845 Über den Standort der alten Weiß- und Sämischgerberei läßt sich verhältnismäßig wenig erfahren. Die in § 26 gegebenen Zahlen für Rotgerber und für Weißgerber geben uns auch das Material an die Hand, einiges über den Standort der Weißgerbereien auszusagen; denn der statistische Begriff des Standortes ist ein zahlenmäßiges Ver hältnis auf Grund einer statistischen Erhebung, sei es nach der Zahl der in einem Gewerbe beschäftigten Personen, oder noch besser, nach der Menge der erzeugten Güter. Eine genauere Kenntnis des letzteren Verhältnisses nun zu irgendeiner Zeit fehlt uns vollkommen. Die Kenntnis des ersteren Verhältnisses ist außerordentlich lückenhaft; denn die in § 26 gegebenen Meisterzahlen orientieren nicht über die Zahl der überhaupt beschäftigten Personen. Es gewinnt jedoch im allgemeinen den Anschein, als ob in großen und kleinen Städten, wie auch in den späteren Landzünften, woraus ja schon hingewiesen wurde, eben auf Grund der verschiedenen Pro duktionsgeschwindigkeiten wie auch auf Grund der verschiedenen mate riellen Lage normalerweise mehr Rotgerber vorhanden waren als Weiß gerber; da aber eine gedrücktere materielle Lage auch weniger Hilfs kräfte beschäftigt, so mögen die Zahlenverhältnisse der Meisterzahleu immerhin ein Bild, wenn auch nicht gerade einen quantitativen Aus druck der Verteilung beider Gewerbe geben; denn die Zahl der Rotgerber muß für uns, da Einwohnerzahlen meistens fehlen, eine — wenn auch mißliche — Grundzahl bilden, auf welcher das Verhältnis fußt. 2—3 Rotgerber auf eineu Weißgerber ist ein Verhältnis, welches man in mittelalterlichen Städten häufig findet; es ist möglich, daß diese Verteilung der normalen Bedürfnisbefriedigung entspricht; eine sehr starke Verschiebung dieses Verhältnisses mag dann angesehen werden als der Ausdruck eines über den lokalen Bedarf überwiegenden Vor handenseins von Rotgerbern oder Weißgerbern. Wir haben weiter gesehen, daß das sinkende Handwerk des 18. und 19. Jahrhunderts schneller bei den Weißgerbern zurückgegangen ist als bei den Rotgerbern: es sind in Volkach um die Mitte des 18. Jahr hunderts vorhanden 8 Rotgerber und 1 Weißgerber *), es ist hier das Verhältnis also 1:8; ähnliche Verhältnisse zeigen auch die in § 26 aufgeführten Zahlenreihen; sie lassen eine Verschiebung dieses Verhältnisses gut beobachten, und es möge genügen, wenn ich hier das Würzburger Beispiel wiederhole: Rotgerber Weißgerber Verhältnis 1808 16 8 2:1 1833 15 5 3:1 __ 1852 11 2 5,5:1 l ) Würzburg, 18/19.