47 Amerikas 1 ), mit diesen Dingen beschäftigt, freilich nicht vom Stand punkte der Hautkonserviernng aus, sondern unter dem viel wichtigeren der Gesundheitspolizei; denn diese tierischen Rohstoffe, die Häute und Felle, wie auch die auf ihnen sitzenden Haare, Wolle, Mohair, Roß haare sind nicht selten des Substrat einer sehr gefürchteten Infektions krankheit, nämlich des Milzbrandes, der jährlich mit großer Konstanz seine Opfer an Gesundheit und Leben von Arbeitern namentlich in Weißgerbereien und Roßhaarspinnereien fordert; die Technik sucht das ihr von der Gesetzgebung gestellte Problem gleichzeitig mit der Kon servierung zu lösen, und sie verfolgt dabei dann noch die weiteren selbständigen Zwecke, auch andere den Häuten drohende Schäden, wie Insekten, Ungeziefer, Motten, Feuchtigkeit^) für das Hautmaterial un gefährlich zu machen. Die Schwierigkeiten, welche sich der Lösung einer so vielseitigen Aufgabe entgegenstellen, leuchten ohne weiteres ein; denn die Konservierung darf den Preis der Rohware nicht allzu sehr ver teuern, weil sonst bestimmte Provenienzen ihre Konkurrenzfähigkeit für den Weltmarkt verlieren, und die Konservierung soll all jene Schäden möglichst vollkommen ausschließen, ohne dabei die immerhin empfind lichen und labilen Eiweißsubstanzen der Haut für die vielen nach folgenden technischen Prozesse unbrauchbar zu machen. Die Patentlitteratur spricht eine beredte Sprache von den vielen Versuchen, welche man hier mit verdünnten Säuren 8 * ), mit Ameisensäure 4 ), mit Quecksilberchlorid 6 5 ), mit Kochsalz und Salzsäure °), mit Exelsion 7 ), mit Soda 8 ), mit Anti- putrind), Karbolsäure"), Formaldehyd"), im Rubner Apparat"), und mit anderen ") Methoden gemacht hat, und diese Aufzählung mag viel leicht illustrieren, daß Zahl der empfohlenen Mittel und damit erzielte Erfolge etwa im umgekehrten Verhältnis stehen. Um nur ein Beispiel dafür anzuführen, in welcher Weise sich durch die Konservierung Schäden ergeben können: Das Formaldehyd ist ein sehr bequem zu handhabendes und billiges Desinfektionsmittel, welches die Haut außerdem in eine Art halbgaren Zustand überführt, so daß der Gerber gegen seine An wendung nichts einzuwenden hätte, wenn nicht durch Formaldehyd die Hautsubstanz chemisch so verändert würde, daß dadurch das gerade für den Weißgerber als Nebenprodukt wichtige Leimleder unter Umständen völlig wertlos werden kann "). i) Collegium 1911, S. 38, 66, 197. -) Mag. Böripar 1908. Nr. 18. s ) Dämmer 1911, Bd. III, S. 914. *) Collegium 1911, S. 106. 5 ) Ebenda. 6 ) Collegium 1911, S. 248. 7 ) Deutsche Gerberzeitung 1892, Nr. 60. 8 ) Ledertechnische Rundschau 1909, Nr. 44. 8 ) Deutsche Gerberzeitung 1877, Nr. 90. I0 * ) Wiener 1904, S. 63. J1 ) Chem. Repertorium 1907, S. 319. 12 ) Ledermarkt 1910, 67. ls ) Ledertechnische Rundschau 1911, Nr. 40—41; Heinzerling 1882, S. 11. u ) Allgemeine Gerberzeitung 1907, Nr. 82, S. 2.