauna  des  W T assers
das  Ergebnis  bestimmter  physikalischer,  chemischer  und  meteorologischer  Verhältnisse ­
  ist  und  mit  diesen  in  eigenartiger  Weise  wechselt.
Für  die  Beurteilung  kommen  nur  die  allgemein  verbreiteten,  an  die  Verhältnisse ­
  angepaßten  Arten  in  Betracht.
Die  für  gewisse  Verhältnisse  im  Wasser  kennzeichnenden  Lebewesen  nennt
man  „Leitorganismen“.  Sind  diese  nicht  in  großer  Zahl  vorhanden,  so  lassen
sich  doch  meist  kennzeichnende  Lebensgemeinschaften  (Biocoenosen)  nachweisen,  aus
denen  der  erfahrene  Beobachter  seine  Schlüsse  ziehen  kann.
Die  mikroskopische  und  biologische  Wasseruntersuchung  verlangt  daher  in
erster  Linie  eine  genaue  Kenntnis  der  Arten  im  Gegensatz  zu  dem  älteren,  nur  die
Keimzahl  berücksichtigenden  bakteriologischen  Verfahren.
Bei  sorgfältiger  Ausführung  gibt  sie  sichere  Auskunft  sowohl  über  stattgefundene ­
  'Verunreinigungen  der  Trink-  und  Gebrauchswässer  als  auch  über  etwa
bestehende  Verunreinigungsmöglichkeiten.
Im  folgenden  kann  nur  das  Wichtigste  über  die  Methodik  der  mikroskopischen
und  biologischen  Untersuchung  der  Trinkwässer  sowie  über  ihre  Flora  und  Fauna
nvitgeteilt  werden.  Für  eingehendere  Studien  sei  in  erster  Linie  das  grundlegende
Werk  von  Mez,  „Mikroskopische  Wasseranalyse“,  Berlin  1898,  Verlag  von  J.  Springer;
ferner  die  Abbildungswerke  von  B.  Eyferth,  „Die  einfachsten  Lebensformen“,  Braunschweig ­
  1900;  von  Kirchner  und  Blochmann,  „Die  mikroskopische  Pflanzen-  und
Tierwelt  des  Süßwassers“,  Hamburg  1891  und  1895;  ferner  die  Einzeldarstellungen
v on  Zacharias,  „Die  Tier-  und  Pflanzenwelt  des  Süßwassers“,  Weber-Leipzig  1891;
•I-  Kräpelin,  „Die  Fauna  der  Hamburger  Wasserleitung“,  1886,  Naturw.  Verein
Hamburg;  Hugo  de  Vries,  „Die  Pflanzen  und  Tiere  in  den  dunklen  Räumen  der
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  53
        <pb n="855" />
        834

Trinkwasser.

Rotterdamer  Wasserleitung“,  Jena  1891;  Zschokke,  „Faunistische  Studien  an
Gebirgsseen“,  Verhandl.  d.  naturw.  Gesellschaft  zu  Basel,  Bd.  IX;  Schewiakoff,
„Über  die  geographische  Verbreitung  der  Süßwasserprotozoen“,  Heidelberg  1892,
und  viele  andere  faunistische  Studien  im  Zoologischen  Anzeiger.  Weitere  Literatur
findet  man  bei  Kolkwitz  und  Marsson,  Mitteil,  aus  d.  Königl.  Prüfungsanstalt
f.  Wasserversorgung  usw.,  Berlin  1902,  Heft  1.
1.  Bestimmung  der  Zahl  der  Bakterien.  Uber  die  Probenahme  des  Wassers
für  die  bakteriologische  Untersuchung  vergl.  S.  801.
Das  einzig  brauchbare  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Zahl  der  Bakterien
ist  das  Kochsche  Plattenkulturverfahren,  das  darauf  beruht,  die  einzelnen
Keime  gut  voneinander  getrennt  in  einem  festen  Nährboden  zur  Entwickelung  zu
bringen  und  aus  der  Zahl  der  dabei  entstehenden  Kolonien  auf  die  Zahl  der  Keime
zu  schließen.  Mängel  dieses  Verfahrens  bestehen  darin,  daß  in  Wirklichkeit  nicht
immer  jede  Kolonie  nur  einem  Keime  entspricht  und  daß  manche  Wasserbakterien
auf  den  meist  verwendeten  Nährböden  überhaupt  nicht  zur  Entwickelung  gelangen.
Weniger  zu  empfehlen  ist  für  die  Bestimmung  der  Bakterienzahl  die  manchmal
empfohlene  direkte  mikroskopische  Zählung  der  Keime  in  gefärbten  Präparaten,
da  hierbei  die  Unterscheidung  der  toten  und  lebenden  Zellen  schwierig  ist.  Eine
genaue  Anleitung  für  solche  quantitativen  Bestimmungen  gibt  Klein. 1 )
Nährböden  für  die  Wasseruntersuchung.  Gewöhnlich  verwendet  man
die  nach  den  Kochschen  Vorschriften  hergestellte  Fleisch  wasserpeptongelatine,
  die  in  folgender  Weise  hergestellt  wird:
500  g  feingehacktes,  möglichst  fettfreies  Rindfleisch  werden  in  einen  etwa  2  1
fassenden  Kolben  gebracht,  mit  1  1  gewöhnlichen  Wassers  übergossen  und  darin
24  Stunden  lang  an  einem  kühlen  Ort,  im  Sommer  womöglich  im  Eisschrank  stehen
gelassen.  Das  erhaltene  Fleischwasser  wird  sodann  durch  ein  mäßig  dichtes  Tuch
filtriert,  schließlich  der  ganze  Brei  darauf  gegeben  und  dieser  so  lange  ausgepreßt,
bis  man  1000  ccm  Fleischwasser  erhält.  Dieses  gibt  man  wieder  in  einen  2  Liter-Kolben,
  dazu  10  g  Peptonpulver,  5  g  Kochsalz  und  anteilweise  100  g  reine  feste
Gelatine,  worauf  man  das  Ganze  auf  dem  Wasserbade  erwärmt,  bis  die  Gelatine
vollständig  verflüssigt  ist.  Alsdann  wird  die  Lösung  neutralisiert,  d.  h.  so  lange
vorsichtig  mit  konzentrierter  Sodalösung  versetzt,  bis  das  rote  (nicht  zu  stark  rote)
Lackmuspapier  blau  erscheint,  und  mit  einem  in  Wasser  verrührten  Eiweiß  zur  Ausscheidung ­
  der  Eiweißstoffe  und  Klärung  etwa  1 / 2  Stunde  im  kochenden  Wasserbade
erhitzt,  bis  das  sich  ausscheidende  Eiweiß  zu  großen  Flocken  sich  zusammengeballt
hat.  Man  prüft  noch  einmal,  ob  die  Gelatine  auch  alkalisch  geblieben  ist;  nötigenfalls
gibt  man  noch  etwas  kohlensaures  Natrium  hinzu  und  filtriert  durch  ein  Faltenfilter.
Die  Filtration  führt  man,  um  eine  zu  frühe  Erstarrung  der  Gelatine  zu  vermeiden,  am
besten  in  dem,angewärmten  Kochschen  Dampfsterilisierapparat  (Fig.  303,  S.  835)  oder
im  Heißwassertrichter  aus.  Das  Filtrat,  welches  klar  und  wenig  gefärbt  sein  muß,  ist
die  fertige  Nährgelatine,  welche  nur  noch  sterilisiert  zu  werden  braucht.  Man  verteilt
sie  zu  diesem  Behufe  sogleich  in  vorher  sterilisierte  Reagensgläser,  auf  welche  man
dichte,  etwa  1  cm  in  das  Röhrchen  hineinreichende  Wattepfropfen  aufgesetzt  hat,
oder  für  den  späteren  Gebrauch  zunächst  in  sterilisierte  Erlenmeyer-Kölbchen  von  etwa
250  ccm  Inhalt,  aus  denen  sie  gegebenenfalls  in  Reagensgläser  abgefüllt  wird.
Diese,  sowie  alle  Glassachen,  werden  dadurch  sterilisiert,  daß  man  sie  in  einem
Trockenschrank  auf  150—160°  1  Stunde  lang  erhitzt,  wobei  die  Watte  schwach
gebräunt  wird.  Nachdem  man  die  Röhrchen  (am  besten  155  mm  lang  und  16  mm
*)  Centralbl.  f.  Bakteriologie  I.  Abt.  1900,  24,  834.
        <pb n="856" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

835

weit)  5—6  cm  hoch  mit  Gelatine  gefüllt  hat,  gibt  man  sie  in  einen  runden  Drahtkorh
  oder  in  ein  Einsatzgefäß  mit  durchlochtem  Boden  und  erhitzt  sie  Stunde
lang  in  dem  kochenden  Dampfsterilisierapparat  (Fig.  303),  und  zwar  an  3  aufeinanderfolgenden ­
  Tagen  je  1-mal.  Ist  die  Gelatine  klar  geblieben,  so  ist  sie  zum
Gebrauch  geeignet.
Statt  dieser  Fleischwasserpeptongelatine  werden  neuerdings  auch  Nährgelatinen
  einfacherer  Herstellungsweise  empfohlen,  da  die  im  Fleischwasser
enthaltenen  Stoffe  die  Entwickelung  mancher  Wasserbakterien  verhindern,  so  daß  die
Zahl  der  Kolonien  zu  gering  wird.  Folgende  Vorschriften  seien  mitgeteilt:  Reichsgesundheitsamt: ­
  Fleischextrakt  Liebig  10  g,  Pepton  Witte  10  g,  Kochsalz  5  g,
Gelatine  100  g,  Wasser  1000  g,  gegen  Lackmus  neutralisiert  und  sodann  mit  1,5  g
kristallisierter  Soda  versetzt;  Thomann: 1 )  Fleischextrakt  Liebig  6  g,  K 2 TTPQ 4
2  g,  Gelatine  100—200  g,  sonst  wie  die  erste  Vorschrift;  Abba: 1  2  3 )  Fleischextrakt

Fig.  303.  Dampfsterilisationsapparat.

Fig.  304.  Plattengießapparat.

Liebig  6  g,  Wasser  1000  g,  Gelatine  150  g;  Pakes 8 )  empfiehlt,  100  g  Gelatine
in  1  1  des  zu  untersuchenden  Wassers  ohne  Zusätze  zu  lösen  und  zu  neutralisieren.
Statt  der  Gelatinenährböden  werden  auch  solche  von  Agar  empfohlen,  die
den  Vorteil  haben,  durch  peptonisierendc  Bakterien  nicht  verflüssigt  zu  werden.
Außer  dem  Fleisohwasserpeptonagar  (Herstellung  wie  die  der  entsprechenden
Gelatine,  nur  mit  2  °/ 0  Agar  versetzt  und  1 / 2  Stunde  im  Autoklaven  bei  125°  erhitzt)
wird  zuweilen  der  von  Hesse  und  Niedner 4 )  empfohlene  Albumoseagar  verwendet, ­
  der  aus  l,25°/ 0 Agar,  0,75°/ 0  Nährstoff  Heyden  und  98°/ 0  Wasser  besteht.
Auf  ihm  wachsen  viele  Wasserbakterien  besser  als  auf  den  Fleischwassernährböden,
so  daß  die  mit  ihm  gefundene  Keimzahl  höher  ist,  andererseits  aber  Schmutzwasserkakterien
  weniger  gut,  so  daß  er  die  biologischen  Verhältnisse  im  Wasser  eher  ver-1
 )  Centralb).  f.  Bakteriol.  II,  1900,  6,  796.
2 )  Zeitschr.  f.  Hyg.  1900,  3B,  372.
3 )  Centralbl.  f.  Bakteriol.  II,  1901,  7,  386.
4 )  Zeitsohr.  f.  Hygiene  1898,  29,  460.

53*
        <pb n="857" />
        836

Trinkwasser.

schieiert  als  klärt.  Prall 1 )  empfiehlt  Gemische  von  Gelatine  und  Agar,  besonders
ein  solches  von  5°/ 0  Gelatine  und  0,75°/ 0  Agar  mit  Fleischextrakt  und  Pepton  Witte.
Nach  unseren  Erfahrungen  leisten  die  einfacher  zusammengesetzten  Gelatinenährböden
gute  Dienste.  In  wichtigen  Fällen  wird  man  mehrere  Nährböden  nebeneinander
verwenden.  Hauptsache  ist,  daß  man  die  Nährböden  selbst  herstellt  und  nicht
fertig  kauft.
Herstellung  der  Zählplatten.  Drei  Gelatineröhrchen  werden  in  Wasser
von  etwa  35°  verflüssigt.  Der  sie  verschließende  Wattestopfen  wird  durch  Drehen
gelockert  und  abgebrannt,  um  etwaige  Luftkeime  zu  vernichten.  Darauf  wird  aus
den  Wasserproben  mittels  einer  in  einem  Stahlblechkasten  durch  längeres  Erhitzen
auf  250°  sterilisierten,  in  1 / 10  ccm  eingeteilten  1  cem-Pipette  eine  kleine  Probe
entnommen  und  nach  Entfernung  des  Wattestopfens  in  das  möglichst  wagerecht
gehaltene  Röhrchen  einlaufen  gelassen.  Die  Menge  des  Wassers  richtet  sich  nach
seinem  Bakteriengehalt.  Bei  sofortiger  Verarbeitung  eines  sehr  reinen  Wassers  wird
man  bis  zu  1  ccm  gehen  dürfen.  Um  auf  jeden  Fall  brauchbare  Platten  zu  erzielen,
impft  man  drei  Röhrchen  mit  1,  0,5  und  0,25  ccm.  Bei  voraussichtlich  verunreinigtem
Wasser  stellt  man  erst  Verdünnungen  mit  sterilisiertem  Leitungswasser  her.
Die  Gelatine  wird  nun  durch  vorsichtiges  Heben  und  Senken  des  Röhrchens
(nicht  durch  Schütteln)  mit  dem  Wasser  völlig  vermischt,  dann  wird  der  Rand
des  Röhrchens  bei  aufgesetztem  Wattepfropfen  abgebrannt  und  dann  die  Gelatine
auf  eine  Glasscheibe  oder  in  eine  sog.  Petri-Schale  ausgegossen.  Im  ersteren  Falle
ist  dazu  ein  besonderer  Plattengießapparat  (Fig.  304,  S.  835)  nötig,  dessen  obere
Schale  mit  Wasser  und  Eisstücken 2 )  gefüllt  wird,  damit  die  darauf  gelegte  Platte
von  mattem  Glase  kalt  gehalten  wird.  Auf  diese  Platte  bringt  man  zuerst  eine
kleine  Wasser  wage,  um  mittels  dieser  den  Apparat  vollständig  wagerecht  zu  stellen.
Sodann  legt  man  auf  die  große  Glasplatte  eine  Platte  für  die  Kultur,  deren  man
mehrere  vorher  in  einem  Kasten  von  Stahlblech  durch  Erhitzen  auf  160—160°
sterilisiert  und  im  Kasten  erkalten  gelassen  hat.
Die  Größe  dieser  Kulturplatten  beträgt  am  besten  85/136  oder  105/130  mm.
Die  Kulturplatte  wird  sofort  mit  dem  zum  Apparate  gehörigen  Glassturze  bedeckt.
Ist  dies  geschehen,  so  nimmt  man  den  teilweise  abgebrannten  Wattepfropf  von  dem
mit  dem  zu  untersuchenden  Wasser  beschickten  Gelatineröhrchen  weg  und  gießt
die  Gelatine  auf  die  Kulturplatte  aus,  verteilt  sie  gleichmäßig  mit  dem  Rande  des
Röhrchens  und  läßt  sie  erstarren.
Mehrere  solcher  Kulturen  werden  in  einer  sog.  feuchten  Kammer  —  zwei  übereinander ­
  greifende  flache  Glasschalen  —  aufbewahrt,  damit  die  Gelatine  nicht  trocken
wird,  zu  welchem  Zwecke  man  auf  den  Boden  der  Glasschale  eine  mit  Quecksilberchlorid-Lösung ­
  (1  :  1000)  angefeuchtete  Scheibe  Filtrierpapier  legt.  Die  Plattenkulturen ­
  selbst  stellt  man,  wenn  mehrere  Kulturen  angesetzt  werden  sollen,  auf
Glasbänken  übereinander.
Verwendet  man  Agar,  so  müssen  die  Röhrchen  zur  Verflüssigung  im  kochenden
Wasserbade  längere  Zeit  erhitzt  werden.  Vor  der  Impfung  mit  dem  zu  untersuchenden ­
  Wasser  muß  man  sie  auf  40°  ahkühlen  lassen  und  dann  schnell  arbeiten,
da  der  Agar  bei  dieser  Temperatur  bald  erstarrt.  Agar  kann  nicht  auf  Platten,
sondern  nur  in  Petri-Schalen  ausgegossen  werden,  da  er  umgekehrt  aufbewahrt  werden ­
  muß,  um  das  aus  ihm  immer  noch  wieder  austretende  Wasser  ahlaufen  zu  lassen.
J )  Arbeiten  aus  ’d.  Kais.  Gesundheitsamte  1902,  18,  436.
2 )  Statt  der  obigen  Vorrichtung  hat  man  jetzt  auch  einen  einfachen  Plattengießapparat ­
  von  Kupferblech,  der  durch  fließendes  Wasser  abgekühlt  wird.
        <pb n="858" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

837

Zweckmäßiger  ist  es,  den  Agar  nicht  im  Röhrchen  mit  dem  Wasser  zu  mischen,  sondern
dieses  in  die  Petri-Schale  zu  pipettieren,  den  Agar  darüber  zu  gießen  und  nun  in
der  Schale  zu  mischen.
Gelatineplatten  und  Agarschalen  werden  am  besten  bei  etwa  20°  aufbewahrt.
Nach  zwei  bis  drei  Tagen  sind  sie  mit  Kolonien  mehr  oder  minder  dicht  besetzt.
Je  nach  der  Dichte  der  Kolonien  wird  man  die  Auszählung  der  Platten  früher  oder
später  vornehmen.  Bei  dünn  bewachsenen  Platten  kann  man,  wenn  es  der  Fall
erlaubt,  die  Auszählung
bis  zum  zehnten  Tage
hinausschieben  und  die
Zählung  mittels  der  Lupe
vornehmen.
Zu  diesem  Behufe
legt  man  die  Platte  auf  eine
sog.  Zählplatte  (Fig.  305),
eine  durch  Gravierung  Fig,  305.  zatipiatte  für  Piattehkuituren.
in  Quadratzentimeter  und
Quadratmillimeter  geteilte  Glasplatte,  und  zählt  sämtliche  in  1  qcm  oder  1  qmm
liegende  Kolonien.  Letzteres  wiederholt  man  an  mehreren  (6  bis  10)  Stellen  der
Platte  und  nimmt  zuletzt  das  Mittel  aus  den  erhaltenen  Zahlen.  Die  Mittelzahl
mit  der  Anzahl  der  Quadratzentimeter, ­
  welche  die
Gesamtfläche  der  Gelatine
bedeckt,  multipliziert,  ergibt ­
  die  in  1  ccm  oder
*/ 2  ccm  usw.  Wasser  enthaltenen ­
  Keime,  von
welchen  jeder  eine  mit  unbewaffnetem
  Auge  sichtbare ­
  Kolonie  gebildet  hat.
Bei  Anwendung  von  0,5,
0,25  oder  0,2  ccm  Wasser
wird  die  Anzahl  auf  1  ccm
Wasser  umgerechnet.
Hat  man  die  Kulturen
in  Petrischen  Schalen
angelegt,  so  bedient  man
sich  zweckmäßig  der  Zählplatte ­
  von  Lafar  (Fig.
306).  Bei  derselben  sind  Hg -  806 '  zähl P latte  für  Sohalenkulturen  (nach  Lafar).
die  einzelnen  Sektoren  des  Kreises  in  Felder  von  je  1  qcm  Inhalt  eingeteilt.  Man  zählt
mehrere  Felder  von  je  1  qcm  aus  und  berechnet  darnach  aus  der  Mittelzahl  die
Gesamtzahl  nach  der  Formel  r 2 ?r,  oder  man  berechnet,  wieviel  Keime  auf  einen
Sektor  etwa  von  60°  kommen,  und  erhält  die  Gesamtzahl  durch  Multiplikation  mit  6.
Bei  dichter  bewachsenen  Platten  führt  man  die  Zählung  der  Kolonien  besser  mit
dem  Mikroskop  bei  etwa  40-  bis  60-facher  Vergrößerung  aus.  Zu  diesem  Zwecke
bestimmt  man  die  Größe  des  Gesichtsfeldes,  indem  man  mittels  des  Zeichenapparates
ein  genaues  Bild  davon  auf  einem  in  Höhe  der  Gelatineplatte  befindlichen  Zeichenbrett ­
  entwirft,  den  Durchmesser  des  Bildes  mißt  und  durch  die  doppelte  Ver ­
        <pb n="859" />
        838

Trinkwasser.

größerungsziffer  der  Linsen  dividiert.  Aus  dem  so  erhaltenen  Radius  des  Gesichtsfeldes ­
  berechnet  sich  dieses  nach  der  Formel  r%r.  Man  nimmt  nun  etwa  fünfzig
Zählungen  vor,  wobei  man  unter  Umständen  ein  Okularnetzmikrometer  benutzen  muß,
und  berechnet  aus  dem  erhaltenen  Mittel  der  Zählungen  die  Kolonienzahl  der  Schalen.
Die  mikroskopische  Zählung  gibt  genauere  Werte  als  die  Lupenzählung  und
gestattet  ein  schnelleres  Urteil  als  diese,  da  im  Mikroskop  schon  nach  kurzer  Zeit
Kolonien  sichtbar  werden,  die  durch  die  Lupe  erst  mehrere  Tage  später  erkennbar ­
  sind.
Um  eine  zu  schnelle  Verflüssigung  der  Gelatineplatten  zu  verhindern,  kann
man  die  verflüssigenden  Kolonien  durch  Betupfen  mit  einem  Höllensteinstift  in  der
Entwickelung  etwas  hemmen.  Die  auf  den  Platten  etwa  entstehenden  Kolonien  von
Schimmelpilzen  werden  besonders  gezählt.  Will  man,  was  unbedingt  zu  empfehlen
ist,  die  Zählplatten  schon  am  Ort  der  Probenahme  herstellen,  so  verwendet  man
hierzu  zweckmäßig  die  Gefäße  von  Eoszahegyi  (Fig.  307),  flache,  kreisrunde,  dünne
Flaschen  mit  etwas  gebogenem  Halse,  die  im  Laboratorium
mit  etwa  10  ccm  Nährgelatine  gefüllt  und  mit  einem  Wattestopfen ­
  geschlossen,  sterilisiert,  am  Ort  der  Probenahme
nach  Verflüssigung  der  Gelatine  mit  der  zu  impfenden
Wassermenge  versehen  und  nach  gründlicher  Mischung
beider  flach  hingelegt  werden.  Man  erhält  so  eine  Gelatineplatte
  innerhalb  der  Flasche.  Da  in  die  Flaschen  ein
Liniennetz  eingeätzt  ist,  so  machen  sie  die  Zählplatte  entbehrlich. ­
  In  Ermangelung  dieser  Gefäße  kann  man  die  Zählplatten ­
  auch  in  sog.  Esmarchschen  Rollröhrchen  anlegen.
Diese  sind  größere  Eeagensgläser,  in  denen  die  Gelatine
nach  der  Impfung  durch  Rollen  der  Gläser  unter  einem  kühlen  Wasserstrahl  oder
in  kalter  Luft  an  den  Wandungen  in  dünner  Schicht  zum  Erstarren  gebracht  wird.
Für  die  Auszählung  hat  man  bestimmte  Apparate,  auf  die  hier  nur  verwiesen  sei.
Die  Rollröhrchen  haben  den  Nachteil,  daß  verflüssigende  Kolonien  sie  bald  unbrauchbar
machen.  Dagegen  vermeidet  man  mit  ihnen,  wie  mit  den  Roszahegyi-Flaschen,
den  bei  dem  gewöhnlichen  Plattenverfahren  unvermeidlichen  Fehler,  der  durch  das
Zurückbleiben  eines  Teiles  der  Gelatine  in  dem  geimpften  Röhrchen  entsteht.
2.  Die  Bestimmung  der  Bakterieuarten.  Für  diesen  Zweck  sind  möglichst
dünn  besäete  Platten  nötig.  Es  ist  sehr  zu  empfehlen,  für  die  Bestimmung  der
Arten  stets  Gelatinenährböden  oder  sowohl  diese  wie  Agarnährböden  zu  verwenden,
da  die  für  die  Diagnose  der  einzelnen  Arten  sehr  wichtige  Form  der  Kolonien  oft
nur  auf  den  erstgenannten  Nährböden  hervortritt.  Die  Anlage  der  Platten  geschieht ­
  in  derselben  Weise,  wie  sie  oben  beschrieben  wurde,  nur  ist  hier  noch  mehr
als  bei  den  Zählplatten  äußerste  Sauberkeit  nötig,  um  nicht  Keime  aus  der  Umgebung ­
  des  Menschen  in  die  Kulturen  gelangen  zu  lassen,  die  zu  Fehlschlüssen
führen  können.  In  welcher  Weise  die  Diagnose  einer  Bakterienart  gestellt  werden
kann,  muß  man  aus  Sonderwerken,  insbesondere  dem  erwähnten  Handbuch  von
Mez  und  dem  Atlas  und  Grundriß  der  Bakteriologie  von  Lehmann  und  Neumann
(München  1904)  erlernen.  Es  gehört  dazu  längere  Übung  und  praktische  Erfahrung,
wenn  man  nicht  zu  Fehlschlüssen  gelangen  soll.
Für  den  leichteren  Nachweis  mancher  Leitbakterien  werden  Zusätze  zu  den
Nährböden  empfohlen.  So  kann  für  den  Nachweis  des  als  Indikator  für  Fäkalverunreinigung
  vielfach  betrachteten  Bacterium  coli  ein  von  v.  Drigalski-Conradi 1 )

Fig.  807.
Flasche  für  Bakterienkulturen. ­


*)  Zeitsohr.  f.  Hygiene  1902,  39,  283.
        <pb n="860" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

839

empfohlener  Nährboden  von  folgender  Zusammensetzung  verwendet  werden:  2  1
Fleischwasser,  20  g  Pepton  Witte,  20  g  Nutrose,  10  g  Kochsalz,  60  g  Agar  (mit
Soda  neutralisiert);  dazu  260  ccm  Lackmuslösung  nach  Kubel-Tiemann  mit  30  g
Laktose;  zum  ganzen  werden  4  ccm  10%-ige  Sodalösung,  20  ccm  einer  0,1  °/ 0 -igen
frischen  Lösung  von  Kristallviolett  B  (Höchster  Farbwerke)  gesetzt.  Auf  diesem
Nährboden  erscheinen  Koli-Kolonien  leuchtend  rot.
Da  es  nicht  immer  gelingt,  die  Leitorganismen,  wenn  sie  in  geringer  Zahl
vorhanden  sind,  auf  den  Platten  nachznweisen,  so  wendet  man,  um  besonders  häufige
und  kennzeichnende  Arten  zu  fassen,  zuweilen  auch  ein  „Anreicherungs  verfahren“
an,  indem  man  eine  Probe  des  Wassers  in  eine  Nährlösung  bringt,  die  der  gesuchten
Art  besonders  günstige  Entwickelungsbedingungen  bietet,  und  aus  der  an  dieser
Art  angereicherten  Flüssigkeit  nach  einiger  Zeit  Platten  anlegt.  Dieses  Verfahren
bietet  vor  dem  Plattenverfahren  auch  den  Vorteil,  daß  man  größere  Wassermengen
bequem  untersuchen  kann.  Insbesondere  für  Bacterium  coli  sind  solche  Anreicherungsverfahren ­
  ausgearbeitet  worden.  Kaiser 1 )  empfiehlt  dazu  Heuinfus.  600  g  Heu
werden  mit  6  1  kochendem  Wasser  Ubergossen  und  15  Minuten  stehen  gelassen.
Das  abgepreüte  Filtrat  wird  auf  5  1  ergänzt,  filtriert,  im  Autoklaven  eine  Stunde
sterilisiert,  nach  zwei  bis  drei  Tagen  filtriert  und  wieder  sterilisiert.  Zu  diesem
Infus  wird  so  viel  des  zu  untersuchenden  Wassers  gesetzt,  daß  ein  3°/ 0 -iges  Infus
entsteht.  Ferner  wird  zum  Nachweise  des  Bacterium  coli  und  seiner  Verwandten
die  Ausführung  einer  Garprobe  mit  dem  Wasser  in  Glukosebouillon  im  Einhornschen
  Gärkölbchen  empfohlen.  Man  wird  am  besten  tun,  gegebenenfalls  alle  diese
ziemlich  einfachen  Verfahren  anzuwenden.
Für  den  Nachweis  der  im  Darm  stets  vorhandenen  anaeroben  Fäulnisbakterien
im  Wasser  hat  Eichmond 1  2 )  die  Impfung  von  10  ccm  sterilisierter  Milch  mit  1  ccm
des  Wassers,  10  Minuten  langes  Erwärmen  auf  50°,  Bebrütung  unter  Luftabschluß
bei  37  0  empfohlen.  Innerhalb  zweier  Tage  eintretende  Gerinnung,  Gasentwickelung
und  Gestank  sollen  das  Wasser  verdächtig  machen,
3.  Die  Bestimmung  der  auf  Gelatine-  und  Agarplatten  wachsenden  höheren
Pilze.  Die  besondere  Untersuchung  eines  Wassers  auf  Schimmel-  und  Hefepilze
wird  —  abgesehen  von  den  für  Brauzwecke  bestimmten  Wässern  —  nur  selten
vorgenommen.  Doch  ist  zu  beachten,  daß  nach  Mez  gerade  für  Fäkalverunreinigungen ­
  manche  Schimmel  äußerst  kennzeichnend  sein  sollen.  Die  Untersuchung
erfolgt  in  derselben  Weise  wie  die  auf  Bakterien,  nur  verwendet  man  statt  der  alkalischen ­
  Nährböden  besser  saure.  Ein  sehr  guter  Nährboden  ist  eine  nicht  neutralisierte ­
  10°/ 0 -ige  Würzegelatine  oder  10°/ o -ige  Pflaumengelatine  (100  g  entkernte
Backpflaumen  auf  1  1  Wasser).  Mez  empfiehlt  ferner  sterilisiertes  Schwarzbrot  in
Petri-Schalen.  Betreffs  der  Diagnose  der  Arten  muß  wieder  auf  die  genannten
Handbücher  verwiesen  werden.
4.  Die  mikroskopische  Untersuchung.  Alle  nicht  durch  die  beschriebenen
Kulturverfahren  nachweisbaren  Pflanzen,  Tiere  und  toten  Beste  werden  durch  unmittelbare ­
  mikroskopische  Untersuchung  der  für  diesen  Zweck  hergestellten  Probe
bestimmt.  Soweit  es  sich  dabei  um  abgekratzte  Beläge,  Krusten,  Sedimente  u.  a.
handelt,  werden  diese  einfach  in  etwas  sterilisiertem  Wasser  ausgebreitet  und
Präparate  hergestellt.  Die  durch  die  oben  (S.  802)  beschriebene  Filtration  aus  einer
größeren  Wassermenge  gesammelten  schwebenden  Lebewesen  und  Stoffe  werden  auf
1 )  Arch.  f.  Hygiene  1905,  52,  121.  Hier  findet  sich  auch  eine  Zusammenstellung  der
älteren,  auf  B.  coli  und  seinen  Nachweis  im  Wasser  bezüglichen  Veröffentlichungen.
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  524.
        <pb n="861" />
        840

Trinkwasser.

ein  kleines  Filter  gebracht  und  dann  mit  wenig  Wasser  in  ein  Schälchen  gespült.  Die
Objekte  werden  dann  in  allen  Fällen,  in  wenig  Wasser  aufgeschwemmt,  in  der  allgemein ­
  üblichen  Weise  unter  dem  Mikroskop^  untersucht.  Über  besondere  Verfahren
für  die  Untersuchung  der  Diatomeen  und  Protozoen  vergleiche  man  die  Angaben ­
  bei  Mez.
5.  Die  in  Trink-  und  Gebniuchswässern  verkommenden  Lebewesen  und  unbelebten ­
  Stoffe  und  die  Beurteilung  der  Wässer  nach  ihnen.  Bei  der  Beurteilung
der  Trink-  und  Gebrauchswässer  interessiert  besonders  die  Frage,  ob  sie  durch
Fäkalienabflüsse  oder  Hausabwässer  verunreinigt  sind  oder  ob  eine  Gefahr  der  Verunreinigung ­
  durch  Verbindung  mit  der  Erdoberfläche  vorliegt.
Aus  den  Befunden  der  mikroskopischen  und  biologischen  Untersuchung  lassen
sich  nach  dieser  Dichtung  hin  folgende  Schlüsse  ziehen,  wobei  wir  uns  im  wesentlichen ­
  den  Angaben  von  Mez  anschließen:
Unbelebte  Stoffe.  Auf  eine  Verunreinigung  mit  Fäkalien  deuten  Fäkalreste, ­
  mikroskopisch  kleine  Papier-  und  Strohreste,  auf  eine  solche  durch  Hausabwässer ­
  Ultramarin,  Kaffeesatz,  Reste  von  Kartoffelschalen,  allerlei  Textilfasern  hin;
Reste  größerer  Tiere,  Haare  (z.  B.  von  Ratten)  u.  a.  lassen  auf  Zugänge  von  der
Oberfläche  schließen.
Belebte  Wesen.  Von  direkt  schädlichen  Lebewesen  seien,  abgesehen
von  den  hier  nicht  zu  behandelnden  pathogenen  Bakterien,  einige  tierische  Parasiten
erwähnt.  Es  sind  dies  der  Spulwurm  (Ascaris  lumbricoides  L.),  der  Madenwurm
(Oxyuris  vermicularis  L.)  und  der  Peitschenwurm  (Trichocephalus  dispar  Bud.).
Außerdem  kommt  in  kleinen  Wasserschnecken  (Limnaeus-Ärten)  der  Larvenzustand
des  Leberegels  (Distomum  hepaticum),  des  Erregers  der  Leberfäule  der  Schafe  vor.
Für  die  Verunreinigung  der  Trink-  und  Gebrauchswässer  durch  Fäkalabflüsse ­
  bezeichnet  Mez  u.  a.  folgende  Pilze  als  typische  Leitorganismen:  Bacterium
coli,  B.  alcaligenes,  B.  cloacae  (wohl  identisch  mit  B.  vitulinum  L.  et  N.),  B.  aerogenes,
Harnstoffbakterien,  von  der  Gattung  Vibrio  (Microspira)  die  Arten  V.  aureus,  flavus,
flavescens,  albensis,  terrigenus  u.  a.,  von  höheren  Pilzen  u.  a.  Oospora  nivea
Sacc.  et  Vogl.,  Pilobolus  crystallinus  Tode,  Sporodesmium  echinulatum  Speg.,  mehrere
Arten  der  Gattung  Stilbum  u.  a.  Nach  Mez  macht  schon  das  Vorkommen  einer
dieser  Arten  im  Wasser  eine  Verunreinigung  durch  Fäkalien  wahrscheinlich,  das
von  mehreren  (4—5)  sicher.  Betreffs  des  als  besonders  typisch  angesehenen
Bacterium  coli  und  seiner  Verwandten  geben  allerdings  manche  Autoren  an,  daß  es
ein  überall  vorkommender  Pilz  sei;  andererseits  ist  durch  genaue  Untersuchungen
aber  nachgewiesen,  daß  es  im  reinen  Wasser  meist  fehlt.  Man  darf  bei  solchen
Untersuchungen  nicht  vergessen,  daß  besonders  in  belebten  Gegenden  die  Luft  wohl
stets  auch  Staub  von  Fäkalien  enthält.
Für  Verschmutzung  durch  Hauswässer  sind  nach  Mez  typisch  u.  a.  folgende ­
  Pilzarten;  Bacterium  termo 1 )  (B.  vulgare  L.  et  N.),  B.  pyocyaneum,  B.  Güntheri,
B.  vernicosum,  B.  syncyaneum,  B.  pituitosum,  Essigsäurebakterien,  Bacillus  aureus,
B.  flexilis,  B.  Flüggeanus,  B.  laevis,  B.  tenuis,  B.  saprogenes,  Micrococcus  aureus,
M.  albicans,  Microspira  lingualis  und  viele  andere  Bakterienarten,  von  höheren
Pilzen  Fusarium,  Monilia  sitophila,  Mucor  racemosus,  Oospora-Arten,  Trichothecium
domesticum,  Saccharomyces-,  Mycoderma-,  Torula-Arten,  von  Algen  die  zu  den
Nostocaceen  gehörenden  Arten  der  Gattung  Oscillatoria,  von  Tieren  die  Rhizopoden
Amoeba  brachiata  und  Platoum  stercoreum.  In  Wässern,  die  mit  Hausabwässern  ver1 ­
 )  Betreffs  der  von  Mez  angewendeten,  von  anderen  Handbüchern  etwas  abweichenden
Nomenklatur  muß  man  das  Nähere  in  seinem  Handbuch  selbst  nachschlagen.
        <pb n="862" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

841

unreinigt  sind,  kommen  nach  Mez  stets  eine  ganze  Eeihe  dieser  und  anderer
Arten  vor.

Fig.  308.  Pflanzliche  und  tierische  Lebewesen  aus  Wasser,  das  mit  Fäkalien  oder
Hausabwässern  verunreinigt  ist.  (Die  eingeklammerten  Zahlen  bedeuten  die  Vergrößerung.)
a  Pilobolus  Oedipus  Mont.  (50),  b  Oospora  lactis  Sacc.  (150),  c  Myxotrichum  chartarum  Kze.  (200),  d  Stilbum
erythrocephalum  Ditm.  (50),  e  Mucor  racemosus  Fres.  (100),  f  Fusarium  aquaeductum  Lagerh.  (800),
g  Oscillatoria  clavatum  Mez  (150),  h  O.  membranacea  Mez  (150),  i  O.  antliaria  JÖrgens  (150),  k  Amoeba
verrucosa  Ehbg.  (200),  1  Platoum  stercoreum  denk  (350).  Nach  Mez.

Ob  für  ein  noch  nicht  verschmutztes  Wasser  die  Gefahr  einer  Verunreinigung
durch  vorhandene  Verbindungen  mit  der  Oberfläche  besteht,  dafür  ist  nach  Mez
besonders  der  Nachweis  von  grünen  Algen  von  Bedeutung,  da  diese  in  jedem  Oberflächenwasser ­
  Vorkommen  und  sich  auch  in  luftdichten  Brunnen  immerhin  einige
Zeit  lebend  erhalten,  wenn  sie  sich  dort  auch  nicht  vermehren.
        <pb n="863" />
        842

Trinkwasser.

\

Fig.  309.  Tierische  Organismen  aus  Brunnenwasser,  in  dem  Fäulnisvorgänge  verlaufen,  ohne  daß
eine  Verschmutzung  von  außen  erfolgt  ist.
a  Paramaecium  Aurelia  (150),  b  P.  putrinum  (300),  c  Oxytricha  Pellionella  (200),  d  Chilodon  cucullus  (200),
e  Euplotes  Charon  (300),  f  Glaucoma  scintillans  (250),  g  Vorticella  microstoma  (200),  h  Colpoda  cucullus
(250),  i  Enchelys  arcuata  (150),  k  Cyclidium  glaucoma  (250),  1  Nassula  ornata  (150),  m  Urostyla  grandis
(200),  n  Monas  lens  (350),  o  Peranema  trlchophorum  (350),  p  Bodo  globosus  (1500),  q  Antophysa  vegetans,
r  dieselbe  (400).
        <pb n="864" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

843

Fig.  310.  Faden  von  Crenothrlx
mit  differenzierter  Scheide  and
Gliedern.

Fig.  311.  Crenothrix  polyspora  (nach  Zopf).  Änskeimung  der  Konidien  aus  dem  geschlossenen
Sporanglum.
        <pb n="865" />
        844

Trink  wasser.

Auch  etwaige  Fäulnisvorgänge,  die  unabhängig  von  einer  von  außen  stattfindenden ­
  Verschmutzung  in  Brunnen  verlaufen  und  auf  den  Geruch  und  Geschmack
des  Wassers  unvorteilhaft  einwirken,  lassen  sich  durch  den  Nachweis  gewisser  Lebewesen ­
  mit  Sicherheit  erkennen  und  ihrem  Wesen  nach  aufklären.  So  ist  die  Schwefelbakterie ­
  Beggiatoa  alba  der  sicherste  Indikator  für  Schwefelwasserstoff.  Merkliche
Fäulnisvorgänge  gehen  stets  Hand  in  Hand  mit  einer  hohen  Bakterienzahl  und
Anhäufung  von  Protozoen.  Nach  Mez  lassen  auf  Geschmacksfehler  u.  a.  stets
folgende  Arten  schließen;  Von  Pilzen  alle  Beggiatoa-  und  Spirillum-Arten,  von
Ehizopoden  Amoeba  verrucosa,  Hyalodiscus  guttulata  und  limax,  von  Flagellaten
Monas  guttulata,  vivipara,  vulgaris,  sämtliche  Bodo-Ärten,  Anthophysa  vegetans,
von  Ciliaten  Paramaecium  Aurelia,  caudatum,  putrinum  und  viele  andere.
Außerordentlich  wichtig  ist  der  rechtzeitige  Nachweis  der  sog.  Eisenbakterien ­
  im  Wasser,  da  diese  nicht  nur  durch  Ausscheidung  roter  Flocken  das
Wasser  unappetitlich  machen,  sondern  auch  durch  mächtige  Wucherungen  Röhren
verstopfen  können.  Wo  Wasser  mit  einem  Gehalt  von  Ferrokarbonat  mit  der  Luft
in  Berührung  tritt,  entwickelt  sich  in  ihm  bald  eine  Vegetation  dieser  Eisenbakterien.
Diese  Bakterien  führen  ihren  Namen  deshalb,  weil  sie  Eisenoxyd,  in  höherem  Grade
aber  noch  Manganoxyd  und  nach  Angaben  von  Jackson 1 )  zuweilen  auch  Aluminiumoxyd ­
  in  den  Membranen  aufspeichern.
Der  wichtigste  dieser  Pilze  ist  Crenothrix  polyspora  Cohen,  der  in  Brunnen
auf  dem  Grunde  in  zottigen  Vegetationen  vorkommt,  die  graubraun  bis  schwarz
gefärbt  sind,  im  ersteren  Falle  meist  auch  noch  grauweiße  Flocken  enthalten.
Letztere  bestehen  aus  zarten  farblosen  Fäden,  die  braunen  bis  schwarzen  Massen
aus  braun  oder  schwarz  gefärbten  Fäden  oder  leeren  Scheiden  (s.  u.)  von  außerordentlicher ­
  Dicke.  Über  die  Entwickelung  dieses  wichtigen  Pilzes  sei  nach  Zopf
folgendes  mitgeteilt:
Die  Sporen  (Konidien)  der  Crenothrix  polyspora,  von  größter  Kleinheit,  werden
umschlossen  von  einer  zarten  Membran,  welche  später  durch  Quellung  in  einen
Gallertmantel  übergeht.  Darauf  findet  ein  Anwachsen  dieser  Sporen  zu  gegliederten
Fäden  statt,  indem  sich  durch  Einschnürung  zunächst  2,  dann  4  vegetative  Zellen
bilden;  durch  hierauf  eintretende  Streckung  der  Glieder  und  weitere  Zweiteilung
derselben  verlängern  sich  solche  Fäden  allmählich.  Gleichzeitig  differenzieren  sich
die  Seitenwände  der  einzelnen  Glieder  in  2  Lamellen,  von  denen  die  innere  ein
Bestandteil  des  Gliedes  bleibt,  während  die  äußere  zu  einer  Scheide  sich  abgrenzt
(vergl.  Fig.  310,  S.  843).
Durch  Heraustreten  der  einzelnen  Glieder  aus  der  Scheide,  welche  letztere  die
Eigenschaft  besitzt,  zu  vergallerten,  erlangt  jede  einzelne  Zelle  die  Fähigkeit,  ebenso
wie  die  Sporen  sich  durch  weitere  Teilung  zu  vermehren.  Nicht  selten  tritt  der
Fall  ein,  daß  sich  die  vegetativen  Gliederfäden  auch  schon  aus  den  Konidien  entwickeln, ­
  bevor  dieselben  ihren  Fruchtbehälter,  das  Sporangium,  verlassen  haben.
Die  jungen  Fäden  durchbrechen  hierbei  die  meist  schon  gallertartig  gewordene
Membran,  um  in  das  umgebende  Wasser  hineinzu  wachsen.  Da  der  Auskeimungsvorgang ­
  meist  an  ganzen  Gruppen  dicht  gelagerter  Konidien  stattfindet,  so  bilden
sich  in  der  Regel  große  Fadenbüschel,  welche  die  verschiedenen  Alterszustände  mit
ihren  wechselnden  Dickenverhältnissen  aufweisen.
Nicht  unter  allen  Verhältnissen  führt  die  Auskeimung  der  Konidie  zur  unmittelbaren ­
  Bildung  vegetativer  Fäden.  Unter  gewissen  Ernährungsbedingungen
Q  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  656.
        <pb n="866" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

845

Fig.  312.  Eine  Palm  eilen  -
Kolonie  von  Crenothrix  zur
Faden-Kolonie  ausgekeimt.

gefärbter  Crenothrixfaden,
scheinbar  verzweigt.

Fig.  313.  Bruchstück  eines
alten,  durch  Eisen  braun  gefärbten ­
  Crenothrixfadens.

Fig.  315.  a  scheinbar  ungegliedert  durch
eingelagertes  Eisen,  b  derselbe
Faden  nach  Behandeln  mit  Salzsäure.

Fig.  316.  In  Teilung
befindlicher  Crenothrixfaden ­
  mit  Bildung  von
Konidien.
        <pb n="867" />
        846

Trinkwasser.

findet  zunächst  eine  Zweiteilung  der  Konidie  statt,  von  denen  jede  durch  wiederholte ­
  Teilung  Tochterzellen  bildet,  welche  in  hezug  auf  Form,  Größe  und  sonstige
Beschaffenheit  die  vollste  Übereinstimmung  mit  der  Konidie  besitzen.
Diese  den  verschiedensten  Generationen  angehörenden  Sporen  nehmen,  eingebettet ­
  in  eine  gemeinsame  Gallerthülle,  oft  eine  ziemlich  bedeutende  Ausdehnung  an.
Der  Ähnlichkeit  wegen,  welche  diese  Gallertkolonien  mit  den  Entwickelungsstufen ­
  der  Palmellaceen  zeigen,  werden  diese  Formen  Palmellenzustände  bezeichnet.
Werden  die  Gallertkolonien  in  einem  Tropfen  Wasser  kultiviert,  so  vermag  jede
Spore  zu  einem  vegetativen  Faden  auszukeimen,  so  daß  büschel-  und  rasenartige
Vegetationsformen  daraus  entstehen.
Die  Scheiden  der  älteren  Fäden  lagern  Eisenoxyd  und  Manganoxyd  ein,  und
zwar  anscheinend  mit  Vorliebe  letzteres,  '  selbst  wenn  der  Gehalt  des  Wassers  an
Mangan  geringer  als  der  an  Eisen  ist.  Nach  Untersuchungen  von  Beythien,
Hempel  und  Kraft 1 )  verhält  sich  die  Menge  des  Eisens  zum  Mangan  in  den
Scheiden  wie  1:4  bis  1:11.
Durch  sehr  vorsichtige  Anwendung  von  verdünnter  Salzsäure  gelingt  es,  aus
solchen  Scheiden  das  Eisen  zu  lösen,  so  daß  nunmehr  die  Struktur  des  Crenothrixfadens
  wieder  deutlich  sichtbar  wird.  Daß  auch  die  farblosen  Fäden  bereits  etwas
Eisen  enthalten,  läßt  sich  durch  Behandlung  mit  Salzsäure  und  Ferrocyankalium
leicht  nachweisen.
Beim  Ahsterhen  des  Crenothrixfadens  entstehen  oft  an  den  Gliederstellen  stark
eingedrückte  Partien  von  rosenkranzartigen  Formen,  welche  indes  keine  besondere
Bedeutung  für  das  Leben  der  Pflanzen  zu  haben  scheinen.
Die  vegetativen  Gliederfäden  vermögen  sich  zu  etwas  höher  ausgebildeten
Fäden  zu  entwickeln,  die  schließlich  das  Merkmal  einer  Art  Fruktifikation  annehmen. ­
  Durch  Querwände  teilen  sich  die  Gliederzellen  zunächst  in  mehr  oder
minder  niedrige  Scheiben,  vertikal  zu  diesen,  also  parallel  zur  Achse  des  Fadens
tritt  sekundäre  Teilung  ein,  worauf  die  abgeschnürten  Teile  durch  Abrundung
kuglige  oder  sphärische  Gestalt  annehmen  (s.  Fig.  316,  S.  845).
Dieser  Entwickelungsabschnitt  stellt  die  Bildung  der  Konidien  dar,  welche
nunmehr  in  der  vorhin  beschriebenen  2-fachen  Weise  imstande  sind,  entweder  durch
Palmellenbildung  oder  durch  direkte  Fadenbildung  zu  neuen  Pflanzen  auszuwachsen.
Eine  andere  in  Brunnen  nicht  seltene  Eisenbakterie,  die  sich  von  Crenothrix
durch  die  Bildung  dichotom  oder  unregelmäßig  verzweigter  Fäden  unterscheidet,  hat
Schorlen 1  2 )  als  Clonothrix  fusca  beschrieben.  Alle  Angaben  darüber,  daß  Cladothrix
  zu  den  Eisenbakterien  gehöre,  dürften  auf  diese  Art  zurückzuführen  sein.
Ein  dritter  wichtiger  Eisenpilz  ist  Chlamydothrix  (Gallionella)  ferruginea
  (Ehrbg.)  Mig.,  der  überall  an  Eisenteilen,  die  im  Dunkeln  im  Wasser  rosten,
vorkommt.  Beythien 3  4 )  beschreibt  einen  Fall,  in  dem  sich  dieser  Pilz  in  den
eisernen  Leitungsröhren  einer  mit  eisenfreiem  Quellwasser  gespeisten  Wasserleitung
angesiedelt  hatte  und  das  Wasser  verdarb.  Adler 1 )  hat  diese  Art  auch  in  therapeutischen ­
  Eisenwässern  gefunden.  Dieselbe  bildet  braune  Fäden,  in  denen  auch
nach  Behandlung  mit  Salzsäure  keine  Struktur  zu  erkennen  ist.  Die  Fäden  sind
entweder  unregelmäßig  gewunden  und  liegen  einzeln  oder  zu  Flocken  vereinigt,  oder
1 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  215.
2 )  Gentralbl.  f.  Bakteriol.  II.  1904,  12,  681.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  9,  530.
4 )  Gentralbl.  f.  Bakteriol.  II.  1903,  11,  215.
        <pb n="868" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

847

sie  erscheinen  als  feine,  aus  einzelnen  Gliedern  zusammengesetzte  Ketten,  die  etwa
doppelt  so  dick  wie  die  einfachen  Fäden  sind.  Mit  stärkeren  Vergrößerungen  erkennt ­
  man,  daß  diese  scheinbaren  Ketten  Schrauben  sind,  die  aus  zwei  eng  verschlungenen ­
  Fäden  gebildet  werden.
Auch  unter  den  Tieren  gibt  es  Eisen  und  Mangan  speichernde  Arten.  Hier
interessiert  nur  die  schon  oben  erwähnte  Flagellate  Antophysa  vegetans,  die  in
Brunnen  und  in  medizinischen  Eisenwässern  vorkommt.
Anforderungen  an  ein  Trinkwasser  und  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung. 1 )
A.  In  physikalischer  und  chemischer  Hinsicht.
1.  Das  Wasser  soll  klar,  farblos  und  geruchlos  sein  und  keinen  fremdartigen ­
  Beigeschmack  besitzen.
Die  Temperatur  des  Wassers  soll  für  unsere  Verhältnisse  etwa  der  mittleren
Jahrestemperatur  entsprechen,  möglichst  beständig  sein  und  tunlichst  12°  nicht  übersteigen.
Das  Wasser  soll  weiter  während  24  Stunden  keinen  nennenswerten  Bodensatz
liefern.
An  diesen  Anforderungen  kann  man  jedoch  nicht  unter  allen  Umständen  streng
festhalten.
Geringes  Opalisieren  des  Wassers,  ja  auch  geringe  Trübungen  eines  Grundwassers,
wie  solche  unter  besonderen  Umständen  durch  Ton  oder  Eisenoxyd  in  der  Schwebe  bedingt
sind,  geben  bei  sonst  guter  Beschaffenheit,  und  wenn  anderes  Wasser  nicht  zu  erhalten  ist,
zu  einer  Beanstandung  keinen  Anlaß.  Hieraus  folgt  weiter,  daß  man  auch  hinsichtlich
des  Bodensatzes  unter  Umständen  Zugeständnisse  machen  muß.
Unbedingte  Farblosigkeit  ist  nicht  immer  zu  beanspruchen,  denn  bei  Tiefbrunnen
(artesischen  Brunnen),  welche  Wasser  aus  einer  Braunkohlenformation  zuführen,  oder  bei
Brunnen  in  Moorgegenden  kann  gelbliche  Färbung  bei  sonst  einwandfreier  Beschaffenheit
Vorkommen.  Weun  solches  Wasser  auch  einen  geringen  Gehalt  an  Schwefelwasserstoff  und
Eisen  aufweist,  so  muß  es  dann  für  die  Zwecke  der  Wasserversorgung  eines  Gemeinwesens
beanstandet  werden,  nicht  aus  gesundheitlichen,  sondern  aus  technischen  Gründen  und  in
Eücksicht  auf  Wohlgescmaok  und  Aussehen;  in  dem  Einzelfalle  darf  es  aber  unbeanstandet
gelassen  werden.
Bei  Versorgung  größerer  Gemeinwesen  durch  Grundwasser  entspricht  gewöhnlich  das
Wasser  am  Entnahmeort  der  Anforderung  bezüglich  der  Temperatur,  jedoch  zeigt  das  Gesamtwasser ­
  und  vor  allem  das  Wasser  der  einzelnen  Hausleitungen  häufig  bedeutend  höhere
Temperaturgrade.  Bei  Versorgung  mit  Oberflächenwasser  sind  höhere  Temperaturen  und
Schwankungen  derselben  unvermeidlich.
Die  Schwebestoffe  eines  Wassers  sucht  man  durch  geeignete  Filter  zu  entfernen.
Im  großen  sind  Filter  vorwiegend  aus  Kies,  Sand  oder  porösem  Sandstein  oder  künstlich
hergestellten  Filtersteinen,  im  kleinen  solche  aus  Kohle,  Eisenoxydgrus,  Kieselgur,  Asbest
in  der  verschiedensten  Form,  poröse  Porzellanrohre  usw.  in  Gebrauch.  Jedoch  können  nur
gemeinsame,  große  Filter  empfohlen  werden.
2.  Die  Gesamtmenge  der  gelösten  Bestandteile  eines  Wassers  wird  abhängig
sein  von  den  Bodenverhältnissen,  aus  welchen  das  betreffende  Wasser  stammt;  sie  hat  daher
nur  einen  unterrichtenden  Wert.  Wichtiger  für  die  Beurteilung  ist  die  Kenntnis,  aus
welchen  Bestandteilen  sie  sich  zusammensetzt;  wird  beispielsweise  das  Gewicht  des  Abdampfrückstaudes
  im  wesentlichen  durch  die  Menge  der  Kalksalze  herbeigeführt,  so  wird
die  Beurteilung  sich  der  über  die  Härte  des  Wassers  anschließen,  oder  sind  Salze  in  solcher
Masse  vertreten,  daß  sie  den  Geschmack  des  Wassers  beeinflussen,  so  daß  es  die  Eigenart
eines  Mineralwassers  annimmt,  so  bildet  die  Kenntnis  des  Rückstandes  eine  Ergänzung  des
Befundes  der  Geschmacksprüfung.
x )  Nach  den  Vereinbarungen  zur  einheitl.  Untersuchung  und  Beurteilung  von  Nahrungsu.
  Genußmitten  f.  d.  Deutsche  Reich.  Berlin  1899,  II,  170.
        <pb n="869" />
        848

Trinkwasser.

In  dieser  Hinsicht  wird  immer  der  Abdampfrückstand  im  Zusammenhang  mit  den  im
Gewichte  am  stärksten  vertretenen  Bestandteilen  des  Wassers  besprochen  werden  müssen;
durch  organische  Stoffe  soll  der  Abdampfrückstand  eines  Wassers  bei  guter  Beschaffenheit
nicht  wesentlich  gefärbt  sein,  vor  allem  aber  darf  er  sich  bei  dem  Erhitzen  nicht  schwärzen.
Für  die  Zwecke  der  Wasserversorgung  eines  Gemeinwesens  dürfte,  wenn  eine  Auswahl
zwischen  verschiedenen  Wässern  vorhanden  ist,  ein  an  gelösten  Bestandteilen  ärmeres  Wasser
immer  vorzuziehen  sein.
3.  Der  Permanganatverbrauch  muß  stets  nach  einheitlichem  Verfahren  bestimmt
werden.  Derselbe  liefert  einen  Wert,  welcher  alle  oxydierbaren  Bestandteile  des  Wassers
umfaßt  und  dabei  den  Gehalt  an  gelösten  organischen  Bestandteilen  desselben  nur  teilweise
zum  Ausdruck  bringt.
Zur  Wasserbeurteilung  dürfte  der  Permanganatverbrauch  nur  insoweit  in  Betracht
zu  ziehen  sein,  als  er  auch  wirklich  auf  Rechnung  der  gelösten  organischen  Stoffe  zu  setzen
ist.  Aber  auch  in  diesem  Sinne  ist  der  Permauganatverbrauch  eines  Wassers  zur  Beurteilung
nur  insofern  heranzuziehen,  als  er  in  Vergleich  gestellt  wird  mit  Ergebnissen  von  Wasser
gleicher  Herkunft  an  Stellen,  wo  dieses  noch  seine  natürliche  Beschaffenheit  bewahrt
hat.  Zuweilen  wird  dann  ein  höherer  Permanganatverbrauch  andere  Untersuchungsergebnisse, ­
  welche  auf  eine  Verunreinigung  schließen  lassen,  stützen;  dies  kann  jedoch  bei
der  Verschiedenartigkeit  der  organischen  Stoffe  und  ihrem  wechselnden  Verhalten  zum
Permanganat  nicht  immer  zutreffen.
4.  Die  Stickstoffverbiudungen  anlangend,  so  pflegen  in  einem  Wasser  von
natürlicher  Reinheit  Ammoniak,  salpetrige  Säure  und  eiweißartige  Verbindungen  nicht,
Salpetersäure  nur  in  geringen  Mengen  vorzukommen.
a)  Das  etwa  vorhandene  Ammoniak  ist  in  der  Regel  ein  Erzeugnis  der  Fäulnis
und  als  solches  in  einem  Wässer  bedenklich.  Die  Menge  des  im  Eegenwasser  vorkommenden
Ammoniaks  ist  nur  sehr  gering  und  kommt  auch  insofern  nicht  in  Betracht,  als  es  durchweg
bei  der  Filtration  durch  den  Boden  alsbald  in  Salpetersäure  übergeführt  wird.
Bei  Tiefbrunnen,  welche  geringe  Mengen  von  Eisen,  reichliche  Mengen  gelöster
organischer  Stoffe  enthalten  und  niedrige  Keimzahlen  aufweisen,  kommen  mitunter  geringe
Mengen  Ammoniak  vor,  welches  dann,  weil  durch  Reduktion  von  Salpetersäure  entstanden,
für  das  Wasser  als  nicht  belastend  aufgefaßt  werden  darf  und  daher  nicht  zu  beanstanden  ist.
Rührt  das  Ammoniak  von  mineralischen  Verunreinigungen,  z.  B.  von  Ammoniakfabriken, ­
  Gasometer-Wasser,  Ammoniak-Sodafabriken  oder  dergleichen  Quellen  her,  so  wird
man  in  dem  Wasser  neben  dem  Ammoniak  noch  sonstige  eigenartige  Bestandteile  des
verunreinigenden  Abwassers  finden.
b)  Die  salpetrige  Säure  in  einem  Wasser  rührt  entweder  von  einer  Reduktion
der  Salpetersäure  oder  von  einer  unvollständigen  Oxydation  des  Ammoniaks  her.  Ihr  Vorkommen ­
  zeigt  daher  stets  an,  daß  es  dem  Wasser  oder  den  Bodenschichten,  welche  das
Wasser  durchfließt,  an  genügendem  Sauerstoffzutritt  fehlt,  und  erscheint  in  solchem  Palle
die  Annahme  gerechtfertigt,  daß  das  Wasser  bezw.  der  Boden  etwaige  Verunreinigungen
durch  Abfallstoffe  nicht  mit  Sicherheit  unschädlich  machen  kann.
c)  Noch  bedenklicher  als  Ammoniak  und  salpetrige  Säure  ist  das  sog.  Albuminoid-Ammoniak,
  weil  dasselbe  das  Vorhandensein  leicht  zersetzungsfähiger  organischer  Stoffe
anzeigt.
d)  Findet  sich  in  einem  Wasser  als  Stickstoffverbindung  nur  Salpetersäure,  so
ist  dadurch  eine  vollständige  Oxydation  der  Stickstoffverbindungen  erwiesen.  Kommt  dieselbe ­
  aber  in  größeren  Mengen  vor,  besonders  gleichzeitig  neben  viel  organischen
Stoffen  (Permanganatverbrauch),  Chloriden,  Sulfaten,  besonders  Kalisalzen  und
Bakterien,  so  läßt  das  auf  eine  direkte  oder  indirekte  Verunreinigung  durch  menschliche
oder  tierische  Abfallstoffe  schließen,  und  bleibt  dann  zu  erwägen,  ob  die  vollständige
Oxydation  und  mit  ihr  ein  zuverlässiger  Reinigungsvorgang  beständig  und  von  Dauer
sein  wird.
Zur  Beurteilung  dieser  Verhältnisse  muß  man  auch  hier  die  Beschaffenheit  des
fraglichen  Wassers  mit  der  des  unbeeinflußten  natürlichen  Grundwassers  der  betreffenden,
Gegend  oder  des  Ortes  in  Vergleich  ziehen.
        <pb n="870" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

849

In  Oberfläohenwasser  ist  die  Gegenwart  von  Ammoniak,  salpetriger  Säure  und
Salpetersäure  auf  ähnliche  Vorgänge  wie  im  Grundwasser  zurückzuführen,  nämlich  auf
die  Zersetzung  stickstoffhaltiger  Stoffe  durch  Mikroorganismen  und  darauf  folgende  Oxydation,
und  ist  sinngemäß  zu  beurteilen.  Wird  jedoch  das  Oberflächenwasser  einer  Reinigung
durch  künstliche  Filtration  unterzogen,  so  sind  die  erwähnten  drei  ersten  Stickstoffverbindungen
  von  geringem  Belang  für  eine  etwaige  schädliche  Wirkung,  da  die  eigentlich
schädlichen  Stoffe,  die  pathogenen  Keime,  durch  die  Filter  zurückgehalten  werden.  Immerhin ­
  aber  ist  ein  solches  Wasser  kein  geeignetes  Trinkwasser.
Bei  übersandten  Proben  ist  mit  der  Möglichkeit  zu  rechnen,  daß  sich  salpetrige  Säure
durch  Eeduktionswirkung  gebildet  haben  kann,  wie  umgekehrt  nachträgliche  Oxydationsvorgänge ­
  das  Bild  verändern  können.
5.  Die  Chlorverbindungen  rühren  im  Wasser  zum  Teil  aus  den  natürlichen
Bodenschichten  her;  in  diesem  Falle  sind  sie  für  die  Beurteilung  nur  dann  von  Belang,
wenn  sie  in  solcher  Menge  vertreten  sind,  daß  sie  den  Geschmack  des  Wassers  beeinflussen.
Sie  können  aber  auch  aus  Abfallstoffen  bedenklicher  Art  herstammen;  der  menschliche  und
tierische  Harn,  die  Abwässer  des  Haushalts  und  der  Küche  sind  reich  an  Chlornatrium.
Besteht  letzterer  Verdacht,  so  wird  der  Chlorgehalt  des  Wassers  in  Zusammenhang  mit
anderen  ermittelten  Bestandteilen,  welche  auf  derartige  Verunreinigungen  deuten,  wie
Ammoniak,  salpetrige  Säure,  verhältnismäßig  große  Mengen  von  Salpetersäure,  zu  prüfen
sein;  hier  werden  insbesondere  die  Berücksichtigung  der  örtlichen  Verhältnisse  und  der
Vergleich  des  Wassers  mit  einem  bestimmt  reinen  Wasser  gleicher  Herkunft  die  Beweisführung ­
  erleichtern.
6.  Die  Schwefelsäure  tritt  zunächst  in  der  Verbindung  als  Gips  auf  und  gibt
hierdurch  Aufschluß  über  die  geologischen  Verhältnisse  der  Bodenschichten;  in  den  Braunkohlen- ­
  und  ähnlichen  Formationen  ist  sie  oft  das  Oxydationserzeugnis  schwefelhaltiger
Verbindungen.  In  ersterem  Falle  beeinflußt  sie  die  bleibende  Härte  des  Wassers  und  ist
mit  dieser  zu  beurteilen.
7.  Die  Kohlensäure  in  festgebuudener  Form  ist  für  die  hygienische  Beurteilung
ohne  Belang;  von  Wichtigkeit  ist  nur  die  Ermittelung  der  freien  Kohlensäure,  Der
Befund  der  halbgebundenen  Kohlensäure  kann  als  Kontrolle  dienen  für  die  Bestimmung
der  vorübergehenden  Härte,  welche  letztere  dadurch  bedingt  ist,  daß  diese  Säure  aus  ihren
Verbindungen  mit  Kalk  und  Magnesia  als  solche  bei  der  Siedehitze  entweicht,  worauf  entsprechende ­
  Mengen  dieser  Basen  als  Monokarbonate  ausfallen.  Die  freie  Kohlensäure  verleiht ­
  dem  Wasser  einen  erfrischenden  Geschmack;  doch  ist  ihre  Anwesenheit  nicht  erforderlich, ­
  da  diese  Eigenschaft  auch  den  Bikarbonaten  zukommt;  im  Gegenteil  kann  sie  dadurch,
daß  sie  bei  gleichzeitiger  Anwesenheit  von  Sauerstoff  bleilösend  wirkt,  nachteilig  sein. 1 )
8.  Phosphorsäure  ist  für  gewöhnlich  in  einem  Trinkwasser  nicht  enthalten;  ihr
Vorkommen  deutet  immer  auf  eine  Verunreinigung  durch  menschliche  oder  tierische  Abgänge ­
  hin  und  ist  daher  ein  Phosphorsäure  enthaltendes  Wasser  zu  beanstanden.
9.  Schwefelwasserstoff  soll  in  einem  für  Genußzwecke  bestimmten  Wasser  nicht
vorhanden  sein,  höchstens  kann  man  in  Einzelfällen  bei  Tiefbrunnen  Spuren  unbeanstandet
lassen,  wenn  dieses  Gas  im  natürlichen  Boden  durch  Reduktion  von  Sulfaten  entstanden  ist.
Durch  Lüftung  ist  es  dann  leicht  zu  beseitigen.
10.  Kieselsäure,  Tonerde  und  Eisen  geben  Aufschluß  über  die  Art  der  Bodenschichten, ­
  mit  welchen  das  Wasser  in  Berührung  gestanden  hat.  Von  besonderer  Bedeutung
ist  nur  das  Bisen.  Wie  bereits  oben  angedeutet  wurde,  gibt  ein  geringer  Eisengehalt  im
Einzelfalle  zu  einer  Beanstandung  keine  Veranlassung,  dagegen  hat  die  Verwendung  eines
Wassers,  welches  sich  bei  dem  Aufbewahren  in  nicht  ganz  gefüllter  Flasche  unter  öfterem
Schütteln  und  Lüften  nach  48  Stunden  trübt,  für  Leitungszwecke  ihre  Bedenken,  da  in
einem  solchen  Wasser  z.  B.  Crenothrix  polyspora  gedeiht  und  zu  Verstopfungen  des  Rohrnetzes ­
  führen  kann  (vergl.  S.  844).
9  Man  sucht  die  freie  Kohlensäure  durch  Zusatz  von  Natriumkarbonat  oder  dadurch
zu  beseitigen,  daß  man  das  Wasser  durch  Galoiumkarbonat  (Kalksteingrus)  filtriert.  Andererseits ­
  soll  der  Luftzutritt  in  die  Leitungsrohre  tunlichst  verhindert  werden.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

54
        <pb n="871" />
        850

Triukwasser.

Der  Eisengehalt  eines  Wassers  läßt  sich  leicht  durch  Lüftung  und  Filtration
auf  eine  nicht  mehr  in  Betracht  kommende  Menge  verringern.
Mangan  kommt  nur  selten  und  dann  auch  nur  in  sehr  geringen  Mengen  im  Trinkwasser ­
  vor.
Es  wird  demselben  eine  ähnliche  Bedeutung  in  bezug  auf  Wachstumsbeförderung
von  Algen  zugeschrieben,  wie  dem  Eisen.  Im  Einzelfalle  dürfte  das  Vorhandensein  sehr
geringer  Mengen  zu  einer  Beanstandung  keine  Veranlassung  geben.
11.  Die  Beurteilung  eines  Wassers  hinsichtlich  des  Gehaltes  an  Kalk  und  Magnesia
wird  am  einfachsten,  wenn  man  sich  auf  die  berechneten  Härtegrade  stützt.  Bei  gemeinsamen ­
  Wasserversorgungsanlagen  ist  ein  Wasser  von  mittlerer  Härte  einem  solchen  von
hoher  Härte  vorzuziehen.  Gesundheitliche  Bedenken  stehen  der  Verwendung  eines  harten
und  auch  sehr  harten  Wassers  in  der  Hegel  nicht  im  Wege,  wohl  aber  machen  sich  bei
Verwendung  eines  solchen  Übelstände  für  den  Gebrauch  im  Haushalte,  beim  Kochen,
Waschen  usw.  fühlbar.  Es  dürfte  daher  stets  geraten  sein,  auf  das  Eintreten  letzterer
Übelstände  mindestens  aufmerksam  zu  machen,  wenn  sich  die  Gesamthärte,  in  deutschen
Härtegraden  ausgedrückt,  10—15  nähert.
Im  Einzelfalle  dürften  keine  gesundheitlichen  Bedenken  zu  hegen  sein,  auch  Wasser
mit  noch  mehr  als  30  Härtegraden  —  es  sind  sogar  Leitungswässer  mit  über  50  deutschen
Härtegraden  im  Gebrauch  —  zuzulassen,  da  die  Erfahrung  lehrt,  daß  diese  von  den  regelmäßigen ­
  Verbrauchern  gut  vertragen  werden,  wenn  sie  auch  für  die  an  Wasser  anderer
Beschaffenheit  Gewöhnten  nicht  gleich  bekömmlich  sind.
12.  Die  Alkalimetalle  sind  für  die  Beurteilung  von  Wichtigkeit,  wenn  man  ihre
Herkunft  nicht  auf  ein  natürliches  Vorkommen,  sondern  auf  eine  Verunreinigung  zurückauführen
  ist.  So  kann  Natrium  in  seiner  Chlorverbindung  von  menschlichen  und  tierischen
Abfällen  herstammen  und  wird  dann  sinngemäß  mit  dem  Chlor  zu  beurteilen  sein  (vergl.
No.  6).  Ist  die  Gegenwart  von  Kalium  auf  ähnliche  Umstände  zurückzuführen,  so  muß
man  einen  strengeren  Maßstab  anlegeu,  da  bekanntermaßen  dieses  Alkalimetall  vom  Boden
stark  absorbiert  wird  und  demgemäß  sein  Auftreten  im  Wasser  eine  abgeschwächte  Absorptionskraft ­
  des  Bodens  anzeigt.  Für  gewöhnlich  beträgt  der  Kaligehalt  in  reinen
Wässern  nur  wenige  Milligramm,  durch  häusliche  Abgänge  verunreinigte  Wässer  enthalten
dagegen  größere  Mengen  Kali.
13.  Blei  soll  in  einem  für  Genußzwecke  bestimmten  Wasser  nicht  vorhanden  sein.
Bei  der  Verwendung  von  Bleiröhren  für  Hausleitungen  empfiehlt  es  sich,  das  in  den  Köhren
gestandene  Wasser  vor  dem  Gebrauch  durch  Ablaufenlassen  zu  entfernen.
Die  Lösung  von  Blei  erfolgt  vorwiegend  durch  Vermittelung  von  Sauerstoff  und
freier  Kohlensäure;  an  den  Lötstellen  der  Kohre  wird  diese  durch  galvanische  Wirkung
begünstigt.  Auch  alle  an  organischen  Stoffen  reichen  und  gleichzeitig  weichen  Wässer
sind  für  Leitungszwecke  von  vornherein  bedenklich,  weil  sich  in  denselben  leicht  freie
Kohlensäure  neben  Sauerstoff  bilden  kann.  Man  hat  zur  Verhütung  des  Bleiangriffes  vorgeschlagen, ­
  die  Bleirohre  durch  Behandeln  mit  kieselsäurehaltigem  Wasser  mit  einer
Schutzdecke  von  Bleisilikat  oder  durch  Behandeln  mit  Schwefelnatrium  mit  einer  Schutzdecke ­
  von  Schwefelblei  zu  versehen,  aber  ohne  Erfolg;  auch  eine  innere  Verzinnung  der
Bleirohre  oder  die  Anwendung  von  Zinnrohren  mit  Bleimantel  haben  sich  nicht  bewährt.
Am  zweckmäßigsten  würden  Zinn-  oder  Messingrohre  sein,  aber  sie  sind  zu  teuer.  Man
wird  daher  noch  immer  auf  die  Anwendung  von  Bleirohren  für  die  Wasserleitungen  angewiesen ­
  sein  und  vor  allem  auf  die  Beseitigung  der  freien  Kohlensäure  nach  No.  7  Anm.  1
bedacht  sein  müssen.
Geringe  Spuren  von  Zink  und  Kupfer,  wie  solche  bei  der  Verwendung  galvanisierter
Eisenröhren  oder  Kupferröhren  im  Wasser  Vorkommen,  dürften  zu  einer  Beanstandung  keine
Veranlassung  geben.
14.  Die  Menge  des  freien  Sauerstoffes  läßt  insofern  einen  Schluß  auf  die  Reinheit ­
  eines  Wassers  zu,  als  sie  in  dem  Maße  geringer  wird,  in  welchem  oxydationstähige
Stoffe  vorhanden  waren.  Die  Bestimmung  des  freien  Sauerstoffs  ist  ferner  von  Bedeutung
für  die  Möglichkeit  der  Bleilösungsfähigkeit  des  Wassers;  sie  kann  ferner  Aufschluß  geben
über  die  Abnahme  des  Eisengehaltes  des  Grundwassers  in  gewissen  Tiefen  des  Bodens,  bis  zu
        <pb n="872" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

851

54*

welchen  der  Sauerstoff  eindringt  und  das  lösliche  Oxydulhydrat  zu  unlöslichem  Oxydhydrat
oxydiert,  in  welcher  Form  das  Eisen  durch  die  filtrierende  Wirkung  des  Bodens  mechanisch
zurückgehalten  wird.
B.  In  mikroskopischer  Hinsicht.'
Da  ein  gutes  Trink-  und  häusliches  Gebrauchswasser  hell  und  klar  sein  soll,  so  sind
schon  aus  dem  Grunde  alle  mikroskopisch  im  Bodensatz  erkennbaren  Stoffe,  besonders
organischer  Art,  bedenklich,  und  zwar  um  so  mehr,  je  reicher  die  Schwebe-  und  Sinkstoffe
an  den  erwähnten  pflanzlichen  oder  tierischen  Lebewesen  sind.
Im  allgemeinen  kann  angenommen  werden:
1.  Daß  ein  Wasser,  welches  neben  Crenothrix  und  anderen  Pilzfäden,  sowie  neben
Infusorien  viel  Diatomeen  enthält,  Zuflüsse  von  mehr  pflanzlichen  Zersetzungsherden  erhalten ­
  hat;  ein  solches  Wasser  ist  zwar  unrein,  aber  deswegen  noch  nicht  gesundheitsschädlich ­
  oder  -gefährlich.
2.  Finden  sich  aber  neben  den  chemischen  Anzeichen  der  Fäulnis  auch  die  verschiedensten ­
  Pilzfäden,  Zoogloeen  von  Bakterien,  Infusorien  und  Radiolarien  aller  Art
oder  gar  körperliche  Verunreinigungen,  welche  durch  ihre  Herkunft  bedenklich  sind,  wie
Abfallstoffe  aus  der  Küche,  dem  Haushalt,  Reste  von  Kot  u.  dergl.,  so  kann  ein  solches
Wasser  in  besonderen  Fällen  direkt  gesundheitsschädlich  werden  und  ist  dann  die  Beanstandung ­
  hiermit  zu  begründen.
Im  übrigen  sei  bezüglich  der  Beurteilung  nach  dem  mikroskopischen  Befunde  auf
die  Angaben  in  dem  Abschnitt  II  No.  5  S.  840  verwiesen.
C.  In  bakteriologischer  Hinsicht.
Die  gewöhnlich  im  Wasser  vorkommenden  Bakterien  sind  an  und  für  sich  nicht  gesundheitsschädlich; ­
  ihre  Zahl  ist  aber  ein  Maßstab  für  die  größere  oder  geringere  Reinheit
eines  Wassers,  denn  jede  Verunreinigung,  abgesehen  von  solchen  aus  manchen  industriellen
Betrieben,  deren  Nachweis  leicht  chemisch  gelingt,  bedingt  eine  Vermehrung  der  Keime.
Eine  große  Anzahl  von  Bakterien  deutet  also  fast  immer  auf  die  Möglichkeit
einer  Infektion  hin.  Solche  Infektionsmöglichkeit  ist  aber  bei  allen  Oberflächenwässern,
Bächen,  Flüssen,  Seen  gegeben,  namentlich  erstens  bei  solchen  stark  bewohnter  Gegenden
—  solche  Wässer  sollen,  wenn  sie  sonst  chemisch  rein  sind,  nur  nach  genügender  Filtration
genossen  werden  —  oder  zweitens  bei  Brunnen,  welche  gegen  das  Eindringen  von  Staub
von  oben  her  nicht  genügend  geschützt  sind,  oder  drittens  durch  Zuflüsse  stark  bakterienhaltiger ­
  Wässer.  Oberflächenwässer  und  Brunnenwässer,  welche  chemisch  gut  und  nicht
durch  faulige  Zuflüsse  verunreinigt  sind,  können  daher  zum  Genüsse  zulässig  gemacht
werden,  erstere  durch  Filtration,  letztere  durch  genügenden  Abschluß  von  oben.  Wässer
aber,  welche  Zuflüsse  von  Fäulnisherden  erhalten,  sind  vom  Genüsse  auszuschließen  oder
■es  müssen,  wenn  es  Wässer  aus  Brunnen  sind,  diese  gründlich  gereinigt  und  so  umgebaut
werden,  daß  derartige  Zuflüsse  überhaupt  nicht  mehr  stattfinden  können.
Als  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  eines  Gebrauchswassers  auf  Grund  des  bakteriologischen ­
  Befundes  können  folgende  dienen:
1.  Ein  reines  gutes  Wasser  soll  nur  wenige  Bakterien  oder  Keime  von  Mikrophyten
■enthalten.
In  einem  reinen  Grundwasser  aus  nicht  verunreinigten  Bodenschichten  übersteigt
bei  tadelloser  Anlage  die  Anzahl  der  Keime  von  Mikrophyten  selten  50  für  1  ccm.  Ist  die
Anlage  aber  keine  völlig  vollkommene,  so  kann  die  Zahl  der  Keime  bedeutend  —  auf  100
bis  200  Keime  in  1  ccm  —  anwachsen.  Ähnliche  Verhältnisse  können  bei  neuen  und  umgebauten ­
  Anlagen  Vorkommen,  besonders,  wenn  erhebliche  Erdbewegungen  stattgefunden
haben.  In  anderen  Fällen  kommen  aber,  so  besonders  im  Wasser  aus  dem  Schiefergebirge,
mehrere  hundert  und  mehr  Mikrophytenkeime  in  1  ccm  vor,  ohne  daß  diese  schädlich  sind.
In  diesen  letzteren  Fällen  ist  jedoch  darauf  hinzuweisen,  daß  solche  Wässer  nicht  gleichmäßig ­
  gut  filtriert  sind,  und  damit  die  Möglichkeit  einer  Infektion  nicht  unbedingt
ausgeschlossen  ist.
2.  Schwankt  die  Anzahl  der  Bakterien,  d.  h.  ist  sie  zu  gewissen  Zeiten  höher  als
zu  anderen  Zeiten,  so  ist  das  ein  Zeichen  für  zeitweise  besondere  Verunreinigungen  eines
        <pb n="873" />
        852

Trinkwasser.

Wassers,  sei  es  aus  den  Bodenschichten,  oder  durch  besondere  Zuflüsse,  oder  durch  ungenügend ­
  wirkende  Filtration.
3.  Ein  Wasser,  welches  pathogene  Mikroorganismen  enthält  oder  begründeten  Verdacht ­
  für  das  Vorhandensein  derselben  gibt,  ist  stets  vom  Genüße  auszusohließen.
Über  die  Beurteilung  eines  Wassers  nach  den  Bakterien  arten  vergl.  die  Angaben
in  Abschnitt  II  S.  832.
D.  Gesamtbeurteilung  auf  Grund  des  chemischen  und  bakteriologischen
Befundes.
1.  Trifft  bei  einem  Wasser  hohe  Keimzahl  mit  dem  Vorhandensein  von  Ammoniak,
salpetriger  Säure,  großen  Mengen  gelöster  organischer  Stoffe  (hoher  Permanganatverbrauch,
Schwärzen  des  Abdampfrückstandes  bei  dem  Erhitzen  und  Vorhandensein  von  Albuminoid-Ammoniak
  usw.)  zusammen,  so  muß  das  Wasser  unbedingt  verworfen  werden.
2.  Liegt  hoher  Keimgehalt  einerseits  und  liegen  andererseits  keinerlei  belastende
Umstände  hinsichtlich  der  chemischen  Zusammensetzung  vor,  so  ist  die  Annahme  berechtigt, ­
  dass  das  Wasser  rein  ist.  Die  hohe  Keimzahl  kann  dann  bedingt  sein  durch
Fehler  in  der  Wassergewinnungaanlage.  In  einem  solchen  Falle  muß  zunächst  die  Wassergewinnungsanlage ­
  einer  genauen  Musterung  unterworfen  werden.
3.  Ist  ein  Wasser  verhältnismäßig  reich  an  gelösten  Bestandteilen  im  Gesamten  und
weist  es  hohe  Gehalte  an  Nitraten  und  Chloriden  auf,  bei  gleichzeitigem  Vorhandensein
von  Ammoniak  und  mittleren  Mengen  an  gelösten  organischen  Stoffen,  so  entstammt  das
Wasser  einem  verunreinigten  Boden,  wie  er  sich  als  Untergrund  von  Städten,  Gehöften  usw.
häufig  findet.  Ein  solches  Wasser  kann  bei  einer  einzelnen  Untersuchung  niedere  Keimzahlen ­
  geben,  aber  hei  einer  Wiederholung  hohe,  ja  auch  sehr  hohe  Keimzahlen.  Wenn
man  bei  niederem  Keimgehalt  auf  Grund  einer  einmaligen  Untersuchung  ein  solches
Wasser  auch  nicht  geradezu  beanstanden  muß.  so  dürfte  es  doch  stets  geraten  sein,  darauf
hinzuweisen,  daß  ein  solches  Wasser  unter  anderen  Verhältnissen  verunreinigt  werden
kann.  Denn  während  zu  einer  Zeit  die  Filtrationsfähigkeit  des  Bodens  noch  eine  genügende
war,  kann  sie  unter  veränderten  Verhältnissen  nicht  mehr  ausreichen,  und  dann  kann  eine
Verunreinigung  des  Wassers  eintreten.
4.  Die  alleinige  örtliche  Besichtigung  einer  Wasserversorgungsquelle
(Brunnen)  kann  niemals  einen  sicheren  Aufschluß  über  die  Beschaffenheit  eines  unterirdischen ­
  Wassers  geben,  oder  nur  dann,  wenn  direkte  Zuflüsse  äußerlich  sichtbar  sind.
Anhang.  Bei  der  Wichtigkeit  einer  richtigen  Wasserversorgung,  auch  für  einzelne
Haushaltungen,  mögen  hier  einige  Hauptgesichtspuukte 2 )  aufgeführt  werden,  welche  bei
der  Anlage  eines  Brunnens  zu  beachten  sind:
1.  der  Brunnenmantel  muß  bis  in  die  wasserführende  Schicht  hinein  oder  mindestens
6  m  tief  vom  umgebenden  Erdboden  aus,  wasserdicht  sein;
2.  der  Brunnenmantel  muß  bis  in  die  wasserführende  Schicht  wasserdicht  an  das
umgehende  Erdreich,  das  Aushuhgelände,  angeschlossen  werden,  so  daß
3.  nur  der  offene  Boden  des  Schachtes  wasserdurchlässig  ist  und  allein  als  Eintrittsstelle ­
  für  das  Grundwasser  dient.
In  der  Fig.  317  sind  M 1  Bruchsteine  und  M 2  Ziegelsteine;  beide  sollen  zur  Dichtung
in  Zement-  oder  Traßmörtel  gelegt  und  der  ganze  Brunnenmantel  innen  glatt  mit  Zementmörtel ­
  verputzt  sein.  Der  Baum  zwischen  dem  Aushubgelände  und  dem  Brunnenmantel
wird  am  besten  mit  Lehm,  Letten,  Ton  oder  selbst  mit  Zement  oder  Traß  ausgestampft;
4.  die  ganze  Umgebung  muß  so  nivelliert  werden,  daß  alles  auffallende  Wasser  und
aller  Schmutz  durch  natürliches  Gefälle  stets  vom  Brunnen  weg  und  niemals  zu  ihm  hingeführt ­
  wird  (wie  es  die  Lage  des  Hofpflasters  St  und  der  Steinplatten  PI'  in  der  beigegegebenen ­
  Figur  wiedergeben);
5.  die  wasserdichte  Brunnenwand  muß  den  Erdboden  etwas  überragen  in  Form  eines
mindestens  15  cm  hohen  Brunnenkranzes  pl;
6.  der  Kessel  oder  Schacht  des  Brunnens  muß  auf  dem  Brunnenkranze  pl  durch  in
Zement  gelegte,  mit  Falz  zusammenstoßende  Steinplatten  Pl  oder  durch  gußeiserne  Deckel
a )  Vergl.  F.  Hüppe,  Journ.  f.  Gasbeleuchtung  u.  Wasserversorgung  1889,  32,  15.
        <pb n="874" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

853

sicher  abgeschlossen  sein,  welche  Gedecke  den  Brunnenkranz  mit  ableitendem  Gefälle  überragen ­
  müssen.  Diese  Deckplatten  müssen  aber  zur  Ermöglichung  der  Zirkulation  der
Außenluft  mit  der  Sohachtluft  Öffnungen  L  haben.  Damit  durch  diese  Öffnungen  keine
Verunreinigung  des  Kessels  erfolgen  kann,  muß
7.  das  Brunnen-  oder  Pumphaus  BrH  dicht  aufgesetzt  werden,  dessen  Innenraum
mit  der  Außenluft  durch  die  Ventilationsöffnung  V  in  Verbindung  steht,  welche  durch  ein
feines  Drahtgitter  geschlossen  ist;

/

Fig.  317.  Ein  hygienischen  Anforderungen  entsprechender  Brunnen.

8.  das  aus  dem  Brunnenauslauf  BrA  ausfließende  Wasser  muß  sicher  vom  Brunnen
weggeführt  werden.  Zu  diesem  Zwecke  muß  das  aus  dem  Ausgusse  a  abfließende  Wasser  b
direkt  auf  die  schräg  abfallenden  Platten  gelangen  können.

B.  Untersuchung  von  Schmutzwässern.
Für  die  große  Anzahl  von  Schmutzwässern  läßt  sich  zwar  keine  Anleitung
zur  Untersuchung  geben,  welche  in  jedem  einzelnen  Falle  zur  Richtschnur  dienen
        <pb n="875" />
        854

Schmutzwasser.

könnte;  denn  die  zu  "beantwortenden  Fragen  sind  gar  zu  mannigfaltig  und  womöglich
in  jedem  besonderen  Falle  verschieden.  Aber  es  gibt  wenigstens  eine  Art  von
Sohmutzwässern,  deren  Untersuchung  von  einem  allgemeinen  Gesichtspunkte  aus
besprochen  werden  kann,  nämlich  die  mit  mehr  oder  weniger  reichlichen
Mengen  organischer,  fauliger  oder  fäulnisfähiger  Stoffe.
Diese  Art  Schmutzwässer  haben  in  landwirtschaftlicher  Hinsicht  ein  mehrseitiges ­
  Interesse,  einerseits  weil  auch  die  Abwässer  der  landwirtschaftlichen  Nebengewerbe ­
  zu  dieser  Gruppe  gehören,  andererseits  weil  sie  zwar  schädlich  für  Fischzucht, ­
  Viehtränke,  Waschen,  Spülen  usw.  sind,  aber  doch  auch  wieder  Vorteile  für
die  Landwirtschaft  bringen  können,  wenn  sie  z.  B.  zur  Berieselung  benutzt  werden.
Die  sonstigen  Schmutzwässer  mit  vorwiegend  mineralischen  und  in  landwirtschaftlicher ­
  Hinsicht  schädlichen  Verunreinigungen  (z.  B.  freien  Mineralsäuren,
Chlornatrium,  Chlorcalcium,  Chlormagnesium,  Ehodanammonium  (Gasfabriken),  Ferro-,
Zink-,  Kupfersulfat  bezw.  -nitrat,  Ferrochlorid  usw.  usw.)  bieten  bei  der  Untersuchung ­
  für  den  Chemiker  weniger  Schwierigkeit  und  werden  im  allgemeinen  unter
Berücksichtigung  der  abnormen  Bestandteile  wie  gewöhnliches  Wasser  untersucht.
Die  Schmutzwässer  mit  größeren  Mengen  organischer  Stoffe  zeigen  indes  von
den  normalen  Eigenschaften  verschiedene  Abweichungen,  welche  einer  besonderen
Berücksichtigung  bedürfen.
Vielfach  wird  darüber  geklagt,  daß  die  Untersuchungen  verschiedener  Chemiker
gerade  von  dieser  Art  „Abwässer“  erhebliche  Unterschiede  zeigen  und  zu  Unzuträglichkeit ­
  geführt  haben.  Das  hat  einerseits  in  der  Art  der  Probenahme,  andererseits
in  der  Art  der  Untersuchung  seine  Ursache.  Aus  dem  Grunde  sind  auch  hier  einheitliche ­
  Verfahren  von  Belang.

I.  Probenahme.
Als  allgemeine  Grundsätze  müssen  gelten:
1.  nur  die  von  Sachverständigen  selbst  entnommenen  Proben  sind  für  gerichtliche ­
  oder  im  Verwaltungswege  erforderlichen  Untersuchungen  maßgebend; ­

2.  die  verwendeten  Glasgefäße  (Flaschen)  und  Korke  müssen  durchaus  rein
und  die  entnommenen  Proben  genügend  groß  sein  (meistens  sind  4—6  1  des
betreffenden  Wassers  erforderlich);
3.  die  verwendeten  Glasgefäße  und  Korke  müssen  jedesmal  mit  dem  betreffenden ­
  Wasser  vor  dem  Füllen  mehrmals  durch-  oder  ausgespült
werden.
Als  Glasgefäße  benutzt  man  am  zweckmäßigsten  Weinflaschen  (6—8  Stück  und
mehr)  für  jede  Probe;  die  Weinflaschen  werden  in  einer  Kiste  untergebracht,  die  mit  gepolsterten ­
  passenden  Fächern  versehen  ist,  in  welche  die  Flaschen  aufrecht  hineingestellt
werden  können.  Die  Etiketten  mit  Bezeichnung  der  Probe  werden  an  den  Hals  der  Flaschen
geklebt,  so  daß  sie  während  des  Versandes  durch  die  Polsterung  nicht  abgescheuert  werden.
In  Ermangelung  von  solchen  gepolsterten  Paokkisten  können  auch  Strohhälsen  benutzt
werden.
4.  Die  entnommenen  Proben  müssen  einem  wirklichen  Durchschnitt  des  betreffenden ­
  Wassers  entsprechen.
Diese  Forderung  ist  die  wichtigste,  aber  auch  die  am  schwierigsten  zu  erfüllende.
Es  sind  zu  dem  Zwecke  je  nach  der  Art  des  Abwassers  und  den  örtlichen  Verhältnissen
verschiedene  Punkte  zu  berücksichtigen  und  muß  hier  vor  allen  Dingen  der  Sachverständige
mit  größter  Umsicht  verfahren.
1.  Probenahme  eines  Schmutz  wassers  selbst.  Für  diese  ist  zu  berücksichtigen:
a)  Ob  das  Schmutz-  oder  Abwasser  den  ganzen  Tag  beständig  in  derselben ­
  Beschaffenheit  abfließt.
        <pb n="876" />
        Probenahme.

855

In  diesem  Palle  kann  die  Probe  zu  einer  beliebigen  Zeit  des  Tages  entnommen
■werden.
b)  Ob  das  Sohmutzwasser  zwar  beständig,  aber  mit  ungleicher  Beschaffenheit ­
  abflieht  (wie  z.  B.  bei  städtischem  Abwasser,  bei  welchem  Menge  wie
Schmutz  in  den  Morgenstunden  bis  gegen  Mittag  am  größten  sind,  gegen  Abend  nochmals
einen  Höchstbetrag  erreichen,  um  in  der  Nacht  bis  zu  den  ersten  Morgenstunden  auf  einen
Niedrigstwert  herunterzugehen).
Um  in  solchen  Pallen  gute  Mittelproben  zu  erhalten,  ist  es  erforderlich,  entweder
von  Zeit  zu  Zeit  (alle  15  Minuten  während  etwa  2  Stunden  und  womöglich  zu  verschiedenen ­
  Tageszeiten)  eine  Weinflasche  vollzufüllen,  die  Einzelprohen  später  in  ein  entsprechend ­
  großes  Gefäß  zusammenzugießen  und  das  Gemisch  zur  Untersuchung  zu  verwenden; ­
  oder  von  Zeit  zu  Zeit  mit  einem  Schöpfgefäß  Proben  in  ein  größeres,  vorher  gut
gereinigtes,  mit  dem  Abwasser  nachgespültes  Paß  zu  geben,  den  Gesamtinhalt  nach  der
Probenahme  gehörig  durchzumischen  und  hiervon  Probe  für  die  Untersuchung  zu  entnehmen.
c)  Ob  ein  Schmutzwasser  nur  während  einer  gewissen  Zeit  des  Tages
oder  bei  Nacht  oder  stoßweise  abfließt  (wie  z.  B.  die  meisten  Steiukohlengrubenwässer).

In  diesem  Palle  ist  die  Probe  zu  der  Zeit  zu  entnehmen,  wo  das  Schmutzwasser
abgelassen  wird.  Nötigenfalls  muß  sich  der  Sachverständige  sogar  bei  Nacht  und  ohne
Wissen  des  Angeschuldigten  hierüber  Gewißheit  verschaffen;  ist  letzteres  bei  weiteren
Entfernungen  nicht  immer  möglich,  so  kann  der  Sachverständige  unter  Umständen  einen
Vertrauensmann  hinzuziehen  und  diesen  mit  genauen  Anweisungen  versehen.
Es  ist  aber  darauf  hinzuwirken,  daß  die  Schmutzwässer  beständig  und  in  kleineren
Mengen  abgelassen  werden;  denn  dadurch  kann  unter  Umständen  einer  zu  starken  Verunreinigung ­
  der  öffentlichen  Gewässer  vorgebeugt  werden.
d)  Ob  es  sich  bei  der  Verunreinigung  eines  bestimmten  Wassers  um  ein
oder  mehrere  Schmutzwässer  handelt.
Es  müssen  dann  selbstverständlich  von  allen  diesen  Schmutzwässern,  die  in  Betracht
kommen  können,  unter  Berücksichtigung  der  Stellen  Proben  entnommen  werden.
In  diesem  Palle  sind  auch  die  Mengenverhältnisse  der  einzelnen  Schmutzwässer ­
  besonders  zu  ermitteln.
e)  Wenn  es  sich  darum  handelt,  gleichzeitig  die  Wirkung  eines  Reinigungsverfahrens ­
  (sei  es  Berieselung  oder  chemische  Fällung  mit  mechanischer  Abklärung)  festzustellen,
  so  ist  zu  berücksichtigen,  daß  das  abfließeude  gereinigte  Wasser  dem  auf-  oder
einfließenden  Wasser  entsprechen  muß.
Hat  man  z.  B.  die  Durchsohnittsprobe  von  dem  ungereinigten  Wasser  alle  10  Minuten
von  8—10  Uhr  vormittags  geschöpft  und  gebraucht  das  Wasser  z.  B.  3  Stunden,  um  die
Reinigungsanlage  (sei  es  Rieselfläohe  oder  Klärvorrichtung)  zu  durchfließen,  so  beginnt  man
mit  der  Probenahme  des  gereinigten  Wassers  3  Stunden  nach  Anfang  der  ersten  Probenahme ­
  des  ungereinigten  Wassers,  also  erst  um  11  Uhr,  und  setzt  diese,  indem  man  ebenfalls ­
  alle  10  Minuten  gleichgroße  Einzelproben  schöpft,  bis  1  Uhr  fort  usw.
Als  Hilfsmittel  zur  Erkennung,  ob  das  abfließende  gereinigte  Wasser  dem  ungereinigten ­
  entspricht,  kann  unter  Umständen  ein  Indikator  (vergl.  S.  804)  dienen;
meistens  benutzt  man  dazu  den  Chlorgehalt;  derselbe  muß  in  der  ein-  bezw.  auf-  und
abfließenden  Probe  Wasser  gleich  sein.
2.  Probenahme  des  verunreinigten  Wassers.  Es  genügt  nicht,  in  einem  fraglichen ­
  Abwasser  allein  schädliche  Bestandteile  nachgewieseu  zu  haben,  sondern  es  ist  auch
meistens  der  direkte  Beweis  zu  erbringen,  daß  ein  Pluß-,  Bach-  oder  Stauwasser,  welches
verunreinigt  sein  soll,  durch  Aufnahme  des  Abwassers  eine  schädliche  Beschaffenheit  angenommen ­
  hat  bezw.  anuimmt.  Denn  die  schädlichen  Stoffe  wirken  nur  von  einer  gewissen
Menge  an,  und  dann  wieder  jeder  in  einem  verschiedenen  Grade  schädlich.
Zu  dem  Zweck  sind  Proben  zu  entnehmen:
a)  Oberhalb  der  Einmündungsstelle  und  zwar  tunlichst  nahe  derselben,  aber
nicht  so  nahe,  daß  infolge  Rückstaues  bereits  eine  teilweise  Vermischung  mit  dem  betreffenden ­
  Abwasser  stattgefunden  haben  kann.
        <pb n="877" />
        856

Schmutzwasser.

h)  Unterhalb  der  Einmündungsstelle,  und  zwar  so  weit  unterhalb,  daß  eine
vollständige  und  gleichmäßige  Vermischung  des  Abwassers  mit.  dem  Flußwasser  usw.
stattgefunden  hat.
Krümmungen  im  Plußlaufe,  Stauvorrichtungen,  Strauchwerk  und  dergl.  begünstigen
die  Durchmischung.  Bei  kleineren  Bächen  kann  man  auch  durch  Hineinwerfen  von
Strauchwerk  die  Durchmischung  befördern.
Bei  einem  größeren  Fluß  in  einem  flachen  Flußbett  ohne  diese  Verhältnisse  mit
geringer  Stromgeschwindigkeit  kann  das  Abwasser  mit  dem  Flußwasser  oft  meilenweit
fließen,  ohne  daß  sich  beide  völlig  durohgemischt  haben.
Auch  kann  das  Wasser  aus  verschiedenen  Tiefen  des  Wasserlaufes  (an  der  Oberfläche,
in  den  Mittelschichten  und  am  Boden)  verschieden  sein,  besonders  wenn  das  Haupt-  und
Zuflußwasser  verschiedenes  spezifisches  Gewicht  besitzen.
Unter  allen  Umständen  empfiehlt  es
sich,  in  einem  derartigen  Palle
a)  Probenvon  den  beiden  Seiten  und  aus
der  Mitte  des  Plußlaufs;
ß)  wo  möglich  an  der  Oberfläche  und
tiefer  unten  an  den  3  Stellen  in  folgender
Weise  zu  entnehmen:
Entweder  man  bindet  eine  Flasche,  und
zwar  von  tunlichst  weißem  Glase  an  eine
Stange,  hält  diese  an  die  betreffende  Stelle
und  läßt  sie  sich  direkt  füllen  oder  man
wirft  ein  an  einer  Kette  befestigtes  unten  in
einem  Doppelboden  mit  Blei  beschwertes
Schöpfgefäß  von  Zinkblech  —  oder  besser  von
emailliertem  Eisenblech,  besonders  bei  zink-  und  säurehaltigen ­
  Wässern  —  von  nebenstehender  Form  (Pig.  318)
in  die  betreffende  Stelle  des  Flußlaufs,  läßt
dieses  sich  füllen  und  gießt  den  Inhalt  in
eine  Flasche  von  weißem  Glase  um,  nachdem
man  diese  wie  das  Schöpfgefäß  stets  vorher
mit  Wasser  von  der  betreffenden  Stelle  des
Flußwassers  ausgespült  hat.  Beim  Umfüllen
in  die  Flasche  müssen  etwa  zu  Boden  gesunkene ­
  Schwebestoffe  mit  umgefüllt  werden.
Ist  eine  Brücke  oder  ein  Steg  vorhanden,  so
bewirkt  man  am  bequemsten  die  Probenahme  von  diesen
herab;  in  anderen  Fällen,  bei  breiten  Flußwässern,  muß  man  einen  Kahn  zu  Hilfe  nehmen
und  von  diesem  aus  die  Proben  wo  möglich  an  5  verschiedenen  Stellen  in  derselben  Breitfläche ­
  entnehmen.
Je  mehr  Einzelproben  in  der  Breite  und  Tiefe  an  derselben  Flußstelle  entnommen
werden  können,  desto  besser  und  zuverlässiger  werden  die  Ergebnisse.  Die  Binzeiproben
werden  später  in  einem  größeren  Glasgefäß  miteinander  gut  durchgemischt  und  von  der
Mischung  Teilproben  zur  Untersuchung  verwendet.
c)  Bei  der  Probeentnahme  unterhalb  der  Einflußstelle  des  fraglichen  Abwassers
hat  man  darauf  zu  achten,  ob  der  Fluß  zwischen  dieser  Einflußstelle  und  der  Probeentnahmestelle ­
  noch  andere  Abwässer  oder  Nebenflüsse  aufnimmt.
Man  hat  dann  von  jedem  Zufluß  unterhalb  vorschriftsmäßige  Proben  zu  entnehmen
und  auf  schädliche  Bestandteile  zu  untersuchen.
d)  Bei  stillstehenden  Gewässern,  bei  Teichen  und  Seen  mit  gar  keinem  oder
nur  geringem  Wasserabfluß  kann  man  unter  Umständen  die  Größe  der  Verunreinigung
auch  aus  der  Beschaffenheit  und  Menge  des  verunreinigenden  Zuflusses  ermessen.  Hierbei
muß  aber  eine  verteilte  Probenahme  an  verschiedenen  Stellen  und  aus  verschiedenen  Tiefen
noch  mehr  beobachtet  werden  als  bei  einem  fließenden  Gewässer.
        <pb n="878" />
        Probenahme.

857

e)  Bei  einem  fließenden  Gewässer  mit  vielen  rasch  wechselnden  Zuflüssen
von  Abwässern  und  mit  vielen  Nebenflüssen,  kann  man  unter  Umständen  die  Größe  der
Verunreinigung  durch  ein  fragliches  Abwasser  auch  dadurch  finden,  daß  man  neben  der
jedesmaligen  Zusammensetzung  die  Menge  des  Wassers  sowohl  des  Flusses,  wie  der
einzelnen  Zuflüsse  bestimmt  und  hieraus  die  Größe  der  Verunreinigung  bei  Niedrig-,  Mittelund ­
  Hochwasser  berechnet.
Die  Wassermengen  können  in  vereinzelten  Fällen  dadurch  ermittelt  werden,  daß
man  einen  freien  Überfall,  über  welchen  sämtliches  Wasser  abfließt,  schafft  und  dasselbe
eine  bestimmte  Zeit  lang  in  einem  untergestellten,  ausgemessenen  Gefäß  auffängt,  oder
indem  man  Breite  und  Tiefe  der  Wassersohicht  des  senkrechten  Überfalles  —  nachdem  dieser
konstant  geworden  ist  —  mißt  und  die  Menge  des  Wassers  (Q)  nach  der  Formel  berechnet:
Q  =*  Qi  +  Q2
oder  Q  =  b 2 / 3 ^v/2g[(h  +  k)  ä / 3  k  2 / 3 ]  +  /i  b  ff,  y/  2g  (h  +  k)  %
worin  fi  =  Eeibungs-Koeffizient  von  0,5—0,8,
b  =  Breite  des  Überfalles,
\l  2  g  =  Fallgeschwindigkeit  nach  der  ersten  Sekunde,
h  =  Höhe  des  vollkommenen  Überfalles  oder  Differenz  zwischen  ruhigem  Oberund ­
  Unterwasser,
hj  =  Höhe  des  unvollkommenen  Teiles  des  Überfalles,
k  =  Geschwindigkeitshöhe  bezw.  die  der  ankommenden  Geschwindigkeit  entsprechende ­
  Druokhöhe  bedeutet.
Wenn  der  Überfall  ein  vollkommener  ist,  oder  wenn  das  Unterwasser  niedriger  steht
als  die  Wehrkurve,  dann  geht  der  2.  Teil  der  Gleichung  Q 3  in  Q  über  und  es  bleibt  dann
nur  der  erste  Teil  der  Formel
Bei  größeren  Wasserläufen  berechnet  man  die  Menge  des  Wassers  mit  Hilfe  des
Woltmansehen  Flügels.
Es  empfiehlt  sich,  die  Wassermengen  tunlichst  stets  von  einem  Hydroteohniker
  feststellen  zu  lassen.
f)  Unter  Umständen  —  besonders  bei  Verunreinigungen  durch  Metallverbindungen  —
gibt  der  Schlamm  oder  der  auf  Steinen  oder  Pflanzen  haftende  Überzug
Aufschluß  über  die  Ursache  und  Quelle  der  Schädigung.
g)  In  anderen  Fällen  können  die  beschädigten  Pflanzen  oder  Bäume  oder  die  verendeten ­
  Fische  den  Beweis  der  schädigenden  4  Ursache  erbringen.
h)  Wiederum  in  anderen  Fällen  ist  die  Fauna  und  Flora  der  Gewässer  in  Betracht
zu  ziehen  (vergl.  weiter  unten).
8.  Vorprüfungen  an  Ort  und  Stelle.  Als  Vorprüfungen  sind  an  Ort  und
Stelle  auszuführen:
a)  Die  Feststellung  des  äußeren  Ansehens  des  Wassers;  ob  es  hell  und  klar
oder  ob  gefärbt  und  wie  getrübt,  ob  weiß,  dunkel,  schwarz  usw.  getrübt  ist?
Als  einheitliches  Maß  für  den  Ausdruck  der  trüb  enBeschaffenheit  können
die  mit  dem  unten  beschriebenen  Diaphanometer  ermittelten  Werte  dienen.
Man  darf  sich  aber  nicht  von  dem  bloßen  Aussehen  bei  der  Beurteilung  der  wirklichen ­
  Reinheit  oder  Unreinheit  eines  Wassers  leiten  lassen;  denn  ein  hell  und  klar  aussehendes ­
  Wasser  kann  unter  Umständen  von  schädlicherer  Beschaffenheit  sein  als  ein  trübe
aussehendes  Wasser.  Auch  kann  ein  an  sich  klares  Wasser  in  einem  schwarz-schlammigen
Flußbett  schmutzig  erscheinen,  ohne  wesentlich  verunreinigt  zu  sein.  Die  Frage  der
Schädlichkeit  der  trüben  Beschaffenheit  eines  Wassers  hängt  ganz  von  der  Art  der
Schwebestoffe  und  davon  ab,  ob  die  trübe  Beschaffenheit  derart  ist,  daß  durch  sie  infolge
Lichtabhaltung  die  Flora  und  damit  auch  die  Fauna  bezw.  die  Fischzucht  geschädigt  wird.
b)  Die  P  e  s  t  s  t  e  11  u  n  g  d  e  s  Geruches,  ob  nach  Schwefelwasserstoff,  Ammon  iak,  Rübenwasser,
  Hefenwasser  usw.  Zur  sicheren  Erkennung  des  Schwefelwasserstoffs  hält  man  einen
mit  Bleiessig  oder  mit  einer  alkalischen  Bleiessiglösung  getränkten  Streifen  Papier  in  die
mit  Wasser  gefüllte  Flasche  und  läßt  diesen  nötigenfalls  einige  Zeit  unter  Bedecken  der  Flasche
darin  hängen.  Ebenso  kann  zum  weiteren  qualitativen  Nachweis  von  Ammoniak  Neßlersches
  Reagens  dienen,  welches  zu  dem  alkalisch  gemachten  filtrierten  Wasser  zugesetzt  wird.
        <pb n="879" />
        858

Schmutzwasser.

o)  Die  Reaktion  ist  mittels  empfindlichen  neutralen  Lackmuspapiers
festzustellen,  welches  direkt  in  das  fließende  Wasser  gehalten  wird.
d)  Die  Temperatur  ist  mittels  eines  empfindlichen  Thermometers  mit  Celsius-Graden
  zu  ermitteln  und  das  Thermometer  so  lange  in  das  fließende  Wasser  zu  halten,
bis  der  Stand  des  Quecksilbers  sich  nicht  mehr  ändert.
e)  Die  freien  Gase  und  flüchtigen  Säuren.  Ist  es  von  Belang,  in  einem
Wasser  die  Menge  der  freien  Gase  und  flüchtigen  Säuren,  wie  Sauerstoff,  Kohlensäure,
Schwefelwasserstoff,  Chlor,  Salzsäure  usw.  quantitativ  zu  bestimmen,  so  müssen  dieselben
entweder  an  Ort  und  Stelle  bestimmt,  oder  doch  so  gebunden  werden,  daß
ihre  Menge  während  des  Versandes  keine  Veränderungen  erleidet.  So  kann  Sauerstoff
nach  dem  Verfahren  von  Winkler,  Kohlensäure  durch  Zusatz  von  kohlensäurefreiem
Kalkwasser,  Schwefelwasserstoff  durch  Zusatz  von  Cadmiumchlorür  oder  arsenigsaurem
Natrium  und  Alkali,  Salzsäure  durch  Silberlösuug  usw.  gebunden  und  die  weitere  chemische
Untersuchung  im  Laboratorium  ausgeführt  werden.
f)  Salpetrige  Säure.  Die  salpetrige  Säure  muß  ebenfalls,  wenn  sie  besonders
in  Betracht  kommt,  an  Ort  und  Stelle  bestimmt  werden.
In  den  meisten  Fällen  genügt  eine  qualitative  Prüfung  in  dem  nötigenfalls  filtrierten
Wasser  mittels  Jodkalium,  etwas  frischem  Stärkewasser  und  einigen  Tropfen  verdünnter
Schwefelsäure  oder  mit  Metaphenylendiamin  (vergl.  S.  810  u.  ff.).
g)  Die  bakteriologische  Untersuchung.  Dieselbe  muß  an  Ort  und  Stelle  in
Petrischen  Schalen  angestellt  werden;  die  einzelnen  Arten  von  Bakterien  auf  den  Nährplatten ­
  werden  später  im  Laboratorium  in  üblicher  Weise  ermittelt.  Unter  Umständen
können  auch  größere  Proben  des  betreffenden  Wassers  in  besonders  gereinigten  und  sterilisierten ­
  Glasflaschen  entnommen,  müssen  dann  aber  sorgfältigst  in  Eis  verpackt  werden,  um
sie  im  Laboratorium  weiter  untersuchen  zu  können  (vergl.  S.  834  und  838).
h)  Haltbarmachung  der  Proben.  Wegen  der  leichten  Zersetzbarkeit  der  Abwässer ­
  mit  viel  organischen  stickstoffhaltigen  Stoffen,  empfiehlt  sich  nicht  nur  für  den
Versand,  sondern  auch  für  die  Aufbewahrung  im  Laboratorium  der  Zusatz  von  Prischhaltungsmittelu.
  K.  Parnsteiner,  P.  Buttenberg  und  0.  Korn 1 )  schlagen  für  den
Zweck  vor,  auf  1—2  1  des  unflltrierten  Wassers  2  ccm  Chloroform  zuzusetzen  und  das
so  haltbar  gemachte  Wasser  zur  Bestimmung  des  Abdampfrüokstandes,  der  Schwebestoffe,
des  Glühverlustes,  der  Salpetersäure,  der  salpetrigen  Säure  und  des  Chlors  zu  verwenden,
dagegen  die  Bestimmung  der  Oxydierbarkeit,  der  organischen  Stiokstoffverbinduugen,  des
Ammoniaks  und  organischen  Kohlenstoffs  in  einem  anderen  Teile  des  Abwassers  vorzunehmen, ­
  welcher  vorher  filtriert  und  dann  auf  je  11  Filtrat  mit  2  ccm  25°/ 0 -iger
Schwefelsäure  versetzt  worden  ist.
H.  Groß  e-Bohle 2 )  zeigt,  daß  sich  in  dem  mit  Chloroform  haltbar  gemachten
Schmutzwasser  suspendierte  organische  Stoffe,  organischer  Kohlenstoff  und  organischer
Stickstoff  fehlerlos  bestimmen  lassen.  Auch  die  Bestimmung  der  Oxydierbarkeit  ist  möglich, ­
  wenn  hierzu  nicht  mehr  als  10  ccm  des  Wassers  erforderlich  sind.  Gleichzeitig  muß
aber  mit  dem  gleichen  Volumen  eines  gleiche  Mengen  Chloroform  enthaltenden  Wassers
ein  blinder  Versuch  gemacht  und  die  hierfür  gefundene  Menge  Kaliumpermanganat  in  Abzug ­
  gebracht  werden.  Eine  etwaige  Zunahme  des  Abwassers  an  Mineralstoffen  beim  Aufbewahren ­
  kann  nach  II.,  Große-Bohle  aus  dem  Glase  der  Flasche  herrühren.
II.  Chemische  Untersuchung.
Bei  der  eigentlichen  chemischen  Untersuchung  im  Laboratorium  sind  vorab  folgende
Punkte  zu  beobachten:
a)  Die  chemische  Untersuchung  muß  tunlichst  gleich  nach  der  Probenahme ­
  erfolgen;  nötigenfalls  ist  anzugeben,  wann  nach  der  Probenahme  die  Untersuchung ­
  vorgenommen  ist;  ob  und  wie  die  Wässer  haltbar  gemacht  sind?
J )  K.  Parnsteiner,  P.  Buttenberg  und  0.  Korn,  Leitfaden  für  die  chemische
Untersuchung  von  Abwasser.  München  und  Berlin  1902,  4.
ä )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  969.
        <pb n="880" />
        Chemische  Untersuchung.

859

Nicht  nur  die  Abwässer  mit  viel  organischen  Stoffen  zersetzen  sich  selbst  in  gut
verschlossenen  Flaschen,  besonders  im  Sommer,  ungemein  schnell,  sondern  auch  in  Abwässern ­
  mit  vorwiegend  mineralischen  Bestandteilen  können  sich  beim  längeren  Aufbewahren ­
  Umsetzungen  vollziehen,  die  auf  die  Beurteilung  von  Einfluß  sein  können.
b)  Die  von  demselben  Wasser  bezw.  von  derselben  Stelle  entnommenen
Einzelproben  sind  in  eine  größere  reine  Flasche  umzufüllen,  durchzumischen
und  hiervon  Teilproben  nach  jedesmaligem  Durchmischen  zu  entnehmen.
c)  Die  vorhin  aufgeführten  Vorprüfungen  No.  1—6  sind  tunlichst  alle
zu  wiederholen  bezw.  zu  kontrollieren.
Was  den  Geruch  anbelangt,  so  tritt  derselbe  häufig  erst  durch  Erwärmen  auf  40
bis  50°  oder  durch  ümschwenken  einer  kleinen  Probe  in  einem  Becherglase  deutlich  hervor.
d)  Unter  Umständen  empfiehlt  es  sich  ferner,  die  Farbe  des  filtrierten  Wassers  und
deren  Veränderlichkeit  besonders  zu  verfolgen,  sowie  festzustellen,  ob  das  Wasser  klar
filtrierbar  ist,  ob  und  innerhalb  welcher  Zeit  die  Schwebestoffe  sich  absetzen.
e)  Die  Untersuchung  muß  nach  vollständig  gleichen,  in  einem  Streitfälle  von  den  betreffenden ­
  Chemikern  jedesmal  vorher  zu  vereinbarenden  Verfahren  erfolgen.  Die  Vereinbarung ­
  muß  sich  vorwiegend  auf  die  Art  der  Bestimmung  der  Schwebe-  und  gelösten  Stoffe,
Länge  des  Trocknens  der  Rückstände,  Bestimmung  der  organischen  Substanz,  des  organischen ­
  und  Ammoniak-Stickstoffs,  Schwefelwasserstoffs  usw.  erstrecken.
Hierbei  sei  noch  besonders  betont,  daß  man  bei  Bestimmung  der  organischen  Stoffe
durch  Kaliumpermanganat  nicht  nur  je  nach  dem  Verdünnungsgrad,  sondern  auch  je  nach
der  Menge  des  ursprünglich  zugesetzten  Kaliumpermanganats  in  saurer  oder  alkalischer
Lösung  sehr  verschiedene  Ergebnisse  erhält.
f)  Die  chemische  Untersuchung  soll  nur  auf  die  Bestandteile,  welche
für  die  jedesmal  zu  beantwortende  Frage  von  wirklicher  Bedeutung  sind,
ausgedehnt  werden.
1.  Gesamte  gelöste  Stoffe  sowie  organische  und  unorganische  Schwebestoffe.
Die  Schwebestoffe  bezw.  das  schmutzige  Aussehen  eines  Wassers  werden  meistens  für
schädlicher  angesehen  als  sie  in  Wirklichkeit  sind.  Es  empfiehlt  sich  daher,  deren
Art  durch  eine  genaue  Untersuchung  festzustellen.
a)  Eine  Menge  von  250—1000  ccm  (je  nach  dem  Gehalt  an  Schwebestoffen) ­
  wird  durch  ein  getrocknetes  und  gewogenes  Filter  filtriert,  das  Filter  2-mal
mit  wenig  destilliertem  Wasser  nachgewaschen,  darauf  bei  100—105°  getrocknet,
gewogen  und  eingeäschert.  Die  Asche  minus  Filterasche  gibt  die  Menge  der
mineralischen  Schwebestoffe,  Gesamtrückstand  minus  Gesamtasche  die  Menge  der
organischen  Schwebestoffe.
Hat  man  genügend  große  Goochsche  Platintiegel  zur  Verfügung
(vergl.  S.  250),  so  kann  man  sich  zweckmäßig  dieser  unter  gleichzeitiger
Benutzung  eines  Aspirators  bedienen.  Der  als  Filter  benutzte  Asbest  muß
völlig  rein,  d.  h.  tunlichst  mit  Salzsäure  ausgekocht  und  geglüht  sein.
Sollen  die  mineralischen  Schwebestoffe  näher  untersucht  werden,  so  löst  man
den  Aschenrückstand  in  Salzsäure  (oder  Salpetersäure  zur  Bestimmung  der  Phosphorsäure ­
  nach  dem  Molybdän  verfahren)  und  verfährt  wie  sonst.
Das  Gesamtfiltrat  einschl.  Waschwasser  oder  ein  aliquoter  Teil  desselben  wird
in  einer  Platinschale  zur  Trockne  verdampft,  2  Stunden  bei  100—105°  im  Trockenschrank ­
  nachgetrochnet  und  gewogen.  Darauf  wird  der  Rückstand  —  nötigenfalls
mit  den  S.  195  angegebenen  Hilfsmitteln  —  geglüht,  bis  alle  Kohle  verbrannt  ist,
mit  Ammoniumkarbonatlösung  angefeuchtet,  getrocknet,  schwach  erhitzt  und  wieder
gewogen.  Letzteres  Gewicht  gibt  die  Menge  der  gelösten  Mineralstoffe,  ersteres
Gewicht  minus  letzterem  die  Menge  der  organischen  Stoffe,  d.  h.  richtiger  des  Glühverlustes; ­
  denn  dieser  besteht  unter  Umständen  auch  zum  Teil  aus  Ammonsalzen
und  chemisch  gebundenem  Wasser,  welches  durch  Trocknen  bei  100—105°  nicht
        <pb n="881" />
        860

Schmutzwasser.

fortgeht.  Bei  Gegenwart  von  viel  Gips  und  Chloriden  ist  die  letztere  Menge  sogar
sehr  erheblich,  so  daß  der  Glühverlust  keinen  Maßstab  für  die  Menge  der  organischen ­
  Stoffe  abgeben  kann,
b)  Vorstehendes  Verfahren  zur  Bestimmung  der  Schwebestoffe  ist  aber  unter
Umständen  langwierig  und  nicht  genau,  wenn,  wie  häufig,  die  betreffenden  Schmutzwässer ­
  schlecht  filtrieren;  denn  dann  erfährt  das  Wasser  schon  während  der
Filtration  eine  Veränderung,  welche  das  Ergebnis  beeinträchtigt.
Man  kann  dann  auch  in  der  Weise  verfahren,  daß  man  einen  Teil  des  gut
durchgesohüttelten  Wassers  durch  ein  trocknes  Faltenfilter  filtriert  und  je  100—250  com
des  unfiltrierten  und  des  filtrierten
Wassers  auf  dem  Wasserbade  eintrocknet, ­
  2  Stunden  bei  100—105°
trocknet,  wägt,  die  beiden  gewogenen ­
  Rückstände  bis  zum  Weißbrennen ­
  glüht,  mit  Ammoniumkarbonat ­
  durchfeuchtet,  eintrooknet,
zum  Verjagen  des  Ammoniumkarbonats ­
  schwach  erhitzt  und  wieder
wägt.  Die  Differenz  der  Glühverluste ­
  des  unfiltrierten  und  des
filtrierten  Wassers  gibt  die  Menge
der  organischen  Schwebestoffe,  sowie ­
  die  Differenz  der  Glührückstände ­
  des  unfiltrierten  und  des  filtrierten ­
  Wassers  die  Menge  der
unorganischen  Schwebestoffe  an.
Falls  ein  freien  Kalk  enthaltendes
Abwasser  vorliegt,  so  leitet  man
erst  Kohlensäure  bis  zum  Überschüsse ­
  ein  und  verfährt  wie  sonst;
die  dem  freien  Kalk  entsprechende
Menge  Kohlensäure  bringt  man  vom
Gesamtrückstand  in  Abzug.
2.  Trübung»-  bezw.  Durchsichtigkeitsgrad.
  Das  äußere  Aussehen ­
  (Farbe  und  Trübungsgrad)
gibt  in  vielen  Fällen  schon  wichtige  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  und  über
die  Herkunft  eines  Wassers.  Die  Färbung  eines  Wassers  zu  beurteilen,  bietet
keine  Schwierigkeit;  dagegen  läßt  die  Beurteilung  des  Trübungs-  oder  Durchsichtigkeitsgrades ­
  dem  persönlichen  Empfinden  zu  viel  Spielraum;  denn  die  Bezeichnungen ­
  für  diese  Eigenschaften  wie  „schwach“,  „ziemlich  stark“,  „stark  weißlich
trübe“,  „schwach  bezw.  stark  rot-  oder  schwarzflockig  trübe“,  opalisierend  usw.
sind  sehr  dehnuugsfähig.  Das  oben  S.  805  erwähnte  Verfahren,  den  Grad  der  Durchsichtigkeit ­
  mit  Hilfe  der  Snellenschen  Schriftprobe  No.  1  festzustellen,  kann  schon  einheitlichere ­
  Werte  liefern,  ist  aber  auch  noch  recht  unzuverlässig.  Andere  Vorschläge,
so  von  Hazen  und  Whipple, 1 )  als  Vergleichsmaß  eine  Aufschwemmung  von  Kieselsäure ­
  in  Wasser  oder  von  Burgeß, 2 )  eine  Farblösung  von  Kobaltsulfat  und  Kalium-*)
  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  666  u.  567.
4 )  Ebenda,  1904,  7,  129,

Beflejozons-  A
jtrtsmxv
Absorption#-  j
jhLS

v

^  /Schieber  mit  roten
ic.yrü/ien  Gläsern,
-Okularrohr

r|/|  Lummer  -BrodMm.  'scher
~\/\  I  PrtSTTwrvkörjier
|  Qlaskörjier  zumAusgleich
'—I—*  des  Lichtuerlustes
I  durch  das  Refleccionsprisma
I
I

A

J

FliissigkeüshöTie
MidLUnie

Matte
Glasscheibe

Fig.  319.  Schematischer  Längsschnitt  durch  das
Diaphanometer.
        <pb n="882" />
        Chemische  Untersuchung.

861

bichromat,  beide  von  bestimmtem  Gehalt  zu  wählen,  sind  nur  für  wenige  Färbungen
und  Trübungen  brauchbar  und  bieten  bei  der  großen  Mannigfaltigkeit  der  Trübungen
und  Färbungen  der  Abwässer  in  zahlreichen  anderen  Fällen  keinen  richtigen  Vergleich. ­
  Diese  Ühelstände  veranlaßten  den  Verfasser,  nach  einem  Hilfsmittel  zu
suchen,  die  Farbentiefe  und  den
Trübungsgrad  eines  Schmutzwassers ­
  durch  Messung  der
Lichtdurchlässigkeit  für
weißes  Licht  auf  ein  einheitliches ­
  Maß  zurückzuführen.
Dieses  glaubt  der  Verfasser 1 )
durch  das  Diaphanometer,
welches  von  dem  Optischen
Institut  A.  Krüß  in  Hamburg
angefertigt  wird,  erreichen  zii
können.
Die  Einrichtung  des
Diaphanometers  beruht  wie
bei  dem  Duboscqschen  Kolorimeter ­
  auf  der  Anwendung
von  Tauchrohren  und  der  Vergleichung ­
  durch  ein  Lummer-Brodhun’sches
  Prisma;  sie
erhellt  aus  den  Abbildungen
Fig.  319  und  320.
Man  sieht  durch  das  Okular
das  Gesichtsfeld  durchschnitten
durch  einen  senkrechten  Streifen.
Dieser  erhält  sein  Licht  durch
die  eine  Tauchröhre,  die  Seitenteile ­
  des  Gesichtsfeldes  werden
durch  die  andere  Tauchröhre
erleuchtet.  Sind  beide  Helligkeiten ­
  gleich,  so  verschwindet
die  Begrenzung  des  Streifens,
man  hat  ein  gleichmäßig  beleuchtetes ­
  Gesichtsfeld.
In  der  rechten  Täiiich. -
röhre  wird  die  Flüssigkeitshöhe  Fig '  320 '  Äußere  Ansicht  des  Diaphanometern
variiert,  um  gleiche  Beleuchtung ­
  herzustelleh.  Die  linke  Tauchröhre  dient  für  gewöhnlich  nur  dazu,  gleiche
optische  Verhältnisse  mit  der  rechten  Seite  herbeizuführen,  nämlich  das  System
Glasplatte  —  Flüssigkeit  —  Glasplatte.  Der  linke  Zylinder  wird  auf  Null  eingestellt, ­
  dann  ist  in  ihm  eine  Schicht  von  10  mm  Flüssigkeit  wirksam;  diese  Schicht
ist  auch  im  rechten  Zylinder  unterhalb  des  Nullstriches  vorhanden  und  es  bleibt
als  Unterschied  in  der  Wirkung  der  beiden  Seiten  nur  die  Länge  der  im  rechten
Zylinder  über  dem  Nullstrich  vorhandenen  Flüssigkeitsschicht  übrig.

J )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Geaußmittel  1904,  7,  129  u.  687.
        <pb n="883" />
        862

Schinutzwasser.

Oberhalb  des  linken  Zylinders  können  5  Gläser  (Fig.  320  a)  vorgeschaltet
werden,  nämlich  das  Glas  0,  welches  eine  Lichtdurchlässigkeit  von  90  °/ 0  besitzt
und  nur  bei  äußerst  schwach  getrübten  Flüssigkeiten  zur  Verwendung  kommt
oder  die  Gläser  1,  2,  3,  4.  Jedes  dieser  Gläser  besitzt  eine  Lichtdurchlässigkeit
von  50  °/ 0 ,  also  ein  Glas  50  °/ 0 ,  zwei  Gläser  25  °/ 0 ,  drei  Gläser  12,5  °/ 0  und  vier
Gläser  6,25  °/ 0 .  Mit  diesen  vier  Gläsern  läßt  sich  bis  zu  einer  Lichtdurchlässigkeit ­
  einer  Schicht  von  10  mm  Dicke  von  93  °/ 0  messen,  durch  das  Glas  0  wird
eine  Erweiterung  auf  99  °/ 0  erreicht.
Vor  das  Okular  ist  durch  einen  Schieber  ein  rotes  und  ein  grünes  Glas
einzuschalten.
Gebrauchsanweisung.  Das  Arbeiten  mit  dem  Diaphanometer  gestaltet
sich  trotz  der  scheinbaren  Umständlichkeit  der  Anordnung  sehr  einfach.
Das  Diaphanometer  wird  vor  einem  Fenster  so  aufgestellt,  daß  die  am  Stativ
befindliche  Milchglasplatte  voll  durch  Tageslicht  beleuchtet  ist;  direktes  Sonnenlicht
ist  zu  vermeiden.
Die  Einschaltungsgläser  (0,  1,  2,  3,  4)  müssen  stets  sauber  geputzt  sein,
ebenso  die  Glasgefäße.  Von  den  äußeren  Gefäßen  können  die  Füße  abgeschraubt
und  dann  die  Grundplatten  geputzt  werden.
Beide  Tauchröhren  werden  auf  100  gestellt  und  dann  so  viel  Flüssigkeit  in
die  äußeren  Zylinder  gegossen,  daß  die  Tauchröhren  eben  eintauchen.  Alsdann  wird
die  linke  Tauchröhre  auf  Null  gesenkt  und  dort  festgeschraubt.
Blickt  man  nun  durch  das  auf  das  Gesichtsfeld  eingestellte  Okular,  so  erscheint ­
  der  mittlere  Streifen  heller  als  die  Umgebung.  Es  wird  das  rote  Glas
vorgeschoben  und  darauf  werden  alle  Rauchgläser  No,  1,  2,  3,  4  über  den  linken
Zylinder  vorgeschlagen.  Erscheint  alsdann  der  mittlere  Streifen  dunkler  als  die
Umgebung,  so  wird  Glas  4,  wenn  nötig  auch  Glas  3  und  2  wieder  zurückgedreht,
bis  der  mittlere  Streifen  etwas  heller  als  die  Außenteile  des  Gesichtsfeldes  ist.  Ist
dieses  auch  bei  Glas  1  noch  nicht  der  Fall,  so  muß  Glas  0  benutzt  werden.  Hierauf ­
  senkt  man  das  rechte  Tauchrohr,  bis  Helligkeitsgleichheit  erzielt  ist,  liest  an
der  Teilung  der  Flüssigkeitshöhe  ab  und  dividiert  die  abgelesene  Zahl  durch  die
Anzahl  der  benutzten  Gläser.
Mit  dem  so  erhaltenen  Messungsergebnis  entnimmt  man  aus  der  Tabelle  I,
bezw.  für  das  Glas  0  aus  der  Tabelle  H,  die  Lichtdurchlässigkeit  der  untersuchten
Flüssigkeit  für  rotes  Licht.  Dabei  wird  man  zweckmäßig  meistens  die  für  eine
Schichtendicke  von  10  mm  angegebene  Zahl  benutzen,  für  sehr  dunkle  Flüssigkeiten
ist  auch  die  Lichtdurchlässigkeit  für  eine  Schicht  von  5  mm,  für  sehr  klare  diejenige ­
  für  100  mm  Dicke  angegeben.
Die  gleiche  Beobachtung  wird  alsdann  auch  mit  dem  grünen  Glase  gemacht
und  ebenso  die  Lichtdurchlässigkeit  für  grünes  Licht  ermittelt.
Da  das  Verfahren  auf  der  Voraussetzung  beruht,  daß  die  Flüssigkeit  in  ihrer
ganzen  Länge  gleichmäßig  ist,  so  muß  man  bei  trüben  Flüssigkeiten,  mit  rasch
sich  niedersohlagenden  Schwebestoffen,  möglichst  schnell  arbeiten.
Aus  den  beiden  Zahlen,  welche  aus  der  Tabelle  I  bezw.  II  für  die  beiden  Ablesungen ­
  in  Bot  und  Grün  erhalten  werden,  wird  das  Verhältnis  Grün/Eot  gebildet.
Aus  der  Tabelle  III  wird  der  zu  diesem  Verhältnis  gehörige  Faktor  k  entnommen
und  mit  ihm  die  Durchlässigkeit  für  Rot  multipliziert.  (Vergl.  die  Tabellen  S.  863.)
Das  so  erhaltene  Endergebnis  stellt  die  Durchlässigkeit  der  untersuchten
Flüssigkeit  für  weißes  Licht  dar.
(Fortsetzung  des  Textes  siehe  S.  864.)
        <pb n="884" />
        Chemische  Untersuchung.

863

Tabelle  1

für  die  Gläser  No.  1—4.
Bei  Anwendung  von  mehr  als  einem  Glas  muß  die  eingestellte  Plüssigkeitshöhe  durch  die  Zahl
•  der  Gläser  dividiert  werden.

riüssigkeits-

  hei
Helligkelts-




Lichtdurchlässigkeit
  in  Prozenten
für  eine  Schicht
von

Flüssigkeits ­
 ­
  bei
Helligkeits ­
 ­



Lichtdurchlässigkeit ­
  in  Prozenten
für  eine  Schicht
von

Fiüssigkeits-


Helligkeits-




Lichtdurchlässigkeit ­
  in  Prozenten
für  eine  Schicht
von

Flüssigkeits ­
 ­
  bei
Helligkeits ­
 ­



Lichtdurchlässigkeit ­
  in  Prozenten
für  eine  Schicht
von

10  mm

5  mm

10  mm

5  mm

10  mm

5  mm

10  mm

5  mm

100

93,3

96,6

37

82,9

91,0

22

73,0

86,4

8,5

44,2

66,5

95

92,9

96,4

36

82,5

90,8

21

71.9

84,8

8

42,0

64,8

90

92,6

96,2

35

82,0

90,6

20

70,7

84,1

7,5

39,7

63,0

85

92,2

96,0

34

81,6

90,4

19

68,4

83,3

7

37,2

61,0

80

91,7

95,8

33

81,1

90,1

18

68,0

82,5

6,5

34,4

58,7

75

91,2

95,5

32

80,6

89,7

17

66,5

81,6

6

31,5

66,1

70

90,6

95,2

31

80,0

89,4

16

64,8

80,5

5,5

28,4

53,3

65

89,9

94,8

30

79,4

89,1

15

63,0

79,4

5

25,0

50,0

60

89,1

94,4

29

78,8

88,8

14

60,9

78,0

4,5

21,4

46,3

00

88,1

93,9

28

78,1

88,4

13

58,7

76,6

4

17,7

42,1

50

87,1

93,3

27

77,4

88,0

12

56,1

74,9

3,5

13,8

37,6

45

85,7

92,6

26

76,6

87,5

11

53,2

72,9

3

9,9

31,5

40

84,1

91,7

25

75,8

86,9

10

60,0

70,7

2,5

6,2

24.9

39

83,7

91,5

24

74,9

86,5

9,5

48,2

69,4

2

3,1

17,6

38

83,3

91,3

23

74,0

86,0

9

46,3

68,0

1,5

1,0

10,0

1

0,0

3,1

Tabelle  II
für  Glas  No.  0.

Hiüssig-Lichtdurchlässig-





  bei

keit  in  Prozenten

keitshöhe
  bei

Heilig.

für  eine

Schicht

Heiligkeits-





keitsgleich-







heit

10  mm

100  mm

100

99,0

90,0

30

95

98,9

89,5

25

90

98,8

89,0

20

85

98,8

88,4

15

80

98,7

87,7

10

75

98,6

86,9

9

70

98,5

86,1

8

65

98,4

85,0

7

60

98,3

83,9

6

55

98,1

82,6

5

50

97,9

81,0

4

46

97,7

79,1

3

40

97,4

76,8

2

35

97,0

74,0

1

LIchtdurohlässigkeit
  in  Prozenten
für  eine  Schicht
von

10  mm

100  mm

96,5

70,4

95,9

65,6

94,9

59,1

93,2

49,5

90,0

34.9

89,0

31,0

87,7

26,0

86,0

22,0

83,9

17,3

81,0

12,2

76,8

7,2

70,4

3,0

59,1

0,5

34,9

Tabelle  III.

Grün
Bot

k

Grün
Bot

k

0,05

0,11

1,06

1,04

0,10

0.23

1,10

1,08

0,15

0.32

1,15

1,12

0,20

0,38

1,20

1,15

0,25

0,42

1,25

1,19

0,30

0,47

1,30

1,22

0,35

0,51

1,35

1,25

0,40

0,56

1,40

1,28

0,46

0,60

1,45

1,31

0,50

0,64

1,60

1,34

0,55

0,68

1,55

1,37

0,60

0,72

1,60

1,40

0,65

0,76

1,65

1,43

0,70

0,80

1,70

1,46

0,75

0,84

1,75

1,48

0,80

0,87

1,80

1,50

0,85

0.90

1,85

1,53

0,90

0,94

1,90

1,55

0,95

0,97

1,95

1,58

1,00

1,00

2,00

1,60
        <pb n="885" />
        864

Schmutzwasaer.

Beispiel:
Yorgeschlagene  Einstellung  Auf  1  reduziert:

Gläser;  rot  grün

rot

grün

No.  1,  2,  3  75  69

25,0

19,7

Lichtdurehlässigkeit  (nach  Tabelle  I)

75,8  o/ 0

10  «Io

Grün/Eot

.  .  .  0,92

k  (nach  Tabelle  III)  .  .  .

.  .  .  0,95

Lichtdurehlässigkeit  für  weißes  Li

cht  75,8  X  0,95  =

=  72,0  °/ 0 .

