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        <title>Großhandel und Industrie optisch-photographischer Bedarfsartikel</title>
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            <forname>Fritz</forname>
            <surname>Hansen</surname>
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        </author>
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            <idno>883877538</idno>
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        Zer  AH«del  mi&amp;gt;  die  deutsche  MMtfdjuft
Eine  Heftfolge,  herausgegeben  vom  Ientralverband
des  Deutschen  Großhandels

Heft  11

GrOmdkl  uni  Mßrie

Von

Fritz  Hansen
Syndikus,
Generalsekretär  des  Vereins  der  Fabrikanten
photographischer  Artikel  E.  V.

Berlin  1918

o  Verlag  von  Reimar  Hobbing  o
        <pb n="2" />
        Die  Sammlung  „Der  Großhandel  und  die  deutsche  Volkswirtschaft" ­
  wird  vom  Zentralverband  des  Deutschen  Großhandels ­
  herausgegeben.
Sie  bezweckt,  in  abgeschlossenen  Aufsätzen,  an  denen  hervorrageüde
  Fachleute  mitarbeiten,  auch  auf  Grund  der
Friedenstätigkeit  zu  zeigen,  welche  Bedeutung  der  Großhandel, ­
  insbesondere  gegenüber  den  Erfahrungen  der
Kriegswirtschaft,  für  die  Abergangswirtschaft  und  die
zukünftige  Friedensarbeit  haben  wird  und  haben  muß.
So  sollen  unter  anderem  folgende  Stoffe  behandelt
werden:  Der  Großhandel  als  Kreditgeber;  D.  G.  als
ausgleichender  Faktor  für  die  Preisbildung;  D.  G.  in
seinem  Verhältnis  zur  Produktion;  D.  G.  in  seiner  Bedeutung ­
  für  das  Wirtschaftsleben  überhaupt;  Die  Mitwirkung ­
  des  G.  an  der  Wiederherstellung  des  Welthandels; ­
  Die  Tätigkeit  des  G.  zur  Erschließung  neuer
Wege  der  deutschen  Einfuhr  und  Ausfuhr;  usw.
Während  in  diesen  Heften  die  Bedeutung  des  Großhandels ­
  in  allgemeinen  Grundzügen  dargestellt  wird,
sollen  andere  Arbeiten  Ausführungen  über  Art  und  Bedeutung ­
  verschiedener  Tätigkeitsgebiete  des  Großhandels
bringen,  z.  B.:  Der  Großhandel  in  Kartoffeln;  D.  G.
in  Süßstoff;  D.  G.  in  Getreide;  D.  G.  in  Chemikalien;
D.  G.  in  Textilrohstoffen;  D.  G.  in  Textilfabrikaten;
D.  G.  in  eiweißhaltigen  Futtermitteln;  D.  G.  in  Fetten
und  ölen;  D.  G.  in  Häuten  und?  Fellen;  D.  G.  in
Erzen  und  Metallen;  usw.
Die  Sammlung  wird  so  für  Politiker,  Behörden  und
Fachleute  sehr  wertvolle  Kenntnis  der  wichtigsten  Vorgänge ­
  und  Einrichtungen  der  gesamten  deutschen  Wirtschaft ­
  bieten

Preis  des  einzelnen  Heftes  60  Pfg.
Die  ganze  Heftfolge,  bestehend  aus  20  Heften,  zusammen
bezogen,  10  Mark.
        <pb n="3" />
        Der  Großhandel  und  die  deutsche  Volkswirtschaft
Eine  tzeftfolge,  herausgegeben  vom  Zeniralverband  des  Deutschen  Großhandels.

GrOandel  und  Industrie
ojitlH-chotograiihischkr  KeducharliKel.
Von
Fritz  Hansen
Syndikus,
Generalsekretär  des  Vereins  der  Fabrikanten
photographischer  Artikel  E.  V.

Berlin  1918

Verlag  von  R  e  i  m  a  r  Hobbing
        <pb n="4" />
        I

Vorbemerkung.

Unter  den  deutschen  Jnvustrieerzeugnissen  nehmen  die  optischphotogravhischen
  Artikel  eine  besondere  Stelle  ein.  Handelt  es  sich
doch  dabei  um  hochwertige  Fertigsabrikate,  mit  denen  Deutschland  im
Frieden  die  ganze  Welt  versorgte.  Die  Bedeutung  dieser  optisch-photographischen ­
  Artikel  für  den  Innen-  und  Außenhandel  tritt  noch  dadurch ­
  besonders  in  die  Erscheinung,  daß  lange  Jahre  hindurch  mit  der
Konkurrenz  des  Auslandes  zu  rechnen  war,  und  daß  es  zäher,  mühevoller ­
  Arbeit  bedurfte,  um  den  deutschen  Erzeugnissen  nicht  nur  im
Jnlande  gegenüber  den  Fabrikaten  des  Auslandes  den  Vorrang,  zu
sichern,  sondern  sie  auch  im  Auslande  so  einzuführen,  daß  deutsche
optisch-photographische  Artikel  im  Welthgndel  sich  erfolgreich  der
Konkurrenz  gegenüber  behaupten,  ja  durch  shre.,Qualität  sogar  dominieren ­
  konnten.
Vom  Wesen  dieses  Großhandels  ist  allerdings  über  den  Kreis  der
engeren  Fachleute  hinaus  wenig  bekannt,  und  außer  meinen  Publikationen ­
  über  die  photographische  Industrie  Deutschlands  aus  den
Jahren  1901  und  1907  gibt  es  noch  keine  zusammenfassende  Übersicht
über  den  Handel  in  optisch-photographischen  Artikeln.
Deshalb  bietet  sich  durch  die  Schriftenfolge  des  Zentralverbandes
des  Deutschen  Großhandels  jetzt  willkommene  Gelegenheit,  zu  zeigen,
wie  auch  dieses  Gebiet  des  Handels  in  Deutschland  wesentliche  Bedeutung ­
  erlangt  hat.
Berlin,  Ende  September  1918.

Fritz  Hansen.
        <pb n="5" />
        Inhaltsübersicht.

Seite

Vorbemerkung  3
I.  Die  optisch-photographischen  Artikel  5
II.  Die  Fabrikation  6
Geschichtliches.  —  Rohstoffe.
III.  Die  Ein-  und  Ausfuhr  in  optischen  und  photographischen  Bedarfsartikeln ­
  11
IV.  Der  deutsche  Handel  in  optisch-photographischen  Artikeln  ...  16

Die  Geschäftsbedingungen  des  Innenhandels.  —  Der  Außenhandel. ­
  —  Der  Export,  insbesondere  nach  Rußland,  Frankreich,
England,  Skandinavien.  —  Die  deutschen  optisch-photographischen ­
  Erzeugnisse  auf  dem  Weltmarkt.  —  Das  Exportinteresse ­
  der  optisch  -  photographischen  Industrie  und  des
Großhandels.
V.  Die  Organisation  der  optisch-photographischen  Industrie  und  des  ,
Großhandels  23
VI.  Die  Lage  während  des  Krieges  25
Der  verlorene  Export.  —  Wegfall  der  ausländischen
Konkurrenz.  —  Die  Zunahme  der  Produktion  und  des  Konsums
im  Jnlande.  —  Die  Einwirkung  der  Luxussteuer.  —  Die
Ausfuhrverbote.

VII.  Die  Aussichten  nach  dem  Kriege  29
Bestrebungen  zur  Schaffung  einer  eigenen  Industrie  im
Auslande.  —  Die  Wichtigkeit  der  Handelsverträge.  —  Wünsche  '
der  optisch-photographischen  Industrie  für  die  Neugestaltung
des  Zolltarifs.
        <pb n="6" />
        I.  Die  optisch-photographischen  Artikel.
Der  Großhandel  mit  optisch-photographischen  Artikeln  ist  außerordentlich ­
  umsangreich  und  weit  verzweigt.  Eine  zusammenfassende
Behandlung  der  in  Betracht  kommenden  Erzeugnisse  aus  den  Gebieten ­
  der  Optik,  Mechanik,  Chemie  und  Papierverarbeitung  rechtfertigt ­
  sich  jedoch  durch  den  Umstand,  daß  für  die  Fabrikation  und
den  Absatz  dieser  verschiedenartigsten  Artikel  an  die  Konsumenten
Zumeist  die  gleichen  Organisationen  und  Händler  in  Betracht
kommen.  Der  Händler  läßt  sich  nicht  nur  den  Verkauf  von  Objektiven, ­
  Apparaten,  Chemikalien,  lichtempfindlichen  Papieren  ebenso
wie  Lampen,  Schalen  und  allen  anderen  photographischen  Bedarfsartikeln ­
  angelegen  sein,  sondern  er  hat  auch  in  vielen  Fällen  den  Verkauf ­
  von  Brillen,  Ferngläsern,  Meßinstrumenten  usw.  Ebenso  ist
auch  die  Fabrikation  der  verschiedenen  Artikel,  wie  Apparate,  Objektive ­
  und  Fernrohre,  Chemikalien,  Platten  und  Papiere  sehr  oft  in
den  gleichen  Fabriken  vereinigt.  Die  Absatzbedingungen  für  diese  verschiedenartigen ­
  Erzeugnisse  sind  ebenfalls  in  den  meisten  Fällen  die
gleichen,  und  auch  der  Zusammenschluß  vom  Händlern  und  Fabrikanten
ist  in  Organisationen  erfolgt,  denen  diejenigen  angehören,  welche
auf  dem  weiten  Gebiete  tätig  sind,  das  Optik  und  Photographie
vereinigt.
Es  sollen  deshalb  Handel  und  Fabrikation  in  Optik  und  Kamerabau, ­
  Trockenplatten,  Filme,  Chemikalien,  lichtempfindliche  Papiere, ­
  photographische  Kartonpapiere,  Lampen  und  andere  photographische ­
  Bedarfsartikel  den  Gegenstand  der  nachstehenden  Ausführungen ­
  bilden.
        <pb n="7" />
        6

II  Die  Fabrikation.
Die  Industrie  optisch-photographischer  Bedarfsartikel  ist,  wenn
sie  auch  naturgemäß  an  Umfang  nicht  mit  den  großen  Industrien,
wie  es  z.  B.  die  Textil-  und  Eisenindustrie  sind,  konkurrieren  kann,
doch  in  mehrfacher  Hinsicht  von  Bedeutung.  Sind  doch  heute
Optik  und  Photographie  auf  allen  Gebieten  der  Wissenschaft,  der
Kunst  und  der  Technik  von  größtem  Wert  und  Einfluß.  Wer  daher
die  volkswirtschaftliche  Bedeutung  des  deutschen  Handels  mit  optischphotographischen ­
  Artikeln  festzustellen  sucht,  der  muß  auch,  will  er
ein  richtiges  Bild  gewinnen,  der  umfangreichen  und  weitverzweigten
Industrie  gedenken,  in  deren  Werkstätten  das  geistige  Schaffen  der
Erfinder  und  Entdecker  zur  Tat  ward  und  deren  Betriebe  in  Verbindung ­
  mit  dem  Großhandel  vor  dem  Kriege  nicht  zuletzt  ihr  Teil
zu  dem  wirtschaftlichen  Aufschwung  Deutschlands  und  zu  seiner  Entwicklung ­
  zu  einem  der  ersten  Industriestaaten  der  Welt  beigetragen
haben.
Die  deutsche  optisch-photographische  Industrie ­
  ist  noch  verhältnismäßig  jung.  Wenn  auch  vielfach
Deutsche  es  waren,  die  den  Grund  legten  für  wissenschaftliche  Forschungen ­
  auf  dem  Gebiete  der  Optik,  so  hatte  doch  lange  Zeit  die
Präzisionstechnik  Englands  und  Frankreichs  einen  bedeutenden  Vorsprung ­
  und  konnte  fast  ausschließlich  den  Bedarf  der  Welt  an  optischphotographischen
  Artikeln  decken.  Bis  in  die  achtziger  Jahre  des
vorigen  Jahrhunderts  waren  brauchbare  optische  Gläser  nur  in
Paris,  Birmingham  und  Manchester  zu  erhalten,  und  erst  mit  der
Einführung  der  Jenenser  optischen  Gläser  begann  eine  neue  Aera
für  die  deutsche  Optik.
Die  Studien  über  die  Abhängigkeit  der  optischen  Eigenschaften
von  der  chemischen  Zusammensetzung  des  Glases,  die  Fraunhofer
nach  Newtons  Arbeiten  wieder  aufgenommen  hatte,  wurden  zwei
Menschenalter  später  durch  Dr.  Schott  und  Professor  Abbe  fortgesetzt ­
  und  bildeten  den  Ausgangspunkt  der  neuzeitlichen  Glasfabrikation ­
  in  Jena.
Auf  Grund  dieser  Arbeiten  war  es  möglich,  optische  Gläser  von
ganz  neuer  Zusammensetzung  und  noch  nicht  dagewesenem  Brechungsvermögen ­
  zu  liefern.  Die  neue  Glasart  machte  es  der  Optik  möglich,
in  ihren  Berechnungen  neue  Bahnen  einzuschlagen  und  Instrumente
zu  konstruieren,  die  nach  jeder  Richtung  hin  alle  Erwartungen  übertrafen. ­
  Die  Fabrikation  der  optischen  Instrumente,  die  Gegenstand
des  Handels  sind,  umfaßt  hauptsächlich  neben  Brillen,  deren  Produktion ­
  fast  ausschließlich  in  der  deutschen  Brillenstadt  Rathenow
        <pb n="8" />
        7

