319 standen auch in Deutschland derartige Etablissements, wo in riesigen Extrakteuren mehrere hundert Felle mit kaltem Benzin in 1—2 Stunden extrahiert werden, worauf in geeigneten Destillationsapparaten eine Regeneration des reinen Benzins und eine Ausscheidung der extrahierten Fettsubstanzen erfolgt. Derartige moderne Betriebe sind besonders im Hinblick auf die Erfüllung der Forderungen von Feuersicherheit sehens wert, ihre Rentabilität ist, da die Felle bis 40°/, (also fast die Hälfte des Fellgewichtes!) an Cholesterinen enthalten, welche zur Seifen- und Kerzenfabrikation Verwendung finden, eine gute, und der Standort dieses ganz modernen Industriezweiges ist selbstverständlich auf Haupt gerbereiplätze beschränkt. Als letztes Abfallprodukt, speziell der Weißgerberei, kommt noch das S t o l l m e h l in Betracht. Ich habe am Ende des ersten Teiles darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die hohen Ausgaben für das feine zum Gerben nötige Mehl, welches beim Stollen der Felle fast alles wieder ausgeschüttelt wird, zu erniedrigen. Wir haben dort gesehen, daß an Mehlquantität und -qualität nicht gespart werden kann. So erklären sich die Versuche, wenigstens das abfallende Stollmehl noch zu einem angängigen Preise wieder an den Mann zu bringen, so daß der Mehl bedarf einer Glacegerberei nur noch die Kosten zwischen Einkaufspreis des reinen Mehles und Verkaufspreis des Stollmehles beträgt. Das Stollmehl findet, der Zentner allerdings nur um wenige Mark ver kauft, Verwendung zu Kleister Z, zu Tapetenpappe °), zu Viehfutter und zu Weberschlichte 3 ). Ein Abfallprodukt der Sämischgerberei stellt das sog. Degras dar; es besteht aus dem beim Walken oxydierten und vom Fell nicht ge bundenen Tran, welcher nach dem Gerben wieder aus dem Fell aus gewaschen werden muß. Dieses Degras trug früher trotz seiner Eigen schaften einer geschätzten Lederschmiere doch mehr oder weniger den Charakter eines Abfallstoffes, während heute in eigenen Degrasfabriken die Überführung des Trans in Degras fabrikmäßig geleitet wird, so daß Sämischgerbereien und Degrasfabrikation allerdings auch heute noch stets verbunden sind, daß aber daneben die Herstellung dieses Produktes als selbständiger Fabrikationszweig vorkommt. Zum Schluß sei noch hingewiesen auf die Verwendung der ab- fallendenLohezu Düngemitteln 4 ), zum Räuchern 5 ), vor allen Dingen aber ihre Verwendung zur Lohheizung °); letzteres hat Veranlassung gegeben zur Konstruktion eigener Lohepressen, eigener Lohefeuerungen, 0 Gerberzeitung 1882, S. 254. 2 ) Gerber 1893, S. 270. 8 ) Schmidt und Wagner 1905, S. 475. 4 ) Gerbercourier 1891, Nr. 22. 6 ) Deutsche Gerberzeitung 1882, Nr. 60. °) A. London 1851, Bd. I, S. 422 f.