36 Hautgattungen gemeinsamen Merkmalen oder Unterschieden, welche bei der Preisbildung und Verwendung einer Hautart eine wichtige Rolle spielen; es sind dies die Momente des Alters, des Geschlechtes, der Farbe J ), der Herkunft und Aufzucht^), endlich der Art der Konser vierung, letzterer Punkt, wie wir sehen werden, wichtig auch im Zu sammenhang mit der wirtschaftlichen Organisation der Gerberei, und neuerdings mit hygienischen und sanitären Problemen. So lange der junge Organismus noch im Mutterleibe sich befindet und noch nicht zu selbständiger Existenz gelangt ist, so lange also auch die natürliche Decke desselben noch mehr phylogenetische Bedeutung als die Funktion des Schutzes hat, zeichnen sich Haut- und Haarkleid durch besondere Feinheit, Dünne, Weichheit aus, ein Grund hoher Wert schätzung dieser Hautmaterialien für besondere Zwecke. Die Strümpfe der Eskimos sind gearbeitet aus den Fellen der neugeborenen See hunde 3), in der Ukraine werden die ungeborenen Lämmer zur Erzielung feinen Pelzwerkes aus dem Mutterleibe geschnitten 4 ), und die Kalmücken und Tataren legen großen Wert auf die Behandlung neugeborener Lämmer zur Erzielung einer ähnlichen geschätzten Handelsware °); das Mittelalter benutzte das seine Pergament aus der Haut der unzeitigen Frucht, welche gelegentlich beim Schlachten einer trächtigen Kuh anfiel 6 ), ebenso lieferte die Haut ungeborener Lämmer ein, wegen seiner Feinheit geschätztes Schreibmaterial 7 ), und auch feine Trommelfelle werden bis weilen aus der Haut ungeborener Kälber gefertigt s ). Die Glacegerberei kennt ebenfalls solche Hautmaterialien. In Lüttich wurden die tot geborenen Kalbfelle mit den Haaren in einer Präparation von Alaun gegerbt, eine Operation, welche man passer es blanc nannte, und welche ein geschätztes biegsames Leder lieferte, um daraus Westen für die Gerber zu machen 9 ); endlich mögen auch die feinsten französischen Handschuhe, welche man in Eier- und selbst in Nußschalen verkaufte 10 ), aus solchem Material hergestellt gewesen sein. Je nachdem dann weiter die jungen Tiere nur mit Milch genährt wurden oder vor der Schlachtung bereits zu anderen Nährsubstanzen übergegangen sind, ergibt sich eine verschiedene Beschaffenheit der Haut, eine Tatsache, welche in manchen Gegenden durch eine besondere Nomen klatur, wie Räuplinge, Fresser, zum Ausdruck gebracht wird. Der grundsätzliche Unterschied zwischen jungen und älteren Tieren, st Vgl. Deutsche Gerberzeitung 1903, Nr. 99. st Vgl. Schuh und Leder 1901, Nr. 2, 23—25. st Cranz 1770, Bd. I, S. 183. st Rüst 1814, S. 338. st Ebenda. st Schauplatz 1775, Bd. II, S. 286. st Wattenbach 1871, S. 81. st Brüggemann 1857, S. 80. st Bormans 1863, S. 233. 'st B. d. Erf. 1874, S. 426.