<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die Entwicklung der Weißgerberei</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Georg</forname>
            <surname>Ebert</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>883887894</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>173

6.  Kapitel.
Die  Wanderung  der  Produktionsprinzipien.
8  19.  Die  ursprünglichen  Verbreitungsgebiete  der  Gerbemethoden.

Eine  Untersuchung,  welche  das  Ziel  verfolgt,  das  ursprüngliche
Verbreitungsgebiet  der  Weißgerberei  aufzufinden,  und  welche  daher  aus
einer  umfangreichen  Materialsammlung  ein  geographisches  Bild  zu
gewinnen  sucht,  führt  zu  dem  überraschenden  Ergebnis,  daß  sich  die  Erdoberfiäche
  in  bezug  auf  die  jeweils  bekannten  Gerbemethoden  in  verhältnismäßig ­
  wenige,  große,  ziemlich  scharf  umschriebene  Verbreitungsgebiete ­
  einteilen  läßt.  Ohne  hier  weitergehende  Konsequenzen  aus  dieser
merkwürdigen  Tatsache  über  den  Zusammenhang  zwischen  den  jeweiligen
wirtschaftlichen  Zuständen  und  den  in  den  betreffenden  Gebieten  enthaltenen ­
  Gerbemethoden  zu  ziehen,  ein  Zusammenhang,  auf  dessen  Vorhandensein ­
  wenigstens  hingewiesen  sei,  seien  diese  großen  Verbreitungsgebiete ­
  im  folgenden  mitgeteilt.
In  vielen  Gebieten  der  Erde  ist  ein  eigentlicher  Gerbeprozeß  nicht
bekannt;  mehr  oder  weniger  primitive  Fellarbeit  findet  sich  in
Australien,  in  der  Südsee,  in  Afrika.
Eine  eigenartige  Form  primitiver  Fellarbeit,  nämlich  die  Haarlockerung
  mit  gestandenem  Urin,  können  wir  beobachten  bei  den
hyperbolischen  Völkern;  aus  welchen  Gebieten  wir  uns  auch  Nachrichten
verschaffen,  von  Grönland  über  die  Nordhudsonsbay  und  Nordamerika
bis  Unalaschka  und  bis  zu  den  Tschuktschen  Nordasirns,  überall  wurde
im  wesentlichen  nach  der  gleichen  Methode  gearbeitet;  das  Gleiche  hören
wir  von  den  nordamerikanischen  Indianern  und  den  Altperuanern  x ).
Verschiedene  Berichte  über  das  Leder  amerikanischer  Ureinwohners  erkennen ­
  übereinstimmend  die  hohe  Vollkommenheit  jener  Ledertechnik  an,
und  gleiche  Urteile  finden  sich  über  die  Leder  der  Hyperboreer.  Wir
sehen  also,  es  ergibt  sich  lediglich  auf  Grund  solcher  Betrachtungen  ein
großes  zusammenhängendes  Gebiet,  und  es  ist  gewiß  kein  Zufall,  daß
dieses  gleiche  Gebiet  auch  nach  dem  Ergebnis  anderer  Untersuchungen
in  einem  Punkte  als  ein  zusammengehöriges  sich  erweist,  nämlich  aus
der  Untersuchung  seiner  Bewohner.  Schon  Humboldt  glaubte,  daß  die
Lippert  1886,  Bd.  I,  S.  313.
Deutsche  Gerber-Zeitung  1881,  Nr.  31;  vgl.  aucki  Biart  1885,  S.  212.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