erfolgt,  Ferngläser,  Galileische  und  Keplersche  (terrestrische)  Fernrohre. ­
  Eine  Spezialität  bilden  hier  die  Prismenfernrohre,  in  deren
Herstellung  unsere  großen  optischen  Anstalten  konkurrenzlos  dastehen.
Die  durch  Fraunhofer  auf  allen  Gebieten  der  Optik  angebahnte  Erkenntnis ­
  kam  aber  auch  anderen  wissenschaftlichen  Instrumenten  zugute. ­
  So  vor  allem  den  Mikroskopen  und  den  photographischen  Objektiven. ­
  In  bezug  auf  diese  verschiedenen  optischen  Instrumente
steht  unsere  deutsche  optische  Industrie  in  der  Leistungsfähigkeit  unbestritten ­
  an  der  Spitze.
Die  großen  weltbekannten  Firmen  der  optischen
Industrie  in  Jena,  Berlin,  Rathenow,  Braunschweig  und  München,
die  im  Besitze  der  wertvollen  Konstruktionen  sind,  erzeugen  einen  ganz
erheblichen  Teil  der  gesamten  Produktion  an  optischen  Erzeugnissen,
die  in  der  ganzen  Welt  verbreitet  werden  und  einen  beträchtlichen
Wert  repräsentieren.  In  bezug  ■  auf  die  Herstellung  der  billigeren
Gläser  konnte  Deutschland  lange  nicht  mit  Frankreich  konkurrieren.
In  letzter  Zeit  hat  man  es  aber  auch  vorzüglich  verstanden,  billtge
optische  Instrumente  aus  Deutschland  im  Auslande  gut  einzuführen,
und  in  der  Herstellung  optischer  Instrumente  aller  Art  nimmt  heute
die  deutsche  Industrie  den  ersten  Rang  ein.
Auf  dem  Gebiete  des  Baues  photographischer  Apparate  wurde
früher  viel  vom  Auslande  nach  Deutschland  eingeführt.  Erst  ganz
allmählich  entwickelte  sich  die  deutsche  Kameraindustrie,  die  heute  eine
stattliche  Anzahl  Großbetriebe  aufzuweisen  hat.  Die  bedeutendsten
Fabriken,  besonders  für  Stativapparate,  befinden  sich  in  Görlitz,
während  in  Dresden  einige  große  Fabriken  bestehen,  die  als  Spezialität ­
  Handapparate  anfertigen.  In  Leipzig  und  Berlin  werden
vornehmlich  die  wertvollen  Apparate  für  Reproduktion  und  wissenschaftliche ­
  Forschung  hergestellt.
Den  größten  Umfang  hat  in  Deutschland  die  Fabrikation  von
Handkameras  angenommen,  und  außer  den  Großbetrieben  in
Dresden  und  Görlitz  existieren  auch  in  anderen  Städten  einschlägige
Fabriken.  In  der  Schaffung  einzelner  Konstruktionen,  die  in  der
ganzen  Welt  viel  begehrt  und  benutzt  wurden,  war  unsere  deutsche
Kameraindustrie  außerordentlich  glücklich,  und  es  war  zu  konstatieren, ­
  daß  keineswegs  die  billige  Massenware,  sondern  die  komplizierteren ­
  feineren  Apparate  in  Deutschland  am  meisten  für  den  Bedarf ­
  des  Auslandes  hergestellt  wurden.  Die  deutsche  Kameraindustrie
ist  besonders  deshalb  wertvoll,  weil  sie  eine  Veredelungsindustrie  im
wahrsten  Sinne  des  Wortes  darstellt.  Der  Materialwert  photographischer ­
  Kameras  ist  verhältnismäßig  gering.  Ein  Stück  Glas,  einige
Stücke  Holz  und  Metall,  sowie  etwas  Leder  repräsentieren  eine
Kamera  im  Werte-  von  mehreren  hundert  Mark.  Der  Hauptwert,  den
        <pb n="9" />
        ö

die  Kamera  in  ihrer  Gebrauchsfertigkeit  darstellt,  beruht  auf  dem
darin  niedergelegten  Arbeitswert,  ist  die  Bezahlung  für  die  zur  Herstellung ­
  aufgewandte  Intelligenz  und  manuelle  Geschicklichkeit.
Wenn  heute  der  Handel  mit  photographisch-optischen  Artikeln
die  allgemein  bekannte  große  Ausbreitung  erfahren  hat  und  die  Photographie ­
  vielleicht  in  nicht  allzu  ferner  Zeit  so  zum  Gemeingut  aller
werden  wird,  wie  es  heute  das  Schreiben  ist,  so  ist  dies  in  erster
Linie  der  Erfindung  der  T  r  o  ck  e  n  p  l  a  t  t  e  zu  verdanken,  mit  der
das  umständliche  Arbeiten,  wie  es  bis  dahin  üblich  war,  beseitigt
wurde  und  die  fabrikatorische  Herstellung  sowie  der  Handel  mit
optisch-photographischen  Artikeln  einen  großen  Aufschwung  nahm.
Man  hatte  in  der  Trockenplatte  zuerst  ein  Negativmaterial,  das
außerordentlich  lange  in  gebrauchsfertigem  Zustande  haltbar  war
und  sich  damit  für  die  verschiedensten  Zwecke  verwendbar  zeigte,  was
bei  der  Aufnahme  auf  den  sogenannten  nassen  Platten  nicht  der  Fall
sein  konnte.  Die  Photographie  wurde  damit  nicht  mehr  eine  nur  von
gelernten  Fachleuten  ausgeübte  Technik,  sondern  konnte  von  jedermann
gehandhabt  werden.  So  war  es  auch  erklärlich,  daß  der  Verbrauch
photographischer  Trockenplatten,  um  deren  Vervollkommnung  sich
Benett,  van  Monkhoven  sowie  besonders  I.  M.  Eder  verdient  machten,
ständig  zunahm.
Während  früher  England  mit  seinen  preiswerten  und  vorzüglichen ­
  Trockenplatten  einen  großen  Teil  des  deutschen  Marktes  versorgte, ­
  haben  wir  seit  Jahren  jetzt  in  Deutschland  bedeutende  Trockenplattenfabriken, ­
  deren  Fabrikate  in  der  Qualität  hinter  den  ausländischen ­
  Erzeugnissen  nicht  mehr  zurückstehen.  Die  größten  deutschen
Trockenplattenfabriken,  sämtlich  Großbetriebe,  befinden  sich  in
Berlin,  Frankfurt  a.  M.,  Cöln,  Dresden  und  München.  Die  Herstellung ­
  von  Filmen,  die  früher  ausschließlich  aus  Amerika,  England ­
  und  Frankreich  bezogen  wurden,  hat  in  Deutschland  erhebliche
Fortschritte  gemacht,  so  daß  auch  auf  diesem  Gebiete  die  deutschen
Konsumenten  nicht  mehr  vom  Auslande  abhängig  sind.
Eine  Spezialbranche  der  photographischen  Industrie,  in  welcher
Deutschland  unbestritten  den  ersten  Platz  auf  dem  Weltmärkte  einnimmt, ­
  ist  die  Herstellung  photographischer  Chemikalien.  Die  Sctlze
der  Edelmetalle,  die  in  der  Photographie  Anwendung  finden,  die  Gelatine, ­
  ein  wichtiges  Material  für  die  Fabrikation  der  Trockenplatten ­
  und  Papiere,  vor  allem  aber  die  photographischen  Chemikalien, ­
  die  zum  Entwickeln,  Fixieren,  Verstärken  usw.  der  Negative
dienen,  werden  in  so  großen  Mengen  in  Deutschland  hergestellt,  daß
durch  diese  Produktion  etwa  95  Prozent  des  Bedarfs  der  ganzen
Welt  an  photographischen  Chemikalien  gedeckt  wurden.  Neben  den
wichtigen  in  der  Photographie  verwandten  Salzen-  der  Edelmetalle
        <pb n="10" />
        •  '  9

sind  es  besonders  die  modernen  Entwicklerpräparate,  die  ein  beben*
tendes  Handelsobjekt  darstellen.
Von  allen  photographischen  Artikeln  ist  das  Papier  einer
der  bedeutendsten  Konsumartikel,  dessen  Fabrikation  in  Deutschland
ganz  besonders  weit  ausgedehnt  ist.  Schon  zu  der  Zeit,  als  das
Albuminpapier  noch  allgemein  verwandt  wurde,  standen  die  deutschen ­
  Fabriken  fast  konkurrenzlos  da  und  auch  seitdem  die  jetzt  den
Markt  beherrschenden  Celloidin-,  Bromsilber-  und  Gaslichtpapiere
aufkamen,  hat  die  Industrie  photographischer  Papiere  sich  weiter  entwickelt ­
  und  neben  den  älteren  in  Dresden  gelegenen  Etablissements
sind  große  Fabriken  an  verschiedenen  Orten,  besonders  in  Dresden,
Berlin,  Friedberg  in  Hessen,  Heilbronn,  Wernigerode  a.  H.,  Leverkusen, ­
  Wandsbek  usw.  entstanden,  die  eine  ungemein  reiche  Auswahl
der  verschiedenartigsten  Papiere  herstellen.
Eine  recht  bedeutende  Spezialfabrikation  ist  in  der  photographischen ­
  Industrie  die  Herstellung  photographischer  Kartonpapiere,
die  vornehmlich  in  Berlin  und  Dresden  ihren  Sitz  chat.  Wie  wichtig
dieser  Fabrikationszweig  ist,  geht  schon  allein  daraus  hervor,  daß  an
Flächeninhalt  der  .Kartonverbrauch  den  Verbrauch  von  lichtempfindlichen ­
  Kopierpapieren  übertrifft.  Beide  zusammen  übertreffen  an
Geldeswert  den  Wert  aller  übrigen  Bedarfsartikel  des  Photographen.
Die  Fabrikation  von  Dunkelkammerlampen,  Kopierrahmen, ­
  Schalen  usw.  wird  von  einer  großen  Anzahl
Fabriken,  die  auch  noch  andere,  nicht  photographische  Artikel  fabrizieren, ­
  betrieben.  Zum  geringen  Teil  ist  an  der  Herstellung  dieser
Bedarfsartikel  auch  die  Hausindustrie  beteiligt.
Ehe  wir  dazu  übergehen,  die  Kanäle  aufzusuchen,  durch  welche
die  Produktion  der  optisch-photographischen  Industrie  vom  Produzenten ­
  zum  Konsumenten  gelangt,  müssen  wir  noch  einen  kurzen  Blick
auf  die  Rohstoffe  werfen,  die  hauptsächlich  zur  Fabrikation  benötigt
werden,  und  müssen  uns  darüber  klar  werden,  ob  etwa  die  deutsche
Industrie  beim  Bezüge  dieser  Rohstoffe  von  anderen  Faktoren  ab-%
  hängt  als  von  denen  der  innerdeutschen  Produktion.
Als  hauptsächlichster  Rohstoff,  dessen  Fehlen,  schwierige
Beschaffung  oder  Preisschwankung  unverkennbaren  Einfluß  auf  die
Produktions-  und  Absatzmöglichkeiten  ausübt,  ist  zunächst  bei  den
optischen  Instrumenten  und  bei  den  Trockenplatten  das  Glas  zu
erwähnen.
Die  früheren  Fabrikationsstellen  für  optisches  Glas,  nämlich ­
  Birmingham  und  Paris,  kommen  jetzt  für  unsere  optischen  Anstalten ­
  nicht  mehr  in  Betracht.  Sie  sind  auch  als  Bezugsquellen
völlig  entbehrlich  geworden,  seitdem  es,  wie  schon  erwähnt,  gelungen
ist,  optische  Gläser  in  Deutschland  selbst  herzustellen.  Auch  das  Tafel-
        <pb n="11" />
        10

glas,  in  dessen  Bezug  unsere  Trockenplattenindustrie  noch  vor
15  Jahren  auf  das  Ausland,  hauptsächlich  Belgien  und  England,
angewiesen  war,  wird  jetzt  von  deutschen  Glashütten,  die  sich  besonders ­
  während  des  Krieges  dieser  Spezialfabrikation  mit  Nachdruck
zuwandten,  in  vorzüglicher  Qualität  hergestellt.  Die  frühere  Abhängigkeit, ­
  die  im  Bezüge  dieses  wichtigen  Rohmaterials  dem  Auslande ­
  gegenüber  bestand,  ist  in  den  letzten  Jahren  vollständig  beseitigt.
Ebenso  verhält  es  sich  auch  in  bezug  auf  das  R  o  h  p  a  p  i  e  r.
An  keine  andere  Papiersorte  werden  so  viele  und  so  hohe  Anforderungen ­
  gestellt  wie  an  photographisches  Rohpapier,  das  nicht  nur  fest,
gut  geleimt  und  schön  gebleicht  sein  soll,  sondern  auch  den  verwendeten ­
  Chemikalien  gegenüber  vollkommen  reaktionslos  bleiben  muß.
Die  Schwierigkeiten  in  der  Fabrikation  tadelloser  photographischer
Rohpapiere  führten  dahin,  daß  man  lange  Zeit  in  Europa  den  Bedarf
der  alten  Welt  an  photographischem  Rohpapier  nur  aus  zwei  Fabriken ­
  decken  konnte,  die  in  einem  ausländischen  Syndikat  vereinigt
waren.  Der  Versuch,  ein  deutsches  brauchbares  Rohpapier  für  photographische ­
  Zwecke  herzustellen,  ist  aber  gleichfalls  mit  Erfolg  durchgeführt ­
  worden,  und  auch  in  diesem  Artikel  ist  unsere  Fabrikation
vom  Auslande  unabhängig.
Das  Metall  und  Holz,  das  für  den  Bau  optisch-photographischer
Instrumente  und  Apparate  verwandt  wird,  ist  im  Jnlande  genügend
vorhanden,  und  auch  diejenigen  Holzteile,  für  die  gewisse  ausländische ­
  Edelhölzer,  in  erster  Linie  das  amerikanische  Nußholz  und
Mahagoni,  Verwendung  fanden,  lassen  sich  durch  einheimische  Holzarten ­
  ersetzen.  Es  blieben  nur  noch  die  in  der  Photographie  verwandten ­
  Salze  der  Edelmetalle,  denn  die  ganze  Photographie  und
damit  die  photographische  Industrie  steht  und  fällt  mit  der  Möglichkeit ­
  der  Silberverarbeitung.  Wenn  sich  auch  die  hauptsächlichsten
Lieferanten  für  Silber  im  Auslande  befinden,  so  ist  doch  auch  an
diesem  wichtigen  Rohmaterial  kein  Mangel,  und  für  die  übrigen
Edelmetalle,  wie  Gold  und  Platin,  die  früher  in  der  Photographie
Verwendung  fanden,  jetzt  aber  für  photographische  Zwecke  nicht  mehr
zu  haben  sind,  wurden  durch  unsere  großen  chemischen  Fabriken  entsprechende ­
  Ersatzstoffe  gefunden.
        <pb n="12" />
        11

