4. Kapitel. Die Entwicklung der NroduktionsprWpien. Eine vergleichende Untersuchung über die verschiedenen Formen der primitiven Fellarbeit, eine Darstellung der Entwicklung der Haar lockerung, endlich auch eine Betrachtung der Entstehung der Gerbe methoden auf dem Boden der jeweils vorliegenden wirtschaftlichen Be dingungen würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausführen; eine solche Untersuchung über die genetische Stellung der Weißgerberei zeitigt ganz unerwartete Resultate; aber eine spezielle Untersuchung wie die vorliegende gibt keinen Raum zu einem tieferen Eingehen auf jene prinzipiellen Zusammenhänge. Ich will mich hier darauf beschränken^ die Theorien aufzusuchen, welche bei der Entstehung neuer Gerbemethoden Mitwirkung geübt haben; denn auch in diesem Falle bewegen wir uns aus einem kaum bearbeiteten Boden. 8 13. Die Gerbetheorien und ihre praktische Bedeutung. Theoretische Ansichten über chemische Vorgänge hat man schon sehr frühe gehabt, es sind die bekannten von den wer Elementen mit der sich daraus ergebenden Lehre von der Metallverwandlung, lese ehre hat ein vielleicht mehrtausendjähriges Schema gebildet ), aus we che der stets sich erweiternde Kreis von chemischen Tatsachen immer un immer wieder reduziert wurde, es ist das Schema auch für re me i- zinischen Grundvorstellungen; aber über die Theorie technischer Hrozepe hat man sich bis zur Wende des 18. Jahrhunderts niemals ausgesprochen, da man es, mit wenigen späten Ausnahmen, bis dahin nach hellenischem Vorgang kaum für der Mühe wert hielt, einen technischen Prozeß au ) nur äußerlich zu beschreiben. Wir sind indessen trotzdem nicht vor em ganz leeres Nichts gestellt, weil die vegetabilischen Gerbstoffe und der Alaun in ihrem eigentümlichen Geschmack eine Eigenschaft besitzen, welche frühzeitig die Aufmerksamkeit der Menschen erregt hat, und welche vor allen Dingen die Veranlassung war zur Einführung dieser Stoffe tn den Arzneischatz; in solchen Zusammenhängen können wir dann auch für unsere Zwecke verwertbare Äußerungen über diese Stosse erwarten. Wohl der erste, welcher uns hier orientiert, ist Galen, der bedeutends e ') Vgl. z. B. Kopp 1843, Bd. I, S. 20.