18 ihrer Stelle erscheint eine Tierwelt, welche der Mensch in den Dienst des Verkehrs und seiner Wirtschaftsstufe gestellt hat, nämlich die der Haustiere. Es ist ein interessantes, aber hier zu weit führendes- Problem, die Urheimat und die Wanderungen der Haustiere, ihre Auf teilung in Rassen, und damit Hand in Hand die Wandlungen ihrer Haut und ihres Haarkleides zu untersuchen Z. Manche Sagen des klassischen Altertums künden noch von diesem Kampf gegen die der sich ausdehnenden Verkehrswirtschaft feindlichen Tiere, und es ist vielleicht ein Momentbild aus der letzten Phase dieses Stadiums, wenn wir hören, daß im alten Theben die Häute von Löwen und Leoparden 2 ), und daneben die von Eseln, Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen gegerbt werden. Keine andere Phase, allerdings in modernen Kom binationen, liegt vor, wenn wir hören, daß z. B. in Freistadt in Ober österreich 3) vom dortigen Weißgerber Wolfshäute und Luchsfelle russi scher Provenienz, und daneben Schaf-, Ziegen-, Hirsch-, Gems- und- Elenshäute bereitet werden. Daß übrigens die in die menschliche Wirtschaft eingetretenen Haus tiere nicht gleich zur Deckung des Häutebedarfs herangezogen werden müssen, nämlich dann nicht, wenn sie zu anderen Zwecken wertvoller- erscheinen, oder wenn, häufig in Verbindung mit letzterem Punkte, ge wisse religiöse Vorstellungen ihre Tötung verbieten, das zeigt z. B. die Heiligkeit des Pflugstieres, das Verbot der Tötung der Pflugochsen *), oder die verachtete Stellung der Gerberei bei manchen Völkern, ein Punkt, auf welchen wir in anderem Zusammenhange zu sprechen kommen werden. Wohl den großartigsten, gelungensten Versuch der Einführung von Haustieren beobachten wir in Südamerika, aber auf die wirtschaft lichen Verhältnisse, zu welchen er Veranlassung gegeben hat, soll eben falls erst später die Sprache kommen. Der Preistarif Diocletians °), welcher Häute und Felle von Rindern^ Ziegen, Schafen, Hirschen, Mardern, Bibern, Bären, Wölfen, Füchsen,. Leoparden, Hyänen, Löwen und Robben kennt, zeigt in charakteristischer Weise die Rolle, welche die Häute und Felle unserer Haustiere am aus gehenden Altertum zur Bedarfsdeckung und in der Wertschätzung spielen.. Das ganze Mittelalter ist bestrebt gewesen, den Kulturkreis unserer Haustiere auszudehnen und damit die übrige Säugetierwelt wenigstens der größeren Tiere an die Peripherie der großen Wirtschaftsgebiete zu J ) Vgl. Hommel 1885, S. 194; Lippert; Beckmann 1805, S. 4; Friedrich. 1911, S. 4; Marquardt 1882, S. 414. 2 ) Rehlen 1865, S. 132. 3 ) Sperl. 1909, S. 15. 4 ) Goguet 1760, Bd. I, S. 120. 5 ) Blümner 1875, Bd. I, S. 266; Marquardt 1882, S. 569; Mommsen 1893, S. 24—25, 122.