III.  Die  Ein-  und  Ausfuhr  in  optischen  und
photographischen  Bedarfsartikeln.
Die  Eigenart  der  optisch-photographischen  Industrie  hat  zur
Folge,  daß  sich  auch  der  Absatz  an  die  Konsumenten  in  Formen  vollzieht, ­
  die  von  denen  anderer  Produktionsgruppen  zum  Teil  ganz
wesentlich  abweichen.  Denn  es  handelt  sich  bei  den  optisch-photographischen ­
  Artikeln  ja  nicht  um  Massenfabrikate,  sondern  um  zum  Teil
sehr  hochwertige  Einzelerzeugnisse.  So  kommt  es,  daß  zum  Teil  der
Großhandel  mit  der  Fabrikation  eng  zusammenhängt.
In  Deutschland  gibt  es  ca.  200  Firmen,  die  sich  zum  größten
Teil  als  Hauptbetrieb,  zum  Teil  als  Nebenbetrieb,  mit  der  Fabrikation ­
  optisch-photographischer  Artikel  beschäftigen.  Darunter  befinden ­
  sich  15  optische  Anstalten,  30  Fabriken  photographischer  Apparate, ­
  20  Trockenplattensabriken,  28  Fabriken  photographischer
Papiere,  10  chemische  Fabriken,  87  Fabriken  anderer  photographischer ­
  Bedarfsartikel  (Kartons,  Rahmen,  Schalen,  Kopierrahmen,
Lampen,  Mensuren  usw.).  Unter  diesen  Großbetrieben  befinden  sich
20  Aktiengesellschaften,  die  in  der  Hauptsache  optisch-photographische
Artikel  erzeugen.  Zu  bemerken  ist  hierbei  noch,  daß  sehr  häufig  in
einem  Unternehmen  Betriebe  verschiedener  Art  vereinigt  sind.  So
werden  z.  B.  in  den  optischen  Anstalten  neben  Brillen,  Mikroskopen,
Fernrohren,  optischen  Instrumenten  der  verschiedensten  Art  auch
photographische  Apparate  angefertigt,  in  einzelnen  großen  Fabriken
der  chemischen  Industrie  nicht  nur  photographische  Chemikalien,  sondern ­
  auch  Trockenplatten  und  lichtempfindliche  Papiere.  Die  Gesamtzahl ­
  der  in  allen  diesen  Betrieben  beschäftigten  Personen  ist  nicht
genau  festzustellen.  Die  größte  Arbeiterzahl  weisen  die  optischen  Anstalten ­
  auf,  die  geringste  die  Fabriken  photographischer  Papiere  und
Trockenplatten,  was  in  deren  wesentlich  maschinellem  Betriebe  seine
Erklärung  findet.
Wieviel  Spezialhändler  optischer  und  photographischer  Artikel  es
gibt,  läßt  sich  nicht  genau  feststellen;  ihre  Zahl  wird  auf  ca.  3000
geschätzt.
Ueber  Umfang  und  Bedeutung  des  Großhandels  in  optischphotographischen ­
  Artikeln  gibt  die  Statistik  einen  Ueberblick.
An  rohem  optischenGlas  wurden  im  Jahre  1913  672  dz
im  Werte  von  168  000  M  eingeführt,  gegen  716  dz  im  Werte  von
179  000  M  im  Jahre  1912.  Hiervon  kamen  1913  aus  Frankreich
557  dz  und  aus  Oesterreich-Ungarn  106  dz  gegen  526  und  179  dz
im  Jahre  1912.
Die  Ausfuhr  fiel  von  5546  dz  im  Werte  von  1165  000  M  im
Jahre  1912  auf  4630  dz  im  Werte  von  1140  000  M  im  Jahre  1913.
        <pb n="13" />
        12

Es  gingen  nach  Großbritannien  143  dz  und  nach  den  Vereinigten
Staaten  3979  dz  im  Jahre  1913,  gegen  133  dz  und  5135  dz  im
Jahre  1912.
Die  Einfuhr  an  Brillen  und  anderen  gefaßten
Augen-,  Brenngläsern,  Lupen  betrug  im  Jahre
1913:  90  dz  im  Werte  von  163  000  M,
1912:  90  dz  im  Werte  von  168  000  M.
Die  Ausfuhr  dagegen  betrug
1913:  1370  dz  im  Werte  von  4  258  000  M,
1912;  1060  dz  im  Werte  von  3  027  000  M.
Davon  gingen  nach  Großbritannien
1913:  180  dz  im  Werte  von  2130  000  M,
1912;  120  dz  im  Werte  von  1661000  M.
Ferngläser,  terre  st  rische,  Operngläser  wurden
eingeführt  im  Jahre
1913:  490  dz  im  Werte  von  1729  000  M  gegen
1912:  580  dz  im  Werte  von  2  020  000  M.
Davon  kamen  aus  Franreich
1913:  410  dz  im  Werte  von  1446  000  M,
1912:  440  dz  im  Werte  von  1537  000  M.
Ausgeführt  wurden
1913:  1820  dz  im  Werte  von  9  698  000  M,
1912:  1620  dz  im  Werte  von  7104  000  M.
Davon  gingen  nach
Großbritannien:
150  dz  im  Werte  von  1041000  M  im  Jahre  1913,
130  dz  im  Werte  von  695  000  M  im  Jahre  1912.
Italien:
160  dz  im  Werte  von  999  000  M  im  Jahre  1913,
140  dz  im  Werte  von  534  000  M  im  Jahre  1912.
Oesterreich-Ungarn:
270  dz  im  Werte  von  1646  000  M  im  Jahre  1913,
190  dz  im  Werte  von  1034  000  M  im  Jahre  1912.
Rußland:
370  dz  im  Werte  von  2128  000  M  im  Jahre  1913,'
390  dz  im  Werte  von  1686  000  M  im  Jahre  1912.
Sonstiges  optisches  Glas,  geschliffen,  gefaßt;
Stereoskope;  Mikroskope
wurden  eingeführt  im  Jahre  1913:  100  dz  im  Werte  von  269  000  M,
1912;  110  dz  im  Werte  von  387  000  M.  Die  Ausfuhr  dagegen
betrug  1913:  1860  dz  im  Werte  von  5345  000  M,  gegen  1760  dz  im
Werte  von  4  659  000  M  im  Jahre  1912.
        <pb n="14" />
        13

Davon  gingen  nach
Frankreich:
100  dz  im  Werte  von  285  000  M  im  Jahre  1918,
90  dz  im  Werte  von  265  000  M  im  Jahre  1912,
Großbritannien:
230  dz  im  Werte  von  682  000  M  im  Jahre  1918,
200  dz  im  Werte  von  638  000  M  im  Jahre  1912.
Italien:
70  dz  im  Werte  von  213  000  M  im  Jahre  1913,
60  dz  im  Werte  von  174  000  M  im  Jahre  1912.
Oesterreich-Ungarn:
170  dz  im  Werte  van  529  000  M  im  Jahre  1913,
130  dz  im  Werte  von  377  000  M  im  Jahre  1912.
Rußland:
330  dz  im  Werte  von  1181000  M  im  Jahre  1913,
210  dz  im  Werte  von  609  000  M  im  Jahre  1912.
Schweiz:
90  dz  im  Werte  von  241000  M  im  Jahre  1913,
140  dz  im  Werte  von  334  000  M  im  Jahre  1912.
Vereinigte  Staaten:
260  dz  im  Werte  von  537  000  M&amp;gt;  im  Jahre  1913,
240  dz  im  Werte  von  482  000  M  im  Jahre  1912.
An  photographischen  Linsen,  geschliffen  und
gefaßt;  photographischen  Objektiven  und  Appar
  st  t  e  n  betrug  die  Einfuhr  im  Jahre
1913:  240  dz  im  Werte  von  482  000  M,
1912  :  240  dz  im  Werte  von  470  000  M.
Die  Ausfuhr  betrug  im  Jahre  -n
1913:  4180  dz  im  Werte  von  10  623  000  M,
1912:  3050  dz  im  Werte  von  7  503  000  M.
Davon  gingen  nach
Frankreich:
1913:  370  dz  im  Werte  von  1206  000  M,
1912:  260  dz  im  Werte  von  786  000  M.
Großbritannien:
1913:  660  dz  im  Werte  von  1898  000  M,
1912:  460  dz  im  Werte  von  1323  000  M.
Italien:
1913:  210  dz  im  Werte  von  631000  M,
1912:  200  dz  im  Werte  von  606  000  M.
Oesterreich-Ungarn:
1913:  560  dz  im  Werte  von  1459  000  M,
1912;  410  dz  im  Werte  von  1036  000  M.
        <pb n="15" />
        14

Rußland:
1913:  910  dz  im  Werte  von  1743  000  M,
1912:  560  dz  im  Werte  von  1092  000  M.
Schweiz:
1913;  210  dz  im  Werte  von  643  000  M,
1912;  180  dz  im  Werte  von  514  000  M.
Trockenplatten  für  photographische  Zwecke
wurden  im  Jahre  1913  eingeführt:  3800  dz  im  Werte  von  874  000  M
gegen  3490  dz  im  Werte  von  804  000  M  im  Jahre  1912.  Davon
kamen  aus  Großbritannien:
1913:  3360  dz  im  Werte  von  772  000  M,
1912:  3040  dz  im  Werte  von  698  000  M.
Die  Ausfuhr  betrug  im  Jahre
1913:  14  440  dz  im  Werte  von  3  237  000  M,
1912:  11680  dz  im  Werte  von  2  468  000  M.
Davon  gingen  nach  Oesterreich-Ungarn:
1913:  4250  dz  im  Werte  von  979  000  M&amp;gt;,
1912:  3810  dz  im  Werte  von  791000  M.
Die  Einfuhr  an  lichtempfindlichem  photographischen ­
  Papier  betrug  im  Jahre
1913:  716  dz  im  Werte  von  716  000  M,
1912:  958  dz  im  Werte  von  958  000  M.
Davon  kamen  aus  Belgien  1913:  379  dz,  gegen  479  dz  im
Jahre  1912  und  aus  Oesterreich-Ungarn  149  dz  gegen  222  dz  im
Jahre  1912.
Die  Ausfuhr  stieg  dagegen  von  12  703  dz  im  Werte  von
4  662  000  M  auf  15  412  dz  im  Werte  von  5  573  000  M.
Es  gingen  unter  anderem  nach:
1913  1912

Belgien

.  .  905  dz

7127  dz

Dänemark

.  .  504  „

379  „

Frankreich

.  .  454  „

387  „

Großbritannien  .  .  .

.  .  3143  „

2858  „

Italien

.  .  829  „

487  „

den  Niederlanden  .  .  ,

.  .  725  „

616  „

Oesterreich-Ungarn  .  .

.  .  2068  „

1545  „

Rußland

.  .  2112  „

1753  „

Schweden

.  .  658  „

535  „

der  Schweiz

.  .  1218  „

985  „

Argentinien  ....

.  .  415  „

390  „

Die  photochemische  nErzeugnisse,  die  als  anderweit
nicht  genannt  in  der  Handelsstatistik  aufgeführt  werden,  kommen  für
den  Großhandel  recht  erheblich  in  Betracht.  Es  wurden  von  diesen
Erzeugnissen  im  Jahre  1913  eingeführt:
        <pb n="16" />
        15

3812  dz  im  Werte  von  596  000  M  gegen
2299  dz  im  Werte  von  414  000  M&amp;gt;  im  Vorjahre.
Dabei  ist  jedoch  zu  bemerken,  daß  es  sich  vielfach  um  deutsche
Präparate  handelt,  die  recht  oft  nach  dem  Auslande  gingen,  um  von
dort  in  entsprechender  Aufmachung  als  ausländische  Produkte  wieder
in  Deutschland  eingeführt  zu  werden.  Die  Ausfuhr  dieser  photochemischen ­
  Erzeugnisse  stieg  von  20  620  dz  im  Werte  von  7  367  000
Mark  im  Jahre  1912  auf  27  695  dz  im  Werte  von  7  949  000  Mi  im
Jahre  1913.
Es  gingen  nach:  ■  ,

1913  1912

Belgien

.  1031  dz  1037  dz

Frankreich

.  4046

2323  „

Großbritannien  ....

.  2491

„  1686  „

Italien

.  704

501  „

den  Niederlanden  ....

.  1639

„  1023  „

Oesterreich-Ungarn  .  .  .

.  2749

„  1817  „

Rußland

.  2115

„  2029  „

der  Schweiz

.  2461

„  2168  „

Spanien  -

.  687

„  508  „

Japan

.  53'7

„  464  „

den  Vereinigten  Staaten  .

