<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Großhandel und Industrie optisch-photographischer Bedarfsartikel</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Fritz</forname>
            <surname>Hansen</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>883877538</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        ﻿Zer AH«del mi&gt; die deutsche MMtfdjuft

Eine Heftfolge, herausgegeben vom Ientralverband
des Deutschen Großhandels

Heft 11

GrOmdkl uni Mßrie

Von

Fritz Hansen

Syndikus,

Generalsekretär des Vereins der Fabrikanten
photographischer Artikel E. V.

Berlin 1918

o Verlag von Reimar Hobbing o
        <pb n="2" />
        ﻿Die Sammlung „Der Großhandel und die deutsche Volks-
wirtschaft" wird vom Zentralverband des Deutschen Groß-
handels herausgegeben.

Sie bezweckt, in abgeschlossenen Aufsätzen, an denen her-
vorrageüde Fachleute mitarbeiten, auch auf Grund der
Friedenstätigkeit zu zeigen, welche Bedeutung der Groß-
handel, insbesondere gegenüber den Erfahrungen der
Kriegswirtschaft, für die Abergangswirtschaft und die
zukünftige Friedensarbeit haben wird und haben muß.

So sollen unter anderem folgende Stoffe behandelt
werden: Der Großhandel als Kreditgeber; D. G. als
ausgleichender Faktor für die Preisbildung; D. G. in
seinem Verhältnis zur Produktion; D. G. in seiner Be-
deutung für das Wirtschaftsleben überhaupt; Die Mit-
wirkung des G. an der Wiederherstellung des Welt-
handels; Die Tätigkeit des G. zur Erschließung neuer
Wege der deutschen Einfuhr und Ausfuhr; usw.

Während in diesen Heften die Bedeutung des Groß-
handels in allgemeinen Grundzügen dargestellt wird,
sollen andere Arbeiten Ausführungen über Art und Be-
deutung verschiedener Tätigkeitsgebiete des Großhandels
bringen, z. B.: Der Großhandel in Kartoffeln; D. G.
in Süßstoff; D. G. in Getreide; D. G. in Chemikalien;
D. G. in Textilrohstoffen; D. G. in Textilfabrikaten;
D. G. in eiweißhaltigen Futtermitteln; D. G. in Fetten
und ölen; D. G. in Häuten und? Fellen; D. G. in
Erzen und Metallen; usw.

Die Sammlung wird so für Politiker, Behörden und
Fachleute sehr wertvolle Kenntnis der wichtigsten Vor-
gänge und Einrichtungen der gesamten deutschen Wirt-
schaft bieten

Preis des einzelnen Heftes 60 Pfg.

Die ganze Heftfolge, bestehend aus 20 Heften, zusammen
bezogen, 10 Mark.
        <pb n="3" />
        ﻿Der Großhandel und die deutsche Volkswirtschaft

Eine tzeftfolge, herausgegeben vom Zeniralverband des Deutschen Großhandels.

GrOandel und Industrie
ojitlH-chotograiihischkr KeducharliKel.

Von

Fritz Hansen

Syndikus,

Generalsekretär des Vereins der Fabrikanten
photographischer Artikel E. V.

Berlin 1918

Verlag von R e i m a r Hobbing
        <pb n="4" />
        ﻿
        <pb n="5" />
        ﻿I

Vorbemerkung.

Unter den deutschen Jnvustrieerzeugnissen nehmen die optisch-
photogravhischen Artikel eine besondere Stelle ein. Handelt es sich
doch dabei um hochwertige Fertigsabrikate, mit denen Deutschland im
Frieden die ganze Welt versorgte. Die Bedeutung dieser optisch-photo-
graphischen Artikel für den Innen- und Außenhandel tritt noch da-
durch besonders in die Erscheinung, daß lange Jahre hindurch mit der
Konkurrenz des Auslandes zu rechnen war, und daß es zäher, mühe-
voller Arbeit bedurfte, um den deutschen Erzeugnissen nicht nur im
Jnlande gegenüber den Fabrikaten des Auslandes den Vorrang, zu
sichern, sondern sie auch im Auslande so einzuführen, daß deutsche
optisch-photographische Artikel im Welthgndel sich erfolgreich der
Konkurrenz gegenüber behaupten, ja durch shre.,Qualität sogar domi-
nieren konnten.

Vom Wesen dieses Großhandels ist allerdings über den Kreis der
engeren Fachleute hinaus wenig bekannt, und außer meinen Publi-
kationen über die photographische Industrie Deutschlands aus den
Jahren 1901 und 1907 gibt es noch keine zusammenfassende Übersicht
über den Handel in optisch-photographischen Artikeln.

Deshalb bietet sich durch die Schriftenfolge des Zentralverbandes
des Deutschen Großhandels jetzt willkommene Gelegenheit, zu zeigen,
wie auch dieses Gebiet des Handels in Deutschland wesentliche Be-
deutung erlangt hat.

Berlin, Ende September 1918.

Fritz Hansen.
        <pb n="6" />
        ﻿Inhaltsübersicht.

Seite

Vorbemerkung............................................................. 3

I.	Die	optisch-photographischen	Artikel.................................5

II.	Die	Fabrikation.......................................................6

Geschichtliches. — Rohstoffe.

III.	Die Ein- und Ausfuhr in optischen und photographischen Bedarfs-
artikeln ..........................................................  11

IV.	Der	deutsche Handel	in	optisch-photographischen Artikeln ... 16

Die Geschäftsbedingungen des Innenhandels. — Der Außen-
handel. — Der Export, insbesondere nach Rußland, Frankreich,
England, Skandinavien. — Die deutschen optisch-photo-
graphischen Erzeugnisse auf dem Weltmarkt. — Das Export-
interesse der optisch - photographischen Industrie und des
Großhandels.

V.	Die Organisation der optisch-photographischen Industrie und des ,

Großhandels....................................................23

VI.	Die Lage während des Krieges....................................25

Der verlorene Export. — Wegfall der ausländischen
Konkurrenz. — Die Zunahme der Produktion und des Konsums
im Jnlande. — Die Einwirkung der Luxussteuer. — Die
Ausfuhrverbote.

VII.	Die Aussichten nach dem Kriege......................................29

Bestrebungen zur Schaffung einer eigenen Industrie im
Auslande. — Die Wichtigkeit der Handelsverträge. — Wünsche '
der optisch-photographischen Industrie für die Neugestaltung
des Zolltarifs.
        <pb n="7" />
        ﻿I. Die optisch-photographischen Artikel.

Der Großhandel mit optisch-photographischen Artikeln ist außer-
ordentlich umsangreich und weit verzweigt. Eine zusammenfassende
Behandlung der in Betracht kommenden Erzeugnisse aus den Ge-
bieten der Optik, Mechanik, Chemie und Papierverarbeitung recht-
fertigt sich jedoch durch den Umstand, daß für die Fabrikation und
den Absatz dieser verschiedenartigsten Artikel an die Konsumenten
Zumeist die gleichen Organisationen und Händler in Betracht
kommen. Der Händler läßt sich nicht nur den Verkauf von Objek-
tiven, Apparaten, Chemikalien, lichtempfindlichen Papieren ebenso
wie Lampen, Schalen und allen anderen photographischen Bedarfs-
artikeln angelegen sein, sondern er hat auch in vielen Fällen den Ver-
kauf von Brillen, Ferngläsern, Meßinstrumenten usw. Ebenso ist
auch die Fabrikation der verschiedenen Artikel, wie Apparate, Ob-
jektive und Fernrohre, Chemikalien, Platten und Papiere sehr oft in
den gleichen Fabriken vereinigt. Die Absatzbedingungen für diese ver-
schiedenartigen Erzeugnisse sind ebenfalls in den meisten Fällen die
gleichen, und auch der Zusammenschluß vom Händlern und Fabrikanten
ist in Organisationen erfolgt, denen diejenigen angehören, welche
auf dem weiten Gebiete tätig sind, das Optik und Photographie
vereinigt.

Es sollen deshalb Handel und Fabrikation in Optik und Ka-
merabau, Trockenplatten, Filme, Chemikalien, lichtempfindliche Pa-
piere, photographische Kartonpapiere, Lampen und andere photo-
graphische Bedarfsartikel den Gegenstand der nachstehenden Aus-
führungen bilden.
        <pb n="8" />
        ﻿6

II Die Fabrikation.

Die Industrie optisch-photographischer Bedarfsartikel ist, wenn
sie auch naturgemäß an Umfang nicht mit den großen Industrien,
wie es z. B. die Textil- und Eisenindustrie sind, konkurrieren kann,
doch in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Sind doch heute
Optik und Photographie auf allen Gebieten der Wissenschaft, der
Kunst und der Technik von größtem Wert und Einfluß. Wer daher
die volkswirtschaftliche Bedeutung des deutschen Handels mit optisch-
photographischen Artikeln festzustellen sucht, der muß auch, will er
ein richtiges Bild gewinnen, der umfangreichen und weitverzweigten
Industrie gedenken, in deren Werkstätten das geistige Schaffen der
Erfinder und Entdecker zur Tat ward und deren Betriebe in Ver-
bindung mit dem Großhandel vor dem Kriege nicht zuletzt ihr Teil
zu dem wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands und zu seiner Ent-
wicklung zu einem der ersten Industriestaaten der Welt beigetragen
haben.

Die deutsche optisch-photographische In-
dustrie ist noch verhältnismäßig jung. Wenn auch vielfach
Deutsche es waren, die den Grund legten für wissenschaftliche For-
schungen auf dem Gebiete der Optik, so hatte doch lange Zeit die
Präzisionstechnik Englands und Frankreichs einen bedeutenden Vor-
sprung und konnte fast ausschließlich den Bedarf der Welt an optisch-
photographischen Artikeln decken. Bis in die achtziger Jahre des
vorigen Jahrhunderts waren brauchbare optische Gläser nur in
Paris, Birmingham und Manchester zu erhalten, und erst mit der
Einführung der Jenenser optischen Gläser begann eine neue Aera
für die deutsche Optik.

Die Studien über die Abhängigkeit der optischen Eigenschaften
von der chemischen Zusammensetzung des Glases, die Fraunhofer
nach Newtons Arbeiten wieder aufgenommen hatte, wurden zwei
Menschenalter später durch Dr. Schott und Professor Abbe fort-
gesetzt und bildeten den Ausgangspunkt der neuzeitlichen Glasfabri-
kation in Jena.

Auf Grund dieser Arbeiten war es möglich, optische Gläser von
ganz neuer Zusammensetzung und noch nicht dagewesenem Brechungs-
vermögen zu liefern. Die neue Glasart machte es der Optik möglich,
in ihren Berechnungen neue Bahnen einzuschlagen und Instrumente
zu konstruieren, die nach jeder Richtung hin alle Erwartungen über-
trafen. Die Fabrikation der optischen Instrumente, die Gegenstand
des Handels sind, umfaßt hauptsächlich neben Brillen, deren Pro-
duktion fast ausschließlich in der deutschen Brillenstadt Rathenow
        <pb n="9" />
        ﻿7

erfolgt, Ferngläser, Galileische und Keplersche (terrestrische) Fern-
rohre. Eine Spezialität bilden hier die Prismenfernrohre, in deren
Herstellung unsere großen optischen Anstalten konkurrenzlos dastehen.
Die durch Fraunhofer auf allen Gebieten der Optik angebahnte Er-
kenntnis kam aber auch anderen wissenschaftlichen Instrumenten zu-
gute. So vor allem den Mikroskopen und den photographischen Ob-
jektiven. In bezug auf diese verschiedenen optischen Instrumente
steht unsere deutsche optische Industrie in der Leistungsfähigkeit un-
bestritten an der Spitze.