Das  Diaphanometer  läßt  sich  auch  als  Kolorimeter  für  Farbstofflösungen  verschiedenster ­
  Art  benutzen.  Konzentrierte  Lösungen  oder  Trübungen  wirken  nur
etwas  anders  als  verdünnte,  indem  erstere  selbstleuchtend  werden,  d.  h.  die  Zahlen
für  die  Lichtdurchlässigkeit  der  sehr  stark  getrübten  bezw.  der  sehr  stark  gefärbten
Flüssigkeiten  nehmen  nicht  in  demselben  Verhältnis  zum  Gehalt  ab,  wie  dieses  bei  den
wenig  getrübten  und  wenig  gefärbten  Flüssigkeiten  der  Fall  ist.  Darum  erhält
man  aber  bei  denselben  Messungen  mit  dem  Diaphanometer  unter  sich  vergleichbare ­
  Werte.
3.  Alkalität.  Zur  Bestimmung  der  durch  freien  Kalk,  Ammoniak  usw.  bedingten ­
  Alkalität  titriert  man  200  ccm  mit  1 / 10  Normal-Schwefelsäure  unter  Anwendung ­
  von  Phenolphthalein  als  Indikator,  indem  man  dieselbe  auf  CaO  in  Milligramm ­
  für  1  1  ausdrückt.
i.  Freie  Säuren.  Die  freien  Säuren  lassen  sich  unter  Anwendung  von  Lackmus-Tinktur ­
  nur  dann  mit  titrierter  Alkalilauge  bestimmen,  wenn  das  Wasser  als
Basen  nur  Alkalien  und  alkalische  Erden  enthält.  Sind  auch  Metalloxyde,  z.  B.
von  Eisen,  Zink,  Kupfer  vorhanden,  so  läßt  sich  die  Menge  der  freien  Säuren  nur
dadurch  feststellen,  daß  man  die  Gesamtmenge  der  Säuren  und  der  Basen  bestimmt,
auf  Salze  umrechnet  und  den  verbleibenden  Rest  als  freie  Säuren  annimmt.  Hierbei
nimmt  man  diejenige  Säure  als  ungebunden  an,  die  nach  der  Natur  des  Abwassers
als  im  Überschuß  vorhanden  anzunehmen  ist  (vergl.  No.  16  S.  871).
5.  Verbrauch  von  Kaliumpermanganat  bezw.  Oxydierbarkeit.  Die  durch
übermangansaures  Kalium  zu  oxydierenden  Stoffe  werden  stets  in  dem  filtrierten
Wasser  bestimmt.  Dabei  ist,  wenn  gereinigtes  und  ungereinigtes  Wasser  vergleichend ­
  untersucht  werden  sollen,  die  Verdünnung  so  zu  wählen,  daß  zu  dem
gleichen  Volumen  verdünnten  Wassers  annähernd  eine  gleiche  Anzahl  Kubikzentimeter ­
  1 /ioo  N.-Kaliumpermanganatlösung  verwendet  wird.
Man  verdünnt  also  entweder  25,  50  oder  100  ccm  des  filtrierten  Abwassers
auf  1000  com  und  nimmt  hiervon  entweder  26  oder  50  ccm  usw.,  so  daß  die  Flüssigkeit ­
  beim  Kochen  mit  20  com  1 / 100  N.-Kaliumpermanganatlösung  noch  gerötet  bleibt.
Die  Oxydation  wird  in  alkalischer  und  saurer  Lösung  vorgenommen  (vergl.  S.  807).
Aus  der  verbrauchten  Menge  Kaliumpermanganat  wird,  da  hier  außer  organischen
Stoffen  auch  größere  Mengen  Eisenoxydul-,  Schwefelverbindungen  und  Nitrite  oxydiert
werden  können,  die  zur  Oxydation  erforderliche  Menge  Sauerstoff  berechnet.
1  ccm  1 / 100  N.-Kaliumpermanganatlösung  =  0,00008  mg  Sauerstoff.
In  England  sind  statt  vorstehenden  allgemeinen  Verfahrens  noch  einige  besondere ­
  Verfahren  zur  Messung  der  Sauerstoffabsorption  in  Gebrauch,  nämlich: 1 )
a)  Four  Hours  Test  (Vierstundenprobe).  70  ccm  des  zu  untersuchenden  Wassers
(bezw.  mehr  bei  wenig  vorhandener  oder  weniger  bei  viel  vorhandener  organischer
Substanz)  werden  mit  10  ccm  Schwefelsäure  (1  :  3)  und  50  ccm  Kaliumpermanganat1 ­

 )  Vergl.  Farnsteiner,  Buttenberg  und  Korn  (1.  c.)  13.
        <pb n="886" />
        Chemische  Untersuchung.

865

lösung,  von  der  10  ccm  =  1,0  mg  Sauerstoff  entsprechen  (0,396  g  Kaliumpermanganat
in  1  1  Wasser), 1 )  versetzt  und  4  Stunden  in  einer  verschlossenen  Flasche  unter
zeitweisem  Umschütteln  —  wenn  oxydierbare  Schwebestoffe  vorhanden  sind  —  bei
gewöhnlicher  Temperatur  stehen  gelassen.  Wenn  die  Permanganatlösung  vor  Ablauf ­
  von  4  Stunden  merklich  blasser  wird,  setzt  man  eine  2.  und,  wenn  nötig,  eine
3.  Menge  obiger  Säure  und  Permanganatlösung  zu.  Nach  Ablauf  von  4  Stunden
werden  einige  Tropfen  10°/ o -iger  Jodkaliumlösung  zugesetzt  und,  die  durch  das
überschüssig  zugesetzte  Kaliumpermanganat  ausgeschiedene  Menge  Jod  durch  Titration
mit  Natriumthiosulfat  bestimmt;  letztere  enthält  etwa  7  g  Natriumthiosulfat  in  1  1
und  ist  so  eingestellt,  daß  25  ccm  =  50  ccm  Kaliumpermanganat  entsprechen;  dieses
Verhältnis  wird  vor  jedem  Versuch  durch  einen  blinden  Versuch  mit  70  ccm
destillierten  Wassers,  10  ccm  obiger  Schwefelsäure  und  50  ccm  Kaliumpermanganatlösung ­
  bestimmt.
Aus  dem  Unterschiede  der  zugesetzten  und  nicht  verbrauchten  Menge  Permanganatlösung ­
  berechnet  sich  die  Menge  des  absorbierten  Sauerstoffs.
Anmerkung.  Nach  Tidy  läßt  man  die  obige  Kaliumpermanganatlösung  und
Schwefelsäure  2  bezw.  3  Stunden,  nach  dem  „Three  Minutes  Test  (Dreiminutenprobe)“ ­
  3  Minuten  bei  gewöhnlicher  Temperatur  ein  wirken,  im  übrigen  aber  wird  wie  bei
der  „Vierstundenprobe“  verfahren.
b)  incubator  Test  (Bebrütungsprobe).  Zuerst  wird  eine  Bestimmung  des  dem
Permanganat  in  3  Minuten  entzogenen  Sauerstoffs  ausgeführt,  hierauf  wird  eine
Flasche  vollständig  mit  der  Probe  gefüllt,  6  oder  7  Tage  im  Brutschrank  (bei  27  °)
gehalten  und  hiervon  wiederum  die  Sauerstoffabsorption  während  3  Minuten  wie
oben  bestimmt.  Falls  während  der  Bebrütung  Fäulnis  stattgefunden  hat,  wird  die
Sauerstoffabsorption  infolge  der  gebildeten  Fäulniserzeugnisse  wie  Schwefelwasserstoff ­
  usw.  eine  größere  sein;  hat  das  Wasser  durch  die  Bebrütung  keine  Zersetzung
erfahren,  sondern  ist  es  frisch  geblieben,  so  wird  die  Sauerstoffabsorption  während
3  Minuten  dieselbe  sein,  wie  nach  der  Bebrütung;  ja  es  kann  nach  der  Bebrütung
sogar  eine  etwas  geringere  Sauerstoffahsorption  beobachtet  werden,  weil  durch  die
Bebrütung  mit  Hilfe  des  gasförmig  vorhandenen  und  des  Nitrat-Sauerstoffs  eine
schwache  Oxydation  der  organischen  Stoffe  bewirkt  werden  kann.
Die  Bestimmung  des  Kaliumpermanganatverbrauches  geschieht  wie  bei  a.
6.  Organischer  Kohlenstoff.  Degener 2 )  hat  früher  ein  Verfahren  angegeben,
den  organischen  Kohlenstoff  in  einem  Schmutzwasser  durch  Zusatz  von  Chromsäure
zu  oxydieren  und  als  Kohlensäure  zu  bestimmen.  Das  Verfahren  aber  hat  den
Nachteil,  daß  eine  größere  Menge  Wasser  auf  20—30  ccm  eingedampft  werden
muß,  wodurch  organische  Stoffe  sowohl  verflüchtigt  als  zersetzt  werden  können.
Verfasser 8 )  hat  daher  folgendes  Verfahren  als  verhältnismäßig  einfach  und  genau
in  Vorschlag  gebracht:
500  ccm  des  Wassers  (oder  250  ccm  bei  den  an  organischen  Stoffen  sehr
reichen  Wässern)  werden,  wenn  es  trübe  ist  —  und  das  ist  hei  den  städtischen  und
industriellen  Abwässern  mit  viel  organischen  Stoffen  wohl  stets  der  Fall  —  durch
einen  großen  Goochschen  (Porzellan-  oder  Metall-)  Tiegel  (von  etwa  100  ccm  In-*)
  Das  Wasser  soll  zur  Oxydation  der  vorhandenen  organischen  Substanz  vorher  mit
Kaliumpermanganat  versetzt  werden,  bis  es  sehr  schwach  rötlich  erscheint.
2 )  Zeitschr.  d.  Vereins  f.  Rübenzucker-Industrie  d.  deutschen  Reiches  1882,  59.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,  193.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  8.  Auflage.

65
        <pb n="887" />
        866

Sohmutzwasser.

halt)  mit  Asbestfilter  unter  Anwendung  der  Säugpumpe  schnell 1 )  filtriert  und  der
ahgesaugte  Rückstand  im  Tiegel  mit  etwas  destilliertem  Wasser  nachgewaschen.
a)  Das  Filtrat  gibt  man  in  einen  Eundkolhen  k  (Fig.  321  links),  setzt  10  ccm
verdünnter  Schwefelsäure  zu  und  verbindet,  wie  es  Fig.  321  veranschaulicht,  mit
dem  Kühler,  aber  ohne  die  Verbindung  mit  dem  übrigen  Teil  des  Apparates  herzustellen. ­
  Das  Wasser  wird  also  —  mit  offenem  Kühlerrohr  —  zuerst  eine  halbe
Stunde  unter  fortwährendem  Kühlen  gekocht,  bis  alle  fertig  gebildete  Kohlensäure
ausgetrieben  ist.  Darauf  läßt  man  erkalten,  setzt  3  g  Kaliumpermanganat  —  in
den  meisten  Fällen  genügen  auch  2  g  —,  10  ccm  einer  etwa  30°/ 0 -igen  Merkurisulfatlösung®)
  (d.  h.  20  g  Quecksilberoxyd  in  100  ccm  verdünnter  Schwefelsäure
gelöst)  sowie  noch  weitere  40  ccm  verdünnte  Schwefelsäure  zu  und  verbindet
wiederum  mit  dem  Kühler.  Jetzt  aber  stellt  man  die  Verbindung  des  Kühlers  mit
den  Rohren  a—e  her,  wie  es  die  Fig.  321  zeigt.

Das  Peligotsche  Rohr  a  ist  bis  zum  unteren  Ende  der  großen  Kugeln  mit  etwa
20  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  gefüllt,  das  Rohr  b  enthält  Chlorcalcium,  o  und  d
Natronkalk  und  e  zur  Hälfte  Natronkalk,  zur  Hälfte  Chloroalcium.  Der  Kolben  k  (Fig.  321
links)  ist  mit  einem  doppelt  durchbohrten  Gummipfropfen  geschlossen,  durch  dessen  eine  Öffnung
ein  Glasrohr  zum  Kühler  führt,  während  durch  die  andere  Öffnung  ein  Glastrichterrohr  t,
welches  oben  ein  mit  Natronkalk  gefülltes  Glasrohr  m  trägt,  bis  nahezu  auf  den  Boden
des  Kolbens  reicht;  das  Glasrohr  m  soll  die  von  links  zutretende  Luft  von  Kohlensäure  befreien; ­
  der  Kühler  dient  zur  Verdichtung  der  Wasserdämpfe,  die  Rohre  a  und  b  sollen
die  letzten  Reste  Wasserdampf  beseitigen,  während  das  Rohr  e  den  Zutritt  von  Wasser
*)  Bei  schwer  filtrierenden  Flüssigkeiten  kann  man  die  Filtration  unter  Umständen
durch  Fällen  mit  einer  Losung  von  Bisen-  oder  Aluminiumalaun  und  Dinatriumphosphat
ohne  Beeinträchtigung  der  Ergebnisse  unterstützen.
2 )  Diesen  Zusatz  habe  ich  deshalb  angewendet,  weil  bekanntlich  auch  bei  den  Stickstoffbestimmungen ­
  nach  Kjeldahl  die  Quecksilbersalze  die  vollkommene  Verbrennung
wesentlich  unterstützen.
        <pb n="888" />
        Chemische  Untersuchung.

867

und  Kohlensäure  von  rechts  her  abhält.  Die  Röhrchen  o  und  d  dienen  zur  Bindung
der  durch  die  Oxydation  gebildeten  Kohlensäure;  sie  werden  daher  vor  und  nach
dem  Versuch  gewogen.  Der  Natronkalk  in  dem  Rohre  c  bindet  die  Kohlensäure,  wenn  die
Entwickelung  nicht  gar  zu  rasch  vor  sich  geht,  sehr  vollkommen,  so  daß  das  zweite
Natronkalkrohr  d  meistens  kaum  eine  Gewichtsvermehrung  zeigt.  Auch  kann  man  die
Rohre  o  und  d  für  mehrere  Versuche  —  bis  sechs  und  mehr,  je  nach  den  entwickelten
Mengen  Kohlensäure  —  benutzen;  erst  wenn  das  Rohr  d  einige  Milligramm  Gewichtszunahme ­
  zeigt,  muß  der  Natronkalk  in  dem  Rohre  c  erneuert  werden.
Man  kann  auch  konzentrierte  Kalilauge  im  Liehigsehen  Kaliapparat  zur  Bindung
der  Kohlensäure  verwenden,  indes  hat  Kalilauge  den  Übelstand,  daß  sie  beim  Stoßen  der
Flüssigkeit,  was  häufig  bei  der  Oxydation  der  Schwebestoffe  in  dem  kleinen  Kölbchen  k
stattfindet,  leicht  verspritzen  kann.
Nach  Verbindung  des  Apparates  erwärmt  man  den  Kolben  k  mit  kleiner
Flamme,  so  daß  nur  langsam  und  gleichmäßig  Gashlasen  sich  entwickeln,  in  derselben ­
  Weise  wie  bei  einer  Elementaruntersuohung;  den  Gang  der  Gasentwickelung
beobachtet  man  in  dem  mit  wenig  konzentrierter  Schwefelsäure  beschickten  Rohr  a.
Wenn  nach  einigem  Kochen.  der  Flüssigkeit  die  Gasentwickelung  aufhört
und  die  Flüssigkeit  in  Rohr  a  zuriiekzusteigen  beginnt,  entfernt  man  für  einen
Augenblick  die  Flamme  unter  dem  Kolben  k,  verbindet  mit  einem  Aspirator,  öffnet
den  Hahn  am  Trichterrohr  t  und  leitet  so  lange  —  etwa  1 / 2  Stunde  —  einen
schwachen  Luftstrom  durch,  bis  alle  Kohlensäure  aus  dem  Apparat  entfernt  und
durch  die  Natronkalkrohre  c  und  d  zur  Bindung  gelangt  ist.  Während  des  Durchleitens
  der  Luft  kann  der  Inhalt  in  Kolben  k  anfangs  durch  eine  kleine  Flamme  bei
gutem  Kühlen  in  schwachem  Sieden  erhalten  bezw.  erwärmt  werden,  um  die  Entfernung ­
  der  Kohlensäure  aus  dem  Kolben  und  Kühler  usw.  zu  unterstützen.  Der
Inhalt  der  Rohre  m,  b  und  e  braucht  nur  zeitweise  nach  wiederholter  Benutzung
erneuert  zu  werden.  Die  konzentrierte  Schwefelsäure  im  Rohre  a  dagegen  erneuert
man  zweckmäßig  nach  je  zwei  bis  drei  Bestimmungen.
Die  mit  Glashähnen  versehenen  Rohre  c  und  d  werden  nach  Beendigung  des
Versuches  weggenommen,  geschlossen  etwa  1 / 2  Stunde  beiseite  gestellt,  dann  kurze
Zeit  geöffnet,  wieder  geschlossen  und  gewogen.
Falls  man  auch  die  fertig  gebildete  Kohlensäure  auf  diese  Weise  bestimmen ­
  will,  so  verbindet  man  den  Kolben  k  durch  das  Kfthlrohr  von  Anfang  an  mit
den  Absorptionsröhren,  wägt  Rohre  c  und  d  vor  und  nach  dem  Auskochen  des  Wassers
mit  alleinigem  Zusatz  von  Schwefelsäure  und  verfährt  für  die  Bestimmung  des  gelösten
organischen  Kohlenstoffs  dann  weiter,  wie  bereits  angegeben  ist.
Sollten  in  einem  Wasser  flüchtige,  organische  Kohlenstoffverbindungeu
vorhanden  sein,  die  sich  in  ähnlicher  Weise  wie  Kohlensäure  nicht  wieder  mit  den  Wasserdämpfen ­
  verdichten  sollten,  so  würde  man  zu  wenig  organischen  Kohlenstoff  finden.  Man
müßte  in  einem  solchen  Falle  —  der  allerdings  äußerst  selten  sein  dürfte  —  die  fertig
gebildete  Kohlensäure  und  den  organischen  Kohlenstoff  nach  sofortigem  Zusatz  von  Schwefelsäure, ­
  Kaliumpermanganat  und  Merkurisulfat  zusammen  und  in  einer  zweiten  gleichgroßen
Menge  Wasser  die  fertig  gebildete  Kohlensäure  für  sich  allein  nach  Zusatz  von  Kalk-Wasser
  -f-  Chlorcalcium  usw.  bestimmen,  letztere  Menge  von  ersterer  Gesamt-Kohlensäure  abziehen,
  um  aus  dem  Rest  der  Kohlensäure  durch  Multiplikation  mit  0,2727  den  organischen
Kohlenstoff  zu  berechnen.
b)  Behufs  Bestimmung  des  organischen  Kohlenstoffs  in  den  Schwebestoffen ­
  der  angewendeten  500  ccm  Wasser  gibt  man  den  Rückstand  im  Goochschen
  Tiegel  samt  Asbestfilter 1 )  in  ein  etwa  250  ccm  großes  Kölbchen  k  (Fig.  321
r )  Das  ganze  Filter  läßt  sich  nach  Auflockerung  der  gut  abgesaugten  Bodenmasse
mittels  eines  Platiuspatels  leicht  verlustlos  ausheben.;  nötigenfalls  wischt  man  den  Tiegel
mit  etwas  geglühtem  weichem  Asbest  aus.

53*
        <pb n="889" />
        868

Schmutzwasser.

rechts),  setzt  10  ccm  20  %-ige  Merkurisulfatlösung,  5  g  Chromsäure  —  oder  10  ccm
einer  50  °/ 0 -igen  Chromsäurelösung  —  zu,  verbindet  das  kleine  Kölbchen  mit  dem
Kühler  (vergl.  Fig.  321,  S.  866)  und  durch  den  letzteren  mit  den  genannten
Ahsorptionsrohren.  Darauf  läßt  man  unter  starker  Durchleitung  von  Kühlwasser
durch  das  Trichterrohr  m  langsam  50  ccm  konzentrierte  Schwefelsäure  zufließen,
erwärmt  mit  einer  ganz  kleinen  Flamme  allmählich,  so  daß  nur  Gasblase  für  Gasblase
entwickelt  wird,  zuletzt  stärker,  bis  keine  Gasblasen  mehr  durch  die  Peligotsche
Röhre  aufsteigen.  Die  Flüssigkeiten  in  Kolben  k  und  Rohr  a  fangen  dann  an  zu
stoßen. 1 )  Man  verbindet  von  da  an  mit  dem  Aspirator  und  leitet  wie  vorhin  einen
langsamen  Luftstrom  durch,  bis  man  sicher  ist,  daß  die  gebildete  Kohlensäure  aus
dem  Kolben  entfernt  ist.  Auch  hier  wird  die  Flüssigkeit  im  Kolben  k  während  des
Durchleitens  von  Luft  anfänglich  in  schwachem  Sieden  erhalten.
Sollte  der  Rückstand  im  Goochsohen  Tiegel  (bezw.  die  Schwebestoffe  des  Wassers)
Calcium-  oder  Magnesiumkarbonat  enthalten,  so  würde  man  denselben  nach  Binfüllen  in
den  kleinen  Kolben  k  vor  dem  Zusatz  von  Chromsäure  vorher  wie  bei  a  Nachsatz  S.  867
mit  verdünnter  Schwefelsäure  kochen  müssen.
Die  Anwendung  von  Kaliumpermanganat  an  Stelle  von  Chromsäure  zur  Oxydation  des
organischen  Kohlenstoffs  in  den  abfiltrierten  Schwebestoffen  empfiehlt  sich  nicht,  weil
dabei  die  Oxydation  bezw.  Entwickelung  von  Kohlensäure  durchweg  so  stürmisch  verläuft,
daß  diese  in  den  Absorptionsrohren  c  und  d  nicht  vollständig  gebunden  wird.
7.  Schwefelwasserstoff.  Eine  genaue  Bestimmung  des  Schwefelwasserstoffs  in
den  an  organischen  Stoffen  reichen  Abwässern  ist  kaum  möglich.  Annähernd  erfährt
man  denselben  dadurch,  daß  man  zunächst  etwas  Stärkekleister  zu  etwa  200  ccm
Wasser  setzt  und  nun  so  lange  titrierte  Jodlösung  hinzufügt,  bis  Bläuung  eintritt.
Hierdurch  erfährt  man  annähernd  die  erforderliche  Menge  Jodlösung.  Jetzt  gibt
man  diese  auf  einmal  in  einen  Kolben,  setzt  rasch  andere  200  ccm  des  Wassers  zu,
schüttelt  durch,  setzt  Stärkelösung  zu  und  läßt  noch  so  viel  Jodlösung  zufließen,
bis  eben  Blaufärbung  eintritt.  Auf  diese  Weise  vermeidet  man  eine  teilweise  Verflüchtigung ­
  des  Schwefelwasserstoffs  während  des  Titrierens.
Darstellung  der  Jodlösung:  6,3485  g  gereinigtes  Jod  werden  mit  Hilfe  von  9  g
jodsäurefreiem  Jodkalium-)  in  200  ccm  Wasser  gelöst;  man  gibt  sodann  die  Lösung  in
einen  1 / ä  1-Kolbeu  mit  Glasstöpsel,  füllt  bis  zur  Marke  auf  und  mischt,  100  ccm  dieser
1 / 10  Normallösung  werden  (in  einem  Literkolben  mit  Glasstöpsel)  auf  1000  ccm  verdünnt
und  letztere  ( l / 100  Normallösung)  zur  Bestimmung  des  Schwefelwasserstoffs  in  dem  Wasser
benutzt.  1  ccm  dieser  Jodlösung  ist  =  0,0012697  g  Jod  =  0,00017  g  Schwefelwasserstoff.
Zur  Prüfung  des  Jodtiters  kann  man  2,476  g  reinstes  unterschwefligsaures  Natrium
zu  1  1  lösen  und  diese  Lösung  nach  Zusatz  von  Stärkelösung  gegen  die  Jodlösung
titrieren,  20  com  der  Natriumsalzlösung  müssen  im  Palle  der  Richtigkeit  des  Titers  —
und  der  Reinheit  des  Natriumsalzes  —  genau  durch  20  ccm  der  Jodlösnng  eben  blau  gefärbt ­
  werden.  (Zur  genauen  Feststellung  des  Jodgehaltes  vergl.  Fresenius:  Quantitative
Untersuchung,  6.  Aufl.,  S.  489.)  Oder  man  stellt  mit  Kaliumbichromat  ein  (vergl.  S.  531).
Stärkelösung:  1  Teil  reinste  Stärke  wird  mit  100  Teilen  kaltem  Wasser  nach
und  nach  angerührt  und  unter  stetem  Umrühren  zum  Kochen  erhitzt.  Dann  läßt  man  erkalten ­
  und  gießt  die  Flüssigkeit  von  einem  etwaigen  Bodensatz  ab  (vergl.  unter  Lösungen
No.  24  am  Schluß).  Man  kann  sich  aber  auch  der  nach  Zulkowski  dargestellten  Stärkelösung ­
  bedienen  (vergl.  S.  532,  Anmerkung  1).
*)  Ein  Mittel,  dieses  unangenehme  Stoßen  zu  vermeiden,  habe  ich  bis  jetzt  nicht
finden  können.
2 )  Man  prüft  dasselbe  auf  Jodsäure  dadurch,  daß  man  eine  mit  Stärke  versetzte
Lösung  mit,  etwas  Salzsäure  vermischt.  Ist  Jodsäure  vorhanden,  so  wird  Jod  ausgeschieden
und  die  Flüssigkeit  blau.  Wenn  letztere  ungefärbt  bleibt,  so  ist  das  Jodkalium  verwendbar.
        <pb n="890" />
        Chemische  Untersuchung.

869

Wenn  die  Titration  der  Abwässer  wegen  starker  Färbung  usw.  mit  Jodlösung
nicht  möglich  ist,  so  kann  man  das  Wasser  auch  mit  ammoniakalisoher  Silberlösung ­
  versetzen,  das  ausgeschiedene  Schwefelsilber  filtrieren,  in  Salpetersäure
lösen,  wieder  als  Chlorsilber  fällen  und  wägen.  1  g  AgCl  =  0,1164  g  Schwefelwasserstoff. ­

Aber  auch  dieses  Verfahren  ist  nicht  genau,  weil  die  organische  Substanz  in
diesen  Wässern  leicht  Süberlösung  reduziert.
Unter  Umständen  (bei  schwachem  Gehalt)  kann  man  die  Bestimmung  des
Schwefelwasserstoffs  auch  kolorimetrisch  ausführen,  indem  man  zu  etwa  100  ccm
Wasser  1  ccm  Nitroprussidnatrium  (2  g  dieses  Salzes  in  1  1  Wasser)  setzt  und
die  entstehende  Violettfärbung  mit  einer  Skala  vergleicht,  welche  man  sich  aus  je
2  ccm  Natronlauge  (1  :  2),  1  ccm  Nitroprussidnatriumlösung  und  bestimmten  Mengen
eines  Schwefel  Wasserstoff  wassers  von  genau  bekanntem  Gehalt  und  durch  Verdünnen
des  Ganzen  bis  zu  100  ccm  hergestellt  hat.
8.  Ammoniak.  Je  nach  dem  Gehalt  werden  250,  500  oder  1000  ccm  des
filtrierten  Wassers  in  einer  geräumigen  Retorte  mit  gebrannter  Magnesia  versetzt, ­
  am  vorgelegten  Kühler  entsprechend  lange  destilliert,  indem  das  Destillat  in
einer  Vorlage  mit  titrierter  Schwefelsäure  aufgefangen  und  der  Überschuß  der
letzteren  zurücktitriert  wird.  Bei  der  leichten  Zersetzbarkeit  der  stickstoffhaltigen
Verbindungen  mancher  Abwässer  wird  leicht  zu  viel  Ammoniak  erhalten.
!).  Suspendierter  und  gelöster  organischer  Stickstoff  -j-  Ammoniak.  Je  200  ccm
des  gut  durchgemischten,  unfiltrierten  und  des  durch  ein  trocknes  Filter  filtrierten
Abwassers  —  bei  geringhaltigen  Wässern  500  ccm,  bei  gehaltreicheren  100  ccm  —
werden  behufs  Zerstörung  der  Salpetersäure  mit  etwas  saurem  schwefligsauren  Natrium,
Eisenchlorid  und  einigen  Tropfen  Schwefelsäure  versetzt,  in  Hoffmeisterschen
Glasschälohen  unter  Zusatz  von  etwas  Gips  zur  Trockne  verdampft,  der  trockne
Rückstand  samt  Glasschälchen  zerdrückt,  verlustlos  in  einen  Kolben  gebracht  und
nach  Kjeldahl  (S.  138)  verbrannt.
Das  Eindampfen  der  angegebenen  Wassermengen  unter  vorstehenden  Zusätzen
—  mit  Ausnahme  von  Gipszusatz  —  kann  aber  auch  recht  gut  direkt  in  dem  Glaskolben ­
  von  500—600  ccm  Inhalt  geschehen;  wenn  die  Flüssigkeit  bis  auf  etwa
10—20  ccm  im  Kolben  eingedunstet  ist,  werden  nach  dem  Erkalten  20  ccm
konzentrierte  Schwefelsäure  zugesetzt  und  darauf  wird,  wie  S.  138  angegeben,  weiter
verfahren.
Die  Differenz  zwischen  dem  Stickstoffgehalt  des  unfiltrierten  und  filtrierten
Wassers  ist  die  Menge  des  in  suspendierter  Form  vorhandenen  Stickstoffs.
Es  ist  hier  besonders  darauf  zu  achten,  daß  die  verwendeten  Reagenzien
(Schwefelsäure  usw.)  völlig  frei  von  Stickstoffverbindungen,  z.  B.  frei  von  Salpetersäure ­
  sind,
10.  Bestimmung  des  organisch  gebundenen  Stickstoffs  (bezw.  des  sog.  Albnminoid-Amnioniaks).
  Die  Menge  dieses  Stickstoffs  kann  aus  der  Differenz  des  nach
No.  9  gefundenen  gelösten  organischen  Stickstoffs  und  des  nach  No.  8  gefundenen
Ammoniakstickstoffs  berechnet  werden.
Soll  dieser  Stickstoff  noch  besonders  bestimmt  werden,  so  wendet  man  am  zweckmäßigsten ­
  das  Verfahren  von  Wanklyn,  Chapmann  und  Smith  an,  welches  darin
besteht,  daß  man  je  nach  der  vorhandenen  Menge  Stickstoff  1—2  1  Wasser  erst
unter  Zusatz  von  einigen  Kubikzentimetern  Natriumkarbonatlösung  längere  Zeit  in
einer  geräumigen  Retorte  mit  vorgelegtem,  schräg  aufstehendem  Kühler  wie  bei  der
Ammoniakbestimmung  kocht,  um  alles  fertig  gebildete  Ammoniak,  welches  in  einer
        <pb n="891" />
        870

Schmutzwasser.

Vorlage  aufgefangen  wird,  auszutreiben.  Nach  dem  Erkalten  setzt  man  100  ccm  einer
Lösung  zu,  welche  200  g  Kalihydrat  und  8  g  Kaliumpermanganat  im  Liter  enthält,
und  kocht  wieder  mehrere  Stunden;  das  alsdann  entwickelte  Ammoniak  wird  in  einer
neuen,  mit  dem  Kühler  verbundenen  Vorlage  aufgefangen  und  wie  üblich  bestimmt.
11.  Salpetersäure.  Falls  eine  Bestimmung  der  Salpetersäure  erforderlich  ist,
verdampft  man  1  1  unter  Zusatz  von  etwas  Kalilauge  und  zuletzt  von  etwas  Kaliumpermanganat ­
  bis  auf  etwa  50  ccm  und  bestimmt  darin  die  Salpetersäure  wie  in
gewöhnlichem  Wasser  nach  dem  Schlösingschen  Verfahren 1 )  S.  144.
12.  Salpetrige  Säure.  Vergl.  unter  „Trinkwasser“  (S.  810).
Zur  annähernden  quantitativen  Bestimmung,  die  hier  sehr  schwierig  ist,
destilliert  man  etwa  500  ccm  des  mit  Schwefelsäure  angesäuerten  Wassers  im
Kohlensäurestrome  und  prüft  das  Destillat  nach  S.  810.
18.  Eiweiß-Verbindungen,  Zucker,  Stärke  usw.  Die  Abwässer  werden  (nötigenfalls ­
  bei  kalkhaltigen  Wässern  nach  Sättigen  mit  Kohlensäure)  auf  ein  geringes
Volumen  eingedunstet,  wenn  Schwefelwasserstoff  zugegen,  hiervon  durch  Bleiessig
befreit  und  bei  60°  mit  dem  Millonschen  Reagens *  2 )  (eine  Lösung  von  salpetersaurem
  Quecksilberoxydul,  welche  salpetrige  Säure  enthält)  versetzt.  Wenn  Eiweißstoffe ­
  zugegen  sind,  wird  die  Lösung  rosenrot.  Oder  man  erkennt  die  Eiweißstoffe  an
der  Violettfärbung  durch  die  Biuret-Reaktion  (Zusatz  von  Natronlauge  und  einem
oder  einigen  Tropfen  verdünnter  Kupfersulfatlösung).
Die  Prüfung  der  Abwässer  auf  Zucker,  Stärke,  Hefe  usw.  erfolgt  nach  entsprechender ­
  Konzentration  —  bezw.  bei  Stärke  und  Hefe  nach  dem  Zentrifugieren  —
in  bekannter  Weise  mit  Fehlingscher  Lösung  bezw.  mikroskopisch  usw.
14.  Chloride.  100  ccm  des  filtrierten  Wassers  —  bei  hohem  Gehalt  entsprechend ­
  weniger  —  werden  zum  Kochen  erhitzt,  ein  oder  mehrere  Körnchen
Kaliumpermanganat  hinzugesetzt  und  so  lange  gekocht,  bis  die  Flüssigkeit  vollständig ­
  hell  und  klar  geworden  ist  und  die  Manganoxyde  sich  flockig  abgeschieden ­
  haben.  Hat  man  etwas  zu  viel  Kaliumpermanganat  zugesetzt,  so  daß  die
Flüssigkeit  rot  gefärbt  bleibt,  so  fügt  man  einen  oder  einige  Tropfen  absoluten
Alkohol  zu,  bis  Entfärbung  eintritt.  Dann  wird  filtriert,  ausgewaschen  und  das
wasserhelle  Filtrat  wie  üblich  mit  1 / 10  Normalsilberlösung  titriert.
Sollte  man  zur  Zerstörung  der  organischen  Stoffe  viel  Kaliumpermanganat
verbraucht  haben  und  das  Filtrat  eine  alkalische  Reaktion  besitzen,  so  neutralisiert
man  entweder  vor  der  Titration  mit  Essigsäure,  oder  man  säuert  mit  Salpetersäure
an  und  bestimmt  das  Chlor  gewichtsanalytisch  durch  Fällen  mit  Silberlösung  oder
titrimetrisch  nach  Volhard.
15,  Freies  Chlor.  Man  verwendet  je  nach  dem  Gehalt  100—500  ccm  des  zu
prüfenden  Wassers,  versetzt  mit  1  g  reinstem  Jodkalium,  sowie  mit  genügender  Salzsäure ­
  und  titriert  das  freigewordene  Jod  durch  1 / 10  Normal-Thiosulfatlösung  (24,8  g
in  1  1  Wasser),  indem  man  zunächst  letztere  bis  zur  schwachen  Gelbfärbung  zufließen ­
  läßt,  dann  frische,  kalte  Stärkelösung  (1  g  auf  100  ccm  Wasser)  zusetzt  und  bis
zur  Entfärbung  zu  Ende  titriert.  1  ccm  Normal-Thiosulfatlösung  =  0,003545  g  Chlor.
*)  Das  Ulscbsche  Verfahren  liefert  bei  Wässern,  die  viel  organischen  Stickstoff
enthalten,  unter  Umständen  zu  viel  Stickstoff  (vergl.  K.  Farnsteiner  und  W.  Stüber,
Zeitschr,  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1905,  10,  329  u.  330).
2 )  Dasselbe  wird  wie  folgt  bereitet:  1  Teil  Quecksilber  wird  in  2  Teilen  Salpetersäure ­
  von  1,42  spezifischem  Gewicht  gelöst,  erst  in  der  Kälte,  zuletzt  in  der  Wärme.  Nach
vollständiger  Lösung  fügt  man  auf  1  Volumen  Lösung  2  Volumen  Wasser  zu,  läßt  einige
Stunden  absitzen  und  bewahrt  die  abgegossene  klare  Flüssigkeit  in  einem  mit  Glasstöpsel
versehenen  Fläschchen  auf.
        <pb n="892" />
        Chemische  Untersuchung.

871

Das  Verfahren  ist  nicht  ganz  fehlerfrei,  liefert  aber  für  Abwässer  genügend
richtige  Ergebnisse.
Unter  Umständen  kann  statt  der  Thiosulfatlösnng  auch  1 / 10  Normal-Arsenlösung ­
  (4,950  g  arsenige  Säure  in  200  ccm  Wasser  mit  10  g  Natriumbikarhonat
gelöst  und  auf  1  1  verdünnt)  angewendet  werden,  indem  man  das  Ende  der  Reaktion
nach  dem  Tüpfelverfahren  auf  Jodkaliumstärkepapier  (getränkt  mit  einer  filtrierten
Lösung  von  1  g  Stärke  in  100  ccm  gekochtem  Wasser  und  Zusatz  von  0,1  g  Jodkalium) ­
  feststellt.  Auch  hier  ist  1  ccm  Arsenlösung  =  0,003545  g  CI  =  0,012697  g  Jod.
16.  Freie  Salzsäure  und  Schwefelsäure.  Die  Bestimmung  der  freien  Salzsäure ­
  und  Schwefelsäure  ist  vielfach  ebenso  wünschenswert  als  schwierig  (vergl.
No.  4,  S.  864).  Eine  Titration  der  freien  Säuren  mit  titrierter  Alkalilauge  ist
nur  dann  möglich,  wenn  nicht  gleichzeitig  an  sich  sauer  reagierende  Metallsalze
vorhanden  sind,  die  durch  freies  Alkali  zersetzt  werden.  Eine  Titration  selbst  bis
nur  zur  Bildung  eines  Niederschlages  ist  ungenau.  In  vielen  Fällen  kann  man  sich
in  der  Weise  helfen,  daß  man  sämtliche  Basen  und  Säuren  bestimmt,  diese  auf
Salze  umrechnet  und  den  verbleibenden  Überschuß  an  Säuren  als  freie  Säuren,  und
zwar  nach  der  Säure  berechnet,  die  in  der  größten  Menge  vorhanden  ist.  Das  hat
aber  seine  Schattenseiten,  wenn  gleichzeitig  Ferro-  und  Ferrisalze  neben  viel  organischen ­
  Stoffen  vorhanden  sind.  Die  quantitative  Bestimmung  der  Ferrosalze
gelingt  dann  nur  annähernd,  wenn  die  Titration  mit  Kaliumpermanganat  in  der
Kälte  und  rasch  ausgeführt  wird.  Sind  aber  gleichzeitig  auch  salpetrige  und
schweflige  Säure  vorhanden,  so  läßt  dieses  Verfahren  ganz  im  Stich.
Das  Eindampfen  des  Wassers  und  Ausziehen  mit  absolutem  Alkohol  nach
Fresenius  Vorschläge  ist  nur  anwendbar,  wenn  nur  nicht  flüchtige  Schwefelsäure ­
  u.  a.  vorhanden  sind.
In  vielen  Fällen  kann  der  Vorschlag  von  Friedr.  Hoffmann 1 )  aushelfen,
nämlich  das  sauere  Wasser  mit  Ferrocyankalium  zu  versetzen,  absitzen  zu
lassen  und  einen  aliquoten  Teil  der  klaren,  Uberstehenden  Flüssigkeit  zu  titrieren.
Hierdurch  werden  die  meisten  Schwermetalle  gefällt;  sind  auch  Ferrosalze  vorhanden, ­
  so  würde  man  gleichzeitig  Ferricyankalium  zusetzen  müssen;  aber  wenn
gleichzeitig  Aluminium-  oder  Chromisalze  usw.  vorhanden  sind,  so  versagt  auch
dieses  Verfahren.
Handelt  es  sich  um  eine  quantitative  Bestimmung  von  freier  Schwefelsäure
neben  Salz-  oder  Salpetersäure,  so  kann  man  sich  vielleicht  des  Verfahrens  von
Adolf  Müller' 2 )  bedienen,  nämlich  die  Schwefelsäure  (freie  wie  gebundene)  durch
Titration  mit  einer  Lösung  von  salzsaurem  Benzidin  zu  bestimmen.
Immerhin  hat  die  Bestimmung  der  freien  Säuren  (Salzsäure  und  Schwefelsäure) ­
  in  einem  Schmutzwasser  in  vielen  Fällen  große  Schwierigkeiten,  in  manchen
Fällen  wird  man  durch  eine  gleichzeitige  sinngemäße  Anwendung  zweier  oder  aller
vorstehend  angedeuteten  Verfahren  zum  Ziele  gelangen  können.
17.  Sonstige  Mineralstoffe.  Die  sonstigen  Mineralstoffe  (Kalk,  Magnesia,  Kali,
Natron,  Schwefelsäure)  werden  in  den  geglühten  Abdampfrückständen  wie  üblich
bestimmt.
Für  die  Bestimmung  von  selteneren  Bestandteilen,  z.  B.  Zink,  Kupfer  usw.,
sind  durchweg  entsprechend  größere  Mengen  Wasser  unter  Zusatz  von  geeigneten
Säuren  usw.  vorher  einzudampfen.
Zur  Bestimmung  der  Phosphorsäure  verdampft  man  eine  größere  Menge
Wasser  ( 1 / 2 —2  1  je  nach  dem  Gehalt)  in  Platinschalen  zur  Trockne,  glüht,  schmilzt

*)  Chem.-Ztg,  1893,  17,  1318.
2 )  Berichte  d.  deutschen  ehern.  Gesellschaft  1902,  35,  1587.
        <pb n="893" />
        872

Schmutzwasser

mit  Soda  und  Salpeter  (S.  165,  No.  2  oder  S.  780,  No.  22),  löst  in  Salpetersäure,
fällt  mit  molybdänsaurem  Ammon  und  verfährt  wie  sonst  nach  S.  150.
18.  Prüfung  auf  Haltbarkeit  bezw.  Gärversuche  mit  den  Abwässern.  Seitens
der  Behörden  wird  vielfach  vorgeschrieben  und  als  eine  genügende  Bedingung  eines
Reinigungsverfahrens  angesehen,  daß  sich  das  betreffende  Wasser  5,  10  oder  mehr
Tage  klar  hält  und  nicht  in  Fäulnis  übergeht,  oder  daß  es  in  einer  Tiefe  von  etwa
1 / 2  m  durchsichtig  erscheint  usw.  Diese  Anforderungen  sind  recht  ungenau  und
erfüllen  nicht  ihren  Zweck.
Bei  den  mit  Chemikalien,  besonders  unter  Mitanwendung  von  Kalk  gereinigten
Abwässern  läßt  es  sich  sehr  leicht  durch  überschüssigen  Zusatz  von  Kalk  erreichen,
daß  sie  hell  und  klar  aussehen  und  sich  in  gut  verschlossenen  Flaschen  wochenlang ­
  klar  halten,  ohne  Bakterien  und  Fäulnis  aufkommen  zu  lassen.  Der  überschüssige ­
  freie  Kalk  verhindert  eben  die  Bildung  bezw.  Entwickelung  der  Fäulnisbakterien ­
  usw.  Läßt  man  aber  die  gereinigten,  überschüssigen  freien  Kalk  enthaltenden ­
  Abwässer  in  offenen  Gefäßen  tage-  und  wochenlang  stehen,  so  bildet
sich  zwar  allmählich  eine  weißliche  Trübung  bezw.  ein  Bodensatz  von  sich  ausscheidendem ­
  unlöslichem  kohlensaurem  Calcium  (mit  mehr  oder  weniger  organischen
Stoffen),  oder  das  kohlensaure  Calcium  löst  sich  unter  Umständen  bei  hinreichender
Kohlensäurebildung  wieder  auf  und  das  Abwasser  enthält  wieder  zahlreiche  Bakterien,
ohne  daß  Fäulnisgeruch  auftritt.  Hier  haben  die  Fäulnisbakterien  mit  der  allmählichen ­
  Abstumpfung  des  freien  Kalkes  durch  Kohlensäure  sich  wieder  eingestellt
und  eine  mehr  oder  weniger  vollständige  Zersetzung  und  Vergasung  der  gelösten
organischen  Stoffe  zur  Folge  gehabt,  ohne  daß  sich  diese  Zersetzung  äußerlich  dem
bloßen  Auge  oder  dem  Geruchssinn  zu  erkennen  gibt.  Auch  ein  an  sich  fauliges,
stark  nach  Schwefelwasserstoff  oder  Ammoniak  riechendes  Schmutzwasser  verliert
beim  Aufbewahren  in  offenen  Gefäßen  infolge  Selbstreinigung  durch  die  Tätigkeit ­
  der  Mikroorganismen  unter  Hinzutritt  des  Luftsauerstoffs  äußerlich  seine  Fäulnisbeschaffenheit, ­
  wird  geruchlos  und  sogar  mehr  oder  weniger  farblos,  d.  h.  nicht
schmutzig  aussehend.
Eine  derartige  Vorschrift  hat  daher  wenig  praktischen  Wert.  Es  läßt  sich
aus  dem  Verhalten  des  gereinigten  Abwassers  beim  Aufbewahren  in  verschlossenen
oder  offenen  Gefäßen  kein  sicherer  Schluß  ziehen,  wie  sich  dasselbe  unverdünnt
oder  verdünnt  in  der  Natur,  d.  h.  in  einem  Bach-  oder  Flußwasser  verhalten  wird.
Denn  wenn  der  im  Uberschuß  vorhandene  freie  Kalk  durch  die  in  den  natürlichen
fließenden  Wässern  stets  vorhandene  freie  oder  Bicarbonat-Kohlensäure  abgestumpft
wird,  so  stellen  sich  die  überall  vorhandenen  Fäulnisbakterien  schnell  und  zahlreich
wieder  ein,  und  wenn  die  Entwickelung  derselben  bei  wärmeren  Temperaturen  eine
gesteigerte  oder  die  Menge  und  die  Stromgeschwindigkeit  des  betreffenden  Bachwassers ­
  eine  verhältnismässig  geringe  ist,  so  daß  es  an  genügendem  Sauerstoff  fehlt,
so  kann  recht  wohl  einerseits  wieder  Schlammbildung,  andererseits  Fäulnis  mit
üblen  Gerüchen  in  dem  Wasser  auftreten.
Nichtsdestoweniger  ist  es  unter  Umständen  von  Belang,  die  Haltbarkeit  der
ungereinigten  und  gereinigten  Abwässer  im  natürlichen  oder  verdünnten  Zustande
(1  :  5  oder  1:10)  durch  Aufbewahren  in  offenen  und  verschlossenen  Gefäßen  zu
ermitteln,  bezw.  zu  verfolgen,  innerhalb  welcher  Zeit  sich  die  vorhandenen  organischen ­
  Stoffe  zersetzen  und  verschwinden.  Man  verfährt  alsdann  wie  folgt:

a)  Je  2  Flaschen  mit  1 / 2 —1  1  Wasser  werden  offen  hingestellt.

b)  ,

.  2

11  11

11
11

,.  mit  sterilisierter  Watte

verschlossen.

c)  ,,

9
!  - 1  11

11  11

,.  mit  gut  schließenden
schlossen.

Korken  ver-
        <pb n="894" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

873

Davon  wird  je  1  Flasche  bei  niederen  Temperaturen,  0—10°,  je  1  Flasche
bei  10—20°  aufbewahrt.
Enthält  ein  Abwasser  freien  Kalk,  so  setzt  man  je  2  Flaschen  in  derselben
Weise  an,  je  2  andere  Flaschen  nach  vorheriger  Abstumpfung  des  Kalkes  durch
Kohlensäure.
Ist  eine  bestimmte  Verdünnung  gewünscht,  so  wählt  man  diese,  indem  man
das  Abwasser  mit  der  vorschriftsmäßigen  Menge  von  längere  Zeit  gekochtem  und
unter  Watteverschluß  erkaltetem  destilliertem  Wasser  verdünnt.
Ist  ein  Abwasser  frei  von  Fäulnisbakterien,  so  beschickt  man  nötigenfalls ­
  eine  2.  Eeihe  Flaschen,  welche  man  mit  irgend  einer  in  fauliger  Gärung  begriffenen ­
  Flüssigkeit  gleichmäßig  infiziert.
Die  einzelnen  Proben  werden  dann  jede  Woche  oder  nach  Ablauf  der  vorgeschriebenen ­
  Zeit  mikroskopisch  bezw.  auch  nach  dem  Plattenkulturverfahren  (S.  834)
untersucht,  ferner  chemisch;
1.  auf  Ammoniak,  2.  salpetrige  Säure,  3.  Schwefelwasserstoff,  4.  Oxydierbarkeit ­
  durch  Kaliumpermanganat,  5.  Gesamtstickstoff,  Farbe,  Geruch  usw.  nach  vorstehenden ­
  Vorschriften  (vergl.  auch  das  Testverfahren  S.  865).
Auf  diese  Weise  wird  man  wenigstens  einige  Anhaltspunkte  über  die  größere
oder  geringere  Zersetzbarkeit  der  organischen  Stoffe  und  damit  über  die  größere
oder  geringere  Schädlichkeit  des  Abwassers  für  die  Flußläufe  erhalten.  Denn  da  es
in  der  Natur  darauf  ankommt,  daß  die  in  die  Flußläufe  abgeführten  organischen
Stoffe  schnell  oxydiert  und  vergast  werden,  so  wirkt  ein  Abwasser  dieser  Art  im
allgemeinen  um  so  weniger  schädlich  auf  längere  Strecken,  je  schneller  sich  die
vorhandenen  organischen  Stoffe  zersetzen.
III.  Die  mikroskopische  und  biologische  Untersuchung  der  Abwässer.
Für  den  Nachweis  von  Verunreinigungen  der  Gewässer  durch  Abwässer  kommt
neben  der  chemischen  in  erster  Linie  die  mikroskopische  Untersuchung  in  Betracht,
während  die  bakteriologische  in  diesen  Fällen  noch  weniger  Anhaltspunkte  als  bei
den  Trinkwässern  bietet.  Außer  den  mikroskopischen  Lebewesen  (dem  Plankton)
geben  auch  die  größeren  Vertreter  der  Flora  und  Fauna,  sowie  die  leblosen  organischen
und  unorganischen  Schwebestoffe  oft  wertvolle  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung.
Die  mikroskopische  Untersuchung  leistet  besonders  wertvolle  Dienste,  wenn
es  sich  um  Verunreinigung  der  Gewässer  durch  fäulnisfähige  Stoffe  handelt.  In
diesem  Falle  ist  sie  der  chemischen  unter  Umständen  gleichwertig.  Dagegen  wird
letztere  in  allen  den  Fällen,  in  denen  eine  Verunreinigung  der  Gewässer  durch  organische ­
  und  unorganische  Stoffe  der  Technik  stattgefunden  hat,  den  Vorrang  verdienen, ­
  wenn  auch  hier  die  mikroskopische  und  makroskopische  Beobachtung  der
Flora  und  Fauna  wertvolle  Ergänzungen  zu  dem  chemischen  Befunde  liefern  kann.
1.  Die  Probenahme  für  die  mikroskopische  Untersuchung.  Bestimmte  Vorschriften ­
  lassen  sich  für  die  Probenahme  nicht  geben.  Ganz  allgemein  ist  zu  beachten, ­
  daß  man  bei  Abwasseruntersuchungen  auf  jeden  Fall  selbst  die  Proben  an
Ort  und  Stelle  entnehmen,  den  verschmutzten  Wasserlauf  sorgfältig  oberhalb
und  unterhalb  des  Einflusses  der  Abwässer  auf  weitere  Strecken  abgehen  und,  wenn
nötig,  abfahren  muß.  Sehr  zu  beachten  ist,  daß  die  Mischung  der  Abwässer  mit
dem  Vorfluter  oft  nur  langsam  erfolgt  und  die  Wirkung  der  ersteren  sich  dann
an  einem  Ufer  deutlicher  als  am  anderen  zeigt.  Bei  der  Begehung  eines  verunreinigten ­
  Gewässers  achte  man  auf  die  Farbe,  Klarheit,  den  Geruch  des  Wassers
an  den  verschiedenen  Stellen.  Die  im  Wasser  schwebenden  Lebewesen  sind  mittels
        <pb n="895" />
        874

Schmutzwasser.

Filtration  durch  feine  Netze  (Planktonnetze)  zu  sammeln.  Sehr  zu  beachten  sind
die  Pilz-  und  Algenvegetationen  am  Ufer,  auf  dem  Boden,  an  Pfählen,  eingetauchten
Pflanzenteilen,  Mühlenrädern,  Wehren.  Sehr  wichtig  ist  unter  Umständen  die  Untersuchung ­
  des  Schlammes,  der  mit  einem  Schöpfer  oder  mit  einem  am  Boden  schleifenden ­
  Scharrnetz  entnommen  und  auf  Sieben  ahgesieht  wird.  Dabei  kommen  insbesondere ­
  die  größeren  Lebewesen  in  Betracht.  Auch  die  im  oder  am  Wasser
stehenden  Wasserpflanzen,  hezw.  ihr  Verschwinden  oder  Wiederkehren  sind  zu  beachten. ­

Das  Bild  eines  durch  fäulnisfähige  Stoffe  verunreinigten  Wassers  ist  nach
der  Jahreszeit  sehr  verschieden.
Nach  Mez  herrschen  im  lichtarmen  Winter  die  weißen  und  grauen  Wasserpilze ­
  vor,  die  am  Boden,  Ufer  und  Holzwerk  in  langen  Zotten  hängen.  Im  Sommer
dagegen  findet  man  sie  nur  an  Wehren,  Mühlrädern  und  ähnlichen  Orten  mit  bewegtem ­
  Wasser,  während  alsdann  die  am  Ufer  in  schw'arzgrünen  Rasen  wachsenden
Schmutzw'asseralgen  mehr  hervortreten.  Im  Sommer  ist  auch  die  bakteriologische
Untersuchung  wichtig,  die  dann  eine  sehr  hohe  Keimzahl  und  die  Anwesenheit  von
Fäkalbakterien  ergeben  wird.  Das  Winterbild  eines  Schmutzwassers  ist  im  allgemeinen
kennzeichnender  als  das  Sommerbild.

Fig.  322.  Spliaerotilus  natans  Kützing.
a  Flocken  des  Pilzes  in  natürlicher  Größe,  b  Fäden  (i:  1000).  Nach  Mez.

An  Apparaten  für  die  Probenahme  bei  der  Begehung  von  beschmutzten  Vorflutern ­
  sei  außer  dem  schon  erwähnten  Planktonnetz,  dem  Schlammschöpfer
und  Scharrnetz  noch  der  Pfahlkratzer  zur  Entnahme  der  an  Holzwerk  sitzenden
Vegetation,  ein  scharfer  Löffel  für  Diatomaceen  und  ein  Haken  zum  Abreifien  von
Wasserpflanzen  erwähnt.
Näheres  über  die  Ausrüstung  und  die  Probenahme  findet  man  in  dem  schon
erwähnten  Werk  von  C.  Mez,  sowie  in  Arbeiten  von  Kolkwitz  und  Marsson. 1 )
2.  Die  Lebewesen  der  Abwässer.  Die  Flora  und  Fauna  der  Abwässer  ist  sehr
artenreich.  Praktisch  besonders  wichtig  ist  aber  eine  geringe  Zahl  von  Arten,  die  sich
in  Abwässern  in  besonders  reichem  Maße  vorfinden  und,  da  sie  auch  von  dem
weniger  Geübten  bei  sorgfältiger  Untersuchung  durch  das  Mikroskop  leicht  bestimmt
werden  können,  hier  eingehender  beschrieben  werden  sollen.  Es  sind  dies  einige
größere  Pilze:  Leptomitus  lacteus,  Spliaerotilus  natans  und  Sph.  fluitans,
Beggiatoa  alba  und  B,  leptomitiformis,  einige  Arten  der  Gattung  Oscillatoria
der  blaugrünen  Algen  und  von  den  Protozoen  Garchesium  Lachmanni.
B  Mitteilungen  aus  der  Königl.  Prüfungsanstalt  f.  Wasserversorgung  usw.  Heft  1.  33,
Heft  2,  23  und  27.
        <pb n="896" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

875

Sphaerotilus  natans  (Fig.  322,  S.  874)  bildet  in  offenen  Gewässern  flutende
schleimige  Flocken  von  weißlicher,  zuweilen  auch  rötlicher  Farbe,  die  man  besonders
an  seichten  Stellen  mit  starker  Strömung  findet,  und  die  zumal  beim  Aufbewahren

Fig.  32B.  Beggiatoa-Kolonie  auf  einer  Algenzelle  (Vergr.  340-fach).
Die  Pflanzen  a,  b  und  c  sind  vollständig  und  zeigen  den  Gegensatz  von  Basis  und  Spitze,  indem  an
ersterer  deutliche  Gliederung  mit  nur  vereinzelten  Schwefelkörnern  bemerkbar  ist,  während  an  der
Spitze  des  Fadens  bei  undeutlicher  Gliederung  eine  reichliche  Ablagerung  von  rundlichen  Schwefelkörnern
  eingetreten  ist.  Ferner  tritt  an  dem  Ende  des  Fadens  eine  schwache  Erweiterung  desselben
neben  der  Bildung  von  Mikrokokken  deutlich  auf.  Die  beiden  Fäden  a  und  d  zeigen  an  einer  Stelle
eine  bei  Beggiatoa  häufig  vorkommende  spiralige  Krümmung.  In  e—h  sind  Fäden  dargestellt,  von
denen  nur  noch  die  basalen,  der  Algenzelle  aufsitzenden  Stücke  vorhanden,  dagegen  die  Endstücke
abgestoßen  sind,  welche  letzteren  in  Form  von  schlangenförmigen  Stücken  an  den  Enden  mit  2  Cilien
versehen  als  selbständige  Individuen  im  Wasser  umher  schwärmen.

in  einer  Flasche  widerlich  süß  riechen.  Siedelt  sich  der  Pilz  in  Eöhren  an,  so  bildet
er  eng  anliegende  Häute.  Er  gehört  zu  den  Fadenhakterien.  Seine  Fäden  sind
2—3  jx  dick  und  bestehen  aus  kurzen,  in  einer  farblosen  Scheide  liegenden  Zellen.
Er  kommt  in  großen  Mengen  nur  im  Winter  vor,  hält  sich  aber  während  des
        <pb n="897" />
        876

Schmutzwasser.

Sommers  an  Wehren  und  Mühlrädern  auf.  Nach  den  Angaben  von  Mez  lebt  Sphaerotilus
  nur  in  stark  verunreinigtem  Wasser.  Man  findet  ihn  in  Vorflutern,  die
ungereinigte  städtische  Abwässer  und  solche  von  Brauereien,  Brennereien,  Mälzereien
und  Zuckerfabriken  aufnehmen.  Doch
gibt  Marsson 1 )  an,  daß  dieser  Pilz
ebenso  wie  der  weiter  zu  beschreibende
Leptomitus  lacteus  in  reinen  Wässern
bei  unbedeutenden  örtlichen  Verunreinigungen ­
  in  vereinzelten  Zöpfen
erscheint.  Wasserläufe,  die  größere
Mengen  der  Vegetationen  dieser  Pilze
enthalten,  werden  aber  stets  als  über
das  zulässige  Maß  verschmutzt  gelten
müssen.  S  c  h  i  k  o  r  a  hat  als  Sph.  fluitans
einen  dem  Sph.  natans  sehr  ähnlichen
Pilz  beschrieben,  dessen  Fäden  3  fi
dick  sind,  aus  Einzelzellen  von  6,6  fi
Länge  bestehen,  schleimige,  verklebende
Scheiden  besitzen  und  unregelmäßig
verzweigt  sind.  Er  bildet  in  Rieselgräben ­
  graubraune  Vließe.
Beggiatoa  alba  (Fig.  323  bis
326  ist  eine  andere  in  Abwässern  in
großen  Mengen  auftretende  Spaltpilzart, ­
  die  in  einzelnen  Fäden,  wie  schon
erwähnt,  auch  in  reinem  Wasser  verkommt ­
  und  dann  meist  begrenzte  örtliche ­
  Zersetzungsvorgänge  anzeigt.
Beggiatoa  wuchert  am  Boden
und  an  faulenden  Gegenständen  im
Wasser  als  feiner,  weißlicher,  sammetartiger ­
  Belag,  der  sich  im  Wasser
leicht  verteilt.  Der  Pilz  lebt  vorwiegend ­
  in  stehendem  oder  nur  schwach
bewegtem  Wasser.
Untersucht  man  ein  Stückchen  des  Pilzrasens
unter  dem  Mikroskop,  so  findet  man,  daß  er  aus
unzähligen  feinen,  unverzweigten  Fäden  besteht,
welche  nur  bei  stärkerer  Vergrößerung  eine
Struktur  aufweisen.  Die  Fäden  selbst  sind  von
sehr  geringer,  aber  etwas  verschiedener  Stärke,
die  jüngeren  1  f.i,  die  älteren  bis  5  fi  messend.
In  den  älteren  Fäden  sieht  man  oft  dunkle  Körner,
die  aus  Schwefel  bestehen.
Die  Struktur  der  Fäden  ist  häufig  schon  ohne  Anwendung ­
  von  Reagenzien  zu  erkennen;  sie  besteht  in  einer
Gliederung  in  Längs-  und  Kurzstäbchen  und  bei  älteren  Fäden
in  Scheiben.  Bei  Anwendung  von  alkoholischen  Anilinfarbstoff-Sr

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Fig.  324.
Beggiatoa.
Fragment  eines
Fadens  bei  900-fach
  er  Vergr.,
in  welchem  die
einzelnen  Kurzstäbchen
  in
niedrige  Zylinderscheiben ­

zerfallen  sind.

Fig.  325.
Beggiatoa.
Ein  Faden  bei
900-fach.  Vergr.,
in  welchem  die
Zylinderscheibe
durch  Längsteilung, ­
  also  parallel ­
  zur  Achse
des  Fadens  in
Mikrokokken
zerlegt  wird.

Fig.  326.
Beggiatoa.
Scheinbar  ungegliederter ­
  Faden  bei  600-facher
Vergr.  mit  reicher  Einlagerung ­
  von  Schwefel.

L )  Vierteljahresschr.  f.  gerichtl.  Chemie  1901,  21,  Suppl.-Heft,  61.
        <pb n="898" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

877

Fig.  327.  Leptomitus  lacteua.
No.  1—6  verschiedene  Zustände  von  Leptomitus  lacteus,  m  Cellulinkörner,  s  die  Strukturen,  11'  die
Sporanglen,  p  zur  Ruhe  gekommene  Schwärmsporen,  die  aus  den  Sporangien  1  No.  4  entschlüpft
waren,  p'  solche,  die  bereits  keimen  und  teilweise  Strukturen  an  den  jungen  Schläuchen  besitzen.  In
1  1'  No.  1  sind  einige  Sporen  im  Innern  der  Sporanglen  zur  Ruhe  gekommen.  Bei  s'  verschließen  die
Cellulinkörner  die  Strukturen  und  bilden  die  Scheidewand  der  Glieder.  No.  6.  Schwärmsporen  im
Augenblicke  der  Einwirkung  von  Jod.  No.  6.  Spitze  eines  Fadens,  dessen  jüngstes,  noch  nicht  erwachsenes ­
  Glied  schon  ein  neues  Glied  bei  1  anlegt.
        <pb n="899" />
        878

Sohmutzwasser.

lösungen,  schwefligsaurem  Natrium  usw.  tritt  die  Struktur  der  Fäden  noch  deutlicher ­
  hervor.  Die  Bntwickelungszustände  der  Beggiatoa  werden  durch  die  Figuren
323—326  S.  876  u.  876  dargestellt.
Die  Beggiatoa-Fäden  sind  beweglich  und  schwingen  hin  und  her.  Diese  Bewegungen ­
  gehen  ein  gutes  Merkmal  für  die  Diagnose.
Beggiatoa  oxydiert  Schwefelwasserstoff  zu  dem  in  den  Zellen  sich  ahlagernden
Schwefel  und  diesen  weiter  zu  Schwefelsäure.  Der  Pilz  deutet  daher  nur  auf  einen
Schwefelwasserstoffgehalt  des  Wassers  hin  und  zur  Beurteilung  ist  die  Feststellung
des  Ursprunges  dieses  Gases  von  Wichtigkeit.  Stammt  der  zur  Unterhaltung  einer
kräftigen  Beggiatoa-Vegetation  in  verunreinigten  Vorflutern  nötige  Schwefelwasserstoff ­
  aus  den  Abwässern,  so  ist  die  Verschmutzung  als  eine  über  das  zulässige  Maß
hinausgehende  zu  betrachten.

a  als  Dauerformen  auftretende  Fadenglieder  mit  Keimschiäuchen  (430),  h,  c  Gemmen  aus  Kulturen  auf
Mehlwürmern  und  5°/ 0 -iger  sauerer  Gelatine  mit  2°/ 0  Fleischextrakt.  b  (450),  c  (530).  Nach  Kolkwitz.
Eine  zweite  häufig  auftretende  Art  ist  Beggiatoa  leptomitiformis,  deren
Fäden  nur  1,8—2,5  u  dick  sind.
Leptomitus  lacteus  (Fig.  327  u.  328)  lebt  wie  Sphaerotilus  in  grauen  Easen
in  Wasserläufen.  Auf  Wasserrädern,  Wehren  usw.  bildet  er  dicke,  pergamentartige
Häute.  Die  Leptomitusrasen  sind  zuweilen  rostbraun,  häufiger  aber  grauschwarz  bis
schwarz  gefärbt.  Erstere  Färbung  kommt  durch  Ablagerung  von  Ferrihydroxyd,
letztere  durch  solche  von  Schwefeleisen  zustande.  Der  die  Ausscheidung  des
Schwefeleisens  bewirkende  Schwefelwasserstoff  entsteht  durch  Fäulnis  der  älteren
Leptomitusfäden.
Mit  dem  Mikroskop  sind  die  Leptomitusrasen  leicht  von  den  ähnlichen  des
Sphaerotilus  natans  zu  unterscheiden.  Leptomitus,  der  zu  den  Oomyceten  gehört,
bildet  verzweigte  Fäden,  die  bis  zu  45  fi  dick  sind,  Strukturen  besitzen  und  in
jedem  der  dadurch  entstehenden  Fadenglieder  ein  Cellulinkorn  enthalten.  Die  Fäden
der  an  Wasserrädern  wachsenden  Easen  besitzen  nach  Mez  sackartige  oder  fingerartige ­
  Haftorgane,  zeigen  dagegen  die  Strukturen  weniger  deutlich.  Von  den  ver ­
        <pb n="900" />
        Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

879

wandten  Saprolegnia-Arten  ist  Leptomitus  leicht  zu  unterscheiden,  da  dieser  Pilz
weder  Strukturen  noch  Cellulinkörner  besitzt,  noch  für  gewöhnlich  in  Rasen  wächst.
Leptomitus  lacteus  vermehrt  sich  durch  Schwärmsporen,  dagegen  nicht  durch
Oosporen.  Statt  der  letzteren  bildet  er  nach  Kolkwitz 1 )  als  Dauerformen  sehr
resistente  Mycelstücke  aus,  die  unter  Umständen  nur  aus  einem  Fadenglied  bestehen,
teils  auch  gemraenartige  Gebilde  (Fig.  328).  Diese  Dauerformen  können  sich  im
Schlamm  lange  Zeit  halten  und  ermöglichen  dem  Pilz  das  Uberstehen  ungünstiger
Lebensverhältnisse.  Die  Schwärmsporen  bildet  der  Pilz,  sobald  ein  Abwasser  so  weit
gereinigt  ist,  daß  er  sein  Fortkommen  nicht  mehr  findet.  Sporangien  sind  daher  in
Vorflutern  ein  Indikator  für  eine  gewisse  Reinigung.  Kolkwitz,  der  den  Pilz
zuerst  in  Reinkultur  gezüchtet  und  ihn  eingehend  untersucht  hat,  gibt  an,  daß  die
günstigsten  Nährstoffe  für  ihn  die  hochmolekularen,  organischen  Stickstoffverhindungen
  sind,  während  Kohlenhydrate  keine  Bedeutung  für  ihn  haben.  In
Wässern,  die  den  Stickstoff  in  einfacheren  Verbindungen  enthalten  und  nicht  mehr
fäulnisfähig  sind,  kommt  er  nicht  mehr  fort.  Wässer  mit  deutlich  saurer  oder
alkalischer  Reaktion  töten  ihn.  In  stagnierenden  Gewässern  unterliegt  Leptomitus
der  Konkurrenz  der  Fäulnisbakterien.  Bei  Temperaturen  von  25 0  gedeiht  er  üppig,
bei  solchen  von  30°  und  darüber  stirbt  er  ab.
Leptomitus  tritt  wie  Sphaerotilus  im  Winter  auf  und  ist  im  Sommer  viel
seltener  zu  finden  als  letztere  Art.  Nach  Kolkwitz  wird  man  sein  Auftreten  als
kennzeichnend  für  noch  fäulnisfähige  Wässer  betrachten  müssen,  während  andererseits ­
  sein  Fehlen  aus  den  oben  angegebenen  Gründen  noch  kein  Indikator  für  genügende ­
  Reinheit  eines  Wassers  ist.  Auch  durch  mechanische  Verhältnisse,
besonders  durch  das  Fehlen  von  Unebenheiten  des  Bodens  in  schnell  fließenden
Wässern,  kann  Leptomitus  unter  sonst  günstigen  Bedingungen  an  der  Ansiedelung
verhindert  werden.
Außer  diesen  Pilzen  scheint  auch  ein  schon  öfter  beobachteter,  aber  noch
nicht  genauer  untersuchter  und  bestimmter  Pilz,  der  meist  als  Fusarium  aquaeductum
  aufgeführt  wird,  zu  den  eigentlichen  Abwasserpilzen  zu  gehören.
Von  Oscillatorien  kommen  nach  Mez  Osoillatoria  tenerrima,  0.  brevis,
0.  tenuis,  0.  antliaria  und  besonders  oft  0.  Froelichii  in  Betracht.  Die  Artbestimmung
ist  bei  diesen  Algen  von  größter  Bedeutung.  Die  Oscillatorien  der  Abwässer  zeigen
sämtlich  deutliche  Eigenbewegung.  Mez  gibt  folgenden  Bestimmungsschltissel:
I.  Fäden  bis  4  /i  dick;  Zellen  öfter  länger  als  breit.
a)  Zellen  im  Verhältnis  zur  Breite  kürzer  0.  tenerrima.
(Fäden  in  Bündeln  oder  einzeln,  meist  gerade,  lebhaft  blaugrün,  mit  oft  gebogenen ­
  Enden.)
II.  Fäden  meist  über  4  /,t  dick;  Zellen  höchstens  so  lang  wie  dick.
a)  Fäden  4—8  /t,  Zellen  1 / 2 —1-mal  so  lang  wie  dick,  an  den  Scheidewänden

nicht  eingeschnürt;  Lager  grün.
a)  Fäden  brüchig,  kurz  0.  brevis.
(Fäden  in  dünnhäutigen,  tiefblau-  oder  schwärzlich-grünen  Lagern,  gerade, ­
  an  den  Enden  verjüngt,  lebhaft  blaugrün.)
ß)  Fäden  lang,  nicht  brüchig.
1.  Zellinhalt  hellblaugrün  0.  tenuis.

(Fäden  in  schleimig-flockigen  oder  dünnhäutigen,  tief  grünen  Lagern,
gerade  oder  schwach  gekrümmt,  hellblaugrün.)
J )  Mitteil,  aus  d.  Königl,  Prüfungsanstalt  f.  Wasserversorgung  usw.  Heft  2,  34.
        <pb n="901" />
        880

Schmutzwasser.

b)

Fig.  329.  Oscillatoria
Froelichii  nach  Mez  (300).

die

2.  Zellinhalt  tiefblaugrün  0.  antliaria.
(Fäden  in  schleimigen,  schwarzgrünen  Lagern,  gerade  oder  schwach
gekrümmt,  tiefgrün.)
Fäden  8—75  fx  lang,  Zellen  wenigstens  dreimal  so  breit  wie  lang.
Fäden  15—20  dick  0.  Froelichii.
(Fäden  in  schleimig-häutigen  oder  schwimmend  knollenförmigen,  schwarzgrünen
  Lagern,  gerade  oder  wenig  gekrümmt,  blaugrün  oder  schwärzlich
olivengrün.)
Die  Oscillatoriarasen  überziehen  die  Uferböschungen  besonders  in  der  Nähe
des  Wasserspiegels  als  schleimig-dünne  Häute,  die  bei  warmem  Wetter  zu  schwärzlichen, ­
  papierartigen  Massen  zusammentrocknen.  Die
Abwässer-Oscillatorien  riechen  dumpfig-stinkend.  Nach
Mez  lieben  diese  Algen  Hausabwässer,  besonders  Fäkaljauchen. ­
  Örtlich  beschränkte  Oscillatoriawuoherungen
deuten  nur  auf  begrenzte  Verschmutzung  (z.  B.  Abfluß
gedüngter  Wiesen  u.  a.)  hin,  in  größerer  Ausdehnung
auf  eine  Uber  das  zulässige  Maß  gehende  Verschmutzung.
Da  die  Oscillatorien  auch  im  Sommer  wachsen,  so  muß
man  in  solchen  Fällen  an  geeigneten  Stellen  (Mühlrädern,  Schleusen  u.  a.)  nach  etwa
vorhandenen  kleinen  Easen  von  Sphaerotilus  suchen,  ferner  auf  Beggiatoa  und
Carchesium  Lachmanni  achten.
Carchesium  Lachmanni  (Fig.  330)  ist  die  einzige  Protozoe  dieser  Gattung,
in  Abwässern  lebt.  Die  während  des  ganzen  Lebens  mit  Cilien  versehenen  Tiere
stehen  auf  Stielen  mit  doldentraubiger  Endverzweigung,
so  daß  alle  Tiere  einer  Kolonie  sich  in  ungefähr  gleicher
Höhe  befinden.
Carchesium  Lachmanni  findet  sich  im  Winter,  aber
auch  im  Sommer  als  weißer  Schleim  an  Hölzern  und
an  im  Wasser  schwimmenden  Pflanzenteilen.  Nach  Mez
kommt  dieses  Tier  sowohl  in  stark  wie  in  schwach
verunreinigten  Wässern  vor  und  kann  für  eine  genauere
Beurteilung  nur  in  Verbindung  mit  den  anderen  Abwasserorganismen ­
  herangezogen  werden.
Außer  dieser  Protozoe  kommen  in  Abwässern
noch  die  schon  auf  S.  842  angeführten  schwimmenden
Arten  vor,  die  sich  aber  auch,  wie  dort  schon  erwähnt
wurde,  in.  reinem  Wasser  entwickeln  können,  das  mit
Schlamm  bei  der  Probenahme  verunreinigt  wurde.  Einen
Schluß  auf  den  Grad  der  Verunreinigung  gestatten  diese
Organismen  nicht.
Ebenso  wie  die  Anwesenheit  gewisser  in  Abwässern  lebenden  Organismen
kann  auch  das  Pehlen  anderer  an  reines  oder  weniger  stark  verunreinigtes  Wasser
angepaßten  Lebewesen  über  das  Bestehen  und  den  Grad  einer  Verunreinigung  Auskunft ­
  geben.
Mez  führt,  ohne  Anspruch  auf  Vollständigkeit  zu  machen,  39  Algenarten  auf,
die  nach  seinen  Erfahrungen  in  durch  fäulnisfähige  Abwässer  leicht  verunreinigtem
Wasser  noch  Vorkommen  können,  ferner  37  Arten,  die  auch  in  stark  verschmutztem
Wasser  leben.  Von  letzteren  kommen  besonders  die  makroskopisch  sichtbare  Vegetationen ­
  bildenden  Arten  Confervabombycina,  Conjugata  communis,  C.  crassa,

Fig.  330.  Carchesium
Lachmanni  nach  Mez  (160).
        <pb n="902" />
        Hg.  331.  Algen,  die  auch  in  durch  fäulnisfähige  Stoffe  stark  verschmutztem  Wasser  Vorkommen,
a  Amphora  ovalis  Ktz.  (500),  b  Scalptrum  i'usiforme  O.  K.  (250),  o  Navicula  viridis  -Elz.  (350),  d  N.  cuspldata
Ktz.  (900),  e  Gomphonema  aouminatum  FMg.  (500),  f  Cocconeis  pediculus  JShbg.  (650),  g  Nitzschia  acicularis
W.  Sm.  (500),  h  Hantzschla  amphioxys  Orun.  (500),  i  Cymatopleura  Solea  Breh.  (260),  k  Synedra  Lina
Ehhg.  (300),  1  Closterium  Leibleinii  Ktz.  (100),  m  C.  acerosum  Ehhg.  (100),  n  Drsinella  Botrytis  O.  K.  (300),
o  Vauoherla  sessllis  D.  C.  (90),  p  Conjugata  crassa  0.  K.  (100),  q  Conferva  bombycina  Ag.  (300).  Nach  Mez.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  56
        <pb n="903" />
        882  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nachweisung.

C.  gracilis,  C.  nitida,  C.  porticalis,  Vaucheria  dichotoma,  Y.  sessilis  und
Y.  uncinata  in  Betracht.
G.  Lindau, 1 )  der  sehr  eingehende  Untersuchungen  an  verschiedenen  Vorflutern
ausgeführt  hat,  kommt  zu  dem  Schluß,  daß,  abgesehen  von  Sphaerotilus  natans  und
Leptomitus  lacteus,  spezifische  Leitpflanzen  für  Verunreinigungen  bisher  nicht  bekannt ­
  sind.  Alle  Pilze  und  Algen,  die  in  verschmutzten  Wässern  Vorkommen,
leben  auch  in  nicht  verunreinigten.  Doch  werden  die  verschiedenen  Gruppen  dieser
Pflanzen  durch  organische  Stoffe  in  verschiedener  Weise  begünstigt  oder  gehemmt,
so  daß  ein  Beobachter  mit  reichen  praktischen  Erfahrungen  bei  gleichzeitiger
Beachtung  der  Flora  zweifellos  nicht  verunreinigter  Stellen  desselben  Gewässers
aus  den  Lebensgenossenschaften  einen  Schluß  auf  eine  etwaige  Verunreinigung  ziehen
kann.  Nach  Lindau  sind  Spaltalgen  (Oscillatoria  u.  a.)  in  reinem  Wasser  in  geringer ­
  Zahl  vorhanden  und  werden  durch  Verunreinigungen  in  der  Vermehrung
stark  gefördert.  Grünalgen  sind  in  reinem  Wasser  häufiger,  treten  aber  auch  in
viel  stärkerem  Maße  in  verunreinigtem  auf.  Bacillariaceen  (Diatomaceen)  herrschen
unter  den  Algen  in  reinem  Wasser  vor,  treten  aber  bei  Verschmutzungen  sehr
zurück.  Zu  beachten  ist  aber  hierbei  noch,  daß  die  Jahreszeit  auf  die  Menge  der
einzelnen  Algengruppen  sehr  verschieden  einwirkt.  Die  Spaltalgen  sind  besonders
zahlreich  in  der  Zeit  vom  Ende  des  Winters  bis  zum  Beginn  des  Sommers,  die
Grünalgen  erreichen  ihre  Höchstzahl  im  Frühjahr,  die  Bacillariaceen  eine  solche  im
Frühjahr  und  vom  August  bis  Oktober.
Eine  Flora,  die  für  bestimmte  Verunreinigungen  (durch  Fäkalwässer,
Brennerei-,  Papierfabrikwässer  u,  a.)  kennzeichnend  wäre,  ist  zurzeit  nicht
bekannt.
Wie  mit  der  Flora  verhält  es  sich  auch  mit  der  Fauna.  Nach  Schiemenz 1 )
sind  spezifische  Leittiere  für  Verunreinigungen  nicht  bekannt,  und  nur  das  tiberwiegen ­
  gewisser  Arten  und  bestimmte  Genossenschaften  verraten  eine  Verunreinigung. ­
  Die  Berücksichtigung  der  größeren  Flora  und  Fauna  wird  von  manchen
Beobachtern  für  praktisch,  von  anderen  für  weniger  wuchtig  gehalten.  Angaben
darüber  geben  u.  a.  Schorler 2 )  und  Schiemenz. 1 )
3.  Unorganische  Stoffe  der  Abwässer.  Ablagerungen  von  Ultramarin,  Kaffeesatz, ­
  Papierresten,  Textilfasern  pfanzlichen  Ursprunges  deuten  auf  Hausabwässer  hin.
In  den  Abwässern  der  Papier-  und  Zellulosefabriken  findet  man  Zellulosefasern,
unter  Umständen  auch  Strohreste.  Stärkekörner  kommen  in  den  Abwässern  der
Stärkefabriken,  Teilchen  von  Gerberlohe  in  solchen  von  Gerbereien  vor  usw.

C.  Die  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit
und  Nachweisung.
Für  die  Beurteilung  der  Schädlichkeit  des  durch  ein  Abwasser  verunreinigten
Bachwassers  ist  zu  berücksichtigen,  daß  ein  solches  sich  selbst  zu  reinigen
vermag.  Die  Selbstreinigung  des  Flußwassers  besteht  darin,  daß  die  ihm  zugeftihrten
  organischen  Stoffe,  Schwefelwasserstoff  oder  Schwefelverbindungen  unter
Mitwirkung  von  Mikroorganismen  oxydiert  und  vergast,  oder  daß  z.  B.  Säuren
durch  vorhandenes  kohlensaures  Calcium  im  Wasser  oder  im  Flußbett  neutralisiert ­
  werden.
*)  Vierteljahresschr.  f.  gerichtl.  Medizin  1901,  21,  Suppl.-Heft,  61.
2 )  Zeitsohr,  f.  Gewässerkunde  1898,  25;  Centralbl.  f.  Bakteriologie  II.  Abt.,  7,  396.
        <pb n="904" />
        Verunreinigung  der  Gewässer  usw.  —  Schädlichkeit  für  die  Fischzucht.  gg3

Die  Niederschlagung  von  Schwebestoffen  in  den  Ausbuchtungen  an  den  Ufern
oder  vor  Stauwerken  kann  nicht  zu  den  Selbstreinigungsvorgängen  gerechnet  werden,
weil  der  abgesetzte  Schlamm  bei  Hochfluten  wieder  aufgerührt  und  mit  fortgetrieben ­
  werden  kann,  um  dann  in  erhöhtem  Maße  nachteilig  zu  wirken.  Aus
dem  Grunde  kann  auch  der  Vorgang,  bei  welchem  schädliche  Metallverbindungen
durch  gleichzeitigen  Zufluß  von  entweder  kalk-  oder  schwefelwasserstoffhaltigem
Wasser  niedergeschlagen  und  nur  zeitweise  ausgeschieden  werden,  nicht  zum  Selbstreinigungsvorgang ­
  gerechnet  werden,  weil  sie  zu  anderen  Zeiten  oder  in  anderer
Form  wieder  als  schädliche  Bestandteile  hervortreten  können.  Wenn  indes  derartige
Ausscheidungen  oder  eine  Selbstreinigung  in  Betracht  zu  ziehen  sind,  so  muß  die
Probeentnahme  des  verunreinigten  Bachwassers  stets  an  der  Stelle  erfolgen,
wo  die  etwaige  schädliche  Wirkung  in  Frage  steht.
Wenn  z.  B.  ein  Bachwasser  durch  ein  Abwasser  verunreinigt  wird  und  diese
Verunreinigung  wird  noch  10  km  unterhalb  geltend  gemacht,  so  genügt  es  nicht,
die  Verunreinigung  alsbald  unterhalb  des  Zuflusses  festzustellen,  sondern  man  muß
dieselbe  auch  an  der  betreffenden  fraglichen  Stelle  10  km  unterhalb  und  zwar
bei  hohem,  mittlerem  oder  wenigstens  bei  niedrigem  Wasserstande  nachweisen  können.
Für  die  Beurteilung  der  Schädlichkeit  eines  durch  Abwasser  verunreinigten
Bachwassers  ist  ferner  der  jedesmal  in  Frage  kommende  Nutzungszweck
desselben  zu  berücksichtigen.  Denn  die  schädlichen  Bestandteile  eines  Abwassers
wirken  für  die  einzelnen  Nutzungszwecke  eines  Bachwassers,  nämlich  für  Fischzucht, ­
  Viehtränke,  für  gewerbliche  Zwecke,  für  Boden  und  Pflanzen  in  ganz  verschiedener ­
  Weise  schädlich.
Die  mit  fauligen  und  fäulnisfähigen  stickstoffhaltigen  organischen  Stoffen  beladenen ­
  Abwässer  sind  ausnahmslos  in  gesundheitlicher  Hinsicht  nachteilig,  in  landwirtschaftlicher ­
  Hinsicht  für  die  Berieselung  dagegen  durchweg  bei  Abwesenheit  sonstiger
Verunreinigungen  vorteilhaft,  ja  sogar  gesucht.  Kochsalz  in  einem  Wasser  ist
schon  in  einer  Menge  von  1  g  für  1  1  für  die  Berieselung  zu  verwerfen,  dagegen
für  die  Fischzucht  und  Viehtränke  noch  zulässig  usw.  Süßwasserfische  können  sich
an  ein  Wasser  bis  zu  einem  Gehalt  von  10—13  g  Kochsalz  für  1  1  gewöhnen  und
bei  Vieh  kann  noch  ein  Wasser  mit  3—4  g  Kochsalz  für  1  1  durststillend  wirken.
Trotzdem  können  aber  derartig  stark  verunreinigte  W’ässer  nicht  als  geeignete
Fischerei-  und  Tränkwässer  bezeichnet  werden.
Es  sind  daher  die  Fragen  der  Schädlichkeit  für  die  einzelnen  Nutzungszwecke
des  Wassers  strenge  auseinanderzuhalten  und  verfährt  man,  wenn  in  demselben
überhaupt  schädliche  Bestandteile  in  nachweisbarer  Menge  nachgewiesen  sind,  behufs
Nachweises  der  Schädlichkeit  für  die  einzelnen  Nutzungszwecke  wie  folgt:
1.  Schädlichkeit  für  die  Fischzucht.  Dieselbe  ergibt  sich  meistens  aus  der
beobachteten  Tatsache,  daß  nach  Einführung  des  Abwassers  in  den  betreffenden
Bach  die  Fische  eingegangen  sind.
Man  kann  dieselbe  feststellen:
a)  Durch  Ermittelung  der  Fauna  und  Flora  der  verunreinigten
Gewässer.  Die  hierfür  von  der  auf  Veranlassung  von  Herrn  Prof.  Dr.  C.  Weigelt
in  Berlin  einberufenen  Kommission  des  Deutschen  Fischerei-Vereins  aufgestellten ­
  allgemeinen  Grundsätze  sind  folgende:
Jedes  natürliche  Gewässer,  in  welchem  Fische  auf  die  Dauer  leben  sollen,  muß  eine
hinreichende  Menge  von  Tieren  und  Pflanzen  enthalten,  welche  den  Fischen  zur  Nahrung  dienen.
Werden  in  einem  Fischgewässer  die  natürlichen  Lebensbedingungen  durch  Verunreinigungen ­
  verändert,  so  reagiert  hierauf  die  Flora  und  Fauna  entsprechend  dem  Grad
und  der  Art  der  Verunreinigung,  und  zwar  in  doppelter  Richtung:

56*
        <pb n="905" />
        884  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nachweisung.

a)  Bei  hochgradiger  Verunreinigung  durch  Stoffe,  welche,  wie  z.  B.  die  Metallgifte,
dem  organischen  Lehen  absolut  schädlich  sind,  kann  alles  tierische  und  pflanzliche  Leben
vernichtet  werden.  In  diesem  Falle  wird  ein  so  verunreinigtes  Gewässer,  das  äußerlich
häufig  durchaus  rein  und  klar  erscheint,  frei  von  Pflanzen  und  Tieren  sein  können.
ß)  Bei  weniger  starken  Verunreinigungen  oder  wenn  dieselben  durch  Stoffe  erfolgen,
welche,  wie  z.  B.  viele  organische  Abfälle  der  Stärkezuckerfabriken,  Brauereien,  Brennereien, ­
  Zellulosefabriken,  Mühlen,  als  solche  dem  organischen  Leben  nicht  an  sich  schädlich
sind,  wird  die  Tier-  und  Pflanzenwelt  nicht  immer  und  notwendigerweise  völlig  verschwinden, ­
  sondern  nur  ihre  ursprüngliche  Beschaffenheit  verändern,  indem  sie  den  neuen
Lebensbedingungen  entsprechend  zum  Teil  erkrankt  und  abstirbt,  zum  Teil  sich  in  einseitiger ­
  Weise  entwickelt.  Es  wird  daher  unter  Umständen  möglich  sein,
aus  dem  Studium  der  Flora  und  Fauna  einen  Rückschluß  auf  eine  etwa
vorhandene  Wasserverunreinigung  zu  ziehen  (vergl.  S.  874  u.  ff.).
Eine  Wasserverunreinigung  ist  als  durch  Flora  und  Fauna  erwiesen  zu
betrachten:
«)  Wenn  die  in  dem  Wasser  vorhandenen  Fische  von  Krankheiten  ergriffen ­
  werden,  bezw.  daran  eingehen,  welche  nachweisbar  unter  normalen  Verhältnissen
nicht  entstanden  wären.
Von  derartigen  Krankheiten  sind  z.  B.  beobachtet:  Blutungen  der  Kiemen  infolge
mechanischer  Beize  durch  Brauneisenstein,  Braunkohlen,  Steinkohlen  usw.,  Atemnot
und  Anämie  infolge  von  Verunreinigungen  der  Kiemen  durch  Papiermasse  oder  Abfälle
von  Werg-  und  Knnstwollfabriken,  Trübungen  der  Hornhaut  bezw.  vollständige  Zerstörung
des  Augenbulbus  infolge  ätzender  Stoffe  im  Wasser,  Zerstörung  großer  Flächen  der  Oberhaut
und  der  Schuppen  durch  Säuren  bezw.  Alkalien  mit  nachfolgender  Pilzinfektion  usw.  usw.
Bei  der  Beurteilung  derartiger  Erkrankungen  ist  jedoch  große  'Vorsicht  geboten.
Es  darf  nicht  vergessen  werden,  daß  in  der  Natur  unter  den  Fischen  große  Epidemien ­
  nicht  selten  auftreten,  z.  B.  die  Sporozoenerkrankungen  der  Barben  in  der  Maas
und  Mosel  und  anderen  Flüssen,  ähnliche  Sporozoeninfektionen  in  Forellenteichen  (Hirninfektion), ­
  die  sog.  Pockenkrankheit  der  Karpfen,  die  Forellenseuche,  veranlaßt  durch  einen
spezifischen  Bacillus  (Emmerich),  ein  schleimiger  Überzug,  hervorgerufen  durch  Saprolegnia-Arten,
  Mucor  mucedo  usw.  Es  muß  ferner  betont  werden,  daß  es  eine  Eeihe  von  epidemischen ­
  Erkrankungen  gibt,  deren  Ursache  bisher  durchaus  nicht  erkannt  ist.
Unter  Berücksichtigung  des  gegenwärtig  noch  ungenügenden  Standes  der  wissenschaftlichen ­
  Erkenntnis  auf  dem  Gebiet  der  Fischkrankheiten  darf  daher  die  Feststellung
der  Ursache  für  ein  durch  Wasserverunreinigung  erfolgtes  Fischsterben  nur  auf  Grund
ganz  konkreter  Beobachtungstatsaohen  erfolgen,  niemals  darf  dieselbe  aber  aus  der  Untersuchung ­
  des  Fisches  indirekt  erschlossen  werden,  wenn  derselbe  keine  bestimmten  Merkmale ­
  einer  natürlichen  Erkrankung  zeigen  sollte.
Auf  diesem  bisher  noch  wenig  bebauten  Gebiet  der  Pathologie  der  Fische  darf  nur
der  histologisch  und  pathologisch-anatomisch  geschulte  Mikroakopiker  als  ausschlaggebender
Sachverständiger  betrachtet  werden, 1 )
ß)  Wenn  die  niedere  Tierwelt
1.  entweder  vollständig  ausgestorben  ist,  bezw.  nur  noch  in  vereinzelten
Exemplaren  hier  und  da  vorkommt,  so  daß  sie  als  Fischnahrung,  soweit  sie  überhaupt
dazu  geeignet  erscheint,  nicht  mehr  in  Betracht  kommen  kann,
2.  oder  ihren  ursprünglichen  Charakter  auffällig  geändert  hat.
ü  Gegenüber  dem  häufig  in  der  Praxis  gemachten  Einwand,  daß  Fische,  welche
durch  schädliche  Abwässer  getötet  sind,  infolge  von  Sprengungen  mit  Dynamit,  ungelöschtem
Kalk  usw.  zugrunde  gegangen  sein  sollen,  sei  hier  bemerkt,  daß  es  möglich  ist,  aus  dem
anatomischen  Befund  an  der  Fischteiche  einen  nötigenfalls  gewaltsamen  Tod  durch  Sprengmittel ­
  festzustellen.  Bei  den  mit  Dynamit,  Kalk  usw.  gesprengten  Fischen  ist  die  Schwimmblase ­
  meist  geplatzt.  Ebenso  ist  auch  die  Wirbelsäule  häufig  in  Stücke  zerrissen.  Wenn
Fische  zur  Untersuchung  eingesandt  werden  sollen,  so  empfiehlt  es  sich,  dieselben  möglichst
frisch,  in  Eis  und  Stroh  einzeln  in  Pergamentpapier  gewickelt,  zu  verschicken.
        <pb n="906" />
        Schädlichkeit  für  die  Fischzucht.

885

In  beiden  Fällen  hat  der  Untersuchende  einen  Vergleich  mit  einer  benachbarten,
möglichst  gleichartigen,  aber  von  einer  Verunreinigung  nicht  betroffenen  Strecke  desselben
Gewässers  herbeizuführen;  der  Unterschied  im  Reichtum  und  in  der  Zusamensetzung  der
Fauna  ist,  wenn  möglich,  unter  Ermittelung  von  Zahlen,  bezw.  unter  Anführung  der  Arten
in  den  vergleichenden  Gewässerstrecken  festzustellen.
ad  1.  Eine  eingehende  Untersuchung  der  Fauna  eines  Gewässers  wird  mit  aller
wünschenswerten  Sicherheit  den  Mangel  jeglichen  tierischen  Lebens  feststellen  können.
Es  wird  dazu  notwendig  sein,  daß  mit  feinen  Gazenetzen  an  den  verschiedensten
Stellen  sowohl  im  freien  Wasser  wie  an  den  Uferrändern,  namentlich  hinter  Vorsprüngen,
wo  das  Wasser  stagniert,  sorgfältig  gefischt  wird.  Es  ist  ebenso  notwendig,  den  Boden
des  Wassers,  wie  etwa  darin  vorhandene  Pflanzen,  die  Überzüge  auf  Steinen,  faulenden
Holzteilen,  Pfählen  usw.  auf  das  Vorkommen  von  Tieren  zu  prüfen.  Da  diese  Untersuchungen
nur  mit  dem  Mikroskop  und  von  zoologisch  bezw.  botanisch  geschulten  Sachverständigen
ausgeführt  werden  können,  so  sind  genauere  Vorschriften  für  den  Fang  und  die  Untersuchung ­
  überflüssig,  weil  dieselben  jedem  der  vorher  erwähnten  Sachverständigen  geläufig
sind.  Wenn  in  den  nach  der  oben  gegebenen  Vorschrift  eingesandten  Proben  keine  Spuren
lebender  Organismen  vorgefunden  werden,  so  darf  hieraus  noch  nicht  mit  Sicherheit  aut
das  gänzliche  Fehlen  derselben  in  dem  betreffenden  Gewässer  selbst  geschlossen  werden,
sondern  dieser  Befund  muß  durch  eine  Untersuchung  seitens  des  Sachverständigen  an  Ort
und  Stelle  bestätigt  werden.
Schwieriger  gestaltet  sich  die  Untersuchung,  wenn  infolge  von  Verunreinigungen
die  Fauna  nicht  vollständig  vernichtet,  sondern  vorerst  mehr  oder  weniger  im  Rückgang
begriffen  ist.  Es  entsteht  dann  die  Aufgabe,  die  Tierwelt  quantitativ  zu  bestimmen.
Zu  diesem  Zweck  ist  das  Verfahren  der  Hensenschen  Planktonbestimmung  (d.  h.  mit
dem  Doppelkegelnetz)  anwendbar,  aber  nur  mit  größter  Vorsicht  und  unter  verschiedenen
Vorsichtsmaßregeln.  Das  einzige  bisher  bekannte  Verfahren  der  quantitativen  Bestimmung,
das  Hensensche  Planktonverfahren,  besitzt  nämlich  leider  nur  so  beschränkte  Verwendbarkeit, ­
  daß  es  nur  in  den  seltensten  hier  in  Betracht  kommenden  Fällen  anwendbar  erscheint.
Ausgeschlossen  ist  dasselbe  jedenfalls  in  der  zurzeit  vorliegenden  Form  für  die  fließenden
Gewässer,  namentlich  für  die  kleineren  Flüsse  und  Bäche,  weil  in  denselben  die  frei  flottierende
Menge  der  Tiere  im  Verhältnis  zu  den  am  Boden  und  am  Ufer  vorkommenden  Tieren  so
sehr  zurücktritt,  daß  aus  dem  Plankton  kein  sicherer  Schluß  auf  die  im  ganzen  vorhandene
Masse  der  Tierwelt  gezogen  werden  kann.  Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  bei  den
kleineren  und  flachen,  stehenden  Gewässern  (Seen  und  Teichen).
So  bleibt  die  Anwendung  des  Planktonverfahrens  nur  auf  die  großen  und  tieferen
Seen  beschränkt,  in  welchen  eben  das  Plankton  die  am  Ufer  und  am  Boden  lebende  Tiermenge ­
  tibertrifft  oder  derselben  etwa  gleichkommt.
Da  für  die  vorliegende  Anweisung  die  größeren  Seen  praktisch  nur  selten  in  Betracht ­
  kommen,  so  kann  an  dieser  Stelle  davon  Abstand  genommen  werden,  für  die  Anwendung ­
  des  Planktonverfahrens  besondere  Vorschriften  zu  geben,  welche  im  übrigen  aus
der  Arbeit  von  Apstein:  „Das  Süßwasserplankton“  (Kiel  und  Leipzig  1896,  Lipsius  u.
Fischer)  zu  ersehen  sind.
Es  wird  somit  meist  nur  ein  länger  andauerndes  Studium,  welches  sich  u.  a.  auch
auf  das  Auftreten  von  Kummerformen  zu  erstrecken  hat,  zum  Ziele  führen.
ad  2.  Die  tierischen  Organismen  sind  gegen  Veränderungen  ihrer  Lebensbedingungen
in  verschiedenem  Grade  empfindlich.  Die  einen  leben  nur  in  sauerstoffreichem  und  klarem
Wasser,  andere  gedeihen  dagegen  in  faulenden,  sauerstoffarmen  Gewässern,  die  einen  tiefen,
sandigen  Untergrund  und  schnell  fließendes  Wasser  haben,  andere  halten  sich  besser  auf
modrigem  Grund  an  ruhigen  Stellen  usw.  usw.
So  sind  z.  B.  für  die  schnell  strömenden,  reinen  Gewässer  der  Forellenregion  besonders ­
  kennzeichnend:
der  gemeine  Flohkrebs,  Gammarus  pulex,
die  Napfsohneoke,  Ancylus  fluviatilis,
die  Larve  der  Kriebelmücke,  Simulia  ornata,
die  Larven  einzelner  Köcherfliegen  (Phryganiden),  Hydropsyche,  Ryacophila,  Aigoplestron,
  Brachycentrus.
        <pb n="907" />
        886  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nach  Weisung.

Diese  Formen  verschwinden  vollständig  auch  in  rasch  fließenden  Wässern,  wenn  dieselben ­
  durch  Abwässer,  welche  organische  Stoffe  in  reichlicherem  Maße  enthalten,  verunreinigt ­
  werden.
ln  stehenden,  von  Natur  aus  an  organischen  Stoffen  reichen  Gewässern  linden  sich
dagegen  häufig:
gewisse  Flagellaten  (z.  B.  Monas  riv.),
Fäulnisinfusorien  (z.  B.  Paramaecium,  Chilodon),
gewisse  Würmer  (z.  B.  Tubifex  rivulorum,  Limnodrilus  Dudekeminaus),
Muscheln  und  Schnecken  (Anodonta  anal.),
Stechmückenlarven  (Pulex  pipiens)  usw.
Diese  Formen  treten  auch  zum  Teil  in  auffallend  großer  Menge  in  fließenden  Gewässern ­
  auf,  wenn  dieselben  mit  organischen  Stoffen  angereichert  werden,  also  auch  bei
Verunreinigungen  mit  Abfällen  organischer  Natur.
y)  Eine  Wasserverunreinigung  ist  ferner  als  erwiesen  zu  betrachten:
1.  wenn  die  Flora  des  Gewässers,  und  zwar  sowohl  die  höheren  wie  die  niederen  Pflanzen,
abstirbt  oder  einen  schnellen  und  auffälligen  Rückgang  zeigt;
2.  wenn  unter  den  niederen  Pflanzen  die  grünen,  reines  Wasser  liebenden  Algen  zurücktreten ­
  oder  verschwinden  und  andere,  organischer  Verbindungen  zu  ihrer  Ernährung
bedürfende  Algen  und  Pilze  überhandnehinen.
Die  Verfahren  zur  Untersuchung  dieser  Verhältnisse  entsprechen  im  allgemeinen  den
Gesichtspunkten,  welche  für  die  vergleichende  Untersuchung  der  Tierwelt  (sub  ß)  bereits
als  maßgebend  hervorgehoben  sind.
ad  1.  Die  Zusammensetzung  und  der  Vegetationszustand  des  Bestaudes  an  höheren
und  niederen  Pflanzen  in  einem  Wasserbehälter  gibt  oft  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung
des  Wassers.
In  dieser  Hinsicht  ist  darauf  zu  achten,  ob  an  einer  der  Verunreinigung  verdächtigen
Stelle  sich  die  Pflanzen  nach  Menge  und  Artenzahl  von  denjenigen  anderer  Stellen  desselben ­
  oder  auch  eines  ähnlichen  benachbarten  Gewässers  unterscheiden.  Ferner  ist  festzustellen, ­
  ob  auffallende  Veränderungen  in  der  Flora,  besonders  das  Absterben  oder  Kränkeln
aller  Pflanzen  oder  eines  Teiles  derselben,  vor  kurzem  stattgefunden  haben  und  ob  sie
schnell  oder  allmählich  vor  sich  gegangen  sind.  Plötzliches  Absterben  der  Pflanzen  eines
Wasserbehälters  muß,  wenn  nicht  eine  andere  Ursache  ersichtlich  ist,  als  ein  Zeichen
starker  Verunreinigung  des  Wassers  betrachtet  werden.  Ebenso  deutet  vollständiges  Fehlen
höherer  Pflanzen  in  Teilen  eines  Gewässers,  welches  im  übrigen  den  gewöhnlichen  Pflanzenbestand ­
  aufweist,  auf  starke  Verunreinigung  der  vegetationslosen  Strecken  hin;  mit  der
fortschreitenden  Reinigung  eines  fließenden  Gewässers  stellen  höhere  Pflanzen  sich  allmählich ­
  wieder  ein.  So  zeigte  sich  in  bestimmten  Fällen,  daß  stromabwärts  von  der
Quelle  der  Verunreinigung  in  einem  Flusse  nach  einer  ganz  vegetationslosen  Strecke  nacheinander ­
  wiederauftraten:  von  Wasserpflanzen  Potamogeton  peotinatus,  Ranunculus  fluitans,
  Lemna  minor,  Ceratophyllum  demersum,  von  Uferpflanzen  Sparganium  ramosum,
Sagittaria  sagittaefolia,  Glyceria  spectabilis,  Butoraus  umbellatus,  Alisma  Plantago.  Dagegen ­
  scheinen  gegen  Verunreinigungen  besonders  empfindlich  und  daher  Anzeichen  sehr
reinen  Wassers  zu  sein:  die  Seerosen  Nuphar  luteum  und  Nymphaea  alba,  auch  wohl
Scirpus  lacustris.
ad  2.  Im  allgemeinen  lieben  die  rein  grün  gefärbten  Algen,  welche  entweder  frei
im  Wasser  schwimmen  oder  Überzüge,  Büschel,  Rasen  usw.  auf  im  Wasser  liegenden
Gegenständen  bilden,  reines  Wasser,  und  man  darf  deshalb  das  Vorhandensein  einer  reichlichen ­
  und  normal  wachsenden  Vegetation  grüner  Algen  —  namentlich  in  stehendemoder
langsam  fließendem  Wasser  —  als  Zeichen  der  Reinheit  des  letzteren  ansehen,  Ansammlungen ­
  von  Bazillarien  (Diatomeen)  finden  sich  in  Wässern  von  sehr  verschiedener  Beschaffenheit; ­
  deshalb  ist  es  nötig,  wenn  man  aus  ihrem  Vorhandensein  einen  Schluß  auf
die  Beschaffenheit  des  Wassers  ziehen  will,  die  vorkommenden  Arten  genau  zu  unterscheiden. ­
  Auch  gibt  es  grüne  Algenarten,  wie  Vaucheria,  Scenedesmus,  Pediastrum,  die
außer  in  reinem  auch  in  verunreinigtem  Wasser  Vorkommen.  Deshalb  wird  die  Beurteilung
        <pb n="908" />
        Schädlichkeit  für  die  Fischzucht.

887

der  Beschaffenheit  eines  Wassers  auf  Grund  der  Zusammensetzung  der  niederen  Flora  vorläufig ­
  in  der  Regel  noch  sachkundigen  Botanikern  überlassen  werden  müssen.
Ein  Zeichen  für  eine  vor  kurzer  Zeit  eingetretene  Verunreinigung  eines  Gewässers
ist  das  Vorhandensein  der  normalen  niederen  Vegetation,  aber  in  abgestorbenem
oder  kränkelndem  Zustande.  Das  Absterben  der  Algenzellen  gibt  sich  in  der  Regel  durch
Zusammensinken  des  lebenden  Zellinhaltes  und  durch  Mißfärbungen  oder  Umfärbungen  der
gefärbten  Inhaltsbestandteile  zu  erkennen.
ä)  Weiter  ist  es  ein  Beweis  für  die  Anwesenheit  organischer  Verunreinigungen ­
  im  Wasser,  wenn  sich  in  demselben  vorfinden;
1.  größere  Mengen  von  Bakterien,  besonders  auch  Sphaerotilus  natans,  der  in  Wasserläufen, ­
  die  durch  gewisse  Fabrikabwässer  verunreinigt  sind,  häufig  in  ungeheuren
Massen  alle  im  Wasser  befindlichen  Gegenstände  überzieht  und  große,  schmutzige,
wolleähnliche  Flocken  und  Rasen  bildet,  ferner  auch  Beggiatoa-Arten,  die  als  kreideweiße, ­
  oft  schimmelartige  Überzüge  und  Anflüge  erscheinen;
2.  gewisse  Fadenpilze,  wie  namentlich  Leptomitus  lacteus  (im  Auftreten  und  Aussehen
ganz  mit  Sphaerotilus  übereinstimmend);
3.  zahlreiche  Algen  aus  der  Abteilung  der  Cyanophyceen;  dieselben  sind  daran  kenntlich,
daß  in  ihrem  Inhalt  nicht  rein  grüne  Farbstoffe  enthalten  sind,  sondern  blaugrüne,
blaue,  olivengrüue  und  ähnliche  Färbungen  Vorkommen.  Besonders  die  Familie  der
Oscillatorien  (lange,  biegsame,  mit  einer  vorwärts  kriechenden  Bewegung  begabte
Fadenalgen)  liebt  verunreinigtes  Wasser  und  größere  Mengen  von  Oscillatorien  sind
deshalb  ein  Anzeichen  für  solches.
Die  obige  Kommission  hat  folgende  Vorschrift  zur  Probenahme  aus  verunreinigten ­
  Gewässern  zum  Zweck  der  Untersuchung  der  darin  vorkommenden  Tiere  und
Pflanzen  gegeben:
a)  Die  Proben  sind  in  reinen  Glasgefäßen  aufzuheben,  welche  mit  dem  zu  untersuchenden ­
  Wasser  vor  der  Füllung  dreimal  sorgfältig  ausgespült  werden  müssen.  Bier-  oder
Weinflaschen  sind  hierzu  unbrauchbar.
ß)  Für  jede  Untersuchung  sind  mindestens  2  Proben  erforderlich,  nämlich:
1,  Eine  Wasserprobe  mit  den  im  Wasser  lebenden  kleinen  Tieren  und
Pflanzen.  Für  diese  Probe  ist  ein  etwa  1  1  haltendes  Glas  mit  weiter  Öffnung
und  gutem  Kork-  oder  Schraubenverschluß  (Einmacheglas)  am  Ufer  zu  3 / 4  mit
Wasser  zu  füllen  und  in  demselben  sind  von  den  im  Wasser  vorhandenen  Pflanzen
mehrere  (10—20)  Exemplare  recht  oft  abzuspülen  und  abzustreifen,  um  die  daran
befindlichen  Organismen  zu  gewinnen.  Einige  wenige  Pflanzen  werden  schließlich
in  dem  Glase  belassen.  Ebenso  sind  die  verschiedenartig  gefärbten  Überzüge,
Anflüge  usw.,  welche  sich  auf  den  im  Wasser  liegenden  Steinen,  Holzteilen  und
Pflanzen  usw.  vorfindon,  abzukratzen  oder  mitsamt  der  Unterlage,  wenn  diese
nicht  zu  groß  oder  zu  schwer  ist,  in  das  Sammelgefäß  zu  werfen.  Etwa  auf  der
Oberfläche  des  Wassers  schwimmende  Flocken,  Watten,  Fladen  und  dergl.,  sowie
leicht  zu  sammelnde  Tiere,  wie  Schnecken,  Muscheln,  Insektenlarven  u.  a  ,  sind
gleichfalls  in  das  Glas  einzusetzen.  Besteht  keine  Sicherheit,  daß  das  Gefäß  mit
der  Probe  innerhalb  etwa  24  Stunden  in  die  Hände  des  Untersuchenden  gelangen
kann,  so  ist  es  zweckmäßig,  den  ganzen  Inhalt  des  Glases  haltbar  zu  machen,
indem  man  denselben  sofort  in  ein  doppelt  so  großes  Glas  überfüllt,  in  welchem
sich  ungefähr  3 /. t  1  einer  Lösung  von  1  °/ 0  Formalin  oder  von  konzentrierter  Pikrinsäure ­
  -)-  2  °/ 0  Essigsäure*)  befindet.
2.  Eine  Bodenprobe.  Dieselbe  ist  in  der  Weise  zu  gewinnen,  daß  der  Schlamm
oder  Sand  vom  Grunde  am  Ufer  gesammelt  und  in  ein  Glas  von  1 j l — 1 / 2  1  Inhalt
gebracht  wird,  welches  zu  s j i  mit  Wasser  aufzufüllen  ist.

0  Das  Formalin  ist  in  jeder  Apotheke  zu  erhalten.  Zum  Gebrauch  werden  3  Teile
des  käuflichen  Formalins  mit  100  Teilen  destilliertem  Wasser  gemischt.  Ebenso  ist  auch
die  Pikrinessigsäure  daselbst  erhältlich.
        <pb n="909" />
        888

Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nach  Weisung.

3.  Aus  größeren  Gewässern  wird  zweckmäßig  noch  eine  dritte  Probe  entnommen, ­
  welche  mit  Hilfe  eines  feinmaschigen  Gazenetzchens  (nötigenfalls  Planktounetz)
  zu  gewinnen  ist.  Das  Netzchen  ist  wiederholt  (5—10-mal)  zum  Zwecke  des
Fanges  der  Tiere  langsam  durch  das  Wasser  zu  ziehen  und  sein  Inhalt  in  ein  Glas
mit  weiter  Öffnung  überzuspülen.
h)  Die  Schädlichkeit  eines  Wassers  für  die  Fischzucht  kann  ferner  festgestellt
werden  durch  Untersuchung  der  Fische,  sei  es,  daß  sie  gerade  verendet  oder
noch  lebend  für  den  Zweck  gefangen  wurden,  wenn  es  sich  um  Verunreinigungen
mit  Kupfer,  Zink,  Blei,  Arsen,  Farbstoff  usw.  handelt.  Man  verfährt  hierbei  in  der
Weise,  daß  man  die  Fische  bezw.  die  Eingeweide  und  das  Fleisch  getrennt  wie  bei
einer  Leichenuntersuchung  auf  den  fraglichen  schädlichen  Bestandteil  untersucht.
c)  Durch  Untersuchung  des  Wassers  und  direkte  Versuche  über
seine  Schädlichkeit  für  Fische.  Dieser  Weg  ist  besonders  dann  einzuschlagen, ­
  wenn  mehrere  und  verschiedenartige  Abwässer  an  der  Verunreinigung
beteiligt  sind  oder  wenn  die  Bestandteile  des  Abwassers  je  nach  Jahreszeit  und
Witterung  sich  verändern.  So  wirken  Abwässer  mit  organischen  Schwebestoffen, ­
  z.  B.  solche  mit  Küchenabfällen,  aus  Ortschaften  usw.,  solange  sie  frisch
sind, 1 )  nicht  schädlich,  sondern  erst  nachdem  sie  in  Fäulnis  übergegangen  sind,
wodurch  in  dem  Wasser  der  Sauerstoffgehalt  vermindert  wird  und  Schwefelwasserstoff, ­
  Ammoniak,  Ptomaine  usw.  gebildet  werden.
Die  bisherigen  Versuche  Uber  die  Schädlichkeit  verschiedener  Bestandteile  der
Schmutzwässer  für  Fische  sind  meist,  besonders  diejenigen  von  C.  Weigelt, 1  2 )  in
der  Weise  angestellt,  daß  die  Fische  aus  einem  kleinen  Behälter  mit  gesundem
Wasser  in  einen  solchen  mit  verunreinigtem  Wasser  gebracht  und  dann  die  Wirkung
des  letzteren  beobachtet  wurde.  Die  so  erhaltenen  Ergebnisse  sind,  wie  Weigelt
selbst  sagt,  nur  in  den  seltensten  Fällen  auf  die  natürlichen  Verhältnisse  übertragbar, ­
  da  schon  die  plötzliche  Veränderung  des  Aufenthaltes  und  des  Wassers  nachteilig ­
  auf  die  Fische  gewirkt  haben  kann,  während  die  Einwirkung  in  der  Natur
sich  allmählich  vollzieht  und  der  Fisch  einer  freieren  Bewegung  fähig  ist.  Deshalb
führten  wir 3 )  die  Versuche  in  der  Weise  aus,  daß  die  einzelnen  Fische  (Karpfen,
Schleien,  Goldorfen  und  Forellen  u.  a.)  aus  einem  größeren  gemeinschaftlichen  Behälter ­
  in  kleinere  Behälter  gebracht  werden,  die  mit  demselben  Wasser  gefüllt  sind
wie  der  große  Behälter,  und  hier  erst  die  Fische  einen  Tag  ohne  Änderung  der
Verhältnisse  bleiben;  dann  erst  wird  das  Wasser  verändert,  indem  letzteres  durch
Leitungswasser,  welchem  der  betreffende  schädliche  Bestandteil  in  einem  Glasballon
zugesetzt  worden  ist,  allmählich  verdrängt  und  ersetzt  wird.  Wenn  auch  durch
diese  Versuchsanstellung  den  natürlichen  Verhältnissen  besser  entsprechende  Versuchsbedingungen ­
  geschaffen  werden,  so  muß  doch  betont  werden,  daß  nicht  nur
die  einzelnen  Fischarten,  sondern  auch  die  einzelnen  Fische  derselben  Art  je  nach
Körpergewicht  und  Alter  sich  gegen  einen  Schädling  sehr  verschieden  verhalten
können,  daß  daher  auch  die  bei  diesen  Versuchen  gefundene  Schädlichkeitsgrenze
keine  für  jeden  und  alle  Fälle  zutreffende  Gültigkeit  hat,  sondern  nur  allgemeine
Anhaltspunkte  liefern  kann.  Man  wird  deshalb  unter  Umständen  selbst  direkte
Versuche  mit  den  in  Frage  kommenden  Stoffen  anstellen  müssen,  wobei  auch  noch
1 )  Manche  Fische  halten  sich  z.  B.  mit  Vorliebe  an  solchen  Stellen  in  Flüssen  auf,
wo  sich  Abfälle  dieser  Art  in  frischem  Zustande  in  dieselben  ergießen;  auch  verzehren  sie
mit  Vorliebe  frischen  Menschen-Kot.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1879,  28,  321,  und  Archiv  für  Hygiene  1885,  3,  70.
s )  Landw,  Jahrb.  1897,  26,  75.
        <pb n="910" />
        Schädlichkeit  für  Viehzucht,  Gewerbe.

889

besonders  die  Temperatur  des  Wassers  zu  beachten  ist;  denn  im  allgemeinen
nimmt  die  Schädlichkeit  eines  Stoffes  mit  der  Temperatur  eines  Wassers  zu.
Bezüglich  der  bisherigen  Beobachtungen  über  die  Schädlichkeit  einzelner
Schmutzwässer  für  Fische  vergl.  des  Yerf.s  „Verunreinigung  der  Gewässer,  deren
schädliche  Folgen  usw.“.  Berlin  bei  Julius  Springer,  2.  Aufl.  1899.
2.  Schädlichkeit  für  die  Viehzucht.  Was  die  Schädlichkeit  eines  verunreinigten
Bachwassers  für  das  Vieh  anbelangt,  so  gelten  im  allgemeinen  dieselben  Bedingungen,
welche  für  den  Menschen  maßgebend  sind.
Zwar  sind  die  landwirtschaftlichen  Nutztiere  nicht  so  empfindlich  wie  der
Mensch  und  vertragen  dieselben  vorübergehend  bei  vereinzelter  Aufnahme  ein  unreines, ­
  sogar  schwach  fauliges  Wasser,  dessen  einmaliger  Genuß  bei  dem  Menschen
schon  schwerwiegende  Folgen  haben  würde;  indessen  ist  auf  die  Dauer  für  die  landwirtschaftlichen ­
  Nutztiere  dasselbe  reine  Wasser  notwendig  wie  für  den  Menschen.
Dieses  gilt  besonders  für  Milchvieh,  dessen  Milch  durch  den  Genuß  eines  unreinen
Wassers  —  wenn  auch  nur  durch  Aufnahme  von  Infektionskeimen  von  außen  aus
der  durch  das  Wasser  verunreinigten  Luft  —  leicht  eine  fehlerhafte  Beschaffenheit
annehmen,  für  trächtiges  Vieh,  bei  dem  der  Genuß  von  einem  mit  fauligen  Stoffen
und  abführenden  Salzen  (Chloriden,  Sulfaten,  Nitraten  in  größerer  Menge)  verunreinigtem ­
  Wasser  leicht  Abortus  verursachen,  für  Pferde,  wo  schlechtes  Wasser
Störungen  der  Darmtätigkeit  und  damit  Kolikanfälle  hervorrufen  kann.
Direkt  giftige  oder  nach  allmählicher  Anhäufung  im  Organismus  giftig
wirkende  Bestandteile  (wie  Blei)  können  in  einem  etwa  verendeten  Tier  wie  üblich
nachgewiesen  werden.  Dasselbe  ist  der  Fall,  wenn  die  Tiere  Futter  (Heu)  verzehrt ­
  haben,  welches  unter  dem  Einfluß  eines  verunreinigten  Wassers  gewachsen
ist,  z.  B.  unter  dem  Einfluß  eines  mit  Zinksulfat,  Blei-  oder  Kupferverbindungen  usw.
gewachsenen  Futters.  Man  findet  dann  diese  Bestandteile  in  abnormer  Menge  im
Kot  oder  bei  einem  verendeten  Tier  in  den  Futterresten  des  Magen-  und  Darminhaltes, ­
  unter  Umständen  auch  im  Harn.
Denn  außer  der  direkten  schädlichen  Wirkung  der  verunreinigenden  Bestandteile ­
  im  aufgelösten  Zustande  beim  Genuß  des  Wassers  ist  in  Betracht  zu  ziehen,
ob  die  Tiere  auch  Futter  verzehrt  haben,  welches  diese  Bestandteile,  sei  es  mechanisch ­
  anhängend  oder  im  assimilierten  Zustande,  enthält.
Lösliche  Zink-,  Kupfer-  oder  Bleisalze,  arsenigsaure  Verbindungen  usw.  werden
z.  B.  mehr  oder  minder  von  den  Pflanzen  aufgenommen  und  erzeugen  ebenso  wie
freie  Mineralsäuren,  Eisenvitriol,  ein  sog.  saures  oder  abnormes  Futter,  in
welchem  das  natürliche  Verhältnis  von  Basen  zu  Säuren  gestört  ist,  und  welches
ebenso  wie  ein  unter  dem  Einfluß  von  Hüttenrauch  gewachsenes  Putter  eine
fehlerhafte  Veränderung  des  Blutes,  eigentümliche  Knochenerkrankungen,  eine  Verminderung ­
  des  Milohertrages  und  allgemeine  Abmagerung  usw.  usw.  bewirken  kann
(vergi.  auch  unter  „Nachweis  von  Hüttenrauchbeschädigungen“).
Zur  Entscheidung  der  Frage  der  Schädlichkeit  eines  verunreinigten  Bachwassers ­
  für  das  Vieh  wird  man  schwerlich  wegen  der  Kostspieligkeit  Versuche  an
einem  sonst  gesunden  Tiere  anstellen  können,  aber  es  kann  als  Kegel  gelten,  daß
alle  Bestandteile  eines  Abwassers,  welche  entweder  an  sich  fremdartig  und  abnorm
sind,  oder  welche  die  gewöhnliche  natürliche  Beschaffenheit  eines  Wassers  verändern ­
  oder  ein  unter  ihrem  Einfluß  gewachsenes  abnormes  Futter  erzeugen,  für
Zwecke  der  Viehhaltung  unzulässig  sind.
3.  Schädlichkeit  für  gewerbliche  Zwecke.  Auch  hier  kann  im  allgemeinen
als  Kegel  gelten,  daß  alle  Bestandteile,  welche  ein  Bach-  oder  Flußwasser  durch
        <pb n="911" />
        890  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nachweisuug.
Aufnahme  eines  Abwassers  für  den  Genuß  des  Menschen  oder  Tieres  unbrauchbar
machen,  auch  für  gewerbliche  Zwecke  nachteilig  sind.
Ein  trübes,  durch  irgendwelche  Schlammstoffe  oder  durch  Farbstoffe  verunreinigtes ­
  Wasser  ist  z.  B.  nicht  zum  Spülen,  Waschen,  Bleichen  oder  als  Kesselspeisewasser ­
  geeignet.  Abnorme  Mengen  von  Chloriden  (Chlornatrium,  Chlorcalcium,
Chlormagnesium)  oder  von  Sulfaten  verursachen  die  Bildung  von  harten  Seifen
hezw.  von  Kesselstein  oder  eine  Beschädigung  der  Kesselwandungen,  befördern  ein
Kosten  (Oxydation)  von  Maschinenteilen  usw.
Gewisse  gewerbliche  Betriebe  (Zucker-  und  Stärkefabriken,  Brennereien  und
Brauereien,  Färbereien  usw.)  erfordern  gerade  ein  sehr  reines  Wasser.  Ein  höherer
Gehalt  an  Chloriden  beeinträchtigt  z.  B.  die  Zuckerausbeute  aus  Zuckerrüben  und
die  Gärung,  wie  ebenso  ein  durch  organische  Schmutzstoffe  verunreinigtes  Wasser
eine  fehlerhafte  Gärung  verursacht  usw.  (vergl.  S.  597,  647,  706).
4.  Schädlichkeit  für  den  Boden.  Wenn  ein  mit  Abwasser  verunreinigtes
Bach-  hezw.  Flußwasser  zur  Berieselung  benutzt  wird,  so  kann  sich  die  Schädlichkeit ­
  nach  3  Richtungen  geltend  machen:
a)  dadurch,  daß  die  etwa  vorhandenen  Schwebe-  oder  Sehlammstoffe,  wie
Eisenoxydschlamm,  aufgeschlämmter  Ton,  ölige  Stoffe,  organische  Fasern,  Aschenund
  Schlackenmassen,  den  Boden  verschlammen  hezw.  verfilzen  und  dadurch
einerseits  denselben  mit  einer  die  normale  Vegetation  unterdrückenden  Schlammschicht
  bedecken,  andererseits  die  Poren  des  Bodens  verstopfen  und  infolge  Verhinderung ­
  von  Luftzutritt  eine  Versauerung  bewirken;
b)  dadurch,  daß  sie  dem  Boden  an  sich  abnorme  und  giftige  Stoffe  wie
Schwefelverbindungen,  Metalloxyde,  arsenige  Säure,  Ehodanammonium  (Gaswasser)
und  Farbstoffe  usw.  zuführen,  welche  entweder  direkt  schädlich  für  die  Pflanzen
wirken  oder,  wie  die  Schwefelverbindungen,  Farbstoffe  usw.,  die  Oxydationsvorgänge
im  Boden  beeinträchtigen  und  nach  Oxydation  dieser  Verbindungen  schädliche
Stoffe  liefern  (vergl.  S.  81);
c)  dadurch,  daß  sie  im  gelösten  Zustande  wie  freie  Mineralsäuren  oder
Chloride  (Chlornatrium,  Chlorcalcium,  Chlormagnesium)  oder  wie  die  Sulfate  (Ferrosulfat,
  Kupfer-  und  Zinksulfat)  hezw.  die  Nitrate  wichtige  Pflanzennährstoffe  des
Bodens,  wie  Kali,  Kalk,  Magnesia,  auswaschen  und  den  Boden  mit  der  Zeit  hieran
berauben.  Für  die  freien  Mineralsäuren  ist  dieses  an  sich  einleuchtend;  aber  auch
kochsalzhaltiges  Wasser  wirkt  ebenso  wie  chlorcalcium-  und  chlormagnesiumhaltiges
Wasser  (schon  von  0,5—1,0  g  für  1  1  an)  stärker  lösend  auf  die  Pflanzennährstoffe
des  Bodens  als  reines,  destilliertes  Wasser,  und  die  Metallsulfate  wirken  schon  in
geringster  Menge  in  der  Weise  nachteilig,  daß  sie  sich  mit  den  kohlensauren,  humussauren ­
  oder  kieselsauren  Salzen  von  Kalk,  Magnesia  und  Kali  umsetzen,  infolgedessen
die  leicht  löslichen  Sulfate  der  letzteren  mit  dem  Sieker-  oder  Abrieselwasser  fortgeführt ­
  werden,  während  die  Metalloxyde  im  Boden  Zurückbleiben  und  sich  dort  anhäufen.
Die  Chloride  und  sonstige  nichtabsorbierbaren  Salze  wirken  ferner  noch  in
der  Weise  schädlich,  daß  sie  eine  festere  Aneinanderlagerung  des  Tones  bewirken
und  dadurch  den  Boden  dicht  schlämmen,  welche  Eigenschaft  sogar  bis  zur
Ertraglosigkeit  des  Bodens  führen  kann  (vergl.  S.  82).
Um  daher  die  Frage  der  Beschädigung  des  Bodens  durch  ein  mit  Abwässern
verunreinigtes  Bachwasser  zu  beantworten,  muß  man  je  nach  den  obwaltenden
Verhältnissen  nicht  nur  den  betreffenden  Bestandteil  hezw.  das  Salz  selbst  im
Boden  vorfinden,  sondern  auch  die  dichte  Lagerung  oder  den  geringeren  Gehalt
an  Kalk,  Magnesia  und  Kali  usw.  gegenüber  dem  in  der  Nähe  befindlichen  Boden
        <pb n="912" />
        Schädlichkeit  für  Boden,  Pflanzen.

891

derselben  Art  nachweisen,  welcher  nicht  unter  dem  Einfluß  des  Abwassers  gelitten ­
  hat.
Die  Probenahme  des  Bodens  wird  ganz  nach  S.  4  ausgeführt;  man  entnimmt ­
  an  4—8  verschiedenen  Stellen  der  fraglichen  Fläche  Proben  des  Ober-  und
Untergrundes,  ferner  in  derselben  Weise  von  höher  und  womöglich  tunlichst  nahe
gelegenen  Flächen  (sei  es  Wiese,  Acker  oder  Wald)  mit  derselben  Bodenart,  auf
die  erwiesenermaßen  das  betreffende  Wasser  nicht  gelangt  ist  oder  gelangen
konnte.  Handelt  es  sich  um  Beschädigung  von  Wiesen,  und  kann  man  von  nahe
gelegenen,  aber  nicht  mit  dem  unreinen  Wasser  berieselten  Wiesen  mit  gleicher
Bodenart  gesunde  Gegenproben  erhalten,  so  ist  dies  um  so  besser.
Befinden  sich  ferner  im  Untergrund  Grundgestein  bezw.  einzelne  Gesteinsfragmente, ­
  durch  deren  Verwitterung  der  Boden  entstanden  ist,  so  werden  auch  diese
sorgfältig  gesammelt  und  mit  untersucht,  weil  sie  als  Beweis  dafür  dienen  können,
ob  die  abnormen  Bestandteile  schon  im  Grundgestein  enthalten  sind  oder  nicht.
Ist  eine  Fläche  in  verschiedenem  Grade  durch  ein  verunreinigtes  Wasser
verdorben,  so  werden  von  den  verschiedenartig  verdorbenen  Stellen  Proben  entnommen ­
  und  getrennt  für  sich  untersucht.
Man  soll  sich  nie  mit  einer  einzigen  Durchschnittsprobe,  wmder  von  verdorbenem ­
  noch  unverdorbenem  Boden  begnügen,  sondern  mehrere,  mindestens  2  entnehmen, ­
  wenn  es  sich  um  eine  Parzelle  handelt,  sonst  so  viel,  als  fragliche  Parzellen
in  Betracht  kommen.
Die  entnommenen  Bodenproben  werden,  wie  bei  Bodenuntersuchung  (S.  6)
angegeben  ist,  gleichmäßig  für  die  chemische  Untersuchung  vorbereitet  und
kocht  man  von  denselben  etwa  100  g  mit  150  ccm  konzentrierter  Salzsäure  +
250  ccm  Wasser  2  Stunden  lang  unter  Ersatz  des  verdunstenden  Wassers.  In  der
salzsauren  Lösung  werden  die  Basen,  sowohl  die  von  den  abnormen  Wasserbestandteilen ­
  herrührenden,  als  die  natürlich  vorhandene^,  sowie  Schwefelsäure  usw.  nach
S.  24—30  bestimmt.
Chlor  bestimmt  man  nach  S.  39  in  einem  besonderen  Teile  der  Probe  durch
Behandeln  von  100  g  Boden  mit  1000  ccm  destilliertem  Wasser  und  Verwendung
von  500  ccm  des  Filtrats.  Wird  Blei  im  Boden  vermutet,  so  zieht  man  zweckmäßig ­
  mit  Salpetersäure  aus  und  verfährt  nach  S.  42;  für  den  Nachweis  von
Arsen  vergl.  S.  178.
Bei  Böden,  welche  durch  Chloride  oder  Sulfate  oder  Nitrate  beschädigt  sind,
findet  man  durchweg  nur  verhältnismäßig  wenig  Chloride  oder  Schwefelsäure  oder
Salpetersäure  mehr  als  in  gesunden,  nicht  beschädigten  Böden,  Das  erklärt  sich
dadurch,  daß  die  Chloride  als  solche  nicht  vom  Boden  absorbiert  werden  und  Sulfate ­
  und  Nitrate  sich  mit  den  Bodensalzen  umsetzen,  so  daß  die  Schwefelsäure  bezw.
Salpetersäure  in  Verbindung  mit  anderen  Basen  (Kalk  usw.)  mit  dem  Sieker-  oder
Abrieselwasser  ausgewaschen  werden.
5.  Schädlichkeit  für  die  Pflanzen.  Wenn  ein  Grundstück  mit  landwirtschaftlichen ­
  Nutzpflanzen  bezw.  Bäumen  durch  irgend  ein  verunreinigtes  Abwasser  verdorben ­
  ist,  so  muß  sich  dieses  auch  äußerlich  an  der  Vegetation  kundgeben,  sei  es
durch  dünnen  Stand  oder  Auftreten  abnormer  Pflanzen  (z.  B.  von  Zinkveilchen  für
mit  Zinkverbindungen,  von  Atriplex  hastata  für  mit  Kochsalz  verdorbene  Böden)
oder  durch  kümmerliche  Entwickelung  bis  zum  vollständigen  Ahsterben.  Es  ist
daher  genau  die  Vegetation  der  fraglichen  Flächen  mit  der  von  nahe  gelegenen,
nicht  beschädigten  Flächen  zu  vergleichen  und  sind  die  Unterschiede  festzustellen,
weil  unter  Umständen  Abnormitäten  durch  die  Witterung  (Frost,  Trockenheit  usw.)
        <pb n="913" />
        892

Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nachweisung,

bedingt  sein  können;  andererseits  sind  die  Pflanzen  bezw.  Bäume  auf  etwaige  durch
Pilze  oder  Insekten  verursachte  Krankheiten  und  Abnormitäten  zu  untersuchen.
Wenn  ein  an  Grundnässe  leidendes,  versumpftes  Grundstück  vorliegt,  kann  auch
die  Abnormität  in  der  Vegetation  zum  größeren  oder  geringeren  Teil  hierdurch
mitbedingt  sein.
Wo  es  ferner  möglich  ist,  soll  man  sich  über  das  Wachstum  der  Pflanzen
und  Bäume,  bezw.  über  die  Erträge  vor  und  nach  der  Einwirkung  des  verunreinigten
Wassers,  sei  es  nach  einer  sorgfältigen  und  hinreichend  sicheren  Buchführung
oder  durch  Zeugenaussagen,  Aufschluß  verschaffen.
Aber  hiermit  darf  man  sich  noch  nicht  begnügen.  Wenn  eine  offenbare  Beschädigung ­
  der  Vegetation  vorliegt,  welche  durch  andere  Ursachen  nicht  erklärt
werden  kann,  so  muß  man  die  schädlichen  Bestandteile  des  Wassers  auch  in  oder
an  den  Pflanzen  nachweisen  können.
Zwar  gehen  manche  pflanzenschädliche  Bestandteile,  z.  B.  arsenige  Säure  —•
sie  wirkt  desorganisierend  auf  das  Protoplasma  der  Wurzeln  —  nur  in  äußerst
geringer  Menge  in  die  oberirdischen  Pflanzenteile  über,  andere  schädliche  Stoffe,
wie  Rhodanammonium,  erfahren,  wenn  sie  überhaupt  aufgenomraen  werden,  alsbald
eine  Zersetzung,  so  daß  man  sie  schwerlich  in  den  Pflanzen  auffinden  wird,  aber
eine  Reihe  von  derartigen  schädlichen  Stoffen  wird  direkt  von  den  Pflanzen  aufgenommen ­
  und  kann  darin  in  erhöhter  Menge  nachgewiesen  werden,  so  die  Chloride.
Metall  sulfate  usw.
Behufs  Bestimmung  derselben  werden  zu  einer  Zeit  mit  lebhaftem  Wachstum
(am  besten  im  Juni  bis  Mitte  Juli)  gute  und  hinreichende  Durchschnittsproben  der
Pflanzen  bezw.  Blätter  und  Zweige  der  Bäume  von  den  beschädigten  und  ebenso
gleichzeitig  von  denselben  Pflanzen  und  Bäumen  von  nicht  beschädigten,  möglichst
nahe  gelegenen  Grundstücken  mit  tunlichst  derselben  Bodenart  entnommen  und
beide  in  ganz  gleicher  Weise  nach  dem  Veraschen  auf  die  fraglichen  Bestandteile
untersucht  (vergl.  unter  „Pflanzenasche“  S.  194  u.  ff.).
Bei  Bäumen  sammelt  man  zweckmäßig  Wurzeln,  Holz,  Zweige  und  Blätter
für  sich  und  unterwirft  diese  getrennt  der  Untersuchung,  ebenso  Samen  und  Knollen
bezw.  Wurzeln  getrennt  von  Stengeln  bezw.  Blättern.  Auch  gibt  unter  Umständen
eine  Untersuchung  der  Asche  auf  Stickstoff,  Fett,  Rohfaser  usw.  Aufschluß  darüber,
wie  durch  die  Einwirkung  des  verunreinigten  Wassers  die  Beschaffenheit  der  landwirtschaftlichen ­
  Nutzpflanzen  beeinträchtigt  worden  ist.
(!,  Schädlichkeit  für  das  Grund-  bezw.  Brunnenwasser.  Ein  verunreinigtes
Bach-  oder  Flußwasser  kann  unter  Umständen  auch  dadurch  schädlich  wirken,  daß
es  in  den  Boden  versickert,  weiter  ins  Grundwasser  gelangt  und  dadurch  Brunnen
verunreinigt.  Dasselbe  ist  der  Fall,  wenn  das  Eegenwasser  von  Schutt-  und
Schlackenhalden  oder  Schwefelkiesabbränden  oder  endlich  das  Abwasser  aus  Klärund
  Reinigungsanlagen  in  den  Boden  versickert.
Man  muß  in  solchen  Fällen  die  fraglichen  Bestandteile  entweder  direkt  im
Grund-  bezw.  Brunnenwasser  nachweisen  können  oder  wenigstens  deren  Umsetzungserzeugnisse. ­
  So  setzen  sich,  wie  schon  erwähnt,  die  Metallsulfate  bezw.  freie
Schwefelsäure  oder  Salzsäure  im  Boden  mit  dem  kohlensauren  Calcium  bezw.
kohlensauren  Magnesium  zu  Sulfaten  der  letzteren  und  unlöslichen  Karbonaten  der
Metalle  um;  man  wird  daher  in  solchen  Fällen,  wenn  auch  nicht  die  ursprünglichen
Sulfate  bezw.  freien  Säuren,  so  doch  eine  erhöhte  Menge  schwefelsaures  bezw.  Chlorcalcium ­
  oder  Chlormagnesium  im  Wasser  vorfinden.
        <pb n="914" />
        Schädlichkeit  für  das  Grund-  bezw.  Brunnenwasser.

893

Selbstverständlich  muß  man  auch  hier  Grund-  und  Brunnenwasser  von  gesundem, ­
  nicht  infiziertem  Boden  tunlichst  oberhalb  der  Grundwasserströmung  zum
Vergleich  heranziehen.
Dabei  empfiehlt  es  sich,  an  mehreren  Stellen  zwischen  dem  fraglichen  Brunnen
und  der  verunreinigenden  Quelle  Grundwasserproben  zu  entnehmen,  um  den  Gang
desselben  im  Boden  zu  verfolgen  und  den  Zusammenhang  zwischen  Brunnen  und
verunreinigender  Quelle  zu  beweisen.
Mit  vorstehenden  Ausführungen  habe  ich  nur  die  wichtigsten  Gesichtspunkte
andeuten  wollen,  die  bei  Beantwortung  von  Fragen,  welche  die  Flußverunreinigung
und  deren  Schädlichkeit  betreffen,  zu  beachten  sind.  Ebensowenig  wie  für  Vorschriften ­
  zur  Untersuchung  der  Schmutzwässer,  so  ist  es  auch  hier  nicht  möglich,
für  alle  und  jeden  Fall  allgemein  gültige,  zu  beachtende  Regeln  zu  geben,  weil  die
Verhältnisse  gar  zu  vielseitig  sind.
Die  chemische  Untersuchung  selbst  bietet  in  den  seltensten  Fällen  Schwierigkeiten ­
  ;  bezüglich  der  Schädlichkeit  der  verunreinigenden  Bestandteile  der  Abwässer
sind  in  des  Verfassers  Schrift:  „Die  Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  schädliche
Folgen  usw.“  (Berlin  bei  Julius  Springer,  2.  Aufl.  1899)  weitere  Anhaltspunkte  enthalten, ­
  und  wo  solche  fehlen,  da  müssen  nötigenfalls  direkt  neue  einschlägige  Versuche ­
  angestellt  werden.
        <pb n="915" />
        Beschädigungen
der  Vegetation  durch  Rauch  und  Staub.

Neben  der  Schädigung  von  Boden  und  Pflanzen  durch  flüssige  und  feste  Abgänge ­
  aus  Fabriken  bilden  nicht  selten  auch  die  gas-  und  staubförmigen  Erzeugnisse
besonders  der  Hüttenwerke  Gegenstand  von  Klagen  und  Beschwerden  der  Grundbesitzer ­
  in  industriereichen  Gegenden.
Der  Agrikulturchemiker  wird  daher  häufig  auch  mit  dem  Nachweise  dieser
Art  Beschädigungen  beauftragt,  weshalb  hier  eine  kurze  Anleitung,  wie  diese  Beschädigungen ­
  nachgewiesen  werden  können,  gegeben  werden  möge.
Je  nach  der  Natur  des  in  einem  Hüttenwerk  oder  einer  Fabrik  verarbeiteten
Rohstoffes,  der  fertigen  Erzeugnisse  und  der  Abfallstoffe  hat  sich  die  Untersuchung
zu  richten  auf  schädliche  Gase  bezw.  Dämpfe,  wie  z.  B.  Schwefelsäure,  schweflige
Säure,  Chlor,  Salzsäure,  Schwefelwasserstoff,  Fluorwasserstoff,  Salpetersäure,  Ammoniak, ­
  oder  auf  feste  staubförmige  Körper,  wie  Metalloxyde,  Soda,  Kalk,  Kohlenteilohen,
  lösliche  Metallsulfate  und  Metallohloride  usw.

