351 aber von geringer Wichtigkeit im Vergleich mit der Ermöglichung dieses Standortes durch die Errungenschaften auf dem Gebiete der Extrakt fabrikation, ein Punkt, welcher von großer ökonomischer Bedeutung ist, weil er den handwerksmäßigen Betrieb der Weiß- und Rotgerberei unabhängig von Lohegebieten begünstigt und ermöglicht hat; denn vor der Einführung der Rinden- und Holzextrakte waren, wie oben kurz gezeigt wurde, die Lohgerbereien gebunden an die Rindenproduktions plätze; es war billiger, die Häute nach den Rindenzentren und das Leder nach den verschiedenen Punkten seines Verbrauches zu transportieren, als die Rinde nach dem Mittelpunkt der Rinderschlachtbezirke zu schaffen. Erst durch die Einführung des Quebrachoholzextraktes wurde dieser Zustand geändert ff, und dadurch wurde, allerdings hauptsächlich für die vegetabilische Gerbung, eine ganz andere geographische Verteilung ermöglicht; denn nunmehr wandert die Gerberei den Rohmaterialien oder ev. auch dem Absatz nach; so entstanden die großen Lohgerbereien an den Häuteimporthäfen, so konnte der irgendwo gelegene Weißgerber sich billig das vegetabilische Gerbungsmittel verschaffen, und so können auch die großen Schuhfabriken ohne Rücksicht auf die hohen Transport kosten für Lohe im Sinne der vertikalen Konfiguration sich eigene Gerbereien angliedern. Während also die Weißgerberei, besonders die Glacegerberei, in ihrem Standorte hauptsächlich dem Absatz folgt, sucht die Rotgerberei mit ihren Rohmaterialien, ursprünglich mit der Lohe, späterhin mit den Häuten und Fellen, in Beziehung zu treten, und wenn sie im Anschluß an die Weißgerberei auftritt, gehorcht sie häufig den Gesetzen, welche für den Standort der Weißgerberei maßgebend sind, und dieses letzte Verhältnis, ein Ergebnis der letzten Phase, wurde erst ermöglicht durch Einführung des Gerbestoffextraktes. 12. Kapitel. Die hygienischen Verhältnisse -er Wrißgerberei. 8 36. Die Wasserfrage. Unter einem doppelten Gesichtspunkt ist die Wasserfrage der Gerbereien ein Punkt von vitalster Bedeutung für dieses Gewerbe; Vgl. M. A. Gerbemethoden 1903, S. 11; auch Wirtschaftskunde 1904. Bd. III, S. 720.