199 Gerber auf dieses Leder zu lenken und dieser Lederart auch im Auslande einen guten Ruf zu sichern. Neues akutes Interesse erregte die Methode in Frankreich dann wieder um die Wende des 18. Jahrhunderts, wo die Republik, von ergiebigen Zufuhren abgeschnitten, in ihren vielen Kriegen genügenden, schnell hergestellten, guten Leders bedurfte, und wo Seguin, wie erwähnt, auch diese Methode zu verbessern suchte Z. Immerhin hatte sich das ungarische Leder in Frankreich auf Grund seiner historischen Vergangenheit einen so festen Platz erobert, daß während des ganzen 19. Jahrhunderts die Artilleriegeschirre ans diesem Material gefertigt wurden. Das ist wohl ein durchschlagender Beweis für die außerordentliche Güte, Haltbarkeit und Festigkeit dieser Leder sorte, wozu noch die kurze Herstellungszeit und ein niedriger Herstellungs preis gegenüber dem lohgaren Leder als vorteilhaft kommt ^). Damit wird es verständlich, daß das ungarische Leder besonders dort, wo es Zn Hause ist, stets einen festen Platz bewahrt hat, daß es hier sich sogar noch spezialisieren konnte, und so hat z. B. in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Riemermeister in Teschen folgende 10 Handels sorten von ungarischem Leder, von Riemen-und Zeugleder aufgestellt^): 1. Weißes Nähriemenleder (Rindshaut ohne Talg). 2. Dreschriemenzeugleder. 3. Weißes Peitschenleder (Rindshaut ohne Talg). 4. Rotes Nähriemenleder. 5. Braunes Leder zu Fuhrmannsarbeit und Wirtschaftsgeschirren. 6. Schwarzes Leder zu Fuhrmanns- und Wirtschaftsgeschirren. 7. Geschorenes Leder als das dauerhafteste und binnen 24 Stunden gegerbt. 8. Gedrehtes Leder, in Polen und Rußland Rzemien Kvonzonil genannt. 9. Halblohgares Alaunleder. 10. Grünes Zirmleder zur Ausnaht und Flechtung und zu Ver zierungen. Zu bedauern ist nur, daß das ungarische Leder nicht die Dauerhaftig keit von lohgarem besitzt Z, aber selbst im modernen Konkurrenzkampf hat die außerordentliche Haltbarkeit dieser interessanten, altertümlichen Ledersorte einen festen Platz selbst neben dem zu hohem Ansehen gelangten Chromleder gesichert. Auch jetzt noch werden in verschiedenen Ländern Militärgeschirre daraus hergestellt^), durch geeignete Behandlung wird es den lohgaren Ledern äußerlich täuschend ähnlich gestaltet, seine Fabrikationsweise hat sich unserer Zeit angepaßt, indem das Ein- 0 Almanach 1804, S. 509. 2 ) Schmidt und Wagner 1905, S. 1032 ff. b) Gintl 1873, S. 71. 4 ) Schmidt und Wagner 1905, S. 1032 f. °) Schuh und Leder 1904, Nr. 4, S. 42—43.