A.  Nachweis  von  Beschädigungen
durch  gasige  und  saure  Bestandteile  des  Rauches.
Die  schädliche  Wirkung  der  sauren  Rauchbestandteile  beruht  nach  Jul.
v.  Schröder 1 )  darauf,  daß  die  Säuren  bezw.  löslichen  Metallsulfate  und  -Chloride
sich  mit  den  Wasserdämpfen  der  Luft  auf  die  Blätter,  Nadeln  und  Pflanzenteile
niederschlagen,  nicht  durch  die  Spaltöffnungen,  sondern  von  der  ganzen  Blattoberfläche ­
  aufgenommen  werden,  Wasser  aus  der  Pflanzensubstanz  anziehen,  die  Transpiration ­
  in  den  Blättern  bezw.  Nadeln  herabsetzen,  somit  die  normale.'  Wasserzirkulation ­
  abändern,  durch  welche  Störung  bei  hinreichend  starker  und  anhaltender
Einwirkung  die  Pflanze  oder  der  Baum  schließlich  abstirbt.
Nach  C.  v.  Nägeli *  2 )  ist  indes  die  so  entzogene  Wassermenge  (oder  bei
schwefliger  Säure  auch  die  entzogene  Sauerstoffmenge)  nicht  groß  genug,  um  die
Wirkungen  des  Vertrocknens  und  Absterbens  der  Blätter  hervorzurufen.  C.  von
Nägeli  nimmt  an,  daß  die  Säure  (schweflige  Säure)  die  Lebenstätigkeit  des  Protoplasmas ­
  in  den  Zellen  der  Blätter  bezw.  Nadeln  unterdrückt,  so  daß  das  Vertrocknen
der  letzteren  nur  eine  sekundäre  Erscheinung  ist,  welche  immer  eintritt,  wenn  in
dem  Gewebe  der  Blätter  durch  irgend  eine  schädliche  Ursache  die  regelmäßigen
Vorgänge  gestört  werden.

J )  Landw.  Versuchs-Stationen  1872,  15,  321,  1873,  16,  447  und  1879,  23,  392,  ferner  in
J.  v.  Schröder  und  C.  Reuß,  Die  Beschädigung  der  Vegetation  durch  Rauch.  Berlin  1883.
2 )  C.  y.  Nägeli,  Theorie  der  Gärung.  München  1879,  86  u.  87.
        <pb n="916" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

895

Nach  E.  Haselholl  und  G.  Lindau 1 )  wirken  aber  die  einzelnen  Säuren  in
physiologischer  Hinsicht  auf  das  Plasma  verschieden;  die  schweflige  Säure  bewirkt
eine  bedeutende  Erniedrigung  der  Transpiration,  die  Salzsäure  eine  solche  der
Assimilation.
A.  Wieler 3 )  ist  der  Ansicht,  daß  die  schweflige  Säure  bezw.  Säuren  überhaupt ­
  nur  durch  die  Spaltöffnungen  der  Pflanzen  eindringen,  womit  im  Einklänge
stehe,  daß  die  Schädigungen  durch  saure  Rauchgase  zu  einer  Zeit,  wo  die  Spaltöffnungen ­
  am  meisten  offen  seien  (wie  z.  B.  bei  nebeliger,  feuchter  Luft  und  bei
Belichtung),  am  stärksten  auftreten.  In  jedem  Palle  beruht  die  schädliche  Wirkung
auf  einer  Formveränderung  bezw.  schließlichen  Zerstörung  des  Plasmas;  die  Wasserabgabe ­
  der  Blätter  wird  durch  die  Säure  nicht  —  oder  nur  in  vereinzelten  Fällen  —
beeinflußt.  Bei  der  schwefligen  Säure  liegt  vielleicht  eine  eigenartige  Wirkung  in
der  Weise  vor,  daß  sie  sich  mit  Assimilaten  (Aldehyden  des  Proteinmoleküls,
Glukose  usw.)  verbindet  und  in  solcher  Verbindung  in  den  Zellen  aufgespeichert
oder  in  andere  Organe  geleitet  wird  und  sich  bald  in  Form  von  Schwefelsäure  abspaltet. ­
  Gleichzeitig  wird  durch  sie  und  andere  Säuren  die  Ableitung  der  Assimilate
gehemmt,  was  entweder  auf  eine  Verminderung  der  Fermenttätigkeit  oder  der
Ferment-  (Diastase-)  Erzeugung  zurückgeführt  werden  muß.  Auf  alle  Fälle  ist  mit
diesen  Wirkungen  eine  Hemmung  des  Längenwachstums  der  Pflanzen  verbunden,
mag  man  eine  direkte  Störung  des  Plasmas  der  sich  streckenden  Zellen  oder  indirekt
eine  Hemmung  der  Diastaseerzeugung  oder  -tätigkeit  annehmen.
J.  v.  Schröder,  C.  Eeuß  und  W.  Schmitz-Dumont 8 )  nehmen  an,  daß  die
sauren  Rauchgase,  auch  wenn  sie  mit  den  meteorischen  Niederschlägen  auf  und  in
den  Boden  gelangen,  nicht  das  Wachstum  der  Pflanzenwurzeln  schädigen,
sondern  eine  Schädigung  der  Pflanzen  nur  auftritt,  w r enn  die  Säuren  bezw.  sauren
Rauchgase  mit  den  Blattorganen  der  Pflanzen  in  Berührung  kommen.  Die  Wirkung
vom  Boden  aus  kann  nur  eine  indirekte  sein.
Welches  aber  auch  die  Ursache  der  Einwirkung  der  sauren  Rauchgase  sein
mag,  jedenfalls  kann  an  der  Schädlichkeit  derselben  nicht  gezweifelt  und  muß  der
Nachweis  der  Beschädigung  in  erster  Linie  an  den  Blättern  bezw.  Nadeln  und
weiter  vielleicht  auch  im  Boden  geführt  werden.  Indes  hat  man  für  den  Nachweis
dieser  Beschädigungen  eine  Reihe  von  Umständen  zu  beachten,  um  in  der  Beurteilung ­
  nicht  fehl  zu  gehen.
I.  Vorprüfung  und  Ortsbesichtigung.
Behufs  Nachweises  dieser  Beschädigungen  ist  zunächst  zu  beachten;
1.  Die  richtige  Zeit  der  Besichtigung  und  Probenahme.  Da  die  durch
saure  Rauchgase  und  Metalldämpfe  bewirkten  Beschädigungen  (Flockenbildung)  eine
gewisse  Ähnlichkeit  mit  vergilbten  Blättern  oder  mit  durch  Nachtfrost  oder  Dürre
bewirkten  Beschädigungen  haben  können,  so  muß  die  Besichtigung  und  Probenahme
zu  einer  Zeit  stattfinden,  wo  ein  lebhaftes  Wachstum  vorhanden  ist  und  wo  keine  Nachtfröste ­
  oder  große  Trockenheit  eingewirkt  haben.  Die  passendste  Zeit  wird  daher
im  allgemeinen  Juni  bis  Anfang  August  sein.  Aber  auch  dann  hat  man  sich  stets
darüber  Rechenschaft  zu  geben,  ob  für  die  Zeit  und  die  Gegend  Nachtfröste  oder
’)  E.  Hasel  hoff  und  G.  Lindau,  Beschädigung  der  Vegetation  durch  Rauch.
Berlin  1903,  249.
2 )  A.  Wieler,  Untersuchungen  über  die  Einwirkung  schwefliger  Säure  auf  die
Pflanzen.  Berlin  1905.
3 )  Tharandter  Porstl.  Jahrbücher  1896,  46,  1.
        <pb n="917" />
        896

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub,

anhaltende  Dürre  ausgeschlossen  waren.  Der  Probenahme  hat  alsdann  eine  genaue
Besichtigung  und  Untersuchung  der  äußeren  Vegetationsverhältnisse  in  nächster
und  weiterer  Umgehung  der  fraglichen  schädlichen  Quelle  voranzugehen.  Dahei  sind
2.  die  herrschenden  Windverhältnisse  der  (Hegend  zu  berücksichtigen.
Wenn  nämlich,  wie  durchweg  in  Deutschland,  Süd-,  Südwest-  und  Westwinde
vorherrschen,  so  muß  sich  die  Beschädigung  auch  vorwiegend  nach  der  entgegengesetzten ­
  Richtung,  also  im  Osten  bis  nach  Norden  hin  stärker  geltend  machen
als  in  der  anderen  Richtung  von  der  fraglichen  Rauohquelle  aus;  dieses  um  so
mehr,  als  die  Süd-  bis  West-  und  nördlichen  Winde  durchweg  feuchter  als  die  östlichen ­
  Winde  zu  sein  pflegen  und  auf  diese  Weise  ebenfalls  stärker  einwirken.
In  enggeschlossenen  Tälern  folgen  die  Rauchgase  indes  nicht  immer  den  allgemein
wehenden  Winden,  sondern  je  nach  den  Verhältnissen  einer  oder  nur  zwei  Richtungen, ­
  wobei  sie  sich  unter  Umständen  an  einer  oder  einigen  Stellen  vorwiegend
niederschlagen.
Auch  in  freier  Ebene  schlagen  sich  die  Rauchgase  bei  feuchter  und  drückender
Luft  nicht  selten  regelmäßig  an  bestimmten  Stellen  nieder  und  rufen  dort  vorwiegend ­
  Beschädigungen  hervor,  während  näher  und  entfernter  liegende  Stellen
verschont  bleiben  bezw.  äußerlich  keine  Beschädigungen  wahrnehmen  lassen.
B.  Die  äußeren  sowie  inneren  Merkmale  und  Erscheinungen  an  den
Pflanzen  und  Bäumen.  Bei  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase  treten  bestimmte
eigenartige  äußere  Merkmale  besonders  an  den  Blättern  und  Nadeln  der  Pflanzen
bezw.  Bäume  hervor,  die  als  ein  Beweis  für  diese  Beschädigungen  angesehen  werden
können.  Hierbei  muß  aber,  wie  schon  oben  angedeutet  wurde,  berücksichtigt
werden,  daß  durch  verschiedene  andere  Ursachen  Erscheinungen  an  den  Blättern
bezw.  Nadeln  auftreten  können,  die  den  durch  saure  Rauchgase  hervorgerufenen
mehr  oder  weniger  ähnlich  sind.  Solche  Ursachen  können  z.  B.  sein:
a)  Prost,  wodurch  nach  Fr.  Nobbe 1 )  an  den  Blättern  Ränderungen  bewirkt
werden  können,  die  denen  durch  Salzsäure  ähnlich  sind.  Selbst  beim  Erfrieren
in  der  Knospe  kann  Prost  auf  den  späteren  Blättern  braune  und  gelbe  Flecken
zur  Folge  haben.  Wenn  eine  solche  Frostwirkung  als  möglich  anzunehmen  ist,
empfiehlt  sich  eine  öftere  Beobachtung  während  verschiedener  Wachstumszeiten.
ß)  Dürre  und  zu  starke  Besonnung.  Anhaltende  Dürre  bewirkt  häufig
Spitzenfärbungen  und  Nadelvertrocknen  bei  Nadelhölzern,  sowie  Bänderungen  bei
Blattpflanzen.  Das  Braun-  bezw.  Botbraunwerden  der  Nadeln  bei  Nadelhölzern,
die  sog.  Schüttkrankheit,  hat  häufig  seinen  Grund  darin,  daß  die  Nadeln  durch
starke  Besonnung  zu  lebhafter  Wassertranspiration  veranlaßt  werden,  der  Boden
aber  die  nötige  Feuchtigkeit  nicht  liefern  kann.
y)  Ungünstige  Bodeneinflüsse,  Mangel  an  Nährstoffen,  stauende
Nässe,  Ortstein  usw.  Hierdurch  werden  Wurzel-Krankheiten  oder  -Verkümmerungen ­
  hervorgerufen,  von  denen  auch  die  oberirdischen  Organe  in  Mitleidenschaft
gezogen  werden.  Kalimangel  bewirkt  z.  B.  nach  Wilfarth *  2 )  eine  gelb-bräunliche ­
  Verfärbung  des  ganzen  Blattes,  gelbbraun  gefärbte  Flecken  und  Streifen  zwischen
den  Blattnerven,  Stickstoffmangel  gelbliche,  Eisenmangel  fahle  Verfärbung
(Bleichstichtigkeit)  des  Blattes.
d)  Pflanzliche  Parasiten.  Viele  parasitische  Pilze,  die  im  Innern  der
Pflanzen  leben,  wie  Uredineen,  Chytridiaceen,  die  Konidienformen  von  Äskomyceten,

*)  Tharandter  Dorath  Jahrbücher  1877,  27,  7.
2 )  Arbeiten  d.  Deutschen  Landw.-Gesellschaft  1902,  Heft  68,  96.
        <pb n="918" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

897

besonders  die  Äcidienform  der  üredineen  erzeugen  gelbe  oder  rötliche  Mecken  auf
den  Blättern,  die  den  durch  saure  Rauchgase  gebildeten  ähnlich  sind.  Hier  aber
läßt  ein  Querschnitt  durch  die  Flecken  und  Betrachtung  desselben  unter  dem  Mikroskop ­
  leicht  eine  Entscheidung  treffen;  denn  im  Falle  einer  Pilzbeschädigung  wird
inan  das  Pilzmycel  in  oder  zwischen  den  Zellen  finden.
s)  Tierische  Parasiten.  Als  solche,  Eauchbeschädigungen  vortäuschende
Insekten  kommen  z.  B.  in  Betracht:  Aphis  cerasi  (Kirschblattlaus),  Ehynchites  alliariae
(Blattrippenstecher),  Chrysomela  populi  (Pappelblattkäfer),  Chermes  laricis  (Lärchenblattlaus), ­
  besonders  auch  die  Nonnenraupe  usw.;  sie  alle  erzeugen  der  Säurewirkung
ähnliche  Blattflecken.  Haben  letztere  eine  solche  Entstehungsursache,  so  wird  man
an  den  angefressenen  Nadeln  oder  Blättern,  Kotresten,  trocknen  Eaupenhäuten  und
anderen  Merkmalen  die  Ursache  der  Schädigung  aufdecken  können.  Jedoch  soll  man
in  solchen  Fällen,  wenn  Zweifel  bestehen,  einen  Phytopathologen  hinzuziehen.
£)  Ferner  sei  noch  darauf  hingewiesen,  daß  nach  unseren  Versuchen  Sodaund
  Kalkstaub  an  Blättern  ebenfalls  Verletzungen,  braune  Flecken  und  Bänderungen ­
  (bezw.  gelbe  Spitzen  bei  den  Nadelhölzern)  hervorrufen  können,  welche  den
durch  die  sauren  Rauchgase  hervorgerufenen  ähnlich  sind.
Alle  diese  und  andere  Umstände,  welche  das  Wachstum  der  Pflanzen  und
Bäume  schädigend  beeinflußt  haben  können,  sind  bei  der  Ortsbesichtigung  eingehend
zu  berücksichtigen.  Im  übrigen  werden  sich  die  Rauchbeschädigungen  durchweg
durch  verschiedene  äußere  und  innere  Erscheinungen  kundgeben.
a)  Äufsere  Erscheinungen  an  den  Pflanzen  und  Bäumen.  Auf  Rasenflächen
zeigen  sich  bei  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase  oft  gelb  bis  braun  gefärbte
Stellen,  auf  denen  der  Graswuchs  entweder  ganz  zerstört  ist  oder  sich  die  einzelnen
Halme  durch  ein  rostfleckiges,  gelbes  Aussehen  von  gesunden  Halmen  unterscheiden.
Bei  Baum-Beschädigungen  ist  die  Rinde  der  Stämme,  welche  der  fraglichen
schädlichen  Quelle  zugekohrt  ist,  nicht  selten  schwarz  gefärbt,  korrodiert  oder
gar  zum  Teil  ganz  abgefressen,  während  auf  der  Schutzseite  normale  Beschaffenheit
vorhanden  sein  kann.
Die  Kronen  der  Bäume  sind  bei  stärkeren  Einflüssen  abgestorben,  die  Zweige
entblättert  und  geschwärzt.
Bei  Nadelhölzern  fallen  die  Nadeln  ab,  die  jüngeren  Zweige  trocknen  ein
und  fallen  ebenfalls  zu  Boden;  die  so  gebildete  dicke  Schicht  („Geniste“)  zersetzt ­
  sich  schwer  und  kann  nach  Haselhoff  und  Lindau 1 )  in  rauchbeschädigten
Wäldern,  z.  B.  Fichtenwäldern  mit  als  äußeres  Merkmal  für  eine  Rauchbeschädigung
dienen.
Vorwiegend  aber  sind  es  die  Blätter  bezw.  Nadeln  der  Bäume,  Gartenund
  FeldfrUchte  selbst,  auf  deren  Aussehen  man  zu  achten  hat.
Besonders  kennzeichnend  sind  hier  die  gelbbraun  erscheinenden  Ränder
der  Blattspreiten  und  die  zwischen  den  Blattnerven  vorhandenen,  ebenso  gefärbten
größeren  oder  kleineren  Flecken,  welche  nicht  selten  an  ihren  Grenzen  einen
dunkler  gefärbten  Rand  haben.
Bei  starker  Einwirkung  ist  oft  das  ganze  Blatt  bis  auf  einen  schmalen
Streifen  zu  beiden  Seiten  der  Mittelrippe  gelb  gefärbt.
Die  Nadelhölzer  sind  besonders  empfindlich  gegen  schädliche  Gase,  denn
bei  ihnen  findet  man  zuerst  deutliche  Anzeichen  einer  Schädigung.  Vielfach
sind  die  Zweige  ganz  von  Nadeln  entblößt  oder  die  letzteren  stechen  auffallend
J )  B.  Haselhoff  und  G.  Lindau,  Die  Beschädigung  der  Vegetation  durch  Rauch.
Berlin  1903,  102.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  57
        <pb n="919" />
        ggg  Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub,

durch  ihre  gelben  Spitzen  gegen  die  gleichmäßig  tiefgrttne  Farbe  gesunder  Exemplare ­
  ab.
Nachfolgende  Zeichnungen  geben  ein  Bild  von  dem  äußeren  Aussehen  solcherweise' ­
  beschädigter  Blätter,  wie  sie  in  dem  Werk  „Die  Beschädigung  der  Vegetation
durch  Bauch“  von  Jul.  von  Schröder  und  C.  Keuß,  Berlin  1883,  abgebildet  sind.
Die  Abbildungen:  Blatt  von  Eiche  Fig.  332,  von  Birke  Fig.  333  (S.  899),
von  Eberesche  Fig.  334  (S.  900),  von  Rotbuche  Fig.  335  und  336  (S.  901),  von
Linde  Fig.  337  (S.  902),  Nadeln  von  Fichte  Fig.  338  schwach,  Fig.  339  (S.  902)
stark  beschädigt,  Kiefer  Fig.  340  (S.  903)  stark  beschädigt,  Lärche  Fig.  341
(S.  903)  •—  die  hellen  Stellen  der  Nadeln  sind  gelb  bis  rotbraun  und  bedeuten  die
Beschädigungen  —  sind  nach  der  Natur,  von  Eauchverletzungen  im  Harzgebirge
durch  schweflige  bezw.  Schwefelsäure  hervorgerufen,  aufgenommen,  während
Fig.  342  (S.  903)  Blatt  des  Apfelbaumes,  Fig.  343  Blatt  des  Birnbaumes  und
Fig.  344  (S.  904)  vom  Kirschbaum  durch  Salzsäure  bewirkte  Verletzungen  in  der
Nähe  einer  Fabrik,  welche  Kochsalz  auf  Salzsäure  und  Natriumsulfat  verarbeitete,
darstellen.
Hier  sehen  die  Salzsäureverletzungen  allerdings  etwas  anders  aus  als  die
Verletzungen  durch  Schwefelsäure  bezw.  schweflige  Säure.  Bei  den  Eichen  treten
meistens  Flecken  in  den  Interkostalfeldern  auf,  die  sich  zentrifugal  ausbreiten;  bei
der  Salzsäurewirkung  beginnt  das  Absterben  vom  Bande  her,  so  daß  Blattränderungen ­
  entstehen;  indes  haben  von  Schröder  und  Beuß  bei  eigenen  künstlichen ­
  Versuchen  über  die  Einwirkung  von  schwefliger  und  Schwefelsäure  auf
Blätter  ganz  ähnliche  Randverletzungen  erhalten.
E.  Hartig 1 )  hat  auch  als  äußeres  Kennzeichen  einer  Fichtenbeschädigung
durch  Bauch  die  Erscheinung  angeführt,  daß  bei  abgeschnittenen  Fichtenzweigen ­
  aus  Eauchgegenden,  wenn  sie  wenige  Tage  der  freien  Luft  und  Sonne
ausgesetzt  werden,  eine  graugrüne  Färbung  der  Nadeln  auftritt,  die  gegen  die
freudiggrüne  Färbung  gesunder  Fichtenzweige  erheblich  absticht.  Die  beschädigten ­
  Nadeln  schrumpfen  ein,  werden  trocken  und  fallen  ab.
Gegen  diese  Behauptung  Hartigs  wird  aber  von  E.  Ramann 2 )  geltend  gemacht, ­
  daß  das  von  Hartig  angegebene  Verhalten  bei  jedem  Pichtenzweig  Vorkommen ­
  könne,  daß  auch  ein  deutlicher  Unterschied  im  Nadelfall  hervortrete,  je
nachdem  der  Ast  im  Schatten  oder  im  Licht  gewachsen  sei.  Jede  Eauchbeschädigung
  verursacht  Nadelfall;  aber  nicht  jeder  Nadelfall  darf  auf  Eauchbeschädigung
  zurückgeführt  werden.
b)  Innere  Merkmale  an  Blättern  und  Nadeln.  B.  Hartig  glaubt  (1.  C.),  bei
Fichten  —  nicht  bei  anderen  Nadelhölzern  —  aus  der  Rötung  der  Schließzellen
zu  beiden  Seiten  der  Spaltöffnungsapparate  auf  eine  Beschädigung  durch  schweflige
Säure  oder  Schwefelsäure  enthaltende  Rauchgase  —  Salzsäure  hatte  keine  Eötung
verursacht  —  schließen  zu  können  und  zieht  sogar  diesen  mikroskopischen  Nachweis ­
  der  chemischen  Untersuchung  vor,  ja  hält  letztere  Untersuchung  selbst  für
überflüssig.  Demgegenüber  weist  E.  Ramann  (1.  c.)  mit  Recht  darauf  hin,  daß
bisher  der  Nachweis  nicht  erbracht  ist,  daß  andere  schädigende  Einwirkungen  nicht
auch  eine  Rötung  der  Schließzellen  hervorzurufen  vermögen,  daß  das  von  Hartig
gefundene  Merkmal  bei  Pichten  wohl  ein  Hilfsmittel  hei  dem  Nachweise  von
Rauchbeschädigungen  sei,  daß  dasselbe  aber  kaum  die  chemische  Untersuchung  ersetzen ­
  könne.

1 )  Forstl.  Naturw.  Zeitschr.  1896,  5,  245.
’ 2 )  Zeitschr.  f.  Forst-  und  Jagdwesen  1896,  28,  551.
        <pb n="920" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

899

Fig.  332.  Durch  Rauch  beschädigtes  Blatt  der  Eiche.

Fig.  333.  Durch  saure  Rauchgase  beschädigte  Blätter  der  Birke.
57*
        <pb n="921" />
        900

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

A.  Wiel  er 1 )  hat  aber  direkt  nachgewiesen,  daß  die  Eötung  der  Schließzellen
hei  gesunden  und  weniger  beschädigten  Fichten  ebenso  häufig  auftritt  als  bei  stark
beschädigten,  und  zwar  überall  bei  beginnendem  Absterben  der  Nadeln  älterer  Jahrgänge. ­
  Die  Rötung  der  Schließzellen  beruht  auf  einer  Ausscheidung  von  Gerbsäure, ­
  wie  bei  den  herbstlichen  Verfärbungen  der  Blätter,  und  die  Abscheidung  der
Gerbsäure  hat  in  allen  Fällen  anscheinend  die  gemeinsame  Ursache  in  dem  Aus-Flg.

  834.  Durch  saure  Rauchgase  beschädigte  Blätter  der  Eberesche.

trocknen  des  Zellinhaltes,  infolgedessen  die  Gerbsäure  oder  ihre  Abkömmlinge  nicht
mehr  gelöst  bleiben  können.  Zu  denselben  Ergebnissen  sind  auch  P.  Sorauer  und
E.  Eamann 1 )  gelangt.  Die  Eötung  der  Schließzellen  tritt  nicht  bei  starken,  aber
schnell  vorübergehenden  Säurewirkungen  ein,  sondern  nur  bei  lang  andauernder
Einwirkung  in  einem  mittleren  Zeitabschnitt  der  Erkrankung.  Die  Niederschlagung
der  Gerbsäure  bei  den  herbstlichen  Verfärbungen  wie  bei  Eauchbeschädigungen

0  Botan.  Centralblatt  1899,  80,  50  und  114.
        <pb n="922" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

901

Fig.  336.  Ältere,  durch  saure  Rauchgase  beschädigte  Blätter  der  Rotbuche.
        <pb n="923" />
        902

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Rauch  und  Staub,

Fig.  337.  Durch  saure  Bauchgase  beschädigtes  Blatt  der  Linde.

Fig.  338.
Zweig  einer  schwach  beschädigten  Fichte,

Fig.  339.
Zweig  einer  stark  beschädigten  Fichte.
        <pb n="924" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

903

kann  aber  nach  E.  Haselhoff  und  G.  Lindau 1 )  auch  darin  ihren  Grund  haben,
daß  hierbei  die  Chlorophyllkörner,  Stärke  usw.  korrodiert  und  gelöst  werden,  in-Fig.

  340.  Zweig  einer  Kiefer.  (Blätter  hezw.
Nadeln,  Fig.  332—341,  sämtlich  durch  schweflige
Säure  hezw.  Schwefelsäure  beschädigt.)

Fig.  341.  Zweig  einer  durch  Rauch
beschädigten  Lärche.

Fig.  342.  Blatt  eines  Apfelbaume»
(durch  Salzsäure  beschädigt).

folgedessen  Gerbsäure  sich  niederschlägt.  Auch  sonst  hat  die  Rauchbeschädigung
noch  Ähnlichkeit  mit  der  herbstlichen  Verfärbung.  Mit  dem  Verschwinden  des
l )  E.  Haselhoff  und  G.  Lindau,  Die  Beschädigung  der  Vegetation  durch  Rauch,
1903,  25,  85.
        <pb n="925" />
        904

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

Chlorophylls  hei  den  herbstlichen  Verfärbungen  treten  gelbe  oder  braun  gefärbte
Öltropfen  auf;  dasselbe  ist  bei  den  Eauchbeschädigungen  der  Fall,  Wie  Haselhoff
und  Lindau  zeigen,  zerfließen  die  Chlorophyllkörner  durch  die  Säurewirkung  und
bilden  mit  dem  Plasma  eine  homogene  Masse,  die  sich  zuletzt  braun  färbt;  hierbei
treten  häufig  ölartige  Tropfen  auf,  die  sich  ebenfalls  braun  färben,  worauf  weiter
eine  Bräunung  der  Zellmembran  folgt.  Außer  der  Austrocknung  der  Zelle  gibt  es
auch  noch  andere  Ursachen  zur  Verfärbung  der  Blätter,  welche  der  durch  Säurewirkung ­
  gleich  oder  ähnlich  ist.  Die  mikroskopische  Untersuchung  kann  daher
bis  jetzt  keinen  sicheren  Anhalt  für  Eauchbeschädigungen  geben.

Fig.  343.  Blatt  eines  Birnbaumes.

Fig.  344.  Blätter  eines  Kirschbaumes.

(Durch  Salzsäure  beschädigt.)

Weiter  aber  darf  man  daraus,  daß  die  Erscheinungen  an  und  in  den  Blättern
bezw.  Nadeln  Ähnlichkeit  mit  den  durch  allgemeine  Naturvorgänge  bedingten  Erscheinungen ­
  haben,  nicht  schließen,  daß  die  Eauchbeschädigungen  nicht  beanstandet
werden  dürfen.  Die  Verfärbungen  der  Blätter  im  Herbst  oder  durch  anhaltende
Dürre  verlaufen  langsam  und  allmählich  und  wandern  die  gebildeten  Lösungserzeugnisse ­
  in  den  Stamm  zurück;  bei  den  Eauchbeschädigungen  aber  handelt
es  sich  um  einen  naturwidrigen,  in  kürzester  Zeit  verlaufenden  Eingriff  in
die  Wachstumsverhältnisse  der  Blätter  bezw.  Nadeln,  und  wenn  die  Verfärbungen
der  Blätter  im  Herbst  oder  nach  anhaltender  Dürre  dem  Wachstum  der  Pflanze
oder  des  Baumes  eine  Grenze  setzen,  so  ist  von  den  durch  Eauchbeschädigung  hervorgerufenen ­
  Verfärbungen  dasselbe  anzunehmen,  d.  h.  sie  schädigen  das  Wachstum
der  Pflanze  oder  des  Baumes  unausgesetzt,  und  zwar  in  naturwidriger  Weise.  Auch
braucht  kaum  hervorgehoben  zu  werden,  daß  ebenso  wie  die  Blätter  und  Nadeln
        <pb n="926" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.  905

alle  anderen  Organe,  die  wie  Blattstiele,  Ranken,  Nebenblätter  und  Stengel  Chlorophyll ­
  enthalten,  in  gleicher  Weise  wie  erstere  durch  saure  Rauchgase  geschädigt
werden.
c)  Innere  Veränderung  der  Stammorgane.  Die  durch  die  Einwirkung  der
sauren  Rauchgase  hervorgerufene  Schädigung  der  Assimilationsorgane  hat  natui*-geinäß
  auch  eine  geringere  Erzeugung  von  organischer  Substanz  (von  Baustoffen)

t'lg.  345.  Stücke  von  Hirnschnitten  einer  Fichte  von  Grevenbrück,  gefällt  im  Herbst  1901.
Ä  rauchgeschädigter,  etwa  33  Jahre  alter  Baum,  dessen  Jahresringe  sich  von  1886  ab  verengern.
B  gesunder  Baum,  etwa  26  Jahre  alt.  Natürliche  Größe.  Nach  Haselhoff  und  Lindau.
zur  Folge  und  muß  weiter  auch  das  Wachstum  der  Zellen  im  Innern  des  Stammes
beeinträchtigen.  Das  Zuriickgehen  des  Zuwachses  macht  sich  dann  in  einer  Verschmälerung ­
  der  Jahresringe  bezw.  in  einer  Verminderung  des  Durchmessers  geltend.
Diese  Erscheinung,  auf  die  zuerst  C.  Reuß  aufmerksam  gemacht  hat,  macht  sich
am  deutlichsten  bei  den  Nadelhölzern  bemerkbar,  weniger  bei  den  Laubhölzern,  weil
bei  diesen  infolge  der  unbegrenzten  Neubildungsfähigkeit  der  Blätter  (vergl.  unter
No.  4)  die  Schädigung  eine  langsamere  als  bei  den  Nadelhölzern  ist.  Haselhoff
und  Lindau  führen  (1.  c.  S.  104  u,  ff.)  eine  Reihe  solcher  Schädigungen  auf,  von
denen  eine,  nämlich  von  einer  Fichte,  hier  mitgeteilt  werden  möge.
        <pb n="927" />
        906

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

In  Pig.  345,  S.  905  stellt  A  einen  Kreisausschnitt  vom  Hirnschnitt 1 )  eines
rauchbeschädigten,  33-jährigen  Fichtenstammes  dar,  B  ein  entsprechend  großes  Stück
von  einer  gesunden  Fichte.  Beide  Hirnschnitte  stammen  aus  derselben  Gegend
(Grevenbrück  i.  Westf.);  Fichte  A  hat  seit  1875  unter  dem  Einfluß  der  Rauchgase
einer  Schwefelsäurefabrik  gestanden,  während  Fichte  B  aus  einer  völlig  rauchfreien,
eine  Stunde  von  der  Fabrik  entfernten  Stelle  stammte.  Die  Verschmälerung  der
Jahresringe  tritt  erst  deutlich  von  1885,  also  erst  10  Jahre  nach  Errichtung  der
Fabrik  hervor;  das  hat  seinen  Grund  darin,  daß  der  Betrieb  der  Schwefelsäurefabrik
im  Anfänge  nur  gering  war  und  erst  allmählich  vergrößert  wurde.  Der  kranke
Stamm  A  hat  trotz  des  um  7  Jahre  höheren  Alters  einen  beträchtlich  geringeren
Durchmesser  als  B.  Der  schmale  Jahresring  11  bei  A  und  ebenso  Jahresring  19
bei  B  müssen  wohl  auf  andere  Ursachen  (Trockenheit  oder  Raupenfraß)  in  dem  betreffenden ­
  Jahr  zurückgeführt  werden.  Von  dem  20.  Jahresringe  an  (1885)  tritt
aber  bei  A  eine  erhebliche  und  beständige  Verschmälerung  der  Jahresringe  ein.
C.  Reuß  unterscheidet  zwischen  chronischen,  d.  h.  dauernden,  und  akuten,
d.  h.  einzelnen  heftigen  aber  vorübergehenden  Rauchbeschädigungen;  nur  bei
ersteren  kann  eine  anhaltende  Verschmälerung  der  Jahresringe  eintreten,  während
akute  Raucheinwirkungen  nur  einjährige  Pflanzen,  selten  Bäume  dauernd  schädigen
können.
Wenn  Rauchbeschädigungen  einerseits,  Insektenfraß  oder  Pilzwucherungen ­
  andererseits  gleichzeitig  auftreten,  so  wird  vielfach  die  Frage  zu  beantworten ­
  sein,  ob  Insektenfraß  und  Pilzwucherungen  die  Folge  der  Rauchwirkungen,
bezw.  in  welchem  Umfange  sie  an  der  Schädigung  beteiligt  sind?  Diese  Fragen  sind
nach  bisherigen  Erfahrungen  schwer  zu  beantworten.  Von  einigen  Seiten  wird  geltend
gemacht  —  und  diese  Ansicht  hat  etwas  für  sich—,  daß  schwächliche  oder  kranke  Bäume
bezw.  Pflanzen  eher  von  Insekten  und  Pilzen  befallen  werden,  bezw.  denselben
weniger  Widerstand  zu  leisten  imstande  sind,  als  gesunde,  kräftige  Pflanzen  und
Bäume,  daß  Insekten  und  Pilze  in  rauchbeschädigten  Wäldern  überhaupt  keinen
Schaden  mehr  anrichten  können.  Von  anderer  Seite *  2 )  wird  dann  aber  den  Insekten
und  Pilzen  die  Hauptschuld  an  der  Schädigung  zugeschrieben.  Wenn  Insektenfraß
und  Pilzwucherung  nur  vorübergehend  in  einem  oder  einigen  Jahren  auftreten,  die
Raucheinwirkungen  aber  anhalten,  dann  wird  man  durch  Vergleichung  der  Verschmälerung ­
  der  Jahresringe  oder  der  Erscheinungen  an  Blättern  und  Nadeln  in
den  einzelnen  Jahren  annähernd  feststellen  können,  ob  und  welchen  Anteil  Insektenfraß ­
  und  Pilzwucherung  an  der  Schädigung  haben.  Bei  fortgesetzter  Einwirkung
beider  Schädigungsursachen  wird  man  die  Frage  überhaupt  nicht  genau  beantworten
können;  ohne  Zweifel  ist  aber  der  RaucheinWirkung  stets  ein  Teil  der  Schädigung
mit  zuzuschreiben.
4.  Der  verschiedene  Grad  der  Erkrankung  der  einzelnen  Bauingattungen  und
Feldfrüchte.  Die  einzelnen  Baumgattungen  und  Feldfrüchte  sind  sehr  verschieden
empfindlich  bezw.  widerstandsfähig  gegen  saure  Rauchgase.  Manche  empfindliche
Sorten  zeigen  schon  bei  einer  geringgradigen  Einwirkung  eine  deutlich  wahrnehmbare
äußere  Erkrankung;  andere,  weniger  empfindliche  Sorten  dagegen  können  erhebliche

*)  Zur  Gewinnung  solcher  Ausschnitte  bedient  man  sich  zweckmäßig  des  von  Preßler
eingerichteten  Zuwachsbohrers,  dessen  Handhabung  im  „Leitfaden  für  Holzmeßkunde“
von  Schappach  beschrieben  ist.  Wenn  die  Schnitte  geglättet  oder  poliert  werden,  lassen
sich  die  Jahresringe  deutlich  sehen  und  messen.
2 )  Ein  befremdendes  Aufsehen  erregte  nach  dieser  Richtung  seinerzeit  die  Schrift
von  B.  Borggreve,  Waldschäden  im  obersohlesischen  Industriebezirk  1895.
        <pb n="928" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

907

Mengen  des  schädlichen  Stoffes  in  sich  aufgenommeu  haben,  ohne  daß  sie  äußerlich
die  schädliche  Einwirkung  erkennen  lassen.
Im  allgemeinen  wird  die  Widerstandsfähigkeit  der  Pflanzen  beeinflußt  durch
die  der  betreffenden  Pflanze  mehr  oder  weniger  zusagende  Bodenbeschaffenheit  und
die  klimatischen  Verhältnisse  derart,  daß  diejenigen  Pflanzen  die  größte  Widerstandsfähigkeit ­
  zeigen,  welche  unter  normalen  Verhältnissen  für  den  betreffenden  Boden
und  das  betreffende  Klima  am  besten  passen.
Auf  Grund  vieler  Beobachtungen  und  Ermittelungen  stellen  v.  Schröder  und
Eeuß  in  ihrem  genannten  Werke,  und  zwar  für  das  Harzgebirge  folgende  Reihenfolge
der  Widerstandsfähigkeit  der  Waldbäume  (von  oben  nach  unten  abnehmend)  auf:

1.  Spitzahorn,  Acer  platanoides,
2.  Eiche,  Quercus-Arten
3.  Berg-  und  Feld-Ahorn,  Acer  pseudoplatanus
  campestris,
4.  Balsam-  und  Schwarzpappel,  Populus  balsamifera
  nigra,
6.  Aspe,  Populus  tremula,
6.  Ulme,  Ulma  effusa,
7.  Esche,  Fraxinus  excelsior,
8.  Weiß-  und  Sahlweide,  Salix  alba  und
S.  caprea,

10.  -  Kastanie,  Aesculus  hippocastanum,
11.  Apfelbaum,  Pirus  malus,
12.  Winterlinde,  Tilia  parvifolia,
13.  Eberesche,  Sorbus  aucuparia,
14.  Boterle,  Ainus  glutinosa,
15.  Birke,  Betula  alba,
16.  Sommerlinde,  Tilia  grandifolia,
17.  Hainbuche,  Carpinus  betulus,
18.  Rotbuche,  Fagus  silvatica,
19.  Vogelkirsche,  Prunus  avium,
20.  Kiefer,  Pinus  silvestris,
21.  Fichte,  Abies  excelsa.

9.  Akazie,  Robinia  pseudoacacia,
Die  Eiche  ist,  wie  viele  Untersuchungen  gezeigt  haben,  das  widerstandsfähigste
Laubholz;  sie  geht  am  nächsten  an  die  Rauchquelle  heran,  während  Birken,  Buchen,
besonders  aber  die  Nadelholzarten  sich  als  sehr  empfindlich  gegen  Hüttenrauch  erwiesen ­
  haben.

Zwar  werden  die  Nadeln  der  letzteren  nicht  so  leicht  vom  Rauch  beschädigt
als  die  Blätter  der  Laubbäume;  sie  haben  dafür  aber  nur  eine  beschränkte  Neubildungsfähigkeit, ­
  während  die  Blätter  der  Laubbäume  eine  ungleich  geringere
Widerstandsfähigkeit,  aber  dafür  eine  fast  unbegrenzte  Neubildungsfähigkeit  besitzen.
Wenn  bei  den  Nadelhölzern  ein  junger  Trieb  abgestorben  ist,  so  wird  in  derselben
Wachstumszeit  durchweg  kein  neuer  gebildet,  und  so  kommt  es,  daß  die  Nadelhölzer ­
  in  Fällen  von  Eauchheschädigungen  trotz  der  geringeren  Empfindlichkeit  der
Nadeln  in  Beständen  eher  abzusterben  pflegen  als  Laubhölzer.
Zu  den  empfindlichsten  Bäumen  sind  auch  die  Obstbäume  zu  rechnen,  und
zwar  sind  es  hier  die  Pflaumen  und  Kirschen,  welche  weniger  Rauch  vertragen  und
schneller  leiden  als  Äpfel  und  Birnen.

Selbstverständlich  leiden  die  einzelnen  Individuen  einer  und  derselben  Baumart
nicht  gleich  stark.  Wie  unter  den  Menschen  und  Tieren  z.  B.  das  besser  ernährte
Individuum  eine  Krankheit  abwendet  oder  übersteht,  so  widersteht  auch  das  kräftig
ernährte  Individuum  eines  Baumes  in  üppigem  Wachstum  dem  Anprall  der  schädlichen ­
  Dämpfe  ohne  Zweifel  eher  als  ein  an  sich  schwächliches  Individuum.
So  kann  es  kommen,  daß  z.  B.  der  eine  Apfelbaum  bereits  abgestorben  ist,
während  ein  anderer  noch  mäßiges  Wachstum  und  einen  Fruchtansatz  zeigt.
Unter  den  landwirtschaftlichen  Feld-  und  Gartenfrüchten  sind  Kartoffeln
und  Hackfrüchte  am  widerstandsfähigsten,  dann  folgen  die  Halmfrüchte,  von  denen
das  Wintergetreide  am  meisten  aushält;  am  empfindlichsten  sind  Klee,  Futtergewächse
und  Gräser  im  Jugendzustande.
Wir  hatten  Gelegenheit,  Untersuchungen  von  durch  Hüttenrauch  geschädigten
Feld-  und  Gartenfrüchten  auszuführen,  welche  zeigen,  wie  verschieden  die  Größe
        <pb n="929" />
        908  Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

der  Aufnahme  von  Schwefelsäure 1 )  durch  dieselben  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen
sein  kann.
Es  wurden  in  1000  Teilen  sand-  und  wasserfreier  Blattsubstanz  nachstehende
Mengen  Schwefelsäure  (SO s )  gefunden:

Pflanzen:

gesund

krank

Differenz  zwischen
gesund  u.  krank

Bohnen

6,119

6,561

0,442

Buchweizen

5,176

5,880

0,705

Gras

7,105

8.336

1,231

Roggen

3,684

5,610

1,926

Weizen

2,179

4,412

2,233

Kohl

27,29

30.843

3,553

Hafer

2,926

6,788

3,862

Kartoffeln

13,00

17,500

4,500

Im  übrigen  muß  nochmals  betont  werden,  daß  die  vorstehende  Empfindlichkeitsskala ­
  nur  einen  relativen  Wert  hat,  d.  h.  daß  sie  nur  da  mit  einer  gewissen
Regelmäßigkeit  auftritt,  wo  die  Gewächse  unter  den  ihnen  günstigen  Bedingungen
wachsen.  Sind  diese  Bedingungen  je  nach  Bodenart,  Düngung,  Witterung  usw.  für
die  einzelnen  Arten  ungünstige,  so  kommen  auch  vielfach  Abweichungen  von  vorstehenden ­
  Regeln  vor.
Stehen  aber  die  Gewächse  unter  den  gleichen  und  günstigen  Verhältnissen,
dann  ist  die  vorstehende  Empfindlichkeitsskala  insofern  für  die  praktische  Begutachtung ­
  von  Bedeutung,  als  darnach  im  allgemeinen  die  einzelnen  Bäume  und
Pflanzengattungen  erkrankt  sein  müssen.  Wenn  in  einer  Waldparzelle  unter  sonst
gleichen  Verhältnissen  die  Eichen  oder  Buchen  mehr  erkrankt  und  abgestorben  sind
als  die  Nadelhölzer,  oder  desgleichen  in  einem  Obsthof  die  Äpfelbäume  mehr  als  die
Pflaumenbäume,  so  ist  entweder  eine  Rauchbeschädigung  durch  saure  Dämpfe  ausgeschlossen ­
  oder  es  sind  neben  dieser  noch  andere  Ursachen  der  Erkrankung
vorhanden.
Die  durch  schweflige  Säure,  Schwefelsäure  oder  Salzsäure  oder  Metallsulfate
bewirkten  braunen  Ränderungen  und  Flecken  der  Blätter  bezw.  Nadeln  sehen  sich
äußerlich  mehr  oder  weniger  gleich,  d.  h.  man  kann  aus  den  äußeren  Erscheinungen
nicht  schließen,  ob  eine  Beschädigung  durch  Salzsäure  oder  Schwefelsäure  bezw.
schweflige  Säure  vorliegt  (vergl.  S.  898).
5.  Grad  der  Erkrankung  je  nach  der  Entfernung  von  der  Kauchquelle.  i ,er
Grad  der  Erkrankung  der  Gewächse  muß,  wie  schon  unter  2,  S.  896  geltend  gemacht ­
  ist,  da  am  stärksten  sein,  wo  sich  die  Rauchgase  am  meisten  und  im  konzentriertesten ­
  Zustande  niederschlagen.  Mitunter  kommt  es  vor,  daß  bei  Bäumen,
die  durch  einen  Vorbau  (z.  B.  ein  Haus  usw.)  zum  Teil  vor  den  sauren  Rauchgasen
geschützt  sind,  entweder  nur  der  obere  oder  seitliche  Teil,  der  von  den  Rauchgasen
regelmäßig  berührt  wird,  beschädigt  ist,  während  der  übrige  Teil  grün  und  nicht
beschädigt  erscheint.  In  gebirgigen  Gegenden  macht  sich  die  schädliche  Einwirkung
nicht  selten  nur  in  einer  gewissen  Höhenlage,  die  vorwiegend  und  regelmäßig  den
Rauchgasen  ausgesetzt  ist,  geltend,  während  die  unteren  und  höheren  Lagen  keine
Beschädigungen  zeigen.  Im  übrigen  tritt  die  Beschädigung  naturgemäß  in  der
Nähe  der  Rauchquelle  stärker  hervor,  als  weiter  entfernt.  Häufig  beobachtet  man
9  Bei  Garten-  und  Eeldgewächsen  ist  der  Gehalt  an  Schwefelsäure  allerdings  auch
sehr  von  der  Art  der  Düngung  abhängig.
        <pb n="930" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.  909

drei  oder  mehr  Zonen  um  die  Eauchquelle  herum.  In  der  ersten  ist  alles  abgestorben, ­
  in  der  zweiten  weiteren  Entfernung  zeigen  die  Bäume  schon  vielfach
trockne  Kronen  und  Äste,  während  die  Blätter  und  Nadeln  die  äußeren  Krankheitserscheinungen ­
  deutlich  hervortreten  lassen;  in  der  dritten  Zone  fangen  nur
letztere  Erscheinungen  an,  an  Blättern  und  Nadeln  sich  eben  bemerkbar  zu  machen.
In  nächster  Nähe  der  Eauchquelle  machen  Schwefelsäure  und  lösliche  Metallsulfate, ­
  wenn  solche  vorhanden  sind,  sioli  am  stärksten  geltend,  weil  sie  als  die
spezifisch  schwersten  Bestandteile  der  Eauchgase  sicli  am  ersten  niederschlagen.
Mit  der  größeren  Entfernung  von  der  Eauchquelle  muß  dann  auch  der  Gehalt
der  Gewächse  an  dem  schädigenden  Bestandteil  abnehmen.  Dieses  pflegt  auch
durchweg  der  Fall  zu  sein;  so  fanden  wir  z.  B.  bei  einer  durch  Eauchgase  einer
Zinkblende-Eösthütte  verursachten  Beschädigung  in  derselben  Richtung  von  letzterer
für  1000  Teile  sandfreie  Pflanzentrockensubstanz  an  Schwefelsäure  (S0 8 )  in  einer
Entfernung  von:

2  km

4  km

6  km

von  der  Fabrik

Eiche

Weimutskiefer

Eiche

Weimutskiefer

Eiche

Weimutskiefer

Blätter  .  .  .

8,26

6,98

5,60

5,46

4,92

3,89

Junge  Zweige

2,85

2,42

2,44

2,48

2,48

1,94

Auch  dieser  Grad  der  Erkrankung  und  der  verschiedene  Gehalt  an  dem
schädigenden  Bestandteil  je  nach  der  Entfernung  von  der  Eauchquelle  kann  als
Anhaltspunkt  mit  dienen  zur  Entscheidung  der  Frage,  ob  vorwiegend  oder  nur  eine
Eauchbeschädigung  vorliegt  oder  nicht.  Denn  wenn  die  Beschädigung  durch  andere
Ursachen  bewirkt  worden  ist,  muß  der  Gehalt  an  dem  vermuteten  schädigenden
Bestandteil  in  einer  geringeren  oder  größeren  Entfernung  von  der  schädigenden
Quelle  mehr  oder  weniger  gleich  sein.  II.
II.  Probenahme.
Nachdem  man  sich  über  alle  vorstehenden  Punkte  Rechenschaft  gegeben  hat,
schreitet  man  zur  Probenahme  der  Gegenstände  für  die  botanische  und  chemische
Untersuchung.
An  solchen  Orten,  an  denen  die  Blätter  die  oben  beschriebenen  Erscheinungen
zeigen,  die  auf  eine  Erkrankung  durch  äußere  Einflüsse  schließen  lassen,  hezw.  an
denen  Pflanzen  oder  Bäume  durch  Eauchgase  beschädigt  sein  sollen,  entnimmt  man
von  jeder  Art  der  in  Frage  kommenden  Pflanzen,  und  zwar  von  verschiedenen
Stellen  diejenigen  Blätter  nebst  den  fleischigen  Blattstielen,  welche  vorwiegend  jene
vorher  beschriebenen  Merkmale  tragen,  und  zwar  so  viel,  daß  das  Gewicht  derselben
etwa  1 / 2 —1  kg  beträgt.
Kennzeichnend  für  die  Eauchbeschädigungen  ist  es  meistens,  daß  beim  Abbrechen
der  Blätter  und  Zweige  die  Hände  stark  geschwärzt,  dagegen  bei  gesunden  Bäumen  und
Pflanzen  nur  schmutziggrün  werden.
Von  Bäumen  nehme  man  die  Proben  möglichst  aus  der  Krone  und  von  den
Spitzen  der  Zweige,  von  Feldfrüchten  ganze  Pflanzen,  jede  Art  für  sich,  von
mehreren  Stellen  der  fraglichen  Grundstücke.
Dabei  ist  besonders  zu  achten  auf  Art,  äußere  Gestalt  und  Färbung
der  Flecken,  etwaigen  Insektenfraß  (hezw.  Insektenreste)  und  Pilzwucherungen ­
  bezw.  Fruktifikationen.  Um  die  Blätter  bezw.  Nadeln,  Zweige  usw.  hierauf ­
  im  Laboratorium  noch  besonders  mikroskopisch  zu  prüfen,  wird  ein  Teil  der
entnommenen  Proben  in  eine  Blechkapsel  gefüllt  oder  zwischen  Papier  eingelegt,
ein  anderer  Teil  wird  zweckmäßig  in  bis  zu  einem  Drittel  mit  Wasser  verdünnten
Alkohol  gesteckt,  während  die  für  die  chemische  Untersuchung  bestimmten  Proben
iu  reine,  dichte  Säckchen  gefüllt  werden  können.
        <pb n="931" />
        910

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

Man  entnimmt  die  ersten  Proben  in  der  Nähe  der  schädigenden  Eauchquelle,
weitere  in  der  2.  oder  3.  Zone  in  größerer  Entfernung  von  derselben,  bezw.  von
den  Grundstücken,  für  welche  die  Säurebeschädigung  in  Betracht  kommt,  verfolgt
dann  die  Vegetation  in  derselben  Eichtung  von  der  Fabrik,  bis  man  an  Stellen
kommt,  wo  äußere  Krankheitserscheinungen  gar  nicht  mehr  zu  bemerken  sind,
sondern  ein  gesundes,  kräftiges  Wachstum  vorhanden  ist.
Hier  entnimmt  man  von  ganz  denselben  gleichalterigen  Baumarten,  Feldoder ­
  Gartenfrüchten,  welche  an  den  fraglichen  Stellen  als  beschädigt  angesehen
worden  sind,  gesunde  Gegenproben,  indem  man  jedesmal  die  Zeit  der  Probenahme, ­
  den  Standort,  die  Lage  zu  und  die  Entfernung  von  der  Eauchquelle, ­
  hauptsächlichste  Windrichtung,  Witterungsverhältnisse,  Alter  und
Entwickelungszustand  der  Pflanzen  usw.  niederschreibt.
Die  gesunden  Gegenproben  müssen  von  denselben  Arten  auf  tunlichst  derselben ­
  Bodenart  entnommen  werden.  Weil  dieses  aber  nicht  immer  angeht  und
häufig  der  Binwand  gemacht  wird,  daß  der  erhöhte  Gehalt  an  Säure  (Schwefel-  oder
Salzsäure)  von  einem  Mehrgehalt  des  Bodens  herrühren  könnte,  so  empfiehlt  es  sich,
stets  an  den  Stellen,  wo  die  Pflanzen-  hezw.  Blattproben  entnommen  werden,  auch
Bodenproben  zu  entnehmen,  und  zwar  von  Ober-  und  Untergrund,  von  letzterem
jedesmal  bis  zur  Tiefe  der  Wurzeln,  also  auf  Wald-  und  Obstbauraparzellen  bis  zu
1  m  Tiefe  (vergl.  S.  4).  Die  Entnahme  der  Bodenproben  hat,  wie  noch  ausdrücklich ­
  hervorgehoben  werden  muß,  nicht  den  Zweck,  um  etwa  aus  der  Bestimmung
der  Schwefelsäure  oder  des  Chlors  usw.  des  Bodens  der  beschädigten  Fläche  etwa  die  Einwirkung ­
  der  sauren  Eauchgase  herleiten  zu  wollen.  Denn  eine  Erhöhung  des
Gehaltes  des  Bodens  an  der  betreffenden  Säure  aus  den  Eauchgasen
läßt  sich  wohl  selten  oder  kaum  jemals  nachweisen.  Die  Probeentnahme
und  Untersuchung  des  Bodens  auf  den  schädigenden  Bestandteil  hat  vielmehr  lediglich ­
  den  Zweck,  festzustellen,  wie  sich  der  Gehalt  hieran  in  dem  Boden  von
geschädigten  und  gesunden  Flächen  verhält.  Der  Boden  wird  zweckmäßig  in  Holzkistchen
  oder  auch  sehr  dichten  Säckchen  verpackt.
Bei  Feld-  und  Gartengewächsen  ist  dazu  auch  die  Art  und  Menge  der  vorhergegangenen ­
  Düngung  zu  vermerken.
Die  so  entnommenen  Proben  werden  im  Laboratorium  in  üblicher  Weise  für
die  Untersuchung  vorbereitet;  man  läßt  sie  in  einem  säurefreien  Eaum  an  der  Luft
abtrocknen,  verfährt  mit  dem  Boden  nach  S.  6  und  ff.,  während  die  Blatt-  und
Pflanzenproben  bei  50—60°  vorgetrocknet  und  mittels  einer  Schrotmühle  gepulvert ­
  werden  (vergl.  S.  254).
III.  Chemische  Untersuchung  der  entnommenen  Pflanzenteile.
1.  Bel  Beschädigung  durch  Schwefelsäure  und  schweflige  Säure.  Unter  den
Säuren,  welche  eine  Beschädigung  der  Vegetation  hervorrufen,  nehmen  die  schweflige
Säure  und  Schwefelsäure  den  größten  Umfang  ein;  denn  sie  finden  sich  nicht  nur
in  den  Eöstgasen  von  Schwefel  und  Schwefelmetallen,  sondern  in  jedem  Steinkohlenund
  Braunkohlenrauch,  Auch  in  Kokereien,  Superphosphat-,  Ultramarin-,  Soda-,
Sulfitzellulose-Fabriken,  Glashütten,  Ziegeleien  und  Schlackenhalden  usw.  treten
häufig  größere  Mengen  dieser  Säuren  auf.  Da  die  Säuren  nach  den  Versuchen
von  Stöckhardt  und  von  Schröder  in  die  Blätter  eindringen,  bezw.  von  diesen
aufgenommen  werden,  so  müssen  die  solcherweise  beschädigten  Blätter
bezw.  Pflanzen  einen  erhöhten  Gehalt  an  Schwefelsäure  aufweisen.
        <pb n="932" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

911

In  den  meisten  Fällen  genügt  es:
a)  Die  Gesamtmenge  des  Schwefels  zu  bestimmen.  Für  den  Zweck
werden  10  g  der  lufttrocknen,  feinpulverigen  Substanz  mit  50  ccm  einer  Sodalösung,
welche  50  g  reines  wasserfreies  Natriumkarbonat  in  1  1  enthält,  in  einer  Platinschale ­
  gut  gemischt,  zur  Trockne  verdampft  und  über  einer  Spiritusflamme 1 )  verkohlt.
Die  verkohlte  Masse  wird  nach  S.  194  mit  Wasser  ausgelaugt,  die  ausgelaugte
Kohle  vollständig  verbrannt, 2 )  Lösung  +  Asche  mit  so  viel  schwefelsäurefreier
Kaliumpermanganatlösung 8 )  vermischt,  daß  die  Flüssigkeit  dauernd  gefärbt
bleibt,  um  das  gebildete  Schwefelnatrium  in  Sulfat  überzuftthren,  dann  unter
Zusatz  von  Salzsäure  im  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  um  die  Kieselsäure
abzuscheiden,  der  Rückstand  mit  salzsäurehaltigem  Wasser  aufgenommen,  filtriert
und  im  Filtrat  die  Schwefelsäure  mittels  Chlorbaryums  gefällt,  indem  man  den  erhaltenen ­
  Niederschlag  wie  üblich  durch  Auskochen  mit  Salzsäure  reinigt.
Der  nach  Aufnehmen  der  Asche  mit  Salzsäure  auf  dem  Filter  verbleibende
Rückstand  dient  zur  Bestimmung  des  Sandes,  indem  man  ihn  mit  einer  mäßig
konzentrierten  Lösung  von  Soda  und  Ätznatron  auskocht,  filtriert  und  einäschert.
Die  Menge  der  vorhandenen  Schwefelsäure  wird  auf  sand-  und  wasserfreie
Substanz  sowie  auf  Prozente  der  Äsche  umgerechnet.
Diese  wie  die  anderen  Untersuchungen  werden  stets  ganz  gleichmäßig
bei  kranken  wie  gesunden  Gegenproben  ausgeführt.
b)  Bestimmung  der  in  Wasser  löslichen  Schwefelsäure,  bezw.  des
anhängenden  Flugstaubes.  Bei  Begutachtungen  von  Rauohschäden  wird  nicht
selten  eingewendet,  daß  die  Bestimmung  der  Schwefelsäure  nach  vorstehendem
Verfahren  unzulässig  sei,  weil  dieselbe  nicht  bloß  die  fertig  gebildete  Schwefelsäure,
auf  welche  es  hier  allein  ankomme,  einschließe,  sondern  auch  den  an  Eiweiß  oder
Metallen  gebundenen  Schwefel.  Wenngleich  bis  jetzt  nicht  erwiesen  ist,  daß  die  durch
die  Blätter  aufgenommene  schweflige  Säure  oder  Schwefelsäure  als  solche  längere
Zeit  bestehen  bleiben  und  die  letztere  nicht  ebenso  wie  die  durch  die  Wurzeln  aufgenommene ­
  Schwefelsäure  zu  organischen  Verbindungen  reduziert  wird,  so  empfiehlt
es  sich  doch,  unter  Umständen  auch  eine  Bestimmung  der  in  Wasser  löslichen
Schwefelsäure  vorzunehmen  und  damit  eine  Bestimmung  der  löslichen  und  unlöslichen ­
  Metalle  zu  verbinden.  Man  erfährt  auf  diese  Weise  auch,  ob  neben  den
Säuren  lösliche  Metallsulfate  bezw.  Metallohloride  und  weiter  Flugstaub  eingewirkt
haben.  Denn  fast  stets  kommt  neben  den  Rauchgasen  auch  Flugstaub  in  Betracht.
Behufs  Nachweises  dieser  Bestandteile  werden  25—50  g  der  feingepulverten  Substanz
nach  S.  224  zuerst  mit  Wasser  gekocht  und  ausgewaschen  und  die  wässerige
Lösung  in  zwei  Teile  geteilt;  die  eine  Hälfte  verdampft  man  unter  Zusatz  von
kohlensaurem  Natrium  bis  zur  deutlich  alkalischen  Reaktion  zur  Trockne,  äschert
ein  und  verfährt  wie  unter  a  zur  Bestimmung  der  Gesamt-Schwefelsäure.
9  Da  Leuchtgas  häufig  nicht  unwesentliche  Mengen  Schwefelverbindungen  enthält,
die  möglicherweise  als  Verbrennungserzeugnisse  (schweflige  und  Schwefelsäure)  in  den
Sohaleninhalt  gelangen  können,  wird  die  Veraschung  zweckmäßig  über  einer  Spiritusflamme
aus  reinem,  nicht  denaturiertem  Spiritus  vorgenommen.
2 )  H.  Wislicenus  u.  a.  haben  vorgesohlagen,  die  verkohlte  Masse  mit  Wasserstoffsuperoxyd ­
  zu  durchfeuchten,  auf  dem  Wasserbade  einzutrocknen  und  dann  weiter
zu  verbrennen.  Das  Verfahren  ist  empfehlenswert,  jedoch  ist  vor  allem  zu  berücksichtigen,
daß  das  gewöhnlich  im  Handel  vorkommende  Wasserstoffsuperoxyd  häufig  sehr  unrein  ist
(Chloride,  Sulfate  enthält),  das  chemisch  reine  Wasserstoffsuperoxyd,  das  nur  angewendet
werden  kann,  aber  sehr  teuer  ist.
3 )  Vergl.  Schmitz-Dumont,  Tharandter  forstw.  Jahrbücher  1896,  1.  Beim  Einäschern ­
  unter  Zusatz  von  Natriumkarbonat  bilden  sich  wechselnde  Mengen  von  Schwefelnatrium.
        <pb n="933" />
        912

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

Die  andere  Hälfte  wird  für  sich  oder  unter  Zusatz  von  etwas  Salpeter  eingedampft ­
  und  eingeäschert,  um  in  der  Asche  die  löslichen  Metallverbindungen
(Blei,  Kupfer,  Zink  usw.)  wie  üblich  (vergl.  S.  203)  zu  bestimmen.
Den  Rückstand  von  der  Behandlung  mit  Wasser  durchfeuchtet  man  mit
einer  Lösung  von  kohlensaurem  Natrium  wie  unter  a,  trocknet,  verascht,  verdampft
die  Asche  mit  Salzsäure  zur  Trockne,  nimmt  mit  Salzsäure  auf,  teilt  die  Lösung
in  2  Teile  und  bestimmt  wie  vorhin  in  der  einen  Hälfte  die  Schwefelsäure,  in  der
anderen  die  Metalle.
Man  erfährt  auf  diese  Weise  die  Menge  des  unlöslichen  Schwefels  und  der
unlöslichen  Metalle,  welche  in  Form  von  Oxyden  oder  Schwefelverbindungen  einen
Anhaltspunkt  für  die  Menge  des  vorhandenen  Flugstaubes  geben.  Letztere  geht
durchweg  mit  der  vorhandenen  Schwefelsäure  parallel.
Auch  hat  es  nach  verschiedenen  vergleichenden  Bestimmungen  keinen  Einfluß
auf  die  Schlußfolgerungen,  ob  man  nur  die  in  Wasser  lösliche  Schwefelsäure  bezw.
Schwefelverbindungen  oder  den  Gesamt-Schwefel  zugrunde  legt;  denn  die  Beziehungen
im  Gehalt  zwischen  „krank“  und  „gesund“  bleiben  dieselben.  So  fand  Verfasser
an  Schwefelsäure  für  die  sandfreie  Trockensubstanz  der  Blätter  bezw.  Nadeln:

:e

Birnbaum

Pflaumenbaum

gesund

krank

gesund

krank

gesund

0/
0

0/
0

01
/  0

0/
/  0

0/
/  o

0,501

0,404

0,300

0,523

0,420

0,282

0,389

0,149

0,507

0,223

krank
01
Io
1.  Durch  Einäschern  mit  Soda  .  0,696
2.  Durch  Ausziehen  mit  Wasser  0,664
Hier  stellt  sich  sogar  das  Verhältnis  der  in  Wasser  löslichen  Schwefelsäure
zwischen  krank  und  gesund  als  ein  weiteres  heraus  wie  bei  der  Gesamt-Schwefelsäure, ­
  was  darauf  hinzudeuten  scheint,  daß  durch  die  Einwirkung  der  Säure-Dämpfe
der  Lebensvorgang  in  den  Blättern  bezw.  Nadeln  gestört  wurde,  infolgedessen  nicht
soviel  Schwefelsäure  zu  unlöslichen  organischen  Verbindungen  umgewandelt  worden  ist,
als  bei  den  gesunden  Bäumen.
A.  Wieler  (1.  c.  S.  376)  hält  auch  die  Bestimmung  der  schwefligen  Säure
in  den  Blättern  und  Nadeln,  wenigstens  von  in  der  Nähe  der  schädigenden  Fabrik
wachsenden  Bäumen  und  Pflanzen,  durch  das  Destillationsverfahren  für  wichtig.
In  weiter  Entfernung  von  der  Eauchquelle  konnte  er  aber  in  den  beschädigten
Blättern  nicht  mehr  schweflige  Säure  nachweisen  als  in  gesunden  Blättern.
c)  Bestimmung  der  Asche  und  der  Kohlensäure  derselben.  Das
Eindringen  der  Säuren  von  außen  in  die  Blätter  bezw.  Nadeln  hat  häufig  ein
Naohwandern  von  Basen  aus  dem  Innern  in  letztere  zur  Folge,  wodurch  einerseits
der  Aschengehalt  in  den  erkrankten  Blättern  bezw.  Nadeln  erhöht,  andererseits  der
Kohlensäuregehalt  der  Asche  unter  Umständen  vermindert  werden  kann.
Verfasser  fand  z.  B.  bei  einer  gleichzeitig  durch  schweflige  Säure  bezw.
Schwefelsäure  und  durch  Salzsäure  aus  einer  chemischen  Fabrik  verursachten  Beschädigung ­
  unter  anderen  für  die  sandfreie  Trockensubstanz  der  Blätter:

1.  Weinstock,  krank
„  gesund
2.  Weiden,  krank  .
„  gesund  .
3.  Salatbohnen,  krank
„  gesund

Gesamtasche

Kohlensäure
in  d.  Asche  von
100  g  Trockensubstanz ­


Kohlensäure

(kohle-  und
saudfrei)

Schwefelsäure

Chlor

in  Prozenten
der  Asche

0/
Io

°/

01

0/

0/
Io

Io

Io

Io

.  11,73

1.075

0,827

0,818

6,97

.  9,34

0,477

0,192-1,304



13,97

.  10,17

2,202

0,998

0,364

3,58

.  8,89

1,303

0,446

1,271

14,30

.  17,07

0,939

1,567

0,612

■  3,58

.  13,76

0,336

0,658

1,339

9,66
        <pb n="934" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

913

Es  kann  daher  unter  Umständen  die  Bestimmung  der  Gesamtasche  und
der  Kohlensäure  in  letzterer  mit  als  Anhaltspunkt  dienen,  ob  eine  Säureheschädigung
vorliegt.
Für  die  Bestimmung  der  Asche  verfährt  man  nach  S.  194.  Man  äschert  10g
der  feingepulverten  Substanz  ein  und  erhitzt  so  lange,  bis  die  Asche  weiß  gebrannt
ist.  Alsdann  wird  die  Asche  mit  kohlensaurem  Ammon  durchfeuchtet,  zur  Trockne
verdampft,  der  Rückstand  gelinde  erwärmt,  bis  alles  kohlensaure  Ammon  verjagt
ist,  nach  dem  Erkalten  gewogen  und  in  der  Asche  in  irgend  einem  Kohlensäure-Bestimmungsapparat
  entweder  indirekt  aus  dem  Gewichtsverlust  oder  auch  direkt
durch  Auffangen  in  Kalilauge  (S.  15,  4  /S)  die  Kohlensäure  bestimmt.
Die  salzsaure  Flüssigkeit  dient  dann  nach  S.  200  weiter  zur  Bestimmung  des
Sandes  (und  nötigenfalls  der  Kohle).
Es  trifft  aber  nicht  immer  zu,  daß  die  solcherweise  durch  Säuren  beschädigten ­
  Blätter  bezw.  Nadeln  mehr  Asche  und  weniger  Kohlensäure  in  letzterer
enthalten 1 );  man  kann  daher  im  Falle  des  Nichtzutreffens  nicht  schließen,  daß
keine  Säure-  bezw.  Rauchbeschädigung  stattgefunden  hat.  Wenn  nämlich  die  Beschädigung ­
  schon  tief  eingegriffen  hat  und  das  Wachstum  des  Baumes  bezw.  der
Pflanze  längere  Zeit  stark  gestört  worden  ist,  so  wird  die  Pflanze  nicht  mehr  imstande ­
  sein,  das  Mißverhältnis  zwischen  Basen  und  Säuren  in  den  Blättern  bezw.
Nadeln  auszugleichen.
Man  kann  auch  einwenden,  daß  die  erhöhte  Menge  Asche  und  Schwefelsäure
durch  eine  Mehraufnahme  von  Alkali-  und  Erdalkalisulfaten  bedingt  worden  ist.
Es  wird  aber  bei  wirklichen  Säurebeschädigungen  sich  immer  herausstellen,
daß  der  Mehrgehalt  an  Schwefelsäure  gegenüber  „gesunden“  Pflanzen  auch  in
Prozenten  der  Asche  bestehen  bleibt.
d)  Botanisch-mikroskopische  Untersuchung.  Dieselbe  kann  die  chemische ­
  Untersuchung  unterstützen  und  hat  den  Vorzug,  daß  sie  sich  verhältnismäßig
schnell  ausführen  läßt.  Nach  Haselhoff  und  Lindau  (1.  c.  S.  391)  soll  man  einen
Querschnitt  durch  die  Flecken  der  in  Alkohol  aufbewahrten  (oder  halbtrocknen)
Blätter  bezw.  Nadelspitzen  machen  und  daran  leicht  beobachten  können,  wie  sich  die
Inhaltsstoffe  der  Zellen  verändert  haben.  Man  muß  dabei  in  erster  Linie  auf  die
Chlorophyllkörner  und  ihre  Auflösungserzeugnisse,  sowie  auf  die  braunen  Massen
des  Gerbstoffes  in  den  Zellen  achten  (vergl.  S.  898).  Der  Nachweis  der  letzteren
ist  durch  Eisensalze,  Kaliumbichromat  oder  Chloralhydrat  leicht  zu  führen.  Nur
selten  —  etwa  bei  Niederschlägen  in  den  Epidermiszellen  —  wird  es  notwendig
sein,  auch  Flächenschnitte  mit  heranzuziehen.  Auf  alle  Fälle  müssen  Schnitte  von
Blättern  bezw.  Nadeln  von  wirklich  gesunden  Bäumen  bezw.  Pflanzen  in  gleichem
Entwickelungszustande  zum  Vergleich  herangezogen  werden  und  werden  gleichzeitig
angefertigte  Zeichnungen  die  Verhältnisse  am  deutlichsten  zur  Anschauung  bringen.
A.  Wieler  (1.  c.  S.  81)  gibt  an,  daß  sich  alle  Membranen  des  Mesophylls  mit
Methylenblaulösung  bei  gesunden  wie  bei  den  durch  schweflige  Säure  geschädigten
Laubholzblättern  blau  färben,  bei  letzteren  aber  viel  langsamer,  und  dann  einen
grünlichen  Ton  annehmen.  Wenn  die  gefärbten  Präparate  mit  Glyzerin  gewaschen
werden,  so  werden  die  Membranen  der  lebenden  Mesophyllzellen  wieder  farblos,
während  in  den  getöteten  Zellen  der  grüne  Farbenton  der  Membranen,  ebenso  wie
in  den  verholzten  Membranen  der  Gefäßbündel,  erhalten  bleibt.
Die  schädliche  Wirkung  der  schwefligen  Säure  beginnt  bei  einer  dauernden
Einwirkung  mit  1 /i 0 ooooo  schwefliger  Säure  in  der  Luft;  bei  einer  Verdünnung  von
B  Vergl.  E.  Fricke,  Landw.  Versuchs-Stationen  1887,  34,  277.
Landwirtschaftliclie  Stoffe,  3.  Auflage.

58
        <pb n="935" />
        914

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Rauch  und  Staub.

1:1500000  bis  1:1750000  soll  sie  nach  A.  Wieler  aufhören.  Über  den  Nachweis ­
  derselben  in  der  Luft  vergl.  weiter  unten.
2.  Bei  Beschädigung  durch  Salzsäure  hezw.  Chlor.  Salzsäure  und  Chlor  treten
vorwiegend  bei  der  Herstellung  von  Natriumsulfat  für  die  Sodabereitung  und  bei
der  Chlorkalkfabrikation  auf;  aber  auch  aus  Glas-  und  Düngefabriken,  bei  der  Verhüttung ­
  von  Nickel-  und  Kobalterzen  usw.  entweichen  Salzsäuredämpfe.
Bei  Beschädigung  der  Vegetation  durch  Salzsäure  bestimmt  man  das  Chlor,
indem  man  10  g  lufttrockne,  feingepulverte  Substanz  wie  vorstehend  nach  S.  901  1  a
mit  50  ccm  einer  5  °/ 0 -igen  Lösung  von  Natriumkarbonat  versetzt,  wie  dort  einäschert,
  aber  die  Asche  mit  salpetersäurehaltigem  Wasser  aufnimmt  und  im  Filtrat
das  Chlor  wie  üblich  mit  Silbernitrat  fällt.
Da  die  hier  in  Betracht  kommenden  Chlorverbindungen  —  auch  die  Metall-Chloride
  mit  Ausnahme  etwa  von  Chlorblei  —  in  Wasser  löslich  sind,  so  kann  man
bei  Salzsäurebeschädigungen  ganz  von  der  Bestimmung  des  Chlors  in  der  wässerigen
Lösung  absehen.
Wie  eine  Beschädigung  durch  Salzsäure,  so  ist  auch  diejenige  durch  freies
Chlor,  welches  bei  der  Chlorkalkfabrikation  entweichen  kann,  nachzuweisen.  Im
freien  Zustande  wirkt  das  Chlor  durch  Zerstörung  des  Chlorophylls  stärker  schädlich
als  Salzsäure,  es  geht  aber  durch  den  Wasserdampf  der  Luft  bald  in  letztere  über
und  wirkt  dann  wie  diese.
Bei  Salzsäurebeschädigungen  in  der  Nähe  von  Salinen  oder  von  der  See  kann
geltend  gemacht  werden,  daß  der  erhöhte  Gehalt  an  Chlor  in  den  Gewächsen  auch
durch  Verwehen  von  kochsalzhaltigem  Wasser  bedingt  sein  kann.  Dieses  muß  sich
alsdann  durch  einen  gleichzeitig  erhöhten,  dem  Chlor  entsprechenden  Gehalt  der
Blätter  bezw.  Nadeln  an  Natron  geltend  machen.  Man  bestimmt  für  den  Zweck
in  der  Asche  —■  selbstverständlich  in  der  ohne  Zusatz  von  Soda  dargestellten
Asche  —  den  Gehalt  an  Natron  nach  S.  29.
In  morphologischer  Hinsicht  unterscheidet  sich  eine  Beschädigung  von
Salzsäure-  und  chlorhaltigen  Rauchgasen  nach  Haselhoff  und  Lindau  dadurch
von  der  durch  schweflige  Säure,  daß  die  Chlorophyllkörner  schneller  entfärbt  werden
und  häufiger  Gerbstoff  auftritt,  als  bei  Einwirkung  der  schwefligen  Säure.  Diese
ruft  weiter  (vergl.  S.  897)  Flecken  hervor,  die  meistens  in  den  Interkostalfeldern
entstanden  sind  und  sich  zentrifugal  ausbreiten;  die  Gegend  der  Blattrippen  widersteht ­
  am  längsten.  Bei  der  Salzsäurewirkung  dagegen  beginnt  das  Absterben  vom
Rande  her,  so  daß  Blattränderungen  entstehen.
Die  Schädlichkeitsmengen  betragen  1 / 10000  Salzsäure  und  1 / 60000  Chlor  in
der  Luft.  Trockenheit  verringert,  wie  bei  allen  Rauchgaswirkungen,  die  Schädlichkeitsgrenze.

3.  Untersuchung  auf  Arsen.  Wenn  in  den  Rauchgasen  auch  flüchtige  Arsen-Verbindungen
  verkommen  oder  wenn  letztere  mit  dem  Flugstaub  auf  die  Gewächse
aufgetragen  sein  sollten,  so  ist  auch  eine  Bestimmung  des  Arsens  von  Belang.  Man
zieht  alsdann  50  oder  100  g  der  feingepulverten  lufttrocknen  Substanz  mit  chemisch
reiner  —  gleichzeitig  wie  alle  anderen  verwendeten  Reagenzien  —  auf  Arsen  zu
prüfender  Salzsäure  von  1,10—1,12  spezifischem  Gewicht  unter  Verdünnen  mit
AV  asser  (1  :  3)  aus,  setzt  chlorsaures  Kalium  zu  und  verfährt  mit  dem  salzsauren
Auszuge  nach  S.  178.
4.  Beschädigung  durch  Stickstoffsäuren.  Die  Stickstoffsäuren 1 )  (Salpetersäure, ­
  Untersalpetersäure,  salpetrige  Säure),  welche  mitunter  bei  der  Fabrikation  von

9  Landw.  Jahrbücher  1894,  23,  1031.
        <pb n="936" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

915

Salpetersäure,  Schwefelsäure,  Oxalsäure,  bei  der  Auflösung  hezw.  Beizung  von  Metallen,
beim  Vergolden  von  Kupfer,  Messing  usw.  in  die  Luft  entweichen,  wirken  in  ähnlicher
Weise  auf  die  Vegetation  wie  die  schweflige  Säure  und  die  Salzsäure.  Diese  Wirkung  gibt
sich  äußerlich  auch  hier  in  dem  Auftreten  brauner  bezw.  gelber  Flecken  und  Ränder  bezw.
gelber  Nadelspitzen  zu  erkennen.  In  den  Zellen  verschwinden  nach  Haselhoff  und  Lindau
Chlorophyll-  und  Stärkekörner  spurlos;  der  übrige  Inhalt  färbt  sich  durch  sich  ausscheidendo
Gerbsäure  braun  bis  fast  schwarz,  auch  die  Membranen  färben  sich  häufig  durch  Huminsäure ­
  gelb  bis  dunkelbraun.  Unter  Umständen  wird  das  äußere  Krankheitsbild  durch  einen
höheren  Gehalt  an  Stickstoff  und  Asche  in  den  beschädigten  Blattorganen  im  Vergleich ­
  mit  gesunden  eine  Bestätigung  finden  können.
Luft  mit  1  Teil  N 2 0 4  auf  20000  Teile  Luft  oder  0,05  g  N 2 0 4  in  1  cbm  Luft  wirkt
bestimmt  schädigend  auf  Bäume.  Die  gewöhnliche  reine  Luft  enthält  etwa  0,00003  g
Salpetersäure  in  1  cbm.
5.  Beschädigung  durch  Ammoniak.  Ammoniak  entwickelt  sich  fortgesetzt  bei
allen  Fäulnisvorgängen  an  der  Erdoberfläche,  in  Aborten,  Viehställen,  aus  Tuchfabriken,
die  Urin  verwenden.  Diese  Mengen  wirken  indes  kaum  jemals  schädlich.
In  größeren  Mengen  jedoch  kann  Ammoniak  mitunter  infolge  von  Betriebsstörungen
bei  der  Ammoniakdestillation  ans  Gaswasser  oder  in  Ammoniak-Soda-Pabriken  usw.  auftreten;
  man  hat  alsdann  vereinzelt  eine  Beschädigung  der  in  der  Nähe  stehenden,  von  den
Dämpfen  bestrichenen  Bäume  usw.  beobachtet.
Derartige  Beschädigungen  durch  die  chemische  Untersuchung  nachzuweisen,  ist  bis
jetzt  nicht  unternommen  bezw.  gelungen,  denn  die  Einwirkungen  finden  meistens  nur  vorübergehend ­
  statt,  so  daß  etwa  ein  erhöhter  Gehalt  an  Stickstoff  in  den  Blättern  hezw.
Nadeln  nicht  wohl  anzunehmen  ist.
Nach  einigen  hiesigen  Versuchen 1 )  wirkt  Ammoniak  in  der  Luft  in  der  Weise  auf
die  Blätter  der  Bäume,  daß  die  Randungen  zunächst  anfangeu  sich  zu  bräunen  und  diese
Bräunung  nach  und  nach  das  ganze  Blatt  überzieht;  bei  starker  Einwirkung  erscheint
letzteres  ganz  geschwärzt.  Junge  Blätter  leiden  viel  eher  als  ältere.  Auch  hier  erwies
sich,  wie  gegen  saure  Rauchgase,  die  Eiche  als  am  widerstandsfähigsten.
Im  Innern  des  Blattes  zeigen  die  Zellen  nach  Haselhoff  und  Lindau  durchweg
dieselbe  Plasmolyse  wie  bei  den  Säurewirkungen;  es  scheiden  sich  Öltropfen  und  Gerbstoffe
aus;  da  letzterer  unregelmäßig  in  den  Zellen  abgelagert  ist,  so  erscheinen  die  Blätter
im  durchscheinenden  Licht  wie  schwarz  punktiert.  Das  Ammoniak  wirkt  erst  schädlich
bei  einem  Gehalte  von  60—100  mg  in  1  cbm  Luft,  während  für  gewöhnlich  in  der  Luft
bis  höchstens  0,056  mg  Ammoniak  in  1  cbm  Vorkommen.
6.  Beschädigung  durch  Flußsäure.  In  der  Nähe  von  Superphosphat-,  Glas-,
Tonwaren-,  chemischen  Fabriken,  Ziegeleien *  2  3 )  usw.,  die  fluorhaltige  Rohstoffe  verarbeiten, ­
  bezw.  Fluorwasserstoffsäure  darstellen,  pflegt  der  letzteren  ebenso  wie  den
bereits  genannten  Mineralsäuren  eine  pflanzenschädliche  Wirkung  zugeschrieben  zu
werden.  In  den  Fabriken,  durch  deren  Betrieb  gasförmige  Fluorwasserstoffsäure
entwickelt  wird,  gibt  sich  letztere  außer  durch  den  scharfen  Geruch  auch  dadurch
zu  erkennen,  daß  die  Fensterscheiben  in  den  Fabriken  und  in  der  Nachbarschaft
blind  (geätzt)  sind,  bezw.  nepe  Fensterscheiben  in  kürzester  Zeit  blind  werden.
Eine  Prüfung  der  Schädlichkeit  der  Flußsäure  für  das  Pflanzenwachstum  an
der  hiesigen  Versuchs-Station 8 )  ergab  die  außerordentliche  Giftigkeit  derselben  für
das  Wachstum  der  Pflanzen.  Die  äußeren  Krankheitserscheinungen  sind  dieselben
wie  bei  den  Beschädigungen  durch  schweflige  Säure  und  Salzsäure.

9  Vergl.  M.  Börner,  B.  Haselhoff  und  J.  König,  Landw.  Jahrbücher  1892,  21,  421,
2 )  Vergl.  u.  a.  Ramann  und  Wislicenua,  Sind  Ringofengase  den  Pflanzen  schädlich? ­
  Verlag  der  Tonindustriezeitg.,  Berlin  NW.  5.
3 )  Denksohr.  d.  landw.  Versuchs-Station  Münster  i.  W.,  1896,  204.

58*
        <pb n="937" />
        Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

916

Dasselbe  fand  W.  Schmitz-Dumont 1 ),  der  in  seinen  Versuchen  unter  einer
geschlossenen  Glasglocke  1 / 10000  Volumen  HF1  in  der  Luft  anwendete.  Fichten
zeigten  schon  nach  2-maliger  einstündigen  Einwirkung  alle  äußeren  Erscheinungen
einer  Eaiichgaseinwirkung  wie  durch  schweflige  Säure.  Eichen  und  Ahorn  erwiesen
sich  auch  hier  als  viel  widerstandsfähiger.  In  derselben  Weise  wirkte  eine  Verdünnung ­
  von  1 /aooooo  Fluorwasserstoff  (HF1)  in  der  Luft  bei  öfterer  und  längerer,
nämlich  6—10-maliger  Einwirkung  während  eines  Monats.
Die  quantitative  Bestimmung  des  Fluors  in  den  durch  dasselbe  beschädigten ­
  Pflanzen  gehört  zu  den  schwierigsten  analytischen  Arbeiten.  W.  Schmitz-Dumont
 *  2  3  * )  setzt  für  den  Zweck  zu  20  g  Pflanzentrockensubstanz  5  g  Natriumkarbonat, ­
  durchfeuchtet  mit  Wasser,  trocknet,  verascht,  zersetzt  in  der  Asche  das
überschüssige  Natriumkarbonat  mit  Salzsäure,  verdampft  wieder  vollständig  zur
Trockne  und  behandelt  den  bei  150°  getrockneten  ■—  völlig  wasserfreien  ■—  Rückstand ­
  nach  S.  163  weiter.

Mg.  316.
Vorrichtungen  zur  Bestimmung  des  Fluors.

E.  Eamann  und  Graf  zu  Leiningen 8 )  halten  dieses  Verfahren  indes  bei
kleinen  Mengen  nicht  für  geeignet  und  empfehlen  folgendes  Verfahren:
Vorbereitungen  zur  Untersuchung;
a)  Boden  und  Tone,  welche  nicht  viel  organische  Substanz  enthalten,  werden
bei  150  0  getrocknet  und  sind  nach  dem  Pulvern  zur  Untersuchung  fertig.  Bei  Gegenwart ­
  von  viel  organischer  Substanz  erhitzt  man  die  Proben  vorher  in  einer  Verbrennungsröhre ­
  unter  Durchleiten  von  Luft  und  Vorlage  von  Kalkspatstücken.
b)  Pflanzenproben  läßt  man  lufttrocken  werden,  durchfeuchtet  mit  10°/ o -iger
Natriumkarbonatlösung  und  trocknet  bei  125°—150°  in  einer  Platinschale.  Man
verascht  alsdann  bei  möglichst  niedriger  Temperatur,  nämlich  bei  beginnender  Rotglut  j
nach  dem  Verkohlen  durchfeuchtet  man  die  Masse  mit  Wasser  und  einigen  Tropfen
Wasserstoffsuperoxyd,  verdampft  zur  Trockne  und  erhitzt  wieder  ganz  schwach.
Ganz  kohlenfrei  braucht  die  Asche  nicht  zu  sein.  Man  zieht  die  erhaltene  Asche  mit

J )  Tharandter  forstl.  Jahrbücher  1896,  46  und  60.
-}  Ebenda  1896,  46,  50.
3 )  Graf  zu  Leiningen,  Die  quantitative  Bestimmung  des  Fluors.  Inaug.-Dissertation,
  München  1904.
        <pb n="938" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Eauchgase.

917

heißem  Wasser  gründlich  aus  und  versetzt  das  Filtrat  in  der  Hitze  mit  Essigsäure
his  zur  sauren  Reaktion  und  darauf  mit  Natriumkarbonat,  bis  die  Flüssigkeit  wieder
alkalisch  ist.  Nunmehr  gibt  man  zu  der  heißen  Flüssigkeit  siedendheiße  Chlorcaloium-Lösung,
  vermeidet  aber  jeden  Überschuß.  Der  erhaltene  Niederschlag  wird  auf  ein
gehärtetes  Filter  gebracht,  mit  Wasser  ausgewaschen  und  in  eine  Platinschale  gegeben; ­
  in  dieselbe  Schale  bringt  man  sodann  die  mit  Wasser  ausgezogene  Asche
und  trocknet  die  Schale.
Austreiben  des  Fluors.  (Fig.  3461.)  Die  auf  vorstehende  Weise  erhaltene
Asche  und  der  mit  Chlorcalcium  erhaltene  Niederschlag  werden  mit  3—6  g  feinst  gepulvertem ­
  Bergkristall  innig  vermischt  und  in  der  Platinschale  S  mit  der  10-fachen
Menge  vom  sauren  Kaliumsulfat  versetzt.
Boden  und  Ton  werden  ohne  weiteren  Zusatz  mit  dem  doppelten  Gewicht
sauren  Kaliumsulfates  versetzt.  Man  setzt  nun  den  Deckel  von  Platinblech  auf  die
Schale  und  verbindet  denselben  mit  der  Waschflasche  W.  Dieselbe  wird  gefüllt  mit
Kalilauge  (1  Teil  Kalihydrat:  3  Teilen  Wasser).  An  die  Waschflasche  schließen  sich
zwei  U-Röhren,  die  mit  Glasperlen  und  Kalilauge  gefüllt  sind;  das  Ganze  wird  an
eine  Säugpumpe  angeschlossen.  Die  Kalilauge  in  der  Waschflasche  ist  mit  Lackmus
blau  gefärbt;  sollte  der  Inhalt  sauer  werden,  so  ist  die  Waschflasche  sofort  gegen  eine
frisch  gefüllte  auszuwechseln.  Zu  Beginn  erhitzt  man  die  Schale  ganz  allmählich,
zum  Schluß  mit  voller  Flamme.  Man  läßt,  wenn  keine  Dämpfe  mehr  übergehen,
erkalten,  pulvert  den  Inhalt  der  Platinschale  in  einem  Mörser,  mischt  mit  einem
Viertel  des  Volumens  der  ganzen  Masse  mit  saurem  Kaliumsulfat  und  wiederholt
das  Erhitzen  noch  einmal.  Nun  bringt  man  die  Flüssigkeit  aus  der  Waschflasche
und  den  beiden  ü-Röhren  in  eine  geräumige  Platinschale,  versetzt  mit  wenig
Wasserstoffsuperoxyd  und  erhitzt  längere  Zeit  auf  dem  Dampfbade.  Nach  dem
Zusatz  von  Lackmustinktur  neutralisiert  man  mit  Salpetersäure,  so  daß  die  Flüssigkeit
noch  eben  alkalisch  bleibt.  —  Diese  Operation  erfordert  die  größte  Aufmerksamkeit.
Den  Abdampfrückstand  in  der  Schale  zieht  man  mit  Wasser  aus,  filtriert  und
dampft  das  Filtrat  mit  einer  Lösung  von  Zinkoxyd,  das  ehlorfrei  sein  muß,  und
Ammonkarbonat  zur  Trockne,  filtriert  und  wiederholt  das  Verfahren  noch  einmal.
Das  nun  erhaltene  Filtrat  wird  mit  Natriumkarbonat  versetzt,  zum  Sieden  erhitzt
und  mit  siedender  Chlorcalciumlösung  gefällt,  und  zwar  nur  mit  so  viel,  daß  noch
ein  Überschuß  von  Natriumkarbonat  vorhanden  bleibt.  Man  erwärmt  noch  einige
Zeit,  filtriert  durch  ein  gehärtetes  Filter,  wäscht  gut  aus  und  spült  den  Niederschlag ­
  in  eine  Platinschale.  Nach  dem  Trocknen  glüht  man  den  Niederschlag  ganz
schwach,  verdampft  mit  wenig  überschüssiger  Essigsäure  zur  Trockne,  nimmt  mit
heißem  Wasser  auf,  filtriert  und  wäscht  gründlich  mit  heißem  Wasser  nach.
Bestimmung  des  Fluors.  Den  so  erhaltenen  Niederschlag  von  Fluorcalcium ­
  spült  man  in  den  Platintiegel  t  (Fig.  346II),  trocknet  und  setzt  die  Platinkuppel ­
  auf.  In  den  Tubus  derselben  bringt  man  das  gewogene  Ätzröhrchen
(Fig.  346HI);  dasselbe  ist  gefüllt  mit  Perlen  von  Borosilikat-Glas,  die  unten  auf  einem
Platindrahtnetz  ruhen;  oben  ist  das  Röhrchen  mit  einem  eingeschliffenen  Glasrohre
versehen;  hierdurch  wird  es  mit  einem  Aspirator  verbunden,  nachdem  man  zwischen
Aspirator  und  Röhrchen  noch  ein  Rohr  r,  gefüllt  mit  Glasperlen  und  konzentrierter
Schwefelsäure,  eingeschaltet  hat.  Man  saugt  nun  durch  das  Knierohr  b  (Fig.  346II)
konzentrierte,  besonders  gereinigte  Schwefelsäure  in  den  Platintiegel  und  verbindet
alsdann  das  Knierohr  mit  der  Waschflasche  c,  gefüllt  mit  konzentrierter  Schwefelsäure. ­
  Der  Platintiegel  wird  in  ein  Bad  von  Paraffin  gestellt  und  das  Paraffin
auf  190—200°  erhitzt.  Man  saugt  während  des  Erhitzens  einen  langsamen  Luft ­
        <pb n="939" />
        918  Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

ström  durch  den  Apparat  und  schüttelt  den  Tiegel  öfter  um.  damit  sich  die  Substanz ­
  gut  mit  der  Schwefelsäure  vermischt.  Die  Zersetzung  ist  beendet,  sobald  an
der  Einmündungsstelle  des  Glasrohres  in  den  Aspirator  kein  saurer  Geruch  mehr
auftritt.  Länger  als  24  Stunden  wird  eine  Untersuchung  nur  selten  dauern.  Das  Ätzröhrchen ­
  wird  sodann  auf  eine  Saugflasche  gesetzt,  das  eingeschliffene  Glasrohr  abgenommen ­
  und  werden  200  ccm  zum  Sieden  erhitzte  25°/ 0 -ige  Kalilauge  durch  das
Röhrchen  gesaugt;  hierauf  wäscht  man  mit  viel  Wasser,  etwas  Alkohol  und  Äther
nach,  trocknet  ll/o  Stunden  bei  150°  und  wägt  nach  dem  Erkalten.
1  g  Gewichtsverlust  entspricht  1,3132  g  Fluor.  Bei  richtigem  Gang  der
Untersuchung  dürfen  die  obersten  Glasperlen  nicht  angeätzt  sein,  da  sonst  ein
Verlust  an  Fluor  zu  befürchten  wäre.
7.  Beschädigung  durch  Asphaltdämpfe.  Eine  Beschädigung  der  Vegetation
durch  Asphaltdämpfe  ist  früher  von  H.  Alten  und  W.  Jännicke 1 )  und  später  von
P.  Sorauer *  2 )  beobachtet  worden.  Dieselbe  ist  nach  letzterem  gekennzeichnet  durch
eine  schwarze  Verfärbung  des  Laubes,  wie  sie  bisher  bei  keiner  anderen  Rauchheschädigung
  beobachtet  worden  ist.  Mitten  in  den  Interkostalfeldern  —  seltener
vom  Rande  her  —  treten  braune  bis  schwarze  Flecken  auf;  die  Substanz  der
Flecken  stirbt  ab  und  durchweg  verdorrt  das  ganze  Blatt.  Äußerst  kennzeichnend
ist,  daß  zuerst  die  obere  Epidermis  leidet.  Bei  plötzlicher  starker  Einwirkung  fallen
die  Zellen  ohne  Inhaltsfärbung  völlig  zusammen  und  kleben  als  Schicht  den  Palissadenzellen
  auf;  die  Oberhaut  wird  durch  die  Asphaltdämpfe  angeätzt.  Bei  langsam ­
  wirkendem  Dampf  wird  aber  auch  hier  Gerbstoff  in  den  Zellen  niedergeschlagen. ­
  Nach  Haselhoff  und  Lindau  (1.  c.  S.  317)  hat  man  daher  bei  Pflanzenbeschädigungen ­
  durch  Asphaltdämpfe  in  erster  Linie  sein  Augenmerk  auf  die
gerhstoffreichen  Blätter  (wie  Rosen,  Kastanien)  zu  richten.  „Gerbstoffniederschläge
in  den  Epidermiszellen  oder  völliger  Verfall  derselben,  Abschilfern  der  zum  Schutze
des  bloßliegenden  Mesophylls  gebildeten  Wundkorklagen:  das  sind  die  leicht  erkennbaren ­
  und  mit  keiner  anderen  Rauschbeschädigung  zu  verwechselnden  botanischen
Symptome  der  Asphaltvergiftung.“  Durch  die  chemische  Untersuchung  läßt  sich
diese  Beschädigung  nicht  nachweisen.
Alten  und  Jännicke 3 )  suchen  die  Niederschlagung  der  Gerbsäure  in  den
Rosenblättern  durch  die  Anwesenheit  löslicher  Eisensalze  in  den  Asphaltdämpfen
zu  erklären.  Da  aber  solche  Eisensalze  in  Asphaltdämpfen  nicht  vorhanden  sind,
so  muß  die  Erscheinung  wohl  auf  einer  Ätzwirkung  durch  die  Asphaltdämpfe  selbst
beruhen.  Es  kann  aber  sein,  daß  die  einzelnen  Asphalte  sich  in  etwas  verschieden
verhalten,  da  die  zuerst  sich  entwickelnden  Destillationserzeugnisse  am  schädlichsten
wirken.
8.  Beschädigungen  durch  sonstige  Dämpfe  und  Gase.  Wie  Asphalt-  wirken
auch  Teerdämpfe  schädlich  auf  die  Pflanzen.  Auch  hier  ist  der  Nachweis  nur
durch  die  botanisch-mikroskopische  Untersuchung  zu  führen.  Nach  Haselhoff  und
Lindau  (1.  c.  S.  300)  sind  „die  durch  Teerdämpfe  beschädigten  Blätter  vielfach
bräunlich  glänzend  (wie  lackiert),  später  oft  stumpf  werdend;  sie  bekommen  dann
braune  Flecken,  in  denen  das  Gewebe  abstirbt.  Durch  die  stattfindende  starke
Plasmolyse  wird  der  Turgor  der  Blätter  vernichtet;  Blätter  und  Stengel  sinken
schlaff  herab.  In  den  Zellen  findet  häufig  eine  Auflösung  der  Chlorophyllkörner
und  Entmischung  des  Plasmas  unter  Auftreten  von  gelblichen  oder  bräunlichen

9  Zeitachr.  f.  Pflanzenkrankheiten  1891,  156,  und  1892,  33.
2 )  Ebenda  1897,  10  und  84.
3 )  Botanische  Zeitung  1891,  49,  195  und  649.
        <pb n="940" />
        Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

919

öltropfen  statt.  Der  kontrahierte  Zellsaft  wird  infolge  der  Ausscheidung  von  Gerbstoff ­
  braun  bis  schwarzbraun  gefärbt“.  In  gleicher  Weise  wirken  nach  P.  Sorauer 1 )
die  Dämpfe  von  Holzimprägnieranstalten  und  nach  R.  Junger’ *  2 )  solche  von
Zaunpfählen,  die  mit  Karbolineum  bestrichen  sind.
Nicht  selten  kommt  auch  eine  Beschädigung  von  Bäumen  und  Sträuchern
durch  Leuchtgas  vor,  aber  nicht  von  den  Blättern,  sondern  von  den  Wurzeln  aus,
wenn  die  Leitungsrohre,  wie  häufig,  undicht  werden.  Eine  Beschädigung  der  oberirdischen ­
  Teile  kann  wohl  nur  bei  Zimmerpflanzen  auftreten,  und  dann  auch  wohl
seltener  durch  das  Leuchtgas  selbst  als  durch  die  Verbrennungserzeugnisse  (vorwiegend ­
  schweflige  Säure  und  Schwefelsäure).  Die  durch  Leuchtgas  beschädigten
Wurzeln  sind  nach  Haselhoff  und  Lindau  (1.  c.  S.  32)  im  Innern  häufig  bläulich ­
  gefärbt.  Da  die  Stärke  der  Färbung  von  der  Mitte  nach  der  Peripherie  hin
abnimmt,  so  schließt  L.  Kny 3 )  daraus,  daß  das  Gas  in  gelöstem  Zustande  mit  dem
Bodenwasser  von  den  Wurzelspitzen  aufgenommen  wird.  C.  Wehner 4  * )  fand  aber
auch  bei  durch  Leuchtgas  abgestorbenen  Ulmen  ungefärbte  Wurzeln,  so  daß  die
Frage  nach  der  Aufnahme  des  Gases  noch  einer  weiteren  Aufklärung  bedarf.
Der  bei  der  Leuchtgasfabrikation,  bei  Teerschwefelereien,  Kokereien,  bei  der
Verarbeitung  von  Sodarückständen  auftretende  Schwefelwasserstoff  wirkt  nach
den  Versuchen  von  Turner  und  Christen 6 )  in  einer  Menge  von  0,43  Volumprozent
in  der  Luft  noch  nicht  schädlich;  ein  Gehalt  von  5,33  Volumprozent  hatte  nach
12  Stunden  keine  Schädigung,  nach  24  Stunden  dagegen  eine  vollständige  Erschlaffung ­
  der  Blätter  und  Stengel  hervorgerufen,  ohne  daß  sich  die  Pflanzen  in
reiner  Luft  wieder  erholen  konnten.  Auch  H.  Steffeck 6 )  beobachtete  durch  Abgase ­
  von  Kokslagern  mit  deutlich  durch  den  Geruch  erkennbaren  und  durch  Schwärzung
von  Bleipapier  nachweisbaren  Mengen  Schwefelwasserstoff  ein  Welkwerden  der
Blätter  oder  eine  Beeinträchtigung  des  Wachstums  von  Gartengewächsen  aller  Art.
Die  geschädigten  Blätter  erscheinen  anfänglich  braun  und  später  mehr  oder  weniger
vollständig  geschwärzt.  Uber  die  Schädlichkeit  noch  sonstiger  seltenen  Rauchgase
und  Dämpfe,  sowie  über  in  dieses  Gebiet  einschlägige  Fragen  vergl.  die  eingehenden
Schriften  von  E.  Haselhoff  und  G.  Lindau:  Die  Beschädigung  der  Vegetation  durch
Rauch,  Berlin  1903,  sowie  A.  Wieler,  Untersuchungen  über  die  Einwirkung  der
schwefligen  Säure  auf  die  Pflanzen,  Berlin  1906.
IV.  Untersuchung  des  Bodens.
Wie  oben  bemerkt,  empfiehlt  es  sich,  den  Boden,  der  an  denselben  Stellen
wie  die  Pflanzen  entnommen  wurde,  ebenfalls  auf  die  Bestandteile,  welche  in  den
Blättern  und  Nadeln  bestimmt  wurden,  also  z.  B.  Schwefelsäure  oder  Chlor  usw.,  zu
untersuchen,  um  zu  ermitteln,  ob  der  mit  kranken  Pflanzen  bestandene  Boden  entsprechend ­
  mehr  als  der  mit  gesunden  Pflanzen  bestandene  Boden  an  den  fraglichen
Bestandteilen  enthält.
Die  Bestimmung  der  Schwefelsäure  hezw.  des  Chlors  im  Boden  geschieht
unter  Anwendung  von  50—100  g  nach  S.  29  hezw.  nach  S.  39,  die  der  Metalle
nach  S.  42  bezw.  203;  arsenige  Säure  wird  in  500—1000  g  Boden  nach  S.  169
bestimmt.

4 )  Arbeiten  d.  Deutschen  Landw.-Gesellschaft  1900,  50,  110,  189.
2 )  Ebenda  1901,  60,  128.
3 )  Botan.  Ztg.  1871,  29,  862,  867.
4 )  Zeitsohr.  f.  Pflanzenkrankheiten  1900,  11,  267.
5 )  E.  Wolff,  Die  chem.  Forschungen  a.  d.  Gebiete  d.  Agrikulturchemie  1847,  475.
°)  Arbeiten  d.  Deutschen  Landw.-Gesellschaft  1896,  24,  27.
        <pb n="941" />
        920  Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

Machen  sich  in  dem  mit  kranken  Bäumen  hezw.  Pflanzen  bestandenen  Boden
gegenüber  dem  mit  gesunden  Bäumen  und  Pflanzen  bestandenen  Boden  dieselben
Unterschiede  geltend  wie  bei  den  Gewächsen,  und  zwar  im  Obergrunde  mehr  als
im  Untergründe,  so  kann  dieser  Befund,  wenn  sich  für  den  erhöhten  Gehalt  keine
andere  Ursache  als  die  Rauchquelle  finden  läßt,  mit  zur  Bekräftigung  der  für  die
Gewächse  gefundenen  Ergebnisse  dienen.
Rührt  der  erhöhte  Gehalt  des  Bodens  an  löslichen  Sulfaten  und  Chloriden
aus  anderen  Quellen  her,  so  ist  Vorsicht  in  der  Schlußfolgerung  zu  empfehlen  und
nur  auf  eine  Bauchbeschädigung  zu  erkennen,  wenn  die  äußeren  Erscheinungen
der  Vegetation  hierüber  keinen  Zweifel  lassen.
In  den  meisten  Fällen  wird  man  freilich  einen  solchen  Mehrgehalt,  wenigstens
an  den  Säure-Bestandteilen  des  Rauches,  im  Boden  nicht  finden,  aber  darum  soll
nach  A.  Wieler  (1.  c.  S.  290)  bei  Beurteilung  von  Rauchschäden  dem  Boden  doch
eine  größere  Aufmerksamkeit  als  bis  jetzt  geschenkt  werden.  Die  Rauchblößen  in
der  Nähe  der  Rauchquellen  lassen  sich  dadurch  erklären,  daß  die  Rauchgase  überhaupt ­
  kein  Pflanzenwachstum  aufkommen  lassen.  Die  Rauchblößen  um  höhere  abgestorbene ­
  Bäume  herum  können  ebenfalls  auf  dieselbe  Ursache  oder  auch  wie  die
Ansammlung  großer  Massen  unzersetzter  Nadeln  unter  chronisch  beschädigten
Fichten  darauf  zurückgeführt  werden,  daß  infolge  Einwirkung  der  sauren  Rauchgase ­
  das  Leben  der  Mikroben,  die  eine  Zersetzung  der  organischen  Stoffe  bewirken,
verhindert  wird.  Es  bildet  sich  saurer  Humus,  der  bekanntlich  die  Beschaffenheit
des  Bodens  verschlechtert  und  weiter  das  Pflanzenwachstum  schädigt.  In  der  Tat
konnte  A.  Wieler  im  Boden  beschädigter  Waldflächen  eine  größere  Menge  freier
Humussäuren  —  über  deren  Bestimmung  vergl.  S.,  90  —■  gegenüber  gesunden  Böden
nachweisen.  Man  wird  in  solchen  Fällen  durch  Düngung  mit  Kalk  oder  Mergel  den
Boden  wieder  aufbessern  können.

B.  Untersuchung  der  Rauchgase  und  Brennstoffe.
Nicht  selten  ist  es  von  Belang,  in  den  Rauchgasen  den  Gehalt  an  Säure,  besonders ­
  an  schwefliger  Säure  festzustellen.
Die  Rauchbeschädigungen  können  ferner  nicht  allein  durch  Röstgase  aus  Röstereien
  für  Schwefelmetalle  oder  aus  chemischen  Fabriken,  sondern  auch  und  nicht
selten  durch  alleinigen  Steinkohlen-  oder  Braunkohlenrauch  verursacht  werden,
nämlich  dann,  wenn  dieser  sich  beständig  in  konzentriertem,  d.  h.  in  wenig  mit
Luft  verdünntem  Zustande  auf  die  Pflanzen  bezw.  Bäume  niederschlägt  und  der
Brennstoff  viel  flüchtigen  Schwefel  enthält.  So  können  durch  Kalkbrennereien,
Ziegeleien,  Töpfereien,  Kokereien,  Eisenhütten  oder  überhaupt  größere  Fabrikanlagen ­
  mit  niedrigen  Schornsteinen,  durch  Eisenbahn-Lokomotiven  beim  häufigen
Durchfahren  eng  geschlossener  Täler  usw.  recht  häufig  Rauchbeschädigungen  hervorgerufen ­
  werden  und  in  allen  solchen  Fällen  muß  auch  das  Brenngut  auf  Schwefel,
besonders  auf  flüchtigen  Schwefel  untersucht  werden.
1.  Untersuchung  der  Rauchgase.  Die  hier  in  Betracht  kommenden  Untersuchungsverfahren ­
  richten  sich  stets  nach  dem  Rohstoff,  welcher  in  der  betreffenden
Fabrik  zur  Verarbeitung  gelangt.  Es  muß  deshalb  dem  untersuchenden  Chemiker
überlassen  bleiben,  hier  das  geeignete  Verfahren  zu  wählen.
In  allen  Fällen  wird  man  sich  eines  Aspirators  bedienen,  mit  Hilfe  dessen
eine  bestimmte  Menge  Schornsteinluft  durch  eine  in  einer  U-Röhre  befindliche
Flüssigkeit  (je  nach  dem  zu  bestimmenden  Bestandteil  Bromwasser,  Silberlösung
Normal-Kalilauge,  Normal-Schwefelsäure,  Jodjodkaliumlösung  usw.)  durchgesaugt  wird.
        <pb n="942" />
        Untersuchung  der  Rauchgase  und  Brennstoffe.

921

Die  hei  Eauchbeschädigungen  am  meisten  in  Betracht  kommende  schweflige
Säure  wird,  wenn  nur  zu  vernachlässigende  Mengen  Stickstoffsäuren  vorhanden  sind,
am  zweckmäßigsten  nach  Eeich  bestimmt.

Fig.  347.  Reich  scher  Apparat  zur  Untersuchung  von  Röstgasen.

Man  saugt  den  Schornsteinrauch  mittels  eines  Aspirators  durch  Wasser,
welches  mit  einer  bestimmten  Anzahl  Kubikzentimeter  Jodlösung  und  etwas  Stärkelösung ­
  versetzt  ist.  Die  Entfärbung  der  Jodlösung  zeigt  das  Ende  der  Eeaktion
        <pb n="943" />
        922

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Hauch  und  Staub.

an.  Aus  der  in  einem  Meßzylinder  aufgefangenen,  dem  durchgeführten  Gase  gleichen
Wassermenge  und  aus  der  Menge  des  verbrauchten  Jods  berechnet  man  den  Gehalt
der  Schornsteinluft  bezw.  der  Röstgase  an  Volumprozenten  schwefliger  Säure.
Die  Einrichtung  vorstehenden  Apparates  (Fig.  347)  ist  eine  sehr  einfache.  In
die  etwa  x / 4  ihres  Inhaltes  mit  Wasser  gefüllte  Flasche  A  werden  durch  die  mittlere
Öffnung  des  3-fach  durchbohrten  Korkes  einige  Kubikzentimeter  1 / 10  Normal-Jodlösung
und  so  viel  Stärkekleister  eingeführt,  daß  die  Flüssigkeit  tiefblau  erscheint.  Als
Aspirator  dient  die  Flasche  B  mit  dem  Heberrohr  h,  dessen  unterer  Kautschukansatz
durch  einen  Quetschhahn  zu  verschließen  ist.  Nachdem  man  sich  von  dem  dichten  Verschluß ­
  des  Apparates  überzeugt  hat,  wird  der  Stopfen  in  eine  zu  bohrende  Öffnung
des  Schornsteins  bezw.  des  Eauchabzugkanals  eingesetzt  und  nun  durch  vorsichtiges
öffnen  der  Quetschhähne  m  und  i  ein  langsamer  Luftstrom  so  lange  durchgeleitet,
bis  die  Flüssigkeit  in  der  Flasche  A  eben  gerade  entfärbt  wird.  Alsdann  schließt
man  die  beiden  Hähne,  läßt  durch  die  mittlere  Durchbohrung  des  Stopfens  10  ccm
1 Iio  N.-Jodlösung  einfließen  und  saugt  abermals  so  lange  Schornsteinluft  durch,  bis
wieder  Entfärbung  der  Jodlösung  eingetreten  ist.  Das  Volumen  der  durchgesaugten
Luft  ist  gleich  dem  des  ausgeflossenen  Wassers,  welches  in  dem  untergestellten
Meßzylinder  gemessen  wird.
Die  Einwirkung  der  schwefligen  Säure  auf  das  Jod  geht  nach  folgender
Gleichung  vor  sich:  2  J  +  S0 2  +  2H 2 0  =  2HJ  +  H 2 S0 4 ;  also  sind  10  ccm  der
1 Iio  Normal-Jodlösung  (0,127  g  J  oder  richtiger  0,12697  g  J  enthaltend)  gleich
0,032  g  (bezw.  richtiger  0,03203  g)  S0 2 .
Da  1000  ccm  S0 2  bei  760  mm  Atmosphärendruck  und  0°  Temperatur  gleich
ist  x / 2  S0 2  x  Krith,  also  32  x  0,089578  =  2,8665  g,  so  sind  die  gefundenen  0,032  g
S0 2  =  11,16  ccm  S0 2 .
Durch  Division  dieser  Zahl  durch  die  Kubikzentimeter  durchgesaugter
Luft  +  der  gefundenen  Kubikzentimeter  S0 2  erhält  man  den  Prozentgehalt  an
schwefliger  Säure  in  der  Schornsteinluft.
Angenommen,  es  sollen  10  ccm  1 110  N.-Jodlbsung  durch  ein  Volumen  Schornsteinluft ­
  gleich  dem  von  134  ccm  Wasser  entfärbt  worden  sein,  so  beträgt  mit
Einschluß  der  schwefligen  Säure  das  Volumen  Schornsteinluft  im  ganzen  134
+  11,16  =  145,16  ccm  und  der  Gehalt  derselben  an  schwefliger  Säure  =  —
=  7,69  Volumprozent.
Bei  etwaiger  Bestimmung  der  Salzsäure  in  Rauchgasen  läßt  man  ein  bestimmtes, ­
  hinreichendes  Volumen  der  letzteren  durch  überschüssige  Silbernitratlösung ­
  gehen,  wobei  man  den  erhaltenen  Niederschlag,  um  das  von  den  Rauchgasen
reduzierte  Silber  zu  entfernen,  abfiltriert,  ihn  dann  in  Ammoniak  löst,  das  Chlorsilber ­
  aus  dem  Filtrat  mit  Salpetersäure  wieder  ausfällt  und  als  solches  wägt.
Oder  man  saugt  die  Schornsteinluft  durch  überschüssige  reine,  d.  h.  chlorfreie ­
  Kalilauge,  kocht  diese  zur  Oxydation  der  organischen  Eauchbestandteile  mit
Kaliumpermanganat,  bis  die  Lösung  farblos  ist,  filtriert,  säuert  mit  Salpetersäure
an  und  fällt  das  Chlor  wie  üblich  als  Chlorsilber.
Da  1  Teil  AgCl  =  0,254  Teilen  HCl  und  1  1  HCl  =  18,25  x  0,089578  =
1,63479  g  wiegt,  so  ist  1  Teil  AgCl  =  166,37  ccm  HCl.  Die  Umrechnung  auf
Prozent-Gehalt  der  Eauchluft  erfolgt  wie  bei  schwefliger  Säure.
Man  kann  auch  die  Gesamtsäuren  (Schwefel-,  schweflige  Säure  und  Salzsäure ­
  usw.)  in  den  Rauchgasen  dadurch  bestimmen,  daß  man  die  Rauchgase  durch
Alkalilauge  saugt  und  die  Säuren  in  üblicher  Weise  bestimmt;  man  pflegt  dann  die
Gesamtsäuren  auf  S0 3  umzurechnen  und  ein  Rauchgas  nach  einer  preußischen  berg ­
        <pb n="944" />
        Untersuchung  der  Rauchgase  und  Brennstoffe.

923

polizeilichen  Verordnung  als  unschädlich  anzusehen,  wenn  der  Gehalt  an  Säure
5  g  S0 3  in  1  chm  nicht  übersteigt.  Diese  Verordnung  kann  aber  für  alle  Säuren
oder  alle  örtlichen  Verhältnisse  keine  Gültigkeit  haben.
Um  die  Säuren  in  der  die  Fabrik  umgebenden  Luft  nachzuweisen,  tränkt
H.  Ost 1 )  reinen  (d.  h.  von  Schwefelsäure,  Fluor  usw.  freien),  lockeren  Baumwollestoff ­
  in  4-  oder  3-eckigen  Stücken  von  etwa  je  250  qcm  einerseits  mit
Barytwasser,  andererseits  mit  Kalkwasser,  läßt  trocknen  und  hängt  die  hergestellten
Zeugstücke,  in  denen  die  Basen  nach  dem  Trocknen  als  Karbonate  vorhanden  sind,
in  Bäumen  auf.  Nach  einiger  Zeit  werden  die  Baryumkarbonat-haltigen  Stücke  auf
Schwefelsäure,  die  Calciumkarbonat-haltigen  Streifen  auf  Fluor  geprüft.  Verschiedene
Versuche  beweisen  die  Brauchbarkeit  des  Verfahrens;  indes  muß  berücksichtigt
werden,  daß  Spuren  von  z.  B.  Schwefelsäure  überall  in  der  Luft  vorhanden  sind.
A.  Wiel  er  (1.  c.  S.  356)  leitet  zu  dem  Zweck  größere  Mengen  Luft  mittels  eines
Aspirators  durch  eine  titrierte  Lösung  von  Kaliumbikarbonat.
Von  anderer  Seite  ist  vorgesohlagen,  das  Regenwasser  in  der  Umgebung  der
Eauchquelle  in  verschiedener  Entfernung  von  derselben  aufzufangen  und  dieses  auf
den  oder  die  nachzuweisenden  Bestandteile  zu  untersuchen.
P.  Sorauer *  2 )  schlägt  vor,  als  schnellwachsende  Pangpflanze  die  Buschbohne ­
  (Phaseolus  vulgaris),  Haselhoff  und  Lindau  Polygonum  oder  Rheum,
A.  Wieler  eine  Weinrebenart 3 )  im  Umkreise  der  fraglichen  Rauchquelle  anzubauen ­
  und  an  diesen  durch  die  mikroskopische  und  chemische  Untersuchung  die
etwaige  Schädigung  nachzuweisen.
Alle  diese  Untersuchungen  können  in  fraglichen  Fällen  die  Beweisführung
verschärfen;  der  entscheidende  Beweis  kann  aber  nur  durch  die  Untersuchung  der
beschädigten  Pflanzen  und  Bäume  seihst  erbracht  werden.
2.  Bestimmung  des  Schwefels  in  den  Brennstoffen.  Die  Feststellung  des  Gesamtschwefels ­
  ist  für  die  Beurteilung  einer  Kohle  auf  ihre  Schädlichkeit  nicht  maßgebend, ­
  da  der  in  Form  von  Sulfaten  oder  Sulfiden  in  der  Asche  zurückbleibende
Schwefel  mit  bestimmt  wird.
Die  schweflige  Säure,  wird  vielmehr  fast  ausschließlich  geliefert  durch  den
vorhandenen  Schwefelkies,  welcher  beim  Erhitzen  unter  Luftzutritt  in  schweflige
Säure  und  basisch  schwefelsaures  Eisenoxyd  und  dieses  weiter  in  Schwefelsäure  und
Eisenoxyd  zersetzt  wird.
Aber  selbst  diesen  in  Form  von  S0 2  und  S0 8  übergehenden  Schwefel  darf  man
nicht  ohne  weiteres  in  seinen  vorhandenen  Mengen  als  schädlichen  Schwefel  bezeichnen, ­
  denn  hiervon  wird  eine  gewisse  Menge  durch  die  alkalischen  Erden  der
Asche  gebunden.
Demnach  werden  Kohlen  mit  gleichem  Schwefelkiesgehalt,  aber  verschiedenen
Mengen  kohlensaurem  Calcium  um  so  weniger  schweflige  Säure  abgeben,  je  höher
der  Gehalt  an  letzterem  ist.
Die  Menge  des  schädlichen  Schwefels,  d.  h.  desjenigen,  welcher  als  S0 2  gasförmig ­
  entweicht,  ergibt  sich  einfach  aus  der  Differenz  zwischen  der  Menge  des
Gesamtschwefels  und  desjenigen,  welcher  nach  dem  vollständigen  Veraschen  der
Kohle  in  Form  von  Schwefelsäure  oder  Sulfiden  —  über  die  Oxydation  des  gleichzeitig ­
  vorhandenen  Schwefels  in  der  Asche  vergl.  S.  911  —  in  der  Asche  zurückbleibt.
3 j  Chem.-Zeitung  1896,  20,  165.
2 )  Jahresbericht  f.  Agrikulturohemie  1900,  486.
3 )  In  den  Epidermiszellen,  Palissaden-  und  Schwammparenchymzellen  der  Weinrebe
tritt  bei  Einwirkung  von  schwefliger  Säure  ein  roter  Farbstoff  auf,  der  bei  nicht  beräucherten
  und  bei  mit  Salzsäure  beräucherten  Pflanzen  ausbleibt.
        <pb n="945" />
        924

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub.

a)  Bestimmung  des  Gesamtschwefels  in  den  Steinkohlen  nach
Eschka.  0.5—1  g  der  feingepulverten  Kohle  werden  mit  einem  Gemenge  von  1  g
gebrannter  Magnesia  und  0,5  g  wasserfreier  Soda  im  Platintiegel  innig  gemengt  und
bis  zur  völligen  Einäscherung  im  schief  liegenden  Tiegel  über  einer  Weingeistlampe
geglüht.  (Magnesia  und  Soda  müssen  natürlich  frei  von  Schwefelsäure  sein).
Nach  dem  Erkalten  wird  der  Tiegelinhalt  mit  Wasser  in  ein  Becherglas  gespült, ­
  Bromwasser  bis  zur  bleibenden  Gelbfärbung  zugesetzt  und  mit  Salzsäure  gekocht. ­
  In  der  zu  filtrierenden  Flüssigkeit  wird  die  vorhandene  Schwefelsäure  mit
Chlorbaryum  gefällt.
Durch  Multiplikation  der  gefundenen  Menge  BaS0 4  mit  0,1376  erhält  man
die  Menge  des  in  der  angewendeten  Substanz  enthaltenen  Gesamtschwefels.
b)  Bestimmung  des  indifferenten  Schwefels.  Zur  Bestimmung  des
indifferenten,  d.  h.  des  in  Form  von  Sulfaten  hezw.  Sulfiden  vorhandenen  Schwefels
wird  eine  neue  Probe  des  Brennstoffes  verascht,  die  Asche  mit  salzsäurehaltigem
Wasser  aufgenommen  und  im  Filtrat  die  Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum  gefällt.
Die  Differenz  zwischen  Gesamtschwefel  und  dem  in  Form  von  Sulfaten  und  Sulfiden
in  der  Asche  gebundenen  Schwefel  gibt  die  Menge  des  flüchtigen,  mit  den  Brenngasen ­
  entweichenden  Schwefels.
c)  Bestimmung  des  flüchtigen  Schwefels.  Zur  direkten  Bestimmung
des  flüchtigen  „schädlichen“  Schwefels  eignet  sich  am  besten  das  Verfahren  von
A.  Sauer 1 ):
0,5—1  g  Substanz  werden  in  einem  Platinschiffchen  zwischen  2  Asbestpfröpfchen
  in  ein  Verbrennungsrohr  eingeschoben.  An  der  hinteren  Seite  wird  das  Rohr
mit  einem  mit  Sauerstoff  gefüllten  Gasometer  verbunden,  während  am  vorderen  Ende
eine  U-Eöhre  mit  stark  gefärbtem  Bromwasser  vorgelegt  wird  (vergl.  Fig.  7,  S.  40).
Nachdem  der  Schiffoheninhalt  zum  Glühen  gebracht  ist,  wird  ein  ganz  schwacher
Sauerstoffstrom  durch  die  Röhre  geleitet,  so  daß  keine  heftige  Verpuffung  eintritt.
Sobald  die  Verbrennung  beendet,  also  keine  Funkenerscheinung  mehr  wahrzunehmen
ist,  wird  das  Rohr  in  seiner  ganzen  Länge  erhitzt  und  ein  lebhafter  Luftstrom
durchgesaugt,  wodurch  sämtliche  nicht  gebundene  Schwefelsäure  hezw.  schweflige
Säure  in  das  vorgelegte  Bromwasser  getrieben  wird.
Nach  dem  Erkalten  wird  das  Verbindungsrohr  mit  Wasser  ausgespült  und
das  Waschwasser  mit  dem  Inhalt  der  IT-Eöhro  in  einem  Becherglase  gemischt.
Durch  Kochen  der  Flüssigkeit  unter  Zusatz  einiger  Tropfen  Salzsäure  entfernt  man
das  überschüssige  Brom,  filtriert  die  mit  übergegangenen  teerartigen  Produkte  ab  und
fällt  mit  Chlorbaryum.  Das  gewogene  Baryumsulfat  x  0,1376  gibt  den  flüchtigen
Schwefel  und  dieser,  multipliziert  mit  2,  die  aus  dem  Brennmaterial  entwickelungsfähige ­
  Menge  schwefliger  Säure.
C.  Nachweis  der  Beschädigung  durch  Staub.
Wenn  eine  Beschädigung  der  Vegetation  durch  saure  Rauchgase  und  Dämpfe
vorliegt,  so  wirkt  vielfach  gleichzeitig  Flugstaub,  enthaltend  Metalloxyde,  Metallsulfate ­
  und  -sulfide,  Kohlenruß  usw.,  ein.
Daß  Metallsulfate  und  -Chloride,  wenn  sie  auf  die  betauten  oder  befeuchteten ­
  Blätter  gelangen,  in  derselben  Weise  schädlich  wirken  können  wie  die
freien  Säuren,  ist  schon  oben  S.  911  gesagt.  Wir  konnten  in  einem  Falle,  wo
Flugstaub  einer  Nickelfabrik  die  umliegenden  Grundstücke  geschädigt  hatte,  in  den
9  Zeitsohr.  f.  anal.  Chemie  1873,  12,  32  und  178.
        <pb n="946" />
        Nachweis  der  Beschädigung  durch  Staub.

925

Pflanzen  (Kartoffeln,  Vietsbohnen,  Pferdebohnen)  das  sonst  im  Boden  nicht  verkommende ­
  Nickel  nachweisen.  Die  wasserfreien  Metallsalze  sind  für  trockne
Blätter  nicht  schädlich.
Die  auf  Pflanzen  verwehten  Schwefelmetalle  (wie  Schwefelzink,  Schwefelkupfer ­
  und  Schwefeleisen)  können  oxydiert  und  infolgedessen  kann  eine  nachteilige
Wirkung  hervorgerufen  werden,  indem  die  in  Sulfate  übergeführten  Verbindungen  in
derselben  Weise  wie  die  löslichen  Metallsulfate  der  Rauchgase  Korrosionen  der
Pflanzenorgane  hervorrufen.
Von  den  Metalloxyden  kann  man  kaum  annehmen,  daß  sie  unter  dem  Einfluß ­
  von  Wasser  und  den  geringen  Mengen  Kohlensäure  oder  Salpetersäure  des
Regenwassers  usw.  in  eine  lösliche  Form  ühergeführt  und  so  von  den  Blättern  aufgenommen ­
  werden.
Auch  ist  bis  jetzt  nicht  durch  direkte  Versuche  erwiesen,  in  welcher  Art  und
Weise  dieser  Staub  durch  Verstopfen  der  Poren  und  Spaltöffnungen  der  Blätter
das  Wachstum  beeinträchtigt;  gewiß  aber  ist  dieser  unlösliche  Staub,  auch  Kohlenruß, ­
  selbst  wenn  er  nicht  direkt  schädlich  ist,  für  die  Lebenstätigkeit  doch  wohl
nicht  ganz  belanglos,  was  schon  daraus  geschlossen  werden  kann,  daß  das  Wachstum ­
  von  stark  bestaubten  Bäumen,  Sträuchern  und  Pflanzen  in  Städten  und  an
Straßen  nach  dem  Abspülen  durch  nur  wenig  Regen  ein  viel  lebhafteres  ist  als  im
bestaubten  Zustande.
Auch  kann  derartiger  auf  Pflanzen  auflagernder  Staub  (Metalloxyde,  Metall-Sulfate
  und  -Sulfide  und  besonders  arsenige  Säure)  bei  landwirtschaftlichen  Feldpflanzen ­
  und  Gartengewächsen,  welche  den  Menschen  und  Tieren  zur  Nahrung
dienen,  sehr  nachteilige  Folgen  haben.  Vor  allen  Dingen  können  die  Bestandteile
des  Flugstauhes,  wenn  sie  in  größerer  Menge  in  den  Boden  gelangen  und  gelöst
werden,  das  Wachstum  der  Pflanzen  von  den  Wurzeln  aus  schädigen;  sie  wirken
dann  in  derselben  Weise,  als  wenn  sie  durch  Rieselwasser  in  den  Boden  gelangt
wären  (vergl.  unter  Abwasser  S.  889,  ferner  ausführlich  in  Haselhoff  und  Lindau
1.  c.  S.  342  und  des  Verf.s  Verunreinigung  der  Gewässer  usw.,  Berlin  1899).
Über  den  Nachweis  solchen  Staubes  ist  schon  S.  911  unter  b  das  Nötige
gesagt.  Bei  dem  Nachweis  der  Flugstaubbestandteile  im  Boden  ist  zu  beachten,
daß  geringe  Mengen  von  Zink,  Kupfer  und  Blei  durch  den  Dünger,  dem  Metallgeräte ­
  aus  der  Wirtschaft  beigemengt  gewesen  -sind,  in  den  Boden  gelangen  oder
auch  in  dem  natürlichen  Boden  vorhanden  sein  können.
Zu  dem  Flugstauh  kann  auch  die  Asche  von  Brennstoffen,  der  Kalk  aus
Kalkbrennereien  und  Sodastaub  aus  Fabriken, 1 )  welche  calcinierte  Soda  herstellen,
gerechnet  werden.  Kalk  und  Soda,  ebenso  die  Asche  der  meisten  Brennstoffe,  können
durch  ihre  stark  alkalische  Beschaffenheit  in  der  Weise  nachteilig  wirken,  daß  sie,
durch  den  Tau  gelöst,  ätzend  und  humifizierend  auf  die  Blattsuhstanz  wirken.
Der  Sodastaub  ruft  hierbei  ähnliche  äußere  Erscheinungen  (braune  Ränder
und  Flecken  auf  den  Blättern,  gelbe  Spitzen  der  Nadeln)  hervor,  wie  die  sauren
Rauchgase.
J )  Bei  Darstellung  der  calcinierten  Soda  entwickelt  sich  ein  derartiger  Staub,  daß
kräftigst  ventiliert  werden  muß,  damit  die  Arbeiter  es  in  den  Räumen  aushalten  können.
Wird  dieser  Staub  nicht  aufgefangen,  so  kann  er  durch  den  Wind  oft  stundenweit  fortgetragen
  werden.  Ferner  wird  in  Holzzellulose-Pabriken,  die  Natronlauge  verwenden,  die
benutzte  Lauge,  um  das  Natron  wieder  zu  gewinnen,  zur  Trockne  verdampft,  der  Rückstand ­
  behufs  Beseitigung  der  organischen  Stoffe  verascht  und  geglüht.  Auch  hierbei  wird
Soda  mit  den  Dämpfen  fortgeführt,  welche  dann,  wenn  sie  sich  in  nächster  Nähe  niederschlagen
  wird,  die  Vegetation  schädigen  kann.
        <pb n="947" />
        926

Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Rauch  und  Staub.

In  vielen  Fällen  wird  man  diese  Art  Staub  in  Form  eines  weißen  Anfluges
auf  den  Blättern,  Zweigen,  Stengeln  usw.  finden,  und  man  kann  die  Natur  desselben
dadurch  nachweisen,  daß  man  den  Anflug  mit  etwas  Wasser  absplilt,  auf  Reaktion
und  mit  chemischen  Reagenzien  prüft,  bezw.  die  wässerige  Abspülung  quantitativ
untersucht.  Bei  anhaltender  Einwirkung  von  Sodastaub  auf  Pflanzen  haftet  das
Natron  nicht  bloß  äußerlich  an  den  Pflanzen,  sondern  dringt  auch  in  die  Pflanzensubstanz ­
  ein  und  bewirkt,  wie  wir  in  Versuchen  hierüber  gefunden  haben,  nicht
nur  eine  Erhöhung  des  Natrongehaltes  der  Pflanzensubstanz,  sondern  häufig  auch
eine  entsprechende  Erhöhung  des  Gehaltes  an  Säuren  (Kieselsäure,  Phosphorsäure,
Schwefelsäure),  welche  also  umgekehrt  wie  bei  den  Säurebeschädigungen  behufs
Ausgleiches  der  überschüssigen  Base  aus  dem  Innern  der  Pflanzen  nachwandern 1 ).
Für  Kalk  sind  bis  jetzt  derartige  Beobachtungen  nicht  gemacht,  indes  ist  nicht  unwahrscheinlich, ­
  daß  er,  weil  auch  in  Wasser  löslich,  sich  ähnlich  verhält.
Um  daher  diese  Art  Beschädigung  sicher  nachzuweisen,  wird  man  zweckmäßig ­
  eine  vollständige  Untersuchung  der  Asche  der  einzelnen  Pflanzenteile  (Blätter,
Zweige,  Stengel  und  Wurzelknollen)  ausführen  (vergl.  S.  200).
Bei  der  Probenahme  von  kranken  und  gesunden  Pflanzen  in  gleicher  Wachstumsstufe ­
  verfährt  man  genau  wie  bei  den  Säurebeschädigungen  (S.  909).
1 )  In  den  Ähren  der  Halmfrüchte  fanden  wir  umgekehrt  eine  geringere  Menge
Kieselsäure  als  bei  unbestäubten  Pflanzen;  dieses  beruht  offenbar  auf  einer  Lösung  und
Wegführung  der  Kieselsäure  durch  das  Natron  (vergl.  Landw.  Jahrbücher  1892,  21,  407,
und  „Die  landw.  Versuchs-Station  Münster“,  Münster  1896,  205;  ferner  auch  Bbermayer,
Landw.  Versuchs-Stationen  1877,  20,  392).  Bbermayer  glaubt,  daß  die  Soda  beim
Trocknen  in  die  Blätter  eiudringt  und  das  Natron  einerseits  durch  in  denselben  vorhandene
organische  Säuren,  andererseits  durch  sich  bildende  Humussäuren  gebunden  wird;  auf  der
Bildung  von  Humussäure  unter  dem  Einfluß  des  Natrons  soll  dann  die  Dunkelfärbung  der
Blätter  beruhen.  Nach  den  hiesigen  Versuchen  gehen  aber  unter  dem  Einfluß  des  Natrons
noch  tiefere  Umsetzungen  in  den  Blättern  vor  sich.
        <pb n="948" />
        Untersuchung  der  Schafwolle

Um  Uber  die  Beschaffenheit  der  Wolle  einer  Schafrasse  ein  möglichst  klares
und  praktisches  Urteil  zu  gewinnen,  nimmt  man  die  Untersuchung  nach  folgenden
Verfahren  vor,  welche  hauptsächlich  auf  den  Angaben  von  W.  Henneberg, 1 )
E.  Schulze  und  M.  Märcker *  2 )  beruhen.
1.  Probenahme  am  Tier.  Die  Proben  sind  unmittelbar  vor  der  gewöhnlichen
Schurzeit,  nachdem  die  Tiere  kurz  vorher  in  üblicher  Weise  gewaschen  worden
sind,  von  mehreren  Durchschnittstieren,  und  zwar  von  folgenden  Stellen  jedes
einzelnen  Tieres  je  eine  Probe  zu  nehmen:  1.  vom  Blatt,  2.  von  der  Seite,  3.  von
der  Mitte  des  Kreuzabhanges,  4.  vom  Widerrist,  5.  vom  Hals  dicht  am  Genick,
6.  von  der  Mitte  der  Keule,  7.  von  der  Mitte  des  Bauches.  Die  Proben  von  reichlich ­
  2,5  cm  Durchmesser  werden  dicht  an  der  Haut  abgeschnitten,  ohne  Zerrung,
damit  sie  möglichst  ihre  natürliche  Form  behalten,  sogleich  in  hinreichend  weite
und  lange,  mit  Stöpseln  verschließbare  Glasröhren  von  bekanntem  Gewicht  gebracht
und  gewogen.  Die  Nummern  des  Versuchstieres  und  die  Körperstelle,  von  welcher
die  Probe  herrührt,  sind  auf  einer  angeklehten  Etikette  zu  notieren.
Wenn  die  Wolle  auch  auf  ihre  physikalischen  Eigenschaften  untersucht  oder  einem
geübten  Sachverständigen  zur  praktischen  Beurteilung  vorgelegt  werden  soll,  so  sind  von
jeder  der  angegebenen  Stellen  des  Tieres  noch  zwei  weitere  Proben  zu  nehmen,  und  zwar
eine  Probe  unmittelbar  vor  der  Wäsche,  die  andere  unmittelbar  vor  der  Schur,  also  die
letztere  gleichzeitig  mit  den  obigen  für  die  chemische  Untersuchung  bestimmten  Proben.
Diese  weiteren  Proben  werden  ebenfalls  sofort  eingekapselt  und  gewogen.
2.  Herstellung  einer  Durchschnittsprobe  für  die  Untersuchung.  Man  nimmt
jede  von  einer  bestimmten  Körperstelle  herrührende  Probe  für  sich  in  Untersuchung,
entweder  von  jedem  einzelnen  Tiere  oder  auch,  indem  man  von  den  entsprechenden ­
  Proben  mehrerer  Tiere  gleiche  Teile  abwägt  und  auf  solche  Weise  für  jede
weitere  Behandlung  eine  Durchschnittsprobe  sich  verschafft.
Sollen  auch  Proben  von  ungewaschener  Wolle  untersucht  werden,  so  ist  zunächst
jede  einzeln  zu  wägen,  darauf  in  einer  kleineren  Probe  durch  Trocknen  bei  100°  der
Wassergehalt  zu  bestimmen  und  das  Übrige  mit  kaltem,  weichem  Wasser  unter  mäßigem
Drücken  mit  den  Händen  zu  waschen,  bis  das  Wasser  klar  abfließt,  dann  zu  trocknen  und
im  lufttrooknen  Zustande  wieder  zu  wägen.  Die  weitere  Behandlung  wird  ganz  wie  bei
der  gewaschenen  Wolle  vorgenommen.
Zur  chemischen  Untersuchung  der  Wolle  nehmen  E.  Schulze  und  M.  Märcker
(1.  c.)  folgende  Bestimmungen  vor:
3.  Feuchtigkeit.  Die  Wolle  (etwa  20—30  g)  wird  in  einer  geräumigen  Kochflasche ­
  abgewogen,  dann  vollständig  ausgetrocknet  (am  zweckmäßigsten,  indem  man
die  Kochflasche  in  ein  Gefäß  mit  siedendem  Wasser  eintaucht  und  einen  Strom  von
trocknem  Wasserstoffgas  durch  dieselbe  durchleitet).  Der  Gewichtsverlust  gibt  den
Gehalt  der  Wolle  an  Feuchtigkeit  an.

*)  Landw,  Versuchs-Stationen  1864,  6,  366  und  498.
2 )  Journ.  f.  prakt.  Chemie  1869,  108,  193,
        <pb n="949" />
        928

Untersuchung  der  Schafwolle.

