249 ohne Mantel, Hut oder Kragen für des äußersten Meisters Hauß gehen; es sei denn, daß einer Walckgeschäft zu verrichten hätte, soll selbiger des Mantels überhoben sein" 1 ). Ähnlich lautet die Bestimmung für den Werktag; ähnlich, nur noch eingehender, sind die Bestimmungen 1671: Es soll keiner ohne Mantel oder Degen oder mit bedecktem Haupt im Handwerk erscheinen. Der „Umbschaugesell" soll nicht ohne Mantel und ohne Degen einem fremden Gesellen umschauen oder das „Glaidt" geben. Es soll keiner an Sonn- oder Feiertag ohne Mantel oder Degen vor des äußersten Meisters Haus gehen. Es soll keiner am Werktag „ohn Schurtz, Huet oder Kragen", oder mit „kallichtem Gesicht, Händt oder Schuehen" vor des äußersten Meisters Haus gehen. Abbildungen von Rotgerbern finden sich im Kupferstichkabinett des Germanischen Museums 2 ); die Zunft mitglieder hatten stets die wichtigsten Abzeichen ihres Handwerks mit sich zu führen, so auch beim Heiratsantrag. Der Anzug des Gerbers besteht aus Halbschuhen, langen Strümpfen, kurzen Hosen, kurze Schürze, Weste, Rock und Zipfelmütze. In der Hand hält er das Schabeeisen. An Handwerksladen, welche den vornehmsten Besitz des Handwerks bildeten, findet sich eine von Rotgerbern bei Herrn Gerbereibesitzer Walther in Langenzenn, eine andere im Rothenburger Ortsmuseum, eine Weißgerberlade beim Obermeister der Gerberinnung Kirchenhain 2 ). Ein prachtvoller silberner Pokal des Nürnberger Rotgerber-Hand- werks befindet sich im Besitze von Herrn Antiquar Christian Wohlbolt zu Nürnberg, Augustinerstraße. Ein steinerner bauchiger Krug des Weißgerberhandwerks zu Kirch- hain steht beim Obermeister dieser Innung; der Krug ist aus grauem Steingut gefertigt, er faßt etwa 15 Liter und trägt die Aufschrift: „Das Weiß- und Sämisch Gerber Gewerck in Kirchhain 1856." Diese Auf schrift ist in der für Steinkrüge üblichen blauen Farbe angebracht. Beim Obermeister in Kirchhain befindet sich aus dem Jahre 18t 1 auch noch ein eiserner Stempel zum Zeichnen der Felle; der Stempel zeigt weiter nichts als die nebeneinander stehenden Buchstaben DWHIK (Das Weißgerber Handwerk in Kirchhain). Hingewiesen sei bei dieser Gelegenheit noch auf mehrere gestochene Holzmodeln im Rothenburger Ortsmuseum, welche dazu dienten, dem Leder Zeichnungen aufzupressen. Unter den Bronzeepitaphien aus Nürnberger Friedhöfen findet sich das eines Lederers aus dem 16. Jahrhundert im Germanischen Museum mit der Aufschrift „Augustin Kolb Lederer". Endlich sei noch erwähnt, daß die Nürnberger Weißgerber einen 9 Augspurg ca. 1800; Augsburg 1671, 7, 19, 25, 26. *) Siehe auch Jörissen 1909, S. 18, Bild 54. 3 ) Siehe Einfalt 1910, S. 81; Königsberg 1737, XI, XII; Frisius 1708, S. 430.