— 17 — zusammen, daß einige wenige Säugetiergattungen im allgemeinen als die alleinigen Hautlieferanten der Gerberei betrachtet werden; schon die bisherige Betrachtung hat gezeigt, daß zu demhierher gehörigen Erscheinungs kreis nicht bloß Säugetier-, sondern allgemein Wirbeltierhäute, sogar innere Bindegewebe gehören. Nach diesen allgemeinen Erörterungen legen wir uns die Frage vor, welche Säugetiergattungen für den wirtschaftenden Menschen im Laufe seiner sich entwickelnden Wirtschaft als Haut- und Fellproduzenten in Frage kommen. Bei den Völkern tiefer Kulturstufe oder unentwickelter Ver kehrswirtschaft sind die Tiere, welche das Material zur Befriedigung des Lederbedarfs liefern, äußerst verschiedenartig und mannigfach; sie sind ein Ergebnis ihrer Umgebung und ihres Klimas, aber alle diese Tiere haben nur lokale Bedeutung. So sind es für Kaffernin Südost- asrika Antilopen, Zebras, Raubtiere, Assen, für die Lappen in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhundert 2 ) Walfische, Seehunde, Marder, Renn tiere, Bären, für Eskimos 8 ) Seehunde und Renntiere, für Kalmücken und Baschkiren 4 ) Pferde-, Rinds- und Eselshäute, in China am An sänge des 18. Jahrhunderts, wo eine größere Einfuhr noch nicht bestand, alle möglichen einheimischen Tiere bis herunter zu Ratten und Mäusen, bei Azteken 8 ) Hirsche u. a., in Peru vor dem Eindringen der Europäer Lama und AlpacaH, die ältesten aus Ägypten stammenden Urkunden der heiligen Schrift sollen auf Pergament aus Antilopenfellen 8 ) ge ichrieben gewesen sein, bei indischen Völkern hören wir von Antilopen- und Tigerfellen"), und der Jagdbericht Tiglatpilesars um 1100 v. Chr. kennt neben allerlei Tieren auch Wildochsen und Elefanten"). Die Quellen, denen die hier einschlägigen älteren Daten entnommen sind, sind häufig Berichte von Abgaben, Tribut, Eroberungen usw., so daß wir uns damit gleichzeitig ein Bild von den Gegenständen des da maligen Verkehrs machen können. In dem Maße aber, in welchem die großen Reiche des Altertums sich ausbreiten, wo in dem gleichen Maße, also zur Ermöglichung der Kommunikation über weite Strecken eine Verkehrswirtschaft gewisser Höhe eingeführt werden muß, ändert sich das Bild. Die Tierwelt, melche dem Verkehr hinderlich ist, verschwindet mehr und mehr, und an *) Deutsche Gerberzeitung 1897, Nr. 102. 2 ) Viertetjahrsschrist f. S. u. W. 1906, Bd. IV, S. 229. 3 ) Ledertechnische Rundschau 1912, S. 268, 270. *) Rüst 1844, S. 337. 6 ) Gülich 1830, Bd. IV, S. 249. e ) Deutsche Gerberzeitung 1881, Nr. 31. ’) Brehm 1885, S. 811. 8 ) Wattenbach 1871, S. 78. 9 ) Lassen 1847, Bd. II, S. 546, 549. ’°) Honunei 1885, S. 532. «Eb ert, Entwicklung der Weißgerberei. ^