292 Verwendung einer etwas größeren Zahl von Arbeitern: 1 Meister, 5—8 Gesellen, ja sogar 13 und mehr; so sieht man, wie sich die Manu faktur als eine extensivere und intensivere Fortbildung des Handwerks entwickelt hat. Wir haben gesehen, daß für viele lebensfähige Weiß- und Rotgerbermeister, wie auch für viele Glacegerber meister ein Gesellenbestand von 6—8 das normale ist. Fassen wir das alles zusammen, so ergibt sich, daß der Produktionsumfang des von den Refugics eingeführten „Handwerks" etwa den Umfang der deutschen „Manufakturen" des 17./18. Jahrhunderts darstellt, und daß letzterer wiederum als Normalgröße der heutigen Handwerker betrachtet tverden darf. Betriebe mit 1—5 Hilfsarbeitern, wie dies die Zählung der amtlichen Statistik ist, erschöpfen keineswegs, wenigstens soweit die Glacegerberei und die Weiß- und Rotgerberei in Frage kommt, den Umfang des lebensfähigen Handwerks. Wir werden späterhin bei der Betrachtung der Fabrik noch einmal auf diesen Punkt zurückkommen, daß nämlich die Zahlenverhältnisse der Hilfskräfte für Handwerk, Fabrik und Großbetrieb in einer Umbildung begriffen sind, daß die alten Größenverhältnisfe, mit welchen man zu rechnen gewohnt ist, umgewertet werden müssen. Nachdem der Staat in dieser Weise bahnbrechend vorgegangen war, folgten privateManufakturenin reicher Anzahl nach. Ihr Charak teristikum ist ebenfalls, wie das schon im Altertum der Fall gewesen war Z, hauptsächlich die Beschäftigung einer etwas größeren Zahl von Arbeitern; daneben tritt gelegentlich noch, letzteres allerdings haupt sächlich für die Lohgerberei geltend, der Eigenbesitz der Stampfe auf; dagegen ist Arbeitsteilung zwar nicht unbekannt, aber sie ist systematisch in kapitalistischer Tendenz noch nicht streng durchgeführt. Einige Beispiele mögen diese Verhältnisse illustrieren. Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde einem sich vergrößernden Gerber „der vorhabende Anhang zu aptirung eines Lohe-Mühlgens" in seiner Lederfabric oder Gerberey nicht gestattet, und wir ersehen aus seinem Antwortschreiben, daß ihm die Mißgunst der Gerber diesen abschlägigen Bescheid eingetragen hat; denn sie sind der Ansicht, daß er jährlich für über 3000 fl. Häute gerbe und den anderen Gerbern vor der Hand wegkaufe 2 3 ). Die Kameralisten machten zwar alle möglichen An strengungen, den Manufakturen das Bürgerrecht zu verschaffen, sie weisen darauf hin, daß sich kapitalkräftige Kaufleute an den Leder manufakturen beteiligen müssen 8 ), der Staat soll die Ledermanufakturen unterstützen Z, sie weisen auf ausländische Vorbilder hin, so auf eng- y Vgl. Speck 1900, Bd. I, S. 249; Bd. II, S. 270; Blümner 1869, S. 64. 0 Würzburg, V, 2028, Tom. I, 1615—1746. 3 ) Becher 1759, Bd. II, S. 1373. 4 ) Vgl. Pfeiffer 1780, Bd. I, Einleit, und S. 183 f.