160 hundert hinein Z gab es Gerbereien, welche diese beiden Vorrichtungen als einzige Maschinen ihr eigen nannten, man kann sogar heute noch kleinere Gerbereien sehen, bei welchen sich diese Zustände erhalten haben. Die Erfindung der Schnellgerberei, d. h. der Gerbung mit Lohbrühen, und die Erkenntnis, daß ein Bewegen der Häute in der Gerbflüssigkeit die Gerbung beschleunige, führte zu einer ungeheuren Reihe von Maschinen und Patenten, und diese Vorrichtungen haben dann ihren Einfluß auch auf andere Prozesse ausgeübt. Anton Fay schlug um die Wende des 18. Jahrhunderts vor, mit Schaufeln versehene Wagenräder an senk rechter Achse in die Gruben zu bringen 2 * ), — es ist das Prinzip, welches heute noch in dem Rühräschern durchgeführt ist. Die Idee der Bewegung der Häute durch Haspel oder der ganzen Gerbflüssigkeit mitsamt den Häuten in rotierenden Fässern stammt ebenfalls schon aus jener Zeit^), und solche rotierende Fässer haben seitdem Eingang zu den allerverschiedensten Zwecken gefunden; sie dienen nicht nur zum Gerben in der Brühengerbung, in der Chromgerbung und in den ver schiedenen Zweigen der Weißgerberei, sie werden auch benutzt zum Beizen, zum Färben für den Fall, daß beide Seiten des Felles gefärbt werden sollen, zum Schmieren der Häute und Felle, hin und wieder zum Enthaaren, wobei die gegenseitige Reibung der Häute und Felle die Enthaarung bewirkt, zum Wässern und Waschen, endlich sind sie auch der Ersatz der alten Walke geworden, indem die Fettgerberei sich ihrer zum Einarbeiten des Fettes in die Haut bedient und indem man sie zum völligen Erweichen der in reinem Wasser geweichten, getrockneten Häute benutzt. Interessant unter dem Gesichtspunkte dieser Kategorie ist auch ein Vorschlag zu einer Enthaarungsmaschine 4 ), bei welcher, ähnlich wie bei dem eben beschriebenen Walkfaß, die Reibung zum Enthaaren benützt wird, indem nämlich in einem mit Wasser und Fellen gefüllten Faß eine Achse rotiert, welche nach Art eines Quirls mit Holzstäben be setzt ist. Diese Vorschläge und Erfindungen bilden etwa den Inhalt der ersten Reihe von Operationen, sie wurden alle schon um die Wende des vorigen Jahrhunderts gemacht, aber ein Aufschwung der maschinellen Technik datiert nicht aus jener Zeit, weil eben zur Überwindung jenes zweiten Hindernisses noch gar keine Vorarbeiten getroffen waren. Die Entwicklung der zur zweiten Kategorie gehörigen Maschinen ist ein außerordentlich interessantes Beispiel für die Entwicklung einer voll kommen neuen Maschinentechnik. Das Bewußtsein nach dem Bedürf- ') Vgl. Weiskirchner 1896, S. 494. -) Hermbstädt 1803, S. 169. -) Vgl. bei Pelzer 1837, S. 270; Missels Vorschlag 1810. 4 ) Vgl. auch Almanach 1808, S. 588 und Dumas 1846, S. 692.