131 Werkerporträts Z stellen schon den Schabebaum dar, und auch heute noch finden wir selbst in den größten Betrieben diese altehrwürdige Unterlage im Gebrauch. Wir gehen nun nach der Betrachtung der Unterlagen über zu den arbeitenden Werkzeugen der Lederarbeiter. Sie dienen zum Kratzen, Schaben, zum Enthaaren, Entfleischen; ihre Form ist ursprünglich ab hängig von dem Material, aus welchem sie bestehen, schließlich aber paßt sich diese Form an die jeweiligen, eben besprochenen Arten der Unterlage an, auf welchen das Fell bearbeitet wird. Das Auskäuen der Häute mit den Zähnen zur Entfernung der Haare und des Fleisches 2 ), welches heute noch bei Eskimos in so starkem Maße geübt wird, daß die Zähne der Leute von mittlerem und höherem Alter durch das beständige Kauen der Felle zu bloßen Stümpfen ab genutzt finb s ), ist sonst nirgends mehr nachweisbar; denn bereits in der jüngeren Steinzeit erfolgte der Übergang zu Schabern oder Schneide messern * 4 * * ) aus Schiefer, Flintsplittern oder Knochen B ), teilweise schon in einem Griff aus Holz oder Knochen befestigt °), Instrumente, welche noch bis heute im arktischen Asien und Europa anzutreffen sind 7 ). Sobald aber das Material, aus welchem die Werkzeuge hergestellt wurden, eine Anpassung der Werkzeugform an die jeweilig benutzte Unterlage gestattete, wird der eben besprochene, vom Material der Werkzeuge diktierte Typ verlassen, und es bilden sich neue Typen heraus, welche wir in Analogie mit den zur Verwendung kommenden Unter lagen ebenfalls in drei Klassen teilen können: 1. Die Werkzeuge für flache Unterlagen, wie der Erdboden oder ein flaches Brett. Die hierauf berechneten Werkzeuge haben infolge dessen gerade Schneiden mit oder ohne Handgriff, wie bei Eskimos, Ostjaken 8 ), Chinesen") oder bei manchen Steppenvölkern. 2. Die Werkzeuge für die Bearbeitung der ausgespannten Felle, sei es auf dem Boden, sei es im Rahmen. Diese Form der Unterlage verlangt Werkzeuge mit konvexer Schneide, und daher finden wir solche konvexe Schneiden z. B. in den arktischen Regionen der Nordhudsonsbay 4 °), vor allen Dingen aber verlangt feine Arbeit am Rahmen hochgradig konvexe Formen; noch im 14. und 15. Jahrhundert arbeiteten die Pergamenten mit einem typisch halbmondförmigen Messer an der in Mendel, S. 92. -) Cranz 1770, Bd. I, S. 218. 3 ) Deutsche Gerberzeitung 1881, Nr. 31. 4 ) Abbildung bei Ranke Anthropologie 1912, Bd. II, S. 541. °) Montelius 1906, S. 20. «) Ebenda. 7 ) Abbildungen bei Ratzel 1894, Bd. I, S. 642. 8 ) Pallas 1778, Bd. III, S. 36. ») Schönmanns Journal 1900, Nr. 23. 10 J Deutsche Gerberzeitung 1881, Nr. 31. 9*