48 2. Kapitel. Die Gerbstoffe. Eine zweite Reihe von Rohstoffen für die Gerberei faßt man unter dem Namen Gerbstoffe oder Gerbmaterialien zusammen. Man gliedert dieselben nach der Einteilung der Gerberei in 1. vegetabilische Gerbstoffe, 2. mineralische Gerbstoffe, 3. Fette und Öle. Dazu kommen dann noch eine Reihe weiterer Hilfsstoffe, welche ent weder zu den Vorarbeiten oder während des Gerbeprozesses neben den eigentlichen Gerbstoffen oder endlich in der Zurichterei nötig werden. Wir werden uns im folgenden hauptsächlich auf die Gerbmaterialien der Weißgerberei beschränken; da aber, worauf bereits in der Ein leitung hingewiesen wurde, die technische Einteilung des Gerbeprozesses und die wirtschaftliche Gliederung der Handwerke sich nicht deckt, da weiter eine einheitliche geschichtliche Entwicklung selbst in größten Zügen aller dieser Gerbematerialien bisher noch nicht gegeben wurde, und weil wir endlich bei unseren ferneren Darlegungen eben wegen der innigen, fast unlösbaren technischen und wirtschaftlichen Beziehungen der verschiedenen Zweige der Gerberei auf verschiedene Daten auch der anderen Gerbematerialien nicht verzichten können, so soll wenigstens ein kursorischer Überblick auch über diese hier versucht werden. Als wichtigster Gerbstoff der Weißgerberei tritt uns der Alaun entgegen, zu dessen ebenso eigentümlicher wie interessanter Geschichte wir uns zuerst wenden. 8 4. Der Alaun. Die Frage nach dem Vorkommen der Weißgerberei im Altertum ist zunächst identisch mit der Frage nach der Bekanntschaft der Alten mit dem Alaun. Die Schriftsteller, welche sich über den Alaun, lateinisch alumen und griechisch arvmrjQta, geäußert haben, sind Herodot, vor allem aber Plinius und Dioskorides, in späterer Zeit noch Galen und Diodor. Schon daraus, daß Plinius und Dioskorides mindestens drei Z Arten, Galen sogar sechs verschiedene Arten des Alauns kennt, ergibt sich ») Vgl. Blümner 1887, S. 26. 2 ) Galen de simpl. medio, temper. IX, p. 30.