59 nach den fortwährenden schweren Schlägen mehr und mehr auch wirt schaftlich solidarisch gegen den Islam zu fühlen begann und ihre Ab hängigkeit von demselben in so wertvollen und noch dazu unentbehrlich gewordenen Produkten, wie es der Alaun gewesen war, drückend empfand. Vielleicht auch hatte schon seit längerer Zeit die im Laufe der Welt geschichte bis in unsere Tage in fast unendlichen Modifikationen so oft zu beobachtende Wirtschaftspolitik eingesetzt, daß nämlich der im offenen Kampfe unterlegene oder für weitere offene Waffengänge zu schwache Gegner sich auf einen stillen wirtschaftlichen Antipathiekampf verlegt. Die Alaunsiedereien waren in Kleinasien groß geworden, weil dort die Stätten ihres Hauptverbrauches gelegen hatten, aber mit dem Wandern der Araber nach Westen und mit dem Eindringen orien talischer Kunstfertigkeit im Abendlande war auch dort große Nachfrage nach Alaun entstanden, welche freilich zunächst fast nur aus der Levante befriedigt worden war; die handeltreibenden Republiken Italiens hatten natürlich zunächst wenig Interesse an der Verpflanzung der Alaun fabrikation nach dem Abendlande gehabt, da dies für sie eine ganz bedeutende Einbuße in ihren Einnahmen bedeutet hätte. Alaun erscheint immer als einer der vorzüglichsten Handelsartikel, welcher über die italienischen Handelsrepubliken bezogen wird, so auch, um nur ein Bei spiel anzuführen, in einem Friesacher Mauthtarif vom Jahre 1425 Z. Diese Verhältnisse gestalteten sich nunmehr, da die Türken Herr der Alaungruben geworden waren, da die italienischen Alaunpächter in Kleinasien in steter Unsicherheit lebten, da stets große Geldsummen in islamitische Hände aus Alaunlieferungen flössen, da die Sultane aus angeblichen oder wirklichen Alaunlieferungen ungeheure Geldforderungen an die italienischen Handelsrepubliken für sich herleiteten, da durch die hohen Tribute an die Türken die Alaunpreise noch gestiegen waren, da selbst die griechischen und italienischen Arbeiter in den Alaunwerken in steter Lebensgefahr schwebten, mit einem Schlage anders. Es mußten nunmehr alle Versuche gemacht werden, die neue Alaunprovenienz für das Abendland in Italien zu etablieren. Wir haben ja gesehen, daß die kleinasiatischen Alaunprovenienzen schon im 13. und 14. Jahrhundert keineswegs die einzigen gewesen waren, wenn sie auch nach der Menge ihrer Produktion alle anderen ungeheuer überwogen. In Neuphocäa hatten schon 1307 über 3000 Griechen sich mit der Alaunbereitung beschäftigt^), ihre Zahl war in der Folge eher noch gestiegen, und als nun nach dem Blutbad von Konstantinopel 1453 die dort ansässigen italienischen Kaufleute nach der Heimat ftüchteten, als nach dem Über fall von Neuphocäa die Alaunarbeiter ebenfalls fliehen mußten, können -) Simonsfeld 1887, Bd. II, S. 104, 198. >) Heyd 1879, Bd. I, S. 508.