4.  Wollfett  (in  Äther  löslich).  Die  getrocknete  Wolle  wird  hierauf  mit
wasserfreiem  Äther  übergossen  und  die  Lösung  nach  halbstündigem  Stehen  abgespritzt;
diese  Operation  wird  wiederholt,  bis  der  Äther  nichts  mehr  aufnimmt.  Die  ätherische
Fettlösung  wird  durch  Schütteln  mit  Wasser  gereinigt,  indem  man  nach  dem  Durchschütteln ­
  (etwa  24  Stunden)  stehen  läßt,  die  klare  Ätherschicht  abhebt,  die  wässerige
Schicht  mit  Äther  nachwäscht,  bis  letzterer  nichts  mehr  aufnimmt.  Das  beim  Verdunsten ­
  des  Äthers  zurückbleibende  Fett  wird  bei  100°  getrocknet  und  gewogen.
Der  beim  Verdunsten  des  Waschwassers  bleibende  Rückstand  wird  zu  dem  in
Wasser  löslichen  Anteil  der  Wolle  hinzuaddiert.
Das  Wollfett,  das  Lanolin  des  Handels,  läßt  sich  durch  Alkohol  in  einen
leicht  und  einen  schwer  löslichen  Teil  zerlegen;  ersterer  enthält  sehr  viel  freies
Cholesterin;  neben  diesem  kommt  nach  E.  Schulze  noch  Isocholesterin  vor.
5.  Wollschweiß  (in  Wasser  löslich).  Die  mit  Äther  erschöpfte  Wolle  wird
hierauf  mit  kaltem,  destilliertem  Wasser  bis  zur  Erschöpfung  ausgezogen.  Die
wässerigen  Auszüge  werden  durch  Abspritzen 1 )  von  der  Wollfaser  getrennt,  dann
vereinigt  und  gemessen.  Zur  Bestimmung  ihres  Gehaltes  an  festen  Teilen  wird  eine
abgemessene  Menge  der  Lösung,  nachdem  sie  zuvor  durch  Filtration  von  den  beigemengten ­
  Schmutzteilen  befreit  ist,  in  einer  gewogenen  Platinschale  im  Wasserbade ­
  zur  Trockne  verdampft.  Die  Schale  mit  dem  Rückstand  trocknet  man  auf
heißem  Sande  im  luftverdünnten  Raum,  bis  ihr  Gewicht  beständig  ist.  Der  Rückstand ­
  bildet  nach  völliger  Austrocknung  eine  braune,  leicht  zerreibliche  Masse.
Zur  näheren  Bestimmung  der  in  Wasser  löslichen  Bestandteile  (des  Wollschweißes)
  verwendet  man  100—150  g  Wolle  und  zieht  dieselben  vollständig  mit
Wasser  aus,  wozu  etwa  8—10  1  erforderlich  sind.
Hierzu  wird  eine  gute  Mittelprobe  der  Roh-,  d.  h.  vorher  nicht  mit  Äther
ausgezogenen  Wolle  verwendet;  durch  die  Seifen  des  wässerigen  Auszuges  wird
auch  etwas  Fett  aus  der  Wolle  gelöst;  um  letztere  Menge  zu  bestimmen,  kann  man
den  wässerigen  Auszug  mit  Äther  durchschütteln  und  dessen  Abdampfrüokstand
wägen.
Im  übrigen  verfährt  man  bei  etwa  8  1  wässerigem  Auszug  wie  folgt:
a)  Trockensubstanz;  500  ccm  werden  in  der  Platinschale  eingedampft,
der  Rückstand  bei  110°  getrocknet  und  gewogen.
b)  Stickstoff:  300  ccm  werden  nach  schwachem  Ansäuern  mit  Schwefelsäure
im  Kjehldahl-Kolben  eingekocht  oder  unter  Zusatz  von  etwas  Gips  in  Hoffmeister ­
  sehen  Glassohälchen  im  Wasserbade  eingedampft,  der  Rückstand  samt  Schälchen ­
  zerrieben  und  nach  Kjehldahl  (S.  138)  verbrannt.  Die  Schafwolle  enthält  in
Prozenten  der  lufttrocknen  Rohwolle  0,4  bis  0,8  °/ 0  in  Wasser  löslichen  Stickstoff.
c)  Ammoniak  wird  in  200  ccm  nach  dem  Schlösingschen  Verfahren  bestimmt ­
  (vergl.  S.  142).  In  Prozenten  der  Rohwolle  sind  etwa  0,01—0,11  °/ 0  Ammoniak ­
  vorhanden.
d)  Kohlensäure:  3000  ccm  werden  zur  Trockne  eingedampft  und  in  dem
Rückstand  die  Kohlensäure  ermittelt  (vergl.  S.  15).
Die  Kohlensäure  ist  als  an  Kali  gebunden  zu  betrachten.  In  Prozenten  der
Trockensubstanz  des  Wasserextrakts  sind  etwa  1,7—6,0  °/ 0 ,  in  Prozenten  der  lufttrocknen ­
  Rohwolle  0,35—1,30  °/ 0  Kohlensäure  vorhanden.
1 )  Man  gibt  die  Wolle  in  eine  Spritzflasche,  in  welcher  das  bis  auf  den  Boden
reichende  Glasrohr  unten  eine  kleine  trichterförmige  Erweiterung  hat,  die  mit  Leinwand
umbunden  ist;  nach  hinreichender  Digestion  wird  jedesmal  die  wässerige  Lösung  wie  in
einer  Spritzflasche  abgespritzt  und  in  einem  größeren  Gefäß  gesammelt.  Auf  diese  Weise
gelangen  keine  Wollfasern  in  den  Auszug.
        <pb n="950" />
        Untersuchung  der  Schafwolle.

929

e)  Asche:  200  ccm  werden  in  einer  Silberschale  eingedampft,  der  Rückstand
verkohlt,  die  Kohle  mit  Wasser  ausgekocht,  die  Lösung  eingedampft  und  der  Rückstand ­
  mit  der  durch  Verbrennen  der  Kohle  erhaltenen  Asche  vereinigt.  Die  nähere
Untersuchung  der  Asche  erfolgt  nach  den  gewöhnlichen  Verfahren  der  Aschenuntersuchung ­
  (S.  200  u.  ff.).
6.  In  Alkohol  lösliche  und  schwerlösliche  Seifen.  Die  mit  Äther  und  Wasser
erschöpfte  Wolle  behandelt  man  mit  Alkohol.  Es  lösen  sich  in  demselben  noch  geringe ­
  Mengen  von  Seife.
Um  die  in  Wasser  und  Alkohol  un-  oder  schwerlöslichen  Seifen  der  Erdalkalien ­
  zu  entfernen,  läßt  man  der  Ausziehung  mit  Alkohol  noch  eine  solche  mit
verdünnter  Salzsäure  (im  Liter  4  ccm  konzentrierte  Salzsäure)  folgen.  Man  wäscht
mit  Wasser  nach,  bis  alle  Säure  entfernt  ist.  Der  Auszug  wird  eingedampft,  der
Rückstand  auf  heißem  Sande  im  luftverdünnten  Raum  getrocknet,  bis  sein  Gewibht
gleichbleibend  ist. 1 )
Die  genannten  Seifen  können  bei  der  Behandlung  mit  Salzsäure  zersetzt
werden;  um  die  Wolle  ganz  frei  von  Fettsäuren  zu  erhalten,  ist  es  daher  notwendig, ­
  der  Ausziehung  mit  Salzsäure  noch  eine  solche  mit  Alkohol  und  Äther
folgen  zu  lassen.
7.  Reine  Wollfaser  und  Schmutz.  Die  in  vorstehender  Weise  behandelte
Wollfaser  ist  frei  von  allen  löslichen  Bestandteilen,  aber  noch  verunreinigt  durch
Schmutz  (Sand-,  Futter-  und  Kotteilchen  usw.).  Man  entfernt  denselben  am  besten
durch  Schütteln  und  Zerzupfen  der  Wolle,  zuletzt  durch  Auslesen  mit  der  Pinzette.
Ein  geringer  Verlust  an  Wollfaser  ist  dabei  kaum  zu  vermeiden.  Es  ist  zweckmäßig,
den  ausgeschüttelten  und  ausgezupften  Schmutz  auf  einem  Bogen  Papier  zu  sammeln
und  auf  einem  engmaschigen  Siebe  mit  Wasser  zu  waschen.  Die  im  Schmutze  enthaltenen ­
  Wollfäserchen  ballen  sich  dabei  zusammen  und  lassen  sich  zum  größten
Teile  wiedergewinnen,  während  der  Sand  usw.  durch  die  Maschen  des  Siebes  fällt.
Die  Wollfaser  wird  im  Wasserstoff  ström  getrocknet  und  dann  gewogen.
Den  Gehalt  der  Wolle  an  Schmutz  bestimmt  man  aus  dem  Verluste.
In  der  reinen  Wollfaser  kann  ferner  bestimmt  werden:
a)  Asche  und  Sand;  ein  Teil  des  Rückstandes  von  der  nach  und  nach  erfolgten ­
  Behandlung  mit  Äther,  Wasser  usw.  (etwa  1 / 8  oder  1 / 4 )  wird  eingeäschert,
die  Asche  in  Salzsäure  gelöst,  ausgewaschen,  der  Rückstand  mehrmals  mit  einer
konzentrierten  Lösung  von  Natriumkarbonat  ausgekocht,  filtriert,  wieder  ausgewaschen ­
  und  der  Rückstand  als  Sand  gewogen.
Die  Asche  der  Wollfaser  und  die  des  wässerigen  Auszuges  geben  die  Gesamtasche; ­
  der  Aschengehalt  der  Wollfaser  beträgt  nur  0,08—0,40  °/ 0 .  Man  zerschneidet ­
  ferner  zur  Kontrolle  einen  Teil  der  Wolle  und  äschert  diesen  wie  üblich
direkt  ein.
b)  Stickstoff.  In  üblicher  Weise  nach  Kjeldahl  S.  138.  Wollfaser-Stickstoff ­
  +  Stickstoff  im  Wasserauszug  geben  Gesamt-Stickstoff;  nötigenfalls  verwendet
man  zur  Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffs  eine  gute  Mittelprobe  (2—3  g)  der  lufttrocknen ­
  Rohwolle  direkt  zur  Stickstoff-Bestimmung.
c)  Schwefel.  Ein  Teil  der  Wollfaser  wird  im  Silbertiegel  mit  Ätzkali  und
etwas  Salpeter  zusammengeschmolzen,  die  Schmelze  in  Salzsäure  gelöst  und  die
Schwefelsäure  wie  sonst  durch  Chlorbaryum  gefällt.
9  Bei  schmutzreichen  Wollen  gehen  durch  die  verdünnte  Salzsäure  nicht  unbeträchtliche ­
  Mengen  Kalk  in  Lösung.  Der  größte  Teil  desselben  rührt  vermutlich  nicht
von  Kalkseifen,  sondern  von  dem  im  Schmutze  enthaltenen  Kalkstaub  her.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

59
        <pb n="951" />
        930

Untersuchung  der  Schafwolle.

d)  Kohlenstoff,  Wasserstoff  nsw.:  durch  gewöhnliche  Elementaranalyse
unter  Anwendung  von  chromsaurem  Blei  mit  vorgelegtem  Kupferoxyd  und
metallischem  Kupfer.
M.  Märcker  und  E.  Schulze  finden  z.  B.  für  die  Elementarzusammensetzung ­
  der  asehenfreien  Wolle  im  Mittel:
49,71  °/ 0  C,  7,33%  H,  15,79%  N,  3,58%  S  und  23,59%  0.
e)  Spezifisches  Gewicht.  Das  spezifische  Gewicht  der  reinen  Wollfaser
wird,  wenn  nötig,  in  Schwefelkohlenstoff  bestimmt  und  in  üblicher  Weise  auf
Wasser  umgereohnet.
Als  Beispiel  für  die  Zusammensetzung  der  Schafwolle  können  folgende  Untersuchungen ­
  von  M.  Märcker  und  E.  Schulze  für  100  Teile  lufttrockne  Wolle  dienen:
Von
Landschafen
°/o
Wasser  23,48
Wollfett  (gereinigt  mit  Wasser)  7,17
_  (■  in  Wasser  löslich  (Wollschweiß)  .  .  .  21,18
.  Ur °  ■  I  „  Alkohol  löslich  0,35
s  u  enwoise  &amp;lt;  verdünnter  Salzsäure  löslich.  .  .  .  1,45
Behandlung  [  ”  Alkohol  und  lther  löslich  ...  0 ,29
Beine  Wollfaser  43,20
Schmutz  2,93

Kamhouület-Vollblnt-


“/«
12,28
14,66
21.83
0,55
5,64
0,57
20.83
23,64
        <pb n="952" />
        Bienenwachs.

Das  Bienenwachs,  ein  Verdauungserzeugnis  der  Biene  (Apis  mellifera)  aus
dem  gesammelten  Nektar  oder  Pollen,  wird  von  derselben  an  den  Eingen  des  Hinterleibes ­
  in  Form  von  dünnen  Blättchen  abgesondert  und  zum  Bau  der  sechseckigen
Zellen  benutzt,  welche  bestimmt  sind,  Brut  und  Honig  anfzunehmen.
Die  Wachse  anderer  Apis-Arten 1 )  weichen  in  ihrer  Zusammensetzung  beträchtlich ­
  von  dem  Wachse  von  Apis  mellifera  ab.
Behufs  Herstellung  der  Handelsware  werden  die  den  Körben  entnommenen
Waben  von  dem  Honig  durch  gelindes  Erwärmen,  Abpressen  oder  auch  durch
Zentrifugieren  entleert,  die  Wachsmassen  durch  Schmelzen  in  heißem  Wasser  von
noch  anhaftendem  Honig  und  Unreinigkeiten  befreit,  schließlich  die  geschmolzene
Masse  in  flache  Gefäße  ausgegossen  und  in  Form  von  Kuchen  (Wachsböden)  in  den
Handel  gebracht.
Als  solches  bildet  das  Wachs  eine  zitronengelbe,  oft  helle,  oft  mit  einem
Stich  ins  Graue  erscheinende  Masse  von  honigartigem  Geruch  und  balsamartigem
Geschmack.  Es  enthält  auch  stets  geringe  Mengen  von  Pollenkörnern.
Bei  niederer  Temperatur  ist  das  Wachs  spröde,  sein  Bruch  feinkörnig;  beim
Kauen  setzt  es  sich  nicht  an  die  Zähne;  in  Chloroform  und  Schwefelkohlenstoff  löst
es  sich  bei  geringem  Erwärmen  und  läßt  sich  leicht  mit  festen  und  flüssigen  Fetten
des  Tier-  und  Pflanzenreiches  zusammenmischen.  Äther  löst  bei  mittlerer  Temperatur ­
  nur  die  Hälfte  des  Wachses  auf,  Benzol  nur  etwa  20  °/ 0 .  Mit  verdünnten
Lösungen  der  kaustischen  und  kohlensauren  Alkalien  erhitzt,  läßt  es  sich  nicht
verseifen,  dagegen  wird  es  durch  alkoholische  Kalilauge  verseift,  wobei  Myricylalkohol
  frei  wird.
*)  D.  Hooper  (Apoth.-Ztg.  1904,  19,  699;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsund ­
  Genußmittel  1906,  9,  496)  fand  für  das  Wachs  von  Apis  dorsata,  A.  indica  und  A.  florea
aus  Britisch-Indien  folgende  Werte:
Schmelzpunkt  Säurezahl  Yerseifungszahl  Verhältniszahl
60,0—68,0  4,4—10,2  75,6—130,5  4,8—11,4.
Nach  G.  Büchner  (Chem.-Ztg,  1905,  29,  79)  kommen  diese  indischen  Gheddawaohse,
  welche  sich  durch  große  Plastizität,  hellere  Farbe  und  einen  besonders  beim
Verseifen  hervortretenden  feinen  Fliedergeruch  auszeichnen  sollen,  bereits  in  Deutschland
in  den  Handel.  36  Proben  dieser  Wachse  ergaben  folgende  Zahlen:
Säurezahl  Ätherzahl  Verseifungszahl  Verhältniszahl
5,33—12,20  75,23—111,45  81,77—120,17  7,4—17,9.
Er  fand  für  die  Gheddawachse  ferner  im  Durchschnitt  die  Jodzahl  10,  Schmelzpunkte
von  63—65°,  einen  Gehalt  an  Kohlenwasserstoffen  von  8,6  °/ 0  und  eine  Büchner  sehe  Zahl
von  1,5.
Ebenso  zeigt  nach  R.  Berg  (Chem.-Ztg.  1903,  27,  752)  das  Hummelwachs,  welches
fast  schwarz  und  etwas  klebrig  ist  und  einen  sehr  starken,  unangenehmen  Geruch  besitzt,
niedrige  Säure-,  Ester-  und  Verseifungszahlen,  dagegen  hohe  Refraktometerzahl,  Jodzahl
und  Buchnersche  Zahl.

59*
        <pb n="953" />
        932

Bienenwachs.

Auf  den  Siedepunkt  erhitzt,  verdampft  das  Wachs  teilweise,  indem  eine  weißliche ­
  Substanz,  die  sog.  Wachsbutter,  übergeht;  bei  stärkerem  Erhitzen  findet  eine
Zersetzung  statt,  ohne  daß  indes  Acrolein-Geruch  auftritt.
Durch  Bleichung  an  der  Sonne,  oft  unter  Zusatz  fremder  Körper,  wie  Weinstein, ­
  Alaun,  Borax  usw.,  wird  das  weiße  Wachs  erhalten,  welches  sich  dem  gelben
gegenüber  verhält  wie  ranziges  Fett  zu  frischem.  Neuerdings  wird  auch  durch
alleinige  Bleichung  mit  chemischen  Mitteln  (z.  B.  Kaliumbichromat  und  Schwefelsäure) ­
  weißes  Wachs  hergestellt.
Das  Bienenwachs  besteht  aus  einem  Gemisch  von  etwa  14  °/ 0  Cerotinsäure
und  etwa  86  °/ 0  Myrioin  (Palmitinsäure-Myricylester)  neben  geringen  Mengen  von
Kohlenwasserstoffen.
Verfälschungen.  Das  Wachs  kommt  sehr  häufig  verfälscht  in  den  Handel
Die  Verfälschungen  bestehen  vorwiegend  im  Zusatz  von  Talg,  Stearinsäure,  Paraffin,
Ceresin,  Japanwachs,  Karnaubawachs,  Erdwachs,  Harz  usw.;  hin  und  wieder  kommen
auch  grobe  Verfälschungen  durch  Zusatz  von  Wasser,  Mineralstoffen,  Stärke  usw.
vor.  P.  Lemaire 1 )  traf  im  Handel  auch  mehrfach  künstlich  gefärbtes  Wachs  an.
Zum  Nachweise  von  Wasser,  Mineralstoffen  usw.  (vergleiche  nachstehend  unter
No.  1)  verwendet  man  die  ungeschmolzene  Probe,  wie  sie  vorliegt,  und  schneidet
davon  mit  dem  Messer  feine  Späne  ab;  zu  allen  sonstigen  Bestimmungen  verwendet
man  die  durch  Schmelzen *  2  * )  und  Filtration  im  Wasserdampftrockenschranke  gereinigte ­
  Wachsmasse.
1.  Bestimmung  des  „Abganges“;  Prüfung  auf  Wasser,  mineralische  Beimengungen ­
  usw.  a)  Das  Eohwachs  enthält  meist  noch  geringe  Mengen  fremder  Bestandteile ­
  (Wasser,  Schmutzteile  usw.),  die  bei  der  Gewinnung  aus  den  Waben  nicht
vollständig  entfernt,  worden  sind.  Vielfach  wird  seitens  der  Wachsschmelzer  die
Aufgabe  gestellt,  diesen  sog.  „Abgang“  zu  bestimmen.  Hierbei  kommt  es  meist
nicht  so  sehr  auf  große  Genauigkeit  der  Ergebnisse,  als  vielmehr  darauf  an,  daß
sich  das  Verfahren  der  Praxis  des  Wachsschmelzens  möglichst  anschließt.
Zu  diesem  Zwecke  kocht  man  nach  E.  Berg 8 )  50—100  g  oder,  wenn  möglich, ­
  noch  mehr  Wachs  in  einer  geräumigen  Porzellanschale  unter  stetem  Umrühren
etwa  10  Minuten  mit  etwa  10  °/ 0  verdünnter  Schwefel-  oder  Oxalsäure  (1  :10).
Dann  läßt  man  die  Probe  in  Euhe  absitzen  und  erkalten  und  schabt  möglichst  vorsichtig ­
  etwa  anhaftenden  Schmutz  von  der  Unterseite  des  Wachskuchens  ab.  Der
Wachskuchen  wird  mit  Filtrierpapier  abgetrocknet,  einige  Stunden  im  Exsikkator
belassen  und  dann  gewogen.  Der  Schmutz  wird  nochmals  ein  paar  Minuten  lang
mit  der  Säure  zum  Sieden  erhitzt  und  das  hierbei  gewonnene  Wachs  zur  Hauptmenge ­
  hinzugefügt.
b)  Wasserbestimmung.  Enthält  ein  Wachs  größere  Mengen  Wasser,  so
kann  man  dieses  wie  in  der  Butter  (vergl,  S.  548)  bestimmen.  Ch.  B.  Davis 4  * )
4 )  E6p.  Pharm.  1904,  [3],  16,  356;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1905,  0,  631.
2 )  Unter  Umständen  empfiehlt  es  sich,  zur  Entfernung  von  Honigteilen  usw.  vorher
das  Wachs  auch  noch  mit  Wasser  auszukoohen.
Bei  Wachs,  welches  durch  Filtration  im  geschmolzenen  Zustande  nicht  vollkommen
klar  erhalten  werden  kann,  empfiehlt  G.  Büchner  (Chem.-Ztg.  1901,  ‘25,  21),  dieses  in
Chloroform  in  der  Wärme  zu  lösen,  dann  die  Lösung  zu  filtrieren  und  das  Chloroform  zu
verdunsten.
s )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  752.
4 )  Jonrn.  Americ.  Chem.  Soc.  1901,  23,  487;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsund ­
  Genußmittel  1902,  5,  215.
        <pb n="954" />
        Bienenwachs.

933

empfiehlt  für  die  Bestimmung  des  Wassers  im  Wachs  die  Verwendung  eines  bis  zur
halben  Höhe  mit  dickem  Filtrierpapier  beschickten,  hei  110°  getrockneten,  -weithalsigen ­
  Wägegläschens,  in  das  man  die  Wachsproben  hineingibt,  um  nach  dem
vollständigen  Trocknen  bei  110°  den  Gewichtsverlust  zu  bestimmen.
c)  Zur  Prüfung  auf  mineralische  Beimengungen  sowie  Stärke  usw.
werden  etwa  0,5  g  Wachs  in  5  ccm  Chloroform  unter  geringem  Erwärmen  gelöst.
Bei  Gegenwart  von  fremden  mineralischen  Körpern  oder  Stärke  verraten  sich  diese
Körper  durch  eine  starke  Trübung  oder  durch  einen  Bodensatz,  in  dem  die  Art  der
stärkehaltigen  Stoffe  durch  das  Mikroskop  leicht  nachzuweisen  sein  wird.
Durch  Veraschen  einer  anderen  Probe  Wachs  erfährt  man  den  Gehalt  an
mineralischen  Bestandteilen,  welche  letztere  auf  Gips,  Kreide,  Bleiglätte  usw.  zu
prüfen  sein  würden.
2.  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes.  Das  spezifische  Gewicht  wird  wie
bei  den  Fetten  (S.  517)  bestimmt 1 )  oder  in  der  Weise,  daß  durch  Vermischen  von
Alkohol  und  Wasser  eine  Flüssigkeit  hergestellt  wird,  in  der  ein  Stückchen  des  zu
prüfenden  Wachses  sich  bei  15°  in  der  Schwebe  erhält,  ohne  weder  an  die  Oberfläche ­
  zu  steigen,  noch  zu  Boden  zu  sinken.  Es  ist  darauf  zu  achten,  daß  an  dem
eingetauchten  Stückchen  keine  Luftbläschen  haften  bleiben.
Das  spezifische  Gewicht  des  gelben  und  weißen  Wachses  liegt  zwischen
0,965—0,975,  jedoch  scheint  es  auch  bei  manchen  Sorten  bis  0,955  herabzusinken.
Zusätze  von  Stearinsäure,  Japanwachs  und  Karnaubawachs  erhöhen  das  spezifische
Gewicht,  solche  von  Paraffin,  Ceresin  und  Talg  erniedrigen  es.
3.  Bestimmung  des  Schmelzpunktes.  Die  Ermittelung  desselben  geschieht,
wie  bei  festen  Fetten  (S.  518)  beschrieben  ist,  mittels  eines  an  einem  Thermometer
befestigten  Kapillarröhrchens.
Der  Schmelzpunkt  des  gelben  Wachses  liegt  zwischen  63,5—64,5°,  der  des
weißen  Wachses  zwischen  64—65°.
4.  Bestimmung  der  Kefraktion.  Die  Bestimmung  geschieht  in  derselben
Weise  wie  bei  den  Speisefetten  mittels  des  Zeißsehen  Butter-Refraktometers  (vergl.
S.  520),  doch  bedarf  man  dafür  eines  Thermometers,  welches  noch  Temperaturen
von  75—80°  anzeigt,  da  die  Bestimmung  der  Refraktion  wegen  des  hohen  Schmelzpunktes ­
  bei  etwa  70°  vorgenomraen  werden  muß.  J.  Werder 1  2 )  und  R.  Berg 3  4 )
fanden  für  Bienenwachs  und  verschiedene  Verfälschungsmittel  folgende  (bei  84°  bestimmte) ­
  auf  40°  reduzierte  Refraktometer-Zahlen:
wS'  wachs  Parafto  Ceresin  ^
J.  Werder  42,6—45,4  47,0  66,0  25,5  41,0  30,0  1
R.  Berg  .  42,9-45,9  47,6-49,7  65,7—69,0  23,6-30,8  32,2—42,2  29,8-33,3/  4o ~ 0U
Hiernach  ist  die  refraktometrische  Prüfung,  die  für  reines  Bienenwachs  meist
Werte  von  44—45  ergibt,  eine  wertvolle  Vorprobe,  bei  der  sich  z.  B.  größere
Beimengungen  von  Paraffin-  und  Stearinsäure  durch  eine  Erniedrigung,  Karnaubawachs ­
  dagegen  durch  eine  Erhöhung  der  Refraktometerzahl  zu  erkennen  geben.
Die  Bleichung  des  Wachses  ist  nach  J.  Werder  auf  die  Refraktion  ohne  Einfluß,
so  daß  weißes  und  gelbes  Wachs  dieselben  Refraktometerzahlen  zeigen.

1 )  H.  Mastbaum  (Zeitschr.  f.  angew.  Chem.  1902,  15,  929)  bedient  sich  zur  Bestimmung ­
  des  spezifischen  Gewichtes  eines  abgeänderten  Regnaultschen  Pyknometers.
2 )  Chem.-Ztg.  1898,  22,  59,
3 )  Ebenda  1903,  27,  752.
4 )  Nach  S.  544  und  545  hinzugesetzt.
        <pb n="955" />
        934

Bienenwachs.

5.  Bestimmung  der  Jodzahl.  Für  den  Nachweis  von  Talg  und  Harz  leistet
auch  die  Bestimmung  der  Jodzahl  unter  Umständen  gute  Dienste.  R.  Berg 1 )
empfiehlt  für  diese  Bestimmung  folgendes  Verfahren:  0,75  g  Wachs  werden  mit
40  ccm  Chloroform  hei  wenigstens  20°  gelöst  und  darauf  25  ccm  Hüblsche  Jodlösung ­
  hinzugesetzt,  wobei  gewöhnlich  das  Wachs  schon  teilweise  wieder  ausfällt,
was  indes  auf  die  Bestimmung  nicht  von  Einfluß  ist.  Nachdem  die  Lösung  mindestens ­
  12  Stunden  gestanden,  wird  in  der  üblichen  Weise  (S.  531)  die  Bestimmung
zu  Ende  geführt.
Die  Jodzahlen  des  Wachses  und  der  verschiedenen  Fälschungsmittel  sind
folgende:

Gelbes
Wachs

6-Weißes


Wadis

.Tap  anwachs ­


Karnaubawachs


Harz

Paraffin  Ceresin  („Stearin“  Talg 1  2
des  Handels)
13  1— 1 7 6 )  8,5—10,5  4,8—9  1,7—3,1  0—0,6  4-25  35-48  100—180 4  5 )
6.  Bestimmung  der  Säurezahl,  Esterzahl  und  Yerseifungszahl.  Zum  Nachweise ­
  der  Reinheit  hezw.  eines  Zusatzes  fremder  fettartiger  Stoffe  ist  die  Bestimmung
der  freien  Säure  und  die  Yerseifungszahl  des  Palmitinsäure-Esters  von  größtem
Wert,  da  die  Menge  des  zur  Neutralisation  der  freien  Säure  verwendeten  Kalihydrates, ­
  sowie  des  zur  vollständigen  Verseifung  verbrauchten  Kalihydrates  und
ferner  das  Verhältnis  dieser  erhaltenen  Zahlen  zueinander  bei  reinem  Bienenwachs
konstante  Werte  sind  oder  doch  nur  innerhalb  ganz  geringer  Grenzen  schwanken.
Nach  von  Hühl  werden  von  dem  durch  Umschmelzen  gereinigten  Wachs
3—4  g  in  einem  Erlenmeyer-Kolben  mit  20  ccm  Alkohol  von  95  °/ 0  im  Wasserbade
zum  Sieden  erhitzt,  mit  einigen  Tropfen  Phenolphthalein-Lösung  versetzt  und  siedend
heiß  unter  tüchtigem  ümschwenken  mit  alkoholischer  1 / 2  N.-Kalilauge, r&amp;gt; )  wie  sie
zur  Bestimmung  der  Köttstorfer  sehen  Zahl  verwendet  wird  und  die  vorher  gegen
1 / 2  N.-Salzsäure  eingestellt  sein  muß,  titriert.  Da  häufig  während  dieser  Operation
bereits  ein  Festwerden  der  Masse  eintritt,  muß  man  die  schwach  rot  erscheinende
Flüssigkeit  nochmals  erwärmen  und,  falls  die  Färbung  verschwindet,  noch  so  viel
Kalilauge  zusetzen,  bis  die  rötliche  Farbe  in  der  Flüssigkeit  bestehen  bleibt.
Die  auf  diese  Weise  zur  Sättigung  der  freien  Säure  für  1  g  des  angewendeten
Wachses  gebrauchten  Milligramme  Kalihydrat  (KOH)  bezeichnet  man  als  Säurezahl,
Hierauf  fügt  man  noch  25—35  ccm  derselben  Kalilauge  hinzu,  erwärmt  behufs ­
  vollständiger  Verseifung  unter  Ersatz  des  verdampften  Alkohols  durch  neutralen
Alkohol  noch  3 / 4 —1  Stunde  auf  dem  Drahtnetze  oder  auf  der  Asbestplatte  und
titriert  siedend  heiß  unter  tüchtigem  Umschwenken  und  nötigenfalls  unter  wiederholtem ­
  Erwärmen  den  Überschuß  des  Alkalis  durch  x / 2  N.-Salzsäure  zurück.
Die  zur  Verseifung  der  Ester  von  1  g  Wachs  erforderlichen  Milligramme
Kalihydrat  (KOH)  bezeichnet  man  als  Äther-  oder  Esterzahl.
Säurezahl  +  Esterzahl  ergehen  die  Yerseifungszahl.
Neuerdings  ist  in  der  Literatur 6 )  mehrfach  darüber  gestritten  worden,  in  welcher
Weise  die  Verseifung  ausgeführt  werden  muß,  um  die  richtigen  Ester-  hezw.  Verseifungs-1

 )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  762.
2 )  Nach  S.  544—545  hinzugesetzt.
3 )  Die  Jodzahlen  schwanken  je  nach  der  Art  des  Bleichverfahrens.
4 )  Sehr  schwankend.
5 )  Es  empfiehlt  sich  nach  G.  Büchner  (Chem.-Ztg.  1901,  25,  21),  zur  Herstellung
der  alkoholischen  Kalilauge  absoluten  Alkohol  zu  verwenden  und  ferner  zur  Lösung  des
Wachses  etwa  80—100  ccm  96°/ 0 -igen  Alkohol  zu  verwenden.
6 )  Chem.-Ztg.  1891,  15,  476;  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chem.  1904,  10,  404  und  1905,  11,
6  u.  68;  ferner  Chem.-Ztg.  1903,  27,  752  und  1905,  29,  32.
        <pb n="956" />
        Bienenwachs.

935

zahlen  zu  erhalten;  namentlich  sollen  hei  ceresin-  und  paraffinhaltigem  Wachs  die  Zahlen
zu  niedrig  ausfallen,  wenn  man  nur  eine  Stunde  lang  verseift.  Man  wird  daher  unter
Umständen  gut  tun,  bei  gefundenen  niedrigen  Ester-  bezw.  Verseifungszahlen  länger  zu
erhitzen  —  von  einigen  Autoren  wird  4—8-stündiges  Erhitzen  für  erforderlich  gehalten  —
oder,  wie  G.  Büchner 1 )  vorschlägt,  durch  zeitweise  Konzentration  der  Flüssigkeit  —
mittels  aufgesetzten  Soxhletschen  Extraktionsapparates  mit  Kugelkühler  —  die  Verseifung ­
  zu  beschleunigen.
Bei  gelbem  Bienenwachs  liegt  die  Säurezahl  im  allgemeinen  zwischen
19—21  und  die  Esterzahl  zwischen  73—76;  das  Verhältnis  dieser  beiden  Zahlen,
die  sog.  Verhältniszahl,  liegt  im  allgemeinen  zwischen  1:3,6—1:3,8  und  beträgt ­
  im  Ättel  1  :  3,75.
Bei  weißem  Bienenwachs  steigt  die  Säurezahl  bis  24 *  2 ),  die  Esterzahl  ist
74,5—76,5;  im  Durchschnitt  betragen  die  Zahlen  jedoch  auch,  wie  bei  gelbem
Bienenwachs,  20  bezw.  75,  so  daß  auch  die  Verhältniszahl  1  :  3,75  bestehen  bleibt.
Bei  den  meisten  Stoffen,  die  zur  Verfälschung  des  Bienenwachses  dienen,  sind
die  nach  dem  Hü  bl  sehen  Verfahren  erhaltenen  Werte  wesentlich  andere,  wie  folgende
Tabelle  zeigt:

Gegenstand;

Säurezahl

Esterzahl

Verhältniszahl

Gelbes  Bienenwachs

19—21

73—76

1:3,75

Weißes  Bienenwachs

20—24

74,5—76,6

1  :  3,75

Japanwachs

20

200

1:  10

Verfälschungs ­
 ­
  :

Karnaubawachs

4

75

1:19

Talg
Stearinsäure

4
195

176
0

1:44
195;  0

Harz  .  .

110

1,6

1:0,015

Paraffin,  Ceresin

0

0

o

Bei  der  Beurteilung  der  Bienenwachse  auf  Grund  der  vorstehenden  Zahlen
sind  folgende  Fälle  zu  unterscheiden:
1.  Ergibt  die  Untersuchung  eines  Wachses  für  reines  Bienenwachs  normale
Zahlen  und  sind  auch  spezifisches  Gewicht  und  Schmelzpunkt  nicht  abweichend,  so
darf  man  die  Probe  in  der  Regel  als  rein  ansehen.  Doch  kommen  nach  G.  Büchner
auch  „Gewerbewachs“  genannte  Wachskompositionen  aus  Stearinsäure  und  Preßtalg
  bezw.  Japantalg  und  Ceresin  oder  Paraffin  vor,  die  normale  oder  doch  annähernd ­
  normale  Säure-,  Ester-,  Verseifungs-  und  Verhältniszahlen  zeigen;  man
erkennt  diese  Verfälschungen  durch  die  Bestimmung  der  Buchnerschen  Zahl
(vergl.  No.  7).
2.  Liegt  die  Esterzahl  wesentlich  unter  73,  die  Säurezahl  unter  19,  und  verhalten ­
  sich  die  gefundenen  Zahlen  dennoch  ungefähr  wie  1  :3,75,  so  deutet  der  Befund ­
  auf  Zusatz  eines  indifferenten  Körpers  (Paraffin  oder  Ceresin)  hin.
3.  Ist  das  Verhältnis  wesentlich  größer  als  1  :  3,75,  also  die  Esterzahl  eine
höhere,  so  ist  ein  Zusatz  von  Japanwachs,  Karnaubawachs  oder  Talg  anzunehmen.
4.  Erhält  man  bei  gelbem  Wachs  eine  höhere  Säurezahl  als  24,  so  daß  das
Verhältnis  wesentlich  kleiner  wird  als  1  :3,75,  so  ist  ein  Zusatz  von  Harz  oder
Stearinsäure  anzunehmen.

9  Chem.-Ztg.  1905,  29,  32.
2 )  Bei  chemisch  gebleichtem,  reinem  Wachs  fanden  L.  Medien  s  und  C.  A.  Wellenstein
(Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  1092)  sogar  eine  Zunahme
der  Säurezahl  von  18,88  auf  24,71  und  ein  Sinken  der  Verhältniszahl  von  3,85  auf  2,95  °/ 0 .
        <pb n="957" />
        936

Bienenwachs,

Deuten  vom  reinen  Bienenwachs  abweichende  Zahlen  auf  eine
Verfälschung  hin,  so  ist  unter  Berücksichtigung  der  vorstehend  unter
2—4  aufgeführten  Hinweise  nach  den  weiter  unten  angegebenen  Verfahren ­
  auf  den  vermutlich  zugesetzten  Stoff  näher  zu  prüfen.
Hehn  er  verfährt  in  ähnlicher  Weise,  jedoch  unterscheidet  sich  sein  Verfahren  von
dem  Hüb  Ischen  dadurch,  daß  er  statt  des  Äthylalkohols  Methylalkohol  verwendet  und  die
Ergebnisse  nicht  in  Milligramm  KOH  angibt,  sondern  die  in  der  Probe  enthaltenen  Gewichtsprozente ­
  Cerotinsäure  und  Myricin  unter  der  Annahme  berechnet,  daß  1  ccm  N.-Lauge
0,41  g  Cerotinsäure  neutralisiert  und  0,676  g  Myricin  verseift.  Dabei  wurden  gefunden:
Cerotinsäure  .  .  .  12,17—15,91  °/ 0 ,  im  Durchschnitt  14,40  °/ 0 .
Myricin  85,95—96,02  „  „  „  88,09  „
7.  Bestimmung  der  Bnchnersehen  Säurezahl.  Zum  Nachweise  von  sog.
Wachskompositionen,  auch  „Gewerbewachs“  genannt,  die  aus  Gemischen  von  Stearinsäure, ­
  Preßtalg  oder  Japantalg  und  Ceresin  oder  auch  Paraffin  bestehen  und  normale
oder  doch  annähernd  normale  Säure-,  Ester-,  Verseifungs-  und  Verhältniszahlen
haben,  hat  G.  Büchner 1 )  ein  Verfahren  beschrieben,  das  unter  Umständen  sogar
gestattet,  ungefähr  die  Menge  der  Kompositionen  zu  bestimmen.  Es  beruht  darauf,
daß,  wenn  man  reines  Bienenwachs  mit  heißem  80  °/ 0 -igem  Alkohol  behandelt,  nach
dem  Erkalten  des  Alkohols  nur  eine  geringe  Menge  Cerotinsäure  in  Lösung  bleibt,
während  bei  Gegenwart  von  Stearinsäure  und  Harzkompositionen  größere  Mengen
von  Stearinsäure  und  Harzsäuren  in  Lösung  bleiben.  Man  verfährt  folgendermaßen;
In  ein  Eundkölbchen  bringt  man  5  g  Wachs,  setzt  100  ccm  80°/ 0 -igen
Alkohol  (850  ccm  96  °/ 0 -iger  Alkohol  +  190  ccm  Wasser)  hinzu,  stellt  das  Gesamtgewicht ­
  fest,  erwärmt  bis  zum  schwachen  Sieden  und  erhält  unter  öfterem  Umschütteln ­
  5  Minuten  auf  dieser  Temperatur.  Alsdann  bringt  man  den  Kolben  unter
beständigem  Umschütteln  in  kaltes  Wasser  und  läßt  darin  stehen,  bis  der  Kolbeninhalt ­
  Zimmertemperatur  angenommen  hat.  Der  Kolben  wird  auf  die  Wage
gebracht  und  mit  80  °/ 0 -igem  Alkohol  auf  das  ursprüngliche  Gewicht  ergänzt.
Darauf *  2  *  *  * )  filtriert  man  durch  ein  Ealtenfilter  und  titriert  50  ccm  des  Filtrates  mit
alkoholischer  1 / 10  N.-Kalilauge  unter  Anwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator.
Büchner  fand  auf  diese  Weise  folgende  „Säurezahlen“:
Reines  Bienenwachs  Palmen-  Karnanba-  T( ,nantoin-  Preß-  Kolo-  Stearingelb ­
  weiß  wachs  wachs  Japa  uai,,  talg  phoninm  säure
ccm  !/ 10  KOH;  3,6-3,9  3,7—4,1  1,7—1,8  0,76—0,87  14,93—15,3  1,1  150,3  65,8
8.  Nachweis  und  Bestimmung  von  Paraffin  und  Ceresin.  a)  Für  den  qualitativen ­
  Nachweis  ist  das  Verfahren  von  S.  Weinwurm 8 )  empfehlenswert.
Man  verfährt  in  folgender  Weise:
5  g  Bienenwachs  werden  mit  25  ccm  alkoholischer  1 / 2  N.-Kalilauge  vollständig ­
  verseift;  die  verseifte,  durch  Abdampfen  von  Alkohol  vollständig  befreite
Masse  wird  mit  20  com  konzentriertem  Glyzerin  versetzt,  bis  zur  vollständigen
Lösung  im  Wasserbade  erwärmt,  noch  einige  Zeit  darin  weiter  erwärmt  und  dann
werden  100  ccm  kochend  heißes  Wasser  hinzugefügt.  Bei  reinem  echten  Bienenwachs ­
  ist  die  erhaltene  Lösung  mehr  oder  weniger  klar,  durchsichtig  bis  durchr ­

 )  Chem.-Ztg.  1895,  19,  1422.
2 )  Nach  R.  Berg  (Chem.-Ztg.  1903,  27,  752)  empfiehlt  es  sich,  erst  nach  12  Stunden,
während  deren  Verlauf  man  einige  Male  schüttelt,  zu  filtrieren,  da  man  anderenfalls,  wahrscheinlich ­
  infolge  Entstehung  mit  Cerotinsäure  übersättigter  Lösungen,  zu  hohe  Zahlen  erhält.
a )  Chem.-Ztg.  1897,  21,  619.
        <pb n="958" />
        Bienenwachs.

937

scheinend,  so  daß  ein  mit  normaler  Letterngröße  bedrucktes,  unter  den  Kolben  gelegtes ­
  Papier  durch  die  Lösung  vollständig  leserlich  ist;  bei  Vorhandensein  von  nur
6°/ 0  fremden  Kohlenwasserstoffen  (oder  Harz)  ist  die  Lösung  trübe  und  das  Lesen
der  Druckschrift  durch  diese  nicht  mehr  möglich.  Ein  Zusatz  von  8  °/ 0  Ceresin
bringt  schon  einen  starken  Mederschlag  hervor.
Nach  E.  Berg 1 )  geben  auch  die  an  Myricylalkohol  reichen  Wachse  anderer  Apis-Arten
  hierbei  eine  Trübung.  J.  Lewkowitsch *  2  3 )  weist  ferner  darauf  hin,  daß  auch  Zusätze ­
  von  Insektenwachs  und  Karnaubawachs  eine  trübe  Lösung  geben,  so  daß  z.  B.  Gemische ­
  aus  gleichen  Teilen  Bienenwachs  und  Insektenwaohs  oder  Karnaubawachs  ebenso
starke  Trübungen  geben,  wie  reines  Bienenwachs,  das  5  °/ 0  Paraffin  enthält.  Auf  die  von
E.  Berg  angegebenen  Anhaltspunkte  zur  Unterscheidung  von  Paraffin  und  Ceresin  sei  hier
gleichfalls  hingewiesen.
h)  Für  die  quantitative  Bestimmung  der  Kohlenwasserstoffe  im
Bienenwachs  empfiehlt  sich  das  Verfahren  von  A.  und  P.  Buisine, 8 )  das  in  folgender ­
  Weise  ausgeführt  wird:
2—10  g  geschmolzenes  W T achs  werden  mit  Kali-Kalk  verseift,  die  Seife  nach
dem  Erkalten  gepulvert,  mit  der  dreifachen  Menge  Kali-Kalk  gemischt  und  diese
Mischung  in  einer  birnenförmig  aufgeblasenen  Eprouvette  2  Stunden  bei  250°  erhitzt. ­
  Dann  läßt  man  erkalten,  pulvert  die  festgebackene  Masse  erst  für  sich,
später  auch  die  Eprouvette,  und  zieht  das  Pulver  mehrere  Stunden  im  Soxhletschen
  Extraktionsapparat  mit  Petroläther  aus.  Letzterer  wird  verdunstet  und  die
Kohlenwasserstoffe  werden  bei  110°  getrocknet  und  gewogen.
Der  Kohlenwasserstoffgehalt  von  echtem  gelben  Bienenwachs  schwankt  nach  den
Untersuchungen  von  A.  und  P.  Buisine  zwischen  12,72—13,78°/ 0  und  nach  L.  P.  Kehler
zwischen  12,5  und  14,5°/ 0 .  C.  Ahrens  und  P.  Hett 4 )  haben  nach  einem  etwas  abgeänderten ­
  Verfahren  von  A.  und  P.  Buisine  in  12  Proben  Bienenwachs  12,7—17,6°/ 0
Kohlenwasserstoffe  gefunden.
9.  Nachweis  von  Glyzeriden  (Talg  usw.).  Größere  Mengen  von  Glyzeriden
geben  sich  durch  eine  erhöhte  Ester-  hezw.  Verseifungszahl  zu  erkennen.
Der  bestimmte  Nachweis  geringer  Mengen  sowie  die  quantitative  Bestimmung
gründen  sich  auf  den  Nachweis  des  Glyzerins  hezw.  auf  dessen  quantitative  Bestimmung. ­

G.  Büchner 5  *  * )  verfährt  zum  Nachweise  der  Glyzeride  wie  folgt:  Der  Verseifungsrückstand
  von  der  Bestimmung  der  Verseifungszahl  nach  von  Hühl  wird
in  einer  Porzellanschale  auf  dem  Wasserhade  vom  Alkohol  befreit,  der  Rückstand
mit  Wasser  aufgenommen  und  filtriert.  Das  Filtrat  wird  eingeengt,  mit  Kaliumbisulfat
  versetzt  und  in  bekannter  Weise  geprüft,  ob  sich  Akrolein  entwickelt.
Wenn  größere  Mengen  von  Glyzeriden  vorhanden  sind,  kann  der  Nachweis  des
Akroleins  auch  direkt  durch  Vermischen  des  Wachses  mit  Kaliumhisulfat  geschehen.
Soll  die  Menge  des  Glyzerins  quantitativ 8 )  bestimmt  werden,  so  verfährt  man

4 )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  752.
2 )  J.  Lewkowitsch,  Chemische  Technologie  und  Analyse  der  Öle,  Fette  und  Wachse.
Braunschweig  1905,  Fr.  Vieweg  &amp;amp;  Sohn,  2,  491.
3 )  Vergl.  K.  Mangold,  Chem.-Ztg.  1891,  15,  797.
4 )  Zeitschr.  f.  öffentl.  Chem.  1899,  5,  91.
5 )  Chem.-Ztg.  1901,  25,  21.
6 )  Die  beiden  nachstehend  genannten  Verfahren  sind  beschrieben  in  J.  Lewkowitsch, ­
  Chemische  Technologie  und  Analyse  der  Öle,  Fette  und  Wachse,  Braunschweig
1905,  Fr.  Vieweg  &amp;amp;  Sohn,  1,  306  ff.
        <pb n="959" />
        938

Bienenwachs.

nach  dem  Verfahren  von  Benedikt  und  Zsigmondy 1 )  oder  dem  Azetinverfahren
von  Benedikt  und  Cantor. *  2  3  4  * )
10.  Nachweis  von  Stearinsäure.  Größere  Mengen  von  Stearinsäure  —  hezw.
von  technischem  „Stearin“,  welches  neben  Stearinsäure  stets  Palmitinsäure  und
auch  etwas  Ölsäure  enthält  —•  in  einem  Wachs  gehen  sich  durch  die  Erhöhung  der
Säurezahl  nach  von  Hühl  und  der  Buchnerschen  Zahl  (vergl.  unter  No.  7)  zu
erkennen,  doch  ist  zu  berücksichtigen,  daß  auch  ein  Harz-  (Colophonium-)  Gehalt
die  Säurezahl  stark  erhöht.  Zum  Nachweise  geringer  Mengen  Stearinsäure  dient
das  von  H.  Röttger 8 )  ahgeänderte  Eehlingsche  Verfahren:
1  g  Wachs  wird  mit  10  ccm  80°/ 0 -igem  Alkohol  einige  Minuten  in  einem
Eeagensrohre  gekocht.  Nach  dem  Ahkühlen  wird  die  alkoholische  Lösung  filtriert
und  das  Filtrat  mit  Wasser  oder  nach  G.  Büchner 1 )  noch  besser  mit  alkoholischer
Bleiacetat-  oder  Chlorcalcium-Lösung  verdünnt.  Reine  Wachse  gehen  eine  klare
oder  nach  1—2  Stunden  höchstens  eine  leicht  opalisierende  Lösung.  Mit  1  °/ 0
Stearinsäure  versetzte  Wachse  dagegen  gehen  schon  eine  durch  heim  Schütteln  sich
flockig  abscheidende  Stearinsäure  getrübte  Flüssigkeit;  doch  ist  hierbei  zu  beachten,
daß  auch  Colophonium  eine  (milchige)  Trübung  gibt,  und  daß  in  chemisch  gebleichten
weißen  Wachsen  unter  Umständen  geringe  Mengen  von  Fettsäuren  vorhanden  sind,
die  dann  eine  ähnliche  Trübung  geben,  als  wenn  geringe  Mengen  Stearinsäure  zugesetzt ­
  wären.
11.  Nachweis  von  Harz  (Colophonium).  Hierfür  emphielt  sich  in  erster  Linie
die  Storchsche  Reaktion  (vergl.  S.  952),  die  man  entweder  mit  dem  Wachs  selbst
oder  mit  dem  durch  Ausziehen  mit  50°/ 0 -igem  Alkohol  und  Eindunsten  des  erkalteten, ­
  filtrierten  Alkohols  gewonnenen  Rückstand  anstellt.  Man  erkennt  einen
Harzgehalt  aber  auch  schon  an  der  Trübung,  welche  entsteht,  wenn  man  den
filtrierten  Auszug  mit  50°/ o -igem  Alkohol  mit  dem  gleichen  Volumen  Wasser  versetzt.
Von  anderer  Seite  wird  zum  Nachweise  von  Harz  auch  die  Donathsohe  Reaktion
empfohlen;
5  g  Substanz  werden  mit  20  ccm  roher  Salpetersäure  (spezifisches  Gewicht  1,32  bis
1,33)  zum  Sieden  erhitzt  und  darauf  mit  einem  gleichen  Volumen  Wasser  verdünnt.  Nach
Zusatz  von  so  viel  Ammoniak,  daß  die  Flüssigkeit  darnach  riecht,  erscheint  letztere  bei
Gegenwart  von  Harz  infolge  gebildeter  Nitrokörper  mehr  oder  weniger  rot  bis  rotbraun,
während  reines  Wachs  nur  eine  hellgelb  gefärbte  Flüssigkeit  liefert.
Größere  Mengen  von  Colophonium  geben  sich  auch  schon  durch  den  Geruch
in  der  erwärmten  Probe  zu  erkennen.
12.  Nachweis  von  Pllanzenwachs  (Karnaubawachs  und  Japauwachs),  Wollwachs
  und  Insektenwachs,  a)  Ein  Zusatz  von  Karnaubawachs  zum  Bienenwachs
gibt  sich  außer  durch  die  Erniedrigung  der  Säurezahl  durch  die  beträchtliche  Erhöhung ­
  der  Refraktometerzahl  (vergl.  No,  4,  S.  933)  und  des  Schmelzpunktes  zu
erkennen.  Nach  R.  Berg 6 )  beginnen  mit  Karnaubawachs  verfälschte  Proben  hei
etwa  68—70°  an  zu  schmelzen,  sind  aber  bei  79—80°  noch  nicht  ganz  flüssig.
Ferner  erhält  man  bei  Gegenwart  von  Karnaubawachs  eine  positive  Weinwurmsche
  Reaktion  (vergl.  oben  unter  No.  8,  S.  936).

9  Chem.-Ztg.  1885,  9,  976.
2 )  Zeitschr.  f.  angew.  Cbem.  1888,  460;  vergl.  auch  J.  Lewkowitsch,  Chem.-Ztg.
1889,  1B,  13,  93,  191  u.  659.
3 )  Chem.-Ztg.  1890,  14,  606.
4 )  Ebenda  1901,  25,  21.
6 )  Ebenda  1903,  27,  752.
        <pb n="960" />
        Bienenwachs.

939

b)  Japan  wachs  (Japantalg)  gibt  sich  durch  eine  erhöhte  Ester-  und  Verhältniszahl
  zu  erkennen.
c)  Wollfett  bezw.  Wollwachs  erkennt  man  an  dem  Vorhandensein  von
größeren  Mengen  von  Cholesterin  und  Isocholesterin  —  geringe  Mengen  Cholesterin
kommen  auch  in  Talg  und  „Stearin“  vor  —  mittels  der  Hager-Salkowskischen
oder  der  Liebermannschen  Cholestol-Eeaktion  (vergl.  S.  952)  und  durch  die
Kristallform  (vergl.  S.  537).
d)  Insektenwachs  (Chinesisches  Wachs)  von  Coccus  ceriferus.  Seine  Gegenwart ­
  erniedrigt  die  Säurezahl  und  erhöht  die  Verhältniszahl  des  Bienenwachses;
ferner  fällt  bei  Anwesenheit  von  Insekteuwachs  auch  die  Weinwurmsche  Probe
(vergl.  oben  unter  No.  8,  S.  936)  positiv  aus.
e)  Schließlich  sei  hier  nochmals  (vergl.  S.  931  Anmerkung  1)  darauf  hingewiesen, ­
  daß  sich  die  Wachse  mancher  fremdländischen  Apis-Arten,  z.  B.  die
Gheddawachse,  ferner  das  Hummelwachs  vom  echten  Wachse  der  Honigbiene  (Apis
mellifera)  in  ihrer  Zusammensetzung  wesentlich  unterscheiden;  jene  Wachse  können
aber  nicht  als  echte  Bienenwachse  angesehen  werden.
        <pb n="961" />
        Schmiermittel.

Die  Schmiermittel  sind  entweder  fest  hezw.  von  salbenartiger  Konsistenz
oder  flüssig.
Die  festen  Schmierfette,  welche  hauptsächlich  zum  Schmieren  von
Wagenachsen  Verwendung  finden,  sind  meist  Gemische  von  Teer,  Destillationsrückständen ­
  der  Petroleumraffinierung,  Harz  und  Harzöl  mit  10—30  °/ 0  Ätzkalk
(hezw.  Kalkseifen),  auch  wohl  Ton,  Wollschweißfett  oder  Eühölsatz  von  der  Raffinierung ­
  des  Eüböls  mit  Schwefelsäure.
Zum  Schmieren  von  Maschinenteilen  finden  Verwendung:
a)  Pflanzliche  und  tierische  Fette  und  öle,  und  zwar  von  ersteren
vorwiegend  Eühöl,  Olivenöl,  Rizinusöl,  von  letzteren  Knochenöl,  Spermazetiöl,  Talg.
h)  Mineralöle.  Von  diesen  kommen  vorwiegend  die  von  250—300°  siedenden
Anteile  des  Rohpetroleums  und  der  Schieferöle  in  Betracht.
Die  billigen,  für  Eisenbahnwagen  benutzten  Schmieröle  bestehen  nur  zum
geringeren  Teile  aus  raffinierten  Destillaten,  vielmehr  zum  größten  Teile  aus
raffinierten  Rückständen.  Die  Raffinierung  geschieht  mit  konzentrierter  Schwefelsäure ­
  unter  Einblasen  von  Luft  und  durch  nachherige  Entfernung  der  Säure  durch
Waschen  mit  Laugen  hezw.  Wasser.
c)  Gemische  der  unter  a  und  b  genannten  öle,  z.  B.  Gemische  von  Eühöl
und  Paraffinöl  unter  dem  Namen  „Vulkanöl“  oder  solche  von  Klauenöl  und  Harzöl
als  „Kodöl“.
d)  Als  minderwertige  Schmieröle,  die  häufiger  den  unter  a  und  b  genannten ­
  Schmierölen  beigemischt  werden,  sind  zu  nennen  die  Harzöle,  die  bei  der
Destillation  des  Colophoniums  gewonnen  werden,  und  die  Teer  öle.  Zu  letzteren
gehören  die  Steinkohlenteeröle,  nämlich  die  zwischen  240—350°  übergehenden
Anteile  des  Steinkohlenteers,  und  die  hochsiedenden  Braunkohlenteeröle.
Ein  gutes  Schmieröl  soll  folgende  Eigenschaften  besitzen;  es  soll;
1.  die  Reibung  möglichst  vermindern  und  zu  dem  Zweck  einen  hinreichenden  Grad
von  Schlüpfrigkeit  besitzen,
2.  an  der  Luft  nicht  verharzen,
3.  keine  chemische  Wirkung  auf  die  Metallteile  ausüben,  also  weder  sauer  sein  noch
zum  Sauerwerden  neigen,
4.  einen  gewissen  Grad  von  Zähflüssigkeit  (Viskosität)  besitzen,  so  daß  es  weder
zwischen  den  reibenden  Flächen  herausgepreßt  noch  bei  schneller  Bewegung  herausgeschleudert ­
  wird.
6.  sein  Volumen  und  seinen  Flüssigkeitszustand  durch  Temperaturwechsel  nicht
wesentlich  verändern;  es  soll  also  hei  niederen  Temperaturen  flüssig  bleiben  und  bei  hohen
Temperaturen  nicht  zu  dünnflüssig  werden,
6.  weder  ungelöste  Beimengungen  noch  feste  Körper  gelöst  enthalten.
In  den  letzten  Jahrzehnten  sind  die  Schmieröle  aus  dem  Pflanzen-  und  Tierreiche ­
  fast  vollständig  durch  die  weit  billigeren  Mineralschmieröle  verdrängt  worden.
        <pb n="962" />
        Schmieröle.

941

Nach  D.  Holde 1 )  unterscheidet  man  bei  den  Mineralschmierölen  in  den
Maschinenbetrieben,  je  nach  ihrem  Verwendungszwecke  und  der  Konsistenz,  folgende
Sorten:

No.

Bezeichnung  der
Öle

Eigenschaften  der
Öle

Zähflüssigkeit ­

nach
Engler
hei  20“
(fe)

Erstarrungs ­
 ­

(ep)

Entflammungspunkt
  nach
Pensky
(fp&amp;gt;

1.

Spindelöle  (für
Spinnereimaschinen)

unter  sehr  geringem
Druck  gehende  leichtflüssige ­
  Destillate

5—10

unter
—  20°

160—200°

2.

Bismaschinen-Kompressoröle


leichtflüssige  Destillate

5—7

unter
—  20°

140—180»

3.

Leichte  Maschinen-,
Transmissions-,
Motoren-  und  Dynamoöle ­


mäßig  zähflüssige
Destillate

13—25

170—220°

4.

Schwere  Transmissions- ­
  und  Maschinenöle ­


zähflüssige  Destillate

25—45
(bis  60)

—

190—220»

5.

Dunkele
Eisenb  ahnwagen- ­
  und  -
Lokomotivö)
  e

’  Sommeröl ­
 *  2 )
Winteröl ­
 2 )

zähflüssige,
meist  raffinierte
&amp;gt;  Rückstände;
zum  geringeren  Teil
raffinierte  Destillate

45—60

unter
—  5°

über  140°

6.

25—46

unter
—  20°

über  140°

7.

Dampf-Zylinder  öle

sehr  dickflüssige  bis
salbenartige  Destillate

fe  bei  50°
23—45 3 )

—

220—316° 3 )

I.  Schmieröle. 4 )
1.  Prüfung  der  Konsistenz  von  Zylinderölen  und  ähnlichen  dickflüssigen
Ölen  hei  gewöhnlicher  Temperatur.  „Für  betriebstechnische  Zwecke  genügt
die  Feststellung  der  Konsistenz  im  15  mm  weiten  ßeagensglase  bei  30  mm  Auf*) ­

  D.  Holde,  Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette,  2.  Aufl,,  Berlin  bei  Julius
Springer,  1905,  74.
2 )  Die  angeführten  Werte  für  Zähflüssigkeit,  Erstarrungs-  und  Entflammungspunkt  verlangt ­
  die  preußische  Staatsbahnverwaltung.  Die  verschiedenen  anderen  deutschen  Staatsbahnverwaltungen ­
  und  viele  andere  große  industrielle  Werke  haben  für  die  Lieferung  der
verschiedenen  Mineralschmierölen  ebenfalls  bestimmte  Bedingungen  aufgestellt;  hierüber
finden  sich  in  dem  Holdeschen  Werke  genauere  Angaben,  auf  die  hier  verwiesen  sei.
3 )  Heißdampf-Zylinderöle  haben  öfter  fe  bei  50°  =  50—60  und  fp  280—300°  und
darüber.
4 )  Für  die  Untersuchung  der  Mineralsohmieröle  bestehen  für  Deutschland  die  vom
deutschen  „Verbände  für  die  Materialprüfungen  der  Technik“  im  Jahre  1900  unter  dem
        <pb n="963" />
        942

Schmiermittel.

füllung.  Eine  erste  Probe  ist  im  unerhitzten  Zustande,  eine  zweite  nach  10  Minuten
langem  Erhitzen  im  kochenden  Wasserhade  zu  prüfen.  Beide  Proben  werden  unmittelbar ­
  nach  erfolgter  Vorbehandlung  1  Stunde  lang  im  Wasserbade  der  Beobaohtungstemperatur
  ausgesetzt,  welche  den  praktischen  Erfordernissen  anzupassen
ist.  Dann  wird  durch  Umdrehen  des  Probeglases  die  Konsistenz  ermittelt.“
„Für  zolltechnische  Zwecke  (Feststellung  der  Tara)  ist  ein  kalibriertes
Standglas  von  40  mm  lichter  Weite  und  60  mm  Höhe  bis  zu  30  mm  mit  öl  zu
füllen.  Ist  die  Oberfläche  des  1  Stunde
auf  +  15°  gehaltenen  Öles  nach  2
Minuten  langem  Umkehren  des  Glases
unverändert,  so  ist  das  Öl  als  salbenartig, ­
  sonst  als  flüssig  zu  bezeichnen.“
„Auch  bei  diesen  Versuchen
empfiehlt  es  sich,  eine  erste  Probe  im
ursprünglichen  Zustande,  eine  zweite
nach  dem  Erhitzen  des  Öles  im
kochenden  Wasserbade  zu  prüfen.“
2.  Bestimmung  des  Flüssigkeitsgrades ­
  (Viskosität).  Die  Bestimmung
des  Flüssigkeitsgrades  oder  der  Viskosität ­
  ist  für  die  Beurteilung  der
Schmieröle  von  der  größten  Bedeutung.
Man  bestimmt  sie  in  den  Untersuchungsämtern ­
  und  den  Mineralölfabriken ­
  des  Festlandes  fast  ausschließlich ­
  mit  dem  Engl  er  sehen
Viskosimeter  und  bezeichnet  als
„Zähflüssigkeitsgrad“  ,  oder  „Viskositätsgrad ­
  nach  En  gier“  die  Verhältniszahl, ­
  welche  angibt,  wie  vielmal  mehr
Zeit  ein  Öl  von  einer  bestimmten
Temperatur  gebraucht,  bis  200  ccm
aus  der  Öffnung  des  En  gl  er  sehen
Apparates  ausfließen,  als  die  gleiche
Menge  Wasser  von  20°.
Man  prüft  die  Viskosität  bei  Maschinen-  und  Eisenbahnölen  bei  20  und  50°
bezw.  bei  Zylinderölen  auch  bei  100 0 . 1 )
„Um  zufällige  grobe  Verunreinigungen  der  Öle  zu  entfernen,  gießt  man  sie  vorher
durch  ein  Sieb  von  1 / s  mm  Maschenweite.  Sehr  dicke  Öle  sind  hierfür  schwach  zu  erwärmen.
Über  den  Rüokstandshefund  ist  ein  Vermerk  in  das  Prüfungsergehnis  aufzunehmen.  .  .  .
Wasserhaltige  Öle  sind  vor  den  Versuchen  entweder  durch  Schütteln  mit  Chlorcalcium  und

Titel  „Grundsätze  für  die  Prüfung  von  Mineralschmierölen“  gemachten  Vorschläge.  Die
diesen  entnommenen  Vorschriften  sind  im  nachfolgenden  in  Anführungszeichen  gesetzt.
Ebenso  sind  vom  „Sohmiermaterial-Komitee  im  niederösterreichischen  Gewerheverein
in  Wien“  in  den  Jahren  1900  und  1901  „Vorschriften  für  die  einheitliche  Prüfung  von
Mineralschmierölen“,  sowie  Durchführungserläuterungen  dazu  herausgegeben  (vergl.  Österr.
Chem.-Ztg.  1901,  4,  202  und  1902,  5,  2).
r )  Bei  höheren  Temperaturen  (160—200°)  sind  nach  D.  Holde  mit  dem  Englerschen
Apparat  für  Zylinderöle  meßbare  Unterschiede  von  praktischer  Bedeutung  kaum  mehr
vorhanden.

Fig.  348.
Englersches  Viskosimeter.
        <pb n="964" />
        Schmieröle.

943

Filtrieren  durch  ein  trockenes  Filter  oder  durch  vorsichtiges  Erwärmen  auf  110°  in  offener
Schale  bis  zum  ruhigen  Fließen  zu  entwässern.  Mit  dem  entwässerten  Öle  ist  eine
Kontrollbestimmung  auszuführen.  “
Das  Englersche  Viskosimeter  (Pig.  348)  besteht  aus  der  mittels  Deckel  A'  zu
schließenden  Kapsel  A,  deren  Form  und  Größenverhältniaae  aus  der  Abbildung  zu  ersehen
sind.  Die  Mitte  des  konisch  verlaufenden  Bodens  mündet  in  ein  3  mm  weites  und  20  mm
langes  Ausflußrohr  a,  welches  aus  Messing  angefertigt  ist.  Dasselbe  kann  mit  dem  gut
eiugepaßten  Ventilstift  b  verschlossen  und  geöffnet  werden.  24  mm  über  dem  trichterförmigen ­
  Boden  trägt  die  Kapsel  4  Stifte  c,  die  zum  Abmessen  des  Öles  dienen,  indem  der
Innenkasten,  bis  hier  gefüllt,  240  ccm  faßt.  Durch  eine  Öffnung  des  Deckels  wird  das
Thermometer  in  das  zu  prüfende  Öl  eingesenkt.
Der  ganze  Apparat  ist  von  einem  oben  offenen  Messingmantel  B  umgeben,  welcher
für  gewöhnlich  mit  Wasser  und  bei  Viskositätsbestimmungen  für  höhere  Temperatur  mit
Paraffinöl  angefüllt  wird.
Ein  Dreifuß  dient  als  Träger  des  Apparates.  Der  beigegebene  Meßkolben,  welcher
die  Marken  200  und  240  ccm  trägt,  muß  genau  unter  die  Ausflußöffnung  des  Apparates
gestellt  werden,  so  daß  das  ausfließende  Öl  nicht  die  Wandungen  des  Halses  streift.
Zur  Eichung  des  Apparates,  d.  h.  zur  Bestimmung  der  Zeit,  welche  zum  Ausfluß ­
  von  200  com  Wasser  erforderlich  ist,  wird  Wasser  von  20°  in  den  Innenkasten  genau
bis  zu  den  Markenstiften  c  gegeben,  wozu  240  ccm  erforderlich  sind.  Auch  der  Kaum
zwischen  dem  Innenkasten  A  und  dem  Mantel  B  wird  mit  Wasser 1 )  von  derselben  Temperatur ­
  gefüllt,  alsdann  der  Stopfen  geöffnet  und  nun  mittels  einer  Sekundenuhr  oder
besser  eines  Chronoskops  die  Zeit  bestimmt,  in  der  ein  untergestellter  200  ccm-Kolben  gefüllt ­
  ist.  Die  Ausflußzeit  soll  bei  richtig  gebauten  Apparaten  60—52  Sekunden  betragen.
Die  Bestimmung  der  Zähflüssigkeit  eines  Öles  wird,  nachdem  der  Apparat
vollkommen  gereinigt  und  trocken  ist,  wie  vorhin  beschrieben,  mit  240  ccm  (bezw.  bis  zu
den  Markeustiften)  des  auf  die  erforderliche  Versuchstemperatur  (20°,  50°  usw.)  erwärmten
Öles  vorgenommen.  Durch  Division  der  Auslaufzeit  von  200  ccm  Wasser  in  die  Auslaufzeit ­
  von  200  ccm  Öl  findet  man  den  Viskositätsgrad  nach  Engler  für  das  betreffende  Öl.
Es  ist  selbstverständlich  genau  darauf  zu  achten,  daß  der  Apparat  stets  rein  und
trocken  verwendet  wird  und  die  Temperaturen  möglichst  genau  innegehalten  werden.  Die
zulässigen  Temperaturschwankungen  betragen  nach  D.  Holde  0,05—0,16°  für  20°,  0,2°
für  30°,  0,4°  für  40°,  0,6°  für  50°  usw.  Bei  Versuchen,  die  bei  höheren  Temperaturen
ausgeführt  werden,  ist  die  Volumenzusammenziehung  des  ausgelaufenen  Öles  zu  berücksichtigen. ­
  Nach  D.  Holde  dehnen  sich  240  ccm  Öl  für  je  10°  Erwärmung  um  1,7  ccm  aus.
Man  bringt  alsdann  eine  Korrektur  an,  welche  auf  je  5  Minuten  Ausflußzeit  für  1  ccm
Auffüllungsfehler  -)-1  Sekunde  beträgt.
Im  Handel  unterscheidet  man  hinsichtlich  der  Viskosität  zwischen  Spindelölen ­
  (für  leichte  Belastung  und  große  Geschwindigkeit)  mit  einer  Viskosität  unter
10  Englerschen  Graden  hei  20°  und  zwischen  Maschinenölen  (für  schwere  Belastung) ­
  mit  einer  Viskosität  über  10  Englerschen  Graden.  Uber  die  Viskosität
anderer  Schmieröle  und  die  von  der  preußischen  Eisenbahn-Verwaltung  an  Wagenund
  Lokomotivöle  gestellten  Anforderungen  vergl.  S.  941.
Zur  mechanischen  Prüfung  der  Öle  hinsichtlich  ihres  Reibungskoeffizienten
dienen  die  sog.  ölprobiermasehinen,  bezüglich  deren  Einrichtung  auf  die  Literatur
verwiesen  sei,  insbesondere  auf  D.  Holdes  „Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette,
sowie  der  ihnen  verwandten  Stoffe  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Schmiermittel“ ­
  (Berlin  bei  Julius  Springer,  II.  Aufl.,  1905).
3.  Untersuchung  des  Verhaltens  der  Schmieröle  in  der  Killte  (Bestimmung
des  „Kältepunktes“).  Das  Verhalten  der  Schmieröle  in  der  Kälte,  insbesondere  die
Bestimmung  der  Temperatur,  bei  der  die  Öle  zu  erstarren  beginnen  (des  Kälte-9

  Bei  Viakoaitätsbestimmungen  über  50°  verwendet  man  als  Heizflüssigkeit  Paraffinöl.
        <pb n="965" />
        944

Schmiermittel.

Punktes),  ist  für  manche  Verwendungszwecke  von  großer  Bedeutung.  Der  Kältepunkt ­
  ist  hei  den  fetten  Ölen  abhängig  von  dem  Gehalt  an  den  verschiedenen  Glyzeriden
und  hei  den  Mineralölen  von  ihrem  Gehalt  an  Paraffin.
Für  die  meisten  praktischen  Zwecke  genügt  das  Reagensglas-Verfahren,  für
die  Beurteilung  der  dunkelen  Eisenhahnöle  dagegen  ist  die  Prüfung  des  Fließvermögens
in  der  Kälte  nach  dem  Ü-Rohr-Verfahren  vorgeschriehen.
a)  Reagensrohr-Verfahren  zur  Bestimmung  des  Kältepunktes.
Hofmeister 1 )  empfiehlt  folgendes  Verfahren:  Das  öl  wird  in  ein  Reagensglas  von
15  mm  Weite  bis  zu  einer  etwa  30  mm  über  dem  Boden  befindlichen  ringförmigen,
mit  weißer  Farbe  ausgelegten  Strichmarke  eingefüllt.  Diese  Gläser  werden  zu  8  bis
9  in  ein  Gestell  (Fig.  349)  eingesetzt,  welches  in  die  Salzlösung  im  Gefäß  a  aus  vernickeltem ­
  Zinkblech  eingestellt  wird  (Fig.  350).  Der  Ständer  c  trägt  an  dem  Rohr  d

Fig.  34,9.  Fig.  350.
Gefrierpunkt-Bestlmmungsapparat  nach  Hofmeister.

eine  Scheibe,  auf  welche  die  Gläser  aufgesetzt  werden;  ferner  zwei  Ringreifen  g,
welche  sie  halten,  Federn  h  zum  Andrücken  für  jedes  Gläschen  und  in  dem  dicken
Teile  e  die  Klemmschraube  f.  Das  Gefäß  a  steht  in  einer  Kältemischung  aus  Eis
und  Kochsalz *  2 )  in  dem  irdenen  Gefäß  h.
Als  Salzlösungen  zum  Füllen  des  Gefäßes  a  dienen  solche,  welche  enthalten:

Gefrierpunkt  Salz  in  100  ccm
0°  —
—  3°  13  g  Kaliumnitrat
—  4 0  3 )  desgl.  -\-2  g  Chlornatrium
—  5°  desgl.  -j-  3,3  g  Chlornatrium

Gefrierpunkt
—  8,7°
—  10°  3 )
—  14°  3 )
—  15,4°

Salz  in  100  ccm
35  g  Chlorbaryum
22,5  g  Chlorkalium
20  g  Chlorammonium
25  g  Chlorammonium

Diese  Lösungen  behalten  so  lange  die  Temperatur  ihres  Gefrierpunktes,  als  einerseits ­
  noch  feste  Bestandteile  in  der  Lösung  enthalten  sind  und  andererseits  noch  nicht  die

J )  Mitteil,  techn.  Versuchsanstalten,  Berlin  1889,  24;  vergl.  Benedikt-Ulzer,
Analyse  der  Fette  und  Wachsarten.  Berlin  bei  Julius  Springer,  4.  Auf!.,  1906,  130.
2 )  Als  Kältemischungen  zur  Erzielung  niedriger  Temperaturen  können  auch  dienen;
Eine  Mischung  von  entweder  1  Teil  Kochsalz  und  2  Teilen  Schnee  oder  zerstoßenem  Eis,  wodurch ­
  eine  Temperatur  von  —  20°  erzielt  wird,  oder  eine  Mischung  von  1  Teil  Chlorammonium, ­
  2  Teilen  Kochsalz  und  5  Teilen  Eis  (—30°),  oder  eine  Mischung  von  5  Teilen
Kochsalz,  5  Teilen  Ammoniumnitrat  und  12  Teilen  Eis  (—40°).
3 )  Nach  D.  Holde.
        <pb n="966" />
        Schmieröle.

945

ganze  Masse  erstarrt  ist.  Man  entspricht  diesen  Bedingungen  durch  zeitweises  Herausnehmen ­
  der  Lösungen  aus  der  Kältemischung.  Wenn  die  Salzlösungen  beim  Gefrieren
diese  Eigenschaft  zeigen  sollen,  so  muß  man  nach  Annäherung  an  den  Gefrierpunkt  der
Lösung  ein  Stückchen  Eis  und  ein  Stückchen  des  hetr.  Salzes  in  die  Lösung  hineinwerfen.
Die  Probe  bleibt  1—2  Stunden  in  der  Lösung,  worauf  bei  kurzem  Herausnehmen ­
  und  Neigen  des  Eeagensglases  festgestellt  wird,  ob  noch  eine  Änderung
des  Flüssigkeitsspiegels  eintritt.  Die  Temperatur,  bei  welcher  ein  öl  nicht  mehr
fließt,  ist  sein  „Kältepunkt“.  Ist  dieser  erreicht,  so  senkt  man,  nachdem  das
Eohr  sofort  in  die  kalte  Lösung  zurückversetzt  ist,  einen  Glasstab  ein  und  prüft
nach  1 / i  Stunde,  ob  dieser  noch  leicht  beweglich  ist  und  sich  aus  dem  Öl  herausziehen ­
  läßt  —  „dünnsalbiges“  öl  —  oder  ob  sich  der  Glasstab  nur  schwer  bewegen ­
  läßt  und  das  Glas  beim  Herausziehen  mitgehoben  wird  —  „dicksalbiges“  öl.
Zur  näheren  Bezeichnung  der  Konsistenz  dienen  die  Bezeichnungen:  „schwerfließend,
  fadenziehend,  dünnsalbig,  dicksalbig,  schmalzartig,  hutterartig,  talgartig“.
Um  nicht  alle  obigen  Kältelösungen  der  Reihe  nach  ausprobieren  zu  müssen,  empfiehlt
es  sich  nach  D.  Holde,  zu  einem  Vorversuch  ein  Reagensglas  mit  einer  7—8  cm  hohen
Schicht  Öl  zu  beschicken,  ein  Thermometer  in  dem  Glase  so  zu  befestigen,  daß  die  Quecksilberkugel ­
  in  der  Mitte  des  Öles  steht,  das  Reagensrohr  in  eine  Mischung  von  Bis  und
Kochsalz  zu  bringen  und  bei  zeitweisem  kurzem  Herausnehmen  aus  dieser  das  Öl  auf
Konsistenz  und  sonstige  Beschaffenheit  (z.  B.  Beginn  der  ersten  Ausscheidungen)  zu  prüfen.
b)  Bestimmung  des  Fließvermögens  in  der  Kälte  nach  dem  U-Eohr-Verfahren
  von  D.  Holde.  Bezüglich  der  Ausführung  dieser  Bestimmung  sei  auf
Holdes  „Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette  usw.“  (Berlin  bei  Julius  Springer,
1905)  S.  132  verwiesen;  der  dazu  erforderliche  Apparat  ist  zu  beziehen  von  der
Firma  G.  A.  Schultze  in  Berlin,  Köpenickerstraße  128.
Der  Kältepunkt  der  Öle  ist  wesentlich  von  ihrer  vorhergegangenen  Behandlung  abhängig; ­
  durch  Erhitzen  der  Öle  kann  der  Kältepunkt  verschoben  werden;  ferner  können
auch  Veränderungen  nach  wiederholtem  Proben  und  Wiedererwärmen  auf  Zimmertemperatur
auftreten;  es  können  daher  auch  dieselben  Öle  hei  der  Prüfung  zu  verschiedener  Zeit  ganz
verschiedene  Kältepuukte  zeigen.  Man  prüft  daher  stets  2  unerhitzte  und  2  im  Proberöhrchen ­
  10  Minuten  im  Wasserbade  hei  50°  erhitzte  Proben.  Bei  dem  im  erhitzten  Zustande
geprüften  Öle  ist  die  Prüfung  zu  wiederholen,  wenn  das  Öl  bei  der  ersten  Prüfung  genügt  hat.
Zur  Entfernung  mechanischer  Verunreinigungen  wird  das  Öl  hei  Zimmerwärme  durch
ein  Sieb  von  1 / 3  mm  Maschenweite  gegossen.
4.  Bestimmung  des  Flammpunktes,  des  Brennpunktes  und  der  Verdnnipfungsmenge.
a)  Flammpunkt.  „Die  Festsetzung  einer  Mindestgrenze  für  den  Flammpunkt
ist  für  Eisenbahnöle,  Maschinenöle,  Zylinderöle  usw.  erwünscht,  um  das  Schmieröl
in  einfacher  Weise  als  frei  von  leichtflüchtigen  ölen  und  als  nicht  feuergefährlich  zu
kennzeichnen,  ferner  zum  Nachweise,  daß  es  sich  um  ein  und  dasselbe  öl  handelt,
und  weil  der  Flammpunkt  bis  zu  einem  gewissen  Grade  mit  wesentlichen  Eigenschaften ­
  der  öle  Zusammenhänge  Die  Höhe  dieser  Grenzen  ist  für  die  verschiedenen
Sorten  von  ölen  nach  Maßgabe  der  besonderen  Betriebsbedürfnisse  festzusetzen.“
„In  allen  Fällen,  in  denen  es  sich  um  Erzielung  möglichst  großer  Genauigkeit
handelt,  ist  die  Pensky-Martenssche  Vorrichtung,  in  anderen  Fällen  auch  der
offene  Tiegel  zu  benutzen.  Mit  dem  Ergebnis  ist  jedesmal  anzugeben,  welche  Vorrichtung ­
  benutzt  worden  ist.“
a)  Der  Pensky-Martenssche  Apparat. 1 )  Von  einer  eingehenderen  Beschreibung ­
  des  nachstehend  (Fig.  851)  abgebildeten  Apparates  sehen  wir  hier  ab,
*)  Der  Apparat  wird  vou  der  Firma  Sommer  und  Runge  in  Berlin  SW.  48,  Wilhelmstraße ­
  122,  angefertigt.  ,
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  60
        <pb n="967" />
        946

Schmiermittel.

da  demselben  eine  eingehende  Beschreibung  beigefügt  zu  werden  pflegt.  Zur  Ausführung ­
  der  Bestimmung  verfährt  man  nach  D.  Holde  in  folgender  Weise;
Die  Ölprobe  wird  in  das  Gefäß,  das  in  dem  Eisenkörper  H  mit  dem  Messingmantel ­
  L  ruht,  bis  zur  Marke  M  aufgefüllt  und  durch  den  Dreibrenner  erhitzt.
Sobald  das  öl  etwa  die  Temperatur  100°  erreicht  hat,  wird  es  beständig  mit  dem
Handrührer  J  bewegt  und  von  120°  an  wird  unter  fortgesetzter  Bewegung  des
Rührers  das  Zündflämmchen  Z  durch  Drehung  des  Griffes  G  von  2°  zu  2°  und
später,  wenn  das  Zündflämmchen  beim  Eintauchen  größer  erscheint,  von  Grad  zu

■bestlmmnng.

Fig.  352.
„Offener  Tiegel“  zur  Flammpunktbestimmung.

Grad  so  lange  in  den  Dampfraum  des  Gefäßes  E  getaucht,  bis  ein  deutliches  Aufflammen ­
  der  Dämpfe  in  dem  Dampfraum  eintritt.  Die  hierbei  am  Thermometer  T
abgelesene  Temperatur,  bei  welcher  die  Korrektur  für  den  herausragenden  Quecksilberfaden ­
  zu  berücksichtigen  ist,  bezeichnet  den  „Flammpunkt“  des  Öles.
Die  Temperatur  darf  während  der  Erhitzung  auf  120°  noch  6—10°,  von  20°  unterhalb ­
  des  Flammpunktes  an  nur  4—6°  in  der  Minute  steigen.  Bei  Doppelbestimmungeu
betragen  die  Differenzen  meist  nicht  über  3°.  Öle,  welche  schon  einmal  zum  Versuche
benutzt  worden  sind,  sind  für  die  Wiederholung  der  Probe  unter  Umständen  nicht  mehr
geeignet.  Bei  der  Prüfung  der  Thermometer  senkt  man  diese  bis  zur  Hülse  in  das
Temperaturbad  ein  und  ermittelt  so  die  Korrektur  für  den  herausragenden  Faden  und  den
etwaigen  Fehler  des  Thermometers...
        <pb n="968" />
        Schmieröle.

947

ß)  Die  Prüfung  im  offenen  Tiegel  (Fig.  352)  wird  nach  den  Vorschriften
der  preußischen  Staatshahnen  in  folgender  Weise  vorgenommen:
Das  Öl  wird  in  einen  zylindrischen,  glasierten  Porzellantiegel  a  von  4  cm
Höhe  und  4  cm  lichter  Weite  bis  auf  1  cm  vom  Rande  gefüllt  und  der  Tiegel  in
eine  halbkugelförmige  Blechschale  b  von  18  cm  Durchmesser  gestellt,  in  welcher
sich  eine  Sandlage  von  1,5  cm  Höhe  befindet.  Der  Tiegel  wird  auf  den  Sand  gestellt. ­
  Nachdem  ein  Thermometer  c  so  in  das  öl  eingehängt  ist,  daß  die  Quecksilberkugel ­
  ganz  von  Öl  umgeben  wird,  fängt  man  an,  mit  dem  Bunsen-Brenner
zu  erwärmen,  und  verfolgt  die  Temperatur-Steigerung,  indem  man  von  100°  an  nur
langsam  mit  der  Erhitzung  vorangeht.
Von  100°  oder  von  120°  an  prüft  man  von  5  zu  5°  und  von  145°  an  von
Grad  zu  Grad  mit  einer  etwa  10  mm  langen  Zündflamme  das  öl  auf  entzündbare
Gase,  indem  man  die  Zündflamme  jedesmal  4  Sekunden  über  dem  Tiegel  hält  und
von  den  entwickelten  Dämpfen  bestreichen  läßt.  Hierbei  läßt  man  das  Zündrohr  g
so  über  den  Rand  der  Blechschale  gleiten,  daß  die  Flamme  langsam  und  gleichmäßig
in  wagerechter  Richtung  Uber  den  Rand  geführt  und  die  vertikalstehende  Flamme
2—3  mm  von  der  Oberfläche  entfernt  bleibt 1 ).  Die  Erwärmung  wird  so  lange
fortgesetzt,  bis  bei  Annäherung  des  Flämmchens  ein  vorübergehendes  Aufflammen
Uber  der  Öloberfläche  oder  eine  durch  einen  schwachen  Schall  wahrnehmbare  Verpuffung ­
  eintritt.
b)  Brennpunkt.  Hierunter  versteht  man  die  Temperatur,  bei  der  bei  vorübergehender
Annäherung  einer  Flamme  ein  ruhiges  Fortbrennen  an  der  Oberfläche  des  Öles  stattfindet.
„Die  Bestimmung  des  Brennpunktes  ist  im  allgemeinen  bei  Schmierölen  neben  der  Flammpunktbestimmung ­
  entbehrlich.  Jedoch  empfiehlt  es  sich,  in  besonderen  Fällen,  z.  B.  bei
auffallend  niedrigem  Flammpunkt  und  bei  Fragen  der  Feuergefährlichkeit,  auch  den  Brennpunkt ­
  zu  bestimmen.“  Man  schließt  die  Bestimmung  des  Brennpunktes  an  die  des  Flammpunktes ­
  im  offenen  Tiegel  an  (vergl.  oben  unter  a  ß).
„Die  Bestimmung  erfolgt  in  offenen,  4  cm  weiten  und  4  cm  hohen  Porzellantiegeln
auf  flacher  Sandbadschale.  Die  Tiegel  sind  zur  Hälfte  in  Sand  einzubetten.  Das  Erhitzen
soll  stetig  erfolgen  und  die  Temperatursteigerung  soll  etwa  4°  in  der  Minute,  im  äußersten
Falle  6°  in  der  Minute  betragen.“
c)  Verdampfungsmenge.  „Die  Bestimmung  der  Verdampfungsmenge  beim  Erhitzen
der  Öle  im  offenen  Gefäß  (Porzellantiegel)  ist  nur  ausnahmsweise  erforderlich,  nämlich  um
in  besonderen  Fällen  die  Verdampfbarkeit  von  solchen  Ölen  zu  vergleichen,  welche  bei
Heißdampf-  und  Hochdruckmasohinen  zu  hocherhitzten  Ölbädern  und  dergleichen  Verwendung ­
  finden.“
„Die  Bestimmung  soll  in  4  cm  weiten  und  4  cm  hohen  Porzellantiegeln  erfolgen.
Die  Tiegel  sollen  im  Sandbad,  zur  Hälfte  in  dieses  eingehüllt,  auf  die  in  Frage  kommende
Temperatur  erhitzt  werden.  Zu  den  Versuchen  ist  stets  ein  Vergleichsöl  heranzuziehen
und  die  Erhitzung  ist  bei  den  Vergleichsversuchen  gleich  schnell  (20  oder  30  Minuten)  zu
bewirken.  Es  sind  stets  2  Versuche  auszuführen,  aus  deren  Ergebnissen  das  Mittel  zu
nehmen  ist.“
D.  Holde *  2 )  hat  für  die  Bestimmung  der  Verdampfbarkeit  besondere  Apparate
herstellen  lassen 3 ),  auf  die  hier  verwiesen  sei.

*)  Eine  stets  gleichartige  Annäherung  der  Flamme  wird  durch  den  Apparat  mit
mechanischer  Flammenführung  von  Marcusson  erreicht,  der  von  den  „Vereinigten  Fabriken
für  Laboratoriumsbedarf“  in  Berlin  hergestellt  wird.
2 )  Mitteil,  techu.  Versuchsanstalten.  Berlin  1902,  67.
3 )  Die  Apparate  werden  von  der  Firma  Paul  Altmann  in  Berlin  NW.,  Louisenstraße ­
  47,  geliefert.

60*
        <pb n="969" />
        948

Schmiermittel.

5.  Bestimmung  des  Säuregehaltes,  a)  Bei  hellen  Ölen  werden  10  g  in
einem  neutralen 1 )  Gemisch  von  50  ccm  Alkohol  und  25  ccm  Äther  gelöst  und  unter
Anwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator  mit  alkoholischer  1 / 10  N.-Natronlauge
bis  zur  Rotfärbung  titriert.
Die  gefundenen  Kubikzentimeter  1 / 10  N.-Lauge  entsprechen  bei  Anwendung
von  10  g  öl  direkt  den  (Burstyn’sehen)  „Säuregraden“  (=  „Säurezahlen“).  Inder
Mineralölindustrie  ist  es  bislang  üblich,  den  Säuregehalt  der  öle  auf  Schwefelsäureanhydrid ­
  (1  ccm  1 / 10  N.-Lauge  =  0,0040  g  S0 8 )  umzurechnen;  bei  fetten  ölen  dagegen ­
  berechnet  man  den  Säuregehalt  meist  auf  Ölsäure  (1  ccm  1 / 10  N.-Lauge
=  0,0282  g  Ölsäure).
b)  Bei  dunkelen  Ölen 2 )  durchschüttelt  man  20  ccm  öl  in  einem  Zylinder
mit  Glasstopfen  kräftig  mit  40  ccm  neutralem  absolutem  Alkohol,  läßt  absitzen  und
verwendet  von  der  alkoholischen  Flüssigkeit  20  ccm  zur  Titration  nach  a.  Der
gefundene  Wert  wird  durch  Division  durch  das  spezifische  Gewicht  des  Öles  auf
Gewichtsprozente  umgerechnet.
Beträgt  der  Säuregehalt  mehr  als  0,03  °/ 0  SO ;i ,  so  muß  mau  die  Ausschüttelung  nach
dem  Ahgießen  des  im  Zylinder  verbliebenen  Alkoholrestes  noch  mehrmals  mit  40  ccm
Alkohol  wiederholen  und  die  gefundenen  Werte  zu  dem  ersten  addieren.  Nach  D.  Holde
kann  man  sich  jedoch  mit  genügender  Genauigkeit  die  folgenden  Ausschüttelungen  ersparen,
wenn  man  folgende  Korrektur  für  die  2.  und  3.  Ausschüttelung  in  Rechnung  setzt:
Erste  Ausschüttelung  (°/ 0  S0 3 )  0,015-  0,025—0,033—0,069—0,089—0,099-0,115—0,145  °/ 0
Korrektur  0,005  0,010  0,015  0,020  0,025  0,030  0,035  °/ 0 .
c)  Mineralsäuren,  als  welche  wohl  nur  Schwefelsäure  in  Frage  kommt,
weist  man  in  einem  öle  dadurch  nach,  daß  man  100  g  öl  nach  dem  Erwärmen  mit
100  ccm  Wasser  gehörig  durchschüttelt,  nach  Trennung  der  Flüssigkeit  einen  Teil
der  wässerigen  Schicht  klar  filtriert  und  diesen  mit  einigen  Tropfen  einer  alkoholischen
Lösung  von  Methylorange  (Tropaeolin  00)  versetzt.  Bei  der  geringsten  Spur  freier
Mineralsäure  färbt  sich  das  mit  dem  öl  geschüttelte  Wasser  deutlich  rosa,  während
freie  Fettsäuren  auf  die  ursprünglich  goldgelbe  Färbung  gar  nicht  verändernd
ein  wirken.
Nach  D.  Holde  enthalten  helle  raffinierte  Mineralöle  keine  oder  nur  Spuren  (bis
0,03°/ 0  S0 3 )  von  freier  Säure,  dagegen  steigt  der  Säuregehalt  in  dunklen  Ölen  bis  0,3°/ 0
S0 3  oder,  wenn  Abfallöle  mit  verarbeitet  sind,  auch  bis  0,6  °/ 0  S0 3 .  In  der  Regel  beträgt
aber  auch  bei  dunklen  Ölen  der  Säuregehalt  nicht  mehr  als  0,15°/ o  S0 3 .
Öle,  welche  weniger  als  0,01  °/ 0  S0 3  entsprechende  Säuremengen  enthalten,  werden
als  „säurefrei“  bezeichnet.
6.  Bestimmung  des  Asphaltgehaltes.  „Die  Bestimmung  der  Löslichkeit  heller
Mineralöle  in  Benzin  und  Benzol  ist  im  allgemeinen  entbehrlich;  nur  wenn  Trübungen
zweifelhafter  Beschaffenheit  vorliegen,  wird  eine  solche  Prüfung  nötig.“
„Dunkle  öle  sollen  in  Benzol  völlig  löslich  sein.“
„Zur  Ermittelung  des  Asphaltgehaltes  dient  die  Bestimmung  der  Löslichkeit ­
  in  reinem  Petroleurabenzin.  Das  Benzin  soll  das  spezifische  Gewicht  0,69
bis  0,71  bei  +  15°  und  die  äußersten  Siedegrenzen  65°  und  95°C.  haben.  Die  Auf1 ­
 )  Ist  das  Gemisch  nicht  neutral,  so  wird  es  vorher  unter  Verwendung  von
Phenolphthalein  als  Indikator  mit  der  alkoholischen  1 / 10  N.-Natronlauge  neutralisiert.
’)  De  Negri  und  Fabris  haben  für  die  Titration  dunkeier  Fette  die  Anwendung
von  Alkaliblau  6h  von  Meister,  Lucius  und  Brüning  empfohlen,  das  in  saurer  Lösung
blau,  in  alkalischer  rot  ist.  Wenn  die  Anwendung  dieses  Indikators  möglich  ist,  kann  die
Titration  der  Säure  auch,  hei  dunkelen  Fetten  nach  dem  Verfahren  unter  a  erfolgen.
        <pb n="970" />
        Schmieröle.

949

lösung  soll  für  qualitative  Versuche  im  Reagensglase  von  15—20  mm  Weite  im
Verhältnis  von  1  Raumteil  öl  zu  40  Eaumteilen  Benzin  erfolgen.  Nach  24-stündigem
Stehen  unter  Ausschluß  direkten  Sonnenlichtes  soll  beobachtet  werden,  ob  sich  ein
Niederschlag  gebildet  hat.  Bei  positivem  Ausfall  der  qualitativen  Probe  wird  die
quantitative  Bestimmung  mit  5  g  öl  unter  sonst  gleichen  Bedingungen  wie
bei  der  qualitativen  Probe  ausgeftihrt.“
„In  den  ölen  nicht  gelöste  Asphaltstoffe  dürfen  im  allgemeinen  nicht  zugegen
sein.  Die  Gegenwart  solcher  Stoffe  kann  durch  Bestimmung  des  Asphaltgehaltes
im  filtrierten  und  nicht  filtrierten  öl  ermittelt  werden.“
„Die  Festsetzung  der  Grenzzahlen  für  den  Asphaltgehalt  ist  den  Verbrauchszwecken ­
  anzupassen.“
7.  Bestimmung  des  Gehaltes  an  leichten  Ölen  und  Paraffin.
a)  Die  Destillationsprobe.  „Die  Destillationsprobe  ist  bei  der  technischen
Prüfung  der  Schmieröle  nur  dann  vorzunehmen,  wenn  bei  auffällig  niedrigem  Flammpunkt ­
  der  Verdacht  auf  Gegenwart  leichter  öle  vorliegt  und  deren  Kennzeichnung
erforderlich  ist.  Die  Destillationsprobe  ist  bei  zolltechnischen  Prüfungen  zur  Klassifizierung ­
  des  zu  prüfenden  Materiales  anzuwenden  (s.  Centralbl.  für  das  Deutsche
Reich  1898,  S.  279).“  Die  Erhitzung  des  Öles  soll  nicht  Uber  320°  hinausgehen.
Für  die  zolltechnischen  Prüfungen  ist  ein  besonderer  Destillierapparat 1 )
aus  Metall  vorgeschrieben.  Aus  dem  vernickelten  Metallkesselchen  dieses  Apparates
werden  100  ccm  Öl  (Eohbenzin,  Rohpetroleum,  Mineralöl  usw.)  in  der  Weise
destilliert,  daß  die  Temperatur  von  120—150°  etwa  4°  und  von  da  bis  320°  8  bis
10°  in  der  Minute  steigt;  bei  320°  wird  die  Destillation  unterbrochen.
Bei  der  zolltechnischen  Prüfung  sind  für  Deutschland  nach  dem  Erlaß  des
Bundesrats  (1898)  folgende  Gesichtspunkte  maßgebend:
1.  Als  Benzin,  Ligroin  und  Petroleumäther  sind  nur  leichte  Mineralöle  zu  behandeln, ­
  d.  h.  Öle,  welche  hei  der  Destillation  mindestens  90  Volumprozent  unter  150 0
siedende  Teile  ergeben.
2.  Als  Schmieröle  sind  diejenigen  Mineralöle  zu  verzollen,  welche  einen  Siedepunkt
von  mehr  als  300°  haben.
3.  Dem  Zollsätze  von  Schmieröl  unterliegt  ferner  Mineralöl  mit  einer  0,830  überschreitenden ­
  Dichtigkeit,  wenn  bei  der  fraktionierten  Destillation  desselben  bis  300°  weniger
als  70  Volumprozent  Öl  übergehen.  Jedoch  wird  Eohpetroleum  (rohes  Mineralöl,
welches  einer  Destillation  behufs  Sonderung  der  Bestandteile  noch  nicht  unterlegen
hat),  auch  wenn  es  die  vorstehend  angegebenen  Merkmale  der  Schmieröle  zeigt,  nur
dann  als  Schmieröl  verzollt,  wenn  es  einen  höheren  Bntflammungspunkt  als  50°  Abel
zeigt,  oder  ein  höheres  spezifisches  Gewicht  als  0,885  bei  15°  besitzt,  oder  bei  der
fraktionierten  Destillation  im  En  gl  ersehen  Apparat  von  150°  an  bis  zu  320°  weniger
als  40  Volumprozent  Öl  übergehen  läßt,  oder  einen  höheren  Paraffingehalt  als  8  Gewichtsprozent ­
  ergibt.
b)  Bestimmung  des  Paraffingehaltes.  „Die  Bestimmung  des  Paraffingehaltes
kann  im  allgemeinen  bei  Schmierölprüfungen  entbehrt  werden.  In  besonderen  Fällen,.,
z.  B.  hei  Prüfung  der  Herkunft  von  ölen,  in  Streitfällen  usw.  kann  das  Alkohol-Äther-Verfahren
  von  Holde  zur  Paraffinbestimmung  benutzt  werden.“  Über  die
Ausführung  dieses  Verfahrens,  welches  auch  für  die  zollamtliche  Untersuchung  desj
Rohpetroleums  vorgeschrieben  ist,  vergl.  D.  Holdes  Untersuchung  der  Mineralöle
und  Fette.  Berlin  bei  Julius  Springer,  1905,  2.  Aufl.,  21  (1.  Aufl.,  182).
*)  Der  Apparat  (Preis  180  M.)  wird  von  der  Firma  Sommer  &amp;amp;  Runge  in  Berlin
SW.  48,  Wilhelmstraße  122,  angefertigt.
        <pb n="971" />
        950

Schmiermittel.

8.  Bestimmung  von  Wasser  und  Asche.
a)  Bestimmung  des  Wassers.  In  hellfarbigen  ölen  gibt  sich  ein  Wassergehalt
durch  die  emulsionsartige  Trübung  nach  dem  Schütteln  kund.  Nach  D.  Holde
kann  man  auch  das  öl  mit  einer  Messerspitze  voll  entwässertem  Kupfersulfat  erwärmen. ­
  Schon  Spuren  von  Wasser  geben  sich  durch  Grün-  bis  Blaufärbung  des
Kupfersalzes  zu  erkennen.
„Der  Wassergehalt  der  Öle  ist  nur  dann  quantitativ  zu  bestimmen,  wenn  die
qualitative  Probe  einen  merklichen  Wassergehalt  erkennen  ließ.  Bei  ölen,  die  unter
240°  C.  im  Pensky-Apparat  entflammen,  erfolgt  die  Bestimmung  so,  daß  die  Gewichtsverluste ­
  gewogener,  etwa  gleichgroßer  Mengen  (je  10—15  g)  des  ursprünglichen ­
  und  des  entwässerten  Öles  beim  Erhitzen  in  Glasschalen  auf  dem  kochenden
Wasserbade  bis  zum  Verschwinden  jeglicher  Schaumhildung  bestimmt  werden.  Aus
dem  Unterschiede  der  Gewichtsverluste  beider  Proben  ist  der  Gehalt  an  Wasser  im
ursprünglichen  Öl  zu  berechnen.  Die  Entwässerung  des  Öles  vor  dem  Erhitzen
geschieht  durch  Schütteln  des  schwach  erhitzten  Öles  im  Erlenmeyer-Kolhen  mit
Chlorcalcium  und  nachheriges  Filtrieren  auf  trockenem  Filter.“
b)  Bestimmung  der  Asche.  Wenn  das  öl  in  Benzin  oder  Benzol  vollkommen
löslich  ist,  ist  eine  Bestimmung  des  Aschengehaltes  überflüssig.  Zur  Bestimmung
des  Aschengehaltes  verfährt  man  nach  D.  Holde  folgendermaßen:
20—30  g  öl  werden  in  einem  Porzellantiegel  abgewogen;  darauf  senkt  man
in  denselben  ein  als  Docht  dienendes  zusammengerolltes  aschenfreies  Filter 1 ),  läßt
dieses  sich  voll  öl  saugen  und  zündet  es  darauf  an.  Wenn  das  öl  vollkommen
heruntergebrannt  ist  (nach  3—4  Stunden),  wird  der  Rückstand  vollständig  verascht.
Bei  dunklen  asphalthaltigen  Ölen  ist  dieses  Verfahren  nicht  anwendbar,  da
das  Filter  sehr  bald  verkohlt  und  die  Flamme  erlischt.  Bei  diesen  wird  der  Tiegel
mit  dem  öl  mit  kleiner  Flamme  so  lange  vorsichtig  erhitzt,  bis  es  bei  der  Annäherung ­
  einer  Flamme  an  die  Oberfläche  von  selbst  weiter  brennt.  Die  Erhitzung
wird  mit  kleiner  Flamme  so  lange  fortgesetzt,  bis  die  flüssigen  Teile  des  Öles  verbrannt ­
  sind;  alsdann  wird  der  Tiegelinhalt  mit  starker  Flamme  unter  teilweiser
Bedeckung  des  Tiegels  mit  dem  Porzellandeckel  bis  zum  Verschwinden  der  Kohle
geglüht.
Gut  raffinierte  Maschinenöle  dürfen  höchstens  0,01  °/ 0 ,  Zylinderöle  höchstens  0,1  °/ 0
Asche  enthalten.  Ein  etwaiger  höherer  Aschengehalt  kann  nach  den  bekannten  analytischen
Verfahren  auf  seine  Bestandteile  untersucht  werden.
9.  Analytische  Konstanten  der  Schmieröle  und  ihrer  Yerfälschiiiigsmittel.
Die  analytischen  Konstanten  der  meisten  als  Schmieröle  dienenden  Öle  und  Fette
sind  bereits  in  den  Tabellen  S.  542—545  aufgeführt.  Die  wichtigsten  dieser  Werte
seien  hier  unter  Zufügung  einiger  weiteren  öle  nochmals  übersichtlich  zusammengestellt: ­

^Siehe  Tabelle  S.  951.)
10.  Nachweis  von  Harz  und  Harzöl  im  Mineralöl.  „Zur  Prüfung  auf  Harzöl
wird  eine  kleine  Probe  des  Öles  (5  ccm)  stark  mit  Schwefelsäure  vom  spezifischen
Gewicht  1,62  geschüttelt.  Wenn  nach  Trennung  der  Schichten  eine  Gelb-  bis  Braunfärbung, ­
  nicht  aber  die  dem  Harzöl  eigentümliche  Rotfärbung  der  Säureschicht  eintritt,
  ist  das  öl  harzölfrei.  Bei  eingetretener  roter  oder  zweifelhafter  dunkler
Färbung  der  Säure  ist  das  Öl  nach  den  bekannten  quantitativen  Verfahren  (Storoh-*)
  Das  Filter  wird  zweckmäßig  durch  einen  Platindraht  mit  Schlinge,  der  quer  über
den  Tiegel  gelegt  wird,  festgehalten.
        <pb n="972" />
        Schmiermittel.

951

sehe  Extraktion  mit  96  °/ 0 -igem  Alkohol,  Polarisation  usw.)  näher  auf  den  Gehalt
an  Harzöl  zu  prüfen.  Das  hohe  spezifische  Gewicht  des  Harzöles  (über  0,970  bei  15°)
und  seine  große  oder  vollständige  Löslichkeit  in  absolutem  Alkohol  lassen  das  öl
leicht  im.  Mineralöl  erkennen.“
Nach  D.  Holde  enthalten  helle  Mineralöle  nicht  mehr  als  0,6  °/ 0 ,  dunkle
nicht  mehr  als  1  °/ 0  natürliche  alkohollösliche  Harze;  schlecht  raffinierte  Öle  können
bis  zu  3,5  °/ 0  enthalten.

o'
&amp;lt;

Nähere
Bezeichnung

Spezifisches
Gewicht
bei  16°

Refraktion
bei  25°

Polarisation ­
  im
100  mm-Rohr

(Kreisgrade) ­


Verseifungs ­
 ­


Jodzahl

Gehalt  an
Unverseifbarem

°/
/«

1.
2.

Knochen-  und  Klauenöle
Trane  (Dorschlebertran  u.

0,914—0,916

(1,4672  bis
l,4707heil8°)

—

191—203

44—75

—

3.

Robbentran)  ....

0,916—0,941

72,7—75,0

—

171—206

123—181

0,4—7,8  (?)

Wollschweißfett  (roh).  .

0,941—0,945

—

—

78—109

20—21

38,7—44,0

4.

Olivenöl

0,914—0,920

62,0—62,8

—  0,07  bis
+  Spur

186—196

74—94

0,5—1,4

5.

Rüböl

0,911—0,918

68,0
Brcchungseiponent
(Abbe)  bei  48°

—  0,04  bis
-0,23°

168-179

94—106

0,5—1,0

6.

Rizinusöl

0,961—0,974

1,475—1,480

+  6,41°

176—183

82-85

0,3—0,4

7.

Mineralöle

0,850-0,932

1,490-1,507

0  bis
+  3.1°

0

unter  14

100

8.

Paraffin  ....

0,869—0,943

—

0

0

2-3

100

9.

Ceresin

0,918—0,922

—

0

0

0—0,6

100

lo.

Pichtenharz

1,045—1,075

—

—

147—192

55—185

5—15

u.

Harzöl

0,960—1,000

1,535—1,550

+  30  bis
+  40°

"

43—48

69—95

a)  Polarimetrische  Prüfung.  Die  Mineralöle  sind  im  allgemeinen  optisch
inaktiv,  doch  kommen  auch  öle  mit  schwacher  Eechtsdrehung  (bis  +  1,2°  im  100  mm-Rohr
  und  vereinzelt  bis  +3,1°)  vor.  Die  Drehung  ist  nach  D.  Holde  im  allgemeinen ­
  um  so  höher,  je  höher  der  Siedepunkt  liegt.  Dagegen  zeigen  die  Harzöle ­
  im  100  mm-Eohr  eine  Eechtsdrehung  von  30—40°.  Von  fetten  Ölen,  die  als
Schmiermittel  in  Frage  kommen,  zeigt  nur  das  Rizinusöl  eine  starke  Eechtsdrehung,
während  die  übrigen  nur  eine  schwache  Rechts-  oder  Linksdrehung  zeigen;  hierüber
vergl.  S.  525.
b)  Eefraktometrische  Prüfung.  Gegenüber  den  Mineralölen  zeichnet
sich  das  Harzöl  durch  einen  auffallend  hohen,  Olivenöl,  Rüböl  und  Klauenfette  durch
einen  niedrigen  Brechungskoeffizienten  aus.  Über  die  Höhe  der  Brechungskoeffizienten,
die  mittels  des  Abbe  sehen  Refraktometers  bestimmt  werden,  vergl.  die  vorstehende
Tabelle.  Das  Butter-Refraktometer  (vergl.  S.  521)  kann  zur  Untersuchung  der  Mineralöle ­
  ebenfalls  verwendet  werden,  doch  muß  die  Prüfung  hei  höherer  Temperatur  erfolgen, ­
  da  bei  der  üblichen  Temperatur  von  25  bezw.  40°  die  Skala  des  Refraktometers, ­
  welche  nur  bis  zum  Brechungskoeffizienten  1,4895  geht,  nicht  ausreicht.
c)  Jodzahl,  Säurezahl  und  Verseifungszahl.  Bei  Abwesenheit  von
fetten  ölen  geben  sich  Harz  und  Harzöl  in  Mineralölen  durch  erhöhte  Jodzahl,
sowie  Harz  auch  durch  erhöhte  Säurezahlen  (130—180)  bezw.  Verseifungszahlen
        <pb n="973" />
        952

Schmiermittel.

(147—192)  zu  erkennen  (S.  935  u.  951).  J.  Lewkowitsch 1 )  fand  auch  in  technischen ­
  Harzölen  noch  5—31  °/ 0  Harzsäuren.
d)  Liehermann-Storchsche  Reaktion.  Harz  und  Harzöl  geben  die
Liehermann-Storchsche  Reaktion,  die  in  folgender  Weise 1 )  ausgeführt  wird:
Je  1—2  ccm  öl  und  Essigsäureanhydrid  werden  unter  leichtem  Erwärmen  kräftig
durchgeschüttelt;  nach  dem  Absitzen  zieht  man  das  Essigsäureanhydrid  mittels  einer
fein  ausgezogenen  Pipette  ab  und  versetzt  es  in  einem  Reagensglase  mit  einigen
Tropfen  Schwefelsäure  vom  spezifischen  Gewicht  1,53.  Bei  Gegenwart  von  Harz  und
Harzöl  tritt  Rotviolettfärbung  auf,  die  jedoch  nur  kurze  Zeit  beständig  ist.  Diese
Reaktion  geben  die  natürlichen  Harze  der  Mineralöle  nicht  —  mit  diesen  entsteht  eine
gelblich-braune  bis  tief  schmutzigbraune  Färbung 1  2  3 )  —,  dagegen  treten  ähnliche
Färbungen  (Rosenrot  bis  Blau)  bei  Gegenwart  von  viel  Cholesterin  und  Phytosterin
auf  (Liebermannsche  Cholestol-Reaktion) 8 ).
Zur  Abscheidung  von  Harz  werden  nach  D.  Holde  8—10  ccm  öl  im  Reagensglase ­
  mit  dem  gleichen  Volumen  70  °/ 0 -igen  Alkohols  heiß  geschüttelt.  Nach  dem
Erkalten  wird  die  alkoholische  Lösung  abfiltriert  und  eingedampft.  Der  Rückstand,
der  bei  Gegenwart  von  Harz  eine  harzartige  —■  nicht  ölige  —  Konsistenz  hat,
zeigt  die  Liehermann-Storchsche  Reaktion  in  verstärktem  Maße  und  gibt  mit
alkoholischer  Natronlauge  Harzseife.
e)  Quantitative  Bestimmung  von  Harz.  Bei'Abwesenheit  von  fetten
ölen  und  freien  Fettsäuren  wird  das  öl  mit  alkoholischer  Kalilauge  gekocht  und
aus  der  Harzseifenlösung  werden  die  Harzsäuren,  die  ungefähr  der  gleichen  Menge
Harz  entsprechen,  durch  Zusatz  von  Salzsäure  abgeschieden  und  zur  Wägung  gebracht.
Zur  Bestimmung  des  Harzgehaltes  bei  Gegenwart  von  fetten  ölen  dient  das
von  Dl  Holde 2 )  verbesserte  Verfahren  von  Twitchell  bezw.  Gladding,  auf  das
hier  nur  verwiesen  werden  kann.
f)  Quantitative  Bestimmung  von  Harzöl.  Diese  geschieht  bei  Abwesenheit ­
  von  fetten  ölen  und  deren  Fettsäuren  nach  dem  Verfahren  von  Storch
in  folgender  Weise 4  * ):  10  g  öl  werden  mit  der  5-fachen  Menge  96°/ 0 -igem  Alkohol
leicht  erwärmt  und  geschüttelt.  Die  abgegossene  gekühlte  Lösung  wird,  nachdem
man  das  im  Kolben  zurückgebliebene  Mineralöl  mit  wenig  Alkohol  von  derselben
Stärke  gewaschen  hat,  in  einen  tarierten  Erlenmeyer-Kolben  gebracht  und  der
Alkohol  auf  dem  Wasserbade  abdestilliert.  Der  Rückstand  (A)  wird  gewogen  und
darauf  mit  der  10-fachen  Menge  Alkohol  behandelt.  Das  in  Lösung  gegangene
Harzöl  (B)  wird  nach  dem  Verdunsten  des  Alkohols  gewogen.  Das  darin  noch  gelöste ­
  Mineralöl  berechnet  sich  wie  folgt:  Sind  zum  Ausziehen  der  10  g  Mineralöl  a  g
und  zum  Lösen  des  ersten  Rückstandes  A  im  ganzen  b  g  Alkohol  verbraucht,  so
^  jj
lösen  a—b  g  Alkohol  A—B  g  Mineralöl,  also  lösen  b  g  Alkohol  —j, -  x  b  g  Mineralöl. ­
  Diese  Menge  ist  von  dem  Gewichte  b  abzuziehen,  um  die  Harzölmenge  zu
erhalten.
11.  Nachweis  und  Bestimmung  von  fettem  Öl  in  Mineralöl  und  von  solchem
in  fetten  Ölen.  Hierfür  werden  die  öle  mit  alkoholischer  Alkalilauge  erhitzt  (ver-1
 )  Vergl.  J.  Lewkowitsch,  Chem.  Technologie  und  Analyse  der  Öle,  Fette  und
Wachse.  Braunschweig,  Pr.  Vieweg  und  Sohn,  1905,  1,  417  und  418.
2 )  Vergl.  D.  Holde,  Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette.  Berlin  bei  Julius
Springer,  1905,  2.  Aull.,  169.
3 )  Ber.  d.  Deutschen  Chem.  Gesellsch.  1885,  18,  1804.
4 )  Vergl.  D.  Holde,  Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette.  Berlin  bei  Julius
Springer,  2.  Aufl.,  1905,  181.
        <pb n="974" />
        Schmieröle.

953

seift)  und  die  verseifte  Masse  entweder  eingetrocknet  und  mit  Petroläther  ausgezogen
oder  nach  dem  Verdünnen  mit  Wasser  mit  Petroläther  ausgeschüttelt.
a)  Ausziehen  der  eingetrockneten  Seifen  mit  Lösungsmitteln.  Nach
Allen  und  Thomson  verfährt  man  in  folgender  Weise;  10  g  öl  werden  in  einer
Porzellanschale  von  13  cm  Durchmesser  mit  60  ccm  8°/ 0 -iger  alkoholischer  Natronlauge ­
  auf  dem  Wasserhade  unter  fortwährendem  Umrühren  verseift,  bis  die  Seifenlösung ­
  zu  schäumen  beginnt;  darauf  wird  die  Seife  durch  Zusatz  von  15  ccm  Alkohol
in  Lösung  gebracht  und  die  Lösung  zur  Überführung  des  Natronhydrats  in  Karbonat
mit  5  g  Natriumbikarbonat  verrührt.  Man  setzt  alsdann  etwa  50  g  geglühten  Sand
hinzu  und  trocknet  unter  häufigem  Umrühren  der  Masse  mit  einem  Glasstabe  zuletzt
im  Wasserdampftrockenschranke  vollkommen.  Den  Inhalt  der  Schale  bringt  man
quantitativ  in  die  Hülse  eines  Soxhletschen  Extraktionsapparates  und  zieht  das
Mineralöl  und  die  sonstigen  unverseifbaren  Stoffe  vollkommen  mit  einem  unter  80°
siedenden  Petroläther  aus.  Der  Petroläther  wird  abdestilliert  und  der  Rückstand
gewogen.
b)  Ausschüttelung  der  Seifenlösung  mit  Lösungsmitteln.  Dieses
Verfahren  führt  schneller  als  das  unter  a)  aufgeführte  Verfahren  zum  Ziele  und
gestattet  außerdem  auch  noch  eine  weitere  Untersuchung  der  verseiften  Fettsäuren.
Von  den  zahlreichen  hierfür  vorgeschlagenen  Verfahren  sei  hier  nur  das  von
Morawski  und  Demski 1 )  bezw.  von  Honig  und  Spitz 2 )  aufgeführt;  man  verfährt
wie  folgt:  Etwa  10  g  Fett  werden  mit  25  com  alkoholischer  Kalilauge  (100  g  Kalihydrat ­
  in  70  ccm  Wasser  gelöst  und  mit  Alkohol  auf  1  1  aufgefüllt)  und  mit  25  ccm
Alkohol  in  einem  Erlenmeyer-Kölbchen  mit  aufgesetztem  Kühler  auf  dem  Wasserbade ­
  verseift,  mit  50  ccm  Wasser  versetzt  und  bis  zur  klaren  Lösung  der  Seife
erwärmt.  Nach  dem  Erkalten  der  Seifenlösung  führt  man  diese  in  einen  Scheidetrichter ­
  über,  wäscht  das  Kölbchen  mit  etwa  10—20  ccm  50°/ 0 -igem  Alkohol,
darauf  mit  50  ccm  unter  80°  siedendem  Petroläther  nach  und  führt  beide  Flüssigkeiten ­
  ebenfalls  in  den  Scheidetrichter  über,  dessen  Inhalt  man  darauf  einige  Zeit
kräftig  schüttelt.
Nachdem  sich  die  beiden  Flüssigkeitsschichten  vollständig  getrennt  haben,  läßt
man  die  Seifenlösung  in  das  Verseifungskölbchen  zurückfließen,  wäscht  die  Petrolätherlösung ­
  zwei-  bis  dreimal  mit  je  10—15  ccm  50°/ o -igem  Alkohol  aus  und  gibt
die  Waschwässer  zu  der  alkoholischen  Seifenlösung,  die  man  darauf  noch  zweimal
in  derselben  Weise  mit  Petroläther  auszieht.  Die  Petrolätherlösungen  werden
alsdann  nacheinander  durch  ein  kleines  trooknes  Filter  in  ein  tariertes  Erlenmeyer-Kölbchen
  filtriert  und  das  Filter  noch  mit  einigen  ccm  Petroläther  nachgewaschen.
Nach  dem  Abdestillieren  des  Petroläthers  und  Trocknen  des  Rückstandes  im  Wasserdampftrockenschrank ­
  bringt  man  den  unverseifbaren  Rückstand  (Mineralöl,  Harzöl
und  sonstiges  Unverseifbare)  zur  Wägung.
Ist  der  Rückstand  flüssig, 8 )  so  können  Mineralöle,  Harzöle  oder  Teeröle
vorliegen.  *
U  Dinglers  Polyteohn,  Journ.  25S,  39.
2 )  Zeitschr.  f.  angew.  Chem.  1891,  565.
3 )  Sind  die  unverseifbaren  Anteile  dagegen  fest,  so  wird  eine  genügende
Menge  derselben  mit  dem  gleichen  Gewichte  Essigsäureanhydrid  1—2  Stunden  am  Rückllußkühler
  gekocht.  Es  können  dann  folgende  3  Fälle  eintreten:
a)  Die  Substanz  löst  sich  vollständig  auf  und  bleibt  auch  nach  dem  Erkalten  in
Lösung:  Pettalkohole.
b)  Die  Substanz  löst  sich  beim  Kochen  vollständig  auf,  erstarrt  aber,  vorausgesetzt,
daß  man  nicht  zu  viel  Essigsäureanhydrid  verwendet  hat,  beim  Erkalten  zu  einem  Kristall-
        <pb n="975" />
        954

Schmiermittel.

Die  alkoholische  Seifenlösung  kann  zur  Untersuchung  der  Art  des  verseiften
Fettes  dienen.  Man  entfernt  aus  ihr  den  Alkohol  vollständig,  löst  die  Seife  in  warmem
Wasser,  führt  die  Seifenlösung  nach  dem  Erkalten  in  einen  Scheidetrichter  über,  setzt
Salzsäure  bis  zur  stark  sauren  Reaktion  und  darauf  50—100  ccm  Äther  hinzu,  schüttelt
gehörig  durch,  läßt  die  wässerige  Flüssigkeit  abfließen,  wäscht  die  ätherische  Fettsäurelösung ­
  mehrmals  mit  etwa  10  com  Wasser  bis  zur  neutralen  Reaktion  des  letzteren  aus,
filtriert  darauf  die  Ätherlösung  durch  ein  trocknes  Filter  und  destilliert  den  Äther  ab.
Der  Rückstand,  welcher  aus  den  Fettsäuren  des  vorhanden  gewesenen  fetten  Öles  besteht,
kann  durch  Bestimmung  des  Schmelzpunktes,  der  Refraktion,  Polarisation,  Säurezahl,  Jodzahl ­
  usw.  näher  auf  seine  Natur  untersucht  werden  (vergl.  S.  516  ff.).
J.  Marcusson 1 )  hat  zum  Nachweise,  ob  in  ein  er  Mischung  mit  Mineralöl  ein
pflanzliches  oder  tierisches  fettes  Öl  vorliegt,  ein  Verfahren  ausgearbeitet,  welches
auf  der  Abscheidung  des  in  letzteren  Ölen  vorhandenen  Cholesterins  bezw.  Phytosterins
beruht.
12.  Sonstige  Untersuchungen,  a)  Zum  Nachweise  von  Pflanzenölen  in
den  als  Schmieröle  dienenden  tierischen  ölen  (Knochenöl,  Trane)  dient  die
Phytosterin-  und  Phytosterinacetat-Probe  (vergl.  S.  534  ff.).
Im  übrigen  sei  bezüglich  der  Unterscheidung  der  verschiedenen  fetten
öle,  die  als  Schmieröl  dienen,  auf  ihre  analytischen  Konstanten  auf  S.  542—545
und  Tabelle  S.  951  verwiesen;  vergl.  ferner  über  Olivenöl  S.  582,  Rüböl  S.  587.
Rizinusöl  ist  gekennzeichnet  durch  seine  verhältnismäßig  starke  Rechtsdrehung
  (vergl.  S.  525),  ferner  dadurch,  daß  es  in  jedem  Verhältnis  mit  absolutem
Alkohol  und  Eisessig  mischbar  ist.
Die  als  Schmiermittel  für  Lederwaren  dienenden  Trane  (Dorschlebertrane,
Robbentrane)  sind  außer  durch  ihren  eigenartigen  Geruch  gekennzeichnet  durch  ihre
hohen  Jodzahlen  (123—181).
h)  Die  Steinkohlenteeröle  sind  gekennzeichnet  durch  ihren  kreosotartigen
Geruch  und  durch  ihr  hohes  spezifisches  Gewicht  (über  1,0).  In  Gemischen  mit
Mineralölen  erkennt  man  sie  außer  durch  diese  Eigenschaften  auch  an  ihrem  Verhalten ­
  gegen  konzentrierte  Salpetersäure  von  1,35  spezifischem  Gewicht,  mit  der
reines  Mineralöl  nur  eine  sehr  geringe  Temperaturerhöhung  gibt,  während  sich
Teeröl  damit  stark  erhitzt.  II.
II.  Konsistente  Schmierfette.
Von  den  konsistenten  Schmierfetten  interessieren  uns  hier  besonders  die  zum
Schmieren  der  Wagenachsen  dienenden  Wagenfette  (Wagenschmieren),  auf  deren
Bestandteile  oben  (S.  940)  bereits  hingewiesen  ist.
Ihre  Untersuchung  erstreckt  sich  vorwiegend  auf  die  Bestimmung  des  Gehaltes
an  Säuren,  Öl,  Seife,  Wasser  und  Beschwerungsmitteln,  sowie  auf  die  Ermittelung
der  Natur  der  letzteren.
D.Holde 2 )  schlägt  zur  Untersuchung  dieser  Schmierfette  folgende  Verfahren  vor;
brei:  Cholesterin  oder  Phytosterin  bezw.  deren  Ester.  (Prüfung  auf  Schmelzpunkt
nach  S.  538.)
c)  Die  Substanz  mischt  sich  nicht  mit  dem  heißen  Essigsäureanhydrid,  sondern
schwimmt  als  ölige  Schicht  auf  derselben  und  erstarrt  nach  dem  Erkalten  zu  einem  festen
Kuchen;  Paraffin  oder  Ceresin.
ö  Mitteil.  d.  teclin.  Versuchsanstalten  Berlin  1900,  18,  261  und  1901,  19,  269;
vergl.  D.  Holde,  Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette.  Berlin  bei  Julius  Springer,
1906,  2.  Aull.,  304.
2 )  D.  Holde,  Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette.  Berlin  bei  Julius  Springer,
1906,  II.  Aufl.,  211  ff.
        <pb n="976" />
        Konsistente  Schmierfette.

955

1.  Bestimmung  der  freien  Säure.  5—10  g  Fett  werden  in  etwa  50  ccm
eines  neutralisierten  Gemisches  von  90  Volumprozent  Benzin  (spezifisches  Gewicht  0,70)
und  10  Volumprozent  absolutem  Alkohol  kurze  Zeit  am  Rückflußkühler  erhitzt.
Nicht  künstlich  beschwerte  Fette  lösen  sich  ganz  oder  fast  vollkommen  auf.  Ungelöstes ­
  wird  warm  abfiltriert  und  ausgewaschen.  Man  setzt  darauf  zur  Lösung
30  ccm  neutralisierten  50  %-igen  (nicht  stärkeren!)  Alkohol  hinzu  und  titriert  unter
häufigem  Durchschütteln  und  mehrfachem  Erwärmen  mit  1 / 10  N.-Natronlauge  bei
Gegenwart  von  Phenolphthalein,  bis  die  untere  alkoholische  Schicht  rosa  gefärbt
bleibt.  Die  beiden  Schichten  trennen  sich  in  der  Wärme  sehr  leicht.  Die  Berechnung ­
  des  Säuregehaltes  erfolgt  in  der  Kegel  auf  Schwefelsäure  (vergl.  oben  S.  948).
Die  Prüfung  auf  freie  Mineralsäuren  erfolgt  in  der  oben  (S.  948)  angegebenen ­
  Weise.
2.  Bestimmung  des  Gehaltes  an  Seife.  Die  gesamte  nach  1  erhaltene  Flüssigkeit ­
  wird  zur  Zersetzung  der  Seife  heiß  mit  überschüssiger  verdünnter  Salzsäure
durchgeschüttelt.  Die  salzsaure  Schicht  wird  abgegossen  und  nach  dem  Auswaschen
der  Mineralsäure  wird  die  Benzinlosung  unter  Zusatz  von  20  ccm  absolutem  Alkohol
und  Phenolphthalein  titriert.  Die  so  ermittelte  Säurezahl,  abzüglich  der  nach  1  gefundenen ­
  Menge  vorhandener  freier  Säure,  stellt  die  in  Form  von  Seife  vorhandene
Säure  dar,  die  meist  als  Kalkseife  vorhanden  ist.
3.  Bestimmung  des  nnverseifteu  und  unverseifbaren  Fettes.  Aus  der  nach  2
von  Seifen  befreiten  Benzinlösung  wird  das  Benzin  abdestilliert.  Der  Rückstand
besteht  aus  Neutralfett  und  unverseifbaren  Stoffen  (Mineralöl,  Harzöl  usw.),.  Diese
beiden  Bestandteile  können  nach  dem  oben  S.  953  angegebenen  Verfahren  von
Honig  und  Spitz  getrennt  ermittelt  und  durch  eine  weitere  Untersuchung  nach
S.  963  (unten)  kann  ihre  Natur  festgestellt  werden.
4.  Bestimmung  des  Wassers.  Diese  erfolgt  nach  Marcusson  am  besten  in
der  Weise,  daß  eine  größere  Probe  des  Fettes  (etwa  60—100  g)  unter  Vorlegung
eines  graduierten,  unten  eng  ausgezogenen  Rohres  im  Ölbade  mit  Toluol  unter  Zugabe ­
  von  Bimssteinstückchen  destilliert  wird,  bis  kein  W T asser  mehr  übergeht.  Die
Menge  des  Wassers  kann  direkt  an  der  Graduierung  der  Röhre  abgelesen  werden.
5.  Prüfung  auf  freien  Kalk.  Geringe  Mengen  von  freiem  Kalk  finden  sich,
von  der  Fabrikation  herrührend,  in  vielen  konsistenten  Fetten.  Qualitativ  prüft
man  auf  seine  Gegenwart  durch  Kochen  des  Fettes  mit  Phenolphthalein  enthaltendem,
neutralem  80  °/ 0 -igem  Alkohol.  Auftretende  Rotfärbung  rührt  in  der  Regel  von
freiem  Ätzkalk  her.  Die  quantitative  Bestimmung  erfolgt  in  folgender  Weise:
10  g  Fett  werden  mit  50  ccm  Benzol  und  6  ccm  Alkohol  1 / 4  Stunde  am  Rückflußkühler
  erwärmt;  das  Ungelöste  wird  abfiltriert  und  mit  heißem  Benzol-Alkohol
völlig  ausgewaschen.  In  dem  fett-  und  seifenfreien  Rückstände  wird  der  Ätzkalk
in  bekannter  Weise  bestimmt.
In  diesem  Rückstände  finden  sich  auch  die  etwa  vorhandenen  organischen
Besohwerungsmittel  (Stärke,  Ruß  usw.).
0.  Bestimmung  der  Miueralstolfe  und  anorganischen  Füllmittel.  Die  Wagenfette ­
  enthalten  vielfach  fremde  Mineralstoffe  wie  Ton,  Calciumkarbonat,  Ätzkalk,
Gips,  Schwerspat  usw.  (bis  zu  30  °/ 0  und  mehr)  beigemengt.  Ihre  Menge  und  Art
wird  durch  Veraschung  nach  S.  950  und  Untersuchung  der  Asche  S.  200  ermittelt.
        <pb n="977" />
        Anhang

Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.
Uber  die  Prüfung  der  Reagenzien  auf  Reinheit  vergl.  die  Schrift  von
C.  Krauch,  „Die  Prüfung  der  Reagenzien  auf  Reinheit“,  Berlin  bei  Julius
Springer  1896  und  E.  Merck,  „Die  Prüfung  der  Reagenzien  auf  Reinheit“,  Darmstadt ­
  1905.  Yergl.  hierzu  weiter  Mercks  Reagenzien-Yerzeichnis,  enthaltend  die
gebräuchlichen  Reagenzien  und  Reaktionen,  geordnet  nach  Autornamen,  Darmstadt ­
  1903.
1.  Normal-Schwefelsäure  bezw.  Normal-Salzsäure.  Als  Normalsäure  pflegt
allgemein  Normal-Schwefelsäure  angewendet  zu  werden,  welche  in  1  1  =  40  g
(richtiger 1 )  40,03  g)  S0 8  oder  49  g  (richtiger 1 )  49,038  g)  H 2 S0 4  enthält.  Bei  Anwendung ­
  von  Salzsäure  hat  die  Normalsäure  =  36,458  g  HCl  in  1  1.
Man  stellt  zunächst  annähernd  richtige  Lösungen  her,  indem  man  entweder
52—53  g  reine  konzentrierte  englische  Schwefelsäure  mit  Wasser  zu  1  1  verdünnt,
oder  indem  man  Schwefelsäuremischungen  von  1,032—1,033  spezifischem  Gewicht
(mit  41—42  g  SO,j  in  1  1)  herstellt;  für  die  Bereitung  der  Normal-Salzsäure  dient
eine  verdünnte  Salzsäure  von  1,018—1,019  spezifischem  Gewicht  (mit  37—39  g
HCl  in  1  1).
a)  Zur  genauen  Einstellung 2 )  füllt  man  eine  Quetschhahnbürette  mit  der
betreffenden  Säure,  eine  zweite  mit  einer  Natronlauge,  welche  annähernd  die  Normalmenge ­
  von  31  g  (richtiger 1 )  31,05  g)  Na 2 0  in  1  1  enthält,  läßt  dann  20  ccm  der
Säure  in  ein  etwa  100  ccm  Wasser  enthaltendes  Becherglas  ablaufen,  färbt  mit
Cochenillelösung  gelb  oder  mit  Lackmustinktur  schwach  rötlich  und  setzt  sodann
so  viel  von  der  Natronlauge  zu,  bis  die  Flüssigkeit  eben  rot  bezw.  blau  erscheint.
Nach  einigen  Minuten  liest  man  den  Flüssigkeitsstand  in  beiden  Büretten  ab.  Man
erfährt  so,  in  welcher  Beziehung  die  Natronlauge  zur  Säure  steht.
Man  füllt  alsdann  Säure-  und  Laugebürette  aufs  neue,  wägt  von  vollkommen
reinem  und  wasserfreiem  kohlensauren  Natrium 8 )  zweimal  etwa  1,0—1,5  g
ab,  bringt  sie  in  einen  Erlenmeyer-Kolben  von  etwa  300  ccm  Inhalt  und  löst  in  je
100—150  ccm  Wasser.
*)  Vergl.  nachstehende  neue  Atoragewichtstafel.
2 )  Nach  R.  Fresenius.  Anleitung  zur  quant.  Analyse,  6.  Aull,,  2,  251.
3 )  Das  reine  wasserfreie  kohlensaure  Natrium  stellt  man  sich  aus  käuflichem,  möglichst ­
  reinem  doppeltkohlensauren  Natrium  her.  Man  zerreibt  dasselbe,  bringt  es  in  einen
Trichter,  welcher  in  der  Spitze  ein  kleines  Filter  enthält,  drückt  das  doppeltkohlensaure
Natrium  fest,  ebnet  die  Oberfläche,  legt  eine  mehrfache  Lage  Filtrierpapier  darauf,  gießt
wiederholt  kleine  Mengen  kalten  destillierten  Wassers  auf  und  setzt  dieses  Auswaschen  so
lange  fort,  bis  die  ablaufende  Losung  sich  als  ganz  frei  von  Schwefelsäure  und  von  Chlor
erweist.  Man  trocknet  dann  das  ausgewaschene  Salz  und  erhitzt  es  mäßig  in  einer  Platinschale,
  um  das  doppeltkohlensaure  Salz  in  wasserfreies,  einfach  kohlensaures  Salz  überzuführen.
Dieses  zerreibt  man  und  hebt  es  zum  Gebrauche  auf.  Vor  dem  Abwägen  erhitzt  man  eine
geeignete  Menge  im  Platintiegel  längere  Zeit  mäßig  und  bringt  das  noch  heiße  Pulver  in
ein  warmes,  trocknes,  zu  verschließendes  Röhrchen,  welches  im  Exsikkator  aufbewahrt  wird.
        <pb n="978" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

957

Man  erwärmt  die  Lösungen  des  kohlensauren  Natriums,  setzt  Kongorotoder ­
  Cochenillelösung  oder  Lackmustinktur  zu  und  fügt  aus  der  Bürette  in  kleinen
Teilen  unter  Umschwenken  soviel  von  der  Säure  zu,  daß  die  Flüssigkeit  rötlichgelblich ­
  bezw.  rötlich-violett  geworden  ist.
Man  erhitzt  sodann  zum  gelinden  Sieden  und  erhält  eine  Zeitlang  darin.  Die
Flüssigkeit  wird  hierbei  in  dem  Maße,  als  die  freie  Kohlensäure  entweicht,  rot  bezw.
bei  Anwendung  von  Lackmustinktur  wieder  blau.  Man  läßt  weitere  Säure  zufließen,
bis  auch  nach  etwa  5  Minuten  langem  Kochen  die  Flüssigkeit  deutlich  gelb  bezw.
gelbrot  bleibt,  und  läßt  alsdann  aus  der  Laugenhlirette  so  viel  Natronlauge  vorsichtig
zutropfen,  bis  die  Flüssigkeit  eben  hellrot  bezw.  blau  erscheint.  Nach  einigen
Minuten  liest  man  den  Flüssigkeitsstand  in  beiden  Büretten  ah,  berechnet  aus  der
verbrauchten  Lauge  nach  dem  oben  gefundenen  Verhältnisse  die  überschüssig  zugesetzte ­
  Säure,  zieht  diese  von  der  im  ganzen  verbrauchten  Menge  Säure  ah  und
erhält  so  die  Menge,  welche  zur  Sättigung  der  abgewogenen  Menge  des  kohlensauren
Natriums  gedient  hat,  und  damit  auch  den  genauen  Gehalt  der  darin  enthaltenen
Säure;  denn  1  Äquivalent  kohlensaures  Natrium  oder  53,05  g  desselben  entsprechen
1  Äquivalent  Säure,  also  40  g  bezw.  40,03  g  Schwefelsäure  oder  36,458  g  Salzsäure ­
  usw.
F.  Mach 1 )  verfährt  in  der  Weise,  daß  er  reinstes,  wasserfreies  Natriumkarbonat ­
  2-mal  umkristallisiert,  von  dem  gereinigten  Salz  eine  kalt  gesättigte  Lösung
herstellt  und  aus  dieser  Lösung  durch  Einleiten  von  durch  Soda  gewaschener  Kohlensäure ­
  das  Karbonat  als  Natriumbikarhonat  ausfällt.  Hiervon  werden  0,6—0,7  g
in  einem  mit  Deckel  versehenen  Platintiegel  abgewogen,  durch  vorsichtiges  Erwärmen
zunächst  entwässert  und  sodann  1 / 2  Stunde  auf  einer  ganz  kleinen  Flamme,  wobei
der  Boden  des  Tiegels  nicht  zum  Glühen  kommen  darf,  erhitzt.  Nach  dem  Erkalten
wird  gewogen  und  dann  das  Erhitzen  nochmals  1 / 2  Stunde  fortgesetzt,  wobei  das
Gewicht  sich  äußerst  selten  um  mehr  als  0,1  mg  verringert.  Das  Karbonat  wird
sodann  mit  warmem  Wasser  in  einen  Erlenmeyer-Kolhen  gespült,  mit  20  ccm  einzustellender ­
  Säure  versetzt,  die  Kohlensäure  auf  dem  siedenden  Wasserhade  verjagt
und  wie  oben  angegeben  ist,  verfahren.
Beispiel:  Angenommen,  es  sei  gefunden,  daß  20  ccm  der  Säure  =  19,6  ccm
Natronlauge  entsprechen;  zu  1,2  g  kohlensaurem  Natrium  seien  verbraucht  22  ccm
Säure  und  zum  Zurücktitrieren  der  überschüssig  zugesetzten  Säure  1,2  ccm  Natronlauge; ­
  da  20,0  ccm  Säure  =  19,5  ccm  Natronlauge  sind,  so  entsprechen  1,2  ccm
Lauge  =  1,23  ccm  Säure.  Zur  Sättigung  des  kohlensauren  Natriums  sind  somit
verbraucht  22—1,23  =  20,77  ccm  Säure.
Diese  enthalten  also  die  den  1,2  g  verwendeten  kohlensauren  Natriums
äquivalente  Menge  Schwefelsäure  oder  Salzsäure  usw.,  welche  hei  ersterer,  berechnet
aus  dem  Ansätze:
53,05  ;  40,03  =  1,2  :  x,
zu  0,90543  g  Schwefelsäure  sich  ergibt;  hei  letzterer,  aus  dem  Ansätze:
53,05  :  36,468  =  1,2  :  x,
zu  0,82469  g  Salzsäure.
Da  diese  Mengen  in  20,77  ccm  enthalten  sind,  so  ergibt  sich  für  1000  ccm
ein  Gehalt  von  43,5931  g  Schwefelsäure  oder  39,7058  g  Salzsäure.
Differiert  der  Säuregehalt  aus  den  beiden  Bestimmungen  um  nicht  mehr  als
0,1  g  auf  1000  ccm  berechnet,  so  wird  das  Mittel  aus  beiden  Bestimmungen  als
richtig  angenommen.  Ist  die  Differenz  jedoch  größer,  so  muß  noch  eine  dritte
Bestimmung  ausgeführt  werden.

M  Landw.  Versuchs-Stationen  1905,  63,  71.
        <pb n="979" />
        958

Anhang.

