55 in die Höhe getrieben haben *). In den guten Beziehungen, welche die Republik Venedig zum Hofe von Byzanz seit 1082 unterhalten hatte, war es Genua gelungen, der Schwesterrepublik den Rang abzulaufen, und im Vertrage von 1275 2 ) verlieh Michael Paläologus dem Genuesen Manuele Zaccaria die Stadt Phocäa am nördlichen Eingang des Golfes von Smyrna mitsamt den naheliegenden alaunhaltigen Bergen. Damit gelangte dieser wertvolle Besitz also in genuesische Hände, und trotz wechselnden Kriegsglücks trotz der damals sich kaleidoskopartig ver schiebenden Mächtekonstellationen zwischen Venedig, Genua, Islam und Byzanz, trotz innerer Zerwürfnisse, trotz vorübergehender Besitzwechsel «n Phocäa wußte sich die Staatsklugheit oder die politische Macht von Genua doch immer wieder in den Besitz dieser wertvollen Alaun siedereien zu setzen. Gleich einer der ersten Schritte Manuele Zaccarias war der Ausfluß einer echten Monopolpolitik: Er benutzte seinen Einfluß beim Kaiser zur Erwirkung eines Alaunausfuhrverbotes für alle übrigen Genuesen aus den poutischeu Gebieten, ein Verbot, welches indessen uicht lange in Kraft gewesen zu sein scheint. Zur Beseitigung des genuesischen Übergewichtes in diesen nordöst lichen Teilen des Mittelmeeres entbrannte bald darauf (1294) ein Krieg zunächst zwischen Venedig und Genna, in welchen in der Folge auch der Kaiser von Konstantinopel als Gegner Venedigs hineingezogen wurde 3 ); neben anderen Verlusten, welche die Venetianer den genue sischen Kolonien im Verlaufe dieses Krieges bei wechselndem Kriegs glück und unentschiedenem Ausgauge zufügten, entführte der venetianische General Ruggiero Morosini ans Phocäa die dort vorgefundenen Kessel und andere zur Alaunfabrikation dienenden Gegenstände und Geräte 1296 Z; aber bereits 1298 hatte sich die Ansiedlnng wieder so weit -erholt, daß sie 650 Zentner Alaun um die ungeheure Summe von 1,3 Millionen Lire exportieren konnte^). Etwa in diese Zeit fällt die Gründung von Neuphocäa, wahrscheinlich in der Form eines Kastelles zum Schutze der Alaungruben gegen die unaufhaltsam vorrückenden Türken, und die gleiche Gefahr gab Benedetto Zaccaria, dem Bruder Manuele Zaccarias, den Anlaß zur eigenmächtigen Besetzung der Insel Chios etwa 1304, um Phocäa und die dort ein- und auslaufenden Alaunschiffe von der Seeseite her zu schützen. Durch diesen Handstreich gelang es dem Hause Zaccaria, in welchem der Besitz von Phocäa erb lich geworden war, auch die wertvollen Mastixpflanzungen von Chios in seiner Hand zu vereinigen. Nach dem Aussterbeu des Hauses -) Ebenda. 2 ) Heyd 1879, Bd. I, S. 482 f. 3 ) Heyd 1879, Bd. I. S. 491 ff. 4 ) Über die Art der Fabrikation vgl. Kopp 1848, Bd. IV, S. 59 und Heyd 1879, Bd. II, S. 550. 5 ) Heyd 1879, Bd. I, S. 507 f.