2 Das Auftreten des Gastrulastadiums oder des zweischichtigen Keimes ist ein allgemeines Entwicklungsgesetz der vielzelligen Tiere. Man unterscheidet hierbei das äußere Keimblatt, den Ektoblast, vom inneren Keimblatt oder Entoblast, und letzterer allein scheint bei der Bildung des bei höherer Organisation noch hinzutretenden mittleren oder dritten Keimblattes, des Mesoblastes, beteiligt zu sein. Aus diesen drei Keimblättern entstehen dann alle übrigen Organe eines Tieres dadurch, daß sich zunächst embryonales Zellenmaterial abgrenzt, und daß diese Zellkomplexe dann weiterhin durch histologische Differenzierung den Charakter von bestimmten Geweben annehmen. Hierbei gilt hinwiederum als allgemein gültiges Bildungsprinzip, daß der Ektoblast die Epidermis und ihre Derivate liefert, daß aus dem Entoblast der Darm hervorgehst und daß das Material für die Muskulatur, für die Bindesubstanzen und andere, uns hier nicht weiter interessierende Organe im wesentlichen aus dem Mesoblaste stammt. Danach können wir folgendes Schema aufstellen: Ektoblast > Epidermis I y Entoblast > (Darm) I y Mesoblast > Bindesubstanzen Wenden wir uns zunächst zur Betrachtung der Epidermis. Wie angedeutet, geht die Epidermis unter anderem aus dem Ektoblast hervor und ist damit zugleich als zu den ältesten Geweben der Tierreihe in phylogenetischer und ontogenetischer Hinsicht gehörig charakterisiert. Mit wenigen Ausnahmen überzieht die Epidermis als Deckepithel alle Ober flächen des Tierkörpers, wie dies eben überhaupt die ursprünglichste und eine der wichtigsten Aufgaben der Epithelien ist. Nach der Form und Ausbildung der einzelnen Epithelzellen unterscheidet man Zylinder-, Pflaster-, Platten-, dann Geißel- und Flimmerepithelien, viel wichtiger aber ist für unsere Betrachtung die Einteilung in einschichtige und viel schichtige Epithelien, so genannt, je nachdem im Epithel eine oder mehrere Zellagen übereinander gelagert sind. Einschichtige Epithelien finden sich bei allen wirbellosen Tieren ausschließlich vor, während alle Wirbeltiere mit alleiniger Ausnahme der Akranier (Amphioxus) an allen nach außen gewandten Oberflächen des Körpers ein vielschichtiges Epithel aufweisen. Meist erhalten die einschichtigen Epithelien der Wirbellosen und manchmal auch die vielschichtigen Epithelien der Wirbeltiere auf ihrer Oberfläche einen festen Abschluß nach außen, in dem von diesen Epithelien eine dünne Haut, die Cuticula, abgeschieden wird. In den vielschichtigen Epithelien der Wirbeltiere nun sind die Zellelemeute verschieden tiefer Hautschichten einander nicht gleich, sondern