Die großen weltbekannten Firmen der optischen
Industrie in Jena, Berlin, Rathenow, Braunschweig und München,
die im Besitze der wertvollen Konstruktionen sind, erzeugen einen ganz
erheblichen Teil der gesamten Produktion an optischen Erzeugnissen,
die in der ganzen Welt verbreitet werden und einen beträchtlichen
Wert repräsentieren. In bezug ■ auf die Herstellung der billigeren
Gläser konnte Deutschland lange nicht mit Frankreich konkurrieren.
In letzter Zeit hat man es aber auch vorzüglich verstanden, billtge
optische Instrumente aus Deutschland im Auslande gut einzuführen,
und in der Herstellung optischer Instrumente aller Art nimmt heute
die deutsche Industrie den ersten Rang ein.

Auf dem Gebiete des Baues photographischer Apparate wurde
früher viel vom Auslande nach Deutschland eingeführt. Erst ganz
allmählich entwickelte sich die deutsche Kameraindustrie, die heute eine
stattliche Anzahl Großbetriebe aufzuweisen hat. Die bedeutendsten
Fabriken, besonders für Stativapparate, befinden sich in Görlitz,
während in Dresden einige große Fabriken bestehen, die als Spe-
zialität Handapparate anfertigen. In Leipzig und Berlin werden
vornehmlich die wertvollen Apparate für Reproduktion und wissen-
schaftliche Forschung hergestellt.

Den größten Umfang hat in Deutschland die Fabrikation von
Handkameras angenommen, und außer den Großbetrieben in
Dresden und Görlitz existieren auch in anderen Städten einschlägige
Fabriken. In der Schaffung einzelner Konstruktionen, die in der
ganzen Welt viel begehrt und benutzt wurden, war unsere deutsche
Kameraindustrie außerordentlich glücklich, und es war zu konsta-
tieren, daß keineswegs die billige Massenware, sondern die kompli-
zierteren feineren Apparate in Deutschland am meisten für den Be-
darf des Auslandes hergestellt wurden. Die deutsche Kameraindustrie
ist besonders deshalb wertvoll, weil sie eine Veredelungsindustrie im
wahrsten Sinne des Wortes darstellt. Der Materialwert photogra-
phischer Kameras ist verhältnismäßig gering. Ein Stück Glas, einige
Stücke Holz und Metall, sowie etwas Leder repräsentieren eine
Kamera im Werte- von mehreren hundert Mark. Der Hauptwert, den
        <pb n="10" />
        ﻿ö

die Kamera in ihrer Gebrauchsfertigkeit darstellt, beruht auf dem
darin niedergelegten Arbeitswert, ist die Bezahlung für die zur Her-
stellung aufgewandte Intelligenz und manuelle Geschicklichkeit.

Wenn heute der Handel mit photographisch-optischen Artikeln
die allgemein bekannte große Ausbreitung erfahren hat und die Pho-
tographie vielleicht in nicht allzu ferner Zeit so zum Gemeingut aller
werden wird, wie es heute das Schreiben ist, so ist dies in erster
Linie der Erfindung der T r o ck e n p l a t t e zu verdanken, mit der
das umständliche Arbeiten, wie es bis dahin üblich war, beseitigt
wurde und die fabrikatorische Herstellung sowie der Handel mit
optisch-photographischen Artikeln einen großen Aufschwung nahm.
Man hatte in der Trockenplatte zuerst ein Negativmaterial, das
außerordentlich lange in gebrauchsfertigem Zustande haltbar war
und sich damit für die verschiedensten Zwecke verwendbar zeigte, was
bei der Aufnahme auf den sogenannten nassen Platten nicht der Fall
sein konnte. Die Photographie wurde damit nicht mehr eine nur von
gelernten Fachleuten ausgeübte Technik, sondern konnte von jedermann
gehandhabt werden. So war es auch erklärlich, daß der Verbrauch
photographischer Trockenplatten, um deren Vervollkommnung sich
Benett, van Monkhoven sowie besonders I. M. Eder verdient machten,
ständig zunahm.

Während früher England mit seinen preiswerten und vorzüg-
lichen Trockenplatten einen großen Teil des deutschen Marktes ver-
sorgte, haben wir seit Jahren jetzt in Deutschland bedeutende Trocken-
plattenfabriken, deren Fabrikate in der Qualität hinter den auslän-
dischen Erzeugnissen nicht mehr zurückstehen. Die größten deutschen
Trockenplattenfabriken, sämtlich Großbetriebe, befinden sich in
Berlin, Frankfurt a. M., Cöln, Dresden und München. Die Her-
stellung von Filmen, die früher ausschließlich aus Amerika, Eng-
land und Frankreich bezogen wurden, hat in Deutschland erhebliche
Fortschritte gemacht, so daß auch auf diesem Gebiete die deutschen
Konsumenten nicht mehr vom Auslande abhängig sind.

Eine Spezialbranche der photographischen Industrie, in welcher
Deutschland unbestritten den ersten Platz auf dem Weltmärkte ein-
nimmt, ist die Herstellung photographischer Chemikalien. Die Sctlze
der Edelmetalle, die in der Photographie Anwendung finden, die Ge-
latine, ein wichtiges Material für die Fabrikation der Trocken-
platten und Papiere, vor allem aber die photographischen Chemi-
kalien, die zum Entwickeln, Fixieren, Verstärken usw. der Negative
dienen, werden in so großen Mengen in Deutschland hergestellt, daß
durch diese Produktion etwa 95 Prozent des Bedarfs der ganzen
Welt an photographischen Chemikalien gedeckt wurden. Neben den
wichtigen in der Photographie verwandten Salzen- der Edelmetalle
        <pb n="11" />
        ﻿• ' 9

sind es besonders die modernen Entwicklerpräparate, die ein beben*
tendes Handelsobjekt darstellen.

Von allen photographischen Artikeln ist das Papier einer
der bedeutendsten Konsumartikel, dessen Fabrikation in Deutschland
ganz besonders weit ausgedehnt ist. Schon zu der Zeit, als das
Albuminpapier noch allgemein verwandt wurde, standen die deut-
schen Fabriken fast konkurrenzlos da und auch seitdem die jetzt den
Markt beherrschenden Celloidin-, Bromsilber- und Gaslichtpapiere
aufkamen, hat die Industrie photographischer Papiere sich weiter ent-
wickelt und neben den älteren in Dresden gelegenen Etablissements
sind große Fabriken an verschiedenen Orten, besonders in Dresden,
Berlin, Friedberg in Hessen, Heilbronn, Wernigerode a. H., Lever-
kusen, Wandsbek usw. entstanden, die eine ungemein reiche Auswahl
der verschiedenartigsten Papiere herstellen.

Eine recht bedeutende Spezialfabrikation ist in der photogra-
phischen Industrie die Herstellung photographischer Kartonpapiere,
die vornehmlich in Berlin und Dresden ihren Sitz chat. Wie wichtig
dieser Fabrikationszweig ist, geht schon allein daraus hervor, daß an
Flächeninhalt der .Kartonverbrauch den Verbrauch von lichtempfind-
lichen Kopierpapieren übertrifft. Beide zusammen übertreffen an
Geldeswert den Wert aller übrigen Bedarfsartikel des Photographen.

Die Fabrikation von Dunkelkammerlampen, Ko-
pierrahmen, Schalen usw. wird von einer großen Anzahl
Fabriken, die auch noch andere, nicht photographische Artikel fabri-
zieren, betrieben. Zum geringen Teil ist an der Herstellung dieser
Bedarfsartikel auch die Hausindustrie beteiligt.

Ehe wir dazu übergehen, die Kanäle aufzusuchen, durch welche
die Produktion der optisch-photographischen Industrie vom Produ-
zenten zum Konsumenten gelangt, müssen wir noch einen kurzen Blick
auf die Rohstoffe werfen, die hauptsächlich zur Fabrikation benötigt
werden, und müssen uns darüber klar werden, ob etwa die deutsche
Industrie beim Bezüge dieser Rohstoffe von anderen Faktoren ab-
% hängt als von denen der innerdeutschen Produktion.

Als hauptsächlichster Rohstoff, dessen Fehlen, schwierige
Beschaffung oder Preisschwankung unverkennbaren Einfluß auf die
Produktions- und Absatzmöglichkeiten ausübt, ist zunächst bei den
optischen Instrumenten und bei den Trockenplatten das Glas zu
erwähnen.

Die früheren Fabrikationsstellen für optisches Glas, näm-
lich Birmingham und Paris, kommen jetzt für unsere optischen An-
stalten nicht mehr in Betracht. Sie sind auch als Bezugsquellen
völlig entbehrlich geworden, seitdem es, wie schon erwähnt, gelungen
ist, optische Gläser in Deutschland selbst herzustellen. Auch das Tafel-
        <pb n="12" />
        ﻿10

glas, in dessen Bezug unsere Trockenplattenindustrie noch vor
15 Jahren auf das Ausland, hauptsächlich Belgien und England,
angewiesen war, wird jetzt von deutschen Glashütten, die sich beson-
ders während des Krieges dieser Spezialfabrikation mit Nachdruck
zuwandten, in vorzüglicher Qualität hergestellt. Die frühere Ab-
hängigkeit, die im Bezüge dieses wichtigen Rohmaterials dem Aus-
lande gegenüber bestand, ist in den letzten Jahren vollständig beseitigt.

Ebenso verhält es sich auch in bezug auf das R o h p a p i e r.
An keine andere Papiersorte werden so viele und so hohe Anforde-
rungen gestellt wie an photographisches Rohpapier, das nicht nur fest,
gut geleimt und schön gebleicht sein soll, sondern auch den verwen-
deten Chemikalien gegenüber vollkommen reaktionslos bleiben muß.
Die Schwierigkeiten in der Fabrikation tadelloser photographischer
Rohpapiere führten dahin, daß man lange Zeit in Europa den Bedarf
der alten Welt an photographischem Rohpapier nur aus zwei Fa-
briken decken konnte, die in einem ausländischen Syndikat vereinigt
waren. Der Versuch, ein deutsches brauchbares Rohpapier für photo-
graphische Zwecke herzustellen, ist aber gleichfalls mit Erfolg durch-
geführt worden, und auch in diesem Artikel ist unsere Fabrikation
vom Auslande unabhängig.

