49 die Notwendigkeit zu einer kritischen Untersuchung über die Substanzen, welche die Alten unter ihrem Begriffe Alaun zusammenfaßten. Solche Untersuchungen sind ausgeführt worden zuerst von Beckmann, dann von Kopp, Lenz, Blümner u. a., und das Ergebnis dieser Untersuchungen ist in kurzem folgendes. Während Beckmann den Alten die Kenntnis des Alauns überhaupt abspricht x ), glauben die späteren Beurteiler, daß er hin und wieder vielleicht doch, wenn auch stets in starker Ver unreinigung vorgelegen habe. Die Farbe des Alauns wird angegeben als weiß, milchweiß * 2 ), meist aber schwärzlich bis dunkel. Sein Ge schmack ist zusammenziehend, aber gelegentliche Reaktionen, welche für den Alaun angegeben werden, zeigen, daß dies keine Reaktionen des Alauns selbst sein können; denn er färbt Granatäpfel und Galläpfel dunkel^), andererseits aber dient der Helle Alaun in der Färberei für Helle Nüancen, der dunkle Alaun für braune und dunkle Farben^). Danach ist der Alaun des Altertums wahrscheinlich mehr oder weniger reines Aluminiumsulfat, wenn er als weiß angegeben wird, und dieses Aluminiumsulfat ist für die Fälle der dunkleren Sorten des Alauns mehr und mehr vermischt mit anderen Sulfaten und Vitriolen, nament lich mit Eisenvitriol; gelegentlich mögen diese Sulfatgemische dann auch echten Alaun enthalten haben. Über die Gewinnung des Alaunes erhalten wir keine zuverlässigen Nachrichten. Der Alaun der Alten ist ausschließlich natürlicher Alaun 5 * ), was ebenfalls wieder für die oben gegebene Hypothese der Sulfat gemische spricht; von Alaunsiedereien ist nirgends die RedeH. Verwendung fand der Alaun in der Medizin, Gerberei, Färberei, Zur Imprägnation von Holz und für Metallarbeiten. Als Fundort endlich wird vor allen Dingen Ägypten 7 8 ) bezeichnet, aus dessen Ausbeuten z. B. der König Amasis dem delphischen Tempel 100 Talente schenkte, wozu die in Ägypten wohnenden Hellenen noch 20 Minen ihrerseits legten^). Weiter werden erwähnt die liparischen Inseln, namentlich Lipara und Strongyle, Melos, Macedonien, Sar dinien, Hierapolis in Phrygien, Libyen, Armenien, Pontus, Spanien und Cypern 2 ). Interessant ist noch der Bericht Diodors, daß nur auf den liparischen Inseln der Alaun in namhaften Mengen vorkomme, weshalb die Liparier 0 Beckmann 1784, Bd. II, S. 92 ff. 2 ) Vgl. auch Lassen 1847, Bd. III, S. 20. 3 * ) Blümner 1887, S. 29. 4 ) Kopp 1843, Bd. IV, S. 56ff.; Blümner 1887, S. 29. °) Beckmann 1784, Bd. II, S. 93. °) Plimus 34, Kap. 12, Bd. II, S. 664; Isiäor Orixin. lid. 16, eap. 2; Dioskorides, Bd. V, S. 114. 7 ) Dioskorides, Bd. V, S. 122; Plinius XXXV, S. 184. 8 ) Herodot II, S. 180. °) Blümner 1887, S. 26, Anm. 49. Ebert, Entwicklung der Weißgerberei. 4