5 Aus dieser Aufgabe wird die Art seiner Entstehung, die Art seines Vorkommens, sein histologischer Charakter und seine physikalischen Eigen schaften verständlich. Was seine Entstehung anlangt, so stellt es an fänglich, im Hinblick auf seine ursprüngliche Aufgabe, ein Ausscheidungs- Produkt der Epithelien nach ihrer inneren Seite dar; späterhin be obachten wir dann seine Bildung durch direkte Umwandlung einzelner Zellen in solches Bindegewebe, so daß also die Bindesubstanzen histo- logisch als Jnterzellularsubstanzen oder als Plasmaprodukte angesprochen werden müssen. Mit dem Wachstum der einzelnen Tiere und Organe und mit der Vervollkommnung ihrer Organisation erweitert sich die Aufgabe der Bindesubstanzen dahin, daß sie die verschiedenen Teile der Organe und auch die verschiedenen Organe des Tierkörpers miteinander verbinden, d. h. die an sie gestellten Anforderungen werden jetzt haupt sächlich solche der Festigkeit. Demgemäß sehen wir denn auch in den ursprünglich gallertigen Bindesubstanzen feste und mehr oder weniger elastische Fasern und Bindesubstanzfibrillen auftreten, welche ursprünglich wirr durcheinander liegen, und welche mit steigender Organisation in dem Maße, als die an sie gestellten Anforderungen der Festigkeit steigen, sich zu immer größeren Bündeln parallel liegender Fasern gruppieren, zwischen welchen als letzte Reste der sie erzeugenden Zellen die sog. Binde substanzkörperchen mehr oder weniger regelmäßig angeordnet sind. Die Hauptmasse dieser Bindesubstanzen sind also Plasmaprodukte, und zwar entstanden als das Ergebnis einer in Hinsicht auf Festigkeit ins Extrem getriebenen Arbeitsteilung im tierischen Körper. Daher werden wir uns nicht wundern, daß die Klasse der Bindesubstanzen die festesten im tierischen Körper vorhandenen Gewebe umfaßt, und daß wir die höchste Festigkeit auch in den Bindesubstanzen höchster Ordnung, nämlich im „Bindegewebe" — dem eigentlichen Gegenstand des Gerbeprozesses im engeren Sinne —, sowie in den Knorpeln und Knochen der Wirbeltiere antreffen. Was nun weiter das Vorkommen dieser Bindesubstanzen anlangt, so besitzt der tierische Körper gewisse Stellen, welche nach ihrer Lage beziehung oder nach ihrer Aufgabe ganz allgemein durch den Besitz besonders fester Bindesubstanzen ausgezeichnet sind. Ein solches im Innern des Körpers vorhandenes und fest mit Bindesubstanzen um- scheidetes Organsystem stellt das Verdauungssystem dar. So wird es uns verständlich, daß man das Darmrohr sogar mancher Wirbeltiere wegen seiner außerordentlichen Festigkeit bei geringem Substanzauswand zur Verwendung heranzieht. Im allgemeinen ist aber der Verdauungs apparat der wirbellosen Tiere zu klein, als daß er technischen Zwecken in weiterem Maße dienen könnte. Ausgedehntere Anwendung finden