Das Metall und Holz, das für den Bau optisch-photographischer
Instrumente und Apparate verwandt wird, ist im Jnlande genügend
vorhanden, und auch diejenigen Holzteile, für die gewisse auslän-
dische Edelhölzer, in erster Linie das amerikanische Nußholz und
Mahagoni, Verwendung fanden, lassen sich durch einheimische Holz-
arten ersetzen. Es blieben nur noch die in der Photographie ver-
wandten Salze der Edelmetalle, denn die ganze Photographie und
damit die photographische Industrie steht und fällt mit der Möglich-
keit der Silberverarbeitung. Wenn sich auch die hauptsächlichsten
Lieferanten für Silber im Auslande befinden, so ist doch auch an
diesem wichtigen Rohmaterial kein Mangel, und für die übrigen
Edelmetalle, wie Gold und Platin, die früher in der Photographie
Verwendung fanden, jetzt aber für photographische Zwecke nicht mehr
zu haben sind, wurden durch unsere großen chemischen Fabriken ent-
sprechende Ersatzstoffe gefunden.
        <pb n="13" />
        ﻿11

III.	Die Ein- und Ausfuhr in optischen und
photographischen Bedarfsartikeln.

Die Eigenart der optisch-photographischen Industrie hat zur
Folge, daß sich auch der Absatz an die Konsumenten in Formen voll-
zieht, die von denen anderer Produktionsgruppen zum Teil ganz
wesentlich abweichen. Denn es handelt sich bei den optisch-photogra-
phischen Artikeln ja nicht um Massenfabrikate, sondern um zum Teil
sehr hochwertige Einzelerzeugnisse. So kommt es, daß zum Teil der
Großhandel mit der Fabrikation eng zusammenhängt.

In Deutschland gibt es ca. 200 Firmen, die sich zum größten
Teil als Hauptbetrieb, zum Teil als Nebenbetrieb, mit der Fabri-
kation optisch-photographischer Artikel beschäftigen. Darunter be-
finden sich 15 optische Anstalten, 30 Fabriken photographischer Appa-
rate, 20 Trockenplattensabriken, 28 Fabriken photographischer
Papiere, 10 chemische Fabriken, 87 Fabriken anderer photographi-
scher Bedarfsartikel (Kartons, Rahmen, Schalen, Kopierrahmen,
Lampen, Mensuren usw.). Unter diesen Großbetrieben befinden sich
20 Aktiengesellschaften, die in der Hauptsache optisch-photographische
Artikel erzeugen. Zu bemerken ist hierbei noch, daß sehr häufig in
einem Unternehmen Betriebe verschiedener Art vereinigt sind. So
werden z. B. in den optischen Anstalten neben Brillen, Mikroskopen,
Fernrohren, optischen Instrumenten der verschiedensten Art auch
photographische Apparate angefertigt, in einzelnen großen Fabriken
der chemischen Industrie nicht nur photographische Chemikalien, son-
dern auch Trockenplatten und lichtempfindliche Papiere. Die Ge-
samtzahl der in allen diesen Betrieben beschäftigten Personen ist nicht
genau festzustellen. Die größte Arbeiterzahl weisen die optischen An-
stalten auf, die geringste die Fabriken photographischer Papiere und
Trockenplatten, was in deren wesentlich maschinellem Betriebe seine
Erklärung findet.

Wieviel Spezialhändler optischer und photographischer Artikel es
gibt, läßt sich nicht genau feststellen; ihre Zahl wird auf ca. 3000
geschätzt.

Ueber Umfang und Bedeutung des Großhandels in optisch-
photographischen Artikeln gibt die Statistik einen Ueberblick.

An rohem optischenGlas wurden im Jahre 1913 672 dz
im Werte von 168 000 M eingeführt, gegen 716 dz im Werte von
179 000 M im Jahre 1912. Hiervon kamen 1913 aus Frankreich
557 dz und aus Oesterreich-Ungarn 106 dz gegen 526 und 179 dz
im Jahre 1912.

Die Ausfuhr fiel von 5546 dz im Werte von 1165 000 M im
Jahre 1912 auf 4630 dz im Werte von 1140 000 M im Jahre 1913.
        <pb n="14" />
        ﻿12

Es gingen nach Großbritannien 143 dz und nach den Vereinigten
Staaten 3979 dz im Jahre 1913, gegen 133 dz und 5135 dz im
Jahre 1912.

Die Einfuhr an Brillen und anderen gefaßten
Augen-, Brenngläsern, Lupen betrug im Jahre
1913: 90 dz im Werte von 163 000 M,

1912: 90 dz im Werte von 168 000 M.

Die Ausfuhr dagegen betrug
1913: 1370 dz im Werte von 4 258 000 M,

1912; 1060 dz im Werte von 3 027 000 M.

Davon gingen nach Großbritannien

1913: 180 dz im Werte von 2130 000 M,

1912; 120 dz im Werte von 1661000 M.

Ferngläser, terre st rische, Operngläser wurden
eingeführt im Jahre

1913: 490 dz im Werte von 1729 000 M gegen
1912: 580 dz im Werte von 2 020 000 M.

Davon kamen aus Franreich

1913: 410 dz im Werte von 1446 000 M,

1912: 440 dz im Werte von 1537 000 M.

Ausgeführt wurden

1913: 1820 dz im Werte von 9 698 000 M,

1912: 1620 dz im Werte von 7104 000 M.

Davon gingen nach
Großbritannien:

150 dz im Werte von 1041000 M im Jahre 1913,

130 dz im Werte von 695 000 M im Jahre 1912.

Italien:

160 dz	im	Werte	von	999 000 M im Jahre 1913,

140 dz	im	Werte	von	534 000 M im Jahre 1912.

Oesterreich-Ungarn:

270 dz	im	Werte	von	1646 000 M im Jahre 1913,

190 dz	im	Werte	von	1034 000 M im Jahre 1912.

Rußland:

370 dz	im	Werte	von	2128 000 M im Jahre 1913,'

390 dz	im	Werte	von	1686 000 M im Jahre 1912.

Sonstiges optisches Glas, geschliffen, gefaßt;
Stereoskope; Mikroskope
wurden eingeführt im Jahre 1913: 100 dz im Werte von 269 000 M,
1912; 110 dz im Werte von 387 000 M. Die Ausfuhr dagegen
betrug 1913: 1860 dz im Werte von 5345 000 M, gegen 1760 dz im
Werte von 4 659 000 M im Jahre 1912.
        <pb n="15" />
        ﻿13



Davon gingen nach
Frankreich:

100 dz	im	Werte	von	285 000	M	im	Jahre	1918,

90 dz	im	Werte	von	265 000	M	im	Jahre	1912,

Großbritannien:

230 dz	im	Werte	von	682 000	M	im	Jahre	1918,

200 dz	im	Werte	von	638 000	M	im	Jahre	1912.

Italien:

70 dz im Werte von 213 000 M im Jahre 1913,

60 dz im Werte von 174 000 M im Jahre 1912.
Oesterreich-Ungarn:

170 dz	im	Werte	van	529 000	M	im	Jahre	1913,

130 dz	im	Werte	von	377 000	M	im	Jahre	1912.

Rußland:

330 dz im Werte von 1181000 M im Jahre 1913,

210 dz im Werte von 609 000 M im Jahre 1912.
Schweiz:

90 dz	im	Werte	von	241000	M	im	Jahre	1913,

140 dz	im	Werte	von	334 000	M	im	Jahre	1912.

Vereinigte Staaten:

260 dz	im	Werte	von	537 000	M&gt;	im	Jahre	1913,

240 dz	im	Werte	von	482 000	M	im	Jahre	1912.

An photographischen Linsen, geschliffen und
gefaßt; photographischen Objektiven und Appa-
r st t e n betrug die Einfuhr im Jahre

1913: 240 dz im Werte von 482 000 M,

1912 : 240 dz im Werte von 470 000 M.

Die Ausfuhr betrug im Jahre	-n

1913: 4180 dz im Werte von 10 623 000 M,

1912: 3050 dz im Werte von 7 503 000 M.

Davon gingen nach
Frankreich:

1913: 370 dz im Werte von 1206 000 M,

1912: 260 dz im Werte von 786 000 M.

Großbritannien:

1913: 660 dz im Werte von 1898 000 M,

1912: 460 dz im Werte von 1323 000 M.

Italien:

1913: 210 dz im Werte von 631000 M,

1912: 200 dz im Werte von 606 000 M.

Oesterreich-Ungarn:

1913: 560 dz im Werte von 1459 000 M,

1912; 410 dz im Werte von 1036 000 M.
        <pb n="16" />
        ﻿14

Rußland:

1913: 910 dz im Werte von 1743 000 M,

1912: 560 dz im Werte von 1092 000 M.

Schweiz:

1913; 210 dz im Werte von 643 000 M,

1912; 180 dz im Werte von 514 000 M.

Trockenplatten für photographische Zwecke
wurden im Jahre 1913 eingeführt: 3800 dz im Werte von 874 000 M
gegen 3490 dz im Werte von 804 000 M im Jahre 1912. Davon
kamen aus Großbritannien:

1913: 3360 dz im Werte von 772 000 M,

1912: 3040 dz im Werte von 698 000 M.

Die Ausfuhr betrug im Jahre

1913: 14 440 dz im Werte von 3 237 000 M,

1912: 11680 dz im Werte von 2 468 000 M.

Davon gingen nach Oesterreich-Ungarn:

1913: 4250 dz im Werte von 979 000 M&gt;,

1912: 3810 dz im Werte von 791000 M.

Die Einfuhr an lichtempfindlichem photographi-
schen Papier betrug im Jahre

1913: 716 dz im Werte von 716 000 M,

1912: 958 dz im Werte von 958 000 M.

Davon kamen aus Belgien 1913: 379 dz, gegen 479 dz im
Jahre 1912 und aus Oesterreich-Ungarn 149 dz gegen 222 dz im
Jahre 1912.

Die Ausfuhr stieg dagegen von 12 703 dz im Werte von
4 662 000 M auf 15 412 dz im Werte von 5 573 000 M.

Es gingen unter anderem nach:

1913	1912

Belgien		. .	905 dz	7127 dz
Dänemark		. .	504 „	379 „
Frankreich		. .	454 „	387 „
Großbritannien . . .	. . 3143 „	2858 „
Italien		. .	829 „	487 „
den Niederlanden . . ,	. .	725 „	616 „
Oesterreich-Ungarn . .	. . 2068 „	1545 „
Rußland		. . 2112 „	1753 „
Schweden		. .	658 „	535 „
der Schweiz		. . 1218 „	985 „
Argentinien ....	. .	415 „	390 „

Die photochemische nErzeugnisse, die als anderweit
nicht genannt in der Handelsstatistik aufgeführt werden, kommen für
den Großhandel recht erheblich in Betracht. Es wurden von diesen
Erzeugnissen im Jahre 1913 eingeführt:
        <pb n="17" />
        ﻿15

3812 dz im Werte von 596 000 M gegen
2299 dz im Werte von 414 000 M&gt; im Vorjahre.

Dabei ist jedoch zu bemerken, daß es sich vielfach um deutsche
Präparate handelt, die recht oft nach dem Auslande gingen, um von
dort in entsprechender Aufmachung als ausländische Produkte wieder
in Deutschland eingeführt zu werden. Die Ausfuhr dieser photo-
chemischen Erzeugnisse stieg von 20 620 dz im Werte von 7 367 000
Mark im Jahre 1912 auf 27 695 dz im Werte von 7 949 000 Mi im
Jahre 1913.

