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        <title>Die Entwicklung der Weißgerberei</title>
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            <surname>Ebert</surname>
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      <div>40 
reichischen Rohschafhäuten wegen deren kräftiger, fettreicher, egalstarker 
Beschaffenheit, nicht aber aus solchem Material deutscher Provenienz 
erzeugen *), und auch die, je nach Herkunft in der Hautsubstanz uni&amp;gt; 
im Aufbau sehr verschiedenen Ziegenfelle verlangen zu ihrer Überführung 
in Chromleder eine strenge Auswahl und ein strenges Sortiment der 
ausgewählten Rohware^), woraus folgt, daß dieser Artikel nur in der 
Großfabrikation und als Spezialität konkurrenzfähig erzeugt werden kann. 
Die Erzeugung von Standard-Ware durch Aufzucht geeigneter Tiere, 
durch Reinzucht oder Kreuzung von Rassen, durch geeignete Fütterung, 
Haltung, Pflege, stellt im Hinblick auf die oben dargelegten Verhältnisse 
ein wichtiges agrarpolitisches Problem dar, dessen Schwierigkeit ein 
leuchtet, wenn man bedenkt, daß z. B. bei einem Tier, wie beim 
Schaf, Wolle, Haut und Fleisch in gewollter Weife beeinflußt werden sollen. 
Die Provenienz eines Hautmaterials enthält für den Fachmann 
außer den bisher dargelegten und durch konvergente Züchtung oder 
durch unmittelbare Bewirkung einer Tierspezies aufgezwungenen Quali 
täten oft auch noch eine Reihe von Eigenschaften, welche vielleicht mehr 
äußerlicher und unbedeutender Natur erscheinen mögen, deren große 
technische und damit wirtschaftliche Bedeutung aber sofort einleuchtet, 
wenn man etwa auf großen Auktionen große Mengen von Rohmate 
rialien gleicher Herkunft aufgestapelt sieht. Die oft von Kletten ganz 
durchsetzten marokkanischen Wollen z. B., welche zur Entfernung der 
Kletten vor ihrer Verarbeitung um die Kosten der Karbonisation ver 
teuert werden, beeinflussen natürlich auch den Preis des diese Wollen 
tragenden Felles, die nordamerikanischen Häute weisen zahllose Ver 
letzungen infolge der Stachel draht Umzäunungen der Weiden auf^), 
schon im merkantilistischen Frankreich war es verboten 4 ), an ansteckenden 
Krankheiten gefallene Schafe weißgar zu machen, und Parasiten 
aus den verschiedensten Tierklassen entwerten auch heute noch gelegentlich 
Haare oder Haut oder beides; dazu kommen dann oft noch die ganz 
bestimmten Provenienzen eigenen Brandmale zum Zeichnen der Tiere, 
die spezifischen, oft ganz unsachgemäßen Methoden der Konservierung^ 
und andere Schäden, lauter Momente, welche natürlich in der Preis 
bildung des Fachmannes einen geradezu instinktiven Ausdruck finden. 
Man möchte diese spezifischen Qualitäten einer bestimmten Provenienz 
fast mit den Platzusancen einer Börse oder einer Auktion vergleichen, 
es sind die stillschweigend vorausgesetzten, jedem Besucher bekannten 
Bedingungen, unter welchen er kauft. 
i) Gerber 1883, S. 114. 2 ) Gerber 1802, S. 291. 
3 ) Ledermarkt 1908, Nr. 77. l ) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 129. 
°1 Vgl. z. B. Hausner 1875, S. 354; Schuh und Leder 1902, Nr. 21 bis 
23, 31; Zeitschrift für Angew. Chemie 1910, S. 430.</div>
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