298 der Betrieb zu einem kompletten ergänzt, welcher nun weiße und braune Schaffelle nebeneinander erzeugt; fo bald aber eine gewisse Größe erreicht ist, hält die Chromgerberei ihren Einzug in solche Betriebe, und diese gestalten sich, äußerlich ihrem Umfange und der maschinellen Einrichtung der Zurichterei nach, innerlich nach den Mengen und der Art des Umsatzes, zu andersgearteten industriellen Gebilden um. Ebenfalls zu einer Umgestaltung, aber in einem abermals anderen Sinne, neigt die Glacegerberei. Während nämlich die Schuhfabrikation erst in verhältnismäßig neuer Zeit wieder zur Kombination übergegangen ist x ) — letzteres freilich auch keine neue Erscheinung, wenn man an die alten Gerberhöfe der Schuhmacher denkt, welche oben^) mehrfach erwähnt wurden — trat bei uns die Glacegerberei gleich in so engem Anschlüsse an die Handschuhmacherei auf, daß die Vereinigung der beiden Gewerbe in einer einzigen Hand fast bei jedem Betriebe immer nur eine Frage der Zeit ist. Wir haben gesehen, daß die beiden Gewerbe schon bei ihrem Größerwerden in Frankreich hauptsächlich aufeinander angewiesen waren, und das Aufblühen der beiden Gewerbe fällt auch in Frankreich in eine Zeit, wo die zünftlerischen Gewerbebestimmungen nicht mehr allzu engherzig befolgt wurden. Wir können im Gegenteil die Trennung beider Gewerbe unter der Kategorie derSpezialisationen aufführen. Wir haben gesehen, daß auch das keine neue Erscheinung ist; als ältere Beispiele dieses wirtschaftlichen Vorganges wurden oben angeführt die Pariser Pergamenter, welche die fertigen Blößen von den Weißgerbern bezogen, oder die reinen fran zösischen Sämischgerber, welche ebenfalls nur in die ihnen gelieferten Blößen noch den Tran einwalkten und die Zurichtung besorgten; auch sonst kommen ähnliche Zustände vor; die Astrachan'schen Saffianfabri kanten pflegten um die Wende des 18. Jahrhunderts vielen Häuten nur die erste Zubereitung zu geben, und diese dann an die Perser zu verkaufen, welche die Bearbeitung vollendeten, und dann die fertigen Häute nach Europa brachten^); um die gleiche Zeit ließ man auch in Deutschland die schon für Corduan teilweise zubereiteten Bockfelle aus der Türkei über Venedig kommen, und nur das Narben, Glätten und Färben besorgte man noch selbst^). Eine weitere Art der Spezialisation ist die Trennung der Leder färberei von der Glacegerberei; es gibt eigene Lederfärbereien 6 ), meist aber vereinigt sich dann die von der Glacegerberei abgetrennte Leder färberei mit der Handschuhmacherei. So stellte das Haus Jouvin und Doyon in Paris, welches schon 1855 jährlich 10000 Dtzd. Paar ') Vgl. Behr 1908, S. 35. -) Vgl. S. 136 f. ') Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 147. 4 ) Beckmann 1796, S. 289; Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 178. 8 ) Vgl. SB. b. Erf. 1874, S. 427; Ledermarkt 1893, S. 1236.