— 23 — So also sehen wir, wie das Roßleder, nachdem es so ziemlich alle möglichen Kulturstusen, alle möglichen Preislagen, alle möglichen Gerbe- Vrozesse von sämischgar, über weiß- und lohgar bis zu chromgar und dessen Kombinationen, und endlich alle Verwendungsmöglichkeiten bis zu seinem Handschuhleder und den Feinlederimitationen durchlausen hat, nunmehr aus allen Gebieten der Leder herstellenden und der Leder ver arbeitenden Industrien seine Brauchbarkeit dargetan hat, und sich in bezug aus endliche Zugehörigkeit zu einer Preislage und damit zu einer Verwendung nur noch nach seiner Qualität klassifiziert, und das alles um so mehr, seit ein starker Import wertvoller Pferdewildhäute aus den südamerikanischen Grasebenen über die südamerikanischen Häsen stattfindet Z. Ein wegen seiner großen Zähigkeit speziell zur Herstellung von weißgarem Leder geschossenes und säst überall und immer auch solchen oder ähnlichen, nur geringe Festigkeit ergebenden Gerbeprozessen unter zogenes Material bildet die Haut der Esel und der Maultiere. Zu orientalischem Chagrin wurden neben Pferdehäuten auch die Häute von wilden Eseln i) 2 * * * * ) verwendet, im Mittelalter stellte man aus ihnen u. a. Siebe her 2 ), man verwandte sie und verwendet sie noch zu Trommel fellen^), desgleichen zu Pergament''), man verwendet es neuerdings in der Kunstindustrie °), und auch jetzt noch ist dieses Material zur Fabri kation von weißgarem Leder und von Pergament hoch geschätzt 7 ). Allein die in den Steppen Asiens lebenden wilden Esel werden nur selten ausgeführt, und Maultierhäute kommen mehr in den südeuro päischen Ländern als bei uns aus den Markt, weshalb Eselshäute nur der Vollständigkeit halber angeführt sein mögen. Die Rindshaut findet ihre Hauptverwendung in den zur vegetabilischen Gerbung gehörigen Gebieten der Gerberei. So ist es ohne Zweifel schon in den Trierer Tarifen des 13. und 14. Jahr hunderts 8 ), so ist es das ganze Mittelalter hindurch 2 ), und so ist es auch bis zum heutigen Tage, wo sich auf der Rindshaut eine ungeheure Industrie hauptsächlich nach dem Verfahren der Loh- und Chromgerbung für alle möglichen Lederarten einschließlich des Leders für Kunstindustrie 10 ) ausbaut. Die nähere Darstellung dieser Verhältnisse gehört also nicht in den Umfang vorliegender Arbeit. Uns interessiert es hier vielmehr i) Rüst 1844, S. 184. -) Halle 1765, Bd. IV, S. 107. 3 ) Schauplatz 1775, Bd. II, S. 287. *) Rüst 1844, S. 336. 6 ) Bücher 1893, S. 191. °) Wiener 1904, S. 61. ’) Ebenda. a ) Lamprecht 1886, Bd. II, S. 327. 9 ) Vgl. z. B. Halle 1762, Bd. II, S. 362; Schauplatz usw. 10 ) Bücher 1893, S. 191.