318 Veranlassung gegeben, aus Abfällen wieder ganzes Leder zu machen x ), sogar das natürliche Leder durch künstliche Lederstoffe zu ersetzen^), letzteres freilich Versuche, welche bis jetzt ein brauchbares Resultat nicht gezeitigt haben. Ein außerordentlich wichtiges Moment, welches in diesem Zu sammenhange erwähnt werden muß, stellt das Problem der Leder- entfettung dar. Es enthalten nämlich alle Schafhäute in der Rücken linie und am Halse eine geringe Fetteinlagerung, welche manchmal so stark wird, daß sich das Schaffell zum Weißgerben überhaupt nicht mehr eignet; solche Schaffelle werden dann braun gemacht, besitzen aber auch dann noch an den Stellen starker Fetteinlagerung eine dunklere Färbung und einen unangenehm fettigen Griff, sie sehen aus, als ob sie große Fettflecke hätten. Solche stark fetthaltige Schaffelle waren durch das ganze Mittelalter bis in die neueste Zeit eine Quelle endlosen Ärgers und nie endender Auseinandersetzungen. Ein Zusatzdekret zur Nürn berger Jrher-Ordnung von 1608 besagt, daß die Weißgerber Macht haben sollen, die Felle, welche zu ihrem Handwerk nicht tauglich sind, den Rotgerbern oder anderen, welche sie verarbeiten können, „wie von alters gebreuchlich" zu verkaufen 3 ). Da andere Gewerbe keine Ver wendung für diese Schaffelle hatten, befanden sich die Weißgerber den Rotgerbern gegenüber in einer Zwangslage, und diese führte auf Grund der Ausnutzung der Lage durch die Rotgerber regelmäßig dazu, daß die Weißgerber diese zum Weißgerben ungeeignete Ware selbst mit Lohe braun gerbten, was natürlich als Gewerbsübergriff von den miß günstigen Rotgerbern stets gerügt wurde. Noch 1818 Z, sogar noch 1842 5 ), wurden Weißgerber wegen solcher Übergriffe zur Rede gesetzt, und sie gaben unumwunden zu, braunes Schafleder gegerbt zu haben, weil man beim Einkauf nicht jedes Fell durchsehen kann, und weil sich dann diese zum Weißgerben ungeeigneten sog. Speckhälse darunter be finden, welche ihnen von den Rotgerbern nicht abgenommen werden. Die Lösung dieses Problems der Lederentfettung ist eine Errungen schaft erst der letzten 10—15 Jahre. Vornehmlich in England ver suchte man zuerst durch warme hydraulische Pressung der von Wolle befreiten nassen Häute die Entfettung zu bewerkstelligen; da man jedoch auf diese Weise nicht alles Fett zu beseitigen imstande war, ging man in den großen Etablissements von Argentinien auf die Fettextraktion mit Benzin und Methylalkohol über 3 ); zuerst im Anschluß an große Gerbereien, dann als selbständige Lohn-Lederentfettungsbetriebe ent- -) Keeß 1829, Bd. I, S. 67, 68, 69; Almanach 1802, S. 649. -) Keeß 1829, Bd. I, S. 67 f. ») Nürnberg 1539, Okt. 1608. 0 Rothenburg 1818, 1818. °) Rothenburg 1818, 1842. o) Allgemeine Gerberzeitung 1904, Nr. 6, @. 2.