.  5521

3927'  „

Es  war  also  vor  dem  Kriege  in  allen  Ländern  eine  zum  Teil
recht  erhebliche  Zunahme  der  deutschen  Einfuhr  optisch-photographischer ­
  Artikel  zu  verzeichnen.  Einer  Gesamtausfuhr  im  Werte  von
rund  37  955  000  M  im  Jahre  1912  stand  im  Jahre  1913  eine  Gesamtausfuhr ­
  im  Werte  von  47  823  000  M  gegenüber.  Dabei  ist  die
Film-Ein-  und  -Ausfuhr,  die  in  der  Hauptsache  in  belichteten  kinematographischen
  Filmen  bestand,  nicht  berücksichtigt  worden,  weil  sie  für
den  eigentlichen  Konsum  an  optisch-photographischen  Artikeln  nicht  in
Betracht  kommt.  Da  nun  höchstens  die  Hälfte  der  deutschen  Produktion ­
  vor  dem  Kriege  in  Deutschland  blieb,  so  ergab  sich  für  den  deutschen ­
  Konsum  einschließlich  des  Imports  eine  Gesamtsumme  von  rund
53  Millionen  Mark.  Unzweifelhaft  wird  es  bei  der  großen  Neuorientierung ­
  nach  dem  Kriege  auch  gelingen,  hier  genauere  Zahlen
zu  ermitteln.  Von  Wichtigkeit  wird  es  besonders  sein,  wie  weit  sich
die  Zahlen  des  Imports  ändern.  Denn  wenn  auch  die  Konsumenten,
die  früher  glaubten,  ohne  einige  ausländische  Fabrikate  nicht  auszukommen, ­
  sich  jetzt  an  die  deutschen  Erzeugnisse  gewöhnt  und  ihre  Güte
anerkannt  haben,  so  wird  doch  nach  dem  Kriege  wieder  die  ausländische
Konkurrenz,  die  ja,  wie  nicht  bestritten  werden  kann,  auf  einzelnen
Gebieten  sehr  leistungsfähig  ist,  wieder  auf  dem  deutschen  Markte
erscheinen.  Eine  erhebliche  Zunahme  des  deutschen  Exports  ist  erst
dann  zu  erwarten,  wenn  der  ausländische  Markt  ihr  wieder  offen  steht.
        <pb n="17" />
        16

IV.  Der  deutsche  Handel  in  optisch-photographischen
Artikeln.
Der  selbständige  Handel  in  optisch-photographischen  Artikeln  ist
verhältnismäßig  jung  und  hat  sich  erst  ganz  allmählich  mit  dem
Entstehen  der  optisch-photographischen  Industrie  herausgebildet.  Zu
jener  Zeit,  als  die  optischen  und  photographischen  Artikel  noch  in
kleinen  Handwerksbetrieben  hergestellt  wurden,  bestand  ein  eigentlicher ­
  Zwischenhandel  nicht,  die  Konsumenten  standen  mit  den  Herstellern ­
  der  Apparate  und  Instrumente  direkt  in  Verbindung.  Erst
als  zum  Teil  aus  allerkleinsten  Anfängen  die  Großbetriebe  unserer
Industrie  entstanden,  konnten  sich  diese  nicht  mehr  mit  dem  direkten
Absatz  an  die  Konsumenten  besassen.  In  der  Photographie  war  es
besonders  die  Einführung  des  Kolladiumprozesses  durch  Archer  (1851)
und  später  die  Erfindung  der  Trockenplatte  (1871),  die  der  allgemeinen ­
  Ausbreitung  der  industriellen  Photographie  die  Wege  ebnete.
Seitdem  die  Photographie  nicht  mehr  ein  ausschließlich  von  gelernten
Fachleuten  ausgeübtes  Kunstgewerbe  ist,  müssen  auch  die  dazu  erforderlichen ­
  Materialien  in  großen  Mengen  hergestellt  und  durch  den
Handel  vertrieben  werden.  Dabei  aber  zeigte  sich  schon  die  Eigenart
dieses  Handels.  Der  Händler  mit  photographischen  Bedarfsartikeln
und  ebenso  der  Ladenoptiker  sind  nicht  nur  Verkäufer  der  Waren,  die
sie  auf  Lager  hallen,  sondern  sie  müssen  auch  darüber  hinausgehend  als
Helfer  und  Berater  ihrer  Kundschaft  tätig  sein,  und  demzufolge  die
Erzeugnisse,  die  sie  vertreiben,  deren  Verarbeitung  und  Benutzung
möglichst  genau  kennen.  Daraus  ergibt  sich  naturgemäß  die  Notwendigkeit ­
  einer  gewissen  Vorbildung  und  Beherrschung  der  Technik.
Für  den  Fabrikanten  aber  andererseits  ist  es  von  Wichtigkeit,  einen
festen  Händlerkreis  als  Abnehmer  zu  besitzen  und  diesen  durch  geeignete ­
  Vereinbarungen  sich  zu  erhalten.  Deshalb  fehlte  es  auch  nicht
an  Versuchen  für  den  Verkauf  bestimmte  Organisationen  und  Vereinbarungen ­
  zu  schaffen,  die  sich  in  erster  Linie  darauf  erstrecken,  nur
an  bestimmte  Abnehmer  als  Händler  zu  liefern.  Allgemein  gilt  in  der
optisch-photographischen  Industrie  der  Grundsatz,  daß  nur  an  anerkannte ­
  Händler  mit  Rabatt  geliefert  wird.
Am  leichtesten  sind  diese  Bedingungen  im  Handel  mit  optischen
Artikeln  durchzuführen  gewesen.  Den  Konsumenten  wird  zwar  in
einzelnen  Fällen  auch  direkt  verkauft  aber  nur  zum  vollen  Katalogpreis ­
  und  auch  der  Händler  wird  auf  die  strikte  Jnnehaltung  des
Katalogpreises  dem  Konsumenten  gegenüber  verpflichtet.  Für  den
Verkauf  photographischer  Objektive  und  Kameras  gelten  im  allgemeinen ­
  folgende  Bedingungen:
        <pb n="18" />
        17

„Firmen,  die  als  regelmäßige  Händler  photographischer  Bedarfsartikel ­
  nicht  bekannt  sind,  müssen  sich  als  solche  ausweisen:
Durch  Aufgabe  von  Referenzen  aus  der  photographischen
Branche,  oder  durch  Einsendung  einer  eigenen  Preisliste  photographischer ­
  Artikel  oder  durch  sonstigen  überzeugenden  Nachweis.
Ein  Rabatt  wird  regelmäßigen  Händlern  photographischer  Artikel
unter  der  Bedingung  gewährt,  daß  dieselben  an  die  Eigenbenutzer  nur
zu  den  von  den  betreffenden  Fabrikanten  festgesetzten  nachstehenden
Bedingungen  abgeben:
Photographische  Objektive  und  sonstige  einschlägige  Fabrikate  sowie ­
  Hand-  und  Stativkameras  an  Fachphotographen  und  Amateure
nicht  unter  den  in  den  Preislisten  der  Fabrikanten  festgesetzten  Bruttopreisen, ­
  doch  darf  bei  Barzahlung  ein  Kassaskonto  gewährt  werden.
Diejenigen  Firmen,  welche  gegen  obige  Bedingungen  verstoßen,
werden  im  ersten  Falle  einer  Zuwiderhandlung  verwarnt.  Des
weiteren  kann  ihnen  im  Wiederholungsfälle  die  Lieferung  mit  Rabatt
entzogen  werden."
Im  Handel  mit  photographischen  Papieren  wurde  bereits  Ende
1907  eine  Preiskonvention  abgeschlossen,  die  sich  zunächst  auf  Lieferungen ­
  an  Amateure  erstreckte,  später  aber  auch  auf  die  Lieferungen
an  Fachphotographen  ausgedehnt  wurde.  In  dieser  Konvention  war
vereinbart,  daß  Händlern  und  Grossisten  nur  gegen  vorherige  Unterzeichnung ­
  eines  Reverses  geliefert  werden  dürfe,  in  welchem  sie  sich
verpflichten,  die  festgesetzten  Verkaufspreise  streng  innezuhalten.  Den
Warenhäusern  und  ähnlichen  Unternehmungen  wurde  eine  Umsatzprovision ­
  nicht  gewährt,  auch  nicht  in  Form  einer  Warenhaussteuer.
Außerdem  wurde  den  Grossisten  die  Verpflichtung  auferlegt,  von  ihrer
Kundschaft  die  Anerkennung  eines  Händlerreverses  zu  fordern,  in
welchem  der  Detailhändler  wiederum  die  Jnnehaltung  der  festgesetzten
Verkaufsbedingungen  zusagte.  War  außerdem  ein  Händler  wegen
Verstoßes  gegen  die  festgesetzten  Verkaufsbedingungen  mit  Strafe
belegt,  so  mußten  die  Grossisten  die  Verpflichtung  übernehmen,  in
gleicher  Weise  wie  die  Fabrikanten  zu  liefern,  d.  h.  im  Falle  der  Zuwiderhandlung ­
  gegen  die  Bestimmungen  die  Lieferungen  zeitweise  zu
entziehen.
Es  war  damit  zuerst  der  Versuch  gemacht,  durch  die  Verpflichtung
zur  Preiseinhaltung  Ordnung  in  die  Buntscheckigkeit  und  Systemlosigkeit
  des  früheren  Warenvertriebes  zu  bringen.  Die  Konvention
konnte  jedoch  infolge  entstehender  Differenzen  nicht  aufrecht  erhalten
werden,  sie  hatte  aber  wenigstens  den  einen  Erfolg,  daß  ihre  Grundzüge ­
  im  Verkehr  zwischen  Fabrikanten  und  Händlern  auch  heute  noch
als  gültig  angesehen  werden.
Die  Trockenplattenfabriken  sind  bisher  zu  einer  Konvention  nicht
2
        <pb n="19" />
        18

gekommen.  Sie  liefern  an  Grossisten  und  Detailhändler  mit  Rabatt
auf  ihre  Listenpreise  meistens  in  der  Weise,  daß  der  Grossist  zunächst
den  Detailhändlerrabätt  und  von  dem  so  verbleibenden  Preis  noch
einen  besonderen  Grossistenrabqtt  erhält.  Dazu  aber  kommt,  daß
Trockenplatten  und  Papiere  vielfach  auch  direkt  an  Fachphotographen
mit  Rabatt  geliefert  werden,  weil  es  sich  hier  um  Konsumenten
handelt,  die  diese  Waren  für  ihren  Geschäftsbetrieb  benötigen  uns
gewissermaßen  als  Zwischenhändler  anzusehen  sind.
Das  Gegenstück  dazu  findet  sich  des  öfteren  in  kleinen  Handelsunternehmen, ­
  die  neben  ihren  eigentlichen  Brancheartikeln  auch
optisch-photographische  Artikel  führen.  So  z.  B.  Drogisten,  Uhrmacher,
die  im  optisch-photographischen  Handel  einen  Gelegenheitsnebenartikel
  sehen  aber  doch  diesen  Zweig  noch  nicht  so  weit  ausgebaut
haben,  um  als  reguläre  Händler  'u  den  Erzeugnissen  der  optischphotographischen
  Industrie  angesehen  zu  werden.  Die  Bemühungen,
hier  genau  festzustellen,  wer  als  Händler  anzusehen  ist,  sind  bisher
als  gescheitert  zu  betrachten.  Es  kann  sich  zumeist  immer  nur  darum
handeln,  daß  die  Verkaufsbedingungen,  unter  oenen  die  Fabrikanten
liefern,  innegehalten  werden,  und  in  dieser  Beziehung  sind  hauptsächlich ­
  maßgebend  die  Geschäftsbedingungen,  die  der  Verein  der  Fabrikanten ­
  photographischer  Artikel  E.  V.  wie  folgt  festgesetzt  hat:
„Rabatt  an  Amateure  und  Amateurvereine  darf  nicht  gewährt
werden,  es  sei  denn,  ein  Skonto  bis  zu  zwei  Prozent.  Unter  Amateuren ­
  sind  solche  zu  verstehen,  die  die  Photographie  als  Liebhaberei
betreiben.
Händlerrabatt  darf  nur  solchen  Photographen  bewilligt  werden,
die  den  zweifellosen.Nachweis  führen,  daß  sie  eine  Handlung  photographischer ­
  Artikel  gewerbsmäßig  betreiben.  Als  Händlerrabatl  ist
nicht  derjenige  zu  betrachten,  der  den  Fuchphotographcn  bisher  usaneemäßig
  für  ihre  Bedarfsartikel  gewährt  wurde.
Einkaufsgenossenschaften  der  Fachphotographen  sind  wie  einzelne
Fachphotographen  zu  behandeln.
Konsumenten  phtographischer  Artikel,  die,  ohne  Fachphotographen ­
  zu  sein,  die  Photographie  nicht  als  Liebhaberei,  sondern  im
größeren  Maßstabe  beruflich  ausüben,  sind  den  für  den  Verkehr  mit
Amateuren  festgelegten  Bedingungen  nicht  unterworfen."
Der  Chemikalienhandel,  der  nur  insoweit  in  diese  Abhandlung
gehört,  als  photographische  Spezialchemikalien  in  Betracht  kommen,
hat  für  den  Großhandel  sowie  für  den  Kleinhandel  seine  besonders
durchgearbeitete  Organisation,  auf  die  hier  näher  einzugehen  zu  weit
führen  würde.
Die  deutsche  optisch-photographische  Industrie  beschränkt  sich
längst  nicht  mehr  darauf,  den  Bedarf  des  Heimatlandes  zu  decken,
        <pb n="20" />
        19

