287 ihren Bedarf zu decken. Andererseits finden hier auch die großen Leder auktionen statt, jeder kann den großen Markt besuchen, sowohl zur Befriedigung seines Bedarfs, als zur Unterbringung seiner Produktion. Das dritte Moment endlich, welches die Lebensfähigkeit dieser Gerber ermöglicht, liegt in der Natur des weißgaren Produktes; denn trotz der Überlegenheit des Chromleders gegenüber dem gewöhnlichen weißgaren, speziell in bezug auf Wasserdichtigkeit und Widerstandsfähig keit gegen Feuchtigkeit, ist es die schöne weiße Farbe des Leders, welche kein anderes Produkt der Lederindustrie bisher aufzuweisen hat, und welche die Hervorbringung der reinsten und zartesten Farben auf dem selben ermöglicht*). Der Kampf der Produktionsprinzipien untereinander, welcher in § 14 dargestellt wurde, ist nach seinem je weiligen Stande natürlich entscheidend über das Stehen und Fallen des Gewerbes überhaupt. Eine letzte Art der Weißgerberei endlich, welche wir kennen gelernt haben, ist die Glace gerb er ei; über ihre Einführung wurde schon früher gehandelt Für sie gilt alles das über die Weiß- und Rotgerberei Gesagte, mit welcher sie in allen Punkten eine außerordentliche Ähnlich keit besitzt; sie hat nur noch eine im allgemeinen viel größere Neigung, sich den Fabriken, welche ihre Produkte verbrauchen, in der Form der Kombination anzuschließen, nämlich der Handschuhindustrie. Kombiniert mit dieser wurde sie schon nach Deutschland importiert; daher ist die Handschuhindustrie in Deutschland wohl das erste Ledergewerbe gewesen, in welchem die Vereinigung der verschiedenen Stufen der Produktion stattgefunden hat, und ihr enger Anschluß an die Handschuhindustrie ist auch die Ursache, warum sich jedes dieser beiden Gewerbe für sich ziemlich schwierig betrachten läßt. In völliger Analogie mit den Weiß- und Lohgerbern ist das Vorkommen der Glacegerber beschränkt auf die Plätze großer Nachfrage und großer Produktion, also entweder gemischt mit vielen Weiß- und Rotgerbern, oder im Anschluß an die Hauptsitze der Handschuhfabrikation. Hin und wieder treten in den Adreßbüchern aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts „Weißgerber" in größeren Städten auf, und diese entpuppen sich häufig als Glacegerber, welche sich nicht selten sogar zu Handschuhfabriken weiter entwickeln. Die Lebensfähigkeit dieses Handwerks hängt ab von den gleichen Momenten, wie die des Weiß- und Rotgerberhandwerks; außerdem er scheint das Handwerk der Glaccgerber gefährdet hauptsächlich aus seiner Neigung zur Kombination, indem nämlich die großen Handschuh fabriken die kleinen Existenzen aufsaugen, wobei dann diese geschickten Arbeiter ein gutes, sicheres und von Konjunkturschwankungen sehr nu tz Gerbercourier 1906, Nr. 15. tzVgl. S. 208ff„ 245—246. tzVgl.S.35.