108 2. Die Gerbung mit öligen Stoffen, auch die Pflanzen in zwei Klaffen ein. „Zu der ersten Klaffe gehören die Pflanzen, welche zusammenziehen, ­ scharf und ohne Geruch sind, welche zwar wirkende, aber feste Grundteile geben". „Zur zweiten Klasse gehören die Pflanzen, welche flüchtige und geistige Teile besitzen und einen balsamischen und fettigen Anteil erhalten. Es sind weniger feste Teile in ihnen" x ). Für den, welcher mit dem naturwissenschaftlichen Sprachgebrauch jener Zeit bekannt ist, ist hier die Auffassung über das Wesen der Gerberei haarscharf präzisiert; weil indessen diese Auffassung vollkommen innerhalb ­ des hier dargelegten theoretischen Rahmens bleibt und nicht zur Bildung wichtiger Gerbeprozesse geführt hat, wollen wir uns hier damit begnügen, ausdrücklich zu konstatieren, daß die Gerberei hier in zwei scharf getrennte Kategorieen zerlegt ist. Schon Gleditsch hatte, vielleicht auf Grund von praktischen Versuchen, ­ darauf hingewiesen, daß die zweite Klasse von Pflanzen für die Gerberei doch weniger geeignet sei, man ließ daher in der Folge diese ganze zweite Gruppe von Pflanzen wieder fallen. Hertel sagt 1783 „Überhaupt sind ihm (dem Rotgerber) alle Pflanzen und Gewächse brauchbar, welche einen scharf zusammenziehenden Geschmack haben z. B. Schlehen, Mispeln, Preißelbeeren, Meerrettich, usw."); man ging also jetzt wissenschaftlich rationell auf die Suche nach Gerbstoffen, wie man dies vor einigen Jahrtausenden nicht so klar bewußt vielleicht getan hatte, und das Ergebnis waren riesige Listen von Pflanzen, welche alle zum Gerben tauglich sein sollen, und auf deren eine ich eingangs hingewiesen habe (vgl. S. 73). Mit allen diesen Dingen war aber die physiologische Theorie nicht aufs höchste getrieben, noch nicht bis in die äußersten Konsequenzen verfolgt. Die Sämischgerbung stand ja noch außerhalb, und im Interesse ­ der Gleichheit wissenschaftlicher Grundanschauung galt es auch, die Verwendung der adstringierenden Stoffe in der Färberei in dem aus physiologischen Erwägungen gewonnenen Bilde zu erklären. Selbst der gelehrte und berühmte Beckmann vermochte sich nicht von jenem Bilde zu befreien, er vereinigte in seiner Person die Weltanschauung zweier Zeiten, und es mutet eigentümlich an, in der Ausgabe seine Technologie von 1794, welche ja doch schon den Geist der kommenden Entwicklung atmet, von den Galläpfeln zu lesen, daß sie eine Substanz enthalten, welche „im Geschmack und in vieler anderer Hinsicht eine Ähnlichkeit mit dem Alaun und anderen styptischen Salzen hat... Wegen dieser Eigenst ­ Schauplatz 1766, Bd. V, S. 350. st Hertel 1783, Bd. I, S. 215.