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        <title>Die Entwicklung der Weißgerberei</title>
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            <forname>Georg</forname>
            <surname>Ebert</surname>
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            <idno>883887894</idno>
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erweitert,  aus  ihrem  Boden  entspringt  die  Idee  der  künstlichen  Gerbstoffe ­
  wie  auch  die  der  Eisengerbung,  und  ich  habe  dieser  Theorie  schon
aus  diesen  Gründen  einen  breiteren  Raum  gewähren  müssen.  Vor
allen  Dingen  veranlaßte  mich  zu  einer  genauen  Untersuchung  und
Darstellung  der  Umstand,  daß  die  Existenz  dieser  Theorie  heute  unbekannt ­
  ist.  Keine  Geschichte  der  Chemie,  kein  noch  so  umsangreiches
Lehrbuch  der  Gerberei,  keine  Darstellung  der  Entwicklung  chemischer
Theorien,  keine  Notiz  in  Zeitschriften  irgendwelchen  technischen  oder
historischen  Inhalts  weist  auf  sie  hin.  Die  ersten  Technologien  um  die
Wende  des  18.  und  am  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  hatten  so  viel
mit  ihrer  eigenen  Systematik  und  mit  der  Beschreibung  von  Äußerlichkeiten ­
  zu  tun,  daß  für  genaue  historische  Untersuchungen,  für  eingehende
theoretische  Erörterungen  wenig  Raum  blieb;  dazu  kommt  aber  vor
allen  Dingen  als  ausschlaggebend,  daß  die  Gerberei  und  ihre  Theorieen
auch  heute  noch  in  der  Naturwissenschaft  so  sehr  die  Rolle  der  Aschenbrödel ­
  spielen,  daß  diese  in  manchen  Lehrbüchern  überhaupt  keine  Berücksichtigung ­
  finden.  Die  physiologische  Theorie  ist  so  vergessen,  daß
z.  B.  Heinzerling,  welcher  sich  bedeutende  Verdienste  um  die  Chromgerberei ­
  erworben  hat,  und  welcher  gewjß  während  seiner  langen  auf
die  Gerberei  bezüglichen  Untersuchungen  alles  zeitgenössisch  wichtige
Material  durchstudierte,  1882  schreiben  konnte:  „Seguin  war  der  erste,
Melcher  eine  Erklärung  des  Gerbeprozesses,  besonders  der  Lohgerbung,
Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  zu  geben  versuchte"  J ).
So  wie  das  Ende  des  18.  Jahrhunderts  in  vielen  und  wichtigen
Punkten  einen  völligen  Bruch  mit  der  Vergangenheit  bedeutet,  wie  es
für  die  geschichtlichen  Systeme  fast  aller  Entwicklungsreihen  eine  tiefe
Cäsur  brachte,  so  bedeutet  es  auch  für  die  Entwicklung  der  Gerbetheorien
einen  völligen  Abschluß  und  Neuanfang,  so  daß  für  diese  hier  zwar
eine  historische,  aber  keine  wissenschaftlich-logische  Kontinuität  mehr
besteht.

Blutig  rot  zog  das  neue  Jahrhundert  herauf,  und,  in  Zusammenhang ­
  mit  den  zahlreichen  Kriegen  der  jungen  französischen  Republik
knüpft  sich  die  neue  Gerbetheorie,  welche  wir  die  rein  chemische  bezeichnen ­
  können,  an  den  Namen  Seguins,  des  großen  Schülers  seines
großen  Lehrers  Lavoisier.  Die  Bedeutung  Seguins  liegt  hauptsächlich
auf  zwei  Gebieten.  Einmal  nämlich  hat  der  Chemiker  Seguin  in  rein
wissenschaftlich-theoretischer  Arbeit  den  schon  1793  von  Deyeux  (Apotheker ­
  und  Professor  der  Chemie  in  Paris)  *)  isolierten  gerbenden  Bestandteil ­
  der  Eichenrinde  1795  bestimmt,  als  eigentümlichen  Körper
erkannt 3 ).  und  aus  der  Tatsache,  daß  die  durch  geeignete  Behandlung

y  Heinzerling  1882,  S.  4.  2 )  Kopp,  Bd.  IV,  S.  368.
*)  Ebenda  und  Karniarsch  1872,  S.  579.</div>
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