54 welche teilweise im Zeichen und unter dem Banne einer Alaunmonopol politik stehen, ganz begreifen können. Eine kurze Skizze der allgemeinen Weltlage jener Zeit mag uns das Verständnis dieser eigentümlichen Politik noch erleichtern. Schauplatz der Weltereignisse ist das Mittelmeer; 200 Jahre lang strömen die Kreuzfahrer aus allen Teilen Europas nach dem heiligen Lande und zurück; die großen Seefahrer sind die Venetianer, Genuesen, Pisaner; die kriegerischen Unternehmungen der Kreuzzüge gestalten sich für sie zu gewinnbringenden Handelsfahrten, und auch der ganze Ver kehr zwischen dem Orient und den oberdeutschen Städten und weiter noch bis an den Rhein und diesen hinab nach Flandern geht durch ihre Hand. So erstarken hier reiche Handelsrepubliken von großer politischer Macht, welche sich im Kampf um den Vorrang unablässig befehden, und welche dabei die stete Spannung zwischen den griechischen Kaisern und dem fortgesetzt an die Tore Konstantinopels pochenden Islam geschickt zur Erreichung von Handelsvorteilen ausnutzen. Ihre ganze auswärtige Politik erinnert in der Idee an die merkantilistischen Kriege Englands, und wie heute reiche Kolonieen und goldproduzierende Länder ein Ziel der Kolonialpolitik darstellen, so waren damals die Alaungruben ein Gegenstand fortwährender erbitterter Zwistigkeiten zwischen den westlichen und den östlichen Mächten des Mittelmeeres einerseits, und zwischen den rivalisierenden Handelsrepubliken Italiens andererseits; denn unter allen Alaunprovenienzen treten um diese Zeit die kleinasiatischen Alaunsiedereien von P h o c ä a (Foglia) in den Vorder grund, und wie laut Diodors Bericht in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten von den liparischen Inseln aus die Alaunpreise diktiert worden waren, wie noch im 12. Jahrhundert die Gewinnung des ägyptischen Alauns unter dem gleichen Gesichtspunkte Regal gewesen war, so geht jetzt vom 13. Jahrhundert ab der Kampf um das Monopol von Phocäa. In der vom byzantinischen Kaiser Alexius 1082 an die Republik Venedig verliehenen goldenen Bulle, in welcher den Venetianern eine Reihe wichtiger Handelsprivilegien als Belohnung für eine ihm ge währte Unterstützung zur See eingeräumt wird, wird auch der Ort Phocäa erwähnt J ), aber offenbar spielen seine Alaunwerke um diese Zeit noch keine Rolle. Der kleinasiatische Alaun des Sultanats Jkonium wird von Marco Polo erwähnt^), und Rubruquis berichtet im Jahre 1255 bereits von einem kleinasiatischen Alaunmonopol im Besitze eines Genuesen und eines Venetianers; als Ergebnis teilt er uns mit, daß die beiden Italiener den Preis des Alauns um mehr als das dreifache si Heyd 1879, Bd. I, S. 132. -) Heyd 1879, Bd. I, S. 333 f.