Es gingen nach:	■ ,

1913	1912

Belgien		. 1031 dz 1037 dz	
Frankreich		. 4046	2323 „
Großbritannien ....	. 2491	„ 1686 „
Italien		.	704	501 „
den Niederlanden ....	. 1639	„ 1023 „
Oesterreich-Ungarn . . .	. 2749	„ 1817 „
Rußland		. 2115	„ 2029 „
der Schweiz		. 2461	„ 2168 „
Spanien -		.	687	„	508 „
Japan 		.	53'7	„	464 „
den Vereinigten Staaten .	. 5521	3927' „

Es war also vor dem Kriege in allen Ländern eine zum Teil
recht erhebliche Zunahme der deutschen Einfuhr optisch-photographi-
scher Artikel zu verzeichnen. Einer Gesamtausfuhr im Werte von
rund 37 955 000 M im Jahre 1912 stand im Jahre 1913 eine Ge-
samtausfuhr im Werte von 47 823 000 M gegenüber. Dabei ist die
Film-Ein- und -Ausfuhr, die in der Hauptsache in belichteten kinemato-
graphischen Filmen bestand, nicht berücksichtigt worden, weil sie für
den eigentlichen Konsum an optisch-photographischen Artikeln nicht in
Betracht kommt. Da nun höchstens die Hälfte der deutschen Produk-
tion vor dem Kriege in Deutschland blieb, so ergab sich für den deut-
schen Konsum einschließlich des Imports eine Gesamtsumme von rund
53 Millionen Mark. Unzweifelhaft wird es bei der großen Neu-
orientierung nach dem Kriege auch gelingen, hier genauere Zahlen
zu ermitteln. Von Wichtigkeit wird es besonders sein, wie weit sich
die Zahlen des Imports ändern. Denn wenn auch die Konsumenten,
die früher glaubten, ohne einige ausländische Fabrikate nicht auszu-
kommen, sich jetzt an die deutschen Erzeugnisse gewöhnt und ihre Güte
anerkannt haben, so wird doch nach dem Kriege wieder die ausländische
Konkurrenz, die ja, wie nicht bestritten werden kann, auf einzelnen
Gebieten sehr leistungsfähig ist, wieder auf dem deutschen Markte
erscheinen. Eine erhebliche Zunahme des deutschen Exports ist erst
dann zu erwarten, wenn der ausländische Markt ihr wieder offen steht.
        <pb n="18" />
        ﻿16

IV.	Der deutsche Handel in optisch-photographischen

Artikeln.

Der selbständige Handel in optisch-photographischen Artikeln ist
verhältnismäßig jung und hat sich erst ganz allmählich mit dem
Entstehen der optisch-photographischen Industrie herausgebildet. Zu
jener Zeit, als die optischen und photographischen Artikel noch in
kleinen Handwerksbetrieben hergestellt wurden, bestand ein eigent-
licher Zwischenhandel nicht, die Konsumenten standen mit den Her-
stellern der Apparate und Instrumente direkt in Verbindung. Erst
als zum Teil aus allerkleinsten Anfängen die Großbetriebe unserer
Industrie entstanden, konnten sich diese nicht mehr mit dem direkten
Absatz an die Konsumenten besassen. In der Photographie war es
besonders die Einführung des Kolladiumprozesses durch Archer (1851)
und später die Erfindung der Trockenplatte (1871), die der allge-
meinen Ausbreitung der industriellen Photographie die Wege ebnete.
Seitdem die Photographie nicht mehr ein ausschließlich von gelernten
Fachleuten ausgeübtes Kunstgewerbe ist, müssen auch die dazu er-
forderlichen Materialien in großen Mengen hergestellt und durch den
Handel vertrieben werden. Dabei aber zeigte sich schon die Eigenart
dieses Handels. Der Händler mit photographischen Bedarfsartikeln
und ebenso der Ladenoptiker sind nicht nur Verkäufer der Waren, die
sie auf Lager hallen, sondern sie müssen auch darüber hinausgehend als
Helfer und Berater ihrer Kundschaft tätig sein, und demzufolge die
Erzeugnisse, die sie vertreiben, deren Verarbeitung und Benutzung
möglichst genau kennen. Daraus ergibt sich naturgemäß die Not-
wendigkeit einer gewissen Vorbildung und Beherrschung der Technik.
Für den Fabrikanten aber andererseits ist es von Wichtigkeit, einen
festen Händlerkreis als Abnehmer zu besitzen und diesen durch ge-
eignete Vereinbarungen sich zu erhalten. Deshalb fehlte es auch nicht
an Versuchen für den Verkauf bestimmte Organisationen und Ver-
einbarungen zu schaffen, die sich in erster Linie darauf erstrecken, nur
an bestimmte Abnehmer als Händler zu liefern. Allgemein gilt in der
optisch-photographischen Industrie der Grundsatz, daß nur an an-
erkannte Händler mit Rabatt geliefert wird.

Am leichtesten sind diese Bedingungen im Handel mit optischen
Artikeln durchzuführen gewesen. Den Konsumenten wird zwar in
einzelnen Fällen auch direkt verkauft aber nur zum vollen Katalog-
preis und auch der Händler wird auf die strikte Jnnehaltung des
Katalogpreises dem Konsumenten gegenüber verpflichtet. Für den
Verkauf photographischer Objektive und Kameras gelten im allge-
meinen folgende Bedingungen:
        <pb n="19" />
        ﻿17

„Firmen, die als regelmäßige Händler photographischer Bedarfs-
artikel nicht bekannt sind, müssen sich als solche ausweisen:

Durch Aufgabe von Referenzen aus der photographischen
Branche, oder durch Einsendung einer eigenen Preisliste photographi-
scher Artikel oder durch sonstigen überzeugenden Nachweis.

Ein Rabatt wird regelmäßigen Händlern photographischer Artikel
unter der Bedingung gewährt, daß dieselben an die Eigenbenutzer nur
zu den von den betreffenden Fabrikanten festgesetzten nachstehenden
Bedingungen abgeben:

Photographische Objektive und sonstige einschlägige Fabrikate so-
wie Hand- und Stativkameras an Fachphotographen und Amateure
nicht unter den in den Preislisten der Fabrikanten festgesetzten Brutto-
preisen, doch darf bei Barzahlung ein Kassaskonto gewährt werden.

Diejenigen Firmen, welche gegen obige Bedingungen verstoßen,
werden im ersten Falle einer Zuwiderhandlung verwarnt. Des
weiteren kann ihnen im Wiederholungsfälle die Lieferung mit Rabatt
entzogen werden."

Im Handel mit photographischen Papieren wurde bereits Ende
1907 eine Preiskonvention abgeschlossen, die sich zunächst auf Liefe-
rungen an Amateure erstreckte, später aber auch auf die Lieferungen
an Fachphotographen ausgedehnt wurde. In dieser Konvention war
vereinbart, daß Händlern und Grossisten nur gegen vorherige Unter-
zeichnung eines Reverses geliefert werden dürfe, in welchem sie sich
verpflichten, die festgesetzten Verkaufspreise streng innezuhalten. Den
Warenhäusern und ähnlichen Unternehmungen wurde eine Umsatz-
provision nicht gewährt, auch nicht in Form einer Warenhaussteuer.
Außerdem wurde den Grossisten die Verpflichtung auferlegt, von ihrer
Kundschaft die Anerkennung eines Händlerreverses zu fordern, in
welchem der Detailhändler wiederum die Jnnehaltung der festgesetzten
Verkaufsbedingungen zusagte. War außerdem ein Händler wegen
Verstoßes gegen die festgesetzten Verkaufsbedingungen mit Strafe
belegt, so mußten die Grossisten die Verpflichtung übernehmen, in
gleicher Weise wie die Fabrikanten zu liefern, d. h. im Falle der Zu-
widerhandlung gegen die Bestimmungen die Lieferungen zeitweise zu
entziehen.

Es war damit zuerst der Versuch gemacht, durch die Verpflichtung
zur Preiseinhaltung Ordnung in die Buntscheckigkeit und System-
losigkeit des früheren Warenvertriebes zu bringen. Die Konvention
konnte jedoch infolge entstehender Differenzen nicht aufrecht erhalten
werden, sie hatte aber wenigstens den einen Erfolg, daß ihre Grund-
züge im Verkehr zwischen Fabrikanten und Händlern auch heute noch
als gültig angesehen werden.

Die Trockenplattenfabriken sind bisher zu einer Konvention nicht

2
        <pb n="20" />
        ﻿18

gekommen. Sie liefern an Grossisten und Detailhändler mit Rabatt
auf ihre Listenpreise meistens in der Weise, daß der Grossist zunächst
den Detailhändlerrabätt und von dem so verbleibenden Preis noch
einen besonderen Grossistenrabqtt erhält. Dazu aber kommt, daß
Trockenplatten und Papiere vielfach auch direkt an Fachphotographen
mit Rabatt geliefert werden, weil es sich hier um Konsumenten
handelt, die diese Waren für ihren Geschäftsbetrieb benötigen uns
gewissermaßen als Zwischenhändler anzusehen sind.

Das Gegenstück dazu findet sich des öfteren in kleinen Handels-
unternehmen, die neben ihren eigentlichen Brancheartikeln auch
optisch-photographische Artikel führen. So z. B. Drogisten, Uhrmacher,
die im optisch-photographischen Handel einen Gelegenheitsneben-
artikel sehen aber doch diesen Zweig noch nicht so weit ausgebaut
haben, um als reguläre Händler 'u den Erzeugnissen der optisch-
photographischen Industrie angesehen zu werden. Die Bemühungen,
hier genau festzustellen, wer als Händler anzusehen ist, sind bisher
als gescheitert zu betrachten. Es kann sich zumeist immer nur darum
handeln, daß die Verkaufsbedingungen, unter oenen die Fabrikanten
liefern, innegehalten werden, und in dieser Beziehung sind hauptsäch-
lich maßgebend die Geschäftsbedingungen, die der Verein der Fabri-
kanten photographischer Artikel E. V. wie folgt festgesetzt hat:

„Rabatt an Amateure und Amateurvereine darf nicht gewährt
werden, es sei denn, ein Skonto bis zu zwei Prozent. Unter Ama-
teuren sind solche zu verstehen, die die Photographie als Liebhaberei
betreiben.

Händlerrabatt darf nur solchen Photographen bewilligt werden,
die den zweifellosen.Nachweis führen, daß sie eine Handlung photo-
graphischer Artikel gewerbsmäßig betreiben. Als Händlerrabatl ist
nicht derjenige zu betrachten, der den Fuchphotographcn bisher usanee-
mäßig für ihre Bedarfsartikel gewährt wurde.

Einkaufsgenossenschaften der Fachphotographen sind wie einzelne
Fachphotographen zu behandeln.

Konsumenten phtographischer Artikel, die, ohne Fachphoto-
graphen zu sein, die Photographie nicht als Liebhaberei, sondern im
größeren Maßstabe beruflich ausüben, sind den für den Verkehr mit
Amateuren festgelegten Bedingungen nicht unterworfen."

Der Chemikalienhandel, der nur insoweit in diese Abhandlung
gehört, als photographische Spezialchemikalien in Betracht kommen,
hat für den Großhandel sowie für den Kleinhandel seine besonders
durchgearbeitete Organisation, auf die hier näher einzugehen zu weit
führen würde.

