289 Becher „mit dem Kurfürsten zu Pfaltz, Carl Ludewig, wegen Mannheim uegotüret", wohin er ihm unter anderem auch Lederbereiter zur Er richtung einer Lederbereiterei kommen lassen sollte x ); es ist weniger bedeutungsvoll, daß dieser Plan nicht durchgeführt wurde, weil Becher bald darauf die pfälzischen Dienste verließ, und es erscheint die Tat sache allein schon beachtenswert, daß damals solche Ideen überhaupt zirkulierten. Als dann später Becher in österreichischen Diensten im Manufakturhaus auf dem Tabor in Wien seine wirtschaftspolitischen Gedanken teilweise verwirklichen konnte, war unter den dort errichteten Anlagen die Gerberei nicht vertreten ^). Weitere Fortschritte brachte erst der Anfang des 18. Jahrhunderts, wo entweder in staatlichem Besitz oder unter besonderem st aat- lichemSchutz allenthalben solche Manufakturen entstanden. Entsprechend der damaligen Überlegenheit des Auslandes über die deutschen Gewerbe wurden zur Einrichtung und Leitung solcher Manufakturen häufig Aus länder herangezogen; die mit diesen gemachten Erfahrungen sind in dessen keine günstigen gewesen, weil die starke staatliche Privilegierung und die kräftige staatliche Unterstützung den Leitern dieser Einrichtungen die wesentlichste Eigenschaft des Unternehmers, nämlich das Verant wortlichkeitsgefühl entzog; Unterschlagungen und starke Defizite waren nicht selten, und deshalb gingen viele dieser Gerbereien nach kurzer Lebensdauer wieder ein. So wurde 1716 zu Königsberg durch zwei englische Lohgerber eine stark privilegierte Manufaktur errichtet, welche schon nach 10 Jahren In den Besitz der dortigen Schuh-Macher-Gewercke gelangtes; bald nachher entstanden zwei Manufakturen in Hannover H; in Böhmen wurde eine Manufaktur sämischen, Brüsseler, dänischen, Weißgaren und auch lohgaren Leders hauptsächlich für Handschuhmacherei eingerichtet 5 ), und 1762 ward eine bayrische Ledermanufaktur an eine ausländische Kompagnie cum privilegio speciali abgetreten H. 1722 bestand eine unter der hochfürstl.-brandenburgischen Hof-Raths-Canzley zu Ansbach stehende „Gerberey-Fabrique" zu Flachslanden ü, und 1728 war der „Bischof zu Würtzburg . . . ohnumgänglich veranlaßt worden, zum allgemeinen besten und offenbaren Nutzen dero getreuer Lands-Unter- thanen einige besondere Lederfabriquen in dero Hochstift Wirtzburg auf richten" und „auf das zu verkauffende Leder einen gewissen accis setzen zu lassen" 8 ). 1732 erging von Ansbach aus ein markgräfliches Dekret, *) Bücher 1722, S. 12; vgl. auch Commercien-Tractat, S. 436. 2 J Vgl. Hatschek 1886. 8 ) Krünitz 1795, Bd. LXIII, S. 499 ff. 4 ) Ebenda S. 498. °) Ebenda S. 497. 6 7 J Ebenda S. 492. 7 ) Langenzenn, Tom. I, 16. fase. 21. 8 ) Würzburg 1728. ®6ect, Entwicklung der Weißgerberei. 19