Aus  der  so  hergestellten,  etwas  stärkeren  Säurelösung  wird  die  Normalsäure
bereitet,  indem  man  dieselbe  so  verdünnt,  daß  in  1000  ccm,  gemessen  bei  17,6°,
die  Äquivalentzahl  der  betreffenden  Säure  in  Grammen  enthalten  ist.
Wären,  wie  in  obigem  Beispiel,  in  1000  ccm  nach  der  ersten  Bestimmung
43,5981  g,  nach  der  zweiten  43,6409  g,  im  Mittel  also  43,6170  g  Schwefelsäure
gefunden,  so  müßten  nach  der  Gleichung:
40,03  :  1000  =  43,617  :  x;  x  =  1089,6
je  1000  ccm  der  verwendeten  Schwefelsäurelösung  durch  Zusatz  von  destilliertem
Wasser  zu  1089,6  ccm  verdünnt  werden.  Es  geschieht  dies  einfach  in  der  Weise,  daß
man  einen  Literkolben  bis  an  die  Marke  mit  der  Säure,  deren  Temperatur  auf  17,5°
gebracht  ist,  füllt,  dieselbe  vorsichtig  in  die  größere,  zum  Aufbewahren  bestimmte
trockne  Flasche  gießt,  dann  den  Kolben  mit  89.6  ccm  Wasser,  welche  man  mit
einer  Bürette  oder  Pipette  abmißt,  ausspült  und  in  die  große  Flasche  nachfüllt.
Man  bringt  dann  nochmals  etwa  die  Hälfte  der  Flüssigkeit  in  den  Kolben  zurück,
spült  um,  bringt  wieder  in  die  Flasche,  mischt  und  bewahrt  auf.
An  Stelle  von  Natriumkarbonat  kann  man  auch  Kaliumkarbonat,  aus
reinem  Kaliumbitartrat  durch  Veraschen  hergestellt,  verwenden  (vergl.  unter  Normalalkali ­
  S.  960).
b)  Zur  weiteren  Prüfung  der  Säureflüssigkeit  löst  man  6,61  g  chemisch  reines,
wasserfreies,  schwefelsaures  Ammon  (mit  21,24%  N)  in  1  1  Wasser  und  bestimmt
in  100  ccm  der  durchgemischten  Lösung  das  Ammoniak  nach  S.  142  durch
Destillation  mit  frisch  gebrannter  Magnesia,  indem  man  20  ccm  Säure  vorlegt.
Da  100  ccm  Ammoniaksalzlösung  =  0,661  g  Salz  =  0,1404  g  Stickstoff  enthalten,
so  muß  man,  wenn  das  Salz  rein  und  die  Säure  richtig  eingestellt  ist,  genau
10  ccm  der  letzteren  zur  Bindung  des  Ammoniaks  gebrauchen.
F.  Mach 1 )  reinigt  das  Ammoniumsulfat  zunächst  durch  mehrmaliges  Umkristallisieren ­
  aus  Wasser,  bereitet  von  dem  gereinigten  Salz  eine  kalt  gesättigte
Lösung  und  gießt  diese  tropfenweise  unter  fortwährendem  Umrühren  in  etwa  das
doppelte  Volumen  absoluten  Alkohols.  Der  sehr  feinkörnige  Niederschlag  wird  abgesaugt, ­
  zuerst  mit  Alkohol,  sodann  mit  gekühltem,  destilliertem  Wasser  gewaschen
und  mit  Fließpapier  von  der  größten  Menge  Feuchtigkeit  befreit.  Von  diesem  in
gut  schließenden  Gefäßen  aufbewahrten  Salz  werden  vor  jeder  Titerstellung  2—3  g
im  Trockengläschen  zunächst  2  Stunden  im  Wassertrockenschrank  bei  etwa  96°  getrocknet, ­
  verrieben,  nochmals  1  Stunde  getrocknet  und  im  geschlossenen  Wägegläschen ­
  im  Exsikkator  bis  vor  dem  Abwägen  zur  Destillation  aufbewahrt.
c)  Als  drittes  Mittel  kann,  wie  F.  Mach  (1.  c.)  anfuhrt,  zur  Ergänzung  der
beiden  ersten  auch  Kaliumtetroxalat  dienen,  welches  eine  stets  gleichbleibende
Zusammensetzung  zu  besitzen  pflegt.  0,5  g  desselben  werden  auf  einem  Uhrgläschen
abgewogen,  mit  ausgekochtem  und  wieder  abgekühltem,  jedoch  zweckmäßig  noch
warmem  Wasser  in  einen  Erlenmeyer-Kolben  gespült,  so  daß  die  Flüssigkeit  etwa
100  ccm  beträgt,  und  nach  dem  Lösen  und  Abkühlen  mit  Phenolphthalein  als  Indikator
direkt  titriert.  Um  die  Angaben  dieses  Indikators  auch  auf  Kongorot  beziehen  zu
können,  werden  gleichzeitig  20  ccm  Titriersäure  mit  100  ccm  desselben  ausgekochten
Wassers  versetzt  und  unter  Anwendung  von  Phenolphthalein  titriert,  wobei  sich  in
der  Regel  gegenüber  den  bei  Anwendung  von  Kongorot  gefundenen  Kubikzentimetern
Lauge  Unterschiede  von  -j-  0,1  bis  0,15  ccm  ergeben,  die  in  der  Hauptsache  durch
geringe  vorhandene  Kohlensäure  verursacht  werden.  Durch  einfache  Verhältnis-*)
  Landw.  Versuchs-Stationen  1905,  63,  71.
        <pb n="980" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

959

rechnung  läßt  sich  dann  die  der  Berechnung  zugrunde  zu  legende  Laugenmenge
berechnen.
Anm,  Wenn  die  titrierten  Lösungen  auch  noch  zu  anderen  als  bloß  Stickstoffbestimmungen ­
  verwendet  werden,  z.  B.  für  die  Titration  von  organischen  Säuren,  wobei
gleichzeitig  oder  nur  wie  bei  Butter.  Fetten,  Bier  usw.  der  Säuregehalt  in  verbrauchten
Kubikzentimetern  Normal-Alkali  ausgedrückt  wird,  so  empfiehlt  es  sich,  stets  genau  normale
Säurelösungen  vorrätig  zu  halten  und  darauf  die  Alkalilauge  einzustellen.
Dient  indes  die  titrierte  Säure  vorwiegend  nur  zu  Stickstoffbestimmungen  und  nur
vereinzelt  zu  obigen  Zwecken,  so  kann  man  auch  von  der  Herstellung  einer  ganz  genauen
Normalsäure,  welche  durchweg  nicht  mit  einer  einmaligen  Verdünnung  und  Titerstellung
erreicht  wird,  daher  viel  Zeit  erfordert,  absehen,  indem  man  nur  eine  annähernd  normale
Lösung  (also  41—43  g  S0 3  oder  37—38  g  HCl  in  1  1  enthaltend)  darstellt  und  hierin
genau  den  Säuregehalt,  wie  vorstehend  angegeben  ist,  ermittelt.
Die  Lauge  wird  alsdann  annähernd  auf  1 / 4  Normal  verdünnt,  gegen  die  Säure  eingestellt ­
  und  der  Stickstoff-Faktor  nach  dem  bekannten  Säuregehalt  jedesmal  besonders  berechnet. ­

Selbstverständlich  macht  man  sich  zweckmäßig  von  der  titrierten  Säure  je  nach
der  Höhe  des  Verbrauchs  einen  Vorrat  von  10,  20  und  mehr  Litern.
Behufs  Einfüllung  der  titrierten  Säuren  bedient  man  sich  zweckmäßig  solcher  Büretten J ),
bei  welchen  unten  ein  Glasröhrchen  angesetzt  ist,  durch  welches  mittels  eines  Heberrohres
aus  der  höher  stehenden  Glasflasche  jedesmal  die  Säure  eingefüllt  wird.  Bürette  wie  Vorratsflasche ­
  sind  mit  Pfropfen  verschlossen,  durch  welche  ein  kapillar  ausgezogenes,  mit
Glaswolle  angefülltes  Glasröhrchen  führt,  welches  Luft  ein-  und  austreten  läßt,  aber  eine
Wasserverdunstung  in  hinreichender  Weise  verhütet.  Der  Pfropfen  der  Säureflasche  ist,
wenn  sie  nicht  unten  einen  Tubus  behufs  Abfüllung  bat,  mit  doppelt  durchbohrtem  Pfropfen
verschlossen,  durch  dessen  eine  Öffnung  das  Heberrohr,  durch  dessen  zweite  Öffnung  das
Kapillarröhrchen  führt.
2.  Normal-Alkali.  Als  Älkalilaugen  werden  entweder  Natronlauge  oder  Barytlauge ­
  angewendet.
a)  Natronlauge.  Für  die  Natronlauge  ist  es  von  Belang,  daß  sie  kohlensäurefrei ­
  ist.  Man  löst  für  den  Zweck  850  g  oder  auch  die  doppelte  Menge
(1700  g)  Natriumhydroxyd,  um  einen  größeren  Vorrat  zu  bereiten,  in  10  1  destilliertem
Wasser  und  setzt  so  lange  Kalkwasser  zu,  bis  bei  neuem  Zusatz  keine  Fällung  oder
Trübung  mehr  eintritt.
Viel  besser  als  die  Behandlung  mit  Kalkwasser  zur  Darstellung  einer  kohlensäurefreien ­
  Natronlauge  ist  das  von  K.  Müller-Hildesheim  angewendete  Verfahren,
nämlich  Zusatz  von  Barytwasser  im  Überschuß  und  nachheriger  Zusatz  von  Natriumsulfat, ­
  um  den  Überschuß  an  Ätzbaryt  wieder  auszufällen.  Die  üherstehende  Lauge
darf  mit  Schwefelsäure  keinen  Niederschlag  mehr  geben.  —  Diese  Lösung  wird  vor
Kohlensäurezutritt  geschützt  aufbewahrt  und  hiervon  werden  aliquote  Teile  zur
Darstellung  von  Normallauge  verwendet.
Mit  Hilfe  eines  Aräometers  oder  einer  Normalsäure  bereitet  man  sich  aus
dieser  sehr  konzentrierten,  kohlensäurefreien  Lauge  eine  etwas  über  normal  starke
Flüssigkeit,  so  daß  dieselbe  etwa  32—34  g  Na 2 0  im  Liter  enthält,  oder  daß  etwa
18—19,5  ccm  derselben  zur  Sättigung  von  20  ccm  einer  Normalsäure  erforderlich  sind.
Angenommen,  man  habe  zu  20  ccm  Normalsäure  18,6  ccm  der  einzustellenden
Natronlauge  verwendet,  so  müssen  auf  je  18,4  ccm  20—18,4  =  1,6  ccm  Wasser
zugesetzt  oder  1000  ccm  der  Lauge  nach  der  Gleichung  18,4:20  =  1000  ;  x  (x  =  1087)
auf  1087  ccm  verdünnt  werden,  um  Normallauge  zu  erhalten.
1 )  Man  hat  für  den  Zweck  auch  Büretten  mit  Selbsteinstellungsvorriohtung  eingerichtet; ­
  dieselben  stellen  sich,  wenn  über  0  eingefüllt  ist,  von  selbst  auf  0  ein.
        <pb n="981" />
        960

Anhang.

Selbstverständlich  muß  das  zum  Verdünnen  benutzte  destillierte  Wasser
kohlensäurefrei  sein. 1 )  Falls  dasselbe  mit  Barytwasser  eine  Trübung  gibt,  wird
es  gekocht  und  in  einer  mit  einem  Natronkalk-  oder  Kalihydratstüeke  enthaltenden
Rohre  verschlossenen  Flasche  erkalten-gelassen.  Man  verwendet  für  die  Stickstoff-Bestimmungen
  zweckmäßig  1 / 4  Normallauge.
Wenn  die  Lauge  vorwiegend  oder  nur  zu  Stickstoff-Bestimmungen  dient,  so
ist  es,  wie  gesagt,  nicht  notwendig,  daß  dieselbe  genau  normal  bezw.  genau  1 / 4
normal  ist.  Es  erspart  Zeit,  wenn  man  eine  annähernd  genaue  1 j A  Normallauge
bereitet,  deren  Titer  man  genau  gegen  die  Säure  von  bekanntem  Gehalt  feststellt
und  von  der  man  jedesmal  den  Stickstoff-Faktor  berechnet.
Zur  direkten  Titerstellung  der  Alkalilauge  kann  man  sich  nach  A.  Bornträger
 2 )  des  reinen  Kaliumbitartrats  bedienen.  Reines  Kaliumbitartrat  wird  zur
weiteren  Reinigung  mit  1  Teil  Wasser  und  1 / 10  Teil  Salzsäure  von  1,13  spezifischem
Gewicht  erhitzt,  erkalten  und  kristallisieren  gelassen,  der  Niederschlag  ausgewaschen,
noch  einmal  aus  Wasser  umkristallisiert  und  bei  100°  getrocknet;  1,8819  g  dieses
Salzes  entsprechen  10  ccm  Normalalkali  oder  Normalsäure.  Zur  Titerstellung  der
Säure  wird  vorstehende  Menge  des  Salzes  oder  die  2-fache  Menge  vorsichtig  verascht
(verkohlt),  die  Kohle  mit  Wasser  ausgezogen  und  wie  vorstehend  S.  957  gegen  die
Säure  eingestellt.
Das  Einfüllen  der  Lauge  in  die  unten  mit  einem  Glasröhrchenansatz  versehene
Bürette  geschieht  zweckmäßig  wie  bei  der  Säureflüssigkeit  mittels  eines  Heberrohres;  indes
werden  hier  die  Bürette  und  Vorratsflasche  behufs  Luftein-  und  -austrittes  mit  einem  mit
Natronkalk  beschickten  Glasrohr  verschlossen,  um  jegliche  Kohlensäure  der  Luft  fern
zu  halten.
b)  Barytlauge.  Wenn  die  Stickstoffbestimmungen  nach  dem  Natronkalkverfahren ­
  —  was  indes  wohl  kaum  mehr  geschieht  —  ausgeführt  werden,  so  empfiehlt
sich  unter  allen  Umständen  die  Anwendung  von  Barytlauge,  weil  das  sich  bildende
Baryumsulfat  wegen  seiner  weißen  Farbe  und  weil  es  Farbstoffe  mit  niederreißt,
den  Farbenübergang  bei  den  stark  gefärbten  Flüssigkeiten  besser  erkennen  läßt.
Aus  demselben  Grunde  eignet  sich  die  Barytlauge  besser  als  Natronlauge  zur  Bestimmung ­
  der  Säure  im  Rotwein  oder  in  stark  gefärbten  Pflanzenauszügen,  zumal
wenn  man  diese  vorher,  um  die  Menge  des  Baryumsulfates  zu  erhöhen,  ein  bestimmtes ­
  Volumen  (10  ccm)  titrierte  Schwefelsäure  zusetzt. 8 )
Auch  bei  Bestimmung  der  flüchtigen  Säuren  in  der  Butter  (S.  527)  und  zu
sonstigen  Säure-Titrationen  wird  vielfach  Barytlauge  vorgezogen.  Man  bereitet
eine  annähernd  gesättigte  Lösung,  indem  man  auf  je  1  I  Wasser  35  g  Barythydrat,
nötigenfalls  unter  Zusatz  von  5  g  Chlorbaryum,  also  auf  10  1  350—400  g  Barythydrat ­
  usw.  abwägt,  längere  Zeit  digeriert  und  unter  tunlichster  Abhaltung  von
Luft  filtriert.  Die  stets  schwach  trübe  Flüssigkeit  bleibt  stehen,  bis  sie  klar  geworden ­
  ist,  d.  h.  bis  sich  alles  kohlensaure  Baryum  zu  Boden  gesetzt  hat.  Die
klare  Lauge  wird  alsdann  genau  gegen  die  Säure  eingestellt  und  wie  bei  Natronlauge ­
  vollständig  vor  Kohlensäurezutritt  geschützt.  Der  Titer  muß  indes  von  Zeit
zu  Zeit  und  öfter  wie  bei  Natronlauge  kontrolliert  werden.

9  Man  kann  daher  auch  700—800  g  Natronhydrat  gleich  in  50  1  Wasser  (in  einem
Ballon)  lösen,  hierzu  erst  genügend  Barythydrat  und  darauf  Natriumsulfat  zusetzen,  absitzen
lassen,  die  Flüssigkeit  vor  Kohlensäure-Zutritt  schützen  und  diese  direkt  verwenden.
2 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chemie  1892,  31,  43.
3 )  Selbstverständlich  muß  man  dann  die  den  10  ccm  Schwefelsäure  entsprechenden
ccm  Barytlauge  in  Abzug  bringen.
        <pb n="982" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

961

3.  Lackmustinktur.  Zur  Bereitung  einer  empfindlichen  Lackmustinktur  verfährt ­
  Fr.  Mohr 1 )  wie  folgt:
Der  Lackmus  wird  mit  heißem  destilliertem  Wasser  erschöpft,  die  filtrierte
Lösung  verdampft,  mit  Essigsäure  übersättigt  (wobei  sich  Kohlensäure  entwickelt),
sodann  weiter  bis  zur  Konsistenz  eines  dicken  Extraktes  eingedampft.  Man  bringt
die  Masse  in  eine  Flasche  und  übergießt  sie  mit  einer  größeren  Menge  90°/ o -igen
Alkohols.  Der  blaue  Farbstoff  wird  gefällt,  ein  roter  Farbstoff  und  essigsaures
Kalium  lösen  sich.  Man  filtriert,  wäscht  mit  Weingeist  aus,  löst  den  zurückbleibenden ­
  Farbstoff  in  warmem  Wasser  und  filtriert.  —  Auch  wird  empfohlen,  um
die  Lackmuslösung  haltbarer  zu  machen,  den  Rückstand  in  wenig  Glyzerin  zu  lösen.
Die  Lackmuslösung  muß  in  offenen,  bloß  mit  Baumwollepfropf  bedeckten  Gefäßen
aufbewahrt  werden,  da  sie  sich  in  verschlossenen  Gläsern  bald  entfärbt.
Man  prüft  sie,  indem  man  etwa  100  ccm  Wasser  damit  deutlich  blau  färbt,
die  Lösung  in  zwei  Teile  teilt  und  zu  dem  einen  Teil  eine  sehr  geringe  Menge  einer
verdünnten  Säure,  zum  anderen  eine  Spur  Natronlauge  setzt.  Färbt  sich  jene  Hälfte
deutlich  rot,  diese  deutlich  blau,  so  ist  die  Lackmustinktur  brauchbar.  Es  darf  also
weder  Säure  noch  Alkali  vorwalten.
Man  kann  sich  aber  auch  nach  dem  Vorschläge  von  Halenke  und  Möslinger
der  Azolitminsäure  bedienen  (vergl.  S.  763).
4.  Cochenilletinktur  und  Kongorot,  a)  Cochenilletinktur:  Dieser  von
Luckow  empfohlene  Indikator  wird  bereitet,  indem  man  etwa  6  g  gepulverte
gute  Cochenille  mit  1 / 2  1  eines  Gemenges  von  300  ccm  destilliertem  Wasser  und
200  ccm  Alkohol  bei  gewöhnlicher  Temperatur  einige  Stunden  unter  häufigem  Umschütteln
  behandelt  und  sodann  durch  schwedisches  Filtrierpapier  filtriert.  Die
Lösung  hält  sich  in  verschlossenen  Flaschen  sehr  gut.
Mit  Säuren  gibt  sie  gelbrote,  mit  Alkalien  violett-karminrote  Färbung.
Anwesenheit  von  Kohlensäure  in  der  zu  titrierenden  Flüssigkeit  wirkt  nicht
so  störend  als  bei  Lackmus.  Bei  Anwesenheit  von  essigsauren  Salzen,  von  Eisenund
  Tonerdesalzen  ist  dieselbe  jedoch  nicht  zu  verwenden.
b)  Kongorot:  Statt  der  Cochenille  wird  neuerdings  vielfach  auch  Kongorot
als  Indikator  für  saure  und  alkalische  Flüssigkeiten  angewendet.  Man  löst  für  den
Zweck  1,0  g  Kongo  rot  in  1  1  50°/ o -igem  Alkohol.
Im  freien  Zustande  ist  der  Farbstoff  blau,  seine  Alkalisalze  sind  scharlachrot. ­
  Die  rote  Lösung  des  Indikators  wird  daher  durch  Säuren,  selbst  in  geringer
Menge,  blau  gefärbt,  durch  Zusatz  von  Alkali  wieder  in  Rot  uragewandelt.  Freie
Kohlensäure  färbt  die  blaue  Lösung  blauviolett.
Da  Alaun  ohne  Einfluß  auf  den  Farbstoff  ist,  so  kann  die  Lösung  nach
Herzfeld  auch  zur  Prüfung  des  Papiers  auf  freie  Säure  verwendet  werden.
5.  Phenolphthalein.  Man  löst  1  Teil  Phenolphthalein  in  30  Teilen  Alkohol
von  etwa  90  Volumprozent  und  fügt  auf  etwa  100  ccm  einer  zu  titrierenden  Flüssigkeit ­
  1  bis  2  Tropfen  dieses  Indikators  zu.
Durch  Alkali  erhält  man  eine  rote  Flüssigkeit,  während  durch  Säuren  Farblosigkeit ­
  eintritt.  Phenophthalein-Lösung  ist  bei  Gegenwart  von  Ammoniumsalzen,
also  zur  Titration  bei  den  üblichen  Stickstoffbestimmungen  nicht  geeignet.
6.  Bosolsäure.  1  Teil  reine  Rosolsäure  wird  in  500  Teilen  80°/ 0 -igem  Alkohol ­
  gelöst  und  mit  etwas  Ätzbaryt  bis  zur  beginnenden  rötlichen  Färbung  versetzt.

l )  Journ.  f.  prakt.  Chemie  84,  424,  —  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1861,  1,  386.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  61
        <pb n="983" />
        962

Anhang.

Dieser  Indikator  wird  durch  Säuren  blaßgelb,  durch  Alkali  schön  rosenrot
gefärbt.  Bei  Gegenwart  von  Ammoniak  kann  Eosolsäure  als  Indikator  nicht  verwendet ­
  werden.
Die  Rosolsäure-Lösung  dient  besonders  zur  Prüfung  auf  freie  Kohlensäure
im  Wasser.  Bei  Gegenwart  von  freier  Kohlensäure  wird  die  Flüssigkeit  gelblich;
ist  letztere  jedoch  nicht,  sondern  sind  nur  doppeltkohlensaure  Salze  vorhanden,
so  bleibt  die  Flüssigkeit  rot.  Man  wendet  auf  etwa  50  ccm  Wasser  1 / 2  ccm  der
Eosolsäure-Lösung  an.
7.  Uranlösung.  500  g  chemisch  reines,  essigsaures  oder  salpetersaures  Uran 1 )
werden  in  18—14  1  Wasser  aufgelöst  und  mit  100  ccm  Salpetersäure  von  1,2  spez.
Gewicht  versetzt.  Der  Wert  dieser  Lösung  w'ird  gegen  eine  Lösung  von  saurem
phosphorsaurera  Kalk  festgestellt,  deren  Gehalt  an  P,0 5  gewichtsanalytisch  bestimmt ­
  ist.
Der  Titer  dieser  Lösungen  wird  entweder  mittels  einer  eisen-  und  tonerdefreien
  Superphosphatlösung  von  bekanntem  Gehalt,  z.  B.  von  16  °/ 0  löslicher  Phosphorsäure ­
  oder  einer  Lösung  von  Tricalciumphosphat  (7,5  g)  mit  einer  entsprechenden
Menge  Schwefelsäure  festgestellt.  Die  Phosphorsäurelösung  soll  genau  0,1  g  P 2 0 5
in  50  ccm  oder  2  g  P 2 0 5  in  1  1  enthalten;  hat  ein  eisen-  und  tonerdefreies  Superphösphat
  genau  16  °/ 0  lösliche  Phosphorsäure,  so  sind  für  1  1  nach  der  Gleichung
x  :  2,0  =  100  ;  16,  x  =  12,5  g  Superphosphat  für  1  l  abzuwägen.  Stellt  man  das
Superphosphat  selbst  aus  Tricalciumphosphat  her,  so  bestimmt  man  darin  zuerst
die  Phosphorsäure  und  schließt  hiernach  dasselbe  mit  Schwefelsäure  von  etwa  1,53
spezifischem  Gewicht  auf,  indem  man  auf  1  g  P 2 0 5  =  1,127  g  SO ä  oder  auf  1  g
Ca 3 (P0 4 ) 2  =  0,516  g  SO,j  rechnet;  enthält  das  Tricalciumphosphat  vielleicht  geringe
Mengen  kohlensaurcs  Calcium,  so  setzt  man  auf  1  g  desselben  0,8  g  S0 3  mehr  zu.
Da  Schwefelsäure  von  1,530  spezifischem  Gewicht  (=  50°  Be.)  bei  15  0  =  51,1  °/ 0  S0 3
enthält,  so  ist  in  2  g  derselben  annähernd  1  g  S0 3  enthalten.
Die  Phosphorsäurebestimmungen  werden  stets  nach  dem  Molybdän  verfahren
(S.  150)  ausgeführt,
Hat  man  auf  solche  Weise  eine  Superphosphatlösung  von  genau  0,1  g  P 2 0 5
für  50  ccm  dargestellt,  so  würde  man  hierzu  genau  20  ccm  Uranlösung  gebrauchen,
welche  für  1  ccm  —  0,005  g  P 2 0 5  anzeigt.
Gebraucht  man  von  der  in  obiger  Weise  dargestellten  Uranlösung  z.  B.  18,2  ccm
zu  den  50  ccm  Superphosphatlösung  mit  0,1  g  P 2 0 5 ,  so  ist  die  Lösung  für  1  1  nach
der  Gleichung:
x  ;  1000  =  20,0  :  18,2,
x  =  1099,  zu  verdünnen,  d.  h.  1  1  der  Uranlösung  muß  auf  1099  ccm  verdünnt
werden.  Mit  der  so  verdünnten  Lösung  macht  man  genau  nach  S.  149  einen
weiteren  Titrationsversuch,  indem  man  wie  vorhin  zu  50  ccm  Phosphorsäurelösung
10  ccm  Ammoniumacetatlösung  setzt  und  erst  19,8  ccm  Uranlösung  in  der  Kälte
zufließen  läßt,  dann  bis  nahe  zum  Kochen  erwärmt  und,  falls  mit  Ferrooyankalium
keine  Reaktion  eintritt,  weitere  0,2  ccm  Uranlösung  zusetzt.  Gebraucht  man  dann
in  einer  zweiten,  vorher  erwärmten  Probe  genau  20  ccm  Uranlösung  zu  0,1  g  P 2 0 5 ,
so  ist  die  Uranlösung  richtig  eingestellt;  tritt  aber  die  Reaktion  schon  bei  19,8  com
ein,  so  muß  weiter  nach  der  Gleichung:
x  :  1000  =  20,0  :  19,8
1  1  dieser  Lösung  auf  1010  ccm  verdünnt  und  nochmals  gegen  die  Phosphorsäurelösung
  geprüft  werden.

9  Nach  den  Vereinbarungen  des  Vereins  deutscher  Düngerfabrikanten.  Berlin  1903.
        <pb n="984" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

963

Enthält  letztere  in  50  ccm  nicht  genau  0,1  g,  sondern  nur  0,0975  g  P 2 0 5 ,
so  müßte  man  zu  60  ccm  derselben  nicht  20  ccm,  sondern  19,5  ccm  Uranlösung
gebrauchen,  damit  1  ccm  der  letzteren  genau  0,005  g  P 2 0 6  anzeigt.  Dementsprechend
ist  dann  die  Berechnung  zur  Verdünnung  auszuführen;  gebraucht  man  z.  B.  zu
60  ccm  dieser  Phosphorsäurelösung  18,4  ccm  der  ursprünglichen  Uranlösung,  so  ist
dieselbe  nach  der  Gleichung  x  :  1000  =  19,5  :18,4  zu  verdünnen  usw.
Da  sich  Ammoniaksuperphosphate  gegen  die  Uranlösung  anders  verhalten
als  reine  Superphosphate,  so  empfiehlt  es  sich,  die  Uranlösung  auch  gegen  Phosphorsäurelösungen ­
  mit  etwa  5°/ 0  Stickstoff  auf  10  °/ 0  lösl.  Phosphorsäure  in  Form  von
Ammoniumsulfat  zu  prüfen  und  darnach  den  Titer  für  diese  Art  Superphosphate
festzustellen.
8.  Lösung  von  essigsaurem  Ammon  (oder  essigsaurem  Natrium)  nud  Ferrozyankalinm.
  100  g  chemisch  reines  essigsaures  Ammon  und  100  ccm  konzentrierte ­
  Essigsäure  werden  mit  Wasser  auf  11  gebracht;  statt  des  essigsauren  Ammons
kann  auch  essigsaures  Natrium  in  derselben  Weise  angewendet  werden.  Vom  Ferrocyankalium
  (chemisch  reinem  und  zerriebenem)  löst  man  0,5  g  in  40  ccm  Wasser
und  stellt  die  Lösung  vor  jedem  Gebrauch  frisch  her.
9.  Molybdänlösung.  150  g  molyhdänsaures  Ammon  werden  mit  Wasser  zu
1  1  Flüssigkeit  gelöst  und  in  1  1  Salpetersäure  von  1,2  spezifischem  Gewicht  gegossen, ­
  oder  es  werden  nach  Wagner-Stutzer  150  g  molyhdänsaures  Ammon
in  möglichst  wenig  Wasser  gelöst,  400  g  Ammonnitrat  zugefügt,  die  Flüssigkeit  mit
Wasser  zu  1  1  verdünnt  und  diese  Lösung  in  1  1  Salpetersäure  von  1,19  (bezw.
1,20)  spezifischem  Gewicht  eingegossen.
Statt  des  molyhdänsauren  Ammons  können  auch  125  g  Molyhdänsäure  in
einem  Literkolben  in  100  ccm  Wasser  aufgeschlämmt  und  unter  Zufügen  von  etwa
300  ccm  8  °/ 0 -igem  Ammoniak  (unter  Vermeidung  eines  größeren  Überschusses  dieses
Lösungsmittels)  gelöst  werden.  Sodann  werden  400  g  Ammonnitrat  hinzugefügt,
mit  Wasser  zu  1  1  verdünnt  und  diese  Flüssigkeit  in  1  1  Salpetersäure  von  1,19
(bezw.  1,20)  spezifischem  Gewicht  eingegossen.  Auch  hiervon  bereitet  man  zweckmäßig ­
  gleich  einen  größeren  Vorrat.
Die  so  bereitete  Molybdänlösung  bleibt  in  beiden  Fällen  24  Stunden  an  einem
warmen  Ort  (bei  etwa  35°)  stehen  und  wird,  falls,  wie  häufig,  ein  gelber  Niederschlag
von  phosphormolybdänsaurem  Ammon  entstanden  ist,  filtriert.  Die  Molybdänlösung
ist  vor  ihrer  Verwendung  nötigenfalls  durch  Dinatriumphosphatlösung  von  bekanntem
Gehalt  auf  Reinheit  zu  prüfen.
Der  bei  woohenlangem  Aufbewahren  der  Molybdänlösung  entstehende  gelbe  Bodensatz
besteht  aus  einer  gelben  Modifikation  der  Molybdänsäure.
10.  Verdünnte  Molybdänlösung  zum  Auswaschen.  Falls  solche  zum  Auswaschen ­
  statt  der  Ammoniumnitratlösung  verwendet  wird,  verdünnt  man  die  vorstehende ­
  Molybdänlösung  im  Verhältnis  von  1  :  3  mit  Wasser.
11.  Amnionnitratlösnng  zum  Auswaschen.  160  g  Ammonnitrat  werden  mit
10  ccm  Salpetersäure  und  Wasser  zu  1  1  Flüssigkeit  gelöst.
12.  Zitronensäure-  und  Aminoniumzitratlösung  zum  Fällen  der  l’hosphorsäure.
a)  Zitronensäurelösung.  500  g  Zitronensäure  werden  in  1  1  Wasser  gelöst
und  hiervon  20  ccm  =  10  g  verwendet,  indem  letztere  vor  dem  Zusatz  von  Magnesiamixtur ­
  mit  Ammoniak  neutralisiert  werden.
b)  Ammoniumzitratlösung.  Zum  Fällen  der  Phosphorsäure  nach
dem  Zitratverfahren  (vergl.  S.  152)  werden  1100  g  reine  Zitronensäure  in  4000  g
24°/ 0 -igem  Ammoniak  von  0,91  spezifischem  Gewicht  gelöst,  mit  Wasser  auf  101
61*
        <pb n="985" />
        964

Anhang.

verdünnt,  vor  dem  Gebrauch,  wenn  nötig,  filtriert  und  von  der  klaren  Lösung
50  ccm  auf  50  ccm  Phosphorsäurelösung  verwendet.
c)  Zitrathaltige  Magnesiamixtur.  Statt  des  getrennten  Zusatzes  von
Zitratlösung  und  Magnesiamixtur  kann  man  beide  Lösungen  auch  vereinigen  und
dieses  Gemisch  nach  P.  Wagner  wie  folgt  herstellen;
2000  g  Zitronensäure  werden  in  20°/ 0 -igera  Ammoniak  gelöst  und  mit  20°/ 0 -igem
Ammoniak  auf  10  1  aufgefüllt.  Von  dieser  Lösung  wird  1  1  mit  1  1  Magnesiamixtur
(No.  14)  vereinigt  und  gemischt.
d)  Eisenzitrat-Magnesiamixtur.  Für  eisenarme  und  kieselsäurereiche ­
  Phosphat-  (Thomasmehl-)  Lösungen  wird,  um  die  Ausfällung  von  Kieselsäure
hintanzuhalten,  nach  Weibull  eine  eisenhaltige  Magnesiamixtur  verwendet.
Man  setzt  nach  P.  Wagner  zu  1  1  der  vorstehenden  Zitrat-Magnesiamixtur  (c)
10  ccm  einer  20°/ 0 -igen  Eisenchlorürlösung.
Au  mann 1 )  verwendet  folgende  Eisenzitrat-Magnesiamixtur:
35  ccm  12°/ 0 -ige  Eisenchloridlösung  (FeCl :j )  +  400  ccm  50°/ 0 -ige  Zitronensäurelösung ­
  -j-  460  ccm  23  °/ 0 -iges  Ammoniak  +  600  ccm  nachstehender  Magnesiamixtur ­
  (No.  14);  von  diesem  Gemisch  werden  60  ccm  zu  50  ccm  des  Zitronensäure-Auszuges
  (0,5  g  Substanz  entsprechend)  gegeben.
e)  Zitrathaltige  Magnesiamixtur  nach  Wagner  und  Kunze  (für  die
Fällung  von  Phosphorsäure  und  Kieselsäure  in  der  Wärme  nach  S.  156):
2  kg  Zitronensäure  und  400  g  Chlorammonium  werden  in  eine  10  1-Flasche
gebracht,  mit  etwa  4  1  Wasser  und  darauf  mit  3,5  1  20°/ o -igem  Ammoniak  übergossen.
Die  Flasche  bleibt  mit  einem  Gummistopfen  verschlossen,  bis  die  Salze  gelöst  sind
und  die  Flüssigkeit  sich  abgekühlt  hat.  Dann  fügt  man  550  g  Chlormagnesium  zu
und  füllt  mit  Wasser  zu  10  1  auf.
13.  Zitronensäure-  und  Ammoiiiumzitratlösuiig  zum  Lösen  von  Phosphorsäure.
a)  Zitronensäurelösung  zum  Lösen  von  Phosphorsäure  (Thomasphosphatmehl). ­
 2 )  Angewendet  wird  eine  2°/ 0 -ige  Lösung.  Behufs  Herstellung  eines  größeren
Vorrates  wird  1  kg  reine,  kristallisierte  Zitronensäure  in  Wasser  und  unter  Zusatz
von  5  g  Salizylsäure  —  zur  Vermeidung  von  Pilzwachstum  —  auf  10  1  verdünnt.
Durch  Vermischen  von  1  Volum  teil  dieser  Lösung  mit  4  Volumteilen  Wasser  erhält
man  die  verdünnte  2°/ 0 -ige  Lösung.
b)  Zitratlösung  zum  Lösen  der  Phosphorsäure,  cc)  Verfahren  von
P.  Wagner.  150  g  Zitronensäure  werden  in  einem  Literkolben  in  Wasser  gelöst,
mit  Ammoniak  neutralisiert,  dann  unter  Zusatz  von  10  g  Zitronensäure  auf  1  1
verdünnt.  Durch  Verdünnung  von  1  1  dieser  Lösung  mit  4  1  Wasser  erhält  man
die  zu  den  Untersuchungen  dienende  verdünnte  Lösung.
ß)  Verfahren  von  A.  Petermann.  500  g  Zitronensäure  werden  in
Ammoniak  von  0,91  spezifischem  Gewicht  bis  zur  neutralen  Keaktion  —  wozu
etwa  700  ccm  gebraucht  werden  —  gelöst;  die  auf  15°  abgekühlte  Flüssigkeit  wird
durch  Zusatz  von  Wasser  auf  das  spezifische  Gewicht  1,09  gebracht  und  auf  je  1  1  mit
50  ccm  Ammoniak  von  0,91  spez.  Gewicht  versetzt;  die  Lösung  bleibt  etwa  48  Stunden
stehen  und  wird  dann  filtriert;  sie  hat  ein  spezifisches  Gewicht  von  1,082—1,083.
14.  Magnesiamixtur.  550  g  kristallisiertes  Chlormagnesium  und  700  g  Chlorammonium ­
  werden  in  6,5  I  Wasser  gelöst,  mit  3,5  1  Ammoniakflüssigkeit  von
9  Chem.-Ztg.  1902,  2«,  297  und  355.
2 )  Nach  der  früheren  Vorschrift  wurde  Ammoniumzitrat  angewendet;  150  g  Zitronensäure ­
  wurden  mit  genau  23  g  Ammoniakstickstoff  (==  27,93  g  NH 3 )  und  Wasser  zu  1  1
gelost  und  für  den  Gebrauch  2  I  dieser  Lösung  mit  3  1  destilliertem  Wasser  verdünnt.
        <pb n="986" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

965

8  %  NH 3 -Gehalt  auf  10  1  aufgefüllt  und  die  Lösung  nach  mehrtägigem  Stehen
filtriert.
Der  Verein  Deutscher  Düngerfabrikanten  hat  folgende  Darstellung  vereinbart:
550  g  Chlormagnesium  und  1060  g  Chlorammonium  werden  in  Wasser  gelöst,
mit  3,5  1  konzentriertem  Ammoniak  von  0,91  spezifischem  Gewicht  versetzt  und
mit  Wasser  auf  10  1  aufgefüllt.
15.  Ammouiakflüssigkeit  (zum  Auswaschen).  2 1 / 2 °/ 0 -ige  Ammoniakflüssigkeit
(oder  1  Teil  käufliches  10°/ o -iges  Ammoniak  +  3  Teile  Wasser).
16.  Bereitung  von  haltbarem  Kupferoxydhydrat  nach  Stutzer.  100  g  Kupfersulfat ­
  werden  in  5  1  Wasser  gelöst  und  mit  2,6  g  Glyzerin  versetzt.  Aus  dieser
Lösung  wird  durch  Zusatz  von  verdünnter  Natronlauge,  bis  die  Flüssigkeit  alkalisch
reagiert,  das  Kupfer  als  Oxydhydrat  ausgefällt.  Letzteres  wird  abfiltriert,  alsdann
durch  Anreiben  mit  Wasser,  welches  im  Liter  5  g  Glyzerin  enthält,  aufgeschlammt.
Durch  wiederholtes  Dekantieren  und  Filtrieren  entfernt  man  die  letzten  Spuren  von
Alkali.  Der  Filterrückstand  wird  mit  Wasser,  dem  man  10  °/ 0  Glyzerin  zugesetzt
hat,  verrieben  und  bis  zu  einer  Verdünnung  gebracht,  daß  derselbe  eine  gleichmäßige, ­
  mit  einer  Pipette  aufsaugbare  Masse  bildet.  Dieselbe  wird  in  gut  verschlossenen ­
  Flaschen  und  im  Dunkeln  aufbewahrt.  Den  Gehalt  der  breiigen  Masse
an  Kupferoxydhydrat  bestimmt  man  durch  Eindunsten  eines  abgemessenen  Volumens
und  Glühen  des  Rückstandes.  Statt  dieses  Verfahrens  bedient  man  sich  zurzeit  einfacher ­
  des  Verfahrens  von  F.  Barnstein,  S.  210.
17.  Bereitung  der  Verdauungsflüssigkeit  nach  Stutzer,  a)  Herstellung
des  Magensaftes.  Die  innere  abgelöste  Schleimhaut  frischer,  mit  kaltem  Wasser
abgewaschener  Schweinemägen  wird  mit  einer  Schere  in  kleine  Stücke  zerschnitten
und  für  jeden  Schweinemagen  mit  5  1  Wasser  und  100  ccm  einer  Salzsäure  übergossen, ­
  welche  in  100  ccm  10  g  HCl  enthält.  Zur  Frischhaltung  setzt  man  2  bis
3  g  Salizylsäure  hinzu,  läßt  unter  bisweiligem  Umschütteln  1—2  Tage  lang  stehen
und  filtriert  alsdann  die  Flüssigkeit  zuerst  durch  ein  Flanellsäckchen,  alsdann  durch
Filtrierpapier.  In  gut  verschlossenen  Flaschen  hält  sich  die  Flüssigkeit  monatelang
wirksam.  Es  empfiehlt  sich,  die  Schleimhaut  mehrerer  Mägen  (etwa  von  6)  gleichzeitig ­
  auszuziehen,  da  es  Vorkommen  kann,  daß  bei  der  Verarbeitung  eines  einzelnen
Magens  mit  zufällig  wenig  Pepsin  eine  mangelhaft  wirkende  Verdauungsflüssigkeit
erhalten  wird.  An  Stelle  dieses  Magensaftes  kann  man  auch  nach  B.  Sjollema  einfacher ­
  das  in  den  Apotheken  käufliche  Pepsin  verwenden  (vergl.  S.  219  und  220).
b)  Herstellung  der  Pankreaslösung.  Vom  Fett  möglichst  befreites
Eindspankreas  wird  in  einer  Fleischhackmaschine  zerkleinert,  mit  Sand  verrieben
und  24—36  Stunden  an  der  Luft  liegen  gelassen.  Sodann  vermischt  man  in  einer
Eeibschale  je  1000  g  zerriebene  Masse  mit  3  1  Kalkwasser  und  1  1  Glyzerin  von
1,23  spezifischem  Gewicht,  läßt  die  Mischung  unter  bisweiligem  Umrühren  4  bis
6  Tage  stehen,  preßt  das  Un^sliche  ab,  filtriert  die  Flüssigkeit  zunächst  durch  ein
lockeres  Filter,  erwärmt  dieselbe  2  Stunden  lang  auf  37—40°  und  filtriert  darauf
in  gut  verschließbare  Flaschen.
Um  die  Haltbarkeit  zu  erhöhen,  versetzt  man  nach  dem  Filtrieren  mit  so
viel  Chloroform,  daß  in  der  umgeschüttelten  Flüssigkeit  einige  Tropfen  des  Chloroforms ­
  ungelöst  am  Boden  des  Gefäßes  liegen  bleiben.
Zur  Herstellung  eines  alkalischen  Pankreasauszuges  für  den  eigentlichen
Verdauungsversuch  werden  250  ccm  der  vorstehenden  Lösung  mit  750  ccm  einer
Sodalösung  zusammengemisoht,  welche  in  den  750  ccm  5,0  g  wasserfreies  Natriumkarbonat ­
  gelöst  enthält.  Man  läßt  diese  Mischung  im  Wasserbade  bei  37—40°
        <pb n="987" />
        966

Anhang.

1—2  Stunden  stehen,  entfernt  die  bisweilen  auftretende  flockige  Abscheidung  durch
Filtration  und  verwendet  von  der  nunmehr  brauchbaren,  völlig  klaren  Flüssigkeit
zu  dem  Yerdauungsversuch  100  ccm.
Da  diese  Flüssigkeit  leicht  zur  Zersetzung  neigt,  muß  dieselbe  für  jeden
Yerdauungsversuch  stets  frisch  dargestellt  werden.  Will  mau  dieselbe  länger  als
24  Stunden  aufbewahren,  so  empfiehlt  es  sich,  nochmals  einige  Tropfen  Chloroform
zuzusetzen.
18.  Darstellung  der  Fehlingschen  Lösung  nach  Soxhlet.  Chemisch  reines
Kupfersulfat  wird  1-mal  aus  verdünnter  Salpetersäure,  3-mal  aus  Wasser  umkristallisiert ­
  und  zwischen  Fließpapier  trocken  gepreßt,  dann  12  Stunden  an  der
Luft  liegen  gelassen  und  hiervon  werden  34,630  g  zu  500  ccm  gelöst.
Die  Seignettesalzlösung  bereitet  man  —  tunlichst  häufig  frisch  —  in  der
Weise,  daß  man  173  g  weinsaures  Natriumkalium  in  400  com  Wasser  löst  und
dazu  100  ccm  Natronlauge  hinzufügt,  welche  516  g  Natriumhydroxyd  in  1  1  enthält.
Durch  Vermischen  gleicher  Volumen  Kupfer-  und  Seignettesalzlösung,  welche
getrennt  aufbewahrt  und  erst  beim  Gebrauch  gemischt  werden,  erhält  man  die
Fehlingsche  Lösung.
19.  Sachssesche  Quecksilberlösiing  zur  Bestinimuug  der  Zuckerarteu.  18  g
reines  und  trocknes  Jodquecksilber  —  erhalten  durch  Fällung  von  Sublimatlösung
mit  Jodkalium,  Auswaschen  und  Trocknen  des  Niederschlages  bei  100°  —  werden
mit  Hilfe  von  25  g  Jodkaliuni  in  Wasser  gelöst,  dazu  80  g  in  Wasser  gelöstes
Ätzkali  hinzugefügt  und  auf  1000  ccm  gebracht.  Die  Lösung  enthält  7,9295  g
Quecksilber  im  Liter.
Zur  Erkennung  der  Endreaktion  (nach  dem  Titrierverfahren)  dient  am  besten
eine  alkalische  Zinnoxydullösung,  welche  durch  Übersättigen  einer  Lösung
von  käuflichem  Zinnchlorür  mit  Ätzkali  bereitet  wird.  Man  verfolgt  das  Fortschreiten
  der  Reduktion  an  einigen  Tropfen,  welche  man  aus  der  Flüssigkeit  hebt
und  mit  der  Zinnlösung  versetzt.  Anfangs  entsteht  eine  schwarze  Fällung,  schließlich ­
  eine  braune  Färbung,  und  wenn  alles  Quecksilber  ausgefällt  ist,  bleibt  die
Farbe  unverändert.
20.  Knappsche  Quecksilberlösung  zur  Bestimmung  der  Zuckerarten.  10  g
reines,  trocknes  Cyanquecksilber  werden  in  Wasser  gelöst,  100  ccm  Natronlauge  von
1,145  spezifischem  Gewicht  hinzugefügt  und  auf  1000  ccm  aufgefüllt.  Die  Lösung
enthält  7,9365  g  Quecksilber  im  Liter.
Zur  Erkennung  der  Endreaktion  benutzt  man  hier  am  besten  mit  Essigsäure
angesäuertes  Schwefelwasserstoffwasser,  in  welches  man  einige  Tropfen  der  titrierten
Lösung  hineingibt.  Das  Tüpfelverfahren,  nach  welchem  man  einen  Tropfen  der
Flüssigkeit  auf  schwedisches  Filtrierpapier  gibt  und  dazu  einen  Tropfen  Schwefelammonium, ­
  ist  nach  Soxhlet  nicht  so  empfindlich.  Wenn  die  Flüssigkeit  mit  Schwefelwasserstoff ­
  in  essigsaurer  Lösung  keine  Bräunung  mehr  gibt,  ist  die  Reaktion  beendet.
21.  Darstellung  derDlastase  und  des  Invertins,  a)  Darstellung  der  Diastase
nach  J.  C.  Lintner. 1 )  1  Teil  Gerstengrünmalz  wird  mit  2—4  Teilen  20°/ 0 -
igem  Alkohol  24  Stunden  behandelt. 2 )  Der  abgesaugte  Auszug  wird  mit  dem
*)  Journ.  f.  prakt.  Chemie  1886,  34,  386.
a )  Nach  einer  anderen  Vorschrift  werden  2  kg  frisches  Grünmalz  in  einem  Mörser
mit  einer  Mischung  von  1  1  Wasser  und  2  1  Glyzerin  ühergossen  und  durchgemischt,  dann
8  Tage  stehen  gelassen.  Darauf  wird  die  Flüssigkeit  möglichst  gut  ausgepreßt  und
filtriert,  das  Filtrat  mit  dem  2-  bis  2,5-fachen  Volumen  Alkohol  gefällt,  der  Niederschlag  abfiltriert, ­
  mit  Alkohol  und  Äther  ausgewaschen,  über  Schwefelsäure  getrocknet  und  für  den
Gebrauch  in  glyzerinhaltigem  Wasser  gelöst.
        <pb n="988" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

967

doppelten,  höchstens  2 1 / 2 -fachen  Volumen  absolutem  Alkohol  gefällt.  (Mehr  Alkohol
zu  verwenden,  ist  nicht  ratsam,  da  sonst  nur  noch  schleimige  Stoffe  mit  wenig
Diastase  gefällt  werden.)  Der  Niederschlag  scheidet  sich  beim  ümrühren  in  gelblichweißen
  Flocken  ab,  die  sich  rasch  zu  Boden  setzen.  Die  über  dem  Niederschlag
stehende  Flüssigkeit  wird  abgegossen.  Den  ersteren  bringt  man  auf  ein  Filter,
saugt  den  Alkohol  .möglichst  rasch  ab,  bringt  den  Filterrückstand  dann  in  eine
Eeibschale,  um  ihn  mit  absolutem  Alkohol  einzuschlämmen,  filtriert  wieder  unter
Auswaschen  mit  absolutem  Alkohol,  zerreibt  den  Niederschlag  mit  Äther  und  bringt
ihn  nach  dem  Absaugen  zum  Trocknen  im  Vakuum  über  Schwefelsäure.  Die
gründliche  Entwässerung  mit  Alkohol  und  Äther  ist  notwendig,  um  die  Diastase
als  lockeres,  gelblich-weißes  Pulver  von  kräftiger  Wirksamkeit  zu  erhalten.
Die  Eohdiastase  kann  durch  wiederholtes  Auflösen  in  Wasser  und  Fällen  mit
Alkohol  gereinigt  werden.  Sie  benetzt  sich  nur  schwer  mit  Wasser,  muß  daher
vor  der  Verwendung  in  einem  Eeibschälchen  mit  Wasser  angeriehen  werden.
Durch  Auflösen  in  Glyzerin  erhält  man  eine  haltbare  Lösung.
Zur  Darstellung  der  Diastase  aus  Weizenmalz  gibt  J.  C.  Lintner  folgendes
Verfahren  an:
1  kg  feines  Weizenmalzschrot  wird  mit  Wasser  zu  einem  dünnen  Brei  angerührt ­
  und  nach  6—12-stündiger  Behandlung  durch  Papier  filtriert,  wobei  schließlich
mit  so  viel  Wasser  nachgewaschen  wird,  daß  das  Volumen  des  Filtrates  dem  zum
Ausziehen  angewendeten  Wasser-Volumen  gleich  ist.
Das  Filtrat  wird  allmählich  unter  Umrühren  mit  absolutem  Alkohol  versetzt,
bis  eben  ein  flockiger  Niederschlag  sich  scharf  abzuscheiden  beginnt.  Dann  wird
filtriert  und  das  Filtrat  mit  dem  l 1 /^-  bis  2-fachen  Volumen  Alkohol  versetzt.
Der  sich  hierbei  ausscheidende  Niederschlag  wird  gesammelt  und  wie  vorhin  behandelt. ­
  —  Durch  wiederholtes  Auflösen  in  Wasser  und  Fällen  mit  Alkohol  kann
der  Niederschlag  (Diastase)  noch  weiter  gereinigt  werden.  Der  bei  der  ersten  Zugabe ­
  von  Alkohol  entstehende  Niederschlag  enthält  nur  sehr  wenig  Diastase;  ebenso
der  Niederschlag,  der  entsteht,  wenn  mehr  Alkohol  zugegeben  wird.
A.  Schulte  im  Hofe  stellt  die  Diastase  nach  dem  letzten  Verfahren  dar,
jedoch  mit  der  Abweichung,  daß  er  die  erste  Filtration  durch  einfaches  Abpressen
umgeht  und  gleich  Alkohol  zufügt.
Die  Darstellung  von  Grünmalz  geschieht,  wenn  dasselbe  nicht  käuflich  zu
haben  ist,  am  besten  in  folgender  Weise:  Man  läßt  Gerste  oder  Weizen  etwa
24  Stunden  einweichen,  gibt  die  eingeweichte  Frucht  in  eine  geräumige  Schale  und
wendet,  besonders  nach  dem  zweiten  oder  dritten  Tage,  einigemal  im  Tage  um,
unter  Besprengung  mit  so  viel  Wasser,  daß  die  Körner  feucht  bleiben.  Sind  die
Wurzeln  ungefähr  so  lang  oder  l 1 / 2 -mal  so  lang  wie  die  Körner,  so  ist  das  Grünmalz ­
  fertig,  was  etwa  am  6.  bis  8.  Tage  der  Fall  sein  wird.  Die  Keimtemperatur
ist  am  besten  etwa  16°.
b)  Darstellung  von  Invertin  bezw.  Invertase.  Das  Invertin  stellt
man  nach  F.  W.  Thompson 1 )  dadurch  her,  daß  man  Hefe  mit  Sand  verreibt,  die
zerriebenen  Hefezellen  mit  Wasser  auszieht  und  die  filtrierten  Auszüge  mit  Alkohol
fällt.  Hierdurch  wird  das  Invertin  als  sirupartige  Masse  erhalten,  die  getrocknet
und  gepulvert  werden  kann.
Man  kann  nach  Thompson  die  Hefe  aber  auch  direkt  verwenden.  Man
trägt  von  derselben  VlO  der  zu  inventierenden  Zuckermenge  in  die  auf  56 0  erwärmte
Zuckerlösung  ein  und  ex'hält  bei  dieser  Temperatur.  Hierbei  tritt  nur  eine  Inversion
*)  Zeitschr,  f.  anal.  Chemie  1894,  3B,  243  und  246.
        <pb n="989" />
        968

Anhang.

und  keine  Vergärung  ein.  Nach  Kjeldahl 1 )  wird  die  Gärkraft  der  Hefe  auch
durch  Zusatz  einer  geringen  Menge  einer  alkoholischen  Thymollösung  aufgehoben.
0.  Kellner,  Mori  und  Nagarka 2 )  zerreiben  zur  Darstellung  von  Invertin
300  g  frische,  sehr  reine  Unterliefe  mit  Glasstückchen,  ziehen  mit  Wasser  aus  und
filtrieren  durch  Asbest.  Von  der  so  erhaltenen  Lösung  wird  1  Volumen  mit  2  Volumen
Kohlenhydratlösung  vermischt  und  bei  55°  invertiert.  Zusatz  von  alkoholischer
Thymollösung  macht  die  Invertinlösung  nicht  nur  haltbar,  sondern  hebt  auch  die
gärende  Wirkung  derselben,  wie  schon  gesagt,  auf.
22.  Vioo  Normal-Kaliumpermanganat-  und  1 / 100  Normal-Oxalsäurelösung  für  die
Bestimmung  der  organischen  Substanz  in  Wasser.  Man  löst  0,3165  g  (0,32—0,34  g)
kristallisiertes  Kaliumpermanganat  in  1  1  destilliertem  Wasser,  ebenso  0,63  g  reine
kristallisierte  Oxalsäure  in  1  1  destilliertem  Wasser  und  stellt  das  Verhältnis  dieser
Lösungen  zueinander  fest.  Man  läßt  aus  der  Bürette  10  ccm  Oxalsäurelösung  in
ein  Becherglas  fliessen,  verdünnt  mit  etwa  50  com  reinstem  Wasser,  setzt  5  ccm
verdünnte  Schwefelsäure  (1  Volumen  konzentrierte  Schwefelsäure  und  3  Volumen
Wasser)  zu,  erwärmt  auf  etwa  60°  und  titriert  mit  der  Permanganatlösung,  bis  eine
schwach  rosarote  Färbung  entsteht  und  sich  einige  Minuten  hält.  Bei  richtiger
Konzentration  der  Permanganatlösung  entsprechen  10  ccm  derselben  genau  10  ccm
Oxalsäurelösung,  d.  h.  10  ccm  der  letzteren  mit  6,3  mg  Oxalsäure  sind  gleich
3,16  mg  Kaliumpermanganat  =  0,8  mg  verfügbarem  Sauerstoff,  welche  zur  Umwandlung ­
  der  6,3  mg  Oxalsäure  in  Kohlensäure  und  Wasser  erforderlich  sind.
Zur  Titerstellung  verfährt  man  indes  am  zweckmäßigsten  in  der  Weise,  daß  man
100  ccm  eines  Wassers  (destilliertes  oder  auch  Trinkwasser)  mit  10  ccm  der  Permanganatlösung ­
  genau  nach  S.  807  in  saurer  und  alkalischer  Lösung  kocht,  10  ccm  Oxalsäurelösung
zusetzt  und,  wenn  sich  alles  Manganoxyduloxyd  gelöst  hat,  mit  Permanganatlösung  bis  zur
bleibenden  schwachen  Rosafärbung  zurücktitriert.
Zu  diesem  von  organischen  Stoffen  freien  Wasser  setzt  man  (nötigenfalls  unter
Wiederanwärmen  auf  50—60  °1  10  ccm  der  Oxalsäurelösung  zu  und  titriert  mit  der  Permanganatlösung ­
  bis  zur  bleibenden  Rosafärbung.  Ist  letztere  Lösung  genau  1 / 100  normal,
so  gebraucht  man  jetzt  10  ccm  derselben.  Werden  zu  10  ccm  1 / 100  Normal-Oxalsäure  statt
10  ccm  verbraucht  9,6  ccm  oder  10,6  ccm  Permanganatlösung,  so  muß  man  von  der  gesamten ­
  Anzahl  Kubikzentimeter  der  bei  einem  Wasser  verbrauchten  Permanganatlösung
z.  B.  10  -j-  4,7  =  14,7  ccm  statt  10  abziehen:  9,6  bezw.  10,6,  also  14,7  —  9,6  =  5,1  oder  im
letzteren  Falle  14,7  —10,6  =  4,1  com,  welche  nach  den  Gleichungen:
9,6  :10  =  5,1;  x  (=  5.8)
oder  10,6  :10  =  4,1:  x  (=  3,9)
umzurechnen  sind.
Letztere  Zahlen  werden  dann  durch  Multiplikation  mit  den  entsprechenden  Faktoren
entweder  auf  Kaliumpermanganat  oder  Sauerstoff  oder  organische  Stoffe  (vergl.  S.  808)
umgerechnet.
Differenzen  von  0,1—0,2  com  zwischen  den  beiden  Titerflüssigkeiten  können  unberücksichtigt ­
  bleiben.
Man  geht  also  von  der  Oxalsäure  als  Normallösung  aus,  weil  sie  am  zuverlässigsten
ist.  Die  1 j 10g  N.-Oxalsäurelösung  zersetzt  sich  aber  besonders  am  Licht  sehr  rasch.  Man
bewahrt  sie  daher  am  zweckmässigsten  im  Dunkeln  auf  und  muß  sie  tunlichst  oft
erneuern,  oder  man  kann  derselben  zur  besseren  Haltbarkeit  nach  E.  Fricke  1  g  Borsäure
auf  1  1  zusetzen.
23.  Natriumphosphorwolframutlösung.  Es  werden  120  g  pliosphorsaures
Natrium  und  200  g  wolframsaures  Natrium  in  1  1  destillierten  Wassers  gelöst  und
zu  dieser  Lösung  100  ccm  verdünnter  (1  ;  3)  Schwefelsäure  hinzugefügt.
J )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1883,  22,  588.
-)  Zeitschr.  f.  physiol.  Chemie  1890,  14,  297.
        <pb n="990" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

969

24.  Zinkjodidstärkelösung  nnd  einfache  Stärkelösung,  a)  Zinkjodidstärkelösung.
  Man  zerreibt  4  g  Stärkemehl  in  einem  Porzellanmörser  mit  wenig  Wasser
und  fügt  die  dadurch  entstandene  milchige  Flüssigkeit  unter  Umrühren  nach  und
nach  zu  einer  im  Sieden  befindlichen  Lösung  von  20  g  käuflichem,  reinem  Zinkchlorid ­
  in  100  ccm  destilliertem  Wasser.  Man  setzt  das  Erhitzen  unter  Ergänzung
des  verdampfenden  Wassers  fort,  bis  die  Stärke  möglichst  gelöst  und  die  Flüssigkeit
fast  klar  geworden  ist.  Alsdann  verdünnt  man  mit  destilliertem  Wasser,  setzt  2  g
käufliches,  reines  und  trocknes  Zinkjodid  hinzu,  füllt  zum  Liter  auf  und  filtriert.
Die  klare  Flüssigkeit  wird  in  einer  gut  verschlossenen  Flasche  aufbewahrt;  sie  darf
sich,  mit  dem  50-fachen  Volumen  destillierten  Wassers  verdünnt,  beim  Ansäuern  mit
verdünnter  Schwefelsäure  nicht  blau  färben.
b)  Einfache  Stärkelösung.  Man  verteilt  die  Stärke  mit  etwas  kaltem
Wasser  und  übergießt  sie  dann  unter  Umrühren  mit  dem  100-fachen  Gewicht
kochenden  Wassers.  Den  dünnen  Kleister  gibt  man  in  hohe  Zylinder,  läßt  absitzen
und  benutzt  das  Abgegossene,  wenn  es  einigermaßen  klar  ist,  entweder  direkt  oder
filtriert  vorher.
Die  Lösung  entmischt  und  zersetzt  sich  leicht;  man  muß  daher  vor  dem
Gebrauch  stets  umschütteln  und  die  Darstellung  tunlichst  oft  erneuern.
Wie  Chlorzink,  so  macht  auch  Kochsalz  die  Stärkelösung  sehr  haltbar
und  hat  Kochsalz  den  Vorzug,  daß  es  unbedenklich  in  allen  Fällen,  wo  Stärkelösung ­
  erforderlich  ist,  angewendet  werden  kann.  Man  löst  für  den  Zweck  in  der
frisch  bereiteten  Stärkelösung  Kochsalz  bis  zur  Sättigung,  füllt  erstere  in  kleinere
Flaschen  von  100—150  ccm  Inhalt  und  bewahrt  sie  im  Keller  auf.
Uber  die  Darstellung  löslicher  Stärke  durch  Glyzerin  vergl.  S.  532,  Anm.  1.
25.  Neßlers  Reagens.  50  g  Kaliumjodid  werden  in  etwa  50  ccm  heißem
destilliertem  Wasser  gelöst  und  mit  einer  konzentrierten  Quecksilberchloridlösung
versetzt,  bis  der  dadurch  gebildete  rote  Niederschlag  sich  nicht  mehr  löst;  hierzu
sind  20—25  g  Quecksilberchlorid  erforderlich.  Man  filtriert,  vermischt  mit  einer
Lösung  von  150  g  Kalihydrat  in  300  ccm  Wasser,  verdünnt  auf  1  1,  fügt  noch
eine  kleine  Menge  (etwa  5  ccm)  der  Quecksilberchloridlösung  hinzu,  läßt  den
Niederschlag  absitzen  und  dekantiert.  Die  Lösung  muß  in  wohlverschlossenen
Flaschen  aufbewahrt  werden.  Wenn  sich  nach  längerem  Stehen  noch  ein  Bodensatz ­
  bildet,  so  nimmt  man  die  zum  Versuche  nötige  Menge  der  über  dem  Niederschlage ­
  stehenden  klaren  Flüssigkeit  mit  einer  Pipette  heraus.
26.  Seifenlösuug  zur  Bestimmung  der  Härte  des  Wassers,  a)  Nach  Clark.
150  g  Bleipflaster  werden  auf  dem  Wasserbade  erweicht  und  mit  40  g  Kaliumkarbonat ­
  verrieben,  bis  eine  völlig  gleichförmige  Masse  entstanden  ist.  Man  zieht
letztere  mit  starkem  Alkohol  aus,  läßt  absitzen,  filtriert,  destilliert  aus  dem  Filtrat
den  Alkohol  ab  und  trocknet  die  zurückbleihende  Seife  im  Wasserbade.
Für  die  Titerstellung  werden  20  g  derselben  in  1000  ccm  verdünntem
Alkohol  von  56  Volumprozent  gelöst  und  entweder  gegen  Chlorbaryum  (nach
Clark)  oder  gegen  Gipslösung  (nach  von  Koehenhausen)  eingestellt.
Man  löst  0,559  g  bei  100°  getrocknetes  reines  Barymnitrat  (Ba[N0 8 ] 2 )  oder
0,523  g  reines  trocknes  Chlorbaryum  (Ba  Cl 2 -j-2  H 2 0)  in  destilliertem  Wasser,  füllt
bis  zum  Liter  auf,  bringt  100  ccm  dieser  Lösung  (entsprechend  12  mg  Kalk  oder
12  deutschen  Härtegraden)  in  ein  Stöpselgias  und  läßt  aus  einer  Bürette  so  lange
von  der  Seifenlösung  zufließen,  bis  ein  stehenbleibender  Schaum  entsteht.  Bei
richtiger  Konzentration  soll  man  45  ccm  der  Seifenlösung  gebrauchen;  gebraucht
man  weniger,  so  muß  man  entsprechend  verdünnen.  Angenommen,  man  habe  nur
        <pb n="991" />
        970

Anhang.

20  ccm  verbraucht,  so  muß  man  je  20  Eaumteile  der  Seifenlösung  mit  25  Eaumteilen
  Alkohol  von  56  Volumprozent  verdünnen.  Die  verdünnte  Lösung  wird  nochmals ­
  geprüft,  bis  man  die  richtige  Konzentration  erreicht  hat.
Um  mit  Gipslösung  den  Titer  einzustellen,  macht  man  sich  entweder  genau
bei  14°  oder  genau  bei  20°  eine  gesättigte  Gipslösung;  von  der  ersteren  nimmt
man  145  ccm,  von  der  letzteren,  d.  h.  der  bei  20°  gesättigten  Lösung,  142  ccm
und  füllt  diese  mit  destilliertem  Wasser  auf  1  1;  100  ccm  dieser  Lösungen  enthalten ­
  genau  so  viel  Gips,  als  0,012  g  CaO  =  12  Härtegraden  entsprechen.  Die
Einstellung  der  Seifenlösung  erfolgt  dann  wie  vorhin.
b)  Nach  Bourtoon  und  Boudet.  Man  löst  10  Teile  der  obigen  Kaliseife  in
260  Teilen  Alkohol  von  56  Volumprozenten,  filtriert  die  Lösung,  wenn  nötig,  noch
heiß,  läßt  erkalten  und  füllt  damit  das  Hydrotimeter  bis  zum  Teilstrich  0  an.
Darauf  bringt  man  40  ccm  der  hierunter  angegebenen  Baryumnitratlösung  in  das
bei  dem  Verfahren  von  Bourtoon  und  Boudet  beschriebene  Stöpselglas  und
setzt  von  der  Seifenlösung  bis  zur  Schaumbildung  hinzu.  Werden  hierzu  weniger
als  22  auf  dem  Hydrotimeter  verzeichnete  Grade  gebraucht,  so  ist  die  Seifenlösung
mit  Alkohol  von  56  Volumprozenten  zu  verdünnen,  bis  genau  22°  der  Seifenlösung
40  ccm  der  Baryumnitratlösung  entsprechen.
Eine  so  hergestellte  Seifenlösung  setzt  im  Winter  zuweilen  Flocken  ab.
Dieselben  lösen  sich  leicht,  wenn  man  die  zugestöpselte  Flasche  in  warmes  Wasser
stellt;  der  Titer  der  Lösung  wird  dadurch  nicht  verändert.
Zum  Einstellen  löst  man  0,574  g  bei  100°  getrocknetes  Baryumnitrat  (wie
oben  unter  a)  in  destilliertem  Wasser  und  füllt  zum  Liter  auf.  100  ccm  dieser
Lösung  enthalten  so  viel  Baryum,  als  22  mg  Calciumkarbonat  (oder  12,3  mg  Kalk)
entspricht;  40  ccm  derselben  entsprechen  8,8  mg  Calciumkarbonat.  Die  Lösung
zeigt  daher  eine  Härte  von  22  französischen  =  12,3  deutschen  Graden.
27.  Verdünnte  Schwefelsäure.  1  Volumteil  konzentrierter  reiner  Schwefelsäure ­
  wird  vorsichtig  mit  3  Volumteilen  Wasser  in  der  Weise  gemischt,  daß  man
erstere  in  einem  sehr  dünnen  Strahle  unter  Umrühren  in  letzteres  eingießt.
28.  Kalilauge  und  Natronlauge.  10  Teile  Ätzkali  bezw.  Ätznatron  werden  in
100  Teilen  Wasser  gelöst.
29.  Kalkmilch  und  Kalkwasser.  100  g  Ätzkalk  werden  gelöscht  und  hiervon
durch  Zusatz  von  Wasser  bis  zu  1000  ccm  ein  dünnflüssiger  Brei  hergestellt;  dieser
heißt  Kalkmilch,  während  die  klare,  überstehende  Flüssigkeit  das  Kalkwasser  bildet.
30.  Königswasser.  1  Teil  reine  konz.  Salpetersäure  wird  mit  3—4  Teilen
reiner  konz.  Salzsäure  gemischt.  Diese  Mischung  muß  unmittelbar  vor  dem  Gebrauch ­
  erfolgen.
31.  Natrium  karbonatlösimg,  10  Teile  reine  kristallisierte  Soda  werden  in
100  Teilen  kohlensäurefreiem  Wasser  gelbst.
32.  Natriumphosphatlösung.  10  Teile  reines  Natriumphosphat,  100  Teile  Wasser.
33.  Ammoniumkarhonatlösung.  1  Teil  käufliches  reines  Ammoniumkarbonat
wird  in  4  Teilen  Wasser  unter  Zusatz  von  1  Teil  Ammoniakflüssigkeit  (0,96  spezifisches ­
  Gewicht)  gelöst.
34.  Chlorammoniumlösung.  10  Teile  reines  Chlorammonium,  80  Teile  Wasser.
35.  Ammoniumoxalatlösung.  10  Teile  reines  kristallisiertes  Ammoniumoxalat,
250  Teile  Wasser.
36.  Chlorbaryumlösung.  10  Teile  reinstes  Chlorbaryum,  100  Teile  Wasser.
37.  Bleiessig.  600  g  Bleiacetat  werden  mit  200  g  Bleiglätte  gemischt,  auf
dem  Wasserbade  bis  zum  Schmelzen  erhitzt  und  mit  2  1  Wasser  tibergossen.  Nach
        <pb n="992" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

971

12-stündigem  Stehen  an  einem  warmen  Orte  unter  hisweiligem  Umschütteln  filtriert
man  und  bewahrt  das  Filtrat  in  gut  verschlossenen  Flaschen  auf.
38.  Silbernitratlösung.  1  Teil  reines,  geschmolzenes  salpetersaures  Silber
wird  in  20  Teilen  Wasser  gelöst.  Zur  Darstellung  von  1 / 10  Normalsilberlösung
werden  16,998  g  (rund  17  g)  reinstes  salpetersaures  Silber  mit  destilliertem  Wasser
zu  1  1  aufgelöst  oder  man  löst  10,794  g  reines  metallisches  Silber  in  Salpetersäure, ­
  verdampft  zur  Trockne  und  löst  den  Rückstand  in  1  1  Wasser.  Die  Silberlösungen ­
  müssen  vor  Licht  geschützt  in  braunen  Flaschen  aufbewahrt  werden.
(Uber  die  Darstellung  des  salpetersauren  Silbers  vergl.  weiter  unten  unter  „Aufbereitung ­
  der  Silberrückstände“  S.  975.)
39.  Platiuchloridlösung.  1  Teil  trocknes  Platinchlorid  wird  in  10  Teilen
Wasser  gelöst.  (Uber  die  Darstellung  des  Platinchlorids  vergl.  unter  „Aufbereitung
der  Platinrückstände“  S.  975.)
40.  Ferricyankaliumlösung.  10  Teile  Ferricyankalium,  120  Teile  Wasser.
41.  Ferrocyankaliumlösung.  10  Teile  Ferrocyankalium,  120  Teile  Wasser.
42.  Chlorcalciumlösnng.  10  Teile  Chlorcalcium,  60  Teile  Wasser.
43.  Rhodankaliumlösung.  10  Teile  Rhodankalium,  100  Teile  Wasser.
44.  Eiseuchloridlösuug.  10  Teile  Eisenchlorid,  100  Teile  Wasser.
45.  Bleiacetatlösung.  10  Teile  Bleiacetat,  100  Teile  Wasser.
46.  Natriumacetatlösung.  10  Teile  Natriumacetat,  100  Teile  Wasser.
47.  Neutrales  zitronensaures  Ammoniak.  250  g  zitronensaures  Ammoniak
werden  in  Wasser  gelöst,  mit  Ammoniak  genau  neutralisiert  und  auf  1  1  aufgefüllt.
48.  Lösung  von  Diphenylamin  zur  Prüfung  auf  Salpetersäure.  2  g  reinstes,
bei  54°  schmelzendes  Diphenylamin  werden  in  20  ccm  verdünnter  Schwefelsäure
(1  Volumen  konzentrierte  Schwefelsäure  und  3  Volumen  Wasser)  gelöst  und  diese
Lösung  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  auf  100  ccm  auf  gefüllt.
Zur  Prüfung  der  Milch  auf  Salpetersäure  (S.  485)  nimmt  man  nach  Möslinger
  zweckmäßiger  eine  viel  geringere  Konzentration,  nämlich  nur  20  mg
Diphenylamin  auf  100  ccm  verdünnte  Schwefelsäure  (vergl.  S.  814).
49.  Lösung  von  Metapheuylendiamin  zur  Prüfung  auf  salpetrige  Säure.  5  g
reinstes,  bei  63°  schmelzendes  Metaphenylendiamin  werden  unter  Zusatz  von  verdünnter ­
  Schwefelsäure  bis  zur  deutlich  sauren  Reaktion  in  destilliertem  Wasser  gelöst ­
  und  mit  letzterem  zu  1  I  aufgefüllt.  Falls  die  Lösung  gefärbt  ist,  wird  sie  vor
dem  Gebrauch  (Prüfung  auf  salpetrige  Säure)  mit  ausgeglühter  Tierkohle  entfärbt.
50.  Indigolösung  zur  Prüfung  auf  Salpetersäure.  1  Teil  reines,  fein  zerriebenes ­
  käufliches  Indigotin  (Indigoblau)  wird  unter  stetem  Umrühren  und  Vermeiden ­
  einer  Erwärmung  langsam  in  kleinen  Mengen  in  6  Teile  rauchende  Schwefelsäure ­
  eingetragen;  falls  die  Reaktion  zu  heftig  wird,  fügt  man  etwas  konzentrierte
Schwefelsäure  hinzu  und  kühlt  durch  Einstellen  in  kaltes  Wasser  ab.  Wenn  alles
Indigotin  eingetragen  ist,  läßt  man  einige  Zeit  stehen,  gießt  in  die  40-fache  Menge
destilliertes  Wasser  und  filtriert.  Falls  die  Indigolösung  zur  quantitativen  Bestimmung ­
  der  Salpetersäure  dienen  soll,  rechnet  man  etwa  1  g  Indigotin  auf  1  1
Wasser  und  verdünnt  so  weit,  daß  5  ccm  der  Lösung  5  ccm  Kaliumnitratlösung
(0,0962  g  KNO g  in  1  1),  die  mit  5  ccm  konzentrierter  Schwefelsäure  versetzt  sind,
eben  blaugrün  färben.
5  ccm  Indigolösung  entsprechen  dann  60  mg  Salpetersäure  (HNO g ).
51.  Darstellung  des  Naphtholreagenzes  zur  Prüfung  auf  salpetrige  Säure.
2  g  reines  Natriumnaphthionat  und  1  g  /J-Naphthol  puriss.  werden  in  200  ccm  Wasser
        <pb n="993" />
        972

Anhang.

gebracht,  kräftig  mit  demselben  durchgeschlittelt  und  die  Lösung  filtriert.  Dieselbe
läßt  sich  im  Dunkeln  ohne  Veränderung  aufbewahren  (vergl.  S.  811).
52.  Milions  Reagens.  1  Teil  Quecksilber  wird  in  2  Teilen  Salpetersäure  von
1,42  spezifischem  Gewicht  zuerst  in  der  Kälte,  zuletzt  in  der  Wärme  gelöst.  Nacli
vollständiger  Lösung  fügt  man  auf  1  Volumen  Lösung  2  Volumen  Wasser  zu,  läßt
einige  Stunden  absitzen  und  bewahrt  die  abgegossene  klare  Flüssigkeit  in  mit  Glasstöpseln ­
  versehenen  Fläschchen  auf.
Die  Wirkung  der  Millonschen  Lösung  beruht  auf  dem  gleichzeitigen  Vorhandensein ­
  von  salpetriger  Säure;  man  setzt  daher  nötigenfalls  bei  der  Prüfung  auf  Eiweiss
etwas  salpetrigsaures  Kalium  zu.
53.  Quecksilberjodid-Jodkalium  (Brückes  Reagens).  13,5  g  Quecksilberjodid,
49,8  g  Jodkalium  für  1  1  Wasser.

Bereitung  der  Lösungen  der  Reagenzien  nach  Blochmann.

Da  die  Konzentrationsverhältnisse  der  oben  angegebenen  Reagenzien  meistens
ganz  willkürlich  sind,  so  schlägt  Blochmann 1 )  vor,  dieselben  den  stöchiometrischen
Verhältnissen  anzupassen  und  die  Reagenzien  als  Normallösungen,  Zweifach-Normallösungen
  und  Halb-Normallösungen  anzuwenden,  und  zwar:
zweifach-normal:  die  Lösungen  der  Säuren,  der  Alkalien,  der  Ammoniumund
  Natriumsalze  mit  Ausnahme  des  Binatriumphosphats;
halb-normal:  die  Lösungen  der  Edelmetalle  (einschl.  Quecksilberchlorid)  und
des  Baryumnitrates;
normal:  die  übrigen  Reagenzien.
Durch  diese  Wahl  der  Konzentration  bewirkt  man,  daß  gleiche  Raumteile
der  verschiedenen  Reagenzien  einander  entsprechen  oder  doch  in  einem  einfachen
Verhältnis  zueinander  stehen,  was  in  vieler  Beziehung  ein  zweckmäßigeres  Arbeiten
gestattet  und  einem  übermäßigen  Verbrauch  von  Reagenzien  vorbeugt.  Auch  erhält
man  leicht  aus  der  Menge  des  verwendeten  Reagenzes  ein  ungefähres  Urteil  über  die
Mengenverhältnisse,  in  denen  die  einzelnen  Bestandteile  in  der  zu  untersuchenden
Lösung  vorhanden  sind.
Für  Reagenzien,  welche  sich  in  Wasser  nicht  in  der  normalen  Menge  lösen,
macht  man  hei  gewöhnlicher  Temperatur  gesättigte  Lösungen  und  bezeichnet  diese
Lösungen  als  =  Wasser,  z.  B.  Kalkwasser,  Bromwasser  usw.
Für  die  oxydierend  und  reduzierend  wirkenden  Reagenzien  sei  die  Stärke  so
bemessen,  daß  ein  Liter  der  Lösung  8  g  Sauerstoff  (=  x / 2  Gramm-Molekül)  abzugeben
oder  aufzunehmen  vermag.
Die  konzentrierten  Säuren  sind  entweder  wasserfrei  (konzentrierte  Schwefelsäure) ­
  oder  gesättigt  (konzentrierte  Salzsäure).  Als  konzentrierte  Salpetersäure
genügt  ein  Gemisch  gleicher  Gewichtsteile  wasserfreier  Säure  und  Wasser.
Es  seien  nachfolgend  die  für  die  wichtigsten  Reagenzlösungen  anzuwendenden
Gewichtsmengen  angegeben:
1,  Konzentrierte  Säuren.

Konzentrierte  Salzsäure  .  .
„  Salpetersäure
„  Schwefelsäure

Spez.  Gew.
.  1,160
.  1,305
.  1,840

Gew.-°/ 0
31,8  etwa  10-faoh  normal.
48,1  „  10  „
96,0  „  20  „

1 )  Erste  Anleitung  zur  qualitativen  chemischen  Analyse  von  R.  Blochmann,
Königsberg  1890.
        <pb n="994" />
        Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

973

2.  Normallösuugeu.
a)  *  2 / 4  normal.
(1  1  enthält  2  Mol.-Äquival.  der  Verbindung  in  Gramm.)
Säuren.

Spez.  Gew.

Gew  ,-°/ 0

1  1

enthält

Salzsäure

.  .  1,034

7,1

2  HCl

=  73,0  g

Salpetersäure  ....

.  .  1,070

11,8

2  HN0 3

=  126,0  „

Schwefelsäure  .  .  .

.  .  1,063

9,2

o  bt-2  8ü 4
*  2

~  98,0  „

Essigsäure

.  .  1.017

11,8

2  C 2  H,  0 2

=  120,0  „

Oxalsäure

.  .  1,042

12,3

o C o H„0 4 ,  2aq
*  2

=  126,0  „

AVeinsäure  ....

.  .  1,066

14,1

P  04H 8 0 8
2  2  "

=  150,0  „

Alkalien.

Kalilauge

.  .  1,085

10,3

2  KOH

=  H2,0  g

Natronlauge  ....

.  .  1,084

7,4

2  Na  OH

=  80,0  „

Ammoniak

.  .  0,985

3,6

2  NH 3

=  34,0  „

Salze.

Schwefelammonium  9  .

.  .  1,000

6,8

o  (NH,) 2 S
2

=  68,0  g

Chlorammonium  .  .  .

.  .  1,032

10,4

2  NH 4 C1

=  107,0  „

Ammoniumkarbonat 2 )  .

.  .  1,026

9,4

o  (^-^-4)2  ^^3
J  2

=  96,0  „

Natriumkarbonat  .  .

.  .  1,105

9,6

„  Na 2  C0 3
^  2

=  106,0  „

Natriumacetat  .  .  .

.  .  1,080

25,2

2  NaC 2 H 3  0 2 ,

3aq

=  272,0  „

b)

1 / 1  normal.

(1  1  enthält  1  Mol.-Äquival.  des  Salzes

in  Gramm.)'

Spez.  Gew.

Gew.-°/ 0

1  1

enthält

Binatriumphosphat 3 )  .

.  .  1,048

11,4

Na^HPO.j,  12  aq
3

=  H9,2  g

Magnesiumsulfat  .  .

.  .  1,059

11,6

MgS0 4 ,  7  aq
2

=  123,0  „

Chlorbaryum  ....

.  .  1,088

11,2

BaCl 2 ,  2aq
2

=  122,0  „

Chlorcalcium  ....

.  .  1,043

10,5

CaCl 2 ,  6aq
2

=  109,5  „

Eisenohlorid  ....

.  .  1,038

5,2

Fe 2 Cl 6
6

=  54,2  „

Bleiacetat

.  .  1,118

16,9

Pb(C 2 H 8 0 2 ) 2 ,
2

3aq

II
GO
J£&amp;gt;
"Cn

9  1 / 3  1  Ammoniak  ist  mit  Schwefelwasserstoff  durch  Einleiten  des  Gases  zu  sättigen
und  hierauf  mit  1 / 2  1  Ammoniak  (spezifisches  Gewicht  0,985)  zu  vermischen.  Die  Lösung
wird  sehr  bald  unter  Bildung  von  Ammoniumpolysulfid  gelb.
2 )  80  g  käufliches  (anderthalb-)  Ammoniumkarhonat"  und  1 / s  1  Ämmaniak  (spezifisches
Gewicht  0,985)  sind  zu  lösen  und  mit  Wasser  auf  1  1  zu  verdünnen.
3 )  Das  Mol.-Äquival.  ist  auf  Phosphorsäure  bezogen.
        <pb n="995" />
        974

Anhang.

Kupfersulfat  .  .  .

Spez.  Gew.
.  .  .  1,076

Gew.-°/ 0
11,6

1  1  enthält
CuSOj,  5  aq
2

Jodkalium  ....

.  .  .  1,120

14,8

KJ

Kaliumchromat  .  .

.  .  .  1,075

9,0

K 2 Cr0 4
2

Perrocyankalium

.  .  .  1,060

10,0

K 4 FeCy 6 ,  3aq
4

c)  1 / ss  normal.
(1  1  enthält  1 / 2  Mol.-Äquival.  des  Salzes  in  Gramm.)
Gew.-°/ 0  1  1  enthält

Platinchlorid  ....

.  .  9,5

,,  PtCl 4 ,  2HCl
k  2

=  102,3  g

Silbernitrat  ....

.  .  8,0

=  85,0  „

Qucksilberchlorid  .  .

.  .  6,4

i,  H g C1 *
2  2

=  67,8  ,.

Baryumnitrat....

.  .  6,2

„  Ba(N0 3 ) 2
,2  2

=  65,2  „

3.  Oxydierend  und  reduzierend  wirkende  Reagenzien.
(1  1  =  4 / 2  0  =  8  g  Sauerstoff.)
Gew.-°/ c
Kaliumbiohromat  ....  4,7
Natriumhypochlorit  ...  4,7 3 )
Kaliumnitrit  4,2
Zinnchloriir  10,5

4.  Gesättigte  Lösungen.
(==  Wasser.)
Gewichts-°/ 0
Schwefelwasserstoffwasser  .  .  .  etwa  0,48  H 2 S  etwa  1 / 4  normal.
Barytwasser  „  3,2  Ba(OH), 2  „  *  2  3  4 / 5  „
Kalkwasser  „  0,7  Ca(OH) ä  „  4 / 22  „
Gipswasser  „  0,20  CaS0 4  „  1 / 33  „
Bromwasser  „  3,2  Br  „  2 / 6  „
Jodlösung 4 )  „  4,5  J  „  2 / 3

1  1  enthält

K 2 Gr,0 ;
6
Na  CIO
2
KN0 2
2
SnCl 2 ,  2aq

=  49,2  g

=  42,5  „

4 )  Etwa  60  g  Pt  entsprechend.
2 )  Etwa  50  g  Ag  entsprechend.
3 )  Entspricht  etwa  der  vierfachen  Menge  eines  Chlorkalkes  mit  25  °/ 0  wirksamem  Chlor.
4 )  Löst  man  50  g  Jod  und  76  g  Jodkalium  in  wenig  (etwa  50  ccm)  Wasser  und
verdünnt  hierauf  zu  1  1,  so  erhält  man  eine  Lösung  vom  spezifischen  Gewicht  1,10,  welche
4,6  Gewichtsprozente  Jod  enthält  und  mit  gesättigtem  Bromwasser  gleichwertig  ist.
        <pb n="996" />
        Aufarbeitung  einiger  Rückstände.

1.  Platinrückstäude.  Das  aufbewahrte  Kaliumplatinchlorid,  sowie  das  aus
den  Waschwässern  durch  Chlorammonium  als  Ammoniumplatinchlorid  gefällte  und
abfiltrierte  Platin  wird  mit  ungefähr  derselben  Menge  Oxalsäure  gut  und  innigunter
  Anfeuchten  mit  Wasser  gemischt  und  dieses  Gemenge  eingetrocknet.  Die
trockne  Masse  glüht  man  anhaltend  in  einer  Muffel  oder  einem  Porzellantiegel.
Das  durch  die  Oxalsäure  reduzierte  Platin  wird  hinreichend  unter  Auskochen  mit
destilliertem  Wasser  bis  zum  Verschwinden  der  Chlorreaktion  ausgewaschen.  Sodann
kocht  man  mit  Wasser,  dem  ein  Drittel  Salzsäure 1 )  zugefügt  ist,  hierauf  einmal  mit
reiner  Salzsäure,  zweimal  mit  destilliertem  Wasser,  und  schließlich  bringt  man  den
Platinmohr  auf  ein  Filter,  wäscht  nochmals  aus  und  trocknet  bei  Zimmertemperatur.
Der  so  gereinigte  Platinmohr  wird  in  einem  Königswasser  gelöst,  welches
aus  6  Teilen  Salzsäure  und  1  Teil  Salpetersäure  besteht.  Man  bringt  den  Platinmohr ­
  zuerst  mit  der  Salzsäure  in  eine  geräumige  Porzellanschale,  erwärmt  auf
dem  Wasserbade  und  fügt  die  Salpetersäure  in  kleinen  Mengen  hinzu.  Man  läßt
die  Lösung  etwas  erkalten,  filtriert  durch  schwedisches  Filtrierpapier  und  verdampft ­
  das  Filtrat  in  einer  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  so  weit,  bis  eine
mit  einem  Glasstabe  herausgenommene  Probe  zu  erstarren  anfängt.  Darauf  setzt
man  vorsichtig  kleine  Mengen  Salzsäure  hinzu,  verdampft  wieder  und  wiederholt
dies  so  oft,  bis  alle  Salpetersäure  verjagt  ist.
Hierauf  dampft  man  noch  2-mal  mit  destilliertem  Wasser  ein,  um  auch  die
überschüssige  Salzsäure  zu  entfernen.
Nach  dem  letzten  Eindampfen  darf  sich  kein  Geruch  nach  Chlor  oder  Salzsäure ­
  mehr  zeigen.  Das  zu  einem  rotbraunen,  kristallinischen  Kuchen  erstarrte
Platinchlorid  löst  man  in  2  Teilen  Wasser  und  filtriert  wieder  durch  schwedisches
Filtrierpapier.
Prüfung:  1  g  Platinchlorid  muß  sich  in  10  ccm  Alkohol  völlig  klar  lösen;
2  g  werden  stark  geglüht,  das  rückständige  Metall  wird  mit  verdünnter  Salpetersäure ­
  (5  ccm  Salpetersäure  von  1,20  spezifischem  Gewicht+20  ccm  Wasser)  auf
dem  Wasserbade  1 / 4  Stunde  behandelt,  die  Lösung  filtriert,  das  Filtrat  eingedampft
und  geglüht;  es  dürfen  höchstens  4—5  mg  Rückstand  verbleiben.
2.  Silberrückstäude.  Man  gießt  aus  dem  Gefäße,  in  welchem  die  Rückstände
sich  befinden,  die  klare  überstehende  Flüssigkeit  möglichst  ah  und  wäscht  das  Chlorsilher
  mit  warmem  Wasser  aus.  Sodann  rührt  man  es  mit  Wasser  in  einer  Porzellanschale
  an,  setzt  überschüssiges  reines  Alkali  zu,  erhitzt  zum  Sieden  und  trägt  von
Zeit  zu  Zeit  kleine  Stückchen  Glukose  ein.  Das  Chlorsilber  wird  hierdurch  zu
metallischem  Silber  reduziert,  welches  sich  als  schwere,  körnige,  graue  Masse  zu
Boden  setzt.  Man  achte  darauf,  daß  die  Flüssigkeit  stets  alkalisch  reagiert.
1 1  Palls  Silber  in  den  Rückständen  sein  sollte,  kocht  man  vorher  auch  mit  Salpetersäure ­
  für  sich  allein  aus.
        <pb n="997" />
        976

Anhang.

Nach  der  völligen  Reduktion  des  Chlorsilbers  wäscht  man  durch  Dekantieren
mit  heißem  Wasser  aus  und  behandelt  eine  kleine  Menge  des  erhaltenen  Silbers
unter  Erwärmen  mit  etwas  reiner  (chlorfreier)  Salpetersäure;  wenn  hierdurch  keine
völlige  Lösung  erzielt  wird,  sondern  noch  unlösliches  Chlorsilber  zurückbleibt,  so
war  die  Reduktion  eine  unvollständige  und  muß  diese  durch  erneuten  Zusatz  von
Alkali  und  Glukose  zu  Ende  geführt  werden.  Das  reine,  vollkommen  ausgewaschene
Silber  kann  man  in  nicht  zu  starker  Salpetersäure  lösen,  dann  mit  Wasser  verdünnen ­
  und  durch  Eindampfen  in  einer  Porzellanschale  zum  Kristallisieren  bringen.
Das  auskristallisierte  salpetersaure  Silber  wird  durch  Umkristallisieren  gereinigt.
Oder  man  trocknet  das  ausgewaschene  metallische  Silber,  wägt  es,  befeuchtet
es  mit  einer  Lösung  von  Borax  und  salpetersaurem  Kalium  (5  °/ 0  vom  Gewichte
des  Silbers  geglühter  Borax  und  0,5  °/ 0  salpetersaures  Kalium)  und  trocknet  wiederum
das  Gemenge.  Um  das  so  vorbereitete  Silber  zum  Regulus  zu  schmelzen,  bringt
man  es  in  kleinen  Portionen  auf  ein  Kalksteinstück,  in  welches  man  eine  kleine
Höhlung  gemacht  hat,  und  schmilzt  es  hier  mittels  des  Gebläses.  Den  Regulus
wirft  man  in  eine  mit  Wasser  gefüllte  Porzellanschale,  deren  Boden  mit  Fließpapier ­
  bedeckt  ist  (um  ein  Einschmelzen  in  das  Porzellan  zu  verhüten).  Das  Silber
wird  schließlich  mit  sehr  verdünnter  Schwefelsäure  ausgekocht,  getrocknet  und  so
aufbewahrt  oder  sofort  zu  salpetersaurem  Silber  verarbeitet,  indem  man  es  in  Salpetersäure ­
  löst,  die  Lösung  eindunstet  und  das  salpetersaure  Silber  auskristallisieren  läßt.
3.  Uranrückstände.  Zur  Aufbereitung  der  Uranrückstände  empfiehlt  sich  das
Reichardtsche  Verfahren,  welches  von  Laube 1 )  etwas  modifiziert  ist.
Die  von  der  Phosphorsäuretitration  herrührenden  Rückstände  werden  von
der  klaren  überstehenden  Flüssigkeit  durch  Abhebern  zum  größten  Teil  befreit  und
sodann  die  aus  dem  Niederschlag  bestehende  breiige  Masse  in  einem  Topfe  durch
Einleiten  von  W'asserdampf  oder  in  einem  eisernen  Kessel  direkt  über  freiem  Feuer
zum  Sieden  erhitzt;  alsdann  setzt  man  so  lange  gewöhnliche  Kristallsoda  zu,  bis
der  Niederschlag  im  wesentlichen  gelöst  erscheint.  Man  filtriert  von  dem  ungelöst
bleibenden  phosphorsauren  Eisen-  und  Tonerde-Niederschlage  ab  und  fügt  zu  der
erkalteten  Flüssigkeit  so  viel  Ammoniak  hinzu,  daß  sie  deutlich  darnach  riecht,  hierauf
unter  Umrühren  so  lange  von  einer  aus  gleichen  Teilen  Ammonsulfat  und  Magnesiumsulfat ­
  bestehenden  Mischung,  bis  alle  Phosphorsäure  als  phosphorsaures  Ammonmagnesium ­
  gefällt  ist.  Nachdem  sich  die  Flüssigkeit  nach  etwa  12  Stunden  geklärt
hat,  hebert  man  sie  ab.  Den  Rückstand  wäscht  man  unter  wiederholtem  Abgießen
mit  ammoniakalischem  Wasser  aus,  filtriert  die  Waschwässer  und  bringt  den  Rückstand ­
  zuletzt  aufs  Filter.  Die  vereinigten  alkalischen  Flüssigkeiten  werden  in
geräumigen,  zur  Hälfte  damit  angefüllten  Töpfen  mit  Salz-  oder  Schwefelsäure
neutralisiert  und  durch  Kochen  von  gelöster  Kohlensäure  vollständig  befreit.  Man
fällt  siedendheiß  das  Uran  mit  Ammoniak  als  Ammoniumuranat.  Der  Niederschlag
läßt  sich  anfangs  mit  heißem  Wasser  durch  Dekantieren  leicht  auswaschen,  später
muß  man  dem  Waschwasser  eine  geringe  Menge  eines  Amraonsalzes  zufügen,  weil
sich  derselbe  sonst  nicht  vollständig  absetzt.
Nach  beendetem  Auswaschen  kann  der  Niederschlag,  falls  man  Urannitrat
zu  erhalten  wünscht,  in  einem  Uberschuß  von  Salpetersäure  gelöst  werden.  Aus
der  durch  Eindampfen  konzentrierten  Lösung  scheiden  sich  Kristalle  aus,  welche
man  auf  einem  Trichter  sammelt  und  mit  wenig  kaltem  Wasser  auswäscht.  Das  so
erhaltene  Salz  ist  chemisch  rein,  enthält  vielleicht  Spuren  von  Chlor,  Schwefelsäure

9  Zeitschr.  f.  angew.  Chemie  1889,  675.
        <pb n="998" />
        Aufarbeitung  einiger  Rückstände.

977

und  Ammoniak.  Das  Ammon  und  andere  Verunreinigungen  befinden  sich  in  der
Mutterlauge,  die  man  am  besten  bis  zur  nächsten  Aufbereitung  aufbewahrt.
4.  Molybdänrückstände.  P.  Wagner 1 )  verfährt  folgenderweise:
Die  sauren  Molybdänflüssigkeiten  werden  für  sich  in  Flaschen  aufbewahrt,
ebenso  die  ammoniakalischen  Filtrate.  Bei  der  Aufarbeitung  wird  die  saure,  klar
abgeheberte  Flüssigkeit  in  einer  großen  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade
ziemlich  stark  (10  1  ursprüngliche  Flüssigkeit  auf  etwa  l 1 / 2  1)  eingedampft.
Dabei  scheidet  sich  fast  der  ganze  Molybdänsäuregehalt  der  Flüssigkeit  in  Form
einer  festen,  der  Porzellanschale  anhaftenden  Kruste  ab.  (Es  darf  nicht  über  freiem
Feuer  oder  im  Sandbade  eingedampft  werden,  weil  sonst  die  Schale  durch  die  Krustenhildung
  zerspringt.)  Man  läßt  die  Porzellanschale  etwas  erkalten,  beseitigt  die
Mutterlauge,  spült  die  Molybdänsäurekruste  mit  etwas  Wasser  ab,  welches  man  in
die  Aufbewahrungsflasche  zurückgießt,  setzt  die  Schale  wieder  auf  das  Wasserbad
und  fügt  die  ammoniakalische  Flüssigkeit  hinzu,  in  welcher  sich  die  Molybdänsäurekruste ­
  alsbald  auflöst.  Man  läßt  abdampfen,  bis  schließlich  sämtliche  ammoniakalisohe
  Flüssigkeit  in  die  Schale  gebracht  und  in  demselben  Verhältnis  wie  oben
eingedampft  worden  ist;  es  wird  heiß  durch  ein  Faltenfilter  in  eine  andere  Schale
filtriert  und  einige  Tage  kalt  stehen  gelassen.
Die  Mutterlauge  trennt  man  sodann  von  dem  auskristallisierten  molybdänsauren ­
  Ammon,  spült  die  Kristalle  mit  etwas  Wasser  ab,  das  man  zur  Mutterlauge
fügt,  und  reinigt  das  Salz  durch  Umkristallisieren.
Die  Mutterlauge  engt  man  bis  auf  1 / 2  1  ein,  läßt  auskristallisieren,  gießt
die  zweite  Mutterlauge  fort,  läßt  die  ausgeschiedene  Kristallmasse  trocknen  und
löst  sie  bei  der  nächsten  Aufarbeitung  der  Molybdänrückstände  in  der  Kristallisationslauge ­
  wieder  auf.
Weil  aber  die  sauren  Molybdänlösungen  jetzt  vielfach  Zitronensäure
enthalten,  so  empfiehlt  es  sich,  die  Molybdänsäure  umgekehrt  durch  Phosphorsäure
wieder  auszufällen,  die  Niederschläge  zu  sammeln,  alsdann  zu  filtrieren,  auszuwaschen, ­
  in  Ammoniak  zu  lösen  und  in  dieser  Lösung  durch  Zusatz  einer  genügenden
Menge  von  Magnesiamixtur  die  Phosphorsäure  wieder  auszufällen.  Das  Filtrat
wird  dann  nach  und  nach  eingedunstet,  zum  Kristallisieren  erkalten  gelassen,  das
auskristallisierte  molybdänsaure  Ammon  durch  Lösen  in  ammoniakalischem  Wasser
und  Umkristallisieren  gereinigt.  Die  letzten  Ausscheidungen  bestehen  vorwiegend
aus  Molybdänsäure;  sie  wird  von  der  Mutterlauge  getrennt  und  zu  den  neuen  Rückständen ­
  gegeben.
W.  Venator 1  2 )  empfiehlt,  die  Lösungen  von  phosphormolybdänsaurem  Ammon
durch  Zusatz  von  Eisenchlorid  und  Ammoniak  von  Phosphorsäure  zu  befreien,  im
Filtrat  die  Molybdänsäure  durch  Chlorbaryura  zu  fällen,  den  ausgewaschenen  und
getrockneten  Niederschlag  durch  Behandlung  mit  Ammonsulfat  zu  zersetzen,  das
gebildete  Baryumsulfat  abzufiltrieren  und  im  Filtrat  das  molybdänsaure  Ammon
durch  Kristallisation  vom  Ammonsulfat  zu  trennen.
5.  Jodrückstände.  A.  Ölig  und  J.  Tillmans 3 )  verarbeiten  die  bei  der
Bestimmung  der  Hüblschen  Jodzahl  abfallenden  Jodrückstände  in  der  Weise,  daß
sie  das  Chloroform  in  einem  Scheidetrichter  abtrennen  und  die  wässerige  Flüssigkeit

1 )  P.  Wagner,  Lehrbuch  der  Düngerfabrikation,  1877,  192.
2 )  Chem.-Ztg.  1886,  9,  1068.
3 )  Zeitscbr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1906,  1t,  Heft  2.
Landwirtscqaftlictie  Stoffe,  8.  Auflage.  62
        <pb n="999" />
        978

Aufarbeitung  einiger  Rückstände.

in  einer  Porzellanschale  mit  überschüssiger  Sodalösung  eindampfen.  Das  hierbei
sich  abscheidende  Quecksilberoxyd,  aus  dem  ebenfalls  wieder  Quecksilber  gewonnen
werden  kann,  wird  abfiltriert,  das  Filtrat  zur  Trockne  verdampft  und  der  Rückstand
behufs  Zerstörung  des  tetrathionsauren  Natriums  unter  dem  Abzüge  geglüht.  Die
geglühte  Masse  wird  in  tunlichst  wenig  Wasser  gelöst,  filtriert,  mit  starker  Salzsäure ­
  angesäuert,  schwach  erwärmt,  dann  mit  mehr  konzentrierter  Salzsäure  und
einer  konzentrierten  Kaliumbichromat-Lösung  versetzt,  wodurch  das  Jod  nach
einiger  Zeit  ausgeschieden  wird.  Dasselbe  wird  abfiltriert,  mit  etwas  Wasser  gewaschen ­
  und  mittels  eines  besonderen  Apparates  gereinigt.  Bezüglich  der  Anordnung ­
  des  letzteren  muß  auf  die  Abhandlung  selbst  verwiesen  werden.
        <pb n="1000" />
        Tabellen.
        <pb n="1001" />
        Tabelle  la  und  Ib  zur  Berechnung  der  Kohlensäure  aus  dem  Volumen  usw.  981

Tabelle  la.
Berechnung  der  mit  dem  Scheiblerschen  Apparat  gefundenen  ccm
Kohlensäure  auf  mg  Kohlensäure.

Die  Zahlen  geben  das  Gewicht  von  1  ccm  Kohlensäure  in  tausendstel  Milligramm  an.

-S
a
s
cä
pq

mm

742

744,5

747

749

751

753,5

756

758

760

762,5

765

767

769

771

774

Pariser
Zoll  und
Linien

5"'

6"'

rjm

8'"

9"'

10"'

11"'

28"

1'"

2"'

3'"

4"'

6'"

6'"

’-jm

28°

1778

1784

1791

1797

1804

1810

1817

1823

1828

1833

1837

1842

1847

1852

1856

27

1784

1790

1797

1803

1810

1816

1823

1829

1834

1839

1843

1848

1853

1858

1863

26

1791

1797

1803

1809

1816

1822

1829

1835

1840

1845

1849

1864

1859

1864

1869

25

1797

1803

1810

1816

1823

1829

1836

1842

1847

1852

1856

1861

1866

1871

1876

24

1803

1809

1816

1822

1829

1835

1842

1848

1853

1858

1862

1867

1872

1877

1882

23

1809

1815

1822

1828

1835

1841

1848

1854

1859

1864

1868

1873

1878

1883

1888

t/j

22

1815

1821

1828

1834

1841

1847

1864

1860

1865

1870

1875

1880

1885

1890

1895

o

21

1822

1828

1836

1841

1848

1854

1861

1867

1872

1877

1882

1887

1892

1897

1902

rH

20

1828

1834

1841

1847

1854

1860

1867

1873

1878

1883

1888

1893

1898

1903

1908

19

1834

1840

1847

1853

1860

1866

1873

1879

1884

1889

1894

1899

1904

1909

1914

g

18

1840

1846

1853

1869

1866

1872

1879

1885

1890

1895

1900

1905

1910

1915

1920

a

17

1846

1853

1860

1866

1873

1879

1886

1892

1897

1902

1907

1912

1917

1922

1927

03

16

1853

1860

1866

1873

1879

1886

1892

1898

1903

1908

1913

1918

1923

1928

1933

Eh

15

1859

1866

1872

1879

1886

1892

1899

1905

1910

1915

1920

1925

1930

1935

1940

14

1865

1872

1878

1885

1892

1899

1906

1912

1917

1922

1927

1932

1937

1942

1947

13

1872

1878

1885

1892

1899

1906

1913

1919

1924

1929

1934

1939

1944

1949

1954

12

1878

1885

1892

1899

1906

1912

1919

1925

1930

1935

1940

1945

1950

1965

1960

11

1885

1892

1899

1906

1913

1919

1926

1932

1937

1942

1947

1952

1957

1962

1967

10

1892

1899

1906

1913

1920

1926

1933

1939

1944

1949

1964

1959

1964

1969

1974

Tabelle  Ib.
Berechnung  der  mit  dem  Scheiblerschen  Apparate  gefundenen  ccm
Kohlensäure  auf  kohlensäures  Calcium,

Die  Zahlen  drücken  tausendstel  Milligramm  aus.

[  Barometer  i

mm

742

744,5

747

749

751

753,5

756

768

760

762,5

766

767

769

771

774

Pariser
Zoll  und
Linien

5'"

6'"

8'"

9'"

10'"

11'"

28"

1",

2'"

3'"

4'"

5'"

6'"

28°

4041

4056

4070

4085

4099

4114

4128

4143

4155

4166

4177

\
4187)4197

4208

4218

27

4055

4070

4085

4099

4114

4129

4143

4158

4169

4179

4190

42004211

4222

4232

26

4069

4084

4099

4114S4129

4144

4168

4172

4183

4193

4204

4214  4225

4236

4247

25

4083

4098

4113

4128  4143

4158

4172

4186

4197

4208

4219

42304241

4252

4262

24

4097

4112

4127

4142I4167

4172

4186

4200

4211

4222

4233

4244  4256

4266

4277

23

4111

4126

4141

4156  4171

4186

4200

4214

4226

4237

4248

4269  4270

4281

4292

m

22

4125

4140

4155

4170  4185

4200

4214

4228

4240

4252

4263

42744286

4296

4307

O

21

4139

4154

4169

4184  4199

4214

4229

4243

4255

4267

4279

4290  4301

4312

4322

5--20



4153

4169

4184

4199  4214

4229

4243

4257

4269

4281

4292

4303(4314

4325

4336

19

4168

4183

4198

4213  4228

4243

4258

4272

4284

4296

4307

4318  4329

4340

4351

a

18

4182

4198

4213

4228'4243

4258

4272

4286

4298

4310  4321

4332  4343

4354

4365

a

17

4197

4212

4227

4242

4257

4272

4286

4300

4312

4324

4336

4346  4357

4368

4379

fH
CD

16

4211

4226

4241

4266

4271

4286

4300

4314

4326

4338

4349

4360  4371

4382

4393

Eh

15

4225

4241

4256

4271

4286

4301

4315

4329

4341

4363

4364

4375  4386  4397

4408

14

4240

4256

4271

4286

4301

4316

4331

4345

4357

4368

4379

4390  4401  4412

4423

13

4255

4271

4286

4301

4316

4331

4346

4361

4373

4384

4395

4406  4417  4428

4439

12

4270

4286

4301

4316

4331

4346

4361

4376

4388

4399

4410

4421  4432  4443

4454

11

4285

4301

4316

4331

4346

4361

4376

4391

4403

4415

4426

4437  4448  4459

4470

10

4300

4316

4332

4348

4364

4378

4394

4407

4419

4430

4441

4453(4464(4475

4486
        <pb n="1002" />
        982  Tabelle  II.  1.  Dietrichs  Tabelle  für  die  Absorption  des  Stickstoffgases.
Tabelle  II.
1.  Dietrichs  Tabelle  für  die
in  60  ccm  Bntwickelungsflüssigkeit  (50  ccm  Brom-Natronlauge  und  10  ccm  Wasser)  bei  einem
bei  einer  Entwickelung

Entwickelt

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

Absorbiert

0,06

0,08

0,11

0,13

0,16

0,18

0,21

0,23

0,26

0,28

0,31

0,33

Entwickelt

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

Absorbiert

0,68

0,71

0,73

0,76

0,78

0,81

0,83

0,86

0,88

0,91

0,93

0,96

Entwickelt

61

52

53

54

55

56

57

58

59

60

61

62

Absorbiert

1,31

1,33

1,36

1,38

1,41

1,43

1,46

1,48

1,51

1,63

1,56

CO

Entwickelt

76

77

78

79

80

81

82

83

84

85

86

87

Absorbiert

1,93

1,96

1,98

2,01

2,03

2,06

2,08

2,11

2,13

2,16

2,18

2,21

2.  Dietrichs  Tabelle  für  die  Gewichte
in  Milligramm  bei  einem  Drucke  720—770  mm  Queck-&amp;amp;



M  i  1

1  i  m  e

t  e  r

Teup.  n.

720

722

724

726

728

730

732

734

736

738

740

742

744

10"

1,13380

1,18699

1,14018

1,14337

1,14656

1,14975

1,15294

1,15613

1,15932

1,16251

1,16570

1,16889

1,17208

11

1,12881

1,13199

1,13517

1,13835

1,14153

1,14471

1,14789

1,15107

1,15424

1,15742

1,16060

1,16378

1,16696

12

1,12376

1,12293

1,13010

1,13326

1,13643

1,13960

1,14277

1,14493

1,14910

1,15227

1,15543

1,15860

1,16177

13

1,11875

1,12191

1,12506

1,12822

1,13138

1,13454

1,13769

1,14085

1,14401

1,14716

1,15032

1,15348

1,15663

14

1,11360

1,11684

1,11990

1,12313

1,12628

1,12942

1,13257

1,13572

1,13886

1,14201

1,14515

1,14830

1,15145

15

1,10859

1,11172

1,11486

1,11799

1,12113

1,12426

1,12739

1,13053

1,13366

1,13680

1,13993

1,14306

1,14620

16

1,10346

1,10658

1,10971

1,11283

1,11596

1,11908

1,12220

1,12533

1,12845

1,13158

1,13470

1,13782

1,14095

17

1,09828

1,10139

1,10450

1,10761

1,11073

1,11384

1,11695

1,12006

1,12317

1,12629

1,12940

1,13251

1,13562

18

1,09304

1,09614

1,09924

1,10234

1,10544

1,10854

1,11165

1,11775

1,11785

1,12095

1,12405

1,12715

1,13026

19

1,08774

1,09083

1,09392

1,09702

1,10011

1,10320

1,10629

1,10938

1,11248

1,11757

1,11866

1,12175

1,12484

20

1,08246

1,08554

1,08862

1,09170

1,09478

1,09786

1,10024

1,10402

1,10710

1,11018

1,11327

1,11635

1,11943

21

1,07708

1,08015

1,08322

1,08629

1,08936

1,09243

1,09550

1,09857

1,10165

1,10472

1,10779

1,11086

1,11393

22

1,07166

1,07472

1,07778

1,08084

1,08390

1,08696

1,09002

1,09308

1,09614

1,09921

1,10227

1,10533

1,10839

23

1,06616

1,06921

1,07226

1,07531

1,07836

1,08141

1,08446

1,08751

1,09056

1,09361

1,09966

1,09971

1,10276

24

1,06061

1,06365

1,06669

1,06973

1,07277

1,07581

1,07858

1,08189

1,08493

1,08796

1,09100

1,09404

1,09708

25

1,05499

1,05801

1,06104

1,06407

1,06710

1,07013

1,07316

1,07619

1,07922

1,08225

1,08528

1,08831

1,09134

2.  Dietrichs  Tabelle  für  die  Gewichte  eines  Kubikcentimeters  Stickstoff.  983

Tabelle  II.
Absorption  des  Stickstoffgases
spezifischen  Gewicht  der  Lauge  yon  1,1  und  einer  Stärke,  daß  500  ccm  200  mg  entsprechen,
von  1  bis  100  ccm  Gas.

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

0,36

0,38

0,41

0,43

0,46

0,48

0,51

0,53

0,66

0,58

0,61

0,63

0,66

38

39

40

41

42

43

44

45

46

47

48

49

50

0,98

1,01

1,03

1,06

1,08

1,11

1,13

1,16

!-*■
'I— 1
GO

1,21

1,23

1,26

1,28

63

64

65

66

67

68

69

70

71

72

73

74

75

1,61

1,63

1,66

1,68

1,71

1,73

1,76

1,78

1,81

1,83

1,86

1,88

1,91

88

89

90

91

92

93

94

95

96

97

98

99

100

2,23

2,26

2,28

2,31

2,33

2,36

2,38

2,41

2,43

2,46

2,48

2,51

2,53

eines  Kubikcentimeters  Stickstoff
silber  und  bei  den  Temperaturen  yon  10—25°  Celsius.

M  i  1

1  i  m

t  e  r

Celsius  ||

746

748

750

752

754

756

768

760

762

764

766

768

770

a

1,17527

1,17846

1,18165

1,18484

1,18803

1,19122

1,19441

1,19760

1,20079

1,20398

1,21717

1,21036

1,21355

10°

1,17014

1,17332

1,17650

1,17168

1,18286

1,18603

1,18921

1,19239

1,19557

1,19875

1,20193

1,20511

1,20829

11

1,16433

1,16810

1,17127

1,17444

1,17760

1,18077

1,18394

1,18710

1,19027

1,19344

1,19660

1,19977

1,20294

12

1,15979

1,16295

1,16611

1,16926

1,17242

1,17558

1,17873

1,18189

1,18505

1,18820

1,19136

1,19452

1,19768

13

1,15459

1,15774

1,16088

1,16403

1,16718

1,17032

1,17347

1,17661

1,17976

1,18291

1,18605

1,18920

1,19234

14

1,14933

1,15247

1,15560

1,15873

1,16187

1,16500

1,16814

1,17127

1,17440

1,17754

1,18067

1,18381

1,18694

15

1,14407

1,14720

1,15032

1,15344

1,15657

1,15969

1,16282

1,16594

1,16906

1,17219

1,17531

1,17844

1,18156

16

1,13873

1,14185

1,14496

1,14807

1,15118

1,15429

1,15741

1,16052

1,16363

1,16674

1,16985

1,17297

1,17608

17

1,13335

1,13645

1,13955

1,14266

1,14576

1,14886

1,15196

1,15506

1,15816

1,16126

1,16436

1,16746

1,17056

18

1,12794

1,13103

1,13412

1,13721

1,14030

1,14340

1,14649

1,14958

1,15267

1,15576

1,15886

1,16195

1,16504

19

1,12251

1,12559

1,12867

1,13175

1,13483

1,13791

1,14099

1,14408

1,14716

1,15024

1,15332

1,15640

1,15948

20

1,11700

1,12007

1,12314

1,12621

1,12928

1,13236

1,13543

1,13850

1,14157

1,14464

1,14771

1,15078

1,15385

21

1,11145

1,11451

1,11757

1,12063

1,12369

1,12675

1,12982

1,13288

1,13594

1,13900

1,14206

1,14512

1,14818

22

1,10681

1,10886

1,11191

1,11496

1,11801

1,12106

1,12411

1,12716

1.13021

1,13326

1,13631

1,13936

1,14241

23

1,10012

1,10316

1,10620

1,10924

1,11228

1,11532

1,11835

1,12139

1,12443

1,12747

1,13051

1,13355

1,13659

24

1,09437

1,09740

1,10043

1,10346

1,10649

1,10952

1,11255

1,11558

1,11861

1,12164

1,12467

1,12770

1,13073

25
        <pb n="1003" />
        984

Umrechnung  des  gewogenen  Kupferoxyds  auf  Kupfer.

Tabelle  III.

Umrechnung  des  gewogenen  Kupferoxyds  auf  Kupfer,  zum  Gebrauch
für  alle  Zuokerarten, 1 )  Nach  A.  Pernau.

CuO

Cu

CuO

Cu

CuO

Cu

CuO

Cu

CuO

Cu

CuO

Cu

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

10

8,0

54

43,1

97

77,5

141

112,6

185

147,8

229

182.9

11

8,8

55

43,9

98

78,3

142

113,4

186

148,6

230

183,7

12

9,6

56

44.7

99

79,1

143

114,2

187

149,4

231

184,5

13

10,4

57

45,6

100

79,8

144

116,0

188

150.1

232

185,3

14

11,2

58

46.3

101

80,6

145

ii5;s

189

150j9

233

186,1

15

12,0

59

47,1

102

81,4

146

116,6

190

151.7

234

186,9

16

12,8

60

47,9

103

82,2

147

117,4

191

152,5

235

187.7

17

13,6

61

48,7

104

83,0

148

118,2

192

153,3

236

188,5

18

14,4

62

49,5

105

83,8

149

119,0

193

154,1

237

189,3

19

15,2

62,6

50,0

106

84.6

160

119,8

194

154.9

238

190,0

20

16,0

63

50,3

107

85,4

151

120,6

195

156,7

239

190,8

21

16,8

64

51,1

108

86,2

152

121,4

196

166,5

240

191,6

22

17,6

66

61,9

109

87,0

153

122,2

197

157,3

241

192,4

23

18,4

66

52,7

110

87,8

154

123,0

198

158,1

242

193,2

24

19,2

67

63,5

111

88,6

155

123,8

199

158.9

243

194,0

25

20,0

68

54,3

112

89,4

156

124,6

200

159;7

244

194,8

26

20.8

69

65,1

113

90,2

157

125,4

201

leojs

245

195,6

27

21,6

70

56,9

114

91,0

158

126,2

202

161,3

246

196,4

28

22,4

71

56,7

115

91,8

159

127,0

203

162,1

247

197,2

29

23,2

72

57,5

116

92,6

160

127.8

204

162,9

248

198,0

30

24,0

73

58,3

117

93,4

161

128,6

205

163,7

249

198,8

31

24,8

74

59,1

118

94,2

162

129,4

206

164,5

250

199,6

32

25,6

76

59,9

119

95,0

163

130,2

207

165,3

251

200,4

33

26,4

76

60,7

120

95,8

164

131,0

208

166,1

252

201,2

34

27,2

77

61,5

121

96,6

165

131,8

209

166,9

253

202,0

35

28,0

78

62,3

122

97,4

166

132,6

210

167*7

254

202,8

36

28,7

79

63,1

123

98,2

167

133,4

211

168,6

265

203,6

37

29,5

80

63,9

124

99,0

168

134,2

212

169,3

256

204,4

38

30,3

81

64.7

125

99,8

169

134,9

213

170,1

257

205,2

39

31,1

82

66,5

126

100,6

170

135,7

214

170,9

258

206,0

40

31,9

83

66,3

127

101,4

171

136.5

215

171,7

259

206,8

41

32,7

84

67,1

128

102,2

172

137,3

216

172,5

260

207,6

42

33,6

85

67,9

129

103,0

173

138,1

217

173,3

261

208,4

43

34,4

86

68,7

130

103,8

174

138,9

218

174,1

262

209,2

44

35,1

87

69,5

131

104,6

175

139,7

219

174,9

263

210,0

40

35,9

88

70,3

132

105,4

176

140;5

220

175,7

264

210,8

36,7

89

71,1

133

106,2

177

141,3

221

176,5

265

211,6

37,5

90

71,9

134

107,0

178

142,1

222

177,3

266

212,4

38,3

91

72,7

136

107,8

179

142,9

223

178,1

267

213,2

39,1

92

73,5

136

108,6

180

143.7

224

178,9

268

214,0

93

74,3

137

109,4

181

144,5

225

179,7

269

214,8

40,7

94

75.1

138

110,2

182

146,4

226

180,6

270

216,6

41,5

95

75,9

139

111,0

183

146,2

227

181,3

271

216,4

42,3

96

76,7

140

111,8

184

147,0

228

182,1

272

217,2

als  K„,!L Weil i  daa  bei  den  Zuckerb estiramungen  gebildete  Kupferoxydul  jetzt  durchweg
KmrfW  Ä  gewogen,  die  nachstehenden  Reduktionstabellen  sich  aber  noch  auf  gewogenes
Kunfer  P ,.i S ,°.  diese  Tabelle,  welche  die  Umrechnung  von  Kupferoxyd  auf
Jvupter  erleichtert,  hier  Platz  finden.
        <pb n="1004" />
        Umrechnung  des  gewogenen  Kupferoxyds  auf  Kupfer.

985

CuO
mg’

Ou
mg

CuO
mg

Cu
mg

CuO
mg

Cu
mg

CuO
mg

Cu
mg

CuO
mg

Cu
mg

CuO
mg

Cu
mg

273

218,0

326

269,6

377

301,1

428

341.8

479

382,6

530

423,3

274

218.8

326

260,4

378

301,9

429

342,6

480

383,3

531

424.1

275

219,6

327

261,2

379

302,7

430.

343,4

481

384,1

532

424,9

276

220.4

328

262,0

380

303,5

431

344,2

482

384,9

633

425,7

277

221,2

329

262.8

381

304,3

432

345,0

483

385,7

534

426.5

278

222,0

330

263,6

382

305,1

433

345,8

484

386,6

535

427,3

279

222,8

331

264,4

383

305,9

434

346.6

485

387,3

536

428,1

280

223,6

332

265,2

384

306,7

435

347.4

486

388,1

537

428,9

281

224,4

333

266,0

386

307,5

436

348,2

487

388,9

538

429,7

282

225,2

334

266,8
267,6

386

308,3

437

349,0

488

389,7

539

430,6

283

226,0

336

387

309,1

438

349,8

489

390,6

540

431,2

284

226,8

336

268,4

388

309,9

439

350,6

490

391,3

541

432,0

285

227,6

337

269,2

389

310,7

440

351,4

491

392,1

542

432,8

286

228,4

338

270,0

390

311,5

441

352,2

492

392,9

543

433.6

287

229,2

339

270,8

391

312.3

442

363,0

493

393,7

544

434^4

288

230,0

340

271,6

392

313,1

443

363,8

494

394,5

646

436,2

289

230,8

341

272,4

393

313,9

444

364.6

495

395,3

646

436,0

290

231,6

342

273,2

394

314,7

446

356,3

496

396,1

647

436,8

291

282,4
233,2

343

274,0

395

315,6

446

356,1

497

396,9

548

437,6

292

344

274,8
275,6

396

316,3

447

356,9

498

397.7

549

438,4

293

234.0

345

397

317,1

448

357,7

499

398,6

550

439,2

294

234,8

346

276,4

398

317,9

449

358,6

500

399,3

651

440;0

295

235,6

347

277,2

399

318,7

450

359,3

501

400,1

652

440,8

296

236,4

348

278,0

400

319,4

461

360,1

502

400,9

553

441,6

297

237,2

349

278,7

401

320,2

452

360,9

503

401,7

554

442,4

298

238,0
238,8

360

279,6

402

321,0

453

361,6

504

402,5

656

443,2

299

351

280,3

403

321,8

454

362,4

605

403,3

666

444,0

300

239,6

352

281,1

404

322,6

455

363,2

506

404,1

667

444.8

301

240,4

363

281,9

405

323,4

456

364,0

607

404,9

658

445,6

302

241.2

354

282,7

406

324,2

457

364,8

508

405,7

559

446,4

303

242,0

356

283,5

407

325,0

458

365,6

509

406,6

660

447,2

304

242,8

356

284,3

408

325,8

459

366,4

510

407.3

661

448,0

305

243,6

367

285,1

409

326,6

460

367.2

511

408,1

662

448,8

306

244,4

358

285,9

410

327,4

461

368,0

512

408,9

563

449,6

307

245,2

359

286.7

411

328,2

462

368,8

613

409,7

564

460.4

308

246,0

360

287,5

412

329,0

463

369,6

614

410,5

665

451,2

309

246,8

361

288,3

413

329,8

464

370,4

616

411,3

666

452,0

310

247,6

362

289,1

414

330,6

465

371,2

616

412,1

667

452.8

311

248,4

363

289.9

415

331,4

466

372,0

517

412,9

568

453,6

312

249,2

364

290,7

416

332,2

467

372,8

518

413,7

569

454.4

313

250,0

366

291,5

417

333,0

468

373,6

519

414,6

670

455^2

314

250,8

366

292,3

418

333,8

469

374,4

620

415,3

671

456,0

315

251,6

367

293,1

419

334,6

470

375,2

621

416,1

572

456,8

316

252,4

368

293,9

420

336,4

471

376,0

522

416,9

673

467.6

317

253,2

369

294,7
295.5

421

336,2

472

376,8

523

417,7

674

458,4

318

254,0

370

422

337,0

473

377.6

524

418,5

576

459,2

319

254,8

371

296,3

423

337,8

474

378,4

625

419,3

576

460,0

320

265,6

372

297,1

424

338,6

475

379.2

626

420.1

577

460,8

321

256,4

373

297,9

426

339,4

476

380,0

527

420^9

678

461,6

322

267,2

374

298,7

426

340,2

477

380,8

628

421,7

579

462,4

323
324

258,0
258,8

375
376

299,5
300,3

427

341,0

478

381,6

529

422,5

680

463,2
        <pb n="1005" />
        Tabelle  IV.  Bestimmung  der  Glukose  nach  Allihn-Meißl.

10
II
1-1
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
26
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
60
51
52
53
54
55

mg
99,
100,
100,
101,
101,
102,
102,
103,
103,
104,
104,
105,
105,
106,
106.
107.
107,
108,
109,
109,
110,
110.
111,
111,
112,
112,
113,
113,
114,
114,
115,
115,
116,
116,
117,
118,
118,
119,
119,
120,
120,
121.
121,
122.
122

Tabelle  IV. 1 )
Bestimmung  der  Glukose  nach  Allihn-Meifsl  (vergl.  S.  230).

Kupfer
mg

Glukose
mg

Kupferne ­


Glukose
mg

Kupfer
mg

Glukose
mg

56

28,8

102

51,9

148

75.5

57

29,3

103

62,4

149

76,0

58

29.8

104

52,9

150

76,5

59

30,3

106

53,5

151

77,0

60

30,8

106

54,0

152

77,5

61

31,3

107

64,5

153

78,1

62

31,8

108

55,0

164

78,6

63

32,3

109

55,5

156

79,1

64

32,8

110

56,0

156

79,6

65

33,3

111

56,5

157

80,1

66

33,8

112

67,0

158

80,7

67

34,3

113

57,5

159

81,2

68

34,8

114

58,0

160

81,7

69

35,3

116

58,6

161

82,2

70

35,8

116

59,1

162

82,7

71

36,3

117

59,6

163

83,3

72

36,8

118

60,1

164

83,8

73

37,3

119

60,6

165

84,3

74

37,8

120

61.1

166

84,8

75

38,3

121

61,6

167

85,3

76

38,8

122

62,1

168

85,9

77

39,3

123

62,6

169

86,4

78

39,8

124

63,1

170

86,9

79

40,3

125

63.7

171

87,4

80

40,8

126

64,2

172

87,9

81

41,3

127

64,7

173

88,5

82

41,8

128

65,2

174

89,0

83

42,3

129

65,7

175

89,5

84

42,8

130

66,2

176

90,0

85

43,4

131

66,7

177

90,5

86

43,9

132

67,2

178

91.1

87

44.4

133

67,7

179

91,6

88

44.9

134

68,2

180

92.1

89

45,4

135

68,8

181

92,6

90

46,9

136

69,3

182

93,1

91

46,4

137

69,8

183

93,7

92

46,9

138

70,3

184

94,2

93

47,4

139

70,8

185

94,7

94

47,9

140

71,3

186

95,2

95

48.4

141

71,8

187

95,7

96

48,9

142

72,3

188

96,3

97

49,4

143

72,9

189

96,8

98

49,9

144

73,4

190

97,3

99

50,4

145

73,9

191

97,8

100

60,9

146

74,4

192

98,4

101

51,4

147

74,9

193

98,9

die  4  folgenden  Tabellen  sind  entnommen  aus  E.
rmung  der  Zuckerarten.  Stuttgart  1888.
        <pb n="1006" />
        Bestimmung  der  Glukose  nach  Allihn-Meißl.

987

!upf«
mg
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
250
251
252
253
254
255
256
257
258
259
260
261
262
263
264
265
266
267
268
269
270
271
272
273
274
275
276
277
278
279
280
281
282
283
284

i! !

Glukose

Kupfer

Glukose

Kupfer

Glukose

Kupfer

Glukose

mg

mg

mg

mg

‘  mg

mg

mg

148,3

330

173,1

375

198,6

420

224,5

148,8

331

173,7

376

199.1

421

225,1

149,4

332

174,2

377

199.7

422

225,7

149,9

333

174,8

378

200,3

423

226,3

160,5

334

175,3

379

200,8

424

226,9

151,0

335

175,9

380

201,4

425

227,5

151,6

336

176,5

381

202,0

426

228,0

162,1

337

177,0

382

202,5

427

228,6

152,7

338

177,6

383

203.1

428

229,2

163,2

339

178,1

384

203,7

429

229,8

153,8

340

178,7

385

204,3

430

230,4

164.3

341

179,3

386

204,8

431

231,0

164,9

342

179,8

387

205,4

432

231,6

156,4

343

180,4

388

206,0

433

232,2

156,0

344

180,9

389

206,6

434

232,8

156,5

345

181,5

390

207.1

435

233,4

157,1

346

182,1

391

207,7

436

233,9

157,6

347

182,6

392

208,3

437

234,5

168,2

348

183,2

393

208,8

438

235,1

158,7

349

183,7

394

209,4

439

235,7

169,3

350

184,3

395

210,0

440

236,3

159,8

351

184,9

396

210,6

441

236,9

160,4

362

185,4

397

211.2

442

237,5

160,9

353

186,0

398

211,7

443

238,1

161,5

354

186,6

399

212,3

444

238,7

162,0

355

187,2

400

212,9

446

239,3

162,6

356

187,7

401

213,5

446

239,8

163,1

357

188,3

402

214,1

447

240,4

163,7

358

188,9

403

214,6

448

241,0

164,2

359

189,4

404

215,2

449

241,6

164,8

360

190,0

405

215,8

450

242,2

166,3

361

190,6

406

216,4

451

242,8

165,9

362

191,1

407

217,0

452

243,4

166,4

363

191,7

408

217,5

453

244,0

167,0

364

192,3

409

218.1

454

244,6

167,5

365

192,9

410

218,7

455

245,2

168,1

366

193,4

411

219,3

456

245,7

168,6

367

194,0

412

219,9

457

246,3

169,2

368

194,6

413

220,6

468

246,9

169,7

369

195,1

414

221,0

459

247,6

170,3

370

195,7

415

221,6

460

248,1

170,9

371

196,3

416

222,2

461

248,7

171,4

372

196,8

417

222,8

462

249,3

172,0

373

197.4

418

223,3

463

249,9

172,5

374

198,0

419

223,9
        <pb n="1007" />
        988

Tabelle  V  a.  Bestimmung  des  Invertzuckers  nach  E.  Meißl.

Tabelle  Ta.

Bestimmung  des  Invertzuckers  aus  dem  gewogenen  Kupfer
nach  E.  Meifsl  (vergl.  S.  230).
        <pb n="1008" />
        Tabelle  Yb.  Bestimmung  des  Invertzuckers  im  Rübenzucker  nach  A.  Herzfeld.  989

Tabelle  Yb.

Bestimmung  des  Invertzuckers  im  Rübenzucker
nach  A.  Herzfeld  aus  den  abgewogenen  Milligrammen  Kupferoxyd.

CuO

Cu

lnver1&amp;gt;
Zucker

CuO

Cu

Invertzucker ­


CuO

Cu

Invertzucker ­


mg

mg

°/o

mg

mg

01
10

mg

mg

Ol
Io

62,6

50,0

0,050

116

92,6

0,258

170

135,7

0.481

63

60,3

0,051

117

93,4

0,262

171

136,6

0,485

64

51,1

0,054

118

94,2

0,266

172

137,3

0,489

65

51,9

0.058

119

95,0

0,271

173

138,1

0,493

66

52,7

0,061

120

96,8

0,276

174

138,9

0,498

67

53,6

0,064

121

96,6

0,280

175

139,7

0,501

68

54,3

0,067

122

97,4

0,285

176

140,5

0,606

69

55.1

0,070

123

98,2

0,289

177

141,3

0,511

70

56,9

0,074

124

99,0

0.294

178

142,1

0,515

71

66,7

0,077

125

99,8

0,299

179

142,9

0,521

72

67,5

0,080

126

100,6

0,303

180

143,7

0,625

73

68,3

0,083

127

101,4

0,307

181

144,6

0,530

74

59,1

0,086

128

102,2

0,311

182

145.4

0,535

75

59,9

0,090

129

103,0

0,315

183

146,2

0,539

76

60,7

0,093

130

103,8

0,319

184

147,0

0.544

77

61.5

0,096

131

104,6

0,323

185

147,8

0,549

78

62,3

0,099

132

105,4

0,327

186

148,6

0,553

79

63,1

0,103

133

106,2

0,331

187

149,4

0,568

80

63,9

0,108

134

107,0

0,335

188

150,1

0,562

81

64,7

0,111

135

107,8

0,339

189

150,9

0,668

82

65,6

0.115

136

108,6

0,343

190

151.7

0.672

83

66,3

0,119

137

109,4

0.348

191

152,5

0,577

84

67,1

0,123

138

110,2

0,352

192

153,3

0,582

85

67,9

0,128

139

111,0

0,356

193

164,1

0,586

86

68,7

0,131

140

111,8

0,360

194

154,9

0,592

87

69,5

0,135

141

112.6

0,364

195

155,7

0,596

88

70,3

0,139

142

113,4

0,368

196

156,5

0.601

89

71,1

0,143

143

114,2

0,372

197

157,3

0,605

90

71,9

0,148

144

115,0

0,376

198

158,1

0,609

91

72,7

0,161

145

115,8

0,380

199

158,9

0,615

92

73,5

0,154

146

116,6

0,384

200

159,7

0,619

93

74,3

0,158

147

117,4

0,388

201

160,5

0,624

94

75,1

0,162

148

118.2

0,393

202

161,3

0,629

95

75,9

0,167

149

119,0

0,397

203

162,1

0,633

96

76,7

0.170

150

119,8

0,401

204

162,9

0,639

97

77.5

0,174

151

120,6

0,405

205

163,7

0,643

98

78,3

0,178

152

121,4

0,409

206

164,5

0,648

99

79.1

0,182

153

122,2

0,413

207

166,3

0,653

100

79,8

0,186

164

123,0

0,417

208

166,1

0,657

101

80,6

0,190

155

123,8

0,422

209

166,9

0,663

102

81,4

0,194

156

124,6

0,426

210

167,7

0,667

103

82,2

0,198

157

125,4

0,430

211

168,5

0,672

104

83,0

0,202

168

126,2

0,434

212

169.3

0,676

105

83,8

0,207

169

127,0

0,438

213

170.1

0,680

106

84,6

0,211

160

127,8

0.442

214

170.9

0,686

107

85,4

0,215

161

128,6

0,446

216

171.7

0,690

108

86,2

0,220

162

129,4

0,450

216

172,5

0,695

109

87,0

0,225

163

130,2

0,454

217

173,3

0,700

110

87,8

0,230

164

131,0

0,458

218

174,1

0,704

111

88,6

0,234

165

131,8

0,462

219

174,9

0,709

112

89,4

0,238

166

132,6

0,466

220

175,7

0,713

113

90,2

0,243

167

133,4

0,470

221

176,6

0,717

114

91,0

0,248

168

134,2

0,474

222

177,3

0,722

115

91,8

0,253

169

134,9

0,478

223

178,1

0,726
        <pb n="1009" />
        990  Tabelle  Vb.  Bestimmung  des  Invertzuckers  im  Rübenzucker  nach  A.  Herzfeld.

CuO

Cu

Invertzucker ­


CuO

Cu

Invertzucker ­


CuO

Cu

Invertzucker ­


mg

mg

0/
Io

mg

mg

0  /
Io

mg

mg

0/
Io

224

178,9

0,731

282

225,2

0,985

339

270,8

1,247

225

179,7

0,735

283

226,0

0,990

340

271,6

1,251

226

180,5

0,740

284

226,8

0,996

341

272,4

1,255

227

181.3

0,744

285

227,6

0,998

342

273,2

1.260

228

182,1

0,748

286

228,4

1,003

343

274,0

1,265

229

182,9

0,763

287

229,2

1,008

344

274,8

1,270

230

183,7

0,757

288

230,0

1.013

345

275,6

1,274

231

184,5

0,761

289

230,8

1,017

346

276,4

1,278

232

185,3

0.766

290

231,6

1,021

347

277,2

1,283

233

186.1

0,770

291

232,4

1,026

348

2781)

1.288

234

186,9

0.775

292

233,2

1,031

349

278,7

1,292

235

187,7

0,779

293

234,0

1,036

350

279,5

1.296

236

188,5

0,783

294

234,8

1,040

351

280,3

1,301

237

189,3

0,788

295

235,6

1,044

352

281,1

1,305

238

190,0

0,792

296

236,4

1,049

353

281.9

1.311

239

190,8

0,796

297

237,2

1,054

354

282^7

1,315

240

191,6

0,801

298

238,0

1,058

355

283,5

1,319

241

192,4

0,805

299

238,8

1.063

356

284,3

1,324

242

193,2

0,809

300

239,6

1,067

357

285,1

1,328

243

194,0

0,814

301

240,4

1,072

358

285,9

1,334

244

194,8

0,818

302

241.2

1,077

359

286,7

1,338

245

196,6

0,822

303

242^0

1,081

360

287,5

1,342

246

196,4

0,827

304

242,8

1,086

361

288,3

1,347

247

197,2

0,831

305

243.6

1,090

362

289,1

1,351

248

198,0

0,836

306

244,4

1,095

363

289,9

1,357

249

198,8

0,840

307

245,2

1,100

364

290,7

1,360

250

199,6

0,844

308

246,0

1,104

365

291,5

1,365

251

200,4

0,849

309

246,8

1,109

366

292’.3

1,370

252

201,2

0,853

310

247,6

1,114

367

293,1

1,374

253

202,0

0,858

311

248,4

1.117

368

293^9

1.380

264

202,8

0,862

312

249,2

1,123

369

294'?

1,383

255

203,6

0,866

313

250,0

1,127

370

295'6

1,388

256

204,4

0,871

314

250,8

1,132

371

296'3

1,393

257

205,2

0,875

315

251,6

1,136

372

297'l

1,397

258

206,0

0,880

316

262,4

1,141

373

297'9

1,403

259

206,8

0,884

317

253,2

1,145

374

298'7

1,406

260

207,6

0,888

318

254,0

1,150

375

299,5

1,411

2bl

208,4

0,893

319

254,8

1,155

376

300'3

1,416

262

209,2

0,897

320

255,6

1,159

377

30l’l

1.420

263

210,0

0,902

321

256,4

1,164

378

301'9

1,425

264

210,8

0,906

322

257,2

1,168

379

302^7

1,429

265

211,6

0,910

323

258,0

1,173

380

1,434

266

212,4

0,915

324

268,8

1,178

381

304,3

1,439

267

213,2

0,919

325

259,6

1,182

382

306,1

1.443

268

214,0

0,924

326

260,4

1,187

383

306'9

1,448

-sby

214,8

0,928

327

261,2

1,191

384

306’7

1,452

271

215,6
2ie;4

0,932
0,937

328
329

262,0
262,8

1,196
1,201

385
386

307;5
308,3

1,457
1.462

273

217,2
218,0

0,941
0,946

330
331

263,6
264,4

1,205
1,209

387
388

309’l
309,9

1,466
1,471

A  (4

218,8

0,950

332

265,2

1,214

389

310'7

1.475

275

219,6

0,953

333

266,0

1,219

390

31l'6

1,480

276

220,4

0,959

334

266,8

1,225

391

312’3

1,485

277

221,2

0,963

335

267,6

1,228

392

313,1

1,489

278

222,0

0,968

336

268,4

1,233

393

313'9

1,494

22^B

0,972

337

269,2

1,237

394

314’?

