124 letztere z. B. im Jahre 1049 dem Abt von Casino durch ein Privilegium erlaubt wurde *). Die Fütterung der Panzerhandschuhe scheint dann ein eigenes Gewerbe herausgebildet zu Habens und unter den Ge schenken, welche die mittelalterlichen Städte alljährlich als Zeichen der Zollfreiheit einander übersandten, tritt frühzeitig der häufig sämisch- lederne Handschuh auf. So schenkt nach einem 1387 geschlossenen Ver trage St. Gallen an Nürnberg alljährlich u. a. ein Paar Hirsch- oder geislederne Handschuhe, kurz und breit mit drei Fingern 8 ), und Nürn berg schenkt an Mainz zwei Handschuhe von gelbem Leder ch. Auch weiße Handschuhe kommen vor; so beschenken sich Nürnberg und München 1323 gegenseitig mit zwei weißen Handschuhen B ), Trier er hält von Nürnberg ein Paar weiße Handschuhe ch, und Straßburg er hält zwei weiße linke bis an den Ellenbogen reichende schaflederne Falkenhandschuhe mit dem Daumen und zwei Fingern Z. Indessen waren Handschuhe ein Artikel mit verhältnismäßig geringem Absatz in Frankreich bis in das 17., in Deutschland bis in das 18. Jahr hundert. Erst seitdem die Handschuhe unter Ludwig XIV. für ein unentbehrliches Kleidungsstück eines Menschen von Bildung und Stand erachtet worden sind 8 ), stieg die Nachfrage und damit die Produktion, und hauptsächlich waren es jetzt nicht mehr die alten sämischledernen oder weißledernen, sondern die feinen glacelederuen oder glacierten Handschuhe, welche in größeren Mengen getragen wurden. Die Ver treibung der Hugenotten brachte die Industrie aus Frankreich haupt sächlich nach England, Deutschland, Österreich, aber was sie brachten, war doch mehr die Industrie als die Nachfrage nach ihrem Produkt; Mitte des 18. Jahrhunderts berichtet ein Säckler in Speier, daß nur sehr wenige sämische Handschuhe gekauft werden; manchmal in 4 bis 5 Wochen nur ein Paar, da nur wenige Leute Handschuhe tragen, und weil die wenigen, so solche tragen, sich mit glacierten versehen 9 ). Aber schon am Ende des 18. Jahrhunderts scheint das Tragen von Hand schuhen allgemeiner geworden zu sein, wenigstens hören wir jetzt, daß auch die gemeinen Leute Handschuhe aus billigem weißgarem Schaf leder tragen 10 ). Wir sehen also, alles in allem, daß die Ledergewerbe des Mittel alters und bis in das 19. Jahrhundert eine im Vergleich mit heutigen Verhältnissen viel größere Bedeutung besessen haben; dann aber ergibt ') Busch 1791, S. 210; Leo Ost, Lib. II. Chron. Casin. Kap. 82. -) Maier 1901, S. 1f. ->) Roth 1800, Bd. IV, S. 21. 9 Roth 1800, Bd. IV, S. 28. ») Roth 1800, Bd. IV, S. 30. ») Roth 1800, Bd. IV, S. 38. ’) Roth 1800, Bd. IV, S. 36. 8 ) Rehlen 1855, S. 142. ») Speyer 1740—1754. 10 ) Krünitz 1780, Bd. XXI, S. 460.