Die deutsche optisch-photographische Industrie beschränkt sich
längst nicht mehr darauf, den Bedarf des Heimatlandes zu decken,
        <pb n="21" />
        ﻿19

sie war in fortgesetzt steigendem Maße am Export beteiligt und nur
durch Zuhilfenahme der ausländischen Absatzgebiete konnte ein solcher
Konsum erreicht werden, daß unsere Industrie sich stets auf lohnen-
der Höhe erhielt. So wichtig daher auch immer der Innenhandel war,
das wichtigste blieb doch vor dem Kriege der Export, der durch den
Großhandel die Hälfte der ganzen Produktion umfaßte. Das zeigte sich
besonders auf dem Gebiet der photographischen Optik und des Kamera-
baues und der enge Zusammenschluß, der für den Absatz optisch-photo-
graphischer Fabrikate mannigfacher Art besteht, trat gerade beim deut-
schen Export hervor, denn bei den Kunden im Auslande ist vielfach
der Verkauf der verschiedenen optischen Erzeugnisse in den gleichen Ge-
schäften vereinigt und die Handlung, die im Auslande photographische
Objektive verkaufte, hatte vielfach auch den Verkauf von Ferngläsern,
Brillen und sonstigen optischen Erzeugnissen. Es ist deshalb von
Wichtigkeit, festzustellen, wie sich die Ausfuhr einiger der wichtigsten
optisch-photographischen Erzeugnisse vor dem Kriege gestaltete. So
wurden im Jahre 1913 nach Rußland ausgeführt:

dz Wert M

Photographische Kameras und Objektive, photographische

Linsen, geschliffen und aefaßt............................... 908	2	307 228

Ferngläser.......................,..........................308	2 128 000

Sonstiges optisches Glas, geschliffen und gefaßt (auch un-
gefaßte, optische Linsen) ...................................... 330	1	181000

Brillen usw..................................................... 308	703 000

Photographisches lichtempfindliches Papier..................... 2118	760 320

Photographische Trockenplattcn................................. 1566	350 784

Filme, unbelichtet oder belichtet, aus Zellhorn oder ähn-
lichen Stoffen . . ............................................. 220	1	288 860

Chemische Erzeugnisse, anderweit nicht genannt, für photo-
graphische, Reinigungs- und andere	Zwecke .... 2115	607 005

Die Ausfuhr der deutschen optischen Industrie nach Rußland im
Jahre 1913 ist um so beachtenswerter, weil sie sich in einzelnen Posi-
tionen, wie z. B. der für photographische Linsen, beinahe verdoppelt
hat. Denn die Ausfuhr betrug im Jahre 1912 nur 564 dz. Außer-
dem ist zu berücksichtigen, daß in den angeführten Zahlen die Ausfuhr
nach Finnland nicht mit einbegriffen ist.

Soweit in Rußland selbst die Produktion photographischer
Artikel in Frage kam, waren vor dem Kriege nur Ansätze zu ver-
zeichnen, insbesondere auf dem Gebiete der Trockenplattenfabrikation,
für die in Moskau und auch in Warschau Fabriken errichtet wurden.
Obgleich diese Fabrikation nicht unrentabel war, hatte dadurch der
Export ausländischer Trockenplatten nach Rußland nicht gelitten, viel-.
mehr, trotz des Zolles von 6 Rubel pro Pud ein großes und lohnendes
Absatzgebiet gefunden. Ebenso in bezug aus die Lieferung phoio-
graphischer Papiere, Kameras und Objektive. Wenn auch bei einem

2*
        <pb n="22" />
        ﻿20

(0 großen Absatzgebiete unsere ausländische Konkurrenz es sich
gleichfalls nicht nehmen ließ, Kunden in Rußland zu werben, war
ihnen doch dis deutsche Industrie bei weitem voraus. Ganz besonders
in der Lieferung von Kassetten, Objektiven und photographischen
Papieren. Natürlich spielte neben der englischen und amerikanischen
auch die französische Konkurrenz in Rußland eine große Rolle. Der
Absatz französischer Trockenplatten war aber in der Vorliebe für
französische Fabrikate im allgemeinen zu suchen, da die französischen
Erzeugnisse teurer verkauft wurden, ohne die deutschen an Güte- zu
übertreffen. Der Fortfall des großen russischen Marktes während
des Krieges hat unsere Industrie schwer geschädigt und es wird Auf-
gabe der zukünftigen Handelspolitik sein, durch Handelsverträge von
Fall zu Fall unsere Interessen zu wahren.

Auch bei der Ausfuhr nach Frankreich war eine bedeutende
Steigerung zu verzeichnen, denn es wurden im Jahre 1913 nach
Frankreich exportiert:

dz Wert M

Photographische Kameras und Objektive, photographische

Linsen, geschliffen und	gefaßt..............................365	1206	000

Ferngläser.......................................................... 65	410	000

Sonstiges optisches Glas, geschliffen und gefaßt (auch un-

■ gefaßte optische Linsen)	. . ............................... 98	285	000

Brillen usw.................................................... 40	09000

Photographisches lichtempfindliches Papier......................... 454	IG	440

Filme, belichtet oder unbelichtet aus Zellhorn oder ähn-
lichen Stoffen................................................. 866	4 587 060

Chemische Erzeugnisse, anderweit nicht genannt, für photo-
graphische Zwecke.............................................. 4046	1 160 202

Am wichtigsten und interessantesten ist das Aussuhrverhältnis
unserer Industrie zu England. Wenn dieses Land in unserem
Außenhandel eine wichtige Rolle spielt, so ist das in erster Linie auf
den Umstand zurückzuführen, daß Großbritannien vielfach den
Durchgangsverkehr regelte. England bezog im Jahre 1913 aus

Deutschland:

dz	Wert ‘M

Photographische Kameras und Objektive, photographische

■ Linsen, geschliffen und gefaßt..................... 655	1 896 000

Ferngläser ................................................ 146	1041000

Sonstiges optisches Glas, geschliffen und gefaßt (auch un-
gefaßte optische Linsen)..............&gt;....................■ 233	680 OOO

Brillen usw. . ........................................ . .	180	2 130 000

Photographisches lichtempfindliches Papier................. 3143	1 131 480

Filme, belichtet oder unbelichtet, aus Zellhorn oder ähn-

" Fichen Stoffen.............................................. 1283	6 861 220

Chemische Erzeugnisse, anderweit nicht genannt, für photo-
graphische Zwecke..........................................2491	714 917

In den skandinavischen Ländern wurde der Bedarf an optisch-
        <pb n="23" />
        ﻿21



photographischen Artikeln fast ausschließlich durch importierte Waren
gedeckt und es ist interessant festzustellen, in welchem Umfange vor
dem Kriege die deutsche optisch-photographische Industrie an der Aus-
fuhr nach den einzelnen nordischen Ländern beteiligt war.

In Dänemark besteht keine nennenswerte optisch-photogra-
phische Industrie. Am Export optisch-photographischer Artikel dorthin
waren besonders beteiligt: Deutschland, England, Frankreich und die
Schweiz. Im Jahre 1913 wurden aus Deutschland in Dänemark

eingeführt:

dz Wert M

Auzen- und Stereoskopgläser, unsteschliffen und ««gefaßt . .	3	3 MO

Brillen- und andere Augengläser, Lorgnons, Brenngläser

Lupen, geschliffen, ungefaßt................................ 7	15000

Brillen und andere gefaßte Augen-, Brenngläser, Lupen .	18	13 000

Ferngläser, terrestrische	Ferngläser.............................  36	130000

Sonstiges optisches Glas, geschliffen und gefaßt (Fernrohr-
objeklive, Stereoskope, Mikroskope), ungefaßte Linsen für

optische Zwecke................................................ 37	123 000

Photographische Linsen, geschliffen und gefaßt, photographische
Objektivs und Apparate, ungefaßte Läufen ipür photogra-
phische Zwecke.................................................... 63	141 000

Photographisches lichtempfindliches Papier ....... 504	181440

Filme' unbelichtet oder belichtet, aus Zellhorn oder ähnlichen

Stoffen........................................................ 54	288 3.60

Der Anteil Deutschlands am gesamten dänischen Warenumsatz

betrug im Jahre 1913: 33,1 Prozent gegen 31,9 Prozent im
Jahre 1912.

Auch in S ch w ed e n wird der Bedarf an optisch-photographi-
schen Artikeln hauptsächlich durch importierte Waren gedeckt. Es

wurden im Jahre 1913 aus Deutschland eingeführt:

dz Wert M

Augen- und Stereoskopgläser, ungeschliffen und ungefaßt . .	2	3000

Brillen- und andere Augengläser, Lorgnons, Brenngläser,

Lupen, geschliffen, gefaßt....................................  0	17	000

Brillen und andere gefaßte Augen-, Brenngläser, Lupen . .	21	40	000

Ferngläser, terrestrische Ferngläser............................. 57	205	000

Sonstiges optisches Glas, geschliffen und gefaßt (Fernrohr-
objektive, Stereoskope, Mikroskope), ungefaßte Linsen für

optische Zwecke............................................. 59, 155 000

Photographische Linsen, geschliffen und gefaßt, photogra-
phische Objektive und Apparate, ungefaßte Linsen für photo-
graphische Zwecke................................................ 77	180	000

Photographisches lichtempfindliches Papier.....................  658	,236	880

Photographische Trockenplatten.................................. 965	313	920

Der Anteil Deutschlands am gesamten Handel Schwedens betrug
im Jahre 1913: 35,6 Prozent.

Wie Dänemark und Schweden, so ist auch Norwegen in
bezug auf optisch-photographische Artikel auf den Import äuge-
        <pb n="24" />
        ﻿22



wiesen. Aus Deutschland wurden nach Norwegen eingeführt im
Jahre 1913:

dz Wert M

Augen- und Stereoskopgläser, ungeschliffen und ungefaßt . . .	3	1 5 000

Brillen- und andere Augengläser, Lorgnons, Brenngläser, Lupen,

geschliffen, ungefaßt............................................ 5	8	000

Brillen und andere gefaßte Augen-, Brenngläser, Lupen . ■	9	21.000

Ferngläser, terrestrische	Ferngläser............................... 10	53	000

Sonstiges optisches Glas, geschliffen und gefaßt (Fernrohrodiek-
tive, Stereoskope, Mikroskope), ungefaßte Linsen für optische

Zwecke..............................,.......................... 24	67 000

Photographische Linsen, geschliffen und gefaßt, photographische
Apparate und Objektive, ungefaßte Linsen für photographische
Zwecke.............................................................. 33	54	000

Der Anteil Deutschlands am Gesamthandel Norwegens betrug
im Jahre 1913: 26,06 Prozent,

Für Lieferungen nach der Ukraine ist zurzeit auf optische und
photographische Artikel ein Zuschlag von 100 Prozent auf die deutschen
Katalogpreise, einschließlich des Teuerungszuschlages, vereinbart wor-
den. Dieser Zuschlag darf jedoch nicht als solcher auf der Faktura be-
zeichnet werden, sondern muß in den Preis einkalkuliert sein. Die Aus-
fuhranträge sind mit dem deutschen Preis plus 100 Prozent Zuschlag
einzureichen. Es ist also der Berechnung der Listenpreis, der jetzt
für die Ware in Deutschland geforderte Teuerungszuschlag und ver
Aufschlag von 100 Prozent zugrunde zu legen.

