43 d. h. nicht direkt von der Schlachtung in die Werkstatt des Gerbers; da also die Hautmaterialien für den Handel sowohl wie auch natürlich für die Gerberei immer weniger in frischer grüner Form vorliegen, und weil trotz der ersten Veränderungen der Haut dieselbe immer noch als Rohware des Handels gilt, sollen mit Rücksicht auf das wirtschaft liche System, welches unserer Gliederung zugrunde liegt, diese ersten Prozesse an dieser Stelle Berücksichtigung finden. Technisch wichtig, weil es unter Umständen besondere Vorarbeiten in den Gerbereien nötig macht, und wirtschaftlich wichtig, weil es den Übergang der Gerberei in die moderne Weltwirtschaft erst richtig er möglichte, ist nämlich die Konservierung der Häute und Felle; denn nur dadurch, daß die anfallenden Häute nicht gleich grün verarbeitet werden müssen, wird der Häutegroßhandel ermöglicht, welcher regulierend zwischen die Gefälle der Schlächtereien und die Nachfrage der Gerbereien tritt, dadurch auch wird der Eintritt der ursprünglich örtlich ziemlich beschränkten Produktionstätigkeit der Gerberei in die moderne Verkehrs wirtschaft ermöglicht, welche in den Händen des Großhandels Angebot und Nachfrage ganzer Länder ausgleichend organisiert, und welche die Bedarfsdeckung aus den fernen Häntemärkten an den Peripherien des Weltmarktes ermöglicht. Indem aber so große Mengen tierischer Stoffe aus den extensiv bewirtschafteten Territorien mit einfachster Lebens haltung ihrer verhältnismäßig wenigen Einwohner in die dicht be siedelten Kulturstaaten importiert werden, ergibt sich bei der Konser vierung der Häute für ihren weiten Weg nicht nur die technische For derung, Methoden ausfindig zu machen, welche das Häutematerial nicht beschädigen, sondern es erwächst auch das weitere hygienische Problem, etwa vorhandene Krankheitserreger nicht durch Verschleppung zu einer Gefahr der Importländer zu gestalten; besonders für die Weißgerberei ist dieses doppelte Problem in den Vordergrund getreten, und wir werden sehen, daß man die technischen Forderungen gleichzeitig mit den sanitären in der einzigen Operation der Konservierung zu erfüllen suchte. Die einfachste, weil mit den primitivsten Mitteln ausführbar, und primitivste Form der Konservierung ist die Wasserentziehung durch Trocknung. Besonders leicht an kleinen Fellen ausführbar, haben wir offenbar getrocknete Felle vor uns in den „dürren" Ledern der Magde burger Weißgerber des 17. Jahrhunderts x ), die Pariser Weißgerber bezogen ihre Felle aus den Provinzen in trockenem Zustandes, die Felle für die Fabrikation der Corduans auf der Insel Cypern wurden von Frankreich in trockenem Zustande * 3 ) exportiert, und auch heute noch ist die Lufttrocknung das übliche Konservierungsmittel für das ein- ') Magdeburg 1686. -) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 107. 3 ) Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 94.