333 Platz bieten, und gerade die Nürnberger Ordnung von 1535, also noch aus der Zeit reicher Besetzung der Straße mit Jrhern, wie auch die aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammende Bemerkung: „so machen die irher ir prucken, steg und Hütten selber, darmit hat der stat paumeister nit zu tun" * *), zeigen uns, daß die Hauptgewerbetätig keit nicht in den Häusern, sondern an der Pegnitz stattgefunden hat. Noch auf einen Punkt sei hier hingewiesen, und dieser gibt uns den Schlüssel, warum die Jrherstraße so plötzlich von den Jrhern ge räumt wird, warum sie auf einmal ihren Charakter verliert. Bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts beträgt der Hypothekenzins meistens 4—6 Gulden, selten weniger, er sinkt bis 2 Gulden, und nur selten, wenn ein Hinterhaus vorhanden ist, oder wenn vier Gemächer unter zweien Dachungen vorhanden sind, steigt er über 8 Gulden; der Kaufpreis der Häuser beträgt etwa 100—500 Gulden. Dann aber steigt der Hypothekenzins auf 20, 25 Gulden, der Kaufpreis der Häuser steigt auf 1500—2000 Gulden, und als Ortsbezeichnung tritt in den Besitzwechselurkunden nunmehr der „Neue Pau" auf; es wird also hier gebaut, es werden schönere Häuser errichtet, die Irher haben die Mög lichkeit, ihre Häuser verhältnismäßig gut zu verkaufen, und so verlassen sie die Jrherstraße, um sich anderswo anzusiedeln. Hier erhebt sich nun die Frage, wohin sich die Irher begeben haben. Dicht neben der Jrherstraße befindet sich die Weiß gerberstraße, und manchen ihrer Häuser ist es noch anzusehen, daß in ihr wirklich Gerber gewohnt haben. In einem Nürnberger Manuskript aus dem 17. Jahrhundert finden wir: „Das übelriechende Handwerck der Weißgerber . . . haben eine eigene Gasse zwischen der Jrrergaßen und dem Neuanbau, nach ihrem Handwerck die Weißgerbergassen genannt" 2 ). Hieraus ergibt sich zunächst, daß, was auch die obigen Besitzwechsel urkunden gezeigt hatten, im 17. Jahrhundert die Jrherstraße von Jrhern ziemlich verlassen gewesen sein muß. Im übrigen geht aus diesem Satze kein klares Bild über die Besiedlung der Weißgerbergasse hervor; «inige Weißgerber mögen darinnen gewohnt haben, so wie vorher Irher in der Jrherstraße gewohnt hatten, aber die Hauptmenge derselben wohnte wahrscheinlich nicht dort, sie wohnte ebenso zerstreut wie die anderen Handwerke auch; wäre in Nürnberg eine strenge Einteilung nach Stadtquartieren vorhanden gewesen, dann wäre es nicht möglich, daß im 14./15./16. Jahrhundert so viele Handwerker anderer Professionen hätten in der Jrherstraße wohnen können. Die Nürnberger Meister bücher führen von 1383—1571 271 Irher auf; in der gleichen Zeit konnten wir als in der Jrherstraße wohnhaft nachweisen höchstens 41, 0 Bibl. des litt. Vereins zu Stuttgart, Bd. LXIY, S. 190 ff. *) Nürnberg, 17. 68.