27 Die Eigentümlichkeit des Schaffelles, längs der Rückenlinie und besonders am Hälfe eine Speckeinlagerung zu besitzen, macht dieses Hautmaterial für den Fall größerer Fettanfammlungen an den genannten Stellen für die Weißgerberei ungeeignet. Diese sog. „Speckhälfe" pflegten dann die Weißgerber des Mittelalters und der folgenden Zeit bis fast gegen Ende des 19. Jahrhunderts an die Rotgerber abzugeben * *), wenn sie nicht selbst diese Speckhälse unter Übertretung der Handwerksartikel 2 ) in eigene Farben einlegten. Dazu kommt, daß die unter dem langen Wollvlies wachsende Haut oft nur geringe Dicke und Festigkeit besitzt 3 ), zwei Umstände, welche sehr niedrige Preise des Schaffelles infolge geringer Wertschätzung dieses Hautmaterials zur Folge hatten; die auf dem Fell befindliche Wolle war fast immer wertvoller als das Hautmaterial selbst und die Stimmen selbst späterer Technologen, so Prechtl 1838*) und Lange 1839 B ), weisen dem Schafleder nur minderwertige Ver wendungsmöglichkeiten zu oder weisen Anfänger und unbemittelte Gerber ans dieses Rohmaterial hin, lauter Punkte, welche bei der Be urteilung der materiellen Lage der Weißgerberei von ehedem nicht zu übersehen sind. Nachdem aber das Ende des 19. Jahrhunderts neben neuzMichen Gerbe- und Zurichtemethoden auch noch die Lederensiettuiig für bracht hat. ist es gelungen, dem Schasleder welches ehedem zünden untergeordneten Erzeugnissen der Lederindustrie geza) ' bedeutend höheren Rang einzuräumen und eine essere ' ^ abzugewinnen, was eine bedeutende Preissteigerung er^ h sonders in jenen Sorten bewirkte, welche sich für ss eignen 6 ). Braune Schasleder für Feinlederindustrie un ) Schaffelle für Oberleder spielen heute eine ungeheure Rolle allen Rohledergattungen, welche heute in der Gerberei verar ei - ' erfordern Schaffelle mit am meisten Kenntnisse der Ro )ware verschiedenen Marken'). Besonders die chromgaren Lamm- unv My 1 leder haben sich zu einem ganz bedeutenden Artikel der Schuhsa n emporgeschwungen und zwar als Imitation teils der Zwgente er, der Kalbsleder, weil durch die Chromgerbung der größte Mange Schasleders, nämlich seine geringe Haltbarkeit als Schuhleder, bedeu en verbessert wird. Man kann dann sogar Fellsorlen benützen, we H sich für andere Zwecke schlecht eignen, da sich daraus, wenn auch nicy Primaware, so doch immerhin verkäufliches Leder herstellen läßt ). si Nürnberg 1535. 2 ) Siehe z. B. Würzburg, V, S. 2028 anno 1743. ») Prechtl 1838, Bd. IX, S. 236. *) Ebenda. 6 ) Lange 1839, S. 37. *) Ledermarkt 1903, Nr. 59 S. 17. ’) Allgemeine Gerberzeitung 1905, Nr. 10, S. 1. 8 ) Gerber 1902, S. 291.