186 Einfluß der besprochenen staatlichen Verwaltungsmaßnahmen ohne Zweifel schon damals als ein Jndustriebeförderungsmittel betrachtet werden muß, nämlich das Zeitungswesen. Es ist schon darauf hin gewiesen worden, daß manche kameralistische Schriften die Funktion von Fachzeitschriften oder wenigstens von gewerbefördernden Zeitschriften übernommen hatten, wenn ihnen auch das wesentlichste Charakteristikum der Zeitschrift, nämlich die Periodizität des Erscheinens, gefehlt hatte. Neben diesen kameralistischen Zeitschriften, neben der Flut von Techno- logieen entstehen nunmehr eine ganze Menge gewerbefördernder Zeitungen, so der „Almanach der Fortschritte, neuesten Erfindungen und Entdeckungen in Wissenschaften, Künsten, Manufakturen und Handwerken; Erfurt 1799". Das „Vaterländische Journal zur Wiederbelebung, Beförderung und Erweiterung des deutschen Handels, Fabriken und Gewerbe" 1814. „Der Anzeiger für Kunst und Gewerbefleiß im Königreich Bayern" 1815. Schlözers Staatsanzeigen sind nicht unter diesem Gesichtspunkte entstanden, enthalten aber auch hin und wieder Notizen über Gewerbe, wenn auch selten über gewerbliche Fortschritte, und selbst Zeitschriften ganz eng begrenzter Leserkreise werden unter dem Eindruck all der neuen Vorgänge geschaffen, um manchmal schon nach wenigen Nummern, meist nach wenigen Jahrgängen, wieder einzugehen. Als Beispiel diene hier das „Zeitblatt des Wassertrüdinger Kreises" von 1802. Das ist eben der Geist, der die ganze Litteratur jener Zeit be herrscht, aus möglichst vielen Gegenden möglichst viele Nachrichten über gewerbliche Erfolge in möglichst jede Schicht der Bevölkerung, von den Leitern des Staates über die Staatsbeamten bis hinunter in die ge werbliche Werkstätte zu bringen. Und was war der Erfolg dieser großartig organisierten ge werblichen Propaganda? Der Freiherr von Meidinger ließ ein Werk erscheinen über die vervollkommnete Schnellgerberei Z, er machte einen Vorschlag zu einer Alaunlohkombination ^), auf die Bemühungen Pfeiffers und Hermbstädts wurde schon hingewiesen. Der Apotheker Schuster in Tyrnau schlug eine Gerbung mit Holzessig vor 8 ), der Apotheker Heyder in Baltimore beschäftigte sich mit dem gleichen Thema % 1798 und 1799 machten die Wiener Lederfabrikanten Zirascheck, Loydel, Lipp und Bartel Versuche mit der neuen Schnellgerbemethode B ), der Gerber Jos. Watt zu Hervil in Sommerset suchte die Zeit der Weißgerberei zu verkürzen"), der Weißgerber Main zu Niort in Frankreich erhielt 1809 ein Patent * 7 ), die Schnellgerberei wurde 1819 nach einer 8 ) verbesserten Methode vom y Anzeiger 1816, S. 457. ') Keeß 1829, Bd. I, S. 65. °) Keeß 1829, Bd. I, S. 71. -) Almanach 1799, S. 565; 1804, S. 507. 4 ) Ebenda. °) Keeß 1810, S. 14. 7 ) Ebenda. 8 ) Galt. 1824, S. III.