sie  war  in  fortgesetzt  steigendem  Maße  am  Export  beteiligt  und  nur
durch  Zuhilfenahme  der  ausländischen  Absatzgebiete  konnte  ein  solcher
Konsum  erreicht  werden,  daß  unsere  Industrie  sich  stets  auf  lohnender ­
  Höhe  erhielt.  So  wichtig  daher  auch  immer  der  Innenhandel  war,
das  wichtigste  blieb  doch  vor  dem  Kriege  der  Export,  der  durch  den
Großhandel  die  Hälfte  der  ganzen  Produktion  umfaßte.  Das  zeigte  sich
besonders  auf  dem  Gebiet  der  photographischen  Optik  und  des  Kamerabaues ­
  und  der  enge  Zusammenschluß,  der  für  den  Absatz  optisch-photographischer ­
  Fabrikate  mannigfacher  Art  besteht,  trat  gerade  beim  deutschen ­
  Export  hervor,  denn  bei  den  Kunden  im  Auslande  ist  vielfach
der  Verkauf  der  verschiedenen  optischen  Erzeugnisse  in  den  gleichen  Geschäften ­
  vereinigt  und  die  Handlung,  die  im  Auslande  photographische
Objektive  verkaufte,  hatte  vielfach  auch  den  Verkauf  von  Ferngläsern,
Brillen  und  sonstigen  optischen  Erzeugnissen.  Es  ist  deshalb  von
Wichtigkeit,  festzustellen,  wie  sich  die  Ausfuhr  einiger  der  wichtigsten
optisch-photographischen  Erzeugnisse  vor  dem  Kriege  gestaltete.  So
wurden  im  Jahre  1913  nach  Rußland  ausgeführt:

dz  Wert  M
Photographische  Kameras  und  Objektive,  photographische
Linsen,  geschliffen  und  aefaßt  908  2  307  228
Ferngläser  ,  308  2  128  000
Sonstiges  optisches  Glas,  geschliffen  und  gefaßt  (auch  ungefaßte, ­
  optische  Linsen)  330  1  181000
Brillen  usw  308  703  000
Photographisches  lichtempfindliches  Papier  2118  760  320
Photographische  Trockenplattcn  1566  350  784
Filme,  unbelichtet  oder  belichtet,  aus  Zellhorn  oder  ähnlichen ­
  Stoffen  .  .  220  1  288  860
Chemische  Erzeugnisse,  anderweit  nicht  genannt,  für  photographische, ­
  Reinigungs-  und  andere  Zwecke  ....  2115  607  005

Die  Ausfuhr  der  deutschen  optischen  Industrie  nach  Rußland  im
Jahre  1913  ist  um  so  beachtenswerter,  weil  sie  sich  in  einzelnen  Positionen, ­
  wie  z.  B.  der  für  photographische  Linsen,  beinahe  verdoppelt
hat.  Denn  die  Ausfuhr  betrug  im  Jahre  1912  nur  564  dz.  Außerdem ­
  ist  zu  berücksichtigen,  daß  in  den  angeführten  Zahlen  die  Ausfuhr
nach  Finnland  nicht  mit  einbegriffen  ist.
Soweit  in  Rußland  selbst  die  Produktion  photographischer
Artikel  in  Frage  kam,  waren  vor  dem  Kriege  nur  Ansätze  zu  verzeichnen, ­
  insbesondere  auf  dem  Gebiete  der  Trockenplattenfabrikation,
für  die  in  Moskau  und  auch  in  Warschau  Fabriken  errichtet  wurden.
Obgleich  diese  Fabrikation  nicht  unrentabel  war,  hatte  dadurch  der
Export  ausländischer  Trockenplatten  nach  Rußland  nicht  gelitten,  viel-.
mehr,  trotz  des  Zolles  von  6  Rubel  pro  Pud  ein  großes  und  lohnendes
Absatzgebiet  gefunden.  Ebenso  in  bezug  aus  die  Lieferung  phoiographischer
  Papiere,  Kameras  und  Objektive.  Wenn  auch  bei  einem
2*
        <pb n="21" />
        20

(0  großen  Absatzgebiete  unsere  ausländische  Konkurrenz  es  sich
gleichfalls  nicht  nehmen  ließ,  Kunden  in  Rußland  zu  werben,  war
ihnen  doch  dis  deutsche  Industrie  bei  weitem  voraus.  Ganz  besonders
in  der  Lieferung  von  Kassetten,  Objektiven  und  photographischen
Papieren.  Natürlich  spielte  neben  der  englischen  und  amerikanischen
auch  die  französische  Konkurrenz  in  Rußland  eine  große  Rolle.  Der
Absatz  französischer  Trockenplatten  war  aber  in  der  Vorliebe  für
französische  Fabrikate  im  allgemeinen  zu  suchen,  da  die  französischen
Erzeugnisse  teurer  verkauft  wurden,  ohne  die  deutschen  an  Güte-  zu
übertreffen.  Der  Fortfall  des  großen  russischen  Marktes  während
des  Krieges  hat  unsere  Industrie  schwer  geschädigt  und  es  wird  Aufgabe ­
  der  zukünftigen  Handelspolitik  sein,  durch  Handelsverträge  von
Fall  zu  Fall  unsere  Interessen  zu  wahren.
Auch  bei  der  Ausfuhr  nach  Frankreich  war  eine  bedeutende
Steigerung  zu  verzeichnen,  denn  es  wurden  im  Jahre  1913  nach
Frankreich  exportiert:
dz  Wert  M
Photographische  Kameras  und  Objektive,  photographische

Linsen,  geschliffen  und  gefaßt  365  1206  000
Ferngläser  65  410  000
Sonstiges  optisches  Glas,  geschliffen  und  gefaßt  (auch  un-■
  gefaßte  optische  Linsen)  .  .  98  285  000
Brillen  usw  40  09000
Photographisches  lichtempfindliches  Papier  454  IG  440
Filme,  belichtet  oder  unbelichtet  aus  Zellhorn  oder  ähnlichen ­
  Stoffen  866  4  587  060
Chemische  Erzeugnisse,  anderweit  nicht  genannt,  für  photographische ­
  Zwecke  4046  1  160  202

Am  wichtigsten  und  interessantesten  ist  das  Aussuhrverhältnis
unserer  Industrie  zu  England.  Wenn  dieses  Land  in  unserem
Außenhandel  eine  wichtige  Rolle  spielt,  so  ist  das  in  erster  Linie  auf
den  Umstand  zurückzuführen,  daß  Großbritannien  vielfach  den
Durchgangsverkehr  regelte.  England  bezog  im  Jahre  1913  aus

Deutschland:
dz  Wert  ‘M
Photographische  Kameras  und  Objektive,  photographische
■  Linsen,  geschliffen  und  gefaßt  655  1  896  000
Ferngläser  146  1041000
Sonstiges  optisches  Glas,  geschliffen  und  gefaßt  (auch  ungefaßte ­
  optische  Linsen)  &amp;gt;  ■  233  680  OOO
Brillen  usw.  .  .  .  180  2  130  000
Photographisches  lichtempfindliches  Papier  3143  1  131  480
Filme,  belichtet  oder  unbelichtet,  aus  Zellhorn  oder  ähn-"
  Fichen  Stoffen  1283  6  861  220
Chemische  Erzeugnisse,  anderweit  nicht  genannt,  für  photographische ­
  Zwecke  2491  714  917

In  den  skandinavischen  Ländern  wurde  der  Bedarf  an  optisch-
        <pb n="22" />
        21

photographischen  Artikeln  fast  ausschließlich  durch  importierte  Waren
gedeckt  und  es  ist  interessant  festzustellen,  in  welchem  Umfange  vor
dem  Kriege  die  deutsche  optisch-photographische  Industrie  an  der  Ausfuhr ­
  nach  den  einzelnen  nordischen  Ländern  beteiligt  war.
In  Dänemark  besteht  keine  nennenswerte  optisch-photographische ­
  Industrie.  Am  Export  optisch-photographischer  Artikel  dorthin
waren  besonders  beteiligt:  Deutschland,  England,  Frankreich  und  die
Schweiz.  Im  Jahre  1913  wurden  aus  Deutschland  in  Dänemark

eingeführt:
dz  Wert  M
Auzen-  und  Stereoskopgläser,  unsteschliffen  und  ««gefaßt  .  .  3  3  MO
Brillen-  und  andere  Augengläser,  Lorgnons,  Brenngläser
Lupen,  geschliffen,  ungefaßt  7  15000
Brillen  und  andere  gefaßte  Augen-,  Brenngläser,  Lupen  .  18  13  000
Ferngläser,  terrestrische  Ferngläser  36  130000
Sonstiges  optisches  Glas,  geschliffen  und  gefaßt  (Fernrohrobjeklive,
  Stereoskope,  Mikroskope),  ungefaßte  Linsen  für
optische  Zwecke  37  123  000
Photographische  Linsen,  geschliffen  und  gefaßt,  photographische
Objektivs  und  Apparate,  ungefaßte  Läufen  ipür  photographische ­
  Zwecke  63  141  000
Photographisches  lichtempfindliches  Papier  .......  504  181440
Filme'  unbelichtet  oder  belichtet,  aus  Zellhorn  oder  ähnlichen
Stoffen  54  288  3.60
Der  Anteil  Deutschlands  am  gesamten  dänischen  Warenumsatz

betrug  im  Jahre  1913:  33,1  Prozent  gegen  31,9  Prozent  im
Jahre  1912.
Auch  in  S  ch  w  ed  e  n  wird  der  Bedarf  an  optisch-photographischen ­
  Artikeln  hauptsächlich  durch  importierte  Waren  gedeckt.  Es

wurden  im  Jahre  1913  aus  Deutschland  eingeführt:
dz  Wert  M
Augen-  und  Stereoskopgläser,  ungeschliffen  und  ungefaßt  .  .  2  3000
Brillen-  und  andere  Augengläser,  Lorgnons,  Brenngläser,
Lupen,  geschliffen,  gefaßt  0  17  000
Brillen  und  andere  gefaßte  Augen-,  Brenngläser,  Lupen  .  .  21  40  000
Ferngläser,  terrestrische  Ferngläser  57  205  000
Sonstiges  optisches  Glas,  geschliffen  und  gefaßt  (Fernrohrobjektive,
  Stereoskope,  Mikroskope),  ungefaßte  Linsen  für
optische  Zwecke  59,  155  000
Photographische  Linsen,  geschliffen  und  gefaßt,  photographische ­
  Objektive  und  Apparate,  ungefaßte  Linsen  für  photographische ­
  Zwecke  77  180  000
Photographisches  lichtempfindliches  Papier  658  ,236  880
Photographische  Trockenplatten  965  313  920

Der  Anteil  Deutschlands  am  gesamten  Handel  Schwedens  betrug
im  Jahre  1913:  35,6  Prozent.
Wie  Dänemark  und  Schweden,  so  ist  auch  Norwegen  in
bezug  auf  optisch-photographische  Artikel  auf  den  Import  äuge-
        <pb n="23" />
        22

wiesen.  Aus  Deutschland  wurden  nach  Norwegen  eingeführt  im
Jahre  1913:
dz  Wert  M

Augen-  und  Stereoskopgläser,  ungeschliffen  und  ungefaßt  .  .  .  3  1  5  000
Brillen-  und  andere  Augengläser,  Lorgnons,  Brenngläser,  Lupen,
geschliffen,  ungefaßt  5  8  000
Brillen  und  andere  gefaßte  Augen-,  Brenngläser,  Lupen  .  ■  9  21.000
Ferngläser,  terrestrische  Ferngläser  10  53  000
Sonstiges  optisches  Glas,  geschliffen  und  gefaßt  (Fernrohrodiektive,
  Stereoskope,  Mikroskope),  ungefaßte  Linsen  für  optische
Zwecke  ,  24  67  000
Photographische  Linsen,  geschliffen  und  gefaßt,  photographische
Apparate  und  Objektive,  ungefaßte  Linsen  für  photographische
Zwecke  33  54  000

Der  Anteil  Deutschlands  am  Gesamthandel  Norwegens  betrug
im  Jahre  1913:  26,06  Prozent,
Für  Lieferungen  nach  der  Ukraine  ist  zurzeit  auf  optische  und
photographische  Artikel  ein  Zuschlag  von  100  Prozent  auf  die  deutschen
Katalogpreise,  einschließlich  des  Teuerungszuschlages,  vereinbart  worden. ­
  Dieser  Zuschlag  darf  jedoch  nicht  als  solcher  auf  der  Faktura  bezeichnet ­
  werden,  sondern  muß  in  den  Preis  einkalkuliert  sein.  Die  Ausfuhranträge ­
  sind  mit  dem  deutschen  Preis  plus  100  Prozent  Zuschlag
einzureichen.  Es  ist  also  der  Berechnung  der  Listenpreis,  der  jetzt
für  die  Ware  in  Deutschland  geforderte  Teuerungszuschlag  und  ver
Aufschlag  von  100  Prozent  zugrunde  zu  legen.
Infolge  der  Entwicklung,  welche  die  gesamte  optisch-photographische ­
  Industrie  Deutschlands  genommen  hat,  ist  sie,  wie  ausgeführt ­
  wurde,  in  steigendem  Maße  auf  den  Export  angewiesen.
Diesen  Export  uns  zu  erhalten,  ist  das  vitalste  Interesse  unserer
Industrie  und  des  Großhandels.  Durch  niedrige  ausländische  Zollsätze ­
  auf  optisch-photographische  Bedarfsartikel  könnte  der  Export
leicht  auf  das  Doppelte  und  Dreifache  der  Zeit  vor  dem  Kriege
gebracht  werden,  während  andererseits  bei  einem  gänzlichen  Fortfall
des  Exports  infolge  verschlechterter  Handelsbeziehungen  zum  Auslande ­
  eine  Reihe  Industriezweige  mit  hunderten  von  Arbeitern  vernichtet ­
  würde,  die,  unterstützt  und  gefördert  durch  hervorragende  Gelehrte, ­
  es  mehr  als  ihre  Konkurrenten  in  anderen  Ländern  verstanden
haben,  den  modernen  Anforderungen  zu  entsprechen,  die  Wissenschaft,
Kunst  und  Technik  auf  dem  weit  verzweigten  Gebiete  der  Optik  und
Photographie  stellen.
        <pb n="24" />
        23

