213 werk, welche er teils in Eigenbesitz, teils in Pacht hat; neben den 100 Häuten und Fellen, welche er durchschnittlich jährlich gerbt, ist der Ertrag aus der Ökonomie ziemlich bedeutend. Ein Gerber bei Winds heim hatte 1886 ein Einkommen von 1500—1800 Mark aus einem Grundbesitz von 35 Tagwerk, und ein Weißgerber in Sachsen besitzt eine Ökonomie von 30 Scheffel Land und 4 Kühen; dieser letztere Grundbesitz verteilt sich so, daß 23 Scheffel Acker einen jährlichen Ertrag von etwa 100 Ztr. Korn bedeuten, die übrigen 7 Scheffel als Wiese für die Viehzucht erhalten werden. In all den letztgenannten Fällen ist das Einkommen aus der Ökonomie größer als aus der Gerberei; man sieht aus den Beispielen einerseits, wie das Verhältnis zwischen Gerberei und Landwirtschaft ein wechselndes ist, andererseits aber, wie der Besitz von genügendem Grund und Boden einen leicht zu bewerkstelligenden Rückzug der kleinen Gerber auf das sichere Ein kommen aus der Landwirtschaft zuläßt; ein derartiger Rückgang des Gewerbes, also eine Rückkehr zum originären Nahrungserwerb durch Ackerbau und Viehzucht, ist eine für Weißgerber seltene, allerdings nur in dünner besiedelten Gegenden mögliche, aber sehr begrüßenswerte Er scheinung, weil solche Vorgänge schwierige soziale Probleme nicht er zeugen. Die kleineren wohlhabenden Gerber mit Grundbesitz gestehen fast alle, daß schon ihr Vater und Großvater den Grund ihres Wohl standes mit der Ökonomie gelegt habe, während sie andererseits zugeben, daß der Verdienst aus dem Handwerk ein leichterer sei, weil ihnen die Gerberei für den Fall flotten Geschäftsganges in sechs oder sieben Arbeitsstunden ebenso viel einträgt, als die Landwirtschaft in einer mühsamen, langen Tagesarbeit. Hauswerk, Lohnwerk, Preiswerk, Gewerbe und Landwirtschaft gehen bei diesen kleineren Landgerbern in buntem Gewirr durcheinander, und das scheint nach den oben angeführten Bei spielen dieser Kategorie schon immer, vielleicht schon seit homerischen Zeiten, so gewesen zu sein, so daß es schwierig ist, diese Kategorie von gewerblichen Arbeitern eindeutig in dem scharfen System klarer Defi- uitiouen unterzubringen; ihr Grundbesitz ist wechselnd, das Einkommen uus dem Gewerbe ist schwankend, die Betriebsformen des Gewerbes gehen so bunt und verwirrt durcheinander, daß Hauswerk über Lohn- b>erk und Preiswerk, selbst bis zur Fabrikarbeit, an dem gleichen Tage nebeneinander an den gleichen Produzenten beobachtet werden können, wobei je nach der momentanen Lage der Verhältnisse alles neben einander besteht, oder der eine Teil auf Kosten des anderen zeitenweise zurückgeht oder verschwindet; die Formen des gewerblichen Betriebes sind eben mehr oder weniger theoretische Abstraktionen, deren reinliche Scheidung das praktische Leben nur selten kennt. Eine eigentümliche Form des Gewerbebetriebes, welche, wie alle