Infolge der Entwicklung, welche die gesamte optisch-photo-
graphische Industrie Deutschlands genommen hat, ist sie, wie aus-
geführt wurde, in steigendem Maße auf den Export angewiesen.
Diesen Export uns zu erhalten, ist das vitalste Interesse unserer
Industrie und des Großhandels. Durch niedrige ausländische Zoll-
sätze auf optisch-photographische Bedarfsartikel könnte der Export
leicht auf das Doppelte und Dreifache der Zeit vor dem Kriege
gebracht werden, während andererseits bei einem gänzlichen Fortfall
des Exports infolge verschlechterter Handelsbeziehungen zum Aus-
lande eine Reihe Industriezweige mit hunderten von Arbeitern ver-
nichtet würde, die, unterstützt und gefördert durch hervorragende Ge-
lehrte, es mehr als ihre Konkurrenten in anderen Ländern verstanden
haben, den modernen Anforderungen zu entsprechen, die Wissenschaft,
Kunst und Technik auf dem weit verzweigten Gebiete der Optik und
Photographie stellen.
        <pb n="25" />
        ﻿23

V.	Die Organisation der optisch-photographischen
Industrie und des Großhandels.

Die Eigenart des Handels mit optisch-photographischen Bedarfs-
artikeln, die auf Seite 15 dargelegt wurde, hat zur Folge gehabt,
daß sich Fabrikanten und Händler in einer Reihe von Organisationen
vereinigten und zwar immer nur von dem Bestreben geleitet, den
Absatz einheitlich nach bestimmten Normen zu gestalten, wobei
Fabrikanten und Händler verschiedentlich sich in denselben Ver-
einigungen zusammenfanden.

Die Erkenntnis von der Notwendigkeit eines solchen engeren
Zusammenschlusses führte im Jahre 1881 zur Gründung der Deut-
schen Gesellschaft für Mechanik und Optik (Sitz Berlin), die sich über
das ganze Reich ausdehnte und deren Aufgabe die wirtschaftliche,
technische und wissenschaftliche Hebung der Präzisionstechnik ist. Die
Fragen des Absatzes werden durch die wirtschaftliche Vereinigung der
Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik erfolgreich vertreten.

Weitere Organisationen sind:

Vereinigung der Fabrikanten und Großhändler optischer Artikel
(Sitz Berlin).

Süddeutsche Vereinigung der Fabrikanten und Großhändler
optischer Artikel (Sitz Stuttgart).

Deutscher Optiker-Verband E. V. (Sitz Berlin).

Zweckverband der Optiker Berlins und der Mark Brandenburg
(Sitz Berlin), umfaßt Mitglieder des Berliner Vereins und Landes-
gruppe Mark Brandenburg des Deutschen Optiker-Verbandes.

Verein der Optiker Groß-Berlins.

Jnteressenvcreinigung der deutschen Optiker (E. V.).

Für Fabrikation und Handel photographischer Bedarfsartikel
wurde im Jahre 1874 der Verband von Händlern und Fabrikanten
photographischer Artikel E. V. (Sitz Berlin) gegründet, der namentlich
durch seine Einrichtung der „Vertraulichen Mitteilungen" bekannt
wurde. In diesen Mitteilungen wurden alle von den Mitgliedern
eingesandten Nachrichten über Firmen aus der Branche nach be-
stimmten Gesichtspunkten sorgfältig registriert, natürlich nur so weit
als sie das Verhältnisses Kunden gegenüber seinen Lieferanten be-
treffen. Nach Auflösung des Verbandes sind diese „Vertraulichen
Mitteilungen" auf das 1914 gegründete Kartell der Vereinigungen
deutscher Fabrikanten und Händler photographischer Artikel über-
gegangen.
        <pb n="26" />
        ﻿24



Ausschließlich zur Wahrung der Interessen der deutschen
Fabrikanten photographischer Artikel wurde im Jahre 1905 der
Verein der Fabrikanten photographischer Artikel E. V. (Sitz Berlin)
gegründet, der fast alle Fabrikanten photographischer Artikel in
Deutschland zu seinen Mitgliedern zählt und sich die einheitliche Ver-
tretung der gemeinschaftlichen Interessen seiner Mitglieder zur
Aufgabe stellt. Der Verein ist namentlich in der Förderung des
Exports lebhaft tätig und hat zu diesem Zwecke auch seinerzeit eine
besonders wichtige Publikation „Der Photo-Handel im Auslande"
herausgegeben, die in fünf Heften sehr ausführliche Berichte über
den Absatz optisch-photographischer Artikel in der ganzen Welt enthält.
Eine weitere beachtenswerte Publikation des Vereins ist die „Zu-
sammenstellung der ausländischen Einfuhrzölle auf die wichtigsten
photographischen Bedarfsartikel", ein Zollhandbuch, wie es später
auch van Der Wirtschaftlichen Vereinigung der Deutschen Gesellschaft
für Mechanik und Optik herausgegeben wurde.

Als Organisationen der Händler photographischer Bedarfsartikel
sind zu nennen: Der Bund deutscher Händler für photographischen
Bedarf E. V. (Sitz Berlin) und die Vereinigung der Händler für
Fachphotographen-Bedarf (Sitz Karlsruhe i. B.). Zur besonderen
Wahrung der Interessen der Trockenplattenfabriken hat sich im Juli
1918 der Schutzvecband deutscher Trockenplatten-Fabrikanten in
Berlin gegründet.

Zurzeit sind Bestrebungen im Gange, einen engeren Zusammen-
schluß der verschiedenen Organisationen der Fabrikation und des
Handels mit optisch-photographischen Artikeln herbeizuführen, wie
ja auch bereits bei Abschluß der ersten Kartellkonvention im
Jahre 1907 ein Zusammengehen der verschiedenen Händlerorgani-
sationen mit den Fabrikantenvereinen angestrebt und auch zum Teil
durchgeführt wurde.
        <pb n="27" />
        ﻿25

VI.	Die Lage während des Krieges.

Unter denjenigen Industriezweigen, die durch den Weltkrieg so-
wohl in ihrem Absatz als auch in ihren Produktionsverhältnissen tief-
gehend beinflußt wurden, steht unsere Industrie optisch-photographi-
scher Artikel mit an erster Stelle. Zunächst wurde durch die Ab-
sperrung die Ausfuhr Deutschlands erheblich eingeschränkt, weil ja die
Hauptabsatzgebiete unserer Industrie in feindlichen Ländern lagen.
Andererseits hat natürlich auch die Einfuhr aufgehört, wodurch das
Absatzgebiet in Deutschland selbst, namentlich soweit Vcrbrauchs-
artikel, wie Trockenplatten und lichtempfindliche Papiere in Frage
kommen, eine wesentliche Erweiterung erfuhr. Für den Export
kommen zurzeit nur noch die neutralen Länder in Betracht und da-
durch erhielt die Frage der Preisgestaltung für die Ausfuhr mit
Rücksicht auf den Stand der Valuta besondere Bedeutung. Anderer-
seits hatte die unterbrochene Einfuhr nach Deutschland zur Folge,
baß man sich in Bezug auf einige Rohmaterialien und Fertigfabrikate
vom Auslande unabhängig gemacht hat. Das ist z. B. soweit Roh-
material in Frage kommt, in erster Linie in Bezug auf Trocken-
plattenglas der Fall. Auch in der Filmfabrikation hat die durch
den Krieg unterbrochene Einfuhr ausländischer Erzeugnisse Anlaß
dazu gegeben, daß die Herstellung von Filmen erheblich ausgedehnt
wurde, so daß wir auch auf diesem Gebiete die englischen, französischen
und amerikanischen Erzeugnisse nicht nur jetzt, sondern voraussichtlich
auch in Zukunft entbehren können.

Brachte der Abschluß Deutschlands vom Weltmarkt durch Weg-
fall der Einfuhr und wesentlich gesteigerten Jnlandskonsum unserer
Industrie auch keinen Ausfall, sondern erhöhte Betätigung, so hat
doch die Fabrikation bei der Materialbeschaffung mancherlei Schwie-
rigkeiten zu überwinden. Da ist zunächst das bei der Fabrikation in
Gestalt von Silbernitrat unentbehrliche Silber. Durch den großen
Bedarf des Heeres an Salpetersäure ist diese knapp geworden. Des-
halb war man nicht nur bemüht, Ersatz des salpetersauren Silbers
durch schwefelsaures Silber zu schaffen, sondern auch die Verteilung
und Versorgung mit Silbernitrat für die photographische Industrie
möglichst sicherzustellen.

Die Knappheit an Salpetersäure und Feinsilber hat aber auch
dazu geführt, daß eine ganz erhebliche Preissteigerung für Silber-
nitrat eintrat und vielfach von den an den hohen Preisen interessierten
Stellen von Zeit zu Zeit Alarmnachrichten verbreitet wurden, nach
denen Salpetersäure für potographische Zwecke nicht mehr freigegeben
Würde. Da mit dem salpetersauren Silber die ganze Photographie
        <pb n="28" />
        ﻿26

steht und fällt, so mußte diesen außerordentlich beunruhigenden Nach-
richten entgegengetreten werden.

An einem anderen unentbehrlichen Rohmaterial, der Gelatine,
herrscht zwar kein Mangel, aber Gelatine wurde für militärische
Zwecke beschlagnahmt. Hierbei handelt es sich aber nur um eine vor-
übergehende Maßnahme, so daß die bei den einzelnen Fabrikanten
auftretenden Schwierigkeiten immer bald behoben waren.

Der Mangel an Trockenplattenglas, der sich vorübergehend
gleichfalls geltend machte, ist ausschließlich eine Frage der Kohlen-
beschaffung, denn unsere deutschen Glashütten sind in der Lage, den
Bedarf unserer gesamten Trockenplattenindustrie an Glas mühelos
zu decken, vorausgesetzt, daß sie die erforderlichen Kohlen erhalten.
Denn die Kohlen spielen in der Tafelglasfabrikation die Hauptrolle,
was allein daraus hervorgeht, daß zur Herstellung von einem
Quadratmeter Photoglas ca. ein Zentner Braunkohle erforderlich ist.

Von den Edelmetallen, die in der photographischen Industrie
Verwendung finden und deren Beschaffung Schwierigkeiten bereitete,
ist auch das Gold zu nennen. Denn wenn Gold zur Herstellung von
goldhaltigen photographischen Materialien nicht mehr verwendet wer-
den darf, haben die so beliebten Tonfixierbäder ihr Ende erreicht.
Nachdem auch schon vorher Palladium und Platin nicht mehr zu
haben waren, würde mit der Entziehung des Goldes aus der photo-
graphischen Praxis der Auskopierprozeß seiner wesentlichsten Ver-
fahren beraubt werden. Aber schon als Platin nicht mehr zu haben
war, wurde darauf hingewiesen, daß unsere Industrie für die ge-
samten Auskopierverfahren genügend Ersatz in den mannigfachen
Entwicklungspapieren geschaffen habe und in der Tat herrscht ja auch
an guten Entwicklungspapieren keinerlei Mangel, so daß man mit
Recht sagen könnte, daß mit den Entwicklungspapieren, namentlich
den Gaslichtpapieren, mit den verschiedenen Tonungsverfahren ein
vollgültiger Ersatz für die Auskopierpapiere geschaffen worden sei.
Da es aber trotzdem noch zahlreiche Photographen gibt, die am
Auskopierverfahren festhalten, und da ferner das Auskopicrverfahren
namentlich für Amateurphotographen unter Anwendung von Ton-
fixierbädern infolge der leichteren Kontrolle bequemer und einfacher
zu handhaben ist als die größere Aufmerksamkeit erfordernde Hand-
habung der Gaslichtpapiere, so mußte auch dafür Ersatz geschaffen
werden. Das ist geschehen durch verschiedene Tonungsverfahren, die
von den Papierfabriken eingeführt wurden.

