380 Johann Friedrich in Rothenburg wegen der Brandenburgischen Weißgerber, ­ diese am Bartholomeimarkt feilhaben zu lassen *). Wurde so einerseits dafür gesorgt, daß die normalerweise geschlossenen Wirtschaften wenigstens zeitweise dem fremden Angebot geöffnet werden mußten, so bestanden andererseits genaue Bestimmungen über die den fremden Meistern zur Verfügung stehende Zeit auf den auswärtigen Messen und Märkten oder es war in anderer Weise ihr Verkauf möglichst beschränkt. Nach der Nürnberger Jrher-Ordnung von 1629 durften fremde Meister nur decher-weise (d. h. zehnstückweise 2 ) oder Hundertweise ­ verkaufen 8 ), nach einer Bestimmung von 1654 durften die fremden Weißgerber zu Landau nicht länger als einen Tag, zu Newstadt, Germersheim, ­ Bruchsall, Durlach usw. nur einen halben Tag feilhaben * 4 * 6 * ), in Speier dursten die fremden Weißgerber in der Nontags-messe nur ein paar Tage lang ihre Waren feilhalten 8 ), in Magdeburg durfte nach der Ordnung von 1686 kein ausländischer Weißgerbermeister in dem Herzogtum Magdeburg auf öffentlichen Jahrmärkten in Flecken oder Städten feilhalten; ausgenommen war nur die Heermesse zu Magdeburg für sämisches Leder und lederne Hosen 8 ); diese Bestimmung gab 1708 zu einer Beschwerde Anlaß, weil die fremden Weißgerber unter dem Vorwände, sie geben ihre Akzise von ihren Waren, „nach der Außleutung dennoch feilgehabt und verkausfet" hatten^); letzterer Punkt zeigt, wie auch die Eröffnung dieser Messe nur eine bedingte war, insofern die einheimischen Meister immer noch durch die Akzise wie durch einen Schutzzoll geschützt waren. Einzelne Messen, so die zu Frankfurt am Main, Frankfurt an der Oder, Braunschweig, Naumburg, haben sich für die Weißgerber zu Punkten von besonderer Bedeutung entwickelt, und diese Entwicklung scheint mehr auf Grund ihrer Lage als auf Grund einer etwa dort vorhandenen bedeutenden Weißgerberei vor sich gegangen zu sein. Einen besonderen Aufschwung erhielten diese Messen noch in den letzten Dezennien ­ des 18. Jahrhunderts 8 ), als sie einen Markt für die große Menge der nach Deutschland einflutenden fremden Manufakte darstellten. ­ Die Braunschweiger Messe z. B. wurde 1797 von 72 Hamburger ­ Kaufleuten bezogen, darunter waren 10 Händler mit Lederwaren ­ 9 ); die Leipziger Messe wurde 1802 von 37 Hamburger Kaufleuten bezogen, darunter 2 mit Lederwaren, einer ausschließlich mit Sämischleder"); ­ und die Messe zu Frankfurt am Main wird 1800 besucht ') Rothenburg 1671—1695, S. 262. -) Vgl. Jacobson 1782, Bd. I, S. 401; Beckmann 1805, Bd. V, S. 45. s ) Nürnberg 1629. *) Speyer 1654—1685; 1654. 6 ) Speyer 1655. °) Magdeburg 1686, 32 lens. ’) Magdeburg 1708. 8 ) Gülich 1830, Bd. IV, S. 671 ff. °) Hamburg 1805, S. 273-278. «) Hamburg 1805, S- 280—281.