31 Wicklung dieser Länder, dann auch in den zu verschiedenen Hautmate rialien führenden Existenzbedingungen und Klimaten der verschiedenen Gebiete, was dann auch wieder eine verschiedene Entwicklung der Technik zur Folge hat. Ein vierter Hauptkonsument des Ziegenfelles, allerdings von mehr historischer Bedeutung, ist die Sämischgerberei. Die in Nürnberg *) und auch sonst in Bayern stellenweise 9 ) als „Jrher" bekannten Weißgerber hatten ihren Namen von der Verarbeitung der Haut des Bockes, welcher im Althochdeutschen „Jrah" 3 ) genannt wird; durch das ganze Mittel- alter, wie wir noch genauer verfolgen werden, wurden Ziegenfelle von den Weißgerbern in großen Mengen sämisch gegerbt, der Weißgerber Wolff Aichinger in Freistadt in Niederösterreich z. B. hatte laut Rats beschluß vom 3. März 1576 Vorkaufsrecht für die Geiß- und Bock häute der Fleischhacker 4 ); allmählich aber ging der Verbrauch des Ziegenfelles in der Sämischgerberei in dem Maße zurück, als die vorhin genannten Konsumenten mehr und mehr an Boden gewannen. Die Herstellung des italienisch-spanischen Pergaments °) aus Ziegen fellen, sowie deren Verarbeitung zu Paukenfellen 6 ) sei der Vollständig keit halber hier noch angeführt. Damit sind die den Hauptbedarf der Weißgerberei deckenden Haut materialien erledigt, jedoch muß im Interesse der Vollständigkeit noch auf einige Tierarten von gelegentlicher, wenn auch nur untergeordneter Bedeutung hingewiesen werden. Da im allgemeinen die Haut der Schweine nachdem Schlachten dieser Tiere nicht abgezogen wird, ist Schweineleder zu allen Zeiten schon seit Homer 7 ) von nur geringer Wichtigkeit, obwohl dieses dünne und dichte Hautmaterial für feine und schwere Lederarbeit wohl geeignet tväre. Um die Wende des 18. Jahrh, erfahren wir von lohgarem Sohlleder aus den Häuten wilder Schweines, gelegentlich auch ver wendet man lohgares Schweineleder für Reitsättel und in der Kunst- lndustrie 9 ). Stärker noch als in der Lohgerberei scheint der Verbrauch Materials in der Weißgerberei zu sein, wo es hauptsächlich für attelsitze und für Buchbinderzwecke hergestellt wird"). Die Haupt verwendung aber fanden die Schweinshäute in der Pergamentfabrikation, '1 Nürnberg M. Ms., 233 ff. -) Augsburg 1722—1778. °) Lexer 1872, Bd. I, S. 1449. *) Sperl. 1909, S. 14. 6 ) Wattenbach 1871, S. 80—81. 6 ) Beckmann 1796, S. 301. ') Riedenauer 1873, S. 138. 8 ) Halle 1762, Bd. II, S. 381; Hermstcidt 1807, Bd. II, S. 197. 9 ) Bücher 1893, S. 191; Rüst 1844, S. 336. Prechtl 1838, Bd. IX, S. 236; Wiener 1904, S. 63; Krünitz LXYIII, 1795, S. 742.