1.498

£OÜ
281

223,6
224,4

0,976
0,981

338

270,0

1,242

395

315^5

1,500
        <pb n="1010" />
        Tabelle  VI.  Bestimmung  der  Maltose  nach  E.  Wein.

991

1

31
32
33
34
36
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
62
53
54
56
56
67
58
69
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79

Tabelle  VI.
ng  der  Maltose  nach  E.  Wein  (vergl.  S.  230).

Kupfer

Maltose

Kupfer

Maltose

Kupfer

Maltose

Kupfer

Maltose

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

85

73,2

139

121,5

193

169,8

247

218.1

86

74.1

140

122,4

194

170,7

248

219,0

87

75,0

141.

123,3

195

171,6

249

219,9

88

76,9

142

124,2

196

172,5

250

220,8

89

76,8

143

125,1

197

173,4

251

221,7

90

77,7

144

126,0

198

174,3

252

222,6

91

78,6

145

126,9

199

176,2

253

223,5

92

79,5

146

127.8

200

176,1

254

224,4

93

80,3

147

128,7

201

177,0

255

225,3

94

81,2

148

129,6

202

177,9

256

226,2

95

82,1

149

130,5

203

178,7

257

227,1

96

83,0

150

131,4

204

179,6

258

228,0

97

83,9

151

132,3

205

180,5

259

228,9

98

84,8

162

133,2

206

181,4

260

229,8

99

86,7

153

134,1

207

182,3

261

230,7

100

86.6

154

136,0

208

183,2

262

231,6

101

87,5

155

136,9

209

184,1

263

232,6

102

88,4

156

136,8

210

185,0

264

233.4

103

89,2

157

137,7

211

186,9

265

234,3

104

90,1

168

138,6

212

186,8

266

235,2

105

91,0

159

139,6

213

187,7

267

236,1

106

91,9

160

140,4

214

188,6

268

237,0

107

92.8

161

141,3

215

189,5

269

237,9

108

93,7

162

142,2

216

190,4

270

238,8

109

94,6

163

143,1

217

191,2

271

239,7

110

96,5

164

144,0

218

192,1

272

240,6

111

96,4

165

144,9

219

193,0

273

241,5

112

97,3

166

145,8

220

193,9

274

242,4

113

98,1

167

146,7

221

194,8

275

243,3

114

99,0

168

147.6

222

195,7

276

244.2

116

99,9

169

148,5

223

196,6

277

245,1

116

100,8

170

149,4

224

197,5

278

246,0

117

101,7

171

160,3

225

198,4

279

246,9

118

102,6

172

161,2

226

199,3

280

247,8

119

103,5

173

162,0

227

200,2

281

248,7

120

104,4

174

152,9

228

201,1

282

249,6

121

105,3

175

163,8

229

202,0

283

250,4

122

106,2

176

154,7

230

202,9

284

251,3

123

107,1

177

155,6

231

203,8

385

252,2

124

108,0

178

156,6

232

204,7

286

253,1

125

108,9

179

157,4

233

205,6

287

254,0

126

109,8

180

158.3

234

206,6

288

354,9

127

110,7

181

159,2

235

207,4

289

255,8

128

111.6

182

160,1

236

208,3

290

256,6

129

112,5

183

160,9

237

209,1

291

257,5

130

113,4

184

161,8

238

210,0

292

258,4

131

114,3

185

162,7

239

210,9

298

259,3

132

115,2

186

163,6

240

211,8

294

260,2

133

116,1

187

164,5

241

212,7

295

261,1

134

117,0

188

166,4

242

213,6

296

262,0

135

117,9

189

166,3

243

214,5

297

262,8

136

118,8

190

167,2

244

215,4

298

263,7

137

119,7

191

168.1

245

216,3

299

264,6

138

120,6

192

169,0

246

217,2

300

265,5
        <pb n="1011" />
        992  Tabelle  VII.  Bestimmung  der  Stärke  bezw.  des  Dextrins  nach  E.  Wein.

Tabelle  VII.
Bestimmung  der  Stärke  bezw.  des  Dextrins  nach  E.  Wein
(vergl.  S.  238  und  226).

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

10

5,6

56

25,9

102

46,7

148

67,9

194

89,5

11

6,9

67

26,4

103

47,2

149

68,4

195

90,0

12

6,4

58

26,8

104

47,6

160

68,9

196

90,5

13

6,8

59

27,3

105

48,1

151

69,3

197

91,0

14

7,3

60

27,7

106

48,6

152

69,8

198

91,4

15

7,7

61

28,2

107

49,1

153

70,3

199

91,8

16

8,1

62

28,6

108

49,6

154

70,7

200

92,3

17

8,6

63

29,1

109

50,0

155

71,2

201

92,8

18

9,0

64

29,5

110

50,4

166

71,6

202

93,3

19

9,5

65

30,0

111

50,9

157

72,1

203

93,8

20

9,9

66

30,4

112

51,3

158

72,6

204

94,3

21

10,4

67

30,9

113

51,8

169

73,1

205

94,8

22

10,8

68

31,3

114

62,2

160

73,6

206

95,2

23

11,3

69

31,8

115

62,7

161

74,0

207

96,7

24

11,7

70

32,2

116

63.2

162

74,5

208

96,2

25

12,2

71

32,7

117

53,6

163

76,0

209

96,7

26

12,6

72

33,1

118

64,1

164

75,4

210

97.1

27

13,1

73

33,6

119

54,6

165

75,9

211

97,6

28

13,5

74

34,0

120

55,0

166

76,3

212

98,1

29

14,0

76

34,5

121

55,4

167

76,8

213

98,6

30

14,4

76

34,9

122

65,9

168

77,3

214

99,0

31

14,9

77

35,4

123

56,3

169

77,8

215

99,5

32

15,3

78

35,8

124

56,8

170

78,2

216

100,0

33

15,8

79

36,2

125

57,3

171

78,7

217

100,4

34

16,2

80

36,7

126

57,8

172

79,1

218

100,9

35

16,  i

81

37,2

127

58,2

173

79,6

219

101,4

36

17,0

82

37,6

128

58,7

174

80'l

220

101,9

37

17,6

83

38,1

129

69,1

175

804

221

102,4

38

17,9

84

38,6

130

69,6

176

81,0

222

102,9

39

18,4

85

39,1

131

60,0

177

81,5

223

103,3

40

18,8

86

39,5

132

60,5

178

82,0

224

103,8

41

19,3

87

40,0

133

60,9

179

824

226

104,3

42

19,7

88

40,4

134

61,4

180

82,9

226

104,8

43

20,2

89

40,9

135

61,9

181

834

227

105,2

44

20,6

90

41,3

136

62,4

182

83,8

228

105.7

4o

21,1

91

41,8

137

62,8

183

844

229

106,2

4b

21,6

92

42,2

138

63,3

184

84*8

230

106,7

4  {

22,0

93

42,6

139

63,7

185

854

231

107,1

4o

22,4

94

43,1

140

64,2

186

85,7

232

107,6

49

22,9

95

43,6

141

64,6

187

864

233

108,1

oU

23,3

96

44,0

142

65,1

188

86,7

234

108,6

Ol

23,8

97

44,5

143

65,6

189

87,1

236

109,1

02

24,2

98

44,9

144

66,1

190

87,6

236

109,6

üO

24,7

99

46,4

146

66,5

191

88,1

237

110,1

54

26,1

100

46,8

146

67,0

192

884

238

110,6

00

25,5

101

46,3

147

67,4

193

89,1

239

1114
        <pb n="1012" />
        Bestimmung  der  Stärke  bezw.  des  Dextrins  nach  E.  Wein.  993

mg
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
260
251
252
253
254
255
266
257
258
259
260
261
262
263
264
265
266
267
268
269
270
271
272
273
274
275
276
277
278
279
280
281
282
283
284

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

Kupfer
mg

Stärke
oder
Dextrin
mg

285

133,5

330

155,8

375

178,7

420

202,1

286

134,0

331

166,3

376

179,2

421

202,6

287

134,5

332

156,8

377

179,7

422

203,1

288

135,0

333

157,3

378

180,2

423

203,7

289

135,5

334

167,8

379

180,7

424

204,2

290

135,9

336

168,3

380

181,3

425

204,7

291

136.4

336

158,8

381

181,8

426

205,2.

292

136,9

337

169,3

382

182,3

427

205,7

293

137,4

338

159,8

383

182,8

428

206,3

294

137,9

339

160,3

384

183.3

429

206,8

295

138,4

340

160,8

385

183,8

430

207,4

296

138,9

341

161,3

386

184,3

431

207,9

297

139,4

342

161,8

387

184,9

432  '

208,5

298

139,9

343

162,3

388

185,4

433

209,0

299

140,4

344

162,8

389

185,9

434

209,5

300

140,9

345

163,4

390

186,4

435

210,0

301

141.4

346

163,9

391

186,9

436

210,5

302

141,9

347

164,4

392

187,6

437

211,0

303

142,4

348

164,9

393

188,0

438

211,6

304

142,9

349

165,4

394

188,6

439

212,1

305

143,4

350

165,9

395

189,0

440

212,7

306

143,9

351

166,4

396

189,6

441

213,1

307

144,4

352

166,9

397

190,0

442

213,7

308

144,9

353

167,4

398

190,5

443

214,3

309

145,4

354

167,9

399

191,1

444

214,8

310

145,8

355

168,4

400

191,6

445

215,3

311

146,3

356

168,9

401

192,2

446

215,9

312

146,8

.  357

169,5

402

192,7
193,2

447

216,4

313

147,3

358

170,0

403

448

216,9

314

147.8

359

170,5

404

193,7

449

217,5

315

148,3

360

171,0

406

194,2

460

218,0

316

148,8

361

171,5

406

194,8

451

218,5

317

149,3

362

172,0

407

196,3
195,8

462

219,1

318

149,8

363

172,5

408

453

219,6

319

160,3

364

173,1

409

196,3

454

220,1
220,6

320

150,8

365

173,6

410

196,8

455

321

151,3

366

174,1

411

197,4

456

221,1
221,7

322

151,8

367

174,6

412

197,9

467

323

152,3

368

175,1

413

198.4

458

222,2

324

152,8

369

175,6

414

198,9

469

222,7

325

153,3

370

176,1

415

199,4

460

223,3

326

153,8

371

176,6

416

200,0

461

223,8

327

154,3

372

177,1

417

200,5

462

224,4

328
329
lohe  Stoff

154,8
155,3
e,  3.  Auflaj

373
374

177.7
178,2

418
419

201.0
201,5

463
t

224,9
3
        <pb n="1013" />
        994

Tabelle  VIII.  Bestimmung  der  Laktose  nach  Pr.  Soxhlet.

Tabelle  VIII.

Bestimmung  der  Laktose  nach  Fr.  Soxhlet  (vergl.  S.  230).

Kupfer

Laktose ­


Kupfer

Laktose ­


Kupfer

Laktose ­


Kupfer

Laktose ­


Kupfer

Laktose ­


Kupfer

Laktose ­


mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

100

71,6

151

109,6

201

147,7

251

185,5

301

225,2

351

264,7

101

72.4

152

110,3

202

148,6

252

186,3

302

225,9

352

265.5

102

73,1

163

111,1

203

149,2

263

187.1

303

226,7

353

266,3

103

73,8

154

111.9

204

150,0

254

187,9

304

227,5

354

267,2

104

74.6

155

112,6

205

150,7

255

188,7

305

228,3

355

268,0

106

75,3

156

113,4

206

161,5

256

189,4

306

229,1

356

268.8

106

76,1

157

114,1

207

152,2

257

190,2

307

229,8

357

269,5

107

76,8

168

114.9

208

153,0

258

191,0

308

230,6

358

270,4

108

77,6

169

115,6

209

153,7

269

191,8

309

231,4

359

271,2

109

78,3

160

116,4

210

154.0

260

192,5

310

232,2

360

272.2

110

79.0

161

117,1

211

155,2

261

193,3

311

232,9

361

272,9

111

79,8

162

117,9

212

156.0

262

194.1

312

233,7

362

273,7

112

80.5

163

118,6

213

156.7

263

194,9

313

234,5

363

274,5

113

81,3

164

119,4

214

167,6

264

195,7

314

235,3

364

275,3

114

82.0

165

120,2

215

158,2

265

196,4

315

236,1

365

276,2

115

82,7

166

120,9

216

159,0

266

197.2

316

236,8

366

277,1

116

83,5

167

121,7

217

159,7

267

198,0

317

237,6

367

277,9

117

84.2

168

122,4

218

160,4

268

198,8

318

238,4

368

278,8

118

85,0

169

123,2

219

161,2

269

199,5

319

239.2

369

279,6

119

85.7

170

123,9

220

161,9

270

200,3

320

240.0

370

280,6

120

86,4

171

124,7

221

162,7

271

201,1

321

240,7

371

281,4

121

87,2

172

125,5

222

163,4

272

201,9

322

241,5

372

282,2

122

87,9

173

126,2

223

164,2

273

202,7

323

242,3

373

283,1

123

88,7

174

127,0

224

164.9

274

203,6

324

243,1

374

283,9

124

89,4

175

127,8

225

165,7

275

204,3

325

243,9

375

284,8

125

90,1

176

128,5

226

166,4

276

205,1

326

244,6

376

285,7

126

90,9

177

129,3

227

167,2

277

205.9

327

245,4

377

286,6

127

91,6

178

130,1

228

167,9

278

206,7

328

246,2

378

287,4

128

92,4

179

130,8

229

168,6

279

207,5

329

247.0

379

288.2

129

93,1

180

131,6

230

169,4

280

208,3

330

247,7

380

289,1

130

93,8

181

182,4

231

170.1

281

209,1

331

248,5

381

289,9

131

94,6

182

133,1

232

170,7

282

209,9

332

249,2

382

290,8

132

95,3

183

133.9

233

171,6

283

210,7

333

250,0

383

291,7

133

96,1

184

134,7

234

172,4

284

211,5

334

250,8

384

292,6

134

96,9

185

135,4

235

173,1

285

212,3

335

251,6

385

293,4

135

97,6

186

136.2

236

173,9

286

213,1

336

252,5

386

294,2

136

98,3

187

137,0

237

174,6

287

213,9

337

253,3

387

296,1

137

99,1

188

137,8

238

175,4

288

214,7

338

254,1

388

296,0

138

99,8

189

138,5

239

176,2

289

215,5

339

254,9

389

296,8

139

100,5

190

139,3

240

176,9

290

216,3

340

255,7

390

297,7

140

101,3

191

140,0

241

177,7

291

217,1

341

256,5

391

298,5

14  L

102,0

192

140,8

242

178.6

292

217,9

342

257,4

392

299,4

142

102,8

193

141,6

243

179,3

293

218,7

343

258,2

393

300,3

143

103,5

194

142,3

244

180,1

294

219,5

344

259,0

394

301,1

144

104,3

195

143,1

246

180,8

295

220,3

345

259,8

395

302,0

145

105,1

196

143,9

246

181,6

296

221,1

346

260,6

396

302,8

146

105,8

197

144,6

247

182,4

297

221,9

347

261,4

397

303,7

147

106,6

198

145,4

248

183,2

298

222,7

348

262.3

398

304,6

148

107,3

199

146,2

249

184,0

299

223,5

349

263,1

399

305.4

149
150

108,1
108,8

200

146,9

250

184,8

300

224,4

360

263,9

400

306,3
        <pb n="1014" />
        Tab.  IX.  Bestimmung  d.  einz.  Zuckerarten  m.  Fehlingscher  Lösung  n.  Kjeldahl.  995

1

63*

Tabelle  IX.
Bestimmung  der  einzelnen  Zuckerarten  mit  Fehlingscher  Lösung
nach  J.  Kjeldahl  (vergl.  S.  235).

fl
M

Glukose  |

Fruktose

t,  o
o
fl  2
.h-1  CSJ

m
o
-u
5
cö
13
o

§  o s o
S”T
O

Maltose

Kupfer

Glukose
i

Fruktose

Invertzucker ­


CD
t»
O
M
ci
13
O

i  °!°c
cö  |

Maltose
0,2  H, 2  0,j

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

15  ccm

Pehli

ngsch

e  Lösu

ng.

5

2,2

2,6

2,5

2,5

3,4

3,7

53

25,2

28,4

27,1

28,3

37,1

41,1

6

2,7

3,1

3,0

3,0

4,1

4,6

54

25,7

29,0

27,6

28,8

37,8

41,9

7

3,1

3,6

3,5

3,5

4,7

5,2

55

26,2

29,5

28,1

29,4

38,6

42,8

8

3,5

4,1

4,0

4,0

5,4

6,0

56

26,8

30,1

28.7

30,0

39,3

43,6

9

4,0

4,6

4,5

4,5

6,0

6,7

57

27,3

30,7

29.3

30,6

40,0

44,4

10

4,4

5,2

5,1

5,0

6,7

7,5

58

27,8

31,2

29,8

31,2

40,7

46,2

11

4,9

6,7

5,6

5,6

7,4

8,2

59

28,4

31,8

30,4

31,7

41.5

46,0

12

5,4

6,2

6,1

6,1

8,1

9,0

60

28,9

32,4

30,9

32,3

42,2

46,9

13

6,8

6,7

6,5

6,6

8,8

9,7

61

29,4

32,9

31,4

32.9

43.0

47,7

14

6,3

7,2

7,0

7,1

9,5

10,5

62

29,9

33,5

32,0

33,5

43,7

48,5

15

6,7

7,8

7,5

7,6

10,2

11,2

63

30,6

34,1

32,6

34,1

44,5

49,3

16

■  7,2

8,3

8,0

8,1

10,8

12,0

64

31,0

34,7

33,1

34,7

45,2

50,2

17

7,7

8,8

8,5

8,7

11,5

12,8

65

31,6

35,2

33,7

35,3

46,0

51,0

18

8,1

9,4

9,0

9,2

12,2

13,5

66

32.1

35,8

34,2

35,9

46,7

51,8

19

8,6

9,9

9,5

9,7

12,9

14,3

67

32,7

36,4

34,8

36,5

47,6

52,7

20

9,0

10.4

10,0

10,2

13,6

15,1

68

33,2

37,0

35,4

37,1

48,2

53,5

21

9,5

10,9

10,5

10,7

14,3

15,8

69

33,8

37.6

36,0

37,7

49,0

54,4

22

9,9

11,5

11,0

11,3

15,0

16,6

70

34,3

38,1

36,5

38,3

49,7

55,2

23

10,4

12,0

11,5

11,8

15,7

17,4

71

34.9

38,7

37,1

38,9

50,5

56,0

24

10,9

12,5

12,0

12,3

16,4

18,1

72

35,4

39,3

37,6

39,5

51,3

56,9

25

11,4

13.1

12,5

12,9

17,1

18,9

73

36,0

39,9

38,2

40,1

52,0

57,7

26

11,8

13,6

13,0

13,4

17,7

19,7

74

36,6

40,5

38,8

40,7

52,8

58,6

27

12,3

14,1

13,5

13,9

18,4

20,4

75

37,2

41,1

•39,4

41,3

53,6

59,4

28

12,8

14.7

14.0

14.4

19,1

21,2

76

37,7

41,6

39.9

42,0

54,4

60,3

29

13,3

16,2

14,6

16,0

19,8

22,0

77

38,3

42,2

40,5

42,6

55,2

61,2

30

13,7

15,8

16,0

15,5

20,5

22,8

78

38,9

42,8

41,1

43,2

55,9

62,0

31

14,2

16,3

15,5

16,0

21,2

23,6

79

39.4

43,4

41,7

43,8

56,7

62,9

32

14,7

16,8

16,0

16,6

21,9

24,4

80

40,0

44,0

42,3

44,4

57,6

63,8

33

15,2

17,4

16,6

17,1

22,6

25,1

81

40,6

44,6

42,9

45,1

58,3

64,6

34

15,7

17,9

17,1

17,7

23,3

25,9

82

41.2

45.2

43,5

45,7

59,1

65,5

35

16,2

18.6

17,6

18,2

24,1

26,7

83

41,8

46,8

44,1

46,4

59,9

66,4

36

16,6

19,0

18,1

18,7

24,8

27,5

84

42,4

46,4

44,7

47,0

60,7

67,2

37

17,1

19.5

18,6

19,3

25,5

28,3

85

43,0

47,0

45,3

47,6

61,5

68,1

38

17,6

20,1

19,1

19,8

26,2

29,1

86

43,6

47,6

45,9

48,3

62,2

69,0

39

18,1

20,6

19,4

20,4

26,9

29,9

87

44,2

48,2

46,5

48,9

63,0

69,8

40

18,6

21,2

20,2

20,9

27,6

30,7

88

44,8

48,8

47,1

49,6

63,8

70,7

41

19,1

21,7

20,7

21,5

28,3

31,5

89

45,3

49,4

47,7

60,2

64,6

71,6

42

19,6

22,3

21.2

22,0

29.1

32,3

90

46,0

50,0

48,3

50,8

65,4

72,4

43

20,1

22,8

21,7

22,6

29,8

33,1

91

46,6

50,6

48,9

51,5

66,2

73,3

44

20,6

23,4

22.3

23,2

30,5

33,9

92

47.2

51,3

49,5

52,2

67,0

74,2

45

21,1

23,9

22,8

23,7

31,3

34,7

93

47,8

51,9

50,1

52,8

67,8

75,1

46

21,6

24,5

23,3

24,3

32.0

35,5

94

48,5

52,5

50,8

53,5

68,6

76,0

47

22.1

25,1

23,9

24,8

32,7

36,3

95

49,1

53,1

51,4

54,2

69,3

76,9

48

22,7

25,6

24,4

25,4

33,4

37,1

96

49,7

53,7

52,0

54,8

70,3

77,8

49

23,2

26,2

25,0

26,0

34,2

37,9

97

50,3

54,3

52,6

55,5

71,1

78,7

60

23,7

26,7

25,5

26,5

34,9

38,7

98

51,0

55,0

53,2

56,2

71,9

79,5

51

24,2

27,3

26,0

27,1

36,6

39,5

99

51,6

65,6

53,9

56,8

72,7

80,4

62

24,7

27,9

26,6

27,7

36,4

40,3

100

52,3

56,2

54,5

57,5

73,5

81,3
        <pb n="1015" />
        996  Tab.  IX.  Bestimmung  d.  einz.  Zuckerarten  m.  Fehlingscher  Lösung  n.  Kjeldahl.

Kupfer

Glukose  |

Fruktose

Invertzucker ­


Galaktose

Laktose
CAO u
+  H,0

Maltose
c 12 e, 3 o 1: ,

Kupfer

Glukose

Fruktose

Invertzucker ­


Galaktose

&amp;lt;V  S
g  o  °„
iJ  S~r
o

Maltose  I

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

rag

mg

mg

mg

101

52,9

56,8

66,1

58,2

74,3

82,2

61

27,5

30,6

29,3

30,6

41,3

47,6

102

53,6

57.4

55,8

58,9

76,2

83,2

62

28,0

31,1

29,8

31,2

42.0

48,4

103

54,2

58,1

66,4

69,6

76,0

84,1

63

28,4

31.6

30.3

31,7

424

49,2

104

54,9

58,7

57,1

60,3

76,8

85,0

64

28,9

32,1

3o;s

32,3

43.4

50,0

105

55,6

59,3

57,7

61,0

77,7

85,9

65

29,4

32,6

31,3

32,7

44,1

50,8

100

o6,2

59,9

58,3

61,7

78,5

86,8

66

29,9

33,2

31,8

33,3

44,8

51.6

107

66,9

60,6

69,0

62,4

79,3

87,7

67

30,3

33,7

32,3

33,8

45,5

62,4

108

57,6

61,2

59,7

63,1

80,1

88,6

68

30,8

34,2

32,8

34,3

464

53,2

109

68,2

61,9

60,3

63,7

81.0

89,5

69

31,3

34,7

33,3

34,8

46,9

64.0

110

68,9

62,5

61,0

64,4

81,8

90,4

70

31,8

36,2

33,8

35,4

47,6

o4,B

111

59,6

63,1

61,6

65,2

82,7

91,4

71

32,2

35,8

34,3

36,0

48,3

56,6

112

60,3

63,8

62,3

65.9

83,5

92,3

72

324

36,3

34,8

36.4

49,0

56,4

113

61,0

64,4

63,0

66,6

84,4

93,2

73

33,2

36,8

35,3

se;9

49,7

57,3

114

61,7

65,0

63,6

67,4

85,2

94,2

74

33,7

37,4

35,8

37,5

60,4

58,1

115

62,4

66,7

64,3

68,1

86,1

96,1

75

34,2

37,9

86,3

38'0

51,1

58,9

116

63,1

66,3

65,0

68,8

86,9

96,1

76

34,6

38,4

36,8

38,5

61.8

69,7

117

63,8

67,0

65,7

69,5

87,8

97,0

77

35,1

38,9

37,3

39,1

52,5

60.5

118

64,6

67,7

66,4

70,3

88,6

97,9

78

36,6

39,5

37,8

39,6

53,2

61,3

119

65,3

68,3

67,1

71,0

89,5

98,9

79

36,1

40,0

38,3

40,1

53,9

62,1

120

66,0

69,0

67,8

71,7

90,3

99,8

80

36.6

40,5

38,8

404

54,6

63,0

121

66,8

69,6

68,5

72,6

91,2

100,8

81

37.1

41,1

39,4

41,2

65,3

63,8

122

6  7,5

70,3

69,2

73,3

92,1

101,7

82

37,5

41,6

39^9

4L7

56,0

64,6

123

68,3

70,9

69,9

74,0

93,0

102.7

83

38,0

42.1

40,4

42,3

66,4

124

69,0

71,6

70,6

74,8

93,9

103,6

84

38,5

42;7

40^9

42,8

57,7

66.2

25

ccm  Fehlingsche  Lösung.

86
86

39,0
39,6

43,2
43.8

41,4
41,9

43,3
43,9

58,2
58.9

67,1
67.9

125

69,8

72,3

71,3

75,6

94,8

104.6

87

40.0

44,3

42|4

444

59,6

684

126

70,6

72,9

72,0

'Sß,  3

95,6

105.5

88

40!ö

44,8

42^9

44,9

604

69,6

127

71,3

73,6

72,7

77,1

96,5

106,5

89

40,9

46,4

434

46,5

61,1

70,3

128

72,1

74,3

73.6

77,9

97,4

107,4

90

41,4

46,9

43,9

46'0

61.8

71,2

129

72,9

74,9

74,2

78.7

98,3

108,4

91

41,9

46^2

444

46^6

62,5

72,0

40

30

com  Fehlingsohe  Lösung,

92
93

42,4
42,9

47,0
47,5

45,0
46,5

47,1
47,7

63,2
64,0

72,8
73.6

17,8

19,8

19,1

19,8

26,7

30.9

94

43*4

48J

46'0

48,2

644

74,5

41

18,2

20,3

19,5

20,4

27,4

31,7

96

43.9

48^6

464

48'7

65.4

75,3

42

18,7

20,8

20,0

20,9

28,1

32,5

96

44,4

49,1

47^0

49'3

66,1

76,1

43

19,1

21,3

20,6

21,4

28,8

33,3

97

44,9

49*7

47'6

49‘8

66,8

76,9

44

19,6

21,8

21,0

21,9

29,5

34,1

98'

45,4

50,2

48,1

50,4

67,6

77,8

45

20,1

22,4

21,5

22,4

30,2

34,9

99

45,9

50,8

48'6

50'9

68,3

78,6

46

20,6

22,9

22,0

22,9

30,8

35,6

100

46.4

6i;s

49,1

6l'ö

69,0

79,4

47

21,0

23,4

22,5

23,4

31,5

36,4

101

46,9

5L9

49'7

62,0

69,7

80,3

48

21,5

23,9

23,0

23,9

32,2

37,2

102

47,4

52*4

60  j  2

62,6

70,5

81,1

49

21,9

24,4

23,4

24,4

32,9

38.0

103

47,0

63jo

50  7

53,1

71,2

81,9

50

22,4

24,9

23,9

26,0

33,6

38,8

104

48,4

63^5

51,2

534

72,0

82,8

51

22,8

25,4

24,4

25,5

34,3

39,6

106

48,9

544

51  8

54  2

72,7

83,6

52

23,3

26,9

24,9

26,0

35,0

40,4

106

49,4

64je

52,3

54’8

73,4

84,4

oo

23,8

26,5

25,4

26,5

36,7

41,2

107

49,9

55'2

52,8

74,2

86,2

24,2

27,0

25,9

27,0

36,4

42,0

108

50.4

664

63  3

74,9

86,1

55

24,7

27,5

26.4

27,5

37,1

42,8

109

50,9

66,3

53  9

56^4

75.7

86,9

57
58
59
60

25.2
26.6
26.1
26,6
27,0

28,0
28,6
29,0
29,5
30,1

26,9
27.3
27.8
28.3
28.8

28,1
28,6
29.1
29,6
30.1

37.8
38.6
39,2
39.9
40.6

43,6
44,4
46,2
46,0
46,8

110
111
112
113
114

51.4
51,9
52,6
63,0
53.5

563
57,4
58.0
6S;6
59,1

54.4
54,9
56.5
66,0
56.6

57,0
57,5
58.1
684
59.2

76.4
77,1
77,9
78,6
79.4

874
88,6
89,4
90,3
91,1
        <pb n="1016" />
        Tab,  IX.  Bestimmung  d.  einz.  Zuokerarten  m.  Pehlingsoher  Lösung  n.  Kjeldahl.  997

|  d  Kupfer  j

&amp;lt;D
03
O
M
3
rag

&amp;lt;13
03
O
-+-3
2
fH
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rag

15  2
13
&amp;gt;  «
Ö  Ö
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13
CD
O
M
cö
0
mg

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|  C.AA,
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g  Maltose
CiAA,

|  Kupfer

O
CD
O
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5
mg

d&amp;gt;
CD
O
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Ph
mg

g  Invert-^
  znoker

,3  Galaktose

Laktose
|  CiAA,
-f  ILO

cd  _r&amp;lt;
CD  O
O  «54
13  w
k_J  &amp;lt;51
^  0
mg

115

54,0

59.6

57,1

59,8

80,1

91,9

169

83,1

90,9

87,3

91,3

121,4

138.7

116

54,5

60,2

57.6

60,3

80.8

92,8

170

83,7

91,5

87,9

91,9

122.2

139,6

117

55,0

60,7

58,1

60,9

81.6

93,6

171

84,2

92,1

88,4

92,5

123,0

140,5

118

55.5

61,3

58,7

61,5

82,3

94,5

172

84,8

92,7

89,0

93.1

123,8

141,4

119

56,0

61,8

69,2

62,0

83,1

95,3

173

85,4

93,3

89,6

93,7

124,6

142,3

120

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62.4

59,8

62,6

83,8

96.1

174

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93,9

90,2

94,3

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57,1

63,0

60,3

63.1

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175

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94,5

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94.9

126,3

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60,8

63,7

85,3

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176

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95,2

91,4

95,5

127,1

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61,4

64,3

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177

87,7

95.8

92,0

96,2

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61,9

64,8

86.8

99,5

178

88,3

96,4

92.6

96,8

128,7

146,8

125

59,2

65.2

62,6

65,4

87,6

100,4

179

88,8

97,0

93,2

97,4

129,5

147.7

126

59,7

65,8

63,0

66,0

88,3

101,3

180

89,4

97,6

93,8

98,0

130,3

1486

127

60.2

66,3

63,5

66,5

89,1

102,1

181

90,0

98,3

94,4

98,6

131,1

149.5

128

60,7

66,9

64,1

67,1

89,8

103,0

182

90,6

98,9

95,0

99,3

131,9

150,4

129

61,2

67,5

64,6

67.7

90,6

103,8

183

91,2

99,5

95,6

99,9

132,7

151,3

130

61,8

68,0

65,2

68,3

91,3

104,7

184

91,8

100,1

96.2

100,5

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152,2

131

62,3

68,6

65,7

68,8

92,1

105,5

185

92,4

100,8

96,9

101,1

134,4

153,1

132

62,8

69,2

66,3

69,4

92,8

106,4

186

93,0

101,4

97,5

101,8

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133

63,4

69,8

66,9

70,0

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107,3

187

93,5

102.0

98,1

102,4

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154.9

134

63.9

70,3

67,4

70.6

94.3

108.1

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94,1

102,7

98,7

103.0

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155.8

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70,9

67,9

71,1

95,1

109,0

189

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99,3

103,6

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156,7

136

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109,8

190

95,3

103,9

99.9

104,3

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137

65,5

72.0

69.0

72.3

96,6

110,7

191

95,9

104,5

100,5

104,9

139,2

158,6

138

66,0

72,6

69,6

72,9

97,4

111,6

192

96,5

106,2

101,1

105,5

140,1

169,5

139

66,6

73,2

70.2

73,4

98,1

112,4

193

97,1

105,8

101,7

106,2

140,9

160.4

140

67,1

73,7

70,7

74,0

98,9

113,3

194

97,7

106,4

102,3

106,8

141,7

161,3

141

67.6

74,3

71,2

74,6

99,7

114,1

195

98,3

107,1

103,0

107,4

142,6

162,2

142

68,2

74,9

71.8

75,2

100,4

115,0

196

98,9

107,7

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108,1

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163,1

143

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75,8

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108,7

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165,0

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105,0

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107,3

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72.0

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105,7

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203

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112,1

107,9

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108,1

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86,4

116,1

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121,9

117,6

122,4

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165

80,8

88,5

84,9

88,8

118,3

135,2

219

113,3

122,5

118,2

123,1

162,7

184,6

166

81.4

89,1

85,5

89,4

119,0

136,0

220

113,9

123,2

118,8

123,8

163,6

185,5

167

82.0

89,7

86,1

90,0

119,8

136,9

221

114,5

123,9

119,6

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164,4

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168

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86,7

90,7

120,6

137,8

222

115,2

124,6

120,2

125,1

165,2

187,4
        <pb n="1017" />
        998  Tab.  IX.  Bestimmung  d.  einz.  Zuckerarten  m.  Pehlingscher  Lösung  n.  Kjeldahl.

cn
fl

fl
3

B

o  M
&amp;gt;  s
fl  ö

c3
o

|&amp;lt;o
h-1  q

mg

mg

mg

mg

mg

223

115,8

224

116,5

225

117,1

226

117.8

227

118,4

228

119,1

229

119,7

230

120,4

231

121,1

232

121,8

233

122,4

234

123,1

235

123,8

236

124,4

237

125,1

238

125,8

239

126,6

240

127,1

241

127,8

242

128,5

243

129,2

244

129,9

246

130,6

246

131,3

247

132,0

248

132,7

249

133,4

250

134,1

251

Ä,8

252

136,6

253

136,2

254

136,9

255

137,6

256

138,3

267

139,1

268

139,8

259

140,5

260

141,2

261

142,0

262

142,7

125.2
125.9
126.6
127.2
127.9
128,6
129.3
130,0
130.6
131.3
132.0
132.7
133.4
134.1
134.8
135.5
136.1
136.8
137.6
138.2
138.9
139^
140.3
141,0
141.7
142.4
143.5
143*8
144.5
145,2
146,0
146.7
147.7
148.1
148.8
149.6
150.2
150.9
151.6

120,8
121.5
122,1
122,8
123.4
124^4
124.8
125.6
126,1
126.8
127.5
128.2
128.9
129.6
130.2
130.9
131.6
132.2
132.9
133.6
134.3
136,0
135.7
136.4
137.1
137.8
138.5
139.2
139.9
140.6
141.4
142.1
142.8
143.6
144;2
144.9
145.6
146.3
147.1
147,8

125.8
126,6
127.2
127.8
128,6
129.2
129.9
130.5
131.2
131.9
132.6
133.3
134,0
134.7
135.4
1364
136.8
137.6
138.2
138.9
139.6
140.3
141,0
141.7
142.4
143.1
143.8
144.5  !
145.2
146,0
146.7
147.8
148.1
148.9
149.6
150.3
151,0
151,8
152,5
163.2

166,1
167.0
167i9
1684
169.6
170.5
171.3
172.2
1734
174,0
174.8
175.7
176.6
177.5
178.4
179.2
180,1
181,0
181.9
182.8
1834
184.6
186.6
186.3
187.2
188,1
189,0
189.9
190.8
191.7
192,6
193.5
194.6
195.4
196.3
197,2
198,1
199,0
199.9
200.8

100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111

50
44.7
46,1
46,6
46,1
46,6
47,0
47,5
48,0
48.4
48,9
49.4
49.8

com  Pehlingsche  Lösung.

49.1
49.6
50.2
50.7
61.2
51.7
52.2
62.7
53.2
53^8
64.3
64.8

47.2
47.7
48.2
48.7
49,2.
49.7
50.2
50.7
51.2
51.7
52.2
52,6

49.5
50,0
50.5
51,0
51.6
52,0
52.6
63.1
53.6
54.1
64.6
65.1

71,4
72.1
72,9
73.6
74.3
75.1
76.8
76;5
77.2
78,0
78.7
79.4

©  H
CO  O
O  ffi
’cö  W
g  a
^  o

Kupfer

Glukose

Fruktose

Invertzucker ­


Galaktose

Laktose
0^0,1
+  3,0

Maltose  |

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

mg

188,4

112

50,3

65,3

53,1

55,7

80,2

93,0

189,3

113

50.8

55,8

63.6

56,2

80,9

93.9

190,3

114

51.2

56,3

64,1

66.7

81,7

94,7

191,2

115

51,7

66,8

64,6

57,2

82,4

95,6

192,2

116

52,2

57,4

55.1

57,7

83,1

96.4

193,1

117

62,7

57,9

66,6

58,3

83,9

97,3

194,1

118

63,1

58,4

56,1

58,8

84.6

98,1

195.1

119

53,6

58,9

56,6

69,3

85,4

99,0

196,0

120

54,1

59,4

57,1

59,8

86,1

99,8

197,0

121

64,6

59.9

67,6

60.3

86.8

100,7

197,9

122

66,0

60,5

58,1

60,9

87,6

101,6

198.9

123

55,5

61,0

58,6

61,4

88,3

102,4

199,9

124

56.0

61,5

59,1

61,9

89,1

103,3

200,8

125

66,5

62,0

59,6

62,4

89,8

104,1

201.8

126

56,9

62,5

60,0

62,9

90,5

105,0

202,7

127

67,4

63,1

60,5

63.5

91,3

105,8

203,7

128

57,9

63,6

61,0

64,0

92,0

106,7

204,7

129

58,4

64,1

61,5

64.5

92,8

107,6

205,6

130

68,8

64,6

62,0

65,0

93,5

108,4

206,6

131

59,3

65,2

62,5

65,6

94.2

109,3

207,6

132

59,8

65,7

63,0

66,1

95,0

110,1

208,5

133

60,3

66,2

63,5

66,6

96,7

111,°

209,5

134

60.8

66,7

64,0

67,2

96,6

111, 9

210,5

136

61,2

67,2

64.5

67,7

97,2

112,7

211.6

136

61.7

67,8

65,0

68,2

97,9

113,6

212,4

137

62,2

68,3

66.5

68,7

98,7

114,4

213,4

138

62,7

68.8

66,0

69,3

99.0

115,3

214,4

139

63,2

69,3

66,5

69,8

100,2

116,2

215,4

140

63,7

69,8

67,0

70.3

100,9

117,0

216.4

141

64,1

70,4

67,6

70&amp;gt;

101,7

117,9

217,4

142

64,6

70,9

68,0

7M

102,4

118,7

218,3

143

65,1

71,4

68,6

71.9

103,2

119,6

219.3

144

65,6

72,0

69,1

72^

103,9

120,0

220,3

145

66,1

72,5

69,6

73.0

104,7

121,3

221,3

146

66,6

73,0

70.1

73,6

105,4

122,2

222,3

147

67,1

73,6

70*6

74.0

106,2

123,1

223,3

148

67.5

74,1

71,1

74,6

106,9

123,y

224,3

149

68,0

74,6

71,6

75,1

107,7

124,8

225.3

150

68,5

75.2

72,1

76,6

108,4

l2o,&amp;lt;

226.3

151

69,0

75,7

72,6

76,2

109,2

126,0

152

69,5

76.2

73:1

76,7

109,9

127,4

153

70,0

76,7

73,6

77,2

110,7

128,4

82,9

154

70,5

7L3

74,2

77,8

111,4

83,7

155

71,0

77.8

74^7

78,3

112,2

13U,ü

84,6

156

71,5

78.3

75,2

78,9

112,9

13(V

85,4

157

71,9

78,9

75,7

79,4

113,7

131,  •

86,2

158

72,4

79,4

76,2

79.9

114,4

132,0

87,1

159

72,9

79,9

76,7

80,5

115,2

133,4

87,9

160

73,4

80,5

77,2

81,0

115,9

134,3

88,8
89,6

161
162

73,9
74,4

81,0
81,6

77,7
78,2

81,5
82,1

116,7
117,4

l3o,2
136,0

90.6

163

74,9

82,1

78,8

82,6

118,2

136,0

91,3

164

75,4

82,6

79,3

83,2

118,9

l3  jp

92,2

166

75,9

83,2

79,8

83,7

119,7

138,7
        <pb n="1018" />
        einz.  Zuokerarten  m.  Fehlingscher  Lösung  u.  Kjeldahl.  999

Sh
&amp;lt;4-h
B*
M
mg
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219

g  Invert-015
  zucker

O
w
o
3
cö
o
mg

Laktose
I  c 12 h 22 0 u
+  h 2 0

g  Maltose
^  C 12 H,,0 u

Sh
&amp;lt;4-i
PH
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mg

J|  Glukose

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Galaktose

Laktose
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+  h 2 o

„  Maltose
M  C I2 H 22 0 u

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114.0

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114,8

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188,1

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121,9

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189,0

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223

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110,6

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201.6

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183,3

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100,2

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130.1

125,0

130,9

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100,7

143,1

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119,9

130,7

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        <pb n="1019" />
        1000  Tal-  IX-  Bestimmung  d.  einz.  Zuckerarten  m.  Pehlingscher  Lösung  n.  Kjeldahl.

mg

274
275
276
277
278
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322
323
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325
326
327

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152.7
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172.8

174,7
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Laktose
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179,1

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146,9

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238,0

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179,1

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146,8

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188,7

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155,4

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344

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188,0

181,5

189,4

260,5

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217,4

251,9

345

175,0

188,7

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302,7

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190.0

183,4

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187,8

195,9

268,7

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155,1

162,2

225,4

261,2

355

181,3

195,1

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196,5

269,6

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162.8

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262,1

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181,9

195.8

189,1

197,2

270,4

313,2

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163,4

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263,0

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182,5

196,4

189,7

197,9

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164,0

227,8

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3l6il

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201,2

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201,7

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203,2

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162,3

169,6

235,1

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203,0

196,2

204,5

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323,o

162,9

170,2

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368

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203,7

196,9

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170,9

236,8

274,3

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190,2

204,3

197^5

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281,3

32o,7

164,1

171,5

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371

191,5

205,7

198,9

207,2

282,9

327,  7

165,4

172,7

239,2

277,1

372

192,1

206,3

199,6

207,9

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278.0

373

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207,0

200,2

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374

193,4

207,7

200,8

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167,2

174,6

241,6

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194,1

208,3

201,5

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331

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175,3

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376

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209,0

202,1

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176,9

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377

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202,8

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288,0

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169,0

176,5

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282,7

378

196,0

210,3

203,4

211,9

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196,7

211,0

204,1

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177,8

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284,6

380

197,3

211,7

204,8

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290,5

336,4

170,9

178,4

246,5

285,6

381

198,0

212,3

206,4

213,9

291,4

337,4
        <pb n="1020" />
        Tab.  IX.  Bestimmung  d.  einz.  Zuckerarten  m.  Fehlingscher  Lösung  n.  Kjeldahl.  1001

«4-1
mg

Glukose
mg

Fruktose
mg

Invertzucker ­

mg

Galaktose
mg

Laktose
C 12 H, ä 0„
+  H,0
mg

Maltose
CiAA,
mg

382

198,7

213.0

206,1

214,6

292,2

338,3

383

199,3

213,7

206,8

215.3

293,1

339,3

384

200,0

214,4

207,5

216,0

293,9

340,3

385

200,6

215.1

208,1

216,7

294.8

341,3

386

201,3

216,7

208,8

217,4

295,6

342,3

387

202,0

216,4

209,6

218,1

296,5

343,2

388

202,6

217,1

210,1

218,7

297,3

344,2

389

203,3

217,8

210,8

219,4

298,2

345,2

390

204,0

218,6

211,5

220,1

299,0

346,2

391

204,6

219,2

212,2

220,8

299,9

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212,8

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348,1

393

206,0

220,6

213,5

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301,6

349,1

394

206,7

221,2

214,2

222,9

302,4

350,1

395

207,3

221,9

214.9

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303,3

351,1

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208,0

222,6

216,6

224,3

304,1

352,1

397

208,7

223,3

216,3

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305,0

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398

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223,9

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401

211,4

226,0

219,0

227,8

308,4

357,0

402

212,1

226,7

219,7

228,5

309,3

368,0

403

212,8

227,4

220,4

229,2

310,1

358,9

404

213,5

228,1

221,1

229,9

310,9

359,9

405

214,1

228,8

221,7

230,6

311,8

360,9

406

214,8

229,5

222,4

231,3

312,6

361,9

407

215,5

230.2

223.1

232,0

313,5

362,9

408

216,2

230,9

223.8

232,7

314.3

363,9

409

216,9

231,6

224,5

233,4

315,2

364,9

410

217,6

232,3

226,2

234,1

316,0

365,9

411

218,3

233,0

226,9

234,8

316,9

366.8

412

219,0

233,7

226,6

235,5

317,7

367,8

413

219,7

234,4

227,3

236,3

318,6

368,8

414

220,4

235,1

228,0

237,0

319,4

369,8

415

221,1

235,8

228,7

237,7

320,3

370,8

416

221,8

236.5

229,4

238,4

321,2

371,8

417

222,5

237,2

230,1

239,1

322,0

372,8

418

223,2

237,9

230,8

239,8

322,9

373,8

419

223,9

238,6

231.5

240,6

323,7

374,8

420

224,6

239,4

232,3

241,2

324,6

375,8

421

225,3

240,1

233,3

242,0

325,5

376,8

422

226,0

240,8

233,7

242.7

326,3

377,8

423

226,8

241,5

234,4

243,4

327,2

378,8

424

227,5

242,2

235,1

244.1

328.1

379,8

425

228,2

243,0

235,9

244.9

329,0

380,8

426

228,9

243,7

236,6

245,6

329,8

381,8

427

229,6

244,4

237,3

246,3

330,7

382,8

428

230.3

246.1

238,0

247.1

331,6

383,8

429

231,1

245,9

238,8

247,8

332,4

384,8

430

231,8

246.6

239,5

248,5

333,3

385,8

431

232,5

247,3

240,2

249,3

334,2

386,8

432

233.2

248.0

240,9

250,0

335,1

387,8

433

234,0

248,7

241,6

250,8

335,9

388,8

434

234,7

249,5

242.4

251,5

336,8

389,9
        <pb n="1021" />
        1002  Tab.  Xa.  Bestimmung  der  Pentosen  u.  Pentosane  usw.  nach  Tollens  u.  Kröber.

B

1.
Phlorogluzid


g

0,030
0,031
0,032
0,033
0,034
0,035
0.036
0;037
0,038
0,039
0,040
0,041
0,042
0,043
0,044
0,046
0,046
0,047
0,048
0,049
0,050
0,051
0,052
0,053
0,054
0,056
0,056
0,057
0,068
0,059
0,060
0,061
0,062
0,063
0,064
0,065
0,066
0,067
0.068
0.069
0,070
0,071
0,072
0,073
0,074
0,075
0,076
0,077
0,078
0,079

l )

Tabelle  Xa.
estimmung  der  Pentosen  und  Pentosane  aus  dem  Phlorogluzid
nach  Tollens  und  Kröber 1 )  (vergl.  S.  244).

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8,

Purfurol

Arahinose

Araban

Xylose

Xylan

Pentose

Pentosau

g

g

g

g

g

g

0,0182

0,0391

0,0344

0,0324

0,0286

0.0358

0,0315

0,0188

0,0402

0,0364

0,0333

0.0293

0j0368

0,0324

0,0193

0,0413

0,0363

0,0342

0,0301

0,0378

0,0333

0,0198

0,0424

0,0373

0,0352

0.0309

0,0388

0,0341

0,0203

0,0435

0,0383

0,0361

0,0317

0,0398

0,0360

0,0209

0,0446

0,0393

0,0370

0,0326

0,0408

0,0369

0,0214

0,0467

0,0402

0,0379

0,0334

0,0418

0.0368

0,0219

0,0468

0,0412

0,0388

0,0342

0,0428

0,0377

0,0224

0,0479

0.0422

0,0398

0,0360

0,0439

0.0386

0,0229

0,0490

0,0431

0,0407

0,0368

0.0449

0,0395

0,0235

0,0501

0,0441

0,0416

0,0366

0,0459

0,0404

0,0240

0,0512

0,0451

0,0425

0,0374

0,0469

0,0413

0,0245

0,0623

0,0460

0,0434

0,0382

0,0479

0.0422

0,0250

0,0534

0,0470

0,0443

0,0390

0.0489

0.0431

0,0255

0,0645

0,0480

0.0462

0,0398

0^0499

0,0440

0,0260

0,0656

0.0490

0,0462

0,0406

0.0609

0,0448

0,0266

0,0567

0.0499

0,0471

0,0414

0,0619

0,0467

0,0271

0,0678

0,0509

0,0480

0.0422

0,0529

0,0466

0,0276

0,0689

0,0519

0,0489

0,0430

0^0539

0,0475

0,0281

0,0600

0,0628

0,0498

0,0438

0,0649

0,0484

0,0286

0,0611

0,0638

0,0507

0,0446

0,0559

0,0492

0,0292

0,0622

0,0648

0,0516

0,0464

0'0669

0,0501

0,0297

0,0633

0,0657

0,0525

0,0462

0'0579

o'oöio

0,0302
0,0307

0,0644
0,0655

0.0567
0,0576

0,0634
0,0643

0,0470
0,0478

0^0589
0,0699

01)519
(10228

0,0312

0,0666

0,0586

0,0553

0,0486

0j0610

0,0537

0,0318

0,0677

0,0696

0,0562

0,0494

0^0620

0,0546

0,0323

0,0688

0,0606

0,0571

0,0602

0^0630

0,0666

0,0328

0,0699

0,0615

0,0680

0,0510

0^0640

0,0664

0,0333

0,0710

0,0624

0,0589

0,0618

0^0660

0,0573

0,0338

0,0721

0,0634

0,0598

0,0526

0,0660

0,0581

0,0344

0,0732

0,0644

0,0607

0,0634

0.0670

0,0690

0,0349

0,0743

0,0653

0,0616

0,0542

0’0680

0,0599

0,0354

0,0764

0,0663

0,0626

0,0650

0,0690

0,0608

0,0359

0,0766

0,0673

0,0636

0,0568

0,0700

0,0617

0,0364

0,0776

0,0683

0,0644

0,0667

0,0710

0,0625

0,0370

0,0787

0,0692

0,0653

0,0575

0,0720

0,0634

0,0375

0,0798

0,0702

0.0662

0,0583

0,0730

0,0643

0,0380

0,0809

0.0712

0,0672

0,0691

0’0741

0,0662

0,0335

0,0820

0,0721

0,0681

0,0699

0^0751

0.0661

0,0390

0,0831

0,0731

0,0690

0,0607

0,0761

0,0670

0,0396

0,0842

0,0741

0.0699

0,0615

0^0771

0,0679

0,0401

0,0863

0,0750

0,0708

0,0623

0'0781

0,0688

0,0406

0,0864

0,0760

0,0717

0,0631

0’ö791

0,0697

0,0411

0,0876

0.0770

0,0726

0,0639

ojosoi

0,0706

0,0416

0,0886

0,0780

0,0736

0,0647

o'osn

0,0714

0,0422

0,0897

0,0789

0,0745

0,0656

0*0821

0,0722

0,0427

0,0908

0,0799

0,0764

0,0663

0^0831

0,0731

0,0432

0,0916

0,0809

0,0763

0,0671

0’0841

0,0740

0,0437

0,0930

0,0818

0,0772

0,0679

0j0851

0,0749

Journ.  f.  Landw.  1900,  48,  379.
        <pb n="1022" />
        Tab.  Xa.  Bestimmung  der  Pentosen  u.  Pentosane  usw,  nach  Teilens  u.  Kröber.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

Phlorogluzid

g

Purfurol
g

Arabinoae
g

Araban
g

Xylose
g

Xylan
g

Pentose
g

Pentosan
g

0,080

0,0442

0,0941

0,0828

0,0781

0,0687

0,0861

0,0758

0,081

0,0448

0,0952

0,0838

0,0790

0,0695

0,0871

0,0767

0,082

0,0453

0,0963

0,0847

0,0799

0,0703

0,0881

0,0776

0,083

0,0468

0,0974

0,0857

0,0808

0,0711

0,0891

0,0785

0,084

0,0463

0,0985

0,0867

0,0817

0,0719

0,0901

0,0794

0,086

0,0468

0,0996

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0,1236
        <pb n="1023" />
        1004  Tab.  X  a.  Bestimmung  der  Pentosen  u,  Pentosane  usw.  nach  Teilens  u.  Kröber.

1.

2.

,3.

4.

5.

6.

7.

8.

Phlorogluzid

g

Furfurol
g

Arabinose
g

Araban
g

Xylose
g

Xylan
g

Pentose
g

Pentosan
g

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0,1754

0,1544

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0,0831

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0,0888

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0,1660

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0,1546

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0,0914

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0,1708

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0,1417

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0,1721
        <pb n="1024" />
        Tab.  Xa.  Bestimmung  der  Pentosen  u.  Pentosane  usw.  nach  Teilens  u.  Kröber.  1005

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

Phlorogluzid

8

Purfurol
g

Arabinose
g

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g

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g

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g

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0,1927

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0,2047

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0,220

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0,2174

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0,1810

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0^220

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0,2002

0,2503

0,2203
        <pb n="1025" />
        1006  Ta.b.  Xa.  Bestimmung  der  Pentosen  u.  Pentosane  usw.  nach  Teilens  u,  Kröber.

1.
Phlorogluzid

g

0,245
0,246
0,247
0,248
0,249
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0,258
0,259
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0,261
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0,265
0,266
0,267
0.268
0,269
0,270
0,271
0,272
0.273
0,274
0,275
0,276
0,277
0,278
0,279
0,280
0,281
0,282
0,283
0,284
0,286
0,286
0,287
0,288
0,289
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0,300

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

Purfurol
g

Arabinose
g

Araban
g

Xylose

Xylan
g

Pentose
£

Pentosan
g

0,1297

0,2741

0,2413

0,2284

0,2010

0,2513

0,2212

0,1302

0,2752

0,2422

0,2293

0,2018

0,2623

0,2220

0,1307

0,2762

0,2432

0,2302

0,2026

0,2533

0,2229

0,1312

0,2773

0,2441

0,2311

0,2034

0,2543

0,2238

0,1318

0,2784

0,2451

0,2320

0,2042

0,2653

0,2247

0,13ä3

0,2796

0,2460

0,2330

0,2050

0,2563

0,2266

0,1328

0,2806

0,2470

0,2339

0,2058

0,2573

0,2264

0,13-53

0,2816

0,2479

0,2348

0,2066

0,2582

0,2272

0,1338

0,2827

0,2489

0,2357

0,2074

0,2692

0,2281

0,1343

0,2838

0,2498

0,2366

0,2082

0,2602

0,2290

0,1349

0,2849

0,2508

0,2376

0,2090

0,2612

0,2299

0,1354

0,2860

0,2517

0,2384

0,2098

0,2622

0,2307

0,1359

0,2870

0,2526

0,2393

0,2106

0,2632

0,2316

0,1364

0,2881

0,2536

0,2402

0,2114

0,2642

0,2325

0,1369

0,2892

0,2545

0,2411

0,2122

0,2652

0,2334

0,1374

0,2903

0,2555

0,2420

0,2130

0,2662

0,2343

0,1380

0,2914

0,2565

0,2429

0,2138

0’2672

0,2351

0,1386

0,2924

0,2574

0,2438

0,2146

0,2681

0,2359

0,1390

0,2935

0,2684

0,2447

0,2164

0,2691

0,2368

0,1395

0,2946

0,2593

0,2456

0,2162

0,2701

0,2377

0,1400

0,2957

0,2603

0,2465

0,2170

0.2711

0,2385

0,1405

0,2968

0,2612

0,2474

0,2178

0’2721

0,2394

0,1411

0,2978

0,2622

0,2483

0,2186

0,2731

0,2403

0,1416

0,2989

0,2631

0,2492

0,2194

0,2741

0,2412

0,1421

0,3000

0,2641

0,2502

0,2202

0,2761

0.2421

0,1426

0,3011

0,2650

0,2511

0,2210

0,2761

0,2429

0,1431

0,3022

0,2660

0,2520

0,2218

0,2771

0.2438

0,143(5

0,3032

0,2669

0,2529

0,2226

0/2781

0j2447

0,1442

0,3043

0,2679

0,2538

0,2234

0,2791

0,2456

0,1447

0,3054

0,2688

0,2547

0,2242

0,2801

0,2465

0,1452

0,3065

0,2698

0,2666

0,2250

0,2811

0,2473

0,1457

0,3076

0,2707

0,2565

0,2258

0,2821

0,2482

0,14(52

0,3086

0,2717

0,2574

0,2268

0,2830

0,2490

0,1467

0,3097

0,2726

0,2683

0,2274

0,2840

0,2499

0,1473

0,3108

0,2736

0,2592

0,2282

0,2860

0,2508

0,1478

0,3119

0,2745

0,2602

0,2290

0'2861

0,2517

0,1483

0,3130

0,2755

0,2611

0,2298

0,2871

0,2526

0,1488

0,3140

0,2764

0,2620

0,2306

0,2880

0,2534

0,1493

0,3151

0,2774

0,2629

0,2314

0,2890

0,2543

0,1498

0,3162

0,2783

0,2638

0,2322

0,2900

0,2552

0,1504

0,3173

0,2793

0,2647

0,2330

0,2910

0,2561

0,1609

0,3184

0,2802

0,2666

0,2338

0,2920

0,2570

0,1514

0,3194

0,2812

0,2665

0,2346

0,2930

0,2578

0,1519

0,3205

0,2821

0,2674

0,2354

0,2940

0,2587

0,1524

0,3216

0,2831

0,2683

0,2362

0,2950

0,2596

0,1529

0,3227

0,2840

0,2693

0,2370

0,2960

0,2605

0,1536

0,3238

0,2850

0,2702

0,2378

0,2970

0,2614

0,1640

0,3248

0,2869

0,2711

0,2386

0,2980

0,2622

0,1545

0.3259

0,2868

0,2720

0,2394

0,2990

0,2631

0,1560

0,3270

0,2878

0,2729

0,2402

0,3000

0,2640

0,1565

0,3281

0,2887

0,2738

0,2410

0,3010

0,2649

0,1560

0,3292

0,2897

0,2747

0,2418

0,3020

0,2658

0,1666

0,3302

0,2906

0,2756

0  2426

0,3030

0,2666

0,1571

0,3313

0,2916

0,2766

0,2434

0'3040

0.2676

0,16  /(5

0,3324

0,2926

0,2774

0,2442

0/3050

0,2684

0,1581

0,3335

0,2935

0,2784

0,2450

0,3060

0,2693
        <pb n="1026" />
        Tab.  Xb.  Bestimmung  der  Methylpentose  (Rhamnose)  aus  dem  Phlorogluzid.  1007

Tabelle  Xb.

Bestimmung  der  Methylpentose  (Rhamnose)  aus  dem  Phlorogluzid,
berechnet  nach  der  Formel:  Rhamnose  =  Ph  x  1,66  —  Ph 2  x  1,84  +  0,010;
Rhamnosan  =  Rhamnose  x  0,8  nach  Tollens  u.  Eilet. 1 )  (vergl.  Nachträge).

Phlorogluzid
g

Rhamnose
g

Phlorogluzid
g

Rhamnose
g

Phlorogluzid
g

Rhamnose
g

0,010

0,02660

0,054

0,09370

0,098

0,15400

0,011

0,02790

0,065

0,09615

0,099

0,16630

0,012

0,02950

0,066

0,09660

0,100

0,15660

0,013

0,03110

0,057

0,09805

0,101

0,15786

0,014

0,03270

0,058

0,09950

0,102

0,15912

0,015

0,03430

0,059

0,10095

0,103

1,16038

0,016

0,03590

0,060

0,10240

0,104

0,16164

0,017

0,03750

0,061

0,10381

0,106

0,16290

0,018

0,03910

0,062

0,10622

0,106

0,16416

0,019

0,04070

0,063

0,10663

0,107

0,16542

0,020

.0,04230

0,064

0,10804

0,108

0,16668

0,021

0,04385

0,065

0,10945

0,109

0,16794

0,022

0,04640

0,066

0,11086

0,110

0,16920

0,023

0,04695

0,067

0,11227

0,111

0,17043

0,024

0,04860

0,068

0,11368

0,112

0,17166

0,025

0,05005

0,069

0,11509

0,113

0,17289

0,026

0,06160

0,070

0,11650

0,114

0,17412

0,027

0,06315

0,071

0,11787

0,115

0,17635

0,028

0,05370

0,072

0,11924

0,116

0,17658

0,029

0,05525

0,073

0,12061

0,117

0,17781

0,030

0,05780

0,074

0,12198

0,118

0,17904

0,031

0,05933

0,075

0,12335

0,119

0,18027

0,032

0,06086

0,076

0,12472

0,120

0,18150

0,033

0,06239

0,077

0,12609

0,121

0,18296

0,034

0,06392

0,078

0,12746

0,122

0,18388

0,035

0,06545

0,079

0,12883

0,123

0,18507

0,036

0,06698

0,080

0,13020

0,124

0,18626

0,037

0,06861

0,081

0,13154

0,125

0,18746

0,038

0,07004

0,082

0,13288

0,126

0,18864

0,039

0,07167

0,083

0,13422

0,127

0,18983

0,040

0,07310

0,084

0,13556

0,128

0,19102

0,041

0,07468

0,085

0,13690

0,129

0,19221

0,042

0,07606

0,086

0,13824

0,130

0,19340

0,043

0,07754

0,087

0,13958

0,131

0,19455

0,044

0,07902

0,088

0,14092

0,132

0,19570

0,046

0,08030

0,089

0,14226

0,133

0,19685

0,046

0,08198

0,090

0,14360

0,134

0,19800

0,047

0,08346

0,091

0,14490

0,136

0,19916

0,048

0,08494

0,092

0,14620

0,136

0,20030

0,049

0,08642

0,093

0,14750

0,137

0,20145

0,050

0,08790

0,094

0,14880

0,138

0,20260

0,051

0,08835

0,095

0,15010

0,139

0,20375

0,052

0,09080

0,096

0,15140

0,140

0,20490

0,053

0,09225

0,097

0,15270

0  Berichte  d.  deutschen  ehern.  Gesellschaft  1904,  38,  492  u,  Journal  f.  Landwirtschaft ­
  1905,  53,  113.
        <pb n="1027" />
        1008

Tab.  XI.  Korrektionstabelle  der  Laktodensimeter-Tabelle

  XI.
1.  Korrektionstabelle  der  Laktodensimeter-Wärmegrade



0

1

9

3

4

5

(!

7

8

9

10

II

12

13

14

14

12,9

12,9

12,9

13,0

13,0

13,1

13,1

13,1

13,2

13,3

13,4

13,5

13,6

13,7

13,8

15

13,9

13,9

13,9

14,0

14.0

14,1

14,1

14,1

14,2

14,3

14,4

14,5

14,6

14,7

14.8

k&amp;gt;

14,9

14,9

14,9

15,0

15,0

15,1

15,1

15,1

15,2

15,3

15,4

15,5

15,6

15,7

15,8

17

15,9

16,9

15,9

16,0

16,0

16,1

16,1

16,1

16,2

16,3

16,4

16,5

16,6

16,7

16,8

a

18

10,9

16,9

16,9

17,0

17,0

17,1

17,1

17,1

17,2

17,3

17,4

17,5

17,6

17,7

17,8

w
0

1!»

17,8

17,8

17,8

17,9

17,9

18,0

18,1

18,1

18,2

18,3

18,4

18,5

18,6

18,7

18,8

d&amp;gt;

20

18,7

18,7

18,7

18,8

18,8

18,9

19,0

19,0

19,1

19,2

19,3

19,4

19,5

19,6

19,8

O

21

19,6

19,6

19,7

19,7

19,7

19,8

19,9

20,0

20,1

20,2

20,3

20,4

20,5

20,6

20,8

cö

20,6

20,6

20,7

20,7

20,7

20,8

20,9

21,0

21,1

21,2

21,3

21,4

21,5

21,6

21,8

215
24

21,6

21,5

21,6

21,7

21,7

21,8

21,9

22,0

22,1

22,2

22,3

22,4

22,5

22,6

22,8

&amp;lt;D

22,4

22,4

22,5

22,6

22,7

22,8

22,9

23,0

23,1

23,2

23,3

23,4

23,5

23,6

23,8

’o

25

23,3

23,3

23,4

23,5

23,6

23,7

23,8

23,9

24,0

24,2

24,2

24,3

24,5

24,6

24,8

26

24,3

24,3

24,4

24,5

24,6

24,7

24,8

24,9

25,0

25,1

25,2

25,3

25.5

25,6

25.8

o

27

25,2

25,3

25,4

25,5

25,6

25,7

25,8

25,9

26,0

26,1

26,2

26,3

26^5

26,6

26,8

5

28

26,1

26,2

26,3

26,4

26,5

26,6

26,7

26,8

26,9

27,0

27,1

27,2

27,4

27,6

27,8

29

27,0

27,1

27,2

27,3

27,4

27,5

27,6

27,7

27,8

27,9

28.1

28,2

28,4

28,6

28,8

r ö

30

27,9

28,0

28,1

28,2

28,3

28,4

28,5

28,6

28,7

28,8

29,0

29)2

29,4

29,6

29,8

CD

31

28,8

28,9

29,0

29,1

29,2

29.3

29,6

29,6

29.7

29,8

30,0

30,2

30,4

30,6

30,8

cö

32

29,7

29,8

29,9

30,0

30.1

30,3

30,4

30,5

30,6

30,8

31,0

31,2

31,4

31,6

31,8

d

33

30,6

30,7

30,8

30,9

31,0

31,2

31,3

31,4

31,6

31,8

32,0

32,2

32,4

32,6

32,8

34
35

31,5

31,6

:si,7

31,8

31,9

32,1

32,2

32,3

32,5

32,7

32,9

33,1

33,3

33,5

33,8

32,4

32,5

32,6

32,7

32,8

33,0

33,1

33,2

33,4

33,6

33,8

34,0

34,2

34,4

34,7

2.  Korrektionstabelle  der  Laktodensimeter-Wärmegrade


0

1

2

8

4

5

6

7

8

0

10

11

12

13

O
14

18

17,2

17,2

17,2

17,2

17,2

17,3

17,3

17,3

17,3

17,4

17,5

17,6

17,7

17,8

17,9

10

18,2

18,2

18,2

18,2

18,2

18.3

18,3

18,3

18,3

18,4

18,5

18,6

18,7

18,8

18,9

77  20

19,2

19,2

19.2

19,2

19,2

19,3

19,3

19,3

19,3

19,4

19,5

19,6

19,7

19,8

19,9

-S  21

20,2

20,2

20,2

20,2

20,2

20,3

20,3

20,3

20,3

20,4

20,5

20,6

20,7

20,8

20,9

S  22

21,1

21,1

21,1

21,2

21,2

21,3

21,3

21,3

21,3

21,4

21,5

21,6

21*7

21,8

21,9

§  23

22,0

22,0

22,0

22,0

22,1

22,2

22,3

22,3

22,3

22,4

22,6

22,6

22,7

22,8

22,9

rö

22,9

22,9

22,9

22,9

23,0

23,1

23,2

23,2

23,2

23,3

23,4

23,5

23,6

23,7

23,9

3  25

23,8

23,8

23,8

23,8

23,9

24,0

24,1

24,1

24,1

24,2

24,3

24,4

24,5

24,6

24.8

24,8

24,8

24,8

24,8

24,9

25,0

25,1

25,1

25,1

25,2

25,3

25*4

25,5

25,6

25,8

25,8

25,8

25,8

25,8

25,9

26.0

26,1

26.1

26,1

26,2

26,3

26,4

26,5

26,6

26.8

cd  28

26,8

26,8

26,8

26,8

26,9

27,0

27,1

27,1

27,1

27,2

27,3

27,4

27,5

2716

27,8

O  20

27,8

27,8

27,8

27,8

27,9

28,0

28,1

28,1

28,1

28,2

28,3

28,4

28,5

28,6

28,8

g.  30

28,7

28,7

28,7

28,7

28,8

28,9

29,0

29,0

29,1

29,2

29,3

29,4

29,5

29,6

29,8

-S  31

29,7

29,7

29,7

29,7

29,8

29,9

30,0

30,0

30,1

30,2

30,3

30,4

30,5

30,6

30,8

30,7

30,7

30,7

30,7

30,8

30,9

31,0

31,0

31,1

31,2

31,3

31,4

31,5

31,6

31,8

31,7

31,7

31,7

31,7

31,8

31,9

32,0

32,0

32,1

32^

32,3

32,4

32,5

32,6

32,8

34

32,6

32,6

32,6

32,7

32,8

32,9

32,9

33,0

33,1

33,2

33,3

33,4

33,5

33,6

33,8

&amp;lt;d  35

33,o

33,5

33,5

33,6

33,7

33,8

33,8

33,9

34,0

34,1

34,2

34;,3

34,4

34,6

34,8

cö  3o

34,4

34,4

34,5

34,6

34,7

34,8

34,8

34&amp;gt;

35,0

35,1

35,2

35,3

35,4

35,8

O  37

3o,3

35,4

36,5

35,6

35,7

35,8

35,8

35,9

36,0

36,1

36,2

36,3

36,4

36,6

36,8

38

36,2

36,3

36,4

36,5

36,6

36,7

36,8

36,9

37,0

37,1

37*2

37,3

37,4

37,6

37,8

37,2

37,3

37,4

37,5

37,6

37,7

37,8

37,9

38,0

38,2

38,3

38,4

38,8

38,0

38,1

38,2

38,3

38,4

38,6

38,6

38,7

38,8

38,9

39,1

39,2

39,4

39,6

39,8

1009

grade  für  ganze  und  abgerahmte  Milch.

Tabelle  XI.
grade  für  ganze  (nicht  abgerahmte)  Milch,
der  Milch.

15

IC

17

18

19

20

21

22

23

24

25

20

27

28

29

30

14

14,1

14,2

14,4

14,6

14,8

15,0

15,2

15,4

15,6

16,8

16,0

16,2

16,4

16,6

16,8

15

15,1

15,2

15,4

15.6

15,8

16,0

16,2

16,4

16,6

16,8

17,0

17,2

17,4

17,6

17.8

16

16,1

16,3

16,5

16,7

16,9

17,1

17,3

17,5

17,7

17,9

18,1

18,3

18,5

18,7

18.9

17

17,1

17,3

17,5

17,7

17,9

18,1

18,3

18,6

18,7

18,9

19,1

19,3

19,5

19,7

20,0

18

18,1

18,3

18,5

18,7

18,9

19,1

19,3

19,6

19,7

19,9

20,1

20,3

20,5

20,7

21,0

19

19,1

19,3

19,5

19,7

19,9

20,1

20,3

20,5

20,7

20,9

21,1

21,3

21,5

21,7

22,0

20

20,1

20,3

20,6

20,7

20,9

21,1

21,3

21,5

21,7

21,9

22,1

22,3

22,5

22,7

23,0

21

21,2

21,4

21,6

21,8

22,0

22  2

22,4

22,6

22,8

23,0

23,2

23,4

23,6

23,8

24,1

22

22,2

22,4

22,6

22,8

23,0

23,2

23,4

23,6

23,8

24,1

24,3

24,5

24,7

24,9

25,2

23

23,2

23,4

23,6

23,8

24,0

24  2

24,4

24,6

24,8

25,1

25,3

25,5

25,7

26,0

26,3

24

24,2

24,4

24,6

24,8

25,0

25,2

25,4

25,6

25,8

26,1

26,3

26,5

26,7

27,0

27,3

25

25,2

25,4

25,6

25,8

26,0

26,2

26,4

26,6

26,8

27.1

27,3

27,6

27,7

28,0

28,3

26

26.2

26,4

26,6

26,9

27,1

27,3

27,6

27,7

27,9

28,2

28,4

28.6

28,9

29,2

29,5

27

27,2

27,4

27,6

27,9

28,2

28,4

28,6

28,8

29,0

29,3

29,5

29,7

30,0

30,3

30,6

28

28,2

28,4

28,6

28,9

29,2

29,4

29,6

29,9

30,1

30,4

30,6

30,8

31,1

31,4

31,7

29

29.2

29,4

29,6

29,9

30,2

30,4

30,6

30,9

31,2

31,5

31.7

31,9

32,2

32,6

32,8

30

30,2

30,4

30,6

30,9

31,2

31,4

31,6

31,9

32,2

32.5

32,7

33,0

33,3

33,6

33,9

31

31,2

31,4

31,7

32,0

32,3

32,5

32,7

33,0

33,3

33,6

33,8

34,1

34,4

34,7

35,1

32

32,2

32,4

32,7

33,0

33,3

33,6

33,8

34,1

34,4

34,7

34,9

35,2

35,6

35,8

36,2

33

33,2

33,4

33.7

34,0

34,3

34,6

34,9

35,2

35,5

35,8

36,0

36,3

36,6

36,9

37,3

34

34,2

34,4

34.7

35,0

35,3

35,6

35,9

36,2

36,5

36,8

37,1

37,4

37,7

38,0

38,4

35

35,2

35,4

35,7

36,0

36,3

36,6

36,9

37,2

37,6

37,8

38,1

38,4

38,7

39,1

39,5

grade  für  abgerahmte  Milch,
der  Milch.

15

16

17

18

19

20

21

22

28

24

25

20

27

28

29

30

18

18,1

18,2

18,4

18,6

18,8

18,9

19,1

19,3

19,5

19,7

19,9

20,1

20,3

20,5

20,7

19

19,1

19,2

19,4

19,6

19,8

19,9

20,1

20,3

20,5

20,7

20,9

21,1

21.3

21,5

21.7

20

204

20,2

20,4

20,6

20,8

20,9

21,1

21,3

21,5

21,7

21,9

22,1

22,3

22,5

22,7

21

21,1

21,2

21,4

21,6

21,8

21,9

22,1

22,3

22,5

22,7

22,9

23,1

23,3

23,5

23,7

99

99  1

22,2

22,4

22,6

22,8

22,9

23,1

23,3

23,5

23,7

23,9

24,1

24,3

24,6

24,7

23

23,1

23,2

2.3,4

23,6

23,8

23,9

24,1

24,3

24,5

24,7

24,9

25,1

25,3

25,5

25,7

24

24,1

24,2

24,4

24,6

24,8

24,9

25,1

25,3

25,5

26,7

25,9

26,1

26,3

26,5

26,7

25

25,1

25,2

25,4

25,6

25,8

25,9

26,1

26,3

26,5

26,7

26,9

27.1

27,3

27.5

27,7

26

26,1

26  3

26,5

26,7

26,9

27,0

27,2

27,4

27,6

27,8

28,0

28,2

28,4

28,6

28,8

27

27,1

27,3

27,5

27.7

27,9

28,1

28,3

28,5

28,7

28,9

29,1

29,3

29,5

29,7

29,9

28

28,1

28,3

28,5

28,7

28,9

29,1

29,3

29,5

29,7

29,9

30,1

30,3

30,5

30.7

31,0

29

29,1

29,3

29,5

29,7

29,9

30,1

30,3

30,6

30,7

30,9

31,1

31,3

31,5

31,7

32,0

30

30,1

30,3

30,5

30,7

30,9

31,1

31,3

31,6

31.7

31,9

32,1

32,3

32,5

32,7

33,0

31

31,2

31,4

31,6

31,8

32,0

32,2

32,4

32.6

32,8

33,0

33,2

33,4

33.6

33,9

34,1

32

32  9

32,4

32,6

32,8

33,0

33,2

33,4

33,6

33,9

34,1

34,3

34,5

34,7

35,0

36,2

33

33,2

33,4

33,6

33,8

34.0

34,2

34,4

34,6

34,9

35,2

35.4

35,6

36,8

36.1

36,3

34

34,2

34,4

34,6

34,8

35,0

35,2

35,4

35,6

35,9

36,2

36,4

36,7

36,9

37,2

37,4

35

35,2

35,4

35,6

35,8

36,0

36,2

36,4

36,6

36,9

37,2

37,4

37,7

38,0

38,3

38,5

36

36,2

36,4

36,6

36,9

37,1

37,3

37,5

37,7

38,0

38,3

38,5

38.8

39,1

39,4

39.7

37

37,2

37,4

37,6

37,9

38,2

38,4

38,6

38,8

39,1

39,4

39,6

39,9

40,2

40,5

40,8

38

38,2

38,4

38,6

38.9

39,2

39,4

39,7

39,9

40,2

40,5

40,7

41,0

41,3

41,6

41,9

39

39,2

39,4

39,6

39,9

40,2

40,4

40,7

41,0

41,3

41,6

41,8

42,1

42,4

42,7

43,0

40

40,2

40,4

40,6

40,9

41.2

41,4

41,7

42,0

42,3

42,6

42,9

43,2

43,6

43,8

44,1

Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.  64
        <pb n="1028" />
        1010  Tab.  Xlla.  1.  Fettgehalt  der  Vollmilch  nach  Soxhlets  aräom.  Verfahren.

Tabelle  XII  a.

1.  Tabelle,  angebend  den  Fettgehalt  der  Vollmilch  in  Gewichtsprozenten
nach  dem  spezifischen  Gewicht  der  Ätherfettlösung  bei  17,5°  nach  Soxhlet.

Spezifisches ­

Gewicht

43,0
43.1
43.2
43.3
43.4
43.5
43.6
43.7
43.8
43.9
44,0
44.1
44.2
44.3
44.4
44.5
44.6
44.7
44.8
44.9
45,0
46.1
45.2
45.3
45.4
45.5
46.6
45.7
45.8
46.9
46,0
46.1
46.2
46.3
46.4
46.5
46.6
46.7
46.8
46.9
47,0
47.1
47.2
47.3
47.4
47.5
4?;e

Fett
0/
Io

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
0/
Io

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
°/o

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
0/
Io

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
0/
Io

2,07

47,7

2,61

52,3

3,16

56,9

3,74

61,5

4,39

2,08

47,8

2,62

52,4

3,17

57,0

3,75

61,6

4,40

2,09

47,9

2,63

62,5

3,18

57,1

3,76

61,7

4,42

2,10

48,0

2,64

52,6

3,20

57,2

3,78

61,8

4,44

2,11

48,1

2,66

52,7

3,21

57,3

3,80

61,9

4,46

2,12

48,2

2,67

52,8

3,22

57,4

3,81

62,0

4,47

2,13

48,3

2,68

52,9

3,23

57,5

s!  82

62,1

4,48

2.14

48,4

2,70

53,0

3,25

57,6

3,84

62,2

4,50

2.16

48,6

2,71

53,1

3,26

57,7

3,85

62,3

4,52

2,17

48,6

2,72

53,2

3,27

57,8

3,87

62,4

4,53

2,18

48,7

2,’73

53,3

3,28

57,9

3,88

62.5

4,55

2,19

48,8

2,74

53,4

3,29

58,0

3,90

62,6

4,56

2,20

48,9

2,75

53,5

3,30

58,1

3,91

62,7

4,58

2,22

49,0

2,76

53,6

3,31

68,2

3,92

62,8

4,59

2,23

49,1

2,77

53,7

3.33

58,3

3,93

62,9

4,61

2  24

49,2

2,78

53,8

3,34

58,4

3,95

63,0

4,63

2,25

49,3

2,79

53,9

3,35

58,5

3,96

63,1

4,64

2,26

49,4

2,80

54,0

3,37

58,6

3,98

63,2

4,66

2,27

49,5

2,81

54,1

3,38

58,7

3,99

63^3

4'67

2,28

49,6

2,83

54,2

3,39

58,8

4,01

63,4

4’69

2,30

49,7

2,84

54,3

3,40

58,9

4,02

63,5

4^70

2,31

49,8

2,86

54,4

3,41

59,0

4,03

63’6

4'71

2,32

49,9

2,87

64,5

3.43

59,1

4,04

63,7

4,73

2,33

50,0

2,88

54  6

3,45

59,2

4,06

63,8

4,75

2,34

50,1

2,90

54,7

3,46

59,3

4,07

63,9

4,77

2,35

50,2

2,91

54,8

3,47

59,4

4,09

64,0

4,79

2,36

50,3

2,92

54,9

3,48

59,5

4,11

64,1

4,80

2,37

50,4

2,93

55,0

3,49

59,6

4,12

64,2

4,82

2,38

50,5

2,94

55,1

3,61

59,7

4,14

64,3

4,84

2,39

50,6

2,96

55.2

3,62

69,8

4,15

64,4

4,85

2,40

50,7

2,97

55,3

3,53

69,9

4,16

64,5

4,87

2,42

50,8

2,98

55,4

3,55

60,0

4,18

64,6

4,88

2,43

50,9

2,99

55,5

3,56

60,1

4,19

64,7

4,90

2,44

51,0

3,00

65,6

3,57

60,2

4,20

64,8

4,92

2,4o

51,1

3,01

55,7

3,59

60,3

4,21

64,9

4,93

2,46

51,2

3,03

55,8

3,60

60,4

4,23

65,0

4,95

2i47

51,3

3,04

55,9

3,61

60,5

4,24

65,1

4,97

2,49

51,4

3,05

56,0

3,63

60,6

4,26

65,2

4,98

2,50

51,5

3,06

56,1

3,64

60,7

4,27

66,3

5,00

2,ol

51,6

3,08

56,2

3,65

60,8

4,29

65,4

5,02

2,o2

51,7

3,09

56.3

3,67

60,9

4,30

66,5

5,04

2,54

51,8

3,10

56,4

3,68

61,0

4,32

65,6

5,05

2,66

51,9

3,11

56,5

3,69

61,1

4,33

65,7

5,07

2,56

52,0

3,12

56,6

3,71

61,2

4,35

65'8

5,09

2,o7

52,1

3,14

56,7

3,72

61,3

4,36

65,9

5,11

2,58
2,60

52,2

3,15

56,8

3,73

61,4

4,37

66'0

542
        <pb n="1029" />
        Tab.  Xlla.  2.  Fettgehalt  der  Magermilch  nach  Soxhlets  aräom.  Verfahren.  1011

Tabelle  XII  a.

2.  Angehend  den  Fettgehalt  der  Magermilch  in  Gewichtsprozenten  nach  dem
spezifischen  Gewicht  der  Ätherfettlösung  bei  17,5°  nach  Soxhlet.

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
°/o

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
01
Io

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
0/
10

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
01
Io

Spezifisches ­

Gewicht

Fett
°/o

21,1

0,00

25,5

0,41

29,9

0,82

34,3

1,22

38,7

1,64

21,2

0,01

25,6

0,42

30,0

0,83

34,4

1,23

38,8

1,65

21,3

0,02

25,7

0,43

30,1

0,84

34,6

1,24

38,9

1,66

21,4

0,03

25,8

0,44

30,2

0,85

34,6

1,24

39,0

1,67

21,5

0,04

25,9

0,45

30,3

0,86

34,7

1,25

39,1

1,68

21,6

0,05

26,0

0,46

30,4

0,87

34,8

1,26

39.2

1,69

21,7

0,06

26,1

0,47

30,5

0,88

34,9

1,27

39,3

1,70

21,8

0,07

26,2

0,48

30,6

0,88

36,0

1,28

39,4

1,71

21,9

0,08

26,3

0,49

30,7

0,89

35,1

1,29

39,5

1,72

22,0

0,09

26,4

0,50

30,8

0,90

35,2

1,30

39,6

1,73

22,1

0,10

26,6

0,50

30,9

0,91

35,3

1,31

39,7

1,74

22,2

0,11

26,6

0,51

31,0

0,92

35,4

1,32

39,8

1,75

22,3

0,12

26,7

0,52

31,1

0,93

35,5

1,33

39,9

1,76

22,4

0,13

26,8

0,53

31,2

0.94

35,6

1,33

40,0

1,77

22,5

0,14

26,9

0,54

31,3

0,95

35,7

1,34

40,1

1,78

22,6

0,15

27,0

0,55

31,4

0,95

35,8

1,35

40,2

1,79

22,7

0,16

27,1

0,56

31,5

0,96

36,9

1,36

40,3

1,80

22,8

0,17

27,2

0,57

31,6

0,97

36,0

1,37

40,4

1,81

22,9

0,18

27,3

0,58

31,7

0,98

36,1

1,38

40,5

1,82

23,0

0,19

27,4

0,59

31,8

0,99

36,2

1,39

40,6

1,83

23,1

0,20

27,5

0,60

31.9

1,00

36,3

1,40

40,7

1,84

23,2

0,21

27,6

0,60

32,0

1,01

36,4

1,41

40,8

1,85

23,3

0,22

27,7

0,61

32,1

1.02

36,5

1,42

40,9

1,86

23,4

0,23

27,8

0,62

32,2

1,02

36,6

1,43

41,0

1,87

23,5

0,24

27,9

0,63

32,3

1,04

36,7

1,44

41,1

1,88

23,6

0,25

28,0

0,64

32,4

1,05

36,8

1,45

41,2

1,89

23,7

0,25

28,1

0,65

32,5

1,06

36,9

1,46

41,3

1,90

23,8

0,26

28,2

0,66

32,6

1,06

37,0

1,47

41,4

1,91

23,9

0,27

28,3

0,67

32,7

1,07

37,1

1,48

41,5

1,92

24,0

0.28

28,4

0,68

32,8

1,08

37,2

1,49

41,6

1,93

24,1

0.29

28,5

0,69

32,9

1,09

37,3

1,50

41,7

1,94

24,2

0,30

28,6

0,70

33,0

1,10

37,4

1,51

41,8

1,95

24,3

0,30

28,7

0,71

33,1

1,11

37,5

1,52

41,9

1,96

24,4

0,31

28,8

0,72

33,2

1,12

37,6

1,53

42,0

1,97

24,5

0,32

28,9

0,73

33,3

1.13

37,7

1,54

42,1

1,98

24,6

0,33

29,0

0,74

33,4

1,14

37,8

1,55

42,2

1,99

24,7

0,34

29,1

0,75

33,5

1.15

37,9

1,56

42,3

2,00

24,8

0,35

29,2

0,76

33,6

1,15

38,0

1,57

42,4

2,01

24,9

0,36

29,3

0,77

33,7

1,16

38,1

1,58

42,5

2,02

25,0

0,37

29,4

0,78

33,8

1,17

38.2

1,59

42,6

2,03

25,1

0,38

29,5

0,79

33,9

1,18

38.3

1,60

42,7

2,04

26,2

0,39

29,6

0,80

34,0

1,19

38,4

1,61

42,8

2,05

25,3

0,40

29,7

0,80

34,1

1,20

38,5

1,62

42,9

2,06

25,4

0,40

29,8

0,81

34,2

1,21

38,6

1,63

43,0

2,07

64*
        <pb n="1030" />
        1012  Tab.XLIb.  Umrechn.d.  Skalenteile  d.ZeißschenMilchfettrefraktometersn.Naumann.

Tabelle  XII  b.
Umrechnung  der  Skalenteile  des  Zeißsohen  Milchfettrefraktometers
in  Fettprozente  nach  Naumann.

Skalenteile


Fettprozente


Skalenteile ­


Fettprozente ­


Skalenteile ­


Fettprozente ­


Skalenteile ­


Fettprozente ­


Skalenteile ­


Fettprozente ­


Skalenteile ­


Fettprozente ­


S'B
n

Fettprozente ­


Skalenteile ­


Fettprozente ­


Skalenteile ­


Fettprozente ­


Skalenteile ­


Fettprozente ­


20,0

—

25,0

0,46

30,0

0,97

35,0

1,50

40,0

2,09

45,0

2,77

50,0

3,51

55,(

4,35

60,0

5,24

65,0

6,24

1

—

1

0,47

1

0,98

1

1,51

1

2,10

1

2,78

1

3,53

1

4,37

1

5,26

1

6,27

2

—

2

0,48

2

0,99

2

1,52

2

2,12

2

2,79

2

3,55

2

4,38

2

5,28

2

6,29

3

—

3

0,49

3

1,00

3

1,54

3

2,13

3

2,80

3

3,56

3

4,40

3

5,30

3

6,31

4

—

4

0,60

4

1,01

4

1,55

4

2,14

4

2,82

4

3,57

4

4.42

4

5,32

4

6.34

5

—

0

0,51

5

1,02

5

1,56

5

2,15

5

2,84

5

3.59

5

4,43

5

5,34

5

6,36

6

0,00

6

0,62

6

1,03

6

1,57

6

2,16

6

2,85

6

3,60

6

4,44

6

5,36

6

6,38

7

0.01

7

0,53

7

1,04

7

1,58

7

2,18

7

2,87

7

3,61

7

4,46

7

5,38

7

6,40

8

0,02

8

0,54

8

1.05

8

1,59

8

2,20

8

2,88

8

3,63

8

4,48

8

5.40

8

6,42

9

0,03

9

0,55

9

1,06

9

1,60

9

2,21

9

2,89

9

3,64

9

4,49

9

5,42

9

6,44

21,0

0,04

26,0

0,57

31,0

1,07

36,0

1,61

41,0

2,23

46,0

2,90

51,0

3,66

56.0

4,51

61,0

5,44

66.0

6,46

1

0,05

1

0,58

1

1,08

1

1,62

1

2,24

1

2,92

1

3,67

1

4,53

1

5,46

2

0,06

2

0,69

2

1,09

2

1,64

2

2,25

2

2,93

2

3,68

2

4,55

2

5,48

3

0,08

3

0,60

3

1.10

3

1,65

3

2,26

3

2,94

3

3,70

3

4,57

3

5,50

4

0,09

4

0,61

4

1,11

4

1,66

4

2,27

4

2,96

4

3,72

4

4,59

4

5,52

5

0,10

5

0,62

5

1,12

5

1,67

5

2,28

5

2,98

5

3,74

6

4,60

5

5,54

6

0,11

6

0,63

6

1,13

6

1,68

6

2.30

6

3,00

6

3,76

6

4,61

6

5,66

7

(1.12

7

0,64

7

1,14

7

1,69

7

2,32

7

3,01

7

3,78

7

4,63

7

5,58

8

0,13

8

0,65

8

1,15

8

1,70

8

2,33

8

3,02

8

3,80

8

4,65

8

5.60

9

0.14

9

0,66

9

1.16

9

1,71

9

2,34

9

3,03

9

3,82

9

4,67

9

5,61

22,0

0,15

27,0

0,67

32,0

1,17

37,0

1,72

42,0

2,35

47,0

3,05

52,0

3,84

57,0

4,69

62,0

5,63

1

0,16

1

0,68

1

1,18

1

1,73

1

2,37

1

3,06

1

3,85

1

4,71

1

5,65

2

0,17

2

0,69

2

1.19

2

1,75

2

2,38

2

3,08

2

3,87

2

4,73

2

5,66

3

0,18

3

0,70

3

1,20

3

1,76

3

2,39

3

3,10

3

3,89

3

4,75

3

5,68

4

0,19

4

0,71

4

1,22

4

1,78

4

2,40

4

3,12

4

3,90

4

4,76

4

5,70

6

0,20

5

0,72

6

1,23

5

1,79

5

2.41

5

3,14

5

3,92

5

4,78

5

5,72

6

0,21

6

0,73

6

1,24

6

1,80

6

2,43

6

3,15

6

3,93

6

4,80

6

5,74

7

0,22

7

0,74

7

1,25

7

1.81

7

2,44

7

3,16

7

3,95

7

4.82

7

5,76

8

0,23

8

0,75

8

1,26

8

1,82

8

2,46

8

3,17

8

3,97

8

4,84

8

5,78

9

0,24

9

0,76

9

1,27

9

1,84

9

2,47

9

3,18

9

3,99

9

4,86

9

5,80

23,0

0,25

28,0

0,77

33,0

1,28

38,0

1,85

43,0

2,49

48.0

3,20

53,0

4,01

58,0

4,88

63,0

5,82

1

0,26

1

0,78

1

1,29

1

1,87

1

2,50

1

3,21

1

4,03

1

4,90

1

5,84

2

0,27

2

0,79

2

1,30

2

1,88

2

2,51

2J

3,23

2

4,04

2

4,92

2

5,86

3

0,28

3

0,80

3

1,31

3

1,89

3

2,52

3

3,25

3

4,06

3

4,94

3

5,88

4

0,29

4

0,81

4

1,32

4

1,90

4

2,54

4

3,27

4

4,07

4

4,95

4

5,90

5

0,30

5

0,82

5

1,34

5

1,91

5

2,55

5

3,28

5

4,09

5

4,97

5

5,92

6

0,31

6

0,83

6

1,35

6

1,92

6

2,56

6

3,30

6

4,10

6

4,98

6

6,94

7

0,32

7

0,84

7

1,36

7

1,93

7

2.58

7

3,32

7

4,12

7

5,00

7

5,96

8

0,33

8

0,86

8

1,37

8

1,94

8

2,60

8

3,33

8

4,14

8

5,02

8

5,98

9

0,34

9

0,86

9

1,38

9

1,95

9

2,61

9

3,34

9

4,16

9

5,04

9

6,00

24,0

0,36

29,0

0,87

34,0

1,39

39,0

1,96

44,0

2,63

49,0

3,36

54,0

4,18

69,0

5,06

64,0

6,02

1

0,37

1

0,88

1

1,40

1

1,98

1

2,64

1

3,38

1

4,20

1

5,08

1

6,04

2

(1,38

0,89

2

1.42

2

1,99

2

2,65

2

3,40

2

4;22

2

5,10

2

6,07

3

0,39

3

0,90

3

1,43

3

2,00

3

2,67

3

3,42

3

4,23

3

5,11

3

6,09

4

0,40

4

0,91

4

1,44

4

2,02

4

2,68

4

3,43

4

4,25

4

5,13

4

6,12

5

0,41

5

0,92

0

1,45

0

2.03

5

2,70

5

3,44

5

4.26

5

5,15

5

6,14

6

0,42

6

0,93

6

1,46

6

2,04

6

2,71

6

3,45

6

4,28

6

5,17

6

6,16

7

0,43

7

0,94

7

1,47

7

2,05

7

2,72

7

3,46

7

4,29

7

5,19

6  18

9
23,0

0,44
0,45
0,46

8
9
30,0

0,95
0,96
0,97

8
9
35,0

1.48
1.49
1.50

8
9
40,0

2,07
2,08
2,09

8
9
45,0

2.74
2.75
2,77

8
9
50,0

3,48
3.50
3.51

8
9
55,0

4;31
4,33
4,35

8
9
60,0

5,20
5,22
5,24

8
9
65,0

6,20
6,22
6,24
        <pb n="1031" />
        Tab.  XIIc.  Fettgehalt  der  Milch  nach  Marchands  Verfahren.  1013
Tabelle  XII  c.
Fettbestimmung  in  der  Milch  mit  Marchands  Laktobutyrometer
nach  B.  Tollens  und  Fr.  Schmidt.

O/ji,  ccm  Ätherfettlösung  in  der  kalibrierten  Röhre  entsprechen  g  Fett
in  100  ccm  Milch.)

Vio  ccm
Ätherfettlösung ­

1 /io  ccm

Fett
%

Vio  ccm
Ätherfettlösung ­

1 /io  ccm

Fett
0/
Io

‘/io  ccm
Ätherfettlösung ­

Vio  ccm

Fett
Ol
Io

1.0  Zehntel

1,339

18,5  Zehntel

5,129

36,0  Zehntel

13,490

1,5

1,441

19,0

5,306

36,5

13,739

2,0

1,543

19,5

5.483

37,0

13,988

2,5

1,645

20,0

5,660

37,5

14,237

3,0

1,747

20,5

5,837

38,0

14,486

3,6

1,849

21,0

6,020

38,6

14,735

4,0

1,951

21,5

6,269

39,0

14,984

4,5

2,053

22,0

6,618

39,5

16,233

5,0

2,155

22,5

6,767

40,0

15,482

5,5

2,257

23,0

7,016

40,5

15,731

6,0

2,359

23,5

7,265

41,0

15,980

6,5

2,461

24,0

7,614

41,5

16,229

7.0

2,563

24,5

7,763

42,0

16,478

7,5

2,665

25,0

8,012

42,6

16,727

8,0

2,767

25,5

8,261

43,0

16,976

8,5

2,869

26,0

8,610

43,5

17,225

9,0

2,971

26,5

8,759

44,0

17,474

9,5

3,073

27,0

9,008

44,5

17,723

10,0

3,175

27,5

9,257

45,0

17,972

10,5

3,277

28,0

9,606

46,5

18,221

11,0

3,379

28,5

9,765

46,0

18,470

11,5

3,481

29,0

10,004

46,5

18,719

12,0

3,583

29,5

10,253

47,0

18,968

12,5

3,685

30,0

10,502

47,6

19,217

13,0

3,787

30,5

10,752

48,0

19,466

13,5

3,889

31,0

11,000

48,5

19,715

14,0

3,991

31,5

11,249

49,0

19,964

14,5

4,093

32,0

11,498

49,5

20,213

15,0

4,195

32,6

11,747

60,0

20,462

15,5

4,297

33,0

11,996

50,5

20,711

16,0

4,399

33,6

12,245  -

51,0

20,960

16,5

4,501

34,0

12,494

51,5

21,209

17,0

4,628

34,5

12,743

52,0

21,458

17,5

4,792

35,0

12,992

52,5

21,707

18,0

4,966

35,5

13,241
        <pb n="1032" />
        J

1014  Tab,  XIII.  Spezifisches  Gewicht  und  Extrakt-Prozente  nach  Halling.

Tabelle  XIII.
Reduktion  der  spezifischen  Gewichte  auf  Saccharometer-Prozente
nach  Balling.

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saocharometeranzeige

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saocharometeranzeige

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saooharometeranzeige

in  Prozenten

1,0000

0,000

1,0048

1,200

1,0096

2,400

1,0144

3,600

1,0001

0,025

1,0049

1,225

1,0097

2,425

1,0145

3,625

1,0002

0,050

1,0050

1,260

1,0098

2,450

1.0146

3,650

1,0003

0,075

1,0051

1,275

1,0099

2,475

1,0147

3,675

1,0004

0,100

1,0052

1,300

1,0100

2,500

1,0148

3,700

1,0005

0,126

1,0053

1,325

1.0101

2,625

1,0149

3,725

1,0006

0,150

1,0054

1,350

1,0102

2,550

1,0150

3,750

1,0007

0,175

1,0055

1,375

1,0103

2,575

1,0151

3,775

1,0008

0,200

1,0056

1,400

1,0104

2,600

11)152

3,800

1,0009

0,225

1,0057

1,425

1,0105

2,625

1,0163

3,825

1,0010

0,260

1,0058

1,450

1,0106

2,650

1,0154

3,850

1,0011

0,275

1,0059

1,475

1,0107

2,675

1,0155

3.875

1,0012

0,300

1,0060

1,500

1,0108

2,700

1,0156

3,900

1,0015

0,325

1,0061

1,625

1,0109

2,725

1,0157

3,925

1,0014

0,360

1,0062

1,650

1,0110

2,750

1,0158

3,950

1,0016

0,375

1,0063

1,575

1,0111

2,775

1,0169

3,975

1,0015

0,400

1,0064

1,600

1,0112

2,800

1,0160

4,000

1,0017

0,425

1,0065

1,625

1,0113

2,825

1,0161

4,025

1,0018

0,460

1,0066

1,650

1,0114

2,850

l|0162

4*050

1,0019

0,476

1,0067

1,675

1,0115

2*875

1,0163

4  f)75

1,0020

0,500

1,0068

1,700

1,0116

2,900

1,0164

4!  100

1,0021

0,525

1,0069

1,726

1,0117

2,925

i;oi65

4^125

1,0022

0,550

1,0070

1,760

1,0118

2,950

1,0166

4^150

1,0023

0,575

1,0071

1,775

1,0119

2,975

1^0167

4,175

1,0024

0,600

1,0072

1,800

1,0120

3,000

R0168

4^200

1,0025

0,625

1,0073

1,825

1,0121

3,025

1.0169

4,225

1,0026

0,650

1,0074

1,850

1,0122

3,050

1,0170

4,250

1,0027

0,676

1,0075

1,875

1,0123

3.075

1,0171

4,275

1,0028

0,700

1,0076

1,900

l|0124

3,100

1,0172

4*300

1,0l)29

0,725

1,0077

1,925

1,0125

3,125

1,0173

4,325

1,0050

0,750-'

1,0078

1,950

1,0126

3,150

1,0174

4,350

1,0051

0,775

1,0079

1,975

1,0127

3,175

1,0176

4,375

1,0032

0,800

1,0080

2,000

1,0128

3,200

1,0176

4,400

1,0055

0,825

1,0081

2,025

1,0129

3,225

1,0177

4,425

1,0054

0,850

1,0082

2,050

1,0130

3,250

1,0178

4,450

1,0035

0,875

1,0083

2,075

1,0131

3,275

1,0179

4,475

1,0056

0,900

1,0084

2,100

1,0132

3,300

1,0180

4,500

1,0037

0,925

1,0085

2,125

1,0133

3,325

1,0181

4,525

1,0058

0,950

1,0086

2,150

1,0134

3,350

1,0182

4,550

1,0039

0,975

1,0087

2,175

1,0136

3,375

1,0183

4,575

1,0040

1,000

1,0088

2,200

1,0136

3,400

1,0184

4.600

1,0041

1,025

1,0089

2,225

1,0137

3,425

1,0185

4j625

1,0042

1,060

1,0090

2,250

1,0138

3,450

1,0186

4,650

1,0043

1,075

1,0091

2,275

1,0139

3,475

1,0187

4*675

1,0044

1,100

1,0092

2,300

1,0140

3,500

1,0188

4,700

1  ,UU4o

1,125

1,0093

2,325

1,0141

3,626

1,0189

4,725

1,150

1,0094

2,350

1,0142

3,650

1,0190

4,760

1,175

1,0095

2,375

1,0143

3,575

1,0191

4,775
        <pb n="1033" />
        Tab.  XIII.  Spezifisches  Gewicht  und  ExtrakfiProzente  nach  Balling.  1015

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Sacoharometeranzeige

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Sacoharometeranzeige

in  Prozenten

1,0192

4,800

1,0243

6,073

1,0294

7,316

1,0345

8,560

1.0193

4,825

1,0244

6,097

1,0296

7,341

1,0346

8,584

1,0194

4,850

1,0245

6.122

1,0296

7,365

1,0347

8,609

1.0195

4,875

1,0246

6,146

1,0297

7,389

1,0348

8,633

1,0196

4,900

1,0247

6,170

1,0298

7.413

1,0349

8,657

1,0197

4,925

1.0248

6,195

1,0299

7,438

1.0350

8.681

1,0198

4,950

1,0249

6,219

1,0300

7,463

1,0351

8,706

1,0199

4,976

1,0250

6,244

1,0301

7,488

1,0352

8,731

1,0200

5,000

1,0261

6,268

1,0302

7,512

1,0363

8,756

1,0201

5,025

1,0252

6,292

1,0303

7,536

1,0354

8,786

1,0202

5,050

1,0253

6,316

1,0304

7,560

1,0355

8,804

1.0203

5,075

1,0254

6,341

1,0305

7,584

1,0356

8,828

1.0204

5,100

1,0265

6,366

1,0306

7,609

1,0357

8,853

1,0206

5,126

1,0256

6,389

1,0307

7,633

1,0358

8,877

1.0206

6,160

1,0257

6,413

1,0308

7,657

1,0359

8,901

1,0207

5,175

1,0258

6,438

1,0309

7,681

1,0360

8,925

1.0208

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1,0259

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1,0310

7,706

1,0361

8,950

1,0209

5,225

1,0260

6,488

1,0311

7,731

1,0362

8,975

1.0210

5,250

1,0261

6,512

1,0312

7,756

1,0363

9,(XX)

1.0211

5,275

1,0262

6.536

1.0313

7,780

1,0364

9,024

1,0212

6,300

1,0263

6,560

1,0314

7,804

1,0365

9,048

1,0213

5,325

1,0264

6,584

1,0315

7,828

1,0366

9,073

1,0214

5,350

1,0265

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1,0316

7,863

1,0367

9,097

1.0215

5,375

1,0266

6,633

1,0317

7,877

1,0368

9,122

1,0216

5,400

1,0267

6,657

1,0318

7,901

1,0369

9,146

1,0217

5,425

1,0268

6,681

1,0319

7,925

1,0370

9,170

1,0218

5,450

1,0269

6,706

1,0320

7,950

1,0371

9,195

1,0219

5,475

1,0270

6,731

1,0321

7,975

1,0372

9,219

1,0220

5,500

1,0271

6,756

1,0322

8,000

1,0373

9,244

1,0221

5,525

1,0272

6,780

1,0323

8,024

1,0374

9,268

1,0222

5,550

1,0273

6,804

1,0324

8,048

1,0375

9,292

1.0223

5,675

1,0274

6,828

1,0325

8,073

1,0376

9,316

1,0224

5,600

1,0276

6,853

1,0326

8,097

1,0377

9,341

1,0225

6,625

1,0276

6,877

1,0327

8,122

1,0378

9,365

1,0226

5,650

1,0277

6,901

1,0328

8,146

1,0379

9,389

1,0227

5,675

1,0278

6,925

1,0329

8,170

1,0380

9,413

1,0228

6,700

1,0279

6,950

1,0330

8,195

1,0381

9,438

1,0229

5,725

1,0280

6,975

1,0331

8,219

1,0382

9,463

1,0230

5,750

1,0281

7,000

1,0332

8,244

1,0383

9,488

1,0231

5,775

1,0282

7,024

1,0333

8,268

1,0384

9.512

1,0232

6,800

1,0283

7,048

1,0334

8,292

1,0385

9,536

1,0233

5,825

1,0284

7,073

1,0336

8,316

1,0386

9,560

1,0234

6,850

1,0285

7,097

1,0336

8,341

1,0387

9,584

1,0236

5,875

1,0286

7,122

1,0337

8,365

1,0388

9,609

1,0236

5,900

1,0287

7,146

1,0338

8,389

1,0389

9,633

1,0237

6,925

1,0288

7,170

1,0339

8,413

1,0390

9,657

1,0238

5,960

1,0289

7,195

1,0340

8,438

1,0391

9,681

1.0239

5,975

1,0290

7,219

1,0341

8,463

1,0392

9,706

1,0240

6,000

1,0291

7,244

1,0342

8,488

1,0393

9,731

1,0241

6,024

1,0292

7,268

1,0343

8,512

1,0394

9,756

1.0242

6,048

1,0293

7,292

1,0344

8,536

1,0395

9,780
        <pb n="1034" />
        1016  Tal-  XIII.  Spezifisches  Gewicht  und  Extrakt-Prozente  nach  Balling.

Spez,
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Sacoharometeranzeige

in  Prozenten

1,0396

9,804

1,0447

11,023

1,0498

12,238

1,0549

13,452

1,0397

9,828

1,0448

11,047

1,0499

12,261

1,0650

13,476

1,0398

9,853

1,0449

11,071

1,0500

12,285

1,0551

13,500

1,0399

9,877

1,0450

11,095

1,0501

12,309

1,0552

13,523

1,0400

9,901

1,0451

11.119

1,0502

12,333

1,0553

13,547

1,0401

9,925

1,0452

11,142

1,0503

12,357

1,0554

13,571

1,0402

9.950

1,0453

11,166

1,0504

12,381

1,0555

13.595

1.0403

9,975

1.0454

11,190

1,0505

12,404

1,0556

13,619

1,0404

10,000

1,0455

11,214

1,0506

12,428

1,0557

13,642

1,0405

10,023

1,0456

11,238

1,0507

12,462

1,0558

13.66G

1,0406

10,047

1,0457

11,261

1,0508

12,476

1,0559

13,690

1,0407

10,071

1,0458

11,285

1,0509

12,500

1,0560

13,714

1,0408

10,095

1,0459

11,309

1,0510

12,523

1,0561

13,738

1,0409

10,119

1,0460

11,333

1,0511

12,547

1,0562

13.761

1.0410

10,142

1.0461

11,357

1,0512

12,571

1,0563

13|785

1,0411

10,166

1,0462

11,381

1,0513

12,596

1,0564

13,809

1,0412

10,190

1,0463

11,404

1,0514

12,619

1,0565

13,833

1,0413

10,214

1,0464

11,428

1,0515

12,642

1,0566

13^857

1,0414

10,238

1,0465

11,452

1,0516

12,666

1,0567

13,881

1,0415

10,261

1,0466

11,476

1,0517

12*690

1,0568

13,904

1,0416

10,285

1,0467

11,500

1,0518

12,714

1,0569

13,928

1,0417

10.309

1,0468

11,523

1,0519

12,738

1,0570

13,952

1,0418

10,333

1,0469

11,547

1,0520

12,761

1,0571

13,976

1,0419

10,357

1,0470

11,571

1,0521

12,785

1,0572

14.000

1,0420

10,381

1,0471

11,595

1,0522

12,809

1,0573

14,023

1.0421

10,404

1,0472

11,619

1,0523

12,833

1,0574

14*047

1,0422

10,428

1,0473

11,642

1,0524

12,857

1,0575

14*071

1.0423

10,452

1,0474

11,666

1,0525

12,881

1,0576

14^095

1,0424

10,476

1,0475

11,690

1,0526

12,904

1,0577

14,119

1,0426

10,500

1,0476

11,714

1,0527

12,928

1,0578

14,142

1,0426

10,523

1,0477

11,738

1.0528

12,952

1,0579

14,166

1,0427

10,547

1,0478

11,761

1,0529

12,976

1,0580

14,190

1,0428

10,571

1,0479

11,786

1,0530

13,000

1,0581

14,214

1,0429

10,595

1,0480

11,809

1,0531

13,023

1,0582

14,238

1,0430

10,619

1,0481

11,833

1,0532

13,047

1,0583

14,261

1,0431

10,642

1,0482

11,857

1,0533

13,071

1,0584

14|285

1,043!^

10,666

1,0483

11,881

1,0534

13.095

1,0585

14,309

1,0433

10,690

1,0484

11,904

1,0536

13,119

1,0586

14,333

1,0434

10,714

1,0485

11,928

1,0536

13,142

1,0587

14,357

1,0435

10,738

1,0486

11,952

1,0537

13,166

1,0588

14,381

1,0433

10,761

1,0487

11,976

1,0538

13,190

1,0589

14,404

1,0437

10,785

1,0488

12,000

1.0539

13,214

1,0590

14,428

1,0438

10,809

1,0489

12,023

1,0540

13,238

1,0591

14,452

1,0439

10,833

1,0490

12,047

1,0541

13,261

1,0592

14,476

1,0440

10,857

1,0491

12,071

1.0542

13,285

1,0693

44*500

1,0441

10,881

1,0492

12,095

i;0543

13,309

1,0594

14*523

1,0442

10,904

1,0493

12,119

1,0544

13,333

1,0596

14^547

1,0443

10,928

1,0494

12,142

1,0545

13,357

1,0696

14,571

1,0444

10,952

1,0495

12,166

1,0546

13,381

1,0597

14^595

1,0445

10,976

1,0496

12,190

1,0647

13^404

1,0598

14|619

1,0446

11,000

1.0497

12,214

1,0548

13,428

1,0599

14*642
        <pb n="1035" />
        Tab.  XIII.  Spezifisches  Gewicht  und  Extrakt-Prozente  nach  Balling.  1017

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

Spez.
Gewicht ­


Diesem
entsprechende
Saccharometeranzeige ­

in  Prozenten

1,0600

14,666

1,0661

16,860

1,0701

17,022

1,0751

18,158

1,0601

14,690

1,0652

15,883

1,0702

17,045

1,0752

18,181

1,0602

14,714

1,0653

15,907

1,0703

17,067

1,0753

18.204

1,0603

14,738

1,0654

15,930

1,0704

17.090

1,0764

18,227

1,0604

14,761

1,0665

15,963

1.0705

17.113

1,0755

18.250

1,0605

14,786

1,0656

15,976

1,0706

17,136

1,0756

18,272

1,0606

14,809

1,0657

16,000

1,0707

17,158

1,0757

18,295

1,0607

14,833

1,0658

16,023

1,0708

17,181

1,0758

18,318

1,0608

14,857

1,0669

16,046

1,0709

17,204

1,0759

18,340

1,0609

14,881

1,0660

16,070

1,0710

17,227

1,0760

18.363

1,0610

14,904

1,0661

16,093

1,0711

17,250

1,0761

18,386

1,0611

14,928

1,0662

16,116

1,0712

17,272

1,0762

18.409

1,0612

14,952

1,0863

16,139

1,0713

17,295

1,0763

18,431

1,0613

14,976

1,0664

16,162

1,0714

17.318

1,0764

18,464

1,0614

15,000

1,0665

16,186

1,0715

17,340

1,0765

18,477

1,0615

15,023

1,0666

16,209

1,0716

17,363

1,0766

18,500

1,0616

15,046

1.0667

16,232

1,0717

17,386

1,0767

18,522

1,0617

15,070

1,0668

16,255

1,0718

17,409

1,0768

18,545

1,0618

16,093

1,0669

16.278

1,0719

17,431

1,0769

18,569

1,0619

15,116

1,0670

16,302

1,0720

17,454

1,0770

18,590

1,0620

16,139

1,0671

16,325

1,0721

17.477

1,0771

18,613

1,0621

15,162

1,0672

16,348

1,0722

17,600

1,0772

18,636

1,0622

15,186

1,0673

16,371

1,0723

17,522

1,0773

18,659

1,0623

15,209

1,0674

16,395

1,0724

17,545

1,0774

18,681

1,0624

16,232

1,0675

16,418

1,0725

17,568

1,0776

18,704

1,0625

15,265

1,0676

16,441

1,0726

17,590

1,0776

18,727

1,0626

15,279

1,0677

16,464

1,0727

17,613

1,0777

18,750

1,0627

15,302

1,0678

16,488

1,0728

17,636

1,0778

18,772

1,0628

16,325

1,0679

16,511

1,0729

17,659

1,0779

18,795

1,0629

15,348

1,0680

16,534

1,0730

17,681

1.0780

18,818

1,0630

15,371

1,0681

16,557

1,0731

17,704

1,0781

18,841

1,0631

15,395

1,0682

16,581

1,0732

17,727

1,0782

18,863

1.0632

15,418

1,0683

16,604

1,0733

17,750

1,0783

18,886

1,0633

15,441

1,0684

16,627

1,0734

17,772

1,0784

18,909

1,0634

15,464

1,0685

16,650

1,0735

17,795

1,0785

18,931

1,0635

15,488

1,0686

16,674

1,0736

17,818

1,0786

18,954

1,0636

15,501

1.0687

16,697

1,0737

17,841

1,0787

18.977

1,0637

15,534

1,0688

16,721

1,0738

17,863

1,0788

19,000

1,0638

15,567

1,0689

16,744

1,0739

17,886

1,0789

19,022

1,0639

15,581

1,0690

16,767

1,0740

17,909

1,0790

19,045

1,0640

15,604

1,0691

16,790

1,0741

17,931

1,0791

19,067

1,0641

15,627

1,0692

16,814

1,0742

17,954

1,0792

19,090

1,0642

15,650

1,0693

16,837

1,0743

17,977

1,0793

19,113

1,0643

15,674

1,0694

16,860

1,0744

18,000

1,0794

19,136

1,0644

15,697

1,0695

16,883

1,0745

18,022

1,0795

19,158

1,0645

15,721

1,0696

16,907

1,0746

18,045

1,0796

19,181

1,0646

15,744

1,0697

16,930

1.0747

18,067

1,0797

19,204

1,0647

15,767

1,0698

16,953

1,0748

18.090

1,0798

19.227

1,0648

15,790

1,0699

16,976

1,0749

18,113

1,0799

19,250

1,0649

15,814

1,0700

17,000

1,0750

18,136

1,0800

19,272

1,0650

15,837
        <pb n="1036" />
        1018

Tab.  XIY.  Spezifisches  Gewicht,  Grade  Brix  und  Grade  BeaumA

Tabelle  XIY.
Vergleichende  Angaben  zwischen  spezifischem  Gewicht,  Graden  Brix  und

Graden  Beauine. 1 )

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

0,0

1,00000

0,00

4,0

1,01570

2,27

8,0

1,03187

4,53

0,1

1,00038

0,06

4,1

1,01610

2,33

8  1

1,03228

4,59

0,2

1,00077

0,11

4,2

1,01660

2,38

8,2

1,03270

4,65

0,3

1,00116

0,17

4,3

1.01690

2,44

8,3

1,03311

4,70

0,4

1,00155

0,23

4,4

1,01730

2,50

8,4

1,03362

4,76

0,6

1,00193

0,28

4,5

1,01770

2,56

8,6

1,03393

4,82

0,6

1,00232

0,34

4,6

1,01810

2,61

8,6

1,03434

4,87

0,7

1,00271

0,40

4,7

1,01860

2,67

8,7

1,03475

4,93

0,8

1,00310

0,46

4,8

1,01890

2,72

8,8

1,03617

4,99

0,9

1,00349

0,61

4,9

1,01930

2,78

8,9

1,03558

5,04

1.0

1,00388

0,57

5,0

1,01970

2,84

9,0

1,03599

5,10

1,1

1,00427

0,63

6,1

1,02010

2,89

9,1

1,03640

5,16

1,2

1,00466

0,68

5,2

1,02051

2,96

9,2

1,03682

6,21

1,3

1,00606

0,74

6,3

1,02091

3,01

9,3

1,03723

5,27

1,4

1,00644

0,80

5,4

1,02131

3,06

9,4

1,03765

5,33

1,5

1,00583

0,86

5,5

1,02171

3,12

9,6

1,03806

5,38

1,6

1,00622

0,91

5,6

1,02211

3,18

9,6

1,03848

5,44

1,7

1,00662

0,97

5,7

1,02252

3,23

9,7

1,03889

5,60

1,8

1,00701

1,02

5,8

1,02292

3.29

9.8

1,03931

5,55

1,9

1,00740

1,08

6,9

1,02333

3,36

9,9

1,03972

5,61

2,0

1,00779

1,14

6,0

1,02373

3,40

10,0

1,04014

5,67

2.1

1,00818

1,19

6,1

1,02413

3,46

10,1

1,04065

6,72

2,2

1,00858

1,26

6,2

1,02454

3,52

10,2

1,04097

6,78

2,3

1,00897

1,31

6,3

1,02494

3,57

10,3

1,04139

5,83

2,4

1,00936

1,36

6,4

1,02535

3,63

10,4

1,04180

5,89

2,5

1,00976

1,42

6,5

1,02675

3,69

10,6

1,04222

5,95

2,6

1,01016

1,48

6,6

1,02616

3,74

10,6

1,04264

6,00

2.7

1,01066

1,53

6,7

1,02657

3,80

10,7

1,04306

6,06

2,8

1,01094

1,69

6,8

1,02697

3,86

10,8

1,04348

6,12

2,9

1,01134

1,66

6,9

1,02738

3,91

10,9

1,04390

6,17

3,0

1,01173

1,70

7,0

1,02779

3,97

11,0

1,04431

6,23

3,1

1,01213

1,76

7,1

1,02819

4,03

11,1

1,04473

6,29

.  3,2

1,01252

1,82

7,2

1,02860

4,08

11,2

1,04616

6,34

3,3

1,01292

1,87

7,3

1,02901

4,14

11,3

1,04557

6,40

3,4

1,01332

1,93

7,4

1,02942

4,20

11,4

1,04699

6,46

3,5

1,01371

1,99

7,5

1,02983

4,26

11,5

1,04641

6,51

3,6

1,01411

2,04

7,6

1,03024

4,31

11,6

1,04683

6,57

3,7

1,01451

2,10

7,7

1,03064

4,37

11,7

1,04726

6,62

3,8

1,01491

2,16

7,8

1,03106

4,42

11,8

1,04768

6,68

3,9

1,01531

2,21

7,9

1,03146

4,48

11,9

1,04810

6,74

0  Unter  „Graden  BeaumS“  sind  hier  die  neuen  Grade  Beaume  zu  verstehen,  wie
sie  von  Mategohek  uud  Scheibler  nach  der  von  Gerlach  aufgesteliten  neuen  Umrechnungsformol
  berechnet  worden  sind.  Die  ursprüngliche  ümrechuungsformel  von  Brix
enthielt  Unrichtigkeiten.  Die  Unterschiede  zwischen  alten  und  neuen  Graden  sind  bei  den
niederen  Graden  nur  gering;  bei  den  höheren  Graden,  etwa  von  10°  anfangend  bis  95°,
etragen  sie  steigend  von  0,1—1,0°,  um  welche  die  alten  Grade  niedriger  liegen.  Im  Handel
wird  noch  vielfach  an  den  alten  Graden  festgehalten.
        <pb n="1037" />
        Tab.  XIV.  Spezifisches  Gewicht,  Grade  Brix  und  Grade  Beauine.

1019

Gewichtsprozente ­

.  Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaumd

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewdcht

Grade  Beaume

12,0

1,04862

6,79

17,0

1,07002

9,61

22,0

1,09231

12,40

12,1

1,04894

6,85

17.1

1,07046

9,66

22,1

1,09276

12,46

12  2

1,04937

6,91

17,2

1,07090

9,72

22,2

1,09321

12,52

12,3

1,04979

6,96

17,3

1,07133

9,77

22,3

1,09367

12,57

12,4

1,05021

7,02

17,4

1,07177

9,83

22,4

1,09412

12,63

12,5

1,06064

7,08

17,5

1,07221

9,89

22,5

1,09458

12,68

12,6

1,05106

7,13

17,6

1,07265

9,94

22,6

1,09503

12,74

12,7

1,05149

7,19

17,7

1,07309

10,00

22,7

1,09549

12.80

12,8

1,06191

7,24

17,8

1,07368

10,06

22,8

1,09595

12,85

12,9

1,05233

7,30

17,9

1,07397

10,11

22,9

1,09640

12,91

13,0

1,05276

7,36

18,0

1,07441

10,17

23,0

1,09686

12,96

13,1

1,06318

7,41

18,1

1,07486

10,22

23,1

1,09732

13,02

13,2

1,05361

7,47

18,2

1,07630

10,28

23,2

1,09777

13,07

13,3

1,05404

7,53

18,3

1,07674

10,33

23,3

1,09823

13,13

13,4

1,06446

7,58

18,4

1,07618

10,39

23,4

1,09869

13,19

13,5

1,06489 c

7,64

18,6

1,07662

10,46

23,5

1,09916

13,24

13,6

1,06632

7,69

18,6

1,07706

10,60

23,6

1,09961

13,30

13,7

1,05574

7,75

18,7

1,07761

10,56

23,7

1,10007

13,35

13,8

1,05617

7,81

18,8

1,07795

10,62

23,8

1,10063

13,41

13,9

1,06660

7,86

18,9

1,07839

10,67

23,9

1,10099

13,46

14,0

1,05703

7,92

19,0

1,07884

10,73

24,0

1,10146

13,52

14,1

1,06746

7,98

19,1

1,07928

10,78

24,1

1,10191

13,58

14,2

1,06789

8,03

19,2

1,07973

10,84

24,2

1,10237

13,63

14,3  '

1,05831

8,09

19,3

1,08017

10,90

24,3

1,10283

13,69

14,4

1,06874

8,14

19,4

1,08062

10,95

24,4

1,10329

13,74

14,5

1,05917

8,20

19,5

1,08106

11,01

24,5

1,10376

13.80

14,6

1,05960

8,26

19,6

1,08161

11,06

24,6

1,10421

13,85

14,7

1,06003

8,31

19,7

1,08196

11.12

24,7

1,10468

13.91

14,8

1,06047

8,37

19,8

1,08240

11,18

24,8

1,10514

13,96

14,9

1,06090

8,43

19,9

1,08285

11,27

24,9

1,10560

14,02

15,0

1,06133

8,48

20,0

1,08329

11,29

26,0

1,10607

14,08

15,1

1,06176

8,54

20,1

1,08374

11,34

25,1

1,10653

14.13

15,2

1,06219

8,69

20,2

1,08419

11,40

25,2

1,10700

14,19

16,3

1,06262

8,65

20,3

1,08464

11,46

25,3

1,10746

14,24

16,4

1,06306

8,71

20,4

1,08609

11,51

25,4

1,10793

14,30

15,5

1,06349  '

8,76

20,5

1,08553

11,67

25,6

1,10839

14,35

15,6

1,06392

8,82

20,6

1,08699

11,62

26,6

1,10886

14,41

15,7

1,06436

8,88

20,7

1,08643

11,68

26,7

1,10932

14,47

16,8

1,06479

8,93

20,8

1,08688

11,73

26,8

1,10979

14,52

16,9

1,06522

8,99

20,9

1,08733

11,79

25,9

1,11026

14,68

16,0

1,06666

9,04

21,0

1,08778

11,85

26,0

1,11072

14,63

16,1

1,06609

9,10

21,1

1,08824

11,90

26,1

1,11119

14,69

16,2

1,06653

9,16

21,2

1,08869

11,96

26,2

1,11166

14,74

16,3

1,06696

9,21

21,3

1,08914

12,01

26,3

1,11213

14,80

16,4

1,06740

9,27

21,4

1,08969

12,07

26,4

1,11269

14,85

16,6

1,06783

9,33

21,5

1,09004

12,13

26,5

1,11306

14,91

16,6

1,06827

9,38

21,6

1,09049

12,18

26,6

1,11363

14,97

16,7

1,06871

9,44

21,7

1,09096

12,24

26,7

1,11400

15.02

16,8

1,06914

9,49

21,8

1,09140

12,29

26,8

1,11447

15,08

16,9

1,06958

9,65

21,9

1,09185

12,35

26,9

1,11494

15,13
        <pb n="1038" />
        1020

Tab.  XIV.  Spezifisches  Gewicht,  Grade  Brix  und  Grade  Beaum6.

Gewichtsprozente ­

Zucker
uach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

27,0

1,11541

15,19

32,0

1,13934

17,95

37,0

1,16413

20,70

27.1

1,11588

15.24

32,1

1,13983

18,01

37,1

1,16464

20,75

27,2

1,11635

15,30

32,2

1,14032

18,06

37,2

1,16514

20,80

27,3

1,11682

16,35

32,3

1,14081

18,12

37,3

1,16565

20,86

27,4

1,11729

15,41

32,4

1,14129

18,17

37,4

1,16616

20,91

27,5

1,11776

16,46

32,5

1,14178

18,23

37,5

1,16666

20,97

27,6

1,11824

15.52

32,6

1,14227

18,28

37,6

1,16717

21,02

27,7

1,11871

15,58

32,7

1,14276

18,34

37.7

1,16768

21,08

27,8

1,11918

15,63

32,8

1,14325

18,39

37,8

1,16818

21,13

27,9

1,11966

15,69

32,9

1,14374

18,45

37,9

1,16869

21,19

28,0

1,12013

15,74

33,0

1,14423

18,50

38,0

1,16920

21,24

28,1

1,12060

15,80

33,1

1,14472

18.56

38,1

1,16971

21.30

28,2

1,12107

15,85

33,2

1,14521

18,61

38,2

1,17022

21,35

28,3

1,12155

15,91

33,3

1,14570

18,67

38,3

1,17072

21,40

28,4

1,12202

15,96

33,4

1,14620

18,72

38,4

1,17122

21,46

28,5

1,12250

16,02

33,6

1,14669

18,78

38,5

1,17174

21,51

28,6

1,12297

16,07

33,6

1,14718

18,83

38,6

1,17225

21,57

28,7

1,12345

16,13

33,7

1,14767

18,89

38,7

1,17276

21,62

28,8

1,12393

16,18

33,8

1,14817

18,94

38,8

1,17327

21,68

28,9

1,12440

16,24

33,9

1,14866

19,00

38,9

1,17379

21,73

29,0

1,12488

16,30

34,0

1,14915

19,06

39,0

1,17430

21,79

29,1

1,12536

16,35

34,1

1,14965

19,11

39,1

1,17481

21,84

29,2

1,12683

16,41

34,2

1,15014

19,16

39,2

1,17532

21,90

29,3

1,12631

16,46

34,3

1,15064

19,22

39,3

1,17583

21,95

29,4

1,12679

16,52

34,4

1,15113

19,27

39,4

1,17635

22,00

29,5

1,12727

16.57

34,6

1.15163

19.33

39,5

1,17686

22,06

29,6

1,12775

16,63

34,6

1,15213

19,38

39,6

1,17737

22,11

29,7

1,12823

16,68

34,7

1,15262

19,44

39,7

1,17789

22,17

29.8

1,12871

16,74

34,8

1,15312

19,49

39,8

1,17840

22,22

29,9

1,12919

16,79

34,9

1,15362

19,55

39,9

1,17892

22,28

30,0

1,12967

16,85

35,0

1,15411

19,60

40,0

1,17943

22,33

30,1

1,13016

16,90

36.1

1,15461

19,66

40,1

1,17995

22,38

30,2

1,13063

16,96

35,2

1,16511

19.71

40,2

1,18046

22,44

30,3

1,13111

17,01

3o,3

1,15561

19,76

40,3

1,18098

22,49

30,4

1,13159

17,07

35,4

1.15611

19,82

40,4

1,18150

22,55

30,6

1,13207

17,12

35,5

1,16661

19,87

40,5

1.18201

22,60

30,6

1,13256

17,18

35,6

1,15710

19,93

40,6

1,18253

22,66

30,7

1,13304

17,23

35,7

1,15760

19,98

40,7

1,18306

22,71

30,8

1,13352

17,29

35,8

1,16810

20,04

40.8

1,18357

22,77

30,9

1,13400

17,35

35,9

1,15861

20,09

40,9

1,18408

22,82

31,0

1,13449

17,40

36,0

1,15911

20,16

41,0

1,18460

22,87

31,1

1,13497

17,46

36,1

1,15981

20,20

41,1

1,18512

22,93

31,2

1,13645

17,51

36,2

1,16011

20,26

41.2

1,18564

22,98

31,3

1,13594

17,57

36,3

1,16061

20,31

41,3

1,18616

23,04

31,4

1,13642

17,62

36,4

1.16111

20,37

41,4

1,18668

23,09

31,5

1,13691

17.68

36,5

1,16162

20,42

41,5

1,18720

23,15

31,6

1,13740

17,73

36.6

1,16212

20,48

41,6

1,18772

23,20

31,7

1,13788

17,79

36,7

1,16262

20,53

41,7

1,18824

23,25

31.8

1,13837

17,84

36,8

1.16313

20,59

41,8

1,18887

23,31

31,9

1,13885

17,90

36,9

1,16363

20,64

41,9

1,18929

23,36
        <pb n="1039" />
        Tab.  XIVv  Spezifisches  Gewicht,  Grade  Brix  und  Grade  Beaume.

1021

Gewichts-'&amp;lt;D



Gewichts-Prozente



Spezi-B


0

Prozente

Zucker

c3
&amp;lt;V

Zucker

nach

fisches

m

nach

Balling

Gewicht

&amp;lt;x&amp;gt;

Balling

oder  Grade

cö

oder  Grade

Brix

o

Brix

'CD

Gewichts-Spezi-




cö

Prozente
Zucker

Spezifisches



pq

nach

fisches

Gewicht

&amp;lt;v
o3

Balling
oder  Grade

Gewicht

o

Brix

‘tU
a

o

42,0
42.1
42.2
42.3
42.4
42.5
42.6
42.7
42.8
42.9

1,18981
1,19033
1,19086
1,19138
1,19190
1,19243
1,19296
1,19348
1,19400
1,19453

23,42
23,47
23,52
23,58
23,63
23,69
23,74
23,79
23,85
23,90

47,0
47.1
47.2
47.3
47.4
47.5
47.6
47.7
47.8
47.9

1,21639
1,21693
1,21747
1,21802
1,21856
1,21910
1,21964
1,22019
1,22073
1,22127

26,11
26,17
26.22
26,27
26,33
26,38
26,43
26.49
26,64
26,59

52,0
52.1
52.2
52.3
52.4
52.5
52.6
52.7
52.8
52.9

1,24390
1,24446
1,24602
1,24558
1,24614
1,24670
1,24726
1,24782
1^24839
1.24895

28.78
28,83
28,89
28,94
28,99
29,05
29,10
29.15
29,20
29,26

43,0
43.1
43.2
43.3
43.4
43.5
43.6
43.7
43.8
43.9

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1,19558
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1,19769
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1,19927
1,19980

23,96
24,01
24,07
24,12
24,17
24,23
24.28
24.34
24^39
24,44

48,0
48.1
48.2
48.3
48.4
48.5
48.6
48.7
48.8
48.9

1,22182
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1,22291
1.22345
1*22400
1,22455
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1,22564
1,22619
1,22673

26,65
26,70
26,75
26,81
26,86
26,92
26,97
27.02
27,08
27,13

53,0
53.1
53.2
53.3
53.4
63.5
53.6
63.7
53.8
53.9

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29,47
29,52
29,57
29,63
29,68
29,73
29,79

44,0
44.1
44.2
44.3
44.4
44.5
44.6
44.7
44.8
44.9

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24,55
24,61
24,66
24,71
24,77
24,82
24,88
24,93
24,98

49,0
49.1
49.2
49.3
49.4
49.5
49.6
49.7
49.8
49.9

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1,22783
1,22838
1,22893
1,22948
1,23003
1^23058
1,23113
1,23168
1,23223

27.18
27^24
27,29
27,34
27,40
27,45
27,50
27,56
27,61
27,66

54,0
54.1
54.2
54.3
64.4
64.5
64.6
54.7
54.8
64.9

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1,25573
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1,26028

29,84
29,89
29.94
30,00
30,05
30,10
30,16
30,21
30,26
30,31

45,0
45.1
45.2
45.3
45.4
45.5
45.6
46.7
45.8
45.9

1,20565
1,20618
1,20672
1,20725
1,20779
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25,04
25,09
25,14
25,20
25,25
25,31
25,36
25.41
25,47
26,62

50,0
50.1
60.2
50.3
50.4
50,6
50.6
50.7
50.8
50.9

1,23278
1,23334
1,23389
1,23444
1,23499
1,23565
1,23610
1,23666
1,23721
1.23777

27,72
27,77
27,82
27,88
27.93
27,98
28,04
28,09
28,14
28.20

65,0
55.1
65.2
65.3
55.4
55,6
55.6
55.7
55.8
55.9

1,26086
1,26143
1,26200
1,26257
1,26314
1,26372
1,26429
1,26486
1,26644
1*26601

30.37
30,42
30,47
30,63
30,68
30,63
30,68
30,74
30,79
30,84

46,0
46.1
46.2
46.3
46.4
46.5
46.6
46.7
46.8
46.9

1,21100
1,21154
1,21208
1,21261
1,21315
1,21369
1,21423
1,21477
1,21531
1,21585

25.67
25,63
25.68
25,74
25,79
25,84
25,90
25,95
26,00
26,06

51,0
51.1
51.2
51.3
51.4
51.5
51.6
51.7
51.8
51.9

1,23832
1,23888
1,23943
1,23999
1,24055
1,24111
1,24166
1,24222
1,24278
1,24334

28,25
28,30
28,36
28,41
28,46
28,51
28,67
28,62
28,67
28,73

56,0
56.1
56.2
56.3
56.4
66,6
56.6
56.7
56*8
56,9

1,26658
1,26716
1,26773
1,26831
1,26889
1,26946
1,27004
1,27062
1,27120
1,27177

30,89
30,95
31,00
31,05
31,10
31,16
31,21
31,26
31,31
31,37
        <pb n="1040" />
        1022

Tab.  XIV.  Spezifisches  Gewicht,  Grade  Brix  und  Grade  Beauine.

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beauine

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

57,0

3,27235

31,42

62,0

1,30177

34,03

67,0

1,33217

36,60

57,1

1,27293

31,47

62,1

1,30237

34,08

67,1

1,33278

36,65

57,2

1,27351

31,52

62,2

1,30297

34,13

67,2

1,33340

36,70

57,3

1,27409

31,58

62,3

1,30356

34,18

67,3

1,33402

36,75

57,4

1,27467

31,63

62,4

1,30416

34,23

67.4

1,33464

36,80

57,5

1,27525

31,68

62,5

1,30476

34,28

67,6

1,33526

36,85

57,6

1,27583

31,73

62,6

1,30536

34,34

67,6

1,33588

36,90

57,7

1,27641

31,79

62,7

1,30596

34,39

67,7

1,33650

36,96

57,8

1,27699

31,84

62,8

1,30657

34,44

67,8

1,33712

37,01

57,9

1,27758

31,89

62,9

1,30717

34,49

67,9

1,33744

37,06

58,0

1,27816

31,94

63,0

1,30777

34,64

68,0

1,33836

37,11

58,1

1,27874

32,00

63,1

1,30837

34,69

68,1

1,33899

37,16

58,2

1,27932

32,05

63,2

1,30897

34,65

68,2

1,33961

37,21

58,3

1,27991

32.10

63,3

1,30958

34,70

68,3

1,34023

37,26

58,4

1,28049

32,15

63.4

1,31018

34,76

68,4

1,34085

37,31

58,5

1,28107

32,20

63,5

1,31078

34.80

68,5

1,34148

37,36

58,6

1,28166

32,26

63,6

1,31139

34,85

68,6

1,34210

37,41

58,7

1,28224

32,31

63,7

1,31199

34,90

68,7

1,34273

37,47

58,8

1,28283

32.36

63,8

1,31260

34,96

68,8

1,34335

37.52

58,9

1,28342

32,41

63,9

1,31320

35,01

68,9

1,34398

37,67

59,0

1,28400

32,42

64,0

1,31381

35,06

69,0

1,34460

37,62

59,1

1,28459

32,52

64,1

1,31442

36,11

69,1

1,34523

37,67

59,2

1,28618

32,57

64,2

1,31502

36,16

69,2

1,34686

37,72

öy,3

1,28576

32,62

64,3

1,31563

35,21

69,3

1,34648

37,77

59,4

1,28635

32,67

64,4

1,31624

35.27

69,4

1,34711

37,82

59,5

1,28694

32,73

64,5

1,31684

35,32

69,5

1,34774

37,87

59,6

1,28753

32,78

64,6

1,31746

35,37

69,6

1,34836

37,92

59,7

1,28812

32,83

64,7

1,31806

35.42

69,7

1,34899

37,97

59,8

1,28871

32,88

64.8

1.31867

35,47

69,8

1,34962

38,02

59,9

1,28930

32,93

64,9

1,31928

35,62

69,9

1,35026

38,07

60,0

1,28989

32,99

65,0

1,31989

35,67

70,0

1,35088

38,12

60,1

1,29048

33,04

65,1

1,32050

35,63

70,1

1,35155

38,18

60,  &amp;lt;3

1,29107

33,09

65,2

1,32111

35,68

70,2

1,35214

38,23

60,3

1,29166

33,14

65,3

1,32172

35,73

70,3

1,35277

38,28

60,4

1,29225

33,20

65,4

1,32233

35,78

70,4

1,36340

38,33

60,5

1,29284

33,25

65,5

1,32294

35,83

70,5

1,36403

38,38

60,6

1,29343

33,30

65.6

1,32355

35.88

70,6

1,36466

38,43

60,7

1.29403

33,35

65,7

1,32417

36,93

70,7

1,36530

38,48

60,8

1,29462

33,40

65,8

1,32478

35,98

70,8

1,35593

38,53

60,9

1,29521

33,46

65,9

1,32539

36,04

70,9

1,35656

38,58

61,0

1,29581

33,51

66,0

1.32601

36,09

71,0

1,35720

38,63

61,1

1,29646

33,56

66,1

1,32662

36,14

71,1

1.35783

38,68

61,2

1,29700

33,61

66,2

1,32724

36,19

71,2

1,36847

38'73

61,3

1,29769

33,66

66,3

1,32785

36,24

71,3

1,36910

38,78

61,4

1,29819

33,71

66,4

1,32847

36,29

71,4

1,35974

38,83

61,5

1,29878

33,77

66,5

1,32908

36,34

71,5

1,36037

38^88

61,b

1,29938

33,82

66,6

1,32970

36,39

71,6

1.36101

38*93

61,7

1,29998

33,87

66,7

1,33031

36,45

71,7

1,36164

38,98

61,8

1,30057

33,92

66,8

1,33093

36,50

71,8

1,36228

39*03

61,9

1,30117

33,97

66,9

1,33156

36,55

71,9

1,36292

39,08
        <pb n="1041" />
        Tab.  XIV.  Spezifisches  Gewicht,  Grade  Brix  und  Grade  Beaume.

