66 II. DIE PAPIERGELD WÄHRUNG. Yom Fiskus konnte die Volkswirtschaft keine Rettung erwarten, denn dieser war aus früherer Zeit her stark über schuldet. Steuern gingen fast keine mehr ein. Dazu waren viele Steuern aus der Zeit des ancien regime verhaßt und sollten abgeschafft werden — an sich schon ein großes Wagnis in so bedrängter Zeit. Die phantasievollen Pläne der Revolu tionäre kosteten aber ungeheuer viel Geld. Es waren also zahlreiche Gründe vorhanden, die geeignet waren, dem fran zösischen Wechselkurs (intervalutarischen Kurs) eine sinkende Tendenz zu geben. 3 livres kosteten an der Hamburger Börse vor 1789 bei Wechseln von 2 Monaten Ziel 25 bis 24Ma Schilling Ham burger Banko (sogen. Bankovaluta). Im Vergleich dazu fiel der französische Wechselkurs in Hamburg nach den dortigen Börsennotierungen von Anfang 1789 bis Herbst 1791 um etwa 20 und bis Herbst 1792 um etwa 30 von 100 livres. Das Sinken des Wechselkurses wurde naturgemäß mit der Papier währung in Zusammenhang gebracht. Diese gefürchtete Erscheinung suchte man damals von vornherein zu verhindern durch Sicherung des sogenannten „Assignatenkurses“. Die Papierwährung bedarf, wenn der Wechselkurs nicht sinken soll, eines finanziell starken Staates, der bereit ist, Opfer zu bringen und sie zu bringen versteht. Werden die Staatsgeschäfte aber von einer unerfahrenen Versammlung geleitet, während des allgemeinen Niedergangs der Volkswirt schaft, bei großer Überschuldung des Staates, so ist ein Sinken des Wechselkurses sicher. Vor allem wußten zur Zeit der Revolution die Nationalversammlungen nicht, daß der sogenannte Assignatenkurs nichts anders war als der Wechselkurs. Sie operierten mit dem Begriff Kredit und zwar, wie wir bald sehen werden, mit Realkredit. Unter den Maßnahmen zur Sicherung des Staatsnoten kurses ist als •— historisch — erste die zu erwähnen, welche die caisse d’escompte ergriff.