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        <title>Die Entwicklung der Weißgerberei</title>
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            <forname>Georg</forname>
            <surname>Ebert</surname>
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      <div>202

Peter  Karbow  der  Junge  in  Venedig  hatte  von  Hildebrand  Veckinchusen
in  Brügge  1409  erhalten  „an  roetlosch  up  291  rins  gülden"  Z;  dieser
Rotlosch  war  in  Venedig  ein  geschätzter  Artikel 2 ),  aber  es  ist  merkwürdig,
daß  er  immer  als  lohgar  von  den  Commentatoren  angegeben  wird;  der
Losch  wird  verglichen  bald  mit  dem  roten  Corduan,  bald  soll  er  an
russisches  Leder,  wie  Juchten  erinnern,  und  es  ist,  worauf  ich  schon  früher
hingewiesen  habe,  nichts  natürlicher,  als  in  ihm  ein  Alaunleder  anzunehmen; ­
  darauf  weist  ja  auch  hin,  daß  er  von  den  Lübecker  Roetlosschere,
welche  sich  in  der  nämlichen  Rolle  auch  „witgharwere"  nennen,  fabriziert
worden  ist;  es  ist  eben  die  ehemals  weißgare  Natur  des  Corduans  heute
völlig  unbekannt,  und  darauf  lassen  sich  wohl  die  verschiedenen  Auslegungen ­
  zurückführen,  welche  in  dem  Losch  lohgares  Leder  erkennen  wollen.
Ähnlich  wie  mit  dem  Corduan  und  mit  dem  Roetlosch  ging  es
mit  dem  Worte  basan.  Du  Gange  orientiert  uns  ausdrücklich  „Calceamenta,
  quae  de  vili  corio,  quod  vulgariter  bazan  dicitur,  in
alutam,  id  est  Cordewan,  civiliter  commutavit“.  Im  italienischdeutschen ­
  Handel  treten  z.  B.  1474 3 )  zwei  tinctores  pellium  albarum
auf,  welche  ballas  sex  pellium  balzanarnm  albarum  aus  Freiburg  i.  Ü.
bezogen  hatten;  im  großen  Zoll  von  Como  vom  Jahre  1320 4  *  6  7 )  finden  wir
die  Zusammenstellung  „Soma  particorum,  corduanorum  et  balzanorum“,
—  es  ist  ohne  weiteres  klar,  daß  die  Fellfärber  weiße  Felle  bezogen  hatten,
und  die  Zusammenstellung  im  Zoll  von  Como  enthält  hier  verschiedene
Qualitäten  weißgareu  Leders,  nämlich  die  parthischen  Felle,  welche  wir
schon  im  Edikt  von  Diocletian  als  weiß  kennen  gelernt  haben,  dann  die
Corduane,  deren  weißgare  Natur  wir  nun  ebenfalls  erkannt  haben,
endlich  die  balzani,  welche  ebenfalls  häufig  Weißgare  Leder  waren;
Schweller  °)  nennt  dieselben  aber  bereits  „schimmelfarben  und  vielleicht...
weißgar";  1759")  wird  das  Basan-Leder  als  eine  Abart  des  Corduans,
welcher  damals  also  nur  noch  lohgar  bekannt  war,  erklärt;  und  nach
Hermbstädt,  —  um  noch  ein  Beispiel  anzuführen,  wie  sich  gewerblichhistorische ­
  Irrtümer,  denen  wir  schon  so  oft  begegnet  sind,  einschleichen
oder  fortschleppen,  —  „verdankt  Frankreich,...  welches  früher  als  irgendein ­
  anderes  Land  Corduan  zu  fabrizieren  verstand",  die  erste  Anleitung
zur  Fabrikation  des  Corduans  einem  Manne  namens  Granger  ').  Wir
werden  später  noch  sehen,'.welche  Bewandtnis  es  mit  diesem  Granger  hat  ch.
Der  als  lohgares  Leder  nach  dem  Norden  Europas  gewanderte
Corduan  wurde  nun  sofort  acclimatisiert.  Die  Schuhmacher  zerfallen
in  Köln  schon  im  12.  Jahrhundert  in  die  beiden  Gewerbe  der  rintsuter
i)  Stieda  1894,  S.  161,  167,  174,  ’)  Stieda  1894,  S.  113.
s )  Schulte  1900,  Bd.  II,  S.  101—102.  *)  Schulte  1900,  Bd.  II,  S.  109.
6 )  Schulte  1900,  Bd.  I,  S.  718.  «)  Becher  1759,  Bd.  II,  S.  1376.
7 )  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  92.  8 )  Vgl.  S.  206.</div>
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