1023

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaumd

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaumd

72,0

1,36365

39,13

77,0

1,39595

41,63

82,0

1,42934

44,09

72,1

1,36419

39,19

77,1

1,39660

41,68

82,1

1,43002

44,14

72,2

1,36483

39,24

77,2

1,39726

41,73

82,2

1,43070

44,19

72,3

1,36647

39,29

77,3

1,39792

41,78

82,3

1,43137

44,24

72,4

1,36611

36,34

77,4

1,39858

41,83

82,4

1,43205

44,28

72,5

1,36675

39,39

77,6

1,39924

41,88

82,5

1,43273

44,33

72,6

1.36739

39,44

77.6

1,39990

41,93

82,6

1,43341

44,38

72,7

1,36803

39,49

77,7

1,40056

41,98

82,7

1,43409

44,43

72,8

1,36867

39,54

77,8

1,40122

42,03

82,8

1,43478

44,48

72,9

1,36931

39,59

77,9

1,40188

42,08

82,9

1,43546

44,53

73,0

1,36995

39,64

78,0

1,40254

42,13

83,0

1,43614

44,58

73,1

1,37059

39,69

78,1

1,40321

42,18

83,1

1,43682

44,62

73,2

1,37124

39,74

78,2

1,40387

42,23

83,2

1,43760

44,67

73,3

1,37188

39,79

78,3

1,40453

42,28

83,3

1.43819

44,72

73,4

1,37252

39,84

78,4

1,40520

42.32

83,4

1,43887

44,77

73,5

1,37317

39,89

78,6

1,40586.

42,37

83,5

1,43965

44,82

73,6

1,37381

39,94

78,6

1,40652

42,42

83,6

1.44024

44.87

73,7

1,37446

39,99

78,7

1.40719

42,47

83,7

1,44092

44,91

73,8

1,37510

40,04

78,8

1,40785

42,52

83,8

1,44161

44.96

73,9

1,37575

40,09

78,9

1,40862

42,57

83,9

1,44229

45,01

74,0

1,37639

40,14

79,0

1,40918

42,62

84,0

1,44298

45,06

74,1

1,37704

40,19

79.1

1,40985

42,67

84,1

1,44367

45,11

74,2

1,37768

40,24

79,2

1,41052

42,72

84,2

1,44435

46,16

74,3

1,37833

40,29

79,3

1,41118

42,77

84,3

1,44504

45,21

74,4

1,37898

40,34

79,4

1,41185

42,82

84,4

1,44673

46,25

74,5

1,37962

40.39

79,5

1,41252

42,87

84,5

1,44641

45,30

74,6

1,38027

40,44

79,6

1,41318

42,92

84,6

1,44710

45,35

74,7

1,38092

40.49

79,7

1,41385

42,96

84,7

1,44779

45,40

74,8

1,38157

40,54

79,8

1,41452

43,01

84.8

1.44848

45,45

■74,9

1,38222

40,59

79,9

1.41519

43,06

84,9

1,44917

45,49

76,0

1,38287

40,64

80,0

1,41686

43,11

85,0

1,44986

45,54

75,1

1,38352

40,69

80,1

1,41653

43,16

85,1

1,45055

45,59

75,2

1,38417

40,74

80,2

1,41720

43,21

85,2

1,46124

45,64

76,3

1,38482

40,79

80,3

1,41787

43,26

86,3

1,45193

45,69

75,4

1,38547

40,84

80,4

1,41854

43,31

85,4

1,45262

46,74

75,5

1,38612

40,89

80,6

1,41921

43,36

85,5

1,45331

46,78

75,6

1,38677

40,94

80,6

1,41989

43,41

85,6

1,45401

45,83

75,7

1.38743

40,99

80,7

1,42056

43,45

85,7

1,45470

45,88

75,8

1,38808

41,04

80,8

1,42123

43,50

85,8

1,45539

45,93

75,9

1,38873

41,09

80,9

1,42190

43,55

85,9

1,45609

45,98

76,0

1,38939

41,14

81,0

1,42258

43,60

86,0

1,45678

46,02

76,1

1,39004

41,19

81,1

1,42325

43,65

86,1

1,45748

46,07

76,2

1,39070

41,24

81,2

1,42393

43,70

86,2

1,45817

46,12

76,3

1,39135

41,29

81,3

1,42460

43,75

86,3

1,45887

46,17

76,4

1,39201

41,33

81,4

1,42528

43,80

86,4

1,45956

46,22

76,5

1,39266

41,38

81,6

1,42596

43,85

86,5

1,46026

46,26

76,6

1.39332

41,43

81,6

1,42663

43,89

86,6

1,46095

46,31

76,7

1,39397

41,48

81,7

1,42731

43,94

86,7

1,46165

46,36

76,8

1,39463

41,53

81,8

1,42798

43,99

86,8

1,46235

46,41

76,9

1.39529

41,68

81,9

1,42866

44,04

86,9

1,46304

46,46
        <pb n="1042" />
        1024

Tab.  XIV.  Spezifisches  Gewicht,  Grade  Brix  und  Grade  Beaume.

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

Grade  Beaume  jj

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

'03
B
p
c3
03
«
03
*■0
o3
6

Gewichtsprozente ­

Zucker
nach
Balling
oder  Grade
Brix

Spezifisches ­

Gewicht

'03
g
Oj
03
PQ
03
rC
ci
f-i

87,0

1,46374

46,50

92,0

1,49915

48,87

97,0

1,63550

51,19

87,1

1,46444

46,55

4)2.1

1,49987

48,92

97,1

1,63624

51.24

87,2

1,46614

46,60

92,2

1,50058

48.96

97.2

1.53698

51,28

87,3

1,46584

46,65

92,3

1,50130

49.01

97,3

1,53772

51,33

87.4

1,46654

46,69

92,4

1,50202

49,06

97,4

1,53846

51,38

87,5

1,46724

46,74

92,5

1,50274

49,11

97.5

1,53920

51,42

87,6

1,46794

46,79

92,6

1,50346

49,15

97,6

1,53994

51.47

87,7

1,46864

46,84

92,7

1,50419

49,20

97,7

1,54068

51,51

87.8

1.46934

46.88

92,8

1.50491

49,25

97,8

1,54142

51,56

87,9

1,47004

46,93

92,9

1,50563

49,29

97,9

1,54216

51,60

.  88,0

1,47074

46,98

93.0

1,50633

49,34

98,0

1,64290

51,65

88,1

1,47145

47,03

93,1

1.50707

49,39

98,1

1,64365

51,70

88,2

1,47215

47,08

93,2

1,50779

49,43

98,2

1,64440

51,74

88,3

1,47285

47,12

93,3

1,60852

49,48

98,3

1,54615

51,79

88,4

1,47356

47.17

93,4

1,50924

49,53

98,4

1,54590

51,83

88.5

1,47426

47,22

93,5

1,50996

49,57

98,5

1,64665

51,88

88,6

1,47496

47,27

93,6

1,61069

49.62

98,6

1,54740

51,92

88,7

1,47567

47,31

93,7

1,51141

49,67

98,7

1,54815

51,97

88,8

1,47637

47,36

93,8

1,51214

49.71

98,8  .

1,54890

52,01

88,9

1,47708

47,41

93,9

1,51286

49,76

98,9

1,54965

52,06

89,0

1,47778

47,46

94,0

1,61359

49,81

99,0

1,55040

52.11

89.1

1,47849

47,50

94,1

1,51431

49.86

99,1

1,66115

52,15

89,2

1,47920

47,55

94,2

1,51504

49,90

99,2

1,55189

52,20

89,3

1,47991

47,60

94,3

1,51677

49,94

99,3

1,65264

62,24

89,4

1,48061

47,65

94,4

1,51649

49,99

99,4

1,65338

52,29

89,5

1,48132

47,69

94,5

1,61722

60,04

99,5

1,56413

52,33

89,6

1,48203

47,74

94,6

1,61795

50,08

99,6

1,65487

52,38

89,7

1,48274

47,79

94,7

1,51868

50,13

99,7

1,55562

62.42

89,8

1,48345

47,83

94,8

1,51941

50,18

99,8

1,55636

52,47

8y,y

1,48416

47,88

94,9

1,62014

50,22

99,9

1,55711

52,61

90,0

1,48486

47,93

95,0

1,62087

50,27

100,0

1,66785

62,66

90,1

1,48558

47,98

95,1

1,52159

50.32

90,2

1.48629

48,02

95,2

1,62232

50,36

90,3

1,48700

48,07

95,3

1,52304

50,41

90,4

1,48771

48,12

95,4

1,52376

50,45

90,5

1,48842

48,17

96,5

1,62449

50,50

90,6

1,48913

48,21

95,6

1,52521

50,55

90,7

1,48985

48,26

95,7

1,62593

50,59

90,8

1,49056

48,31

95,8

1,52665

50,64

90,9

1,49127

48,35

95,9

1,52738

60,69

91,0

1,49199

48,40

96,0

1,52810

50,73

91,1

1,49270

48,45

96,1

1,62884

50,78

91,2

1,49342

48,60

96.2

1,52958

50,82

91,3

1,49413

48,54

96,3

1,53032

60,87

91,4

1,49485

48,59

96,4

1,53106

50,92

91,5

1,49656

48,64

96,5

1,53180

50,96

91,6

1,49628

48,68

96.6

1,53254

51,01

.91,7

1,49700

48,73

96,7

1,53328

51,05

91  ,B

1,49771

48,78

96,8

1,53402

5l|l0

91,9

1,49843

48.82

96,9

1,53476

51,15
        <pb n="1043" />
        Tab.  XY.  Extrakt-Tabelle  nach  Schulze-Ostermann.

1025

Tabelle  XV,

Ermittelung  des  Extraktgehaltes  klarer  Dekoktions-  und  Infusions  würzen
und  entalkoholter  Bierextraktlösungen  nach  Schulze-Ostermann. 1 )

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Ertraktgehalt
  in

Wenn  1  com  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

dieser  Würze

dieser  Würze

dieser  Würze

dieser  Würze

g

g

g

g

g

g

g

g

g

g

g

g

1.0000

0,00

0,00

1,0030

0,79

0.79

1,0060

1,56

1,57

1,0090

2,33

2,35

1,0001

0,03

0,03

1,0031

0,81

0.81

1,0061

1,59

1,60

1,0091

2,36

2,37

1,0002

0,05

0,05

1,0032

0,84

0,84

1,0062

1,62

1,63

1,0092

2,38

2,40

1,0003

0,08

0,08

1,0033

0,87

0,87

1,0063

1,64

1.65

1,0093

2,41

2,43

1,0004

0,10

0,10

1,0034

0,89

0,89

1,0064

1,67

1,68

1,0094

2,43

2,45

1,0005

0,13

0,13

1,0036

0,92

0,92

1,0065

1,69

1,70

1,0095

2,46

2,48

1,0006

0,16

0,16

1,0036

0,94

0,94

1,0066

1,72

1,73

1,0096

2,48

2,50

1,0007

0,18

0,18

1,0037

0,97

0,97

1,0067

1,74

1,75

1,0097

2,51

2,53

1,0008

0,21

0,21

1,0038

1,00

1,00

1,0068

1,77

1,78

1,0098

2,53

2,55

1,0009

0,24

0,24

1,0039

1,02

1,02

1,0069

1,79

1,80

1,0099

2,56

2,59

1,0010

0,26

0,26

1,0040

1,05

1,05

1,0070

1,82

1,83

1,0100

2,58

2,61

1,0011

0,29

0,29

1,0041

1,08

1,08

1,0071

1,84

1,85

1,0101

2,61

2,64

1,0012

0,31

0.31

1,0042

1,10

1,10

1.0072

1,87

1,88

1,0102

2,64

2,67

1,0013

0,34

0,34

1,0043

1,13

1,13

1,0073

1,90

1,91

1,0103

2,66

2,69

1,0014

0,37

0,37

1,0044

1,15

1,16

1,0074

1,92

1,93

1,0104

2,69

2,72

1,0015

0,39

0,39

1,0045

1,18

1,19

1,0075

1,95

1,96

1,0106

2,71

2,74

1,0016

0,42

0,42

1,0046

1,21

1,22

1,0076

1,97

1,98

1,0106

2,74

2,77

1,0017

0,45

0,45

1,0047

1,23

1,24

1.0077

2,00

2,02

1,0107

2,76

2,79

1.0018

0,47

0,47

1,0048

1,26

1,27

1,0078

2,02

2,04

1,0108

2,79

2,82

1,0019

0,50

0,60

1,0049

1,29

1,30

1,0079

2,06

2,07

1,0109

2,82

2,85

1,0020

0,52

0,52

1,0050

1,31

1,32

1,0080

2,07

2,09

1,0110

2,84

2,87

1,0021

0,55

0,55

1,0051

1,34

1,35

1,0081

2,10

2,12

1,0111

2,87

2.90

1,0022

0jö8

0,58

1,0052

1,36

1,37

1,0082

2,12

2.14

1,0112

2,89

2,92

1.0023

0,60

0,60

1,0053

1,39

1,40

1,0083

2,15

2,17

1,0113

2,92

2,95

1,0024

0,63

0,63

1,0054

1,41

1,42

1,0084

2,17

2,19

1,0114

2,94

2,97

1,0025

0,66

0,66

1,0055

1,44

1,45

1,0085

2,20

2,22

1,0115

2,97

3,00

1,0026

0,68

0.68

1,0056

1,46

1,47

1,0086

2,23

2,25

1,0116

2,99

3,02

1,0027

0,71

0.71

1.0057

1,49

1,50

1,0087

2,26

2,27

1,0117

3,02

3,06

1,0028

0,73

0,73

1,0068

1,51

1,52

1,0088

2,28

2,30

1,0118

3,05

3.09

1.0029

0,76

0,76

1,0059

1,54

1,55

1,0089

2,30

2,32

1,0119

3,07

3,11

*)  Diese  Tabelle  ist  nach  Trockensubstanz-Bestimmungen  bei  nur  70—75°  und  gewöhnlichem
Luftdruck  ermittelt,  unter  welchen  Verhältnissen,  wie  II.  Ellion  anglht,  die  Maltose  nicht  ihr  Molekül-Kristallwasser ­
  abgibt.  Die  Zahlen  drücken  daher  nicht  „Trockensubstanz“  aus.  H.  Ellion  hat
eine  Tabelle  berechnet,  welche  den  wirklichen  Trookenextrakt  (bei  97°  im  Vakuum)  angibt  (vergl.
Zeltschr.  f,  angew.  Chemie  1890,  294).  Da  letztere  Tabelle  bis  jetzt  wenig  Anwendung  gefunden  hat
so  habe  ich  sie  nicht  wieder  aufgeuommen.
Landwirtschaftliche  Steife,  8.  Auflage.

65
        <pb n="1044" />
        1026

Tab.  XV.  Extrakt-Tabelle  nach  Schulze-Ostermann.

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

100  g

100  ccm

dieser  Würze

8

g

g

1,0120

3,10

3,14

1,0121

3,12

3,16

1,0122

3.15

3,19

1,0123

3,17

3,21

1,0124

3,20

3,24

1,0125

3.23

3,27

1,0126

3.25

3,29

1,0127

3,28

3,32

1,0128

3,30

3,34

1,0129

3,33

3,37

1,0130

3,35

3,39

1,0131

3,38

3.42

1,0132

3,41

3,46

1,0133

3,43

3,48

1,0134

3,46

3,51

1,0135

3,48

3,53

1,0136

3,51

3,56

1,0137

3,54

3,59

1,0138

3,56

3,61

1,0139

3,59

3,64

1,0140

3,61

3,66

1.0141

3,64

3,69

1,0142

3,66

3,71

1,0143

3,69

3,74

1,0144

3,72

3,77

1.0145

3,74

3,79

1,0146

3,77

3.83

1,0147

3,79

3,85

1,0148

3,82

3,88

1,0149

3,85

3,91

1,0150

3.87

3,93

1,0161

3,90

3,96

1,0152

3,92

3,98

1,0153

3.95

4,01

1,0154

3,97

4,03

1,0165

4,00

4,06

1,0156

4,03

4,09

1,0157

4,05

4,11

1.0168

4.08

4,14

1,0159

4,10

4,17

1,0160

4.13

4,20

1,0161

4,16

4,23

1.0162

4,18

4,25

1,0163

4,21

4,28

1,0164

4,23

4,30

fH
•4-3
&amp;lt;D

so  ist  der

t-I

so  ist  der

so  ist  der

B  'S

Extrakt-T-

  rC

Extrakt-B

  ‘53

Extrakt--t-s


•r|  g  ÖD
s.s

gehalt  in

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~  s.s

gehalt  in

.tä  &amp;lt;V  'S)
S.S

gehalt  in

g?  &amp;amp;

a?  £

ag  s

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

O
O

100  g

100  ccm

y—j  O  ‘O

H

^  £  S

ojg

dieser  Würze

dieser  Würze

dieser  Würze

£

£

fä

g

g

g

g

g

g

g

g

g

1,0165

4,26

4,33

1,0210

5,45

5,56

1,0256

6.58

6,75

1,0166

4,28

4,35

1,0211

6,48

5,60

1,0256

6,61

6,78

1,0167

4,31

4,38

1,0212

5,60

5,62

1,0257

6,63

6,80

1,0168

4.34

4,41

1,0213

5,53

5,65

1,0258

6,66

6,83

1,0169

4,36

4,43

1,0214

5,55

5,67

1,0269

6,69

6,86

1,0170

4,39

4.46

1,0216

5,57

6,69

1,0260

6,71

6,88

1.0171

4,42

4,50

1,0216

5,60

5,72

1,0261

6,74

6,92

1.0172

4,44

4,52

1,0217

5,62

5,74

1,0262

6,77

6,95

1.0173

4,47

4,55

1,0218

6,65

6,77

1,0263

6,80

6,98

1,0174

4,50

4,58

1,0219

6,67

5,79

1,0264

6,82

7,00

1,0175

4.53

4,61

1,0220

5,70

5,83

1,0265

6.85

7,03

1,0176

4,56

4.63

1,0221

5,72

5,85

1,0266

6^8

7,06

1,0177

4,58

4,66

1,0222

5,75

5,88

1,0267

6,91

7,09

1,0178

4,61

4,69

1,0223

6,77

6,90

1,0268

6,93

7,12

1,0179

4,63

4,71

1,0224

5,80

5,93

1,0269

6,96

7,16

1,0180

4,66

4,74

1.0225

5,82

5,95

1,0270

6,99

7,18

1,0181

4.69

4,77

1,0226

5,84

5,97

1.0271

7,01

7,20

1,0182

4,71

4,80

1,0227

5,87

6,00

1,0272

7,04

7^23

1.0183

4,74

4,83

1,0228

5,89

6,02

1,0273

7,07

7*26

1,0184

4,77

4,86

1,0229

5,92

6,06

1,0274

7,10

7^29

1,0185

4,79

4,88

1,0230

5,94

6,08

1,0275

7,12

7,32

1,U186

4,82

4,91

1,0231

5,97

6,11

1,0276

7,15

7,36

1,0187

4,85

4,94

1,0232

5,99

6,13

1,0277

7,18

7,38

1,0188

4,88

4,97

1,0233

6,02

6,16

1,0278

7,21

7,41

1,0189

4,90

4,99

1,0234

6,04

6,18

1,0279

7;23

7,43

1,0190

4,93

5,02

1,0235

6,07

6,21

1,0280

7,26

7,46

1,0191

4,96

5,05

1,0236

6,09

6,23

1,0281

7,28

7,48

1,0192

4,98

5,08

1,0237

6,11

6,25

1,0282

7,30

7,61

1,0193

5,01

5,11

1,0238

6,14

6,29

1,0283

7,33

7,54

1,0194

5,03

5,14

1,0239

6,16

6,31

1,0284

7,36

7,66

1,0195

5,06

5,16

1,0240

6.19

6,34

1,0285

7,37

7,58

1,0196

6,09

5,19

1,0241

6,21

6,36

1,0286

7,39

7,60

1,0197

5,12

5,22

1,0242

6,24

6,39

1,0287

7,42

7,63

1,0198

o,  15

5,26

1,0243

6,26

6,41

1,0288

7,44

7,65

1,0199

5,17

5,27

1,0244

6,29

6,44

1,0289

7,46

7,68

1,0200

5,20

5,30

1,0245

6,31

6,46

1,0290

7,48

7,70

1,0201

5,23

5,34

1,0246

6,34

6,50

1,0291

7,51

7,73

1.0202

6,25

5,36

1,0247

6,36

6,52

1,0292

7,76

1,0203

5,28

6,39

1,0248

6,39

6,55

1,0293

7,55

7,77

1,0204

5,30

5,41

1,0249

6,41

6,67

1,0294

7,57

7,79

1,0205

5,33

5,44

1,0250

6,44

6,60

1,0295

7,60

7,82

1,0206

6,35

5.46

1,0251

6,47

6,63

1.0296

7,85

1,0207

5,38

5,49

1,0252

6.50

6,66

1,0297

7^64

7'87

1,0208

5,40

6.51

1,0253

6,52

6,68

1,0298

7^66

7'89

1,0209

5,43

5,54

1,0254

6,55

6,72

1,0299

7’69

7^92
        <pb n="1045" />
        Tab.  XV.  Extrakt-Tabelle  nach  Schulze-Ostermann.

1027

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  com  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

dieser  Würze

dieser  Würze

dieser  Würze

dieser  Würze

g

g

S

g

g

g

§

g

g

g

g

g

1,0300

7,71

7.94

1,0345

8,80

9.10

1,0390

9,92

10,31

1,0435

11,03

11,61

1,0301

7,73

7,96

1,0346

8,83

9,14

1,0391

9,95

10,34

1,0436

11,05

11,53

1,0302

7,75

7,98

1,0347

8,86

9,17

1,0392

9.97

10,36

1.0437

11.08

11,56

1,0303

7,77

8,01

1,0348

8,88

9,19

1,0393

9,99

10,38

1,0438

11,10

11,69

1,0304

7,80

8,04

1,0349

8,91

9,22

1,0394

10,02

10,41

1,0439

11,13

11,62

1,0305

7,82

8,06

1,0350

8,94

9,25

1,0395

10,04

10,44

1,0440

11,15

11,64

1,0306

7,84

8,08

1,0351

8,97

9,28

1,0396

10,06

10,46

1,0441

11,18

11,67

1,0307

7,86

8,10

1,0352

8,99

9,31

1,0397

10,09

10,49

1,0442

11,20

11,70

1,0308

7,89

8,13

1,0353

9,02

9,34

1,0398

10.11

10,51

1,0443

11,23

11,73

1,0309

7,91

8,15

1.0354

9,05

9,37

1,0399

10,13

10,53

1,0444

11,25

11,75

1,0310

7,93

8,18

1,0355

9,07

9,39

1,0400

10,16

10,57

1,0445

11,28

11,78

1,0311

7,95

8,20

1,0356

9,10

9,42

1,0401

10,18

10,59

1,0446

11,30

11,80

1,0312

7,98

8,23

1,0357

9,13

9,46

1,0402

10,20

10,61

1,0447

11,33

11,84

1,0313

8,00

8,26

1,0368

9,15

9,48

1,0403

10,23

10,64

1,0448

11,35

11,86

1,0314

8,02

8,27

1,0359

9,18

9,51

1,0404

10.25

10,66

1,0449

11,38

11,89

1,0315

8,04

8,29

1,0360

9,21

9.54

1.0405

10,27

10,69

1.0450

11,40

11.91

1,0316

8,07

8  33

1.0361

9,24

9,57

1,0406

10,30

10,72

1,0451

11,43

11,95

1,0317

8,09

8,36

1,0362

9,26

9,60

1,0407

10,32

10,74

1,0462

11,45

11,97

1,0318

8,11

8,37

1,0363

9,29

9,63

1,0408

10,35

10,77

1,0453

11,48

12,00

1,0319

8,13

8,39

1,0364

9,31

9,65

1,0409

10,37

10,79

1,0454

11,50

12,02

1,0320

8,16

8,42

1,0365

9,34

9,68

1,0410

10,40

10,83

1,0456

11,53

12,05

1,0321

8,18

8,44

1.0366

9,36

9,70

1,0411

10,42

10,85

1,0456

11,66

12,08

1,0322

8.20

8,46

1,0367

9,38

9.72

1,0412

10,45

10,88

1,0457

11,57

12,10

1,0323

8,22

8,49

1,0368

9,41

9,76

1,0413

10,47

10,90

1,0458

11,60

12,13

1,0324

8,25

8,52

1,0369

9,43

9,78

1,0414

10,50

10.93

1,0459

11,62

12,15

1,0325

8,27

8,54

1.0370

9,45

9,80

1,0415

10,62

10,96

1,0460

11,66

12,19

1,0326

8,29

8,56

1,0371

9,48

9,83

1.0416

10,55

10,99

1,0461

11,67

12,21

L0327

8,32

8,59

1,0372

9,50

9,85

1,0417

10,57

11.01

1,0462

11,70

12,24

1,0328

8,34

8,61

1,0373

9.52

9,88

1,0418

10,60

11,04

1,0463

11,72

12,26

1,0329

8,37

8,66

1,0374

9.55

9,91

1,0419

10,62

11,06

1,0464

11,75

12,30

1,0330

8,40

8,68

1,0375

9,57

9,93

1,0420

10,65

11,10

1,0465

11,77

12,32

1,0331

8,43

8.71

1,0376

9,59

9,95

1,0421

10,67

11,12

1,0466

11,79

12,34

1,0332

8,45

8,73

1.0377

9.62

9.98

1,0422

10,70

11.15

1,0467

11,82

12,37

1,0333

8,48

8,76

1,0378

9,64

10,00

1,0423

10,72

11,17

1,0468

11.84

12,39

1,0334

8,51

8,79

1,0379

9,66

10,03

1,0424

10,75

11,21

1,0469

11,87

12,43

1.0335

8,53

8,82

1,0380

9,69

10,06

1,0425

10,77

11,23

1,0470

11,89

12,45

1,0336

8.56

8,85

1,0381

9.71

10.08

1,0426

10,80

11,26

1,0471

11,92

12,48

1,0337

8.59

8,88

1,0382

9,73

10,10

1,0427

10,82

11,28

1,0472

11,94

12,50

1,0338

8,61

8,90

1,0388

9,76

10,13

1,0428

10,85

11,31

1,0473

11,97

12,54

1,0339

8,64

8,93

1,0384

9,78

10,16

1,0429

10,88

11,35

1,0474

11,99

12,56

1,0340

8,67

8,96

1,0385

9.81

10,19

1,0430

10,90

11,37

1,0475

12.01

12,58

1,0341

8,70

9,00

1,0386

9,83

10.21

1,0431

10,93

11,40

1,0476

12,04

12,61

1,0342

8,72

9,02

1,0387

9,85

10,23

1,0432

10,96

11,42

1,0477

12,06

12,64

1,0343

8,75

9,05

1,0388

9.88

10,26

1,0433

10,98

11,46

1,0478

12,09

12,67

1,0344

8,78

9,08

1,0389

9,90

10,29

1,0434

11,00

11.48

1,0479

12.11

12,69

65*
        <pb n="1046" />
        1028

Tab.  XV.  Extrakt-Tabelle  nach  Schnlze-Ostermann.

£3  "Öj
a.s
S  ö  &amp;gt;
—i  o
tH
ö  *

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

100  gI100cm

dieser  Würze

o  &amp;gt;

a  ^
&amp;lt;d  ^
&amp;gt;

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

100  g

100  rem

dieser  AVürze

dieser  Würze

dieser  Würze

g

g

g

g

g

g

g

s

13,24

13,94

1,0570

14,36

15,18

1,0615

15,47

16,42

13,26

13,96

1,0571

14,38

15,20

1,0616

15,49

16,44

13,29

13,99

1,0572

14,41

15,23

1,0617

15,52

16,48

13,31

14.01

1,0573

14,44

15,27

1.0618

15,54

16,50

13,34

14,05

1,0674

14,46

15,29

1.0619

15,56

16,52

13,36

14.07

1,0575

14,49

15,32

1,0620

15,58

16,55

13.38

14,09

1,0576

14.52

15,36

1.0621

15,60

16.57

13,41

14,12

1,0577

14,54

15.38

1,0622

15,63

16,60

13,43

14,15

1,0578

14,57

15,41

1.0623

15,65

16,62

13,46

14,18

1,0579

14,59

15,43

1,0624

15,67

16,64

13,48

14,20

1,0580

14,62

15,47

1,0625

15,69

16,66

13,51

14.23

1,0581

14,65

15,50

1,0626

15,72

16,70

13,53

14,26

1,0582

14,67

15,52

1,0627

15.74

16,73

13,56

14,29

1,0583

14,70

15,56

1,0628

15,76

16,75

13,58

14,31

1,0584

14,73

15,59

1,0629

15.78

16,77

13,61

14,34

1,0585

14,75

15,61

1,0630

15.80

16,80

13,63

14,37

1,0586

14,78

15,65

1.0631

15.83

16,83

13,66

14,40

1,0587

14,81

15,68

1,0632

15,85

16'85

13.68

14,42

1,0588

14,83

15,70

1,0633

15,87

1(187

13,71

14,46

1,0589

14,86

15,74

1,0634

15,89

16190

13,73

14.48

1,0690

14,89

15.77

1,0636

15,92

16,93

13,76

14.51

1,0591

14,91

15.79

1,0636

15,94

1(195

13,78

14,53

1,0592

14,94

15,82

1,0637

15.96

16,98

13,8i

14,57

1.0593

14,96

15.85

1,0638

15.98

17.00

13,83

14,59

1,0594

14,99

15,88

1,0639

16,01

17.03

13,86

14,62

1,0595

15,02

15,91

1,0640

16,03

17.06

13,88

14,64

1,0596

15,04

15,94

1,0641

16,05

17,08

13,91

14,68

1,0597

15.07

15.97

1,0642

16,07

17,10

13,93

14,70

1,0598

15,09

15  99

1,0643

16,09

17,12

13,96

14,73

1,0599

15,11

16,02

1,0644

16,12

17,16

13,98

14,76

1,0600

15,14

16,05

1,0645

16,14

17,18

14.01

14.79

1,0601

15,16

16,07

1,0646

16,16

17,20

14,03

14,81

1.0602

15,18

16,09

1,0647

16,18

17,23

14,06

14,84

1,0603

16,20

16,12

1,0648

16,21

17,26

14,08

14,87

1,0604

15,23

16,15

1,0649

16,23

17,28

14.11

14,90

1,0605

15.25

16,17

1,0650

16,25

17.31

14,13

14,92

1,0606

15,27

16,20

1,0651

16,27

17,33

14,16

14,96

1,0607

15,29

16,22

1,0652

16,30

17136

14,18

14,98

1,0608

15,31

16,24

1,0653

16,32

17,39

14,21

15,01

1,0609

15,34

16,27

1,0654

16,35

17,42

14,23

15,03

1,0610

15,36

16,30

1,0655

16.37

17,44

14,26

15,07

1,0611

15,38

16,32

1,0656

16.40

17148

14,28

15,09

1,0612

15,40

16,34

1,0657

16,42

17,50

14.31

15,12

1,0613

15,43

16,38

1,0668

16,45

17,53

14,33

15,15

1,0614

15,45

16,40

1,0669

16,47

17,56

g
1,0480
1.0481
1,0482
1,0483
1,0484
1,0485
1,0486
1,0487
1.0488
1,0489
1,0490
1,0491
1,0492
1.0493
1,0494
1,0495
1,0496
1,0497
1,0498
1,0499
1,0500
1,0501
1,0502
1,0503
1,0504
1,0506
1,0506
1,0507
1,0508
1,0509
1,0510
1,0511
1,0512
1,0513
1,0514
1.0515
1,0516
1,0517
1,0518
1,0519
1,0520
1,0521
1,0522
1,0523
1,0524

g
12.14
12,16
12.19
12.21
12,23
12,26
12,28
12,31
12,33
12,36
12,38
12,41
12,43
12,45
12,48
12,50
12,53
12.55
12,58
12.60
12;63
12,65
12,67
12.70
12,72
12,75
12,77
12,80
12,82
12,86
12,87
12,90
12,92
12,94
12,97
12,99
13,02
13.04
13;07
13,09
13,12
13.14
13,16
13.19
13,21

g
12,72
12.74
12.78
12,80
12,82
12.85
12,88
12,91
12,93
12,96
12,99
13,02
13,04
13,06
13,10
13.12
13,15
13,17
13,21
13,23
13,26
13,28
13,31
13,34
13,36
13,39
13,42
13.45
13,47
13,50
13,53
13,56
13,58
13,60
13,64
13,66
13,69
13.71
13.75
13,77
13.80
13,82
13.85
13,88
13,90

1,0526
1,0526
1,0627
1,0528
1,0529
1,0530
1,0531
1,0532
1,0533
1,0534
1.0535
1,0536
1,0537
1,0538
1,0539
1,0540
1,0541
1,0542
1.0543
1,0544
1,0545
1.0546
1.0547
1,0548
1,0549
1,0550
1,0551
1,0562
1,0553
1.0554
1,0556
1,0556
1.0557
1,0558
1,0559
1,0560
1,0561
1,0562
1,0563
1,0564
1,0566
1,0666
1.0567
1,0568
1,0569
        <pb n="1047" />
        Tab,  XV.  Extrakt-Tabelle  nach  Schulze-Ostermann,

1029

Wenn  1  ccm  tilrimetr,
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  |,1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
16°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Extraktgehalt ­
  in

Wenn  1  ccm  titrimetr.
klare  Würze  bei
15°  wiegt

so  ist  der
Bxtraktgehalt
  in

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

100  g

100  ccm

100  g

100  ccin

dieser  Würze

dieser  Würze

dieser  Würze

dieser  Würze

8

s

8

er
ö

g

g

g

g

g

g

g

g

1,0660

16,50

17,59

1,0705

17,59

18,83

1,0750

18,59

19,98

1,0795

21,11

1,0661

16,62

17,61

1,0706

17,61

18,85

1,0751

18,62

20,02

1,0796

19,68

21,14

1,0662

16,54

17,63

1,0707

17,63

18,88

1,0752

18,64

20,04

1,0797

19,60

21,16

1,0663

16,67

17,67

1,0708

17,66

18,91

1.0753

18,66

20,07

1,0798

19,63

21,20

1,0664

16,59

17,69

1,0709

17,68

18,93

1,0754

18,68

20,09

1,0799

19,66

21,22

1,0665

16,62

17,73

1,0710

17,70

18,96

1,0755

18,70

20,11

1,0800

19,67

21,24

1,0666

16,64

17,75

1.0711

17,72

18,98

1,0756

18,72

20,14

1,0801

19,70

21,28

1,0667

16,67

17,78

1,0712

17,75

19,01

1,0757

18,74

20,16

1,0802

19,72

21,30

1,0668

16,69

17,80

1,0713

17,77

19,04

1,0758

18,76

20,18

1.0803

19,74

21,33

1,0669

16,72

17,84

1,0714

17,79

19,06

1,0759

18,78

20,21

1,0804

19,77

21,36

1,0670

16,74

17,86

1,0715

17,81

19,08

1,0760

18,81

20,24

1,0805

19,79

21,38

1,0671

16,76

17,88

1,0716

17,84

19,12

1,0761

18,83

20.26

1,0806

19,81

21,41

1,0672

16,79

17,92

1,0717

17,86

19,14

1,0762

18,85

20,29

1.0807

19,84

21,43

1,0673

16,81

17,94

1,0718

17,88

19,16

1,0763

18,87

20,31

1,0808

19,86

21,46

1,0674

16,84

17,98

1,0719

17,90

19,19

1,0764

18,89

20,33

1,0809

19,88

21,50

1,0675

16,86

18  00

1,0720

17,93

19,22

1,0765

18,91

20,36

1,0810

19.91

21,52

1,0676

16,89

18,03

1,0721

17,95

19,24

1,0766

18,93

20,38

1,0811

19,93

21,55

1,0677

16,91

18,05

1,0722

17,97

19,27

1,0767

18,95

20,40

1,0812

19,96

21,58

1,0678

16,94

18,09

1,0723

17,99

19,29

1,0768

18,97

20,43

1,0813

19,98

21,60

1,0679

16,96

18,11

1,0724

18,02

19,32

1,0769

19,00

20,46

1,0814

20,00

21,63

1,0680

16,99

18,15

1,0726

18,04

19,35

1,0770

19,02

20,48

1,0815

20,03

21,66

1,0681

17,01

18,17

1,0726

18,06

19,37

1,0771

19,04

20,51

1,0816

20,06

21,69

1,0682

17,03

18,19

1,0727

18,08

19,39

1,0772

19,06

20,53

1,0817

20,07

21,71

1,0683

17,06

18,23

1,0728

18,11

19,43

1,0773

19,08

20,55

1.0818

20,10

21,74

1,0684

17,08

18,25

1,0729

18,13

19,46

1,0774

19,10

20,58

1,0819

20,12

21,77

1.0685

17,11

18,28

1,0730

18,15

19,47

1,0775

19,12

20,60

1,0820

20,14

21,79

1,0686

17,13

18,31

1,0731

18,17

19,50

1,0776

19,14

20,63

1,0821

20,17

21,83

1,0687

17,16

18,34

1,0732

18,20

19,53

1,0777

19,17

20,66

1,0822

20,19

21,85

1,0688

17,18

18,36

1,0733

18,22

19,55

1,0778

19,19

20,68

1,0823

20,21

21,87

1,0689

17,21

18,40

1,0734

18,24

19,58

1,0779

19,21

20,71

1,0824

20,24

21,91

1,0690

17,23

18,42

1,0735,

18,26

19,60

1,0780

19,23

20,73

1,0826

20,26

21,93

1,0691

17,25

18,44

1,0736

18,29

19,64

1,0781

19,25

20,75

1,0826

20,28

21,96

1,0692

17,28

18,48

1,0737

18,31

19,66

1,0782

19,27

20,78

1,0827

20,31

21,99

1,0693

17,30

18,50

1,0738

18,33

19,68

1,0783

19,29

20,80

1,0828

20,33

22,01

1,0694

17,33

18,53

1,0739

18,35

19,71

1,0784

19,31

20,82

1,0696

17,35

18,66

1,0740

18,38

19,74

1,0785

19,33

20,85

1,0696

17,38

18,69

1,0741

18,40

19,76

1,0786

19,36

20,88

1,0697

17,40

18,61

1,0742

18,42

19,79

1,0787

19,38

20,90

1,0698

17,43

18,66

1,0743

18,44

19,81

1,0788

19,40

20,93

1,0699

17,45

18,67

1,0744

18,47

19,84

1,0789

19,42

20,96

1,0700

17,48

18,70

1,0746

18,49

19,87

1,0790

19,44

20,98

1,0701

17,60

18,73

1,0746

18,51

19,89

1,0791

19,48

21,00

1,0702

17,62

18,76

1,0747

18,63

19,91

1,0792

19,49

21,03

1,0703

17,54

18,77

1,0748

18,55

19,94

1,0793

19,51

21,06

1,0704

17,57

18,81

1,0749

18,67

19,96

1,0794

19,53

21,08
        <pb n="1048" />
        1030  Tab.  XVI.  Spez.  Gewicht  usw.  d.  Kartoffeln  n.  Maercker,  Behrend  u.  Morgen.

Tabelle  XYI.

Bestimmung  des  prozent.  Trocken-  und  Stärkemehlgehaltes  der  Kartoffeln
aus  dem  spez.  Gewicht  nach  M.  Maercker,  P.  Behrend  und  A.  Morgen.

Spezifisches
Gewicht

Trockensubstanz ­

01
Io

Stärkemehl
0/
Io

Spezifisches
Gewicht

Trockensubstanz ­

01
Io

Stärkemehl
°/o

1,080

19,7

13,9

1,120

28,3

22,5

081

19,9

14,1

121

28,5

22,7

082

20,1

14,3

122

28,7

22,9

083

20.3

14,5

123

28,9

23,1

084

20,5

14,7

124

29,1

23,3

085

20,7

14,9

125

29,3

23,5

086

20,9

15,1

126

29,5

23,7

087

21,2

15,4

127

29,8

24,0

088

21,4

16.6

128

30,0

24,2

089

21,6

15,8

129

30,2

24,4

1,090

21,8

16,0

1,130

30,4

24,6

091

22,0

16,2

131

30,6

24,8

092

22,2

16,4

132

30,8

25,0

093

22,4

16,6

133

31,0

25.2

094

22,7

16,9

134

31.3

25,5

095

22,9

17,1

135

31,5

25,7

096

23,1

17,3

136

31,7

25,9

097

23,3

17,5

137

31,9

26,1

098

23,5

17,7

138

32,1

26,3

099

23,7

17,9

139

32,3

26,5

1,100

24,0

18,2

1,140

32,5

26,7

101

24,2

18,4

141

32,8

27,0

102

24,4

18,6

142

33,0

27’2

103

24,6

18,8

143

33,2

27'4

104

24,8

19,0

144

33,4

27^6

105

25,0

19,2

145

33,6

27.8

106

25,2

19,4

146

33,8

28,0

107

25,5

19,7

147

34,1

28,3

108

25,7

19,9

148

34,3

28,5

109

25,9

20,1

149

34.5

28,7

1,110

26,1

20,3

1,150

34;?

28,9

111

26,3

20,5

151

34,9

29,1

112

26,5

20,7

152

35.1

29,3

113

26,7

20,9

153

35,4

29.6

114

26,9

21,1

164

35,6

29.8

115

27,2

21,4

165

35,8

30,0

116

27,4

21,6

156

36,0

30,2

117

27,6

21,8

157

36,2

30,4

118

27,8

22,0

158

36,4

30,6

119

28,0

22,2

169

36,6

30,8
        <pb n="1049" />
        Tab.  XVII.  Alkohol-Gehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  nach  Hehn  er.  1031

Tabelle  XVII.

Bestimmung  des  Alkohols  in  Gewichts-  und  Vol.-Proz.  aus  dem  spez.  Gewicht
nach  O.  Hehner  (bei  15,5°).

Spez.
Gewicht
hei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,6°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

1,0000
0,9999

0,00
0,05

0,00
0,07
0,13

0,9959

2.33

2,93

0,9919

4,69

5,86

8

0,11

8

2,39

3,00

8

4,75

5,94

7

0,16

0,20

7

2,44

3,07

7

4,81

6,02

6

0,21

0,26

6

2,50

3.14

6

4.87

6.10

5

0.26

0,33

5

2,56

3,21

5

4,94

6,17

4

0,32

0,40
0,46

4

2,61

3,28

4

5,00

6,24

3

0,37

3

2.67

3.35

3

5,06

6.32

2

0,42

0,53

2

2,72

3,42

2

5,12

6,40

1

0,47

0,60

1

2,78
2,83

3,49

1

5.19

6,48

0

0,63

0,66

0

3,55

0

5,25

6,55

0,9989

0,58

0,73

0,9949

2,89

3,62

9,9909

5  31

6.63

8

0,63

0,79
0.86

8

2,94

3,69

8

5,37

6,71

7

0,68

7

3,00

3,76

7

5,44

6.78

6

0,74

0,93

6

3.06

3,83

6

5,50

6,86

5

0,79

0,99

6

3,12

3,90

6

5,56

6,94

4

0,84

1,06

4

3.18

3,98

4

5,62

7,01

3

0,89

1,13

3

3,24

4,05

3

5,69

7,09

2

0,95

1,19

2

3.29

4,12
4,20

2

5,75

7.17

1

1,00

1.26

1

3,35

1

5,81

7,25

0

1,06

1.34

0

3,41

4,27’

0

5,87

7,32

0,9979

1.12

1,42

0,9939

3.47

4.34

0,9899

5,94

7,40

8

1,19

1,49

8

3,53

4,42

8

6,00

7,48

7

1,25

1,57

7

3,69

4,49

7

6,07

7,57

0

1,31

1,65

6

3,65

4,56

6

6,14

7,66

5

1,37

1,73

5

3,71

4,63

5

6,21

7,74

4

1,44

1,81

4

3,76

4,71

4

6,28

7,83

3

1,60

1,88

3

3,82

4,78

3

6,36

7,92

2

1,56

1,96

2

3,88

4,85

2

6,43

8,01

1

1,62

2,04

1

3,94

4,93

i

6,50

8,10

0

1,69

2,12

0

4,00

5,00

0

6,57

8,18

0,9969

1,73

2,20

0,9929

4,06

5,08

0,9889

6,64

8,27

8

1,81

2.27

8

4,12
4,19

6,16

8

6,71

8,36

'  7

1,87

2,35

7

5,24

7

6,78

8,45

6

1,94

2,43

6

4,26

5,32

6

6,86

8,54

5

2,00

2,51

5

4,31

5,39

5

6,93

8,63

4

2,06

2,68

4

4,37

5.47

4

7,00

8,72

3

2,11

2,62

3

4,44

0,00

3

7,07

8,80

2

2,17

2,72

2

4,50

6,63

2

7,13

8,88

1

2,22

2,79

1

4,56

5,71

1

7,20

8,96

0

2,28

2,86

0

4,62

5,78

0

7,27

9.04
        <pb n="1050" />
        1032  Tab.  XVII.  Alkohol-Gehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  nach  Hehner.

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

0,987!)

7,33

9,13

0,9829

10,92

13,52

0,9779

14,90

18,36

8

7,40

9,21

8

11,00

13,62

8

15,00

18,48

7

7,47

9,29

7

11.08

13,71

7

15,08

18,58

6

7,53

9,37

6

11,15

13,81

6

15,17

18,68

5

7,60

9,45

5

11,23

13,90

5

15,25

18,78

4

7,67

9,54

4

11,31

13,99

4

15,33

18.88

3

7,73

9.62

3

11,38

14,09

3

15,42

18,98

2

7,80

9,70

2

11.46

14,18

2

15,50

19,08

1

7,87

9,78

1

11,54

14,27

1

15.68

19,18

0

7,93

9,86

0

11,62

14,37

0

15,67

19,28

0,9809

8,00

9,95

0,9819

11,69

14,46

0,9769

15.75

19.39

8

8,07

10,03

8

11,77

14,56

8

15,83

19,49

7

8,14

10,12

7

11,85

14,65

7

15,92

19.59

6

8,21

10,21

6

11,92

14,74

6

16,00

19,68

5

8,29

10,30

5

12,00

14,84

6

16,08

19,78

4

8,36

10,38

4

12,08

14.93

4

16,15

19,87

3

8,43

10,47

3

12,15

16,02

3

16,23

19,96

2

8,50

10,56

2

12,23

15,12

2

16,31

20,06

1

8,57

10,65

1

12,31

15,21

1

16,38

20,15

0

8,64

10,73

0

12,38

15,30

0

16,46

20,24

0,9859

8,71

10,82

0,9809

12,40

15,40

0,9759

16,54

20,33

8

8,79

10,91

8

12,54

15,49

8

16,62

20,43

7

8,86

11.00

7

12,62

15,58

7

16,69

20  52

6

8.93

11,08

6

12.69

15,68

6

16,77

20,61

5

9,00

11,17

5

12,77

15,77

5

16,85

20,71

4

9,07

11,26

4

12.85

15,86

4

16,92

20^80

3

9.14

11.35

3

12,92

16,96

3

17,00

20j89

2

9,21

11,44

2

13,00

16,06

2

17,08

20,99

i

9,29

11,52

1

13,08

16,15

1

17,17

21,09

0

9,36

11,61

0

13,15

16,24

0

17,25

21,19

0,9849

9,43

11,70

0,9799

18,23

16,33

0,9749

17,33

21,27

8

9,60

11,79

8

13,31

16,43

8

17,42

21,39

7

9,67

11,87

7

13.38

16,62

7

17,60

21,49

(j

9,64

11,96

6

13,46

16,61

6

17,58

21,59

5

9,71

12.06

5

13,54

16,70

5

17,67

21.69

4

9,79

12,13

4

13,62

16,80

4

17,75

2l’79

3

y,86

12,22

3

13,69

16,89

3

17,83

21,89

2

9,93

12,31

2

13,77

16.98

2

17,92

21,99

1

10,00

12,40

1

13,85

17,08

1

18,00

22,09

0

10,08

12,49

0

13,92

17,17

0

18,08

2248

0,9839

10,15

12,58

0,9789

14,00

17,26

0,9739

18,15

22,27

8

10,23

12.68

8

14,09

17,37

8

18.23

22^36

7

10,31

12,77

7

14,18

17,48

7

18,31

2246

6

10,38

12,87

6

14,27

17,69

6

18,38

22,66

5

10,46

12,96

5

14,36

17,70

5

18,46

22^64

4

10,54

13,05

4

14,45

17,81

4

18,54

22^73

3

10,62

13.15

3

14,55

17,92

3

18,62

22^82

.2

10,69

13.24

2

14,64

18,03

2

18,69

22,92

1

-1-0,  i  i

13,34

1

14,73

18,14

1

18,77

23,01

0

10,85

13,43

0

14,82

18,25

0

18.85

2340
        <pb n="1051" />
        Alkohol-Gehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  nach  Hehner.  1033

8
7
6
5
4
3
2
1
0
[9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
I!»
8
7
6
5
4
3
2
1
0
(!)
8
7
6
5
4
3
2
1
0
&amp;lt;0
8
7
6
5
4
3
2
1
0

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,6°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

23,1!)

0,9079

22,92

27,95

0,9629

26,60

32,27

23,28

8

23.00

28,04

8

26,67

32,34

23,38

7

23,08

28,13

7

26,73

32,42

23,48

6

23.15

28.22

6

26,80

32,50

23,58

5

23,23

28,31

6

26.87

32,58

23,68

4

23,31

28,41

4

26,93

32,65

23.78

3

23,38

28,50

3

27,00

32,73

23,88

2

23.46

28,59

2

27,07

32,81

23,98

1

23,64

28,68

i

27,14

32,90

24,08

0

23,62

28,77

0

27,21

32,98

24,18

0,9609

23,69

28,86

0,9619

27,29

38,06

24,28

8

23,77

28,95

8

27,36

33,15

24,38

7

23,85

29,04

7

27,43

33,23

24,48

6

23,92

29,13

6

27,50

33,31

24,68

5

24,00

29,22

5

27,57

33,39

24,68

4

24,08

29,31

4

27,64

33,48

24,78

3

24,15

29,40

3

27,71

33,56

24,88

2

24,23

29,49

2

27,79

33,64

24,98

1

24,31

29,58

1

27,86

33.73

25,07

0

24,38

29,67

0

27,93

33,81

25,17

0,9659

24,46

29,76

0,9609

28,00

33,89

25,27

8

24,54

29,86

8

28,06

33,97

25,37

7

24,62

29,95

7

28,12

34,04

25,47

6

24,69

30,04

6

28,19

34,11

25,57

5

24,77

30,13

5

28,25

34.18

26,67

4

■  24,85

30,22

4

28,31

34,25

25,76

3

84.92

30,31

3

28,34

34,33

25,86

2

25,00

30,40

2

28,44

34,40

25,96

1

25,07

30,48

1

28,50

34,47

26,04

0

25,14

30,57

0

28,66

34,54

26,13

0.9649

25,21

30,65

0,9599

28,62

34,61

26,22

8

25,29

30,73

8

28,69

34,69

26,31

7

25,36

30,82

7

28,75

34,76

26,40

6

26,43

30,90

6

28,81

34,83

26,49

5

25,50

30,98

5

28,87

34,90

26,58

4

26,57

31,07

4

28,94

•  34,97

26,67

3

25,64

31,15

3

29,00

35,05

26,77

2

25.71

31,23

2

29,07

35,12

26.86

1

25,79

31,32

1

29,13

35,20

26,95

0

26,86

31,40

0

29,20

35,28

27,04

0,9639

25,93

31,48

0,9589

29,27

85)35

27,13

8

26,00

31,57

8

29,33

35,43

27,22

7

26,07

31,65

7

29,40

35,51

27,31

6

26.13

31,72

6

29,47

35,58

27,40

5

26,20

31,80

5

29,53

35.66

27,49

4

26,27

31,88

4

29,60

36,74

27,69

3

26,33

31,86

3

29,67

35,81

27,68

2

26,40

32,03

2

29,73

36,89

27,77

1

26,47

32,11

1

29.80

35,97

27,86

0

26,63

32,19

0

29,87

36,04
        <pb n="1052" />
        1034  T a b-  XVII,  Alkohol-Gehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  nach  Helmer.

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
16,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

0,9579

29,93

30,12

0,9529

82,94

39,54

0.9479

35,55

42,45

8

30,00

36,20

8

33,00

39,61

8

36,60

42,61

7

30,06

36,26

7

33,06

39,68

7

35,66

42,56

6

30,11

36,32

6

33,12

39,74

6

36,70

42,62

5

30,17

36,39

6

33,18

39,81

5

35,75

42,67

4

30,22

36,45

4

33,24

39,87

4

35,80

42,73

3

30,28

36,51

3

33,29

39,94

3

35,85

42,78

2

30,33

36,57

2

33,35

40,01

2

35,90

42,84

1

30,39

36,64

1

33,41

40,07

1

35,95

42,89

0

30,44

36,70

0

33,47

40,14

0

36,00

42,96

0,9509

30,50

30,70

0,9519

83,53

40,20

0,9469

36,06

43,01

8

30,56

36,83

8

33,59

40.27

8

36,11

43,07

7

30,61

36,89

7

33,65

40,34

7

36,17

43,13

6

30,67

36,95

6

33,71

40,40

6

36,22

43,19

5

30,72

37,02

5

33,76

40,47

5

36,28

43,26

4

30,78

•  37,08

4

33,82

40,63

4

36,33

43,32

3

30,83

37,14

3

33,88

40,60

3

36,39

43,38

2

30,89

37,20

2

33,94

40,67

2

36,44

43,44

1

30,94

37,27

1

34,00

40,74

1

36,50

43,50

0

31,00

37,34

0

34,06

40,79

0

36,56

43,56

0,9559

31,00

37,41

0,9509

34,10

40,84

0,0459

36,61

43,63

8

31,12

37,48

8

34,14

40,90

8

36,67

43,69

7

31,19

37,65

7

34,19

40,96

7

36,72

43,75

6

31,25

37,62

6

34,24

41,00

6

36,78

43,81

5

31,31

37,69

5

34,29

41,05

5

36,83

43,87

4

31,37

37,76

4

34,33

41,11

4

36,89

43,93

3

31,44

37,83

3

34,38

41,16

3

36,94

44,00

2

31,50

37,90

2

34,43

41,21

2

37,00

44,06

1

31,56

37,97

1

34,48

41,26

1

37,06

44,12

0

31,62

38,04

0

34,62

41,32

0

37,11

44,18

0,9540

31,69

38,11

0,9499

34,57

41,37

0,9449

37,17

44,24

8

31,75

38,18

8

34,62

41,42

8

37,22

44,30

7

31,81

38,25

7

34,67

41,48

7

37,28

44,36

6

31,87

38,33

6

34,71

41,53

6

37,33

44,43

5

31,94

38,40

5

34,76

41,58

5

37,39

44,49

4

32,00

38,47

4

34,81

41,63

4

37,44

44,55

3

32,06

38,53

3

34,86

41,69

3

37,60

44,61

2

32,12

38,60

2

34,90

41,74

2

37,66

44,67

1

32,19

38,68

1

34,95

41,79

1

37,61

44,73

0

32,25

38,75

0

35,00

41,84

0

37,67

44,79

0,9539

32,31

38,82

0,9489

35,05

41,90

0,9439

37,72

44,86

8

32,37

38,89

8

35,10

41,96

8

37,78

44,92

7

32,44

38,96

7

36,15

42,01

7

37,83

44,98

6

32,60

39,04

6

36,20

42,06

6

37’89

45,04

5

32,56

39,11

5

36,26

42,12

5

37,94

45,10

4

32,62

39,18

4

35,30

42^7

4

38,00

45,16

3

32,69

39,25

3

35,35

42,23

3

38,06

45,22

2

32,75

39,32

2

35,40

42,29

2

38,11

46,28

1

32,81

39,40

1

35,45

42,34

1

38,17

45,34

0

32,87

39,47

0

35,50

42,40

0

38,22

45,41
        <pb n="1053" />
        Tab.  XVII.  Alkohol-Gehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  nach  Hehner.  1035

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
16,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

0,9429

38,28

45,47

0,9379

40.85

48,26

0,9329

43,29

50,87

8

38,33

45,53

8

40,90

48.32

8

43,33

60,92

7

38,39

45,69

7

40,95

48,37

7

43,39

50,97

6

38,44

45,65

6

41.00

48,43

6

43,43

51,02

5

38,50

45,71

5

41,05

48,48

5

43,48

51,07

4

38,56

45,77

4

41,10

48,54

4

43.52

51,12

3

38,61

45,83

3

41,15

48,69

3

43,57

51,17

2

38,67

45,89

2

41,20

48,64

2

43,62

51,22

1

38,72

46,95

1

41,26

48,70

i

43,67

51,27

0

38,78

46,02

0

41,30

48,75

0

43,71

51,32

0,9419

38,83

46,08

0.9369

41,35

48,80

0,931!»

43,76

51.38

8

38.89

46,14

8

41,40

48,86

8

43,81

51,43

7

38.94

46.20

7

41,45

48,91

7

43,86

51,48

6

39,00

46,26

6

41,50

48.97

6

43,90

51,53

5

39,05

46,32

5

41,55

49,02

5

43,95

51,58

4

39,10

46,37

4

41,60

49,07

4

44,00

51,63

3

39,16

46,42

3

41,65

49,13

3

44.05

51,68

2

39,20

46,48

2

41,70

49,18

2

44,09

51,72

1

39,25

46,53

1

41.75

49,23

1

44,14

51,77

0

39,30

46,59

0

41,80

49,29

0

44,18

51,82

0,9409

39,35

46,64

0,9859

41.85

49,34

0,9309

44,23

51,87

8

39,40

46,70

8

41,90

49,40

8

44,27

51,91

7

39,45

46.75

7

41,95

49.45

7

44,32

51,96

6

39.50

46,80

6

42,00

49,50

6

44.36

52,01

5

39,55

46,86

5

42,05

49  55

5

44,41

52,06

4

39,60

46,91

4

42,10

49,61

4

44,46

52,10

3

39,65

46,97

3

42,14

49,66

3

44.50

52,15

2

39,70

47,02

2

42,19

49,71

2

44,55

52,20

1

39,75

47,08

1

42.24

49,76

i

44,59

52,25

0

39,80

47,13

0

42,29

49.81

0

44,64

52,29

0,9399

39,85

47,18

0,9349

42,33

49,86

0,9299

44,68

52,34

8

39,90

47,24

8

42,38

49,91

8

44,73

52,39

7

39,95

47,29

7

42,43

49,96

7

44,77

52,44

6

40.00

47,35

6

42,48

50,01

6

44,82

52,48

5

40,05

47,40

5

42,62

50,06

5

44,86

52,53

4

40,10

47,45

4

42.57

50,11

4

44,91

62,58

3

40,15

47,51

3

42,62

50,16

3

44,96

52,63

2

40,20

47,56

2

42,67

50.21

2

45.00

52,68

1

40,25

47,62

1

42.71

50,26

i

46,05

52,72

0

40,30

47,67

0

42,76

50,31

■  0

45,09

52,77

0,9389

40,35

47,72

0.9339

42,81

50,37

0,9280

45,55

53,24

8

40,40

47.78

8

42.86

50,42

70

46,00

53,72

7

40,45

47,83

7

42,90

50.47

60

46,46

54,19

6

40,50

47.89

6

42,95

60,52

50

46,91

54,66

5

40,55

47,94

5

43,00

50,57

40

47,36

55,13

4

40,60

47,99

4

43,05

50,62

30

47,82

55,60

3

40,65

48,06

3

43,10

50,67

20

48,27

56,07

2

40,70

48,10

2

43,14

50,72

10

48,73

56,54

1

40,75

48,16

1

43,19

50,77

00

49,16

56,98

0

40,80

48,21

0

43,24

50,82
        <pb n="1054" />
        1036  Tab-  XVII.  Alkohol-Gehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  nach  Helmer.

Spez.
Gewicht
hei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

Spez.
Gewicht
bei
15,5°

Gewichtsprozente ­

absoluten
Alkohols

Volumprozente ­

absoluten
Alkohols

0,9190

49,64

57,45

60

68,38

75,46

30

86,04

90,29

80

50,09

67,92

50

68,79

75,83

20

86,42

9üj58

70

50,52

68,36

40

69,21

76,20

10

86,81

90,88

60

50,96

58,80

30

69,63

76,57

00

87.19

91.17

50

51,38

59,22

20

70,04

76,94

40

51,79

59,63

10

70,44

77,29

0.8290

87,58

91,46

30

52,23

60,07

00

70,84

77,64

80

87,96

91.75

20

52,58

60,52

70

88.36

92,06

10

53,13

60.97

0.8690

71,25

78,00

60

88,76

92,36

00

53,57

61,40

*  80

71,67

78,36

50

89,16

92,66

70

72,09

78.73

40

89,54

92,94

0,9090

54,00

61,84

60

72,52

79,12

30

89,92

93,23

80

64,48

62,31

50

72,96

79,50

20

90,29

93,49

70

54,95

62,79

40

73,38

79,86

10

90,64

93,75

60

56,41

63,24

30

73,79

80,22

00

91,00

94,00

50

65,86

63,69

20

74,23

80,60

0,8190

94,26

40

56,32

64,14

10

74.68

81,00

91,36

30
20

56,77
57,21

64,58
65,01

00

75,14

8M0

80
70

91,71
92,07

94,51
94,76

10

67,63

65,41

0,8590

75,59

81.80

60

92,44

95,03

00

58,05

65,81

80

76,04

82*19

60

92,81

95,29

70

76,46

82^54

40

93,18

95,55

0,8990

58,50

66,25

60

76,88

82.90

30

93,55

95,82

80

58,95

66,69

50

77,29

83^25

20

93,92

96,08

70

59,39

67,11

40

77,71

83^60

10

94,28

96,32

60

59,83

67,53

30

78.12

83^94

00

94,62

96,56

50
40

60,26
60,67

67,93
68,33

20
10

78,52
78,92

84,27
84,60

0,8090
80

94,97
95  32

96,78
Q7  02

30
20
10

61,08
61,50
61,92

68,72
69,11
69*50

00
0,8490

79,32
79,72

84,93
85,26

70
60
50

9ö|68
96,03
96  37

97*27
97,51
97  79

00

62,36

69,92

80

80,13

86,59

40

96*70

97*94

0,8890

62,82

70,35

70
60

80,54
80,96

85,94
86.28

30
20

97,03
97  37

98^16
98  37

80
70
60

63,26
63,70
64,13

70,77
71,17  ,
71,58

50
40
30

81,36
81,76
82,15

86,61
86,93
87,24

10
00

97,70
98,03

98^59
98,80

50

64,57

71,98

20

82,64

87,55

0,7990

98,34

98,98

40

65,00

72,38

10

82,92

87,85

80

98,66

99,16

30

65,42

72,77

00

83,31

88,16

70

98,97

99,35

20

65,83

73,15

60

99,29

99,55

10

66,20

73,54

0,8390

83,69

88,46

60

99,61

99,75

00

66,70

73,93

80

84,08

88,76

40

99,94

99,96

0,8790

70

84,48

89.08

67,13

74,33

60

84,88

89,39

0,7939

99,97

99,98

80

67,54

74,70

60

86,27

89,70

Absolute

Alkohol

70

67,96

75,08

40

85,65

89,99

0,7938

100,00

100,00
        <pb n="1055" />
        O  O  p)  p  o  ►— 1
'cd  "cd  'cd  "cd  'cd  'Ö
CD  CD  CD  CD  CD  O
CJ&amp;lt;  02  ^3  CO  CD  O
02  -O  GO  CD  OH^COOOrf^Oi02&amp;lt;3GOCD  OH-^tNS05^0i02-aG0CD  O»- i C0C0^0i02&amp;lt;lG0CD  OMMW^O'02&amp;lt;l(X:cD  O

Spezifisches
Gewicht  des
Destillates

MMMMM  MMWMKHHKKK  J- 1  J-*  J-*  J- 4  J- 1  J-*  J-*-  J- 1  p  j-^  hmCCC  OOpp  ppOOOOOOOOO  O
'rf^'oj'os'co'k)  'bb'Ö'cD'cD'Go'cxblb]'c2  '02'0''bi'^-'w'w'co'c0  1— 11  b  'o'o'cD  CD'go'gd'-o'02^J2'üi  bib-b-bo'bibs'tss'b'b'o  'o
02  GC  IO  ^  DO^CDWCDM^IH‘02  O  O»  O  ^  CC  02  GC  DO  -J  IO  DHQ2O0&amp;lt;O^O^CC  00-^3  DO  -O  DO  02  M  02  K  ü'  O

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

WWJOJOjO  MJODOMjOMJOJOJOM  pppppppppp  PPPPPPPPP  O  ppp  OOOOOOO  O
'o'o'cd'gc'^j  'b'^b'bt'bbo'bo'tob'o  ö  'cd  bo  gc  bi  '02  02  0  •  b-  '4-  bbco'css'b'o  öbD'bo'cxbi  Co  1j2  'bi  b  b  00  Id  Id  b  0  0
-vl  C  02  D  C  DOÜ'CXM^-^00202CD  COCnXCOÜ'OOl-^^CXt- 4  lf*-&amp;lt;1  O  lf^-3  O  02  -O  O  W  -3  O  02  *3  O  02  &amp;lt;1  O  02-J  O

Volumprozente
Alkohol

p  p  p  p  o
'cd  'cd  'cd  "cd  ~CD
CD  CD  CD  CD  CD
I“ 4 -  CO  CO  4^  Ol
OH- 4 t&amp;gt;0C0^0i02-0GCCD  O  H  IO  02  ^  Ol  D  ^3  CC  CD  Ol-^EOCO^O^OO^IGOCD  O  l— 1  CO  CO  &amp;gt;£*  O»  02  -&amp;lt;]  GC  CD  O  K  DO  CO  ^

Spezifisches
Gewicht  des
Destillates

p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  02  02  02  02  02  02  Ü2  02p02  02  02  02  02p02M  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO
"Ö'o  cd  cc'gcb  bi  b2'bi'bi  b'b'w'kTtNs'b'b'obbcD  behob'o2'b&amp;gt;bnb*'b'b'cD  bobobb  o  o'b&amp;gt;bo'Gob  bbbbcbb
GC  t—*•  Ü’  CD  CO  -v3  !—*■  Oi  CD  CO  -JMÜiCDC^^HÜtCOO:  -OKÜ'CC^GOCODOO'  CDC0~3I002O^CCC0-vl  CO  D  O  O 1  CD

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

pppppppppp  pppppppppp  pppppppppp  ppppppppp  CO  CO  CO  CO  co  CO
b  cc  cc  b  ob  cd  xb  b  'b'bi'b'b'co'cobb'b'b  behob'bb'b^'bbsbobo  b"0  Obj'Gobb'ob'b  b  COlo  be  b*-OC04^02CDH-^C002GCO
  COOlGCOCOO'CCOCOÜ«  G0OC0ü«G0i-‘-C002CDC0  ^&amp;lt;10020iCCH^DCD  CO  O'  GC  K  fi-Volumprozente


Alkohol

p  ppp  o
'cd  'cd  "cd  'cd  'cd
GO  00  CO  CO  cd
02  -v]  GC  CD  O
Ol  02  -21  00  CD  O  I— 1  CO  CO  ►£*■  Oi  02  “23  CO  CD  Ol-^COCOrf^CJiO-OCCCD  O^COCO^OiO-JGOCD  OKC002^ü'02-&amp;lt;IC0CD

Spezifisches
Gewicht  des
Destillates

pp  &amp;lt;3*J&amp;lt;1  pppppplpppp  OOppppppppp  02  02  02  02  02  02  Oi  Oi  CJi  Ü«  O»  Oi  0&amp;lt;  Oi  O»  O»  O»  O*  Oi  O'
'o'cD  behob  D  D  Ci'^'cOOi'DOK  kb  'cd'cDhob'*-3P'bi'bibb  hobebob  O'o'cDbehob  bh2bbbhohobobdb
O^^OCO  02  O  CO  02  CD  CO  02  CD  CO  02  CDC002CDC002CDC0-JO  4^-v3H-‘-4^XC0  0&amp;lt;CDCC02  C^^IMÜ'CCDOQO^

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

ppppp  pppppppppp  pppppp  pp  pp  pp  ppp--3-vI&amp;lt;l&amp;lt;l-23  —23  “0  ■&amp;lt;]  02  02  02  02  02  02  02
'o'o'cd'go'-o  02'bi  bb  'colo  b  o'cD  'gc  "gcb  Ö2  b«  4—  b  'co  be  b  'ö  'b'bhcb'b'bi'bi'b'oobe  b  b  O  cd  ho  b  b  P  b'b
CDOhCO^  02  “J  GC  O  CO  CO  Ü l  02  GO  CD'  MW^DCCOKCOO'^l  CD  C  DO  4^  02  GC  O  CO  4^  D  GC  OCO  4^  02  CD  H 1  CO  Ü&amp;lt;  -vl

Volumprozente
Alkohol

p  P  p  p  p
CD  CD  CD  "cd  'cD
00  GC  CO  GC  GC
CO  CO  4^-  CT»  02
O  l— 1  CO  CO  4^  Oi  02  “23  00  CD  OH- L C0C04^Üi02&amp;lt;l00CD  Ol- l C0C0^0i02-0GCCD  Oi-^COC042-Oi02&amp;lt;3GOCD  O  4- 1  CO  CC  4^-Spezifisches


Gewicht  des
Destillates

t—^  b— 4  t—*•  h-*■  H-*•  h- 4  H- 1  H-*■  H- 4  )— 1  h- 1  h-*  t— 4  H-*-  H- 4  H- 1 -  i—^
PPPPPPPPPP  pppppppppp  pppppppppp  pOOOOODJXQOOOQO  GO  GO  GC  CC  GC  X  GC
CO  ^  h  C  CD  X  Gob  02  bl  bü  *4-*  'co'LO  CO  b  'Ö  "cD  CD  ho  b  bl  b2bibbho  bo  To  b  '  Ö  ~CD'  CD  X  b  bl  02  b&amp;lt;  4-  b  hobobobÖ
&amp;lt;3CDC04^02CDl- l 4^02CD  CO  4^  02  D  CO  4^  -vl  CD  CO  Oi  CO  O  W  02  CD  CO  4^  ^3  O  CO  02Xh-4^&amp;lt;3OC002CDC0  Ü'  Ol  H  4-  ^

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

t—*■  t— 4  H- 4  i—'-  ^  1—*-  &amp;gt;-—*■  f—'‘HH 4  KMHHHHKPKK  h- 11  h-&amp;lt; 4  H- 4  ‘  K  H‘Hl-*■  1—*-  J—*■  H- 4  t— 4  ‘ 4  f- 4  t— 4  H- 4  t— 4  M 4  4- 4  f— 4  &amp;gt;— 4  H- 4  4-'l  j—1i
PP  4“  W  WWW  WWW  PPP  JO  »JOJOJOßlO  JO  JO  JO  CO  ^  ^  r—*■  i—^  ^  i—l  i—i—l  ,—. 4  4- 4  O  O  O  O  O  ooooo
io  &amp;gt;—0  CD  GC  bbb'  4-  CO  lob'o'cD'cc  b'b2bibi'b  'co'cOp'Ö'cD'Gob'02bibi  b-  bo  b)  b-  'ö  CD  bo  bl  bl  02  bi'b'co'iob
OO^KC0C0C0C0  4^4-  Ü'D02^CCCCCDCDCH  COCO^O'O'D^XDC  H'  tc  W  4^  Ol  02  X  cc  C  h  CO  CO  Q'  02-21

Volumprozente
Alkohol

bd

OQ

3
{X

Q

H
p
er

w

Q

Tab.  XVIII.  Alkohol-Gehalt  aus  dem  spez.  Gewicht  nach  K.  Windisch.  1037
        <pb n="1056" />
        o  _P  p  C&amp;gt;  p
'cc  'cd  ZD  "zc  zd
•«j  *0  GO  GO
-O  GO  CD  O
CHtow^o^Oi-oGccß  okmw^oiG5&amp;lt;igcc£:  on-icoo34^oxa2&amp;lt;ioocD  w^oia2~aGc®  o^cocc^c^o^-^igocd

Spezifisches
Gewicht  des
Destillates

&amp;gt;—&amp;gt;—t  t—^  1—^  i—»•  1— 1L l— 1 ■  Mi  Mi  K-^  h—^  1— 1  1— 1  1—^  1—*■  1—1— 1 ■  Mi  Mi  KHHHHHh'MKH  H-^  )—*■  »—^  ^  1—^  1—^  1—^  &amp;gt;—*■  1—■-  ►—*
Ox  Ol  Ox  4^  4^  4-  4^jf^j£*  j£-  4-  p  4-  p  jp*  Za  00  P  Za  WWWWWWWWWM  MMMWMK)  MMMK)  JÖJ-*J^^J- L J-^J- L ,H- L J- L J-*'
PP  o  cD'coPPi'ai'bxP  bc'bs'fcoP'o'o'bj'boP'ai  "02  o&amp;lt;P  zacoco  P  ö  cc  gc  "co  Pip'bx"oxp"zaTo  PP  'o'cD'Go'coPi'bi'bx  ^  4-*  03
CO  H  ca  Ol  ^3  CD  H  WO»  &amp;lt;1  2Dm*03  0«C0OC04^02GC  OM^OlCDOWüiOCO  ^OiÜiCCOM^^CH  WaJGDOIOÜi^lCDtO^

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

►—‘■1—11— L H- A 1—*•♦—‘1— 1  1—11—11—1)—1&amp;gt;—*■!—ih-11—11—1&amp;gt;— 1  1—1  1—1  1— 1L  1—1  1—1  1— 1 1  1— 1 1  1— 1L  M1  1—1  KKHHHKHHHH  &amp;gt;—i»—il—‘1—il—‘l—1|—*1—il—il—i
CD  CD  GC  GO  GO  GO  CO  00  CO  CO  GO  GC  Ml  -a  -J  •&amp;lt;]  •&amp;lt;]  -&amp;gt;J  _M1  Ml  -J  Ml  C2pp  02JJ2ppp  Ol  05_pi  CH  Ü&amp;gt;  D&amp;gt;  O'O'O'O 1
P'Ö'cd'Od'mi  SiPP  CoTo  P'o'bD'boPl'ai'bxP'bs'cO  P  O  CDIxP]  CT:'bxP~GCTo  P  ö  CDTx'*-0  '*02PPP  co  P'o'cD'bo'Pi'bs'ü'P'bs'to
4i.4^4-.4^.4—  4i4^4^4-4—  4i.4^4^4_4^4-4—  4—  4^.4-  4i.4^4^4_4_4^4-.4i.4^4^  4^-  4^  O«  O»  Ox  O»  O»  02  02  02»  G2MM1M1M1GCGOGOCOCD

Volumprozente
Alkohol

O  p  O  O  P
~CD  p  p  P  CD
&amp;lt;1  -J  *vl  &amp;lt;1  “J
CO  03  4^-  Ox  02
Ol-^COOS^OxOiMlOCcD  Ol-^COCO^OxOiMlGCCD  0&amp;gt;-iC0  03  4^0x02MlGOCD  o  l- 1  to  00  rfii  Cf  OJ  o  CO  CD  OMMOO^ÜtOO-lXCD

Spezifisches
Gewicht  des
Destillates

)_i.)_ij—11—1.1—1^—11—11—11—1|—1  1-11—11—11—11—11—11—11-11—11—1  1—11—11—11—11—11—11—11—11—11—1  1—11—11—11—11—11—11—1|—11—1|—1  1—IMIM1  1—1  1—1  H-‘1—11—1  1— 1 1  H L
JD  JD  CO  CO  CO  GC  CO  CO  CO  CO  COCDCCCDOO&amp;lt;1&amp;lt;1  j&amp;lt;1j&amp;lt;]j&amp;lt;1  J&amp;lt;I  pjpi  j-Jpp  pp  05  ®  03  C5  35  05  05  05  JO»  JO»  JO»  p  JO»  O  »J3»JO»  JO»  JO»
P'o'cD'cDTxPP'bi'bxP  PPToP  o'cD'P'boPi'bi  'ox'oxPP'coPP'o'cd'qo  PPPcfc'bxP'Pos'toP'o  cdcd  gc  Pi  PP  PP  03  co
4-  JCDKit-DCCOMO'  -0  CD  K  05  üx  CO  o  DO  iPi  Oi  CDOWOx-OCDHOOÜi-J  CD  H  05  Ck-a  CD  H  ÜO  Üi  ^1  CDMOOCf^lCDHOiO»^

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

DO  LO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  LO  LO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  to  CO  Ml  1-1  Ml  Ml  Ml  Ml  Ml  Ml
pp  za  za  zap  zaza  pza  za  za  co  co  co  co  co  co  co  jo  pppppppppp  PPPPPPPPPP  pppppppppp
P  p"cd"gc  P]  p~ÜX  P  03  LO  P  ö  CD  GC  Pl  P  p  PPTo  PPPPPlPPPPTo  PPPPPlP  *0&amp;lt;PP  CO  'MPP'*GC  Pl  PTo 1  4-  03  LO
10  10  030303034^4^4-^4-  4^  Ü&amp;gt;  Ü&amp;lt;  ü'  C  Ü&amp;lt;  Ü»  O»  O'  31  02  03  03  02  02  OS  Di  02  CT:  02  02  02  02  02  O'  O»  üx  C'  Ox  O»  O«  O«  O»  O»  Ü»  Ox  Ü«  4^  4^  4^

Volumprozente
Alkohol

p  p  p  p  p
'cd  'cd  "cd  'cd  ~cd
02  02  02  -J
-0  GC  CD  O  &amp;gt;— 1
OH‘COÜ3if^Ü'02-OCCCD  OHM03if^0x02&amp;lt;lCCCD  01- 1 C003^ÜX02&amp;lt;1GOCD  Ot-iC0034^Ü«02^]Q0CD  0)- L C0034^Üx02-aCOCD

Spezifisches
Gewicht  des
Destillates

CO  CO  to  CO  CO  to  CO  CO  to  to  CO  IO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  COCOCOCOCOCOCOCOCOM1  Mi  i—i  i—i  l—i  l—i  i—i  l—i  l—i  l—i  l—i
co  co  co  co  co  co  co  |o  co  jo  pppppppppp  h  h  Mp  mi  m  oooo  pppppppppp  pppppppppp
'bo  ’-J  1D2"02~OxP~4^*031.0"mi  Mp  CD  CD~CO02'oi'b*~4^  '4^'03'lo'miP'Ö'cd'Go'Gc'^]  "02'bx'*CJx~4-'*03lo  1.0'►-i  O  2D  CD'OC  -j'oi'oi'ox  4^.'o3  03  CO
CDÜ'GCM^^1003DCD  COCJ'-vlOCCDD^lfi-vl  OCOD'COOWOiCCMiW  02CCt-i0302GCMiÜ302GC  HÜiDCCOCWOXlOtO

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

CO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  LO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  LO  CO  IO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  LO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  LO  CO  CO
pppppppppp  pppppppppp  ppp  02p  02  02  02p  02  pppppppppp  O'p  4-pp  ppp  pp
Pl'bi'üx'üx'^'üs'co'Mi'o'cD  'gcP'02'02'ox'4^*'03'lo'mi'0  CD  GCP'02'O'Idx"P'o3lo'Mi  "O  CD  GCPIji'b&amp;lt;~*4-'CO'LO  Mi  Ö'cD  Go'GC  ^1  *02  Qx  4^  03  CO
02  —0  CD  O  Mi  CO  03  4^-  Ox  02  -^IGCCDOmiC0034-4^0x  02-O  GO  CD  CD  O  Mi  M  CO  03  03  4^4^0x0202-0-0-JGC  GC  CD  CD  C  O  C  H  K  CO  CO

Volumprozente
Alkohol

O  O  p  p  P
"cd  'cd  "cd  "cd  cd
02  02  02  02  02
CO  03  4^  Qx  02
OHCOÜ3i^Ox02"0  GO  CD  OM-C0  034^Üx02-v]G0CD  Ol- l C0034^ÜxO2&amp;lt;]00CD  OH-iC0034^0x02^lG0CD  O  H  IO  W  4^  Ox  02  »J  CO  CD

Spezifisches
Gewicht  des
Destillates

CO  CO  CO  LO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  IO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  CO  C  O  CO  LO  LO  CO  LO  LO  CO  CO
pppppppppp  PPPPPPPPPP  PPPPPPPPPP  PPPPPPPPPP  PPPPPPPPPP
P'ö'o'cD'bo'bo'&amp;lt;i  Oi'bi'bx  'cx  P  "za  'za'  co  P  P  "o  cd  'cd  ~go  P  P  P  ~bxIj  '  P  "za  'za  lo  m-  P  ’  o  "cd  cd  co  Vi  '02  'bx  'b»  ~4-  ~za  'za  lo  P  P  'o  cd  gc
03  -4  H  Qi  GO  CO  02  CD  03  02  O  #1  *vl  m*  C  GC  C3  O'  CD  M  OxCD03  02CD03  02(^03  02  CD  05  02  CD  03  02  CD  CO  CK  CD  CO  CK  GC  Mi  4^  ^1  O  03  02  CD

Gramm  Alkohol
in  100  ccm

03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  03  O303O3O30303COCOCOCO  CO  CO  CO  CO  CO  CO  LO  CO  CO  CO
JO  CO  JO  CO  CO  JO  CO  JO  to  CO  jo  JO  J—i  i—i  l—i  l—i  l—i  l—i  i—i  l—i  I-IM-MIM‘OOOOOO  OOOO  OJDJDJDJDJD  ZD  ZD  &amp;amp;  ZD  ZC  ZO  CO  CO
'cd'gc'*--iPp"b'P~o3"03lo  Pp'cd'go'go'mip)"oxPP  'bs'ioP'o'cD'cD'boP'bi'bx  PPP'coP'o'cd'gc'gcP  P'b&amp;gt;  4-*'03'co  coP'ö~cd'gc
03  üx  GO  O  CO  4—  02  GC  O  CO  4^&amp;gt;  02  GO  CD  Mi  03  CK-J  CD  K  C0  4—  02  -^1  2D  M‘  CO  4^  D2  -^1  CD  O  CO  03  O'  02  GO  CD  M  LD  if^üxOiGOCDOH^OD^Ox

Volumprozente
Alkohol

1038  Tab.  XVIII.  Alkohol-Gehalt  aus  dem  spez.  Gewicht  nach  K.  Windisch.
        <pb n="1057" />
        1039

Tab.  XIX.  Extraktgehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  für  Wein.

Tabelle  XIX.
(Zur  Ermittelung  der  Zahl  E,  welche  für  die  Wahl  des  bei  der  Extraktbestimmung  des
Weines  anzuwendenden  Verfahrens  aus  dem  spez.  Gewicht  =  x  maßgebend  ist.)
Nach  den  Angaben  der  Kaiserlichen  Normal-Eichungs-Kommission  berechnet
im  Kaiserlichen  Gesundheitsamt.

X

E

X

E

X

B

X

E

1,0000

0,00

1,0050

1,29

1.0100

2,58

1,0150

3,87

i

0,03

1

1,32

1

2,61

1

3,90

2

0,05

2

1,34

2

2,63

2

3,93

3

0.08

3

1,37

3

2,66

3

3,95

4

0,10

4

1,39

4

2,69

4

3,98

5

0.13

5

1,42

5

2,71

5

4,00

6

0,15

6

1.45

6

2,74

6

4.03

7

0,18

7

1,47

7

2,76

7

4.06

8

0,20

8

1,50

8

2,79

8

4.08

9

0,23

9

1,62

9

2,82

9

4,11

1,0010

0,26

1,0060

1,56

1,0110

2,84

1,0160

4,13

1

0,28

1

1,67

1

2,87

1

4,16

2

0,31

2

1,60

2

2,89

2

4.19

3

0,34

3

1,63

3

2,92

3

4,21

4

0,36

4

1,65

4

2,94

4

4,24

5

0,39

5

1,68

5

2,97

5

4,26

6

0,41

6

1,70

6

3,00

6

4,29

7

0,44

7

1,73

7

3,02

7

4,31

8

0,46

8

1.76

8

3,05

8

4,34

9

0,49

9

1,78

9

3,07

9

4,37

1,0020

0,52

1,0070

1,81

1,0120

3,10

1,0170

4,39

1

0,54

1

1,83

1

3,12

1

4,42

2

0,57

2

1,86

2

3,15

2

4,44

3

0,69

3

1,88

3

3,18

3

4,47

4

0,62

4

1,91

4

3,20

4

4,50

5

0,64

5

1,94

5

3,23

5

4,52

6

0,67

6

1,96

6

3,26

6

4,55

7

0,69

7

1,99

7

3,28

7

4,57

8

0,72

8

2,01

8

3,31

8

4.60

9

0,75

9

2,04

9

3,33

9

4,63

1,0030

0,77

1,0080

2,07

1,0130

3,36

1,0180

4,66

1

0,80

1

2,09

1

3,38

1

4,68

2

0.82

2

2,12

2

3,41

2

4,70

3

0.85

3

2,14

3

3,43

3

4,73

4

0.87

4

2.17

4

3,46

4

4,75

5

0.90

5

2,19

5

3,49

5

4,78

6

0.93

6

2,22

6

3,51

6

4,81

7

0.95

7

2,26

7

3,54

7

4,83

8

0,98

8

2,27

8

3,66

8

4,86

9

1,00

9

2,30

9

3,59

9

4,88

1,0040

1,03

1,0090

2,32

1,0140

3,62

1,0190

4,91

1

1,05

1

2,35

1

3,64

1

4,94

2

1,08

2

2,38

2.

3,67

2

4,96

3

1,11

3

2,40

3

3,69

3

4,99

4

1.13

4

2,43

4

3,72

4

5,01

5

1,16

5

2,45

5

3,75

5

5,04

6

1,18

6

2,48

6

3,77

6

5,06

7

1,21

7

2,50

7

3,80

7

5,09

8

1,24

8

2,53

8

3,82

8

5,11

.9

1,26

9

2,56

9

3,85

9

5,14
        <pb n="1058" />
        1040

Tab.  XIX.  Extraktgehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  für  Wein.

X

E

X

E

X

E

X

E

1,0200

6,17

1,0250

6,46

1,0300

7,76

1,0350

9,05

1

5.19

1

6,49

1

7.78

1

9,08

2

5,22

2

6,51

2

7,81

2

9,10

3

5,25

3

6,54

3

7,83

3

9,13

4

5,27

4

6,56

4

7,86

4

9,16

5

5,30

5

6,59

5

7,89

5

9,18

6

5,32

6

6.62

6

7.91

6

9,21

7

5,35

7

6,64

7

7,94

7

9.23

8

5,38

8

6,67

8

7,97

8

9,26

9

5,40

9

6,70

9

7,99

9

9,29

1,0210

5,43

1.0260

6,72

1,0310

8,02

1,0360

9,31

1

5,45

1

6.75

1

8,04

1

9.34

2

6.48

2

6,77

2

8,07

2

9.36

3

5,51

3

6,80

3

8,09

3

9,39

4

5,63

4

6,82

4

8,12

4

9,42

5

5,56

5

6,85

5

8.14

5

9,44

6

5,58

6

6,88

6

8.17

6

9,47

7

5,61

7

6.90

7

8,20

7

9,49

8

5,64

8

6,93

8

8,22

8

9,52

9

5,66

9

6,95

9

8,25

9

9,55

1,0220

5,69

1,0270

6,98

1,0320

8.27

1,0370

9,57

1

5,71

1

7,01

1

8,30

1

9,60

2

6,74

2

7,03

2

8,33

2

9,62

3

5,77

3

7,06

3

8,35

3

9,65

4

5,79

4

7.08

4

8,38

4

9,68

5

5,82

5

7,11

5

8,40

5

9,70

6

5,84

6

7,13

6

8,43

6

9,73

7

5,87

7

7,16

7

8,46

7

9,75

8

5,89

8

7,19

8

8,48

8

9,78

9

5,92

9

7,21

9

8,51

9

9,80

1,0230

5,94

1,0280

7,24

1,0330

8,53

1,0380

9,83

1

5,97

1

7,26

1

8,56

1

9,86

2

6,00

2

7,29

2

8,59

2

9,88

3

6,02

3

7,32

3

8,61

3

9,91

4

6,05

4

7,34

4

8,64

4

9,93

5

6,07

5

7.37

5

8,66

5

9.96

6

6,10

6

7,39

6

8,69

6

9,99

7

6,12

7

7,42

7

8,72

7

10,01

8

6,15

8

7,45

8

8,74

8

10,04

9

6,18

9

7,47

9

8,77

9

10,06

1,0240

6,20

1,0290

7,50

1,0340

8,79

1,0390

10,09

1

6,23

1

7,52

1

8,82

1

10,11

2

6,25

2

7,56

2

8,86

2

10,14

3

6,28

3

7,58

3

8,87

3

10,17

4

6,31

4

7,60

4

8,90

4

10,19

5

6,33

5

7,63

5

8,92

5

10,22

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3

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B

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7
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1043

E

x

E

x

B

x

E

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3
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iO
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22,64
22,67
22,69

1,0910

23,67

1

23.70

2

23,72

3

23,75

4

23,77

6

23,80

6

23,83

7

23,86

8

23,88

9

23,91

1,0960
1
2
3
4
6
6
7
8
9

24,99
25,01
26,04
26,07
26,09
26,12
25,14
26,17
25,20
25,22

21,31
21,33
21,36
21,38
21,41
21,44
21,46
21,49
21,52
21,54

1,0870
1
2
3
4
6
6
7
8
9

22,62
22,65
22,67
22,70
22,72
22,76
22.78
22,80
22,83
22,86

1,0920
1
2
3
4
5
6
7
8
9

23,93
23,96
23,99
24,01
24,04
24,07
24^09
24,12
24,14
24,17

1,0970
1
2
3
4
5
6
7
8
9

25,25
26,28
26,30
26,33
26,36
26,38
25,41
26,43
26,46
25,49

21,57
21.69
21,62
21,65
21,67
21.70
21,73
21,75
21,78
21,80

1,0880
1
2
3
4
5
6
7
8
9

22,88
22,91
22,93
22,96
22,99
23,01
23,04
23,07
23,09
23,12

1,0930
1
2
3
4
5
6
•  7
8
9

24,20
24,22
24,25
24,27
24,30
24,33
24,35
24,38
24,41
24,43

1,0980
1
2
3
4
6
6
7
8
9

25.61
25,54
25.66
26.69
25.62
25,64
26.67
26.70
25,72
25,75

21,83
21,86
21,88
21,91
21,94
21,96
21,99
22,02
22,04
22,07

1,0890
1
2
3
4
6
6
7
8
9

23,14
23,17
23,20
23,22
23,25
23,28
23,30
23,33
23,35
23,38

1,0940
1
2
3
4
5
6
7
8
9

24,46
24,49
24.61
24,64
24,57
24.69
24.62
24,64
24,67
24.70

1,0990
1
2
3
4
5
6
7
8
9

25,78
25,80
25,83
25,85
26,88
26,91
25,93
25,96
25,99
26,01
        <pb n="1062" />
        1044

Tab.  XIX.  Bxtraktgehalt  aus  dem  spezifischen  Gewicht  für  Wein.

X

E

X

B

X

E

X

E

1,1000

26,04
26,06

1,1040

27,09

1,1080

28,15

1,1120

29,20

i

1

27,12

1

28,17

1

29,23

2

26,09
26,12

2

27,15

2

28,20

2

29,25

3

3

27,17
27,20

3

28,22

3

29,28

4

26,14

4

4

28,25

4

29,31

5

26,17

5

27,22

6

28,28

5

29,33

6

26,20

6

27,25

6

28,30

6

29,36

7

26,22

7

27,27

7

28,33

7

29,39

8

26,25

8

27,30

8

28,36

8

29,41

9

26,27

9

27,33

9

28,38

9

29,44

1,1010

26,30

1,1050

27,35

1,1090

28,41

1,1130

29,47

1

26,33

1

27,38

1

28,43

1

29,49

2

26,36

2

27,41

2

28,46

2

29,52

3

26,38

3

27,43

3

28,49

3

29,54

4

26,41

4

27,46

4

28,51

4

29,57

5

26,43

5

27,49

5

28,54

5

29,60

6

26,46

6

27,51
27,64

6

28,57

6

29,62

7

26,49

7

7

28,59

7

29,65

8

26,51

8

27,57

8

28,62

8

29,68

9

26,54

9

27,59

9

28,65

9

29,70

1,1020

26,56

1,1060

27,62

1,1100

28,67

1,1140

•29,73

1

26,59

1

27,65

1

28,70

1

29,76

2

26,62

2

27,67

2

28,73

2

29,78

3

26,64

3

27,70

3

28,76

3

29,81

4

26,67

4

27,72

4

28,78

4

29,83

5

26,70

5

27,76

5

28,81

5

29,86

6

26,72

6

27,78

6

28,83

6

29,89

7

26,75

7

27,80

7

28,86

7

29,91

8

26,78
26,80

8

27,83

8

28,88

8

29,94

9

9

27,86

9

28,91

9

29,96

1,1030
1
2
3
4
5
6
7
8
9

26,83
26,86
26,88
26,91
26,93
26,96
26,99
27,01
27,04
27,07

1,1070
1
2
3
4
5
6
7
8
9

27,88
27,91
27,93
27,96
27,99
28,01
28,04
28;07
28,09
28,12

1,1110
1
2
3
4
5
6
7
8
9

28,94
28,96
28,99
29,02
29,04
29,07
29,09
29,12
29.16
29.17

1,1150

29,99
        <pb n="1063" />
        l )  Vergl.  Halenke  und  Möslinger,  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1895,  34,  263.

'o  "o  o  'o  o  o  'o'o'o'o'o  o  o  o  "ö  bo  "o  "o  Id  bbbbbbbbbbbbbbbbbbbb  ~o
CDCOCOCOCOCOCOGOCGOOCO&amp;lt;l-a&amp;lt;l&amp;lt;l-J&amp;lt;l^l-J&amp;lt;l&amp;lt;ia)05C505Pa5Q050501Ü»ÜiÜtO&amp;lt;OiOtÜ'Ü'Üi
ococc^aJO^wtCKOcDGc^Pü'^wccMOOco-viaja'^wtCHOcßCo^ioiüt^wcoK

Spez.  Gewicht

^COJLO^ODJNOJnOJD^DJD  JD  JDJDJD  CO  00_G0  GOj&amp;lt;]j&amp;lt;1  j&amp;lt;1  j&amp;lt;1  JDJJD_CDJ3DJ0»
'b 1  bD  'as  'w  'bo  'bx  "od  bo  ~-&amp;lt;i  bn  bo  bo  "i-*-  "cd  'od  b-  b  bo  "od  bo  bo  bo  bn  bo  "o  ba  bn  lo  "cd  ba  b*  'm-  "cd  bo  bo
M^CCKCHGOHÜiGOtOÜtCCMGuCOMPCCOiPO^OH^CCWa'COtOPOW^IK^GCL'OPCC

^  Trockensubst,
m  §  n.  Halenke
|  u.Möslinger 1 )

coccooGooooooooocoGOQo-o-a&amp;lt;i-a-&amp;lt;i&amp;lt;i&amp;lt;i&amp;lt;i-*a-^aDCDODa50DaDaDaDOD05Cncnü»c^ü^cnC7&amp;lt;o^üi
Ococo*v]PO^o;tCKOCGo&amp;lt;io:ot^wtOHOPGc-oo:ot^wwKOCCo^ipa(^WMH

®  Oechsles  Most-&amp;amp;
  wage
CD

_GC  CO  ~4  j»J  J-O  _~H  ~H  JJ5  OD  jTi  JD  _&amp;lt;D  üx  Oi  JOx  JOx  Ox  O'^^i^^^WWWWWMtOWtOtO  1—*■  J—*■  J—*■  H- 1 JD  JD  JD
1-0"Öboblbob-*-'cdbabnbo  "m-'cd  'gobobo"0bcbobp  bob-xbob]üxbo"obo"cd"V1-0"ob]  Oxbob-*-bob]bn

n  Klosterneus
 2 ”  hurger  Most
£?  wage

1—*-  K— 1  ►—*-  H-*-  1—^  1—^  &amp;gt;—^-  H-^  H-^  H—^  1—^  1—^  1—^  1—^  ^  1— i
OOOOOOOOC£c£)CDCDCDCDCCCßCCCCCCCCCCCOCDCO-v]&amp;lt;l  -O  &amp;lt;1  -.1  j-a  j*a  j-O
bD'bobj'bx'^'bobN3'h^'^'bo'bD'üx'^'b3bNO'cDbDb]'cD'bxbpa.bob--‘-'cD'cDbo'bD'bx'£».b»b- A 'cDbDba'bD'bxbl^bob-- 1 'CD
Ot  ch  öx  üx

E?  Wagners
w  Mostwage

WMWWMWtOtOMHHHMHMKKKKKKMKKKMKHKKHHMHKKMMMH
JDJDJDJDJDJDJDJDJDJX.GOJXJXjOj&amp;lt;1j-Ojn3  -OCP  _OD  CD  _GD  Ox  _Ox  Ox  J3x  vP  Jp  £-  j£-  ^CO  ^CO  ^CO  _CO  JO  JO
bjxbo1—-bo~Gi~b-bo"oblb?xbo  0bobDbp  b-*-bo'&amp;lt;1  b?x  bo'obo'üx  CO'b- 1  bc  "ab4-  b-*-  CDblbbobl  bjxbo"0bo  bn

|f  Ballings
g:  Saccharometer
O  1

1—*■!— t l-‘-l- l M'l—‘■1—‘■1—»-l- 1 !—‘■l—‘■1—‘■(—‘■►--‘■1-il—»-l—»-l—‘■&amp;gt;—‘•1—LH-il—»-l—^l—‘l—‘l—il—^1—‘■1—‘■l- A l—‘■1—*■!—‘■1—^l-il—‘■►-‘■I—‘•H-*-—‘■'b—*•
  bb-  r^b-  b'b'b'b  H^'b'b l 'b'b'bb- l b--‘'b--‘-b-*-b- J -'l-‘-b--*-b-*-b-‘-  H- 1  i- 1  'O~0"O'Ö'Ö"O"O"O~0
WKiKJWtOKiKJtObStOtOKKHMHHPHMHOOCOOOOOOOCCDCß'vrcßcfiCCDcß
OCCCOPÜ'^WtOHOcßGC^lOJÜ'^Wl'OKOCDCO^lQÜi^WKJKOCCCO^iaiÜi^WtNSK

Spez.  Gewicht

COCOCODOCOtOCOCOCOtOCOCOCOtNSCOCOCOCOCOCO
1  1  1  1  JLC  OD_GC  OD  j-J  j-J  J&amp;lt;I^-0  OT-  O*  JO&amp;lt;  Jp  _lp  Jp_O0
1  1  1  ^D^&amp;lt;i^l&amp;gt;o^^^P^'cD'aD'aD'H j -'bo'ai'bD'o'&amp;lt;i'cn'co'co
ZJt  00  CO  CO  CO  00  DO  CO  l— 1  00  H- 1  GO  1— 1  iP»-  00

5.'  Trockensubst.
m  §  n.  Halenke
f  u.Möslinger 1 )

l - ^  1—*•  b— 1  1— 1  1— L  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  1— 1  I— 1  I— 1  H-^  1— 1  1— 1  1—*■  1—*■  1— 1  1— 1  1—*■  1— 1  h- 1  1— 1
WWKIWtCltOKitOtOtODOHMKHHHHHKh'OOOOOOOCOOCCflJCCOCCCDCOCßCD
OCDGD&amp;lt;IO:Oil^WDOl-‘OCDGD&amp;lt;ia50i^WlN2HOCa^IPÜ'^WlN2MOCDCC-oa5Üi^WK)H

§  Oechsles  Most-|.
  wage

COCOCODOCOCOtNOI&amp;gt;OCOCOtOCOCOCOtODOtOCODOCODOtOCOCOCOtOtNOI&amp;gt;OK)l- A i- A i- l i- L i- l l- l i- t l- L l- l i— L H- t
^  ^_p_p_pjD_5D_CDjD_5DjX5jr&amp;gt;^GO  CO  &amp;amp;)  CO  CP
Ix  ^  l&amp;gt;o  Id  Ix  ^  Ino  Id  Ijd  ^  Ix  ^  Ino  ^  Ix  "ai  ^  "lo  "o'cc  ~od  ^  Ino  "o  "bo  'w'h- 1  "00  ~cn  "w  ~co  "o'cd  "bo  "od'ch  "w

gj  Klosterneu-5°g.
  hurger  MosG
EB  wage

J^j3Dj3Djj2jDjJ2jO\Ü&amp;lt;JO’JO\0\Ü'J^JD\^jP^PjPjPjf^j^jPjP^JXJX_CO_CX_CD5k:50jXJN5JNOjNOJ.'OJOJNOJNOjNO
'cd  101  '►p"co'h-^~o"cdbc'bi"cd'ipbcId'i- a "cdbo'*■&amp;lt;1  Id'►pbo'h- 1  "o'cdbc"bibr*^~bo"co'h-^"cdbo"-4  cp4^bo^"0

if  Wagners
J  Mostwage

CCtNOtDCOCOtNOtOCOtOCOCODOtNOCOtNODOtOMiCOtDCOtOCOCOCOtNOCOtNOtNOCOtOCOCOCOCOCOCODOCOtNO
JDJDJDJDJDJDJXJXJXJXJX  _-0  ^  J^4  ^4  jPjf^jPjPJXJLO^COJLO  JLO  JN3JN0  JNO  JNO  J- 1 -
'i- i  bD*-&amp;lt;i  b*  Id  'o  bc  'cd  'Jp  bo  'obcbr&amp;lt;  bx:  b- 1  bc'  bi  br»  bo  bc  bri  "vP  bo  "0  bo  bn  bo  'h- 1  bo  Vi  bn  bo  bD  bo  brs  bo  "cd  b.i

|f  Ballings
%  g:  Saccharometer
o~~  1

csa
P
CO
p
B
B
cd
ß
OQ
&amp;lt;rtcd

0
ß
OQ
0*
CD
ß
P
CfQ
P
CT 1
CD
ß
&amp;lt;1
CD
ß
CO
o
p-CD

CD
P
CD
ß
g
O
CD
c+-p

OQ
CD
P

P

H
*

Tab.  XX.  Angaben  yersch.  Mostwagen  u.  Extraktgeh.  n.  Halenke  u.  Möslinger.  1045
        <pb n="1064" />
        1046  Tab-  XXI.  Berechnung  des  Phosphorsäure-Gehaltes  der  Düngemittel.

Tabelle  XXI.
Berechnung  des  Gehaltes  der  Düngemittel  an  Phosphorsäure
hei  Anwendung  von  0,5  g  Substanz  nach  E,  Haselhoff. 1 )

o
Ph
a
g

lO
o
»1
Ph
0/
Io

o
pT
oi
bß
Sl
g

&amp;gt;o
o
Ph* 1
01
Io

o
03
PH
bE
a
g

i!5
O
CI
Ph
0/
Io

o
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6

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6

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6

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6

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6

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6

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4

•  9,62

4

10.64

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6

6,71

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8

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4

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4

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6

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6

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6

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6

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8

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8

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8

8,14

8

9,16

8

10.18

8

11,20

0  In  dieser  Tabelle  ist  der  neue  Faktor,  nämlich  0,638  P.O„  =  1  Mg 2 P.,0„  angewendet.  Wenng
  eie  le  Differenz  gegen  die  frühere  Berechnung  mit  dem  Faktor  0,640  nur  sehr  gering  ist,  so  glaubten
wu  oc  mit  Rücksicht  auf  die  neuen  Atomgewichte  diese  Umrechnung  vornehmen  zu  müssen.
        <pb n="1065" />
        Tab.  XXI.  Berechnung  des  Phosphorsäure-Gehaltes  der  Düngemittel.  1047

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4

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4

16,38

4

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6

11,31

6

12,58

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6

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8

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8

16,43

8

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2

11,38

2

12,66

2

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2

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4

12,68

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13,96

4

16,24

4

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4

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6

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12,91

2

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16,74

2

18,02

4

11.66

4

12,94

4

14,21

4

15,49

4

16,77

4

18,04

6

11,69

6

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6

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16,52

6

16,79

6

18,07

8

11,71

8

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14,27

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16,64

8

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8

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11,79

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16,89

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18,20

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15,67

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18,22

0,0930

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18,26

2

11,89

2

13,17

2

14,44

2

16,72

2

17.00

2

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4

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4

13,19

4

14,47

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B

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8

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8

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8

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        <pb n="1067" />
        Tab.  XXI.  Berechnung  des  Phosphorsäure-Gehaltes  der  Düngemittel.  1049

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33'38

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8

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8

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8

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        1050  Tab.  XXL  Berechnung  des  Phosphorsäure-Gehaltes  der  Düngemittel.

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8

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2

35,63

2

36,77

2

37,92

2

39,07

2

40,22

4

34,60

4

35,66

4

36.80

4

37,95

4

39,10

4

40,25

6

34,53

6

35,68

6

36,83

6

37,97

6

39.12

6

40,27

8

34,55

8

35,70

8

36,85

8

38,00

8

39,15

8

40,30

0,2710

34,58

0,2800

35,73

0,2890

36,88

0,2980

38,02

0,3070

39,17

0,3160

40,32

2

34,61

2

35,76

2

36,90

2

38.05

2

39,20

2

40,35

4

34,63

4

35,78

4

36,93

4

38,08

4

39,22

4

40,37

6

34,65

6

35,80

6

36,96

6

38,10

6

39,25

6

40,40

8

34,68

8

36,83

8

36,98

8

38,13

8

39,28

8

40,42

0,2720

34,71

0,2810

35,86

0,2900

37,00

0.2990

38,15

0,3080

39,30

0,3170

40,45

2

34,73

2

36,89

2

37,03

2

38,18

2

39,33

2

40,47

4

34,76

4

35,91

4

37,06

4

38,20

4

39,35

4

40,50

6

34,78

6

35,93

6

37,08

6

38,23

6

39,38

6

40,53

8

34,81

8

35,96

8

37,11

8

38,25

8

39,40

8

40,55

0,2730

34,83

0,2820

35,98

0,2910

37,13

0,3000

38,28

0,3090

39,42

0,3180

40,58

2

34,86

2

36,01

2

37,16

2

38,31

2

39,45

2

40,60

4

34,89

4

36,03

4

37,18

4

38,33

4

39,48

4

40,63

6

34,91

6

36,06

6

37,21

6

38,36

6

39,50

6

40,65

8

34,94

8

36,09

8

37,23

8

38,38

8

39,53

8

40,68

0,2740

34,96

0,2830

36,11

0,2920

37,26

0,3010

38,41

0,3100

39,56

0,3190

40,70

2

34,99

2

36,14

2

37,28

2

38,43

2

39,68

2

40,73

4

35,01

4

36,16

4

37,31

4

38,46

4

39,61

4

40,76

6

36,04

6

36,19

6

37,33

6

38,48

6

39,63

6

40,78

8

35,06

8

36,21

8

37,36

8

38,51

8

39,66

8

40,81

0,2750

35,09

0,2840

36,24

0,2930

37,39

0,3020

38,54

0,3110

39,68

2

36,12

2

36,26

2

37,41

2

38,56

2

39.71

4

36,14

4

36,29

4

37,44

4

38,69

4

39,73

6

35,17

6

36,31

6

37,46

6

38,61

6

39,76

8

35,19

8

36,34

8

37,49

8

38,64

8

39,79

0,2760

35,21

0,2850

36,37

0,2940

37,51

0,3030

38,66

0,3120

39,81

2

35,24

2

36,39

2

37,54

2

38,69

2

39,84

4

35,27

4

36,42

4

37,57

4

38,71

4

39,86

6

35,29

6

36,44

6

37,59

6

38,74

6

39,89

8

35,32

8

36,47

8

37,62

8

38,76

8

39,91
        <pb n="1069" />
        Atomgewichte  d.  chem.  Elemente.  —  Faktoren  zur  Berechn,  d.  gesuchten  Substanz.  1051

Atomgewichte  der  chemischen  Elemente.
Nach  dem  Bericht  des  internationalen  Atomgewichts-Ausschusses  (P.  W.  Clarke.
H.  Moissan,  K.  Seubert  und  T.  E.  Thorpe)  vom  13.  Dezember  1906  l )  hat  sichjetzt  auch  die
große  internationale  Atomgewichts-Kommission  damit  einverstanden  erklärt,  von  jetzt  an  nur
eine  Atomgewichts-Tabelle  aufzustellen  und  als  solche  die  auf  0  =  16  bezogene  zu  wählen, 2 )
Die  Anfang  1906  angenommenen  „Internationalen  Atomgewichte“,  bezogen

  auf  0  =
Aluminium.  .

=  16,
Al

sind  fol
27,1

gende:
Kalium  ....

K

39,15

Sauerstoff  .  .

0

16.0

Antimon  .  .  .

Sb

120,2

Kobalt  ....

Co

59,0

Scandium.  .  .

Sc

44,1

Argon  ,  .  .

A

39,9

Kohlenstoff.  .

C

12,0

Schwefel  ,  ,  .

S

32,06

Arsen

As

75,0

Krypton  .  .  .

Kr

81,8

Selen

Se

79,2

Baryum.  .  .  .

Ba

137,4

Kupfer  ....

Cu

63,6

Silber

Ag

107,93

Beryllium  .  .

Be

9,1

Lanthan  .  .  .

La

138,9

Silicium  .  ,  .

Si

28,4

Blei

Pb

206,9

Lithium  .  .  .

Li

7,03

Stickstoff  .  .  .

N

14,04

Bor

B

11,0
79,96

Magnesium.  .

Mg

24,36

Strontium  .  .

Sr

87,6

Brom

Br

Mangan  .  .  .

Mn

66,0

Tantal  ....

Ta

183,0

Cadmium  .  .  .

Cd

112,4

Molybdän.  .  .

Mo

96,0

Tellur  ....

Te

127.6

Caesium  .  .  .

Cs

132,9

Natrium  .  .  .

Na

23,05

Terbium  .  ,  .

Tb

160.0

Calcium.  .  .  .

Ca

40,1

Neodym  .  ,  .

Nd

143.6

Thallium  .  .  .

TI

204.1

Cerium  ....

Ce

140,25

Neon

Ne

20,0

Thorium  .  .  .

Th

232.6

Chlor

CI

35,45

Nickel  ....

Ni

58,7

Thulium  .  .  .

Tu

171.0

Chrom  ....

Cr

52,1

Niobium  .  .  .

Nb

94,0

Titan

Ti

48,1

Eisen

Fe

55,9

Osmium  .  .  .

Os

191.0

Uran

U

238,5

Erbium  ....

Er

166,0

Palladium  .  .

Pd

106,6
31,0

Vanadin  .  .  .

V

51,2

Fluor

P

19,0

Phosphor  .  .  .

P

Wasserstoff  .

H

1,008

Gadolinium  .

Gd

156,0
70,0

Platin  ....

Pt

194.8

Wismut  .  .  .

Bi

208,5

Gallium.  .  ,  .

Ga

Praseodym  .  .

Pr

140,5
200,0

Wolfram  .  .  .

W

184,0

Germanium  .

Ge

72,5

Quecksilber  .

Hg

Xenon  ....

X

128,0

Gold

Au

197,2

Radium....

Ra

225,0

Ytterbium  .  .

Yb

173.0

Helium  ....

He

4,0

Rhodium  .  .  .

Rh

103,0

Yttrium  .  .

Y

89,0

Indium  ....

In

115,0
193,0
126,97

Rubidium  .  .

Rb

85,5

Zink

Zn

65,4

Iridium  ....

Ir

Ruthenium  .  .

Ru

101,7

Zinn

Sn

119,0
90.6

Jod

j

Samarium  .  .

Sa

150j3

Zirkonium  .  .

Zr

Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten  Substanz.
Die  nachstehenden  Faktoren  sind  auf  Grund  der  vorstehenden  neuen  Atomgewichtszahlen ­
  neu  berechnet  worden,  Sie  zeigen  gegen  die  früheren  entweder  keine  oder  durchweg ­
  nur  Unterschiede  in  den  3.  Dezimalen  von  0,001—0,002.  Für  diese  Art  Berechnung
hat  es  daher  in  den  meisten  Fällen  wenig  —  in  einzelnen  Fällen  allerdings  mehr  —
Einfluß  auf  das  Analyseu-Ergebnis,  ob  man  H  =  1,  0  =  16,00,  oder  0  =  15,96,  oder
0  =  15,88  setzt;  die  wirklichen  Analysenfehler  sind  durchweg  viel  größer,  als  die  durch
Berechnung  mit  den  nur  wenig  abweichenden  Faktoren  bedingten  Unrichtigkeiten.
Das  ist  jedoch  kein  Grund,  die  jetzigen  richtigeren,  wenn  auch  von  den  früheren
nur  wenig  abweichenden  Faktoren  nicht  anzuwenden;  auch  ist  von  verschiedenen  Vereinen
bezw.  Verbänden  praktischer  Chemiker  die  vorsteheude  Atomgewichts-Tabelle  nunmehr  vereinbart ­
  worden.  Sollte  letztere  im  vorstehenden  Text  an  einzelnen  Stellen  noch  keine
Anwendung  gefunden  haben,  so  wolle  man  die  richtigeren  Zahlen  aus  nachstehender  Tabelle
entnehmen.
1 )  Vergl.  Berichte  der  deutschen  chemischen  Gesellschaft  1906,  89,  6,  Zeitschr.  f.  angew.
Chemie  1906,  19,  57  und  Chem.-Ztg.  1906,  30,  3.
2 )  Denjenigen  Chemikern  (Lehrern),  die  es  vorziehen,  für  den  ersten  Unterricht  in
der  Chemie  von  Wasserstoff  als  Einheit  auszugehen,  bleibt  dieses  auch  fernerhin  unbenommen. ­
  Man  wird  sich  für  den  Zweck  doch  bei  der  Ableitung  der  Atomgewichte  stets
abgerundeter  Zahlen  bedienen  und  ist  es  hierfür  gleichgültig,  ob  diese  sich  auf  Wasserstoff
oder  Sauerstoff  als  Einheit  beziehen.
        <pb n="1070" />
        1052

Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten  Substanz.

Gesucht

Gefunden

Faktor

Äpfelsäure  —  C 4 H 6 0 6  •  ■  ■  •
55  55
55  ,  55
Aluminium  —  2  Al
Ammoniak  —  2NH 3  •  •  ■
55  5?
-  NH 3
55  55
Ammoniumoxyd  —•  (NH 4 ) 2 0
Antimon  —  2  Sb
55  55
Arsen  —  2  As
55  n
Arsenige  Säure  —  As 2 0 3  ■  ■
55  55  55
Baryt  —  BaO
55  55
55  55
55  55
Blei  —  Pb
Bleioxyd  —  PbO
77  77
Brom  —  Br
Calcium  —  Oa
57  77
Calciumkarbonat  —  CaC0 3  •  ■
55  55  55
55  57  55
Calciumoxyd  —  CaO  ■  •  ■  ■
55  55
55  '  55
Caloiumsulfat  —  CaS0 4  •  ■  •
5  5  55
5  5  55
Chlor  —  CI
55  55
Dextrose  (Glukose)  —  C 6 H 12 0 (
5  5  5  5
55  5  5
Dextrin  —  nC c H 10 O r ,  •  ■
Eisen  —  Ee
»  —  2Pe
»  —  Fe
Eisenoxyd  —  Fe 2 0 3

Äpfelsaures  Calcium  —  CaC 4 H 4 0 6  ■  -
Schwefelsäure  —  S0 3
-  H,S0 4
Tonerde  —•  A1 2 0 3
Ammoniumplatinchlorid  —
(NHjClkPtClj
Schwefelsäure  —  S0 3
Chlorammonium  —  NH 4 C1
Stickstoff  -—  N
Ammoniumplatinohlorid  —
(NH 4 Cl) 2 PtCl 4
Antimontrisulfid  —■  Sb. 2 S 3
Antimonpentasulfid  —  Sb 2 S 5  ....
Arsentrisulfid  —  As 2 S 3
Pyroarsensaures  Magnesium  —
Mg 2 As 2 0,
Arsentrisulfid  —  As 2 S 3
Pyroarsensaures  Magnesium  —
Mg 2 As 2 0,
Kohlensäure  —  C0 2
Baryumkarbonat  •—  BaC0 4
Baryumsulfat  —  BaS0 4
Baryumchromat  —  BaCr0 4
Bleisulfid  —  PbS
Bleisulfat  —  PbS0 4
Bleisulfid  —  PbS
Bleisulfat  —  PbS0 4
Bromsilber  —  AgBr
Calcium  oxyd  —  CaO
Calciumsulfat  —  CaS0 4
Calcium  oxyd  —  CaO
Calciumsulfat  —  CaS0 4
Kohlensäure  —  C0 2
Calciumkarbonat  —  CaC0 3
Calciumsulfat  —  CaS0 4  •
Kohlensäure  —  C0 2
Calciumkarbonat  —  CaC0 3
Caloiumoxyd  —  CaO
Schwefelsäure  —  S0 3
Chlorsilber  —  AgCl
Silber  —  Ag
Kupfer  —  Cu  (s.  Tab.  IV,  S.  986)  •  ■
Kupferoxyd  —  CuO  (s.  Tab.  Vb,  S.  989)
Alkohol  —  2C 2 H 6 0
Kohlensäure  —  2C0. 2
Kupfer  —  Cu  (s.  Tab.  VII,  S.  992)  ■  ■
Eisenoxydul  —  FeO
Eisenoxyd  —  Fe 2 0 3
Eisenammoniumsulfat  —  (NHJj  S0 4  -f-PeS0
 4  +  6H 2 0
Eisenoxydul  —  2  FeO
Eisenammoniumsulfat  —
(NH 4 ) 2 S0 4  +  FeS0 4  +  6H 2 0

0,7787
1,6743
1,3667
0,6303
0,0769
0,4263
0,3188
1,2168
0,1175
0,7142
0,5997
0,6093
0,4827
0,8043
0,6372
3,4863
0.7771
0.6571
0j6051
0,8668
0,6829
0,9328
0,7357
0,4256
0,7148
0.2945
1,7843
0.7351
2,2750
0,5604
0,4120
1,2760
1,3602
2^4271
1,7007
0,2472
0,3284

1.9555!)
2,0465 1 )
0,7775
0,6996
0.1425
1,1113
0,2037

J )  Richtiger  für  Alkohol  2,067,  für  Kohlensäure  2,153,  da  nur  etwa  96  °/ 0  der  Glukose
zu  Alkohol  und  Kohlensäure  vergären.
        <pb n="1071" />
        Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten  Substanz.

1053

Gesucht

Gefunden

Faktor

Eisenoxyd  —  Pe 2 0 3  •  ■
Eisenoxydul  —  2PeO  •
J)  ?)
Essigsäure  —  2C 2 H 4 0 2
»  -  C 2 H 4 0 2  •
„  —  2  C 2  H  4  0 2
Furfurol  —  C 5 H 4 0 2  •  •

Ferriphosphat  —  Fe 2 (P0 4 ). 2
Eisenoxyd  —  Fe 2 0 3
Bisenammoniumsulfat  —
(NHJ,  SO,  +  Fe  S0 4  +  6  H 2  0
Schwefelsäure  —  S0 3
1  ccm  1 / 10  Normal-Schwefelsäure  (oder
-Alkali)
Kohlensäure  —  C0 2
Kohlensaurer  Kalk  —  CaC0 3  •  •  •  ■
Furfurolphloroglucid  —  (yergl.  S.  244
und  Tab.  Xa,  S.  1002)

0,5295
0,8999
0,1813
1,4997
(rund  1,500)
0,0060
2,7287  0
1,1994

Glukose  —  yergl.  Dextrose
Humus  —  ?  '
_  ?
Invertzucker  —  yergl.  Tab.  YaundYb,
Jod  —  J
„  -  2J
Kali  —  Kj-0
V  5  J
»  51
55  n
55  55
55  55
55  55
Kalium  —  K 2
Kaliumchlorid"  —  2  KCl

55  ^  .
Kaliumkarbonat  —  K 2  C0 3
n  55  55
Kohlenstoff  —  C  •  •  •  •
Kohlensäure  —  C0 2  •  •  •
55  55
55  55
Kupfer  —  Cu

Laktose  —  vergl.  Milchzucker
Lithiumoxyd  —  Li 2 0
55  55
,,  —  3Li 2 0  .  .  .  .
Lithium  —  2  Li
Magnesia  —  2MgO
..  -  MgO
Magnesiumkarbonat  —  MgCO s  •
»  „  -  2MgC0 3
Maltose  ,
Manganhyperoxyd  —  Mn  0 2  •  •

Kohlensäure 2 )  —  C0 2
Kohlenstoff 2 )  —  C
S.  988  und  989
|  Jodsilber  —  AgJ
j  Jodpalladium  —  PdJ 2
Chlorkalium  —  2  KCl
Kaliumplatinchlorid  —  (KCl) 2 PtCl 4  •
Platin  —  Pt
j  Überchlorsaures  Kali  —  2  K  CI  O,  •  •  •
Kohlensäure  —  C0 2
Schwefelsäure  —  SÖ 3
Kaliumsulfat  —  K„  SO,
Kali  —  K s O
Kaliumplatinchlorid  —  (KCl) 2 PtCl 4  •
Platin  —  Pt
Überchlorsaures  Kali  —  KC10 4  ■  •  •
Kohlensäure  —  C0 2
Schwefelsäure  —  SÖ 3
Kohlensäure  —  C0 2
Calciumkarbonat  —  CaCO a
Kalk  —  CaO  '
Baryumkarbonat  —  BaC0 3
Baryumsulfat  —  BaS0 4
Kupferoxyd  —  CuO
Kupfersulfür  —  Cu 2 S
Lithiumchlorid  —  2  Li  CI
Lithiumsulfat  —  Li 2 S0 4
Lithiumphosphat  —  2Li 3 P0 4  ■  •  •  •
Lithiumoxyd  —  Li 2 0
Pyrophosphorsaures  Magnesium  —
Mg 2 P 2 0 7
Magnesiumsulfat  —  MgS0 4
Kohlensäure  —  C0 2
Pyrophosphorsaures  Magnesium  —
Mg 2 P 2 0,
Kupfer  —  Cu  (s.  Tab.  VI,  S.  991)
2  Mol.  Eisenammoniumsulfat  —
2  [(NH 4 ) 2  S0 4  +  Fe  S0 4  +  6  H 2  0]

0,4719
1,7241
0,5405
0,7045
0,6320
0.1941
0,4841
0,3402
2J432
1,1779
0,6408
0,8303
0,3071 3 )
0,7660
0,5382
3,1432
1,7275
0,2727
0,4396
0,7843
0,2229
0,1884
0,7990 4 )
0,7987
0,3638
0,2730
0,3884
0,4677
0,3624
0,3351
1,9173
0,7576

0,1109

4 )  S.  700,  Zeile  11  von  unten  steht  durch  einen  Druckfehler  irrig  2,778  als  Faktor.
2 )  Unter  der  Annahme,  daß  der  Humus  58  °/ 0  Kohlenstoff  enthält.
3 )  S.  30,  Zeile  23  von  oben  steht  als  Druckfehler  0,306.
4 )  Yergl.  auch  Tab.  III  S.  984.
        <pb n="1072" />
        1054

Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten  Substanz.

Gesucht

Gefunden

Faktor

Manganhyperoxyd  —  Mn0 2
Manganoxyd  —  l 1 / 2 Mn 2 0 3
Manganoxydul  —  3(MnO)
Methylpentosane  —  C 5 H,(CH 3 )0 4  yergl.

Milchzucker  —  C 12 H. 22 O n -|-H 2 0  ■  ■  •
Natron  —  Na 2 0
55  55
5)  55
75  55
Natrium  —  Na
Natriumkarbonat  —  Na. 2 C0 3
55  57  57
Pentosane  —  C 6 H s 0 4
Pentosen  —  C 5 H 10 0 5

Milchsäure  —  2C. J H () C
ii  —  C a H B 0.

Kohlensäure  —  2C0 2
Man  gan  oxyduloxyd  —  Mn 3 0 4  •  •  ■  •
S.  1056  und  Tab.  Xb  S.  ”l007
Schwefelsäure  —  S0 3
1  ccm  1 / 10  Normal-Schwefelsäure  (oder
-Alkali)
Kupfer  —  Cu  (s.  Tab.  YIII,  S.  994)
Chlornatrium  —  2  Na  CI
Natriumkarbonat  —  Na. 2 C0 3
Natriumnitrat  —  2NaN0 3
Natriumsulfat  —  Na 2 S0 4
Chlornatrium  —  Na  Ci
Kohlensäure  —  C0 2
Schwefelsäure  —  S0 3
Furfurol  —  C 6 H 4 0 2  (S.  245  u.  Tah.  Xa,
S.  1002)
Furfurol  —  C 6 H 4 0„  (S.  245  u.  Tab.  Xa,
S.  1002)

0,9886
1,0349
0,9301
2,2483
0,0090
0,6307
0.5854
0^3643
0,4368
0,3940
2,4114
1,3252

Phosphorsäure  —  P 2 0 5
55  55  55

55  55  55
Phosphorsaures  Calcium,  3-basisoh  —
Ca 3  (P0 4 ) 2
Phosphorsaures  Calcium,  3-hasisch  —
Ca 3  (P0 4 ) 2
Proteinstoffe
Quecksilber  —  Hg
„  -  2Hg
Saccharose  (Rohrzucker)  —  C 12 H 22 0 11  •
Salpetersäure  —  N 2 0 6

Salzsäure  —  2  HCl  ■  •
„  —  2HCl  •  ■
-  HCl  ■  •  ■
Schwefel  —  S  •  •  ■  •
Schwefelsäure  —  S0 3  •
Schweflige  Säure  —  SO..
Senföl  —  C 3 H 5 .CNS  •
Silber  —  Ag
Stärke  —  nC 0 H 10 O 5  •  •
Stickstoff  —  N  -  ■  ■
„  -  2N  •  •  ■

Strontium  —  Sr
55
Strontiumkarbonat  —  SrC0 3
n  55  #  55  55
Strontiumoxyd  —  SrO  •  •  •
m  V  55  55  ‘  ‘
1  raubenzucker  —  C ft H 19 0 A  •
Wasserstoff  -  2H  ■  .  .
Weinsteinsäure  —  C 4 H 6 0 6  •

Ferriphosphat  —  Pe 2 (P0 4 ). 2
Pyrophosphorsaures  Magnesium  —
Mg. 2 P 2 0 7
Phosphorsaures  Calcium  —  Ca 3 (P0 4 ), 2  •
Pyrophosphorsaures  Magnesium  —
Mg 2 P 2 0,

Phosphorsäure  —  P 2 0 5
Stickstoff  —  N  (yergl.  S.  209)  im  Mittel
Sohwefelqueoksilber  —  HgS
Quecksilberchlorür  —  Hg 2 Cl 2  ■  ■  •  ■
Invertzucker  x  0,95  (s.  Tab.  Va,  S.  988)
Ammoniak  —  2NH 3
Schwefelsäure  —  S0 3
Stickstoff  —  2N
Kohlensäure  —  C0 2
Schwefelsäure  —  S0 3  •  ■  ■  •  •  •  -  •
Chlorsilber  —  AgCl
Baryumsulfat  —  BaS0 4
55  5  5
55  55
5  5  5  5
Chlorsilber  —  AgCl
Kupfer  Cu  (s.  Tab.  VII,  S.  992)
Ammoniak  —  NH 3
Ammoniumplatinchlorid  —
(NH 4 Cl) 2 PtCl 4
Strontiumkarbonat  —  SrC0 3
Strontiumsulfat  ■—  SrS0 4
Strontiumsulfat  —  SrS0 4
Strontiumnitrat  —  Sr(N0 3 ) 2
Strontiumkarbonat  —  Sr00 3
Strontiumsulfat  —  SrS0 4
Kupfer  —  Cu  (s.  Tab.  IV,  S.  986)
Wasser  —  H 2 0
Schwefelsäure  —  S0 3

0,4705
0,6376
0,4676
1,3932
2,1862
6j2500
0,8618
0,8494
3,1669
1,3500
3,8490
0,8286
0,9108
0,2543
0.1373
0,3429
0,2744
0,4289
0,7528
0,8228
0,0633
0,5936
0,4769
0,8037
0,6973
0,7019
0,6641
0.1119
1,8742
        <pb n="1073" />
        Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten  Substanz.

1055

Gesucht

Gefunden

Faktor

Weinstein  —  0,11,  0 6 .  IIK

Schwefelsäure  —  SO,

2,3506

Wismutoxyd  —  Bi 2 0 3

Wismutoxychlorid  —  2  Bi  CIO  -  •  ■  ■

0,8944

Bismutylbichromat  —  (BiO). 2 Cr 2 0,  ■  •

0,6990

Wismut  —  2  Bi

Wismutoxyd  —  Bi 2 0 3

0,8968

Zink  —  Zn

Zinkoxyd  —  ZnO

0,8034

^

Schwefelzink  —  ZnS

0,6710

Zinkoxyd  —  ZnO

0,8352

Zinn  —  Sn

Zinn  oxyd  —  Sn0 2

0,7881

Zitronensäure  —  2C 6 H 8 0„

Schwefelsäure  —  3SO„

1,5993
        <pb n="1074" />
        Nachträge

Berichtigungen  und  Ergänzungen.
Seite  80  Zeile  23  von  oben  muß  es  0,307  statt  0,306  heißen.
Zu  Seite  16  unter  b.  A.  Stutzer  und  R.  Hartleb 1 )  empfehlen,  den  Gehalt  der
Böden  an  Calcium-  und  Magnesiumkarbonat  statt  durch  Auskochen  mit  Ammoniumnitrat
durch  Destillation  mit  Ammoniumchlorid  —  6  g  des  letzteren  auf  je  0,5  g  CaCO s  —  zu
bestimmen,  indem  das  durch  Umsetzung  gebildete  flüchtige  Ammoniumkarbonat  in  titrierter
Schwefelsäure  aufgefangen  und  aus  der  Menge  desselben  die  Menge  Calciumkarbonat  —
das  etwa  in  geringer  Menge  vorkommende  Magnesiumkarbonat  kann  vernachlässigt  werden  —
berechnet  werden  soll.  Um  das  etwa  vorhandene  Ferrokarbonat  unwirksam  zu  machen,  soll
der  Boden  vor  der  Destillation  mit  Ammoniumchlorid  vorher  einige  Zeit  mit  Wasser  gekocht
werden.  Vorhandenes  Eisenoxyd  soll  nicht  schaden.  Wir  haben  indes  gefunden,  daß  sowohl
frisch  gefälltes  wie  scharf  (bei  200  °)  getrocknetes  Ferrihydroxyd  durch  Kochen  mit  Chlorammonium ­
  Ammoniak  entbindet.
Seite  113.  Überschrift  Zement  und  Wasserkalk  statt  Zement  oder  Wasserkalk.
Seite  92  unten.  „Auf  je  1  ha  Fläche  bis  zu  20  cm  Tiefe  sind  vorhanden“  muß
es  heißen  2 ):
Oberfläche,  sog.  Heidehumus  ....  120  kg  Kali  statt  100  kg,
Moostorf  1440  „  Stickstoff  statt  1450  kg.
Zusatz  zu  Seite  195.  Zur  schnelleren  Entfernung  der  letzten  Beste  Kohle  aus  der
Asche  hat  man  statt  des  aus  Wasserstoffsuperoxyd  hergestellten  Sauerstoffs  auch  das  Wasserstoffsuperoxyd ­
  selbst  empfohlen  (vergl.  S.  911,  Anm.  2).  Die  verkohlte  Asche  wird  mit
Wasserstoffsuperoxyd  durchfeuchtet,  auf  dem  Wasserbade  getrocknet  und  dann  weiter  verbrannt. ­
  Hierbei  kann  nicht  genug  betont  werden,  daß  selbstverständlich  nur  chemischreines
  Wasserstoffsuperoxyd  verwendet  werden  darf.  Die  gewöhnlichen  Wasserstoffsuperoxyde
des  Handels  enthalten  fast  stets  größere  Mengen  Chloride  und  Sulfate  (von  Aluminium
und  anderen  Basen);  das  zu  verwendende  Wasserstoffsuperoxyd  muß  daher  stets  vorher
auf  Reinheit  untersucht  werden.
Zusatz  zu  Seite  245,  „Bestimmung  der  Pentosane“.  Bestimmung  der
Methylpentosane.  Die  Methylpentosane  liefern  bei  der  Destillation  mit  Salzsäure  Methylfurfurol,
  und  dieses  wird  ebenso  wie  das  Furfurol  durch  Phlorogluzin  quantitativ  gefällt.
Das  Methylfurfurolphlorogluzid  unterscheidet  sich  aber  dadurch  von  dem  Furfurolphlorogluzid,
daß  es  nach  Votoceck  in  Alkohol  löslich,  das  Furfurolphlorogluzid  dagegen  unlöslich  oder
doch  sehr  schwer  löslich  ist.  B.  Tollens  und  W.  B.  Eilet *  *  *  8 )  bestimmen  daher  die
Gesamtmenge  Phlorogluzid  durch  Sammeln  in  einem  Goochschen  Tiegel,  trocknen  und
wägen.  Die  Tiegel  werden  dann  in  kleine  Beoherchen  gesetzt,  in  die  Tiegel  15—20  ccm
Alkohol  von  95  0  Tr.  gegossen,  die  Bechergläser  auf  einem  Wasserbade  ungefähr  10  Minuten
auf  etwa  60°  erwärmt,  die  Tiegel  alsdann  auf  eine  Saugvorrichtung  gebracht  und  wird
der  Inhalt  mittels  dieser  ahgesaugt.  Bei  Anwesenheit  von  Methylfurfurolphlorogluzid  ist  die
alkoholische  Lösung  bräunlich  gefärbt.  Der  Tiegel  wird  nach  dem  Absaugen  des  Inhalts  wieder
ü  Zeitschrift  für  angewandte  Chemie,  1899,  448.
2 )  Auf  diese  Druckfehler  hat  mich  Herr  Dr.  Zielstorff  in  Insterburg  freundlichat
aufmerksam  gemacht.
8 )  Journal  für  Landwirtschaft  1905,  53,  13.
        <pb n="1075" />
        Nachträge.

1057

in  das  Beohergläachen  zurückgehraoht  und  die  Behandlung  mit  Alkohol  2—3-mal,  d,  h.  so
lange  wiederholt,  bis  derselbe  farblos  abfließt;  darauf  wird  der  Tiegel  2  Stunden  im  Wassertrookenschrank
  getrocknet,  gewogen,  zur  Veraschung  geglüht  und  wieder  gewogen.  Die  Differenz ­
  zwischen  den  Gewichten  vor  und  nach  der  Veraschung  gibt  die  Menge  Furfurolphlorogluzid,
die  Differenz  zwischen  den  Gewichten  des  Tiegels  vor  und  nach  der  Behandlung  mit
Alkohol  die  Menge  des  Methylfurfurolphlorogluzids.  Aus  der  Menge  Furfurolphlorogluzid
berechnet  man  nach  S.  244  oder  auch  nach  Tabelle  Xa  S.  1002  die  Menge  Pentosen  bezw.
Pentosane,  aus  der  Menge  Methylfurfurolphlorogluzid  (Ph)  die  Menge  Methylpentose  (vorläufig ­
  nur  für  Ehamnose  angegeben)  nach  folgender  Gleichung;
Rhamnose  =  Ph  .  1,65  —  Ph *  2  .  1,84  -f-  0,010.
War  z.  B.  die  Differenz  zwischen  den  Gewichten  der  Phlorogluzidmenge  vor  und  nach
Behandeln  mit  Alkohol  0,0766  g,  so  ist
Rhamnose  =  0,0766  .  1,64  —  0,0766 2 .1,84  +  0,010  =  0,12639  —  0,0108  +  0,010  =  0,1255  g.
Rhamnosan  —  Rhamnose  .  0,8.
Die  Tabelle  Xb  S.  1007  macht  diese  Umrechnung  bei  Mengen  von  0,010—0,140  g
Phlorogluzid  unnötig.
Zusatz  zu  Seite  251.  Bestimmung  der  Zellulose.  Weitere  Untersuchungen
haben  ergeben,  daß  durch  die  Behandlung  der  Eohfaser  mit  Wasserstoffsuperoxyd  und
Ammoniak  noch  nicht  alle  die  Zellulose  begleitenden  Stoffe  beseitigt  werden.  Nach  Behandeln ­
  des  Oxydationsrückstandes  mit  Kupferoxydammoniak  verbleibt  ein  —  durchweg
geringer  —  Rückstand,  der  einen  noch  höheren  Kohlenstoffgehalt  als  das  Ligniu  besitzt
und  der  Oxydation  heftig  widersteht.  Dieser  Körper  möge  Kutin  genannt  werden.  Um
auch  ihn  zu  bestimmen,  wird  nach  der  Ausarbeitung  von  P.  Murdfield  im  hiesigen
Laboratorium  der  nach  Oxydation  mit  Wasserstoffsuperoxyd  und  Ammoniak  verbleibende
Rückstand  (S.  261)  samt  Asbestfilter  filtriert,  2  Stunden  mit  75  ccm  Kupferoxydammoniak 4 )
unter  öfterem  Umrühren,  zuletzt  kurze  Zeit  bei  ganz  geringer  Wärme  auf  dem  Wasserbade
behandelt  und  die  Flüssigkeit  durch  einen  Goochschen  Tiegel  mit  schwacher  Asbestlage 2 )
filtriert.  Die  letzten  Reste  der  ammoniakalischen  Lösung  werden  unter  Zufügung  von
etwas  frischem  Kupferoxydammoniak  behufs  Auswaschens  abgesaugt,  das  Filtrat  beiseite
gestellt,  der  Rückstand  im  Tiegel  dagegen  unter  Anwendung  einer  neuen  Saugflasche
genügend  mit  Wasser  nachgewaschen,  darauf  bei  100—105 0  getrocknet,  gewogen,  dann
geglüht  und  wieder  gewogen.  Der  Glühverlust  ergibt  die  Menge  des  nicht  oxydierbaren,
in  Kupferoxydammoniak  unlöslichen  Teiles  der  Rohfaser.  Das  Filtrat  von  diesem  Rückstände,
d.  h.  die  Lösung  der  Zellulose  in  Kupferoxydammoniak  wird  mit  300  ccm  80  °/ 0 -igem
Alkohol'versetzt  und  stark  gerührt;  hierdurch  scheidet  sich  die  Zellulose  in  großen  Flocken
quantitativ  wieder  aus.  Sie  wird  in  üblicher  Weise  im  Goochschen  (Porzellan- 3 )  Tiegel
gesammelt,  zuerst  mit  warmer  verdünnter  Salzsäure, 4 )  dann  genügend  mit  Wasser,  zuletzt
4 )  Für  die  Gewinnung  dieses  Reagenzes  ist  die  vorherige  Darstellung  von  Kupferoxydhydrat ­
  sehr  lästig.  Man  kann  dafür  aber  sehr  gut  das  käufliche  reine  Kupferoxydhydrat ­
  (E.  Merck)  verwenden.  Man  löst  dasselbe  in  20—24°/ 0 -igem  Ammoniak  bis  zur
Sättigung,  was  durch  Einträgen  eines  Überschusses  in  das  Ammoniak  und  durch  öfteres
Umschütteln  erreicht  wird,  läßt  ahsitzen  und  verwendet  die  überstehende  Lösung  direkt
zur  Lösung  der  Zellulose.
2 )  Wenn  von  der  ersten  Rohfaser-Filtration  ziemlich  viel  Asbest  in  der  Flüssigkeit
vorhanden  ist,  kann  man  auch  ohne  eine  zweite  Asbestlage  ein  genügend  dichtes  Filter
dadurch  erhalten,  daß  man  die  Flüssigkeit  umrührt  und  das  erste  Filtrat  so  oft  zurückgibt,
bis  es  völlig  klar  geworden  ist.  ,
3 )  Die  S.  250  empfohlenen  Reinnickel-Tiegel  lassen  sich  unbeschadet  der  Genauigkeit
der  Analyse  nur  dann  an  wenden,  wenn  man  stets  gut  brennende  Teklu-Brenner  zur  Verfügung ­
  hat.  Wo  das  nicht  der  Fall  ist,  kann  man  auch  Goochsche  Porzellantiegel  anwenden, ­
  die  in  letzter  Zeit  in  guter  Haltbarkeit  angefertigt  werden.
4 )  Die  letzten  Reste  Kupferoxyd  lassen  sich  nur  schwer  aus  der  Zellulose  entfernen.
Das  hat  aber  auf  die  quantitative  Bestimmung  keinen  Einfluß,  weil  sie  mit  der  verbleibenden
Asche  in  Abzug  gebracht  werden.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

67
        <pb n="1076" />
        1058

Nachträge.

mit  Alkohol  und  Äther  ausgewaschen,  bei  100—105°  getrocknet,  gewogen  und  verascht.
Der  Unterschied  zwischen  dem  Gewicht  des  Tiegelinhaltes  vor  und  nach  dem  Glühen  gibt
die  Menge  Beinzellulose.  Der  Unterschied  von  Gesamt-Kohfaser  minus  (Zellulose-f-Kutin)
ergibt  die  Menge  des  oxydierbaren  Anteiles  der  Bohfaser,  das  sog.  Lignin.
Anmerkung  1.  Wir  gewinnen  auf  diese  Weise  in  der  Futter-und  Nahrungsmittelanalyse ­
  einen  Ausdruck  für  zwei  neue  Bestandteile  und  gleichzeitig  einen  solchen  für  den
Gehalt  an  Eeinzellulose.  Die  Zerlegung  der  Bohfaser  in  diese  drei  Bestandteile  ist  aber
für  die  Beurteilung  der  Putter-  und  Nahrungsmittel  um  so  wichtiger,  als  sich  herausgestellt ­
  hat,  daß  die  Bohfaser  bezw.  organische  Substanz  überhaupt  um  so  weniger  ausgenutzt ­
  wird,  je  höher  der  Gehalt  an  Lignin  +  Kutin  ist  und  umgekehrt.
Anmerkung  2.  Der  in  Kupferoxydammoniak  lösliche  Teil  des  Oxydationsrückstandes ­
  färbt  sich  zwar  in  allen  Fällen  mit  Zinkchloridjodlösung  violett,  ohne  daß  sich
darin  mikroskopisch  noch  andere  Bestandteile  erkennen  lassen.  Er  hat  aber  nicht  in  allen
Fällen  (z.  B.  nicht  bei  Weizen  und  Boggen  bezw.  deren  Kleien)  die  Elementarzusammensetzung ­
  der  wahren  Zellulose,  sondern  einen  höheren  Kohlenstoffgchalt  als  letztere  verlangt.
Das  hat,  wie  F.  Murdfield  im  hiesigen  Laboratorium  nachgewiesen  hat,  seinen  Grund
darin,  daß  die  auch  in  Kupferoxydammoniak  lösliche  Zellulose  noch  Methyl-  bezw.  Methoxyloder
  Acetyl-Gruppen  enthält,  die  in  dem  Lignin  in  größerer  Menge  vorhanden  sind.  Das
wird  aber  nicht  hindern,  den  in  Kupferoxydammoniak  löslichen  Anteil  einstweilen  als  Eeinzellulose ­
  zu  bezeichnen  und  muß  noch  durch  weitere  Untersuchungen  festgestellt  werden,
ob  außer  Boggen  und  Weizen  noch  andere  Putter-  und  Nahrungsmittel  Beinzellulosen  mit
Methyl-  bezw.  Methoxyl-  oder  Acetyl-Gruppen  liefern.
Zusatz  zu  S.  268,  „Pettbestimmung  in  Ölsamen“.  Herr  Prof.  Dr.  G.  Loges-Pommritz
  macht  darauf  aufmerksam,  daß  das  S.  268  angegebene  Verfahren  zur  Fettbestimmung ­
  nicht  in  allen  Fällen  ausreicht;  er  schlägt  folgendes  Verfahren  vor:
2—4  g  (je  nach  der  Pettmenge)  der  gröblich  vorzerkleinerten  oder  (bei  ganz  kleinen
Samen)  unzerkleinerten  Substanz  werden  mit  der  5—10-fachen  Menge  scharfen  Sandes  in
der  Beibschale  zerrieben,  in  eine  Papier-  oder  Aluminiumhülse  gegeben  und  hierin,  nachdem
der  zur  Eeinigung  der  Beibschale  verwendete  Äther  in  dieselbe  gebracht  ist,  10  Stunden
im  Soxhlet-Apparat  ausgezogen.  Darauf  wird  der  getrocknete  Hülseninhalt  noch  einmal
ganz  scharf  zerrieben  und  noch  weitere  10  Stunden  ausgezogen.  Man  muß  sich  aber  auch
dann  noch  stets  unter  Vorlage  eines  neuen  Kölbchens  davon  überzeugen,  ob  alles  Fett  ausgezogen ­
  ist.  Die  Ausziehung  kann  erst  als  beendet  angesehen  werden,  wenn  die  Gewichtszunahme ­
  des  zuletzt  vorgelegten  Kölbchens  nicht  mehr  als  3—4  mg  beträgt.
Seite  700  Zeile  11  von  unten  muß  es  2,7287  statt  2,778  heißen.
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        Sachregister,

A.
Abdampfrüokstand,  Bestimmung  im  Trinkwasser ­
  806.
Abfalllauge  (siehe  auch  Zuckerfabrikation)
605,  617.
Absinthin,  Nachweis  im  Bier  739.
—  desgl.  in  Spirituosen  693.
Absorptionsfähigkeit  des  Bodens  für  Sauerstoff ­
  der  Atmosphäre  61.
—  des  Bodens  für  Wasserdampf  58.
Absorptionsgröße  des  Bodens  für  Pflanzennährstoffe,
  Bestimmung  derselben  46.
Absorptions-Koeffizient  des  Bodens  für  Stickstoff ­
  nach  Knop  49.
Absüßwasser  605  (siehe  auch  Zuckerfabrikation).

