218 des Lohnwerks zurück, und zwar zu dieser in einer zweifachen Weise. Entweder nämlich beschränkten sie sich auf die typische Lohngerberei für den Privatkunden, welche hauptsächlich Sämischgerberei neben wenig Weißgerberei an Schaffellen oder Schaf- und Katzenpelzen umfaßt; die kleinen Weißgerber, welche ich besuchte, üben sämtlich fast nur noch Lohngerberei aus, und es ist nicht uninteressant, in ihren Auftrag büchern zu blättern, um hier zu sehen, wie einerseits die Zahl der Aufträge von Jahr zu Jahr abnimmt, andererseits aber zu sehen, wie von Jahr zu Jahr die immer weniger werdenden Aufträge aus immer weiteren Fernen zu ihnen gelangen. Es ist das ein Zeichen dafür, daß zuerst in ihrer näheren, und dann in immer fernerer Umgebung die Weißgerbereien eingegangen sind, bis die betreffende Lohngerberei schließ lich noch den einzigen Gewerbetreibenden dieser Art in einem großen weiten Territorium darstellt. Hat dieses Territorium schließlich eine gewisse obere, und die Lohnarbeit eine gewisse unter Grenze erreicht, dann geht die Lohnarbeit, soweit Sämischgerberei vorliegt, durch zwei Hände; denn nunmehr rentiert die alte, der Erhaltung sehr bedürftige Sämischgerberwalke nicht mehr; daher geht diese ein, und der Lohngerber wässert, äschert, entfleischt und enthaart die Häute zwar noch selbst, aber zum Walken schickt er die Blößen in die Fabrik oder an irgendeinen anderen Sämischgerber, welchem der Zufall in halbwegs handlicher Nähe noch eine Walke aufgehoben hat. Letztere Form des Betriebes kann man wohl als eineZwerggerberei, als einen Zwergbetrieb bezeichnen, nämlich unter dem Gesichtspunkte, daß die Aufträge bereits so gering geworden sind, daß sie nicht einmal mehr die Erhaltung der zum vollen Betriebe nötigen Betriebsmittel ermöglichen; freilich ist gerade die Walke in ihrer durch Wasserkraft betriebenen Form ein für kleinere Geschäftsbetriebe ziemlich kostspieliges Betriebsmittel; allein, wir haben gesehen, daß auch da eine Rückkehr zu einer einfacheren Form mit Handbetrieb gefunden werden kann; daß die einfachere Form dieses Betriebsmittels so äußerst selten vorhanden ist, ist auffallend, und beweist die geringe Initiative des allerdings oft tief genug gesunkenen Handwerks, wenn es gilt, die eigene Selbständigkeit zu verteidigen. Diese letztere Form erinnert aber auch noch an ein anderes Betriebs system, nämlich an die Hausindustrie insofern, als sich hier zwischen dem an der Walke arbeitenden Gerber und den Privatkunden als Mittelsperson der bis zu einem gewissen Grade eines kleinen Marktes kundige Zwerggerber einschiebt; dies sei nur angeführt, um zu zeigen, zu welch interessanten ökonomischen Verhältnissen ein Betriebsmittel, wie es die Walke ist, Anlaß geben kann. Es ist eine Form der Arbeits teilung im kleinen, aber veranlaßt durch ganz andere Motive, als man