127 nahm 1806 ein Patent auf Stiefelschäfte ohne NahtZ. Der Franzose Brunel erfand 1814 die Nagelschuhe 2 ), Nathanael Leonard 1829 die Sohlennagelmaschine s ), und in den 30 er Jahren erfolgte die Einführung dieser Errungenschaften in Deutschlands. Die Einführung der Näh maschine in den 50 er Jahren führte zur Schaftarbeit, dann sogar zu einer eigenen Industrie, der Schaftstepperei, und schließlich zum Glace- schaft aus Kidleder; in den 70 er Jahren erfolgte die Einführung einer weiteren Reihe von Maschinen, Stanzmaschinen, Walzmaschinen, Ösen einfetzmaschinen, Knopflochnähmaschinen, Riemchenumbiegmaschinen, Ab schrägmaschinen, Perforiermaschinen, die ganze Reihe der Maschinen für den Bodenbau, wie Absatznagelmaschine, Aufzwickmaschinen u. a.; die Maschinenschusterei, welche anfänglich meist zur Befriedigung des Armeebedarfs eingeführt war °), arbeitete schließlich für das große Publikum; denn beim Übergang zur Fabrikinduftrie 6 ) hatten es die Schuhfabrikanten verstanden, den Bedürfnissen des Publikums entgegen zukommen und den Geschmack desselben zu verfeinern; der Verbrauch an Schuhen und Stiefeln stieg, das schwere Schuhwerk ward durch feines ersetzt, und der Lederbedarf nahm gewaltige Formen an. Seit den 40 er Jahren erfolgten die Umwälzungen auf dem Gebiete der Verkehrsmittel, und damit im Zusammenhang geht die Versorgung des ganzen lokomobilen Publikums mit ledernen Reiseutensilien, von dem großen Lederreisekoffer bis zu den kleinen Portefeuilleartikeln und Ledergalanteriewaren; der Übergang zum Industrie st aate brachte den ganzen Bedarf der Industrie als solcher an Leder, wie lederne Treibriemen, Ledertaschen, lederne Walzenüberzüge usw. mit sich, und dieser ganze, ins gigantische gestiegene Lederbedars, den auch die Kriege dieses Jahr hunderts noch vermehrt hatten 7 ), wurde von dem feinsten Lackleder bis zu den schwersten Ledersorten hauptsächlich von der durch die Einführung ausländischer Gerbstoffe und der Gerbstoffextrakte abermals modernisierten vegetabilischen Gerbung gedeckt, während die Glacegerbung und einige kombinierte Spezialgerbuugen, Feinleder, Handschuhleder, Chevreaux, Kidleder und Feinlederimitationen lieferten. So hatte sich also im Laufe von 100 Jahren das Bild total verschoben. Aus der Linie der damals noch ziemlich gleichwertig neben einander stehenden Gerbemethoden war die Sämischgerberei fast aus geschieden, den gestiegenen feinen Lederbedarf deckte die Feinlederindustrie, 0 Keetz 1829, Bd. I, S. 49. 2 ) Poppe, G. 1837, S. 184; vgl. auch Wehr 1909, S. 8. 0 Behr 1909, S. 8. 4 ) Gleißenberger 1895, S. 196 ff. 5 ) B. d. Erf. 1874, S. 421. «) Schmoller 1870. 0 Vgl. Gülich 1830, Bd. IV, S. 482; Gerberzeitung 1871, Nr. 45; Gerber courier 1901, Nr 35.