V.  Die  Organisation  der  optisch-photographischen
Industrie  und  des  Großhandels.
Die  Eigenart  des  Handels  mit  optisch-photographischen  Bedarfsartikeln, ­
  die  auf  Seite  15  dargelegt  wurde,  hat  zur  Folge  gehabt,
daß  sich  Fabrikanten  und  Händler  in  einer  Reihe  von  Organisationen
vereinigten  und  zwar  immer  nur  von  dem  Bestreben  geleitet,  den
Absatz  einheitlich  nach  bestimmten  Normen  zu  gestalten,  wobei
Fabrikanten  und  Händler  verschiedentlich  sich  in  denselben  Vereinigungen ­
  zusammenfanden.
Die  Erkenntnis  von  der  Notwendigkeit  eines  solchen  engeren
Zusammenschlusses  führte  im  Jahre  1881  zur  Gründung  der  Deutschen ­
  Gesellschaft  für  Mechanik  und  Optik  (Sitz  Berlin),  die  sich  über
das  ganze  Reich  ausdehnte  und  deren  Aufgabe  die  wirtschaftliche,
technische  und  wissenschaftliche  Hebung  der  Präzisionstechnik  ist.  Die
Fragen  des  Absatzes  werden  durch  die  wirtschaftliche  Vereinigung  der
Deutschen  Gesellschaft  für  Mechanik  und  Optik  erfolgreich  vertreten.
Weitere  Organisationen  sind:
Vereinigung  der  Fabrikanten  und  Großhändler  optischer  Artikel
(Sitz  Berlin).
Süddeutsche  Vereinigung  der  Fabrikanten  und  Großhändler
optischer  Artikel  (Sitz  Stuttgart).
Deutscher  Optiker-Verband  E.  V.  (Sitz  Berlin).
Zweckverband  der  Optiker  Berlins  und  der  Mark  Brandenburg
(Sitz  Berlin),  umfaßt  Mitglieder  des  Berliner  Vereins  und  Landesgruppe
  Mark  Brandenburg  des  Deutschen  Optiker-Verbandes.
Verein  der  Optiker  Groß-Berlins.
Jnteressenvcreinigung  der  deutschen  Optiker  (E.  V.).
Für  Fabrikation  und  Handel  photographischer  Bedarfsartikel
wurde  im  Jahre  1874  der  Verband  von  Händlern  und  Fabrikanten
photographischer  Artikel  E.  V.  (Sitz  Berlin)  gegründet,  der  namentlich
durch  seine  Einrichtung  der  „Vertraulichen  Mitteilungen"  bekannt
wurde.  In  diesen  Mitteilungen  wurden  alle  von  den  Mitgliedern
eingesandten  Nachrichten  über  Firmen  aus  der  Branche  nach  bestimmten ­
  Gesichtspunkten  sorgfältig  registriert,  natürlich  nur  so  weit
als  sie  das  Verhältnisses  Kunden  gegenüber  seinen  Lieferanten  betreffen. ­
  Nach  Auflösung  des  Verbandes  sind  diese  „Vertraulichen
Mitteilungen"  auf  das  1914  gegründete  Kartell  der  Vereinigungen
deutscher  Fabrikanten  und  Händler  photographischer  Artikel  übergegangen. ­
        <pb n="25" />
        24

Ausschließlich  zur  Wahrung  der  Interessen  der  deutschen
Fabrikanten  photographischer  Artikel  wurde  im  Jahre  1905  der
Verein  der  Fabrikanten  photographischer  Artikel  E.  V.  (Sitz  Berlin)
gegründet,  der  fast  alle  Fabrikanten  photographischer  Artikel  in
Deutschland  zu  seinen  Mitgliedern  zählt  und  sich  die  einheitliche  Vertretung ­
  der  gemeinschaftlichen  Interessen  seiner  Mitglieder  zur
Aufgabe  stellt.  Der  Verein  ist  namentlich  in  der  Förderung  des
Exports  lebhaft  tätig  und  hat  zu  diesem  Zwecke  auch  seinerzeit  eine
besonders  wichtige  Publikation  „Der  Photo-Handel  im  Auslande"
herausgegeben,  die  in  fünf  Heften  sehr  ausführliche  Berichte  über
den  Absatz  optisch-photographischer  Artikel  in  der  ganzen  Welt  enthält.
Eine  weitere  beachtenswerte  Publikation  des  Vereins  ist  die  „Zusammenstellung ­
  der  ausländischen  Einfuhrzölle  auf  die  wichtigsten
photographischen  Bedarfsartikel",  ein  Zollhandbuch,  wie  es  später
auch  van  Der  Wirtschaftlichen  Vereinigung  der  Deutschen  Gesellschaft
für  Mechanik  und  Optik  herausgegeben  wurde.
Als  Organisationen  der  Händler  photographischer  Bedarfsartikel
sind  zu  nennen:  Der  Bund  deutscher  Händler  für  photographischen
Bedarf  E.  V.  (Sitz  Berlin)  und  die  Vereinigung  der  Händler  für
Fachphotographen-Bedarf  (Sitz  Karlsruhe  i.  B.).  Zur  besonderen
Wahrung  der  Interessen  der  Trockenplattenfabriken  hat  sich  im  Juli
1918  der  Schutzvecband  deutscher  Trockenplatten-Fabrikanten  in
Berlin  gegründet.
Zurzeit  sind  Bestrebungen  im  Gange,  einen  engeren  Zusammenschluß ­
  der  verschiedenen  Organisationen  der  Fabrikation  und  des
Handels  mit  optisch-photographischen  Artikeln  herbeizuführen,  wie
ja  auch  bereits  bei  Abschluß  der  ersten  Kartellkonvention  im
Jahre  1907  ein  Zusammengehen  der  verschiedenen  Händlerorganisationen
  mit  den  Fabrikantenvereinen  angestrebt  und  auch  zum  Teil
durchgeführt  wurde.
        <pb n="26" />
        25

VI.  Die  Lage  während  des  Krieges.
Unter  denjenigen  Industriezweigen,  die  durch  den  Weltkrieg  sowohl ­
  in  ihrem  Absatz  als  auch  in  ihren  Produktionsverhältnissen  tiefgehend ­
  beinflußt  wurden,  steht  unsere  Industrie  optisch-photographischer ­
  Artikel  mit  an  erster  Stelle.  Zunächst  wurde  durch  die  Absperrung ­
  die  Ausfuhr  Deutschlands  erheblich  eingeschränkt,  weil  ja  die
Hauptabsatzgebiete  unserer  Industrie  in  feindlichen  Ländern  lagen.
Andererseits  hat  natürlich  auch  die  Einfuhr  aufgehört,  wodurch  das
Absatzgebiet  in  Deutschland  selbst,  namentlich  soweit  Vcrbrauchsartikel,
  wie  Trockenplatten  und  lichtempfindliche  Papiere  in  Frage
kommen,  eine  wesentliche  Erweiterung  erfuhr.  Für  den  Export
kommen  zurzeit  nur  noch  die  neutralen  Länder  in  Betracht  und  dadurch ­
  erhielt  die  Frage  der  Preisgestaltung  für  die  Ausfuhr  mit
Rücksicht  auf  den  Stand  der  Valuta  besondere  Bedeutung.  Andererseits ­
  hatte  die  unterbrochene  Einfuhr  nach  Deutschland  zur  Folge,
baß  man  sich  in  Bezug  auf  einige  Rohmaterialien  und  Fertigfabrikate
vom  Auslande  unabhängig  gemacht  hat.  Das  ist  z.  B.  soweit  Rohmaterial ­
  in  Frage  kommt,  in  erster  Linie  in  Bezug  auf  Trockenplattenglas ­
  der  Fall.  Auch  in  der  Filmfabrikation  hat  die  durch
den  Krieg  unterbrochene  Einfuhr  ausländischer  Erzeugnisse  Anlaß
dazu  gegeben,  daß  die  Herstellung  von  Filmen  erheblich  ausgedehnt
wurde,  so  daß  wir  auch  auf  diesem  Gebiete  die  englischen,  französischen
und  amerikanischen  Erzeugnisse  nicht  nur  jetzt,  sondern  voraussichtlich
auch  in  Zukunft  entbehren  können.
Brachte  der  Abschluß  Deutschlands  vom  Weltmarkt  durch  Wegfall ­
  der  Einfuhr  und  wesentlich  gesteigerten  Jnlandskonsum  unserer
Industrie  auch  keinen  Ausfall,  sondern  erhöhte  Betätigung,  so  hat
doch  die  Fabrikation  bei  der  Materialbeschaffung  mancherlei  Schwierigkeiten ­
  zu  überwinden.  Da  ist  zunächst  das  bei  der  Fabrikation  in
Gestalt  von  Silbernitrat  unentbehrliche  Silber.  Durch  den  großen
Bedarf  des  Heeres  an  Salpetersäure  ist  diese  knapp  geworden.  Deshalb ­
  war  man  nicht  nur  bemüht,  Ersatz  des  salpetersauren  Silbers
durch  schwefelsaures  Silber  zu  schaffen,  sondern  auch  die  Verteilung
und  Versorgung  mit  Silbernitrat  für  die  photographische  Industrie
möglichst  sicherzustellen.
Die  Knappheit  an  Salpetersäure  und  Feinsilber  hat  aber  auch
dazu  geführt,  daß  eine  ganz  erhebliche  Preissteigerung  für  Silbernitrat ­
  eintrat  und  vielfach  von  den  an  den  hohen  Preisen  interessierten
Stellen  von  Zeit  zu  Zeit  Alarmnachrichten  verbreitet  wurden,  nach
denen  Salpetersäure  für  potographische  Zwecke  nicht  mehr  freigegeben
Würde.  Da  mit  dem  salpetersauren  Silber  die  ganze  Photographie
        <pb n="27" />
        26

steht  und  fällt,  so  mußte  diesen  außerordentlich  beunruhigenden  Nachrichten ­
  entgegengetreten  werden.
An  einem  anderen  unentbehrlichen  Rohmaterial,  der  Gelatine,
herrscht  zwar  kein  Mangel,  aber  Gelatine  wurde  für  militärische
Zwecke  beschlagnahmt.  Hierbei  handelt  es  sich  aber  nur  um  eine  vorübergehende ­
  Maßnahme,  so  daß  die  bei  den  einzelnen  Fabrikanten
auftretenden  Schwierigkeiten  immer  bald  behoben  waren.
Der  Mangel  an  Trockenplattenglas,  der  sich  vorübergehend
gleichfalls  geltend  machte,  ist  ausschließlich  eine  Frage  der  Kohlenbeschaffung, ­
  denn  unsere  deutschen  Glashütten  sind  in  der  Lage,  den
Bedarf  unserer  gesamten  Trockenplattenindustrie  an  Glas  mühelos
zu  decken,  vorausgesetzt,  daß  sie  die  erforderlichen  Kohlen  erhalten.
Denn  die  Kohlen  spielen  in  der  Tafelglasfabrikation  die  Hauptrolle,
was  allein  daraus  hervorgeht,  daß  zur  Herstellung  von  einem
Quadratmeter  Photoglas  ca.  ein  Zentner  Braunkohle  erforderlich  ist.
Von  den  Edelmetallen,  die  in  der  photographischen  Industrie
Verwendung  finden  und  deren  Beschaffung  Schwierigkeiten  bereitete,
ist  auch  das  Gold  zu  nennen.  Denn  wenn  Gold  zur  Herstellung  von
goldhaltigen  photographischen  Materialien  nicht  mehr  verwendet  werden ­
  darf,  haben  die  so  beliebten  Tonfixierbäder  ihr  Ende  erreicht.
Nachdem  auch  schon  vorher  Palladium  und  Platin  nicht  mehr  zu
haben  waren,  würde  mit  der  Entziehung  des  Goldes  aus  der  photographischen ­
  Praxis  der  Auskopierprozeß  seiner  wesentlichsten  Verfahren ­
  beraubt  werden.  Aber  schon  als  Platin  nicht  mehr  zu  haben
war,  wurde  darauf  hingewiesen,  daß  unsere  Industrie  für  die  gesamten ­
  Auskopierverfahren  genügend  Ersatz  in  den  mannigfachen
Entwicklungspapieren  geschaffen  habe  und  in  der  Tat  herrscht  ja  auch
an  guten  Entwicklungspapieren  keinerlei  Mangel,  so  daß  man  mit
Recht  sagen  könnte,  daß  mit  den  Entwicklungspapieren,  namentlich
den  Gaslichtpapieren,  mit  den  verschiedenen  Tonungsverfahren  ein
vollgültiger  Ersatz  für  die  Auskopierpapiere  geschaffen  worden  sei.
Da  es  aber  trotzdem  noch  zahlreiche  Photographen  gibt,  die  am
Auskopierverfahren  festhalten,  und  da  ferner  das  Auskopicrverfahren
namentlich  für  Amateurphotographen  unter  Anwendung  von  Tonfixierbädern ­
  infolge  der  leichteren  Kontrolle  bequemer  und  einfacher
zu  handhaben  ist  als  die  größere  Aufmerksamkeit  erfordernde  Handhabung ­
  der  Gaslichtpapiere,  so  mußte  auch  dafür  Ersatz  geschaffen
werden.  Das  ist  geschehen  durch  verschiedene  Tonungsverfahren,  die
von  den  Papierfabriken  eingeführt  wurden.
Ebenso  wie  die  Schwierigkeit  bei  der  Beschaffung  einzelner
Materialien  hat  auch  der  Mangel  an  Arbeitskräften  unsere  optischphotographische ­
  Industrie  gezwungen,  Änderungen  in  der  Fabrikation
einzuführen,  um  sich  den  Verhältnissen  anzupassen.  Teilweise  konnte
        <pb n="28" />
        27

