<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die Entwicklung der Weißgerberei</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Georg</forname>
            <surname>Ebert</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>883887894</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>155 
Heinerung des Getreides. In einem Langenzenner Akt *) von 1588 zeigt 
ein Müller an, daß er in seiner Mühle „nit mehr alß zween stemv 
habe", wobei ans diesem Akte nicht mit Deutlichkeit hervorgeht, welcher 
Art das von ihm gestampfte Material ist. 
Interessanter noch als die erwähnten Fälle sind die folgenden. 
Das Rotgerberhandwerk zu Nürnberg hatte um 1800 neben der Lohmühle 
eine Sägemühle eingerichtet^), auch Farbholzmühlen kommen 
vor; aus der Beschaffenheit der Mühle wird es uns verständlich, wie ein 
Weißgerber neben seinem Handwerk sich mit L e i n ö l b e r e i t n n g befassen 
kann 8 ), in Königsberg war 1824 neben der Walke noch eine Lohstampfe 
und eine Tabak stampfe eingerichtet 4 ), die Walke im Thurital bei Frei 
stadt in Oberösterreich befand sich früher im gemeinsamen Besitz der 
Weißgerber und T u ch m a ch e r des Städtchens 5 ), und wenn wir uns hier 
daran erinnern, daß wir den „Hammer im Stuhl" auch als den Grund 
gedanken der in den H a m m e r s ch m i e d e n gebräuchlichen Wasserhämmer 
erkannt haben, so wundern wir uns auch nicht mehr über die Kombi 
nation „mül, sag und schmide" 6 ); die eingangs erwähnte Umwandlung 
der „reismühlen" in eine Tuchwalke oder die Umwandlung der Ölmühle 
zu Markt Heidenfeld in eine Sämischgerberstampfe wird hier ebenfalls 
verständlicher, anfangs des 18. Jahrhunderts wurden die Walkmühlen 
der Berliner Weißgerber den Wollmanufakturen eingeräumt'), kurz, es 
ist immer das gleiche Prinzip, der „Hammer im Stuhl", welcher hier 
zugrunde liegt, und um welchen sich die verschiedensten Handwerker, 
Sämischgerber, Lohgerber, Müller zum Mahlen von Getreide, Farbholz 
und Lohe, Tuch- und Zeugmacher, Ölmüller, Schmiede, Tabakarbeiter 
usw. sammeln, indem sie lediglich an der Vorrichtung eine kleine für 
spezielle Zwecke eingerichtete Abänderung anbringen; so auch läßt sich 
die Stampfe aus einem Handwerk in ein anderes leicht überführen. 
Als letztes interessantes Beispiel dafür, wie diese Stampfe die ver 
schiedensten Handwerker räumlich vereinigt, sei auf die 1800 in Langenzenn 
eingerichtete Walkmühle hingewiesen. Die Walke wurde von den Hand 
werken der sämtlichen Gerber und Tuchmacher auf deren gemeinsame 
Kosten erbaut und der Plan zeigt, wie groß die Ähnlichkeit der Walk 
stampfe für Gerber und Tuchmacher und der Lohstampfe ist (Fig. 5). 
Die Lohstampfe ist nach dem Plan projektiert mit drei Löchern, 
wobei in jedem Loch drei Stempel gehen; die Walkstampfe ist projektiert 
mit nur zwei Löchern, jedes mit nur zwei Stempeln 8 ). Die Konzession 
h Langenzenn. Tom. I, 16 Fase., S. 21. 
2 ) Roth 1800, Bd. III, S. 149. S 1 Sperl 1909, S. 52. 
*) Königsberg 1794—1828, 25 Okt. 1824. °) Sperl 1909, S. 15. 
°) Dunker 1903, S. 103. ’) Krünltz 1795, Bd. LXVIII, S. 619. 
8 ) Plan im Besitz des GerbcreibesitzerS Herrn Chr. Walther Langenzenn.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
