353 gelegentlich gänzlich ausblieb *). Die Weißgerber in Köln hatten vor nehmlich die Gegend des Pellesgrabens, die Weißgerbereckgasse und die Weißbüttengasse inne; in diesen Straßenzügen der dicht bewohnten inneren Stadt liegen die Gerbereien noch bis heute, und seit der Kanali sation dieser Wasserläufe wird der Wasserbedarf durch eine Wasser leitung gedeckt * 2 ). In Nürnberg lag in der Jrhergasse das viel besuchte Jrherbad, dessen warme Abwässer die Weißgerber wohl zu benutzen wußten. In Konstantine, der Hauptstadt des algerischen Departements, liefert selbst den größten Gerbereien die städtische Wasserleitung das nötige Wasser 3 * ); in der Nähe von Tanger sind die aus rohen Ziegel bauten bestehenden Geschirre der Gerbereien nur mit Erde gedichtet, und sie befinden sich nur etwa 20 Fuß vom Hauptbrunnen entfernt, welcher Tanger mit Trinkwasser versieht H; in Tiflis sind die Gerber in einem Viertel der Stadt konzentriert, nämlich dort, wo die berühmten heißen Mineralquellen aus der Erde kommen, und wo sich deswegen auch alle Badeanstalten befinden 3 ); die Wiener Gerber beschwerten sich 1883, als die Benutzung der Hochquellenleitung für industrielle Zwecke ausdrücklich verboten wurde 3 * ), und 1800 wurde ein Gesuch eines Uffenheimer Gerbers, betreffend einen Anstich am Stadtbronnen der oberen Vorstadt, abgewiesen mit der Begründung, daß seine Mit meister sämtlich keine lausenden Brunnen haben, daß sein Betrieb nicht beträchtlicher sei als der der übrigen Gerber, daß er sich, wie die anderen Meister auch, mit dem aus seinem Ziehbrunnen geschöpften Wasser begnügen müsse, und daß, wenn ihn dieser wirklich in Not lassen sollte, er nur 50 Schritte vom öffentlichen laufenden Brunnen entfernt sei, wo er sich das allenfalls noch abgängige Wasser holen könnte 7 ). Diese Beispiele illustrieren einwandfrei das oben Gesagte, wie auch die Darlegungen des § 34 über die örtliche Lage der Weiß gerbereien, auf welche hier nochmals hingewiesen sei. Die Beschaffung genügenden und guten Wassers für seine Gerberei ist die Sorge des Gerbers selbst; aber die Sorge um die Abwässer im Interesse des allgemeinen Wohles ist die Aufgabe der Gesetzgebung; denn die Verunreinigungen durch Gerbereien sind von dreierlei Art; nämlich einmal sind es Verunreinigungen durch vorwiegend mineralische Stoffe, wie Kalk, und besonders Arsenik bei Weißgerbereien, zweitens stickstoffhaltige, säulnisfähige organische Stoffe, und drittens unter Um ständen Infektionserreger, wie z. B. die Milzbrandsporen, welche be st Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 108, 132. 2 ) Wirminghaus 1895, S. 250. st Schuh und Leder 1898, Nr. 22, S. 29. st Gerber Courier 1907, Nr. 34. st Gogitschayschwili 1891, S. 94. st Schönmann's Journal 1883, Nr. 34. st Uffenheim 1800. Ebert, Entwicklung der Weibgerberei. 23