301 Weiß- und Rotgerberei sowie der Glacegerberei vorerst existenzsähiger zu sein scheint, soweit nicht die oben dargelegten Verhältnisse einen Rückgang desselben bewirken. Der Einfluß der Abgaben aus Häute und Leder, welcher ost einen sehr störenden Charakter angenommen hat*), der Übergang der Lederschaugebühren in Lederzölle 2 ), Export prämien, Schutzzoll und Finanzzoll in seinem Einfluß aus die Leder industrie^) und endlich der Veredlungsverkehr, welcher zwar sür die Handschuhindustrie, aber nicht sür die Weißgerberei von Bedeutung ist 4 ), das alles kann in diesem speziellen Zusammenhang keine Berücksichtigung flnden. Auf den Einfluß der Kriege auf das Ledergewerbe wurde schon mehrmals hingewiesen"); im 19. Jahrhundert beeinflussen sie hauptsächlich durch ihren direkten Bedarf auf Grund der Umgestaltung der Produktionsprinzipien nur noch die vegetabilische Gerbung, und damit die Werkstätten ihrer Ausübung, während die Weißlederindustrie nur indirekt von den Kriegen alteriert wird; so ging die Berliner Weiß- und Sämischgerberei nach den Kriegen von 1813/14 ein, weil die in den Rheinlanden blühende Lederindustrie, welche ihren Absatz nach Frankreich versperrt sah, nun auf den deutschen Märkten zu domi nieren begann"). Umgekehrt war, worauf ja auch schon hingewiesen, der Erfolg von 1870/71; denn als nach dem siegreichen Ausgang dieses Krieges die ausländischen Aufträge speziell für Handschuhleder und für Handschuhe nicht mehr nach Frankreich, sondern nach Deutschland flössen, nahm die Handschuhsabrikation in Deutschland tagtäglich einen größeren Aufschwung; diese so bedeutend erhöhten Ansprüche an die Leistungs fähigkeit der Fabriken führten zur Gründung vieler neuer, großenteils mehr auf den Kaufmann als auf den Gerbereiverständigen aufgebauter Etablissements. Die Rückwirkung dieser plötzlichen ungesunden Ent wicklung der deutschen Handschuhindustrie blieb nicht aus; denn nach dem die ersten Waren an ihrem Bestellungsort angelangt waren, sahen die Besteller, daß dieselben sich mit der früher aus Frankreich bezogenen Ware nicht messen konnten; daher reduzierten sich die überseeischen Auf träge sehr bald wieder auf die ursprüngliche Größe, und die Handschuh- industrie, und damit die Glaccgerberei, gingen stark zurück?) In der Folge nahm dann die deutsche Glacelederindustrie im erfolgreichen Kon- tz Vgl. z. B. Schauplatz 1775, Bd. IV, S. 124. tz Vgl. Leder-Schau-Ordnung 1773; Würzburg 1728. tz Vgl. Jörissen 1989, S. 379; Gülich 1830, Bd. IV, S. 266, 269; Gunzen hausen 1798—1804; 1803. *) Vgl. Jörissen 1909, 392. tz Vgl. Würzburg 1702; Schauplatz 1766, Bd. V, 324; Gunzenhausen 1798 bis 1804; 1800; Würzburg 1818/1819; Bormans 1863, S. 7b; Gerber Courier 1901, Nr. 3b; 1890, Nr. 8 u. 10; Behr 1908, S. 23; Deutsche Gerberzeimng 1883, Nr. 48; 1876, Nr. 47, Beil. °) Wicdseldt 1898, S. 73, 91, 364. tz Lederausstellung 1878, S. 19b.