Einstellung  auf  die  veränderten  Verhältnisse  durch  Zuführung  weiblicher ­
  Arbeitskräfte  erfolgen.
Eine  besondere  Aufgabe  fiel  der  Industrie  zu  durch  Versorgung
des  Heeres.  Denn  die  umfangreiche  Verwendung  der  Optik  und
Photographie,  der  enorme  Verbrauch  der  Flieger  und  Lazarette  an
Instrumenten,  Apparaten,  Platten  und  Papieren,  ebenso  auch  die
ausgedehnte  Anwendung  der  optischen  und  photographischen  Apparate
und  Instrumente  für  Zwecke  des  Generalstabes  zu  Vermessungen  und
nicht  minder  der  große  Bedarf  des  Bild-  und  Filmamtes  für  Zwecke
der  Illustration  und  der  Auklärung  haben  es  nötig  gemacht,  einzelne
Gebiete,  so  die  Platten-  und  Papierfabrikation,  durch  Schaffung  neuer
ihrem  Verwendungszwecke  besonders  angepaßter  Platten  und  Papiere
erheblich  auszubauen.
Auch  die  optischen  Anstalten  und  die  Kameraindustrie  sind  an  der
Versorgung  des  Heeres  mit  Materialien  stark  beteiligt,  und  die  Fabriken ­
  photographischer  Bedarfsartikel  haben  es  verstanden,  sich  den,
Erfordernissen  des  Heeresbedarfs  bei  ihrer  Fabrikation  vorzüglich
anzupassen.
Die  Bedeutung  der  Photographie  in  der  Kriegszeit  hat  aber  auch
einen  wirtschaftlichen  Aufschwung  der  Gewerbsphotographie  herbeigeführt, ­
  deren  Konsum  namentlich  an  Verbrauchsmaterial,  wie
Platten  und  Papier,  erheblich  gestiegen  ist,  zumal,  wie  schon  bemerkt,
die  früher  verwandten  ausländischen  Trockenplatten  und  Papiere
jetzt  in  Wegfall  kommen.  Bei  diesen  Konsumenten  ist  aber  ebenso
wie  für  den  Export  nach  dem  neutralen  Auslande  die  Preisfrage
Gegenstand  vielfacher  Erörterungen.  Denn  der  Fabrikant  muß  nicht
nur  höhere  Löhne  bezahlen,  sondern  auch  die  Preise  für  Rohmaterialien ­
  sind  ganz  gewaltig  gestiegen.  Die  Erhöhung  der  Kohlenpreise
hatte  eine  Verteuerung  des  Glases  zur  Folge,  auch  Metalle,  Silber,
Chemikalien,  Papier,  Karton,  kurz  alle  Materialien,  die  in  der
Optik  und  Photographie  verwandt  werden,  haben  Preissteigerungen
erfahren,  die  vielfach  mehr  als  100  Prozent  des  Friedenspreises  ausmachen. ­
  Da  ist  es  denn  erklärlich,  daß  der  Fabrikant  seine  Preise
den  höheren  Produktionsunkosten  entsprechend  erhöhen  muß.  Im
Verkehr  der  Konsumenten  mit  den  Fabrikanten  bzw.  Händlern  hat  der
Krieg  insofern  eine  Besserung  gebracht,  als  die  früher  allgemein
übliche  ungesunde  Kreditwirtschaft  aufgehört  oder  zum  mindesten
eine  wesentliche  Einschränkung  erfahren  hat.
Beim  Export  unserer  Industrie  nach  den  neutralen  Ländern
muß  in  der  Preisfrage  auch  der  Niedergang  der  deutschen  Valuta
berücksichtigt  werden.  Um  eine  Hebung  der  deutschen  Valuta  herbeizuführen, ­
  wurde  beschlossen,  sich  dem  Vorgehen  anderer  Industriezweige ­
  anzuschließen  und  bei  Lieferungen  in  das  neutrale  Ausland
        <pb n="29" />
        28

/

nur  zu  der  ausländischen  Valuta  zu  berechnen.  Unser  Großhandel
konnte  damit  natürlich  durchaus  zufrieden  sein,  zumal  den  ausländischen ­
  Abnehmern  damit  ein  zum  Teil  unberechtigter  Kursgewinn
entzogen  wurde.  Der  Export  nach  dem  neutralen  Auslande  muß
aber  während  des  Krieges  unbedingt  aufrecht  erhalten  werden.  Denn
die  optisch-photographischen  Bedarfsartikel  bilden  ihrer  Form  und
ihrem  Werte  nach  ganz  besonders  gut  geeignete  Kompensationsobjekte,
  wenn  es  sich  darum  handelt,  Waren  aus  dem  neutralen
Auslande,  insbesondere  Lebensmittel,  zu  erhalten.
Aus  diesem  Grunde  wäre  es  auch  sehr  erwünscht,  wenn  man  dem
Beispiele  der  Entente-Staaten  folgen  und  die  aus  militärischen  Gründen ­
  erlassenen  Ausfuhrverbote  möglichst  bald  aufheben  würde.  Denn
wenn  auch  die  Ausfuhrverbote  so  liberal  wie  möglich  gehandhabt
und  Ausfuhrgenehmigungen  in  umfangreichem  Maße  erteilt  werden,
so  unterliegt  es  doch  keinem  Zweifel,  daß  in  den  neutralen  Ländern
derjenige  Konkurrent  im  Vorteil  ist,  der  kein  Ausfuhrverbot  mehr  hat.
Die  Kriegssteuer-Gesetzgebung  hat  auch  Optik  und  Photographie
erfaßt,  indem  eine  Reihe  Erzeugnisse  der  optisch-photographischen
Industrie  der  Luxussteuer  unterworfen  wurden.  Dazu  gehören  z.  B.
photographische  Handapparate  mit  einer  Aufnahmefläche  bis  höchstens
10  :  15  Zentimeter,  ferner  die  Bestandteile  solcher  Apparate,  Objektive, ­
  Verschlüsse,  Sucher,  Gelbscheiben,  Kassetten,  Visierscheiben,  Ergänzungsobjektive, ­
  Stative  usw.  Des  weiteren  Platten  und  Filme  bis
zum  Format  10  :  15  Zentimeter.  Da  nun  die  Preise  für  optischphotographische
  Artikel  bereits  infolge  der  Verteuerung  aller  Rohmaterialien ­
  erhöht  werden  mußten,  ist  leider  anzunehmen,  daß  eine
weitere  Verteuerung  durch  die  Luxussteuer  den  Konsum  beeinflussen
und  deshalb  ungünstig  auf  den  Handel  einwirken  wird.  Wesentlich
unangenehmer  als  die  Steuer  selbst  wird  aber  vom  Handel  die  Art
empfunden,  in  der  die  Berechnung  und  die  Durchführung  der  Steuer
erfolgt.  Die  Händler  müssen  für  die  der  Luxussteuer  unterliegenden
Gegenstände  gesondert  ein  Lagerbuch  und  ein  Steuerbuch  führen,  in
denen  Eingang  und  Ausgang  der  steuerpflichtigen  Gegenstände
zu  verzeichnen  sind.  Eine  besondere  Schwierigkeit  entsteht  außerdem ­
  noch  dadurch,  daß  in  einzelnen  Fällen  zweifelhaft  sein
kann,  ob  der  zum  Verkauf  gelangende  optisch-photographische  Artikel
der  Luxussteuer  unterliegt  oder  nicht.  Deshalb  ist  man  auch  in  den
Kreisen  unserer  Industrie  und  des  Handels  darüber  einig,  daß  die
Steuer  in  der  vorliegenden  Form  für  optisch-photographische  Artikel
nicht  durchgeführt  werden  kann  und  die  darauf  bezüglichen  Ausführungsbestimmungen ­
  einer  Änderung  bedürfen.
        <pb n="30" />
        29

VII.  Die  Aussichten  nach  dem  Kriege.
Der  Umstand,  daß  unsere  optisch-potographische  Industrie  vor
dem  Kriege  in  umfangreichem  Maße  exportierte  und  einen  großen
Teil  des  Bedarfs  der  ganzen  Welt  an  optisch-photographischen
Artikeln  deckte,  hatte  zur  Folge,  daß  man  sich  während  der  langen
Dauer  des  Krieges  in  den  Ländern,  die  im  Frieden  auf  den  Import
dieser  Artikel  angewiesen  waren,  bemühte,  eine  eigene  photographische
Industrie  inS  Leben  zu  rufen.  Diesen  Versuchen,  die  sich  besonders
in  Bestellungen  auf  Werkzeugmaschinen  und  Maschinen  für  Trockenplatten ­
  und  Papierfabrikation  bemerkbar  machten,  konnte  nur  dadurch
entgegengetreten  werden,  daß  die  Lieferungen  nach  dem  neutralen
Auslande  aufrecht  erhalten  wurden.  Das  ist  auch  schon  mit  Rücksicht
auf  die  Zeit  nach  dem  Kriege  notwendig,  denn  die  deutsche  optischphotographische ­
  Industrie  kann  im  Frieden  den  Export  nicht  entbehren, ­
  zumal  wenn  wieder  die  ausländische  Industrie  als  Konkurrent ­
  auf  dem  deutschen  Markte  erscheint.  Richtlinien  für  unsere
deutsche  Industrie  werden  also  künftig  sein:  Ausbau  des  Absatzes  im
Inlands,  eventuell  gefördert  durch  die  Zölle,  und  andererseits  Förderung ­
  des  Exports  durch  rege  Mitwirkung  an  der  Schaffung  neuer
Handelsverträge.
Für  die  Neugestaltung  unserer  Handelsbeziehungen  zum  Auslande ­
  ist  aber  die  Gestaltung  unseres  Zolltarifs  von  außerordentlicher
Wichtigkeit.  Dabei  ist  es  ohne  weiteres  klar,  daß  die  Anschauungen
und  Wünsche  in  bezug  auf  Zollschutz  im  einzelnen  weit  auseinandergehen, ­
  und  die  verschiedenen  Anschauungen  darüber  zu  erörtern,  bleibt
den  in  Betracht  kommenden  Organisationen  überlassen.  Worüber
aber  vollständige  Einigkeit  herrscht,  das  ist  die  Überzeugung  von  der
Notwendigkeit  der  Neuordnung  derjenigen  Positionen  des  Zolltarifs,
die  für  unsere  optische  und  photographische  Industrie  in  Betracht
kommen.
Schon  das  handelspolitische  Verständigungskomitee  hat  bei  seinen
Beratungen  im  Jahre  1913  darauf  hingewiesen,  daß  es  notwendig
sei,  die  Wünsche  für  den  Zolltarif  nicht  nur  in  bezug  auf  die  Zollsätze, ­
  sondern  auch  die  Anordnung  der  Positionen  möglichst  einheitlich
den  Bedürfnissen  unserer  Industrie  entsprechend  zu  gestalten.  Denn
der  bisherige  Zolltarif  trügt  in  seiner  vorliegenden  Form  den  Bedürfnissen ­
  der  Industrie  nicht  Rechnung.  Das  ist  einerseits  darauf
zurückzuführen,  daß  bei  Schaffung  dieses  Zolltarifs  die  Vertretungen
der  Industrie  nicht  zu  Rate  gezogen  wurden,  andererseits  hat  sich
aber  auch  die  Industrie  in  einzelnen  ihrer  Fabrikate  gewaltig  entwickelt,
und  neue  Konstruktionen  und,  Typen  sind  herausgebracht  worden,
        <pb n="31" />
        30

auf  die  die  Einteilung  des  Zolltarifschemas  nicht  mehr  paßt.  Deshalb ­
  ist  schon  in  den  Umfragen  der  Handelskammern  sowohl  als  auch  in
denen  der  einzelnen  Interessenvertretungen  in  erster  Linie  die  Frage
aufgeworfen  worden,  wie  die  Neuordnung  der  einzelnen  Positionen
erfolgen  müsse,  um  den  Bedürfnissen  der  Industrie  Rechnung  zu
tragen.  Dabei  kann  als  allgemeiner  Wunsch  unserer  Industrie  zunächst ­
  hervorgehoben  werden,  daß  es  zweckmäßig,  ja  notwendig  erscheint, ­
  die  gesamten  Erzeugnisse  unserer  hochentwickelten  Industrie
in  besonderen  entsprechend  unterklassifizierten  eigenen  Zollpositionen
aufzunehmen.  Denn  nur  wenn  dies  geschieht,  ist  es  möglich,  der  in
allen  Fällen  gänzlich  ungerechtfertigten  Zolltarifierung  nach  dem
Material,  aus'  dem  die  Fabrikate  hergestellt  sind,  entgegenzutreten.
Eine  in  dieser  Hinsicht  gründliche  Umgestaltung  des  deutschen  Zolltarifschemas ­
  ist  aber  auch  notwendige  Vorbedingung  für  Handelsvertragsverhandlungen. ­

