44 heimische Gefälle Z. Schwieriger gestaltet sich die Trocknung bei schweren Fellen, und die alten Gerbermeister wissen davon zu erzählen, wie anhaltende Gewitterstimmung oder heiße Tage zur Schlachtzeit ihnen billige Häute in die Werkstatt brachten, weil eben eine abwartende Haltung der Metzger und Händler das Hautmaterial wegen drohender Fäulnis gefährdete. Nach größeren Lieferungen der Aufkäufer, welche mit schwer beladenen Wagen aus der Nähe und aus größerer Ferne angefahren kamen, wurde Pulver „aufgeblitzt", um den Geruch der in erste Fäulnis eintretenden Häute zu vertreiben. Die gesamte Rohware, also auch die schwersten Häute, welche in die Gerbereien eingeführt oder durch Händler und Fleischer angesammelt wurden, wurde auf Stangen getrocknet. Dazu waren große Bodenräume notwendig, eine Vor bedingung, welche nur Häutehändler in eigenen geräumigen Grund stücken erfüllen konnten^). Immerhin ist Lufttrocknung zur Konser vierung auch hier nicht selten, schon im 17. Jahrh, bezog man ge trocknete Damhirschfelle aus Nordamerikas, und die Ochsenhäute aus Buenos Ayres kamen, wie im Anfange des 19. Jahrh/), so auch später noch°), häuptsächlich aus Pampas, Llanos und anderen Teilen Süd amerikas getrocknet nach Europa. Das alles beweist, daß bloße Trocknung eine Aufbewahrung der rohen Häutematerialien ermöglicht, und daß es nicht angängig ist, die Notwendigkeit der Verarbeitung der frischen Häute in Zusammenhang zu bringen mit der Unmöglichkeit der Stör arbeit, wie dies Dunker zu tun scheint"); denn ganz abgesehen von der Konservierung durch Trocknen ist auch eine antiseptische Konservierungs methode schon lange bekannt, nämlich die Methode des Einsalzens. Ursprünglich wurden die Felle und Häute trocken gesalzen, d. h. sie wurden vor dem Trocknen mit Salz eingerieben, und auch das Ein reiben mit Soda vor dem Trocknen war schon zu Anfang des 17. Jahrh, bekannt'); immerhin waren das ziemlich kostspielige Konservierungs methoden, weil das gewöhnliche Speisesalz ziemlich hoch im Preise stand. Bedenkt man, daß die ganze Organisation des heutigen inländi schen Häutehandels erst durch die Salzung ermöglicht wurde, so sieht man, in welch weitsichtiger Weise der Colbertismus vorgearbeitet hatte, unter welchem im Jahre 1673 zwischen den Fleischern zu Paris und den Generalpächteru, welche am Salzschanke teil hatten, ein Vergleich getroffen wurde, welcher durch einen öffentlichen Befehl autorisiert und am 16. Oktober 1673 im Steuerkammerbericht registriert wurde; da nach sollte den Fleischern das Salz, welches beim Stockfischfange ge Jörissen 1909, S. 52. 2 3 4 ) Schuh und Leder 1908, Nr. 10, S. 58. 3 ) Schauplatz 1775, Bd. IV, S. 120. 4 ) Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 175, 191. 5 ) Heinzerling 1882, S. 16. °) Dunker 1903, S. 116. Schauplatz 1766, Bd. V, S. 325.