Ebenso wie die Schwierigkeit bei der Beschaffung einzelner
Materialien hat auch der Mangel an Arbeitskräften unsere optisch-
photographische Industrie gezwungen, Änderungen in der Fabrikation
einzuführen, um sich den Verhältnissen anzupassen. Teilweise konnte
        <pb n="29" />
        ﻿27

Einstellung auf die veränderten Verhältnisse durch Zuführung weib-
licher Arbeitskräfte erfolgen.

Eine besondere Aufgabe fiel der Industrie zu durch Versorgung
des Heeres. Denn die umfangreiche Verwendung der Optik und
Photographie, der enorme Verbrauch der Flieger und Lazarette an
Instrumenten, Apparaten, Platten und Papieren, ebenso auch die
ausgedehnte Anwendung der optischen und photographischen Apparate
und Instrumente für Zwecke des Generalstabes zu Vermessungen und
nicht minder der große Bedarf des Bild- und Filmamtes für Zwecke
der Illustration und der Auklärung haben es nötig gemacht, einzelne
Gebiete, so die Platten- und Papierfabrikation, durch Schaffung neuer
ihrem Verwendungszwecke besonders angepaßter Platten und Papiere
erheblich auszubauen.

Auch die optischen Anstalten und die Kameraindustrie sind an der
Versorgung des Heeres mit Materialien stark beteiligt, und die Fa-
briken photographischer Bedarfsartikel haben es verstanden, sich den,
Erfordernissen des Heeresbedarfs bei ihrer Fabrikation vorzüglich
anzupassen.

Die Bedeutung der Photographie in der Kriegszeit hat aber auch
einen wirtschaftlichen Aufschwung der Gewerbsphotographie herbei-
geführt, deren Konsum namentlich an Verbrauchsmaterial, wie
Platten und Papier, erheblich gestiegen ist, zumal, wie schon bemerkt,
die früher verwandten ausländischen Trockenplatten und Papiere
jetzt in Wegfall kommen. Bei diesen Konsumenten ist aber ebenso
wie für den Export nach dem neutralen Auslande die Preisfrage
Gegenstand vielfacher Erörterungen. Denn der Fabrikant muß nicht
nur höhere Löhne bezahlen, sondern auch die Preise für Rohmateria-
lien sind ganz gewaltig gestiegen. Die Erhöhung der Kohlenpreise
hatte eine Verteuerung des Glases zur Folge, auch Metalle, Silber,
Chemikalien, Papier, Karton, kurz alle Materialien, die in der
Optik und Photographie verwandt werden, haben Preissteigerungen
erfahren, die vielfach mehr als 100 Prozent des Friedenspreises aus-
machen. Da ist es denn erklärlich, daß der Fabrikant seine Preise
den höheren Produktionsunkosten entsprechend erhöhen muß. Im
Verkehr der Konsumenten mit den Fabrikanten bzw. Händlern hat der
Krieg insofern eine Besserung gebracht, als die früher allgemein
übliche ungesunde Kreditwirtschaft aufgehört oder zum mindesten
eine wesentliche Einschränkung erfahren hat.

Beim Export unserer Industrie nach den neutralen Ländern
muß in der Preisfrage auch der Niedergang der deutschen Valuta
berücksichtigt werden. Um eine Hebung der deutschen Valuta herbei-
zuführen, wurde beschlossen, sich dem Vorgehen anderer Industrie-
zweige anzuschließen und bei Lieferungen in das neutrale Ausland
        <pb n="30" />
        ﻿28

nur zu der ausländischen Valuta zu berechnen. Unser Großhandel
konnte damit natürlich durchaus zufrieden sein, zumal den aus-
ländischen Abnehmern damit ein zum Teil unberechtigter Kursgewinn
entzogen wurde. Der Export nach dem neutralen Auslande muß
aber während des Krieges unbedingt aufrecht erhalten werden. Denn
die optisch-photographischen Bedarfsartikel bilden ihrer Form und
ihrem Werte nach ganz besonders gut geeignete Kompensations-
objekte, wenn es sich darum handelt, Waren aus dem neutralen
Auslande, insbesondere Lebensmittel, zu erhalten.

Aus diesem Grunde wäre es auch sehr erwünscht, wenn man dem
Beispiele der Entente-Staaten folgen und die aus militärischen Grün-
den erlassenen Ausfuhrverbote möglichst bald aufheben würde. Denn
wenn auch die Ausfuhrverbote so liberal wie möglich gehandhabt
und Ausfuhrgenehmigungen in umfangreichem Maße erteilt werden,
so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß in den neutralen Ländern
derjenige Konkurrent im Vorteil ist, der kein Ausfuhrverbot mehr hat.

Die Kriegssteuer-Gesetzgebung hat auch Optik und Photographie
erfaßt, indem eine Reihe Erzeugnisse der optisch-photographischen
Industrie der Luxussteuer unterworfen wurden. Dazu gehören z. B.
photographische Handapparate mit einer Aufnahmefläche bis höchstens
10 : 15 Zentimeter, ferner die Bestandteile solcher Apparate, Objek-
tive, Verschlüsse, Sucher, Gelbscheiben, Kassetten, Visierscheiben, Er-
gänzungsobjektive, Stative usw. Des weiteren Platten und Filme bis
zum Format 10 : 15 Zentimeter. Da nun die Preise für optisch-
photographische Artikel bereits infolge der Verteuerung aller Roh-
materialien erhöht werden mußten, ist leider anzunehmen, daß eine
weitere Verteuerung durch die Luxussteuer den Konsum beeinflussen
und deshalb ungünstig auf den Handel einwirken wird. Wesentlich
unangenehmer als die Steuer selbst wird aber vom Handel die Art
empfunden, in der die Berechnung und die Durchführung der Steuer
erfolgt. Die Händler müssen für die der Luxussteuer unterliegenden
Gegenstände gesondert ein Lagerbuch und ein Steuerbuch führen, in
denen Eingang und Ausgang der steuerpflichtigen Gegenstände
zu verzeichnen sind. Eine besondere Schwierigkeit entsteht außer-
dem noch dadurch, daß in einzelnen Fällen zweifelhaft sein
kann, ob der zum Verkauf gelangende optisch-photographische Artikel
der Luxussteuer unterliegt oder nicht. Deshalb ist man auch in den
Kreisen unserer Industrie und des Handels darüber einig, daß die
Steuer in der vorliegenden Form für optisch-photographische Artikel
nicht durchgeführt werden kann und die darauf bezüglichen Ausfüh-
rungsbestimmungen einer Änderung bedürfen.

/
        <pb n="31" />
        ﻿29

VII.	Die Aussichten nach dem Kriege.

Der Umstand, daß unsere optisch-potographische Industrie vor
dem Kriege in umfangreichem Maße exportierte und einen großen
Teil des Bedarfs der ganzen Welt an optisch-photographischen
Artikeln deckte, hatte zur Folge, daß man sich während der langen
Dauer des Krieges in den Ländern, die im Frieden auf den Import
dieser Artikel angewiesen waren, bemühte, eine eigene photographische
Industrie inS Leben zu rufen. Diesen Versuchen, die sich besonders
in Bestellungen auf Werkzeugmaschinen und Maschinen für Trocken-
platten und Papierfabrikation bemerkbar machten, konnte nur dadurch
entgegengetreten werden, daß die Lieferungen nach dem neutralen
Auslande aufrecht erhalten wurden. Das ist auch schon mit Rücksicht
auf die Zeit nach dem Kriege notwendig, denn die deutsche optisch-
photographische Industrie kann im Frieden den Export nicht ent-
behren, zumal wenn wieder die ausländische Industrie als Konkur-
rent auf dem deutschen Markte erscheint. Richtlinien für unsere
deutsche Industrie werden also künftig sein: Ausbau des Absatzes im
Inlands, eventuell gefördert durch die Zölle, und andererseits Förde-
rung des Exports durch rege Mitwirkung an der Schaffung neuer
Handelsverträge.

Für die Neugestaltung unserer Handelsbeziehungen zum Aus-
lande ist aber die Gestaltung unseres Zolltarifs von außerordentlicher
Wichtigkeit. Dabei ist es ohne weiteres klar, daß die Anschauungen
und Wünsche in bezug auf Zollschutz im einzelnen weit auseinander-
gehen, und die verschiedenen Anschauungen darüber zu erörtern, bleibt
den in Betracht kommenden Organisationen überlassen. Worüber
aber vollständige Einigkeit herrscht, das ist die Überzeugung von der
Notwendigkeit der Neuordnung derjenigen Positionen des Zolltarifs,
die für unsere optische und photographische Industrie in Betracht
kommen.

Schon das handelspolitische Verständigungskomitee hat bei seinen
Beratungen im Jahre 1913 darauf hingewiesen, daß es notwendig
sei, die Wünsche für den Zolltarif nicht nur in bezug auf die Zoll-
sätze, sondern auch die Anordnung der Positionen möglichst einheitlich
den Bedürfnissen unserer Industrie entsprechend zu gestalten. Denn
der bisherige Zolltarif trügt in seiner vorliegenden Form den Be-
dürfnissen der Industrie nicht Rechnung. Das ist einerseits darauf
zurückzuführen, daß bei Schaffung dieses Zolltarifs die Vertretungen
der Industrie nicht zu Rate gezogen wurden, andererseits hat sich
aber auch die Industrie in einzelnen ihrer Fabrikate gewaltig entwickelt,
und neue Konstruktionen und, Typen sind herausgebracht worden,
        <pb n="32" />
        ﻿30

auf die die Einteilung des Zolltarifschemas nicht mehr paßt. Des-
halb ist schon in den Umfragen der Handelskammern sowohl als auch in
denen der einzelnen Interessenvertretungen in erster Linie die Frage
aufgeworfen worden, wie die Neuordnung der einzelnen Positionen
erfolgen müsse, um den Bedürfnissen der Industrie Rechnung zu
tragen. Dabei kann als allgemeiner Wunsch unserer Industrie zu-
nächst hervorgehoben werden, daß es zweckmäßig, ja notwendig er-
scheint, die gesamten Erzeugnisse unserer hochentwickelten Industrie
in besonderen entsprechend unterklassifizierten eigenen Zollpositionen
aufzunehmen. Denn nur wenn dies geschieht, ist es möglich, der in
allen Fällen gänzlich ungerechtfertigten Zolltarifierung nach dem
Material, aus' dem die Fabrikate hergestellt sind, entgegenzutreten.
Eine in dieser Hinsicht gründliche Umgestaltung des deutschen Zoll-
tarifschemas ist aber auch notwendige Vorbedingung für Handels-
vertragsverhandlungen.