Abwasser,  Untersuchung  853  (siehe  unter
Wasser).
Acarus  foenarius,  Beschreibung  und  York.  422.
—  siro,  „  „  „  422.
Ackersenf,  mikroskop.  Nachweis  385.
Ackerspörgel,  „  „  394.
Adhäsion  des  Bodens,  Bestimmung  63.
Apfelsäure,  Bestimmung  in  Pruchtsäften  744.
—  —  im  Wein  765.
Äther  als  Denaturierungsmittel  684.
Ätherarten,  Bestimmung  in  Spirituosen  690.
.atherextrakt  (Pett),  Bestimmung  220.
Ätherisches  Öl,  Bestimmung  in  Spirituosen
691.
Agrostemma  Githago,  mikrosk.  Nachweis  389.
Albuminoid-Stickstoff  bezw.  -Ammoniak,  Bestimmung ­
  im  Schmutzwasser  869.
Albumosen,  Bestimmung  212.
Aldehyd  im  Spiritus,  Prüfung  darauf  686.
Aleurites  triloba,  mikrosk.  Untersuchung  359.
Algen,  Vorkommen  in  Schmutzwasser  881.
Alkalien,  Bestimmung  29.
Alkaloide,  Bestimmung  im  Bier  739.
—  —  in  Lupinen  281.
Alkohol,  Bestimmung  im  Bier  732.
—  —  in  Pruchtsäften  748.
—  —  in  Maische  668.
im  Most  755.
—  —  in  Schlempe  260.
in  spirituöseu  Getränken  672.
im  Wein  759.

Alkoholfreie  Getränke  791.
Alkoholverfahr.  (Zuckerrübenextraktion)  697.
—  nach  Scheibler  600.
—  nach  Stammer  698.
—  nach  Tollens-B,app-Degener  600.
Alkoholometer,  Anwendung  672.
Alkohol-Tabelle  nach  Hehner  1031.
—  nach  Windisch  1037.
Aloe,  Nachweis  im  Bier  739.
in  Spirituosen  693.
Ameisensäure,  Nachweis  in  Spirituosen  688.
Amide,  Bestimmung  214.
Amidosäuren,  Bestimmung  214.
Ammoniak,  Bestimmung  im  Boden  38.
in  Düngemitteln  142.
—  —  im  Wasser  808.
—  —  im  Schmutzwasser  869.
—  Vorkommen  in  Rauchgasen  und  Schädlichkeit ­
  für  Pflanzen  916.
—  schwefelsaures,  siehe  Ammoniaksalz
185.

Ammoniak-Flüssigkeit  zum  Auswaschen  966.
Ammoniaksalz  (schwefelsaures  Ammon)  185.
—  Bestimmung  von  Peuchtigkeit  185.
—  —  von  Stickstoff  186.
—  Prüfung  auf  Rhodan  185.
Ammoniakstickstoff,  Bestimmung  142.
Ammoniak-Superphosphat,  Untersuchung  188.
Ammoniumacetat-Lösung,  Darstellung  963.
Ammoniumchlorid-Lösung,  „  970.
Ammoniumkarbonat-Lösung,  „  970.
Ammoniumnitrat-Lösung,  „  963.
AmmoniumoxalaLLösung,  „  971.
Ammoniumzitrat-Lösung,  „  963  u.  964.
Amoeba  verucosa,  York,  im  Wasser  841.
Anis,  mikroskop.  Nachweis  365.
Apatite,  Bestimmung  der  Feuchtigkeit  178.
der  Kohlensäure  178.
—  —  der  Phosphorsäure  177.
Arabinose,  Bestimmung  230.
Arachis  hypogaea,  mikroskopischer  Nachweis
339.
Aräometrische  Pettbestimmung  (nach
Soxhlet)  455.
—  Tabellen  dazu  S.  1010,  1011.
Arrak,  Gewinnung  695.
Arsen,  Bestimmung  in  Präzipitaten  178.
67*
        <pb n="1078" />
        1060

Sachregister.

Arsen,  Vorkommen  in  Rauchgasen  und  Schädlichkeit ­
  für  Pflanzen  914.
Aschen-Analyse  194.
—  Berechnung  und  Zusammenstellung  der
Ergebnisse  206.
—  Bestimmung  der  Alkalien  204.
Blei  203.
—  —  Chlor  205.
Eisenoxyd  201.
Kalk  201.
Kieselsäure  200.
—  —  Kohle  201.
—  —  Kohlensäure  200.
Kupfer  203.
Magnesia  201.
Mangan  202.
Phosphorsäure  203.
Reinasche  200.
—  —  Sand  200.
Schwefel  (Gesamt-)  198.
—  —  Schwefelsäure  204.
—  fertig  gebildete  205.
Tonerde  202.
—  —  Zink  203.
der  Braunkohlenasche  206.
Brennstoffe  206.
Holzasche  206.
—  —  —  Pflanzlichen  Stoffe  194.
—  Steinkohlenasohe  206.
—  Tierischen  Stoffe  206.
—  —  —  Torfasche  206.
—  Veraschen  194.
—  —  mit  Barythydrat  198.
—  —  —  Sauerstoffgas  195,  1056.
Wasserstoffsuperoxyd  911  Anm.  1
und  1056.
—  —  —  sonstigen  Zusätzen  197.
—  —  ohne  Zusätze  194.
—  Vorbereitung  194.
Ascochyta  Pisi,  mikroskop.  Nachweis  411.
Asparagin,  Bestimmung  214.
Asphalt,  Bestimmung  in  Schmieröl  948.
Asphaltdämpfe,  Schädlichkeit  für  Pflanzen  918.
Atomgewichte  der  Elemente  1051.
Auswurfstoffe,  Nachweis  im  Wasser  830.
Ayena  fatua,  mikroskop.  Nachweis  379.
Avena  sativa,  „  Untersuchung  309.
Azotometer  von  Knop-Wagner  142.
B.
Backfähigkeit  der  Mehle,  Bestimmung  272.
ßakerguano,  Untersuchung  172.
Bakterien,  Bestimmung  834.
—  Vorkommen  im  Bier  740.
—  —  in  Puttermitteln  418.
—  —  im  Wasser  738.
—  —  im  Wein  788.
Bakterienfäule  bei  Kartoffeln  409.
Bakteriologische  Untersuchung  der  Futtermittel ­
  398.
der  Milch  476.
des  Wassers  832.

Ballings  Extrakt-Tabelle  1014.
Baryumchlorid-Lösung,  Darstellung  970.
Barytlauge,  Darstellung  der  titrierten  960.
Baudouinsche  Reaktion  586.
Baumwollsamen,  mikrosk.  Untersuchung  344.
Baumwollsamenöl,  Eigenschaften  586.
—  Nachweis  in  Schweineschmalz  687.
Baumwollsamenstearin  542.
Bebrütungsprobe  bei  Sohmutzwasser  865.
Bechische  Reaktion  568.
Beerenfrüchte  742.
Beerenweine  790.
Beggiatoa-Arten  in  Schmutzwasser  876,  876.
Benetzungswärme  von  Boden  64.
Benzoesäure,  Nachweis  in  Milch  479.
Berechnung  des  Entrahmungsgrades  bei
Milch  492.
•  Geldwertes  der  Futtermittel  und  des
Mindergeldwertes  b.  Mindergehalt  427.
Mindergeldwertes  der  Düngemittel  bei
Mindergehalt  189.
—  —  —  a)  im  allgemeinen  189.
—  b)  für  Knochenmehl  191.
—  c)  für  Thomasphosphatmehl  191.
—  —  Reinheitsquotienten  bei  der  Spiritusfabrikation ­
  665.
des  Zuckersaftes  613.
Trebervolumens  und  der  nicht  aufgeschlossenen ­
  Stärke  bei  der  Spiritusfabrikation ­
  665.
—  —  Wassergehaltes  bei  Grün-  und  Rauhfutter ­
  255.
—  —  Wasserzusatzes  bei  Milch  490.
—  der  einzelnen  Bestandteile  des  Grün-  und
Rauhfutters  auf  ursprüngliche  lufttrockne
und  wasserfreie  Substanz  256.
Ergebnisse  einer  Stallmist-Analyse  129.
—  —  Verfälschung  von  Kleie  aus  dem
Rohfasergehalt  283.
—  von  verschiedenen  Feldspaten  bei  der
Boden-Analyse  aus  den  gefundenen
Kalium-,  Natrium-,  Calcium-  und  Magnesiummengen ­
  34.
—  und  Zusammenstellung  einer  ausführlichen ­
  Boden-Analyse  70.
Bernsteinsäure,  Bestimmung  im  Wein  766.
Beschädigungen  durch  Rauch  und  Staub  894.
Bettendorfs  Reagens  586.
Beurteilung  des  Bieres  740.
—  des  Bienenwachses  934.
—  der  Branntweine  694.
—  des  Brennereibetriebes  671.
—  der  Butter  665.
—  des  Essigs  706.
—  der  Fruchtsäfte  752.
—  der  Gerste  707.
—  des  Honigs  595.
—  des  Hopfens  717.
—  der  Kalksteine  und  Mergel  104.
—  der  Milch  490,
I  —  der  Mineralböden  71.
|  —  der  Moorböden  91.
        <pb n="1079" />
        Sachregister.

1061

Beurteilung  des  Schweinefettes  577.
—  des  Tones  108.
—  des  Wassers  847.
—  des  Weines  782.
Bienenhonig  (siehe  Honig)  589.
Bienenwachs  931.
—  Abgang  932.
—  Büchner  sehe  Säurezahl  936.
—  Ceresin  936.
—  Esterzahl  934.
—  Glyzeride  937.
—  Harz  938.
—  Jodzahl  934.
—  Mineralische  Substanzen  932.
—  Paraffin  936.
—  Pllanzenwachs  938.
—  Refraktion  933.
—  Säurezahl  936.
—  Schmelzpunkt  933.
—  Spezifisches  Gewicht  933.
—  Stärke  933.
—  Stearinsäure  938,
—  Verfälschungen  932.
—  Yerseifungszahl  934.
—  Wasser  932.
Bier  706.
—  Arten  und  Begriff  728.
—  Beurteilung,  Anhaltspunkte  dafür  740.
—  chemische  Untersuchung  auf  Alkaloide
739.
—  Alkohol  732.
—  Asche  736.
Bitterstoffe  739.
—  Dextrin  733.
—  —  —  Extrakt  732.
—  —  —  Parbentiefe  736.
—  Farbstoffe  738.
—  —  —  Prischhaltungsmittel  736.
Glyzerin  736.
Kohlensäure  734.
Maltose  733.
Mineralstoffe  736.
—  —  —  Neutralisationsmittel  738.
—  —  —  Saccharin  738.
—  Säure  734.
—  Salizylsäure  737.
—  —  —  Saures  schwefligsaures  Calcium  736.
—  Spezifisches  Gewicht  732.
—  —  —  Stammwürze  733.
—  Stickstoff  734.
—  Trübungen  730.
—  —  —  Vergärungsgrad  733.
—  —  —  Viskosität  736.
—  Vollmundigkeit  736.
—  Zucker  733.
—  —  —  Zuckercouleur  738.
—  —  mikroskopische  Untersuchung  740.
—  Ersatzstoffe  729.
—  Prischhaltungsmittel  729.
—  Krankheiten  730.
—  Probenahme  731.
—  Rohstoffe  706.

Bier,  Rohstoffe,  Gerste  707.
Farbe  707.
Geruch  707.
Hektolitergewioht  707.
—  Keimfähigkeit  709.
—  —  —  Korngröße  707.
Sohimmelbildung  709.
Sohnittprobe  709.
Spelzenbeschaffenheit  709.
—  Zusammensetzung  709.
Hefe  719.
Biologische  Analyse  722.
Gärkraft  726.
Verfahren  von  Hayduok  727.
Verfahren  von  Meißl  726.
—  —  —  Probenahme  721.
—  —  —  Reingezüchtete  Hefenarten  720.
—  —  —  Reinzucht  720.
Untersuchung  nach  Hansen  720.
Hopfen  714.
—  —  —  Alkoholextrakt  716.
—  Asche  715.
—  —  —  Gerbstoff  715.
—  Harzgehalt  716.
Hopfenmehl  (Lupulin)  717.
—  Schwefelung  717.
Wasser  715.
Wasserauszug  717.
Wertschätzung  717.
Malz  710.
Diastatische  Kraft  (Permentativvermögen)
  714.
—  —  —  Extraktbestimmung  711.
Farbentiefe  der  Würze  713.
Hektolitergewicht  710.
—  Hygroskopisches  Wasser  711.
Maltose  713.
—  —  —  Probenahme  710.
—  —  —  Säure  714.
—  —  —  Schnittprobe  711.
Tausend-Körner-Gewicht  710.
Zucker  713.
Wasser  706.
Würze  718.
—  Asche  719.
Dextrin  718.
—  Extrakt  718.
Parbentiefe  719.
—  Maltose  718.
—  -1  Säure  718.
—  Stickstoffsubstanz  718.
—  Verfälschungen  729.
Bieressig  699.
Bierkrankheiten  730.
Biertreber,  ehern.  Untersuchung  258.
—  mikrosk.  Untersuchung  369.
Bitterstoffe,  Nachweis  im  Biere  739.
—■  —  in  Likören  693.
Blattfleckenkrankheit  bei  Bohne  und  Erbse,
mikrosk.  Nachweis  411.
Blattfleckenpilze  bei  Klee,  mikroskop.  Nachweis ­
  411.
        <pb n="1080" />
        1062

Sachregister.

Blattpilze  an  Getreide,  mikrosk.  Nachweis  404.
—  an  Hüben,  mikrosk.  Nachweis  405.
Blausäure,  Nachweis  in  Kirschwasser  689.
Blei,  Bestimmung  (im  Boden)  42.
Bleiacetat-Lösung,  Darstellung  971.
Bleiessig,  Darstellung  der  Lösung  970.
Blochmanns  Darstellung  der  Reagenzien
972.
Blutmehl  165.
—  Asche  166.
—  Feuchtigkeit  166,
—  Phosphorsäure  165.
—  Sand  166.
—  Stickstoff  165.
Boden,  Mineralhoden  1.
Absolutes  Gewicht,  Bestimmung  44.
Absorptionsbestimmung  für  Nährst.  46.
—  Apparat  von  Müller  48.
von  Zalomanoff  47.
Absorptionsfähigkeit  für  Sauerstoff  61.
-für  Wasserdampf  58.
—  —  Absorptions-Koeffizient  nach  Knop  49.
Adhäsion  63.
Aufschließen  mit  Borsäure  34.
mit  Plußsäure  32.
mit  Salzsäure  23.
mit  Schwefelsäure  30.
—  —  Behandlung  mit  kohlensäurehaltigem
Wasser  22.
—  —  Benetzungswärme  64.
Bestimmung  von  Alkalien  29.
—  Blei  42.
Chlor  (Kochsalz)  39.
—  —  —  Eisenoxyd  24.
—  —  —  Eisenoxydul  41.
—  Gips  16.
—  Glühverlust  13.
—  —  —  Humus  13,  35.
Kali  30.
—  Kalk  27.
Kieselsäure,  in  Säure  lösliche  24.
—  —  —  —  aufgeschlossene  31.
—  Kohlensäure  15,  36,  1056.
—  —  —  Kohlensäuren  Erden  15,  1066.
—  —  —  Kupfer  42.
—  Magnesia  28.
—  —  —  Mangan  26.
Organischen  Stoffen  14.
—  Phosphorsäure  24.
Quarz,  reiner  35.
—  —  —  Sand  (Quarz  -)-  Silikate)  20.
Schwefel  39.
Schwefelsäure  29.
—-  Silikatbasen,  aufgeschlossene  16.
Stickstoff,  Gesamt-  37.
als  Ammoniak  38.
—  ;  als  Salpetersäure  39.
Ton  18.
Tonerde  24.
—  —  —  Zink  42.
—  —  Beurteilung  nach  den  Ergebnissen  der
Analyse  71.

Boden,  Mineralboden,  Einteilung  der  Bodenarten ­
  1.
Feinerde  12.
—  —  Filtrationsfähigkeit  57.
—  —  Hygroskopizität  67.
—  Kohäsion  63.
Konstituenten  12.
—  —  Luftdurchlässigkeit  61.
—  —  Mechanische  Untersuchung  5.
—  —  Petrographische  Bestimmung  der
gröberen  Teile  21.
—  —  Physikalische  Eigenschaften  43.
Porosität  45.
Probenahme  4.
Profile  3.
Schädliche  Bestandteile  81.
Scheinbares  Gewicht  45.
Sohlämmanalyse  5.
Spez.  Gewicht  43.
Yerdunstungsfähigkeit  55.
Yolumgewicht  44.
Vorarbeiten  4.
—  —  Wärmeabsorption  62.
Wärmeleitung  62.
—  —  Wasser,  chemisch  gebundenes  13.
—  —  —  hygroskopisches  12.
Wasseraufsaugungsvermögen  (Kapillarität) ­
  54.
—  —  Wasserkapazität  49.
—  —  Zusammenstellung  der  Ergebnisse  der
Untersuchung  70.
—  Moorboden  82.
Bedeckungsmaterialien,  Untersuchung
auf  pflanzenschädliche  Stoffe  94.
—  —  Berechnung  der  Analyse  91.
Bestimmung  der  Absorption  von
Pflanzennährstoffen  90.
Beurteilung  der  Güte  91.
—  —  Chemische  Untersuchung  88.
—  —  Humussäuren  90.
—  —  Pflanzenschädliche  Stoffe  90.
Physikalische  Untersuchung  85.
Probenahme  83.
—  —  Schwefel  89.
Stickstoff  89.
Trockensubstanzbestimmung  88.
Veraschung  88.
Vorbereitung  zur  Analyse  85.
Bodenproflle,  Darstellung  3.
Bohne,  Fleckenkrankheit  411.
—  mikrosk.  Untersuchung  326.
Bohnenkäfer,  Beschreibung  423.
Borax  u.  Borsäure,  Nachweis  in  Milch  480.
—  in  Butter  650.
—  in  Wein  781.
Borstengras,  mikrosk.  Nachweis  381.
Brandpilze,  Beschreibung  398.
Branntwein  671  (siehe  auch  Spiritus).
Branntweinessig  699.
Braunkohlenasche  206.
I  Brassica  Besseriana,  mikroskop.  Nachweis  383.
|  —  oampestris,  „  „  383.
        <pb n="1081" />
        Sachregister.

1063

Brassica  napus,  mikroskop.  Nachweis  338.
—  nigra,  „  „  386.
—  oleracea,  „  „  339.
—  rapa,  „  „  339.
Brechungsexponent,  Bestimmung  520.
Brix’  Extrakttabelle  1018.
Bromus  secalinus,  mikrosk.  Nachweis  379.
Bruchus  Pisi  u.  Br.  rufimanus,  Beschreibung
423.
Brucin,  Nachweis  im  Bier  739.
Brückes  Reagens,  Darstellung  972.
Brunnen,  hygien.  Anforderung  853.
Brunnenwasser  797  (siehe  Wasser).
Bucheckernöl  588.
Buchnuß,  mikroskopische  Untersuchung  363.
Buchweizen,  „  „  322.
Butter  und  Butterschmalz  646.
—  Beurteilung  566.
—  Untersuchung  auf  Baumwollsamenöl  657.
—  —  Farbstoffe  562.
—  —  Fettgehalt  549.
—  —  Fette,  fremde  556.
Fettsäuren,  flüchtige  556.
Frischhaltungsmittel  550.
Getreidemehl,  Kartoffelmehl  usw.  550.
—  —  Kasein  549.
—  —  Kokosfett  557.
Nichtfett  648.
—  —  Optisches  Verhalten  561.
—  —  Pflanzenfette  556.
—  —  Phytosterinaoetat-Probe  556.
Ranzigkeit  554.
—  —  Refraktometer-Zahl  561.
—  —  Reichert-Meißlsohe  Zahl  666.
—  —  Sesamöl  556.
—  —  Verdorbenheit  554.
—  —  Verseifungszahl  556.
—  —  Wasser  548.
—  —  Wiederauffrischung  655.
—  Probenahme  647.
Butterfett,  Konstanten  544.
Buttermilch,  Untersuchung  497.
Butter-Refraktometer  520.
Butterschmalz  546  (siehe  Butter).
Buttersäuregärung  bei  Futtermitteln  418.
Buttersäure-Bakterien,  Beschreibung  418.

C.
Calciumchlorid,  Darstellung  der  Lösung  971.
Oamelina  sativa,  mikroskop.  Nachweis  362.
Candlenuß,  „  „  359.
Cannabis  sativa,  „  „  357.
Capsella  bursa  pastoris  „  „  387.
Carchesium  Lachmanni,  Vork.  im  Sohmutzwasser
  880.
Carnaubawaohs,  Nachweis  in  Wachs  938.
Carum  carvi,  mikroskop.  Nachweis  367.
Casein,  siehe  Kasein.
Cellulose  siehe  Zellulose.
Cement  siehe  Zement.
Centrifugalverfahren  siehe  Zentrifugalverfahren. ­


Cercospora  beticola,  mikrosk.  Nachweis  406.
Ceresin,  Konstanten  544.
—  Nachweis  in  Bienenwachs  936.
Chamäleon-Lösung,  Darstellung  1 / 100  Normal-968.

Chenopodium  album,  mikrosk.  Nachw.  394.
Chlorammonium-Lösung,  Darstellung  970.
Chlorbaryum-Lösung,  .Darstellung  970.
Chlorcalcium-Lösung,  Darstellung  971,
Chlor,  Bestimmung  im  Boden  39.
—  —  in  Düngemitteln  162.
—  —  in  Pflanzenasche  205.
—  —  in  Schmutzwasser  870.
—  —  in  Trinkwasser  818.
—  —  im  Wein  779.
Cholesterin,  Bestimmung  534.
Citrat  siehe  Zitrat.
Citronensäure  siehe  Zitronensäure.
Cladosporium  herbarum,  mikrosk  Nachw.  402.
Claviceps  purpurea,  mikrosk.  Nachweis  401.
Cochenille-Tinktur,  Darstellung  961.
Cocos  nucifera,  mikrosk.  Unters.  352.
Colchicin,  Nachweis  im  Bier  739.
—  —  in  Spirituosen  693.
Colletotrichum  Lindomuthianum.  mikrosk.
Nachweis  411.
Colocynthin,  Nachweis  im  Bier  739.
—  —  in  Spirituosen  693.
Coprolithe,  siehe  Koprolithe.
Cremometer,  Beschreibung  468.
Crenothrix-Arten  in  Trinkwasser  844.
Cruciferenöle,  Beschaffenheit  542.
Cruciferen,  Pilze  daran  412.
—  Unkrautsamen,  mikroskop.  Nachw.  382.
Cystopus  candidus,  mikrosk.  Nachweis  413.
1).
Dachschiefer,  Verwitterbarkeit  100.
Dammkultur  (Rimpaus),  Bedeckuugsmittel
94.
Delphintran,  Konstanten  544.
Denaturierungsmittel,  Nachw.  im  Spiritus  684.
—  Untersuchung  682.
Dextrin,  Bestimmung  226,  232.
in  Bier  733.
—  —  in  Maische  663.
in  Stärkezucker  656.
in  Wein  777.
Dextrose,  siehe  Glukose.
Diaphanometer  nach  König-Krüss  861.
Diastase,  Darstellung  966.
—  Prüfung  in  der  Maische  666.
Diastatische  Kraft  des  Malzes  714.
Dicksaft  605  (siehe  auch  Zuckerfabrikation).
Dinkel,  mikrosk.  Untersuchung  299.
Diphenylamin,  Darstellung  der  Lösung  971.
—  zur  Prüfung  der  Milch  auf  Salpetersäure
485.
—-  zur  Prüfung  des  Wassers  auf  Salpetersäure ­
  814.
—  des  Weines  auf  Salpetersäure  780.
        <pb n="1082" />
        1064

Sachregister.

Dorschlebertran,  Konstanten  544.
Düngemittel,  künstliche  136.
—  Allgemeine  Bestandteile,  Bestimmung  136.
Ammoniakstickstoff  142.
—  Destillation  mit  Natronlauge  oder
Magnesia  142.
—  nach  Knop-Wagner(Azotometer)
142.
—  —  —  nach  Schlösing  142.
■  Chlor  162.
Eisenoxyd  159.
—  —  Fluor  162.
Kali  157.
—  —  —■  als  Kaliumplatinohlorid  157.
als  Platin  daraus  168.
—  —  —  als  überohlors.  Kali  159.
—  —  Kalk  159.
—  —  Kieselsäure  162.
—  —  Kohlensäure  162.
—  —  Magnesia  159.
—  —  Mangan  159.
—  —  Phosphorsäure  148.
—  —  —  an  Eisenoxyd  und  Tonerde  gebundene ­
  160.
freie  148.
wasserlösliche  149.
—  —  —  wasserunlösliche  149.
—  —  —  zitronensäurelösliohe  154.
—  _  —  zitratlösliche  166.
•  —  nach  dem  Molybdänverfahren  160.
—  —  —  nach  dem  Zitratverfahren  152.
Salpeterstickstoff  nach  Kjeldahl-Jodlhaur
  141.
—  —  —  Kjeldahl-Förster  141,
—  mit  dem  Nitrometer  147,
—  Reduktion  zu  Ammoniak  145.
—  —  nach  Böttcher  146.
—  nach  König  145.
—  —  nach  Ul  sch  147,
—  —  —  Reduktion  zu  Stickoxyd
(Schlösing-Wagner)  144.
—  —  Stickstoff,  Gesamt-  136.
salpetersäurefreie  Stoffe  136.
—  salpetersäurehaltige  Stoffe  141.
Tonerde  159.
—  Berechnung  des  Mindergeldwertes  der
Düngemittel  hei  Mindergehalt  189.
—  Maßregeln  für  die  Düngerkontrolle  192.
—  Verschiedene  Sorten  165.
—  —  Abfalllauge  617.
■—  —  Ammoniaksalz  (schwefelsaures
Ammon)  186.
—  —  Apatit  177.
Bakerguano  172.
Blutmehl  165.
—  —  Chilisalpeter  182.
Düngergemische  188.
—  —  Fischguano  165.
—  —  Fleisohdüngemehl  165.
—  —  Guano  169.
Gips  186.
—  —  Haare  165.

Düngemittel,  Verschiedene  Sorten:
•—  —  Hornmehl  165,
—  —  Kalisalpeter  184.
—  —  Kalisalze  (Kochsalz,  Viehsalz)  186.
—  —  Knochenasche  172.
—  —■  Knochenkohle  172.
—  —  Knochenmehl  167.
—  —  Koprolithe  177.
—  —  Ledermehl  165.
—  —  Maidenguano  172.
—  —  Mejillones-Guano  172.
Natronsalpeter  182.
•  Peruguano,  aufgeschlossener  171.
—  —  —  roher  169.
—  —  Phosphatgips  185.
Phosphorit  177.
Präzipitierte  Phosphate  178.
Salpeter  182.
—•  —  Superphosphat  180,
—  —  Superphosphatgips  185.
—  —  Thomasphosphatmehl  172.
Wolle  165.
Wollstaub  166.
—  Vorbereitung  der  Proben  im  Laboratorium
163.
Düngergemische,  Untersuchung  188.
—  —  Feuchtigkeit  189.
Kali  188.
—  —  Phosphorsäure  188.
—  —  Stickstoff  188.
Düngerkontrolle  192.
Dünnsaft  605  (siehe  auch  Zuokerfabrikation).
Durchlüftbarkeit  des  Bodens,  Bestimmung
61.
Durohsichtigkeitsgrad,  Bestimmung  hei
Schmutzwasser  860.
—  —  hei  Wasser  805.
Dulcin,  Bestimmung  in  Wein  776.

E.
Bieröl  544.
Einkorn,  mikrosk.  Untersuchung  299.
Binstreumittel  für  Stallmist  132.
—  Bestimmung  von  Asche  133.
—  --  Sand  133.
—  •—  Stickstoff  133.
—  —  Wasser  132.
—  Beurteilung  134.
—  Wasseraufsaugungsvermögen  132.
Eisenbakterien,  im  Trinkwasser  844.
Bisenchlorid-Lösung,  Darstellung  971.
Eisenfleokigkeit  der  Kartoffeln  410.
Eisenoxyd,  Bestimmung  neben  Tonerde  24.
—  —  in  Phosphaten  159.
—  —  —  nach  Glaser  160.
—  nach  Jones  160.
Eisenoxydul,  Bestimmung  im  Boden  41,
—  —  in  Kalkstein,  Mergel  usw.  103.
in  Ton  108.
—  —  im  Wasser  822.
Eisenzitrat-Magnesiamixtur,  Darstellung  964.
        <pb n="1083" />
        Sachregister.

1065

Eiweiß,  Bestimmung  yon  Beineiweiß  (nach
Stutzer)  209.
—  Nachweis,  im  Harn  121.
—  —  in  Schmutzwasser  870.
—  als  Klärmittel  für  Wein  794.
Biweißstoffe,  Bestimmung  in  der  Milch  470.
Eiais  guineensis,  mikrosk.  Untersuchung  350.
Emmer,  mikrosk.  Untersuchung  299.
Ensilage-Putter,  Untersuchung  256  (siehe
auch  Sauerfutter).
Entflammungspunkt  945.
Erbse,  Pleckenkrankheit  411.
—  mikrosk.  Untersuchung  325.
Erbsenkäfer,  Beschreibung  423.
Erdnuß,  mikrosk.  Untersuchung  339.
Erdnußöl,  Konstanten  583.
Erstarrungspunkt  der  Fette,  Bestimmung  518.
Bruoa  sativa,  mikrosk.  Nachweis  384.
Bryum  Lens,  mikrosk.  Nachweis  327.
Erysimum  orientale,  mikrosk.  Nachweis  384.
Erysiphe  graminis,  mikrosk.  Nachweis  401.
Essig  699.
—  Beurteilung  705.
•—  Unterscheidung  der  Sorten  703.
—  Untersuchung  auf  Aldehyd  701.
—  —  Alkohol  701.
—  —  Essigsäuregehalt  700.
—  —  Extrakt  699.
—  —  Farbstoffe  703.
—  —  Fremde  freie  organische  Säuren  702.
Frischhaltungsmittel  703.
Metalle  703.
—  —  Mineralsäuren,  freie  701.
—  —  Mineralstoffe  699.
—  —  Säuregehalt  700.
—  —  Scharfe  Pflanzenstoffe  703.
—  —  Spezifisches  Gewicht  699.
Essigbakterien  419.
Essigsaures  Ammon,  Darst.  der  Lösungen  963.
Essigsprit  699.
Eumyceten,  mikrosk.  Nachweis  414.
Eurotium  herbariorum,  mikrosk.  Nachw.  416.
Extraktbestimmung  in  Bier  732.
—  in  Bierwürze  718.
—  in  Malz  711.
—  in  Spirituosen  691,
—  in  Wein  760.
Extrakttahelle  nach  Balling  1014.
—  nach  Brix  1018.
—  nach  Halenke-Möslinger  1045.
—  nach  Schulze-Ostermann  1025.
—  nach  Windisch  1039.
F.
Fäces,  siehe  Harn  und  Kot  118  bezw.  T?3.
Fagus  silvatica,  mikroskop.  Nachweis  363.
Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten
Substanz  1051.
Farheumaß  nach  Stammer  610.
Farbstoffe  in  Butter  562.
—  in  Milch  484.
—  in  Spirituosen  692.

Farbstoffe  in  Wein  771.
Fäulnis  hei  Futtermitteln  253.
Fäulnispilze,  Prüfung  darauf  253.
Pehlingsohe  Lösung,  Darstellung  966.
Feinmehl  in  Thomasmehl  175.
Feldbohne,  mikrosk.  Untersuchung  326.
Felderbse  „  „  325.
Feldpfennigkraut,  mikrosk.  Unters.  388.
Fenchel,  desgl.  366
Fermentativyermögen  des  Malzes,  Best.  714.
Ferrichlorid,  Darstellung  der  Lösung  971.
Ferricyankalium  „  „  „  971.
Ferrocyankalium  „  „  „  971.
Fescas  Wage  649.
Fett,  Bestimmung  220,  451  (über  die  einzelnen ­
  Fettbestimmungsverfahren  in  der
Milch,  siehe  diese).
Fette,  Untersuchung  616  (siehe  Öle).
Fettextraktionsapparat  221.
Fettsäuren,  freie,  Bestimmung  223,  526.
Fiohtenharz  951.
Filtrationsfähigkeit  des  Bodens  57.
Fischfuttermehl,  mikrosk.  Unters.  376.
Fischguano  und  Fleisohdüngemehl  165.
—  Asche  166.
—  Feuchtigkeit  166.
—  Phosphorsäure  165.
—  Sand  166.
—  Stickstoff  165.
Pleckenkrankheit  au  Bohnen  u.  Erbsen  411.
Fleischfuttermehl,  mikroskop.  Unters.  376.
Flugbrand,  Beschreibung  398.
Plughafer,  mikrosk.  Nachweis  379.
Plugstaub,  Beschädigung  dadurch  924  (siehe
Bauchbeschädigung).
Fluor,  Bestimmung  in  Düngemitteln  163.
in  Pruchtsirupen  747.
—  —  in  Milch  482.
—•  —  bei  Kauchbesohädigungen  916.
Poeniculum  officinale,  mikroskop.  Nachw.  366.
Pormaldehyd,  Best,  in  Milch  482.
Four  Hours  Test-Verf.  bei  Schmutzwasser864.
Prisohhaltungsmittel  für  Bier  738.
—  Butter  und  Fette  550.
—  Essig  703.
—  Frucht-  und  Obsterzeugnisse  745.
—  Milch  478.
—  Stallmist  132.
—  Wein  777,  781  u.  785.
Fruchtgelee  und  Sirup  747.
—  Alkalität  der  Asche  749.
—  Alkohol  748.
—  Asche  748.
—  Extrakt  748.
—  Farbstoffe  750.
—  Prischhaltungsmittel  745.
—  Optisches  Verhalten  748.
—  Schweflige  Säure  749.
—  Wasser  743.
—  Zucker  749.
Fruktose,  Bestimmung  227.
—  —  neben  anderen  Zuckerarten  234.
        <pb n="1084" />
        1066

Sachregister.

Füllmassen  605  (siehe  auch  Zuokerfabrikation).
Furfurol,  Prüfung  des  Spiritus  auf  687.
Furfurollösung  557.
Fusarium  aquaeductum,  im  verunr.  Wasser
841.
—  beticola,  mikrosk.  Nachweis  406.
—  solani,  „  409.
Fuselöl,  Bestimmung  nach  Beckmann  681.
—-  —  nach  Marquardt  680.
—  —  nach  Eöse-Stutzer-Reitmair  676.
Futterkalkphosphat  288.
Futtermittel  208.
—  Allgemeine  Bestandteile,  Bestimmung  208.
—  —  Albumosen  212.
Asche  251.
—  —  Dextrin  226.
Eiweiß  209.
Fett  220.
—  —  Fettsäuren,  freie  (Ranzigkeit)  223.
—-  —  Holzfaser  (Rohfaser)  245.
—  ■—  Kohlenhydrate,  verdauliche  242.  .
—  —  —•  wasserlösliche,  Trennung  226.
Kutin  1057.
—  —  Lignin  251,  1057.
—  —  Methylpentosane  1056.
—  -—  Pentosane  243.
—  —  Peptone  212.
—  —  Protein,  Rein-  nach  Barnstein  210.
—  nach  Schjerning  211.
—  —  nach  Stutzer  209.
—  Roh-  208,
—  —  Rohfaser  246.
—  —  —  nach  Henneberg  246.
—  nach  Holdefleiß  246.
nach  König  249.
—  —  Sacharose  232.
Sand  252.
Stärke  238.
—■  —  Stickstoffverbindungen:
—  Gesamt-  208.
—  —  —  lösliche  226.
—-  —  —  nichteiweißartige  213.
—  —  —  —  Amidosäuren  214,
—  —  —  —  Ammoniak  214.
Säureamidstickstoff  215.
—  —  —  —  Salpetersäure  218.
—'  —  —  Trennung  der  209.
—  —  —  unverdauliche  219.
—  —  —  verdauliche  219.
—  —  Trockensubstanz  208.
—  —  Wasser  208.
—  —  Wasserlösliche  Stoffe  224.
—  Asche  224.
—  Dextrin  226.
Extrakt  224.
—•  —  —  Kohlenhydrate  226.
Stickstoffverbindungen  226.
Trockensubstanz  224.
Zellulose  251,  1067.
Zucker  232.
—  —  —  Bestimmung  der  einzelnen  Arten
durch  Gewichtsanalyse  229.

Futtermittel,  Allgemeine  Bestandteile,  Zucker,
Bestimmung  der  einzelnen  Arten  durch
Maßanalyse  227.
—  —  Polarisation  233.
Trennung  der  einzelnen  Zuckerarten ­
  234,
—  die  einzelnen  Sorten  255.
Biertreber  370.
Fleischfuttermehl  376.
Futterkalk  283.
—  —  Grün-  und  Rauhfutter  264.
—  —  Hülsenfrtichte  324.
—  —  Kartoffeln  266.
Kartoffelmehl  372.
Kleie  282.
Knochenfuttermehl  283.
Körner  270.
Künstlich  getrocknete  369.
Mehl  270.
—  —  Melasse  261.
—  —  Ölkuchen  282.
—  —  Ölsamen  268.
—  —  Preßfutter  256.
—  —  Pulpe  258.
Rauhfutter  254.
—  -—  Rüben  266.
Rübenschnitzel  374.
—  —  Rückstände  der  Ölfabrikation  331.
—  —  Sagemehl  396.
—  —  Sauerfutter  256,
—  —  Schlempe  258,  371.
—  —  Schnitzel  256.
Torf  397.
Treber  und  Trester  268.
—  •—  Wurzelgewächse  266.
—  Qeldwertsberechnung  427.
—  Handelsgrundsätze  424.
—  Mikroskopie  284.
—  Untersuchung  auf  Schimmel  253.
—  Verunreinigungen  durch  Pilze  aller  Art  398.
—  —-  durch  Schimmel  414.
durch  tierische  Schmarotzer  421.
durch  Unkrautsamen  378.

(x.
Gänsefett,  Untersuchung  681.
Gänsefuß,  mikroskop.  Unters.  394.
Gärkraft  der  Hefe  726.
Gärprobe  bei  Schmutzwasser  872.
Gärungspilze  418.
Gebrannter  Kalk  112.
Gelatine  als  Klärmittel  für  Wein  794,
Geldwertherechnung  der  Düngemittel  189.
—  der  Futtermittel  427.
Gelee  (siehe  Fruchtgelee)  747.
Gerbsäure  bezw.  Gerbstoff,  Bestimmung  im
Hopfen  716.
_  i m  Wein  778.
Gerste  (Bierbereitung)  707.
—  Farbe  707.
—  Geruch  707.
        <pb n="1085" />
        Sachregister.

1067

Gerste,  Hektolitergewicht  707.
—  Keimfähigkeit  709.
—  Korngröße  707.
—  Mikroskopische  Untersuchung  304.
—  Schimmelbildung  709.
—  Schnittprobe  709.
—  Zusammensetzung  709.
Gesteine,  Aufschließen  mit  Borsäure  99.
—  Flußsäure  98.
—  Kohlensaurem  Baryum  od.  Baryumhydroxyd
  98.
—  Kohlensaurem  Kalium-Natrium  98.
—  Bestimmung  von  Bisenoxydul  100.
kohlensauren  Verbindungen  100.
—  —  Quarzgehalt  99.
Schwefelverbindungen  100.
Silikaten  98,
—  Untersuchung  97.
—  Verwitterbarkeit  100.
Getreidearten,  mikrosk.  Untersuchung  288.
Getreideblattpilze,  mikrosk.  Nachweis  404.
Getreideprober  444.
Getreiderost,  Beschreibung  400.
Gips,  als  Einstreumittel  für  Stallmist  185.
—  Bestimmung  im  Boden  16.
—  Untersuchung  auf  Feuchtigkeit  186.
Kalk  186.
—  —  Magnesia  186.
Sand  186.
—  —  Schwefelsäure  186.
—  —  Unlösliches  186,
Glukose,  Berechnung  aus  dem  gewogenen
Kupfer,  Tabelle  986.
—  Bestimmung  227.
neben  anderen  Zuckerarten  234.
—  —  im  Stärkesirup  und  -zucker  656.
Glyzerin,  Bestimmung  in  Bier  736.
Schlempe  260.
—  Wein  766.
Glyzerin-Schwefelsäure  für  Bestimmung  der
Bohfaser  249.
Golde  we  und  Schönjahnscher  Keimapparat ­
  441.
Gossypium  herbaceum,  mikrosk.  Unters.  344.
Gräser  als  Unkrautsamen,  mikrosk,  Unters.  378.
Grün-  und  Eauhfutter  264.
—  Bestandteile  265.
—  Probenahme  254.
—  Wasser  254.
—  Wassergehalt,  ursprünglicher  255.
—  Zerkleinerung  254.
Guano  (siehe  Peru-Guano)  169.
—  Baker-  172.
—  Maiden-  172.
Gummigutti  693.
Guizotia  oleifera,  mikroskop.  Nachweis  359.
H.
Haare  165.
—  Untersuchung  auf  Asche  166.
Feuchtigkeit  166.
—  —  Phosphorsäure  165.

Haare,  Untersuchung  auf  Sand  166.
—  t—  Stickstoff  165.
Hafer,  mikrosk.  Untersuchung  309.
Halphensohe  Reaktion  587.
Hammelfett  (-talg),  Untersuchung  579.
Handels-Grundsätze  für  den  Verkehr  mit
Düngemitteln  192.
—  Futtermitteln  424.
Hanföl  542.
Hanfsamen,  mikrosk.  Untersuchung  357.
Harn  118.
—  Untersuchung  auf  Ammoniak  120.
Asche  119.
—  —•  Chlor  bezw.  Kochsalz  122.
—  —  Eiweiß  121.
—  —  Harnsäure  120.
Harnstoff  120.
Hippursäure  120.
—  —  Kohlensäure  122.
Kohlenstoff  122.
Phosphorsäure  122.
Schwefel  123.
—  •—  Schwefelsäure  122.
Spezifisches  Gewicht  118.
—  —  Stickstoff  119.
—  —  Trockensubstanz  118.
—  —  Wasser  122.
—  —  Zucker  121.
Harnsäure,  Bestimmung  im  Harn  120.
Harnstoff,  Bestimmung  im  Harn  120.
Härte,  Bestimmung  in  Wasser  825.  '
Harz,  Bestimmung  im  Hopfen  716.
—  Nachweis  in  Mineralöl  950.
—  —  im  Wachs  938.
Harzöl,  Nachweis  in  Mineralöl  960.
Haselnußöl,  Konstanten  542,
Hausenblase  als  Klärmittel  für  Wein  794.
Hederich,  mikrosk.  Nachweis  384.
Hefe  719.
—  Analyse  ders.  719.
—  Biologische  Analyse  722.
—  Gärkraft  726.
—  Probenahme  721.
—  Reinzucht  722.
Arten,  mikrosk.  Abbildungen  721.
Hehnersche  Zahl  528.
Hektolitergewicht,  Bestimmung  443.
—  bei  Gerste  707.
—  bei  Malz  710.
Helianthus  annuus,  mikroskop.  Nachweis  355.
Helmiuthosporium  teres,  mikrosk.  Nachw.  402.
Herniekrankheit  des  Kohls,  mikrosk.  Nachweis ­
  412.
Heubazillen  419.
Heumilbe,  Beschreibung  422.
Hippursäure,  Bestimmung  im  Harn  120.
Hirse  (Rispen-  u.  Mohren-),  mikrosk.  Unters.
317.
Hirtentäschchen,  mikrosk.  Nachweis  387.
Holzasche,  Untersuchung  206.
Holzessig,  Erkennung  704.
I  Holzfaser  (Rohfaser),  Bestimmung  245,
        <pb n="1086" />
        1068

Sachregister.

Holzgeist,  Beschaffenheit  als  Denaturierungsmittel ­
  682.
—  Nachweis  im  Spiritus  684.
Holzöl,  Konstanten  542.
Honig  589.
—  Beurteilung  595.
—  Untersuchung  auf  Asche  592.
—  —  Dextrin  591.
Fruktose  591.
—  —  Glukose  591.
Invertzucker  591.
—  —.Polarisation  591.
—  —  Pollen  592.
—  —  Saccharose  591.
—  •—  Säure  592.
Spezifisches  Gewicht  590,
—  ■—  Stärkesirup  und  -zucker  693.
—  —  Stickstoff  592.
—  —  Wachs  692.
Wasser  590.
—  Verfälschungen  593.
Honigessig  699.
Hopfen  714.
—  Asche  715.
—  Botanische  Untersuchung  717.
—  Extrakt  716.
—  Gerbstoff  715.
—  Harzgehalt  716.
—  Lupulin  717.
•—•  Schwefelung  717.
—  Wasser  715.
—  Wertschätzung  717.
Hopfenbitter,  Prüfung  auf  739.
Hopfenmehl,  Bestimmung  717.
Hordeum  vulgare,  mikroskop.  Unters.  304.
Hornmehl  165.
—  Untersuchung  auf  Asche  166.
Feuchtigkeit  166.
—  —  Phosphorsäure  165.
Sand  166.
—  —  Stickstoff  165.
Hülsenfrüchte,  mikroskop.  Untersuchung  324.
—  Pilze  daran,  „  „  410.
Humus,  Bestimmung  im  Boden  13.
—  —  in  Kalksteinen  und  Mergeln  103.
Humussäure,  freie,  Bestimmung  im  Moorboden ­
  90.
Hygroskopicität,  Bestimmung  hei  Boden  67.
I.
Indigo-Lösung,  Darstellung  zur  Prüfung  auf
Salpetersäure  971.
Inkubator  Test-Verfahren  bei  Schmutzwasser
866.
Invertin,  Darstellung  966.
Invertzucker,  Bestimmung  227.
neben  Saccharose  606.
—  Berechnung  aus  dem  gewogenen  Kupfer
Tabelle  988.
—  —  aus  dem  gewogenen  Kupferoxyd  (heim
Rübenzucker)  Tabelle  989.

J.
Jams  siehe  Marmeladen.
Japantalg,  Konstanten  642.
Japanwachs,  Nachweis  im  Bienenwachs  938.
Jauche,  Untersuchung  131.
Jodhestimmung  in  Düngemitteln  163.
Jodrückstände,  Aufarbeitung  977.
Jodzahl,  Bestimmung  nach  Hühl  531.
Wijs  633.
Jodzinkstärke-Lösung  969.
Juglans  regia,  mikroskop.  Nachweis  364.
K.
Kadavermehl,  mikroskop.  Untersuchung  376.
Kaffeesamenschale,  mikroskop.  Nachweis  397.
Kakaofett,  Kakaoöl,  Konstanten  542.
Kali,  Bestimmung  im  Boden  30.
—  —  in  Düngemitteln  157.
—  —  in  Wasser  824.
Kali-Ammoniak-Superphosphat,  Unters.  188.
Kalilauge,  Darstellung  der  Lösung  970.
Kalisalze  (Kochsalz  und  Viehsalz)  186.
—  Untersuchung  auf  Alkalien  (Kali  und
Natron)  187.
Chlor  187.
Feuchtigkeit  186.
Kalk  188.
—  —  Magnesia  188.
Säureunlöslichen  Rückstand  187.
Schwefelsäure  187.
Kali-Superphosphat,  Untersuchung  188.
Kaliumpermanganat,  Darstellung  von  x / 100
Normal-  968.
Kalk,  Bestimmung  27.
—  —  in  Phosphaten  160.
in  Wasser  824.
—  gebrannter,  Untersuchung  112.
Kalkmörtel,  Untersuchung  113.
Kalksaccharat,  Untersuchung  613.
Kalkstein,  Untersuchung  (siehe  auch  Mergel)
101.
Kalkwasser,  Kalkmilch,  Darstellung  970.
Kaolin,  Zusammensetzung  108.
Kapillaranziehung  des  Bodens,  Best.  54.
Kapokmehl,  Vorkommen  in  Palmkernmehl  360.
Kartoffeln  (als  Futtermittel)  226.
—  Bestimmung  des  spez.  Gew._  648.
—  Untersuchung  für  Brennereizwecke  661.
für  die  Stärkefabrikation  647.
Kartoffelmehl,  mikroskop.  Unters.  372.
Kartoffelpilze,  mikroskop,  Nachweis  407.
Kartoffel-Pülpe,  mikroskop.  Unters.  369.
Käse  503.
—  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  512.
—  bakteriol.-mikroskop.  Unters.  512.
—  Probenahme  506.
—  Untersuchung  auf  Beimengungen  511.
Fett  507.
—■  auf  Reinheit  509.
—  —  Fremde  Zusätze  511.
Käsegift  512.
        <pb n="1087" />
        Sachregister.

1069

Käse,  Untersuchung  auf  Kasein  (Gesamt-Stiokstoffsubstanz)
  608.
—  —  Lösliche  Stickstoffverhindungen  508.
—  —  Milchzucker  509.
—  —  Mineralstoffe  509.
—  —•  Säure  609.
Stickstoff  508.
—  —  Wasser  506.
—  Verfälschung  506.
—  Verunreinigung  606.
Käsefehler  504,  512.
Käsegift  512.
Käsemilbe,  Beschreibung  422.
Kasein  als  Klärmittel  für  Wein  794.
—  Bestimmung  in  Butter  549.
—  —  in  Käse  508.
in  Milch  470.
Kaseinprobe  nach  Schaffer  474.
Keimapparat  von  Goldewe  und  Schönj  ahn
441.
—  von  König  439.
—  von  Nobbe  438.
—  von  Stainer  439.
Keimbett  aus  Fließpapier  439.
Keimfähigkeit  der  Samen,  Ermittelung  438.
Kesselsteinbildner,  Bestimmung  827.
Kieselsäure,  in  Säuren  löslich  24.
Kirschbranntwein,  Erkennung  695.
Kj  el  d  ahl  sches  Stickstoffbestimmungsverfahren
  136.
Klauenöl,  Konstanten  951.
Kleber,  Bestimmung  272.
Klebfähigkeit  der  Stärke,  Bestimmung  654.
Klee,  Blattfleckenpilze  411.
Kleeprobenstecher  von  Nobbe  436.
Kleie,  ehern.  Untersuchung  282.
—  makroskopische  Untersuchung  297.
—  mikroskopische  Untersuchung  298.
Knappsche  Lösung,  Darstellung  966.
Knochenasche  und  Knochenkohle  als  Düngemittel ­
  172.
—  Untersuchung  auf  Ätzkalk  172.
—  —  Feuchtigkeit  172.
—  —  Kohlensäure  172.
—  —  Phosphorsäure  172.
—  —  Salzsäure  172.
Schwefelsäure  172.
Knochenfett  544.
Knochenfuttermehl  283.
Knochenkohle  für  die  Zuckerfabrikation  617.
Entfärbungskraft  618.
—  —  Kohlensäure  619.
Kohlenstoff,  Sand  und  Ton  617.
Schwefelsäure  und  Schwefel  617.
Wasser  617.
Zuckergehalt  619.
Knochenmehl  167.
—  Untersuchung  auf  Asche  167.
Feinheit  168.
Fett  168.
Feuchtigkeit  167.
—  —  Haut-  und  hornartige  Stoffe  167.

Knochenmehl,  Untersuchung  auf  Phosphorsäure ­
  167.
Sand  167.
Stickstoff  167.
—  —  Verfälschungen  168.
—  Was  ist  Knochenmehl?  168.
Knochenöl,  Konstanten  951.
Knöterich,  ampferblätt.,  mikrosk.  Nachweis
392.
Knopscher  Sohlämmzylinder  6.
Kochsalz  (Viehsalz)  186.
—  Nachweis  im  Boden  39.
im  Wein  779.
Königswasser  970.
Körner  und  Mehle  der  Getreide-  und  Hülsenfrüchte ­
  270.
—  Untersuchung  auf  Alaun  278.
—  —  Alkaloide  (in  Lupinen)  281.
Backfähigkeit  272.
Kleber  272.
Milben  278.
Mutterkorn  272.
Ölen  (des  Weizens)  279.
—  —  Pilze  398.
—  —  Stärke  270.
Tierische  Schmarotzer  421.
—  —  Unkrautsamen  271.
Volumgewicht  280.
—  —  Wasserbindende  Kraft  278.
—  —  Zolltechnische  280.
Kognak,  Beurteilung  695.
Kohlenhydrate,  Bestimmung  derselben  226.
—-  verdauliche  242.
Kohlensäure,  Berechnung  nach  Scheiblers
Verfahren  Tabelle  981.
—  Bestimmung  im  Bier  734.
—  —  Boden  16,  1056.
Kalk  112.
—  —  Mergel  und  Kalkstein  102.
—  —  Schaumwein  792.
Ton  108.
—  —  Wasser  818.
Kohlenstoff,  organ.,  Bestimmung  im  Boden
13.
in  Schmutzwasser  855.
Kohlsaat,  mikroskop,  Nachweis  339.
Kokosnuß,  mikroskop.  Untersuchung  352,
Kokosnußfett  (-butter,  -öl),  Untersuchung
588.
Kolbenhirse,  mikrosk.  Nachweis  317.
Kolbenschimmel,  mikrosk.  Nachweis  415.
Kolorimeter  zur  Bestimmung  von  Ammoniak
809.
Eisen  822.
salpetriger  Säure  812.
Kolzaöl,  Untersuchung  687.
Kondensierte  Milch  500.
—  Beurteilung  503.
—  Untersuchung  auf  Asche  600.
Fett  500.
Milchzucker  501.
Proteinstoffe  501.
        <pb n="1088" />
        1070

Sachregister.

Kondensierte  Milch,  Untersuchung  auf  Saccharose ­
  501.
—  —  Wasser  500.
Kongorot-Lösung,  Bereitung  961.
Konservierungsmittel  siehe  Frisohhaltungsmittel.

Koprolithe  177.
—  Feuchtigkeit  178.
—  Kohlensäure  178.
—  Phosphorsäure  177.
Kornmotte,  Beschreibung  424.
Kornprobensteoher  436.
Kornrade,  mikroskop.  Nachweis  389.
Kornwurm,  Beschreibung  423.
Kot  123.
—  allgemeine  Untersuchung  123.
—  Bestimmung  der  Stoffwechselerzeugnisse
darin  123.
Kraut,  siehe  Obstkraut  743.
Kremometer  467.
Kresse,  mikroskop.  Nachweis  389.
Kümmel,  mikroskop.  Untersuchung  367.
Kunstspeisefett,  Konstanten  544.
—  Zusatz  zu  Schweineschmalz  577.
Kupfer,  Bestimmung  im  Boden  42.
Branntweinen  und  Essig  694.
Mehl  279.
—  —  Obst-  und  Fruchterzeugnissen  745.
—  —  Pflanzenasche  203.
—  —  Wein  781.
Kupferhydroxyd,  Darstellung  zum  Fällen
der  Proteinstoffe  966.
Kupferlösung,  Fehlingsohe,  Darstellung
966.
Kutin,  Bestimmung  1057.
L.
Labgärprobe  474.
Labpräparate,  Untersuchung  513.
Lackmustinktur,  Darstellung  961.
Laktobutyrometer,  Bestimmung  des  Milchfettes ­
  damit  466.
—  Berechnung  des  Fettgehaltes  danach,
Tabelle  XI  1013.
Laktodensimeter,  Anwendung  451.
—  Korrektionstabelle  für  die  Laktodensimetergrade ­
  1008.
Laktokrit  459.
Laktose,  Bestimmung  230.
in  Käse  509.
in  Milch  470.
—  Berechnung  aus  dem  gewogenen  Kupfer,
Tabelle  994.
Laktoskop  468,
Lävulose,  siehe  Fruktose.
Lebertran  544.
Lebewesen,  pflanzliche  und  tierische,  in
Sohmutzwasser  874.
—  —  —  in  Trinkwasser  840.
Ledermehl  166.
—  Untersuchung  auf  Asche  166.
Feuchtigkeit  166.

Ledermehl,  Untersuchung  auf  Phosphorsäure
165.
—  —  Sand  166.
—  —  Stickstoff  165.
Leguminosen,  Pilze  daran  410.
Legumiuosensamen,  mikrosk.  Unters.  324.
Leindotter,  mikrosk.  Untersuchung  362.
Leindotteröl,  Konstanten  542.
Leinöl,  Konstanten  542.
Leinsamen,  mikrosk.  Untersuchung  332.
Leptomitus  lacteus  in  Schmutzwasser  877.
Leuchtgas,  Schädlichkeit  für  Pflanzen  919.
Leuchtgasbestandteile  im  Wasser  821.
Lignin,  Bestimmung  249,  1067.
Linse,  mikrosk.  Untersuchung  327.
Linum  usitatissimum,  mikrosk.  Unters.  332.
Liköre,  Untersuchung  671.
Lösungen,  Darstellung  derselben  für  die
Untersuchung  956  bis  972  (über  die  Darstellung ­
  der  einzelnen  Lösungen  siehe
bei  den  betreffenden  Stichwörtern).
—  desgl.  nach  Blochmann  972.
Lolch  (Lolium  temulentum),  mikrosk.  Nachweis ­
  378.
Lolium-Pilz,  mikrosk.  Nachweis  406.
Lupine,  mikrosk.  Untersuchung  328.
Lupinenalkalolde,  Bestimmung  281.
Lupinin,  Bestimmung  281.
Lupinus  luteus,  mikroskop.  Unters.  328.
Lupulin,  Bestimmung  717.
M.
Madia  sativa,  mikrosk.  Untersuchung  361.
Magensaftlösung,  Darstellung  965.
Magermilch.  Untersuchung  497.
Magnesia,  Bestimmungsverfahren  28.
Magnesiamixtur,  Darstellung  964.
Mahlerzeugnisse  von  Roggen  und  Weizen,
mikrosk.  Untersuchung  296.
Mais,  mikrosk.  Untersuchung  314.
Maisbrand,  Abbildung  und  Beschreibung  315.
Maische,  süße  662  (s.  auch  Spiritusfabrikation).
—  vergorene  665  „  „  „
Maisöl,  Konstanten  542.
Maidenguano,  Untersuchung  172.
Maltose,  Bestimmung  227.
—  —  in  Maische  663.
—  Berechnung  aus  dem  gewogenen  Kupfer,
Tabelle  V  991.
Malz  710.
—  Diastatische  Kraft  714.
—  Bxtraktbestimmung  711.
—  Farbentiefe  der  Würze  713.
—  Fermentativvermögen  714.
—  Hektolitergewicht  710.
—  Maltose  713.
—  Probenahme  710.
—  Säure  714.
—  Schnittprobe  714.
—  Tausend-Korn-Gewicht  710.
—  Wasser  711.
—  Zucker  713.
        <pb n="1089" />
        Sachregister.

1071

Malzeasig,  Untersuchung  699.
Malzkraut  743  (siehe  auch  Obstkraut).
Mandelöl,  Konstanten  542.
Mangan,  Bestimmung  26.
Margarine  569.
—  Beurteilung  572.
—  Gesetzliche  Bestimmungen  570.
—  Herstellung.
—  Untersuchung  auf  Sesamöl  572.
auf  Kokosfett  572.
—  Verfälschungen  570.
Margarinefett  544.
Margarinekäse  512.
•—  Prüfung  auf  Sesamöl  512.
Marmeladen,  Jams  oder  Muse  750.
—  Beurteilung  752.
—  Frischhai  tu  ugsraittel  752.
—  Mineralstoffe  752.
■—  Optisches  Verhalten  751.
—  Säure  751.
—  Stärkesirup  752.
—  Unlöslicher  und  löslicher  Anteil  750.
—  Wasser  750.
—  Zucker  751.
Marktkontrolle  für  Milch  494,
Maßregeln  für  die  Düngerkontrolle  192.
■—  für  die  Futtermittelkontrolle  424.
—  für  die  Milchkontrolle  494.
Mehl,  Untersuchung  270  (siehe  Körner).
Mehle  der  Leguminosen,  ehern.  Unters.  270.
—  —  mikrosk.  Untersuchung  324.
—  der  Zerealien,  ehern.  Untersuchung  270.
mikrosk.  Untersuchung  288.
Mehlkäfer,  Beschreibung  423.
Mehlmilbe,  Beschreibung  422.
Mejillonesguano  172.
Melasse,  Verwendung  für  Spiritusfabrikation
661.
■—  Untersuchung  in  der  Zuokerfabrikation
605.
Melassekalk,  Untersuchung  613.
Melassemischfutter  261.
—  Asche  263.
—  Blut  263.
—  Fett  262.
•—  Garantie  im  Handel  mit  Melassefutter  265.
—  Gehalt  an  Melasseträger  261.
—  Bohfaser  263.
—  Stickstoff  262.
•—  Wasser  262.
—  Wertschätzung  d.  Melassefuttermittel  265.
—  Zucker  263.
Meltaupilze  am  Getreide,  Beschreibung  401.
—  an  Leguminosen  411.
Menyanthin,  Nachweis  im  Bier  739.
—  —  in  Spirituosen  693.
Mergel  101.
—  Beurteilung  104.
—  Untersuchung  auf  Eisenoxydul  103.
Kohlensäure,  gewiohtsanalytisch  102.
—  nach  Scheibler  102.
Organische  Stoffe  103.

Mergel,  Untersuchung  auf  Sohwefelverbindungen
  103.
—  —  Vollständige  103.
Wasser  102.
—  Verwitterbarkeit  105.
Metaphenylendiamin,  Darstellung  der  Lösung
971.
—  -Probe  auf  salpetrige  Säure  810.
Methylpentosane,  Bestimmung  1056.
Mikroskopische  Untersuchung  der  Futtermittel ­
  284.
—  —  rauchbeschädigter  Blätter  898.
des  Schmutzwassers  873.
des  Wassers  832.
Milben  (Heumilbe,  Mehlmilbe),  Beschreib.  422.
Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse  446.
—  Allgemeine  Untersuchungsverfahren  448.
Asche  471.
Eiweiß,  Gesamt-  470.
Farbstoffe,  fremde  484.
Fett  451.
—  nach  annähernden  Verfahren  466.
—  —  —  nach  dem  aräometrischen  Verfahren
455.
—  nach  dem  Zentrifugal-Verfahren
469.
—  gewichtsanalytisch  452.
—  mit  dem  Refraktometer  463.
nach  Röse-Gottlieb  453.
—  —  —  nach  Wollny  463.
—  —  Frischhaltungsmittel  478.
Gärprobe  473.
Haltbarkeit  473.
Inkubationsstadium  472.
—  —  Milchsäure  472.
Milchzucker  470.
Mineralstoffe  471.
Rohe  und  gekochte  Milch,  Unterscheidung ­
  476.
—  —  Säuregehalt,  Gesamt-  472.
—  —  Salpetersäure  485.
—  —  Schmutzgehalt  475.
Serum  486.
Spez.  Gewicht,  Bestimmung  448.
—  mit  dem  Laktodensimeter  451.
—  mit  dem  Pyknometer  449.
—  mit  der  Westphalschen  Wage  449.
—  —  Trockensubstanz  469.
—  —  Wasser  469.
—  —  Wasserzusatz,  Nachweis  490.
—  Berechnung  des  Spez.  Gew.  der  Trockensubstanz ­
  489.
•—  Berechnung  des  Wasserzusatzes  und  des
Entrahmungsgrades  492.
—  Beurteilung  490.
—  Beziehung  zwischen  spez.  Gew.,  Trockensubstanz ­
  und  Fett  488.
—  Marktkontrolle  494.
—  Maßregeln  für  den  Milchhandel  494.
—  Stallprobe  491.
—  Unterscheidung  von  roher  und  gekochter
Milch  476.
        <pb n="1090" />
        1072

Sachregister.

Milch-  u.  Molkerei-Erzeugnisse,  Verfälschungen, ­
  Nachweis  490.
—  Molkerei-Erzeugnisse  497.
Abgerahmte,  Untersuchung  497.
—  —  Buttermilch  497.
Kondensierte  499.
—  —  Mager-  497.
—  —  Rahm  497.
—  —  Molken  497.
Milchdauerwaren  499.
Milchfehler  446.
Milchhandel,  Maßregeln  dafür  494.
Milohkontrolle  494.
Milchpulver  499.
Milchserum  486.
Milchsäure  472.
Milchsäure,  Bestimmung  in  Wein  765.
Milchsäure-Bakterien,  York.  i.  Eutterm.  418.
Milchschimmel,  mikrosk.  Nachweis  416.
Milohwage  451.
Milchzucker,  siehe  Laktose.
Miilons  Reagens,  Darstellung  972.
Mindergeldwertberechnung  bei  Düngemitteln
189.
—  bei  Futtermitteln  427.
Mineralboden  1.
Mineralöl,  Nachweis  in  fetten  Ölen  952.
—  (als  Schmieröl)  Untersuchung  940.
Mineralphosphat,  Untersuchung  177.
Mineralsäure,  freie,  Nachweis  im  Essig  701.
—  —  in  Schmierölen  948.
in  Schmutzwasser  864  u.  871.
Mohnöl,  Konstanten  542.
Mohnsamen,  mikrosk.  Untersuchung  353.
Mohrenhirse,  „  „  317.
Molken,  Untersuchung  497.
Molkerei-Erzeugnisse,  siehe  Milch  (oben).
Molybdänlösung,  Darstellung  963.
Molybdänverfahren,  Bestimmung  der  Phosphorsäure ­
  nach  diesem  150.
Molybdänrüokstände,  Aufarbeitung  976.
Moniliaartiger  Schimmel,  mikrosk.Nachw.  417.
Moorboden,  Untersuchung  82  (siehe  Boden).
Moostorf,  mikrosk.  Untersuchung  397.
Most,  Untersuchung  753.
—  Säure  754.
—  Zollamtliche  Untersuchung  755.
—  Zucker  763.
Mostwage  nach  Babo  (Klosterneuburger)  764.
Balling  (Saccharometer)  754.
—  —  Oechsle  753.
—  —  Schmidt-Achert  753.
—  —  Wagner  754.
—  Vergleichende  Angaben  verschiedener
Mostwagen,  Tabelle  1045.
Mowrafett,  Konstanten  542.
Mucor  mucedo,  mikrosk.  Nachweis  414.
—  racemosus,  im  verunr.  Wasser  841.
Mus,  Untersuchung  750  (siehe  Marmelade).
Mutterkorn,  ehern.  Nachweis  im  Mehl  272.
—  mikrosk.  Nachweis  401.
Myxotrichum  chartarum,  im  verunr.  Wasser841.

N.
Nährgelatine,  Darstellung  zu  Plattenkulturen ­
  834.
Naphtholreagens  zur  Prüfung  auf  salpetrige
Säure  971.
Natriumacetat-Lösung,  Darstellung  963.
Natriumkarbonat,  Bestimm,  in  Wasser  824.
—  Darstellung  der  Lösung  970.
Natriumphosphat-Lösung,  Darstellung  970.
Natriumphosphorwolframat,  Darstellung  968.
Natron,  Bestimmung  29.
Natronlauge,  Darstellung  der  Normal-  969.
—  gewöhnliche  Lösung  970.
Nematoden  in  Futtermitteln  421.
Nematodentäule  bei  Kartoffeln  421.
Neßlers  Reagens  969.
Neutralfett,  Bestimmung  526.
Nigersamen  369.
Nobbescher  Keimapparat  438.
Nobbesehe  Spreufege  438.
Normal-Lösungen,  Darstellung  der  Normal-Alkalilauge
  959.
—  der  Normal-Säuren  956.
Nuklein,  Bestimmung  219.
Nußöl,  konstanten  542.
O.
Obergrund  und  Oberkrume  im  Boden  2.
Obst,  Untersuchung  742.
Obstessig,  Obstweinessig  699.
Obstkraut,  Rübenkraut  und  Malzkraut  743.
—  Untersuchung  auf  Ameisensäure  747.
Flußsäure  747.
Mineralstofie  744.
—  —  Optisches  Verhalten  743.
Säure  744.
—  —  Salioylsäure  746.
—  —  Schweflige  Säure  745,
Stickstoff  744.
—  —  Wasser  743.
Zucker  743.
Obstweine,  Unters,  u.  Beurteilung  790.
Oidium  lactis,  mikroskop.  Nachweis  416.
—  Tuckeri,  Bekämpfung  793.
Öle  und  Fette  516.
—  Allgemeine  Untersuchungsverfahren  617.
—-  —  Brechungsindex  520.
—  —  Cholesterin  534.
Erstarrungspunkt  518.
Fettsäuren,  flüchtige  527.
—  —  —  freie  526.
—  Trennung  der  festen  und  flüssigen
530.
—  —  —  wasserlösliche  528.
—  —  —  wasserunlösliche  528.
—  —  Hehnersche  Zahl  528.
—  —  Jodzahl  nach  Hübl  531.
nach  Wijs  532.
Neutralfett  526,
Phytosterin-Probe  nach  A.  B  ö  m  e  r  634.
Phytosterinacetat-Probe  538.
        <pb n="1091" />
        Sachregister.

1073

Öle  und  Fette,  Allgemeine  Untersuchungs-Verfahren,
  Polarisation  525.
Reichert-Meißlsohe  Zahl  527.
Schmelzpunkt  518.
—  —  Spez.  Gewicht  517.
Verseifungszahl  (Köttstorfer)  526.
Ölkuchen,  ehern.  Untersuchung  282.
—  mikroskop.  Untersuchung  331.
Ölmadie,  mikroskop.  Untersuchung  361.
Ölsamen,  ehern.  Untersuchung  268.
—  Fett  268,  1058.
—  Ranzigkeit  268.
—  Rohfaser  268.
—  Senföl  269.
—  Stärke  268.
—  Wasserlösliche  Stoffe  268.
—  Zerkleinerung  268.
Olea  europaea,  mikrosk.  Untersuchung  367.
Oleomargarine,  Konstanten  544.
Olivenkerne,  mikroskop.  Untersuchung  367.
Olivenöl,  Untersuchung  582.
Oospora  lactis,  im  Wasser  841.
Organische  Stoffe,  Bestimmung  im  Boden  14.
—  —  —  im  Mergel  und  Kalkstein  103.
—  im  Schmutzwasser  864.
im  Wasser  806,  864.
Organismen,  pflanzliche  und  tierische,  in
Schmutzwasser  874.
—  in  Trinkwasser  840.
Oryza  sativa,  mikroskop.  Untersuchung  311.
Oscillatoria  antliaria,  0.  clavatum,  0.  membranaoea,
  im  verunreinigten  Wasser  840.
Oscillatoria  Froelichii,  in  Schmutzwasser  880.
Oscillatorien,  verschiedene  Arten,  Unterscheidung ­
  879.
Oxalsäure,  Bestimmung  im  Essig  703.
—  —  im  Guano  170.
—  Darstellung  von  1 1 100  Normallösung  968.
P.
Palmfett,  Konstanten  542,
Palmkerne,  mikroskop.  Untersuchung  360.
Palmkernöl,  Konstanten  542.
Panicum  crus  galli,  mikroskop.  Unters.  381.
—  italicum  und  P.  miliaceum,  mikroskop.
Untersuchung  317.
Pankreassaft,  Darstellung  966.
Papaver  somniferum,  mikroskop.  Unters.  363.
Paraffin,  Nachweis  in  Bienenwachs  936.
Parasitäre  Pilze  in  Futtermitteln,  Beurteilung ­
  413,
Penicillium  glauoum,  mikrosk.  Nachweis  415.
Pentosane,  Bestimmung  243.
Pepton,  Bestimmung  212.
Peptonfutter,  Untersuchung  265.
Peronospora  infestans,  mikrosk.  Nachw.  407.
—  parasitica,  „  „  413.
—  Schachtii,  „  „  406.
—  viticola,  Bekämpfung  793.
Peruguano  169.
—  aufgeschlossener  171.
Landwirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

I  Peruguano,  aufgeschlossener,  Untersuchung
auf  Kali  171.
lösliche  Phosphorsäure  171.
—  —  —  sonstige  Bestandteile  171.
—,  Stickstoff  171.
—  roher  169.
—  —  Unters,  auf  Ammoniakstickstoff  169.
—  —  —  Asche  170,
Echtheit  170.
—  Feuchtigkeit  170.
—  Gesamtstickstoff  169.
—  Kali  170.
—  —  —  Oxalsäure  170.
Phosphorsäure  169.
—  Salpetersäurestickstoff  169.
—  Sand  170.
Pferdefett,  Konstanten  544.
Pflanzenasche,  Darstellung  u.  Untersuchung
19.  (s.  auch  Äschenanalyse).
Pflanzenwachs,  Nachweis  in  Bienenwachs  938.
Pflanzliche  Speisefette  und  Öle  581  (s.  Öle).
—  Beurteilung  581.
—•  Probenahme  581.
Phenolphthalein,  Darstellung  d.  Lösung  961.
Phenylhydrazinverfahren  zur  Bestimmung
der  Pentosane  243.
Phloroglucinverfahreu  zur  Bestimmung  der
Pentosane  244.
Phoma  hetae,  miskrosk.  Nachweis  406.
Phosphate,  präzipitierte  178.
Phosphatgips  185  (s.  Superphosphatgips).
Phosphorit  177.
—  Untersuchung  auf  Feuchtigkeit  178.
—  —  Kohlensäure  178.
—  —  Phosphorsäure  177.
Phosphorsaurer  Kalk,  präzipitierter  178.
Phosphorsäure,  Berechnung  aus  dem  gewogenen ­
  pyrophosphorsauren  Magnesium,
Tabelle  1046.
—  Bestimmungsverfahren  148.
—  —  Freie  148.
Gebundene,  anEisenoxydu.Tonerdel78.
Wasserlösliche  149.
maßanalytisch  (Urantitrierung)  149.
Wasserunlösliche  149.
—  Molybdänverfahren  150.
Zitratverfahren  152.
Zitratlösliche  156,
—  —  Zitronensäurelösliohe  154.
Phosphorwolframsaures  Natrium,  Darstellung
der  Lösung  968.
Phytophtora  infestans,  mikrosk.  Nachweis  407.
Phytosterinaoetat-Probe  (A.  Börner)  534.
Phytosterin-Probe  (A.  Börner)  634.
Pikrinsäure,  Nachweis  im  Bier  739.
Pikrotoxin,  „  „  „  739.
Pilobolus  Öedipus  im  verunr.  Wasser  841.
Pilze  der  Futtermittel  398.
—  an  Cruciferen  412.
—  an  Kartoffeln  407.
—  an  Leguminosen  410.
1  —  an  Rüben  405.

68
        <pb n="1092" />
        1074

Sachregister.

Pilze,  saprophytisohe  414.
—  Schimmel-  414.
Pimpinella  anisum,  mikroskop.  Unters.  365.
Pinselschimmel,  mikrosk.  Nachweis  416.
Pisum  sativum,  „  „  326.
Plantage  lanceolata  „  „  391.
Plasmodiophora  Brassicae,  mikrosk.  Nachweis ­
  412.
Platinchlorid,  Darstellung  971.
Platin-Rückstände,  Aufarbeitung  975.
Polarisation  der  Fette  626.
—  der  Fruohtsirupe  748.
—  der  Marmelade  761.
—  des  Obstkrautes  743.
—  des  Weines  769.
—  der  Zuckerlösungen  233.
—•  des  Zuckerrübensaftes  602.
Polygonum  convolvulus  mikrosk.  Unters.  393.
—  fagopyrum,  „  „  322.
—  lapathifolium  „  „  392.
Polythrinoium  Trifolii,  mikrosk.  Nachweis  411.
Porosität  des  Bodens,  Bestimmung  45.
—  Ermittelung  bei  Schiefer  100.
Portland-Zement  115.
—  chemische  Untersuchung  116.
—  physikalische  Prüfung  116.
Porzellanerde,  Zusammensetzung  116.
Präzipitierte  Phosphate  178.
—  Untersuchung  auf  Arsen  178.
—  —  Gesamtphosphorsäure  178.
_—  —  an  Eisen  und  Tonerde  gebundene  Phosphorsäure ­
  178.
—■  —  zitratlösliohe  Phosphorsäure  178.
Preßfutter  266  (s.  Sauerfutter),
Preßlinge,  Untersuchung  616.
Preßschlamm,  Untersuchung  614.
Probenstecher  für  Sämereien  436.
Proteinbestimmung  208.
Pseudopeziza  Trifolii,  mikrosk.  Nachweis  411.
Puocinia-  Arten,  mikrosk.  Nachweis  400.
Pülpe,  Untersuchung  258  (s.  Schlempe).
Puzzolan-Zement,  Gew.  und  Unters.  114.
Pyknometer  449.
Pyridinbasen  als  Denaturierungsmittel  682.
—  Nachweis  im  Spiritus  686.
Quarz,  Bestimmung  im  Boden  35.
—  —  in  Gesteinen  und  deren  Verwitterungserzeugnissen ­
  99.
Quecke  (Samen),  mikrosk.  Unters.  380.
Quecksilberjodid-Jodkalium  972.
Quecksilberlösung  nach  Sachsse  u.  Knapp,
Darstellung  966.
-  Verwendung  zur  Bestimmung  der  Zuokerarten ­
  234.
Quevennesche  Senkwage  451.
R.
Raffinationswert  des  Rohzuckers  613.
Raffinose,  Bestimmung  im  Zucker  608.

Rahm,  Untersuchung  497.
Ranzigkeit  des  Futterfettes  223.
Raphanus  Rhaphanistrum,  mikrosk.  Nachw.
384.
Raps,  mikrosk.  Untersuchung  338.
Rapskuchen,  mikroskop.  Untersuchung  335.
Rapsöl,  Untersuchung  587.
Bauohbeschädigung  durch  gasige  und  sauere
Bestandteile  des  Bauches  894.
—  Nachweis  der  Beschädigungen  910.
—  —  Ammoniak  915.
—  —  Arsen  914,
—  —  Asphaltdämpfe  918.
Chlor  914.
—  —  Flußsäure  915.
—  —  Salzsäure  914.
—  —  Schwefelsäure  u.  schweflige  Säure  910.
—  —  —  der  Gesamtmenge  an  Schwefelsäure
und  Schwefel  911.
—  der  in  Wasser  löslichen  Schwefelsäure, ­
  bezw.  des  anhängenden  Flugstaubes ­
  911.
—  —  —  der  Kohlensäure  in  der  Asche  912,
Schwefelwasserstoff  919.
—  —  Stickstoffsäuren  914,
—  Probenahme  909.
—  Untersuchung  des  Bodens  919.
der  Brennstoffe  923.
—  —  Bestimmung  des  Schwefels  in  den
Brennstoffen  923.
—  —  —•  des  flüchtigen  Schwefels  924.
—  —  —  des  Gesamtsohwefels  924.
—  —  —  der  schwefligen  Säure  im  Rauchgas
921.
—  Untersuchung  der  Rauchgase  920.
—  --  Bestimmung  der  Salzsäure  922.
Schwefligen  Säure  920.
—  Voruntersuchung,  örtliche  895.
Beachtung  des  Grades  der  Erkrankung
je  nach  der  Entfernung  von  der  Rauohquelle
  908.
—  —  —  des  verschiedenen  Grades  der  Erkrankung ­
  der  einzelnen  Baumgattungen ­
  und  Feldfrüchte  906.
der  herrschenden  Windverhältnisse
der  Gegend  896.
—  —  —  der  richtigen  Zeit  der  Besichtigung
und  Probenahme  895.
—  der  äußeren  Merkmale  und  Erscheinungen ­
  der  Vegetation  896.
—  Nachweis  der  Beschädigung  durch  Staub
aller  Art  924.
Rauhfutter,  Untersuchung  254  (s.  Grünfutter).
Baute,  mikrosk.  Unters.  384.
Bavisonöl,  Konstanten  542.
Reagenzien,  Darstellung  von  Lösungen  derselben ­
  956—972.
—  desgl.  nach  Blochmann  972.
Rebkrankheiten,  Bekämpfung  793.
Refraktometer,  Anwendung  521.
Beichert-Meißlsohe  Zahl  527.
Reinasohe,  Bestimmung  200.
        <pb n="1093" />
        Sachregister.

1075

Reineiweiß,  Bestimmung  209.
Beinheitsquotient  des  Bubensaftes  603.
—  bei  der  Spiritusfabrikation  665.
Eeinprotein,  Bestimmung  209.
Beis,  mikroskop.  Untersuchung  311.
Eendement  des  Eohzuckers  613.
Rhizootonia-Fäule,  mikrosk.  Nachweis  409.
Ehodankaliumlösung,  Darstellung  971.
Ricinus  communis,  mikroskop.  Unters.  368.
Bicinusöl,  Konstanten  961.
Bindsfett  (-talg)  579,
—  Gesetzliche  Bestimmungen  579.
—  Herstellung  579.
—  Untersuohungsverfahren  579.
—  Zollteohnische  Untersuchung  580.
Robbentran,  Konstanten  544.
Roggen,  mikrosk.  Untersuchung  290.
Roggenmehl,  Nachweis  im  Weizenmehl  291.
Rohfaser,  Bestimmung  nach  Henneberg
u.  Stohmann  245.
—  —  nach  Holdefleiß  246.
nach  König  249.
Bohfett,  Bestimmung  220.
Bohprotein,  Bestimmung  208.
Rohrzucker  619  (siehe  Saccharose  und  Zuckerfabrikation). ­

Rohwöinstein,  Untersuchung  795.
Bomanzement,  Untersuchung  114.
RosoJsäure,  Darstellung  der  Lösung  961.
Bostpilze  an  Getreide,  mikrosk.  Nachweis  400.
—  an  Leguminosen  400.
Rüben,  Futterrüben,  Untersuchung  (siehe
Wurzelgewächse)  266.
—  Pilze  daran,  mikrosk.  Nachweis  405.
Rübenkraut,  Untersuchung  743  (siehe  auch
Obstkraut).
Rübenzucker  619.
Bübkuchen,  Begriff  335.
Büböl,  Untersuchung  687.
Eübsen,  mikrosk.  Untersuchung  339.
Rückstände  der  Ölfabrikation,  mikroskopische
Untersuchung  331.
Rührwerk  für  Phosphorsäure-Fälluugen  152.
Rum,  Beurteilung  696.  .
Rumex  acetosa,  mikroskop.  Nachweis  391.
S.
Saccharimeter,  Angaben  des,  nach  Mitscherlich ­
  233,  599.
—  —  Soleil-Duboscq  233,  599.
—  —  Soleil  -  Ventzke  -  Scheißler  233.
599.
Wild  233,  599.
—  —  Wild-Laurent  233,  599.
Saccharin,  Nachweis  im  Bier,  Wein  etc.  738,
776.
Saccharometer  von  Balling  602.
Saccharose,  Bestimmung  232.
—  —  neben  Invertzucker  606.
Sachssesche  Lösung,  Darstellung  966.
Sägemehl,  mikroskopischer  Nachweis  395.

Sämereien,  Untersuchung  430.
—  Absolutes  Gewicht  443.
—  Beantwortung  des  Befundes  435.
—  Echtheit  des  Samens  437.
—  Einzusendende  Menge  430.
—  Gebrauchswert  443.
—  Keimapparat,  von  Goldewe  u.  Schönjahn ­
  441.
von  König  439.
von  Nobbe  438.
von  Stainer  439.
—  Keimbett  aus  Fließpapier  438.
—  Keimkraft,  Ermittelung  438.
—  —  —  bei  Runkel-  und  Zuckerrüben  434.
—  bei  verschiedenen  Sämereien  442.
—  Latitüde  445.
—  Mehligkeit  432.
—  Mittelprobe  431,  437.
—  Probenahme  435.
—  Reinheit  438.
—  Seide  445.
—  Untersuchungaheft,  Einrichtung  desselben
435.
—  Yolumgewioht  432.
—  Vorschriften  für  die  Untersuchung  430.
—  Wassergehalt  443.
Säureamidstickstoff,  Bestimmung  215.
Salioylsäure,  Nachweis  in  Bier,  Wein  etc.  737.
—  —  in  Butter  560.
in  Essig  703.
—  —  in  Frucht-  und  Obsterzeugnissen  746.
—  —  in  Milch  479.
Salpeter  182.
—  Chilisalpeter  (Natronsalpeter)  182.
—  Untersuchung  auf  Chlor  183.
Feuchtigkeit  182.
Kali  183.
Kalk  183.
—  —  Magnesia  183.
—  —  Natron  183.
Organische  Stoffe  182.
—  —  Perchlorat  183.
Sand  182.
Schwefelsäure  182.
—  —  Stickstoff  182.
—  Kalisalpeter  184.
Salpetersäure,  Best,  in  Pflanzensäften  218.
im  Wasser  814.
im  Wein  780.
—  Nachweis  in  der  Milch  485.
—  in  Rauchgasen,  Schädlichkeit  für  Pflanzen
914.
Salpeterstickstolf,  Bestimmung  141,
mit  dem  Nitrometer  147.
—  —  nach  Förster  141.
JodJbauer  141.
Reduktion  zu  Ammoniak  nach  König
146.
—  nach  Böttcher  146.
Ulsch  147.
■  neben  organ.  Stickstoff  nach  Pfeiffer
147.

68*
        <pb n="1094" />
        1076

Sachregister.

Salpetersuperphosphat,  Untersuchung  188.
Salpetrige  Säure,  Nachweis  im  Wasser  810.
Salzsäure,  Darstellung  der  Normal-  956.
—  Nachweis  in  der  Luft  922.
—  in  Rauchgasen,  Schädlichkeit  für  Pflanzen
914.
Sand,  Bestimmung  im  Boden  20.
in  Futtermitteln  252.
—  Trennung  von  Kieselsäure  31.
Sandwicke,'  mikrosk.  Untersuchung  330.
Saprophytische  Pilze,  Nachweis  414.
—  Schädlichkeit  420.
Saturationsgas,  Untersuchung  auf  Kohlensäure, ­
  schweflige  Säure  und  Schwefelwasserstoff ­
  619.
Saubohne,  mikrosk.  Untersuchung  327.
Sauerampfer,  mikrosk.  Nachweis  391.
Sauerfutter,  Preßfutter  (Ensilage),  Schnitzel
256.
—  Fett  258.
—  Probenahme  266.
—  Säuren,  freie  flüchtige  258.
—  Stickstoff  257.
—  Wasser  256.
Sauerstoff,  Bestimmung  im  Wasser  828.
Schafwolle  siehe  Wolle.
Schaumweine,  Unters,  u.  Beurteilung  792.
Scheideschlamm,  Unters.  614  (s.  auch  Zuckerfabrikation). ­

Schiefer,  Verwitterbarkeit  100.
Schimmelbildung  bei  Futtermitteln  263.
Schimmelpilze,  Beschreibung  414.
—  Beurteilung  420.
—  Prüfung  darauf  263.
Schlämmanalyse  des  Bodens  bezw.  Schlämmapparate ­
  nach  J.  Kühn  6.
Kühn-Wagner  7.
—  —  Schöne  8.
Schlempe,  Pülpe,  Treber,  Trester,  chemische
Untersuchung  258.
—  —  Alkohol  260.
—  —  Asche  260.
Dextrin  259.
Fett  259.
—  —  Glycerin  260.
—  —  Bohfaser  260.
Säuren,  freie  269.
—  —  Stickstoff  259.
—  —  Wasser  258.
—  —  Zucker  259.
—  mikroskop.  Untersuchung  371.
siehe  auch  Spiritusfabrikation  669.
Schlempekohle  616  (s.  auch  Zuckerfabrikation).
Schmalzöl,  Konstanten  544.
Schmarotzer,  tierische  in  Futtermitteln  421.
Schmelzpunkt,  Bestimmung  in  Fetten  518.
Schmierfette,  konsistente  954.
—  Fett,  unverseifbares  955.
unverseiftes  955.
—  Kalk,  freier  955.
—  Mineralstoffe  965.
—  Säure,  freie  965.

Schmierfette,  Seife  955.
—  Wasser  956.
Schmieröle  940,
—  Asche  950.
—  Äsphaltgehalt  948.
—  Brennpunkt  946.
—  Entflammuugspunkt  915.
—  Harz  950.
—  Kältepunkt  943.
—  Konsistenz  941.
—  Öle,  fette  952.
—  —  leichte  949.
—  Paraffin  949.
—  Säuregehalt  948.
—  Yerdampfungsmenge  945.
—  Verfälschungen  950.
—  Verharzung  960.
—  Viskosität  942.
—  Wasser  960.
Schmutzwasser,  Untersuchung  863  (siehe
unter  Wasser),
Schnitzel  256  (siehe  Sauerfutter).
—  615  (siehe  auch  Zuckerfabrikation).
Schönungsmittel  für  Wein  794.
Schorf  an  Kartoffeln  410.
Schotendotterhederich,  mikrosk.  Unters.  384.
Schotenerbse,  mikroskop.  Untersuchung  326.
Schüttelwerk  für  Superphosphate  181.
—  für  Thomasmehl  zur  Bestimmung
von  Peinmehl  175.
Schumanns  Pyknometer  116,
Schwarzer  Senf,  mikrosk.  Untersuchung  386.
Schwärzepiize,  Nachweis  402.
Schwefel,  Bestimmung  im  Boden  39.
in  Brennstoffen  923.
—  —  im  Harn  123.
in  den  Rauchgasen  921.
—  Untersuchung  für  die  Rebenbestreuung
793.
Schwefelsäure,  Bestimmung  im  Boden  29.
—  —  in  den  Pflanzen  204.
bei  Bauchbeschädigungen  911.
—  —  in  Rauchgasen,  Schädlichkeit  für  Pflanzen ­
  897.
—  —  im  Wasser  818.
—  —  im  Wein  775.
•—  Darstellung  der  Normal-  956.
Schwefelsaures  Ammon,  Untersuchung  185.
Schwefelung  des  Hopfens,  Nachweis  717.
Schwefelwasserstoff,  Bestimmung  im  Wasser
821,  868.
Schweflige  Säure,  Bestimmung  im  Bier  736.
—  —  in  Frucht-  u.  Obsterzeugnissen  745.
in  Rauchgasen  921.
—  —  im  Wein  775.
Schweinefett  bezw.  Schweineschmalz  673.
—  Beurteilung  677,
—  Gesetzliche  Bestimmungen  574.
—  Herstellung  573.
—  Untersuchungsverfahren  574.
—  —  Farbstoffe  575.
Fette,  tremde  575.
        <pb n="1095" />
        Sachregister.

1077

Schweinefett,  Untersuchungsverfahren,  Frisohhaltungsmittel
  575.
—  Probenahme  574.
—  Verfälschungen  574,
Schnitze  -  Ostermanns  Extrakt-Tabelle
1025.
Secale  cereale,  mikrosk.  Untersuchung  290.
Seignettesalz-Lösung,  Darstellung  966.
Seifenlösung,  Darstellung  für  Härtebestimmungen
  969.
Senf,  schwarzer,  mikrosk.  Untersuchung  386.
—  weißer,  „  „  386.
Senföl,  Bestimmung  in  Cruciferensamen  269.
Septoria-Arten,  mikrosk.  Nachweis  404.
Sesam,  mikrosk.  Untersuchung  348.
Sesamöl,  Untersuchung  585.
Sesamum  indicum,  mikrosk.  Untersuch.  348.
Setaria  viridis,  mikrosk.  Untersuchung  381.
Sheafett,  Konstanten  542.
SilbernitraLLösung,  Darstellung  975.
Silberrückstände,  Aufarbeitung  975.
Silikatbasen,  Bestimmung  im  Boden  16.
Sinapis  alba,  mikrosk.  Untersuchung  386.
—  arvensis,  „  „  385.
—  nigra,  „  „  386.
Sirup  s.  Fruchtsirup  747  und  Stärkesirup  655.
—  Untersuchung  in  der  Zuokerfabrikation
605.
Soda,  Nachweis  im  Bier  738.
—  —  in  Milch  478,
—  —  in  Wasser  824.
staub,  Schädlichkeit  für  Pflanzen  925.
Sojabohnenöl,  Konstanten  542.
Sojabohne,  mikroskop.  Untersuchung  330.
Soja  hispida,  „  „  330.
Sommerrübsen,  „  „  339.
Sonnenblumenkerne,  „  „  365.
Sonnenblumenöl,  Konstanten  542.
Sorghohirse  (Sorghum  vulgare),  mikrosk.
Untersuchung  318.
Soxhletscher  Fettbestimmungsapparat  221.
Speisefette  516  (siehe  Öle).
Speiseöle  516  (siehe  Öle).
Spektroskop.  Untersuchung  von  Fetten  626.
Spelzweizen,  mikrosk.  Untersuchung  299.
Spergula  arvensis,  mikrosk.  Untersuohung394.
Spezifisches  Gewicht,  Bestimmung  mit  Aräometer ­
  bei  Milch  451.
—  —  bei  Spiritus  672.
—  mit  Pyknometer  bei  Milch  449.
bei  Wein  758.
—  mit  Schumanns  Pyknometer  116.
—  mit  Westphalscher  Wage  449.
—  nach  Fes  ca  bei  Kartoffeln  649.
—  nach  Stohmann  bei  Kartoffeln  648.
Sphagnum-Torf,  mikroskop.Untersuchung  397.
Spanische  Erde  als  Klärmittel  für  Wein  794.
Spiritus,  Branntweine  und  Liköre  671.
—  Beurteilung  694.
—  Unterscheidung  einzelner  Branntweinsorten
  695.
—  Untersuchung  auf  Ätherarten  690.

Spiritus,  Branntweine  und  Liköre,  Untersuchung ­
  auf  ätherische  Öle  691.
Aldehyd  685.
Alkohol  672.
—  TabellezurBerechnungvonAlkohol
1031,  1037.
Bitterstoffe  693.
Denaturierungsmittel  682,  684.
—  —  Essenzen  691.
Esterarten  690.
Extrakt  691.
Farbstoffe  692.
—  —  Freie  Säuren  687.
Furfurol  687.
—  —  Fuselöl,  Bestimmung  676.
—  nach  E.  Beckmann  680.
nach  Eöse-Stutzer-Beitmair
676.
Metalle  694.
Mineralstoffe  691.
Pflanzenextrakt  692.
Säuren  687.
Spez.  Gewicht  671.
Zucker  692.
Spiritusfabrikation  661.
—  Brennereibetrieb,  Beurteilung  671.
—  Rohstoffe  661.
—  —  Getreidearten  661.
Hefe  662.
—  —  Kartoffeln  661.
—  —  Maische,  süße  662.
Berechnung  der  nicht  aufgeschlossenen ­
  Stärke  665.
—  des  Beinheitsquotienten  665.
—  des  Trebervolumens  665.
—  Dextrin  663.
Ermittelung  des  Verlaufes  der
Zuokerbildung  662.
—  —  —  Maltose  663.
—  Prüfung  auf  unaufgesohlossene
Stärke  663.
Saccharometergrade  663.
Maische,  vergorene  665.
Alkohol  668.
Dextrin  666.
Diastaseprüfung  666.
Maltose  666.
Saccharometrische  Prüfung  666.
Säure  667.
—  Vergärungsgrad  666.
Malz  662.
—  —  Melasse  661.
Schlempe  669.
Wasser  661.
Spörgel,  mikroskop.  Untersuchung  394.
Sporidesmium  exitiosum,  mikrosk.  Nachweis
413.
—  putrefaoiens,  mikrosk.  Nachweis  406.
Spreufege  nach  Nobbe  für  Sämereien  438.
Stärke,  Bestimmung  238.
—  Berechnung  nach  dem  gewogenen  Kupfer,
Tabelle  992.
        <pb n="1096" />
        1078

Sachregister.

Stärke,  Bestimmung  aus  dem  spez.  Gewicht
hei  Kartoffeln,  Tabelle  1030.
—  Prüfung  auf  unaufgeschlossene  in  der
Maische  663.
Stärkefabrikation  647.
—  Abfälle  655.
—  Chemische  Hilfsstoffe  651.
—  Eohstoffe  647.
Getreide  648.
—  —  Kartoffeln  647.
—  Stärke  651.
Stärkemilch  651.
—  —  Feuchte  Stärke  651.
Untersuchung  auf  Verunreinigung
652.
Wasser  651.
Wasserlösliche  Bestandteile  651.
Trockne  (Handels-)  Stärke  652.
—  —  —  Untersuchung  auf  Asche  653.
Fett  652.
Großkörnigkeit  653.
—  Klebfähigkeit  654.
—  Säure  653.
—  Stärke  662.
—  —  —  Stickstoff  652.
Verunreinigungen  654.
Wasser  652.
Stärkelösung  für  jodometrische  Arbeiten,
Darstellung  969.
Stärkeschlamm  655.
Stärkesirup  und  Stärkezuoker  655.
—  Untersuchung  auf  Asche  659.
—  —  Dextrin  656.
Glukose  655.
Grädigkeit  659.
—  —  Säure  659.
Vergärbare  Stoffe  657.
Viskosität  659.
—  —  Wasser  655.
—  •—  Wasserunlösliche  Stoffe  659.
Stärkezuokeressig  699.
Stainerscher  Keimapparat  439.
Stallmist  124.
—  Berechnung  der  Analysen-Ergebnisse  auf
ursprünglichen  Stallmist  129.
—  Bindungsmittel  134.
—  Einstreu-  und  Frischhaltungsmittel  132.
—  Jauche  131.
—  Probenahme  125.
—  Untersuchung  des  festen  Anteiles  128.
—  Asche  und  deren  Bestandteile  128.
Schwefel  128.
Stickstoff  128.
Wasser  128.
—  Untersuchung  des  flüssigen  Anteils  127.
—  —  Ammoniak,  flüchtiges  127.
gebundenes  127.
—  Asche  und  deren  Bestandteile  127.
Chlor  127.
Kohlensäure  127.
—  —  Phosphorsäure  127.
Salpetersäure  127.

Stallmist,  Untersuchung  d.  flüssigen  Anteils:
Schwefel  128.
Schwefelsäure  127.
—  —  Stickstoff  (Gesamt)  127.
Trookenrückstand  127.
—  —  des  natürlichen  Stallmistes  auf  Gesamtstickstoff ­
  131.
—  Verarbeitung  der  Probe  126.
Stammersches  Farbenmaß  610.
Stammwürze,  Bestimmung  733.
Staub,  Nachweis  der  Beschädigung  von
Pflanzen  durch  924.
Staubbrand,  Beschreibung  398.
Stearinsäure,  Bestimmung  im  Wachs  938.
Steinhrand,  Beschreibung  398.
Steinkohlenasche,  Untersuchung  206.
Steinnuß,  mikroskop.  Untersuchung  395.
Stellaria  media,  mikroskop.  Unters.  390.
Stickstoff,  Bestimmung  136.
—  Ammoniak-Stickstoff  142.
—  —  Destillation  mit  Natron  oder  Magnesia
142.
—  —  mittels  Kn  op-Wagner  sehen  Azotometers ­
  142.
—  —  nach  Schlösing  142.
—  Berechnung  eines  Kubikzentimeters  Stickstoff ­
  nach  Dietrich,  Tabelle  982.
—  Gesamt-Stickstoff  136.
—  —  nach  Kjeldahl  136.
—  Salpetersäure-Stickstoff  141.
—  —  Bestimmung  neben  org.  Stickstoff  nach
Pfeiffer  147.
—  —  mit  dem  Nitrometer  147.
—  —  nach  Foerster  141.
—  Jodlbaur  141.
Eeduktionsverfahren  zuAmmoniak  145.
nach  König-Böttcher  145.
Ulsch  147.
—  —■  Deduktion  zu  Stickoxyd  (Schlösing-Wagner)
  144.
Stickstofffreie  Bxtraktstoffe,  Best.  224.
Stilbum  erythroc.,  im  verunr.  Wasser  841.
Stillingiafett  (-talg),  Konstanten  542.
Stippen,  Bestimmung  in  Stärke  654.
Stoffweohselerzeugnisse,  Bestimmung  123.
Stroh  132,  siehe  „Binstreumittel“.
Strontianit,  Untersuchung  105.
—  —  Deutsches  Verfahren  106.
—  —  Französisches  Verfahren  106.
Strontiumsaccharat,  Untersuchung  613.
Süßweine,  Unters,  u.  Beurteilung  790.
Superphosphat  180.
—  Untersuchung  auf  Feuchtigkeit  182.
Fluor  182.
Gesamtphosphorsäure  182.
Stickstoff  180.
—  —  Wasserlösliche  Phosphorsäure  180.
—  —  Zitratlösliche  Phosphorsäure  181.
Superphosphatgips  186.
—  Untersuchung  auf  Feuchtigkeit  186.
Kalk  186.
—  —  Magnesia  186.
        <pb n="1097" />
        Sachregister.

1079

Superphosphatgips,  Untersuchung  auf  Phosphorsäure, ­
  freie  186.
—  —  —  gesamte  186.
—  wasserlösliche  186.
Sand  186.
—  —  Schwefelsäure  186.
—  —  Unlösliches  186.

T.
Tabelle  der  Atomgewichte  der  Elemente  1051.
—  der  Faktoren  zur  Berechnung  der  gesuchten ­
  Substanz  aus  der  gefundenen  1051.
Tabellen:
la.  u.  Ib.  Berechnung  der  Kohlensäure  für
den  Scheib  1  ersehen  Apparat  981.
II.  Gewichte  eines  Kubikzentimeters
Sticktoff  nach  Dietrich  983.
III.  Umreohuug  des  gewogenen  Kupferoxyds ­
  auf  Kupfer,  für  alle  Zuckerarten ­
  nach  Ä.  Pernau  984.
IV.  Bestimmung  der  Glukose  nach
Meissl-Allihn  986.
V  a.  Bestimmung  des  Invertzuckers
nach  Meissl  988.
Yb.  Bestimmung  des  Invertzuckers  im
Rübenzucker  nach  Herzfeld  989.
VI.  Bestimmung  der  Maltose  nach
Wein  991.
VII.  Bestimmung  der  Stärke-  und  Dextrine ­
  nach  Wein  992.
VIII.  Bestimmung  der  Laktose  nach
Soxhlet  994.
IX.  Bestimmung  der  einzelnen  Zuokerarten ­
  mit  Pehlingscher  Lösung
nach  Kjeldahl  995.
Xa.  Bestimmung  der  Pentosen  und
Pentosane  aus  dem  Phloroglucid
nach  Tollens  undKröber  1002.
Xb.  Bestimmung  der  Methylpentosen
aus  dem  Phloroglucid  nach  Tollens
und  Eilet  1007.
XI.  Korrektionstabelle  für  die  Laktodensimetergrade ­
  auf  spez.  Gewicht
bei  15°:
1.  für  ganze  Milch  1008.
2.  für  abgerahmte  Milch  1008.
XHa.  Fettbestimmung  nach  Soxhlet:
1.  für  ganze  Milch  1010.
2.  für  abgerahmte  Milch  1010.
XII  b.  Bestimmung  des  Milchfettes  mit
dem  Zeißsehen  Milchfettrefraktometer ­
  in  Fettprozenten  nach  Naumann ­
  1012.
XII  c.  Pettbestimmung  in  der  Milch  nach
Tollens  und  Schmidt  1013.
XIII.  Reduktion  der  spezifischen  Gewichte ­
  auf  Saccharometerprozente
nach  Balling  1014.
XIV.  Beziehungen  zwischen  spez.  Gewicht. ­
  Graden  Brix  und  Beaum6
1018.

Tabellen:
XV.  Extraktbestimmung  nach
Schultze-Ostermann  1025.
XVI.  Berechnung  des  Stärkemehl-  und
Trockensubstanzgehaltes  der  Kartoffeln ­
  aus  dem  spez.  Gewicht  nach
Märcker.  BehrendundMorgen
1030.
XVII.  Bestimmung  des  Alkohols  aus  den!
spezifischen  Gewicht  nachHehner
1031.
XVIII.  Desgl.  nach  K.  Windisch  1037.
XIX.  Extraktbestimmung  im  Wein  1039.
XX.  Vergleichung  verschiedener  Mostwagen ­
  1046.
XXI.  Berechnung  des  Pbosphorsäuregehaltes
  der  Düngemittel  aus  dem
gewogenen  phosphorsauren  Magnesium ­
  nach  E.  Haselhoff  1046.
Talg,  Nachweis  im  Bienenwachs  937.
Tannin,  als  Klärmittel  für  Wein  794.
Teerdämpfe,  Schädlichkeit  für  Pflanzen  918.
Teerfarbstoffe,  Nachweis  in  Wein  771.
Teeröl,  Nachweis  in  Schmierölen  954.
Teigprobe  278.
Tellerbohrer  5.
Tenebrio  molitor,  Beschreibung  423.
Terpentinöl  als  Denaturierungsmittel  684.
Thlapsi  arvense,  mikroskop.  Nachweis  388.
Thomasphosphatmehl  172.
—  Untersuchung  auf  Peinmehl  175.
—  —  Phosphorsäure  172.
—  —  —  Gesamt-  172.
—  Zitronensäurelösliche  173.
—  —  Spezifisches  Gewicht  175.
—  —  Verfälschungen,  Nachweis  176.
„Tierische  Entleerungen  118.
—  Fette  546—581.
Tieröl  als  Denaturierungsmittel  684.
Tilletia-Arten,  mikrosk.  Nachweis  398.
Tinea  granella,  Beschreibung  424.
Ton  107.
—  Berechnung  der  Analyse  109.
—  Bestimmung  im  Boden  18.
—  Beurteilung  desselben  108.
—  —  feuerfester  Tone  109.
—  Plastischer  108.
—  Schwerschmelzbarkeit  109.
—  Untersuchung  auf  Eisenoxydul  108.
—  —  Kohlensäure  108.
Sämtliche  Bestandteile  108.
—  —  Wasser  108.
Tonerde,  Bestimmung  in  Phosphaten  161.
—  —  neben  Eisenoxyd  24.
Torf,  mikrosk.  Nachweis  397.
Torfasche,  Untersuchung  206.
Torfstreu,  siehe  „Einstreumittel“  132.
Trane,  Konstanten  544,  951.
Traubenpilz,  Bekämpfung  793.
Traubenzucker  siehe  Glukose.
Treber,  ehern.  Unters.  258  (siehe  Schlempe).
—  mikroskop.  Untersuchung  370.
        <pb n="1098" />
        1080

Sachregister.

Trespe,  mikrosk.  Untersuchung  379.
Trester,  Untersuchung  258  (siehe  Schlempe).
Tresterbranntwein,  Beurteilung  695.
Trinkwasser,  Untersuchung  797  (siehe  unter
Wasser).
Tritioum  repens,  mikrosk.  Untersuchung  380.
Triticum  Spelta,  „  „  299.
Tritioum  vulgare,  „  „  291.
Trockenfäule  der  Hüben,  Pilze  der  406.
Trockenkartoffeln,  Untersuchung  372.
Trockensohlempe,  „  371.
Trockenschnitzel,  „  374.
Trockentreber,  „  370.
Trübungsgrad,  Best,  bei  Schmutzwasser  860.
—  Best,  bei  Wasser  805.
U.
Unkrautsamen,  mikroskop.  Nachweis  378.
Unverdauliche  Stickstoffverhindungen,  Best.
219.
Uranlösung,  Darstellung  titrierter  962.
—  Verwendung  zur  Bestimmung  der  Phosphorsäure ­
  149.
Uranrückstände,  Aufarbeitung  976.
üstilago-Arten,  mikrosk.  Nachweis  399.
y.
Veraschen  von  Brennstoffen,  pflanzlichen  und
tierischen  Stoffen  194,  206.
—  mit  Barythydrat  197.
—  mit  Sauerstoffgas  195,  1056.
—  mit  Wasserstoffsuperoxyd  911  u.  1056.
—  mit  verschiedenen  Zusätzen  197.
—  ohne  Zusätze  194.
Verdauung,  künstliche,  der  Kohlenhydrate  242.  ^
der  Stickstoff-Substanz  219.
Verdauungsflüssigkeit,  Bereitung  965.
Verdunstungsfähigkeit  d.  Bodens,  Bestim.  56.
Vergärungsgrad  der  Bierwürze,  Bestim.  733.
—  der  Maische  666.
Verseifungszahl,  Bestimmung  526.
Verwitterbarkeit,  Bestimmung  100.
Verwitterungserzeugnisse,  Untersuchung  97.
Vicia  faba  major,  mikroskop.  Unters.  327.
Vicia  villosa,  „  „  330.
Viehsalz,  Untersuchung  186  (s.  Kalisalz),
Viskosimeter  942.
Viskosität,  Bestimmung,  des  Bieres  736.
der  Öle  942.
—  —  der  Schmiermittel  942.
—  —  des  Stärkesirups  659.
Vogelmiere,  mikrosk.  Nachweis  390.
Vollmilch  446  (siehe  Milch).
Volumgewicht,  Bestimmung  bei  Boden  44.
bei  Sämereien  443.
W.
Wachs  931  (siehe  Bienenwachs).
Wachtelweizen,  mikroskop.Untersuchung  392.
Walflschtran,  Konstanten  544.

Walnuß,  mikroskop.  Untersuchung  364.
Walnußöl  688.
Wärmeabsorption  d.  Bodens,  Bestimmung  62.
Wärmeleitungsvermögen  des  Bodens,  Bestimmung ­
  62.
Wasser,  Schmutzwasser  863.
—  —  chemische  Untersuchung  858.
—  Albuminoid-Ammoniak  869.
—  Alkalität  864.
Ammoniak  869.
Chlor,  freies  870.
Chloride  870.
Eiweißverbindungen  870.
Pour  Hour  Test-Verfahren  864.
—  —  —  Gärversuch  872.
—  —  —  Haltbarkeit  872.
Inkubator  Test-Verfahren  865.
—  —  —  Kohlenstoff,  organischer  866.
—  —  —  Mineralstoffe,  gelöste  859.
suspendierte  859.
—  Organischer  Kohlenstoff  865.
—  Organische  Stoffe,  gelöste  859.
—  —  —  •—  suspendierte  859.
—  —  —  Oxydierbarkeit  864.
—  —  —  Säuren,  freie  864,  871.
Salpetersäure  870.
—  Salpetrige  Säure  870.
—  Schwebestoffe  859.
—  —  —  Schwefelwasserstoff  868.
—  —  —  Stärke  870.
—  Stickstoff,  organischer  gelöster  869.
—  —  —  —  suspendierter  869.
;  —  Zucker  870.
—  —  mikroskopische  und  bakteriologische
Untersuchung  873.
—  —  —  Beggiatoaalba,mikrosk.Nachw,875.
Leptomitus  lacteus,  „  „  877.
sonstige  Organismen  879,
—-  —  Probenahme  864.
Schädlichkeit  für  den  Boden  890.
—  —  durch  Auswaschung  d.  Pflanzennährstoffe ­
  890.
—  —  —  —  Verschlammung  890.
—  —  Zuführung  abnormer  und  giftiger ­
  Stoffe  890.
—  für  die  Fischzucht  883.
—  —  —  für  Grund-  u.  Brunnenwasser  892.
—  —-  —  für  gewerbliche  Zwecke  889.
—  —  —  für  die  Pflanzen  891.
—  —  —  für  die  Viehzucht  889.
—  —  Trübungsgrad,  Best,  mit  dem  Diaphanometer ­
  860.
—  —  Verunreinigung  der  Gewässer  durch
Schmutzwässer,  Schädlichkeit  und
Nachweisung  881.
—  —  Vorprüfungen  857.
—  Trinkwasser  797.
—  —  Anforderungen  an  einen  richtig  angelegten ­
  Brunnen  853.
Beurteilung  des  Wassers  als  Trinkwasser ­
  847.
        <pb n="1099" />
        Sachregister.

1081

Wasser,  Trinkwasser:
chemische  Untersuchung  805.
Abdampfrückstand  806.
—  —  —  Alkalien  824.
—  —  —  Ammoniak  808.
—  —  kolorimetrisohe  Bestimm.  809.
Auswurfstoffe  830.
Blei  826.
Chlor  818.
—  —  —  Eisen  822.
Geruch  799.
—  Geschmack  799.
—  —  —  Glühverlust  806.
—  —  —  Härte  825.
—  —  bleibende  oder  permanente  826.
—  —  —  —  Gesamt-  825,
Kali  824.
—  Kalk  824.
—  Kesselsteinhildner  827.
—  Kieselsäure  821.
—  Kohlensäure  818.
—  —  —  —  freie  818.
—  —  —  —  Gesamt-  820.
—  halbgehundene  819.
—  —  —  Kupfer  825.
—  —  —  Leuchtgasbestandteile  831.
—  —  —  Magnesia  824.
—  —  —  Mangan  823.
—  —  —  Natriumkarbonat  824.
—  Oxydierbarkeit  (organische  Stoffe)
806.
—  —  in  alkal.  Lösung  807.
—  —  —  —  in  saurer  Lösung  807.
—  —  —  Reaktion  800.
—  —  —  Salpetersäure  814.
•—  —  —  Salpetrige  Säure  810.
—  —  —  Sauerstoff  828.
—  Schwebestoffe  805.
—  —  —  Schwefefelsäure  818.
—  Schwefelwasserstoff  821.
—  Tonerde  822.
—  —  —  Trübung  805.
Zink  825.
mikroskop.  und  biolog.  Untersuchung
832.
—  —  —  Nährgelatine,  Darstellung  834.
—  —  —  Plattenkulturen  836.
—  Petrischalen  837.
—  Eoszaheggi-Flaschen  838.
—  —  —  —  Feststellung  der  Arten  der  Bakterien ­
  838.
—  —  —  —  Feststellung  der  Zahl  der  Bakterien ­
  834.
Unmittelbare  mikroskop,  Untersuchung ­
  839.
Pflanzliche  und  tierische  Organismen ­
  839.
—  —  Tierische  Organismen  842.
—  —  —  —  Probenahme  797.
Wasseraufsaugungsvermögen  des  Bodens,
Bestimmung  64.
—  von  Binstreumitteln,  Bestimmung  132,

Wasser-Bestimmungen  in:
—  Boden,  ehern,  gebundenes  (Glühverlust)  13.
—  —  hygroskopisches  12.
—  Butter  648.
—  Düngemitteln  136.
—  Grün-  und  Rauhfutter  254.
—  Honig  590.
—  Kalk  und  Zement  112.
—  Mergel  und  Kalkstein  102.
—  Milch  469.
—  Moorboden  88.
-—  Sauerfutter  256.
—  Schlempe,  Pülpe,  Melasse,  Trebern,
Trestern  usw.  258.
—  Sirupen  743.
—  Stallmist  128.
—  Ton  108.
—  Torfstreu,  Stroh  usw.  132.
—  Wurzelgewächsen,  Kartoffeln,  Rüben  267.
—  Zuckersäften  610.
Wasserkalk,  Untersuchung  113.
Wasserkapazität  des  Bodens,  Bestimmung  49.
Wegerich,  mikroskop.  Untersuchung  391.
Wein  753.
—  amtliche  und  sonstige  Untersuchungs-Verfahren
  757.
—  —  Äpfelsäure  765.
—  —  Alkohol  759.
Asche  762.
—  —  Baryum  741.
Bernsteinsäure  766.
Chlor  779.
Dextrin  777.
—  —  Dulcin  776.
Extrakt  760.
—  —  Farbstoffe  771.
—  —  Gerbstoff  778.
—-  —  Glyzerin  766.
Gummi  777.
Kupfer  781.
—  —  Milchsäure  765.
—  —  Mineralbestandteile  762.
Phosphorsäure  780.
Polarisation  769.
Saccharin  776.
Saccharose  769.
Säure,  flüchtige  763.
—  —  —  freie  763.
—  —  —  gesamte  763.
•  nichtflüchtige  764.
Salizylsäure  777.
—  —  Salpetersäure  780.
—  Schwefelsäure  762,  775.
Schweflige  Säure  775.
Spez.  Gewicht  758.
—  —  Säurerest  766.
—  —  Stärkezucker  770.
—  —  Strontium  781.
—  —  Weinstein  773.
■—  —  Weinsteinsäure  773.
—  —  —  Gesamt-  773.
—  —  —  freie  774.
        <pb n="1100" />
        1082

Sachregister.

Wein,  amtliche  und  sonstige  Untersuchungs-Verfahren
  :
Zitronensäure  776.
Zucker  767.
Zusätze,  verbotene  785.
—  Beurteilung  nach  dem  Weingesetz  782.
nach  dem  Nahrungsmittelgesetz  787.
—  Hilfsstoffe  753.
bei  der  Kellerbehandlung  794.
—  —  bei  der  Weinerzeugung  792.
—  Kellerbehandlung  794.
—  Krankheiten  788.
—  Rohstoffe  742.
Most  753.
Weintrauben  742.
—  Yerschnittmost  und  -Wein  755.
Zollamtliche  Untersuchung  auf  Alkohol
755.
—  Extrakt  755.
—-  Eruchtzuoker  755.
Weinhergsohwefel,  Untersuchung  793.
Weinessig,  Unterscheidung  699.
Weingeläger  (Weinhefe  oder  Eohweinstein),
Untersuchung  795.
Weingesetz,  Beurteilung  des  Weines  nach  782.
Weinstein,  Bestimmung  im  Wein  773.
—  Roh-,  Untersuchung  795.
Weintrauben,  Untersuchung  742.
Weintrester,  „  796.
Weißer  Senf,  mikrosk.  Untersuchung  386.
Weizen,  chem.  Untersuchung  270.
—  —  Backfähigkeit  272.
—  —  Nachweis  des  Ölens  279.
—  mikrosk.  Untersuchung  291.
Nackt-  291.
Spelz-  299.
Westphalsche  Wage  449.
Wicke,  mikrosk.  Untersuchung  330.
Windenknöterich,  mikrosk,  Nachw.  393.
Winterraps,  mikrosk.  Untersuchung  338.
Wolle,  Schafwolle,  Untersuchung  927.
—  —  Durohschnittsprobe  927.
Feuchtigkeit  927.
•  Probenahme  am  Tier  927.
—  —  Seifen,  alkohollösliche  und  schwerlösliche
  927.
—  —  Wollfaseru.  Schmutz  (Bestimmung  von
Asche,  Kohlensäure,  Sand,  Schwefel,
Stickstoff  u.  Wasserstoff  in  derselben)
929.
—  Wollfett  (in  Äther  lösliches)  928.
'  —  Wollsohweiß  (in  Wasser  löslicher)  928.
—  (Ammoniak,  Asche,  Kohlensäure,
Stickstoff  u.  Trockensubstanz  darin)
928.  7
Wolisch  weißfett,  Konstanten  951.
Wollstanb  als  Düngemittel  165.
—  Untersuchung  auf  Asche  166.
Feuchtigkeit  166.
Phosphorsäure  165.
Sand  166.
Stickstoff  166.

Würze  718.
—  Asche  719.
—  Dextrin  718.
—  Extrakt  718.
—  Farhentiefe  719.
—  Maltose  718.
—  Säure  718.
—  Stiokstoffverbindungen  718.
Wurzelgewächse,  Kartoffeln,  Eüben  266.
—  Probenahme  266.
■—  Spez.  Gewicht  268.
—  Untersuchung  auf  Bestandteile  267.
Wasser  267.
X.
Xanthin  und  Xanthinkörper,  Vorkommen  und
Bestimmung  212,
Xylose,  Bestimmung  230.
Z.
Zea  Mais,  mikroskop.  Untersuchung  315.
Zellreste,  Bestimmung  in  der  Stärke  663.
Zellulose,  Bestimmung  249,  1057.
Zement,  Gewinnung  und  Untersuchung  113.
—  —  Gemischter  117.
—  —  Portland-  116.
—  —  Puzzolan-  114.
•—  —  Eomau-  114.
Zentrifugalverfahren  zur  Bestimmung  des
Fettes  in  der  Milch  459.
Ziegelerde,  Untersuchung  110.
Zink,  Bestimmung  im  Boden  42.
—  —  in  den  Pflanzen  203.
Zinkjodidstärkelösung.  Darstellung  969.
Zitrathaltige  Magnesiamixtur  964.
Zitratlösliche  Phospborsäure,  Bestimmung!  56.
Zitratlösung  nach  Petermann  964.
—  nach  Wagner  964.
Zitratverfahren  zur  Best.  d.  Phosphorsäure  152.
Zitronensäure,  Bestimmung  in  Wein  766.
Zitronensäurelösliche  Phosphorsäure,  Bestimmung ­
  164.
Zitronensäurelösung  zum  Lösen  der  Phosphorsäure, ­
  Bereitung  964.
Zucker,  Bestimmung  227.
—  —  gewichtsanalytisoh  229.
maßanalytisch  227.
—  —  durch  Polarisation  233.
—  Glukose  227,  230.
•—•  —  neben  Fruktose  234.
—  Invertzucker  227,  230.
—  Laktose  230.
—  Maltose  230.
—  Saccharose  232.
—  —  im  Eübensaft  durch  Polarisation  602.
in  der  Rübe  nach  dem  Alkohol-Verfahren
  598.
—  —  —  nach  dem  Wasserverfahren  601.
im  Eohzucker  605.
—  —  —  in  sonstigen  Stoffen  (vergl.  die
Bezeichnung  hierfür).
—  Trennung  der  Zuckerarten  234.
        <pb n="1101" />
        Sachregister.

1083

Zuckeroouleur,  Untersuchung  659.
Zuckerfabrikation  597.
—  Abfalllauge  605.
—  —  als  Düngemittel  617.
Kali  617.
—  Stickstoff  617.
—  Ahsüßwässer  605.
—  Ausgelaugte  Schnitzel,  Preßlinge  615.
—  Dicksaft  und  Dünnsaft  605.
Asche  610.
Ausbeute  (Rendement)  613.
Farbe  610.
—  —  Raffmose  608.
Reinheit  613.
Saccharose  neben  Invertzucker  606.
—  *—  Wasser  610.
—  •—  Zucker  606.
—  Füllmassen,  Untersuchung  wie  Dicksaft
605.
—  Hilfsstoffe  617,
Knochenkohle  617.
—  Bntfärbungskraft  618.
—  —  —  Kohlensäure  619.
Kohlenstoff  617.
Sand  617.
—  Schwefel  617.
—  Schwefelsäure  617.
Ton  617.
—  —  —  Wasser  617.
—  —  —  Zucker  619.
Saturationsgas  619.
—  —  —  Kohlensäure  619.
Schwefelwasserstoff  619.
Schweflige  Säure  619.
—  Melassekalk,  Kalksaccharat,  Strontiansaccharat
  613.
Kalk  614,
Reinheit  614.
Spez.  Gewicht  613.
Strontian  614.
—  —  Zucker  613.
—  Melassen  und  Rohzucker,  Untersuchung
wie  Dicksaft  und  Dünnsaft  606.
—  Rohrzucker  bezw.  Rübenzucker  619.
—  —  Asche  620.
Invertzucker  620.
Raflinose  620.

Zuckerfabrikation,  Rohrzucker  hezw.  Rübenzucker; ­

—  —  Verunreinigung  620.
Wasser  619.
—  —  Zucker  619.
—  Schlempekohle  als  Düngemittel  616.
Chlor  616.
Kali  616.
—  —  Kohlensäure  616.
—  —  Natron  616.
—  —  Phosphorsäure  616.
Schwefelsäure  616.
—  —  Wasser  616.
Wasserunlösliche  Stoffe  616.
—  Sirupe,  Untersuchung  wie  Dicksaft  605.
—  Zuckerrübe,  ehern.  Untersuchung  397.
—  —  Bestimmung  des  Zuckers  697.
—  kalte  Digestion  mit  Alkohol  598.
warme  „  „  „  599.
—  kalte  „  „  Wasser  601.
—  warme  „  „  „  601.
—  —  Herstellung  des  Durchschnittsmusters
598.
—  —  Markgehalt  604.
—  —  Saftgehalt  und  Untersuchung  602.
—  —  —  Nichtzuckerstoffe  603.
—  —  —  Reinheitsquotient  603.
—  —  —  Spez.  Gewicht  602.
—  Wasser  604.
—  Zucker  602.
—  •—  mikroskop.  Untersuchung  376.
Zuckersteuergesetz,  Ausführungsbestimmungen ­
  621.
—  —  für  die  Steuerstellen  622.
—  —  für  Chemiker  628.
—  allgem.  Vorschriften  628.
—  Anleitung  zur  Bestimmung  der
Polarisation  634.
zur  Ermittelung  des  Zuckergehaltes ­
  von  zuckerhaltigen
Waren  640.
—  —  —  Bestimmungen  über  Steuervergütung ­
  und  Steuerbefreiung  637.
Feststellung  des  Quotienten  der
Zuckerahläufe  mit  und  ohne  Rücksicht ­
  auf  Raffinose  631.
        <pb n="1102" />
        Druck

Fr.  Btollberg,  Morseburg.
        <pb n="1103" />
        Taf.I.

I.

II.

Faul  et  Franz  BeneFke.  pmscerunb.

Geocfr.  litfi.Anst.  u.Steindr.  rC.L.  Keller,  Berlin  S.

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Dr.  Max  Delbrück,
Geh.  Regierungsrat.  Professor  an  der  Kgl.  landwirtschaftl.  Hochschule  und  Vorsteher  des
Instituts  für  Gärungsgewerbe  zu  Berlin.
Mit  230  Textabbildungen  und  4  Tafeln.  Gebunden,  Preis  34  M.
Stohmanns  Handbuch  der  Zuckerfabrikation.
Vierte  Auflage,
vollständig  nenhearheitet  von
Dr.  A.  Rümpler  in  Breslau.
Mit  223  Textabbildungen.  Gebunden,  Preis  24  M.
Handbuch  für  Zuckerfabriks-Chemiker.
Methoden  und  Vorschriften  für  die  Untersuchung  von  Rohprodukten,
Erzeugnissen  und  Hilfsprodukten  der  Zuckerindustrie.
Zusammengestellt  von
F.  Stolle,
Dlrektlonsassistent  der  Raffinerie  „Tölö  Sockerbruks  Aktiebolag“  Helsingfors  (Finnland).
Mit  110  Textabbildungen.  Gebunden,  Preis  13  M.
Mikroskopische  Betriebskontrolle  in  den  Gärungsgewerben
mit  einer
Einführung  in  die  technische  Biologie,  Hefenreinkultur  und  Infektionslehre.
Für  Studierende  und  Praktiker  bearbeitet
von
Prof.  Dr,  Paul  Lindner,
Vorsteher  der  Abteilung  für  Reinkultur  am  Institut  für  Gärungsgewerbe,  Berlin  N.  65.
Vierte,  neubearbeitete  Auflage.
Mit  357  Textabbildungen  und  4  Tafeln.  Gebunden,  Preis  19  M.
Handbuch  der  Milchwirtschaft
auf  -wissenschaftlicher  und  praktischer  Grundlage.
Von
Dr.  W.  Kirchner,
Professor  und  Geh.  Hofrat,  Direktor  des  landw.  Institutes  der  Universität  Leipzig.
Vierte,  neubearbeitete  Auflage.
Mit  153  Textabbildungen  und  8  Farbendrucktafeln.  Gebunden,  Preis  14  M.
Die  wissenschaftlichen  Grundlagen  der  Weinbereitung  und  Reilerwirtschaft.
Von
Prof.  Dr.  Julius  Wortmann,
Direktor  der  Königl.  Preuss.  Lehranstalt  für  Wein-,  Obst-  und  Gartenbau  ln  Geisenheim  am  Rhein.
Mit  31  Textabbildungen.  Gebunden,  Preis  12  M.
Zu  beziehen  durch  jede  Buchhandlung.
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        Verlag  von  Paul  Parey  in  Berlin  SW.,  Hedemannstrasse  io.

Zu  beziehen  durch  jede  Buchhandlung.

nniiniirffrljaftlirlir

XXXIII.  Jahrgang.
Wöchentlich  zwei  starke  Nummern.  (Mittwochs  und  Sonnabends.)
Jede  Nummer  mit  eigener  Handelsbeilage.  Jeden  Monat  eine  künstlerisch  ausgeführte  farbige  Beilage.
Durch  jedes  deutsche  Postamt  bezogen,  Preis  vierteljährlich  5  M.
Unter  Kreuzband  bezogen:  In  Deutschland  und  Österreich  vierteljährlich  B  M.  Im  Weltpostverein  vierteljährlich  1  M.  50  Pf.

Landwirtschaftliche  Jahrbücher.
Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Landwirtschaft  und  Archiv  des  Königlich  Preussischen  Landes-Dkonomie-Kollegiunts.
Herausgegeben  von
Dr.  H.  Thiel,
Wirkt.  Geheimer  Ober-Regierungsrat  und  Ministerialdirektor  im  Königl.  Preussischen  Ministerium  für
Landwirtschaft,  Domänen  und  Forsten.
Fünfunddreissigster  Band.  1906.
Preis  des  Bandes  von  sechs  Heften  mit  in  Sa.  ca.  960  Seiten,  nebst  Tafeln  28  M.
Die  landwirtschaftlichen  Versuchs-Stationen.
Organ  für  naturwissenschaftliche  Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Landwirtschaft.
Unter  Mitwirkung  sämtlicher  Deutschen  Versuchs-Stationen
herausgegeben  von
Dr.  O.  Kellner,
Geheimer  Hofrat,  Professor,  Direktor  der  Königl.  landwirtschaftl.  Versuchsstation  Möckern.
Dreiundsechzigster  Band.  6  Hefte.  Preis  12  M.

Journal  für  Landwirtschaft.
Im  Aufträge  der  Laudwirtschaftskammer  für  die  Provinz  Hannover
herausgegeben  unter  Beteiligung  der  landwirtschaftlichen
Institute,  Laboratorien  und  Versuchsanstalten  deutscher  Hochschulen.
Unter  Mitwirkung  von
Dr.  J.  Esser,  Dr.  W.  Fleischmann,  Dr.  F.  Lehmann,  Dr.  C.  v.  Seelhorst,
Geh.  Med.-Rat,  Professor,  Geh,  Reg.-Rat,  Professor,  Professor,  Professor,
Direktor  des  Direktor  des  Direktor  der  Direktor  des
1  lerarznei-Instituts  landw.  Instituts  landw.  Versuchsstation  landw.  Versuchsfeldes
redigiert  von
Dr.  B.  Tollens,
Geh.  Reg.-Rat,  Professor,  Direktor  des  agrikultur-chemischen  Laboratoriums  zu  Göttingen.
Vierundfünfzigster  Jahrgang.  4  Hefte.  Preis  10  M.
liMniit  übei  die  Fortschritte  auf  dem  GesamtgeUete  der  DgiiHuUeie.
Dritte  Folge  VII.  1904.  Der  ganzen  Eeihe  siebenundvierzigster  Band.
Herausgegeben  von
Dr.  Th.  Dietrich,
Geheimer  Regierungsrat,  Professor,  Hannover.
Preis  28  M.
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        Aufarbeitung-  einiger  Rückstände.

977

die

Fltl

spt
rui
am

und  Ammoniak
Mutterlauge,
4.  Molybd|
Die  saure
ebenso  die  ammij
abgeheberte
ziemlich  stark
Dabei  scheidet
einer  festen,  der
Feuer  oder  im  S
bildung  zersprir
Mutterlauge
Me  Aufbewahr
und  fügt  die
kruste  alsbald
lisehe  Flüssigke:
eingedampft  woi
filtriert  und  ein:
Die  Mutte
sauren  Ammon,
fügt,  und  reinigj
Die  Muttej
die  zweite  Mutt
lost  sie  bei  der
sationslauge  wie
Weil  aber
enthalten,  so  ein!
Wieder  auszufäll'
Waschen,  in  Ami
Menge  von  Majj
Wird  dann  nach 1
auskristallisierte
Und  Umkristalli:
aus  Molybdänsäui
ständen  gegeben
W.  Vena
durch  Zusatz  vo
Filtrat  die  Moly
getrockneten  Nij
gebildete  Baryu
durch  Kristallis
5.  Jodrücj
Bestimmung  der
sie  das  Chlorofoi
!)  p.  Wag
2 )  Chem.-Zi
3 )  Zeitschr.f
Landwirteoqaftl

iS

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CD
~^4

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00

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00

O
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und  andere  Verunreinigungen  befinden  sich  in  der
sn  bis  zur  nächsten  Aufbereitung  aufbewahrt.
P.  Wagner 1 )  verfährt  folgenderweise:
5 ssigkeiten  werden  für  sich  in  Flaschen  aufbewahrt,
jidltrate.  Bei  der  Aufarbeitung  wird  die  saure,  klar
hier  großen  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade
ngliohe  Flüssigkeit  auf  etwa  l 1 / 2  1)  eingedampft,
ganze  Molybdänsäuregehalt  der  Flüssigkeit  in  Form
le  anhaftenden  Kruste  ab.  (Es  darf  nicht  über  freiem
**  impft  werden,  weil  sonst  die  Schale  durch  die  Krustenit ­
  die  Porzellanschale  etwas  erkalten,  beseitigt  die
J-änsäurekruste  mit  etwas  Wasser  ab,  welches  man  in
ckgießt,  setzt  die  Schale  wieder  auf  das  Wasserbad
Flüssigkeit  hinzu,  in  welcher  sich  die  Molybdänsäureißt
  abdampfen,  bis  schließlich  sämtliche  ammoniakale
  gebracht  und  in  demselben  Verhältnis  wie  oben
:rd  heiß  durch  ein  Faltenfilter  in  eine  andere  Schale
i  stehen  gelassen.
:f  man  sodann  von  dem  auskristallisierten  molybdäntalle
  mit  etwas  Wasser  ab,  das  man  zur  Mutterlauge
ch  Umkristallisieren.
aan  bis  auf  1 / 2  1  ein,  läßt  auskristallisieren,  gießt
läßt  die  ausgeschiedene  Kristallmasse  trocknen  und
arbeitung  der  Molybdänrückstände  in  der  Kristallidolybdänlösungen
  jetzt  vielfach  Zitronensäure
,  die  Molybdänsäure  umgekehrt  durch  Phosphorsäure
:  rschläge  zu  sammeln,  alsdann  zu  filtrieren,  auszui
  und  in  dieser  Lösung  durch  Zusatz  einer  genügenden
ie  Phosphorsäure  wieder  auszufällen.  Das  Filtrat
jedunstet,  zum  Kristallisieren  erkalten  gelassen,  das
;Ä!  Amnion  durch  Lösen  in  ammoniakalischem  Wasser
f;  t.  Die  letzten  Ausscheidungen  bestehen  vorwiegend
::  pn  der  Mutterlauge  getrennt  und  zu  den  neuen  Eückt,
  die  Lösungen  von  phosphormolybdänsaurem  Ammon
und  Ammoniak  von  Phosphorsäure  zu  befreien,  im
.ch  Chlorbaryum  zu  fällen,  den  ausgewaschenen  und
ch  Behandlung  mit  Ammonsulfat  zu  zersetzen,  das
frieren  und  im  Filtrat  das  molybdänsaure  Ammon
lonsulfat  zu  trennen.
Dlig  und  J.  Tillmans 8 )  verarbeiten  die  bei  der
gj  idzahl  abfallenden  Jodrückstände  in  der  Weise,  daß
heidetrichter  abtrennen  und  die  wässerige  Flüssigkeit
k
der  Düngerfabrikation,  1877,  192.
B.
g  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1906,  11,  Heft  2.

flage.

62
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        ﻿
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