91 scheidet, daß sie nicht wie jene blechern und hornartig sich anfühlt, sondern, daß sie womöglich die ganze Festigkeit der rohen Haut ver einigt mit Biegsamkeit, Dehnbarkeit, Weichheit oder Elastizität, je nach dem Zweck, für welchen sie bestimmt ist, und welche sich chemisch von der bloß getrockneten Haut dadurch unterscheidet, daß sie der Ein wirkung von Fäulnisbakterien usw. viel schwerer zugänglich sich erweist. Je nach den zur Verwendung kommenden Gerbesubstanzen werden obige Ziele natürlich in verschiedener Weise und bis zu verschiedenen Graden erreicht; es gibt heute Ledersorten, welche durch Wasser nicht geändert werden, und von diesen an gibt es, in vielfältiger Abstufung, solche, welche schon durch kurze Behandlung mit Wasser wieder in den Zu stand der rohen Haut übergeführt werden. Die Weißgerberei z. B. erzeugt Lederarten, welche die Ledereigenschaft zwar besitzen, aber leicht wieder verlieren können. Nach den in diesem Prozeß verwendeten Gerbesubstanzen wird die Gerberei überhaupt folgendermaßen eingeteilt: Bei Verwendung von Lohe oder vegetabilischen Gerbesubstanzen spricht man von Loh- oder Rot- oder vegetabilischer Gerberei; wie wir bereits gehört haben, ist der vegetabilische Gerbstoff vor allen Dingen der Lohe, aber auch der anderer Pflanzenteile, von bräunlichen, röt lichen oder gelblichen Farbstoffen begleitet, wodurch das Leder die Farbe dieses begleitenden Farbstoffes annimmt. Bei Verwendung von Alaun und Kochsalz spricht man von Weißgerberei, weil das mit Alaun und Kochsalz gegerbte Leder eine weiße Farbe erhält; die Chromgerberei erzeugt grünliches Leder und bedient sich der Chromsalze, während die Gerbung mit Eisensalzen ein bis heute ungelöstes Problem darstellt; die Gerbungen mit Alaun, Chromsalzen und Eisenpräparaten faßt man zusammen unter dem Titel „Mineralgerbungen". Die Sämischgerberei, Fettgerberei, welche die weichen Waschleder erzeugt, verwendet als Gerbstoff den Tran, und neuere Versuche mit Formaldehyd, Stearin säure, Elektrizität und andere nennt man dementsprechend Formaldehyd gerbungen, Stearinsäuregerbungen, Elektrische Gerbungen. Das sind die einfachen Gerbmethoden; ein nach einer dieser Methoden gegerbtes Leder erweist sich nach ganz bestimmten Richtungen verändert und mit ganz bestimmten physikalischen und chemischen Eigenschaften, Vorzügen und Nachteilen begabt. Es ist ein erstrebtes Ziel, besonders der neuesten Zeit, wenn natürlich auch die geschichtlichen Wurzeln weit zurück sich verfolgen lassen, durch Kombination dieser verschiedenen Gerbesub stanzen, sei es miteinander, sei es nacheinander, Lederqualitäten von neuen Eigenschaften zu erzeugen, wobei außerdem bestimmte Nachteile ausgemerzt sein sollen. So kommt es, daß es heute einfache Gerbe methoden fast nicht mehr gibt. Das Sohlleder ist rein lohgar, das gewöhn-