Was zunächst photographische Objektive und Apparate betrifft,
so werden diese im jetzigen statistischen Warenverzeichnis zum Zoll-
tarif unter Position 757 ck wie folgt aufgeführt: „Photographische
Linsen, geschliffen und gefaßt, auch gefärbt, photographische Objektive,
photographische Apparate (Kameras usw.), soweit sie nicht durch ihre
Verbindungen unter andere Nummern fallen". Dabei haben sich
insofern Mißstände ergeben, als die nicht genügende Spezifizierung
den Zollbeamten, die nicht über die erforderliche Warenkenntnis ver-
fügten, Veranlassung gab, falsche Tarife in Anwendung zu bringen.
Es müßten hier zweckmäßig für photographische Apparate folgende
Positionen unterschieden werden:

1.	Photographische Apparate ohne Objektiv.

2.	Photographische Apparate mit Objektiv.

3.	Photographische Zubehörteile als Kassetten, Stative, Teile
eines Apparates, Stereoskope und sonstige Artikel aus Metall oder
poliertem Holz, welche zur Ausübung der Photographie dienen.

4.	Photographische Zubehörteile als Kopierrahmen, Trocken-
ständer, Stative, zusammenlegbare Tische- und sonstige Artikel für
photographische Zwecke aus unpoliertem Holze (rohe Holzwaren) von
minderem Wert.

5.	Photographische Objektive mit oder ohne Fassung.

6.	Projektionsapparate, kinematographische Aufnahme- und.Vor-
führungsapparate, ohne Objektiv und Zubehörteile oder Teile oer
Apparate selbst.

Durch eine solche Einteilung würde eine gerechtere Verteilung
der Objektive und Apparate stattfinden.
        <pb n="33" />
        ﻿31

Trockenplatten sind im statistischen Warenverzeichnis der Nr. 749
wie folgt aufgeführt: „Trockenplatten für photographische Zwecke,
mit einseitigem Überzug von lichtempfindlicher Masse, auch mit darauf
befindlichen Negativbildern (Glasnegativen)." Hier wäre es zweck-
mäßig, im Zolltarifschema einen Unterschied zu machen zwischen be-
lichteten und unbelichteten Platten, da ihrer Verwendung nach bei
der Einfuhr unbedingt ein Unterschied zwischen beiden gemacht wer-
den muß, den näher zu begründen vor Fachleuten nicht erforderlich
ist. Ganz unangebracht ist es aber, Trockenplatten als „Glaswaren"
zu bezeichnen. Denn das Glas, so wichtig es für die Herstellung der
Trockenplatten ist, kommt doch für deren Bewertung nicht in erster
Linie in Frage. Der Wert der Trockenplatte ist vielmehr in der licht-
empfindlichen Schicht begründet. Trockenplatten müssen also als
photographische Erzeugnisse in einer besonderen Position aufgeführt
werden.

Die Position Nr. 663, die photographische Papiere umfaßt, müßte
auch eine Unterteilung erfahren, denn als photographisches Papier
wird jetzt lediglich in Blätter oder Streifen geschnittenes Papier an-
gesehen. Werden aber die Blätter in Päckchen oder sonstige für
den Einzelverkauf bestimmten Aufmachungen gebracht, so ist ihre
Verzollung als Papierwaren zu bewirken. Da sich nun die viel ver-
wandten photographischen Postkarten in solchen für den Einzelverkauf
bestimmten Aufmachungen befinden, so unterliegt jetzt die Ware als
„anderweit nicht genannte Ware aus Papier, ohne Verbindung mit
anderen Stoffen" dem Zollsätze nach Position 670.

Einer grundlegenden Neueinteilung bedürfen auch die Chemi-
kalien für photographische Zwecke, die als „anderweit nicht genannt"
jetzt durch die Position 390 erfaßt werden. Hier geeignete Vorschläge
zu machen, wird Aufgabe der Vereinigung der chemischen Industrie
sein, die auf diesem Gebiete bereits mit anerkennenswertem Eifer
tätig war.

Auf die Zollsätze, die für die einzelnen Artikel wünschenswert
sind, soll hier nicht eingegangen werden, da es in erster Linie darauf
ankommt, eine zweckmäßige Klassifizierung der photographischen
Artikel im Zolltarif zu erlangen. Nur so viel kann gesagt werden,
daß ganz im allgemeinen unsere optische und photographische Industrie
Schutzzölle nicht nötig hat, da sie leistungsfähig genug ist, um bei
freier Entfaltung ihrer Kräfte mit jeder ausländischen Konkurrenz
in Wettbewerb treten zu können. Damit soll natürlich nicht gesagt
sein, daß nun der ausländischen Industrie bereitwillig die Tore
geöffnet werden sollen, während das Ausland selbst sich mit hohen
Schutzzollschranken umgibt. Hier wird es vielmehr Aufgabe der zu-
        <pb n="34" />
        ﻿32

künftigen Handelsvertragspolitik sein, den geeigneten Maßstab zu
finden. Es ist dabei nur zu wünschen, daß nicht wieder wie im
Jahre 1901 bei Vorbereitung der letzten Handelsverträge die optisch-
photographische Industrie übergangen wird. Sie kann vielmehr ihrer
Bedeutung auf dem Weltmärkte entsprechend, auch Berücksichtigung
und Würdigung verlangen.

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Berlin SW.
        <pb n="35" />
        ﻿f 11 I 111 111 ■ I ■ 111 I ■ 1 1111 111 111 ! 11 11 I ■ I 111 11 I 11 11 ■ ■ I I ■ I I I

IllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllVIllllllllllllllllll



Bisher sind erschienen:

Heft 1: Großhandel und Äbergangswirtschaft.

Von Leo Lustig, Kgl. Kommerzienrat, Generaldirektor
, der Aktien-Gesellschaft Deutscher Eisenhandel in Berlin,
Vorsitzender der „Wirtschaftlichen Vereinigung der Eisen-
händler Deutschlands", 1. stellvertretender Vorsitzender des
Zentralverbandes des deutschen Großhandels.

Heft 2: Der Großhandel in Baumwollwaren.

Seine Entwicklung und Bedeutung in Deutschland. — Von
Benas Levy, Baumwollwarenfabrikant in Berlin.

Heft 3: Der Kaffeegroßhandel.

Von Ludwig Deutschmann, in Firma I. Deutsch-
mann &amp; Co., Kaffeegroßhandlung in Hamburg.

Heft Freier Handel und Genossenschaftswesen.

Von Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Berlin.

Heft 5/6: Der Handelsboykott gegen Deutschland

in französischer Beurteilung. Von Prof. Dr. H. Groß-
mann, Berlin.

Heft 7: Der Seidengroßhandel.

Von Arthur Schmidt, Kgl. Preuß. Kommerzienrat,
i. Fa. Schmidt &amp; Lorenzen, Berlin.

Heft 8: Handelsfreiheit oder Zwangswirtschaft.

Von Julius Carl Grünhut, Hamburg.

Heft 9/10: Schleichhandel und Großhandel.

Eine grundsätzliche Untersuchung über die Vorzüge des
freien Handels. Von Regierungsassessor Dr. Cl. Heiß.

Heft 11: Großhandel und Industrie optisch-photo-
graphischer Bedarfsartikel.

Von Syndikus Fritz Hansen, Generalsekretär des Vereins
der Fabrikanten photographischer Artikel, E. V.
        <pb n="36" />
        ﻿tiiiiiiriiiimiiiiiimirmiifiiMiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiititimiiiiiiiiiitiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiumiiiiiiiiiiiiiiiiiiiK

Demnächst erscheinen folgende Hefte:

Kartelle und Syndikate im Deutschen Großhandel.

Von Syndikus Arthur Cohn-Berlin, Präsidialmitglied
des Zentralverbandes des Deutschen Großhandels.

Der Großhandel in Kolonialwaren.

Von Konsul Carl Becker-Breslau, in Firma Carl
Becker &amp; Co.

Entwickelung des Deutschen Großhandels in Garnen
und Kurzwaren seit 1870.

Von Geh. Kommerzienrat Or. Hermann Schmidt,
Vorsitzender der Handelskammer in Braunschweig, in
Firma Pfeiffer &amp; Schmidt, Braunschweig.

Der Großhandel in Putz- und Modewaren.

Von A. Lehmann, in Firma Frank &amp; Lehmann in
Cöln a. Rh.

Der Großhandel in Tafelglas.

Von Hanns Modler-Berlin, Direktor der Deutschen
Fensterglas-Aktiengesellschaft.

Die wirtschaftspolitische Interessenvertretung des
deutschen Großhandels.

Von Syndikus Df. Leon Zeitlin-Berlin.

Der Großhandel in seiner Bedeutung für das
Wirtschaftsleben.

Von Ytto Keinath, M. d. R., geschäftsführendem
Prästdialmitglied des Zentralverbandes des Deutschen
Großhandels.

«ui ii	iiiiiiini

iiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiinimiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiidiiiuii
        <pb n="37" />
        ﻿29

»ii

Die Aussichten nach dem Kriege.

istand, daß unsere optisch-potographische Industrie vor
-- in umfangreichem Maße exportierte und einen großen
darfs der ganzen Welt an optisch-photographischen
:• te, hatte zur Folge, daß man sich während der langen
■; rieges in den Ländern, die im Frieden auf den Import
angewiesen waren, bemühte, eine eigene photographische
;■ i Leben zu rufen. Diesen Versuchen, die sich besonders

-	en auf Werkzeugmaschinen und Maschinen für Trocken-
‘)apierfabrikation bemerkbar machten, konnte nur dadurch
v len werden, daß die Lieferungen nach dem neutralen
f : srecht erhalten wurden. Das ist auch schon mit Rücksicht

^ nach dem Kriege notwendig, denn die deutsche optisch-
este Industrie kann im Frieden den Export nicht ent-
r- ;t wenn wieder die ausländische Industrie als Konkur-
se n deutschen Markte erscheint. Richtlinien für unsere
lstrie werden also künftig sein: Ausbau des Absatzes im
r: rituell gefördert durch die Zölle, und andererseits Förde-
;; Ports durch rege Mitwirkung an der Schaffung neuer
^-.äge.

-	Neugestaltung unserer Handelsbeziehungen zum Aus-

-	• bie Gestaltung unseres Zolltarifs von außerordentlicher
f Dabei ist es ohne weiteres klar, daß die Anschauungen

s in bezug auf Zollschutz im einzelnen weit auseinander-
j: e verschiedenen Anschauungen darüber zu erörtern, bleibt
K rcht kommenden Organisationen überlassen. Worüber
--nge Einigkeit herrscht, das ist die Überzeugung von der
t der Neuordnung derjenigen Positionen des Zolltarifs,
re optische und photographische Industrie in Betracht

i ts handelspolitische Verstündigungskomitee hat bei seinen
&gt; im Jahre 1913 darauf hingewiesen, daß es notwendig
j: sche für den Zolltarif nicht nur in bezug auf die Zoll-
s;~' auch die Anordnung der Positionen möglichst einheitlich
j ssen unserer Industrie entsprechend zu gestalten. Denn
.J: Zolltarif trägt in seiner vorliegenden Form den Be-
r Industrie nicht Rechnung. Das ist einerseits darauf
n, daß bei Schaffung dieses Zolltarifs die Vertretungen
i- : nicht zu Rate gezogen wurden, andererseits hat sich
^ Industrie in einzelnen ihrer Fabrikate gewaltig entwickelt,
^ °Instruktionen und Typen sind herausgebracht worden,
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