Was  zunächst  photographische  Objektive  und  Apparate  betrifft,
so  werden  diese  im  jetzigen  statistischen  Warenverzeichnis  zum  Zolltarif ­
  unter  Position  757  ck  wie  folgt  aufgeführt:  „Photographische
Linsen,  geschliffen  und  gefaßt,  auch  gefärbt,  photographische  Objektive,
photographische  Apparate  (Kameras  usw.),  soweit  sie  nicht  durch  ihre
Verbindungen  unter  andere  Nummern  fallen".  Dabei  haben  sich
insofern  Mißstände  ergeben,  als  die  nicht  genügende  Spezifizierung
den  Zollbeamten,  die  nicht  über  die  erforderliche  Warenkenntnis  verfügten, ­
  Veranlassung  gab,  falsche  Tarife  in  Anwendung  zu  bringen.
Es  müßten  hier  zweckmäßig  für  photographische  Apparate  folgende
Positionen  unterschieden  werden:
1.  Photographische  Apparate  ohne  Objektiv.
2.  Photographische  Apparate  mit  Objektiv.
3.  Photographische  Zubehörteile  als  Kassetten,  Stative,  Teile
eines  Apparates,  Stereoskope  und  sonstige  Artikel  aus  Metall  oder
poliertem  Holz,  welche  zur  Ausübung  der  Photographie  dienen.
4.  Photographische  Zubehörteile  als  Kopierrahmen,  Trockenständer, ­
  Stative,  zusammenlegbare  Tische-  und  sonstige  Artikel  für
photographische  Zwecke  aus  unpoliertem  Holze  (rohe  Holzwaren)  von
minderem  Wert.
5.  Photographische  Objektive  mit  oder  ohne  Fassung.
6.  Projektionsapparate,  kinematographische  Aufnahme-  und.Vorführungsapparate, ­
  ohne  Objektiv  und  Zubehörteile  oder  Teile  oer
Apparate  selbst.
Durch  eine  solche  Einteilung  würde  eine  gerechtere  Verteilung
der  Objektive  und  Apparate  stattfinden.
        <pb n="32" />
        31

Trockenplatten  sind  im  statistischen  Warenverzeichnis  der  Nr.  749
wie  folgt  aufgeführt:  „Trockenplatten  für  photographische  Zwecke,
mit  einseitigem  Überzug  von  lichtempfindlicher  Masse,  auch  mit  darauf
befindlichen  Negativbildern  (Glasnegativen)."  Hier  wäre  es  zweckmäßig, ­
  im  Zolltarifschema  einen  Unterschied  zu  machen  zwischen  belichteten ­
  und  unbelichteten  Platten,  da  ihrer  Verwendung  nach  bei
der  Einfuhr  unbedingt  ein  Unterschied  zwischen  beiden  gemacht  werden ­
  muß,  den  näher  zu  begründen  vor  Fachleuten  nicht  erforderlich
ist.  Ganz  unangebracht  ist  es  aber,  Trockenplatten  als  „Glaswaren"
zu  bezeichnen.  Denn  das  Glas,  so  wichtig  es  für  die  Herstellung  der
Trockenplatten  ist,  kommt  doch  für  deren  Bewertung  nicht  in  erster
Linie  in  Frage.  Der  Wert  der  Trockenplatte  ist  vielmehr  in  der  lichtempfindlichen
  Schicht  begründet.  Trockenplatten  müssen  also  als
photographische  Erzeugnisse  in  einer  besonderen  Position  aufgeführt
werden.
Die  Position  Nr.  663,  die  photographische  Papiere  umfaßt,  müßte
auch  eine  Unterteilung  erfahren,  denn  als  photographisches  Papier
wird  jetzt  lediglich  in  Blätter  oder  Streifen  geschnittenes  Papier  angesehen. ­
  Werden  aber  die  Blätter  in  Päckchen  oder  sonstige  für
den  Einzelverkauf  bestimmten  Aufmachungen  gebracht,  so  ist  ihre
Verzollung  als  Papierwaren  zu  bewirken.  Da  sich  nun  die  viel  verwandten ­
  photographischen  Postkarten  in  solchen  für  den  Einzelverkauf
bestimmten  Aufmachungen  befinden,  so  unterliegt  jetzt  die  Ware  als
„anderweit  nicht  genannte  Ware  aus  Papier,  ohne  Verbindung  mit
anderen  Stoffen"  dem  Zollsätze  nach  Position  670.
Einer  grundlegenden  Neueinteilung  bedürfen  auch  die  Chemikalien ­
  für  photographische  Zwecke,  die  als  „anderweit  nicht  genannt"
jetzt  durch  die  Position  390  erfaßt  werden.  Hier  geeignete  Vorschläge
zu  machen,  wird  Aufgabe  der  Vereinigung  der  chemischen  Industrie
sein,  die  auf  diesem  Gebiete  bereits  mit  anerkennenswertem  Eifer
tätig  war.
Auf  die  Zollsätze,  die  für  die  einzelnen  Artikel  wünschenswert
sind,  soll  hier  nicht  eingegangen  werden,  da  es  in  erster  Linie  darauf
ankommt,  eine  zweckmäßige  Klassifizierung  der  photographischen
Artikel  im  Zolltarif  zu  erlangen.  Nur  so  viel  kann  gesagt  werden,
daß  ganz  im  allgemeinen  unsere  optische  und  photographische  Industrie
Schutzzölle  nicht  nötig  hat,  da  sie  leistungsfähig  genug  ist,  um  bei
freier  Entfaltung  ihrer  Kräfte  mit  jeder  ausländischen  Konkurrenz
in  Wettbewerb  treten  zu  können.  Damit  soll  natürlich  nicht  gesagt
sein,  daß  nun  der  ausländischen  Industrie  bereitwillig  die  Tore
geöffnet  werden  sollen,  während  das  Ausland  selbst  sich  mit  hohen
Schutzzollschranken  umgibt.  Hier  wird  es  vielmehr  Aufgabe  der  zu-
        <pb n="33" />
        32

künftigen  Handelsvertragspolitik  sein,  den  geeigneten  Maßstab  zu
finden.  Es  ist  dabei  nur  zu  wünschen,  daß  nicht  wieder  wie  im
Jahre  1901  bei  Vorbereitung  der  letzten  Handelsverträge  die  optischphotographische
  Industrie  übergangen  wird.  Sie  kann  vielmehr  ihrer
Bedeutung  auf  dem  Weltmärkte  entsprechend,  auch  Berücksichtigung
und  Würdigung  verlangen.

Druck  der  Norddeutschen  Buchdruckerei  und  Verlagsanstalt,  Berlin  SW.
        <pb n="34" />
        f  11  I  111  111  ■  I  ■  111  I  ■  1  1111  111  111  !  11  11  I  ■  I  111  11  I  11  11  ■  ■  I  I  ■  I  I  I

IllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllVIllllllllllllllllll

Bisher  sind  erschienen:
Heft  1:  Großhandel  und  Äbergangswirtschaft.
Von  Leo  Lustig,  Kgl.  Kommerzienrat,  Generaldirektor
,  der  Aktien-Gesellschaft  Deutscher  Eisenhandel  in  Berlin,
Vorsitzender  der  „Wirtschaftlichen  Vereinigung  der  Eisenhändler ­
  Deutschlands",  1.  stellvertretender  Vorsitzender  des
Zentralverbandes  des  deutschen  Großhandels.
Heft  2:  Der  Großhandel  in  Baumwollwaren.
Seine  Entwicklung  und  Bedeutung  in  Deutschland.  —  Von
Benas  Levy,  Baumwollwarenfabrikant  in  Berlin.
Heft  3:  Der  Kaffeegroßhandel.
Von  Ludwig  Deutschmann,  in  Firma  I.  Deutschmann ­
  &amp;amp;  Co.,  Kaffeegroßhandlung  in  Hamburg.
Heft  Freier  Handel  und  Genossenschaftswesen.
Von  Prof.  Dr.  Franz  Oppenheimer,  Berlin.
Heft  5/6:  Der  Handelsboykott  gegen  Deutschland
in  französischer  Beurteilung.  Von  Prof.  Dr.  H.  Großmann, ­
  Berlin.
Heft  7:  Der  Seidengroßhandel.
Von  Arthur  Schmidt,  Kgl.  Preuß.  Kommerzienrat,
i.  Fa.  Schmidt  &amp;amp;  Lorenzen,  Berlin.
Heft  8:  Handelsfreiheit  oder  Zwangswirtschaft.
Von  Julius  Carl  Grünhut,  Hamburg.
Heft  9/10:  Schleichhandel  und  Großhandel.
Eine  grundsätzliche  Untersuchung  über  die  Vorzüge  des
freien  Handels.  Von  Regierungsassessor  Dr.  Cl.  Heiß.
Heft  11:  Großhandel  und  Industrie  optisch-photographischer ­
  Bedarfsartikel.
Von  Syndikus  Fritz  Hansen,  Generalsekretär  des  Vereins
der  Fabrikanten  photographischer  Artikel,  E.  V.
        <pb n="35" />
        tiiiiiiriiiimiiiiiimirmiifiiMiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiititimiiiiiiiiiitiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiumiiiiiiiiiiiiiiiiiiiK

Demnächst  erscheinen  folgende  Hefte:
Kartelle  und  Syndikate  im  Deutschen  Großhandel.
Von  Syndikus  Arthur  Cohn-Berlin,  Präsidialmitglied
des  Zentralverbandes  des  Deutschen  Großhandels.
Der  Großhandel  in  Kolonialwaren.
Von  Konsul  Carl  Becker-Breslau,  in  Firma  Carl
Becker  &amp;amp;  Co.
Entwickelung  des  Deutschen  Großhandels  in  Garnen
und  Kurzwaren  seit  1870.
Von  Geh.  Kommerzienrat  Or.  Hermann  Schmidt,
Vorsitzender  der  Handelskammer  in  Braunschweig,  in
Firma  Pfeiffer  &amp;amp;  Schmidt,  Braunschweig.
Der  Großhandel  in  Putz-  und  Modewaren.
Von  A.  Lehmann,  in  Firma  Frank  &amp;amp;  Lehmann  in
Cöln  a.  Rh.
Der  Großhandel  in  Tafelglas.
Von  Hanns  Modler-Berlin,  Direktor  der  Deutschen
Fensterglas-Aktiengesellschaft.
Die  wirtschaftspolitische  Interessenvertretung  des
deutschen  Großhandels.
Von  Syndikus  Df.  Leon  Zeitlin-Berlin.
Der  Großhandel  in  seiner  Bedeutung  für  das
Wirtschaftsleben.
Von  Ytto  Keinath,  M.  d.  R.,  geschäftsführendem
Prästdialmitglied  des  Zentralverbandes  des  Deutschen
Großhandels.

«ui  ii  iiiiiiini

iiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiinimiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiidiiiuii
        <pb n="36" />
        29

»ii
Die  Aussichten  nach  dem  Kriege.
istand,  daß  unsere  optisch-potographische  Industrie  vor
--  in  umfangreichem  Maße  exportierte  und  einen  großen
darfs  der  ganzen  Welt  an  optisch-photographischen
:•  te,  hatte  zur  Folge,  daß  man  sich  während  der  langen
■;  rieges  in  den  Ländern,  die  im  Frieden  auf  den  Import
angewiesen  waren,  bemühte,  eine  eigene  photographische
;■  i  Leben  zu  rufen.  Diesen  Versuchen,  die  sich  besonders
-  en  auf  Werkzeugmaschinen  und  Maschinen  für  Trocken-‘)apierfabrikation
  bemerkbar  machten,  konnte  nur  dadurch
v  len  werden,  daß  die  Lieferungen  nach  dem  neutralen
f  :  srecht  erhalten  wurden.  Das  ist  auch  schon  mit  Rücksicht
^  nach  dem  Kriege  notwendig,  denn  die  deutsche  optischeste ­
  Industrie  kann  im  Frieden  den  Export  nicht  entr-
  ;t  wenn  wieder  die  ausländische  Industrie  als  Konkurse ­
  n  deutschen  Markte  erscheint.  Richtlinien  für  unsere
lstrie  werden  also  künftig  sein:  Ausbau  des  Absatzes  im
r :  rituell  gefördert  durch  die  Zölle,  und  andererseits  Förde-;;
  Ports  durch  rege  Mitwirkung  an  der  Schaffung  neuer
^-.äge.
-  Neugestaltung  unserer  Handelsbeziehungen  zum  Aus--
  •  bie  Gestaltung  unseres  Zolltarifs  von  außerordentlicher
f  Dabei  ist  es  ohne  weiteres  klar,  daß  die  Anschauungen
s  in  bezug  auf  Zollschutz  im  einzelnen  weit  auseinanderj:
  e  verschiedenen  Anschauungen  darüber  zu  erörtern,  bleibt
K  rcht  kommenden  Organisationen  überlassen.  Worüber
--nge  Einigkeit  herrscht,  das  ist  die  Überzeugung  von  der
t  der  Neuordnung  derjenigen  Positionen  des  Zolltarifs,
re  optische  und  photographische  Industrie  in  Betracht
i  ts  handelspolitische  Verstündigungskomitee  hat  bei  seinen
&amp;gt;  im  Jahre  1913  darauf  hingewiesen,  daß  es  notwendig
j:  sche  für  den  Zolltarif  nicht  nur  in  bezug  auf  die  Zolls
 ;~'  auch  die  Anordnung  der  Positionen  möglichst  einheitlich
j  ssen  unserer  Industrie  entsprechend  zu  gestalten.  Denn
.J:  Zolltarif  trägt  in  seiner  vorliegenden  Form  den  Ber
  Industrie  nicht  Rechnung.  Das  ist  einerseits  darauf
n,  daß  bei  Schaffung  dieses  Zolltarifs  die  Vertretungen
i-  :  nicht  zu  Rate  gezogen  wurden,  andererseits  hat  sich
^  Industrie  in  einzelnen  ihrer  Fabrikate  gewaltig  entwickelt,
^  °Instruktionen  und  Typen  sind  herausgebracht  worden,
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        ﻿
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    </body>
  </text>
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