132 den Rahmen gespannten Haut*), diese aber ging dann über in den sog. Schlichtmond der späteren Pergamenter, ein tellerförmiges Messer mit einem Loch in der Mitte zum Anfassen und mit vollkommen kreis förmiger Schneide; die moderne Handschuhmacherei, Weiß- und Glace gerberei verwendet ebenfalls noch diese Schlichtmonde in der Zurichterei, wobei die Felle allerdings nicht mehr im alten Rahmen, sondern in den weniger zeitraubenden, aber sehr ähnlichen Schrägen gespannt werden. 3. Die Werkzeuge für die Bearbeitung der Felle am Schabebaum. Die konvexe Unterlage fordert hier vornehmlich konkave Schneiden. Wir sehen also, wie sich auf Grund einer entwicklungsgeschicht lichen Betrachtungsweise die verschiedene Form der Unterlagen sehr natürlich ergibt, wie sich weiter die verschiedensten Werkzeuge dadurch sehr einfach klassifizieren und ihre verschiedenen Formen verstehen lassen. Wir haben gesehen, daß sich wesentlich drei Formen der Unterlagen herausgebildet haben, von welchen zwei, nämlich der Rahmen und der Gerberbaum, schon im Bestände der alten Kulturvölker vorhanden sind, und daß sich diese Formen, besonders die des Gerberbaums, bis heute in der handwerksmäßigen Technik nicht geändert haben; damit wird es erklärlich und verständlich, daß nicht nur die Grundformen der Werk zeuge, sondern sehr oft sogar deren ganzer Habitus nicht bloß in der Reihe vom primitiven Volke bis herauf zum hochentwickelten Kultur volk, nicht bloß in der langen zeitlichen Entwicklung seit dem alten Reiche von Theben bis zu unseren Tagen, sondern auch gleichmäßig durch alle Zweige der Gerberei, gleichgültig ob Weiß, Rot oder Sämisch, die gleichen geblieben sind. Nur die Größe der Werkzeuge ist ver schieden, indem für schwere Häute auch starke und große Eisen nötig sind, während die auf leichte Felle eingerichteten Methoden oder Werk stätten nur kleine Werkzeuge benützen. Der Gerberbaum ist die typische Form der Unterlage im Abend lande geworden, hier gehören deshalb die Werkzeuge zum konkaven Typ, und diese Werkzeuge wollen wir noch etwas näher betrachten. Die im Herbst des Jahres 1873 in Pompeji aufgedeckte Gerberei war hauptsächlich durch die wenigen darin gefundenen Werkzeuge, welche sich von den unseligen fast nicht unterscheiden, als solche charakterisiert ^). Die Luccheser Handschrift des 8. Jahrhunderts orientiert uns lediglich darüber, daß die Haare mit einem Messer abgeschabt werden 8 ), des gleichen spricht die Mainzer Handschrift des 14. Jahrhunderts von einem Schabmessers, ohne uns nähere Auskunft über die Form zu y Mendel S. 34 a Abbildung. ! ) Blümner 1875, Bd, I, S. 279—280, 266. 3 ) Breslau 1899, S. 888. 4 ) Gerberzeitung 1867, S. 168.